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Der Facebook Dislike Button gefällt mir nicht

Gefällt mir nicht Button
Von vielen erhofft, von manchen gefürchtet, von wenigen ignoriert: Er kommt, der Dislike / Gefällt mir nicht Button! Aber er wird die Timeline definitiv nicht in einen Up-/Down-Voting Wettbewerb verwandeln, sondern soll den Nutzern ermöglichen, Empathie auszudrücken. Das klingt ganz so, als ob das Disliken keinerlei Auswirkungen auf den Ranking Algorithmus haben wird: Ebenso überraschend wie naheliegend, zumal negative Social Signals zu viel Potential fürs Unsichtbarmachen der Konkurrenz böten.

Dislike us on FacebookJedenfalls entzog Mark Zuckerberg damit Satire-Blogs jedwede Spekulationsmöglichkeit über alternative Ein-Klick-Meinungsbekundungen im Facebook Universum, ohne genauere Zeitangaben zu tätigen. Wörtlich sprach der Facebook-Gründer während einer Frage-Antwort-Session vor zwei Tagen folgendes:

People have asked about the ‚dislike‘ button for many years, and probably hundreds of people have asked about this, and today is a special day because today is the day that I actually get to say we are working on it, and are very close to shipping a test of it.

Angesichts Facebooks stets präzise dehnbarer Zeitangaben ist also mit dem Auftauchen des neuen Gefällt-mir-nicht Knopfes irgendwann zwischen Anfang nächster Woche und Ende 2020 zu rechnen.

Pro: Der Dislike-Button löst das „XY ist tot“ Dilemma

Not every moment is a good moment. If you want to share something that’s sad, whether it’s in current events or if a family member passed away, then it may not feel comfortable to „like“ that post.

So erklärte Zuckerberg, der sich in der Vergangenheit stets gegen Dislike-Button ausgesprochen hatte, seinen Gesinnungswechsel. Krankheits- und Todesfälle musste man zwar bisher auch nicht bloß schweigend zur Kenntnis nehmen, es gibt ja auch noch die Kommentarfunktion.

Dislike Button

Es wird vielleicht kein algorithmisches Tauziehen, aber zumindest ein symbolisches.

Was in der breiten Masse der Facebook-Updates sonst noch als traurig oder negativ empfunden wird, liegt aber bekanntlich höchstgradig im Auge des Betrachters. Nicht zuletzt im politischen Bereich könnte ein gewisser Handlungsdruck entstehen – sobald die erste Partei ihre bezahlten Disliker auf die Status Updates des Gegners loslässt, Algorithmus hin oder her.

Kontra: Eine neue Schere im Kopf?

Taucht der Abwärts-Daumen bei jedem Update auf, so könnte dies durchaus zu mehr Reflexion bei den Nutzern führen. Das klingt auf den ersten Blick nicht so schlecht, immerhin herrscht ja die Meinung vor, dass „die Leute ohnehin zu viel von sich im Internet preisgeben“. Dennoch glaube ich fest daran, dass unser Internet abseits menschenverachtender, verhetzender und gesetzeswidriger Inhalte auch eine Plattform für deviante Meinungen sein sollte. Nur eine Gesellschaft, die eine offene Diskussionskultur pflegt, kann sich weiterentwickeln.

Sollte der Button dazu führen, dass Minderheiten-Meinungen gleich mal mit einem Dislike-Schauer eingedeckt werden, hätte das Social Web in Korrektiv mehr und würde ein bisschen weniger bunt.

Andererseits: Aber Youtube

Wenn der Platzhirsch rölzt, dann zücken die beobachtenden Experten (früher: Journalisten) ihre Touch-Pens und faseln möglicherweise mehr Bedeutung herbei, als in einen simplen, kleinen Dislike-Button überhaupt hineinpasst. Denn auf Youtube, dem immerhin zweitgrößten sozialen Netzwerk, ist die Daumen-hoch-Daumen-runter Funktion schon längst kein Thema mehr, sondern ganz normaler Interaktionsbestandteil.

Externer Dislike Button

„Wenn Ihnen dieser Beitrag nicht gefallen hat, dann disliken Sie uns bitte nicht auf Facebook.“

Also alles halb so wild – wir Nutzer, Berater, Agenturen und Unternehmen werden uns mit dem Dislike-Button genauso arrangieren, wie mit allen anderen Facebook-Features. Ist ja nicht so, dass wir eine Wahl hätten.

Fazit: Der Gefällt-mir-nicht-Button war längst überfällig. Endlich kann ich Vogelkebab, Clowns und Drehtüren disliken. Und hoffentlich folgt demnächst auch eine extern einzubindende Version, am besten in einer lokalisierbaren Version. Ich werde die Wiener Variante auf datenschmutz installieren: „Schleich di, Oida. So a Schass.“

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