Berichte mitten aus dem wirklichen Leben.

Weihnachtsglückwünsche: Postkarte, E-Mail oder doch Anrufen?

Dezember: Glühmärkte, Adventwein und umgekehrt. So viele Weihnachtsfeiern, dass man für mehr als vier Zivilisten selbst unter der Woche kurzfristig keinen Tisch bekommt. Kleine Geschenke. Anfütterung ausnahmsweise sogar in Ministerien erlaubt, aber nur mit saisonalem Gebäck (“Vanille-Kipferl-Paragraph”). Echte und gespielte Besorgnis ob er doch noch kommen wird, der Winter. Und natürlich überquellende Postkästen: Spendenaufrufe, Weihnachtswünsche: Schau, da klebt ein Engelshaar am Briefträger! Die digitale Kommunikation nimmt zu, die analoge ebenfalls. In beiden Welten gilt: Was aus der Masse heraus sticht, fällt auf.

Doppelter Spitzenreiter meiner persönlichen All-Time-Einladungs-Charts ist und bleibt unangefochten die Laserbox: im Vorjahr kam die (natürlich gelaserte) Einladung auf Plexiglas, in diesem Jahr staunte ich nicht schlecht über ein Holzbrett mit sauber eingebrannten Event-Daten. Viel zu schade selbst für die ökologische Entsorgung! Hingehen konnte ich nur deshalb nicht, weil am vergangenen Wochenende mein letzter Vorlesungsblock an der FH Kufstein am Programm stand.

Von Divergenzen zwischen Sendern um Empfängern

Dort hat pünktlich am 1. Dezember der Adventmarkt aufgesperrt, also schien ein wenig Feldforschung überaus angebracht. Wo sonst trifft man denn sonst die beste Schweinsbratensemmel der Welt, weißen Glühwein und auskunftsfreudige Testsubjekte auf engstem Raum? Wir wollten von unseren 60 Interviewpartnern wissen, auf welchem Weg sie 2014 selbst Weihnachtswünsche verschicken und über welche Art von Feiertagswünschen sie sich selbst am meisten freuen. Zur Auswahl standen Post, E-Mail, Facebook, SMS, Telefonanruf und persönliche Gratulation, Mehrfachantworten waren erlaubt. Der Vergleich der beiden Ergebnisdiagramme gibt zu denken, auch wenn die Antwort auf Frage Nummer eins erstmal nicht überraschen.

Wie wünschen Sie Ihren Lieben, Freunden und Bekannten heuer frohe Weihnachten?

Fröhliche Weihnachten auf allen Kanälen.

Fröhliche Weihnachten auf allen Kanälen.

Die meisten (75%) gratulieren persönlich, 18 Prozent nutzen E-Mail, 5 Prozent mehr gratulieren auch via Facebook. Die gute alte Weihnachtskarte schlägt diese beiden digitalen Kanäle mit 28% locker, liegt aber deutlich hinter Telefonanrufen mit 38 und SMS mit 45 Prozent. Eine deutliche Divergenz ergibt sich erst nach Vergleich mit den Antworten auf die zweite Frage.

Über welchen Weihnachtsgruß freuen Sie sich am meisten?

So richtig beliebt sind Facebook und E-Mail Weihnachtskarten nicht.

So richtig beliebt sind Facebook und E-Mail Weihnachtskarten nicht.

Ganz klar, warum so viele persönlich gratulieren: 77% freuen sich über persönliche Grüße am meisten. Telefonanrufe liegen mit 32% fast gleichauf mit postalischen Grüßen (30%), Telefonanrufe sind mit 32% dann doch deutlich willkommener als SMS-Botschaften mit 23%. Unsere Befragten verschicken also eher SMS, statt zum Hörer zu greifen, möchten aber selbst lieber angerufen werden. Eine noch deutlicherer Unterschied zeigt sich bei E-Mail und Facebook: Magere 5% wünschen sich Weihnachtsgrüße in der Inbox, 5% auf Facebook.
Fazit: Wer nicht persönlich gratulieren kann oder will, greift besser zum Telefonhörer oder zur Briefmarke. Denn zumindest am Kufsteiner Adventmarkt, dessen Lage direkt neben der Fachhochschule übrigens das Durchschnittsalter der Gäste deutlich senkt, stehen persönlicher Kontakt und analoge Weihnachtsgrüße deutlicher höher im Kurs. Für dieses Jahr ist’s schon zu spät, aber spätestens 2015 werden ich statt eines digitales Weihnachts-Hunde-Fotos einen mindestens 8-seitigen Falzflyer von meiner bevorzugten Druckerei druckportal.de mit den besten Infografiken des Jahres und reichlich Lametta gestalten.

Wir haben dann übrigens auch noch gefragt, wo die Kufsteiner ihre Weihnachtsgeschenke besorgen. Genau die Hälfte geht klassisch shoppen, ein Viertel vertraut aufs Netz und die restlichen 25% nutzen beide Kanäle.

Kaufen Sie mehr Weihnachtsgeschenke online oder offline?

Die Hälfte der Befragten kauft zumindest einen Teil ihrer Geschenke im Internet.

Die Hälfte der Befragten kauft zumindest einen Teil ihrer Geschenke im Internet.

Eigentlich keine Überraschung: Bequemlichkeit beim Einkaufen wird geschätzt, aber wenn’s um was so Persönliches wie Weihnachtsglückwünsche geht, dann kann noch so viel Convenience den persönlichen Kontakt niemals ersetzen!

Fugu Luggage: Dieser Trolley bläst sich zum Koffer auf

Was wächst in Rekordzeit auf die gut dreifache Größe an, wenn die Herzensdame mal wieder Dessous shoppen war? Publikumsjoker: Es ist grün und seit gestern auf Kickstarter. Und beim Namen hat sich Erfinder Daniel Gindis von einem bekannten Fischlein inspirieren lassen. Sein Fugu Luggage Koffer ist zwar keineswegs hochgiftig, doch er mutiert dank eingebauter Druckluft-Pumpe in wenigen Sekunden vom Handgepäck-tauglichen Trolley zum Riesen-Koffer.

Die noch zusätzlich integrierte Laptop-Tasche ist fast zu gut, um wahr zu sein. Aber sehen Sie selbst, was diese wollmilchlegende Koffersau so alles drauf hat:

Beim Materialmix des Prototyps setzten die Designer auf Leichtbau. Und das offenbar erfolgreich: Wasserdicht, mit eingebauten Regalen, 360 Grad Leichtlaufrädern und stoßdämpfenden Außenwänden bringt das einem Science Fiction Film entsprungene Gepäckstück gerade mal 3,4 Kilogramm auf die Waage. Ein vergleichbar großer Samsonite-Koffer wiegt ohne eingebaute Morphing-Fähigkeiten sogar auf ein paar Gramm mehr.

Im “gefalteten” Check-In Aggregatzustand betragen die Außenmaße die für Gepäckstücke in der Kabine maximal erlaubten 50x40x25 Zentimeter, aufgeblassen verdreifacht sich die Höhe nahezu auf 70 Zentimeter. Die erste Produktionsrunde soll gleich nach Abschluss der Kickstarter-Kampagne erfolgen, bereits zum Verkaufsstart wird der Fugu in diversen Farben verfügbar sein.

Wie das bei Crowdfunding-Projekten nicht selten üblich ist, gibt’s bisher allerdings noch keinen voraussichtlichen Verkaufspreis, jedoch immerhin einen groben Zeitplan. Produziert wird nach positivem Abschluss der Kampagne ab März 2015, im September sollen die frühen Vögel dann ihre ersten Fugu-Koffer in Händen halten. Wer frühzeitig Bestellinteresse bekundet, spart bis zu 30%:

You can purchase Fugu Luggage on Kickstarter before it will be launched in stores. When you subscribe to purchase Fugu today, you’ll also have the chance to benefit from the early-bird discount of up to 30%. Our aim will be to have the first round of production following the campaign.

Fugu Luggage

Fugu Luggage: Die Evolution dieses Koffers schaut nicht nach einer Sackgasse aus.

Als ich das erste Fugu Luggage Video gesehen habe, war ich von der Idee auf Anhieb fasziniert. Denn als reiseversierter Blogger beschränke ich mich bei Kurztrips stets auf Handgepäck und musste nicht erst einmal beim Einkaufstripp auch gleich eine Check-in taugliche Tasche miterwerben. Mit dem Fugu wär das nicht passiert. Wer beispielsweise regelmäßig Eulen nach Athen transportiert und mit leerer Tasche zurückkommt, müsste sich an der Gepäckausgabe auch nicht mehr die Füße in den Bauch stehen.

Ob der Fugu Luggage Koffer in punkto Stabilität und Praxistauglichkeit mit einem klassischen Vertreter seiner Art wird mithalten können, wissen wir erst in einem Jahr. Nämlich dann, wenn die ersten Exemplare sich im harten Reisealltag behauptet haben.

FuguLuggage.com

Libertin: Gürtel mit Klettverschluss und Stylefaktor

Nico ist ein vielseitiger Grafiker, Designer und Digital-Geek. Dass der Drupal-Evangelist, ausgetrock.net und Laserbox Mitgründer sich seit einiger Zeit auch mit Mode befasst, ist eine ausgesprochen gute Nachricht für alle Design-Fans, die schon immer am althergebrachten Konzept “Gürtelschnalle” gezweifelt haben. Libertin Belts sind bequem, aber im Gegensatz zu Baumwoll-Unterwäsche auch noch enorm fesch und verzichten zugunsten eines Klettverschlusses auf die herkömmliche Schnalle.

“Ritchie just got into his pants and started a Libertintastic activity. Motivate your friend to run to Smokey Burgers as fast as possible!”

Nicos Gürtel haben keinen Bluetooth Anschluss, geschweige denn ein eigenes Display. Sie lassen sich nicht mit dem Handy koppeln und zeichnen weder Puls- oder GPS-Daten auf, posten dafür aber auch keine lästigen Status-Updates auf Facebook. Dennoch sind die Libertin Gürtel so stabil, dass Applikationen wie “Hangman” oder “Abschleppgürtel 2.0″ problemlos auf ihnen laufen, wenngleich ohne Android oder iOS, sondern ganz analog. Die technischen Voraussetzungen müssen allerdings gegeben sein, und zwar ein Form einer Hose mit Gürtelschlaufen. Wir verabschieden uns an dieser Stelle mit Bedauern von allen passionierten Trainingshosen-Trägern.

Perfektes Rindsleder plus Klettverschluss = Genialer Gürtel

Was die Libertins so einzigartig macht, ist nicht bloß die liebevolle händische Fertigung. Und auch nicht das wunderschöne, vegetarisch gefärbte (!) Rindsleder oder das händisch mit Laserdrucker eingebrannte Logo. Das allerbeste an einem Libertin-Gürtel ist sein Verschluss-System: der stabile Klettverschluss, der händisch auf jeden einzelnen Gürtel aufgenäht wird, sorgt für einzigartige Optik und unübertroffenes Tragegefühl. Wo andere Gürtel sich nach dem dritten New York Flanksteak für drückende Atmosphäre sorgen, verrichten Libertins ihre Aufgabe – eine Hose zu halten, wo rohe Kräfte sinnlos walten – dezent und stylish.

Libertin Gürtel

Die Libertin Gürtel mit Klettverschluss sind derzeit in drei Farben erhältlich.

Wer Gürtel sagte, musste bisher auch Schnalle sagen. Okay, es gab halbherzige Ausnahmen: Während meines Amerikatrips im letzten Sommer (bin nur mal schnell rüber geflogen, um in Vegas zu heiraten) hab ich mir in einem Skater Shop einen Gürtel mit magnetischer Hackenschnalle gekauft. Aus Baumwolle, stufenlos verstellbar und auf den ersten Blick ein durchdachtes Produkt. So lange, bis man sich das erste Mal mit Kamerarucksack vorbeugt, der Bauchgurt von oben auf die Schnalle drückt und man plötzlich mitten in der Hotellobby in Boxershorts dasteht. Zugegeben, ganz so drastisch war’s nicht, aber Magnetverschlüsse an Gürteln sind nicht der Weisheit letzter Schluss, soviel hab ich auf die harte Tour gelernt. Der Weisheit letzter Schluss ist nämlich ein Klettverschluss. Oder “Hooks and Loops”, wie die Engländer sagen.

Libertin Klettverschluss Gürtel

Die Libertin Story – zwei Männer, ihre Nähmaschine, ein Leser-Cutter und etliche Kuhfelle.

Die Gürtel werden maßgefertigt, kleinere Schwankungen im Bauchumfang gleichen die in Grenzen verstellbaren Klettverschlüsse aber locker aus. Farblich muss man sich entscheiden für “Amour”-Rot, “Space”-Grau oder ein klassisches “Dark Night”-Braunschwarz. Oder gleich eine Mehrfachbestellung tätigen, denn bisher sind die exklusivsten Geek-Gürtel der Welt ausschließlich über direkte Bestellung beim Produzenten zu bekommen. Ich hab schon einen und werde ihn nie wieder hergeben.

► libertin.co.uk | Libertin auf Facebook

Praterstern-Fahrradzähler-Geschichten: Die Gans im Kreisverkehr

Gestern ereignete sich am Wiener Praterstern wieder das alljährlich-traditionelle Ganslessen, selbstverständlich beim Gasthaus Hansy, denn dort gibt’s halt einfach das beste Gansi. Und weil so ein vergleichsweise fetter Vogel auch wieder abtrainiert werden will, habe ich nach dem Essen die Gelegenheit beim Rahmen gepackt und mich auf Andis riesiges Fahrrad geschwungen und ein bisschen was für die Wiener Radstatistik getan. Frei nach dem Motto: Christoph Chorherr ist krank, heute rodle ich den ganzen Tag über die Induktionsschleife.

Ich hab das Video übrigens auch in der Gruppe Radfahren in Wien gepostet. Dort treffen verhärmte, verschreckte Radfahrer (“Stell dir vor Franz, heute stand schon wieder eine Kiste Weizengrassaft mitten am Radweg!”) auf fröhliche Velocipeden, die dann solche Kommentare verfassen wie Al Ex:

Der Sinn dieser Zählstellen hat sich mir ohnehin noch nicht offenbart. Außer einer herzigen Spielerei, die durchfahrende Radler teilweise eh nicht zählt, dafür von solchen Kasperln wieder gegenmanipuliert wird, hat das Ding relativ wenig Sinn.

Ja, die Carbonrahmen fallen durch die Zählung. Aber fröhliche Harlekine wie unsereins machen das wieder gut – und wie schon Lao-Tzu wusste, und das, lieber Al Ex, möchte ich dir mitgebenauf deinen weiteren Lebensritt: Der wahre Sinn kann nicht erkannt werden.

TEDx Pannonia 2014 – eine Kreuzfahrt für Vollidioten

Frisch zurück von der TEDx Pannonia 2014 – der Kopf schwirrt vor lauter Eindrücken. Auf der kurzen Fahrt von Mörbisch nach Wien war er völlig leer, ganz konzentriert auf die Fahrt. Flow, Satori, Tiefentspannung. Kein nervöser Affe, der im Kopfkäfig von Assoziation zu Assoziation springt. Ganz im hier und jetzt. Selbstvergessenheit überm Tempolimit, aber nur knapp, Abbremsen beim Baustellen-80er. Wer fährt hier eigentlich? Und wer denkt nicht darüber nach, wer da fährt? Noch nie hat sich die Heimfahrt vom Neusiedlersee so sehr wie ein geistiger “Reboot” angefühlt, und es fällt mir ungewohnt schwer, Worte für diesen ganz anderen Ausflug zum See zu finden. Gänsehaut beim Verlassen des Bootes, feuchte Augen, als mich Katzi zum Abschied umarmt hat. Danke liebe Dream Academia Jungs, danke für diese Einladung, danke für diese wunderbare TEDx, die den fünfjährigen Zyklus beschließt.

Danke für die Energie und die Inspiration! So knapp war ich dran, wär ich auch nur fünf Minuten später an der Ablegestelle angekommen, hätte ich den Kamera-Rucksack im Auto lassen und euch nachschwimmen müssen. Eine TEDx-Konferenz auf hoher See verlässt vielleicht kein Teilnehmer vorzeitig, aber vor Piraten ist kein Schiff sicher. Schon gar nicht am Neusiedlersee.

Die Videos der Talks werden bald alle online sein werden und so erspart mir die moderne Dokumentationstechnologie eine Zusammenfassung der exzellenten Vorträge. Stattdessen ein paar sehr persönliche Eindrücke und jede Menge Bilder von einem wellenkinetisch ruhigen, aber geistig wilden Ritt über des Burgenlands größte Lacke. Der Neusiedler See verbindet Österreich und Ungarn, zwei Länder, die noch vor unfassbar kurzer Zeit durch eine unsichtbaren Wand getrennt waren. Der eiserne Vorhang fiel vor exakt 25 Jahren, und so lautete das Konferenz-Motto zum freudigen Jubiläum “Back to basics – dissolve Borders”. Also Grenzen auflösen – geographische, mentale, metaphorische. Und das mit ganz einfachen Mitteln.

Der Chronist in mir muss erwähnen, dass dies die *allererste TEDx auf einem Schiff* war – das Konferenzformat ist mittlerweile so beliebt, dass pro Tag weltweit 10 (!) “unabhängig organisierte TED Events” stattfinden. Also über 3.000 Veranstaltungen pro Jahr für Landratten, denn vor Katzi und Hermann wagte noch kein TEDx Organisator, der wilden See zu trotzen. Man hätte also rechtzeitig einen Foursquare-Badge beantragen sollen, einen Hashtag aufrufen, eine Social Wall am Schiff aufbauen müssen… nein, alles Bullshit. Zum Glück ist nix davon passiert. “Back to Basics” hieß an diesem Freitag im August nämlich “unplugged”. Kein Beamer, nix ins Smartphone tippen, sondern den Menschen, die da vor einer wohlwollenden Crowd ihre Träume, Fehler, Visionen ausbreiten, einfach nur zuhören. Sich inspirieren lassen, mitmachen, gemeinsam träumen. Nicht zum ersten Mal verstehen, dass außerhalb der “Thinkbox” neue Galaxien darauf warten, entdeckt zu werden, sondern sich einfach nur daran erinnern, wie strahlend schön die Welt leuchten kann, wenn wir alle unsere faulen Ärsche aus der Komfortzone bewegen. Um unserem Bauchgefühl zu folgen, um uns wieder daran zu erinnern, was wir als Kind schon längst wussten. So ein Gefühl wie damals bei der allerersten TEDx Pannonia.

Nein, da geht’s nicht bloß um eitel Wonne und Sonnenschein, ums Flanieren auf der Sonnenseite des Lebens. Jeder von uns erlebt seine Hochs und Tiefs. Muss richtungsweisende Entscheidungen treffen und manchmal Wege gehen, die Mut erfordern, von denen Freunde und Vertraute abraten. An denen wir sogar selbst zweifeln. Aber trotzdem müssen wir uns trauen, uns zu trauen, das zu wagen, was wir sowieso wagen müssen, wenn wir glücklich leben wollen – andere Optionen gibt’s nämlich nicht, außer später mal all dem nachzuweinen, was wir aus Angst oder mangelndem Selbstvertrauen heraus versäumt haben.

Kein Mensch ist eine Insel (ausgenommen natürlich Chuck Norris!), jeder trägt die Verantwortung für sein Glück letztendlich selbst, Hilfe wartet entlang des Weges. Sie ist wertvoll, wie Geburtstagskind Manuel in seinem großartigen Abschlusstalk feststellte. Glücklich, wer Mentoren hat, die ihn dabei bestärken, seiner Vision zu folgen. “Wer das Feuer hütet und es nicht weiter gibt, ist ein Dieb“, so lautete Manuels Zitat. Wir alle stehen auf den Schultern von Riesen, und ich selbst hatte das große Glück, fantastische Lehrer und Mentoren zu finden, als ich sie am dringendsten brauchte. Sie haben mir das allergrößte Geschenk gemacht: Zeit. Sie zeigten mir Abkürzungen zu Zielen, die ich auch allein erreicht hätte, erreichen hätte müssen. Aber erst viel später.

Meine Dankbarkeit dafür kennt keine Grenzen. Ich glaube, das geht allen so, die derart feine Menschen treffen dürfen. Harald und Hermann, ich kann abschließend nur Fiva MC zitieren: Mein Herz tanzt. An dieser Stelle fragen Sie, geneigter Leser, sich vielleicht, warum ich diesen für meine Verhältnisse ungewohnt schwärmerischen Beitrag mit “Kreuzfahrt für Vollidioten” betitelt habe? Einerseits, damit Captain Katzi und Meister Gams erstmal die Spucke weg bleibt, wenn sie die Überschrift lesen, aber zweitens und vor allem aufgrund der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Begriffs idiotes, dem ganz und gar nichts Abwertendes anhaftet:

Das Wort leitet sich vom griechischen ἰδιώτης (idiotes) her, das wertfrei bis heute in etwa “Privatperson” bedeutet. Es bezeichnete in der Polis Personen, die sich aus öffentlichen-politischen Angelegenheiten heraushielten und keine Ämter wahrnahmen, auch wenn ihnen das möglich war.

Wenn also Fredrik Debong, einer der Gründer des auf Software für Diabetiker spezialisierten Start-Ups My Sugar eine hinreißende Präsentation hält, in der über sein eigenes Leben spricht und das Produkt seiner Firma nicht mal am Rande skizziert, wenn Peter Hackmair, Ex-Football-Profi, erfrischend ehrlich über seine Lebenskrisen und -erfolge spricht, wenn Nora Demattio mit hinreißendem Charme und geradezu physisch spürbarer Begeisterung ihr Art House Project skizziert, dann sprechen da Leute ganz ohne Hintergedanken, Ziele oder Erwartungen über ihre Passionen. Ohne Business- und Sach-Zwänge, ohne öffentliche Ämter oder versteckte Lobby-Agenden. Was für ein Privileg, einen solch grandiosen Nachmittag mit gleichgesinnten Idioten verbringen zu dürfen!

Und Thomas Becks wunderbarer Auftritt wird mich immer an diesen Nachmittag erinnern.

Der Bundes Rock’n’Roller Andreas Gabalier, seine Volkshymne und eine exklusive Umfrage

Eines muss man Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier lassen: er spielt auf der Klaviatur der österreichischen Mainstream-Medien eleganter als Peter Rapp am Glücksrad dreht. Ein wahrhaft würdiger Auftakt fürs Sommerloch mit musikalischer Begleitung. Ob Didi Mateschitz mit so viel Aufmerksamkeit für die Bundeshymne alter Schule beim Grandprix von Spielberg gerechnet hätte? Was soll die Politik nun tun? Wie denken Herr und Frau Österreicher tatsächlich über den Text der Bundeshymne? Diese Frage steht gar nicht mehr im Zentrum der nun erneut entflammten Diskussion. Spätestens seit die Kronenzeitung in der Sonntagsausgabe die Trommel gegen Binnen-Iinnen und pro lesbarer Sprache zu rühren begannt, steht fest: bis wieder wichtigere Themen auf der Agenda stehen, schlägt der Anti-Feminismus hart zurück.

Bereits 747 Personen (wahrscheinlich kein Boeing-Product-Placement) hatten noch vor Drucklegung einen offenen Brief an BM Gabriele Heinisch-Hosek unterzeichnet, 420 davon weiblich und wohl alle keine glühenden Fans von Maria Rauch-Kallats letzter politischer Nacht-und-Nebel Ruhmestat. Darin fordern fünf Gelehrte, darunter drei Universitätsprofessoren, ein Professor und Autor sowie eine Doktorin vehement die Rückkehr zu verständigungsorientierter Sprachen und Erleichterung des sinnerfassenden Lesens, also kurz gesagt die Streichungen von Binnen-I, Schrägstrich im Wortinneren (Briefschreiber/-innen), Klammern (Klammer(innen)) und hochgestelltes a bzw. in nach Titeln (KomRin). Nicht nur, aber vor allem in offiziellen Dokumenten.

Und recht haben sie. Für mich persönlich habe ich die Hänsel-Gretchen-Frage hier am Blog vor 6 Jahren thematisiert und mich anschließend gegens Splitting entschieden. Stattdessen verwende ich in direkter Ansprache immer gern beide Formen. Denn, werte Leserinnen und hochgeschätzte Leser, soviel Zeit muss sein, solange die Lesbarkeit eines Textes nicht darunter leidet. Dass die Befürworter der feigenblättrigen politischen Korrektheit zwar in den letzten Jahren mit lauter Stimme gerufen haben, aber damit bloß die Mehrweit der Bevölkerung übertönten, zeigen die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit überdeutlich.

Exklusive Umfrage: Gabalier und die Kufsteiner

Die Wissenschaft eilt einmal mehr beweisend zu Hilfe, und zwar in Form einer brankaktuellen, wissenschaftlichen Studie über Andreas Gabalier, durchgeführt von Dr. Astrid Pettauer am vorvergangenen Wochenende während des Kufsteiner Stadtfestes im Rahmem einer FH-Lehrveranstaltung. Inspiriert von der Diskussion zwischen der ehemaligen Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und Herrn Andreas Gabalier am 26. Juni in der ZIB2 gingen meine Gattin und ihre Studentinnen und Studenten der Frage nach: sind wirklich 95% der österreichischen Bevölkerung für den alten Text der Bundeshymne? Oder doch nur 92%?

Die Samplegröße der Untersuchung, die in der Fachliteratur gemeinhin als “KuGaStu” (Kufsteiner-Gabalier-Studie) bezeichnet wird, beträgt 127 Personen, darunter 70 männliche und 57 weibliche Untersuchungssubjekte gemischten Alters. 14,3% gehen die Töchter und Sohne am Andreas Hofer vorbei, 23,8 Prozent sind für und 61,9 Prozent der befragten gegen den neuen Text.

  • Studie:

    Alle Ergebnisse mit Infografiken und Making of.

Darf man denn in einer Demokratie gegen die Mehrheitsmeinung entscheiden? Selbstverständlich! Oft muss man sogar – nämlich dann, wenn’s um das Gemeinwohl geht. Selbst wenn 99% der Österreicher eine Senkung der Mehrwertssteuer von 20 auf 2 Prozent befürworteten, könnte keine verantwortungsvolle Regierung willentlich den Statt in den Bankrott laufen lassen. (Bei unserer aktuellen in ich mir da gar nicht mal so sicher.)

Aber wie sieht es mit einem vergleichsweise harmloseren Thema wie dem Text der Bundshymne aus? Immerhin sollen solche glorifizierenden Gesänge, deren Daseinsberechtigung aus dem Geiste unserer übrigens auch gänzlich angezweifelt werden könnte, primär eine Identifikationsfunktion erfüllen. Oder, anders gefragt: Wenn Österreich seit Conchitas triumphalem Songcontest-Sieg so stolz auf sein superliberales Image ist, warum singen wir dann nicht gleich “Heimat bärtiger TransvestitInnen”? Man könnte ja auch mit Humor an diese nun wahrlich nicht weltbewegende Staatsaffäre herangehen.

Andreas Gabalier und die Bundeshymne

Aber zurück zur Untersuchung: Das Kufsteiner Stadtfest hat gesprochen! Der Volks Rockn’n’Roller weiß also auch in Westösterreich die Bevölkerungsmehrheit auf seiner Seite – und hält sich weiter im Gespräch. Einen Tag vor Sonntagskrone mit einem offenen Brief auf Facebook (Im Sommerloch fliegen offene Briefe anscheinend tiefer als Hitchcocks Vögel!):

Ich habe mich für eine große, verstorbene Dichterin und deren lirearisches Werk stark gemacht! […] Der Gesetzesbeschluss von 2012 bzgl. der Textänderung der Originalfassung unserer Bundeshymne ist mehr als fragwürdig, da der Gesetzgeber zum einen dem Urhebergesetz anscheinend nicht Folge zu leisten hat, und es zum anderen laut diesem Beschluss ausschließlich der Republik Österreich gestattet wurde, den “Neuen Text” auf Veranstaltungen der Republik Österreich zu singen!

Meine minimale juristische Bildung elaubt leider keine Prüfung dieser Behauptung. Ein paar Beistrich- und Flüchtigkeitsfehler (suchen zwecklos, ich hab sie im Zitat ausgebessert) stützen jedoch entweder die These, dass Andreas Gabalier ohne professionelle Kommunikationsmaschine ganz frei von der Leber weg losgeschrieben hat, oder aber jene, dass besagt PR-Maschinerie metamäßig-elaboriert besagte Vertipper extra eingebaut hat, der höheren Authentizität wegen. In beiden Fällen: Hut ab! Humor haben er und/oder seine PR-Maschinerie jedenfalls, dass muss man ihm/ihr lassen:

RedakteurInnen, die meine Wertschätzung gegenüber unseren Frauen aufgrund eines kabarettistisch gemeinten Liedertextes wie Sweet little Rehlein […] in Frage stellen, kann ich bei Gott keine Aufmerksamkeit schenken, weil sie damit allen Ernstes Wildtiere mit Frauen vergleichen!

Wenn das keine Bonusaufgabe für die Zentral-Matura (österreichisch für Abitur) 2015 ist, dann weiß ich auch nicht: Bilde einen sinnvollen Satz, der die Wörter “Wertschätzung, Frauen, Gott und Wildtiere” enthält!” Als erfahrener Entertainer weiß Gabalier natürlich um die Ähnlichkeiten von Konzert- und Briefdramaturgien: absurde Komik gegen Ende schadt nie:

Zeitgemäß sollten wir und vielleicht auch überlegen, den Stephansdom in Wien in den Stephaniendom umzutaufen, Mozart auf seinen Bildern die Haare zu schneiden, weil seine Frisur veraltet ist und dem Lindwurm in Klagenfurt Brüste umzuhängen, weil unsere Geschichte nicht mehr in diesen verkrampften Gender-Wahnsinn hineinpasst!

Chapeau! Streng genommen ist der Begriff “Volks-Rock’n’Roller” ja ein Widerspruch in sich selbst. Wie Business-Punk oder Bergbauern-Industrieller. Kein Wunder also, dass sich diese Ein-Mann-Musikrichtung nicht unter den 12 in der Wikipedia gelisteten Subgenres findet, denn:

Rock’n’Roll (kurz für Rock and Roll) ist ein nicht klar umrissener Begriff für eine US-amerikanische Musikrichtung der 1950er- und frühen 1960er-Jahre und das damit verbundene Lebensgefühl einer Jugend-Protestkultur.

Andreas Gabalier dagegen steht für den Beweis, dass harte Arbeit und sorgsames Studium der Mechanismen von Popkultur und -konsumation ein Ergebnis zeitigen können, dessen Konsenspotential alt und jung jubelnd zu Konzerten und zum Plattenhändler eilen lässt. Was ihn zu einer Art musikalisch nachhaltigerer Conchita Wurst mit weniger Konfliktpotential macht. Machen täte. Potentiell.


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Vom Protest der Minderheit, so zeigt die Umfrage jedenfalls klar, kann keine Rede sein: der Volks Rock’n’Roller schaut dem Volk eben aufs Maul und wird laut eigener Aussage auch weiterhin “das Gesetz brechen”. Eine Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr bzw. maximal 360 Tagessätze hätte er übrigens nur dann zu befürchten, wenn ein Richter entscheidet, dass es sich um Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole handelt:

(1) Wer auf eine Art, daß die Tat einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird, in gehässiger Weise die Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer beschimpft oder verächtlich macht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr zu bestrafen.

(2) Wer in der im Abs. 1 bezeichneten Art in gehässiger Weise eine aus einem öffentlichen Anlaß oder bei einer allgemein zugänglichen Veranstaltung gezeigte Fahne der Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer, ein von einer österreichischen Behörde angebrachtes Hoheitszeichen, die Bundeshymne oder eine Landeshymne beschimpft, verächtlich macht oder sonst herabwürdigt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen. (StF: BGBl. Nr. 60/1974)

Dass es Andreas Gabalier nicht um Verunglimpfung der Republik ging, steht wohl außer Zweifel. Dass er nebenbei auch noch eine Diskussion losgetreten hat, die eine nette Fußnote in der endlosen Geschichte “Rot-weiß-Rote Politiker regieren am Volk vorbei” bildet, verleitet mich zu einem zufrieden-boshaften Grinser. Das Sommerloch musste sich schon mit faderen Themen füllen lassen, und im übrigen gilt wie immer: Winter is coming.

Fotos: Andreas Gabalier Pressefotos

Buchtipp, nein, Pflichtlektüre: Meuterei des Denkens

Als ich Hannes Treichls Meuterei des Denkens aus dem Briefkasten nahm, hab ich mich gefreut und natürlich schon vor dem ersten Umblättern gewusst, dass ich was ganz besonderes in den Händen halte. Was Hannes, Bloggerkollege und Marketing-Vordenker, seinen Lesern auf 200 Seiten anbietet, hat meine Erwartungen allerdings noch weit übertroffen und mich schlicht aus den Socken gehauen.

Es scheint einfacher, aufzuzählen, was Meuterei des Denkens nicht ist: kein wissenschaftliches Werk, keine Anekdotensammlung, kein Rätselheft für Fortgeschrittene, kein Theorie-Brevier, kein Lexikon, kein Bilderbuch, kein Kurzgeschichtenband, kein Übungsband – aber von alledem ein bisschen was. Oder, wie Hannes im Vorwort schreibt:

Gedanken, Fragen, Antworten – gesammelt in vielen Seminaren, Workshops, Coachings, Beratungen, Arbeits- und Lebenssituationen. Alle hier vorgestellten Werkezeuge haben mir immer wieder geholfen, scheinbare Hindernisse zu überwinden. Ich beobachte mein Denken. Verstehe. Verändere. Denke nicht mehr. Denke weniger. Entscheide sicherer. Welch ein Paradoxon.

Meuterei des Denkens fordert die Leser heraus und schickt sie auch mal in den Keller, wenn’s drum geht, wie man auf kürzestem Weg rausfindet, wie drei Sicherungen mit drei Glühbirnen verdrahtet sind. Es löst Labyrinth-Probleme auf umgekehrtem Weg, erklärt, warum es unendlich viele Möglichkeiten gibt, ein Quadrat in vier gleich große Teile zu teilen (gleich groß bedeutet nicht deckungsgleich!), es lädt den Leser zum Würfeln ein, findet Tierbilder in U-Bahn Plänen, lässt Wasser nach oben Fließen und stellt eine Reihe von äußerst praktischen Hilfsmitteln vor, die kreative Prozesse in Gang bringen und strukturieren.

Jede einzelne Seite spiegelt die Liebe zum Detail wieder. “Hyperlinks” verweisen immer wieder auf weiterführende Literatur: Zu finden auf Hannes’ Blog anders denken. 200 Seiten und mindestens ebenso viele Annäherungen an das Thema “Kreativät” nehmen den Leser mit auf eine multidimensionale Achterbahnfahrt quer durch den Erfahrungsschatz von jemandem, der mit viel Verständnis für eine komplexe Materie keinen Zeigefinger erhebt, sondern aus einer täglich gelebten Praxis berichtet. In der gibt es keine Einbahnstraßen, sondern viele Weg führen zu einem Ziel, das manchmal klar und deutlich vor Augen liegt und doch so oft von unseren systematischen Scheuklappen ausgeblendet wird. Aber werfen Sie doch einfach selbst einen Blick rein, die ersten 66 Seiten gibt’s ungekürzt als Online-eBook. Ein Klick aufs Widget öffnet die Fullscreen-Ansicht:

Schmökern und/oder Lesen?

Zwar schreibt der Autor im Vorwort, dass es sich um ein Schmökerbuch handle, das nicht dazu gedacht sein, von vorne bis hinten linear konsumiert zu werden. Einzig hier muss ich widersprechen: Ich konnte die Meuterei des Denkens nicht mehr aus der Hand legen vor lauter Neugier. Danke, lieber Hannes, für diesen fantastischen Mix aus Inspiration, Werkzeugbox und Wunderkasten. Du hast mich auf viele neue Ideen gebracht – und endlich hab ein “Lehrbuch”, das ich meinen Studentinnen und Studenten uneingeschränkt empfehlen kann.

Meuterei des Denkens gibt’s auch auf Amazon, aber datenschmutz empfiehlt eine Direktbestellung beim Verfasser – die enthält nämlich eine kleine Überraschung, die garantiert im Gedächtnis kleben bleibt. Deshalb lieber direkt beim Autor bestellen!

Passion: Wie mich Sir Anthony Hopkins zum André Rieu Fan machte

Wussten Sie schon, dass sich die Talente des Schauspiel-Doyens Sir Anthony Hopkins nicht auf die darstellerischen Künste beschränken? Seit vielen Jahren komponiert der mittlerweile 73jährige Musik. Aus seiner Feder stammt auch “And the Waltz goes on”: ein Walzer, der einerseits die Strauß’sche Tradition aufgreift und andererseits eine ganz eigene, fast hyper-wienerisch wirkende Melancholie transportiert.

50 Jahre nach der Entstehung des Stücks schickt Hopkins die Partitur an den holländischen Star-Geiger André Rieu:

“I’ve been a great admirer of André Rieu for several years,” explained Sir Anthony. “He’s a great musician. My wife and I had the same dream of meeting him one day, so I’ve sent him some music that I wrote.” [via supajam

Zur Uraufführung von “And the Waltz goes on” flog das Ehepaar Hopkins 2011 nach Wien. Das folgende Video ist weit mehr als ein wunderschöner Walzer. Achten Sie auf den Gesichtsausdruck des Komponisten, für den sich mit der Erstaufführung ein Traum verwirklicht hat. Der Traum eines Mannes, der in seinem Fach so gut wie alles erreicht hat. “Es war noch viel besser, als ich erwartet hätte,” kommentiert Hopkins, und dass er “totally knocked out” gewesen sei. Nicht bloß bezaubernd, sondern geradezu ein Wink, sich an eigene Träume aus vergangenen Tagen nicht bloß zu erinnern…

Titelbild: Youtube-Screenshot, © 2011 Universal Music Domestic Pop

Banksy-Originale zu Schleuderpreisen: Kunst und Kontext

“An artist’s residency on the streets of New York” nennt Banksy seine aktuelle Aktion, in deren Verlauf er jeden Tag ein Kunstwerk auf den Straßen des Big Apple präsentiert. Ein Audioguide, zugänglich unter einer Gratis-Nummer, die neben den Graffitis zu finden ist, liefert herrlich skurril aufbereitete Zusatzinfos, in denen der Meister ständig als [bänsk:ei] bezeichnet wird. Alle Aktionen dokumentiert täglich der “Ausstellungskatalog” unter banksyny.com.

Der britische Meister-Ikonograph beherrscht nicht nur sein Handwerkszeug in Perfektion, sondern hat sich in den vergangenen Jahren als wahres Diskurs-Hacking-Genie etabliert. Seine Statements zum Kunstwerk gipfelten 2010 in der grandiosen Mockumentary Exit through the Gift Shop, einer rasanten Achterbahnfahrt durch die Welt der Street Art und ihre komplizierte Beziehung zum Kunstmarkt.

Genau die ist mittlerweile recht gefestigt: wer das Glück hat, einen Banksy auf der eigenen Wand vorzufinden, kann schon mal die Maurer rufen, denn solche “Originale” erzielen bei Kunstauktionen mittlerweile Millionenpreise. Eine Tatsache, die anlässlich der aktuellen NY-Residency bereits Steve Colbert aufgegriffen hat:


Am 13. Oktober bot Banksy eine ganze Reihe von signierten Original-Arbeiten zum Verkauf an – und zwar an einem der vielen Touristenfallen-Stände im Central Park. Der Künstler, der seine Idenität seit Jahren erfolgreich geheim hält, verkaufte die Bilder nicht selbst, sondern überließ einem entspannten älteren Herrn (Name der Redaktion unbekannt) Präsentation und Abwicklung. Pro Bild wollte dieser von potentiellen Käufern 60 Dollar. Bilanz am Ende des Tages: 8 der rund 30 Bilder gingen über den Ladentisch, der Rest wanderte nach Ende der eintägigen, einmaligen Aktion wieder zurück in Banksy’s Atelier.

Den 8 Käuferinnen und Käufern kann ich nur gratulieren – wie oft hat man schon die Gelegenheit, 60$ in wenigen Minuten in mehrere Millionen zu verwandeln? Was für eine poetische Aktion! Das Video “Art Sale” dokumentiert das Geschehen im Central Park:

Luca war leider auch grad nicht in NY *g*

Gewinnspiel – 4 Seminarplätze: Vom Problem zur Lösung

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datenschmutz und die trainerei vier Blogleser_innen zum Seminar “Vom Problem zur Lösung – Problem erkannt, Problem gebannt?”. Der Workshop findet am kommenden Freitag, 18. Oktober von 14:00 bis 18:00 Uhr im Neudeckerhof, Hackhofergasse 1, 1190 Wien statt. Mag.a Maria Pimminger MEd und Mag. Peter Steinberger stellen den lösungsfokussierten Ansatz vor, üben Gesprächstechniken und helfen den Teilnehmer_innen, neue Perspektiven einzunehmen. Wer mitmachen will, hinterlässt einfach einen Kommentar zu diesem Beitrag. Das Gewinnspiel endet am Mittwoch, 16.10., 15:00 Uhr nachmittags.

Der lösungsfokussierte Ansatz basiert auf den Ideen von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg und hat sich in den verschiedensten Beratungsfeldern (Coaching bis Psychotherapie) bewährt. Der große Unterschied dieses Ansatzes gegenüber klassischen Ansätzen ist die Überzeugung, dass eine Veränderung in Richtung einer gewünschten Lösung keine Problemanalyse erfordert. Konsequent weitergedacht heißt dies, dass Problem und Lösung voneinander unabhängig sind. Um Wittgensteins Worte aufzunehmen, heißt das, dass nicht die Tatsachen und Fakten an sich das Problem sind, sondern unsere Beziehung, unser Umgang mit diesen Elementen. Daher ist es müßig die Elemente des Problems lange zu analysieren und zu verändern. Zielführender ist es, die Art und Weise wie wir mit diesen Tatsachen umgehen zu verändern.

Wer jetzt neugierig geworden ist oder sich das absolut nicht vorstellen kann und am Freitag Zeit hat, sollte unbedingt an diesem Gewinnspiel teilnehmen! Wer sich nicht auf sein Glück verlassen möchte, kann sich auch direkt via E-Mail für das Seminar anmelden: info@trainerei.at

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Vom Problem zur Lösung – Problem erkannt, Problem gebannt?!
18. Oktober 2013, 14.00-18.00 Uhr
Kosten: 80.- Euro
TrainerInnen: Mag.a Maria Pimminger MEd. & Mag. Peter Steinberger

Der gängigen Annahme, dass Probleme lange und eindringlich analysiert werden müssen um zu einer Lösung durch zu dringen, widerspricht der lösungsfokussierte Ansatz. Ausgehend von der Prämisse, dass die Lösung unabhängig vom Problem ist, hilft dieser Workshop neue Perspektiven einzunehmen und lösungsfokussierte Gesprächstechniken zu üben.

Information und Anmeldung: info@trainerei.at

Seminarort: Neudeckerhof, Hackhofergasse 1, 1190 Wien
Erreichbar mit der Straßenbahnlinie D oder S-Bahn (Station Nußdorf). Für die Anreise mit dem Auto stehen Parkplätze zur Verfügung.

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Am Gewinnspiel teilnehmen

Wer einen der vier gratis Seminarplätze gewinnen möchte, hinterlässt einfach einen Kommentar zu diesem Beitrag. Bitte unbedingt auf die richtige E-Mail Adressen achten (zwecks Gewinnverständigung!). Wer das Gewinnspiel am eigenen Blog, auf Twitter, Facebook, TumblR etc. ankündigt oder den datenschmutz-Newsletter abonniert, bekommt pro Beitrag bzw. Status-Update Zusatzlose – genauere Infos dazu gibt’s auf der Gewinnspielseite. Die Verlosung endet am Mittwoch, 16. Oktober um 14:00 Uhr.

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Das Kleingedruckte
Die Gewinner_innen werden via E-Mail verständigt, natürlich ist der Rechtsweg ausgeschlossen und eine Barablöse nicht möglich – im übrigen gelten die Teilnahmebedingungen für datenschmutz-Gewinnspiele.

Über die Trainerei

Die Trainerei führt seit 5 Jahren professionelle Seminare, Trainings, Coaching und Moderationen für NGOs, Unternehmen und Einzelpersonen durch. Unter dem Motto “Mehr als eine Lösung” werden die Bereiche Training, Beratung und Wissenschaft erfolgreich unter einen Hut gebracht.

Weitere Seminare der Trainerei im Herbst 2013: Trainerei Seminare [pdf]

[/vc_column_text][vc_cta_button call_text=”Jetzt am Gewinnspiel teilnehmen!” title=”Kommentar schreiben” target=”_self” color=”btn-warning” icon=”none” size=”btn-large” position=”cta_align_right” href=”#comments”][/vc_column][/vc_row]

Crowdfunding in Österreich: Investitionswille ja, Rechtssicherheit nein

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Crowdfunding, also die Finanzierung von Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen durch eine große Zahl von Kleinanlegern, könnte Österreichern bis auf Weiteres verwehrt bleiben. In Zeiten der Wirtschaftskrise mussten zahllose KMUs, die wenige Jahre zuvor noch als “gesunde Firmen” galten, zusperren, weil Banken kurzfristig Kredite fällig stellten. Die Lage für Neufinanzierungen sieht nach wie vor alles andere als rosig aus. Private stille Teilhaber als Alternative erfreuen sich zwar im Ausland großer Beliebtheit, das österreichische Banken- und Kapitalmarktgesetz ermöglichen in der derzeitigen Form aber leider keinerlei Rechtssicherheit für Crowdfunder.

[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=”1/1″][vc_message color=”alert-block”]

Update 1: danke für das laute Echo! Ich hatte schon länger ein Posting über die Crowdfunding-Problematik in Österreich geplant, die Pressekonferenz heute vormittag gab dann den Anstoß. [siehe OTS-Meldung: “Mehrheit der Österreicher für Crowdfunding“]

Die große Resonanz hat mich dazu bewogen, den Link zu meinem Beitrag auf die Facebook-Page von Bundeskanzler Werner Faymann zu posten. Ich möchte mithelfen, die SPÖ für dieses Thema sensibilisieren, damit die Diskussion bzw. die nötigen Gesetzesänderungen nicht bis zur nächsten Nationalratswahl verschleppt werden.

Machen wir gemeinsam Crowdfunding in Österreich möglich! Mit genügend Likes und Kommentare zum Crowdsourcing-Posting auf der Facebook-Page von Bundeskanzler Faymann bringen wir die AK und in weiterer Folge die SPÖ im Idealfall dazu, ihren Standpunkt nochmal zu überdenken: zum Posting

Update 2: eine Mitglied des “team bundeskanzler” hat auf meine Brief geantwortet: http://datadirt.net/8zo7

[/vc_message][vc_cta_button call_text=”Machen wir gemeinsam Crowdfunding in .at möglich!” title=”zum Facebook-Posting” target=”_blank” color=”btn-primary” icon=”none” size=”btn-large” position=”cta_align_right” href=”http://datadirt.net/akcrowd”][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=”2/3″][vc_column_text]

Jammerschade, denn dank spezialisierter Web-Plattformen ist es heute einfacher als je zuvor, eine relevante Zahl von Mikro-Investoren für die eigene Idee zu begeistern. Manchmal funktionieren solche bankenlosen Kredite sogar ganz ohne Beteiligung von digitalen Medien.

Bekanntestes Beispiel in der Alpenrepublik ist der Waldviertler Unternehmer Heini Staudinger. Als seine Firma GEA von der Hausbank keinen Kredit mehr bekam, lieh er sich die benötigten 3 Millionen Euro von Freunden und Kunden, denen er Zinszahlungen versprach – woraufhin ihn die österreichische Finanzmarktaufsicht verklagte. Nur Banken, so die Argumentation, dürfen Kredite vergeben.

Die geforderte Strafe von €2.000 hat der “Kreditrebell” nicht bezahlt, lieber möchte er sich demonstrativ einsperren lassen. Für Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl ein Anlass, eine Lanze für die Legalisierung des Crowfunding in Österreich zu brechen. Eine heute präsentierte Studie der Jungen Wirtschaft gibt ihm recht: das market Institut befragte 1.000 Personen zu Risiko-Einschätzung und Investitionsbereitschaft. Das Resultat zeigt, dass angesichts von 484 Milliarden Euro Finanzvermögen heimischer Privathaushalte hier ein enormes Potential schlummert:

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“Wir werden Vorschläge machen, wie Herr Staudinger sein alternatives Finanzierungsmodell legalisieren kann”, sagt Leitls Sprecher Rupert Haberson.

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  • Auf die Frage, ob sich die Probanden vorstellen können, in ein bestehendes Unternehmen in deren Umgebung zu investieren, das für die Umsetzung eines Projekts viele kleine Investoren sucht, antworten 56 Prozent mit “auf jeden Fall” bzw. “eher schon”. Von diesen wiederum können sich jeweils 23 Prozent vorstellen, 500 Euro bzw. 1.000 Euro zu investieren.
  • 26 Prozent geben an, mehr als 1.000 Euro einbringen zu wollen. 28 Prozent würden weniger als 500 Euro anlegen. Im Durchschnitt würde sich jeder Befragte mit 700 bis 750 Euro an einem Projekt beteiligen.
  • Die Motive für Investitionen in solche Crowdfunding-Projekte sind vielschichtig. So geben 92 Prozent an, ein derartiges Projekt zu unterstützen, wenn sie von der Idee überzeugt sind. 91 Prozent beurteilen eine Projektunterstützung als “sehr interessant” oder als “interessant”, wenn man klar erkennen kann, wie das Projekt umgesetzt werden soll.
  • Ein weiteres Motiv ist die Möglichkeit mit kleinen Beträgen einzusteigen. 90 Prozent ziehen diesen Punkt als ein Entscheidungskriterium heran.

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Anders als bei den Österreich in ländlichen Gegenden überall präsenten landwirtschaftlichen Genossenschaften sind die Financiers beim Crowdfunding nicht aktive Produzenten, sondern stille Teilhaber. Die Motivation, privates Kapital in Projekte mit kaum abschätzbarem Risiko zu investieren, besteht häufig gar nicht in der Hoffnung auf allfällige Renditen, sondern besteht oft im Produkt selbst respektive in dem Bonus, zu jenen Early Adopters zu gehören, die das begehrte Gadget als erste in der Hand halten.

Relevant ist für den Gesetzgeber der Schutz der Konsumenten, denn natürlich liegt das Risiko eines Totalverlusts weit höher als bei einem Sparbuch. Entsprechendes Bewusstsein ist bei den Investoren eindeutig vorhanden:

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  • Klar ist die Erwartungshaltung im Hinblick auf die Überprüfung derartiger Angebote durch staatliche Stellen. Dies ist nicht von Nöten, eine klare Mehrheit geht davon aus, dass sich hier beide Seiten auch ohne lenkende Hand einigen können.
  • Nur 20 Prozent erwarten sich eine staatliche Überprüfung. Dies lässt sich damit erklären, dass über Crowdfunding finanzierte Projekte in vielen Fällen eine Nähe zu den Investoren aufweisen und nicht nur von einigen wenigen, sondern von vielen Anlegern geprüft und durchleuchtet werden.

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Ein Blick über die Grenzen: Hardware-Finanzierung via “Kickstarter”

Schlagzeilen gemacht haben in jüngerer Vergangenheit hauptsächlich Hardware-Gadgets: mittlerweile sorgen nicht nur 3D Drucker und “smarte” Armbanduhren für begehrliche Griffe ins Sparschwein. Seit kurzem weckt eine Miniatur-CNC-Fräse namens Othermill reges Interesse. $50.000 wollte das Entwicklerteam Mike Estee und Danielle Applestone von 5.5. bis 4.6. Juni einsammeln, $311.657 sind bis vorgestern zusammen gekommen. Zwischen 1$ (ein “Dankeschön” auf der Webpage) und $2.499 (für einen der ersten Prototypen mit Zubehör und Custom-Gravur) liegt das Spektrum der Einzahlungen.

Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich Crowdfundings von klassischen Investitionskrediten unterscheiden. Auf Plattformen wie Kickstarter gibt der Antragsteller eine Zielsumme an, die bis zu einem bestimmen Stichtag erreicht werden muss. Scheitert die Finanzierung, dann erhalten alle Einzahler in der Regel ihr Geld rückerstattet. Auf gut österreichisch: “nix’ is g’scheh’gn” [für die Leser auf 3Sat: wörtl.: “Nichts ereignete sich”, fig.: “wo kein Nutzen, da zumindest kein Schaden”].

Passiert der Sammelbeutel die finanzielle Ziellinie, ist nicht automatisch Schluss. Bei weiten nicht allen Einreichern gelingt dies, besonders populäre Vorschläge finden aber immer wieder mal weit mehr Geld in der Kasse vor, als nötig wäre. Smarte Unternehmer sehen derlei Eventualitäten vorher und kündigen in der Beschreibung an, wofür sie das “Trinkgeld” einsetzen würden. Im Fall von Othermill sieht das so aus:

JOB CREATION: At $100,000, a job gets created! We can hire another machinist, and we can manufacture your machines faster.
SOFTWARE FEATURES: At $250,000, (first we jump up and down, and then…) we hire a third software engineer. This means the first release of Othercam has even more features and is able to do things (DXF importing, etc) currently planned for future versions.

Die Kommunikation zwischen Geldgeber und Unternehmer spielt hier also eine ganz wesentliche Rolle. Letztendlich vertrauen die Investoren einer Person respektive einer Idee. Kurz gesagt: Aktiengesellschaften sind gesetztlich verpflichtet, Geschäftsberichte zu veröffentlichen. Crowdfunding-Unternehmer müssen transparent kommunizieren, um potentielle Financiers zu überzeugen.

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Zurück nach .at: Den Finanz-Horizont erweitern?

Dass Geeks und technologie-affine Netizens mit Gadgets leicht zu begeistern sind, ist nichts Neues. Die Schwarmfinanzierung eignet sich aber auch für ganz andere Einsatzzwecke: ob Künstler sich auf diesem Weg Freiheit von Produktionszwängen erkaufen möchten oder ganz klassische Unternehmer Alternativen zum Banken-Geldhahn suchen, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der unternehmerischen Freiheit hierzulande aber sehr wohl, wie das Beispiel von GEA zeigt.

Zwei Bestimmungen sind, so Markus Roth, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft, zu modifizieren, um Crowdfunding in Österreich auf eine solide rechtliche Basis zu stellen. Zum einen das Bankwesengesetz, konkret Einlagegeschäfte, die zu keinem Zeitpunkt 5 Millionen überschreiten, keine Vorstufe zu einem Bankgeschäft darstellen, sondern durch realwirtschaftliche Tätigkeiten finanziert werden, sollen nicht mehr als solche gelten. [für Juristen: §1 Abs 1Z1 BWG].

Zum anderen das Kapitalmarktgesetz, welches die sogenannte Prospektpflichtgrenze bei €100.000 ansetzt. In den Niederlanden und Schweden beträgt diese 2,5 Millionen, in Finnland und Dänemark gar 5 Millionen Euro. Neben der Anhebung auf €499.999 wünscht sich die Junge Wirtschaft ein Stufenmodell: je mehr in ein Projekt investiert wird, desto umfangreicher sollen die Informationspflichten für die Unternehmen ausfallen.

Der Ruf wird immer lauter, dass das Parlament die geforderten Rahmenbedingungen schafft: Politiker, die mangelndes Investitionskapital beklagen, sollten privaten Investoren und innovativen Unternehmern diese Form der stillen Direktbeteiligung auf keinen Fall verwehren. Bisher verweigert die SPÖ auf Druck der Arbeiterkammer die entsprechenden Gesetzesänderungen. Dass Konsumenten vor Betrug und Manipulation geschützt werden sollen, ist jedem völlig klar. Wenn diese Konsumenten allerdings aus Überzeugung in ein Unternehmen investieren möchten und sich des Risikos bewusst sind, fordern sie vom Gesetzgeber Rahmenbedingungen für ein funktionierendes österreichisches Crowdfunding-Ökosystem.

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Wie biegt man Wasser?

Man dreht den Bass fett auf! Was nach einem misslungenen Nonsens-Witz klingt, ist physikalische Realität – die sich mit recht wenig Bastelaufwand sogar problemlos im eigenen Garten nachbauen lässt. Alles, was man dazu braucht, ist ein Gartenschlauch, ein Lautsprecher, einen Wasserhahn, eine Videokamera sowie einen Sinusgenerator. Letzteren gibt’s als mehrere tausend Euro Teuro Studio-Hardware oder als Freeware für den PC – für unsere Zwecke völlig ausreichend. Einmal bei TTTon von Joachim Mohr oder den AF Signal Funktions Generator von Bernd Reiser reinzuhören, fördert auch in punkto “Homemade Hörtest” Aufschlussreiches zu Tage, aber dazu ein andermal mehr. Und so sieht das ganze dann aus:

Zweifellos erkennen Grander-Apostel in diesen faszinierenden Bildern einen *weiteren* Beweis für die Intelligenz (Grandezza?) von H2O, dabei reicht die medienwissenschaftliche Erklärung völlig aus. Ich zitiert hier mal necraduqs Kommentar zum Clip:

Explanation: When the frequency of the speaker is the same with the frequency of the video frames (frames/sec) the camera actually captures the same frame everytime and thus the same water shape.

You can see the change 1 hz makes when filming (if filming is kept at the same rate 24fps) as this translates into a ‘forward movement’. Imagine a clock with only a seconds indicator. If you would close your eyes and open them precisely once every 60 seconds you would think the indicator is not moving.

Ja, in der Tat – mit bloßem Auge geht da gar nix, denn unser visuelles System arbeitet nun mal nicht mit Frames-per-Second. Die faszinierende Spiralenform entsteht genau denn, wenn die Frequenz der Audio-Schwingung genau mit den fps der Videokamera übereinstimmt. Durch die Verschiebung um ein Hertz entsteht die im Video gezeigte Vor- bzw. Rückwärtsbewegung.

Wer das Experiment zuhause im Garten nachfilmen möchte, muss daher auf die Aufnahmeparameter achten: bei einer Kamera, die 25 Bilder pro Sekunde aufnimmt, entsteht die stehende Welle am Video beim 25Hz-Ton, bei 24fps Aufnahmen tritt die “Schwebung” bei 24Hz auf.

Die Tageszeitung Der Standard Kompakt – Das Kleinformat

Was bin ich erschrocken, als heute die erste kleinformatige Ausgabe des neuen Standards für Kurzarmige und Hundebesitzer vor der Wohnungstür lag! Das ist einfach…. nicht richtig. Wie ein Hybridwesen aus dem Labor, Frankensteins Zeitungsmonster: eine Abdomination, erschaffen in bester Absicht, aber doch ein Frevel an der natürlichen Ordnung… ach was, ganz so schlimm ist der Standard Kompakt überhaupt nicht. Die Grafiker dort haben bloß recht wenig Ahnung von A4-plus-ein-bisschen-was-Layouts, deshalb liest sich die Zeitung rein optisch so charmant wie ein Bezirksblatt, das die Anzeigen durch Presseagentur-Meldungen ersetzt hat.

Standard und ÖsterreichDer Standard und eine österreichische Satiretageszeitung im Größenvergleich.

Dabei kannte meine Freude in gewissen Grenzen keine Grenzen, als mir ein sich selbst terminierendes, sechswöchiges Testabo für lau angetragen wurde – denn niemand hasst Großformate mehr als ich: beim Motorradfahren auf der Autobahn fliegen dir ständig große Vögel in die Zeitung, im Bett sieht man beim Umblättern kaum mehr auf den Fernseher. Die große Chance, die sich durch den geringen Umfang des Standard Kompakt böte, lässt die Redaktion leider ungenutzt verstreichen. Ein Beispiel von Seite 20, Rubrik “kurz gemeldet”: 4 Meldungen, 2x APA, 1x DPA, 1x red – letzere mit dem Titel “Erratum”.

In den besten Momenten reicht die Qualität der Untertitel fast an fellneröses Buntpapier ran, wenn etwa in der Rubrik “Netbusiness / Wissenschaft” der Artikel “Ein Internet für Roboter” mit dem Lead beginnt “Was Roboter Franz nicht kann, lernt er künftig von seinem Kollegen Josef.” Soll der kompakte Standard, was er nicht kann, künftig von seinen Kollegen Österreich und Heute lernen? Ohne wirklich zukräftige Artikelüberschriften wie “Warum Peter Pilz diesen afrikanischen Baum zersägte” (1) wird das nix an den U-Bahn-Stationen.

Aber dort soll der Standard Kompakt ja auch gar nicht aufliegen, vielmehr handelt es sich um einen Testballon, der klären soll, ob Interesse an einem Produkt im kleineren Format besteht. Ich hab darauf eine klare Antwort: ja, wenn’s nix kost…

Outtakes / Making of

Standard Shooting


(1) In Anlehnung an die legendärste Österreich Schlagzeile ever: “Afrikanerin zersägte diesen Straßenbahnfahrer”

Günter Wallraff und der Amazon-Shitstorm

Ähnlich wie Uri Geller kraft seines Geistes (und seiner Finger) Löffelchen biegt, entfachte schon so manches Lüftlein des Enthüllungsjournalisten Wallraff einen wahren Sturm der Empörung im Wasserglas des deutschen Arbeitsrechts. Mixt man noch ein wenig ARD-Doku plus die “virale Kraft sozialer Netzwerke” hinzu, dann hat nicht nur die niederösterreichische Leiharbeiter-Firma Trenkwalder möglicherweise in naher Zukunft ein Problem.

Was war geschehen?

Laut der Presse folgendes:

Ein ARD-Bericht über die schlechten Arbeitsbedingungen beim Online-Händler Amazon schlägt hohe Wellen. Das deutsche Arbeitsministerium hat nun die deutsche Tochter der niederösterreichischen Leiharbeitsfirma Trenkwalder im Visier: Am Donnerstag wurde eine Sonderprüfung gegen das Unternehmen eingeleitet, bestätigte eine Sprecherin von Ursula von der Leyen. […] Trenkwalder war für die Rekrutierung der Amazon-Beschäftigten zuständig. Der Firma droht nun in Deutschland der Lizenzentzug. Welche Folgen das genau hätte, konnte die Sprecherin nicht sagen.

“Hier bin ich in einer anderen Welt, hier muss ich gehorchen, hier gilt meine Würde nicht.” Was sich anhört wie das typische Resümee eines Social Media Praktikanten, bezieht sich auf die Schattenwelt unter respektive hinter der (gar nicht mal so schönen) Oberfläche des mächtigsten unter den Online-Buchhändlern. Denn hier malochen, schikaniert von einem Sicherheitsdienst, dessen Mitarbeitern man Verbindungen zur rechten Szene nachsagt (Welcher Security Firma eigentlich nicht? Der Job zieht nun mal den Bodensatz an.), massenweise Leiharbeiter, die so wenig Geld bekommen, dass sie “teilweise in der Kantine um Kaffee betteln”.

So manches erschließt sich mir auch beim zweiten Anschauen nicht, so etwa der Kommentar des Busfahrers, der das ARD-Team auf die mistigen Arbeitsverhältnisse aufmerksam gemacht hat. Die Leute, so erzählt er, wohnen oft 30 Kilometer vom Werk weg. Er holt sie ab und bringt sie nach ihrer Schicht wieder zurück – für die Leute seien das oft “mehrere Stunden täglich”. Hier könnte ein schnellerer Bus möglicherweise Abhilfe schaffen, anderswo liegt der Umgang mit den humanen Ressourcen so sehr im argen, dass man sich nahezu an Apple’sche Produktionsverhältnisse gemahnt fühlt:

Aus Zuschriften von Betroffenen gehe hervor, dass diese von Kameras überwacht, schon bei kleinen Verschnaufpausen zum Vorgesetzten zitiert würden und mit Repressalien rechnen müssten. In Einzelfällen durften Wallraff zufolge Medikamente, die etwa Diabetiker brauchten, nicht mit ins Lager genommen werden.

Dabei muss man gar nicht die Extremfälle bemühen, um schnell zu bemerken, dass hier eine ordentliche Sauerei mit System am Laufen ist: krisengebeutelte Spanier bekommen über Vermittlung der deutschen Agentur für Arbeit respektiven deren europäisches Pendant einen Saisonjob für €1.500,- brutto bei Amazon Deutschland angeboten. Zwei Tage vor der Abfahrt erfahren sie, dass “Amazon nicht in der Lage ist, sie direkt anzustellen” und sie daher über die Leiharbeitsfirma Trenkwalder angestellt werden. Vor Ort bekommen sie einen deutschsprachigen Vertrag, dessen Inhalt sie nicht lesen können: 12 Prozent weniger Lohn als ursprünglich angekündigt, Unterkunft in winzigen Sechser-Appartments bei Kaltverpflegung, die selbst zu bezahlen ist… Leiharbeiter oder Leibeigene, mitgehangen oder mitgefangen, aus dem Ausland mit falschen Versprechungen angelockt – bilden Sie sich selbst Ihre Meinung, die ARD kickt ihre Produktionen nicht wie der geizige ORF nach 7 Tagen wieder vom Server. Hier geht’s zur Doku, die letzten Mittwoch ausgestrahlt wurde: Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon.

Der Beitrag hat eine ganze Slacktivism-Lawine ins behäbige Rollen gebracht: Zweieinhalbtausend tun auf der Facebook-Page amazon? Nein Danke ihren Unwillen kund, etliche Tweets versichern die zukünftige Entsagung vom digitalen Shoppen beim Platzhirsch. Man kann nur hoffen, dass nicht irgendwann mal eine Doku katastrophale Arbeitsbedingungen in einem Facebook-Support-Center ans Licht bringt, denn wo sollten die Wutbürger sich dann noch entleeren?

Wenig überraschend haut der deutsche Buchhändlerverband kräftig in die offene Kerbe, Sybille Hamann romantisiert über Vorteile der Grätzel-Nahversorgung und fährt mit ihrem Beitrag einen Kommentar ein, der das Problem wunderbar auf den wunden Punkt bringt:

[…] Ich werde dort sicher nichts mehr kaufen, auch wenn Amazon jetzt auf Richtigstellung oder gar Einsicht etc machen sollte. Ich habe dort schon viel gekauft, von Spielen über DVD playern bis zu Handys! – no more.
Ich bin aber in der moralischen Zwickmühle, weil ich auch ein Produkt auf Amazon verkaufe, das dort 95% meines Umsatzes einspielt. Wenn ich es schaffe, es dort über meinen Vertrieb abzuziehen, juckt es Amazon nicht, mich aber gewaltig! :-/ man sieht, Geld regiert! […]

So selbstkritisch ginge Günter Wallraff niemals vor, wie dieser wunderschöne Screenshot der Google-Suche nach “Wallraff Amazon” eindrucksvoll demonstriert – schließlich werben die ja sogar mit seinem guten Namen:

Amazon und Wallraff

Auf Twitter spricht Martin Lindner die Endkonsumenten kollektiv von jeglicher Schuld frei:

Haben die Befürworter “stärkerer staatlicher Kontrollen” recht, wenn sie behaupten, wir leben in einem Wirtschaftssystem, das Unternehmen zu solch – wenn nicht kriminellem, dann höchst unmoralischem Vorgehen zwingt – Machenschaft zwingt, um nicht geradewegs in die Pleite zu rutschen? Oder sollten die Netzgemeinde das Pferd von vorne aufzäumen und Amazon mit Einkaufsfasten zum Einlenken bewegen? Die ARD-Doku legt nahe, dass es sich im vorliegenden Fall um alles andere als eine Verkettung unglücklicher Umstände handelt, sondern um eine untragbare Situation – sicherlich kein Spezifikum des Online-Versandhändlers, und daher umso mehr ein Bereich, in dem dringender Reformbedarf besteht.

Buba und Kiki erklären Synästhesie

Alles hängt mit allem zusammen, aber wenn dann mal eine missions-kritische Verbindung durchtrennt wird, hältst du plötzlich den eigenen Pudel trotz Namenshalsband für eine perfekte Fälschung. In diesem mittlerweile schon fünf Jahre alten TED Talk erklärt der Neurologe Vilayanur Ramachandran, wie man mittels einer Spiegelbox lästige Phantomglieder los wird. Und zwar sowohl völlig esoterikfrei als auch ohne jegliche Rückgriffe auf Freuds Kokainphantasien Vorstellungen.

Ob wir aus den vielen Mosaiksteinchen jemals ein vollständiges Brain-Picture malen werden können, steht in den Sternen – die drei beschriebenen Fallstudien regen den Studiengegenstand aber durchaus zum Nachdenken an.

He, VISA: 90 von 40 sind wieviel Prozent?

100 Prozent von nixAmpere, Volt, Ohm, Watt, (Kilo)Wattstunden, Blind- und Scheinleistung, Wirkungsgrad… niemand behauptet, dass die physikalischen Modelle zur Beschreibung jenes Elektronenflusses, den wir gemeinhin als “Strom” bezeichnen, sich auf simple Rechenoperationen beschränken. Doch trotz aller Komplexität gilt letztendlich: Prozentwerte bleiben Prozentwerte. Ganz gleichgültig, ob wir Wahlergebnisse prognostizieren oder Umsatzsteuer bezahlen. Insofern hat mich die folgende Interviewpassage aus dem Visa-Kundenmagazin “complete” Nr. 03 – September 2010 dann doch sehr verwirrt. Yvonne Schröder spricht mit Wolfgang Anzengruber, dem Vorsitzenden des Verbund-Vorstandes, über Wasserkraft und E-Mobilität. Hier die ersten beiden Fragen:

complete: Herr Anzengruber, wie wir in der Titelgeschichte erfahren, wird es bald zu einem Engpass von Gas und Öl kommen. Als eine Lösung werden erneuerbare Energiequellen angeführt – wie setzt sich eigentlich die Energie, die der Verbund liefert, zusammen?

wolfgang anzengruber: Die Verbund-Kraftwerke decken etwa vierzig Prozent des österreichischen Stromverbrauchs (ca. 70.000 Millionen kWh pro Jahr). Der Wasserkraftanteil liegt bei 90 Prozent.

complete: In der Energiestrategie Österreich wurde festgelegt, dass bis 2020 rund 34 Prozent der Endverbraucherenergie aus erneuerbaren Energiequellen kommen sollen. Was trägt der Verbund dazu bei?

wolfgang anzengruber: Schon jetzt sparen die Verbund-Wasserkraftwerke pro Jahr 22 Mio. Tonnen CO2. Bei der Wasserkraftnutzung hat Österreich aber noch Potential […]

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