schräge Fundstücke aus dem Netz und dem richtigen Leben

Spielt das Wetter eine besondere Rolle in Ihrem Leben?

“Klare Formate. Großartige Highlights. Bessere Unterhaltung. Das ist – vereinfacht dargestellt – der Anspruch von datenschmutz.net, Ihrem neuen Blog aus der Alpen-Donau-Adria Region. Unsere Postings sind anspruchsvoll, aber nicht intellektuell (sic!). Kritisch, aber nicht parteipolitisch. Breit gefächert, aber keinesfalls ein Massenprodukt. Es richtet sich an ein weltoffenes und vielseitig interessiertes Publikum. An Junge und Junggebliebene (triple sic!) mit Meinung und Anspruch.”

Nein, ich bin nicht völlig übergeschnappt. Obiges Gsatzerl ist keineswegs die Selbstbeschreibung dieses Blogs, sondern jene des neuen RB-Fernsehsenders Servus.tv. In der Tat: es richtet sich! Nix gegen HD und Sportübertragungen, aber wie derartige Schwurbeleien im Brustton der Nicht-Überzeugungen eine Endredaktion passieren können, ist mir schleierhaft. Weiterlesen

foursquare.com + formspring.me = fourspring.me

Okay, ich geb zu: das Ergebnis dieser Gleichung ist nicht eindeutig bestimmt – es hätte genauso gut formsquare.com herauskommen können. Aber alles kam anders, deswegen hier das ultimative Mash-Up für alle, die die ultimative Übersicht über die neuesten Social Media Trends behalten wollen. Denn das alte Sprichwort “Der Aggregator geht so lange zum RSS Feed, bis Herr Krug in den Brunnen erbricht” hat auch im Zeitalter des Web 2.0 seine Gültigkeit nicht verloren. datadirt proudly presents: fourspring.me!

Ach ja, für Fragen zum neuen Mash-Up hab ich mir einen alten Wunsch erfüllt und mir eine richtig leicht zu merkende Kontaktadresse geholt. Da eine Domain maximal 63 Zeichen haben darf, erreichen Sie mich ab sofort auch unter:

ritchie.blogfried.pettauer@I-have-a-longer-email-address-than-you-because-size-does-matter.org

Falls Sie auch gerne eine E-Mail unter dieser Domain hätten (als Forward auf eine bestehende Mailbox), dann sagen Sie einfach via Kommentar Bescheid.

YouTube Kino Jahresgala: X-Mas Special am 14. Dezember

Das Hochkultur-Karussell dreht sich unerbittlich weiter – die neben Cannes und der Oscarverleihung drittwichtigste Veranstaltung der internationalen Kinowelt findet zum Jahresausklang nach der frenetisch bejubelten Premiere im Sommer ihre Fortsetzung mit einem Weihnachts-Special. Die Impresarios aus dem Umfeld der Forschungsgruppe Internet zeigen und kommentieren Netz-Clips zum Thema Das Sakrale und das Profane: Christmas revisited. Aufgrund dieses zu Profanity (engl.: Fluchereien) und wilden sexuellen Ausschweifungen neigenden Themas sollten selbst volljährige Besucher gute Nerven ins Museumsquartier mitbringen.

Update: Um 18:30 geht’s los mit dem Tweet-Up, die Fest-Gala startet dann pünktlich um 19:30 Uhr im Raum D des Wiener Museumsquartiers. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, für freie Platzwahl kann dennoch kaum garantiert werden. Der Programmablauf:

18:30 X-Mas Tweet-Up (Smartphones, Netbooks und andere internetfähige Geräte bitte beim Security Check-in abgeben!)

19:30 Begrüßung des Publikums und der Pressevertreter durch Jana Herwig, Künstlerische und kaufmännische Leiterin der Wiener Online-Video Filmfestspielreihe (im Volksmund “Youtube Kino”), Gremiumsmitglied des Vorstands des österreichischen Internetrats, Microblogging-Forscherin und Promi-Bloggerin.

19:03 Filmprogramm mit Erläuterungen der Kuratorinnen und Kuratoren (Details folgen)

19:58 Podiumsdiskussion mit Vertretern der österreichischen Film- und Musik-Urheberrechtsgesellschaften. Moderation: Sigrid Jones

19:59 Diskussion: Das Publikum hat Gelegenheit, sich Fragen für das gemütliche Zusammensein anschließend auszudenken

20:00 Verabschiedung des Publikums und der Kuratoren durch den ersten Wiener Twitter-Chor.

Anschließend Afterparty, ebenfalls im Raum D. Motto: “Kein Networking”. Dresscode: Als Vogel verkleidet kommen! (Anm.: Für ORF Moderatorinnen keine Verkleidung erforderlich.)

Achtung: KEIN NETWORKING im Anschluss. Wenn Sie Leute treffen, die Sie schon von anderswo kennen – fein. Unterhalten Sie sich. Wenn nicht, auch gut. Mit weniger Visitenkarten passt die Geldtasche sowieso leichter in den Hosensack.

Event-Einträge auf Facebook: TweetUp | Youtube Kino

Geheimbotschaft in FPÖ-Wahlwerbung entdeckt

Schon wieder sind marodierende Banden in meinen Briefkasten eingedrungen – bei der Tatortbegehung meinte die Kripo, es handle sich vermutlich um Weißrussen oder andere Ostbanditen*, denen jedes Mittel recht sei, den braven und ehrlichen Inlands-Österreichern die Frohbotschaft von Onkel Strache zu entreißen. Zum Glück habe ich an allen acht Ecken meines Postkasterls Kameras installiert: die dürften letztendlich auch der Grund gewesen sein, warum die Einbrecher kalte Füße bekamen und mitsamt ihrem weißen Kastenwagen blitzartig aus meinem Briefkasten flüchteten. “Spätestens beim illegalen Grenzübertritt von Niederösterreich nach Burgenland erwischt der Niessl Hans die Posträuber persönlich“,,beruhigte mich der Leiter der Sonderkommission “FPÖ-Flugblattraub”. “Sind ja nur Wanna-Be Posträuber – was geschieht denn dann mit den vermutlich mittellosen kriminellen Masterminds ohne Aufenthaltsbewilligung?” fragte ich besorgt zurück.

“Die werden nach Kärnten verbracht, müssen nicht unter sieben Tage lang Wache am Grab von Jörg Haider halten, denn dort weht der Geist des anständigen österreichischen…” “Betrunkenen Autofahrers?” Er wandte sich ohne ein weiteres Wort ab und gab mir so endlich die ersehnte Gelegenheit, mich mit angesprochenem Flugblatt zu befassen. Wie allgemein bekannt, handelt es sich schließlich nicht um Wahlwerbung im gewöhnlichen Sinn, sondern um eine geheime Botschaft an ein disperses Publikum, die bisher noch niemand entschlüsseln konnten. Aber zum Glück gibt’s ja die esoterisch-dekryptographische datadirt-Unit! So schwer war’s gar nicht: man muss nur das Lebensalter von Strache in Stunden mit der Mitgliedszahl der FPÖ alle jener Jahre mit einer durch drei teilbaren Quersumme multiplizieren und das Ergebnis Fourier-transformieren (bitte diskret!). Es entsteht wie aus dem nichts eine Fibonacci-Reihe, die angibt, die wievielten Wörter auf welchen Seiten die geheime Botschaft ergeben.

Und die hat mich, das muss ich zugeben, ziemlich beruhigt! So schlimm ist der Strache wohl gar nicht – aber er kann in diesem Partei-Umfeld (noch nicht) offen zu seinen Überzeugungen stehen. Aber sehen Sie selbst:

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Gleich die Seite zwei beginnt mit einer schonungslosen Offenlegung aller Human-Ressourcen, die hinter dem Mammut-Projekt stehen. H.C. Strache bzw. die FPÖ schlagen sogar ungewohnt demütige Töne bei der Dankesrede ans Redaktionsteam an

Jährlich finanziert pure Pornographie dieses Projekt. Verhöhnung, Verunglimpfung, Sadomasochismus – zur Verbesserung der Links-Chaoten. 2 Millionen Hausbesetzer – nicht genug. Jährlich 42.000 obdachlose Punks vollständig eingesetzt. 24 Dienstnehmer als Betreuer. 700.000 insgesamt! Unglaublich.

So richtig knackig wird’s dann aber erst auf Seite, wenn H.C. Strache im “Exklusiv”-Interview auf seine FPÖ-Bilanz eingeht und erstmals ausspricht, was er wirklich über seine Partei denkt:

Wirklich katastrophal. Aber die Wiederherstellung schaut so aus, dass die Zuwanderung für unsere Stadt noch nicht reicht.

Ein 180-Grad der FPÖ-Ausländerpolitik? Eine Koalition mit der SPÖ scheint dennoch äußerst unwahrscheinlich, zumal Herr Strache ganz offen ausspricht, dass er sich nicht mehr so richtig mit seiner Partei identifizieren kann und empfiehlt, direkt Beschwerde beim amtierenden Bürgermeister einzulegen:

Seit Monaten terrorisiert die Wiener FPÖ Asylwerber und die Österreicherinnen und Österreicher. Sicherungssysteme werden eingemahnt. Die FPÖ ist dazu nicht bereit. Wer will, soll im November zum Wiener Bürgermeister. Die Bundeshauptstadt hält stand.

Selten hat ein Politiker in Österreich derart viel Gespür die Aktivierung der Kernzielgruppe bewiesen. Nur die Sache mit dem Geheimcode war etwas mühsam – das nächste Mal bitte ohne, dann müssen die Ostbanditen* auch nicht in meinen Postkasten einbrechen.


*) Ostbandit, der – nicht verwandt mit Ostba-hnkurti, der. Aufgeschnappt dank der Titelstory der aktuellen Datum-Ausgabe, die wieder mal ganz hervorragend gelungen ist.

Internetfreie Minuten: Der Preis ist heiß. Und Scheiße.

Den verleiht die Stiftung monochrom am 14. November 2009 zum allerersten Mal – kein Wunder, hat doch der unfreiwillige Initiator Wolfgang Lorenz, ORF Unterhaltungs-Intendant, erst beim Elevate-Festival am 10. November 2008 für die ideologische Grundsteinlegung gesorgt – siehe auch scheissinternet.at. Vergeben wird der merk- und würdige Preis am Samstag, 14. November 2009 bei einer unglaublich glamourösen Gala im Figurentheater Lilarum (Göllnergasse 8, 1030 Wien). Durch den Abend führt der notorische Zeremonienmeister und MC (ja, Tautologie, ich weiß) Johannes Grenzfurthner, ich werd mir die Sause nicht entgehen lassen.

Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten

Mit seiner Wortmeldung vom Scheiß-Internet, in das sich junge Menschen verkriechen, machte Lorenz bei der Elevate-Podiumsdiskussion Furore. Seither kennt die gesamte Twitteria (Copyright: Linzerschnitte, und heute hab ich den Begriff sogar schon in einer Kurier-Kolumne gelesen) den Programmdirektor. Und darum geht’s:

In einer großen Verleihgala am 14. November im Wiener Figurentheater Lilarum werden jene Menschen ausgezeichnet, die im letzten Jahr durch Wort und Tat völlig unqualifizierte Statements gegen das Informationszeitalter abgeliefert haben. Ein Lobesschwanengesang auf die kommunikationstechnologiefeindlichsten und kulturpessimistischsten Distinktionsgewinnler! Und -innen!

Die hochkarätige Fachjury, bestehend aus

  • Jana Herwig, Medienwissenschaftlerin/li>
  • Manfred Bruckner, Wirtschaftskammer Österreich/li>
  • Ingrid Brodnig, Journalistin/Falter/li>
  • Thomas Thurner, Quartier für digitale Kultur

musste sich zwischen realitätsfremden Leitartiklern, angeblichen Basisdemokratlern und auch sonst allerlei denkwürdigen Meinungen entscheiden.

Diverse Ehrengäste, darunter Twitter-Zeuge Heinz Wittenbrink (es gibt ja nur mehr wenige Überlebende des Elevate 2008, speziell die Break-Core Sessions hatten’s in sich), Hausherr Max Kossatz und Evelyn Fürlinger (beste Funktionsbeschreibung ever: “Gesangswunder, Nutzerin”). Auf dass die Puppen tanzen mögen am 14. November!

MenschMaschine: ein Social Media Kabarettabend mit 2 Videowalls, 3 Üblichen Verdächtigen und analoger Interaktivität

Mmm, keep your temper
Never lose control of yourself
Keep control, be patient.
If you learn to do these things you can master anything.

Out of nowhere there came a caravan
This was around a campfire light
A lovely woman in motion
Her hair was as dark as the night.

     Wu Tang Clan: “Campfire” (vom Abum “8 Diagrams”)

Lieben Dank an Walter Gröbchen für die zwei Pressekarten zum bunten MenschMaschine Abend! Normalerweise treiben mich ja nur Heinz, Werner und Martin als Science Busters in den Rabenhof, aber der Bunte Abend 2.0 erwies sich als überaus aufschlussreich. Dabei war es gar nicht einmal die dem lauen Abend angepasste Gagdichte, die mir sehr imponiert hat, sondern der Aufschlussreichtum des Experiments Komik 2.0. Dass da drei Radiomacher, die in ihrer angestammten Mediendomäne primär mit kontrolliertem Feedback umzugehen gelernt haben, sich vor eine Twitterwall und einem maximal Netz-affinen und aus selbstdefinitorischen Gründen überkritischem Publikum aus-setzten, war durchaus gewagt. Ob das Experiment gelang, muss die Geschichtsschreibung attestieren, ich habe jedenfalls einiges gelernt. Weiterlesen

Der große Vergleichstest: Deutsche Satiremagazine

riestenbrueste33Sic transit humoria mundi – für meine sechsstündige Fahrt von Wien nach Lienz hatte ich mich mit ausreichend Lesestoff eingedeckt, der in Kombination mit dem vorzüglichen Service der ÖBB (13 von 16 Toiletten im IC “inutilisable” = neuer Rekord, aus einigen Waggons musste letzten Vorhänge entfernt werden, nicht besonders boshafte Naturen behaupten aufgrund von Lausbefall) dann auch für mehr Heiterkeitsausbrüche sorgte als ein ganzes Lach-Yoga-Wochenendseminar. Viel gelacht, viel geweint und noch mehr gelernt: beispielsweise, dass eine einzige Ausgabe Titanic mehr Popverständnis vermittelt als 10 Jahre Spex und dass Brand Eins zwar auch versucht, absurd witzig zu sein, dabei aber längst nicht so postlinks-locker daherkommt die zum ewigen Untergang verdammte Schwesternzeitschrift. Und als ich, vollkommen erschöpft von so wenig überflutender Print-Information zwischen zwei spitzen Entzückensschreien meiner Teenage-Sitznachbarn über gelungene Facebook-Attack-Züge mal kurz wegdämmerte, da vermischten sich die beiden Pamphlete in meinem Traum zum neuen deutschen Witz-Flaggschiff mit Krisen-tauglichem Titel: “Titanenbrand!”

Von der verlässlichen Titanic und meines Lieblingskolumnisten Hans Mentz’ Humorkritik im Brand Eins in der Titanic erwarte ich mir monatlich Großes, immer wieder neu, immer wieder zu Recht. Insofern überraschten die vielen Humor-Highlights in der aktuellen Ausgabe mit der trittsicheren Titel-Alliteration Merkel in der Menopause (aus dem Editorial: “Wie können wir lernen, mit einer Kanzlerin zu leben, die ihre sinnliche Jugendschönheit demnächst verliert?”) mich keineswegs.

Umso mehr verwirrte mich dafür die inhaltlich-strategische Voll-Neuausrichtung von Brand Eins. Frühere sporadische Lesungen plus Peters Beschreibungen hatten mich – die Gründe dafür liegen verborgen im Nebel der Geschichte – glauben machen, es handle sich um ein Wirtschaftsmagazin für nachhaltige Freigeister: arme und bedauernswerte Schizos, deren “Individualismus” sie zwingt, sich möglichst regelkonform zu benehmen, währen deine ungeregelte Lambda-Wahrnehmungsstörung es ihnen verunmöglicht, zwischen Nischen-Mainstream und Divergenz zu unterscheiden. (Nein, nix gegen Veräppel-Rechner. Nur gegen die Begründung, man erwürbe sie, um “anders” zu sein.) Aber ganz im Gegenteil: der Verlag scheint die Sinnlosigkeit gedruckter Wirtschaftsberichterstattung vollinhaltlich eingesehen zu haben, und allein diese Tatsache verdient absatzweise Beachtung.

Was im Brand Eins witzig ist

Eines allerdings sollten sich die Alleinunterhalter aus Hamburg auf die Fahnen schreiben: Satire ist kein Boulevardjournalismus! Falls ein Herr Wolfram Feller (Name von der ds-Redaktion geändert) hypothetisch eine neue Tageszeitung namens “Streich” (Name von der ds-Redaktion erneut geändert) “heraus” “bringt”, mag sich der geneigte Leser nicht unbedingt eine Multitude an Zugängen erwarten. Aber wenn die selbstgewählte-Themenbeschränkung schon einen engen ökonomischen Fokus gebietet, so könnte ein wenig Variation bei der Karikatur-Strategie durchwegs nicht schaden.

Im Gesamtpaket ergibt die extrem überhöhte Kritiklosigkeit jedwedem Sujet gegenüber durchwegs karikativen Mehrwert. Zahnbürsten aus der Schweiz: Genial! Softwareklitschen aus Deutschland: Weltspitze! Traktor-Sharing: Innovationsorgasmus! Letzeres nennt man in Tirol, dem ausgelagertem Silicon Valley der Balkan Region, übrigens seit gut 100 Jahren “Landwirtschaftliche Genossenschaft”. Bei Einzelbetrachtung verlieren die meisten Beiträge hingegen durch das strikte Korsett an Originalität und könnten in manchen, besonders misslungenen Fällen, sogar als ernst gemeint durchgehen – etwa der Bericht über eine Kooperation zwischen zwei Werbeagenturen, die “ausgerechnet in Düsseldorf in Bündnis geschlossen haben”. Solche temporären Zweifel weiß der Themenschwerpunkt aber zum Glück rasch zu zerstreuen: denn das mehrköpfige Team verarscht gekonnt klassische journalistische Zeigefinger-Wissensvermittlung dadurch, dass Plattitüden im Brustton höchster Überzeugung geklopft werden: etwa dass wir uns im Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft befinden und uns vom Gedanken der Vollbeschäftigung verabschieden müssen, wie das “Special Arbeit” erklärt.

Ebenso konsequent wie gestalterisch glücklich erweist sich indes der Totalverzicht auf klassische Cartoons. Ähnlich wie das Gamer-Magazin “PC Action” setzt Brand Eins auf vorerst “normale” Fotos, konterkariert die abgebildeten Motive aber durch herrlich subversiv-schräge Bildunterschriften. Beispiele gefällig? Unter zwei Zahnbürstenbildern: “Für 50 Jahren stellen 200 Mitarbeiter bei Trisa 50.000 Zahnbürsten her… …heute schaffen viermal so viele Mitarbeiter zwanzigmal so viele Zahnbürsten.” (Ob zu produzieren, zu verbrauchen oder als Füllmaterial für diverse körpernahe Guinness-Weltrekordversuche bleibt dabei ganz der Fantasie des Lesers überlassen.) Oder mein Favorit aus einem langen Textelaborat, in dem erklärt wird, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer Arbeit und Kinder unter einen Hut bekommen (letztere aber nicht bekommen) können: “Der Berater: Markus Leibundgut arbeitete zweieinhalb Jahre mittwochs nicht.” (Beneidenswert! Ich nehme an, von Donnerstag bis Dienstag waren die Kinder bei Reini zu Besuch, denn: “Der Ingenieur. Reiner Hohl konzentriert sich auf das Wesentliche.”

Zur Neuausrichtung kann man Brand Eins, der zukünftigen Nummer zwei unter den deutschen Satiremagazinen, echt – aber auch ganz echt – nur gratulieren! Ernst gemeinter Wirtschaftsjournalismus könnte sich Artikeluntertitel wie “Die USA sind viel mehr als Coca Cola, IBM und Microsoft” oder “Putzen gilt als minderwertige Arbeit. Dass sie weit mehr sein kann, zeigt ein Besuch bei der Frankfurter Wisag” (hat Redakteur Matthias Hannemann dort etwa die Büros gereinigt?) schlichtweg nicht leisten. Der Verzicht auf faktenbasierten, innovativen Realjournalismus räumt dem schreibenden Personal völlig neue Freiheitsgrade ein – nur besonders bösartige Beobachter würden behaupten, dass bei den steigenden Kosten für “richtige” Contentproduzenten der Verlag gar keine andere Wahl gehabt hätte. Und perfekter als der letzte Satz auf der letzten Seite 134 von Heft 09 des 11. Jahrgangs könnte ich das neue Selbstverständnis auch nicht subsummieren:

Eine Zusammenstellung aus 20 internationalen Wässern von Wasserdepot hat gewonnen: Angelika Tschuri, Gersthofen.

datenschmutz gratuliert recht herzlich und versteht jetzt endlich, warum der Durchschnittsbobo, der sich über jeden Einbruch anarchischer Freude in sein sonst so kommunistisch-streng geregeltes Hedonistenleben freut, Brand Eins so gern mag.

Was in der Titanic nicht witzig ist

So viel wie über die B1 kann ich über die auf den Äckern des Humors weitaus arriviertere Titanic nicht sagen. Aber dass ich den Großteil meines politischen aktuellen Halbwissens aus einem dedizierten Satire-Magazin beziehe, spricht nun mal nicht für den deutschen Qualitätsjournalismus.

Das mag aber durchwegs an der Multitude der Zugänge und Themenfelder liegen: bereits auf den ersten Seiten werden Steinmeiers Vollbeschäftigungspläne, Minus-Milieus (“Retrophile Oligarchen, traditionsbewusste Absteiger, Metanormale) erklärt und die Doppelrolle von Vera Lengsfelds Brüsten im SPD-Wahlkampf thematisiert, aber angenehmerweise nie restlos erklärt. Dabei fallen durchwegs thematische Überschneidungen auf: wo Brand Eins sich für Zahnbürstenbauer aus der Schweiz begeistert, stellt Titanic den im dräuenden Lichte des kommenden Verbots wieder stärker nachgefragten Job des Glühlampenreparateurs vor. Um zu bemerken, dass man es hier mit dem wesentlich arrivierteren Satire-Magazin zu tun hat, braucht es allerdings gar keine “redaktionellen Inhalte” – die Zuschriften von Leser enthalten unverzichtbare Tipps für moderne Netizens:

Bei vielen jungen Menschen ist es zu einer Selbstverständlichkeit geworden, potentielle Sexualpartner vor dem ersten Treffen zu googeln, um herauszufinden, mit wem sie es da eigentlich zu tun haben. Das klingt erst mal vernünftig, aber man sollte sich nicht zu sehr darauf verlassen: Nicht jeder, der obskure Freunde, perverse Hobbys und ein Vorstrafenregister von hier bis Hamburg-Harburg hat, ist automatisch ein cooler Typ. Cornelia Röser

Und während Brand Eins noch von Ende der Industriegesellschaft redet, beschäftigt den durchschnittlichen Titanic-Leser schon präventives Online-Reputation-Management:

Neulich zusammen mit meiner Freundin im Online-Sexshop bestellt. Als ich das Gleitgel in den Warenkorb klicke, sagt sie: “Nee, da steht ja ‘anal’ drauf. Nimm das normale, wenn das jemand sieht, was soll der denn denken.” Christian Martin

Überhaupt ist Titanic meiner persönliches Lebenswelt viel näher. Speziell die Bastel-Seite reizt das unterschätzte Medium Papier bis an die Grenze aus, etwa mit Antwort-Karten für diesen lächerlichen Berghain-Türsteher in Berlin, der mich auch partout nicht reinlassen wollte, obwohl ich mit zwei *sehr* hübschen Mädels hartnäckig wie weiland die heilige Familie Einlass begehrte. (Übrigens ein singuläres Erlebnis in meiner Clubkarriere, aber um nichts undemütigender.) Mit diesen Kärtchen in der Geldtasche hätte ich reagieren können, so ging’s mir wie den meisten Besuchern: ich musste einfach nur über seine unglaublich bescheuert aussehende, überpiercte Clownmaske von einem Gesicht lachen, und das hat ihm wohl nicht gefallen.

Überhaupt fällt auf, dass Brand Eins kein einziges, Titanic dafür gleich ein ganzes Genrebündel an Zeitschriften ersetzt, mindestens aber TV-Media (“Hallo, ich bin der Junge, der immer pfurzen muss, wenn er was wissen will.”), die Computerwelt (“E-Mails weder mit ‘Hallo’ beginnen noch mit “‘Heil Hitler’ unterschreiben”) und the gap (“Nie zuvor hat sich die Aufnahmetechnik so wenig weiterentwickelt wie im letzten Jahrzehnt. Es spricht einiges, jedoch nicht alles dafür, dass Popmusik ein weitgehend abgeschlossenes Kapitel ist.”) Ohnehin unterstelle ich dem Redaktionsteam, dass es die Titanic genau wie wir seinerzeit the gap lediglich aus Eigeninteresse gegründet hat, wenn auch zu einem deutlich späteren Lebensabschnitt. Denn irgendwann, hoffentlich deutlich vor der Pensionierung, fühlen sich die meisten schlagartig zu alt, um über manche Themen noch ernsthaft schreiben können zu wollen. Sollte diese These zu gewagt erscheinen, empfehle ich die genaue Lektüre von “Born to be wild”, einem Feature über die Zeitschrift des “Deutschen Rock & Pop Musikverbandes e.V.”. Ein Meisterwerk der Realsatire, das in dieser Form in keinem “kritischen” Musikmag abgedruckt werden könnte.

Fazit: Was kann Brand Eins also von der Titanic lernen? Aus dem Stand heraus ein Medienprodukt für einen Markt zu lancieren, der von einem alt-eingesessenen Konkurrenten schon längst perfekt bedient wird (siehe etwa die Boulevard-Schlacht zwischen “Österreich” und “Der Standard”), ist schwierig und erfordert ein genaues Austarieren bekannter Erfolgsrezepte und Distinktionskriterien. Ihr seid auf dem richtigen Weg, Brand Eins, keine Frage – doch zu vieles wiederholt sich. Nur, weil beide Adjektive mit dem gleichen Wort beginnen, heißt “lustig schreiben” nämlich nicht automatisch “lange schreiben”. Also traut euch ruhig mal, auch eine kürzere Ausgabe zu produzieren, und dann geht sich vielleicht sogar mal ein aufwendige(re)s Layout aus.

Behaltet euer geistiges Eigentum!

Ich stehle frech aus dem aktuellen Titanic-Heft Nr. 7/2009 – denn heute ist ein guter Freitag, ich hab das neue Ausgabe beim Trafikanten mitgenommen und kam nicht mal über Seite sechs – “Briefe an die Leser” – hinaus, ohne diesen diabolischen Diebstahl geistigen Eigentums begehen zu müssen. In diesem Sinne also hier der Beitrag Schlimm, deutsche Zeitungsverleger. Nicht mal OCR-gescannt, sondern ganz Oldschool abgetippt:

Schlimm, deutsche Zeitungsverleger, dass Euch das böseböse Internet Eure Top-Qualitätszeitungen kaputtmacht: “Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Autoren, Verlagen und Sendern, ohne dafür zu bezahlen.” Weswegen Ihr in einem gemeinsamen Appell von Springer, Spiegel, Bauer, Gruner + Jahr und anderen Bastionen der journalistischen Seriosität fordert, dass die “ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums verboten bleiben” müsse. Schön und gut, Verleger. Nur- wo bekommen Eure Angestellten denn dann demnächst ihre “Hintergrundinformationen” her, wenn sie nicht einfach bei Wikipedia abpinnnen dürfen? Und woher nehmen sie nach dem nächsten Flugzeugabsturz/Amoklauf die Bilder der Opfer, wenn sie nicht mehr nach Blieben StudiVZ, Facebook oder die Homepages von Sport- und Freizeitvereinen plündern dürfen? Das dürfen die schon jetzt nicht? Und Ihr schert Euch aber einen Dreck drum? Weil’s ja eben um “die Erstellung von Qualitätsinhalten und von unabhängigem Journalismus” geht? Und nicht etwa ums liebe Geld?

I wo; Ihr wollt ja nicht mal Subventionen: “Gerade weil wir keine Subventionen wollen, benötigen wir Unterstützung beim Schutz des geistigen Eigentums.” Die könnt Ihr gerne haben: Behaltet Euer geistiges Eigentum mal schön für Euch!

Nimmt’s nicht mal geschenkt:
Titanic

Danke! Dem hab ich nix hinzuzufügen. Außer: ich hab mir gerade ein Abo bestellt, denn ich möchte nicht riskieren, zukünftig eine Ausgabe zu verpassen :mrgreen:

Kia hat keine Ahnung von Zeitreisen

Soeben habe ich im Fernsehen (auch beim Essen müssen parallel Medien konsumiert werden) die neue Werbung den Kia Ceee’d (so oder ähnlich schreibt man den) gesehen. Kompetent, die koreanische Autobaukunst zu beurteilen, fühle ich nun wirklich nicht, aber eines steht fest: von Zeitreisen haben die keine Ahnung. Und kommt so:

Anscheinend bietet Kia für besagtes Wägelchen eine 7jährige Garantie (auch ob mit oder ohne Fußnoten steht hier nicht zur Diskussion). Für dieses wurde, ich sehe die Verzweiflung in den Augen der Werber, wohl ein visuelles Testimonial gefunden werden. Man sieht den Testdriver, wie er einen Tunnel entlangfährt, um schließlich in eine Art Energiefeld bzw. Zeit-Tor hineinzufahren, zu verschwinden und auf der anderen Seite wieder aufzutauchen. Dazu sieht man auf einem Bildschirm die Worten “Seven Year Jump Complete”:

Also bitte: warum sollte ein Auto (oder ein Terminator oder ein Stück Baumkuchen) bei einer Zeitreise um genau den übersprungenen Zeitraum altern? (Oder jünger werden, falls man in die andere Richtung reist.) Jeder Science-Fiction Leser weiß, dass für das reisende Objekt bzw. die Passagiere die Eigenzeit gilt – wie hätte H.G. Wells’ neugieriger Wissenschaftler denn sonst jemals mehrere tausend Jahre vorwärts bis zu den Morlocks reisen sollen? Hätte Kia recht, denn könnten der unsterblichen Perry Rhodan und seine Zellaktivator-Freunde als einzige längere Zeitsprünge unternehmen – absurd!

Um sieben Jahre gealtert sein müssten dagegen im Kia-Spot die beobachtenden Techniker. Mit anderen Worten: dieser Spot beweist gar nix! Außer, dass die Koreaner eine völlig wertlose Zeitmaschine gebaut haben.

Twitter+Marketing: Oh hi we fixed ur homezpage

Gestern beim digitalks-Vortrag kam ich unter anderem auch auf die Seite howtousetwitterformarketingandpr.com zu sprechen. Ruft man die betreffende Page auf, dann erscheint fett ein einzelnes Wort: “Don’t”. Ich habe diese Antwort angezweifelt und mein Namensvetter Richard Pyrker aka @cycus hat die Sache mit einem großartiges Pundit-Kitchen-Digitalks-Topdog-Photoshop Mash-Up in Ordnung gebracht:

hi we fixed ur homezpage

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Bernd Püribauers große Ausstallung: Tiere der Wochen

pueribauerBernd Püribauer zeichnet in der Wiener Stadtzeitschrift Falter seit 10 Jahren das Tier der Woche zu den Texten von Peter Iwaniewicz, höchste Zeit also für eine große Ausstallung der 100 gelungensten animalischen Kreaturen im würdigen Rahmen des Wiener WUK! Unglaublich genial finde ich den Video-Trailer zum Event:

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Die besten Aprilscherze 2009

trolleBlogger machen’s besser – und vor allem sowieso ständig, glaubt man dem Cheffe des Falter. Aber einmal im Jahr darf auch der gemeine Journalist frei von der Leber weg blühenden Blödsinn von sich geben und trotzdem sagen: Non mea culpa est. Erster April: ein Subgenre, dem in journalistischen Ausbildungsstätten viel zu wenig Aufmerksamkeit beigemessen wird, und doch finden sich jedes Jahr aufs neue Perlen der Fabulierkunst; hier meine subjektive Top-Liste.

Bösartige Bernhard-Bots im .at-Netz

Maximaler Respekt für den besten Aprilscherz geht raus an Günter Hack von der Futurezone für seinen Beitrag über ein neu entdecktes Netztroll-Theaterstück im Thomas-Bernhard-Jahr 2009. Es handelt sich um eine literarische und programmiertechnische Sensation:

Im Floppy-Laufwerk stellten die Forensiker einen Datenträger sicher, auf dem sich das digitale Erbe des Schriftstellers befindet. “Es ist ein autopoietisches Internet-Theaterstück namens ‘Trolle'”, so Prillinger. “Bernhard hatte es offenbar zum Wettbewerb ‘Listing des Monats’ an die Münchner Fachzeitschrift ‘Happy Computer’ geschickt, allerdings eine Absage erhalten.”

Darob offenbar erzürnt, ließ der Literat seinen Rechner wohl über bisher unbekannte Unterstützer in der IT-Szene selbst ans Netz hängen. Mit grauenhaften Folgen, wie Prillinger heute weiß. “Das österreichische Internet ist Thomas-Bernhard-Territorium”, so der Forscher zu ORF.at. “‘Trolle’ ist eine Schizo-Software, die sich auf Grundlage evolutionärer Algorithmen permanent weiterentwickelt und Millionen virtueller Bernhard-Bots generiert, die sich in allen möglichen Diensten und Foren unterhalb der .at-Domain festsetzen – und nur dort. Man kann sie zwar löschen, sie melden sich dann aber sofort unter anderem Pseudonym wieder an.

Prillingers Berechnungen zufolge sind heute “mindestens 95 Prozent der Akteure” im österreichischen Internet vollautomatische Bernhard-Bots, “die sich exakt so verhalten, wie Bernhard die Österreicher gesehen hat”. [...] Wir haben hier verschiedenste autonome Software-Agenten, die von ‘Trolle’ generiert wurden, vom virtuellen Trollitiker, der mit fünf Zeilen Programmcode auskommt, bis hin zum Expertentroll, der seine eigene Datenbank mitbringt und gleichzeitig 20 Foren, 80 Blogs und nahezu unendlich viele Twitter-Accounts mit herablassenden Belehrungen und fein ziselierten Invektiven beschicken kann.

Das nenn ich mal einen genialen Einfall! Und vor allem kann ich mir unmöglich vorstellen, wie irgend jemand diese hübsche Theorie widerlegen sollte…

Warner Brother kauft PirateBay

Die Warner-Brüder kaufen die Piratenbucht: keine Rede mehr von gerichtlichen Auseinandersetzungen, denn dem Torrent-Distributionsmodell ist mir juristischen Methoden einfach nicht beizukommen.

piratebay and warner

Wer sein Piratenherz offen auf der T-Shirt Brust tragen möchte oder Bello einen stylishen Pirate-Bay Hundemarken-Halter besorgen will, kann dies übrigens hier tun.

The Guardian steigt auf Twitter um

Nach 188 Jahren Druckmaschinen-Nutzung steigt die britische Tageszeitung Guardian nun komplett auf Twitter um. Man hofft auf technologischen Vorsprung:

Consolidating its position at the cutting edge of new media technology, the Guardian today announces that it will become the first newspaper in the world to be published exclusively via Twitter, the sensationally popular social networking service that has transformed online communication.

Bei den Briten haben Aprilscherze ja mindestens eine so hehre Tradition wie in .de und .at – und bei der Formulierung der ausführlichen Story haben sich die Kollegen so richtig ins Zeug gelegt:

Sceptics have expressed concerns that 140 characters may be insufficient to capture the full breadth of meaningful human activity, but social media experts say the spread of Twitter encourages brevity, and that it ought to be possible to convey the gist of any message in a tweet.

Kärntner Fussballmatch fällt aus

Ein Platzwart, dessen Name der Redaktion bekannt ist, verwechselte das Datum und programmierte mit Stadion-Sprinkleranlage auf 1. Juli statt 1. April – mit verheerenden Folgen:

Zentimeter hoch stand das Wasser am Morgen des 1. April auf dem aufgeweichten Boden der EM-Arena. An ein Fußball-Spiel war daher nicht zu denken. [...] “Es sah aus wie der Wörthersee, nur mit Algen überzogen”, berichtet ein Stadion-Insider im Gespräch mit LAOLA1.

Für die neue Eishalle versprach LH Dörfler Besserung und den Einbau einer Bodenheizung als oberste Priorität. Aussitzen sei nun mal keine Lösung:

Die Lösungsvorschläge des betroffenen Platzwartes: “Lei lossn, trocknet sicha wieda”, waren den Verantwortlichen nicht effizient genug.

Internetsperren greifen zu kurz

Der Chaos Computer Club begrüßt, dass die Politik endlich dort eingreift, wo die Probleme entstehen: im Drucker! Denn was nutzen die besten Bombenbauanleitungen, wenn der Terrorist sie nicht in die Werkstatt mitnehmen kann?

Nach Plänen des Chaos Computer Clubs (CCC) soll etwa beim versuchten Ausdruck von [Externer Link]Bombenbauanleitungen, [Externer Link]Killerspielen, politischen Blogs und anderem einschlägigen Material alles Druckbare durch Abbildungen von Blümchenwiesen und blühenden Landschaften ersetzt werden.

“Diejenigen, die mehr und mehr Seiten aus dem Internet ausdrucken, sind eine Gefahr für die öffentliche Ordnung. Wir haben die Diskussion zu dem Thema intensiv verfolgt und festgestellt, dass besonders die Berufsgruppe der Politiker Probleme mit der Rezipientenfreiheit hat”, sagte ein Sprecher des CCC, “dies hat uns dazu bewogen, diesen Ansatz zu unterstützen.”

Die Porno-Industrie wird von diesen Plänen besonders schwer getroffen: so soll es künftig nicht mehr möglich sein, werktags vor 22 Uhr pornographisches Material auszudrucken. Alle sind begeistert – nur die Druckerhersteller zeigen sich bislang uneinsichtig.

Diese Auswahl ist natürlich rein subjektiv – da gibt’s noch jede Menge mehr: Heise fördert das geheimdienstliche Schlapphut-Bit zutage, Shoemoney verkauft seine Firma und zieht nach Portland, Gulli spendiert einen neuen Hintergrund, Stefan Waidele bloggt über die diesjährigen c’t Aprilscherze und Ikea Frankreich promotete das non-existente Öko-Auto. Welche Aprilscherze habe ich übersehen? Bin dankbar für jeden Hinweis :mrgreen:

Twitter macht uns so unglaublich relevant

Der amerikanische Comedian lässt seine Figur “Old Man Stewart” unseren liebsten Micro-Blogging Services erklären. Warum spricht die ganze Welt, und speziell der amerikanische Kongress, nur mehr in 140 Zeichen? Warum registrieren sich alle plötzlich bei Grunter? Verdammt witziges Video!

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Kämpfen für/um Heinz Prüller

Heinz PrüllerWir kämpfen den gerechten Kampf – gegen Windmühlen, den Küniglberg und das Vergessen. Und für die Rückkehr des Mannes, den sie Heinz Prüller nannten. Dass selbst ich bei meiner ausgeprägten Abneigung gegen fern-elektro-mediale Sportbeobachtung (mit Ausnahme von K1) diesen Namen kenne, liegt einzig und allein daran, dass Meister Prüller eine wandelnde Motorsportlegende ist.

Ja, man könnte durchaus so weit gehen zu behaupten, dass jeder Österreicher, der im Lauf seines Lebens die markigen Worte des Formel-1-Kommentators geradezu mit der Muttermilch aufgesaugt hat. Doch nun der große Schock:

Erdbeben in der österreichischen Formel-1-Medienlandschaft: Heinz Prüller, seit 1965 ununterbrochen Grand-Prix-Kommentator für den öffentlich-rechtlichen TV-Sender ‘ORF’, wird 2009 abgelöst. Als Nachfolger wird der bisherige Boxengassenreporter Ernst Hausleitner das Mikrofon übernehmen.

Eine offizielle Bestätigung seitens des ‘ORF’ steht noch aus. Ein Sprecher des Senders erklärte jedoch auf Anfrage von ‘Motorsport-Total.com’, dass es zu diesem Thema heute noch eine Presseaussendung geben wird.

So spricht die Facebook-Gruppe, die sich in bester Social Media Campaigning Tradition für die Rückkehr der Legende ans Mikro einsetzt. Die Zitate der User sagen alles:

“Ich werde es vermissen, wie er “Hydraulik” sagt… seufz!”
“heinz prüller ist österreichs john madden!!! ohne den geht’s nicht!!!”
“Formel 1 ohne Heinz macht keinen sinn !!!”

Vorschläge, Protestaktionen, öffentliche Fernseher-Verbrennungen (man weiß eh nicht, wohin mit der alten Röhrnkiste) sind angesagt. 1.123 Mitglieder erreichte die Gruppe in Rekordzeit, und mir fällt eigentlich nur ein einziges Exit-Szenario ein: wenn die Rückkehr zum Staatsfunk nicht klappt, dann muss Heinzi zukünftig eben auf ATV Motorsport moderieren. Die Formel 1 Rechte werden zwar kaum leistbar sein, aber da der sowieso der Kommentator im Vordergrund steht, tut’s ja vielleicht auch die österreichische Auto-Crash-Meisterschaft in Wolkersdorf.

Uri Gellers next Zaubermodel

Next Uri GellerWo Uri Geller auftaucht, häufen sich die unerklärlichen Phänomene – und der zutiefst geschockte und in seinem rationalen Weltbild erschütterte Zuschauer bekommt unweigerlich eine Gänsehaut, wenn er sich die Frage stellt: Warum ist Vincent Raven krank? Hat ihn sein Rabe womöglich mit der Vogelgrippe angesteckt? Aber die rätselhafteste aller Fragen wird wohl für immer unbeantwortet bleiben: Warum variiert das Niveau der vorgezeigten Zauberkunststücke dermaßen stark?

Jan Becker beeindruckt mich immer wieder aufs Neue, allerdings spielt bei seinen “Tricks” ein immenses Hypnosekönnen und nicht unbedingt die Täuschung des Zuschauers die Hauptrolle. Faszinierend, dass ihm diese sehr wirksame Form der Instant-Hypnose sogar problemlos unter den erschwerten Bedingungen einer Live-Sendung gelingt.

Jan Rouven bringt mich mit seinem drastisch mangelnden Schauspieltalent unfreiwillig immer wieder zum Lachen – heute legte sich der Techno-Mage und Möchtegern-Copperfield unter scharfe Schwerter; nur der Erbauer des “Betts des Todes” weiß, wie die Schnüre, welche die Schwerter auslösen, im verborgenen Mechanismus verbunden sind. So misslungenes Forcieren hab ich im Fernsehen bisher selten gesehen!

urifoto

Mangelndes Schauspieltalent kann man Ulli Loup nun wirklich nicht vorwerfen, auch wenn sein Repertoire aus zwei Mimiken weniger als jenes von Sylvester Stallone besteht – dem Burschen kommt kein Lächeln aus, aber die vorgezeigte Routine wusste durchaus zu überzeugen. Es handelte sich um eine Variation des alten Auswahltricks, allerdings bekam Ulli die zu identifizieren Dosen weder zu sehen noch in die Hand – respektable Leistung!

Danny Oceans Streichholzschachtel-Trick war auch nicht von schlechten Eltern: der nützte recht überzeugend das Publikum als “Zufallsgenerator” und identifizierte mittels Pendel eine spezielle Box, deren Nummer er vorher allerdings gar nicht kannte – ich kann mir jedenfalls nicht erklären, wie dieser Trick ohne Komplize im Publikum hinhaut. Nur wunder kann ich mich über Amilas Pressetext auf der offiziellen Seite:

Lange blonde Haare, Schmollmund: Sie ist die Lady unter den Mentalisten und stellt die männerdominierte Welt auf den Kopf. Bei ihren Auftritten knistert es vor Erotik. [...] Ihr Blick dringt bis in die Seele der Männer, die unter ihrem Einfluss tun, was sie will.

Na und? Das kann doch jede Frau, oder? Erwähnenswert ist im Gegensatz zu ihrem Wasserröhren-Befreiungstrick, dass der Herr der verbogenen Gabeln höchstpersönlich Deutschland wieder mal zu einem Selbstexperiment einlud – kein Wunder, dass das Gläserrücken in Österreich nicht funktionierte. (Naja, alles ist relativ. Bewegt hat sich das Glas schon, meine Freundin hat bloß behauptet, ich hätte geschoben.) Dass während der Sendung allerdings immer wieder mysteriöse Phänomene auftreten, kann nicht länger geleugnet werden: so wollte Anja heute partout kein Roastbeef essen, was ich mir einzig und allein mit den übersinnlichen Kräften Uri Gellers erklären kann. Also wieder einmal ein schlagender Beweis dafür, dass das Unfassbare immer dann zuschlägt, wenn man gerade nicht drauf gefasst ist – ich freue mich jedenfalls schon auf die kommende Show am nächsten Dienstag.