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Fallbeispiel: Möpse auf Facebook

Facebook und die Möpse

Am Weg zu Roberts Geburtstagsparty biegt Astrid mit zwei Sulmtaler Henderl im Gepäck noch schnell in die Trafik direkt im Erdgeschoss unter unserer Wohnung ab. Von dort bringt sie außer Zigaretten auch noch einen leicht nervösen, aber ausgesprochen vertrauensvollen Mops im Wolfsfell mit. Das Tierchen sei ohne Halsband, Geschirr oder sonstige Erkennungsmerkmale vor einer knappen Stunde zugelaufen, berichtete Frau Sissy – die Trafikantin – meiner Gattin. Man wisse wenig über Mister X, denn er sei kein Stammkunde und bislang habe sich noch niemand nach ihm erkundigt. Und Frau Sissy kennt ihre Couchwölfe gut.

Social Media is for Dogs

Möpse sind auf Facebook gern gesehen.

Freitags nach 18 Uhr haben die meisten Tierarztpraxen schon geschlossen, also holte ich Pulas Ersatzgeschirr und -leine und wir packten das Kerlchen erstmal ein und nahmen ihn mit zur Feier. „Rudo“ würde den Abend und die Nacht mit uns verbringen, am Samstag wollten wir dann gleich in der Früh die liebe Tante Tierärztin bitten, den Chip des neuen Mitbewohners auszulesen und die Besitzer verständigen.

„Wahrscheinlich hat der Bursche sein Halsband irgendwo abgestreift,“ dachte ich mir. „Und wenn er keinen Chip hat?“ fragt Astrid. „Dann verständigen wir morgen die Polizei und sagen in den Tierheimen Bescheid, aber das wird gar nicht notwendig sein,“ versicherte ich meiner besseren Hälfte. „In einen Zwinger kommt Rudo keinesfalls, sonst bleibt er halt inzwischen bei uns!“ Wifeys strenger Tonfall ließ keinerlei Raum für Widerspruch, der aber ausnahmsweise sowieso nicht zu erwarten war.

Am Ziel angekommen folgte noch vor dem ersten Cuba Libre direkt die obligatorische Foto-Video-Session, deren Ergebnisse Astrid und ich mit kurzem Steckbrief sogleich auf unseren Facebook Accounts posteten. Im Laufe des Abends warf ich immer wieder mal einen Blick auf meine Wall – Facebook ist ja bekanntlich ein Dorf. Und kurz nach Mitternacht war’s dann tatsächlich soweit: über 12 Ecken und diverse Freunde von Bekannten von bekannten Freunden (thx Pascal!) fand die frohe Botschaft ihren Weg zur bereits sehr nervösen Besitzerin und von dort ihre Handynummer zu mir.

Rund zwanzig Minuten später nahm eine sehr glückliche Katarina ihr Cookie-Schatzi, der für einige Stunden ausnahmsweise Rudo geheißen hatte, in Empfang. Ihr Freund hatte die Gegend in konzentrischen Kreisen durchkämmt, Steckbrief-Zettel waren produziert und affichiert worden… dabei hatte Cookie gar keine allzu weite Reise unternommen. Während Frauli und Herrli ihre Einkäufe erledigten, musste eine Mitbewohnerin einen Moment lang unaufmerksam gewesen sein. Das nutzte Cookie aus, um sich aus der Wohnung zu schleichen und die nähere Umgebung zu erkunden. „Näher“ darf man durchaus wörtlich nehmen, denn er war gerade mal knapp 30 Meter weit gekommen, einmal um die Ecke gebogen und gleich darauf in die Trafik eingelaufen. Schließlich ist’s drinnen warm und Tante Sissy hat immer ein Leckerli parat.

Social Media Möpse

Der Informationstransport auf Facebook funktioniert auch Freundschafts-übergreifend.

Möpse gut, alles gut

„Siehst du, ohne Social Media hätte das nie funktioniert! Social Media ist ein Wahnsinn,“ stellte Astrid zufrieden fest. „Und Cookie ist schon sehr lieb. Wir müssen unbedingt mal zusammen in die Hundezone gehen!“ Ich nickte und erwiderte lächelnd: „Zweiteres ja, ersteres… nun ja. Du hast recht, in der alten, analogen Zeit hätte Cookie im schlimmsten Fall bei uns übernachten müssen, und wir hätten die Zettel, die seine Besitzer in der Zwischenzeit bereits im näheren Umkreis affichiert haben, erst morgen früh gesehen! Facebook beschleunigt die Rettung der Möpse höchstens!“

Worauf Astrid tadelnd schnutete: „Aber Cookie ist trotzdem lieb. Und ohne Facebook hätt’s länger gedauert. Social Media is for Dogs!“

Tipp: Im Ernstfall hilft in Österreich die Gruppe Hund entlaufen vermisst gefunden hilft dabei, Hund und Besitzer wieder raschest möglich zusammen zu führen!

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