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Test: Backlink Entgiftung mit den Link Detox Tools

Linkstruktur

Steter Wandel ist fester Bestandteil der Suchmaschinenoptimierung. Zwar bleibt das Ziel immer das gleiche: Die zu optimierende Webseite soll möglichst weit vorne in den Suchergebnissen auftauchen. Doch die Methoden ändern sich ständig, und damit auch die Werkzeuge. Einem spezifischen und immer wichtigeren Thema nehmen sich Link Detox Tools an: der Algorithmus analysiert die Backlinkstruktur einer Webseite, bewertet jeden einzelnen Backlink und hilft so, potentiell schädliche Links zu identifizieren und wieder loszuwerden.

Die Detox-Tools decken damit eine zunehmend wichtigere Nische ab und sind absolut konkurrenzlos, wenngleich kein Werkzeug für Anfänger. Der Analyse-Algorithmus liefert als Ergebnis eine lange Liste von Backlinks samt Bewertung, die erst noch interpretiert und weiterverarbeitet werden will. Im Gegensatz zu „Click-und-fertig“ Tools ist ein wenig Einarbeitungszeit und Dateneingabe nötig, aber dazu später mehr – zuerst mal zu der Frage, warum seit den Pinguin-Updates bestimmte Links pures Gift für die Suchergebnisse sein können.

Google macht die Spielregeln

Auf dem Papier mögen Bing & Co zwar existieren, aber grosso modo hätte man SEO schon längst in GO umbenennen können: Search Engine Optimiziation ist vorwiegend Google-Optimierung. Der Quasi-Monopolist gibt die Spielregeln vor, und wer sich entweder besonders erfolgreich daran hält oder die Vorgaben besonders elegant umschifft, gewinnt beim großen Suchindex-Glücksrad den Hauptpreis.

Letzteres wird konsequent schwieriger, da der Suchmaschinenriese aus Palo Alto zunehmend besser erkennen kann, wer brav folgt und wer böse manipuliert. Hält sich jemand nicht an die Spielregeln, bekommt er die gelbe Karte in Form einer „Google Penalty“, die sich aufs Ranking auswirkt, oder gar die rote – eine Komplette Auslistung aus dem Index. Google bezieht immer mehr Faktoren in die Bewertung von Seiten ein, die Backlinkstruktur einer Webseite ist immer noch einer der wichtigsten.

Wer verlinkt auf meine Webseite?

Früher galt fast uneingeschränkt: mehr ist mehr. Je höher die Zahl der Backlinks, desto besser die eigene Seite. Das führte zwischen 2000 und 2005 zu einer wahren Blütezeit von Webdirectories, Social News Plattformen und anderen Linkfarmen. Irgendwann begann Google dann konsequenterweise damit, Spam-Links nicht bloß zu ignorieren, sondern negativ zu bewerten – Links, die vor einigen Jahren noch egal bis förderlich waren, können die verlinkte Seite mittlerweile ordentlich schädigen. Genau hier setzt der Link Detox Algorithmus an. Wer bereits von Google abgestraft wurde, hat ohnehin konkreten Handlungsbedarf, in allen anderen Fällen kann ein präventives Screening und die anschließende Entfernung der „bösen“ Links durchaus das Gesamtranking verbessern.

Da diese Art der Bewertung zugleich eine effiziente Möglichkeit darstellt, konkurrierende Seiten mit minderwertigen Backlinks einzudecken und so deren Ranking zu schädigen, muss Google Webmastern die Möglichkeit geben, solche unerwünschten Links „abzuwerten“. Das geschieht mit dem sogenannten Disavow-Tool, das Bestandteil der Google Webmastertools ist. Backlinks, die hier eingetragen werden, berücksichtigt Google zukünftig nicht mehr. Google empfiehlt, diese Disavow-Funktion nur im Notfall zu verwenden, also dann, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, den betreffenden Link zu entfernen respektive entfernen zu lassen. Das ist übrigens auch der Grund, warum immer wieder mal Agenturen ein paar Jahre später um Löschung ihrer alten Spam-Links bitten.

Detox Tools im Überblick

Der Nutzer hat die Wahl zwischen einer einfachen Analyse der eigenen Seite und einer Konkurrenz-Analyse, bei der die „Giftigkeit“ der Mitbewerber-Backlinks mit dem eigenen Penalty-Risiko verglichen wird. Der folgende Text bezieht sich auf den „Classic Mode“.

Beim Erstellen eines neuen Berichts gibt man im ersten Schritt die URL der zu analysierenden Page ein und wählt aus, ob nofollow-Links ebenfalls evaluiert werden sollen. Laut Google werden diese generell ignoriert, unter SEO-Experten gehen die Meinungen über dieses Thema jedoch weit auseinander. Danach legt man das Thema der Seite fest, gibt an, ob bereits eine Abstrafung durch Google erfolgte und wählt anschließend einen von drei Modi aus:

  • Der Classic mode überprüft die bestehende Linkstruktur.
  • Im What-if mode lädt man zusätzlich zu den existierenden eine Liste potentieller zukünftiger Backlinks hoch, um diese im Vorhinein auf Risikofaktoren zu überprüfen.
  • Der Review Mode ignoriert die bestehende Linkstruktur und wertet nur potentielle Linklisten aus.


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Abschließend füttert man das Script optional mit bestehenden Backlinklisten (Detox erkennt sehr viele Backlinks, aber möglicherweise nicht alle) sowie mit der aktuellen Disavow-Liste, falls bereits eine solche existiert. Wahlweise kann man den Report regelmäßig wiederholen und sich auf Wunsch die Ergebnisse via E-Mail zusenden lassen. Nach dem Click auf „Detox my site“ nimmt der Algorithmus seine Arbeit auf, ein paar Minuten später steht der fertige Bericht dann zur Durchsicht bereit.

Damit beginnt erst die eigentliche Arbeit. Denn um möglichst valide Ergebnisse zu erhalten, muss man erstmal alle gefunden Anchor-Text klassifizieren und jeweils angeben, um welche Art von Keyword (Brand, Compound, Money, Other) es sich handelt. Bei Seiten mit etlichen hundert Backlinks kann dieser Prozess schon ein Weilchen dauern.

Link Detox Classification

Alle gesammelten Version fließen in die resultierende Linkbewertung ein. Die Ergebnisse präsentiert Link Detox in Form einer flexibel konfigurierbaren Tabelle. Aufmerksamkeit verlangen dabei in erster Linie all jene Backlinks, die das Script als „highly toxic“ einstuft. Umsichtige Webmaster reviewen jede verlinkende Seite einzeln, bevor sie sich dafür entscheiden, den Status auf „disavow Page“ oder gar „disavow Domain“ zu setzen. Nach Abschluss dieser Review-Runde exportiert man die Gesamtliste direkt in Googles Disavow-Tool.

Link Detox Auswertung

Christoph Cemper weist deutlich darauf hin, dass es sich um einen komplexen Algorithmus handelt, der bei einzelnen Linkbewertungen auch mal daneben liegen kann. Wer wertvolle Backlinks irrtümlicherweise disavowed, kann das Ranking seiner Seite recht ordentlich schädigen – Vorsicht, Hausverstand und SEO-Erfahrung sind gute Begleiter bei der Erstellung der finalen Disavow-Liste. Einmal erstellte Berichte bleiben gespeichert, so lange das Abo aufrecht ist. Das Neuberechnen bzw. Reprocessings eines bestehenden Reports ist kostenlos. Detaillierte Informationen zu allen Features und Funktionen stehen im Step-by-Step Guide.

Praktische Erfahrungen: Link Detox und datenschmutz

Für meinen Test habe ich die Backlinkstruktur dieses Blogs analysiert – bei 1.237 verlinken Root-Domains und rund zehnmal so vielen Backlinks ein ordentliches Stück Arbeit, da ich mir jeden einzelnen als verdächtig eingestuften Link händisch genau angeschaut habe. Das Ergebnis hat mich überaus positiv überrascht: Unter den bekrittelten Backlinks fand sich kein einziger „False positive“, sämtliche problematischen Verlinkungen stammten von Linkfarmen, ausgelisteten oder anderweit suspekten Domains.

Meine Disavow-Liste umfasste letztendlich knapp 150 Links, im Lauf der Jahre sammeln sich offensichtlich doch eine ganze Reihe ungebetener Linkpartner an. Mithilfe der Detox Tools kostete mich die Säuberungsaktion insgesamt rund 8 Stunden, „zu Fuß“ wäre aus dem Projekt eine unendliche Geschichte geworden. Besonders gelungen fand ich die ausführlichen Erklärungen zu Funktionsweise und Hintergrund der einzelnen Features sowie die gut nachvollziehbare Erläuterung der ermittelten Risikofaktoren pro Backlink.

Der Preis des günstigsten Pakets, in dem 5 Credits enhalten sind, jeder Report kostet 1 Credit – liegt bei €129 pro Monat, das für SEO-Agenturen geeignete Enterprise-Paket gibt’s für €1.999.

Fazit: Link Detox spart Suchmaschinenoptimierern viel Zeit und liefert Daten, die man in der Form sonst nirgendwo serviert bekommt. Wer diesen mächtigen Werkzeugkasten für sich nutzen möchte, der sollte allerdings einiges an Vorwissen mitbringen, um die erhobenen Befunde kompetent interpretieren zu können. Gute Englischkenntnisse sind ebenfalls Voraussetzung, denn die umfangreichen Hilfetexte gibt’s nicht in deutscher Übersetzung. Die Zielgruppe dieses Experten-Tools sind also ganz klar SEO-Profis und ambitionierte Webmaster – natürlich lohnt sich die Investition nur bei Seiten, die bereits über ein erkleckliches Backlink-Portfolio verfügen.

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