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Werner Faymann und Hans Niessl an der FH Burgenland: Angewandter Online-Journalismus

Werner Faymann, Ritchie Pettauer, Hans Niessl

Astrid Dietrich und ich halten an der Fachhochschule Burgenland im Studiengang Information, Medien und Kommunikation gemeinsam die Vorlesung Online-Journalismus. Meine vermutlich wesentlich bessere, ganz sicher aber journalistischere Hälfte bringt unseren Student_innen die Grundlagen der Pressearbeit und des österreichischen Mediensystems nahe, ich referiere über Blogs, Social Media und das Web im allgemeinen.

Für unseren letzten Vorlesungstermin in diesem Semester hatte sich hoher politischer Besuch angekündigt: Bundeskanzler Werner Faymann und der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl stellen sich eine Dreiviertel Stunde lang Fragen aus dem studentischen Auditorium. Eine solche Gelegenheit für praktische multimediale Berichterstattung bietet sich nicht in jeder Einheit, und so nutzten wir die Gelegenheit, um die Veranstaltung via Storify live zu dokumentieren und mit 2 Kameras aufzuzeichnen.

Danke an unsere großartige Gruppe für den tollen Einsatz! Wir hatten gerade mal 10 Minuten Zeit, um unser Setup im Audimax der FH aufzubauen – aber Improvisation gehört nun mal sowieso zum (Online-) journalistischen Geschäft dazu.

Georg Pehm, Hans Niessl, Werner Faymann

Am Abend gab’s dann sogar einen ausführlichen Bericht in den österreichischen Hauptabendnachrichten ZIB – Zeit im Bild. Ich hab während der Veranstaltung abwechselnd mit SLR und Instagram fotografiert – der ORF hat alles festgehalten.

Als Bundeskanzler muss´ma sogn, ma braucht gute Nerven. .. Es ist selten jemand am Apparat, der einem grad sagt, was grad gut läuft!    ~Werner Faymann~

Georg Pehm: Wir wollen über einige aktuelle Themen dieser Republik sprechen. Bankenhilfe, Managerverantwortung, über Verteilungsgerichtigkeit, die Zukunft des Euro und Europa insgesamt. Wie geht es gerade der Republik Österreich Herr Bundeskanzler?

Werner Faymann: Ich möchte nur zwei Dinge zur Republik sagen: Erstens, wo derzeit auf internationaler Ebene analysiert wird, wie gerecht ist denn unsere Welt, wird man unschwer darauf kommen, wie gercht ist denn unsere Welt, sondern vielmehr ungerecht. Internationale Märkte setzen sich sehr rasch in jenen Bereichen fest, wo sie am meisten verdienen. Österreich ist auch keine Insel der Seeligen.

Wir haben in Österreich die geringste Arbeitslosigkeit und geringste Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union. Wir haben, was die Hypo-Alpe-Adria betrifft, eine Haftungsbeschränkung gemacht.  90 Prozent des Wachstums ist ja außerhalb Europa prognostiziert. Wir haben noch eine Reihe von ungerechten Zuständen, gegen die wir ankämpfen müssen: der Steuerbetrug, die Spekulation mit Lebensmitteln und anderem. Dazu gehört, dass Reich und Arm extrem auseinander gehen.

Hans Niessl: Wer das Burgenland kennt, weiß, dass wir Jahrzehnte lang ein Land an der Grenze des Eisernen Vorhangs waren und dass wir in den letzten 10 bis 15 Jahren einen starken Aufholprozess starten konnten.  Das Bildungssystem konnte enorm verbessert werden und wir haben großartig ausgebildete Menschen.

Wir waren Schlußlicht im Bildungssystem, wir haben heute die höchste Maturantengruppe, wir haben heute mit den Fachhochschulen hier, die Leuchttürme unseres Bildungssystems.

Werner Faymann: Zuerst am dringendsten, als Bundeskanzler muss´ma sogn, ma braucht gute Nerven. .. Es ist selten jemand am Apparat, der einem grad sagt, was grad gut läuft! Die besten Mitarbeiter sind die, die sagen, das schaffen wir, das überwinden wir, da sehe ich einen Weg.

Wenn wir die Entscheidung treffen, eine Bank wird insolvent: jetzt müssen sie sich das so vorstellen, eine Bank sperrt in Österreich zu, man steht vor der Tür, man kriegt einmal nix. Und dann kommt die so genannte Einlagensicherung und dann kommt die so genannte Einlagensicherung. Da haben einmal Unternehmer nichts davon, weil die stehen vor der Tür und die ist auf die Person bezogen und daher sind die Firmenkonten nicht inbegriffen.

LH Niessl auf die Frage nach der großen Jugendarbeitslosigkeit in Europa & wo dies endet: Nicht gut, würde ich einmal sagen. Wir müssen hier große Anstrengungen unternehmen, dass wir die Besten in Europa sind, die geringste Jungendarbeitslosigkeit in Europa zu haben.

Jeder Jugendliche soll die gleichen Chancen haben und deshalb haben wir im Burgenland auch keine Studiengebühren. Wir haben als eines der wenigen Bundesländer hier keine Studiengebühren und wollen diese Bildungsbarrieren auch nicht haben. Wir haben unsere Finanzauslagen bis 2015 dahingehend berechnet, dass wir auf der Einnahmenseite keine Studiengebühren budgetiert haben.

Werner Faymann: Im Unterschied zur Universität ist es ja bei den FH´s vom Land her regelbar. Mir wäre lieber, wenn alle Bundesländer sich dem burgenländischen Beispiel anschließen würden. Wir sind ein Land mit einem guten Steuersystem, da muss man nicht ununterbrochen bei jeder anderen Gelegenheit nochwas einheben, noch dazu von Studenten. Ich finde das burgenländische Modell vorteilhaft.

Die Finanztranskationssteuer

Werner Faymann: Die Finanztransaktion sollte in Österreich ungefähr 500. Millionen Euro im Jahr bringen. Ich gehe davon aus, dass sie auch kommt. Die entscheidende Frage ist jetzt, ob wir stark genug sind, dass sie mit 1. Jänner kommt, Ich habe beim Herfahren, sowohl mit dem Chef der SPD, als auch mit dem Vertreter der belgischen Regierung gesprochen, dass wir eine Initiative einleiten, dass sie möglichst am 1. Jänner kommt.

In Österreich – auf das bin ich stolz – hat die Finanztransaktion einen 5-Parteien-Antrag im Parlament.

Werner Faymann: Internet: wir haben eine Breitbandoffensive, das heißt dass der Wirtschaftsstandort auch ganz stark davon abhängig ist: Welche Möglichkeit findet die Wirtschaft Kommunikation und an Technologie vor. Es ist derzeit verteilt auf 3 Ministerien: Forschung, Entwicklung und neue Technologie.

Es wäre mein Wunsch, dies in der nächsten Regierungsperiode zusammen zu führen auf eine Stelle,  um stärker und schlagkräftiger zu werden und diese vorhandene Breitbandoffensive etwas schneller werden zu lassen.

Videomitschnitt der gesamten Diskussion

Protokoll der Live-Berichterstattung via Storify

3 comments
dulimilo
dulimilo

Well I thought it was quite interesting . Danke fuer den vid mitschnitt

JF
JF

Ich muss gestehen, dass ich bei dem Begriff "Online-Journalismus" immer ein wenig zurückzucke. Um es mal an einem profanen Beispiel festzumachen: Wenn ich Kfz-Mechaniker bin, nenne ich es ja auch nicht Opel-Mechanikern, auch wenn ich hauptsächlich an einem Fahrzeug dieses Herstellers arbeite.

Ich kann von gutem oder schlechtem Journalismus reden, denn es in den unterschiedlichsten Mediengattungen gibt. Sicherlich sind beim Journalismus im Web noch einigen andere Dinge zu beachten, als beim Medium Print aber an den Grundsätzen des Journalismus ändert das sicherlich nichts. Das aber nur so nebenbei. ;-)

Die Aussage von Herr Feymann, dass es in Österreich die geringste Jugendarbeitslosigkeit innerhalb der EU gibt, ist übrigens so nicht ganz korrekt. Mit 7,6% liegt Österreich gemäß der Eurostat-Berechnungen gleichauf mit Deutschland.

JF
JF

Ich muss gestehen, dass ich bei dem Begriff "Online-Journalismus" immer ein wenig zurückzucke. Um es mal an einem profanen Beispiel festzumachen: Wenn ich Kfz-Mechaniker bin, nenne ich es ja auch nicht Opel-Mechanikern, auch wenn ich hauptsächlich an einem Fahrzeug dieses Herstellers arbeite. Ich kann von gutem oder schlechtem Journalismus reden, denn es in den unterschiedlichsten Mediengattungen gibt. Sicherlich sind beim Journalismus im Web noch einigen andere Dinge zu beachten, als beim Medium Print aber an den Grundsätzen des Journalismus ändert das sicherlich nichts. Das aber nur so nebenbei. ;-) Die Aussage von Herr Feymann, dass es in Österreich die geringste Jugendarbeitslosigkeit innerhalb der EU gibt, ist übrigens so nicht ganz korrekt. Mit 7,6% liegt Österreich gemäß der Eurostat-Berechnungen gleichauf mit Deutschland.