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„Leserjournalismus“: Als die Krone mein Fahrrad-Juxvideo klaute

Die Kronenzeitung hat mein Video gestohlen

So trug es sich an den Iden des März zu, dass König Häupl alle Radfahrer im ganzen Lande Wien aufforderte, sich auf den Praterstern zu begeben, um sich dort einer Zählung zu unterwerfen. Kein Mann, keine Maus sollte der Induktionsschleife entgehen, höchstens ein Carbonrahmen.

Und dann kam jenes denkwürdige Ganslessen, an dessen Anschluss wir ein kurzes Freilicht-Experiment durchführten und auf Video für die Nachwelt dokumentierten. Dass sich die Zählstelle wie erwartet recht leicht „überlisten“ lässt, sorgte nicht zuletzt in der größten Wiener Radfahrergruppe auf Facebook für gehörige Erheiterung – alles nachzulesen in diesem datenschmutz Beitrag vom 25. Oktober. Hier nochmals der mittlerweile als Referenzstreifen im Kurzfilm-Genre „Fahrradzähler manipulieren“ gilt:

Wir staunten nicht schlecht, als das Video heute an zwei unerwarteten Stellen plötzlich wieder aus den Untiefen des Netzvergessens an die Oberfläche der Medienaufmerksamkeit hochstieg – respektive hochgezerrt wurde. Und zwar von niemand geringerem als zwei Aushängeschildern des Boulevards.

Ausgerechnet die Kronenzeitung verdient Geld mit meinem Video

Die Redakteure der Online-Krone benutzen offenbar ein Video-Downloader Plugin und bedienten sich maximal unverschämt an meinen Inhalten. Nicht nur, dass als Quelle für Foto und Video frech Facebook / Facebook angegeben wird, nein, die schalten auch noch eiskalt einen Preroll-Werbeclip vor ihr gestohlenes Video. Ich muss mal bei Hornbach nachfragen, was das gekostet hat *g*

Foto-Credits müssen immer angegeben werden.

Nein, Facebook hat weder dieses Foto gemacht noch das Video gedreht.

Und so richtig auf Zack sind die Moderatoren auch nicht. Immerhin ist ihnen einer meiner drei Kommentare zumindest kurzfristig durchgerutscht (er wurde mittlerweile wieder entfernt):

Krone Moderatoren wählen penibel aus.

Zuerst klauen, dann meine Beschwerdekommentae löschen? Da ist doch glatt ein paar Stunden lang einer durchgerutscht.

Heute erfindet ein Twitter-Foto

Dem Schwester-Käseblatt „Heute“ muss man zugutehalten, dass die Redaktion immerhin Astrids Originalbeitrag zitiert. Für das Foto (bei dem es sich übrigens um einen Screenshot aus dem Video handelt) muss allerdings „Twitter“ als Quelle herhalten:

Kein Foto auf Twitter und kein Fahrrad

Falls jemand dieses Foto auf Twitter gesehen hat, bitte Bescheid sagen :-)

Dass das mysteriöse Tweet nicht verlinkt ist, könnte eventuell daran liegen, dass zumindest wir dieses Bild niemals getwittert haben

Ich freue mich natürlich sehr, wenn „ganz Wien lacht“. Noch mehr freuen würd ich mich freilich, wenn solche Scherze nicht auf Kosten anderer gemacht werden, und zwar im wörtlichen Sinne. Und überhaupt: was fällt denen ein, meinen Scherz als politische Aktion zu instrumentalisieren? Eine Quellen-Nennung wäre sowieso Pflicht gewesen, nachfragen hätt nichts gekostet. Im Sinne des medien-erzieherischen Anspruchs von datenschmutz wird mir als nichts anderes übrig bleiben, als der Kronenzeitung eine Abmahnung samt Rechnung zu schicken. Wofür hat man schließlich einen Fotografie-Gewerbeschein?

16 comments
Juergen
Juergen

Ich finds ja immer sehr spannend wenn so alte Beiträge aufgegriffen werden. Hab's im Oktober schon amüsant gefunden - 4 Monate später stolpern die Medien dann darüber und dann sowas....bin schon gespannt wie die Sache ausgeht - hoff es schaut ein bissl was raus für dich. 

datadirt
datadirt moderator

@Juergen Ja, ich bin auch sehr gespannt, wie die Sache ausgeht :-) Die ganzen Screenshots liegen derzeit beim Anwalt.

akinmagazin
akinmagazin

@Helge Aber "Twitter" (wer immer das jetzt genau sein mag) lacht jetzt über den patscherten "Artikel"...

Kosak_Daniel
Kosak_Daniel

@Helge ich bin vielleicht sehr blöd, verstehe aber den zusammenhang mit chorherr immer noch nicht

Trackbacks

  1. […] “Quelle: YouTube” steht und sie einem die Inhalte nicht komplett klauen (wie in diesem aktuellen Fall; ein Link der übrigens aus dem BildBlog stammt in dem anscheinend, weil es ja ein Blog ist, kein […]