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Online Lese-Tipp: Ihr glaubt nicht, dass Roboter grooven können?

Werden autonome Flugdrohnen zukünftig die Menschheit beherrschen? Oder kontrolliert Skynet seine vergleichsweise dämlichen Schergen zentral? Niemand außer Arnold Schwarzenegger kennt auf diese Frage eine andere Antwort als “Zweifellos!” Bis es soweit ist, müssen wir uns allerdings mit einer weit existenzielleren Frage beschäftigen: Musizieren zukünftig ausschließlich Roboter und kreative Algorithmen für uns? Jedes Madonna-Album legt diesen Schluss immerhin seit Jahrzehnten gefährlich nahe. Und wer Britney Spears schon mal minus Autotune singen gehört hat, den plagen womöglich noch heute grässliche Alpträume.

Roland Trimmel, Experte für digitale Produkte an der Schnittstelle von Netz, Technologie und Musik und Mitgründer der Songwriting-Assistenz-Software Liquid Notes, hat auf Medium.com ein hochspannendes Dossier zu diesem außergewöhnlich kontroversiellen Thema verfasst: Will all musicians become robots? berichtet vom Status Quo moderner Musikmaschinen und von der Befürchtung, dass künstliche Intelligenz (KI oder AI von “artificial intelligence”) zukünftig den Ton in Radio, Funk und Fernsehen angeben könnte.

Roland stellt seinem Text eine paradigmatische Frage voraus: “Is the world ready for the perceptional battle that AI in music poses?”

This question was posed at Boston’s A3E Conference last month by a team member at Landr. Their company had received death threats from people in the mastering industry after having released a DIY drag-and-drop instant online mastering service powered by AI algorithms.
It illustrates the resistance that the world of AI has incited amongst us. Some fear that robots will take over à la Terminator 2. Some fear that the virtual and artificial will replace the visceral. Some cite religious views, and others? Frankly, others just seem ignorant.

Der robotische Blechbläser

Während der Autor zwar zu dem Schluss kommt, dass Computer aus derzeitiger Sicht nie “selbständig” komponieren werden, so zeigt er in seinem Dossier dennoch auf, was alles schon möglich ist: Von der fast vollautomatischen Unterstützung beim Mastering über vorprogrammierte Stile bis zur Unterstützung bei der Ausarbeitung komplexer Harmonien greifen Algorithmen immer stärker in die Musikproduktion und -analyse ein.

In the not too distant future—and we’re talking only years from now—we will be used to incredible music making automatons controlling most complex harmonic figures, flawlessly imitating the greatest artists.

Musik-Roboter, der live auf menschlichen Input reagiert

Insofern haben sich Kraftwerk wohl getäuscht: Wir sind nicht die Roboter, aber die Roboter singen zukünftig mit im Chor. Bis MC Algorithm aber so gut rappen kann wie Method Man, Ghostface und Co., wird noch Luft durch die Saxophone dieser Welt strömen. Aber wer weiß, vielleicht produziert RZA den nächsten “Bobby Digital Hit” im Duo mit DJ Scratchscript.

► Roland Trimmel: Will all musicians become robots? Embracing the tech and staying human: 5 things we learned working on intelligent algorithms

ShareYourMeal.net: Heut abend hol ich mir Essen vom Nachbarn

Der Online-Marktplatz ShareYourMeal.net vernetzt Hobbyköche mit potentiellen Essern. Oder Foodies, wie man heutzutage wohl jeden dahergelaufenen Gourmand nennt, der einen Fastfood-Burger von Beef Rockefeller unterscheiden kann. Wer regelmäßig zu viel kocht, obwohl in der Tiefkühltruhe längst kein Quäntchen Stauraum mehr frei ist, oder einfach gern neue Leute kennen lernt, stellt sein kulinarisches Angebot ins Netz und hofft auf experimentierfreudige Take-Away Kundschaft. Die eigenen Kreationen bieten die “Cooks” wahlweise als Dinner Service im heimischen Wohnzimmer oder als Take-Away Portion an. Aufgetischt wird entweder laufend oder nur auf Vorbestellung.

Für Wiener, die keinen Würstelstand mehr sehen können und denen Pizzaschnitten und Kebabs schon zum Hals raushängen, bleibt das Angebot derzeit aber noch recht überschaubar. Aktuell haben sich weltweit 346 Köche und 2313 Foodies insgesamt reserviert und 530 Mahlzeiten geteilt. Vier Angebot, davon zwei Backwaren, umfasst aktuell das lokale Portfolio, acht Köche offerieren ihre Dienste in Wien auf Vorbestellung:

Essen vom Nachbarn holen

Auch in Wien haben die ersten Crowd-Take-Away Lokale bereits aufgesperrt.

Beziehungsweise jetzt neun, denn als teilnehmende Blogforscher stürzt man sich natürlich sofort ins Getümmel. Als glücklicher Besitzer eines großen Tiefkühlschranks und einer leistungsfähigen Vakuumiermaschine produziere ich zwar keinerlei Take-Away Überschüsse, aber mich reizt die Vorstellung, lukullisch verwöhnte Touristen ab und an einen Abend lang mit meiner Wien-Tirol-Mittelmeer-Chili-Fusionküche Schweißperlen ins Gesicht zu treiben. Einen Slogan fürs datenschmutz-Catering hätt ich auch schon: El Rico – Zu Gast bei Fremden.

Nach der Registrierung und Gestaltung des eigenen Profils sucht man entweder nach Angeboten in der Umgebung oder bietet selbst ein oder mehrere Gerichte an. Im Anschluss ans “Testessen” können die Gäste ihrem Koch auf der Seite natürlich Feedback hinterlassen. Ich hab mal testweise mein berühmtes “Kürbis-Gulyas” (selbstverständlich *kein* vegetarisches Gericht, sondern eine Art Pörkelt mit Kürbisstücken drin) auf die Karte geschrieben. Das gibt’s nur auf Vorstellung, aber es sieht leider nicht so aus, als ob ich in den nächsten paar Wochen viel Zeit zum Kochen haben werde.

Hier kocht der Blogger persönlich.

Im El Rico gibt es keinerlei Alternativen für Vegetarier.

Airbnb hat vorgeführt, wie man private Vermieter und Reisende auf einem Online-Marktplatz zusammen bringt und erfreut sich vor allem bei jüngeren Globetrottern großer Beliebtheit. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Anbieter ein ähnliches Service für (semi)private Verköstigungen startet. Shareyourmeal.net macht es möglich, für fremde Foodies in der Nachbarschaft zu kochen: ob Hausmannskost oder kulinarische Großtat, die Plattform hilft Köchen, die gern neue Leute kennen lernen, via Internet hungrige Gäste zu finden. Man muss ja nicht gleich solche Kunstwerke in die Pfanne zaubern wie dieser junge Mann:

Der Wirt und sein Richter

Und wie sieht die ganze Sache so rein gewerberechtlich aus? Nun, die Vergangenheit hat gezeigt, dass Start-Ups erstmal machen und sich dann später um allfällige rechtliche Probleme kümmern. Das zeigt sich derzeit am Crowd-Limousinendienst über, dessen Auseinandersetzung mit lokalen Taxi-Unternehmen gerade erst begonnen hat, ebenso wie am Beispiel von Airbnb. Dass ein Online-Marktplatz eigene (Haftungs)Regeln und AGBs einführt, bedeutet noch lange nicht, dass das jeweilige Business-Modell auch im Einklang mit allen (gewerbe)rechtlichen Vorgaben steht.

Im vorigen Semester habe ich eine Bachelor-Arbeit betreut, die sich mit rechtlichen Aspekten von Airbnb in Österreich befasst. Das hiesige System aus Tourismusabgabe und rechtlichen Bestimmung darf nicht unterlaufen werden, die Grenze zwischen privater Zimmervermietung und kommerzieller Hotellerie verschwimmt. Ich bin kein Jurist, gehe aber stark davon aus, dass es sich im Gastronomiebereich recht ähnlich verhält. Essen verkaufen darf in Österreich ja an sich nur, wer eine entsprechende Konzession besitzt. Dass die folgende Passage der knapp gehaltenen Shareyourmeal.net AGBs die Bewirter aus der Pflicht nimmt, bezweifle ich jedenfalls stark:

The cook is responsible for giving correct tax return on any received earnings of Shareyourmeal. Meals are offered at purchase price of the ingredients at Shareyourmeal.

Denn wenn die Nutzer wie vorgeschrieben bloß den Preis der Zutaten verlangen, so kann ganz offensichtlich auch kein steuerpflichtiges Einkommen entstehen. Auf einem anderen, hoffentlich sauberen Blatt, stehen Hygienebestimmungen und lebensmittelrechtliche Vorgaben. Hier listet Shareyourmeal.net die grundlegendsten Regeln auf und hofft auf sauberes Business und allergiefreie Gäste:

  • Only buy ingredients that haven’t passed their expiration date.
  • Make sure that the product you buy looks nice and fresh. Check whether the package is still intact.
  • Make sure your kitchen is clean. Clean your counter, cooking devices and other equipment, but also the kitchen rags, tea-towel and other towels. Replace your kitchen rag frequently.

[…]

Gegründet hat Shareyourmeal.net das holländische Paar Marieke Hart und Jan Thij Bakker vor etwas mehr als zwei Jahren. Die Utrechter bezeichnen sich als “Socially enganged entrepreneurs” und glauben an die Ökonomie des Teilens. Die Plattform betreiben beide neben ihren Vollzeit Jobs als Beitrag zu einer besseren Welt, in der weniger Nahrung in der Mülltonne landet. Dass die Shareyourmeal-Köche sich nicht aus kommerziellen Motiven registrieren, zeigen die Preise der meisten Speisen deutlich – die liegen meist zwischen günstigen 3 und 5 Euro pro Portion.

Speziell für Foodblogger könnte Shareyourmeal.net eine recht interessante Promotion-Plattform werden – wer weiß, vielleicht treffen wir uns da demnächst mal bei mir zuhause auf ein Kürbisgulyas (ich hab’s schon erwähnt, aber sicherheitshalber nochmal: mit reichlich Rind). Mahlzeit!

Ello: Misstrauen und Popularität wachsen parallel

Der Hype um Ello kommt und geht in Wellen. Während sich in den letzten drei Wochen zeitweise bis zu 30.000 neue Nutzer pro Stunde (!) registrierten, ist es bereits wieder ein wenig stiller um den kontroversiellen Versuch, eine weniger böse Alternative zu Facebook ins Netz zu stellen, geworden. Verunsichert hat ungewöhnlich gut informierte Nutzer in erster Linie der Artikel Ello, Goodbye. von Aral Balkan.

Der Netzaktivist und strikte Gegner sogenannter “Closed Gardens” weiß, wovon er spricht, denn er hat die Ello-Gründer in der Anfangsphase sogar beraten. Als Aral erfuhr, dass Budnitz und sein Team knapp eine halbe Million Dollar vom Venture-Capital-Investor freshTracks erhalten hatten, verabschiedete er sich noch in der Betaphase vom Netzwerk. Denn mit dieser Art der Finanzierung habe Ello seine Nutzer bereits verkauft, Privatsphären-Manifesto hin oder her:

When you take venture capital, it is not a matter of if you’re going to sell your users, you already have. It’s called an exit plan. And no investor will give you venture capital without one. In the myopic and upside-down world of venture capital, exits precede the building of the actual thing itself. It would be a comedy if the repercussions of this toxic system were not so tragic.

Aral hat angekündigt, im November die erste Alpha-Version seines Indienet-Clients “Heartbeat” zu veröffentlichen. Der soll sowas wie der frühe Vorbote eines kompletten, unabhängigen digitalen Ökosystems werden, das unter dem Arbeitstitel “Project Stratosphere” in “independent Smartphone” kulminieren soll. Bis das “Indienet” die angepeilte Freiheit von böser Kommerzwelt und noch böserer NSA bietet, werden aber noch einige Jahre ins Land ziehen. Also zurück zur Ello-Gegenwart.

Zur Ello’schen Befreiungstheologie

Die Unzufriedenheit der Netzelite mit Ello beschränkt sich keineswegs auf die Finanzierungsform. Was die einen charmant und retro finden, nennen andere ein Design Desaster. Markus Beckedahl sieht Ello als schon wieder zusperren, Rolf prognostiziert die Zukunft des schwarzweißen Smilies nicht ganz so düster.

Einig sind sich fast alle aber darin, dass der enorme Zustrom zu Ello vor allem eines zeigt: die Lust auf Alternativen zum Zuckerberg’schen Personenverzeichnis nimmt stetig zu und bietet neuen Anbietern so gute Markteintritts-Chancen wie schon lange nicht mehr. Dass Ello strukturell eher mit Twitter verwandt ist als mit G+ und Facebook, spielt dabei ebenso keine Rolle wie die reichlich vorhandenen konzeptionellen Schwächen oder fehlenden Features des Netzwerks. Ob Ello den Weg aller App.nets und Twitter-Klone gehen wird oder nicht, ist uns Power-Usern außerdem völlig egal, solange wir eine neue Spielwiese haben, auf der uns eher nackte Brüste als abgetrennte Köpfe begegnen.

Die Mainstream-Medien goutieren jedenfalls Budnitz’ PR Strategie. Kaum ein Magazin oder Fernsehsender, der nicht zum rasanten Wachstum der jüngsten Vergangenheit beitrug. Für einen Newsbeitrag hat mich puls4 im Büro besucht. [zum vollständigen Beitrag]

Dass die Nutzer in Zukunft, wie von Ello geplant, bereit sein werden, für Premium Features kleine Münzbeträge einzuwerfen, darf in Anlehnung an bisherige Erfahrungen mit vergleichbaren Angeboten stark angezweifelt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedenfalls zu früh für Schwanengesänge oder Lobeshymnen -also in diesem Sinne: immer misstrauisch bleiben und bloß nicht die Neugier verlieren!

 

3. IKT-Konvent Österreich: Viel heiße Luft statt mutiger Entscheidungen

Gestern Nachmittag habe ich mir in der malerischen Skyloft der Wirtschaftskammer Österreich angehört, was sich im offiziellen digitalen Österreich denn so getan hat in den letzten 6 Jahren. An den Iden des März 2008 hob das damalige Duo Infernale Gusenbauer-Molterer die Internetoffensive Österreich aus der Taufe und hielt stolz einen überdimensionierten USB-Stick in die Kamera. Auf dieses erstaunlich unglücklich gewählte Symbol aller Internet-Ausdrucker verzichteten die Organisatoren diesmal zwar, auf eine ernsthafte, mutige und richtungsweisende Auseinandersetzung mit den Grundfragen der digitalen Agenda leider ebenfalls.

Spätestens bei der Preroll – ja, sowas gab’s früher nur auf Youtube, mittlerweile auch auf Veranstaltungen – wurde endgültig klar, dass die Internetoffensive starke Züge einer PR-Kampagne für die heimischen Mobilfunkanbieter aufweist. Ein weitere Anlass, einmal mehr meine Meinung zur immer brennenderen Frage der Netzneutralität in aller Deutlichkeit zur Diskussion stellen.

Netzneutralität, Steuergeld und die Internet-Infrastruktur-Milliarde

Niemand kann Diener zweier Herren sein. Wenn Telekommunikationsunternehmen glaubhaft behaupten, ihnen wäre primär daran gelegen, eine Breitband-Infrastruktur für alle zu errichten, doch die sei ohne staatliche Zuschüsse nun mal nicht finanzierbar, dann sollte der Staat natürlich Subventionen bereitstellen. Wenn dieselben Unternehmen im gleichen Atemzug aber keinerlei Zweifel daran aufkommen lassen, dass ihnen die Abschaffung der Netzneutralität ein dringendes Anliegen ist, dann sollte das den Budget-Verantwortlichen Politikern unbedingt zu denken geben.

Das Prinzip der Netzneutralität fordert, alle Daten gleich zu behandeln. In der Praxis dürfen ISPs (Internetprovider) einzelne Anbieter weder bevorzugen noch benachteiligen. Denn wenn finanzkräftige Unternehmen sich qua Münzeinwurf bei den Providern schnellere Leitungen für ihre eigenen Inhalte sichern können, dann bedeutet das zugleich eine Benachteiligung aller Datenkunden zweiter Klasse. Eine solche Situation ist für eine Gesellschaft, in der das Internet längst mehr nur die Aufgabe eines digitalen Vertriebskanal für kommerzielle Inhalte erfüllt, schlicht unakzeptabel. Nimmt der Staat in Rotstift-Zeiten wie diesen also tausend Millionen Euro in die Hand, dann muss er dafür sorgen, dass die mit unseren Steuergeldern errichtete Breitbandinfrastruktur allen Teilnehmern am Datenhighway in gleicher Weise zur Verfügung steht.

Eine Diskussion über dieses paradigmatische Thema habe ich unter all den “Wir-sind-eh-super und obendrein eGovernment-Weltmeister” Statements völlig vermisst. Einzig Sebastian Kurz warnte vor Selbstüberschätzung und fiel einmal mehr durch Sachkompetenz auf, spannend auch das Referat von Franz-Reinhard Habbel. Der Sprecher des deutschen Städte- und Gemeindebunds hat sich offenbar etwas intensiver mit der Digitalen Agenda der EU beschäftigt als der österreichische Infrastrukturminister. Habbel regte engere Zusammenarbeit beider Länder an, erwähnte das DeMail Desaster in seinen Ausführungen jedoch nicht.

Zirkuläre Argumentationen und die besten Gags

Dass der österreichische Staat eine Milliarde Euro in die Hand nimmt, um der Alpenrepublik einen digitalen Standortvorteil zu verschaffen, ist einzig und allein der Internetoffensive Österreich zu verdanken, die übrigens der österreichische Staat und die Mobilfunker gegründet haben. Im Jargon letzterer heißt die Internet- übrigens längst Infrastrukturmilliarde.

So schön kann man hierzulande Zirkulärschlüsse ziehen. Gesteht dann obendrein noch ein Regierungsmitglied, dass unter dem Sparkurs alle Regierungsmitglieder leiden, stellen sich endgültig die Nackenhaare auf. Mir persönlich zumindest wäre entgangen, dass die Regierung sich die eigenen Gehälter gekürzt hat, ja schlimmer noch: Ich war der offenbar irrigen Meinung, steuerzahlende Bürger und Unternehmen litten weit mehr als diese planlose Koalition aus Reformverhinderern.

Oft tauchte mein Lieblings-Bullshit-Bingo-Begriff in den vielen Kurzreferaten auf, dauernd war von den guten alten Haupt-Stakeholdern die Rede: den Telkos und “den führenden IKT-Unternehmen des Landes”. Darf ich an dieser Stelle mal dezent daran erinnern, dass nur einen einzigen Haupt-Stakeholder einer international konkurrenzfähigen IKT-Infrastruktur gibt? Und zwar die gesamte Bevölkerung. Würde irgendwer behaupten, Asfinag und Speditionen seien die Hauptstakeholder des österreichischen Straßennetzes?

Steßl und Kurz

Staatssekretärin Sonja Steßl und Außenminister Sebastian Kurz.

Den Vogel schoss für mich persönlich Sophie Karmasin ab, die wortwörtlich “What’s App als Revolution für Familien” bezeichnete, da über solche Services Eltern in ständiger Verbindung mit ihren Kindern bleiben könnten. Ich hätte von einer recht jungen Familienministerin erwartet, dass sie nicht von ihrer Lebensrealität auf die aller anderen schließt und bezweifle die segensreiche Wirkung von Messenger-Applikationen für alleinerziehende McJobber. Infrastrukturminister Alois Stöger unterflog die Fremdschämgrenze ebenfalls elegant, indem er die elektronische Krankenakte ELGA als leuchtendes Vorbild dafür beschrieb, wie “man IKT in die Breite bringt”.

Familienministerin Sophie Karmasin, Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Familienministerin Sophie Karmasin, Sozialminister Rudolf Hundstorfer.

Sozialminister Hundstorfer pries unter anderem die Vorteile von Push-Notifications für AMS-Kunden und kündigte an, dass er uns zukünftig schon mit 30 sagen könne, wieviel Pension wir mit 70 bekommen. Die einkommensunabhängige Altersnotversorgung scheint regierungsintern also bereits beschlossen. Staatssekretärin Sonja Steßl verlor sich gänzlich im Zahlendschungel und verlautbarte allen Ernstes, dass bereits 70% der Österreicher eGovernment-Services und die digitale Handysignatur nützen. Never let the truth get in the way of a good story!

Alles in allem gab’s für die geneigten Zuhörer also jede Menge unfreiwillige Stand-Up Comedy, die mir als Unternehmer aber eher das Wasser in die Augen trieb. Ich wünsche der Internetoffensive weiterhin frohes Schaffen und erfolgreiche Selbstrechtfertigung und empfehle die schnellstmögliche Gründung eines Expertenkomitees zur Sicherstellung der Netzneutralität. Sonst wird das nämlich nix mit dem IKT-Vorzeigeland Österreich.

Arbeitskreis “Bildung, Wissenschaft und Forschung”

Ungleich spannender fielen die Kurzreferate im vorgeschalteten Arbeitskreis “Bildung, Wissenschaft und Forschung” aus, den Prof. Dr. Karl Anton Fröschl von der Universität Wien leitet. Mehrere solcher AKs befassen sich mit verschiedenen Feldern der digitalen Gesellschaft. Die Oberstufen-Lehrer Kurt Söser, Gerhard Fetka und Herbert Feichtinger berichteten aus ihrer Schul-IT-Praxis, BG-Schüler Lukas Winkler stellte seine Raspberry Pi Umweltdaten-Messstation vor.

Gerhard Fetka über digitale Schule

Gerhard Fetka vom BG Kirchengasse Graz

Vier solcher Arbeitskreise tagen regelmäßig im Rahmen der Internetoffensive Österreich, beschäftigen sich mit Best Practices und erarbeiten Anforderungskataloge. Diesen Prozess in die Breite zu bringen, dürfte eine der lohnenderen Herausforderung der näheren Zukunft darstellen. Schauen wir mal in sechs Jahren – bis dahin kann ich nur Thomas Lohningers Fazit zum 3. IKT Konvent beipflichten:

Ello, das Social Network mit viel Privacy und wenig Funktionen

Reduktionismus hat so seinen Charme. Das derzeit noch fast exklusiv übermäßig gut vernetzten Nerds vorbehaltene Social Network kommt ziemlich schwarz-weiß daher, bringt bisher bloß einen Teil der allergrundlegendsten Funktionen mit, verschreibt sich dafür aber der Werbefreiheit und dem sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten. Einer der größten Vorteile von Ello: Weder Faymann noch Strache noch Coca Cola sind bisher am neuen Tummelplatz der Netzelite eingetroffen. Vorerst öffnet sich die magische Pforte nur für geladene Gäste – wer gerne eine Einladung möchte, um sich seines Geek-Status zu versichern, möge dies hier bitte via Kommentar kundtun. Die schnellsten sechs gewinnen +3 Geek-Status-Punkte.

Sascha Lobo ist aber natürlich schon vor Ort und “schreibt erst eine richtige Bio, wenn sich ello durchgesetzt hat”. Ich, datadirt, bin da nicht so penibel, Copy-Paste sei Dank. Sogar die Kommunikationsforschung betreibt ein Außenlabor. Und ja, es ist ausgesprochen wahrscheinlich, dass wir unsere mehr oder weniger sorgsam aufgebauten Profile irgendwann wieder verlieren werden. Denn ein Social Network ohne Werbung, ohne Datenweitergabe und ohne “Kooperationspartner” funktioniert in der Regel nur so lange, bis es populär genug ist, um die Betriebskosten in unfinanzierbare Höhen zu treiben.

Alternativszenarien winken dennoch am Horizont: Vielleicht wird Ello ja dermaßen unverzichtbar, dass mehr als 0,2 Prozent der Nutzer freudig dafür bezahlen täten. Vielleicht treiben immer mehr Beschwerden über geplante Umbauten an der Twitter-Timeline die Leute vom Vögelchen scharenweise zum blinden Smilie… Vielleicht. Bis dahin haben wir auf Ello jedenfalls unseren minimalistischen, sperrigen Spaß.

Ello Invites

Ello, Sekunde nach der Registrierung. (Zum Vergrößern anklicken.)

Daher habe ich nicht ein, sondern gleich zwei Profile angelegt. Denn auf die von Facebook gewohnte Privat/Blog-Schizophrenie möchte ich auf Ello keinesfalls verzichten. Mein persönliches Profil finden Sie unter ello.co/datadirt, die Ello “Page” zu meinem Blog unter ello.co/datenschmutz-blog.

Ello kann (noch) mehr als die Yo-App

Profile, Status-Updates, Foto-Postings und eine rudimentäre Suche (“Discover”) – viel mehr bietet Ello in der jetzigen Form nicht. Wie von Twitter gewohnt lassen sich Nutzer durch @Username direkt ansprechen, dieser Mechanismus muss auch für virtuelle Gespräche herhalten. Eine gegliederte Antwortfunktion fehlt ebenso wie ein Pendant zum Liken, Plussen oder Favorisieren. Letztere wird in Kürze nachgeliefert und „Love“ heißen.

Neue Bekanntschaften teilt man in die Kategorien “Friend” oder “Noise” ein. Status-Updates der Freunde tauchen dann wie gewohnt im Newsfeed auf der eigenen Startseite auf, schaltet man den Newsfeed auf “Noise” um, zeigt Ello eine reduzierte Ansicht der “Freunde zweiter Klasse”. So richtig relevant dürfte der Unterschied zwischen echter digitaler Freundschaft und binärem Rauschen erst dann werden, wenn die tägliche Postingflut zunimmt. Einzigartig: wo sonst sieht man heutzutage sonst noch Fotos von der Vorwoche und muss keine Panik vor der Informationsflut haben? Facebook hat schließlich auch mal klein angefangen.

Wie es sich für eine Plattform im Beta-Stadium gehört, verhalten sich manche Funktionen natürlich sperrig bis widerborstig. Mit ein wenig WD40 und gutem Willen flutscht’s dann meistens doch, fast wie in den späten 90ern, an deren großteils vergessene “wegweisende Netzkunstprojekte” auch die monospacing-Schriftart Courier erinnert. Wohin die Reise geht und welche Features gerade in Arbeit sind, verrät eine laufend aktualisierte Liste.

Schon jetzt sehr elegant gelöst die Status-Box, oder wie’s im Ello-Jargon heißt, der “Omnibar”: das Feld wechselt je nach Funktion (Status-Update, Reply) seine Farbe. Wird Text markiert, erscheinen Formattierungsoptionen (fett/kursiv) und die Möglichkeit, einen Link einzufügen.

Ello Status Updates formattieren

Status Updates auf Ello verfasst man mit dem Omnibar.

SEO: Der heilige Backlink von Sankt Ello

Trotz geschlossener Gesellschaft sind die Profile standardmäßig öffentlich, die betreffende Einstellung findet sich unter “Settings”. Solche Public Profiles werden brav von Google indexiert. In der maximal 192 Zeichen langen Beschreibung ist zwar nicht übermäßig viel Platz, aber das mit “Links” bezeichnete Feld darunter schluckt brav auch mehr als eine Webadresse, getrennt durch Leerzeichen.

Ello und Backlinkaufbau

SEOs werden Ello lieben. (Anklicken zum Vergrößern)

Dafür gibt es hübsche Follow-Backlinks frei Haus. Deren Juice hält sich zwar noch in engen Grenzen, zumal die Startseite derzeit noch gar keinen Pagerank von Google bekommen hat (und auch keines der indizierten Profile). Aber wie sagen die SEO-Grayhats immer so schön? Einem geschenkten Follow-Link schaut man nicht auf den Pagerank!

Sag, wie hältst du’s mit dem Datenschutz?

Hinter Ello.co stehen Mastermind Paul Budnitz, das Designer-Duo Berger & Föhr sowie die Programmierschmiede Mode Set. Herr Budnitz verfolgt neben der Social-Networkerei eine Reihe handfester analoger Interessen: Er konzipiert und verkauft Luxus-Fahrräder unter dem Label “Budnitz Bicycles”, seine Firma Kidrobot produziert und verkauft Kinderspielzeug mit Kunst-Appeal. Also eine Art Bobo-Geek-Rolemodel, quasi die Antithese zu Mark Zuckerberg. Der Geist der Befreiungstheologie weht sympathisch durchs Ello-Manifest:

Your social network is owned by advertisers. Every post you share, every friend you make and every link you follow is tracked, recorded and converted into data. Advertisers buy your data so they can show you more ads. You are the product that’s bought and sold. We believe there is a better way. We believe in audacity. We believe in beauty, simplicity and transparency. We believe that the people who make things and the people who use them should be in partnership. We believe a social network can be a tool for empowerment. Not a tool to deceive, coerce and manipulate — but a place to connect, create and celebrate life. You are not a product.

Da kann man nicht widersprechen, auch wenn die Erwartungen, wie Jan Pötzscher schreibt, nicht allzu hoch geschraubt werden sollten. Ziel und Zweck des Neuzugangs im Reigen der Social Networks bleibt die Emanzipation von der Kommerz-Datenkrake. Daher hat sich Rechtsanwältin Nina Diercks die Privacy Policy etwas näher angesehen und kommt zu Schluss, dass bislang alles durchaus vielversprechend wirkt.

Weitere erste Eindrücke sammelten Stefan Pfeiffer, der LinkedInsider, Torsten Materna und Björn Rohles von den Netzpiloten. Wir alle zweifeln zwar am langfristigen Erfolg des Newcomers, drücken dem Team aber trotzdem die Daumen.

Also wie gesagt, wenn Sie selber mal reinschauen wollen, dann schicke ich Ihnen gern eine von sechs Einladungen – hinterlassen Sie einfach einen Kommentar zu diesem Artikel, um eine Einladung von mir zu erhalten. Auf beste Ello-Freundschaft!

ISPA Summit 2014 – Von verschlüsselten Klarnamen und Schein-Pseudonymitäten

Beim diesjährigen ISPA-Summit diskutierten Experten und Medienpraktiker im historischen Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften über das mehrfach heikle Thema “Anonymität und Identität im Netz”. Die Internet Service Providers Austria hatten für die Keynotes Falter Geekgirl Ingrid Brodnig und den ehemaligen c’t Autor und nunmehrigen SPD-Berater Jonas Westphal eingeladen, anschließend wurde in erweiterter Runde über ein äußert kontroverses Thema diskutiert: Hebt die Angabe von Echtnamen die Qualität von Online-Diskussionsforen?

Die Frage ist international in einen größeren Kontext eingebettet, mehrmals fiel auf der Veranstaltung das Stichwort “Post Snowden Ära”. Seit der ehemalige Überwachungstechniker ausgeplaudert hat, was USA und NSA so alles mit unseren Datenspuren treiben, müsste das Bewusstsein auf Nutzerseite deutlich gestiegen sein – möchte man meinen. Dass dem in der kommunikativen Praxis keineswegs so ist, zeigte eine kurze Abstimmung per Handzeichen. Selbst in einem Saal voller Internet-Experten nutzt bloß eine verschwindend geringe Minderheit starke Verschlüsselungstechnologien wie PGP. Wie entsteht dieser seltsame Spagat zwischen gefühlter Einengung der Privatsphäre auf der einen und weitgehender Ignoranz auf der anderen Seite? Liegt die geringe Akzeptanz womöglich an technischen Hürden, an Bequemlichkeit, an der Hoffnung, “dass schon nicht alles so schlimm sein wird”?

Jonas Westphal schlug mit seinem Vortrag in eine ähnliche Kerbe wie Sascha Lobo. Fazit: Früher war alles weniger überwacht – gebt uns bitte das gute alte Internet zurück! Die Verantwortung dafür sieht er in erster Linie bei der (Netz)Politik, die Rahmenbedingungen schaffen müsse, in denen anonyme respektive “pseudonyme” (staatliche Organe kommen im Strafverfolgungsfall zwar an die IP Adresse und damit an die Identität des Verfasser heran, aber sonst keiner) Kommunikation weiterhin möglich bleibt. Dass diese Art der Meinungsäußerung sogar im deutschen Recht verbrieft ist, war mir gänzlich neu. In der Theorie kann man hier schwer widersprechen, die Praxis zeigt allerdings, dass von staatlicher Seite wenig Hilfe zu erwarten ist.

Expertengremien versichern sich nämlich gern gegenseitig, wie wichtig “freie” Kommunikation für die Demokratie sein, in den Niederungen der täglichen Praxis zeigt sich aber rasch, dass die Begehrlichkeiten von Geheimdiensten problemlos fromme Wünsche überrollen, und zwar noch dazu hinter den Vorhängen. Ich fürchte, wir müssen die Dinge selbst in die Hand nehmen, VPNs einrichten und uns so gut vor Lauschern schützen wie eben möglich. Every man and woman for him-/herself. Also nix mit Verantwortungsdelegation…

Die Meinungsmutigen übersehen so einiges

Vorher hatte Ingrid Brodnig, Autorin des Buches Der unsichtbare Mensch, mehr als schlüssig erklärt, warum der kurze, bequeme Weg – nämlich Forennutzern die Verwendung ihres echten Namens vorzuschreiben – zwar für Verlage verlockend, weil kostengünstig sei. Ein gutes Diskussionsklima aber wird erst dann entstehen, wenn sich Moderatoren aktiv um zeitnahe Moderation bemühen, und das ist nun mal mit beträchtlichem Aufwand und Personalkosten verbunden.

Die SZ zeigt, wie gut sowas funktionieren kann, denn der beste vorbeugende Schutz gegen Troll-Invasionen ist und bleibt kompetentes Community-Management. Bei der nachfolgenden Diskussionsrunde hatte mein Ex-gap-Kollege Sebastian Hofer die meiner Ansicht nach undankbare Aufgabe, die “Klarnamenpflicht” seines Arbeitgebers profil zu verteidigen, was Dr. Hans Zeger (ARGE Daten) zu der berechtigen Frage bewog, was überhaupt unter “Klarnamen” zu verstehen sei. Denn auch wenn die AGBs verlangen, den echten Namen anzugeben, kann natürlich trotzdem jeder Scherzbold beliebige Daten eintragen – Registrierungsformulare sind nun mal geduldig. Böse gesagt leistet die Klarnamenpflicht im schlimmsten Fall bloß dem Identitätsdiebstahl Vorschub.

ISPA Summit Anonymität und Identität im Netz

Dass ein populäres Medium überhaupt selbst entscheiden kann, Kommentare abzudrehen, bezweifle ich mal ganz generell. Stellen Sie sich doch einfach vor, ein Portal wie Heise.de kappt die Kommentarfunktion (okay, das ist jetzt wirklich sehr hypothetisch!). Wie einfach wäre es, ein Browser-Plugin zu bauen, dass ein “externes” Kommentarsystem implementiert… man könnte dazu sogar bestehende Anbieter wie Disqus nutzen. Kommentare sind mittlerweile ein integraler Bestandteil von Online-Medien, Moderation und Community-Management gehören genauso zum Online-Journalismus wie Recherche und Artikelschreiben, da führt kein Weg dran vorbei und die Eisenbahn drüber.

Dass in Österreich die Allianz der Meinungsmutigen, fleißige Kämpfer gegen die Windmühle der “unerträglichen Kommunikationsfreiheit”, sich vorwiegend aus Proponenten just jener Verlage rekrutiert, die gerade nicht unter einer unbewältigbaren Flut an Lesermeinungen leiden, zeugt wohl eher von neidischen Seitenblicken auf erfolgreichere Netzkonkurrenten. Rechtsfreier Raum war das Internet nie, geltende Gesetze finden ohnehin längst auch im virtuellen Raum ihre Anwendung.

Fazit: Danke für einen netten Nachmittag in mondänem Ambiente! Ich hab auf jeden Fall was gelernt: ab sofort ist auf datenschmutz beim Kommentieren die Verwendung eines Pseudonyms Pflicht. Wer hier mit echtem Namen kommentiert, muss im schlimmsten Fall mit einem milden Verweis via Reply rechnen!

Der lustige Lumpensammler – MedienWatchFailSatireSideBlog

Seit mir vor einigen Monaten auf der Triesterstraße im Vorüberfahren ein großformatiges Plakat unter die Augen kam, das Werbung für einen Kindergarten machte, ging mir der ohnehin schon lange im Hinterkopf gepflegte Plan, ein kleines Medien-Watch-Failblog zu starten, so gar nicht mehr auf dem Kopf. Dort stand nämlich sinngemäß sowas wie: “Sorgfältige Vorbereitung auf die Schule, Sprachunterricht”. Und wortwörtlich: “libevolle Betreuung”. Die gelegentliche Lektüre von Österreich, der geringsten aller Tageszeitungen, zwang mich in weiterer Folge förmlich, den Lustigen Lumpensammler zu starten: eine lose Zufallsfolge bemerkenswert devianter medialer Artefakte.

Arm ist das Internet an un- und freiwilliger Satire nun wahrlich nicht, und nichts stünde mir ferner, als der populären Facebook-Page Perlen des Lokaljournalismus oder gar meinem allerliebsten Satire-Blog, der Tagespresse, Konkurrenz machen zu wollen. Letzters schätze ich unter anderem oder womöglich gar in erster Linie deshalb so sehr, weil Autor Fritz Jergisch genau weiß, dass gute Satire nie allzuweit an der wirklich wahren Realität vorbeischrammen darf (großartig etwa: Umstrittenes Experiment: Facebook gab Nutzern das Gefühl, ein Sozialleben zu haben.

Die Perlen dagegen dokumentieren schwarz auf weiß gedruckte Flüchtigkeits- und/oder Betriebsblindheitsfehler, für die der Autor, selbst Journalist, durchaus Verständnis hat:

Jeder macht in seinem Beruf mal Fehler – nur: Bei uns Print-Journalisten stehen sie gleich in der Zeitung.

Solche Ausrutscher rücken ihren Urheber im besten Fall gar in ein sympathisches Licht und sind als “Hoppalas” oder “Out-Takes” auch in den elektronischen Medien längst fester Bestandteil des integrierten Metadiskurses. “Tool Time” (“Hör mal, wer da hämmer”) etwa zeigt solche Ausrutscher in jedem Outro. (Dass derlei massenmedial-intime Momente sich naturgemäß jeglicher Übersetzung entziehen, ist eine andere Geschichte.)

“Seht her, das sind ja auch alles nur Menschen!” lautet indes keineswegs die Botschaft des Lustigen Lumpensammlers. Nein, es geht nicht um verzeihliche Flüchtigkeitsfehler, sondern um Doppelbödigkeiten, boshafte Manipulationen und ausgesucht hirnlose Wortspenden. Nicht in der Tiefe und Ernsthaftigkeit, mit der sich Kobuk diesem bodenlosen Sumpf widmet, sondern mit boshaft ausgestrecktem Zeigefinger.

Aber über schwarzen Humor tanzen ist wie über Architektur lachen – also lesen Sie selbst und/oder schnappen Sie sich den RSS-Feed. Denn letztendlich ist der Lustige Lumpensammler nicht Schadenfroh, sondern ein klassischer Hofnarr alter Schule.

Und damit Schluss mit lustig – der zweite Teil dieses Artikels widmet sich ganz dem Thema “Wie ein Sideblog einrichten?” und damit ausschließlich an WordPress Bastler. Sie sind keiner? Dann gehen Sie bitte rasch weiter.

Sideblog: Technische Umsetzung

Unter einem Sideblog verstehe ich eine Art “Subressort”, dessen Artikel komplett von den übrigen Inhalten getrennt sind. Nun stellt sich natürlich die Frage: Warum nicht gleich eine neue Domain kaufen und ein frisches WordPress installieren? Die EU schreibt derzeit noch keine Obergrenze von Blogs pro Bürger vor, und allein aus SEO-Überlegungen heraus ist jede neue Domain mit originärem Content hochwillkommen. Alles richtig – in diesem Fall handelt sich’s um eine reine Geschmacksfrage. Ich poste großteils ausführliche Blogbeiträge, Shorties und Skurrilitäten will ich dennoch nicht aus dem datenschmutz-Universum verbannen – insofern war die Entscheidung in diesem speziellen Fall klar.

WordPress ist mittlerweile so flexibel, dass viele Wege zum Ziel führen, ein “Sideblog” anzulegen. Wie man’s im konkreten Fall angeht, hängt natürlich sehr stark vom eigenen Setup, sprich den aktiven Plugins und dem jeweiligen Theme, ab. Früher hätte man dazu im php-Code des verwenden Themes herumfuhrwerken, eigene Sub-Templates anlegen und die Trennung über verschiedene Kategorien und entsprechend angepasste WordPress-Loops abwickeln müssen.

Inzwischen geht’s weit komfortabler, denn seit etlichen Versionen beherrscht WordPress verschiedene “Content-Types”: Neben Blogbeiträgen und statischen Seiten verwaltet unser Lieblings-CMS also beliebig viele weitere “Inhalts-Arten”. Diese kreiert und verwaltet man entweder selbst händisch oder via Plugin (z.B. Custom Content Type Manger). Viele moderne Themes bringen aber bereits von Haus aus mehrere Content-Types mit, sehr populär sind etwa Portfolios.

Solche Content-Types eignen sich ganz hervorragen für ein oder mehrere Sideblogs. Man könnte die Trennung zwar auch über Kategorien vollziehen, doch das erfordert erstens nachträgliche Excludes in allen bestehenden Auflistungen und zweitens etliche Hacks, damit die Sideblog-Kategorien nicht in den Kategorielisten des Hauptblogs auftauchen.

Nutzt man dann noch zusätzlich einen Drag-and-Drop-Editor für statische Seiten sowie ein Plugin, das die Verwaltung zusätzlicher Widget-fähiger Sidebars ermöglicht, hat man weitgehende Gestaltungsfreiheit. Hier auf datenschmutz kann ich praktischerweise auf solche Zusatztools verzichten, denn vor einigen Monaten bin ich auf Enfold umgestiegen, das alle nötigen Werkzeuge und Optionen von Haus aus mitbringt.

Viele WordPress-Afficionados halten wenig von Themes, die mit allerlei Zusatztools daherkommen, da ein späterer Wechsel häufig erschwert wird. In der Theorie ist dieses Argument durchaus richtig, aber bei der praktischen Einrichtung des Lustigen Lumpensammlers hat sich einmal mehr bestätigt, dass Enfold dermaßen flexibel, komfortabel und gut durchdacht ist, dass ein Themewechsel für mich auf absehbare Zeit mit Sicherheit nicht in Frage kommt.

Mit dem integrierten Avia-Editor lässt sich eine frei definierbare Sideblog-Startseite in wenigen Minuten zusammenklicken. Dank der beliebig positionierbaren Blog-, Portfolio- und Medienelemente ist man nicht auf wenige Standard-Templates beschränkt, sondern hat volle Gestaltungsfreiheit. Da Enfold auch Widget-Areas innerhalb des Seiten-Contents darstellen kann, ermöglicht das Theme in Kombination etwa mit dem Recent Posts Plus Plugin nahezu die gleiche Gestaltungsfreiheit wie in guten arbeitsaufwendigeren alten php-Zeiten.

Weil ich anders als am Hauptblog auf meinem Satire-Sideblog “quick-and-dirty” posten möchte – also Screenshot raufladen, ein paar Zeilen dazu, fertig – leistet mir Duplicate Post gute Dienste. Dieses Plugin legt mit einem Klick ein Duplikat bestehender (Portfolio)-Einträge oder Seiten als Entwurf an. Ich hab mir ein Template zurechtgelegt und brauch bei neuen Postings nur die Überschrift, den Text, das Bild und gegebenenfalls die Tags auszutauschen – schneller geht’s auf TumblR auch nicht.

Soviel in aller Kürze – falls Sie selbst planen, ein Sideblog einzurichten und Fragen zu den Details haben, dann hinterlassen Sie mir doch einfach einen Kommentar!

WordPress 4.0: Mehr Komfort beim Schreiben, neuer Medienbrowser

Gestern veröffentlichte Auttomatic das beliebteste CMS in Welt in Version 4.0. Sankt WordPress der Vierte, Schutzpatron der Blogger, bringt keine gravierenden Veränderungen, aber dafür einiges an Komfortgewinn. Wie stets ist die neue Ausgabe mit dem Spitznamen “Benny” einer Jazz-Größe gewidmet, diesmal Benjamin David “Benny” Goodman. Der legendäre Klarinettist und Bandleader hätte gewiss einige Schwänke aus seiner weltumspannenden Karriere zu bloggen gewusst.

Unter der Haube haben sich Dinge getan, die nur Programmierer interessieren dürften: Die Customizer API unterstützt neue Bedienelemente, die ORDER BY- Argumente im WP_Query sind flexibler geworden, die externen Bibliotheken TinyMCE, jQuery und MediaElement wurden jeweils auf den neuesten Stand gebracht.

Augenfälliger die Änderungen im Admin- bzw. Editor-Bereich:

  •  Überarbeiteter Medienbrowser: Anstelle einer schnöden Textliste zeigt der Medienbrowser nun eine Thumbnail-Voransicht in einem eleganten, übersichtlichen Raster. Ein Klick öffnet die Detailvorschau mit Vollbild und allen Metadaten.
  • Eingebettete Medien: WordPress unterstützt schon länger die Einbettung von Tweets, Youtube Videos und anderen Medien. Ab sofort zeigt der Editor statt des jeweiligen Links eine Echtzeit-Vorschau des eingebetteten Inhalts an. Außerdem sind Auto-Embeds für einige neue Plattformen dazugekommen, darunter SoundCloud, Mixcloud und TED.
  • Komfortablerer Editor: Das Feld für den Beitragstext passt sich beim Schreiben an die Textmenge an, die Formatierungswerkzeuge bleiben immer sichtbar. Das spart enorm viele Mauskilometer…
  • Neuer Plugin-Browser: Die neue Darstellung der Suchergebnisse zeigt Wertung und Kompatibilität auf einen Blick, neue Kriterien erleichtern die Suche nach geeigneten Erweiterungen.
  • Die Installationsroutine kommt nun mit Sprachauswahl, in der sämtliche WP-Übersetzungen enthalten sind (Ich wollte WP immer schon mal in Finnisch betreiben!)

Also alles in allem eine runde Sache mit etlichen Detail-Verbesserungen aber ohne große paradigmatische Änderungen wie seinerzeit bei WordPress 3.0. Das Update funktioniert wie gewohnt aus dem Backend, nach erfolgter Datenbankumstellung muss man sich neu einloggen. Ich hab auf keiner meiner Seite irgendwelche Holprigkeiten festgestellt – aber Vorsicht ist der Bodyguard der Porzellankiste. Also unbedingt vorher Datenbank- und Datei-Update ziehen. In diesem Sinne – frohes Bloggen und ein schönes Wochenende!

Offizielles Vorstellungsvideo: WordPress 4.0

Links:
WordPress 4.0 Download
WordPress 4.0 “Benny” im offiziellen WordPress Blog

Twitter Analytics Guide: Wie Sie das neue Statistik-Dashboard optimal nutzen

Seit einigen Tagen ist Twitters mächtiges Statistik Tool für alle Nutzer des populären Microblogging-Services verfügbar. Werbetreibende haben schon länger Zugriff auf analytics.twitter.com. Doch erst kürzlich begann Twitter, das begehrte Analytics Feature für alle Nutzer auszurollen. Mittlerweile hat jeder Nutzer auch im deutschsprachigen Bereich Zugriff auf die statistischen Auswertungen der eigenen Twitter-Aktivitäten. Im folgenden Guide finden Sie Informationen zu aktuellen Nutzungszahlen sowie eine Anleitung zur Nutzung der neuen Twitter Statistik.

Zahlen und Fakten: Wie populär ist Twitter im D-A-CH Raum?

Im kommerziellen Bereich stößt Twitter häufig auf Sketpsis und kommt im D-A-CH Raum in der Regel dann zum Einsatz, wenn mindestens ein Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung selbst begeisterter Microblogger ist. Während Privatnutzer die unkomplizierte Plauderei meist als essentielle Bereicherung ihres Alltags erleben (ja, ich wundere mich auch), bleibt für Unternehmen stets die Frage im Raum: Lohnt sich der Aufwand für die paar Leudde? Gerade mal 121.000 österreichische Twitter-Accounts, von denen bloß die Hälfte die Plattform aktiv nutzen, entsprechen in etwa der Reichweite eines oder zweier erfolgreicher lokaler Printmediums. Respektive 1,5 Prozent der Alpenrepublikaner.

In Deutschland schwanken die Zahlen je nach Studie. Anfang 2014 sprach Statista von 10 Millionen Usern, allerdings entstand diese Zahl im Rahmen einer repräsentativen Umfrage. Konservativere Quellen gehen von zwischen 1.5 und 2 Millionen aktiven Nutzern am Tag aus, das entspricht unter 3 Prozent der Gesamtbevölkerung. In der Schweiz twittert wohl eine halbe Million, immerhin stolze 6 Prozent der Gesamtbevölkerung, dennoch deutlich im einstelligen Bereich.

’Gesamtbevölkerung’
’Twitter-Nutzer
’Twitter-Nutzer
’Twitter-Nutzer

Solch magere Zahlen können mit der scheinbaren Totaldurchdringung Facebooks keinesfalls mehr mithalten. Zuckerbergs Netzwerk scheint mittlerweile Basis, Spitze und Mittelteil der Social Media Pyramide zu sein, also muss die strategische Entscheidung für Unternehmen wohl völlig klar sein. Oder? Die einzig mögliche Antwort lautet: man weiß es nicht. Lässt man das ganze Geschwafel von den tollen Opinion-Leadern, die angeblich lieber 140-Zeichen-Kurznachrichten als Foto-Status-Updates mögen, bleibt immer noch das Problem der enorm gesunkenen Facebook Reichweite.

Twitter Analytics: Unerwartet nützliche Statistiken für Unternehmen

Ich beziehe mich hier, das muss an dieser Stelle klar gesagt werden und gilt auch für den Rest dieses Beitrags, ausschließlich auf die Situation von Unternehmen. Die bekommen von Facebook schon länger detaillierte Nutzungszahlen zu ihren Pages, auf Twitter tappte man bislang im Dunkeln oder musste sich auf mehr oder weniger zuverlässige externe Werkzeuge verlassen. Die neuen Statistiken helfen allen professionellen Twitter-Nutzern effektiv bei der Beantwortung folgender essentieller Fragen:

  • Benchmarking: Wie viele Kontakte generiere ich auf Twitter im Vergleich zu meiner Facebook Seite?
  • Posting-Zeitpunkt: Zu welcher Uhrzeit werden die eigenen Tweets am aufmerksamsten gelesen?
  • Redaktionsplanung: Welche Themen kommen bei meinen Followern am besten an?

 

Twitter Statistiken

Twitter zeigt jetzt allen Nutzern detaillierte Statistiken.


Was kann Twitters Statistik-Dashboard?

Das Twitter Analytics Dashboard zeigt sowohl Zahlen zu einzelnen Tweets als auch Durchschnittswerte zu den vergangenen 28 Tagen an. Zweitere lassen sich erfreulicherweise komplett als CSV exportieren, um so offline weitere Auswertungen vornehmen zu können. Das dürfte in vielen Fällen aber gar nicht notwendig sein, denn das Dashboard stellt Informationen zur Follower-Entwicklung sowie zu den Interessen, Locations und zum Geschlecht der eigenen Leser recht übersichtlich dar.

Besonders nützlich für die Optimierung der eigenen Tweet-Strategie finde ich die Detaildaten zu Einzelmeldungen. Erstens kommt es oft anders, als man denkt: einer meiner Interkations-stärksten Tweets der letzten Wochen befasste sich mit… lecker Erdbeertörtchen. Ich hab einen Sekundenbruchteil lang sogar überlegt, ob ich meine Online Marketing Karriere zugunsten der Zuckerbäckerei aufgeben soll *g*

Zweitens liefert die Kombination aus Gesamtperformance und Mikro-Perspektive spannendere und leichter verwertbare Einblicke als alle Drittanbieter-Auswertungstools, die ich bisher benutzt habe (Hootsuite, SumAll, Buffer).

Welche Daten und Fakten rückt Twitter nun raus?

Twitter teilt das Statistik-Portal in drei Bereiche auf. Der Startbildschirm von analytics.twitter.com präsentiert Statistiken zu den eigenen Kurznachrichten. Der Menüpunkt „Follower“ präsentiert Zahlen und demographische Daten zu den eigenen Followern, “Twitter Cards” zeigt Auswertungen zu Twitters Metadatenformat.

Alles über Tweets – gesamt und pro Nachricht

Nach dem Einloggen bzw. dem Aufrufen von analytics.twitter.com gelangt man erstmal zu einer Übersichtsseite, welche die Tweet-Impressions der letzten 28 Tage übersichtlich zusammenfasst. Wenn man so ignorant und sporadisch twittert wie ich, ergibt das natürlich ganz ordentliche Ups and Downs.

Twitter Analytics

Übersicht über die Tweets der letzten Monate

Die Übersichtsliste mit den einzelnen Tweets folgt darunter, aufgeteilt in Tweets, Tweets und Antworten sowie Werbenachrichten. Hier zeigt Twitter folgende Daten an:

  • Impressionen: Wie viele Nutzer haben die jeweilige Nachricht auf Twitter gesehen?
  • Interaktionen: Wie oft haben Nutzer auf die Nachricht reagiert? Hier zählt Twitter Replies, Favs, Retweets – aber, ACHTUNG – auch Follows und Clicks innerhalb der Nachricht, etwa auf Links oder auch #Hashtags.
  • Interaktionsrate: berechnet nach der bewährten Formel (Interaktionen/Impressionen)*100 und in Prozent angegeben. Sozusagen die Twitter Conversion-Rate.*

* Anmerkung für Stochastiker: ob die Interaktionsrate hier über 100% liegen kann, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Theoretisch könnten ja 100 Nutzer eine Nachricht sehen. Wenn jeder einzelne Retweeted und 10 davon zusätzlich von faven, läge die IR nämlich bei 110%. Und wenn das passiert, endet das Internet, wie wir es kennen. Aber zum Glück gibt’s ja genug ignorante Bots *g*)

Der Klick auf eine einzelne Nachricht führt zur Detailanzeige im Pop-Up Fenster. Hier listet Twitter für jede einzelne Nachricht die folgenden Parameter auf.

Twitter Analytics

Detailansicht: Tweet-Statistik

  • Impressionen
  • Detailerweiterungen (wie oft hat Nutzer auf “mehr Details” geklickt)
  • Antworten
  • Retweets
  • Favoriten

All diese Daten lassen sich via CSV-Export in eigenen Tools weiterbearbeiten. Wie man die einzelnen Metriken bewertet und gewichtet, hängt natürlich von der jeweiligen Strategie und den Business-Zielen ab. Die Interaktionsrate bietet einen guten Anhaltspunkt, weit mehr Detail-Einsichten erhält man durch die Einteilung der Nutzer-Aktionen in “Direct Engagement” (Nutzer interagiert direkt mit dem eigenen Account) und “Indirect Engagement” (Favs, Klicks auf “mehr sehen” etc.).

28 Days later

Auf der rechten Seite der Nachrichtenliste blendet das Dashboard diverse Vergleichs-Charts ein. Hier sieht man auf einen Blick, ob Interaktionsrate, Link-Klicks, Retweets, Favoriten und Antworten im Vergleich zu den vorigen 28 Tagen gestiegen oder gefallen sind. Zu einzelnen Tweets gibt’s derzeit noch keine grafische Auswertung, einen frei einstellbaren Vergleichszeitraum hat Twitter ebenfalls nicht vorgesehen.

Was erfährt man über die eigenen Follower?

Der zweite Hauptmenüpunkt widmet sich der eigenen Followerschar. Detaildaten (hallo Datenschutz) findet man hier keine, stattdessen ein bis zu zwei Jahre zurückreichende Darstellung der eigenen Follower-Entwicklung sowie ein paar demographische Auswertung.

Twitter Statistik

Twitter Analytics: Das Follower-Dashboard

  • Interessen: Twitter kategorisiert seine Nutzer nach selbigen und zeigt die 5 am stärksten vertretenen Themen an sowie darunter eine Gesamtliste der “Top-Interessen”. Dass mit 49% und 48% “Technologie” und “Technische Neuheiten” an erster Stelle stehen, zeigt übrigens recht deutlich, wie wenig Twitter-Themenhoheit mit dem echten Leben zu tun hat und dass die Seite nach wie vor weit mehr Männlein als Weiblein und Sonstige twittern.
  • Standort: Hier zeigt Twitter die Länderaufteilung der eigenen Follower als quadratische Grafik mit korrespondierenden Segment-Größen. (Wenn jemand den Fachausdruck für solche Grafiken kennt, bitte aufzeigen und kommentieren.)
  • Geschlecht: zur Abwechslung mal ganz klassische männlich/weiblich.
  • Ihre Follower folgen auch: Die 10 Twitter-Accounts, denen die meisten Ihrer Follower ebenfalls folgen mit Prozentwerten.

Exportfunktion hat Twitter hier keine vorgesehen und fürs detaillierte Reporting hält sich der Nutzen dieser Daten in eher engen Grenzen. Man könnte allenfalls auswerten, ob und wie sich die Interessen über den Verlauf der Zeit ändern, um diese Erkenntnisse für die eigene Redaktionsplanung zu nutzen.

Twitter Cards – lohnt sich die Verwendung?

Der dritte Abschnitt der Twitter Statistik bezieht sich auf ein relativ neues Feature. Wohl inspiriert von Facebooks Open Graph führte Twitter ein eigenes Set von Metatags ein. Deren Inhalte befüllen die sogenannten “Twitter Cards”, mit denen man kurze Textpassagen, Fotos oder auch Videos an Kurzmeldungen anhängen kann. Twitter sieht verschiedene Typen von “Karten” vor. Damit diese auch angezeigt werden, muss der jeweilige Webmaster die passenden Tags hinzufügen und die Domain zusäztlich mit dem offiziellen Validator-Tool freischalten.

Twitter Cards Analytics

Die Twitter Cards Statistik

Interessierte finden im offiziellen Guide nähere Informationen. Hier auf datenschmutz nutze ich noch seit einer Weile das grandiose Easy Social Share Buttons Plugin für WordPress, das unter anderem auch besagte Metatags einfügt. Twitter verspricht höhere Klickraten, und in der Tag zeigen die Statistiken, dass mit grafischen Inhalten “angereicherte” Tweets deutlich höhere Klickraten erzielen. Im Detail verrät das Analyse-Werkzeug hier folgende Daten:

  • Schnappschuss: grafische Darstellung der Zusatzclicks durch Twitter-Cards.
  • Änderung im Zeitverlauf: zusätzliche Impressions und Clicks durch Twitter Cards.
  • Card-Typen: Twitter bietet verschiedene Typen (Photo Card, Gallery Card, Player Card etc.) an. Diese Auswertung zeigt, welche am besten bei den eigenen Followern ankommen.
  • Links: Welche Twitter Card Links erzielten die meisten Clicks?
  • Einflussnehmer: Die fünf Accounts, die am häufigsten Links zu eigenen Inhalten tweeten.
  • Tweets: Die fünf Twitter-Card Kurznachrichten mit den meisten Clicks.
  • Quellen: Apps, Webseiten und Widgets, mit denen am häufigsten getweetet wurde.

Dass Twitter das hauseigene Card-Format pushen will, liegt auf der Hand. Die meisten Nutzer dürften sich allerdings weit mehr für die “Primärnutzungsdaten” ihrer Kurznachrichten interessieren. Nur Wer jedoch bereits Twitter-Cards einsetzt, bekommt hier Daten zu Gesicht und sieht immerhin auf einen Blick, welche Zusatzinhalte die meisten Interaktionen erzeugten.

Fazit: Regelmäßige Besuche im Twitter Analytics Dashboard zahlen sich aus!

Die einzigen, die sich nicht über die neuen Tweet-Statistiken freuen dürften, sind spezialisierte Drittanbieter Tools. Für alle Nutzer, die nicht aus Spaß an der Freude twittern, sondern den Microblogging-Dienst als Teil ihrer Online-Marketing-Strategie nutzen, liefert die hauseigene Statistik wertvolle Einblicke und eine solide Entscheidungsgrundlage für den zukünftigen Umgang mit dem blauen Zwitscher-Vögelchen.

Ich vermute stark, dass Twitter im Lauf der nächsten Monate noch einige Funktionen nachliefern wird. An erster Stelle meiner persönlichen Wunschliste stehen frei wählbare Vergleichszeiträume und detailliertere Followerdaten.
Wer regelmäßig Reportings abliefert, bekommt aber schon jetzt ein intuitiv bedienbares, exzellentes Werkzeug inklusive der sonst so oft vermissten Export-Funktion. Damit tut sich Twitter nicht zuletzt selbst einen veritablen Gefallen, denn Hard Facts machen Twitter von einem mysteriösen Hoffnungsträger zum kalkulierbaren Bestandteil der eigenen Online Marketing Strategie.
Haben Sie das neue Twitter Analytics Dashboard schon ausprobiert? Finden Sie die Statistiken nützlich und verwenden Sie sie in Ihren Reportings? Erzählen Sie mir von Ihren Erfahrungen!

 

Was sagen Sie zum neuen Twitter Statistik Dashboard?

Spur Obi 4 Preview: Hi-End Androide zum Kampfpreis

Der Android Smartphone-Markt ist klar segmentiert in Low-End Geräte, Mittelklasse-Androiden und Hi-End Boliden zeichnen sich durch unterschiedliche Hardware, Ausstattung und Design und jeweils eindeutig definierte Preisspannen aus. Spur will mit dem brandneuen Obi 4 einen bisher unmöglichen Spagat schaffen: das Android-Device bietet Oberklasse-Feature zum Kampfpreis von $299 und kommt grundsätzlich entsperrt daher. Die ersten Modelle sind seit einigen Tagen lieferbar, bisher allerdings nur in kleinen Stückzahlen und auf Einladung.

Epitomical Limited, das Unternehmen hinter dem Markennamen “Spur”, hat eine ausgesprochen interessante Gründungsgeschichte. Inspiriert vom Maker-Movement, also jenen Hands-On Jungs und Mädels, die schon früh mit 3D-Druckern und DIY Hardware experimentierten, schloss sich eine Gruppe von Technologie-Enthusiasten in Guildford, Großbritannien zu einer Firma zusammen, die sich ehrgeizige Ziele setzte:

[Our vision is] to inspire and empower the masses to contribute to the waves of creative and disruptive innovation made possible by the advent of the Digital Revolution. To make technology and design innovations affordable and accessible to all.

Zwei Jahren Entwicklungsarbeit der mittlerweile auf mehreren Kontinenten vertretenen Epitomical Ltd. resultieren nun in kurz vor der Massenfertigung stehendem Tablet sowie besagtem Obi 4. Ob die Obis 1-3 frühe Vorserienmodelle waren und ob der Name mit Star Wars zu tun hat (mit einem österreichischen Baumarkt wohl eher nicht), konnte ich auf der Webseite nicht in Erfahrung bringen, wohl aber die technischen Daten des Geräts:

Spur Obi 4 - Specs

Spur Obi 4 – Technische Spezifikationen

Der Qualcomm Quadcore Prozessor sollte in Kombination mit der Adreno 305 GPU locker für alle aktuellen Spiele und rechenintensiven Apps reichen. Die Drahtlos-Ausstattung ist komplett bis auf LTE, die Front- und Rückseitenkameras entsprechen mit 2 bzw. 8 Megapixeln dem Mittelfeld. Ein Led-Blitz ist an Bord, ebenso ein FM-Radio und Bluetooth 3.0. Kraft schöpft das Obi 4 aus einem 1600 mAH Akku, der sich besonders schnell laden lassen soll.

Eher knapp bemessen ist dagegen der Speicher (4/8 GB, 1 GB RAM), dem lässt sich aber durch Micro-SD Cards bis 32GB abhelfen. Das 4.3 Inch Display liegt mit 960×540 deutlich unter Full-HD. Als Betriebssystem kommen laut Webseite Android 4.3 Jelly Bean & Android 4.4 Kitkat zum Einsatz, ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal in dieser Klasse ist der Dual-SIM Slot mit Dual Standby Funktionalität.

epitomical spur obi 4

Obi 4 – schlank und schmal

Das “Volkshandy” kommt in 6 Farbtönen im Kunststoff-Gehäuse mit 2 Hardware-Tasten (Ein-/Ausschalter, Lautstärke) und besticht mit seinem Preis: $299 entspricht 227 Euro – in dieser Preiskategorie wird man derzeit kein vergleichbar ausgestattetes, vertragsfreies Smartphone finden. Ob die Hardware auch in der Praxis hält, was sie verspricht, muss der harte Smartphone-Alltag natürlich erst zeigen. Ich persönlich finde die Vorstellung, dass ein kleines, gallisches Dorf von enthusiastischen Bastlern den großen Anbietern wie Samsung, HP und Co. Paroli bieten will ausgesprochen sympathisch.

FAQ: Wie ich verhindere, dass Nacktfotos von mir ins Netz gelangen

Am Sonntag übernahm eine Hand voll nackter Prominenter die Themenhoheit übers Internet. Seit die gestohlenen privaten Bilder von Jennifer Lawrence, Rihanna, Kate Upton und etlichen anderen Celebrities am berüchtigten 4chan Board auftauchen, überschlagen sich alte und neue Medien und treten jedes Details breit. Skurrilerweise unter der Schirmherrschaft der Moralkeule und des Bedauerns. Dass speziell Boulevard und Social Media Newsportale mit halbstündigen Updates den Geschädigten keinesfalls dienlich sind, wird natürlich keineswegs thematisiert.

Die Betroffenen selbst äußerten sich verständlicherweise wenig erfreut zu diesem Einbruch in die Privatsphäre. Herrschte vor zwei Tagen noch Unklarheit über Authentizität und Herkunft der Fotos, so scheint mittlerweile fest zu stehen, dass der Großteil der Bilder erstens “echt” ist und die dubiose Sammlung aus recht unterschiedlichen Quellen stammt – zumindest legen dies die unterschiedlichen EXIF-Hardware-Daten der Fotos nahe, wie Mashable berichtet. Das FBI ermittelt, scheint aber nicht besonders effizient mit der NSA zu kooperieren. Zwar steht mittlerweile fest, dass es sich nicht um einen einzelnen Hack handelte, doch etliche Fragen bleiben trotz Totalüberwachung erstaunlicherweise offen:

At this point, it still isn’t clear what attack vector was used in these thefts. Security experts Mashable spoke with say it’s likely that a combination of various attacks took place over a long period of time. And although iCloud seems to be a common thread, some of the photographs stolen have metadata from Android devices. There is also some suspicion that at least one Dropbox account could be involved.

Während sich also alle gegenseitig ihrer moralischen Integrität versichern, sprechen die Google Trends – in dem Fall Österreich – eine klare Sprache.

Google Nacktfoto Trends

Google Trends – Jennifer Lawrence

Man trommelt ja nur auf dem Thema herum, um Otto Normaluser und -userin für die Gefährlichkeit des digitalen Dschungels zu sensibilisieren, rechtfertigen sich viele. Dass wir in einer Medienwelt leben, in der Nipplegates und strategische Nacktheit längst zum integralen Bestandteil geworden sind, setzt die kollektive Empörungsschwelle natürlich zusätzlich herunter.

Alles andere ist schon gesagt worden – deshalb aus aktuellem Anlass die…

FAQ zum Promi-Nacktbilder-Gate

Müssen Sie ab sofort jeden Tag davor zittern, dass Ihre eigenen Nackt-Selfies im Netz auftauchen?

Darauf gibt es eine klare Antwort: Selbstverständlich nicht! Falls Sie nie welche gemacht haben. Sollten Sie allerdings jemals ihre privaten Körperteile vor die winzige Linse eines i- oder Android Devices gehalten haben, ihr digitales Bild-Archiv mit irgendeinem Cloud Storage Service synchronisiert oder jemals in ihrem Leben einen FKK-Badebereich besucht haben, dann sollten Sie jederzeit damit rechnen, dass Ihr Familienalbum früher oder später auf 4chan auftaucht.

Wird das FBI ermitteln, wenn meine Nacktfotos gestohlen werden?

Zweifellos. Wenn Sie indes weder besonders berühmt sind noch einen begnadeten Hacker in Ihrem näheren Freundes- oder Feindeskreis haben, wird es vermutlich niemand speziell auf ihre Bilder abgesehen haben. Dennoch gilt das alte Motto: Mitgehangen, mitgefangen! Beim Adobe-Hack hatte es ja auch niemand spezifisch auf Ihre Daten abgesehen, aber falls Sie dort ein Konto hatten, stehen die auch in der entwendeten Datenbank mit drin.

Wie schützt man sich wirkungsvoll vor derlei Ungemach?

Das simpelste und einfachste Rezept lautet: stets angezogen bleiben! Und in heißen Sommernächsten vor dem Ausziehen unbedingt Vorhänge schließen und das Licht vor der Entkleidung abdrehen.

Gibt’s diese Nacktbilder wirklich oder handelt es sich bloß um eine Erfindung der Chemtrail-Erfinder?

Ich kenne jemanden, der einen Cousin hat, der die Bilder unabsichtlich auf 4chan gesehen und den Link gespeichert hat. Mehr dazu weiß Daniel.

Titelbild: Tommy Weiss | pixelio.de

Kreativ, aber unterbezahlt? Patreon macht die Crowd zum deinem Mäzen

Weltweit stöhnen Verlage unter der Last der frei verfügbaren Inhalte auf, werden Tageszeitungen eingestellt, verlieren Journalisten ihre Jobs oder wechseln rechtzeitig in die PR-Branche. Wie in der Musikbranche bereits vor etlichen Jahren geschehen höhlen digitale Technologien in überholtes Businessmodell aus. Doch während die Musikbranche längst mit neuen Businessmodellen und Mikro-Vertriebskanälen reagiert hat, warteten Micro-Publisher bisher vergeblich auf ihr iTunes. Patreon.com ermöglicht Fans, mit wiederkehrenden freiwilligen Spenden ihre Lieblings-Künstler und -Schreiberlinge zu unterstützen.

Im Mai 2013 ist Patreon mit 2 Millionen Dollar Investorenkapital angetreten, um eine Alternative für Micro-Publisher zu präsentieren, die viele gute Ansätze auf smarte Weise kombiniert. Die Plattform versteht sich als eine Art Kickstarter für alle, die regelmäßig im Netz Inhalte veröffentlichen. Videos, Musik, Texte, Comics, DIY-Anleitungen – Patreon wirbt um die Gunst von Bloggern, Cartoonisten, Photographen und allen anderen Micro-Publishern, die mit Enthusiasmus und Talent das Internet zu jenem bunten Jahrmarkt der Meinungen, Interessen und Prokrastinations-Paradiese macht, den wir alle so sehr schätzen. Ähnlich wie auf Kickstarter richten Publisher ein Profil für ihr Projekt ein und bitten ihren Fans und Followern entweder pro neuer Veröffentlichung oder pro Monat um eine freiwillige Spende.

Die Idee hat immenses Potential. Die Möglichkeit, den eigenen Lieblings-Blogger, Cartoonisten, Podcaster, Photographen und Co. zu unterstützen und zu motivieren, spricht Fans schließlich nicht erst seit dem Internet an. Früher nannte man sowas Mäzenatentum, heutzutage bezahlen dank Crowdsourcing viele Mikro-Mäzene anstatt eines einzelnen Fürsten die Rechnung fürs Kulturschaffen. Und zwar ausgesprochen gern – das zeigt eine ganze Reihe erfolgreicher Kampagnen, die getreu dem Motto der beiden Gründer Jack Conte und Sam Yam bereits etlichen Künstlern eine unabhängige Existenz ermöglichen.

We founded Patreon as a way to support artists in their pursuit of a decent living while doing what they love.

An die Idee der wiederkehrenden freiwilligen Spende glauben offensichtlich auch jene 15 Investoren, die Patreon Ende Juni mit weiteren 15 Millionen versorgten. Die nähere Zukunft des Dienstes ist damit erstmal gesichert. Sollte die Patreon-Idee weiterhin auf Zusprache stoßen, werden die Betreiber wohl früher oder später Provisionen einbehalten, was derzeit aber noch nicht der Fall ist.

Patreon.com – zu früh fürs deutschsprachige Web?

Wenn neue Ideen aus den USA gut, einleuchtend und sympathisch klingen, dann funktionieren sie in Europa in der Regel frühestens 2 bis 3 Jahre später. Wenn überhaupt. So überrascht es kaum, dass Patreon derzeit auf Mehrsprachigkeit pfeift und sich ganz dem englischsprachigen Internet widmet. Das hindert einige mutige Pioniere aber keineswegs daran, ihr Glück dennoch zu versuchen. Im Fall von Manuel Fritsch, der auf Superlevel.de den täglichen Spielepodcast Insert Moin moderiert, überaus erfolgreich: 1.374,73 Dollar bezahlen 236 Patrons jedes Monat für ihren Lieblingspodcast.

Wie von Kickstarter gewohnt kann jeder Anbieter beliebig viele Milestone-Ziele anlegen. So verspricht Manuel ab 2.000 Dollar pro Monat seinen Fans Entwickler-Interviews mit Video, ab 2.500 Dollar will er einen monatlichen Video-Podcast starten. Ebenso flexibel zeigt sich das Preismodell. Bezahlt wird entweder pro Veröffentlichung (ein Video, ein Blogbeitrag, ein Cartoon mit optionaler monatlicher Obergrenze) oder pro Monat. Der Betrag ist frei wählbar, der Anbieter kann spezielle “Rewards” für bestimmte Beträge vorsehen – beispielsweise eine Erwähnung in der Hall of Fame ab $5 oder ein T-Shirt ab $20.

Für einen durchschlagenden Erfolg von Patreon sehe ich am deutschsprachigen Markt derzeit zwei Hürden: zum einen die generell mangelnde Zahlungs- respektive Spendenbereitschaft für Online-Inhalte und zum anderen die mangelnde Bekanntheit der Seite. Potentielle Förderer müssen sich registrieren, und auch ohne nähere Kenntnis der Nutzungs-Statistiken vermute ich mal ganz stark, dass hierzulande vorerst mal deutlich mehr Publisher als potentielle Mäzene Accounts anlegen werden.

datenschmutz auf Patreon – machen Sie mich bitte schnell reich!

Als neugieriger Optimist halten mich diese Überlegungen natürlich keineswegs davon ab, selbst einen Hut umzudrehen und auf milde Spenden zu hoffen. Einerseits gefällt mir die Idee, andererseits gehört teilnehmende Recherche zum Bloggen wie Abschreiben zum Boulevard-Journalismus. Nach Eingabe der Account-Daten wählt man als Inhalts-Anbieter ein Upgrade auf den “Creator Account” und bekommt anschließend Zugriff auf die Kampagnenseite. Wer mehrere Projekte einzeln präsentieren will, braucht zusätzliche Accounts, denn mehrere Kampagnen-Seiten pro Nutzer sind derzeit nicht möglich.

Die Betreiber empfehlen, ein Vorstellungsvideo hochzuladen – ‘ere we go:

Goals und Rewards sind optional – je nach Aufwand dauert das Einrichten der Kampagnenseite zwischen 30 Minuten und mehreren Stunden. Weitere Parallele mit Kickstarter: Mit der Einrichtung der Seite ist’s keineswegs getan. Patreon ist lediglich ein Service-Provider, um die Bekanntheit der eigenen Kampagne muss man sich schon selbst kümmern. Je aktiver und begeisterter die eigenen Fanbase ist, desto leichter fällt es, regelmäßige Leser, Hörer und Seher zum Abschluss eines freiwilligen “Mäzenaten-Abos” zu bewegen, das selbstverständlich jederzeit kündbar ist.

Das Ergebnis meines Experiments finden Sie ab sofort unter www.patreon.com/datenschmutz. Obwohl ich nicht ernsthaft damit rechne, über Nacht zum Millionär zu werden (das wird wohl ein, zwei Wochen dauern), unterstütze ich mit Vergnügen den Gedanken einer Fan-based Economy. Wie denken Sie darüber? Würden Sie freiwillig monatlich 1 oder 2 Dollar für Ihr Lieblingsblog springen lassen?

datenschmutz auf Patreon

Links:

TEDx Pannonia 2014 – eine Kreuzfahrt für Vollidioten

Frisch zurück von der TEDx Pannonia 2014 – der Kopf schwirrt vor lauter Eindrücken. Auf der kurzen Fahrt von Mörbisch nach Wien war er völlig leer, ganz konzentriert auf die Fahrt. Flow, Satori, Tiefentspannung. Kein nervöser Affe, der im Kopfkäfig von Assoziation zu Assoziation springt. Ganz im hier und jetzt. Selbstvergessenheit überm Tempolimit, aber nur knapp, Abbremsen beim Baustellen-80er. Wer fährt hier eigentlich? Und wer denkt nicht darüber nach, wer da fährt? Noch nie hat sich die Heimfahrt vom Neusiedlersee so sehr wie ein geistiger “Reboot” angefühlt, und es fällt mir ungewohnt schwer, Worte für diesen ganz anderen Ausflug zum See zu finden. Gänsehaut beim Verlassen des Bootes, feuchte Augen, als mich Katzi zum Abschied umarmt hat. Danke liebe Dream Academia Jungs, danke für diese Einladung, danke für diese wunderbare TEDx, die den fünfjährigen Zyklus beschließt.

Danke für die Energie und die Inspiration! So knapp war ich dran, wär ich auch nur fünf Minuten später an der Ablegestelle angekommen, hätte ich den Kamera-Rucksack im Auto lassen und euch nachschwimmen müssen. Eine TEDx-Konferenz auf hoher See verlässt vielleicht kein Teilnehmer vorzeitig, aber vor Piraten ist kein Schiff sicher. Schon gar nicht am Neusiedlersee.

    Die Videos der Talks werden bald alle online sein werden und so erspart mir die moderne Dokumentationstechnologie eine Zusammenfassung der exzellenten Vorträge. Stattdessen ein paar sehr persönliche Eindrücke und jede Menge Bilder von einem wellenkinetisch ruhigen, aber geistig wilden Ritt über des Burgenlands größte Lacke. Der Neusiedler See verbindet Österreich und Ungarn, zwei Länder, die noch vor unfassbar kurzer Zeit durch eine unsichtbaren Wand getrennt waren. Der eiserne Vorhang fiel vor exakt 25 Jahren, und so lautete das Konferenz-Motto zum freudigen Jubiläum “Back to basics – dissolve Borders”. Also Grenzen auflösen – geographische, mentale, metaphorische. Und das mit ganz einfachen Mitteln.

    Der Chronist in mir muss erwähnen, dass dies die *allererste TEDx auf einem Schiff* war – das Konferenzformat ist mittlerweile so beliebt, dass pro Tag weltweit 10 (!) “unabhängig organisierte TED Events” stattfinden. Also über 3.000 Veranstaltungen pro Jahr für Landratten, denn vor Katzi und Hermann wagte noch kein TEDx Organisator, der wilden See zu trotzen. Man hätte also rechtzeitig einen Foursquare-Badge beantragen sollen, einen Hashtag aufrufen, eine Social Wall am Schiff aufbauen müssen… nein, alles Bullshit. Zum Glück ist nix davon passiert. “Back to Basics” hieß an diesem Freitag im August nämlich “unplugged”. Kein Beamer, nix ins Smartphone tippen, sondern den Menschen, die da vor einer wohlwollenden Crowd ihre Träume, Fehler, Visionen ausbreiten, einfach nur zuhören. Sich inspirieren lassen, mitmachen, gemeinsam träumen. Nicht zum ersten Mal verstehen, dass außerhalb der “Thinkbox” neue Galaxien darauf warten, entdeckt zu werden, sondern sich einfach nur daran erinnern, wie strahlend schön die Welt leuchten kann, wenn wir alle unsere faulen Ärsche aus der Komfortzone bewegen. Um unserem Bauchgefühl zu folgen, um uns wieder daran zu erinnern, was wir als Kind schon längst wussten. So ein Gefühl wie damals bei der allerersten TEDx Pannonia.

    Nein, da geht’s nicht bloß um eitel Wonne und Sonnenschein, ums Flanieren auf der Sonnenseite des Lebens. Jeder von uns erlebt seine Hochs und Tiefs. Muss richtungsweisende Entscheidungen treffen und manchmal Wege gehen, die Mut erfordern, von denen Freunde und Vertraute abraten. An denen wir sogar selbst zweifeln. Aber trotzdem müssen wir uns trauen, uns zu trauen, das zu wagen, was wir sowieso wagen müssen, wenn wir glücklich leben wollen – andere Optionen gibt’s nämlich nicht, außer später mal all dem nachzuweinen, was wir aus Angst oder mangelndem Selbstvertrauen heraus versäumt haben.

    Kein Mensch ist eine Insel (ausgenommen natürlich Chuck Norris!), jeder trägt die Verantwortung für sein Glück letztendlich selbst, Hilfe wartet entlang des Weges. Sie ist wertvoll, wie Geburtstagskind Manuel in seinem großartigen Abschlusstalk feststellte. Glücklich, wer Mentoren hat, die ihn dabei bestärken, seiner Vision zu folgen. “Wer das Feuer hütet und es nicht weiter gibt, ist ein Dieb“, so lautete Manuels Zitat. Wir alle stehen auf den Schultern von Riesen, und ich selbst hatte das große Glück, fantastische Lehrer und Mentoren zu finden, als ich sie am dringendsten brauchte. Sie haben mir das allergrößte Geschenk gemacht: Zeit. Sie zeigten mir Abkürzungen zu Zielen, die ich auch allein erreicht hätte, erreichen hätte müssen. Aber erst viel später.

    Meine Dankbarkeit dafür kennt keine Grenzen. Ich glaube, das geht allen so, die derart feine Menschen treffen dürfen. Harald und Hermann, ich kann abschließend nur Fiva MC zitieren: Mein Herz tanzt. An dieser Stelle fragen Sie, geneigter Leser, sich vielleicht, warum ich diesen für meine Verhältnisse ungewohnt schwärmerischen Beitrag mit “Kreuzfahrt für Vollidioten” betitelt habe? Einerseits, damit Captain Katzi und Meister Gams erstmal die Spucke weg bleibt, wenn sie die Überschrift lesen, aber zweitens und vor allem aufgrund der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Begriffs idiotes, dem ganz und gar nichts Abwertendes anhaftet:

    Das Wort leitet sich vom griechischen ἰδιώτης (idiotes) her, das wertfrei bis heute in etwa “Privatperson” bedeutet. Es bezeichnete in der Polis Personen, die sich aus öffentlichen-politischen Angelegenheiten heraushielten und keine Ämter wahrnahmen, auch wenn ihnen das möglich war.

    Wenn also Fredrik Debong, einer der Gründer des auf Software für Diabetiker spezialisierten Start-Ups My Sugar eine hinreißende Präsentation hält, in der über sein eigenes Leben spricht und das Produkt seiner Firma nicht mal am Rande skizziert, wenn Peter Hackmair, Ex-Football-Profi, erfrischend ehrlich über seine Lebenskrisen und -erfolge spricht, wenn Nora Demattio mit hinreißendem Charme und geradezu physisch spürbarer Begeisterung ihr Art House Project skizziert, dann sprechen da Leute ganz ohne Hintergedanken, Ziele oder Erwartungen über ihre Passionen. Ohne Business- und Sach-Zwänge, ohne öffentliche Ämter oder versteckte Lobby-Agenden. Was für ein Privileg, einen solch grandiosen Nachmittag mit gleichgesinnten Idioten verbringen zu dürfen!

    Und Thomas Becks wunderbarer Auftritt wird mich immer an diesen Nachmittag erinnern.

    Nachlese | Web-Logbuch zum Blogger-Kommentiertag Österreich 2014

    Danke an Jürgen Koller für die ausgezeichnete Idee, den 3. August zum Blogger-Kommentiertag Österreich auszurufen! Die Blogosphäre lebt zu einem hohen Grad von Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung, und solche Aktionen tragen ganz entscheiden dazu bei, uns Blogger mal wieder nachhaltig daran zu erinnern, wie viele spannende, inspirierende und großartige Weblogs in Österreich verfasst werden.

    Blogger Kommentiertag Österreich 2014

    Wer noch mitmachen will, tritt dem Facebook-Event bei – “Nachzügler” sind herzlich willkommen… denn eigentlich sollte jeder Tag des Jahres Blogger-Kommentiertag sein! In den Worten des Erfinders:

    Durchstöbern und KOMMENTIEREN wir einen Tag lang die vielen tollen heimischen Blogs und bringen wieder etwas Schwung hinein. Neue Blogs für sich entdecken & andere inspirieren, am 3. August 2014.

    Neben alten Bekannten bin ich in den Event-Kommentaren auf jede Menge Neuzugänge gestoßen – und habe heute nicht nur überdurchschnittlich viele Kommentare verfasst, sondern meinem RSS-Reader auch eine Menge neuer Feeds hinzugefügt. Dabei musste ich an die Frühgeschichte des Weblogs denken: begonnen hat das ganze Drama ja nicht, wie viele fälschlicherweise glauben, mit online veröffentlichten “Tagebüchern”, sondern mit Web LogBüchern.

    Unsere frühesten Blog-Vorfahren, die seinerzeit noch in Höhlen lebten, dokumentierten besuchte Webseiten – teils nur mit Links, teils mit knappen Kommentaren. Die ersten Weblogs waren also sozusagen eine Art öffentliche Browser-History – und genau dieser Tradition möchte ich auch heute folgen und im Rahmen des heutigen Blog-Feiertags ein paar meiner Favoriten vorstellen. Zu jedem Blog hab ich ein paar Zeilen angemerkt und einen “typischen” Beitrag verlinkt (und kommentiert). Die Reihenfolge ist rein zufällig und impliziert keinerlei Wertung.

    Einige meiner Lieblings-Weblogs

    Michael Marcus Thurner

    Michael habe ich beim Perry Rhodan Stammtisch Wien kennen gelernet – er und Leo Lukas sind derzeit die zwei Österreicher im Redaktionsteam der von mir seit 30 Jahren überaus geschätzten Science-Fiction Serie. Beide Autoren zählen ihres schrägen Humors und ihrer Sprachgewandtheit zu meinen Favoriten. Michi verfasst neben seinen Beiträgen für Perry Rhodan auch grandioser SF/Fantasy/Horror-Romane. Zum neuen Fantasy-Roman “Gottbettler” gibt’s am Blog eine Leseprobe und Infos über regelmäßig stattfindende Schreibcamps.

    www.mmthurner.at


    Luca Hammer – 2-Blog

    Was soll ich meinen ehemaligen Studenten und alten Co-Barcamper an dieser Stelle noch näher vostellen? In Lucas Adern fließt Blogblut, und seine thematisch vielseitigen Beiträge sind immer lesenswert – ob philosophisch oder technisch. Zum Beispiel der da über Adaptive Images und WordPress.

    www.2-blog.net


    Gerald Bäck – Bäckblog

    Anders als der Name vermuten lässt geht’s hier keinesfalls um Cupcakes, mein Lieblings-Brechmittel. Nein, Gerald geekt und politisiert frei nach dem alten Lee Perry Motto “I’m gonna put on my iron hat / and chase Satan out the internet”. Obendrein ist sein Blog vollständig Lynx-kompatibel und besticht durch bissigen Humor, wie etwa im Beitrag über das Femcamp.

    www.baeck.at


    Zwergenprinzessin

    Sarah hat eine meiner Vorlesungen an der FH Eisenstadt besucht, dadurch bin ich auf ihren sehr sympathischen Kochblog aufmerksam geworden. Sie koche “ohne Grundlagen”, sagt sie von sich selbst, dabei können ihre Repezte mehr als die von so manchem Profikoch. Die Auswahl ist riesengroß, stellvertretend sei hier das Argentinische Steak mit Granatapfel-Chili-Sauce in höchsten Tönen gelobt.

    www.zwergenprinzessin.com


    Moment in a Jelly Jar

    Noch ein grandioses Kochblog: Conny kenne ich ebenfalls durch die FH, und zwar durch die in Kufstein. Der Schwerpunkt der “Marmeladenglas-Momente” liegt auf Süßspeisen und Desserts. Die begeisterten, detaillierten Anleitungen und die herrlichen Anleitungen machen einem den Mund wässrig. So gern hätt ich jetzt ein Oreo-Schokotartelette mit Kirschen!

    www.inajellyjar.com


    Henriette Zirl – [Der:Die:Das] Blog

    Henriette Zirl ist professionelle Texterin und kennt sich ausgesprochen gut mit digitalen Medien aus. In einer G+ Gruppe bin ich vor kurzem auf verschlungenen Wegen zu ihrem Blog gekommen. Schreibstile sind ja immer Geschmackssache – meinen trifft sie mit ihren elegant und originell formulierten Texten jedenfalls zu hundert Prozent. Mir hat bisher jeder Beitrag gefallen, so auch dieser über Foursquare und Swarm.

    derdiedasblog.com


    Andreas Ostheimer

    Andreas ist Geschäftsführer einer niederösterreichischen Online Agentur und gibt auf seinem Blog praxisnahe, hervorragend recherchierte Tipps. Für mich eines der besten deutschsprachigen Online Marketing Blogs – dass Meister Ostheimer eine Menge von seinem Business versteht, zeigt sich an jedem einzelnen Beitrag. Stellvertretend sei hier auf Linkbuilding ist tot, lang lebe Traffic! verwiesen.

    www.ostheimer.at/blog/


    Dominik Leitner – Neon|Wilderness

    Man weiß nie, welche Text am Blog von Wortarchitekt Dominik darauf warten, bestaunt zu werden. Ob Dominiks eigene Reflexionen und literarische Text oder Gastbeiträge, Dominiks Art zu erzählen hat was Meditatives. Und die seiner Gäste auch, wie etwa im Beitrag Was vom Tage übrig blieb von Rainer Kienböck.

    neonwilderness.net


    Werner Reiter – werquer

    www.werquer.com/blog/

    Werner ist Kommunikationsprofi, Querdenker und Mitdenker. Auf seinem Fotolastigen Blog schreibt er über Kultur, Medien, Politik und Technologie – und postet regelmäßig sehr gelungene Makro-Aufnahmen mit Ameisen-Schwerpunkt. Ganz aktuell: Wernes Bilder zur #pizzableibt Räumungsaktion.


    Tom Lutz

    tomlutz.wordpress.com

    Tom Lutz ist Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich und hat als langjähriger Blogger ein ausgeprägtes Gespür für spannende Themen. Er liefert regelmäßig brandaktuelle Hintergrundinfos und manchmal auch Skurriles wie das Aufladen eines Lumia Smartphones mit Obst und Gemüse.


    BONUSBLOG: Kollermedia – Jürgen Koller

    Der Initiator des Blogger-Kommentiertags 2014 darf in dieser Liste nicht fehlen: ein großes Dankeschön an Jürgen für diese tolle Idee! Auf Kollermedia gibt’s Technologie- und Best Practice Anleitungen, Persönliches veröffentlicht der Autor auf HalloLeben.at. Sehr gelungen: Jürgens Sommerplanung 2014.

    www.kollermedia.at


    Netzsperren umgehen: Wie Sie Pirate Bay und Kinox.to in Österreich weiterhin nutzen können

    Ab heute sollen die größten österreichischen Internet-Provider für sämtliche Kunden den Zugang zu einigen der populären Webseiten sperren, darunter Kinox.to, Movie4k und Piratbay.se. Auf Antrag dees Vereins für Antipiraterie wird also heute die Netzneutralität in Österreich aufgehoben. Doch keine Sorge: die betreffenden Sperren lassen sich je nach technischer Umsetzung super-einfach oder recht simpel umgehen. Die Anleitung und die technischen Hintergründe beschreibe ich in diesem Beitrag.

    UPDATE: Nach gestrigen Gesprächen zwischen ISPA und VAP wurde die Frist nun um 14 Tage verlängert.

    Unsere boboesquen Neo-Grünen Kleinparteien machen sich zwar auf Podiumsdiskussionen stark für die Verteidigung von Netzneutralität. Im echten Gesetzesleben siegen dann aber doch die alten Herren, und deshalb werden ab heute Kinox.to, Movie4k und Pirate Bay für den Großteil der österreichischen Bevölkerung nicht mehr erreichbar sein. Dem Verein für Antipiraterie (nicht zum verwechseln mit dem Club gegen Piraterie!) ist nämlich gelungen, was jahrelang verhindert werden konnte: wegen einiger ausgewählter “Urheberrechtsverletzungen” (wie ich dieses Unwort nicht mehr hören kann!) zwangen Sie die großen österreichischen Provider erfolgreich zum Blockieren der betroffenen Seiten. Der Standard schreibt dazu:

    Neben PirateBay.se sollen auch Kinox.to und Movie4k blockiert werden. Die Seiten könnten ab Freitag auf regulärem Weg für Nutzer von Internetprovidern wie A1, “3”, T-Mobile oder UPC nicht mehr erreicht werden. Rechtlich gedeckt ist die Aufforderung durch einen Entscheid des Obersten Gerichtshofs. Das Höchstgericht hatte vergangene Woche festgestellt, dass sogenannte Netzsperren legitim sind, insofern als auf den blockierten Portalen Urheberrechtsverletzungen stattfinden.

    Die Provider selbst sind naturgemäß nicht besonders glücklich über die Entscheidung. Maximilian Schubert, Generalsekretär der ISPA, und Helmut Spudich, Ex-Standard Journalist und nunmehriger T-Mobile Pressesprecher, fühlen sich erstmal technisch überfordert:

    Das sind naive Vorstellungen, wie Sperren im Netz funktionieren”, meint Spudich. “Da reicht es nicht, an einer Stelle etwas einzutippen und schon funktioniert es.” Zudem sei derzeit noch gar keine Sperrinfrastruktur vorhanden. “Diese in so kurzer Zeit, bis Freitag, zu implentieren, halten wir für schwer möglich”, so Schubert.

    Der gemeine Blogger wundert sich. Bei Kinderporno-Seiten funktionieren Sperren nämlich genau so: einfach etwas eintippen und schon ist die Seite weg. Simsalabim! Oder hat T-Mobile mittlerweile völlig die Kontrolle über die eigenen Gateways verloren?

    Netzneutralität, Netzsperren und die Rechts-Abwägung

    Das Problematische an Sperrinfrastrukturen ist ja grundsätzlich: sind sie erst mal da, wecken sie bei zahlreichen Interessensgruppen Begehrlichkeiten. Denn mit Abmahnung kann man in Österreich nicht gegen Streamer vorgehen, also muss die Sperrkeule her. Ich bin gespannt, wann die Kopierschützer einen Sperraufforderung für Youtube verschicken… Denn:

    Interessant ist auch, dass sich die Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay von den anderen beiden “strukturell rechtswidrigen Webseiten” unterscheidet, die von der Sperraufforderung betroffen sind. Es ist daher fraglich, ob eine Sperraufforderung in diesem Fall gerechtfertigt ist. “Bei Pirate Bay sind auch legale Inhalte drauf”, so Schubert.

    Jede Menge legaler Inhalte: Compilations von Büchern mit abgelaufenem Urheberrecht, Veröffentlichungen von Netlabels, Open Source Software und vieles mehr. Denn wer aus Spaß an der Freude produziert, wird in der Regel kein Geld in teure Vertriebstechnologien stecken. Gerade für No-Budget Produktionen im Videobereich hat sich das Torrent-Protokoll als genialer Vertriebskanal bewiesen, und PirateBay ist eines der populärste Torrent-Portale. Diese Seiten bieten nicht die eigentlichen Dateien zu Inhalt an, sondern klitzekleine .torrent-Files, die man mit einem speziellen Client (zum Beispiel uTorrent) öffnet. Der liest aus diesen “Download-Bookmarks” die notwendigen Informationen aus und lädt die betreffenden Dateien dann verteilt von verschiedenen, am Torrent-Netzwerk teilnehmenden Rechnern, herunter.

    Kurz gesagt: das Bittorrent-Protokoll spart für Anbieter Server- und Traffic-Kosten und erlaubt dem Nutzer blitzschnelle Downloads. Wir sprechen hier in erster Linie von einer technischen Infrastruktur, nicht von einem dedizierten Piraten-Werkzeug. Wahr ist, dass dieses Torrent-Protokoll vielfach genutzt wird, um urheberrechtlich geschütztes Material im Netz zu verbreiten. Aber eben keineswegs ausschließlich.

    Ein umfassendes Portal aufgrund einzelner Dateien mit Bausch und Bogen für ein ganzes Land zu sperren, ist übertrieben und zeigt in erster Linie, dass die Urheberrechts-Industrie in Österreich über eine schlagkräftigere Lobby verfügt als Netzpolitiker.

    Es gäbe auch sonst noch viel zu sagen zu respektive gegen Netzsperren, aber da sie nun mal da sind, wollen wir frohen Mutes in die Zukunft blicken und uns die Frage stellen: Wie können wir die Netzsperren umgehen, um weiterhin unsere geliebten, legalen Public Domain Torrents von PirateBay runter zu laden? VPN respektive alternativer DNS-Server lauten die zwei Zauberwörter.

    Die neuen Netzsperren elegant umgehen und weiter Piratebay nutzen

    Den Providern bleibt selbst überlassen, wie sie die Sperrung technisch umsetzen. Zwei Methoden kommen in Frage: DNS-Sperren oder IP-Blockaden. Selbstverständlich sind diese Anleitungen keine Aufforderung zur Begehung von Urheberrechtsverletzungen – wir achten stets darauf, nur copyright-freie Inhalte zu konsumieren.

    Im ersten und einfacher zum umgehenden Fall wird die IP-Adresse nicht mehr aufgelöst. Jeder Webserver ist für Ihren Browser nämlich über eine 12stellige, aus vier Dreiergruppen bestehende Zahl erreichbar. Domains gibt’s bloß deshalb, weil wir Menschen uns die nun mal leichter merken als lange Zahlekolonnen. Im Hintergrund fragt der eigene Browser bei jeder Adressangabe beim DNS-Server des Providers nach, welche IP-Adresse zur angeforderten Domain gehört.

    datenschmutz beispielsweise hat die IP-Adresse 188.40.54.132. Wenn Sie diese in der Adressezeile des Browser eingeben, kommen Sie genauso zur Startseite wie bei der Eingabe der Domain blog.datenschmutz.net. (Dass die IP-Adresse hier zur Domain umspringt hat mir Rewrite-Regeln und Cannonical URLs zu tun, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.)

    Eine DNS-Sperre bewirkt, dass gesperrte Adresse vom DNS-Server nicht mehr “aufgelöst” werden, dieser also keine zugehörige IP zurückliefert – und damit ist die Seite nicht mehr erreichbar. Wer bisher aufmerksam mitgelesen hat, dem dürfte jetzt klar sein: um diese Sperre zu umgehen, reicht es, die IP-Adresse der jeweiligen Seite zu kennen und direkt einzutippen.

    Herausfinden lässt sich diese ganz einfach mit einem simplen Ping-Befehl. Linux-User wissen sowieso, wie das geht, Apple wird hier nicht supportet (Mac-freie Zone! *g*) und für Windows-Nutzer eine kleine Schritt-für-Schritt Anleitung. Den Ping-Befehl liefert nämlich jede Windows-Edition mit. Man muss sich lediglich für ein paar kurze Momente auf die längst entschwunden geglaubte Kommandozeile begeben. Und zwar so:

    1. Klicken Sie auf Start -> ausführen/run und geben Sie (ohne die Anführungszeichen!) “cmd” ein und drücken anschließend die Enter-Taste.
    2. Daraufhin öffnet sich ein DOS-Fenster. Hier tippen Sie (natürlich wieder ohne Anführungszeichen) “ping www.domain.com” gefolgt von der Eingabex-Taste ein.
    3. Als Resultat erhalten Sie eine mehrzeile Ausgabe. Die Zahl nach “Reply from” ist die IP-Adresse der jeweiligen Seite:

    Netzsperren Umgehen

    Das Fenster können Sie anschließend wieder schließen – Profis tippen dazu “exit” ein und drücken Enter. IP-Adressen können sich natürlich ändern, derzeit schaut’s so aus:

    • PirateBay.se: 194.71.107.15
    • Kinox.to: 91.202.62.170
    • Movie4k.to: 91.202.63.160

    Noch bequemer ist nur die Umstellung des DNS-Servers: nutzt man statt der Infrastruktur des Providers einen anderen öffentlichene DNS-Server, beispielsweise den von Google. Dann greift die DNS-basierte Netzsperre ebenfalls nicht und man kann die Domains ganz normal eingeben. Die Umstellung erfolgt entweder direkt im Router – dort trägt man als primären DNS-Server 8.8.8.8 und als sekundären 8.8.4.4 ein, anstatt die Einstellungen vom Provider automatisch zu beziehen. Am Rechner direkt funktioniert’s auch, eine Anleitung für Windows 7 hat die PC Welt.

    Wie umgeht man IP-Blockaden?

    Ein wenig mehr Aufwand erfordert die Umgehung der zweiten Sperrmöglichkeit. Mittels IP-Blockaden können Provider nämlich ebenfalls verhindern, dass ihre Kunden auf verbotene Server zugreifen. Alternative DNS-Server oder die direkte Eingabe der IP helfen in diesem Fall nix – hier sind Proxy-Netzwerke gefragt, am besten in Kombinationmit einem Virtual Private Network. So erreicht man zweierlei: erstens werden alle Daten verschlüsselt übertragen und zweitens “sieht” der Provider nicht, auf welchen Server man zugreift, sondern kann lediglich die IP-Adresse(n) des Proxy-Netzwerks eruieren. Das gleiche gilt für den Betreiber des Servers, der die Daten bereitstellt.

    Mittels solcher Proxy-Verbindungen lassen sich übrigens auch lästige länderspezifische Sperren aushebeln. Dieses Youtube-Video darf nur in den USA gezeigt werden? Kein Problem, schließlich existieren gut gepflegte Listen solcher Proxies. Eine leicht verständliche Anleitung gibt’s am Coder Blog.

    Knackpunkt an der Sache: auf längere Sicht handelt es sich um eine Kopf-an-Kopf rennen, denn VPN-Anbieter verfügen zwar über umfangreiche eigene Proxy-Netzwerke, aber die Zahl der IP-Adressen ist limitiert. So versuchten in der Vergangenheit mehrere Anbieter, VPN-Nutzer gezielt auszusperren. Die Performance der meisten öffentlichen Proxy-Server ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, was besonders beim Videostreamen einen gravierenden Nachteil darstellt.

    Der Cyberghost, den ich rief

    Die technischen Grundlagen eines VPN im Detail zu erklären, würde an dieser Stelle zu weit führen. Netzwerk-Experten klicken sich ihre eigenen Lösungen aus Freeware-Komponenten zusammen. Wer nicht in die Untiefen der Netzwerk-Administration abtauchen will, kann auf spezialisierte Dienstleister zurückgreifen, die “rundum-sorglos Pakete” verkaufen – und in der Grundversion teilweise sogar gratis anbieten.

    Für die Umgehung von IP-Sperren und grundlegende SSL-Verschlüsselung reicht bereits kostenlose Version von CyberGhost. Die Umgehung von Sperren ist sozusagen nur ein kleiner Zusatzbonus – es gibt viele gute Gründe, so verschlüsselt, sicher und privat wie möglich zu surfen. Ich nutze seit über einem Jahr die Pro-Variante, die neben höherer Geschwindigkeit und mehr Proxy-IP-Adressen auch starke Verschlüsselung bietet sowie Clients für Android- und iDevices. Im Preis von €50 pro Jahr ist unlimitierter Traffic enthalten, außerdem gibt’s laufend Special Angebote – aktuell etwa 12 + 12 Monate gratis. Unterstützt der eigene Router VPN-Verbindungen, kann man das ganze Heimnetz auf einen Schlag durchs VPN-Tunneln: – aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

    Fazit: Die österreichische Neo-Netzsperren sind also bis dato kein echtes Hindernis. Und wenn sie dazu führen, dass sich Nutzer beginnen, mit Internet-Technologien, Verschlüsselung und VPNs zu befassen, dann hat das Ende der Netzneutralität sogar ein klein wenig Gutes im Schlechten.

    Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

    Bloggerin verurteilt: Negative Restaurant-Kritik auf Google weit vorne

    Rechtsstreitigkeiten begleiten die Medienszene wie Stubenfliegen eine Herde Kühe. Wenn Unternehmen gegen Verlage zu Gericht ziehen, so hat das in der Regel keine finanziellen Auswirkungen auf den Schreiber des Beitrags. Bei Bloggern verhält sich die Sache naturgemäß anders. So erging es auch Caroline Doudet, Betreiberin des Kultur-/Lifestyle-Blogs Cultur’elle, die für eine negative Restaurantkritik zu einer Geldstrafe von €1.500 verurteilt wurde und obendrein noch die Gerichtskosten von €1.000 übernehmen muss. Kurios an der Sache: es kam zum Prozess, weil Caroline ihre SEO-Hausaufgaben gemacht hatte und der betreffende Beitrag in den Google-Suchergebnissen zwar nicht vor dem Eintrag der Pizzeria “Il Giardino” auftauchte, aber immerhin auf Platz 4.

    Wie BBC berichtet, ordnete die Richterin nicht die Löschung des Beitrags, sondern eine Änderung der nach Meinung des Klägers geschäftsschädigenden Überschrift:

    The judge decided that the blog’s title should be changed, so that the phrase: “the place to avoid” was less prominent in the results. The judge sitting in Bordeaux also pointed out that the harm to the restaurant was exacerbated by the fact that Ms Doudet’s fashion and literature blog “Cultur’elle” had around 3,000 followers, indicating she thought it was a significant number.

    Caroline Doudet hat den bekrittelten Beitrag entfernt, eine Kopie finden die interessierte Netzöffentlichkeit aber weiterhin via Wayback Machine. In Berufung gehen will die Blogautorin laut eigener Aussage voraussichtlich nicht, da sie nicht nochmal solche qualvollen Wochen durchleben wolle. Ihr Kommentar zur der unerfreulichen Affäre trifft die Situation recht genau:

    What is perverse, is that we look for bloggers who are influential, but only if they are nice about people.

    SEO, freie Meinungsäußerung und Rufschädigung

    Die Il-Giardino-Story stößt in der Blogosphäre auf reichlich Gehör und hat auch schon den Sprung über den großen Teich gemacht. Amerikanische Blogger betonen in ihren Beiträgen, dass das Urteil keinen Präzedenzfall konstituiert, denn in Mitteleuropa gilt schließlich nicht das Prinzip des “Case Law”. Man muss diese Einzelentscheidung also nicht überbewerten, dennoch wirft sie ein Schlaglicht auf ein immer evidenteres Problem: Wo verläuft die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und Rufschädigung und was für Rolle spielt dabei unser alles Lieblings-Suchmaschinen-Monopolist?

    Nicht zuletzt im Licht des berüchtigten Google-muss-Vergessen-Urteils stellt sich einmal mehr die Frage, wie mit negativen Reviews umgegangen werden soll. Denn pikanterweise stand ja nicht der Inhalt des Artikels zur juristischen Diskussion, sondern die Tatsache, dass der Text so prominent in Googles Suchergebnissen auftauchte. Überspitzt formuliert ist Frau Doudet also ein Opfer des Pagerank-Algorithmus geworden.

    Google stellt sich stur als die neutrale Vermittlerinstanz dar und aggregiert immer schlauer und schneller immer mehr Informationen. Der sogenannte “Knowledge Graph” sorgt dafür, dass bei passenden Suchanfragen rechts neben den Ergebnissen ein Kästchen mit Zusatzinformationen angezeigt wird, die Google aus verschiedenen Quellen aggregiert. Teils aus Wikipedia, teils auch aus hauseigenen Produkten – die in den letzten Wochen forcierte Vermählung von Google Places und Google Plus rückt Kundenreviews noch ein Stückchen näher an die Suchergebnisse. So manchem Dienstleister dürfe ganz und gar nicht gefallen, was potentielle Kunden dort zu Gesicht bekommen. Personalisierte Suche und der künftig wohl zunehmende Einfluss von Reviews auf den Google-Index verkomplizieren die Situation zusätzlich.

    Dass Restaurants mit weniger als 2-Sterne-Durchschnittswertung demnächst Besuch von Testessern aus Palo Alto bekommen, ist wohl auszuschließen. Eine Einzelfall-Prüfung mit Schlichtungskommission kann man Google bei allem Misstrauen nicht zuzumuten… also werden sich SEO-Streitfälle vor Gericht in nächster Zeit vermutlich häufen.

    Blogger-Relations: Grinse-August gesucht?

    Für einen Mann mit einem Hammer ist jedes Problem ein Nagel. Und Kommunikationsexperten verfallen häufig dem Irrglauben, jedwedes Problem ließe sich kommunikativ lösen. Im großen Lehrbuch der Blogger Relations fände man im betreffenden Kapitel vermutlich eine Schritt-für-Schritt Anleitung von der Kontaktaufnahme über die Bitte um erneutes Testessen bis zur Klärung des “Missverständnisses”… doch nur im Märchen leben Blogger und Gretel glücklich und froh bis ans Ende des Internets.

    Ein wenig Recherche zeigt rasch, dass sich hier regelmäßig der Club der unzufriedenen Gäste trifft, denn die sagenhaft niedrige Bewertung von 1.5 bei 80 Erfahrungsberichten auf Google+ spricht eine deutliche Sprache. Und dass sich die Betreiberin des Lokals mit der Klage durchwegs keinen Gefallen getan hat, demonstriert ein Blick auf die aktuellen Suchergebnisse für “il giardino cap ferret”: Wenig überraschend dominieren Berichte über das Urteil, darunter auch ein BoingBoing-Beitrag mit dem besonders schmeichelhaften Titel Is Il Giardino in Cap-Ferret the worst restaurant in France? auf Platz 3. Also Operation gelungen, Patient tot?

    Letztendlich hilft nur ein einziges Mittel gegen unwahre negative Reviews: man muss an das Kritische im Surfer glauben und davon ausgehen, dass sich potentielle Kunden nicht bloß bei einer einzigen, immer subjektiven Quelle erkundigen. Wer seinen Job ordentlich macht, wird auch viel Positives Feedback bekommen und die eine oder andere Kritik nicht nur vertragen, sondern sogar als konstruktiven Input nutzen können. Sind die negativen Stimmen aber in der Überzahl, sollte man weder auf Online-Marketing-Tricks noch auf rechtliche Mittel setzen, sondern das eigene Produkt bzw. die eigenen Dienstleistung (endlich wieder) konkurrenzfähig machen.

    Dass sich Blogger zukünftig noch besser überlegen müssen, wie weit sie sich mit Kritik aus dem Fenster lehnen, hinterlässt allerdings einen schalen Beigeschmack. Solange kein finanzielles Interesse dahinter steht – Stichwort “negatives Reputation-Management” – geht die freie Meinungsäußerung nun mal vor. Ohne Wenns und Abers.

    Ikea will seine größten Fans aus dem Netz kicken

    Ikea-Fanpages, die in den letzten Jahren unter wohlwollender Duldung des Möbelhauses große Popularität erlangten, bläst nun ein kalter Wind aus Schweden entgegen. Ikeahackers.com und Ikeafans.com durften sich in den letzten Wochen über “Cease-and-Desist” Briefe freuen, in denen das Unternehmen nicht weniger als die Übergabe der jeweiligen Domain fordert. Im ersteren Fall sahen die Anwälte nach einem lauten virtuellen Protesten vorerst mal ab, im zweiten Fall klagten die Betreiber nach ergebnislosen Verhandlungen nun erst mal selbst die Schwedentischler.

    Über die rechtlichten Implikationen solcher Brand vs. Fans Schlachten können bloß Juristen urteilen, ich finde die Causa so spannend, weil sie paradigmatisch eines der großen Konfliktfelder des modernen Marketings aufzeigt. Social Media Kommunikation ist längst in Unternehmen angekommen – auch wenn der Marketingchef selbst vielleicht nicht im Detail weiß, wie man Facebook-Ads schaltet, hat er inzwischen entweder eine Social Media Managerin in der Abteilung sitzen oder die Facebook- und Twitter-Aktivitäten des Unternehmens an spezialisierte Dienstleister ausgelagert. Die richtigen Probleme beginnen kurioserweise aber erst dort, wo sich dieser gebetsmühlenartig beschworene Dialogeffekt dann tatsächlich einstellt. Die Paradoxie muss man sich mal vorstellen: da bemüht man sich redlich, Opinion Leader zu “Markenbotschaftern” zu konvertieren. Und kaum glückt mal so ein Glaubensübertritt, stellt man entsetzt fest: der Botschafter macht mit unserer Marke ja, was er will! Und weil er nicht auf unserer Payroll steht, haben wir auch kein Druckmittel gegen ihn – außer die gute alte Rechtsabteilung.

    Der Otaku, sein Seth Godin und Ikeas gelb-blaue Riesenwelt

    Wenn Unternehmen unter teils heftigem Ressourceneinsatz versuchen, die eigene Kundenschar in die Produktentwicklung mit einzubeziehen, so spricht der Fachmann von Cocreation – die Fortführung des Crowdsourcing mit strukturierterem Mittel soll die Entwicklungsabteilung näher an die Bedürfnisse der Kunden heranführen, Ideen sammeln und letztendlich brauchbare Vorschläge in Produkte und Dienstleistungen überführen.

    Als größter “Selbstbau-Möbel” Hersteller der Welt findet sich Ikea in einer Situation, die andere Marketer wohl als den Idealfall ansehen würden: rund um die Produkte des schwedischen Konzerns entstanden etliche Do-it-Yourself (DIY) Communities, die aufzeigen, was man mit den vorkonfektionierten Teil abseits ihres geplanten Verwendungszweckes so alles anstellen kann. Wie Seth Godin nicht müde wird zu betonen, leben wir in einer Zeit des Überangebots, in der es immer schwieriger wird, aus der Masse an Konkurrenten herauszustechen. Ein unverzichtbarer Bestandteil im modernen Marketing-Mix sind daher jene “Hi-Potentials”, die der Japaner als Otakus bezeichnet. Hardcore Fans, die beispielsweise hundert Kilometer weit reisen, nur um eine neue Chilisauce auszuprobieren.

    Lauter Freaks, die häufig auch noch Weblogs betreiben und von der Selbstzerfleischung klassischer Medien profitieren: denn ihnen glauben ihre Leser viel eher, dass der neue Lippenstick von Giorgio Whoever 30% grüner trotz Rotstich ist. Eher zumindest als dem Lifestyle-Magazin, das gleich neben der linksseitigen Lobeshymne die passende Ganzseiten-Anzeige mit Lippenstiftprobe präsentiert. Manche von ihne sind vielleicht genauso käuflich wie die meisten Redaktionen, aber im Gegensatz zum Journalisten, dessen Job im wesentlichen darin besteht, die lästigen Leerräume zwischen den Anzeigen mit Content zuzuschaufeln, lieben sie überdurchschnittlich häufig die Dinge, über die sie schreiben. Sie beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Handys, Alben und eben auch Möbeln. Wer sonst erklärt meinen Kumpel Pete, wie er am einfachsten die neuen Billy-Türen ans alte Billy-Regal montiert?

    Wenn die Schwedenbombe einschlägt

    Das Verhältnis zwischen den Produzenten beliebter Produkte und deren motiviertesten Kunden ist spätestens seit Beginn des Internets ein angespanntes. Zwar hat sich mittlerweile selbst in den Rechtsabteilungen herumgesprochen, dass Zweckentfremdung, Reverse Engineering und DIY-Umdeutung der eigenen Produkte eher in die Kategorie “Hardcore-Fantum” als Produktpiraterie fallen. Doch in unserer digitalen oder zumindest augmentierten Produktwelt spielen Zugangsbeschränkungen eine ökonomische (und immer stärker auch eine überwachungstechnische) Schlüsselrolle.

    Dass Handys sich nicht ohne weiteres von ihrer Betreibersperre befreien lassen, dass die Apfelmännchen aus Cupertino Bild und Ton in notorisch neurotische Zwangsjacken wie iTunes quetschen, hat erstmal ganz handfeste ökonomische Gründe. Auf der anderen Seite des Flusses winkt jedoch die Open Source Fee mit allerlei sexy Versprechungen von freier Produktnutzung, offenen Schnittstellen und gewünschter, dezentralisierter Weiterentwicklung. Die zentrale Frage, die sich Unternehmen stellen müssen, lautet: wieviel Kontrolle wollen und können wir abgeben? Mirko Tobias Schäfer, Assistant Professor an der Universität Utrecht, hat darauf eine eindeutige Antwort:

    Whatever it is, IKEA is poorly advised in bullying their fans. I have written a book it. In Bastard Culture!: How User Participation Transforms Cultural Production (MediaMatters), I explain at length that users constitute an extension of a companies production. They actively become co-producers of corporate products and services. Whether the companies like or not, their users form an extended research and development department that works better than any marketing driven corporate research facility.

    Mirko erinnert in seinem dringend empfohlenen Artikel an eine frühere Begebenheit: Sony handelte sich mit dem Versuch, die Fanpage Aibopet zum 1999 auf den Markt gebrachten Robot-Hund Aibo zu schließen, einen der ersten Shitstorms überhaupt ein. Damals lautete der Vorwurf offiziell “Reverse Engineering”, das nach dem Digitial Millenium Copyright Act verboten sei. Heute geht es Ikea vordergründig um die Markenrechte – eine juristisch vermutlich relativ leicht durchsetzbare Forderung, zumal beide fraglichen Webseiten “Ikea” als Namensbestandteil enthalten.

    Verwechslungsgefahr besteht wohl kaum, außerdem scheint dem Management die Glätte des Terrains durchaus bewusst zu sein. SFGate zitiert ein Statement IKEAs an Yahoo News nach beginnenden Protesten:

    It has of course never been our ambition to stop their webpage. On the contrary, we very much appreciate the interest in our products and the fact that there are people around the world that love our products as much as we do. We are now evaluating the situation, with the intention to try to find a solution that is good for all involved.

    IKEA, mit seinen Kunden sonst gern per du, scheint in einer Zwickmühle zu stecken. Will man einen Shitstorm riskieren und das Image eines Möbelhauses für Selbstbauer mit radikalem Vorgehen gehen “erweiterte” Selberbauer beschädigen? Da schiene es doch vernünftiger, die Selbstbau-Communities zumindest unbehelligt weiterwerkeln zu lassen. Ungewöhnlich gut informierte Greise sehen hinter dem plötzlichen Schwenk allerdings einen ganz anderen Grund: Kürzlich lancierte IKDA nämlich den Share Space. Der hat zwar bei genauerem Hinsehen wenig mit den Fan-Communities gemeinsam, denn hier zeigen zufriedene Kunden einfach bloß Fotos ihrer Ikea-Produkte in persönlichem Kontext und sachgemäßer Verwendung her.

    Falls IKEA allerdings ernsthaft auf die Cocreation-Schiene setzen will, wäre das Abdrehen der populärsten Fan-Communities ein ausgesprochen kontraproduktiver Schritt. Klar kann jeder sowas selbst nachprogrammieren, aber was zählt, ist die Community. Und da die Schweden schließlich nicht an Page-Impressions und Werbeschaltungen, sondern an Möbel- und Haushaltsartikel-Verkäufen verdienen, wäre eine kooperative Strategie mit Sicherheit die bessere Wahl.

    Der Bundes Rock’n’Roller Andreas Gabalier, seine Volkshymne und eine exklusive Umfrage

    Eines muss man Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier lassen: er spielt auf der Klaviatur der österreichischen Mainstream-Medien eleganter als Peter Rapp am Glücksrad dreht. Ein wahrhaft würdiger Auftakt fürs Sommerloch mit musikalischer Begleitung. Ob Didi Mateschitz mit so viel Aufmerksamkeit für die Bundeshymne alter Schule beim Grandprix von Spielberg gerechnet hätte? Was soll die Politik nun tun? Wie denken Herr und Frau Österreicher tatsächlich über den Text der Bundeshymne? Diese Frage steht gar nicht mehr im Zentrum der nun erneut entflammten Diskussion. Spätestens seit die Kronenzeitung in der Sonntagsausgabe die Trommel gegen Binnen-Iinnen und pro lesbarer Sprache zu rühren begannt, steht fest: bis wieder wichtigere Themen auf der Agenda stehen, schlägt der Anti-Feminismus hart zurück.

    Bereits 747 Personen (wahrscheinlich kein Boeing-Product-Placement) hatten noch vor Drucklegung einen offenen Brief an BM Gabriele Heinisch-Hosek unterzeichnet, 420 davon weiblich und wohl alle keine glühenden Fans von Maria Rauch-Kallats letzter politischer Nacht-und-Nebel Ruhmestat. Darin fordern fünf Gelehrte, darunter drei Universitätsprofessoren, ein Professor und Autor sowie eine Doktorin vehement die Rückkehr zu verständigungsorientierter Sprachen und Erleichterung des sinnerfassenden Lesens, also kurz gesagt die Streichungen von Binnen-I, Schrägstrich im Wortinneren (Briefschreiber/-innen), Klammern (Klammer(innen)) und hochgestelltes a bzw. in nach Titeln (KomRin). Nicht nur, aber vor allem in offiziellen Dokumenten.

    Und recht haben sie. Für mich persönlich habe ich die Hänsel-Gretchen-Frage hier am Blog vor 6 Jahren thematisiert und mich anschließend gegens Splitting entschieden. Stattdessen verwende ich in direkter Ansprache immer gern beide Formen. Denn, werte Leserinnen und hochgeschätzte Leser, soviel Zeit muss sein, solange die Lesbarkeit eines Textes nicht darunter leidet. Dass die Befürworter der feigenblättrigen politischen Korrektheit zwar in den letzten Jahren mit lauter Stimme gerufen haben, aber damit bloß die Mehrweit der Bevölkerung übertönten, zeigen die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit überdeutlich.

    Exklusive Umfrage: Gabalier und die Kufsteiner

    Die Wissenschaft eilt einmal mehr beweisend zu Hilfe, und zwar in Form einer brankaktuellen, wissenschaftlichen Studie über Andreas Gabalier, durchgeführt von Dr. Astrid Pettauer am vorvergangenen Wochenende während des Kufsteiner Stadtfestes im Rahmem einer FH-Lehrveranstaltung. Inspiriert von der Diskussion zwischen der ehemaligen Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und Herrn Andreas Gabalier am 26. Juni in der ZIB2 gingen meine Gattin und ihre Studentinnen und Studenten der Frage nach: sind wirklich 95% der österreichischen Bevölkerung für den alten Text der Bundeshymne? Oder doch nur 92%?

    Die Samplegröße der Untersuchung, die in der Fachliteratur gemeinhin als “KuGaStu” (Kufsteiner-Gabalier-Studie) bezeichnet wird, beträgt 127 Personen, darunter 70 männliche und 57 weibliche Untersuchungssubjekte gemischten Alters. 14,3% gehen die Töchter und Sohne am Andreas Hofer vorbei, 23,8 Prozent sind für und 61,9 Prozent der befragten gegen den neuen Text.

    • Studie:

      Alle Ergebnisse mit Infografiken und Making of.

    Darf man denn in einer Demokratie gegen die Mehrheitsmeinung entscheiden? Selbstverständlich! Oft muss man sogar – nämlich dann, wenn’s um das Gemeinwohl geht. Selbst wenn 99% der Österreicher eine Senkung der Mehrwertssteuer von 20 auf 2 Prozent befürworteten, könnte keine verantwortungsvolle Regierung willentlich den Statt in den Bankrott laufen lassen. (Bei unserer aktuellen in ich mir da gar nicht mal so sicher.)

    Aber wie sieht es mit einem vergleichsweise harmloseren Thema wie dem Text der Bundshymne aus? Immerhin sollen solche glorifizierenden Gesänge, deren Daseinsberechtigung aus dem Geiste unserer übrigens auch gänzlich angezweifelt werden könnte, primär eine Identifikationsfunktion erfüllen. Oder, anders gefragt: Wenn Österreich seit Conchitas triumphalem Songcontest-Sieg so stolz auf sein superliberales Image ist, warum singen wir dann nicht gleich “Heimat bärtiger TransvestitInnen”? Man könnte ja auch mit Humor an diese nun wahrlich nicht weltbewegende Staatsaffäre herangehen.

    Andreas Gabalier und die Bundeshymne

    Aber zurück zur Untersuchung: Das Kufsteiner Stadtfest hat gesprochen! Der Volks Rockn’n’Roller weiß also auch in Westösterreich die Bevölkerungsmehrheit auf seiner Seite – und hält sich weiter im Gespräch. Einen Tag vor Sonntagskrone mit einem offenen Brief auf Facebook (Im Sommerloch fliegen offene Briefe anscheinend tiefer als Hitchcocks Vögel!):

    Ich habe mich für eine große, verstorbene Dichterin und deren lirearisches Werk stark gemacht! […] Der Gesetzesbeschluss von 2012 bzgl. der Textänderung der Originalfassung unserer Bundeshymne ist mehr als fragwürdig, da der Gesetzgeber zum einen dem Urhebergesetz anscheinend nicht Folge zu leisten hat, und es zum anderen laut diesem Beschluss ausschließlich der Republik Österreich gestattet wurde, den “Neuen Text” auf Veranstaltungen der Republik Österreich zu singen!

    Meine minimale juristische Bildung elaubt leider keine Prüfung dieser Behauptung. Ein paar Beistrich- und Flüchtigkeitsfehler (suchen zwecklos, ich hab sie im Zitat ausgebessert) stützen jedoch entweder die These, dass Andreas Gabalier ohne professionelle Kommunikationsmaschine ganz frei von der Leber weg losgeschrieben hat, oder aber jene, dass besagt PR-Maschinerie metamäßig-elaboriert besagte Vertipper extra eingebaut hat, der höheren Authentizität wegen. In beiden Fällen: Hut ab! Humor haben er und/oder seine PR-Maschinerie jedenfalls, dass muss man ihm/ihr lassen:

    RedakteurInnen, die meine Wertschätzung gegenüber unseren Frauen aufgrund eines kabarettistisch gemeinten Liedertextes wie Sweet little Rehlein […] in Frage stellen, kann ich bei Gott keine Aufmerksamkeit schenken, weil sie damit allen Ernstes Wildtiere mit Frauen vergleichen!

    Wenn das keine Bonusaufgabe für die Zentral-Matura (österreichisch für Abitur) 2015 ist, dann weiß ich auch nicht: Bilde einen sinnvollen Satz, der die Wörter “Wertschätzung, Frauen, Gott und Wildtiere” enthält!” Als erfahrener Entertainer weiß Gabalier natürlich um die Ähnlichkeiten von Konzert- und Briefdramaturgien: absurde Komik gegen Ende schadt nie:

    Zeitgemäß sollten wir und vielleicht auch überlegen, den Stephansdom in Wien in den Stephaniendom umzutaufen, Mozart auf seinen Bildern die Haare zu schneiden, weil seine Frisur veraltet ist und dem Lindwurm in Klagenfurt Brüste umzuhängen, weil unsere Geschichte nicht mehr in diesen verkrampften Gender-Wahnsinn hineinpasst!

    Chapeau! Streng genommen ist der Begriff “Volks-Rock’n’Roller” ja ein Widerspruch in sich selbst. Wie Business-Punk oder Bergbauern-Industrieller. Kein Wunder also, dass sich diese Ein-Mann-Musikrichtung nicht unter den 12 in der Wikipedia gelisteten Subgenres findet, denn:

    Rock’n’Roll (kurz für Rock and Roll) ist ein nicht klar umrissener Begriff für eine US-amerikanische Musikrichtung der 1950er- und frühen 1960er-Jahre und das damit verbundene Lebensgefühl einer Jugend-Protestkultur.

    Andreas Gabalier dagegen steht für den Beweis, dass harte Arbeit und sorgsames Studium der Mechanismen von Popkultur und -konsumation ein Ergebnis zeitigen können, dessen Konsenspotential alt und jung jubelnd zu Konzerten und zum Plattenhändler eilen lässt. Was ihn zu einer Art musikalisch nachhaltigerer Conchita Wurst mit weniger Konfliktpotential macht. Machen täte. Potentiell.


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    Vom Protest der Minderheit, so zeigt die Umfrage jedenfalls klar, kann keine Rede sein: der Volks Rock’n’Roller schaut dem Volk eben aufs Maul und wird laut eigener Aussage auch weiterhin “das Gesetz brechen”. Eine Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr bzw. maximal 360 Tagessätze hätte er übrigens nur dann zu befürchten, wenn ein Richter entscheidet, dass es sich um Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole handelt:

    (1) Wer auf eine Art, daß die Tat einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird, in gehässiger Weise die Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer beschimpft oder verächtlich macht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr zu bestrafen.

    (2) Wer in der im Abs. 1 bezeichneten Art in gehässiger Weise eine aus einem öffentlichen Anlaß oder bei einer allgemein zugänglichen Veranstaltung gezeigte Fahne der Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer, ein von einer österreichischen Behörde angebrachtes Hoheitszeichen, die Bundeshymne oder eine Landeshymne beschimpft, verächtlich macht oder sonst herabwürdigt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen. (StF: BGBl. Nr. 60/1974)

    Dass es Andreas Gabalier nicht um Verunglimpfung der Republik ging, steht wohl außer Zweifel. Dass er nebenbei auch noch eine Diskussion losgetreten hat, die eine nette Fußnote in der endlosen Geschichte “Rot-weiß-Rote Politiker regieren am Volk vorbei” bildet, verleitet mich zu einem zufrieden-boshaften Grinser. Das Sommerloch musste sich schon mit faderen Themen füllen lassen, und im übrigen gilt wie immer: Winter is coming.

    Fotos: Andreas Gabalier Pressefotos