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Facebook im Fasching – Fasching auf Facebook, lei, lei, lei

Fasching und Valentinstag auf Facebook

Da waren jetzt wieder die beiden: Valentinstag und Fasching. Unüberlesbar und unübersehbar vor allem auf Facebook. Obwohl sie auf den ersten Blick nicht viel gemein haben, sind sie irgendwie doch Zwillinge, vielleicht sogar Eineiige.

Als wir Kinder waren, haben wir uns gerne als das verkleidet, was wir nicht sein durften oder später einmal sein wollten. Innerste Wünsche und Bedürfnisse kamen zum Vorschein. Als wir Kinder waren, haben wir aber noch keine Valentinstags-Goodies verschenkt und auch das Bedürfnis nach einem Geschenk noch nicht verspürt. Also doch Zweieiige Zwillinge. Mal sehen, man rechne einfach 15 bis 80 Jahre dazu.

Als Bescherer und Narren, wenn erwachsen, sollten bzw. müssen wir uns mit beidem beschäftigen. Entweder wir entziehen uns dem Rum-da-da komplett oder wir spielen mit. Und wenn wir mitspielen, dann müssen wir auch damit rechnen, dass wir damit durchschaubarer werden. Warum: Na wegen Facebook eben!

Niemand tut sich eine aufwendige Faschingsbemalung oder gar ein aufwendig genähtes Faschingskostüm an, ohne zumindest einen Selfie zu posten. Was ist die Mühe wert, wenn es nicht andere liken können?

Valentinstag und Fasching auf Facebook

Vier Freunde am Weg zur Faschingsparty oder ein echtes Polizei-Quartett?

Kein Pärchen „in amore“ will nicht beweisen, wie groß die Liebe ist, ohne die Pracht an Rosen zu posten, die man vielleicht sogar mit Karte ins Büro geliefert hat bekommen oder liefern hat lassen. Im Büro können es nämlich auch noch die neidischen Kollegen sehen, noch besser. Aber nichts gegen Reichweiten auf Facebook.

Wenn man schon mitspielt an Fasching und Valentinstag und das dann auch noch öffentlich macht, muss man sich dessen bewusst sein, seine Persönlichkeit zu offenbaren. Stärker als beim Haustier- und Schnitzerl-Posting. Sowohl ein Geschenk, als auch ein Kostüm sagen viel über die eigene Persönlichkeit aus. Beim Valentinsgeschenk verhält es sich nicht nur für den Bescherer, sondern auch für den / eher gängig die Beschenkte wie ein Spiegelbild. Was ich kriege, das bin ich eigentlich auch. Zumindest in meiner Beziehung.

Obligatorische Blumen im Standard-Repertoire

Die obligatorischen Blumen sind nett, aber Standartrepertoire. Nicht besonders kreativ. Mann geht knapp vor Geschäftsschluss in die Blumenhandlung und kauft halt „den Strauß“. Sprich: Beziehung ist vielleicht harmonisch und okay, aber vielleicht eben nur okay oder vielleicht aber auch zur Gewohnheit geworden. Die Blumen lassen keine genaueren Rückschlüsse auf Persönlichkeiten ziehen. Es sei denn: Mann pflückt einen Strauß an Wiesenblumen selbst oder klaut einen netten Strauch aus dem Wald, setzt ihn ein und kauft einen coolen Übertopf dazu. Was würde das über ihn oder die Beziehung wohl auf Facebook verraten?

Nun gut, ich habe 1.300 Freunde auf Facebook und aus meiner teilnehmenden Beobachtung an beiden Festen hat sich herausgestellt, dass ein großer Teil der Herren ihren Damen Kinokarten für „Fifty shades of grey“ geschenkt hat. Auch daraus lässt sich etwas ablesen, aber das sei jedem seiner Phantasie jetzt frei gelassen. Dazu fällt mir jetzt die Assoziation „Ausbruch aus dem biederen Ich“ ein, womit ich schon beim Fasching bin. Hier gibt es ja einige Studien und Artikel, die sich mit Faschingsoutfit und Persönlichkeit beschäftigen:

Fasching: Krankenschwesternkostüm„In diesem Jahr machen viele Frauen Urlaub vom „biederen Ich“ – das zumindest zeigen die bisherigen Verkaufszahlen von sexy Kostümen, wie der Deutsche Verband der Spielwaren Industrie (DVSI) mitteilte.

Die Röcke werden kürzer, das Dekolleté tiefer, und selbst Nonnen tragen jetzt Strapse. Der Verband teilt mit: „Immer mehr Kostüme erfreuen sich großer Beliebtheit, die noch vor einigen Jahren eher nicht als für öffentliche Karnevalsfeiern geeignet erschienen wären. Sehr gefragt sind leicht pikante Verkleidungen wie das Bunny-Kostüm, die freche Krankenschwester oder die neckische Stewardess.“

Wenn Ritter Piraten verarzten

Bei den Herren ist anscheinend immer noch der Pirat sehr gefragt, zumindest laut meinen nicht repräsentativen Facebook-Beobachtungen. Aber auch der Ritter und der Arzt sind Klassiker, die ich heuer dank Facebook begutachten durfte. Wenn Herren damit schon archaische und beschützerische Männlichkeit ausstrahlen wollen, dann wären mir ja NYDP, NAVI oder FDNY-Anzüge lieber gewesen zum Liebäugeln. Und dann noch aus aktuellem Anlass: Die Herren mit den Masken und Handschellen waren natürlich auch dabei. Ist mir persönlich leider auch nicht ganz geheuer. Denn wenn ein Männlein sowas zu Fasching tragen muss, frage ich mich, wie der Kerl im Alltag ein Kastl zusammen bauen kann.

Piraten im Fasching

In der postmodernen Faschingsära schwer zu sagen: Ist dieser Mann als Pirat, Arzt oder Ritter verkleidet?

Die Realität ist eben nicht Valentine und Fasching auf Facebook, aber zumindest kann man sehr viel daraus über Personen ablesen. Geheime, unterdrückte Wünsche vielleicht, Beziehungsmuster und sicher auch systemische Prägungen. Es gibt ja genug Literatur dazu.

Was meine Realität an den beiden „Feiertagen“ betraf? Ich würde sagen, as usual. Verkleidet habe ich mich zu Fasching gar nicht. Und am Valentinstag war mein Gatte auswärts, um hübsche Studentinnen zu unterrichten. Aber: Meine Freundin hat mich verärgert angerufen, weil ihr Schatzi ihr ein – wortwörtlich – „grausliches Parfum“ gekauft hätte und sie nach zwölf Jahren besser kennen müsste. Sie beschimpfte ihn. So ein Widerling aber auch.

Da lobe ich mir ein Valentinsgeschenk von meinem Verflossenen anno dazumal. Er ließ mir ein T-Shirt machen, mit der Aufschrift: „I love you everyday, not only on Valentines day.“ Geschenkt hat er es mir einen Tag danach, vorher nichts. Ich hätte es, wenn es damals schon Facebook gegeben hätte, mit Sicherheit gepostet.

Die Blumen, die ich zeitverspätet durch seinen Job in der Nacht bekam habe ich am nächsten Tag demonstrativ vor ihm in den Mülleimer geworfen, weil wir uns gezankt haben. Natürlich hat es mir bald darauf leidgetan. Und ich bin mir sicher, auch meine Freundin wird das „grausliche Parfum“ benützen. Also: Alles ist gut. Life as usual. Und wenn mal gerade nicht, dann gibt es Facebook. Da sehe ich zumindest an diesen beiden Tagen die heile Welt.

PS: Nach Ansicht der Psychologie korreliert die Hässlichkeit der Verkleidung mit der Eigenwahrnehmung. Sprich: Je hässlicher das Kostüm, desto größer das Selbstbewusstsein!

Über Dr. Astrid Pettauer

Univ.-Lektorin, PR-Trainerin, Mediencoach und Researcher, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft / Soziologie. Trägerin des österreichischen Wissenschaftspreises für Public Relations und des Wissenschaftspreises für Demokratie der Republik Österreich 2007 für die Dissertation.

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