Astrids Kolumne: Computer-LOVE – Wie uns unsere Gehirnhälften steuern

Astrid über das Geheimnis einer guten Beziehung: Die Penetration

Bei uns Selbstvermarktern heißt ja statt long time – no see eher much time – no see. Nun, da mal verlangt die Lebenssituation geradezu, sich 24 Stunden rund um die Uhr zu respektieren, weil der #GötterGeek sein Büro in der gemeinsamen Wohnung hat und man als Lektorin und Selbständige ja auch nur stundenweise das traute Heim verlassen muss. Dennoch kann so ein onlinegesteuertes Leben erstaunlicherweise dazu führen, dass man sich gar nicht mehr sieht. Wie also kann das Internet nun dazu beitragen, sich auch nebeneinander ganz nah zu fühlen? Die Lösung liegt in der Hirnforschung. Es geht immer nur um die andere Hälfte! Und um Glückshormone und deren Aktivierung auf Social Media Plattformen.

95 Quadratmeter, alles passt, weil die Waschmaschine rennt, der Herd funktioniert mehr oder weniger und ein kuscheliges Bettchen ist auch vorhanden. Einer macht die Küche, einer hat gekocht. Einer macht die Wäsche und dann: Life is beautiful, gemeinsame Zeit, viel zu erzählen. Weil der, der gekocht hat, sein Lob bekommt und der, der abgewaschen hat, auch ein „Sauber, Schatzi!“ erhascht. So ist das dann schön und harmonisch, bis sich beide Hälften wieder vor Facebook, Instagram und Kloud setzen, um das letzte Rezept den Twitterfollowern mitzuteilen oder das letzte Abendmahl in Super-Hochglanz auf Facebook zu posten. Oder im prekären Fall den neuesten Putzmittel-Tipp für den aufgewischten Küchenboden zu verkünden.

Astrid über rechte und linke Gehirnhälften.

Sie tippt am Handy, er am Laptop. Aber glauben sie bloß nicht, die beiden würden miteinander chatten.

Im besten Fall: Yössas, neue Beziehungsspannung ist gegeben. Der Partner hat es gesehen, jetzt sind wir wieder in der Dating-Phase. Interessant, liked er’s oder liked er’s nicht?

Emotion is magic

Wieso zerren wir immer unsere Haustiere, Essens-Kreationen oder Baby-born pics vor die Linse, um ein LIKE zu bekommen? Ich will das jetzt auch wirklich niemandem vorhalten (und vor allem mir selbst als Rampens..-Junkie nicht ;-))! Das alles hat sehr wohl seine Berechtigung. Ich kenne genug Leute, die einfach nur mitlesen und selbst never ever sowas posten würden, stimmt.

Aber cool finden sie es dann schon, weil sie Stoff haben, entweder darüber zu lästern oder sich in sonstiger Weise sogar berührt zu fühlen. Stichwort: „Schlüsselloch-Effekt“. Was machen die Madame oder der Ex schon wieder, wieso geht die Madame auf so eine Kids-Party etc.? (Zum Schlüsselloch-Effekt und digitalen Spannen nächstes Mal mehr). Es gibt dazu Erklärungen, was die Kommunikation rund um und in Social Media Plattformen in dieser Hinsicht besonders auszeichnet.

Der Halo-Effekt (gesprochen [ˈheɪloʊ ɛˈfɛkt], eingedeutscht auch [ˈhaːlo ɛˈfɛkt]; von englisch halo, „Heiligenschein“) ist eine aus der Sozialpsychologie bekannte Kognitive Verzerrung, die darin besteht, von bekannten Eigenschaften einer Person auf unbekannte Eigenschaften zu schließen.

Wenn zum Beispiel Person A Sympathie für Person B empfindet und generell Menschen sympathisch findet, die großzügig sind, wird Person A annehmen, dass Person B großzügig ist, ohne dafür irgendeinen Hinweis zu haben. Bei einer positiven Verzerrung spricht man auch vom Heiligenschein-Effekt, bei einer negativen vom Teufelshörner-Effekt [siehe Wikipedia].

Wenn Paare partout nicht miteinander chatten.

Wenn sie ganz genau hinschauen, erkennen zwei Halos über den Köpfen dieses Paares.

Und Eigenschaften laufen eben über Bilder und Reize. Also: Durch Social Media ist Aufmerksamkeit einerseits noch wichtiger geworden, andererseits aber auch schwerer zu erlangen. (Diese Hypothese wird noch bei Zeiten einer Überprüfung standhalten!) Und: Wenn ich coole Leute kenne, färbt das auf mich ab (Hypothese Nummer zwei).
Wie oder was oder warum sind bestimmte Inhalte dennoch wirksamer als andere?

Von Hormonausschüttungen und Gehirnhälften

Die eine (linke) Gehirnhälfte ist eher dafür verantwortlich, die Linearität von uns Menschen zu steuern, sprich: Hat mein Bäcker jetzt schon offen oder soll ich noch eine viertel Stunde schlafen? Habe ich die Waschmaschine gestern ausgeräumt? Muss ich heute aufstehen oder ist heute ein Samstag?

Sie ist also verantwortlich für unsere Sprache, das Lesen & Rechnen, sprich, die ganzen Ratio-Logik-Konventionen abzuspeichern.Und sie wird nicht müde, diese auch immer parat zu halten. Diese Gehirnhälfte holt sich auch die wichtigsten und schnellsten Infos auf Social Media Seiten, bevor sie es noch zum Bäcker schafft bzw. in der U-Bahn sitzt.

Aber zum Glück gibt es da noch die andere. Die rechte. *gg*

I feeeeel you: My right side

Die rechte Gehirnhälfte (meine persönliche Lieblingseinsatz-Region) kümmert sich um das Analysieren von Körpersprache, Intuition, Gefühl und Kreativität. Diese Gehirnhälfte aktiviert uns vor allem durch Metaphern und Symbole. Das bedeutet: Wenn wir ein Gefühl durch schöne Bilder, Symbole oder Melodien oder auch schöne Erinnerungen wachrufen können, entsteht eine meist sehr angenehme Hormonausschüttung und das damit einhergehende Wohlgefühl.

Vielleicht ist genau das der Erfolg von Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. Wie der alte, inzwischen verstorbene, Dichand immer schon gesagt hat: „Die Leute wollen Kinder, Tiere und Mädchen sehen.“ Emotionen eben. Wenn ich meinen Geek also von seinem Computer-Spiel loslösen möchte, muss ich nur seine „rechtere“ Gehirnhälfte penetrieren. Nun, für Tipps und Hinweise auch von Herren-Seiten bin ich diesbezüglich sehr offen!

PS: Und wer wissen will, wie Emotionen auf Facebook und Co wirken können und wie man die rechte Gehirnhälfte am besten penetrieren kann, dem sei dieser Artikel nahe gelegt.

PPS: Für mehr Infos zum Thema Gehirnforschung empfehle ich Stangls Psychologie News.

Über Dr. Astrid Pettauer

Univ.-Lektorin, PR-Trainerin, Mediencoach und Researcher, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft / Soziologie. Trägerin des österreichischen Wissenschaftspreises für Public Relations und des Wissenschaftspreises für Demokratie der Republik Österreich 2007 für die Dissertation.

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3 comments
Manfred Hallas
Manfred Hallas

Emotionen sind definitiv wichtig hier auf FB im Umgang mit seinen Freunden und Fans. Und obwohl Wut und Angst vielleicht kurzfristig mehr Reaktionen hervorrufen bevorzuge ich die Freude um eine langfristige Beziehung aufzubauen ... eigentlich wie im richtigen Leben ;-)

motorcash
motorcash

Danke für den Lesegenuss und die weiterführenden Empfehlungen. Das Thema: Hirn - Social Media - Marketing interessiert mich ja sehr.

lg