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Twitter Timeline 2.0 – Zwangsbeglückung mit Zusatztweets, aber keine Filter

Twitter wird algorithmischer

Twitters Timeline-Experimente mit zusätzlichen Inhalten müssen wohl zufriedenstellend verlaufen sein, denn ab sofort bekommen alle Nutzer regelmäßig Kurznachrichten von Accounts zu sehen, die sie gar nicht abonniert haben. Und zwar zusätzlich zu den hinlänglich bekannten, aber in D-A-CH nach wie vor nicht sehr verbreiteten Werbe-Tweets. Die Auswahl erfolgt anhand mehrere Kriterien, die durchwegs von Facebook „inspiriert“ sind, denn Twitter nutzt unter anderem Favorites als Selektionskriterium.

In die neue Timeline-Kategorie fallen zum einen „empfohlene Tweets“ sowie „empfohlene Accounts“ von Twitter und zum anderen eben Nachrichten, die von überdurchschnittlich vielen Nutzern, denen man selbst folgt, favorisiert wurden. Ein Beispiel gefällig? Nehmen wir mal an, Hans folgt Thomas und Hugo. Wenn Thomas und Hugo ein Tweet von Daniel favorisieren (also auf den „Favorite-Stern“ klicken), dann könnte dieses zukünftig auch auf der Startseite von Hans auftauchen, obwohl der Daniel ja gar nicht folgt.

Welche Inhalte spielt Twitter zusätzlich in die Timeline?

Man könnte also von einer Art „inverser Facebook Logik“ sprechen. Mark Zuckerbergs Netzwerk filtert nämlich jede Menge Inhalte automatisch raus und zeigt dem Nutzer jene Status-Updates an, die zu seinem bisherigen Aktivitätsprofil passen. Liken mehrere Freunde ein Update, das normalerweise nicht im eigenen Stream auftauchen würde, so erscheint dieses trotzdem – frei nach der durchaus bewährten Idee: was meine Freunde interessiert, interessiert mich auch.

Twitter zeigt Zusatztweets in der Timeline an.

Twitter „reichert“ die eigene Timeline mit Zusatzinhalten an. Spielt es bald keine Rolle mehr, wem man folgt?

Twitter dagegen lässt keinerlei Inhalte unter den Tisch fallen, sondern reichert die Timeline mit zusätzlichen Inhalten an, integriert also quasi eine Art nicht abschaltbare „Discovery“-Funktion in den Newsfeed. Dass der Kurznachrichtendienst früher oder später verstärkt auf sogenannte „Social Signals“ setzen würde, war seit langem absehbar. Bereits Anfang September titelte Techcrunch Twitter’s Timeline Could Get (More) Algorithmic. Die offizielle Twitter-Hilfe beschreibt die neuen Inhalte in der Timeline wie folgt:

Additionally, when we identify a Tweet, an account to follow, or other content that’s popular or relevant, we may add it to your timeline. This means you will sometimes see Tweets from accounts you don’t follow. We select each Tweet using a variety of signals, including how popular it is and how people in your network are interacting with it. Our goal is to make your home timeline even more relevant and interesting.

Twitter will keine Kennzeichnung neuer Tweets in der Timeline

Soweit mir bekannt, werden die zusätzlichen Tweets in der Timeline nicht speziell gekennzeichnet. Zahlreiche Nutzer beschwerten sich schon im Vorfeld über diese „Zwangsbeglückung“ und orten in der neuen Timeline einen gravierenden Kontrollverlust, dabei ist noch gar nicht bekannt, wieviel Prozent die neuen Inhalte ausmachen werden in Relation zu den Tweets der eigenen Followers. Twitter setzt damit aber bloß jenen Kurs fort, der mit API-Restriktionen und dem Aussperren alternativer Clients begonnen schon vor Jahren begonnen hat. Das Interesse der Betreiber liegt klar darin, werberelevante Kennzahlen wie Verweildauer und Klickraten zu steigern und damit den Kurs der Twitter-Aktie an der Börse zu steigern, denn irgendwann wird’s für jedes Vögelchen mal Zeit, die Gewinnzone zu erreichen. Wo der Nutzen für die Anwender liegt, muss sich erst noch zeigen.

Fazit: Ich persönlich hab nichts gegen zusätzliche Tweets, ganz im Gegenteil: solche Discovery-Funktionen stellen für mich einen der stärksten Mehrwerte von Social Media Plattformen dar. Eine deutliche Kennzeichnung der Zusatztweets würde ich mir allerdings sehr wohl wünschen. Und wie Jan bin ich der Meinung, dass Twitter zukünftig noch stärker an der Timeline respektive deren Zusammensetzung herumschrauben wird.

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