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Shitstorm-Forschung: Die 7 Windstärken auf der Stuhlskala

Die beste Shitstorm-Skala der Welt

Treffen Schichten warmer und kalter Meinung auf Social Media Plattformen aufeinander, so entwickeln sich blitzschnell Unwetterfronten. Für die Entstehung eines veritablen Shitstorms reicht in vielen Fällen ein kleiner Gewitter-Keim. Man kennt die Idee, dass der Flügelschlag des berühmten Schmetterlings einen veritablen Orkan auslöst, ja hinlänglich aus der guten, alten Chaostheorie. (Ja ja, die Nostalgie war früher auch mal besser.)

Wie reale Beispiele der jüngeren Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt haben, kann die Zuckerbrise eines Kellners auf dessen Erdbeeren zu nachgerade tektonischen Zuckerberg-Verschiebungen vor Mario Plachuttas Lokal führen. Viel häufiger jedoch toben sich Trolle aus, ohne mit ihren provokanten Meinungen weite Kreise zu ziehen, was Shitstorm-Vorhersagen so schwierig macht wie Wetterprognosen. Ähnlich wie den Kollegen von der meteorologischen Fakultät bleibt uns Shitstorm-Forschern daher meist bloß die nachträgliche Klassifikation.

Die Wissenschaft konnte das Rätsel der Shitstorms lösen.

Der Interessensverband der Shitstorm-Forscher gehört mit zu den mächtigsten europäischen Gewerkschaften. [Handyfoto eines Fernseh-Standbilds von Vox vom 8.3.2015 – kein Fake.]

 

Forschung in Grenzgebieten diskursiver Belastbarkeit

Nur wenig ist bislang über Shitstorms bekannt – respektive an die Öffentlichkeit gedrungen. Obwohl ganze Legionen von Social Media Managern seit Wochen an der Entschlüsselung des Shit-Genoms arbeiten, trauen sich Dschungel-Camp Promis vor lauter Morddrohungen nur mehr unter strengster Bewachung außer Haus. Dabei forscht eine Gruppe von Spitzen-Wissenschaftlern seit einer halben Dekade in den geheimen Dr. Worst Labors – und heute um 7:42 ist ihnen ein entscheidender Durchbruch in der Klassifikation von Shitstorms gelungen. 

Da ich die Wissenschaftler höchst selbst dort eingesperrt und als einziger den Schlüssel habe, darf ich die Ergebnisse an dieser Stelle exklusiv präsentieren. Die siebenstufige dsSStS [datenschmutz Shitstorm Skala], zukünftig unentbehrlichstes Handwerkszeug für jeden Social-Crisis Manager, wird hiermit erstmals einer staunenden Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

dsSStS hilft: Sie müssen nicht mehr bei jeder Blähbrise das FBI verständigen. Und Sie wissen, wann Sie Ihr Handy besser nicht abdrehen sollten, weil gleich ein Diarrhöe-Taifun um die Ecke biegt. Denn Sie haben die datenschmutz Shitstorm-Skala mehrfach ausgedruckt, laminiert und für alle Fälle auswendig gelernt.

dsSStS – die datenschmutz Shitstorm-Skala zum Ausdrucken & Ausschneiden

Die datenschmutz Shitstorm-Skala gehört in den Werkzeug-/Methodenkoffer einer jeden Shitstorm-Forscherin. Und natürlich genügend Sackerl fürs Gackerl.

          ~ Pula Dog, Social Media Hündin ~

Blähbrise

Gehört zu jeder „gesunden“ Social Media Diskussion und stellt (noch) keinen Grund dar, sich Sorgen zu machen. Vielmehr kann die völlige Abwesenheit von Blähbrisen sogar ein früher Indikator für mangelnde Verdauungstätigkeit der Zielgruppe sein, auch bekannt als „morbus inaktivitas“.

Braunes Lüfterl

Lokal recht eng begrenztes Wetterphänomen, tritt vorwiegend in der D-A-CH Region auf. Sobald Reizworte wie „Ausländer“, „Immigranten“ etc. auftauchen, wirbeln FPÖ-nahe Erd- und Höhlenmenschen mit lauten Grunzrufen beträchtliche Mengen ihrer getrockneten Ausscheidungen, in denen sie sich sonst weitgehend unbeachtet suhlen, in die umgebende Wettersphäre.

Chronische Darmwinde

Wie mit Blähbrisen umgehen?

Warum riecht’s hier bloß so streng? Da braut sich was zusammen!

Eines oder mehrere Grüppchen ehedem loyaler Kunden haben sich gegen Ihren Bränd verschworen und bewerfen Ihren Twitter-Account und Ihre Facebook-Page mit getrocknetem Kuhdung? Machen Sie’s wie die Tibeter und zünden Sie ein fröhliches Lagerfeuer an! Sollten die tierischen Extremente allerdings noch nicht völlig getrocknet sind, dann droht ein echter…

(Ausgewachsener) Shitstorm

Ab hier wird’s ernst auf der nach oben geschlossenen dsSStS [datenschmutz ShitStorm Skala]: Im Livestream fordern besorgte Moderatoren Pensionisten auf, lieber zuhause zu bleiben. Die Gefahr herabstürzender Hundstrümmerl (für Nicht-Wiener: Hundehaufen) nimmt zu. Wer einen guten Regenschirm aus Chirurgenstahl besitzt, sollte dennoch unverzagt nach draußen gehen und solange gegen die immer steifer werdende Brise an argumentieren, bis er Schlimmeres verhindert hat – nämlich einen ausgewachsenen…

Fäkaltornado

Die in Turbulenz geratenen Usermassen sorgen für Verwirbelungen, reißen Umstehende mit und schleudern Extremente bis in höhere Schichten der Atmosphäre. Dort gefrieren diese, um anschließend rasant wieder auf den Thread herab zu hageln. Sachschäden sind weder auszuschließen noch unwahrscheinlich. Wer jetzt noch glaubwürdig dementieren oder zumindest ehrlich bemitleidenswert auf die Knie fallen kann, erspart sich vielleicht den gefürchteten…

Extrement-Orkan

Ein Shitstorm hat meine Facebook-Page ruiniert

Zerstörte Facebook Page nach einem dreitätigen Extrement-Orkan: Die Spuren der Verwüstung sind typisch und kaum vermeidbar.

Die wirbelnden Untergriffigkeiten prasseln im Sekundentakt auf ungeschützte, notdürftig errichtete Hashtag-Hütten. Leichtgewichte ohne umgeschnallten argumentativen Ballast werden gnadenlos davongewirbelt, während Flutwelle um Flutwelle den eigenen Account nachhaltig unter Wasser setzt. Für die Reißleine ist es längst zu spät. Wer noch nicht im sicheren Boot sitzt, setzt sich womöglich dem gefürchtetsten aller Shitstorms aus, dem…

Diarrhöe-Taifun

Es tobt, es braust. Keine Chance, das eigene Wort zu verstehen, egal, wie laut der Krisen-PR-Experte schreit. Der Vorstand hat längst angeordnet, dass die Facebook Page sofort offline gehen soll. Aber erstens ist die Elektrizität ausgefallen und zweitens sind die ehemaligen Fans längst alle zur Hass-Gruppe abgewandert. Und haben sich dabei auf mysteriöse Weise verzehnfacht. Bewährte und einzige Strategie in dieser stinkendsten aller Wetterlagen: Sich fragen, was Chuck Norris in dieser Situation machen würde.

Trivia: Wussten Sie, dass Sascha Lobo das Wort Shitstorm erfunden hat und dass dieser blumige Begriff ganz allein im deutschsprachigen Bereich eine entgleisende Social Media Krise bezeichnet? Und wussten Sie auch, dass der gemeine US-Amerikaner dem gemeinen Deutschen eine im derberen Comedy-Genre immer wieder gern zitierte Neigung zu dessen eigenen Körper-Ausscheidungen attestiert? Er könnte Recht haben, fürchte ich.


Fotos: manni66 | uschi dreiucker | pixelio.de

1 comments
christian salzborn
christian salzborn

Dann hoffe ich mal, dass ich nach meiner Verteidigung der Doktorarbeit zu Shitstorms nicht auch weggesperrt werde :) VG