Astrids Kolumne: Trauer am Handygrab

Astrids Kolumne: Trauer am Handygrab

Gestern hat es Klick gemacht. Den aufgeschobenen Brief an die Sozialversicherung der Gewerblichen endlich missmutig eingeklopft, Strg und P gedrückt und rein ins Gatten-Büro, um den Ausdruck in Empfang zu nehmen. Von wegen. Der nagelneue Drucker meldete etwas von einer abgelaufenen Firmensoftware. Ansonsten waren Tasten und Touch-Display zu keinerlei Mitarbeit mehr zu bewegen. Der Drucker war… abgestürzt! Das schallende Gelächter von Ritchie klang gleichzeitig nach Verzweiflungsschrei. Warum? Das Ganze hat eine jahre-, nein jahrzehntelange Vorgeschichte bei mir. Wie ein Vorhang fiel es mir plötzlich von den Augen. Es stimmt, es stimmt was nicht mit mir. Und zwar gewaltig.

Dieses Aha-Erlebnis hat mich schockiert. Welches technische Gerät hat jemals bei mir gehalten? Bei elektronischer Anwender-Hardware: Keines. Kein Scherz. Im Haushalt: einige, aber jeweils mit allen Kinderkrankheiten und Behandlungen ergo Reparaturen, die man sich nur vorstellen kann. Ich bin somit das Gegenteil einer typischen Wollmilchsau für jede Haushaltsversicherung.

Um den tiefen Klick-Schock der Astrid P. zu verdeutlichen, fangen wir mit den elektronischen Gebrauchsgegenständen an: Da wäre das Handy-Dilemma. Ich habe in den letzten zwei Jahren ernsthaft 13 – kein Scherz – dreizehn Handys verschlissen. In einem Zeitraum von zwei Wochen von bis zu maximal vier Monaten wird jedes neue Handy aus mysteriösen Gründen kaputt bei mir. Ich habe sie jetzt erstmalig gezählt. Alle liegen in einer Schachtel, ich konnte keines wegwerfen, die Schachtel ist mein persönlicher Handyfriedhof. Ein Therapeut hätte sicher eine Freude mit mir, aber den Luxus kann ich mir nicht leisten, in Anbetracht der Knebelverträge der Telekom-Anbieter.

Astrids kaputte Handies

Gespenstischer als der Friedhof der toten Kuscheltiere.

Dann wären da noch die unzähligen PCs und Laptops, ich kann mich an die Zahl nicht erinnern, die ich in den letzten 20 Jahren noch vor Ablauf der Garantie ruiniert habe. Leider fast immer mit Selbstverschulden. Ich war eine der ersten, die diesen türkisen schicken Mac gekauft hatte, der aussah wie ein Handtäschchen. Es ist nicht so, dass ich nicht verliebt bin in schicke Hardware, aber trotzdem fiel mein Täschchen in den Schneehaufen.

One-Night Stand mit Hardware.

One-Night Stand mit Hardware.

Der süße kleine pinke Laptop, der in jedes Handtäschchen passte, verlor im Laufe der vielen Ausgänge in diversen Taschen, auf mir unerklärliche Weise, zwei Buchstaben-Tasten, die auch unter keinem Taschenloch zu finden waren. Und so weiter und sofort.

Bitte ich möchte mich jetzt nicht als Vollidiot hinstellen, auch wenn das so wirkt. Ich bin eigentlich sehr Technik-affin. Bilde mich jederzeit mit neuer Software weiter, kann eine halbwegs nette Seite auf WordPress basteln und bin Programmen wie Photoshop, InDesign etc. auch frau’s genug. Habe schon vor vielen Jahren als einzige Frau im Kurs programmieren gelernt. Ich liebe neue Medien. Bin also der Technik gegenüber durchaus aufgeschlossen, aber die Hardware meint es schlecht mit mir.

Wenn ich den Fernseher einschalte, fällt die Chello-Digitalfernseh-Box aus. Immer nur bei mir. Beim Putzen habe ich irgendwas gedrückt und die komplette Festplatte von meinem Mann und damit sein Leben gelöscht. Ca. 200.000 Lieder des Musikfreaks und Ex-DJs waren nicht wiederherstellbar. Las Vegas ist damit fast gestorben, man stelle sich die Beziehungskrise nur ansatzweise vor. Viele andere Kleinigkeiten – im Vergleich dazu (verbogene oder abgeknickte Stecker von Akkus, Mäuse, die nicht mehr reagieren und und und) können das ganze nicht toppen und bleiben daher unerwähnt.

Damn. Vielleicht hatte der Professor damals recht, als ich ihn wieder mal bat, seinen Freund bei Apple zu fragen, ob er da was machen kann. Er hat mir erklärt, dass ich eine schlechte Energie auf alle Geräte ausübe. Ich brauche mich Ihnen nur nähern und sie geraten aus dem Magnetfeld-Fluss. Er empfahl mir Rosenquarz neben alles zu platzieren. Das half leider auch nicht.

Bitte liebe potentielle Arbeit- und Auftraggeber, keine Angst. Das passiert mir immer nur mit meinen persönlichen Gegenständen, noch nie im Job. Umso mehr ich sie liebe und mich zu Beginn über sie freue, umso schneller werden sie kaputt. Ah, Erleuchtung: Vielleicht ist es eine Hassliebe, vielleicht habe ich eine Bindungsphobie gegenüber persönlichen Geräten. Vielleicht liebe ich sie so sehr, dass ich aus Angst, sie würden im Elektronik-Friedhof bei mir landen, sie besser gleich selber mit meiner Energie zerstöre, bevor SIE mich verlassen können. Wie in Beziehungen bei vielen der Fall (für Betroffene und Partner von Betroffenen sei dazu übrigens das Buch „Jein!“ von S. Stahl zu empfehlen.)

Ich habe nun recherchiert, ob es darüber auch was gibt. Auf esoterikforum.at etwa gibt es unzählige Beträge dazu:

Im Esoterikforum hat man für jedes Hardware-Problem eine Erklärung.

Nachdem mir das etwas zu eso war, was ich aus meinen Recherchen herausfinden konnte, bin ich abermals in mich gegangen. Was passierte in all den Jahren, in denen was kaputt ging. Ich bin ja schließlich nicht mit besonderem Reichtum bestattet, alles sofort neu kaufen ging jeweils nicht.

Die Dame und ihre Hardware

Trotz aller guten Vorsätze: Der Klick-Schock folgt garantiert.

Dann die Erkenntnis: Mein jeweiliger Partner sprang ein. Entweder er hatte ein entsperrtes Handy oder einen alten Laptop oder einen Ersatz-Akku. Egal was, immer hat mir ein Mann sofort aus der Patsche geholfen. Und mir wurde auch klar, dass jeder meiner Partner ein absoluter Technik-Geek war, bis auf einen, wegen dem ich das oben erwähnte Buch las und deshalb lieber eine Freundschaft pflegte, in der man gemeinsam über „die deppaten Computer“ schimpfen konnte. Nicht alle Männer sind also Hardware-Geeks – wie dieses Video beweist.

Ich werde weiterhin darüber nachdenken, was das bedeutet und über mich selbst aussagt. Aber zwei Möglichkeiten fallen mir schon jetzt dazu ein: Entweder ich bin gerne das kleine Mädchen, dass sich vom Mann helfen lassen will, zumindest in einem Bereich. Oder aber, die Männer sind schuld, dass ich einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Hardware habe und deshalb solche Dinge alias „selbsterfüllende Prophezeiung“ passieren.

Über Dr. Astrid Pettauer

Univ.-Lektorin, PR-Trainerin, Mediencoach und Researcher, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft / Soziologie. Trägerin des österreichischen Wissenschaftspreises für Public Relations und des Wissenschaftspreises für Demokratie der Republik Österreich 2007 für die Dissertation.

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