Von Facebook-Ethik und ungeschriebenen Regeln

Das Internet und das Private

Nun, ich habe mir lange überlegt, ob ich jetzt alle in „Listen“ einteile oder ob mir das zu mühsam ist. Ganz ehrlich, wenn ich echt mal was unethisches oder so posten würde, dann sicher nicht auf Fukc—book, da gäbe es genug Alternativen.

Obwohl, einmal gingen meine Bikini-Fotos sogar durch alle Vorlesungen. Das war so in der ersten Verliebtheitsphase und im ersten Urlaub, wo ich mir nicht viel dabei gedacht habe, diese auch zu posten. Ist halt blöd, wenn man Uni-Lektorin ist und sich das dann recht schnell in Foren verselbstständigt. Obwohl, die pics waren echt gut, immerhin ist das Objekt der Liebe ja auch ein begnadeter Fotograf. Und ich darf ganz selbstverliebt sagen: Those pics were sexy 😉

Liebe hin – Liebe her: How much is enough?

Was Privatsphäre betrifft: Wo ist denn wirklich die Grenze? Wieviel darf ich zeigen oder nicht. Wenn ich jetzt ein „Buzzi“ aus mir rausquetschen würde, würde ich das erste Foto dann auch posten? Wenn ich jetzt ein neues Motorrad kaufen würde, würde ich es dann posten? Ich glaube, die Ambivalenz zwischen beidem kann besser nicht dargestellt werden. Gut ist, wenn alle Beteiligten (sprich Lebewesen) dies auch wollen – die Öffentlichkeit. Schlecht ist, einfach über andere Lebewesen hinweg zu bestimmen, ob sie es denn wollen – die Öffentlichkeit.

Social Media: Was ist heute noch Privatsphäre?

Der neue Fuhrpark: Eben noch beim Händler, schon auf Facebook.

Ich spreche bewusst von Lebewesen, da wir ja wissen, dass neben Essenskreationen auch Tiere ein wesentliches Element auf Social Media Plattformen spielen. Katzi, Hundi, Mausi, Käfer: Lieb, lieb, lieb. Viele LIKES sind dir gesichert. Wie der alte Dichand schon gesagt hatte: „Kinder, Tiere & Mädchen“. Aber jetzt zur Ethik zurück: Haben wir eigentlich das Recht dazu? Die können es sich ja gar nicht selbst aussuchen. Außer die „angebliche“ Frau von nebenan, die vom Dichand halt, angeblich halt.

Wollen Tiere Privatshäre auf Social Media Plattformen?

Extra für die Tiere hat Facebook sogar die Page-Kategorie „Pets“ eingerichtet.

Tiere auf Facebook - wo bleibt die Privatsphäre?

Doch die finden’s oft zum Gähnen oder haben so gar keine Vorstellung von der Wichtigkeit der Privatsphäre.

S-M-Job

Da gibt es ja inzwischen wirklich Probleme, arbeitstechnisch gesehen. Ein Auftraggeber von meinem Mann erzählte mir heute, dass die ganz nette Assistentin meinte, sie hätte Familienprobleme und muss sich um ihre Familie kümmern und dementsprechend frei nehmen. Blöd nur, dass sie genau zu dem Zeitpunkt an einem Model-Contest teilgenommen hat, der auf allen Online-Foren mit pics zu sehen war.

Arbeitstechnisch hört sich der Spaß wirklich auf. Gut, ich denke mir immer, wer ist so blöd und postet Partyfotos aus dem „Krankenstand“. Aber gut, das wären die einen Patienten. Da gäbe es aber noch andere Probleme, wenn man sich rund um die Arbeit äußert:

Seit einigen Jahren häufen sich gerichtsanhängige Fälle rund um Kündigungen und (fristlose) Entlassungen aufgrund von Aktivitäten in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter. Die Rechtsprechung ist noch recht uneinheitlich in Bezug auf Kommentare oder Statusmeldungen, die als Beleidigungen, Firmenrufschädigungen, Betriebsgeheimnisverrat oder „Vertrauensunwürdigkeit“ verstanden werden könnten. So kann etwa das Hinzufügen des Emoticons „zwinkerndes Smiley“ unter Umständen den Arbeitsplatz retten. Gesichert ist das aber nicht!

Privat: Du nervst!

Privat könnte man meinen: Friss oder stirb! Lies es oder nicht! Aber dem ist nicht so. Inzwischen bilden sich viele Mobilisierungsaktivitäten auf Facebook und Co aus, deren Individuen (Profile) eigentlich nur davon leben, aufzuzeigen, wie furchtbar es ist, dass der oder diejenige sowas auch nur posten können.

Dann gibt es noch die Tierhasser und Verweigerer von Essens-pics usw.

Aber schlussendlich gilt: In einer Welt, wo du alles haben kannst musst du selbst zum Gatekeeper werden. What else?

Über Dr. Astrid Pettauer

Univ.-Lektorin, PR-Trainerin, Mediencoach und Researcher, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft / Soziologie. Trägerin des österreichischen Wissenschaftspreises für Public Relations und des Wissenschaftspreises für Demokratie der Republik Österreich 2007 für die Dissertation.

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1 comments
Andrea ND
Andrea ND

Im Grunde genommen sollte es erstaunlich sein, wie wenige Clicks Nacktfotos am Ende wirklich kriegen. Ist es aber nicht. Cuteness rulez.