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TEDx Pannonia 2014 – eine Kreuzfahrt für Vollidioten

Frisch zurück von der TEDx Pannonia 2014 – der Kopf schwirrt vor lauter Eindrücken. Auf der kurzen Fahrt von Mörbisch nach Wien war er völlig leer, ganz konzentriert auf die Fahrt. Flow, Satori, Tiefentspannung. Kein nervöser Affe, der im Kopfkäfig von Assoziation zu Assoziation springt. Ganz im hier und jetzt. Selbstvergessenheit überm Tempolimit, aber nur knapp, Abbremsen beim Baustellen-80er. Wer fährt hier eigentlich? Und wer denkt nicht darüber nach, wer da fährt? Noch nie hat sich die Heimfahrt vom Neusiedlersee so sehr wie ein geistiger “Reboot” angefühlt, und es fällt mir ungewohnt schwer, Worte für diesen ganz anderen Ausflug zum See zu finden. Gänsehaut beim Verlassen des Bootes, feuchte Augen, als mich Katzi zum Abschied umarmt hat. Danke liebe Dream Academia Jungs, danke für diese Einladung, danke für diese wunderbare TEDx, die den fünfjährigen Zyklus beschließt.

Danke für die Energie und die Inspiration! So knapp war ich dran, wär ich auch nur fünf Minuten später an der Ablegestelle angekommen, hätte ich den Kamera-Rucksack im Auto lassen und euch nachschwimmen müssen. Eine TEDx-Konferenz auf hoher See verlässt vielleicht kein Teilnehmer vorzeitig, aber vor Piraten ist kein Schiff sicher. Schon gar nicht am Neusiedlersee.

Die Videos der Talks werden bald alle online sein werden und so erspart mir die moderne Dokumentationstechnologie eine Zusammenfassung der exzellenten Vorträge. Stattdessen ein paar sehr persönliche Eindrücke und jede Menge Bilder von einem wellenkinetisch ruhigen, aber geistig wilden Ritt über des Burgenlands größte Lacke. Der Neusiedler See verbindet Österreich und Ungarn, zwei Länder, die noch vor unfassbar kurzer Zeit durch eine unsichtbaren Wand getrennt waren. Der eiserne Vorhang fiel vor exakt 25 Jahren, und so lautete das Konferenz-Motto zum freudigen Jubiläum “Back to basics – dissolve Borders”. Also Grenzen auflösen – geographische, mentale, metaphorische. Und das mit ganz einfachen Mitteln.

Der Chronist in mir muss erwähnen, dass dies die *allererste TEDx auf einem Schiff* war – das Konferenzformat ist mittlerweile so beliebt, dass pro Tag weltweit 10 (!) “unabhängig organisierte TED Events” stattfinden. Also über 3.000 Veranstaltungen pro Jahr für Landratten, denn vor Katzi und Hermann wagte noch kein TEDx Organisator, der wilden See zu trotzen. Man hätte also rechtzeitig einen Foursquare-Badge beantragen sollen, einen Hashtag aufrufen, eine Social Wall am Schiff aufbauen müssen… nein, alles Bullshit. Zum Glück ist nix davon passiert. “Back to Basics” hieß an diesem Freitag im August nämlich “unplugged”. Kein Beamer, nix ins Smartphone tippen, sondern den Menschen, die da vor einer wohlwollenden Crowd ihre Träume, Fehler, Visionen ausbreiten, einfach nur zuhören. Sich inspirieren lassen, mitmachen, gemeinsam träumen. Nicht zum ersten Mal verstehen, dass außerhalb der “Thinkbox” neue Galaxien darauf warten, entdeckt zu werden, sondern sich einfach nur daran erinnern, wie strahlend schön die Welt leuchten kann, wenn wir alle unsere faulen Ärsche aus der Komfortzone bewegen. Um unserem Bauchgefühl zu folgen, um uns wieder daran zu erinnern, was wir als Kind schon längst wussten. So ein Gefühl wie damals bei der allerersten TEDx Pannonia.

Nein, da geht’s nicht bloß um eitel Wonne und Sonnenschein, ums Flanieren auf der Sonnenseite des Lebens. Jeder von uns erlebt seine Hochs und Tiefs. Muss richtungsweisende Entscheidungen treffen und manchmal Wege gehen, die Mut erfordern, von denen Freunde und Vertraute abraten. An denen wir sogar selbst zweifeln. Aber trotzdem müssen wir uns trauen, uns zu trauen, das zu wagen, was wir sowieso wagen müssen, wenn wir glücklich leben wollen – andere Optionen gibt’s nämlich nicht, außer später mal all dem nachzuweinen, was wir aus Angst oder mangelndem Selbstvertrauen heraus versäumt haben.

Kein Mensch ist eine Insel (ausgenommen natürlich Chuck Norris!), jeder trägt die Verantwortung für sein Glück letztendlich selbst, Hilfe wartet entlang des Weges. Sie ist wertvoll, wie Geburtstagskind Manuel in seinem großartigen Abschlusstalk feststellte. Glücklich, wer Mentoren hat, die ihn dabei bestärken, seiner Vision zu folgen. “Wer das Feuer hütet und es nicht weiter gibt, ist ein Dieb“, so lautete Manuels Zitat. Wir alle stehen auf den Schultern von Riesen, und ich selbst hatte das große Glück, fantastische Lehrer und Mentoren zu finden, als ich sie am dringendsten brauchte. Sie haben mir das allergrößte Geschenk gemacht: Zeit. Sie zeigten mir Abkürzungen zu Zielen, die ich auch allein erreicht hätte, erreichen hätte müssen. Aber erst viel später.

Meine Dankbarkeit dafür kennt keine Grenzen. Ich glaube, das geht allen so, die derart feine Menschen treffen dürfen. Harald und Hermann, ich kann abschließend nur Fiva MC zitieren: Mein Herz tanzt. An dieser Stelle fragen Sie, geneigter Leser, sich vielleicht, warum ich diesen für meine Verhältnisse ungewohnt schwärmerischen Beitrag mit “Kreuzfahrt für Vollidioten” betitelt habe? Einerseits, damit Captain Katzi und Meister Gams erstmal die Spucke weg bleibt, wenn sie die Überschrift lesen, aber zweitens und vor allem aufgrund der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Begriffs idiotes, dem ganz und gar nichts Abwertendes anhaftet:

Das Wort leitet sich vom griechischen ἰδιώτης (idiotes) her, das wertfrei bis heute in etwa “Privatperson” bedeutet. Es bezeichnete in der Polis Personen, die sich aus öffentlichen-politischen Angelegenheiten heraushielten und keine Ämter wahrnahmen, auch wenn ihnen das möglich war.

Wenn also Fredrik Debong, einer der Gründer des auf Software für Diabetiker spezialisierten Start-Ups My Sugar eine hinreißende Präsentation hält, in der über sein eigenes Leben spricht und das Produkt seiner Firma nicht mal am Rande skizziert, wenn Peter Hackmair, Ex-Football-Profi, erfrischend ehrlich über seine Lebenskrisen und -erfolge spricht, wenn Nora Demattio mit hinreißendem Charme und geradezu physisch spürbarer Begeisterung ihr Art House Project skizziert, dann sprechen da Leute ganz ohne Hintergedanken, Ziele oder Erwartungen über ihre Passionen. Ohne Business- und Sach-Zwänge, ohne öffentliche Ämter oder versteckte Lobby-Agenden. Was für ein Privileg, einen solch grandiosen Nachmittag mit gleichgesinnten Idioten verbringen zu dürfen!

Und Thomas Becks wunderbarer Auftritt wird mich immer an diesen Nachmittag erinnern.

Nachlese | Web-Logbuch zum Blogger-Kommentiertag Österreich 2014

Danke an Jürgen Koller für die ausgezeichnete Idee, den 3. August zum Blogger-Kommentiertag Österreich auszurufen! Die Blogosphäre lebt zu einem hohen Grad von Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung, und solche Aktionen tragen ganz entscheiden dazu bei, uns Blogger mal wieder nachhaltig daran zu erinnern, wie viele spannende, inspirierende und großartige Weblogs in Österreich verfasst werden.

Blogger Kommentiertag Österreich 2014

Wer noch mitmachen will, tritt dem Facebook-Event bei – “Nachzügler” sind herzlich willkommen… denn eigentlich sollte jeder Tag des Jahres Blogger-Kommentiertag sein! In den Worten des Erfinders:

Durchstöbern und KOMMENTIEREN wir einen Tag lang die vielen tollen heimischen Blogs und bringen wieder etwas Schwung hinein. Neue Blogs für sich entdecken & andere inspirieren, am 3. August 2014.

Neben alten Bekannten bin ich in den Event-Kommentaren auf jede Menge Neuzugänge gestoßen – und habe heute nicht nur überdurchschnittlich viele Kommentare verfasst, sondern meinem RSS-Reader auch eine Menge neuer Feeds hinzugefügt. Dabei musste ich an die Frühgeschichte des Weblogs denken: begonnen hat das ganze Drama ja nicht, wie viele fälschlicherweise glauben, mit online veröffentlichten “Tagebüchern”, sondern mit Web LogBüchern.

Unsere frühesten Blog-Vorfahren, die seinerzeit noch in Höhlen lebten, dokumentierten besuchte Webseiten – teils nur mit Links, teils mit knappen Kommentaren. Die ersten Weblogs waren also sozusagen eine Art öffentliche Browser-History – und genau dieser Tradition möchte ich auch heute folgen und im Rahmen des heutigen Blog-Feiertags ein paar meiner Favoriten vorstellen. Zu jedem Blog hab ich ein paar Zeilen angemerkt und einen “typischen” Beitrag verlinkt (und kommentiert). Die Reihenfolge ist rein zufällig und impliziert keinerlei Wertung.

Einige meiner Lieblings-Weblogs

Michael Marcus Thurner

Michael habe ich beim Perry Rhodan Stammtisch Wien kennen gelernet – er und Leo Lukas sind derzeit die zwei Österreicher im Redaktionsteam der von mir seit 30 Jahren überaus geschätzten Science-Fiction Serie. Beide Autoren zählen ihres schrägen Humors und ihrer Sprachgewandtheit zu meinen Favoriten. Michi verfasst neben seinen Beiträgen für Perry Rhodan auch grandioser SF/Fantasy/Horror-Romane. Zum neuen Fantasy-Roman “Gottbettler” gibt’s am Blog eine Leseprobe und Infos über regelmäßig stattfindende Schreibcamps.

www.mmthurner.at


Luca Hammer – 2-Blog

Was soll ich meinen ehemaligen Studenten und alten Co-Barcamper an dieser Stelle noch näher vostellen? In Lucas Adern fließt Blogblut, und seine thematisch vielseitigen Beiträge sind immer lesenswert – ob philosophisch oder technisch. Zum Beispiel der da über Adaptive Images und WordPress.

www.2-blog.net


Gerald Bäck – Bäckblog

Anders als der Name vermuten lässt geht’s hier keinesfalls um Cupcakes, mein Lieblings-Brechmittel. Nein, Gerald geekt und politisiert frei nach dem alten Lee Perry Motto “I’m gonna put on my iron hat / and chase Satan out the internet”. Obendrein ist sein Blog vollständig Lynx-kompatibel und besticht durch bissigen Humor, wie etwa im Beitrag über das Femcamp.

www.baeck.at


Zwergenprinzessin

Sarah hat eine meiner Vorlesungen an der FH Eisenstadt besucht, dadurch bin ich auf ihren sehr sympathischen Kochblog aufmerksam geworden. Sie koche “ohne Grundlagen”, sagt sie von sich selbst, dabei können ihre Repezte mehr als die von so manchem Profikoch. Die Auswahl ist riesengroß, stellvertretend sei hier das Argentinische Steak mit Granatapfel-Chili-Sauce in höchsten Tönen gelobt.

www.zwergenprinzessin.com


Moment in a Jelly Jar

Noch ein grandioses Kochblog: Conny kenne ich ebenfalls durch die FH, und zwar durch die in Kufstein. Der Schwerpunkt der “Marmeladenglas-Momente” liegt auf Süßspeisen und Desserts. Die begeisterten, detaillierten Anleitungen und die herrlichen Anleitungen machen einem den Mund wässrig. So gern hätt ich jetzt ein Oreo-Schokotartelette mit Kirschen!

www.inajellyjar.com


Henriette Zirl – [Der:Die:Das] Blog

Henriette Zirl ist professionelle Texterin und kennt sich ausgesprochen gut mit digitalen Medien aus. In einer G+ Gruppe bin ich vor kurzem auf verschlungenen Wegen zu ihrem Blog gekommen. Schreibstile sind ja immer Geschmackssache – meinen trifft sie mit ihren elegant und originell formulierten Texten jedenfalls zu hundert Prozent. Mir hat bisher jeder Beitrag gefallen, so auch dieser über Foursquare und Swarm.

derdiedasblog.com


Andreas Ostheimer

Andreas ist Geschäftsführer einer niederösterreichischen Online Agentur und gibt auf seinem Blog praxisnahe, hervorragend recherchierte Tipps. Für mich eines der besten deutschsprachigen Online Marketing Blogs – dass Meister Ostheimer eine Menge von seinem Business versteht, zeigt sich an jedem einzelnen Beitrag. Stellvertretend sei hier auf Linkbuilding ist tot, lang lebe Traffic! verwiesen.

www.ostheimer.at/blog/


Dominik Leitner – Neon|Wilderness

Man weiß nie, welche Text am Blog von Wortarchitekt Dominik darauf warten, bestaunt zu werden. Ob Dominiks eigene Reflexionen und literarische Text oder Gastbeiträge, Dominiks Art zu erzählen hat was Meditatives. Und die seiner Gäste auch, wie etwa im Beitrag Was vom Tage übrig blieb von Rainer Kienböck.

neonwilderness.net


Werner Reiter – werquer

www.werquer.com/blog/

Werner ist Kommunikationsprofi, Querdenker und Mitdenker. Auf seinem Fotolastigen Blog schreibt er über Kultur, Medien, Politik und Technologie – und postet regelmäßig sehr gelungene Makro-Aufnahmen mit Ameisen-Schwerpunkt. Ganz aktuell: Wernes Bilder zur #pizzableibt Räumungsaktion.


Tom Lutz

tomlutz.wordpress.com

Tom Lutz ist Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich und hat als langjähriger Blogger ein ausgeprägtes Gespür für spannende Themen. Er liefert regelmäßig brandaktuelle Hintergrundinfos und manchmal auch Skurriles wie das Aufladen eines Lumia Smartphones mit Obst und Gemüse.


BONUSBLOG: Kollermedia – Jürgen Koller

Der Initiator des Blogger-Kommentiertags 2014 darf in dieser Liste nicht fehlen: ein großes Dankeschön an Jürgen für diese tolle Idee! Auf Kollermedia gibt’s Technologie- und Best Practice Anleitungen, Persönliches veröffentlicht der Autor auf HalloLeben.at. Sehr gelungen: Jürgens Sommerplanung 2014.

www.kollermedia.at


Netzsperren umgehen: Wie Sie Pirate Bay und Kinox.to in Österreich weiterhin nutzen können

Ab heute sollen die größten österreichischen Internet-Provider für sämtliche Kunden den Zugang zu einigen der populären Webseiten sperren, darunter Kinox.to, Movie4k und Piratbay.se. Auf Antrag dees Vereins für Antipiraterie wird also heute die Netzneutralität in Österreich aufgehoben. Doch keine Sorge: die betreffenden Sperren lassen sich je nach technischer Umsetzung super-einfach oder recht simpel umgehen. Die Anleitung und die technischen Hintergründe beschreibe ich in diesem Beitrag.

UPDATE: Nach gestrigen Gesprächen zwischen ISPA und VAP wurde die Frist nun um 14 Tage verlängert.

Unsere boboesquen Neo-Grünen Kleinparteien machen sich zwar auf Podiumsdiskussionen stark für die Verteidigung von Netzneutralität. Im echten Gesetzesleben siegen dann aber doch die alten Herren, und deshalb werden ab heute Kinox.to, Movie4k und Pirate Bay für den Großteil der österreichischen Bevölkerung nicht mehr erreichbar sein. Dem Verein für Antipiraterie (nicht zum verwechseln mit dem Club gegen Piraterie!) ist nämlich gelungen, was jahrelang verhindert werden konnte: wegen einiger ausgewählter “Urheberrechtsverletzungen” (wie ich dieses Unwort nicht mehr hören kann!) zwangen Sie die großen österreichischen Provider erfolgreich zum Blockieren der betroffenen Seiten. Der Standard schreibt dazu:

Neben PirateBay.se sollen auch Kinox.to und Movie4k blockiert werden. Die Seiten könnten ab Freitag auf regulärem Weg für Nutzer von Internetprovidern wie A1, “3”, T-Mobile oder UPC nicht mehr erreicht werden. Rechtlich gedeckt ist die Aufforderung durch einen Entscheid des Obersten Gerichtshofs. Das Höchstgericht hatte vergangene Woche festgestellt, dass sogenannte Netzsperren legitim sind, insofern als auf den blockierten Portalen Urheberrechtsverletzungen stattfinden.

Die Provider selbst sind naturgemäß nicht besonders glücklich über die Entscheidung. Maximilian Schubert, Generalsekretär der ISPA, und Helmut Spudich, Ex-Standard Journalist und nunmehriger T-Mobile Pressesprecher, fühlen sich erstmal technisch überfordert:

Das sind naive Vorstellungen, wie Sperren im Netz funktionieren”, meint Spudich. “Da reicht es nicht, an einer Stelle etwas einzutippen und schon funktioniert es.” Zudem sei derzeit noch gar keine Sperrinfrastruktur vorhanden. “Diese in so kurzer Zeit, bis Freitag, zu implentieren, halten wir für schwer möglich”, so Schubert.

Der gemeine Blogger wundert sich. Bei Kinderporno-Seiten funktionieren Sperren nämlich genau so: einfach etwas eintippen und schon ist die Seite weg. Simsalabim! Oder hat T-Mobile mittlerweile völlig die Kontrolle über die eigenen Gateways verloren?

Netzneutralität, Netzsperren und die Rechts-Abwägung

Das Problematische an Sperrinfrastrukturen ist ja grundsätzlich: sind sie erst mal da, wecken sie bei zahlreichen Interessensgruppen Begehrlichkeiten. Denn mit Abmahnung kann man in Österreich nicht gegen Streamer vorgehen, also muss die Sperrkeule her. Ich bin gespannt, wann die Kopierschützer einen Sperraufforderung für Youtube verschicken… Denn:

Interessant ist auch, dass sich die Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay von den anderen beiden “strukturell rechtswidrigen Webseiten” unterscheidet, die von der Sperraufforderung betroffen sind. Es ist daher fraglich, ob eine Sperraufforderung in diesem Fall gerechtfertigt ist. “Bei Pirate Bay sind auch legale Inhalte drauf”, so Schubert.

Jede Menge legaler Inhalte: Compilations von Büchern mit abgelaufenem Urheberrecht, Veröffentlichungen von Netlabels, Open Source Software und vieles mehr. Denn wer aus Spaß an der Freude produziert, wird in der Regel kein Geld in teure Vertriebstechnologien stecken. Gerade für No-Budget Produktionen im Videobereich hat sich das Torrent-Protokoll als genialer Vertriebskanal bewiesen, und PirateBay ist eines der populärste Torrent-Portale. Diese Seiten bieten nicht die eigentlichen Dateien zu Inhalt an, sondern klitzekleine .torrent-Files, die man mit einem speziellen Client (zum Beispiel uTorrent) öffnet. Der liest aus diesen “Download-Bookmarks” die notwendigen Informationen aus und lädt die betreffenden Dateien dann verteilt von verschiedenen, am Torrent-Netzwerk teilnehmenden Rechnern, herunter.

Kurz gesagt: das Bittorrent-Protokoll spart für Anbieter Server- und Traffic-Kosten und erlaubt dem Nutzer blitzschnelle Downloads. Wir sprechen hier in erster Linie von einer technischen Infrastruktur, nicht von einem dedizierten Piraten-Werkzeug. Wahr ist, dass dieses Torrent-Protokoll vielfach genutzt wird, um urheberrechtlich geschütztes Material im Netz zu verbreiten. Aber eben keineswegs ausschließlich.

Ein umfassendes Portal aufgrund einzelner Dateien mit Bausch und Bogen für ein ganzes Land zu sperren, ist übertrieben und zeigt in erster Linie, dass die Urheberrechts-Industrie in Österreich über eine schlagkräftigere Lobby verfügt als Netzpolitiker.

Es gäbe auch sonst noch viel zu sagen zu respektive gegen Netzsperren, aber da sie nun mal da sind, wollen wir frohen Mutes in die Zukunft blicken und uns die Frage stellen: Wie können wir die Netzsperren umgehen, um weiterhin unsere geliebten, legalen Public Domain Torrents von PirateBay runter zu laden? VPN respektive alternativer DNS-Server lauten die zwei Zauberwörter.

Die neuen Netzsperren elegant umgehen und weiter Piratebay nutzen

Den Providern bleibt selbst überlassen, wie sie die Sperrung technisch umsetzen. Zwei Methoden kommen in Frage: DNS-Sperren oder IP-Blockaden. Selbstverständlich sind diese Anleitungen keine Aufforderung zur Begehung von Urheberrechtsverletzungen – wir achten stets darauf, nur copyright-freie Inhalte zu konsumieren.

Im ersten und einfacher zum umgehenden Fall wird die IP-Adresse nicht mehr aufgelöst. Jeder Webserver ist für Ihren Browser nämlich über eine 12stellige, aus vier Dreiergruppen bestehende Zahl erreichbar. Domains gibt’s bloß deshalb, weil wir Menschen uns die nun mal leichter merken als lange Zahlekolonnen. Im Hintergrund fragt der eigene Browser bei jeder Adressangabe beim DNS-Server des Providers nach, welche IP-Adresse zur angeforderten Domain gehört.

datenschmutz beispielsweise hat die IP-Adresse 188.40.54.132. Wenn Sie diese in der Adressezeile des Browser eingeben, kommen Sie genauso zur Startseite wie bei der Eingabe der Domain blog.datenschmutz.net. (Dass die IP-Adresse hier zur Domain umspringt hat mir Rewrite-Regeln und Cannonical URLs zu tun, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.)

Eine DNS-Sperre bewirkt, dass gesperrte Adresse vom DNS-Server nicht mehr “aufgelöst” werden, dieser also keine zugehörige IP zurückliefert – und damit ist die Seite nicht mehr erreichbar. Wer bisher aufmerksam mitgelesen hat, dem dürfte jetzt klar sein: um diese Sperre zu umgehen, reicht es, die IP-Adresse der jeweiligen Seite zu kennen und direkt einzutippen.

Herausfinden lässt sich diese ganz einfach mit einem simplen Ping-Befehl. Linux-User wissen sowieso, wie das geht, Apple wird hier nicht supportet (Mac-freie Zone! *g*) und für Windows-Nutzer eine kleine Schritt-für-Schritt Anleitung. Den Ping-Befehl liefert nämlich jede Windows-Edition mit. Man muss sich lediglich für ein paar kurze Momente auf die längst entschwunden geglaubte Kommandozeile begeben. Und zwar so:

  1. Klicken Sie auf Start -> ausführen/run und geben Sie (ohne die Anführungszeichen!) “cmd” ein und drücken anschließend die Enter-Taste.
  2. Daraufhin öffnet sich ein DOS-Fenster. Hier tippen Sie (natürlich wieder ohne Anführungszeichen) “ping www.domain.com” gefolgt von der Eingabex-Taste ein.
  3. Als Resultat erhalten Sie eine mehrzeile Ausgabe. Die Zahl nach “Reply from” ist die IP-Adresse der jeweiligen Seite:

Netzsperren Umgehen

Das Fenster können Sie anschließend wieder schließen – Profis tippen dazu “exit” ein und drücken Enter. IP-Adressen können sich natürlich ändern, derzeit schaut’s so aus:

  • PirateBay.se: 194.71.107.15
  • Kinox.to: 91.202.62.170
  • Movie4k.to: 91.202.63.160

Noch bequemer ist nur die Umstellung des DNS-Servers: nutzt man statt der Infrastruktur des Providers einen anderen öffentlichene DNS-Server, beispielsweise den von Google. Dann greift die DNS-basierte Netzsperre ebenfalls nicht und man kann die Domains ganz normal eingeben. Die Umstellung erfolgt entweder direkt im Router – dort trägt man als primären DNS-Server 8.8.8.8 und als sekundären 8.8.4.4 ein, anstatt die Einstellungen vom Provider automatisch zu beziehen. Am Rechner direkt funktioniert’s auch, eine Anleitung für Windows 7 hat die PC Welt.

Wie umgeht man IP-Blockaden?

Ein wenig mehr Aufwand erfordert die Umgehung der zweiten Sperrmöglichkeit. Mittels IP-Blockaden können Provider nämlich ebenfalls verhindern, dass ihre Kunden auf verbotene Server zugreifen. Alternative DNS-Server oder die direkte Eingabe der IP helfen in diesem Fall nix – hier sind Proxy-Netzwerke gefragt, am besten in Kombinationmit einem Virtual Private Network. So erreicht man zweierlei: erstens werden alle Daten verschlüsselt übertragen und zweitens “sieht” der Provider nicht, auf welchen Server man zugreift, sondern kann lediglich die IP-Adresse(n) des Proxy-Netzwerks eruieren. Das gleiche gilt für den Betreiber des Servers, der die Daten bereitstellt.

Mittels solcher Proxy-Verbindungen lassen sich übrigens auch lästige länderspezifische Sperren aushebeln. Dieses Youtube-Video darf nur in den USA gezeigt werden? Kein Problem, schließlich existieren gut gepflegte Listen solcher Proxies. Eine leicht verständliche Anleitung gibt’s am Coder Blog.

Knackpunkt an der Sache: auf längere Sicht handelt es sich um eine Kopf-an-Kopf rennen, denn VPN-Anbieter verfügen zwar über umfangreiche eigene Proxy-Netzwerke, aber die Zahl der IP-Adressen ist limitiert. So versuchten in der Vergangenheit mehrere Anbieter, VPN-Nutzer gezielt auszusperren. Die Performance der meisten öffentlichen Proxy-Server ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, was besonders beim Videostreamen einen gravierenden Nachteil darstellt.

Der Cyberghost, den ich rief

Die technischen Grundlagen eines VPN im Detail zu erklären, würde an dieser Stelle zu weit führen. Netzwerk-Experten klicken sich ihre eigenen Lösungen aus Freeware-Komponenten zusammen. Wer nicht in die Untiefen der Netzwerk-Administration abtauchen will, kann auf spezialisierte Dienstleister zurückgreifen, die “rundum-sorglos Pakete” verkaufen – und in der Grundversion teilweise sogar gratis anbieten.

Für die Umgehung von IP-Sperren und grundlegende SSL-Verschlüsselung reicht bereits kostenlose Version von CyberGhost. Die Umgehung von Sperren ist sozusagen nur ein kleiner Zusatzbonus – es gibt viele gute Gründe, so verschlüsselt, sicher und privat wie möglich zu surfen. Ich nutze seit über einem Jahr die Pro-Variante, die neben höherer Geschwindigkeit und mehr Proxy-IP-Adressen auch starke Verschlüsselung bietet sowie Clients für Android- und iDevices. Im Preis von €50 pro Jahr ist unlimitierter Traffic enthalten, außerdem gibt’s laufend Special Angebote – aktuell etwa 12 + 12 Monate gratis. Unterstützt der eigene Router VPN-Verbindungen, kann man das ganze Heimnetz auf einen Schlag durchs VPN-Tunneln: – aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Fazit: Die österreichische Neo-Netzsperren sind also bis dato kein echtes Hindernis. Und wenn sie dazu führen, dass sich Nutzer beginnen, mit Internet-Technologien, Verschlüsselung und VPNs zu befassen, dann hat das Ende der Netzneutralität sogar ein klein wenig Gutes im Schlechten.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Bloggerin verurteilt: Negative Restaurant-Kritik auf Google weit vorne

Rechtsstreitigkeiten begleiten die Medienszene wie Stubenfliegen eine Herde Kühe. Wenn Unternehmen gegen Verlage zu Gericht ziehen, so hat das in der Regel keine finanziellen Auswirkungen auf den Schreiber des Beitrags. Bei Bloggern verhält sich die Sache naturgemäß anders. So erging es auch Caroline Doudet, Betreiberin des Kultur-/Lifestyle-Blogs Cultur’elle, die für eine negative Restaurantkritik zu einer Geldstrafe von €1.500 verurteilt wurde und obendrein noch die Gerichtskosten von €1.000 übernehmen muss. Kurios an der Sache: es kam zum Prozess, weil Caroline ihre SEO-Hausaufgaben gemacht hatte und der betreffende Beitrag in den Google-Suchergebnissen zwar nicht vor dem Eintrag der Pizzeria “Il Giardino” auftauchte, aber immerhin auf Platz 4.

Wie BBC berichtet, ordnete die Richterin nicht die Löschung des Beitrags, sondern eine Änderung der nach Meinung des Klägers geschäftsschädigenden Überschrift:

The judge decided that the blog’s title should be changed, so that the phrase: “the place to avoid” was less prominent in the results. The judge sitting in Bordeaux also pointed out that the harm to the restaurant was exacerbated by the fact that Ms Doudet’s fashion and literature blog “Cultur’elle” had around 3,000 followers, indicating she thought it was a significant number.

Caroline Doudet hat den bekrittelten Beitrag entfernt, eine Kopie finden die interessierte Netzöffentlichkeit aber weiterhin via Wayback Machine. In Berufung gehen will die Blogautorin laut eigener Aussage voraussichtlich nicht, da sie nicht nochmal solche qualvollen Wochen durchleben wolle. Ihr Kommentar zur der unerfreulichen Affäre trifft die Situation recht genau:

What is perverse, is that we look for bloggers who are influential, but only if they are nice about people.

SEO, freie Meinungsäußerung und Rufschädigung

Die Il-Giardino-Story stößt in der Blogosphäre auf reichlich Gehör und hat auch schon den Sprung über den großen Teich gemacht. Amerikanische Blogger betonen in ihren Beiträgen, dass das Urteil keinen Präzedenzfall konstituiert, denn in Mitteleuropa gilt schließlich nicht das Prinzip des “Case Law”. Man muss diese Einzelentscheidung also nicht überbewerten, dennoch wirft sie ein Schlaglicht auf ein immer evidenteres Problem: Wo verläuft die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und Rufschädigung und was für Rolle spielt dabei unser alles Lieblings-Suchmaschinen-Monopolist?

Nicht zuletzt im Licht des berüchtigten Google-muss-Vergessen-Urteils stellt sich einmal mehr die Frage, wie mit negativen Reviews umgegangen werden soll. Denn pikanterweise stand ja nicht der Inhalt des Artikels zur juristischen Diskussion, sondern die Tatsache, dass der Text so prominent in Googles Suchergebnissen auftauchte. Überspitzt formuliert ist Frau Doudet also ein Opfer des Pagerank-Algorithmus geworden.

Google stellt sich stur als die neutrale Vermittlerinstanz dar und aggregiert immer schlauer und schneller immer mehr Informationen. Der sogenannte “Knowledge Graph” sorgt dafür, dass bei passenden Suchanfragen rechts neben den Ergebnissen ein Kästchen mit Zusatzinformationen angezeigt wird, die Google aus verschiedenen Quellen aggregiert. Teils aus Wikipedia, teils auch aus hauseigenen Produkten – die in den letzten Wochen forcierte Vermählung von Google Places und Google Plus rückt Kundenreviews noch ein Stückchen näher an die Suchergebnisse. So manchem Dienstleister dürfe ganz und gar nicht gefallen, was potentielle Kunden dort zu Gesicht bekommen. Personalisierte Suche und der künftig wohl zunehmende Einfluss von Reviews auf den Google-Index verkomplizieren die Situation zusätzlich.

Dass Restaurants mit weniger als 2-Sterne-Durchschnittswertung demnächst Besuch von Testessern aus Palo Alto bekommen, ist wohl auszuschließen. Eine Einzelfall-Prüfung mit Schlichtungskommission kann man Google bei allem Misstrauen nicht zuzumuten… also werden sich SEO-Streitfälle vor Gericht in nächster Zeit vermutlich häufen.

Blogger-Relations: Grinse-August gesucht?

Für einen Mann mit einem Hammer ist jedes Problem ein Nagel. Und Kommunikationsexperten verfallen häufig dem Irrglauben, jedwedes Problem ließe sich kommunikativ lösen. Im großen Lehrbuch der Blogger Relations fände man im betreffenden Kapitel vermutlich eine Schritt-für-Schritt Anleitung von der Kontaktaufnahme über die Bitte um erneutes Testessen bis zur Klärung des “Missverständnisses”… doch nur im Märchen leben Blogger und Gretel glücklich und froh bis ans Ende des Internets.

Ein wenig Recherche zeigt rasch, dass sich hier regelmäßig der Club der unzufriedenen Gäste trifft, denn die sagenhaft niedrige Bewertung von 1.5 bei 80 Erfahrungsberichten auf Google+ spricht eine deutliche Sprache. Und dass sich die Betreiberin des Lokals mit der Klage durchwegs keinen Gefallen getan hat, demonstriert ein Blick auf die aktuellen Suchergebnisse für “il giardino cap ferret”: Wenig überraschend dominieren Berichte über das Urteil, darunter auch ein BoingBoing-Beitrag mit dem besonders schmeichelhaften Titel Is Il Giardino in Cap-Ferret the worst restaurant in France? auf Platz 3. Also Operation gelungen, Patient tot?

Letztendlich hilft nur ein einziges Mittel gegen unwahre negative Reviews: man muss an das Kritische im Surfer glauben und davon ausgehen, dass sich potentielle Kunden nicht bloß bei einer einzigen, immer subjektiven Quelle erkundigen. Wer seinen Job ordentlich macht, wird auch viel Positives Feedback bekommen und die eine oder andere Kritik nicht nur vertragen, sondern sogar als konstruktiven Input nutzen können. Sind die negativen Stimmen aber in der Überzahl, sollte man weder auf Online-Marketing-Tricks noch auf rechtliche Mittel setzen, sondern das eigene Produkt bzw. die eigenen Dienstleistung (endlich wieder) konkurrenzfähig machen.

Dass sich Blogger zukünftig noch besser überlegen müssen, wie weit sie sich mit Kritik aus dem Fenster lehnen, hinterlässt allerdings einen schalen Beigeschmack. Solange kein finanzielles Interesse dahinter steht – Stichwort “negatives Reputation-Management” – geht die freie Meinungsäußerung nun mal vor. Ohne Wenns und Abers.

Ikea will seine größten Fans aus dem Netz kicken

Ikea-Fanpages, die in den letzten Jahren unter wohlwollender Duldung des Möbelhauses große Popularität erlangten, bläst nun ein kalter Wind aus Schweden entgegen. Ikeahackers.com und Ikeafans.com durften sich in den letzten Wochen über “Cease-and-Desist” Briefe freuen, in denen das Unternehmen nicht weniger als die Übergabe der jeweiligen Domain fordert. Im ersteren Fall sahen die Anwälte nach einem lauten virtuellen Protesten vorerst mal ab, im zweiten Fall klagten die Betreiber nach ergebnislosen Verhandlungen nun erst mal selbst die Schwedentischler.

Über die rechtlichten Implikationen solcher Brand vs. Fans Schlachten können bloß Juristen urteilen, ich finde die Causa so spannend, weil sie paradigmatisch eines der großen Konfliktfelder des modernen Marketings aufzeigt. Social Media Kommunikation ist längst in Unternehmen angekommen – auch wenn der Marketingchef selbst vielleicht nicht im Detail weiß, wie man Facebook-Ads schaltet, hat er inzwischen entweder eine Social Media Managerin in der Abteilung sitzen oder die Facebook- und Twitter-Aktivitäten des Unternehmens an spezialisierte Dienstleister ausgelagert. Die richtigen Probleme beginnen kurioserweise aber erst dort, wo sich dieser gebetsmühlenartig beschworene Dialogeffekt dann tatsächlich einstellt. Die Paradoxie muss man sich mal vorstellen: da bemüht man sich redlich, Opinion Leader zu “Markenbotschaftern” zu konvertieren. Und kaum glückt mal so ein Glaubensübertritt, stellt man entsetzt fest: der Botschafter macht mit unserer Marke ja, was er will! Und weil er nicht auf unserer Payroll steht, haben wir auch kein Druckmittel gegen ihn – außer die gute alte Rechtsabteilung.

Der Otaku, sein Seth Godin und Ikeas gelb-blaue Riesenwelt

Wenn Unternehmen unter teils heftigem Ressourceneinsatz versuchen, die eigene Kundenschar in die Produktentwicklung mit einzubeziehen, so spricht der Fachmann von Cocreation – die Fortführung des Crowdsourcing mit strukturierterem Mittel soll die Entwicklungsabteilung näher an die Bedürfnisse der Kunden heranführen, Ideen sammeln und letztendlich brauchbare Vorschläge in Produkte und Dienstleistungen überführen.

Als größter “Selbstbau-Möbel” Hersteller der Welt findet sich Ikea in einer Situation, die andere Marketer wohl als den Idealfall ansehen würden: rund um die Produkte des schwedischen Konzerns entstanden etliche Do-it-Yourself (DIY) Communities, die aufzeigen, was man mit den vorkonfektionierten Teil abseits ihres geplanten Verwendungszweckes so alles anstellen kann. Wie Seth Godin nicht müde wird zu betonen, leben wir in einer Zeit des Überangebots, in der es immer schwieriger wird, aus der Masse an Konkurrenten herauszustechen. Ein unverzichtbarer Bestandteil im modernen Marketing-Mix sind daher jene “Hi-Potentials”, die der Japaner als Otakus bezeichnet. Hardcore Fans, die beispielsweise hundert Kilometer weit reisen, nur um eine neue Chilisauce auszuprobieren.

Lauter Freaks, die häufig auch noch Weblogs betreiben und von der Selbstzerfleischung klassischer Medien profitieren: denn ihnen glauben ihre Leser viel eher, dass der neue Lippenstick von Giorgio Whoever 30% grüner trotz Rotstich ist. Eher zumindest als dem Lifestyle-Magazin, das gleich neben der linksseitigen Lobeshymne die passende Ganzseiten-Anzeige mit Lippenstiftprobe präsentiert. Manche von ihne sind vielleicht genauso käuflich wie die meisten Redaktionen, aber im Gegensatz zum Journalisten, dessen Job im wesentlichen darin besteht, die lästigen Leerräume zwischen den Anzeigen mit Content zuzuschaufeln, lieben sie überdurchschnittlich häufig die Dinge, über die sie schreiben. Sie beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit Handys, Alben und eben auch Möbeln. Wer sonst erklärt meinen Kumpel Pete, wie er am einfachsten die neuen Billy-Türen ans alte Billy-Regal montiert?

Wenn die Schwedenbombe einschlägt

Das Verhältnis zwischen den Produzenten beliebter Produkte und deren motiviertesten Kunden ist spätestens seit Beginn des Internets ein angespanntes. Zwar hat sich mittlerweile selbst in den Rechtsabteilungen herumgesprochen, dass Zweckentfremdung, Reverse Engineering und DIY-Umdeutung der eigenen Produkte eher in die Kategorie “Hardcore-Fantum” als Produktpiraterie fallen. Doch in unserer digitalen oder zumindest augmentierten Produktwelt spielen Zugangsbeschränkungen eine ökonomische (und immer stärker auch eine überwachungstechnische) Schlüsselrolle.

Dass Handys sich nicht ohne weiteres von ihrer Betreibersperre befreien lassen, dass die Apfelmännchen aus Cupertino Bild und Ton in notorisch neurotische Zwangsjacken wie iTunes quetschen, hat erstmal ganz handfeste ökonomische Gründe. Auf der anderen Seite des Flusses winkt jedoch die Open Source Fee mit allerlei sexy Versprechungen von freier Produktnutzung, offenen Schnittstellen und gewünschter, dezentralisierter Weiterentwicklung. Die zentrale Frage, die sich Unternehmen stellen müssen, lautet: wieviel Kontrolle wollen und können wir abgeben? Mirko Tobias Schäfer, Assistant Professor an der Universität Utrecht, hat darauf eine eindeutige Antwort:

Whatever it is, IKEA is poorly advised in bullying their fans. I have written a book it. In Bastard Culture!: How User Participation Transforms Cultural Production (MediaMatters), I explain at length that users constitute an extension of a companies production. They actively become co-producers of corporate products and services. Whether the companies like or not, their users form an extended research and development department that works better than any marketing driven corporate research facility.

Mirko erinnert in seinem dringend empfohlenen Artikel an eine frühere Begebenheit: Sony handelte sich mit dem Versuch, die Fanpage Aibopet zum 1999 auf den Markt gebrachten Robot-Hund Aibo zu schließen, einen der ersten Shitstorms überhaupt ein. Damals lautete der Vorwurf offiziell “Reverse Engineering”, das nach dem Digitial Millenium Copyright Act verboten sei. Heute geht es Ikea vordergründig um die Markenrechte – eine juristisch vermutlich relativ leicht durchsetzbare Forderung, zumal beide fraglichen Webseiten “Ikea” als Namensbestandteil enthalten.

Verwechslungsgefahr besteht wohl kaum, außerdem scheint dem Management die Glätte des Terrains durchaus bewusst zu sein. SFGate zitiert ein Statement IKEAs an Yahoo News nach beginnenden Protesten:

It has of course never been our ambition to stop their webpage. On the contrary, we very much appreciate the interest in our products and the fact that there are people around the world that love our products as much as we do. We are now evaluating the situation, with the intention to try to find a solution that is good for all involved.

IKEA, mit seinen Kunden sonst gern per du, scheint in einer Zwickmühle zu stecken. Will man einen Shitstorm riskieren und das Image eines Möbelhauses für Selbstbauer mit radikalem Vorgehen gehen “erweiterte” Selberbauer beschädigen? Da schiene es doch vernünftiger, die Selbstbau-Communities zumindest unbehelligt weiterwerkeln zu lassen. Ungewöhnlich gut informierte Greise sehen hinter dem plötzlichen Schwenk allerdings einen ganz anderen Grund: Kürzlich lancierte IKDA nämlich den Share Space. Der hat zwar bei genauerem Hinsehen wenig mit den Fan-Communities gemeinsam, denn hier zeigen zufriedene Kunden einfach bloß Fotos ihrer Ikea-Produkte in persönlichem Kontext und sachgemäßer Verwendung her.

Falls IKEA allerdings ernsthaft auf die Cocreation-Schiene setzen will, wäre das Abdrehen der populärsten Fan-Communities ein ausgesprochen kontraproduktiver Schritt. Klar kann jeder sowas selbst nachprogrammieren, aber was zählt, ist die Community. Und da die Schweden schließlich nicht an Page-Impressions und Werbeschaltungen, sondern an Möbel- und Haushaltsartikel-Verkäufen verdienen, wäre eine kooperative Strategie mit Sicherheit die bessere Wahl.

Der Bundes Rock’n’Roller Andreas Gabalier, seine Volkshymne und eine exklusive Umfrage

Eines muss man Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier lassen: er spielt auf der Klaviatur der österreichischen Mainstream-Medien eleganter als Peter Rapp am Glücksrad dreht. Ein wahrhaft würdiger Auftakt fürs Sommerloch mit musikalischer Begleitung. Ob Didi Mateschitz mit so viel Aufmerksamkeit für die Bundeshymne alter Schule beim Grandprix von Spielberg gerechnet hätte? Was soll die Politik nun tun? Wie denken Herr und Frau Österreicher tatsächlich über den Text der Bundeshymne? Diese Frage steht gar nicht mehr im Zentrum der nun erneut entflammten Diskussion. Spätestens seit die Kronenzeitung in der Sonntagsausgabe die Trommel gegen Binnen-Iinnen und pro lesbarer Sprache zu rühren begannt, steht fest: bis wieder wichtigere Themen auf der Agenda stehen, schlägt der Anti-Feminismus hart zurück.

Bereits 747 Personen (wahrscheinlich kein Boeing-Product-Placement) hatten noch vor Drucklegung einen offenen Brief an BM Gabriele Heinisch-Hosek unterzeichnet, 420 davon weiblich und wohl alle keine glühenden Fans von Maria Rauch-Kallats letzter politischer Nacht-und-Nebel Ruhmestat. Darin fordern fünf Gelehrte, darunter drei Universitätsprofessoren, ein Professor und Autor sowie eine Doktorin vehement die Rückkehr zu verständigungsorientierter Sprachen und Erleichterung des sinnerfassenden Lesens, also kurz gesagt die Streichungen von Binnen-I, Schrägstrich im Wortinneren (Briefschreiber/-innen), Klammern (Klammer(innen)) und hochgestelltes a bzw. in nach Titeln (KomRin). Nicht nur, aber vor allem in offiziellen Dokumenten.

Und recht haben sie. Für mich persönlich habe ich die Hänsel-Gretchen-Frage hier am Blog vor 6 Jahren thematisiert und mich anschließend gegens Splitting entschieden. Stattdessen verwende ich in direkter Ansprache immer gern beide Formen. Denn, werte Leserinnen und hochgeschätzte Leser, soviel Zeit muss sein, solange die Lesbarkeit eines Textes nicht darunter leidet. Dass die Befürworter der feigenblättrigen politischen Korrektheit zwar in den letzten Jahren mit lauter Stimme gerufen haben, aber damit bloß die Mehrweit der Bevölkerung übertönten, zeigen die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit überdeutlich.

Exklusive Umfrage: Gabalier und die Kufsteiner

Die Wissenschaft eilt einmal mehr beweisend zu Hilfe, und zwar in Form einer brankaktuellen, wissenschaftlichen Studie über Andreas Gabalier, durchgeführt von Dr. Astrid Pettauer am vorvergangenen Wochenende während des Kufsteiner Stadtfestes im Rahmem einer FH-Lehrveranstaltung. Inspiriert von der Diskussion zwischen der ehemaligen Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und Herrn Andreas Gabalier am 26. Juni in der ZIB2 gingen meine Gattin und ihre Studentinnen und Studenten der Frage nach: sind wirklich 95% der österreichischen Bevölkerung für den alten Text der Bundeshymne? Oder doch nur 92%?

Die Samplegröße der Untersuchung, die in der Fachliteratur gemeinhin als “KuGaStu” (Kufsteiner-Gabalier-Studie) bezeichnet wird, beträgt 127 Personen, darunter 70 männliche und 57 weibliche Untersuchungssubjekte gemischten Alters. 14,3% gehen die Töchter und Sohne am Andreas Hofer vorbei, 23,8 Prozent sind für und 61,9 Prozent der befragten gegen den neuen Text.

  • Studie:

    Alle Ergebnisse mit Infografiken und Making of.

Darf man denn in einer Demokratie gegen die Mehrheitsmeinung entscheiden? Selbstverständlich! Oft muss man sogar – nämlich dann, wenn’s um das Gemeinwohl geht. Selbst wenn 99% der Österreicher eine Senkung der Mehrwertssteuer von 20 auf 2 Prozent befürworteten, könnte keine verantwortungsvolle Regierung willentlich den Statt in den Bankrott laufen lassen. (Bei unserer aktuellen in ich mir da gar nicht mal so sicher.)

Aber wie sieht es mit einem vergleichsweise harmloseren Thema wie dem Text der Bundshymne aus? Immerhin sollen solche glorifizierenden Gesänge, deren Daseinsberechtigung aus dem Geiste unserer übrigens auch gänzlich angezweifelt werden könnte, primär eine Identifikationsfunktion erfüllen. Oder, anders gefragt: Wenn Österreich seit Conchitas triumphalem Songcontest-Sieg so stolz auf sein superliberales Image ist, warum singen wir dann nicht gleich “Heimat bärtiger TransvestitInnen”? Man könnte ja auch mit Humor an diese nun wahrlich nicht weltbewegende Staatsaffäre herangehen.

Andreas Gabalier und die Bundeshymne

Aber zurück zur Untersuchung: Das Kufsteiner Stadtfest hat gesprochen! Der Volks Rockn’n’Roller weiß also auch in Westösterreich die Bevölkerungsmehrheit auf seiner Seite – und hält sich weiter im Gespräch. Einen Tag vor Sonntagskrone mit einem offenen Brief auf Facebook (Im Sommerloch fliegen offene Briefe anscheinend tiefer als Hitchcocks Vögel!):

Ich habe mich für eine große, verstorbene Dichterin und deren lirearisches Werk stark gemacht! [...] Der Gesetzesbeschluss von 2012 bzgl. der Textänderung der Originalfassung unserer Bundeshymne ist mehr als fragwürdig, da der Gesetzgeber zum einen dem Urhebergesetz anscheinend nicht Folge zu leisten hat, und es zum anderen laut diesem Beschluss ausschließlich der Republik Österreich gestattet wurde, den “Neuen Text” auf Veranstaltungen der Republik Österreich zu singen!

Meine minimale juristische Bildung elaubt leider keine Prüfung dieser Behauptung. Ein paar Beistrich- und Flüchtigkeitsfehler (suchen zwecklos, ich hab sie im Zitat ausgebessert) stützen jedoch entweder die These, dass Andreas Gabalier ohne professionelle Kommunikationsmaschine ganz frei von der Leber weg losgeschrieben hat, oder aber jene, dass besagt PR-Maschinerie metamäßig-elaboriert besagte Vertipper extra eingebaut hat, der höheren Authentizität wegen. In beiden Fällen: Hut ab! Humor haben er und/oder seine PR-Maschinerie jedenfalls, dass muss man ihm/ihr lassen:

RedakteurInnen, die meine Wertschätzung gegenüber unseren Frauen aufgrund eines kabarettistisch gemeinten Liedertextes wie Sweet little Rehlein [...] in Frage stellen, kann ich bei Gott keine Aufmerksamkeit schenken, weil sie damit allen Ernstes Wildtiere mit Frauen vergleichen!

Wenn das keine Bonusaufgabe für die Zentral-Matura (österreichisch für Abitur) 2015 ist, dann weiß ich auch nicht: Bilde einen sinnvollen Satz, der die Wörter “Wertschätzung, Frauen, Gott und Wildtiere” enthält!” Als erfahrener Entertainer weiß Gabalier natürlich um die Ähnlichkeiten von Konzert- und Briefdramaturgien: absurde Komik gegen Ende schadt nie:

Zeitgemäß sollten wir und vielleicht auch überlegen, den Stephansdom in Wien in den Stephaniendom umzutaufen, Mozart auf seinen Bildern die Haare zu schneiden, weil seine Frisur veraltet ist und dem Lindwurm in Klagenfurt Brüste umzuhängen, weil unsere Geschichte nicht mehr in diesen verkrampften Gender-Wahnsinn hineinpasst!

Chapeau! Streng genommen ist der Begriff “Volks-Rock’n’Roller” ja ein Widerspruch in sich selbst. Wie Business-Punk oder Bergbauern-Industrieller. Kein Wunder also, dass sich diese Ein-Mann-Musikrichtung nicht unter den 12 in der Wikipedia gelisteten Subgenres findet, denn:

Rock’n’Roll (kurz für Rock and Roll) ist ein nicht klar umrissener Begriff für eine US-amerikanische Musikrichtung der 1950er- und frühen 1960er-Jahre und das damit verbundene Lebensgefühl einer Jugend-Protestkultur.

Andreas Gabalier dagegen steht für den Beweis, dass harte Arbeit und sorgsames Studium der Mechanismen von Popkultur und -konsumation ein Ergebnis zeitigen können, dessen Konsenspotential alt und jung jubelnd zu Konzerten und zum Plattenhändler eilen lässt. Was ihn zu einer Art musikalisch nachhaltigerer Conchita Wurst mit weniger Konfliktpotential macht. Machen täte. Potentiell.


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Vom Protest der Minderheit, so zeigt die Umfrage jedenfalls klar, kann keine Rede sein: der Volks Rock’n’Roller schaut dem Volk eben aufs Maul und wird laut eigener Aussage auch weiterhin “das Gesetz brechen”. Eine Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr bzw. maximal 360 Tagessätze hätte er übrigens nur dann zu befürchten, wenn ein Richter entscheidet, dass es sich um Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole handelt:

(1) Wer auf eine Art, daß die Tat einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird, in gehässiger Weise die Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer beschimpft oder verächtlich macht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr zu bestrafen.

(2) Wer in der im Abs. 1 bezeichneten Art in gehässiger Weise eine aus einem öffentlichen Anlaß oder bei einer allgemein zugänglichen Veranstaltung gezeigte Fahne der Republik Österreich oder eines ihrer Bundesländer, ein von einer österreichischen Behörde angebrachtes Hoheitszeichen, die Bundeshymne oder eine Landeshymne beschimpft, verächtlich macht oder sonst herabwürdigt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen. (StF: BGBl. Nr. 60/1974)

Dass es Andreas Gabalier nicht um Verunglimpfung der Republik ging, steht wohl außer Zweifel. Dass er nebenbei auch noch eine Diskussion losgetreten hat, die eine nette Fußnote in der endlosen Geschichte “Rot-weiß-Rote Politiker regieren am Volk vorbei” bildet, verleitet mich zu einem zufrieden-boshaften Grinser. Das Sommerloch musste sich schon mit faderen Themen füllen lassen, und im übrigen gilt wie immer: Winter is coming.

Fotos: Andreas Gabalier Pressefotos

Blogger Relations, native Advertising und unmoralische Werbeangebote

Die Online Marketing Agenturen sind los und unmoralische Angebote an Bloggerinnen und Bloggern mehren sich. Die Empfänger der Botschaft bilden ein inhomogenes Völklein: nicht wenige sind, was bezahlte Werbung betrifft, auf beiden Ohren blind, wieder andere verkaufen für ein Probedöslein Koffein-Limo ihre wp-config Datei an den erstbesten, der sie haben will. Und eine immer größer werdende Gruppe beschäftigt sich mit der Frage, wie ethische Werbung auf Blogs so funktioniert, dass Advertiser, Blogger und Leser glücklich und zufrieden den mentalen Like-Button betätigen. Über diese Fragen ist viel geschrieben worden, aus berufenem wie unkundigem Munde. Ich möchte in diesem Beitrag daher auf die Frage eingehen, welche Überlegungen Blogbetreiber aus Bloggersicht relevant sind und worauf man achten sollte am schmalen Grat zwischen Posting-Hurerei und Gewinnmaximierung.

Native gekennzeichnetes Advertising

Mit nur etwas mehr als 10 Jahren Verspätung wendet sich in der aktuellen Ausgabe das österreichische Wochenmagazin profil der Thematik des bestechlichen Bloggers zu und lässt gestehen:

Oft seien auch durchaus “sogenannte Qualitätsmedien” nicht von Schleichwerbung befreit, erklärt die Präsidentin des österreichischen Presserates, Astrid Zimmermann: “Und durch die angespannte wirtschaftliche Lage wird sich das in Zukunft noch verschlechtern, fürchte ich.”

Wie es im Übrigen um die Recherchefähigkeit und “Objektivität” der redaktionellen Profis bestellt ist, mag jeder selbst beurteilen, der einen Blick auf die Gegendarstellung der im besagten Artikel zitierten finespitz wirft.

Wenngleich Verlage immer härter ums Überleben kämpfen, Lektorate einsparen und Redaktionen verkleinern müssen, so sollte sich doch die wirtschaftliche Lage für Blogger gravierend verbessern, urteilt man nach der Quantität einschlägiger Anfragen. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich manche dann allerdings als lachhaft und keiner Antwort wert.

Werben auf Blogs

Nein, ich werde hier keine englischsprache Content-Sondermüll-Deponie eröffnen!

Doch bevor ich schonungslos offenlege, wie ich über das Thema datenschmutz + Werbung denke, möchte ich auf drei lesenswerte verweisen:

Iwonas goldenen Regeln für Unternehmen und Agenturen, die mit Bloggern zusammenarbeiten wollen, kann ich voll und ganz unterschreiben. Ein Blick auf Bloggerverarsche 2.0 könnte so viele Missverständnisse vermeiden helfen…

Michi Hafner weist in seinem Beitrag auf den essentiellen Punkt hin, dass ein Medium allein niemals Objektivität garantieren kann – Medienpluralität lautet das Zauberwort.

Die Riesenmaschine begann wohl als eines der ersten deutschsprachigen Blogs, Native Advertising, also gekennzeichnete, bezahlte Blogbeiträge zu verkaufen, und das recht erfolgreich. Dass Mitbetreiber Sascha Lobo dieser Werbeform dennoch nach wie vor kritisch gegenüber steht und Qualitätsmedien Selbstdisziplin empfiehlt, zeigt die schizophrene Grundhaltung von uns Bloggern gegenüber Werbung.

In einem Punkt sind uns klassische Medienmacher nämlich weit überlegen: Die reden nicht so freizügig über das, was im Hintergrund passiert. Die reflektieren auch in Branchenmedien äußerst ungern bis gar nicht das weitreichende Beziehungsgeflecht zwischen Werbekunde und Redaktion, das in immer mehr Fällen zu einer 100%igen Korrelation der Werbeschaltungen mit den redaktionellen Testergebnissen führt. Wie er mit dem Thema bezahlte Werbung umgeht, muss letztlich jeder Blogger und jede Bloggerin für sich selbst entscheiden. Ich plädiere für Transparenz und Offenheit gegenüber lukrativen Werbeformaten. Bevor ich dazu ins Detail gehe, muss ich einen kleinen historischen Exkurs vorschalten.

Zur Frühgeschichte des bezahlten Blogpostings

Die Geschichte der bezahlten Blogbeiträge beginnt lange, bevor es Blogs gab. SEO-Experten erkannten Mitte der 90er rasch, dass mit ein paar gekauften/gemieteten Links sich das eigene Ranking rasch und zuverlässig verbessern ließ – der Linkhandel war geboren. Da Google eine monetär verzerrte Beeinflussung der heiligen Pagerank-Kuh von Beginn an strikt vermeiden wollte, wurden bezahlte Links bereits in der Frühgeschichte des Web von Google “verboten”. Für Werbelinks war fürderhin das Attribut “nofollow” da, das dem Google-Bot mitteilt, er möge den betreffenden Backlink nicht in die Bewertung der Zielseite einfließen lassen.

Selbstverständlich blühte der Below-the-Line-Handel mit Paid Links. Legendär etwa ist die Geschichte jenes Sysadmin einer bekannten britischen Universität, der jahrelang mit vermieteten Links im Footer der populären .edu Domain sein Gehalt verfünffachte, bis man ihm auf die Schliche kam. Damals gab es nur Bannerwerbung in verschiedensten Formen und eben jenen Graubereich der Linkmärkte.

Mit der zunehmenden Popularität von Blogs Ende ab 2000 etablierten sich etliche Marktplätze, bei denen Kunden Kampagnen in Auftrag geben konnte. Dem Plattformbetreiber oblag Auswahl und Briefing geeigneter Blogger, bezahlt wurde je nach Popularität der Seite. Ich hab mir seinerzeit mit dem Schweizer Pionier trigami zwei nette Sommerurlaube verdient, Hallimash betreibt dieses Geschäftsmodell nach wie vor recht erfolgreich. Essentiell für meine Teilnahme an derleit lukrativen Einnahmequellen war die völlig Transparenz: die betreffenden Agenturbeiträge mussten deutlich als solche gekennzeichnet werden und alle Links mit “nofollow” versehen sein. Ansonsten hätte man als teilnehmender Blogger den Rausschmiss aus dem Google-Index riskiert: ein Szenario, das in Vor-Social Media Zeiten einer Verbannung in die Besucherwüste gleichkam.

Blogwerbung: SEO Agentur oder Online Werbung?

Seither hat die Blogosphäre einige Aufs und Abs erlebt. Mit Facebook und Twitter traten Weblogs in den letzten Jahren stark in den Hintergrund. Im Zuge des aktuellen Content Marketing Hypes und der späten Einsicht, dass eigene Web-Properties im Markeng-Mix völlig unverzichtbar sind, erleben sie aktuell eine rasante Renaissance. Und die scheint mit verstärktem Interesse diverser Vermarkter einherzugehen, denn mittlerweile bekomme ich jede Woche im Durchschnitte 2 bis 5 Anfragen nach bezahlten Beiträgen.

Deutlich unterscheiden müssen Blogger dabei zwischen potentielle Auftraggebern, die primär Aufmerksamkeit für ihr Produkt generieren wollen, und solchen, die den Blogbeitrag bloß als Deckmäntelchen für ihre Backlinks vorschieben. Wer sich mit zweiteren einlässt, muss mit einer Google Penalty rechnen – falls er erwischt wird. Und wer sich mit ersteren ins Blogbett legt, sollte die Rahmenbedingungen klar fest- und auf Transparenz wert legen.

Ritchie, wie hältst du’s mit Blogbestechwerbung?

Die ethischen Aspekte der Vermischung von Inhalten und Werbung wurden und werden weiterhin diskutiert werden (müssen) – schwarze Schafe gibt es unter Bloggern und Verlegern. Anstatt schon dutzende Male wiedergekäute Gedankengänge zu remixen, möchte ich ganz subjektiv und aus praktischer Sicht erläutern, wie ich hier auf datenschmutz an das Thema Werbung herangehe.

  • Blogger sind keine Journalisten

    Auch wenn manche sich vom Selbstverständnis her als solche betrachten, so existiert zumindest ein wirtschaftlicher Hinsicht ein nicht wegzudiskutierender Unterschied: Journalisten werden für ihre Arbeit bezahlt, Blogbetreiber sind in der Regel selbständig. Wenn ein IT Journalist ein neues Handymodell testet, ist das Teil seines Jobs. Wenn ich ein neues Handymodell testee, dann hab ich jede Menge Aufwand für einen ordentlichen Testbericht und möchte das Gerät anschließend nicht zurückgeben müssen, sondern am Blog verlosen (oder behalten, falls es sich um ein Windows-Phone handeln sollte *g*). Im Blogbeitrag gebe ich in solchen Fällen natürlich an, dass ich das Device bekommen habe und hake die ganze Sache unter “Aufwandsentschädigung” ab. Als bezahlte Werbung sehe ich einen solchen Beitrag übrigens nicht an, da die “Aufwandsentschädigung” keineswegs automatisch zu einer positiv(er)en Bewertung führt.

  • Was darf bezahlte Blogwerbung kosten?

    Ja, gerne. Möchten Sie ein Banner, einen Button oder lieber einen bezahlten Review? Kein Problem – wenn wir uns auf einen Preis einigen können, der für beide okay ist. Ach so, Sie haben ein fixes Budget und können pro Blog nur €7.99 bezahlen? Dann bin ich bestimmt nicht der richtige Werbepartner für Sie. Wenn ich Ihr Produkt promoten soll, dann erwarte ich mir nämlich für den Produktionsaufwand denselben Stundensatz, den ich für meine Beratungstätigkeiten berechne sowie einen verhandelbaren Aufschlag für die Reichweite… was uns gleich zum nächsten Punkt bringt.

  • Mein Blog reicht weiter und kostet mehr

    Für eine faire Kooperation muss klar sein, wofür der Werbekunde bezahlt. Für einen Beitrag am Blog? Der scheint dann aber auch automatisch im Newsletter auf, der an ein paar hundert Opinion Leader da draußen geht. Auf Twitter folgen mir auch nochmal 2.800 (de) bzw. 43k (en) Tweeps. Und vergessen wir nicht die Facebook-Page (nominell auch 3k, aber nur 300-900 Reach), meine Community und die datenschmutz Page auf Google+, mein Pinterest Account (unter den Top 10 in Österreich)… Nein, meine Social Media Reichweite verkauf ich nicht. Aber wenn Ihr Produkt so gut ist, wie sie sagen, werd ich sicher einigen Leuten davon erzählen.

Fazit: Ich bin stets offen für neue Werbekooperationen, deren Lukrativität und Sinnhaftigkeit ich aber natürlich jeweils im Einzelfall überprüfe. Meine Motivation, datenschmutz zu betreiben, ist allerdings eine ganz andere: dieses Blog refinanziert sich nämlich sehr elegant über umwegrentable Synergieeffekte. Es fungiert nämlich als kombinierte Forschungs- und PR-Abteilung meines Beratungsunternehmens pnc [pettauer.net Consulting]: hier experimentiere ich um heraus zu finden, welche Online Marketing Strategien am besten funktionieren, um meine Kunden optimal beraten zu können. Und ich schreib regelmäßig drüber. So gesehen ist jeder Beitrag quasi mindestens Eigenwerbung. Außerdem soll es schon mehrfach vorgekommen sein, dass aus einer simplen Anfrage für eine Bannerschaltung ein ganz anderer Folgeauftrag entstanden ist.

Möchten Sie hier auf datenschmutz werben? Ich freue mich über Ihre Anfrage!

 

PR Camp 2014: Inspiration für Public Relations Experten

Beim #prcamp Wien dreht sich alles um die Themen Unternehmenskommunikation, Social Media und Public Relations. Bereits zum dritten Mal luden die Public Relations Newcomers Austria in die gediegenen Schauräume von Bene Büromöbel im ersten Wiener Bezirk. Nach einem intensiven Wochenende voller spannender Vorträge, intensiver Diskussionen und ausgesprochen entspannter gemeinsamer Abende kann ich dem Organisationsteam und der ganzen Veranstaltung nur höchstes Lob aussprechen: ein so rundum gelungenes Barcamp habe ich schon lange nicht mehr erlebt.

Leid tut mir einzig und allein, dass ich die Veranstaltungen der beiden Vorjahre versäumt habe – zukünftig ist das PR Camp Wien für Astrid, die als langjährige PR-Expertin und Lektorin einige ihrer ehemaligen Studentinnen und Studenten traf, und mich ein Fixpunkt am jährlichen Konferenzkalender. Und Pula will auch unbedingt wieder hin: der Vorträge, der Streicheleinheiten und des Joseph Brotes wegen…

Foto-Album Tag 1

 

Foto-Album Tag 2

Die alleinige Schuld an meiner diesjährigen Premiere trägt der notorisch gut informierte Drupal-Evangelist, Grafikdesigner und Neo-Gürtelmacher Nico Grienauer, der mir am Uberall App Congress empfahl, unbedingt vorbeizuschauen – diesen Tipp kann ich allen Interessierten fürs kommende Jahr nur weitergeben. Das #prcamp15 geht voraussichtlich am 4./5. Juli 2015 über die Bühne.

Was macht das PR Camp so besonders?

Über Erfolg und Misserfolg von Barcamps, zu deutsch gerne “Unkonferenzen” genannt, entscheiden ganz alleine die Besucher. Motivation, Diskussionsbereitschaft und eine offene, freundliche Grundstimmung sind die sichersten Erfolgsgaranten – das zeigte sich am vergangenen Wochenende einmal mehr. Wenn eine sowohl alters- als auch themenmäßig sehr inhomogene Gruppe von rund 70 Teilnehmern ein ganzes Wochenende lang intensiv fachsimpelt, dann lernt dabei jede und jeder viel Neues und/oder gewinnt neue Blickwinkel auf Altbekanntes.

Dass wir keineswegs nur mit todernsten Diskussionen befasst waren, zeigen die beiden Videos – enmal Huberts Armfolding-Fußball-WM-Style Clip mit Pula und mir im Opener, einmal Nicos “Hands-on-camera” Reel. Warnung des Barcampministeriums: Unkonferenzen können zu kreativem Umgang mit Medienformaten führen!

Eine umfassende chronologische Zusammenfassung der Ereignisse findet man unter dem Titel #prcamp14 – Lass uns reden auf Storify. Die Themen reichten von Visual Storytelling über sehr ehrliche Insights in die Social Media Kommunikation unserer Minister direkt von den Machern im Hintergrund bis zu Stundensatzkalkulation mit jeweils 2 oder 3 Vorträgen gleichzeitig.

Public Relations Camp 2014

Bei Barcamps gibt es kein fixes Programm, gleich nach dem gemeinsamen Frühstück erfolgt die Sessionplanung: wer mag, bietet ein oder mehrere Themen an, eruiert via Handabstimmung potentielle Interessenten und reserviert einen Slot zur gewünschten Uhrzeit. Formatvorgaben gibt’s keine – ob vorgetragen oder diskutiert wird, entscheidet sich meist spontan.

Meine Sessions: Social Media Update 2014 | Krisenkommunikation und Shitstorms (mit Thomas Goiser)

Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, gleich zwei Sessions mitgestalten zu dürfen. Am Sonntag vormittag habe ich versucht, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein kurzes, knackiges Update zum Thema “Social Media für PR Strategen 2014″ zu geben und bin dabei auf folgende Themen eingegangen:

  • Das Kleeblatt-Modell (Cloverleaf Model) der Online-Kommunikation: diese Einteilung nach vier verschiedenen Web-Properties (eigene, Mainstream Media, Blogger Relations, Social Media) hat sich bei mir in der Praxis als nützliches Analysetool erweisen.
  • Social Media Integration auf der eigenen Webseite: Wie verzahnt man im Jahr 2014 am effizientesten die eigene Webseite mit den diversen Social Media Kanälen? Ein simpler Like-Button tut’s nämlich schon längst nicht mehr – ein ausführlicher Beitrag zu diesem Thema folgt in Kürze.
  • Social Outreach: Welche Metadaten sind relevant, wie rasch nach der Veröffentlichung sollte man welche Inhalte auf welchen Plattformen posten?
  • Außerdem habe ich CoSchedule vorgestellt, eine ziemlich neue und ziemlich smarte Kombination aus Redaktionskalender und WordPress-internem Hootsuite, die Nützlichkeit von Google+ Communities erklärt und rege Nutzung der neuen LinkedIn Plattform empfohlen.

Vielen herzlichen Dank für das ausgesprochen nette Feedback!

Am Nachmittag moderierte ich dann gemeinsam mit Thomas Goiser, einem alten Bekannten aus FH MultiMediaArt-Tagen (in Salzburg begannen Peter Steinberger und ich 1999 gemeinsam unsere Lektoren-Karrieren), eine Diskussionsrunde zum Thema “Krisenkommunikation und Shitstorms”. Ö3-Elke, Zucker-Plachutta und Co. haben in Österreich eine unselige Diskussion über das Verbot von Pseudonymen auf Webplattformen ausgelöst, die alle anwesenden Experten als genauso lachhaft empfinden wie der Schreiber dieses Blogs. Einigkeit herrscht aber darüber, dass bei Fäkaltornados rasches Reagieren mit viel Hausverstand Not tut.

Fazit: Eine rundum gelungene, fantastisch organisierte und sehr sympathische Veranstaltung – sozusagen die Benchmark fürs datenschmutz Barcamp-Gütesiegel :-) Wenigstens konnte ich mich bei Nico mit einem Glas von Omas Osttiroler Waldhimbeermarmelade für den super Tipp revanchieren:

Die 8 besten SEO-Tricks mit E-Mail Alerts

E-Mail Alerts sind aus dem modernen Web nicht mehr wegzudenken. Und dank Gmails smarter Filterung bekommen Heavy Social Media Nutzer die meisten davon gar nicht erst zu Gesicht. Schade, denn wie Rank Fishkin von MOZ im Whiteboard-Friday Video vom 27. Juni erklärt, lassen sich eine Reihe von Tools nicht nur für Monitoring-Zwecke einsetzen, sondern liefern bei richtiger Konfiguration Rohdaten, die für die eigene Suchmaschinenoptimierung pures Gold wert sind.

Der Pagerank-Algorithmus verändert sich beständig. Immer wieder muss Google auf aktuelle Entwicklungen und nicht zuletzt Manipulationsversuche reagieren. Die Zeiten, in denen die Backlinks den einzig entscheidenden Faktor für die Platzierung im Index darstellen, sind längst vorbei. Dennoch ist die Backlinkstruktur einer Webseite nach wie vor eines der wichtigsten Kriterien. Auf die eigene und die der Konkurrenz sollte man also einen genauen Blick werfen – und dabei sind Google Alerts, der Fresh Web Explorer, Talkwalker, Mention und Trackur ausgesprochen nützlich, findet Rand.

Der Fresh Web Explorer gehört zum kostenpflichtigen Werkzeug-Portfolio von MOZ, deshalb bezieht sich die Syntax der Suchanfragen im Vortrag auf das hauseigene Tool. Die kostenlosen Google Alerts beherrschen nur einen Teil der Funktionalitäten, aber es geht gar nicht um die technischen Details, sondern um die grundsätzlichen Überlegungen hinter den vorgeschlagenen Analyse-Methoden. Oder haben Sie schon mal daran gedacht, sich für frische Backlinks bei den jeweiligen Autoren auf Social Media Plattformen zu bedanken (Punkt 6)?

Hier eine kurze Zusammenfassung der 8 Punkte, die deutlich zeigen, dass ein gut durchdachtes Monitoring- / E-Mail-Alert Setup nicht bloß Erwähnungen anzuzeigen kann, sondern integraler Bestandteil des Online Marketing Gesamtkonzepts sein sollte:

  1. Seiten, die zu meiner Konkurrenz linken, aber nicht zu mir: Identifikation potentieller neuer Linkpartner.
  2. Einträge, die meinen Markennamen erwähnen, aber nicht auf mich verlinken: Da kann man ja nochmal höflich nachfragen…
  3. Einträge, die meine Hauptkeywords enthalten, aber nicht auf mich verlinken: eine recht breite Suche, die im zweiten Schritt nach “Authority” gereiht werden sollte.
  4. Inhalte von News- oder Konkurrenzseiten zu einem meiner Kernthemen: Und wenn’s nur der Inspiration dient.
  5. Backlinks auf meine Seite aus einer spezifischen Region: Spannend bei Roll-Outs in neue Märkte.
  6. Links zu meiner persönlichen oder beruflichen Webseite: Höfliche SEOs sagen (laut) danke.
  7. Blogs und Blogger, die über für mich relevante Themen schreiben: Multiplikatoren identifizieren.
  8. Links zu Informationen, die man selber in besserer Qualität anbietet: Tun Sie Ihren Surfern etwas Gutes und verlinken Sie auf mich, Sir!

Das komplette Transkript des elfminütigen Videos gibt’s am Moz Blog.

Hätten Sie gerne mehr Traffic von Google auf Ihrer Seite? Ich unterstütze Ihr Unternehmen bei der Optimierung Ihrer Suchmaschinen-Strategie und zeige Ihnen, wo ungenutzte Potentiale liegen.

Österreichs Topblogs: datenschmutz auf Platz 3

Im aktuellen Ranking Österreichs Top Blogs hab ich’s mit datenschmutz unter die Top 3 geschafft – ein großes Dankeschön daher an dieser Stelle an alle Leserinnen, Leser und Fans dieser Seite! Mein Blogging-Motor läuft weder mit Benzin noch elektrisch, sondern mit Motivation. Und die bekomme ich von Ihnen/euch.

Jürgen publiziert seine Blog-Hitparade seit Mai 2013 und aktualisiert sie regelmäßig, inzwischen umfasst die Liste bereits 542 österreichische Weblogs, Neuzugänge sind jederzeit gern gesehen. Am Ende der Liste befindet sich ein Eingabefeld für neue Blogs. Die Wertung basiert auf dem “Woorank” des gleichnamigen Analyse-Unternehmens, das Webseiten anhand einer Vielzahl von Faktoren beurteilt: Popularität, Präsenz in sozialen Medien und technische Kriterien fließen gewichtet in dem Gesamtscore als Zahl zwischen 0 und 100 ein.

datenschmutz erzielte 80,1 Punkte und liegt damit hinter Trends der Zukunft (Woorank: 85,5) und Fashion Blog (Woorankg: 81,9) auf Platz 3. Ich nutze Woorank beruflich schon lange, wenn ich mir einen ersten Überblick über das aktuelle Standing einer Webpage verschaffen möchte.

Bloghitparade: datenschmutz auf Platz 3
Die Top 20 – für Vollansicht bitte anklicken.

Den Woorank halte ich für recht aussagekräftig, da viele Dimensionen einbezogen werden und deshalb für Manipulationen und Tricks gänzlich unanfällig ist. Da nun mal nicht alle Blogger ihre Nutzerzahlen veröffentlichen bzw. ein Zählpixel einbauen wollen, stellt dieses Analysetool eine gute Alternative dar, um Webseiten zu vergleichen.

Aus gegebenem Anlass: Ein paar Worte zum Bloggen

Hannes Offenbacher hat kürzlich gefragt, ob das Label “Blogger” denn überhaupt noch Berechtigung hat, oder ob wir nicht alle einfach nur Kommunikatoren, Online Publisher oder sowas in der Art sind. Ich halte es da ganz mit Luca Hammer: Wir bloggen. Bloggedi blog blog.

Und das liegt nicht (nur) an Nostalgie oder daran, dass sich alte Säcke wie ich nicht mehr so leicht an diesen ganzen neumodischen Interweb-Kram gewöhnen :-) Nein, es gibt weit bessere Gründer, Blogger zu sein, zu werden und zu bleiben:

  • Bloggen war und ist für mich ein sehr spezifisches Format. Dazu gibt’s viele verschiedene Meinungen: der eine versteht unter “Blog” eine Art Tagebuch, der andere ein CMS, das alles mögliche abbilden kann… und all diese Meinungen und Einschätzungen sind richtig, denn jeder Blogger und Blogleser muss das Format für sich definieren. Für mich ist Bloggen eine sehr persönliche Form von Mikrojournalismus. Und ein äußerst meinungs-pluralistisches Medium. Anders als eine Redaktion geschehen Auswahl, Faktenüberprüfung und Filterung nicht innerhalb eines Mediums, sondern innerhalb der gesamten Blogosphäre. “Objektivität” wird nicht mal behauptet, aber sie kann aus der Kombination vieler verschiedener Sichtweisen zu einem Thema auf vielen verschiedenen Blogs im Kopf des Lesers entstehen. Die Blogosphäre lebt von Vernetzung und gegenseitiger Inspiration – in vielerlei Hinsicht.
  • Eigene Web-Properties sind am flexibelsten. Ein Blog ist technisch, pragmatisch und medienökonomisch die geeignetste Homebase, um Inhalte, die einem selbst am Herzen liegen, zu publizieren.
  • Im geschäftlichen Bereich sind Blogs eines der effizientesten und nachhaltigsten Werkzeuge sowie unverzichtbarer Bestandteil jeder Content-Marketing-Strategie.

In diesem Sinne freu ich mich auf viele zukünftige Neuzugänge in der deutschsprachigen Blogosphäre, viele spannende Blogbeiträge, inspirierende Diskussionen und wilde, ungezügelte Bloggerei bis weit über die Sperrstunde hinaus :-)

Test: Backlink Entgiftung mit den Link Detox Tools

Steter Wandel ist fester Bestandteil der Suchmaschinenoptimierung. Zwar bleibt das Ziel immer das gleiche: Die zu optimierende Webseite soll möglichst weit vorne in den Suchergebnissen auftauchen. Doch die Methoden ändern sich ständig, und damit auch die Werkzeuge. Einem spezifischen und immer wichtigeren Thema nehmen sich Link Detox Tools an: der Algorithmus analysiert die Backlinkstruktur einer Webseite, bewertet jeden einzelnen Backlink und hilft so, potentiell schädliche Links zu identifizieren und wieder loszuwerden.

Die Detox-Tools decken damit eine zunehmend wichtigere Nische ab und sind absolut konkurrenzlos, wenngleich kein Werkzeug für Anfänger. Der Analyse-Algorithmus liefert als Ergebnis eine lange Liste von Backlinks samt Bewertung, die erst noch interpretiert und weiterverarbeitet werden will. Im Gegensatz zu “Click-und-fertig” Tools ist ein wenig Einarbeitungszeit und Dateneingabe nötig, aber dazu später mehr – zuerst mal zu der Frage, warum seit den Pinguin-Updates bestimmte Links pures Gift für die Suchergebnisse sein können.

Google macht die Spielregeln

Auf dem Papier mögen Bing & Co zwar existieren, aber grosso modo hätte man SEO schon längst in GO umbenennen können: Search Engine Optimiziation ist vorwiegend Google-Optimierung. Der Quasi-Monopolist gibt die Spielregeln vor, und wer sich entweder besonders erfolgreich daran hält oder die Vorgaben besonders elegant umschifft, gewinnt beim großen Suchindex-Glücksrad den Hauptpreis.

Letzteres wird konsequent schwieriger, da der Suchmaschinenriese aus Palo Alto zunehmend besser erkennen kann, wer brav folgt und wer böse manipuliert. Hält sich jemand nicht an die Spielregeln, bekommt er die gelbe Karte in Form einer “Google Penalty”, die sich aufs Ranking auswirkt, oder gar die rote – eine Komplette Auslistung aus dem Index. Google bezieht immer mehr Faktoren in die Bewertung von Seiten ein, die Backlinkstruktur einer Webseite ist immer noch einer der wichtigsten.

Wer verlinkt auf meine Webseite?

Früher galt fast uneingeschränkt: mehr ist mehr. Je höher die Zahl der Backlinks, desto besser die eigene Seite. Das führte zwischen 2000 und 2005 zu einer wahren Blütezeit von Webdirectories, Social News Plattformen und anderen Linkfarmen. Irgendwann begann Google dann konsequenterweise damit, Spam-Links nicht bloß zu ignorieren, sondern negativ zu bewerten – Links, die vor einigen Jahren noch egal bis förderlich waren, können die verlinkte Seite mittlerweile ordentlich schädigen. Genau hier setzt der Link Detox Algorithmus an. Wer bereits von Google abgestraft wurde, hat ohnehin konkreten Handlungsbedarf, in allen anderen Fällen kann ein präventives Screening und die anschließende Entfernung der “bösen” Links durchaus das Gesamtranking verbessern.

Da diese Art der Bewertung zugleich eine effiziente Möglichkeit darstellt, konkurrierende Seiten mit minderwertigen Backlinks einzudecken und so deren Ranking zu schädigen, muss Google Webmastern die Möglichkeit geben, solche unerwünschten Links “abzuwerten”. Das geschieht mit dem sogenannten Disavow-Tool, das Bestandteil der Google Webmastertools ist. Backlinks, die hier eingetragen werden, berücksichtigt Google zukünftig nicht mehr. Google empfiehlt, diese Disavow-Funktion nur im Notfall zu verwenden, also dann, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, den betreffenden Link zu entfernen respektive entfernen zu lassen. Das ist übrigens auch der Grund, warum immer wieder mal Agenturen ein paar Jahre später um Löschung ihrer alten Spam-Links bitten.

Detox Tools im Überblick

Der Nutzer hat die Wahl zwischen einer einfachen Analyse der eigenen Seite und einer Konkurrenz-Analyse, bei der die “Giftigkeit” der Mitbewerber-Backlinks mit dem eigenen Penalty-Risiko verglichen wird. Der folgende Text bezieht sich auf den “Classic Mode”.

Beim Erstellen eines neuen Berichts gibt man im ersten Schritt die URL der zu analysierenden Page ein und wählt aus, ob nofollow-Links ebenfalls evaluiert werden sollen. Laut Google werden diese generell ignoriert, unter SEO-Experten gehen die Meinungen über dieses Thema jedoch weit auseinander. Danach legt man das Thema der Seite fest, gibt an, ob bereits eine Abstrafung durch Google erfolgte und wählt anschließend einen von drei Modi aus:

  • Der Classic mode überprüft die bestehende Linkstruktur.
  • Im What-if mode lädt man zusätzlich zu den existierenden eine Liste potentieller zukünftiger Backlinks hoch, um diese im Vorhinein auf Risikofaktoren zu überprüfen.
  • Der Review Mode ignoriert die bestehende Linkstruktur und wertet nur potentielle Linklisten aus.


20140702-detox-start

Abschließend füttert man das Script optional mit bestehenden Backlinklisten (Detox erkennt sehr viele Backlinks, aber möglicherweise nicht alle) sowie mit der aktuellen Disavow-Liste, falls bereits eine solche existiert. Wahlweise kann man den Report regelmäßig wiederholen und sich auf Wunsch die Ergebnisse via E-Mail zusenden lassen. Nach dem Click auf “Detox my site” nimmt der Algorithmus seine Arbeit auf, ein paar Minuten später steht der fertige Bericht dann zur Durchsicht bereit.

Damit beginnt erst die eigentliche Arbeit. Denn um möglichst valide Ergebnisse zu erhalten, muss man erstmal alle gefunden Anchor-Text klassifizieren und jeweils angeben, um welche Art von Keyword (Brand, Compound, Money, Other) es sich handelt. Bei Seiten mit etlichen hundert Backlinks kann dieser Prozess schon ein Weilchen dauern.

Link Detox Classification

Alle gesammelten Version fließen in die resultierende Linkbewertung ein. Die Ergebnisse präsentiert Link Detox in Form einer flexibel konfigurierbaren Tabelle. Aufmerksamkeit verlangen dabei in erster Linie all jene Backlinks, die das Script als “highly toxic” einstuft. Umsichtige Webmaster reviewen jede verlinkende Seite einzeln, bevor sie sich dafür entscheiden, den Status auf “disavow Page” oder gar “disavow Domain” zu setzen. Nach Abschluss dieser Review-Runde exportiert man die Gesamtliste direkt in Googles Disavow-Tool.

Link Detox Auswertung

Christoph Cemper weist deutlich darauf hin, dass es sich um einen komplexen Algorithmus handelt, der bei einzelnen Linkbewertungen auch mal daneben liegen kann. Wer wertvolle Backlinks irrtümlicherweise disavowed, kann das Ranking seiner Seite recht ordentlich schädigen – Vorsicht, Hausverstand und SEO-Erfahrung sind gute Begleiter bei der Erstellung der finalen Disavow-Liste. Einmal erstellte Berichte bleiben gespeichert, so lange das Abo aufrecht ist. Das Neuberechnen bzw. Reprocessings eines bestehenden Reports ist kostenlos. Detaillierte Informationen zu allen Features und Funktionen stehen im Step-by-Step Guide.

Praktische Erfahrungen: Link Detox und datenschmutz

Für meinen Test habe ich die Backlinkstruktur dieses Blogs analysiert – bei 1.237 verlinken Root-Domains und rund zehnmal so vielen Backlinks ein ordentliches Stück Arbeit, da ich mir jeden einzelnen als verdächtig eingestuften Link händisch genau angeschaut habe. Das Ergebnis hat mich überaus positiv überrascht: Unter den bekrittelten Backlinks fand sich kein einziger “False positive”, sämtliche problematischen Verlinkungen stammten von Linkfarmen, ausgelisteten oder anderweit suspekten Domains.

Meine Disavow-Liste umfasste letztendlich knapp 150 Links, im Lauf der Jahre sammeln sich offensichtlich doch eine ganze Reihe ungebetener Linkpartner an. Mithilfe der Detox Tools kostete mich die Säuberungsaktion insgesamt rund 8 Stunden, “zu Fuß” wäre aus dem Projekt eine unendliche Geschichte geworden. Besonders gelungen fand ich die ausführlichen Erklärungen zu Funktionsweise und Hintergrund der einzelnen Features sowie die gut nachvollziehbare Erläuterung der ermittelten Risikofaktoren pro Backlink.

Der Preis des günstigsten Pakets, in dem 5 Credits enhalten sind, jeder Report kostet 1 Credit – liegt bei €129 pro Monat, das für SEO-Agenturen geeignete Enterprise-Paket gibt’s für €1.999.

Fazit: Link Detox spart Suchmaschinenoptimierern viel Zeit und liefert Daten, die man in der Form sonst nirgendwo serviert bekommt. Wer diesen mächtigen Werkzeugkasten für sich nutzen möchte, der sollte allerdings einiges an Vorwissen mitbringen, um die erhobenen Befunde kompetent interpretieren zu können. Gute Englischkenntnisse sind ebenfalls Voraussetzung, denn die umfangreichen Hilfetexte gibt’s nicht in deutscher Übersetzung. Die Zielgruppe dieses Experten-Tools sind also ganz klar SEO-Profis und ambitionierte Webmaster – natürlich lohnt sich die Investition nur bei Seiten, die bereits über ein erkleckliches Backlink-Portfolio verfügen.

www.linkdetox.com

Wie Facebook mit fragwürdigen Experimenten unsere Status-Updates manipuliert

Ohne ihr Wissen nahmen im Jänner 2012 689.309 Facebook-Nutzer an einem groß angelegten Experiment zum Thema “emotionale Ansteckung” teil. Das Einverständnis der Untersuchten einzuholen ist ein essentieller Bestandteil der Forschungsethik, den die Facebook-Psychologen allerdings schlichtweg ignorierten. Dass sie systematisch Inhalte von Status-Updates änderten um zu messen, wie sich die Präsenz positiver und negativer Schlüsselbegriffe aufs Kommunikationsverhalten auswirkt, sorgt seit gestern für einen veritablen Fäkaltornado.

Das Experiment: Emotional Contagion

Im Jänner 2012 verbarg Facebook eine Woche lang bestimmte emotional belegte Wörter vor den Augen von 689.003 Nutzern, was damals 0,04% der gesamten Facebook-Population entsprach. Mit dieser Manipulation wollten die Experimentatoren herausfinden, welchen Effekt diese “De-Emotionalisierung” auf die eigenen Postings und Interaktionen der Testsubjekte habe. Da die Forscher über die gemessene “emotionale Ansteckung” angeblich verblüfft waren, dürften sie sich im Vorfeld weder mit Forschungsethik noch mit Wirkungsforschung allzu intensiv befasst haben. Der Guardian schreibt:

The results found that, contrary to expectation, peoples’ emotions were reinforced by what they saw – what the researchers called “emotional contagion”.

Das Resultat zeigte, dass, anders als erwartet, die Emotionen der Testpersonen durch das verstärkt wurden, was sie sahen – die Forscher nennen diesen Effekt “emotionale Ansteckung”.

Für Studiendesign und Durchführung kooperierte Facebook mit Akademikern von Cornell und der Universität von Kalifornien, die Vollversion findet man auf der Page der National Academy of Sciences of the United States. Die Veröffentlichung der Ergebnisse provozierte einen Aufschrei unter amerikanischen Forschern, Netzaktivisten und Rechtsexperten: diese Art der Forschung sei nicht nur unethisch, sondern man riskierte sogar, den getesteten Nutzer emotional zu schädigen.


Studie: Experimental evidence of massive-scale emotional contagion through social networks

Facebook sagt: wir dürfen laut AGBs alles!

Facebooks argumentiert, dass das Experiment sich im Rahmen der von allen Nutzern abgenickten “Data Policy” bewege. James Grimmelmann, Rechtsprofessor an der Universität von Maryland, hat gestern einen umfangreichen Kommentar veröffentlicht, in dem er diese Argumentation in der Luft zerreißt:

Facebook users didn’t give informed consent: The study says:
[The study] was consistent with Facebook’s Data Use Policy, to which all users agree prior to creating an account on Facebook, constituting informed consent for this research.

The standard of consent for terms of service is low. But that “consent” is a legal fiction, designed to facilitate online interactions. [...] It’s very different from informed consent, the ethical and legal standard for human subjects research (HSR).

Facebook Nutzer wurden nicht informiert und haben nicht zugestimmt. In der Studie heißt es:
[Die Studie] stand im Einklang mit Facebooks Daten-Nutzungs-Richtlinien, denen alle Nutzer vor der Erstellung eines Accounts zustimmen, womit sie auch “informierte Zustimmung” zu diesem Experiment gaben.
Der Standard für den Fachausdruck “informierte Zustimmung | informed consent” ist niedrig. Aber diese “Zustimmung” ist eine rechtliche Fiktion, denn die angesprochene Richtlinie wurde geschaffen, um Online-Interaktionen zu ermöglichen. [...] Sie ist völlig verschieden von “informed consent”, dem ethischen und rechtlichen Standard für Forschung an menschlichen Subjekten.

Grimmelmann pflegt seit gestern eine aktuelle Linksammlung mit Primärquellen und Reaktionen auf das Facebook-Experiment. Bis nach Europa scheint die Welle der Empörung bislang erstaunlicherweise noch nicht herübergeschwappt zu sein, abgesehen von diesem Artikel im Satireblog DieTagespresse.com und einigen Beiträgen auf der Futurezone. Dabei gäbe es endlich wirklich Grund für Empörung.

Experiment oder Manipulation oder gar Zensur?

Selbst Facebook-Nutzer, die sich sämtliche AGBs und Richtlinien penibelst durchlesen (Grüße an alle drei!), würden niemals damit rechnen, dass der Betreiber ihrer Plattform inhaltlich in Status-Updates eingreift. Dass Facebook nach eigenem Ermessen und Gutdünken bestimmt, wer wann welche Info-Schnipsel zu Gesicht bekommt, ist bei der Größe und marktbeherrschenden Stellung des Netzwerks bedenklich genug.

Wer weiß schon, welche Experimente zur (Werbeerlös-)Optimierung sich die Forscher in Menlo Park noch ausgedacht haben? Wer weiß, welche Begehrlichkeiten systematisches “Tuning” bestimmter Inhalte bei kommerziellen und staatlichen Institutionen weckt? Mit dem umstrittenen Experiment hat Facebook eine Grenze überschritten, die das Netzwerk teuer zu stehen kommen könnte. Die Nutzer haben in der Vergangenheit gelernt, dass sie für ein bisschen asynchrone Multimedia-Chatterei mit Freunden jede Menge Privatsphäre aufgeben und mit ihren Daten bezahlen – und sie haben den Deal akzeptiert. Aber heimliche inhaltliche Eingriffe in die Status-Updates der eigenen Freunde stehen auf einem anderen Blatt.

Adam Kramer, der für die Studie verantwortliche Facebook-Mitarbeiter, nahm auf seinem persönlichen Profil Stellung zu den Vorwürfen, verteidigt in seinem Text die Vorgehensweise und schließt mit den Worten:

While we’ve always considered what research we do carefully, we (not just me, several other researchers at Facebook) have been working on improving our internal review practices. The experiment in question was run in early 2012, and we have come a long way since then. Those review practices will also incorporate what we’ve learned from the reaction to this paper.

Zwar haben wir stets sorgfältig erwogen haben, welche Forschungen wir durchführen, aber wir (nicht bloß ich, sondern mehrere Forscher bei Facebook) arbeiten beständig daran, unsere internen Review-Praktiken zu verbessern. Das fragliche Experimente wurde Anfang 2012 durchgeführt, und seither ist viel geschehen. Unsere zukünftigen Review-Praktiken werden auch berücksichtigen, was wir aus den Reaktionen auf diese Studie gelernt haben.

Man darf also gespannt raten, welche weiteren unethischen Experimente Facebook in den Jahren 2012 bis Mitte 2014 mit uns, den Versuchskaninchen, durchgeführt hat. Wir User haben nämlich nur solange Kontrolle über unsere Inhalte wie es Facebook… gefällt.

Titelfoto: Tim Reckmann / pixelio.de

Chello/UPC WLAN-Modem-Router mit eigenem Router kombinieren: Bridge Mode

Am Mittwoch gegen ein Uhr früh geschah das Unblogbare. Meine Internet-Standleitung fiel aus. “Wird sich bis in der Früh schon erledigt haben,” lautete mein letzter Gedanke vorm Einschlafen nach etlichen Runden Quizduell am Tablet. Nach dem Erwachen folgte der Schock: hat sich tatsächlich erledigt. Nicht das Problem, sondern mein Ubee-Modem: fünf sanft flackernde LEDs auch nach dem Reboot überzeugten den freundlichen Mann am Telefon, dass hier keine Hündin am Netzwerkkabel genagt, sondern ein Modem dem Gesetz der Entropie gehorcht hatte. Also auf zum schmutz-Mobil (an sich wie das Bat-, bloß staubiger) und auf ins Donauzentrum zum Modemtausch.

Als “guter” Kunde, der so in den letzten Jahren so gut wie keinerlei kostbare CRM-Ressourcen auf seiten UPCs in Anspruch genommen hatte, wunderte ich mich erstmal über das Ticketsystem. “Eine Nummer ziehst du doch sonst bloß, wenn du einen neuen Pass brauchst,” dachte ich mir auf der Wartebank. Andererseits brauche ich öfter einen neuen Pass als ein neues Modem, sinnierte ich im Second Hand Computergame-Store gegenüber. Die hatten zwar auch keinen einzigen Rail-Shooter für die PS3 (Yo Sony, wozu habt ihr die Light-Gun eigentlich überhaupt auf den Markt gebracht?), verkürzten aber meine Wartezeit subjektiv beträchlicht. Doch dann der Schock: Kabelmodems waren mal, und die Zeiten “heimlich” an der Leitung hängender Router mit geklonten MAC-Adressen ebenfalls.

UPC gibt nämlich bloß noch Modem-Router-All-One-Dinger her. Mit Dualband WLAN und sämtlichen Schnickschnack, aber ohne die Möglichkeit, die geniale Easytomato Firmware zu installieren, die in Kombination mit einem VPN-Zugang (beispielhaft sei hier GhostVPN erwähnt) anonymer Surferei so nahe kommt, wie’s heutzutage mit vertretbarem Aufwand überhaupt nur möglich ist. Nein, meinen geliebten Asus RT-N16 Router wollte ich keinesfalls in Pension schicken, denn: “Support up to 300,000 sessions for extensive P2P clients” muss erstmal jemand nachmachen, und ich wollte keine langen Versuchsreihen starten um rauszufinden, ob der Ubee EVW3226EU das auch kann.

Das Zauberwortet lautet “Bridge Mode”

Ich sei nicht der erste Kunde, der mit treuherzigem Blick ein simples Kabelmodem anstatt eines ausgewachsenen Routers erbete, erfuhr ich von der freundlichen Dame. Es gäbe zwar keine offizielle Anleitung, aber man könne das neue Gerät als Bridge konfigurieren und dann den alten Router wie gewohnt weiterbetreiben, verriet sie mir. Voll banger Hoffnung raste ich in die schmutz-Höhle (an sich wie die Bat-Höhle, bloß mit mehr Hi-Tech) zurück und googelte schon im Stiegenhaus nach hilfreichen Tutorials. Und die Konfiguration gestaltete sich weit einfacher als vermutet.

Je nach Modell findet sich in der Amdinistrationsoberfläche mehr oder weniger gut verborgen eine “Modusauswahl” – in meinem Fall unter “Advanced -> System”. Hier stellte ich mithilfe eines simplen Dropdown-Menüs den Modus von “Router” auf “Bridge” um, nachdem ich die WLAN-Funktionalität deaktiviert hatte, für die auch fürderhin Onkel Asus zuständig bleiben sollte. Während des Reboot-Vorgangs steckte ich die Netzwerkabel um: UPC-Router LAN1 vom Rechner, mit dem ich auf die Admin-Oberfläche (erreichbar unter 192.168.1.1) zugegriffen hatte, an den WAN-Netzwerkport des Asus-Routers. Mehr ist nicht zu tun. Der Router hinter dem Chello-Kasterl sollte natürlich im DHCP-Modus laufen (tat er auch schon vorher), das UPC-Modem reicht im Bridge-Modus die WAN-Verbindung einfach durch und verhält sich genauso wie ein simples Kabelmodem.

Die Bridge wieder zum Router machen

Nach der beschriebenen Umstellung kann man unter 192.168.0.1 natürlich nicht mehr auf die UPC-Hardware zugreifen. Um aus der Bridge wieder einen Router zu machen, loggt man sich unter 192.168.100.1 in die Administrationsoberfläche ein und schaltet den Modus wieder von “Bridge” zu “Router”. Einen Reboot später ist wieder alles wie direkt nach dem Auspacken.

Aber wer will das schon? Um Astrids wöchentliche Surfzeit auf Zalando auch weiterhin auf 30 Minuten begrenzen zu können, ist mir jeder technische Aufwand recht… The things we do for love *g*

SEO-Tipp: Stellen Sie sich an den Eklat-Pranger!

Brechende Neuigkeiten: was als motivierter Angriff auf die Meinungsfreiheit begann, gipfelt endlich in konkreter Maßnahmen gegen anonyme Hassposter. Allen rationalen Argumenten zum Trotz schließen sich “immer mehr Unterstützer” der Initiative gegen wildes Internet an.

Nur dank eines vom Österreichischen Internetrates archivierten Scans einer bekannten Whistleblowerin wurden die weitreichenden Pläne österreichischer “Medienmacher” vorzeitig bekannt, obgleich die Hintermänner durch besagte Ankündigung in einer gratis erhältlichen U-Bahn-Zeitschrift alles getan hatten, um unbemerkt zu bleiben.

Während anderswo noch ahnungslos “angeblich moderiert wird”, liefert datenschmutz der alpenrepublikanischen Journaille die Blaupause zum Abschreiben. Kommentieren bitte nur mit echtem oder erfundenem Namen!

Selbstanzeige auf Eklat.net dringend empfohlen

“Die besten Hassposting sind viel zu gut, um sie irgendwo im Social Web weitgehend ungesehen vor sich hin gammeln zu lassen,” könnte sich ein begabter Zyniker bei der Idee zu Eklat.net gedacht haben:

Diese Seite soll sich zur Bad-Bank der heimischen Meinungsäußerung mausern. Hier soll aufgezeigt werden, was – sogar auf angeblich “moderierten” Seiten – so alles das Licht der Öffentlichkeit in Österreich erblickt.

Sehen wir großzügig über die ungewöhnliche Verwendung des Wortes “mausern” hinweg und fragen wir uns: was zeichnet eine Bad Bank aus? Sie ist teuer und versursacht Probleme, für die letztendlich alle bezahlen. Ambitioniert, kann man da nur sagen! Im übrigen harre ich gespannt einer ersten Auflistung “angeblich moderierter Seiten”. Der Call to Action lässt nicht lange auf sich warten:

Posten Sie bitte hier den Link einer Erbärmlichkeit, die Ihnen besonders übel aufgefallen ist. Und kommentieren Sie sie bitte. Oder fügen Sie einen unveränderten Originaltext (samt Quellenangabe und Datum) über den Post-Button rechts oben hier ein. Alle, die hier veröffentlichen, tun dies mit Ihren echten Klarnamen.

So unverschämt hat noch selten jemand um Crowd-Sourced-Content gebettelt. Und was den letzten Satz betrifft, kann ich Ihnen versichern: Pure Lüge. Wenn nicht gar bezahltes Hassposting. Dank meiner unvorstellbaren technischen Fähigkeiten ist es mir gelungen, mich unter falschem Namen nicht nur zu registrieren, sondern sogar schamlose Eigenwerbung zu betreiben.

Denn – aber verraten Sie’s bitte niemandem, großes Internetianer-Ehrenwort, ok? – ich selbst bin jener mysteriöse Richard Lego-Österreicher (übrigens mein Lieblingscharakter aus der großartigen Dokumentarserie “Bösterreich”), der sich auf Eklat.net über ein “angeblich anonymes Posting” auf datenschmutz beschwert.

Pranger

Wobei ich ich gestehen muss, dass die Eingabemaske mindestens irreführend ist.

Meinungsfreiheit

Ohne im Detail über Copy-and-Paste in Screenshot-Textfelder einzugehen, musste ich leider entsetzt feststellen, dass das Feld “Meine Meinung – das ist meine Meinung zum Posting” schlichtweg nicht angezeigt wird. Das spricht für eine ungewohnt konsequente Umsetzung der Grundidee und ringt dennoch weit weniger Respekt ab als die Tatsache, dass der virtuelle Pranger großzügig einen wohlfeilen Follow-Backlink hergibt.

Und deshalb empfehle ich allen Bloggern, Webmastern und Webmarketern rasche Registrierung und zügige Selbstanzeige. Eklat.net hat nämlich das Potential, ein kurzzeitig mittelmäßig erfolgreicher Klon des hierzulande so gut wie unbekannten Reddit zu werden. Und das wär für eine Bad Bank nun wirklich eine ziemliche Mauserung, nicht wahr?

TrueCrypt am Ende? Die Zukunft der Open Source Verschlüsselung

Verschlüsselungslösungen gibt es wie Sand am Meer. Doch seit Edward Snowdens NSA-Enthüllungen darf man in kommerziellen Produkte wie Bitlocker und Co. wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Hintertürchen erwarten, die begehrliche US-nahe Lauscher haben einbauen lassen. Kaum einer anderen Lösung brachten ungewöhnlich gut informierte Geeks daher soviel Vertrauen entgegen wie dem legendären Truecrypt. Das könnte sich mit einer gestern überraschend aufgetauchten Meldung auf der offiziellen Sourceforge-Projektseite truecrypt.sourceforge.net jetzt ändern. Ohne irgendwelche Details preiszugeben, haben die Programmierer dort bekannt gegeben, dass die Verschlüsselungs-Software nicht mehr sicher sei und die Entwicklung über Nacht eingestellt.

Truecrypt Verschlüsselung

The development of TrueCrypt was ended in 5/2014 after Microsoft terminated support of Windows XP. Windows 8/7/Vista and later offer integrated support for encrypted disks and virtual disk images. Such integrated support is also available on other platforms (click here for more information). You should migrate any data encrypted by TrueCrypt to encrypted disks or virtual disk images supported on your platform.

Warum verwenden wir Truecrypt?

Die Open Source Software Truecrypt erlaubt bei auch für Laien bewältigbarem Konfigurationsaufwand eine bisher als sicher geltende Verschlüsselung kompletter (System)Partitionen. Vor einer mit Truecrypt verschlüsselten Festplatte stünden, so der bisherige Common Sense, sogar die mächtigsten Geheimdienste wie der sprichwörtliche Ochs vorm geschlossenen Scheunentor.

Snowden selbst hat Truecrypt empfohlen, der Journalist Glenn Greenwald hat dessen Dokumente damit verschlüsselt und Truecrypt so erst kürzlich einen weiteren Popularitätsschub verliehen. Ich selbst setze das Programm seit Jahren auf allen meinen Laptops ein, seit mir ein kroatischer Bloggerkollegeschilderte, wie ihn die gute alte Kryptographie vor einer Whistleblowing-bedingten Gefängnisstrafe schützte: die CroCops konnten die betreffenden Dokumente auf seiner Festplatte nämlich nicht auffinden.

Verschlüsselung organisieren

Die naheliegendste Reaktion, nämlich eine Nachfrage bei den Programmierern, scheidet aus, da niemand weiß, wer hinter TrueCrypt steckt. In respektablen 10 Jahren harter Entwicklungsarbeit gelang es dem Team, die Identität aller Beteiligten erfolgreich geheim zu halten. Das ist zwar auch eine Art von “Security through obfuscation”, wenngleich sich in der aktuellen Situation zeigt, auf welch wackligen Beinen solche Ninja-Developper-Groups eigentlich stehen.

Im Oktober 2013 sammelten Netizens via Crowfunding knapp 63.000 Dollar für den ersten unabhängigen Security-Audit der Software, der zwar schon begonnen hat, aber erst in einigen Monaten abgeschlossen sein wird. Bisher wurden Truecrypts Bootloader und sein Systemkern der hochnotpeinlichen Analyse unterzogen, die keinerlei Sicherheitsrisiken ans Tageslicht brachte. Die Qualität des eingesetzten Verschlüsselungsverfahrens wird derzeit erst überprüft, trotz der unerwarteten Wendung wollen die Tester ihre Analyse fortsetzen.

Warum will sich Truecrypt selbst in die Luft sprengen?

Seit der Veröffentlichung der Entwicklerbotschaft herrscht in der Netzgemeinde Rätselraten. Drei Möglichkeiten scheinen bislang in Frage zu kommen:

  1. Intervention von öffentlicher Seite: Behörden in den USA dürfen sogenannte “National Security Letters” verschicken, die Firmen zur Datenherausgabe zwingen. Gesprochen werden über diese Briefe nicht – so erging es etwa 2013 dem sicheren Webmail-Anbieter Lavabit. Allerdings ist fraglich, an wen besagter Brief im Falle Truecrypts denn hätte zugestellt werden sollen…
  2. Ein übler Bug: Die Entwickler haben tatsächlich eine gravierende Sicherheitslücke gefunden und können oder wollen diese nicht beheben. Offen bliebe in diesem Fall, warum derart vage kommuniziert wird.
  3. Ein Hack der offiziellen Seite: Man spekulieren, dass Truecrypt.org vielleicht gehackt wurde – freilich gibt’s auch dafür bislang keinerlei konkrete Indizien.

Soll ich Truecrypt dennoch trauen und wie geht’s weiter?

Bevor genauere Informationen vorliegen, wäre eine Panik-induzierte Deinstallation verfrüht. Und es sieht ganz so aus, als ob die Entwicklung zukünftig sogar in geordneteren Bahnen verlaufen könne. Thomas Bruderer und Joseph Doekbrijderno haben unter dem Claum “TrueCrypt must not die” den Quellcode in die “neutrale Schweiz” gerettet und wollen das Projekt dort weiterführen. Auf Truecrypt.ch wird ganz aktuell die weitere Vorgehensweise koordiniert, das Duo Encryptionale informiert auch auf Twitter unter @TrueCryptNext über den Fortgang der Ereignisse.

Zur realistischen Selbsteinschätzung des unerfreulichen Schlamassels empfehle ich einen Besuch im Truecrypt Final Release Repository. Der renommierte Sicherheitsexperte Steve Gibson trägt dort alle bisher bekannten Fakten zusammen und rät zur Besonnenheit, denn:

For reasons that are still unclear three days after the event, TrueCrypt’s developers chose not to graciously turn their beloved creation over to a wider Internet development community, but rather to attempt to kill it off by creating a dramatically neutered 7.2 version that can only be used to view, but no longer to create new, TrueCrypt volumes. [...] The mistake these developers made was in believing that they still “owned” TrueCrypt, and that it was theirs to kill.

Ein gewisser “David”, offenbar Teil des Truecrypt Kernteams, ließ auf Twitter gar wissen, dass kein aktuelles Sicherheitsproblem bekannt sei, Bitlocker “gut genug” und kein Interesse mehr an dem Projekt bestehe. Das sieht die Netzgemeinde offenkundig ganz anders. Ob das Schweizer Truecrypt Käse womöglich doch mit Löchern ist, werden wir spätestens im Sommer nach Abschluss der Sicherheitsaudits wissen. Dessen Ergebnisse dokumentiert das Analyseteam auf IsTruecryptAuditedYet.com.

Bis dahin bleibt nur die Erkenntnis: nicht mal Open Source Magier können Geister, die sie freudig riefen, auf Knopfdruck in die Flasche zurück verbannen. In ganz seltenen Fällen ist eben nicht nur Skepsis in punkto korrekter Funktionsweise, sondern auch Skepsis in punkto behaupteter Bugs angebracht.

Die Neue LinkedIn Hitparade: Wie populär ist mein Profil?

Mit der neu eingeführten “How you rank for profile views” Seite zeigt LinkedIn erstmals allen Benutzern an, wie populär deren eigenes Profil im Vergleich zum Kontakte-Netzwerk ist. LinkedIn vergleicht dafür die Profilviews der letzten fünfzehn Tage und zeigt das Ergebnis in der Form eines prozentuellen Rankings und einer Komplettliste. Praktischerweise bekommt der Nutzer auch gleich Tipps und Empfehlungen zur Optimierung der eigenen Sichtbarkeit.

Handelt es sich Gamification, um eine personalisierte Variante von Klout oder um den Versuch, die Nutzer zu mehr Aktivität anzuregen? Im Vordergrund stünde das Bestreben, Neugierde zu wecken und dadurch mehr Pro-Accounts zu verkaufen, mein Venturebeat:

The real point of How You Rank is apparently to generate more interest around the Who Viewed Me page. LinkedIn will tell you a few of the people who have viewed your profile, but then tries to temp you to buy a Premium account to view the whole list.

Wie dem auch sei: Ranglisten stacheln sowohl die Neugierde als auch den Ehrgeiz an, da geht’s Ihnen vermutlich wie mir. Und als Online Marketing Berater, der Kunden LinkedIn dringend ans Herz erhält, bekommt man einen aussagekräftigen Benachmark zur eigenen LinkedIn Strategie. Insofern freu ich mich natürlich darüber, dem oberen Fünftel meines eigenen Netzwerks anzugehören:

datenschmutz auf LinkedIn

LinkedIn Popularity aktivieren

Seit vergangenem Mittwoch steht die neue Funktion allen Nutzern zur Verfügung, die als Sprache “Englisch” eingestellt haben. Falls Sie LinkedIn in deutscher Sprache nützen, müssen Sie zur Aktivierung des neuen Profils Ihre LinkedIn Sprach-Einstellung temporär umschalten. Bewegen Sie dazu den Mauszeiger über das eigenen Profil-Icon rechts in der oberen Menüleiste, klicken Sie dann auf “Sprache ändern” und im folgenden Pop-Up auf “Englisch”. Anschließend gelangen Sie zur neuen LinkedIn Hitparade, indem Sie in der rechten Spalte Ihrer Profilseite auf “Who’s Viewed Your Profile” klicken und den rechten Tab “How you rank for profile views” auswählen.

Wenn Sie in LinkedIn eingeloggt sind und Englisch als Sprache eingestellt haben, können Sie auch einfach diesen Link klicken:
https://www.linkedin.com/wvmx/profile/rankings?trk=wvmp_how_you_rank_entry

Auf dieser Unterseite zeigt Ihnen LinkedIn die Top 10 aus Ihrem Netzwerk, mit einem Klick auf “Jump to you” springen Sie zu Ihrem eigenen Listenplatz.

LinkedIn Sichtbarkeit

LinkedIn belässt es nicht bei der bloßen Ranking-Anzeige, sondern macht in der rechten Spalte auch konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Sichtbarkeits-Index:

  • LinkedIn empfiehlt Gruppen, die zu Ihrem Interessensprofil passen.
  • LinkedIn schlägt Skills (Fähigkeiten), die zu Ihre bestehenden Eintragungen sinnvoll ergänzen.
  • LinkedIn präsentiert passende Artikel, die Sie mit Ihrem Netzwerk teilen können.

Die vorgeschlagenen Aktionen lassen sich jeweils durch Anklicken des +-Symbols direkt von der Ranking-Seite aus durchführen. Mit dem bloßen Gruppenbeitritt ist’s natürlich nicht getan – wer neue Kontakte knüpfen und sein Business-Netzwerk erweitern möchte, muss selbstverständlich aktiv mitdiskutieren und nicht bloß schweigend in der sprichtwörtlichen Ecke stehen.

Fazit: Das neue Ranking stellt eine sinnvolle Ergänzung der weltgrößten Business-Plattform dar. LinkedIns Bedeutung für die Generierung neuer Leads und fürs Content Marketing wird zukünftig noch steigen, also empfiehlt es sich auf jeden Fall, einen Blick auf den eigenen Status Quo zu werfen und die LinkedIns Optimierungsvorschläge umzusetzen.

Nutzen Sie LinkedIn für den Online-Auftritt Ihres Unternehmens? Ich zeige Ihnen, wie Sie Ihr Profil optimal nutzen und neue Kunden gewinnen.
Ritchie Pettauer auf LinkedIn

Rainer | Rosam | Ritchie: Herausgeber + Blogger gegen Meinungsfreiheit

Falstaff-Herausgeber Wolfgang Rosam gründet die Initiative der “Meinungsmutigen”, die “unerträglich gewordenen Beleidigungen, Untergriffen und persönlichen Angriffen in den anonymen Postings in allen Medien” ein Ende setzen will. Chapeau! Auch ich bin der Meinung, dass dieses Land dringend mehr namentlich zuordenbare Beleidigungen, Unter- und persönliche Angriffe braucht.

Gemeinsam mit Christian “Die Marke Ich” Rainer sind wir schon zu dritt: “Die Erträglichkeitsgrenze der anonymen Verleumdung ist erreicht,” rainert der Profil-Herausgeber, denn:

Wer “News” zu “Shitstorm” googelt, bekommt 10.900 Treffer, zu einem guten Teil individuelle Fälle aus der nahen Vergangenheit.

Schön wär’s! Man kann von Print-Journalisten nun wirklich nicht erwarten, dass es für sie ein Leben außerhalb der “News”-Suche gibt, aber ich versichere, es ist noch viel schlimmer: wenn ich “News zu Shitstorm” ganz “normal” google, dann bekomme ich sogar ungefähr 1.180.000 Ergebnisse. Aber wenn die Recherche ein Hund ist, dann liegen alle Antworten und Fragen nicht, wie Kafka meinte, in selbigem, sondern man wendet sich vertrauensvoll einer höheren verlegerischen Macht zu… und glaubt!

Warum der Plachutta-Mitarbeiter wirklich entlassen wurde, weiß ich aber bis heute nicht. (Die Story vom gestohlenen Zucker, mit dem der Name Plachutta dank Internet nun auf ewige Zeiten verbunden sein wird, glaube ich in dieser Form nicht.)

Dass Medienprofis dem “unerträglichen” Fußvolk mangels Kompetenz das Glauben und Meinen absprechen, ist so alt wie die Schlagzeile von gestern. Quod licet boves und so… meinen, wissen, glauben – die Grenzen der Erträglichkeit überschneiden sich lästigerweise in diesem eigenartigen Netzmedium. Herr Rosam hat darauf eine Antwort parat, die ihn wohl ohne weiteres für einen Internetminister-Posten im Kabinett der Unentschlossenen qualifizierte:

Postings und die freie Meinungsäußerung im Web hält der Falstaff-Herausgeber nach wie vor für demokratiepolitisch wichtig und richtig, “aber nicht in dieser Form!”

In jener Form, die Christian Rainer vorschlägt, bliebe die wahre, wirkliche Identität “zumindest der Redaktion” nicht verborgen:

Aber, was ist eine Meinung wert, zu der man nicht den Mut hat zu stehen? Zumindest der Redaktion sollten die tatsächlichen Web-Diskussionsteilnehmer in ihrer wirklichen Identität bekannt sein. Da wäre auch schon Vieles zum Positiven verändert.

Mich juckt sofort der Über-die-Schulter-Guckreflex, die NSA kommt mir in den Sinn. Der Verfasser des Kommentars spannt einen recht anderen Assoziationsbogen:

Im Netz ist Verfolgbarkeit mangels Ausforschbarkeit des Urhebers nicht erwünscht und nicht möglich. So viel zur Rechtsordnung. Und zu den Usancen – man verzeihe mir den drastischen Vergleich: Die anonyme und durchaus gewünschte anonyme Vernaderung im Dritten Reich ist noch in Erinnerung. Also weg mit der Anonymität, her mit überprüfbaren Identitäten im Netz!

Zusammengefasst: Dürften Medienmacher die Identität der Poster überprüfen, verhülfe uns dies zu einer demokratischeren Gesellschaft, weil “überprüfbare Identitäten” die Selbstzensur fördern. Muss man aber deshalb gleich grosso modo anonyme Meinungsäußerung mit einem faschistischen Spitzelsystem gleichsetzen?

Immer wieder faszinierend, in welch eigenartig enge Sackgassen die Kombination aus technischem Unwissen und Online-Abneigung führt. Als ob im Internet das Strafrecht außer Kraft gesetzt wäre, als ob online nicht jedes Posting im Bedarfsfall ganz genau rückverfolgt werden könnte, als ob ein riesengroßer Teil der beschimpften Kommentatoren nicht ohnehin unter echtem Namen oder unter einem Pseudonym, das sie als ihre “wahre” Netzidentität ansehen, posten würden.

Genau darauf weist Ingrid Brodnig in ihrer grandiosen Replik hin: im zitierten “Fall Lichtenegger” respektive bei so gut wie allen Facebook-Scheißestürmen postet die Mehrzahl der User unter echtem Namen. Weiters schreibt Ingrid, dass, anders als von Wolfgang Rosam behauptet, das Problem der anonymen Online-Kommunikationskultur keineswegs “völlig unlösbar” ist. Aber ein respektvolles Gesprächsniveau erfordert nun mal jede Menge Engagement. Kompetente Moderatoren, die im Bedarfsfall klärend, fragend und/oder löschend eingreifen, machen auf “Zeit Online” vor, wie sowas funktionieren kann.

Doch das erfordert erstens zeitlichen Aufwand und zweitens ein Umdenken, das im deutschsprachigen Bereich noch nicht stattgefunden hat: der Online-Artikel endet eben nicht mit der Publikation, die Diskussion ist ein ganz wesentlicher Bestandteil. Dass in Österreich, wo sich kaum mehr eine Zeitschrift ein Lektorat leisten will und bloße Bannerviews den Online-Werbemarkt dominieren, wenig Augenmerk auf Community-Management gelegt wird, mag nicht überraschen.

Daher ein Vorschlag zur Güte: schließen wir drei uns doch zur Allianz der supermutigen Meinungs-Herausgeber zusammen und verlangen hinkünftig eine Ausweiskopie samt DNA-Probe, Leumundszeugnis und psychiatrisch beglaubigtem Persönlichkeitsgutachten, bevor jemand auf unseren Portalen unerträglich anonym postet. Und womöglich auch noch eine andere Meinung vertritt als wir. Der Rest des Netzes wird nicht anders können, als unserem leuchtenden Beispiel mit Begeisterung zu folgen. Ich fotokopier schon mal meinen falschen Ausweis.

Google, Identitäten, Informationen und das Recht auf Vergessen

Alle Spatzen pfeifen es von den Telegraphenmasten: der Europäische Gerichtshof hat gestern entschieden, dass Google Links zu persönlichen Informationen, die das Grundrecht auf Schutz des Privatlebens erheblich beeinträchtigen, aus dem Suchindex löschen muss. Diese Entscheidung wird weitreichende Konsequenzen für das europäische Internet haben – ob Grund zum Jubeln besteht, ist allerdings mehr als fraglich. Während Mainstream-Medien von der Durchsetzung des “Rechts auf Vergessen” sprechen, sehen zahlreiche Rechts- und Branchenexperten eine (zu) weitgehende Bevorzugung des Persönlichkeitsschutzes zulasten der Informationsfreiheit.

Ins Rollen gebracht hat den Stein ein Spanier, der seinen geschäftlichen Ruf durch einen alten Eintrag gefährdet sah:

Er verlangte von Google, Links zu Berichten in einer spanischen Tageszeitung zu entfernen. Die Artikel stammten aus dem Jahr 1998, und es ging um die Zwangsversteigerung eines Grundstücks des Klägers wegen einer Pfändung aufgrund von Forderungen der Sozialversicherung. Google weigerte sich, die spanische Datenschutzbehörde verpflichtete das Unternehmen schließlich zur Löschung, wogegen dieses wiederum klagte. Das spanische Gericht legte das Verfahren nun dem EuGH vor.

Bevor der Prozess überhaupt beginnen konnte, wollte sich Google mit dem Argument, dass die eigenen Server nicht in der EU lokalisiert seien, aus der Affäre ziehen. Dieser Sichtweise schlossen sich die europäischen Richter nicht an und folgten dem Antrag von Generalanwalt Niilo Jääskinen:

Verarbeitungen personenbezogener Daten werden im Rahmen der Tätigkeiten einer “Niederlassung” des für die Verarbeitung Verantwortlichen im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der DS-RL ausgeführt, wenn der Suchmaschinenbetreiber in einem Mitgliedstaat für die Vermarktung und den Verkauf von Werbeflächen der Suchmaschine eine Niederlassung oder eine Tochtergesellschaft einrichtet, deren Tätigkeit sich an die Einwohner dieses Staats richtet.

Bereits die grundsätzliche Feststellung der Zuständigkeit könnte die Karten für eine ganze Reihe juristischer Auseinandersetzungen neu mischen. Nicht nur Google, auch andere Konzerne wie Facebook könnten diesem Urteil folgend in die Pflicht genommen werden, so sie im jeweiligen Land ein Vertriebsteam beschäftigten, wie Erich auf FM4 schreibt:

Die Logik hat sich hier nämlich insgesamt umgedreht. Das Geschäftsmodell von Google bis zu Facebook ist ja nicht der Betrieb von Suchmaschinen oder Sozialen Netzen, diese sind nur Mittel zum eigentlichen Zweck: um dort Werbeflächen zu vermieten. Der EuGH hat hier also nicht an der technischen Verarbeitung der Daten angesetzt, sondern am Geschäftszweck, für den sie verarbeitet werden.

Wo ist die Google-Löschtaste?

In der Frage, ob Google für die eigenen Index-Einträge verantwortlich sei, gingen die Richter weiter als vom Generalanwalt vorgeschlagen. Googles vertritt den Standpunkt, dass Datenlöschung bei den jeweiligen Anbietern erfolgen müsse. Man selbst stelle keine Informationen online, sondern lediglich Verweise zu Dokumenten, die öffentlich im Internet verfügbar seien. Das gestrige Urteil legt eine gänzlich konträre Sichtweise an den Tag:

Der Hintergrund dieser Frage ist ausgesprochen heikel: Denn Suchmaschinen haben eine Gatekeeper-Funktion. Wer Informationen im Internet sucht, ist auf Suchmaschinen angewiesen. Und auch umgekehrt bieten Suchmaschinen den Betreibern von Webseiten den Zugang zu einem gigantischen Publikum. Die Löschung von Informationen betrifft also gleich drei verschiedene Personengruppen: Die Betroffenen der Datenverarbeitung, die Anbieter von Webseiten und die Nutzer von Suchmaschinen, also die Allgemeinheit.

Google müsste also zukünftig Löschanträge folgen, und zwar unabhängig davon, ob die betroffenen Informationen nach wie vor online verfügbar sind. Hans Peter Lehofer bringt das grundsätzliche Problem elegant auf den Punkt:

Das würde bedeuten, dass das Online-Archiv der Zeitung bestehen bleiben könnte, der Link darauf aber rechtswidrig wäre und zu entfernen ist – und dann wohl zB auch der Link auf die Veröffentlichung im Online-Archiv der Zeitung, den ich in meinem ersten Post zu diesem Fall eingefügt hatte (ich werde diesen Link jetzt sicherheitshalber vom Netz nehmen).

Die Entscheidung des EuGH ist noch zu neu, um Prognosen zur praktischen Umsetzung abzugeben. Klar ist jedoch, dass Google sich in Kürze wohl mit einer Flut von Löschanträge konfrontiert werden dürfte. Wie eine Einzelfallprüfung aussehen könnte, steht in den Sternen, doch da im Zweifelsfall Strafzahlungen drohen, dürfte die Zensurkeule via Datenschutz demnächst kräftigen Aufwind erleben:

Denn mit der Entscheidung des EuGH, Google zur verantwortlichen Stelle zu machen, macht das Gericht das Datenschutzrecht gleichsam zu einer Waffe gegen missliebige Inhalte jeder Art. Denn, wie das Gericht völlig richtig erkennt: Das (Nicht-)Vorhandensein einer Information im Google-Index entscheidet auch darüber, ob diese praktisch im weltweiten Datennetz verfügbar ist. Wenn Google aufgrund der bloßen Tatsache, dass auf verlinkten Seiten personenbezogene Daten vorgehalten werden, verpflichtet werden kann, die entsprechenden Ergebnisse aus seinem Suchindex zu löschen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten von kritischer Information Betroffenen sich genau diesen Hebel zu Nutze zu machen versuchen.

Thomas Stadler formuliert dies noch drastischer und weist in seinem Beitrag “Wer gegen Netzsperren ist, muss auch das EuGH-Urteil zu Löschpflichten von Google ablehnen” auf die medienpolitische Dimension des Urteils hin:

Dass Google im Grunde ein Medienanbieter ist, dem man auch ein Medienprivileg zubilligen kann und muss, wird vom EuGH völlig ausgeblendet. Wer wie ich die Meinungs- und Informationsfreiheit für das vielleicht höchste Gut einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft hält, kann gar nicht anders, als dieses Urteil entschieden abzulehnen.

Fazit: Datenschutz sticht Informationsfreiheit

Insgesamt hinterlässt das EuGH-Urteil zum “Recht auf Vergessen” einen schalen Nachgeschmack. Die Freude darüber, dass sich US-Konzerne nicht mehr mit einem simplen “Unsere Server stehen nicht auf eurem Kontinent!” aus der Verantwortung stehlen können, wird getrübt durch die Schattenseite der Löschfunktion. Denn wenn mangels alternativer Suchmaschinen auch stets von einem “Google-Urteil” die Rede ist, so gilt die Entscheidung sinngemäß für alle öffentlich zugänglichen Web-Archive, die personenbezogene Daten enthalten.

Freilich gibt es auch positive Stimmen. RA Cornelius Renner differenziert zwischen “Verfügbarkeit” und “Auffindbarkeit”:

Je nachdem, wie die EuGH-Rechtsprechung von den nationalen Gerichten jetzt umgesetzt wird, ist kann sie nun durchaus zu einem sachgerechten Ergebnis führen: Berichte über Straftaten wären über Archive von Zeitungen bei der gezielten Suche danach noch abrufbar, so dass die Geschichte nicht getilgt würde, sie würden aber nicht jedem gleich “unter die Nase gerieben”, der den Namen des Betroffenen in der Suchmaschine eingibt.

Diese Konstellation klingt für mich nach einer zutiefst “österreichischen Lösung”, also nicht Fisch noch Fleisch. Denn sie verlagert das grundlegende Probleme auf die Ebene der Medienkompetenz: wer weiß, wo und wie er sucht, findet die ganze Wahrheit – der breiten Öffentlichkeit dagegen bleibt verborgen, was im Dunkel der digitalen Archive schlummert.

Ob europäische Google-Ergebnisseiten demnächst tatsächlich in großem Stil abspecken werden, muss sich zeigen – der eingangs erwähnte Spanier jedenfalls hat sein angestrebtes Ziel nicht erreicht, wie Hans Peter Lehofer anmerkt:

Eine ketzerische Frage dazwischen: dürfte der Betroffene von Google auch verlangen, dass bei der Suche nach seiner Person ein Link auf dieses Urteil des EuGH aus den Ergebnislisten genommen wird (der Name des Betroffenen wurde vom EuGH nicht anonymisiert)? Immerhin erfährt man aus dem Urteil ja, dass der Betroffene vor 16 Jahren von einer Zwangsversteigerung betroffen war, was als solches wohl kein beonderes öffentliches Interesse rechtfertigen kann.