Astrids Kolumne: Skype me, Baby!

Skype wirkt auf manche ausziehend.

Im Zuge eines Interviews für „Radio München“ nach Jahren wieder mal meinen Skype-Account aktiviert bzw. ehrlichgesagt einen neuen angelegt, da ich ja mein Passwort vom alten nicht mehr wusste – siehe meine Kolumne über Passwörter. Facebook-Freunde kann man sofort als Skype-Freunde einladen. Was dann passierte, als ich 713 FB-Kontakte, die auch auf Skype sind, automatisch synchronisierte, das ist besser, als jede „Triff Manager in Unterhosen“ oder „Dating-Plattform“. Mein erster Gedanke war, ob ich jetzt Make up auflegen muss, da ich die Skype-Netiquette nicht mehr so ganz im Kopf hatte.

Meine letzte Skype-Erfahrung ist vier Jahre her und da war immer auch die Kamera dabei. Das war ganz frisch verliebt, als Mister zur Microsoft-Konferenz nach Anaheim L.A. eingeladen war. Damals wollte man noch besonders hübsch vor der Kamera sein. So hübsch auch, wie sie die Leute da abgefüllt haben (Entschuldigung – gut Event-bewirtet haben), hätte ich mir das Make up bei unseren nächtlichen Telefonaten ohnehin sparen können. Aber so viel zu meinen einzigen Skype-Erfahrungen.

Skype macht geil

Skype: Das populärste Strip-Poker Casino der Welt.

Verdammt, ich bin gefragt!

Ring, ring, schon während dem Interview acht versäumte Anrufe. Leute wollen also Stimme, was Persönlicheres als Postings und Likes. An alle Single-Freunde. Skype neu zu installieren – unter einem neuen Benutzernamen versteht sich – ist besser als Tinder & Co. Wir sind ja nicht bei Facebook, wo man die Namen überprüft.

Die Erlebnisse von Stunde fünf schmeicheln natürlich, aber sie lassen auch einige Schlüsse auf Sinus-Benutzergruppen zu; Ich rede hier nicht von Business-Konferenzen oder den klassischen „Ich vermisse dich mein Schatz Fernbeziehungen“ via Skype. Hier ein Auszug aus meiner teilnehmenden Beobachtung:

1. Männer haben alle Methoden in ihrem Repertoire

Da sind mal die aufdringlichen Sales Manager: „Ich kenne Sie von LinkedIn und Xing und würde sie gerne zu einem unserer Workshops in Wien einladen. Sie halten ja selbst Workshops, treffen wir uns doch zu einem Kaffee-Plausch, um das zu planen.“ Sie meinen eine Kooperation oder ein gemeinsames Angebot? Oder wollen Sie mich zu einem Ihrer Workshops einladen?“ Er: Ich würde Ihnen einen Sonderpreis von 290 Euro pro Tag verrechnen (statt der 480 Euro geplant), wenn Sie den zweiten Seminartag um 480 Euro normal buchen. Thema: Online Marketing mit internationaler Bezugnahme auf europäische Länder.“

2. Frauen haben alle Methoden in ihrem Repertoire

Da gibt es dann den Typus der fordernden Aussauger, die eine Synchro-Einladung dazu sehen, einem frech Arbeit aufzudrücken. „Hey, du bist ja auf der Uni. Super jetzt auch auf Skype. Hatte mal eine Vorlesung bei dir. Ich stehe jetzt voll an mit meinem Diplomarbeitsthema. Kannst du mir bitte helfen, ich würde fast lieber gerne eine Inhaltsanalyse machen.“ Ich: Okay, was ist denn die Problemstellung der Arbeit? Sie: „Ich mag was mit Marketing machen und unbedingt eine Inhaltsanalyse, aber ich tue mir so schwer, wenn mir der Prof. kein Thema vorgibt…“

Skype, Spielwiese für schüchterne Egomanen

Virtuelle Anmachversuche waren auch schon mal origineller.

3. Warum hast du mich dann überhaupt kontaktiert?

Und dann die Gruppe derjenigen, die sich’s unten herum schon mal gemütlich gemacht hat. „Hallo du, jetzt höre ich endlich mal deine Stimme.“ Ich: Ja. Er: „Ich sehe immer deine Fotos, nett, dass du mich auf Skype eingeladen hast.“ Ich: Naja, das ist mehr automatisch passiert via Facebook-Synchronisation. Er: „Egal, magst die Kamera einschalten, ich bin schon im Chill-Modus in der Short.“ Ich: „Du siehst aber auf Facebook, dass ich verheiratet bin, falls das ein Strippoker werden sollte, belassen wir es besser.“ Er: „Was willst du, du fuc.st alle an, dich anzurufen, dann machst du einen auf Nonne!“

Ich wusste echt nicht, dass ich mit dieser Facebook-Synchro sowas auslöse. Sorry, ich wollte niemanden „anfuc.en“, wie es der Herr nett ausgedrückt hat oder sonst in irgendeiner Form belästigen. Ich wollte einfach nur einen Skype-Account einrichten, der dir die Synchro von allen FB-Freunden automatisch vorschlägt. The next generation und das Umfeld meines Geek-Gatten geht wahrscheinlich und sogar sicher mediengeübter damit um.

Skype: Manager in Unterhosen

Manager im Skype-Modus. Oben hui, unten pfui!

Aber dem Himmel sei gedient, ich werde keine Synchro via Facebook mehr machen. Da kommst du an die ärgeren Psycho-Fälle ran, an die du nicht rankommen möchtest, so mein Resümee. Skype ist nämlich irgendwie doch intimer. Face to Face. Voice to Voice. Da kommt spätabends dann doch inneres leichter über die Lippen, als auf dem eigenartigen Facebook, wo man ja nicht mal mehr stillende Mütter zeigen darf, da nackte Bo(o)b(o)s.

Delete, delete, delete, jetzt sind es nur noch drei?

Für alle anderen, die einfach mal wieder plaudern oder chatten wollen oder vielleicht sogar sinnhafte berufliche Infos austauschen wollen, ich heiße astricepetty, bin kommunikativ, verheiratet, mache keine kostenlose Diplomarbeitsbetreuung, bin vielseitig interessiert und besuche generell keine Workshops um 480 Euro, wenn sie einem so penetrant auf die Nase gedrückt werden.

Über Dr. Astrid Pettauer

Univ.-Lektorin, PR-Trainerin, Mediencoach und Researcher, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft / Soziologie. Trägerin des österreichischen Wissenschaftspreises für Public Relations und des Wissenschaftspreises für Demokratie der Republik Österreich 2007 für die Dissertation.

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