as seen on your favorite distribution channel

Online Lese-Tipp: Ihr glaubt nicht, dass Roboter grooven können?

Werden autonome Flugdrohnen zukünftig die Menschheit beherrschen? Oder kontrolliert Skynet seine vergleichsweise dämlichen Schergen zentral? Niemand außer Arnold Schwarzenegger kennt auf diese Frage eine andere Antwort als “Zweifellos!” Bis es soweit ist, müssen wir uns allerdings mit einer weit existenzielleren Frage beschäftigen: Musizieren zukünftig ausschließlich Roboter und kreative Algorithmen für uns? Jedes Madonna-Album legt diesen Schluss immerhin seit Jahrzehnten gefährlich nahe. Und wer Britney Spears schon mal minus Autotune singen gehört hat, den plagen womöglich noch heute grässliche Alpträume.

Roland Trimmel, Experte für digitale Produkte an der Schnittstelle von Netz, Technologie und Musik und Mitgründer der Songwriting-Assistenz-Software Liquid Notes, hat auf Medium.com ein hochspannendes Dossier zu diesem außergewöhnlich kontroversiellen Thema verfasst: Will all musicians become robots? berichtet vom Status Quo moderner Musikmaschinen und von der Befürchtung, dass künstliche Intelligenz (KI oder AI von “artificial intelligence”) zukünftig den Ton in Radio, Funk und Fernsehen angeben könnte.

Roland stellt seinem Text eine paradigmatische Frage voraus: “Is the world ready for the perceptional battle that AI in music poses?”

This question was posed at Boston’s A3E Conference last month by a team member at Landr. Their company had received death threats from people in the mastering industry after having released a DIY drag-and-drop instant online mastering service powered by AI algorithms.
It illustrates the resistance that the world of AI has incited amongst us. Some fear that robots will take over à la Terminator 2. Some fear that the virtual and artificial will replace the visceral. Some cite religious views, and others? Frankly, others just seem ignorant.

Der robotische Blechbläser

Während der Autor zwar zu dem Schluss kommt, dass Computer aus derzeitiger Sicht nie “selbständig” komponieren werden, so zeigt er in seinem Dossier dennoch auf, was alles schon möglich ist: Von der fast vollautomatischen Unterstützung beim Mastering über vorprogrammierte Stile bis zur Unterstützung bei der Ausarbeitung komplexer Harmonien greifen Algorithmen immer stärker in die Musikproduktion und -analyse ein.

In the not too distant future—and we’re talking only years from now—we will be used to incredible music making automatons controlling most complex harmonic figures, flawlessly imitating the greatest artists.

Musik-Roboter, der live auf menschlichen Input reagiert

Insofern haben sich Kraftwerk wohl getäuscht: Wir sind nicht die Roboter, aber die Roboter singen zukünftig mit im Chor. Bis MC Algorithm aber so gut rappen kann wie Method Man, Ghostface und Co., wird noch Luft durch die Saxophone dieser Welt strömen. Aber wer weiß, vielleicht produziert RZA den nächsten “Bobby Digital Hit” im Duo mit DJ Scratchscript.

► Roland Trimmel: Will all musicians become robots? Embracing the tech and staying human: 5 things we learned working on intelligent algorithms

Kreativ, aber unterbezahlt? Patreon macht die Crowd zum deinem Mäzen

Weltweit stöhnen Verlage unter der Last der frei verfügbaren Inhalte auf, werden Tageszeitungen eingestellt, verlieren Journalisten ihre Jobs oder wechseln rechtzeitig in die PR-Branche. Wie in der Musikbranche bereits vor etlichen Jahren geschehen höhlen digitale Technologien in überholtes Businessmodell aus. Doch während die Musikbranche längst mit neuen Businessmodellen und Mikro-Vertriebskanälen reagiert hat, warteten Micro-Publisher bisher vergeblich auf ihr iTunes. Patreon.com ermöglicht Fans, mit wiederkehrenden freiwilligen Spenden ihre Lieblings-Künstler und -Schreiberlinge zu unterstützen.

Im Mai 2013 ist Patreon mit 2 Millionen Dollar Investorenkapital angetreten, um eine Alternative für Micro-Publisher zu präsentieren, die viele gute Ansätze auf smarte Weise kombiniert. Die Plattform versteht sich als eine Art Kickstarter für alle, die regelmäßig im Netz Inhalte veröffentlichen. Videos, Musik, Texte, Comics, DIY-Anleitungen – Patreon wirbt um die Gunst von Bloggern, Cartoonisten, Photographen und allen anderen Micro-Publishern, die mit Enthusiasmus und Talent das Internet zu jenem bunten Jahrmarkt der Meinungen, Interessen und Prokrastinations-Paradiese macht, den wir alle so sehr schätzen. Ähnlich wie auf Kickstarter richten Publisher ein Profil für ihr Projekt ein und bitten ihren Fans und Followern entweder pro neuer Veröffentlichung oder pro Monat um eine freiwillige Spende.

Die Idee hat immenses Potential. Die Möglichkeit, den eigenen Lieblings-Blogger, Cartoonisten, Podcaster, Photographen und Co. zu unterstützen und zu motivieren, spricht Fans schließlich nicht erst seit dem Internet an. Früher nannte man sowas Mäzenatentum, heutzutage bezahlen dank Crowdsourcing viele Mikro-Mäzene anstatt eines einzelnen Fürsten die Rechnung fürs Kulturschaffen. Und zwar ausgesprochen gern – das zeigt eine ganze Reihe erfolgreicher Kampagnen, die getreu dem Motto der beiden Gründer Jack Conte und Sam Yam bereits etlichen Künstlern eine unabhängige Existenz ermöglichen.

We founded Patreon as a way to support artists in their pursuit of a decent living while doing what they love.

An die Idee der wiederkehrenden freiwilligen Spende glauben offensichtlich auch jene 15 Investoren, die Patreon Ende Juni mit weiteren 15 Millionen versorgten. Die nähere Zukunft des Dienstes ist damit erstmal gesichert. Sollte die Patreon-Idee weiterhin auf Zusprache stoßen, werden die Betreiber wohl früher oder später Provisionen einbehalten, was derzeit aber noch nicht der Fall ist.

Patreon.com – zu früh fürs deutschsprachige Web?

Wenn neue Ideen aus den USA gut, einleuchtend und sympathisch klingen, dann funktionieren sie in Europa in der Regel frühestens 2 bis 3 Jahre später. Wenn überhaupt. So überrascht es kaum, dass Patreon derzeit auf Mehrsprachigkeit pfeift und sich ganz dem englischsprachigen Internet widmet. Das hindert einige mutige Pioniere aber keineswegs daran, ihr Glück dennoch zu versuchen. Im Fall von Manuel Fritsch, der auf Superlevel.de den täglichen Spielepodcast Insert Moin moderiert, überaus erfolgreich: 1.374,73 Dollar bezahlen 236 Patrons jedes Monat für ihren Lieblingspodcast.

Wie von Kickstarter gewohnt kann jeder Anbieter beliebig viele Milestone-Ziele anlegen. So verspricht Manuel ab 2.000 Dollar pro Monat seinen Fans Entwickler-Interviews mit Video, ab 2.500 Dollar will er einen monatlichen Video-Podcast starten. Ebenso flexibel zeigt sich das Preismodell. Bezahlt wird entweder pro Veröffentlichung (ein Video, ein Blogbeitrag, ein Cartoon mit optionaler monatlicher Obergrenze) oder pro Monat. Der Betrag ist frei wählbar, der Anbieter kann spezielle “Rewards” für bestimmte Beträge vorsehen – beispielsweise eine Erwähnung in der Hall of Fame ab $5 oder ein T-Shirt ab $20.

Für einen durchschlagenden Erfolg von Patreon sehe ich am deutschsprachigen Markt derzeit zwei Hürden: zum einen die generell mangelnde Zahlungs- respektive Spendenbereitschaft für Online-Inhalte und zum anderen die mangelnde Bekanntheit der Seite. Potentielle Förderer müssen sich registrieren, und auch ohne nähere Kenntnis der Nutzungs-Statistiken vermute ich mal ganz stark, dass hierzulande vorerst mal deutlich mehr Publisher als potentielle Mäzene Accounts anlegen werden.

datenschmutz auf Patreon – machen Sie mich bitte schnell reich!

Als neugieriger Optimist halten mich diese Überlegungen natürlich keineswegs davon ab, selbst einen Hut umzudrehen und auf milde Spenden zu hoffen. Einerseits gefällt mir die Idee, andererseits gehört teilnehmende Recherche zum Bloggen wie Abschreiben zum Boulevard-Journalismus. Nach Eingabe der Account-Daten wählt man als Inhalts-Anbieter ein Upgrade auf den “Creator Account” und bekommt anschließend Zugriff auf die Kampagnenseite. Wer mehrere Projekte einzeln präsentieren will, braucht zusätzliche Accounts, denn mehrere Kampagnen-Seiten pro Nutzer sind derzeit nicht möglich.

Die Betreiber empfehlen, ein Vorstellungsvideo hochzuladen – ‘ere we go:

Goals und Rewards sind optional – je nach Aufwand dauert das Einrichten der Kampagnenseite zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden. Weitere Parallele mit Kickstarter: Mit der Einrichtung der Seite ist’s keineswegs getan. Patreon ist lediglich ein Service-Provider, um die Bekanntheit der eigenen Kampagne muss man sich schon selbst kümmern. Je aktiver und begeisterter die eigenen Fanbase ist, desto leichter fällt es, regelmäßige Leser, Hörer und Seher zum Abschluss eines freiwilligen “Mäzenaten-Abos” zu bewegen, das selbstverständlich jederzeit kündbar ist.

Das Ergebnis meines Experiments finden Sie ab sofort unter www.patreon.com/datenschmutz. Obwohl ich nicht ernsthaft damit rechne, über Nacht zum Millionär zu werden (das wird wohl ein, zwei Wochen dauern), unterstütze ich mit Vergnügen den Gedanken einer Fan-based Economy. Wie denken Sie darüber? Würden Sie freiwillig monatlich 1 oder 2 Dollar für Ihr Lieblingsblog springen lassen?

datenschmutz auf Patreon

Links:

Passion: Wie mich Sir Anthony Hopkins zum André Rieu Fan machte

Wussten Sie schon, dass sich die Talente des Schauspiel-Doyens Sir Anthony Hopkins nicht auf die darstellerischen Künste beschränken? Seit vielen Jahren komponiert der mittlerweile 73jährige Musik. Aus seiner Feder stammt auch “And the Waltz goes on”: ein Walzer, der einerseits die Strauß’sche Tradition aufgreift und andererseits eine ganz eigene, fast hyper-wienerisch wirkende Melancholie transportiert.

50 Jahre nach der Entstehung des Stücks schickt Hopkins die Partitur an den holländischen Star-Geiger André Rieu:

“I’ve been a great admirer of André Rieu for several years,” explained Sir Anthony. “He’s a great musician. My wife and I had the same dream of meeting him one day, so I’ve sent him some music that I wrote.” [via supajam

Zur Uraufführung von “And the Waltz goes on” flog das Ehepaar Hopkins 2011 nach Wien. Das folgende Video ist weit mehr als ein wunderschöner Walzer. Achten Sie auf den Gesichtsausdruck des Komponisten, für den sich mit der Erstaufführung ein Traum verwirklicht hat. Der Traum eines Mannes, der in seinem Fach so gut wie alles erreicht hat. “Es war noch viel besser, als ich erwartet hätte,” kommentiert Hopkins, und dass er “totally knocked out” gewesen sei. Nicht bloß bezaubernd, sondern geradezu ein Wink, sich an eigene Träume aus vergangenen Tagen nicht bloß zu erinnern…

Titelbild: Youtube-Screenshot, © 2011 Universal Music Domestic Pop

Game of Thrones – Two Swords: Premiere der 4. Staffel

Gestern zeigte HBO in den USA die erste Folge der vierten Staffel von “Game of Thrones”. Das überaus erfolgreiche Fantasy-Epos begeistert Fantasy-Fans mit einer durchdachten, stimmigen Welt und fesselt dank komplexer Charaktere und Handlungsstränge sogar Zuseher an den Bildschirm, in deren sonstigem Entertainment-Mix feuerspeiende Drachen und schwertschwingende Untote überhaupt keine Rolle spielen. Mit der Episode “Two Swords” gelang den beiden Masterminds David Benioff und D.B. Weiss ein reibungsloser Wiedereinstieg in die intrigante Welt von Westeros. Ich kann es kaum erwarten, bis der ORF in 20 Jahren um drei Uhr früh beginnt, die erste Staffeln in schlechter deutscher Synchronisierung auszustrahlen.

Seit Wochen läuft die Vermarktungsmaschinerie, sogar Abhörpräsident Barrack Obama ließ sich aus Neugier vor den HBO Werbe-Karren spannen und sich die komplette Staffel vorab zuschicken. Zahlende HBO-Abonennten mussten sich indes gestern abend gedulden: zum zweiten Mal nach dem Staffelfinale von “True Detective” gab sich die HBO-Go Infrastruktur dem Ansturm auf die Streaming-Server geschlagen.

Zukünftig müsse sich der Sender wohl, so erklärte HBO im Entschuldigungs-Statement, “auf die steigende Nachfrage einstellen müssen” – ein Luxusproblem, das so mancher österreichische Sender vermutlich auch gern hätte.

Game of Thrones, Memegeneratoren und Diedrich Diedrichsen

Als bekennender Science-Fiction-Fan, der ab und an auch mal Ausflüge in gut gepflegte Fantasy-Habitate unternimmt, habe ich GoT so lange verweigert, bis South Park in der Dreifachfolge “Black Friday” / “A Song of Ass and Fire” / “Titties and Dragon” George R.R. Martins Epos ordentlich durch den Kakao zog. Und konvertierte bereits nach wenigen Folgen der ersten Staffel zum Fan.

Denn die epischen Schauplätze, die klirrenden Rüstungen und das mittelalterliche Flair bilden bei Game of Thrones nie den Mittelpunkt der Handlung, sondern formen lediglich die Bühne, auf der sich menschliche Dramen Shakespear’schen Ausmaßes abspielen. Die große Freiheit der Weltgestaltung, jenes Privilig der Fantasy und SF, nutzt Mastermind George RR Martin auf sehr kluge Weise, um einen idealisierten Testparcours für alle Nuancen menschlichen Gefühlslebens zu konstruieren. Andere Zeiten, anderen Sitten, aber äußerst glaubwürdige Charaktere, die fast nie ganz prototypisch ausfallen, sondern in ihrer Entwicklung die conditio humana gekonnt beschreiben, machen Game of Thrones zu einem weiteren Highlight in einer langen Reihe von HBO-Erfolgsproduktionen.

Die Faszination, die eine solch epische Geschichte entfalten kann, spiegelt sich in zahllosen Memen wieder. Ich hab in Wien schon ein paar Damen mit dem populären “I’m not a princess, I’m a Khaleesi” T-Shirt rumlaufen sehen. “You know nothing, Jon Snow” hat sowieso das Potential zum zukünftigen Bauernkalenderspruch. Laufenden Nachschub in Sachen Nerd-Humor liefert die großartige Facebook Page Game of Thrones Memes.

Game of Thrones

In “Parks and Recreation” macht Ben regelmäßig Bemerkungen über GoT, Mashable berichtet seit einigen Tagen gefühlt häufiger über Westeros als über Facebook. Wussten Sie etwa, dass Sophie Turner, die Sansa Stark spielt, im richtigen Leben ihren “Direwolf” (im richtigen Leben: ein prächtiger Northern Innuit Dog) adoptiert hat? Ich muss in diesem Zusammenhang an den “wichtigen Poptheoretiker” (was für eine ungewollt originelle contradictio in adjecto – danke, Wikipedia!) Diedrich Diedrichsen denken, der dieser Tage mit “Über Pop-Musik” ein eigenartiges Buch geschrieben hat, das erste Anzeichen der Vergreisung erkennen und ein baldige “Ende” der Popkultur realistisch erscheinen lässt. Ich behaupte: Rains of Castamere ist die neue Lady Gaga.

Der Mexikaner oder: Spoiler Alert

Zum Glück ist mein mexikanischer Freund Pedro glühender Fantasy-Jünger und umgeht kontinentale TV-Delays technologisch-elegent mittels VPN, amerikanischer Prepaid-Kreditkarte und HBO Go-Abo. “Man muss nicht Barrack Obama heißen, um auf unlizensierte Torrent-Download zu verzichten,” pflegt er stets zu sagen. Danke auch für die Nachos, amigo!

Bereits die Auftaktszene ist ein Treffer ins Schwarze: ein nachdenklicher Tywin Lannister schmilzt zu den unheilvollen Klängen der “Rains of Castamere” aus Eddard Starks Zweihänder “Ice”, hergestellt aus dem äußerst wertvollen “Valyrian Steel”, zwei neue Schwerter für seinen Familienclan und übergibt eines Davon seinem Sohn Jamie – zusammen mit der Aufforderung, die King’s Guard zu verlassen und fortan die Geschicke von Casterly Rock zu lenken: “I’m the hand of the king, my place is here. And I don’t expect to see the Rock again before I die,” erklärt er Jamie, der sich jedoch weigert, die Nachfolge seines Vaters anzutreten.

Dass der Kingslayer nicht nur seine rechte Hand verloren hat, wird deutlich, als ihn Cersei beschuldigt, sie im Stich gelassen zu haben, und ihr Sohn King Joffrey, bestgehasster Teenie-König aller Zeiten, sich über seine angebliche Feigheit lustig macht. Die neue goldene Hand ist also nicht die einzige Veränderung in Jamies Leben – ich tippe mal drauf, dass im weiteren Verlauf der Staffel eine Art Zweckbündnis zwischen Jamie und Tyrion entstehen wird.

Tyrion Lannister

Dem kommt in der nächsten Handlungsebene die zweifelhafte Ehre zu, Empfangskomitee für eine Prinzen aus Dorne zu spielen. Oberyn vom Haus Martell reist an, um an der könglichen Hochzeit teilzunehmen, hat aber einen ganzen Stapel an Rechnungen mit den Lannisters offen, ein Faible für Sex-Orgien und keine Hemmungen vor drastischer Gewaltanwendung – kurzum, der ideale Kandidat für Game of Thrones.

Und das waren gerade mal die ersten 15 Minuten… Daenerys Targaryen zieht mit ihrer Riesenarmee und ihren mittlerweile adoleszenten Drachen weiterhin durch die Gegend und lässt sich von Daario Naharis bezirzen. Dany scheint’s übrigens gar nicht weiter zu stören, dass Darsteller Michiel Huisman an die Stelle von Ed Skrein getreten ist.

gotadany

Auch an der Wall tut sich einiges: Jon Snow, zurück in Castle Black, berichtet von seinem aus dem Ruder gelaufenen Ranger-Ausflug und sorgt im Dialog mit dem 90jährigen Peter Vaughan für den zweitbesten Dialog der Serie.

Jon: I lay with a Wildling girl.
Nightwatch-Interimsboss: So you broke your oath. We’ll have to chop off your head.
Maester Aemon: If we chopped off the head of every brother of the Nightswatch who lay with a girl, our wall would be manned with headless bodies.

Ygritte und Tormund verbünden sich währenddessen mit menschenfressenden Body-Modification-Freaks namens Thenn und bereiten ihren Angriff auf das Schloss der Nightswatch vor. Dabei wird endgültig klar, dass die gute Ygritte aus 200 Yards locker die Pupille eines Kaninchens mit ihren Präzisionspfeilen durchbohrt, sprich: sie liebt Jon Snow ja doch. Obwohl der nix, aber auch wirklich gar nix weiß.

Das Auftakt-Highlight haben die Serienmacher fürs Finale aufgehoben: Arya steckt ihr Schwert Needle mit süffisantem Grinsen in den Hals eines Todfeindes und Sandor “The Hound” Clegane nach einfach nicht genug kriegen von diesen leckeren Brathenderln – mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Zuguterletzt noch ein kleiner Link-Tipp: auf der offiziellen Seite gibt’s nicht nur jede Menge Background-Bilder, Avatar-Fotos und Co., sondern auch ein Making-of zu jeder Episode sowie ein Preview auf die Folge der kommenden Woche: www.hbo.com/game-of-thrones/.


All images: HBO

Banksy-Originale zu Schleuderpreisen: Kunst und Kontext

“An artist’s residency on the streets of New York” nennt Banksy seine aktuelle Aktion, in deren Verlauf er jeden Tag ein Kunstwerk auf den Straßen des Big Apple präsentiert. Ein Audioguide, zugänglich unter einer Gratis-Nummer, die neben den Graffitis zu finden ist, liefert herrlich skurril aufbereitete Zusatzinfos, in denen der Meister ständig als [bänsk:ei] bezeichnet wird. Alle Aktionen dokumentiert täglich der “Ausstellungskatalog” unter banksyny.com.

Der britische Meister-Ikonograph beherrscht nicht nur sein Handwerkszeug in Perfektion, sondern hat sich in den vergangenen Jahren als wahres Diskurs-Hacking-Genie etabliert. Seine Statements zum Kunstwerk gipfelten 2010 in der grandiosen Mockumentary Exit through the Gift Shop, einer rasanten Achterbahnfahrt durch die Welt der Street Art und ihre komplizierte Beziehung zum Kunstmarkt.

Genau die ist mittlerweile recht gefestigt: wer das Glück hat, einen Banksy auf der eigenen Wand vorzufinden, kann schon mal die Maurer rufen, denn solche “Originale” erzielen bei Kunstauktionen mittlerweile Millionenpreise. Eine Tatsache, die anlässlich der aktuellen NY-Residency bereits Steve Colbert aufgegriffen hat:


Am 13. Oktober bot Banksy eine ganze Reihe von signierten Original-Arbeiten zum Verkauf an – und zwar an einem der vielen Touristenfallen-Stände im Central Park. Der Künstler, der seine Idenität seit Jahren erfolgreich geheim hält, verkaufte die Bilder nicht selbst, sondern überließ einem entspannten älteren Herrn (Name der Redaktion unbekannt) Präsentation und Abwicklung. Pro Bild wollte dieser von potentiellen Käufern 60 Dollar. Bilanz am Ende des Tages: 8 der rund 30 Bilder gingen über den Ladentisch, der Rest wanderte nach Ende der eintägigen, einmaligen Aktion wieder zurück in Banksy’s Atelier.

Den 8 Käuferinnen und Käufern kann ich nur gratulieren – wie oft hat man schon die Gelegenheit, 60$ in wenigen Minuten in mehrere Millionen zu verwandeln? Was für eine poetische Aktion! Das Video “Art Sale” dokumentiert das Geschehen im Central Park:

Luca war leider auch grad nicht in NY *g*

Review: Star Trek – Into Darkness

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Auf Einladung der Jungen Europäischen Föderalisten hatten Astrid und ich heute das Vergnügen, der Vorpremiere des neuesten Kinofilms aus dem Star Trek Universum beizuwohnen. Into Darkness ist eine in jeglicher Hinsicht gelungene Tour-de-Force durchs Gene Roddenberry-Universum, in der sich die neu besetzte Originalcrew – Captain Kirk, Spock, Uhura, Pille, Scotty, Chekov und Zulu – mit einem altbekannten Superschurken und frischester Tricktechnik konfrontiert sehen. So schön wie Khan (Khan!) hat noch nie jemand ein zig Megatonnen schweres Raumschiff in eine CGI-Stadt krachen lassen, so spektakulär wie Spock und der Bösewicht haben nicht mal ein Bruce Willis und seine Widersacher in schwindelnden Höhen Faustkämpfe ausgefochten, so glaubwürdig und engangiert wie der junge Heißsporn-Kirk trat selten ein SciFi-Kapitän in vollster Konsequenz für seine Mannschaft ein.

Dass die Veranstalter bei der Begrüßung auf die Parallelen zwischen der Idee eines europäischen/weltweiten Föderalismus und dem Grundgedanken des friedvollen Umgangs zwischen verschiedenen Sternenreichen verweisen, ist sehr nah hergeholt: Gene Roddenberry befreite mit seiner Vision eines intergalaktischen friedlichen Zusammenlebens das Science-Fiction-Genre für ein Mainstream-Publikum von seinem bis dato eher martialischem Ruf. Sein Star Trek Universum entwarf er als uneingeschränkt positive, humanistische Zukunftsvorstellung, in der unterschiedliche Hautfarben von Erdlingen in Relation zur Begegnung mit völlig fremden außerirdischen Rassen zu jener Nebensächlichkeit degradiert werden, die sie auch realpolitisch in unserer Gegenwärt längst sein sollten.

Story gelungen, Tricktechnik fantastisch, 3D überstrapaziert

Into Darkness nutzt zwar exzessiv virtuelle Filmrealitäten, lebt aber von der großartigen schauspielerischen Leistung eines Ensembles, das ein schwieriges Erbe antritt. Ohne Hardcore-Trekkie zu sein (ich trug im Gegensatz zu etlichen anderen Vorpremierengästen leider keine Uniform der Sternenflotte) behaupte ich, dass der Streifen sowohl für eingefleischte Fans als auch für Kinobesucher ohne spezifisches Vorwissen eine Menge zu bieten hat. Letztere These erhärtet mein 1-Frau-Sample Astrid, die bei der anschließenden Befragung trotz völliger Unkenntnis der Beam-Technologie sowie der obersten Direktive versicherte, sich keine Minute gelangweilt zu haben. Erstere Vermutung bestätigten zwei der passend gekleideten Herren auf der Herrentoilette, die sich einig waren, dass der eine oder andere kleine Regiefehler respektive historischer Ungenauigkeiten im Kontext der Roddenberry-Realität dem hohen Unterhaltungswert keinen Abbruch tun.
Star Trek - Into DarknessAnders als mancher Vorgänger verzichtet Into Darkness auf ausschweifende Dialoge und philosophische Monologe zugunsten eines Action-Plots, der Besatzung und Technik vor harte Herausforderungen stellt und in einer Raumschlacht zweier föderierter Schiffe sogar zahlreiche Leben fordert. Detaillierte Vergleiche der Optik des aktuellen Warp-Kerns mit Vorgängermodellen mögen andere vornehmen, ich möchte an dieser Stelle lieber die ultrakurzen Minikleider der weiblichen Besatzungsmitglieder als erfreulich politisch unkorrekten Kontrapunkt in einem zutiefst vom Gedanken des Humanismus geprägten Sci-Fi Universums lobend erwähnen. Ich denke, Majel Barrett ist stolz auf Zoe Saldana.

Formal wäre an Into Darkness lediglich zu bemängeln, dass auffallend viele Framings der Optimierung der 3D-Präsentation dienen. Die Leinwand mag die Tiefenillusion noch so gut vermitteln, doch in manchen Szenen nervt dieser produktionstechnische Impetus gewaltig: die 3D-Technik spielt primär bei rasanten Raumschlacht-Szenen oder actionsreichen Kämpfen ihre Stärken aus, doch in den spärlichen Gesprächszenen stört meiner Meinung nach der übertriebene Einsatz des Gestaltungsmittels “Tiefe”. Statt Jumpcuts steht der eine Protagonist einfach in der Vordergrund-Unschärfe und “rahmt” zwei Seiten des Bildes ein, um einen visuellen “Tunnel” zum zweiten Gesprächspartner zu bilden – undenkbar in der in der Prä-3D-Brillen-Ära. Das mag eine Geschmacksfrage sein, aber hier haben Regisseur J. J. Abrams und/oder sein Chefkameramann Daniel Mindel etwas übertrieben.

Star Trek Into Darkness: die Geschichte

Spoiler Alert: Die folgende Passage enthält eine kurze Zusammenfassung der Filmhandlung.

Spock soll auf einem Planeten der M-Klasse mittels Hi-Tech Device einen Vulkanausbruch, der die örtliche, vor-technisierte Zivilisation völlig vernichten würde, verhindern. Das gelingt, doch um seinen in Bedrängnis geratenen Ersten Offizier zu retten, muss Captain Kirk gegen die oberste Direktive der Sternenflotte verstoßen, die jegliche wahrnehmbare Einmischung in die Angelegenheiten fremder Zivilisationen verbietet. Die Eingeborenen kriegen die Enterprise zu Gesicht, Spock überlebt und verpfeift zum Dank seinen Chef bei der Admiralität.

Doch ein Terroanschlag auf ein als Archiv getarntes Waffenlabor der Flotte führt zur Einberufung einer Krisensitzung, die wiederum Ziel eines Attentats wird, bei dem Pike sein Leben verliert. Kirk erhält sein Kommando zurück und soll mit der Enterprise, vollbeladen mit neuartigen Super-Torpedos, Jagd auf den Abtrünnigen machen. Der versteckt sich schlauerweise auf Kronos, dem Heimatplaneten der Klingonen. Jegliche Operation der Sternenflotte auf deren Gebiet könnte einen Krieg heraufbeschwören, was Kirk jedoch nicht von seiner Mission abhält. Chefingenieur Scott, der nach der Weigerung, die unbekannten Torpedos an Bord zu nehmen seinen Dienst quittiert, und Spock überreden Kirk schließlich, die Torpedos in den Rohren zu belassen und den Terroristen stattdessen in einer riskanten Bodenmission gefangen zu nehmen.

In derem actionreichen Verlauf stellt sich heraus, dass der Gesuchte in Wahrheit gar kein ehemaliger Captain der Sternenflotte, sondern ein vom machtgierigen Oberbefehlshaber aus seiner Kryo-Starre aufgetauter Superkämpfer ist. Die Enterprise, die aufgrund ihres defekten Warp-Antriebs hilflos im All herumhängt, wird kurz darauf von besagtem Admiral mit einem überlegenen Schiff angegriffen, das Kirk aber mit Khans Hilfe entern und übernehmen kann. Dass der Feind seines Feindes durchaus nicht sein Freund ist, erfährt Kirk, als Khan die Kontrolle über das überlegene Schiff des Admirals übernimmt und selbst die Entprise angreift. Erneut wendet Kirkt die Katastrophe ab, allerdings um den Preis lebensbedrohlicher Verstrahlung.

Aus dem Blut von Khan, den Spock und Lebensgefährtin (!) Uhura schließlich auf der Erde nach eingangs erwähnter spektakulärer Crash-Landung endlich festsetzen, gewinnt “Pille” McCoy ein Serum, dass Kirks Leben rettet. Respekt an die Drehbuchschreiber, denn obwohl von vornherein feststeht, dass der junge Kirk heil davonkommen muss, da sonst eine Zeitschleife entstünde, die William Shatners Existenz auslöscht, kommt das Ende verdammt spannend rüber.

Fazit: Stark Trek – Into Darkness ist Lebenselixier für Trekkies, Pflichtfilm für Science Fiction Fans, uneingeschränkt tauglich für alle anderen *g*


Star Trek image by dave_7 via FlickR. his image, which was originally posted to Flickr.com, was uploaded to datenschmutz 08 May 2013. On that date it was licensed under a CC Share-alike / Attribution license.

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James Bond, Daniel Craig, Skyfall, Durchfall

Stellen Sie sich bitte mal vor, Sie wären die Chefin des britischen Geheimdienstes MI6. Sind Sie soweit? Dann imaginieren Sie weiters, dass ihr einstiger Hongkonger Filialleiter sich auf einer verlassenen Insel mit folgendem Geschäftsmodell selbständig gemacht hat: die Chefin des britischen Geheimdiensts – in unserem kleinen Gedankenexperiment also Sie – töten und demütigen, notfalls auch improvisiert und in umgekehrter Reihenfolge. Da sprengt Ihnen dieser eher holländisch wirkende Spanier en passant Ihr Hauptquartier in die Luft, öffnet im Ausweichquartier via polymorphem Virus, der eigentlich eine U-Bahn-Karte Londons ist, anschließend alle Luken, (Fall-)türen und sonstigen Notfluchtlöcher inklusive der Pforte seines eigenen Panzerglaskäfigs und entkommt erkannt als Polizist verkleidet.

Was würden Sie in dieser Situation tun? Mit Sicherheit das gleiche, was Judy “M” Dench auch tut: sich von James Bond auf dessen verfallenen Familiensitz kutschieren lassen, um dort mit einer alten Jagdflinte gegen einen zum Kampf- umgebauten Transporthubschrauber anzutreten, nicht wahr? Da fällt die strategische enorm fragwürdige Entscheidung, erst einmal ein halbes Dutzend Gefolgsleute mit Maschinengewehren in die Hütte zu schicken, um selbige kurz darauf mit schwerer Artillerie aus der Luft anzugreifen, schon kaum mehr ins Gewicht.

Der MI6 als unfähiger Haufen, dessen Chefin sich eine Liste aller verdeckt operierenden Agenten klauen lässt, ein Computergenie, das via Mausklick Inseln entvölkert (“Die sind alle sofort geflüchtet, als ich das Facebook-Profil des Bürgermeister hackte und reinschrieb, dass hier ein neuer JB gedreht wird, har, har!”), eine Pistole, die sich nur vom Besitzer abfeuern lässt: zum Lachen ist das alles nicht, ja es steht gar zu befürchten, dass die Macher hier keine Parodie im Sinne hatten. Denn während 007 “nur noch von Tabletten und Alkohol zusammengehalten wird”, im Lift Copperfield-artig durch feste Wände steigt und ein paarmal voll daneben schießt, drängt sich ein Gedanke auf, der im weiteren Verlauf des Films zur schrecklichen Gewissheit wird: die Babsi Broccoli und der Sam Mendes, die meinen das voll ernst, ja was heißt, geradezu zeitgemäß wollen die sein!

Dabei haben andere lang gediente Heroen aus der schweißtreibenden Liga längst demonstriert, wie man “Computer”, diese magischen Insel-Entvölkerungs- und U-Bahn-Umlenk-Werkzeuge weit unpeinlicher eine Rolle spielen lässt – und damit genug dieses für Bruce Willis nun wirklich wenig schmeichelhaften Vergleichs. Was Sam Mendes da abgeliefert hat, ödet micht fast so sehr an wie Road to Perdition, wirkt jedoch deutlich zerfahrener respektive herumfahrender: nach den grandiosen ersten 10 Minuten, die offenbar *alles* an Regie-, Schnitt- und Drehbuchtalent verschlangen, was das Team zu bieten hatte, nimmt Daniel Craig den unbedarften Zuseher mit auf eine Tour-de-Force der faden Grotesken: keine Superschurken-Hauptquartiere in umgebauten Vulkanen, dafür ein kaputter James: kein Wunder, dass Frau Dench dieses Denkmalschändung nicht länger mitmachen möchte und am Ende lieber stirbt. Klar kann man versuchen, James Bond zu modernisieren. Oder ein massives Echtholz-Gehäuse fürs Touch-Tablet zimmern. Man sollte sich nur in beiden Fällen darüber klar sein, dass der generierte Mehrwert bestenfalls in verstärkter Inszenierung von Anachronismus gipfeln wird.

Abschließend bleibt mir nur mehr zu konstatieren, dass Skyfall zumindest die alte Streitfrage löst, ob Sylvester Stallone doppelt oder dreimal soviele verschiedene Gesichtsausdrücke samt zugehörigen Emotionen sein eigen nennt wie Daniel Craig. Der kann tatsächlich nur einen, eine Mischung aus Müdigkeit, Sodbrennen mit einem kräftigen Schuss Teilnahmslosigkeit: niemand könnte inspirationsloser durch diese Groteskte von Actionmovie schlendern, als jener Mann, der George “Kleiderständer” Lazenby letztendlich doch vom Nimbus des schlechtesten 007-Darstellers aller Zeiten befreit hat. Aber selbst wenn das letzte Popcorn “Special Skyfall Edition” längst den Weg alles Kotigen gegangen sein wird, sinniert der ob der Unfähigkeit des MI6 geschockte Kinobesucher über ungeklärte Mysterien weiter:

  • Schauen Journalisten, die “den großartigen neuen James Bond” loben, allderweilen in den Film rein oder selbigen sich gar an?
  • Wie schreibt man einen Code, der sich bei Aufruf selbst aus dem Speicher löscht? Vielleicht liest ja “einer der sechs Menschen auf der ganzen Welt, die das können”, zufällig hier mit.
  • Warum musste der arme Sam Mendes dauernd durch Panzer-, Plexi- und Echtglasscheiben hindurchfilmen?

Bild: Screencapture aus dem Youtube-Trailer, Arbeitstitel: “James im Serverraum”.

Bestes Tanzvideo ever: TURF FEINZ – RIP Rich D

Die TURF FEINZ aus Oakland, Kalifornien tanzen in diesem Clip so mitreißend, inspiriert und faszinierend, wie ich es noch nie gesehen habe. Die Moves der Tänzer haben einen ausgesprochen traurigen Hintergrund: Rich D, der Halbbruder eines Mitglieds der Turf Dance Gruppe, starb vor wenigen Tagen an genau dieser Straßenecke bei einem Autounfall:

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Dexter Season 5: Der offizielle Trailer

Gute Fernsehserien haben einiges mit guten Restaurants gemeinsam: mit temporären Highlights ist’s nicht getan, die Kontinuität muss stimmen. Während viele Serien an der Fortsetzung einer fulminanten ersten Staffel scheitern, lieferten die Dexter-Autoren bislang 4 Seasons pure Qualitätsarbeit ab. Beim Gedanken an “Trinity”, Protagonist der vierten Staffel und wohl einer der irrsten Fernseh-Serienkiller aller Zeiten, läuft mir jetzt noch eine Gänsehaut über den Rücken. Weiter geht’s in den USA mit der fünften Staffel am 26. September, beim Comic-Con 2010 wurde erstmals der offizielle Trailer gezeigt. Achtung: Spoiler-Alert für alle, die die vierte Staffel noch nicht gesehen haben!

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The Trail of Trololo: Trance, Waltz und der Humpink

Frühere Kindergenerationen wurden noch mit schwarzem Mann oder Räuber Hotzenplotz ins Bett gefürchtet, die Eltern der net.generation greifen zu Mr. Trololo, denn der macht Angst *und* ist echt. Der russische Bariton Eduard Khil hätte in meinem Geburtsjahr anno 1976 wohl nicht vermutet, dass ein wortloser, aber silbenreicher Gesangsauftritt genau 34 Jahre später ein Revival im Web erleben würde. Wie so oft in der Popkultur muss man das Original kennen, um den Remix würdigen zu können:

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DJ Bratan hat sich dieses Rohdiamants liebevoll angenommen und eine Perle im äußerst seltenen Genre Trance-Parodie geschaffen. Nicht nur die Beats, auch die Visuals schlagen die durchschnittliche Goa-Party um Längen:

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USA Flugfazit = 5 Filme und 1 neuer Snack

The invention of lying, Wo die wilden Kerle wohnen, Everybody’s fine, Der Informant, Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen sowie ein Laugenweckerl mit integriertem Leberkäse (also direkt im Weckerl, das unschuldig wie ein rein vegetarisches Kohlenhydrat-Produkt wirkt: keine äußeren Verletzungen, keine sichtbaren Schnitte, kurzum der ideale Gag-Artikel für Vegetarier-Partys!): diesen fünf Filme und dieser Snack sind mein Fazit eines Lufthansa Fluges zwischen zwei Kontinenten. Danke übrigens an die nette Stewardess, die mir einen Einweghandschuh brachte, den ich um Kopfhörerstecker und Armlehne knotete, um dank Latex-Materialspannung einseitige Beschallung via Ohrhörer zu verhindern.

Man hofft, die flugkritischen System des Airbus mögen besser gewartet sein als die Klinkenstecker in der Armlehne – wobei knapp 10 Stunden sensorischer Deprivation zweifellos einer übermäßig spektakulären ungeplanten Zwischenlandung vorzuziehen sind. Obwohl auch erstere ganz schön an die Substanz geht, den auch beim Rückflug gab’s ein interessantes Aha-Erlebnis: die Lufthansa hat tatsächlich noch Uralt-Interkontintental-Stahlvögel ohne Entertainment-System im Einsatz, sodass ich mich nach Latexhandschuh samt Bildschirm sehnte. So aber sah ich zumindest am Hinflug alles, was ich sonst garantiert nie runtergeladen hätte. Und weil da zwei sehr unerwartete Highlights dabei waren, hier ein kurzer Abriss – falls Sie demnächst auch einen längeren Aufenthalt auf engem Raum planen, erleichtert Ihnen das vielleicht die Auswahl. Die Reihenfolge impliziert in diesem Fall übrigens definitiv eine Wertung, schließlich dauern Internkontinentalflüge ja nur fast unendlich lang!

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Vortrag: Ulli Lust über die Kunst des Comics

Ulli Lust zeichnet geniale Comics – ihr autobiographisches Werk “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” gab’s vor kurzem hier auf datenschmutz zu gewinnen. Am kommenden Dienstag hält Ulli im phil eine Comiclesung, die folgendermaßen abläuft: während Ulli liest werden die zugehörigen Zeichnungen an die Wand projiziert. Weiterlesen

Perry Rhodan: SF Werbung aus der Vergangenheit

Der erste Kontakt mit den Arkoniden, die Suche nach der Superintelligenz ES, der Kampf gegen die Meister der Insel, die mehrfachen Invasionen der Milchstraße durch Maahks, Laren, Überschwere und andere exotische Außerirdische, der Aufstieg der SOL, Perrys Naupaum-Odysee – und dann noch Sporenschiffe, Materiequellen und -senken, das Fernraumschiff Basis, die Posbis, “Old Man”, Bardioc… der “Erbe des Universums” hat mich jahrelang begleitet. Aber eigentlich geht’s in diesem Beitrag gar nicht um das Perry Rhodan Universum, sondern um Werbung aus den 70er Jahren – Ungeduldige scrollen gleich nach unten.

Wer Heftromanserien generell für Schund hält, hat natürlich recht, doch die Science-Fiction Ausnahme bestätigt die Regel und ich möchte bloß anmerken: meine Damen, meine Herrn, Perry Rhodan ist der längste Roman der Welt, halten wir momentan doch bei Band Nr. 2531. Das macht 48,6 Jahren oder knapp 160.000 Seiten. Im Gegensatz zu John Sinclair, Jerry Cotton und Co. sind PR-Romane nämlich keine abgeschlossenen Hefte: die Handlung geht immer weiter und ist grob in 2-Jahres Substories á 100 Hefte (sogenannte “Zyklen”) unterteilt. Als ich seinerzeit aktives Mitglied der Fancommunity war, mussten Leserbriefe noch zu Fuß verfasst werden, mittlerweile hat Perry auch einen Wohnsitz im Internet und kommt auf Wunsch sogar aufs iPhone.

Das Autorenteam, dem einige der begabtesten SF-Schreiber des deutschen Sprachraums angehören, verstand es von Beginn, aktuelle politische Entwicklungen in die Serie einfließen zu lassen, immer vor dem Hintergrund eines tolerant-liberalen Menschen- respektive Alien-Bildes. Die letzten Wochen haben ich interessehalber mal wieder rein gelesen: derzeit schlagen sich Perry und Konsorten gerade mit den Verwüstungen, die die “terminale Kolonne” in der Milchstraße hinterlassen hat, herum: Parallelen zur Post-WTC-Situation drängen sich unmittelbar auf. (Wir schreiben derzeit das Jahr 1463 Neuer Galaktischer Zeitrechnung, das entspricht anno domini 5050. Die Sache mit der Hauptpersonen-Lebensdauer haben die Autoren übrigens mit einem dramaturgischen Kniff gelöst: Perry und einige andere Hauptpersonen tragen Zellaktivatoren, die praktischerweise die natürlich Zellalterung verhindern.)

Grund für dieses Posting ist freilich nicht die aktuelle Handlung, sondern ein Heft aus den 70ern: der Tag, an dem ich im Alter von 10 oder 11 beim Versteckspielen im Hof eine fast komplette Rhodan-Sammlung von Band 150 bis 900 fand, war wie Weihnachten und Geburtstag zugleich. Das Interesse meiner Spielkameraden an den seltsamen Heften hielt sich zwar in engen Grenzen, aber sie halfen mir, den Container in Rekordzeit leerzuräumen. Mittlerweile sind die Hefte längst wieder am Altpapier gelandet, aber Nr. 505 “Im Schwarm gefangen” habe ich letztens beim Aufräumen gefunden:

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Christina Stürmer und die Bundeshymne

Während die übrigen Absolventen der österreichischen Pop-Casting Show Starmania ihre traurigen Tage auf Zeltfesten fristen dürfen, gelang es der Niederösterreicherin Christina Stürmer bereits vor Jahren, eine respektable Karriere zu starten. Gewonnen hatte sie im Jahr 2003 zwar nicht, die Teilnahme hat sich für sie aber auf jeden Fall ausgezahlt. Eine ausführliche Bio findet man – na wo sonst? – natürlich auf Wikipedia, aber momentan interessiert vor allem der “Skandal” um eine Neuinterpretation der Bundeshymne.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied hatte die Musikerin mit dem besagten “Remix” beauftragt – abgesehen davon, dass die elegischen Harmonien einer rockigen Inszenierung wichen, wurde der Text des Refrains geändert. Anstatt “Heimat bist du größer Söhne” heißt es nun “Heimat bist du großer Söhne und Töchter”. Auf der Kampagnenseite zur Bildungsreform gibt’s den Song zum Download, und so hört sich das Ganze an:

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Breakcore Party: Das Licht am Ende der Orgie!

Am kommenden Freitag, 15. Jänner 2010, geben sich die Breakcore-Experten Hecate aus Berlin im 3Raum der Wiener Arena live die Ehre. Unterstützt werden sie von Death is not a Color, die mit “digital epileptic breaks-metal” das Publikum verstören, Bobby Velvet, dem A Capella Artist “from hell” und den Dystopian Dub Developments, die mit “Death Reggae and Glitchy Doom Dub” der Krone das Fass ausschlagen. Konservierte Sounds werden aufgelegt von Herrn Bitkid und Mister Adam Strang. All das wär an sich schon großartig genug, ist aber bloß der Zierrat zur eigentlichen Sensation: Oliver Stummer aka Tomoroh Hidari feiert in einem Rutsch seinen 35er und sein kürzlich abgeschlossenes Diplom. Selbstverständlich wird der junge Mann zur Feier der Nacht der “Master of Pataphysics” auch selbst musikalisch aktiv werden.

Keine Kartenverlosung, keine Gästeliste: Oli organisiert und veranstaltet die Party selbst, und 5 Euro Eintritt kann man nur als äußerst gastfreundlich bezeichnen. Also erst mal vorweg alles Gute, wir stoßen dann am Freitag an – mehrmals! :mrgreen: Das Skug schrieb unlängst über Oliver:

Langgedient im Erschaffen eigenartiger, verstörender, und immer spannender Sang- und Klangkonstrukte.

Ich persönlich sehe respektive höre das etwas anders – “verstörend” ist der Musikantenstadl, Tomoroh’s Produktionen fand ich immer extrem groovig, technisch brillant und ausgesprochen originell; und wer jemals eine der legendären Dub Sessions besucht hat, wird die Party am Freitag ohnehin nicht verpassen wollen. Looking forward a lot, hier zum Reinhören der Track “Nothing” aus Tomoroh Hidari’s letzer EP “Also spoke Zerothruster”:



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Dexter, Season 4: Dex vs. Trinity

Wer die vierte Staffel von Dexter noch nicht gesehen, sollte sich dieses “Sitdown” von Michael C. Hall und John Lithgow keinesfalls anschauen – und zwar nicht mal die ersten paar Sekunden, die enthalten nämlich einen gewaltigen Spoiler. Wer bereits weiß, wie die Story um unseren Lieblings-Psychopathen und seine blutige Affäre mit dem Trinity-Killer weiter geht, dürfte über die die Kommentare der Darsteller zum unerwarteten Ende schmunzeln:

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