Twitter Analytics Guide: Wie Sie das neue Statistik-Dashboard optimal nutzen

Seit einigen Tagen ist Twitters mächtiges Statistik Tool für alle Nutzer des populären Microblogging-Services verfügbar. Werbetreibende haben schon länger Zugriff auf analytics.twitter.com. Doch erst kürzlich begann Twitter, das begehrte Analytics Feature für alle Nutzer auszurollen. Mittlerweile hat jeder Nutzer auch im deutschsprachigen Bereich Zugriff auf die statistischen Auswertungen der eigenen Twitter-Aktivitäten. Im folgenden Guide finden Sie Informationen zu aktuellen Nutzungszahlen sowie eine Anleitung zur Nutzung der neuen Twitter Statistik.

Zahlen und Fakten: Wie populär ist Twitter im D-A-CH Raum?

Im kommerziellen Bereich stößt Twitter häufig auf Sketpsis und kommt im D-A-CH Raum in der Regel dann zum Einsatz, wenn mindestens ein Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung selbst begeisterter Microblogger ist. Während Privatnutzer die unkomplizierte Plauderei meist als essentielle Bereicherung ihres Alltags erleben (ja, ich wundere mich auch), bleibt für Unternehmen stets die Frage im Raum: Lohnt sich der Aufwand für die paar Leudde? Gerade mal 121.000 österreichische Twitter-Accounts, von denen bloß die Hälfte die Plattform aktiv nutzen, entsprechen in etwa der Reichweite eines oder zweier erfolgreicher lokaler Printmediums. Respektive 1,5 Prozent der Alpenrepublikaner.

In Deutschland schwanken die Zahlen je nach Studie. Anfang 2014 sprach Statista von 10 Millionen Usern, allerdings entstand diese Zahl im Rahmen einer repräsentativen Umfrage. Konservativere Quellen gehen von zwischen 1.5 und 2 Millionen aktiven Nutzern am Tag aus, das entspricht unter 3 Prozent der Gesamtbevölkerung. In der Schweiz twittert wohl eine halbe Million, immerhin stolze 6 Prozent der Gesamtbevölkerung, dennoch deutlich im einstelligen Bereich.

Gesamtbevölkerung
Twitter-Nutzer in Österreich: 1,5 Prozent
Twitter-Nutzer in Deutschland: 3 Prozent
Twitter-Nutzer in der Schweiz: 6 Prozent

Solch magere Zahlen können mit der scheinbaren Totaldurchdringung Facebooks keinesfalls mehr mithalten. Zuckerbergs Netzwerk scheint mittlerweile Basis, Spitze und Mittelteil der Social Media Pyramide zu sein, also muss die strategische Entscheidung für Unternehmen wohl völlig klar sein. Oder? Die einzig mögliche Antwort lautet: man weiß es nicht. Lässt man das ganze Geschwafel von den tollen Opinion-Leadern, die angeblich lieber 140-Zeichen-Kurznachrichten als Foto-Status-Updates mögen, bleibt immer noch das Problem der enorm gesunkenen Facebook Reichweite.

Twitter Analytics: Unerwartet nützliche Statistiken für Unternehmen

Ich beziehe mich hier, das muss an dieser Stelle klar gesagt werden und gilt auch für den Rest dieses Beitrags, ausschließlich auf die Situation von Unternehmen. Die bekommen von Facebook schon länger detaillierte Nutzungszahlen zu ihren Pages, auf Twitter tappte man bislang im Dunkeln oder musste sich auf mehr oder weniger zuverlässige externe Werkzeuge verlassen. Die neuen Statistiken helfen allen professionellen Twitter-Nutzern effektiv bei der Beantwortung folgender essentieller Fragen:

  • Benchmarking: Wie viele Kontakte generiere ich auf Twitter im Vergleich zu meiner Facebook Seite?
  • Posting-Zeitpunkt: Zu welcher Uhrzeit werden die eigenen Tweets am aufmerksamsten gelesen?
  • Redaktionsplanung: Welche Themen kommen bei meinen Followern am besten an?

 

Twitter Statistiken

Twitter zeigt jetzt allen Nutzern detaillierte Statistiken.


Was kann Twitters Statistik-Dashboard?

Das Twitter Analytics Dashboard zeigt sowohl Zahlen zu einzelnen Tweets als auch Durchschnittswerte zu den vergangenen 28 Tagen an. Zweitere lassen sich erfreulicherweise komplett als CSV exportieren, um so offline weitere Auswertungen vornehmen zu können. Das dürfte in vielen Fällen aber gar nicht notwendig sein, denn das Dashboard stellt Informationen zur Follower-Entwicklung sowie zu den Interessen, Locations und zum Geschlecht der eigenen Leser recht übersichtlich dar.

Besonders nützlich für die Optimierung der eigenen Tweet-Strategie finde ich die Detaildaten zu Einzelmeldungen. Erstens kommt es oft anders, als man denkt: einer meiner Interkations-stärksten Tweets der letzten Wochen befasste sich mit… lecker Erdbeertörtchen. Ich hab einen Sekundenbruchteil lang sogar überlegt, ob ich meine Online Marketing Karriere zugunsten der Zuckerbäckerei aufgeben soll *g*

Zweitens liefert die Kombination aus Gesamtperformance und Mikro-Perspektive spannendere und leichter verwertbare Einblicke als alle Drittanbieter-Auswertungstools, die ich bisher benutzt habe (Hootsuite, SumAll, Buffer).

Welche Daten und Fakten rückt Twitter nun raus?

Twitter teilt das Statistik-Portal in drei Bereiche auf. Der Startbildschirm von analytics.twitter.com präsentiert Statistiken zu den eigenen Kurznachrichten. Der Menüpunkt „Follower“ präsentiert Zahlen und demographische Daten zu den eigenen Followern, “Twitter Cards” zeigt Auswertungen zu Twitters Metadatenformat.

Alles über Tweets – gesamt und pro Nachricht

Nach dem Einloggen bzw. dem Aufrufen von analytics.twitter.com gelangt man erstmal zu einer Übersichtsseite, welche die Tweet-Impressions der letzten 28 Tage übersichtlich zusammenfasst. Wenn man so ignorant und sporadisch twittert wie ich, ergibt das natürlich ganz ordentliche Ups and Downs.

Twitter Analytics

Übersicht über die Tweets der letzten Monate

Die Übersichtsliste mit den einzelnen Tweets folgt darunter, aufgeteilt in Tweets, Tweets und Antworten sowie Werbenachrichten. Hier zeigt Twitter folgende Daten an:

  • Impressionen: Wie viele Nutzer haben die jeweilige Nachricht auf Twitter gesehen?
  • Interaktionen: Wie oft haben Nutzer auf die Nachricht reagiert? Hier zählt Twitter Replies, Favs, Retweets – aber, ACHTUNG – auch Follows und Clicks innerhalb der Nachricht, etwa auf Links oder auch #Hashtags.
  • Interaktionsrate: berechnet nach der bewährten Formel (Interaktionen/Impressionen)*100 und in Prozent angegeben. Sozusagen die Twitter Conversion-Rate.*

* Anmerkung für Stochastiker: ob die Interaktionsrate hier über 100% liegen kann, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Theoretisch könnten ja 100 Nutzer eine Nachricht sehen. Wenn jeder einzelne Retweeted und 10 davon zusätzlich von faven, läge die IR nämlich bei 110%. Und wenn das passiert, endet das Internet, wie wir es kennen. Aber zum Glück gibt’s ja genug ignorante Bots *g*)

Der Klick auf eine einzelne Nachricht führt zur Detailanzeige im Pop-Up Fenster. Hier listet Twitter für jede einzelne Nachricht die folgenden Parameter auf.

Twitter Analytics

Detailansicht: Tweet-Statistik

  • Impressionen
  • Detailerweiterungen (wie oft hat Nutzer auf “mehr Details” geklickt)
  • Antworten
  • Retweets
  • Favoriten

All diese Daten lassen sich via CSV-Export in eigenen Tools weiterbearbeiten. Wie man die einzelnen Metriken bewertet und gewichtet, hängt natürlich von der jeweiligen Strategie und den Business-Zielen ab. Die Interaktionsrate bietet einen guten Anhaltspunkt, weit mehr Detail-Einsichten erhält man durch die Einteilung der Nutzer-Aktionen in “Direct Engagement” (Nutzer interagiert direkt mit dem eigenen Account) und “Indirect Engagement” (Favs, Klicks auf “mehr sehen” etc.).

28 Days later

Auf der rechten Seite der Nachrichtenliste blendet das Dashboard diverse Vergleichs-Charts ein. Hier sieht man auf einen Blick, ob Interaktionsrate, Link-Klicks, Retweets, Favoriten und Antworten im Vergleich zu den vorigen 28 Tagen gestiegen oder gefallen sind. Zu einzelnen Tweets gibt’s derzeit noch keine grafische Auswertung, einen frei einstellbaren Vergleichszeitraum hat Twitter ebenfalls nicht vorgesehen.

Was erfährt man über die eigenen Follower?

Der zweite Hauptmenüpunkt widmet sich der eigenen Followerschar. Detaildaten (hallo Datenschutz) findet man hier keine, stattdessen ein bis zu zwei Jahre zurückreichende Darstellung der eigenen Follower-Entwicklung sowie ein paar demographische Auswertung.

Twitter Statistik

Twitter Analytics: Das Follower-Dashboard

  • Interessen: Twitter kategorisiert seine Nutzer nach selbigen und zeigt die 5 am stärksten vertretenen Themen an sowie darunter eine Gesamtliste der “Top-Interessen”. Dass mit 49% und 48% “Technologie” und “Technische Neuheiten” an erster Stelle stehen, zeigt übrigens recht deutlich, wie wenig Twitter-Themenhoheit mit dem echten Leben zu tun hat und dass die Seite nach wie vor weit mehr Männlein als Weiblein und Sonstige twittern.
  • Standort: Hier zeigt Twitter die Länderaufteilung der eigenen Follower als quadratische Grafik mit korrespondierenden Segment-Größen. (Wenn jemand den Fachausdruck für solche Grafiken kennt, bitte aufzeigen und kommentieren.)
  • Geschlecht: zur Abwechslung mal ganz klassische männlich/weiblich.
  • Ihre Follower folgen auch: Die 10 Twitter-Accounts, denen die meisten Ihrer Follower ebenfalls folgen mit Prozentwerten.

Exportfunktion hat Twitter hier keine vorgesehen und fürs detaillierte Reporting hält sich der Nutzen dieser Daten in eher engen Grenzen. Man könnte allenfalls auswerten, ob und wie sich die Interessen über den Verlauf der Zeit ändern, um diese Erkenntnisse für die eigene Redaktionsplanung zu nutzen.

Twitter Cards – lohnt sich die Verwendung?

Der dritte Abschnitt der Twitter Statistik bezieht sich auf ein relativ neues Feature. Wohl inspiriert von Facebooks Open Graph führte Twitter ein eigenes Set von Metatags ein. Deren Inhalte befüllen die sogenannten “Twitter Cards”, mit denen man kurze Textpassagen, Fotos oder auch Videos an Kurzmeldungen anhängen kann. Twitter sieht verschiedene Typen von “Karten” vor. Damit diese auch angezeigt werden, muss der jeweilige Webmaster die passenden Tags hinzufügen und die Domain zusäztlich mit dem offiziellen Validator-Tool freischalten.

Twitter Cards Analytics

Die Twitter Cards Statistik

Interessierte finden im offiziellen Guide nähere Informationen. Hier auf datenschmutz nutze ich noch seit einer Weile das grandiose Easy Social Share Buttons Plugin für WordPress, das unter anderem auch besagte Metatags einfügt. Twitter verspricht höhere Klickraten, und in der Tag zeigen die Statistiken, dass mit grafischen Inhalten “angereicherte” Tweets deutlich höhere Klickraten erzielen. Im Detail verrät das Analyse-Werkzeug hier folgende Daten:

  • Schnappschuss: grafische Darstellung der Zusatzclicks durch Twitter-Cards.
  • Änderung im Zeitverlauf: zusätzliche Impressions und Clicks durch Twitter Cards.
  • Card-Typen: Twitter bietet verschiedene Typen (Photo Card, Gallery Card, Player Card etc.) an. Diese Auswertung zeigt, welche am besten bei den eigenen Followern ankommen.
  • Links: Welche Twitter Card Links erzielten die meisten Clicks?
  • Einflussnehmer: Die fünf Accounts, die am häufigsten Links zu eigenen Inhalten tweeten.
  • Tweets: Die fünf Twitter-Card Kurznachrichten mit den meisten Clicks.
  • Quellen: Apps, Webseiten und Widgets, mit denen am häufigsten getweetet wurde.

Dass Twitter das hauseigene Card-Format pushen will, liegt auf der Hand. Die meisten Nutzer dürften sich allerdings weit mehr für die “Primärnutzungsdaten” ihrer Kurznachrichten interessieren. Nur Wer jedoch bereits Twitter-Cards einsetzt, bekommt hier Daten zu Gesicht und sieht immerhin auf einen Blick, welche Zusatzinhalte die meisten Interaktionen erzeugten.

Fazit: Regelmäßige Besuche im Twitter Analytics Dashboard zahlen sich aus!

Die einzigen, die sich nicht über die neuen Tweet-Statistiken freuen dürften, sind spezialisierte Drittanbieter Tools. Für alle Nutzer, die nicht aus Spaß an der Freude twittern, sondern den Microblogging-Dienst als Teil ihrer Online-Marketing-Strategie nutzen, liefert die hauseigene Statistik wertvolle Einblicke und eine solide Entscheidungsgrundlage für den zukünftigen Umgang mit dem blauen Zwitscher-Vögelchen.

Ich vermute stark, dass Twitter im Lauf der nächsten Monate noch einige Funktionen nachliefern wird. An erster Stelle meiner persönlichen Wunschliste stehen frei wählbare Vergleichszeiträume und detailliertere Followerdaten.
Wer regelmäßig Reportings abliefert, bekommt aber schon jetzt ein intuitiv bedienbares, exzellentes Werkzeug inklusive der sonst so oft vermissten Export-Funktion. Damit tut sich Twitter nicht zuletzt selbst einen veritablen Gefallen, denn Hard Facts machen Twitter von einem mysteriösen Hoffnungsträger zum kalkulierbaren Bestandteil der eigenen Online Marketing Strategie.
Haben Sie das neue Twitter Analytics Dashboard schon ausprobiert? Finden Sie die Statistiken nützlich und verwenden Sie sie in Ihren Reportings? Erzählen Sie mir von Ihren Erfahrungen!

 

Was sagen Sie zum neuen Twitter Statistik Dashboard?

Netzsperren umgehen: Wie Sie Pirate Bay und Kinox.to in Österreich weiterhin nutzen können

Ab heute sollen die größten österreichischen Internet-Provider für sämtliche Kunden den Zugang zu einigen der populären Webseiten sperren, darunter Kinox.to, Movie4k und Piratbay.se. Auf Antrag dees Vereins für Antipiraterie wird also heute die Netzneutralität in Österreich aufgehoben. Doch keine Sorge: die betreffenden Sperren lassen sich je nach technischer Umsetzung super-einfach oder recht simpel umgehen. Die Anleitung und die technischen Hintergründe beschreibe ich in diesem Beitrag.

UPDATE: Nach gestrigen Gesprächen zwischen ISPA und VAP wurde die Frist nun um 14 Tage verlängert.

Unsere boboesquen Neo-Grünen Kleinparteien machen sich zwar auf Podiumsdiskussionen stark für die Verteidigung von Netzneutralität. Im echten Gesetzesleben siegen dann aber doch die alten Herren, und deshalb werden ab heute Kinox.to, Movie4k und Pirate Bay für den Großteil der österreichischen Bevölkerung nicht mehr erreichbar sein. Dem Verein für Antipiraterie (nicht zum verwechseln mit dem Club gegen Piraterie!) ist nämlich gelungen, was jahrelang verhindert werden konnte: wegen einiger ausgewählter “Urheberrechtsverletzungen” (wie ich dieses Unwort nicht mehr hören kann!) zwangen Sie die großen österreichischen Provider erfolgreich zum Blockieren der betroffenen Seiten. Der Standard schreibt dazu:

Neben PirateBay.se sollen auch Kinox.to und Movie4k blockiert werden. Die Seiten könnten ab Freitag auf regulärem Weg für Nutzer von Internetprovidern wie A1, “3”, T-Mobile oder UPC nicht mehr erreicht werden. Rechtlich gedeckt ist die Aufforderung durch einen Entscheid des Obersten Gerichtshofs. Das Höchstgericht hatte vergangene Woche festgestellt, dass sogenannte Netzsperren legitim sind, insofern als auf den blockierten Portalen Urheberrechtsverletzungen stattfinden.

Die Provider selbst sind naturgemäß nicht besonders glücklich über die Entscheidung. Maximilian Schubert, Generalsekretär der ISPA, und Helmut Spudich, Ex-Standard Journalist und nunmehriger T-Mobile Pressesprecher, fühlen sich erstmal technisch überfordert:

Das sind naive Vorstellungen, wie Sperren im Netz funktionieren”, meint Spudich. “Da reicht es nicht, an einer Stelle etwas einzutippen und schon funktioniert es.” Zudem sei derzeit noch gar keine Sperrinfrastruktur vorhanden. “Diese in so kurzer Zeit, bis Freitag, zu implentieren, halten wir für schwer möglich”, so Schubert.

Der gemeine Blogger wundert sich. Bei Kinderporno-Seiten funktionieren Sperren nämlich genau so: einfach etwas eintippen und schon ist die Seite weg. Simsalabim! Oder hat T-Mobile mittlerweile völlig die Kontrolle über die eigenen Gateways verloren?

Netzneutralität, Netzsperren und die Rechts-Abwägung

Das Problematische an Sperrinfrastrukturen ist ja grundsätzlich: sind sie erst mal da, wecken sie bei zahlreichen Interessensgruppen Begehrlichkeiten. Denn mit Abmahnung kann man in Österreich nicht gegen Streamer vorgehen, also muss die Sperrkeule her. Ich bin gespannt, wann die Kopierschützer einen Sperraufforderung für Youtube verschicken… Denn:

Interessant ist auch, dass sich die Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay von den anderen beiden “strukturell rechtswidrigen Webseiten” unterscheidet, die von der Sperraufforderung betroffen sind. Es ist daher fraglich, ob eine Sperraufforderung in diesem Fall gerechtfertigt ist. “Bei Pirate Bay sind auch legale Inhalte drauf”, so Schubert.

Jede Menge legaler Inhalte: Compilations von Büchern mit abgelaufenem Urheberrecht, Veröffentlichungen von Netlabels, Open Source Software und vieles mehr. Denn wer aus Spaß an der Freude produziert, wird in der Regel kein Geld in teure Vertriebstechnologien stecken. Gerade für No-Budget Produktionen im Videobereich hat sich das Torrent-Protokoll als genialer Vertriebskanal bewiesen, und PirateBay ist eines der populärste Torrent-Portale. Diese Seiten bieten nicht die eigentlichen Dateien zu Inhalt an, sondern klitzekleine .torrent-Files, die man mit einem speziellen Client (zum Beispiel uTorrent) öffnet. Der liest aus diesen “Download-Bookmarks” die notwendigen Informationen aus und lädt die betreffenden Dateien dann verteilt von verschiedenen, am Torrent-Netzwerk teilnehmenden Rechnern, herunter.

Kurz gesagt: das Bittorrent-Protokoll spart für Anbieter Server- und Traffic-Kosten und erlaubt dem Nutzer blitzschnelle Downloads. Wir sprechen hier in erster Linie von einer technischen Infrastruktur, nicht von einem dedizierten Piraten-Werkzeug. Wahr ist, dass dieses Torrent-Protokoll vielfach genutzt wird, um urheberrechtlich geschütztes Material im Netz zu verbreiten. Aber eben keineswegs ausschließlich.

Ein umfassendes Portal aufgrund einzelner Dateien mit Bausch und Bogen für ein ganzes Land zu sperren, ist übertrieben und zeigt in erster Linie, dass die Urheberrechts-Industrie in Österreich über eine schlagkräftigere Lobby verfügt als Netzpolitiker.

Es gäbe auch sonst noch viel zu sagen zu respektive gegen Netzsperren, aber da sie nun mal da sind, wollen wir frohen Mutes in die Zukunft blicken und uns die Frage stellen: Wie können wir die Netzsperren umgehen, um weiterhin unsere geliebten, legalen Public Domain Torrents von PirateBay runter zu laden? VPN respektive alternativer DNS-Server lauten die zwei Zauberwörter.

Die neuen Netzsperren elegant umgehen und weiter Piratebay nutzen

Den Providern bleibt selbst überlassen, wie sie die Sperrung technisch umsetzen. Zwei Methoden kommen in Frage: DNS-Sperren oder IP-Blockaden. Selbstverständlich sind diese Anleitungen keine Aufforderung zur Begehung von Urheberrechtsverletzungen – wir achten stets darauf, nur copyright-freie Inhalte zu konsumieren.

Im ersten und einfacher zum umgehenden Fall wird die IP-Adresse nicht mehr aufgelöst. Jeder Webserver ist für Ihren Browser nämlich über eine 12stellige, aus vier Dreiergruppen bestehende Zahl erreichbar. Domains gibt’s bloß deshalb, weil wir Menschen uns die nun mal leichter merken als lange Zahlekolonnen. Im Hintergrund fragt der eigene Browser bei jeder Adressangabe beim DNS-Server des Providers nach, welche IP-Adresse zur angeforderten Domain gehört.

datenschmutz beispielsweise hat die IP-Adresse 188.40.54.132. Wenn Sie diese in der Adressezeile des Browser eingeben, kommen Sie genauso zur Startseite wie bei der Eingabe der Domain blog.datenschmutz.net. (Dass die IP-Adresse hier zur Domain umspringt hat mir Rewrite-Regeln und Cannonical URLs zu tun, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.)

Eine DNS-Sperre bewirkt, dass gesperrte Adresse vom DNS-Server nicht mehr “aufgelöst” werden, dieser also keine zugehörige IP zurückliefert – und damit ist die Seite nicht mehr erreichbar. Wer bisher aufmerksam mitgelesen hat, dem dürfte jetzt klar sein: um diese Sperre zu umgehen, reicht es, die IP-Adresse der jeweiligen Seite zu kennen und direkt einzutippen.

Herausfinden lässt sich diese ganz einfach mit einem simplen Ping-Befehl. Linux-User wissen sowieso, wie das geht, Apple wird hier nicht supportet (Mac-freie Zone! *g*) und für Windows-Nutzer eine kleine Schritt-für-Schritt Anleitung. Den Ping-Befehl liefert nämlich jede Windows-Edition mit. Man muss sich lediglich für ein paar kurze Momente auf die längst entschwunden geglaubte Kommandozeile begeben. Und zwar so:

  1. Klicken Sie auf Start -> ausführen/run und geben Sie (ohne die Anführungszeichen!) “cmd” ein und drücken anschließend die Enter-Taste.
  2. Daraufhin öffnet sich ein DOS-Fenster. Hier tippen Sie (natürlich wieder ohne Anführungszeichen) “ping www.domain.com” gefolgt von der Eingabex-Taste ein.
  3. Als Resultat erhalten Sie eine mehrzeile Ausgabe. Die Zahl nach “Reply from” ist die IP-Adresse der jeweiligen Seite:

Netzsperren Umgehen

Das Fenster können Sie anschließend wieder schließen – Profis tippen dazu “exit” ein und drücken Enter. IP-Adressen können sich natürlich ändern, derzeit schaut’s so aus:

  • PirateBay.se: 194.71.107.15
  • Kinox.to: 91.202.62.170
  • Movie4k.to: 91.202.63.160

Noch bequemer ist nur die Umstellung des DNS-Servers: nutzt man statt der Infrastruktur des Providers einen anderen öffentlichene DNS-Server, beispielsweise den von Google. Dann greift die DNS-basierte Netzsperre ebenfalls nicht und man kann die Domains ganz normal eingeben. Die Umstellung erfolgt entweder direkt im Router – dort trägt man als primären DNS-Server 8.8.8.8 und als sekundären 8.8.4.4 ein, anstatt die Einstellungen vom Provider automatisch zu beziehen. Am Rechner direkt funktioniert’s auch, eine Anleitung für Windows 7 hat die PC Welt.

Wie umgeht man IP-Blockaden?

Ein wenig mehr Aufwand erfordert die Umgehung der zweiten Sperrmöglichkeit. Mittels IP-Blockaden können Provider nämlich ebenfalls verhindern, dass ihre Kunden auf verbotene Server zugreifen. Alternative DNS-Server oder die direkte Eingabe der IP helfen in diesem Fall nix – hier sind Proxy-Netzwerke gefragt, am besten in Kombinationmit einem Virtual Private Network. So erreicht man zweierlei: erstens werden alle Daten verschlüsselt übertragen und zweitens “sieht” der Provider nicht, auf welchen Server man zugreift, sondern kann lediglich die IP-Adresse(n) des Proxy-Netzwerks eruieren. Das gleiche gilt für den Betreiber des Servers, der die Daten bereitstellt.

Mittels solcher Proxy-Verbindungen lassen sich übrigens auch lästige länderspezifische Sperren aushebeln. Dieses Youtube-Video darf nur in den USA gezeigt werden? Kein Problem, schließlich existieren gut gepflegte Listen solcher Proxies. Eine leicht verständliche Anleitung gibt’s am Coder Blog.

Knackpunkt an der Sache: auf längere Sicht handelt es sich um eine Kopf-an-Kopf rennen, denn VPN-Anbieter verfügen zwar über umfangreiche eigene Proxy-Netzwerke, aber die Zahl der IP-Adressen ist limitiert. So versuchten in der Vergangenheit mehrere Anbieter, VPN-Nutzer gezielt auszusperren. Die Performance der meisten öffentlichen Proxy-Server ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, was besonders beim Videostreamen einen gravierenden Nachteil darstellt.

Der Cyberghost, den ich rief

Die technischen Grundlagen eines VPN im Detail zu erklären, würde an dieser Stelle zu weit führen. Netzwerk-Experten klicken sich ihre eigenen Lösungen aus Freeware-Komponenten zusammen. Wer nicht in die Untiefen der Netzwerk-Administration abtauchen will, kann auf spezialisierte Dienstleister zurückgreifen, die “rundum-sorglos Pakete” verkaufen – und in der Grundversion teilweise sogar gratis anbieten.

Für die Umgehung von IP-Sperren und grundlegende SSL-Verschlüsselung reicht bereits kostenlose Version von CyberGhost. Die Umgehung von Sperren ist sozusagen nur ein kleiner Zusatzbonus – es gibt viele gute Gründe, so verschlüsselt, sicher und privat wie möglich zu surfen. Ich nutze seit über einem Jahr die Pro-Variante, die neben höherer Geschwindigkeit und mehr Proxy-IP-Adressen auch starke Verschlüsselung bietet sowie Clients für Android- und iDevices. Im Preis von €50 pro Jahr ist unlimitierter Traffic enthalten, außerdem gibt’s laufend Special Angebote – aktuell etwa 12 + 12 Monate gratis. Unterstützt der eigene Router VPN-Verbindungen, kann man das ganze Heimnetz auf einen Schlag durchs VPN-Tunneln: – aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Fazit: Die österreichische Neo-Netzsperren sind also bis dato kein echtes Hindernis. Und wenn sie dazu führen, dass sich Nutzer beginnen, mit Internet-Technologien, Verschlüsselung und VPNs zu befassen, dann hat das Ende der Netzneutralität sogar ein klein wenig Gutes im Schlechten.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Die 8 besten SEO-Tricks mit E-Mail Alerts

E-Mail Alerts sind aus dem modernen Web nicht mehr wegzudenken. Und dank Gmails smarter Filterung bekommen Heavy Social Media Nutzer die meisten davon gar nicht erst zu Gesicht. Schade, denn wie Rank Fishkin von MOZ im Whiteboard-Friday Video vom 27. Juni erklärt, lassen sich eine Reihe von Tools nicht nur für Monitoring-Zwecke einsetzen, sondern liefern bei richtiger Konfiguration Rohdaten, die für die eigene Suchmaschinenoptimierung pures Gold wert sind.

Der Pagerank-Algorithmus verändert sich beständig. Immer wieder muss Google auf aktuelle Entwicklungen und nicht zuletzt Manipulationsversuche reagieren. Die Zeiten, in denen die Backlinks den einzig entscheidenden Faktor für die Platzierung im Index darstellen, sind längst vorbei. Dennoch ist die Backlinkstruktur einer Webseite nach wie vor eines der wichtigsten Kriterien. Auf die eigene und die der Konkurrenz sollte man also einen genauen Blick werfen – und dabei sind Google Alerts, der Fresh Web Explorer, Talkwalker, Mention und Trackur ausgesprochen nützlich, findet Rand.

Der Fresh Web Explorer gehört zum kostenpflichtigen Werkzeug-Portfolio von MOZ, deshalb bezieht sich die Syntax der Suchanfragen im Vortrag auf das hauseigene Tool. Die kostenlosen Google Alerts beherrschen nur einen Teil der Funktionalitäten, aber es geht gar nicht um die technischen Details, sondern um die grundsätzlichen Überlegungen hinter den vorgeschlagenen Analyse-Methoden. Oder haben Sie schon mal daran gedacht, sich für frische Backlinks bei den jeweiligen Autoren auf Social Media Plattformen zu bedanken (Punkt 6)?

Hier eine kurze Zusammenfassung der 8 Punkte, die deutlich zeigen, dass ein gut durchdachtes Monitoring- / E-Mail-Alert Setup nicht bloß Erwähnungen anzuzeigen kann, sondern integraler Bestandteil des Online Marketing Gesamtkonzepts sein sollte:

  1. Seiten, die zu meiner Konkurrenz linken, aber nicht zu mir: Identifikation potentieller neuer Linkpartner.
  2. Einträge, die meinen Markennamen erwähnen, aber nicht auf mich verlinken: Da kann man ja nochmal höflich nachfragen…
  3. Einträge, die meine Hauptkeywords enthalten, aber nicht auf mich verlinken: eine recht breite Suche, die im zweiten Schritt nach “Authority” gereiht werden sollte.
  4. Inhalte von News- oder Konkurrenzseiten zu einem meiner Kernthemen: Und wenn’s nur der Inspiration dient.
  5. Backlinks auf meine Seite aus einer spezifischen Region: Spannend bei Roll-Outs in neue Märkte.
  6. Links zu meiner persönlichen oder beruflichen Webseite: Höfliche SEOs sagen (laut) danke.
  7. Blogs und Blogger, die über für mich relevante Themen schreiben: Multiplikatoren identifizieren.
  8. Links zu Informationen, die man selber in besserer Qualität anbietet: Tun Sie Ihren Surfern etwas Gutes und verlinken Sie auf mich, Sir!

Das komplette Transkript des elfminütigen Videos gibt’s am Moz Blog.

Hätten Sie gerne mehr Traffic von Google auf Ihrer Seite? Ich unterstütze Ihr Unternehmen bei der Optimierung Ihrer Suchmaschinen-Strategie und zeige Ihnen, wo ungenutzte Potentiale liegen.

G+ Reichweite: 4 essentielle Tipps für mehr Shares und mehr +1s auf Google Plus

Google+ sei bislang ja nur eine Potemkin’sches Dorf, hört man von manchen Unkenrufern, die offenbar schon lange nicht mehr am Up-and-coming Social Network vorbeigeschaut haben. Dabei könnte das vorschnelle Urteil über Big G’s bisher ambitioniertesten Einstieg in die Welt der Social Networks unzutreffender nicht ausfallen. Wer meint, G+ sei bloß ein Zuckerberg-Clon in mehrfarbig statt blau, übersieht, dass des Googles Kern völlig anders funktioniert als die blaue Lagune. Und wer Likes mit +1s vergleicht, der erkennt auch keinen Unterschied zwischen Birnen- und Apfelstrudel. Die Stärken des Up-and-coming Social Networks 2014 stecken in den Communities, die Tücken im Detail. In diesem Postings erkläre ich, was ich an Google Plus mag und gebe Ihnen vier entscheidende Tipps, die Sie bei Ihrer eigenen G+-Strategie Unternehmensstrategie unbedingt beherzigen sollen. Was? Sie haben noch keine? Dann wird’s aber höchste Zeit!

Die Zeit spielt nämlich gegen Zuckerberg und für den Monopolisten Google, viele Facebook-Pages haben mittlerweile eine Fanreichweite von gerade mal noch 1 bis 2 Prozent. Zukünftig noch engere Verzahnung von Suche, Youtube und Community, fantastisch umgesetzte Tools wie die Hangouts und überlegene Qualität bei Fotopostings sind bloß der Staubzucker am Plus-Nusshörnchen. Seine größten Stärken spielt Google+ derzeit in den Communities aus: Im Vordergrund steht nicht wie bei Facebook die Distribution von Inhalten an die eigenen Freunde/Fans, sondern die Kommunikation mit Gleichgesinnten – ziemlich social, das ganze. Wer hier zukünftig möglichst weite Kreise ziehen will, sollte nicht länger zögern.

Doktor StrangeSEO oder wie ich lernte, Google+ zu lieben

Dass G+ einene enormen Mehrwert bietet, habe ich in den letzten Tag bemerkt. Nach dem datenschmutz-Redesign fiel mir ich, dass plötzlich etliche Schlagwort-Pages meiner WordPress-Installation von Google indexiert worden waren – trotz “noindex”-Metatag. Schnell einen Screenshot und eine kurze Erklärung des Problems in meine Lieblings-SEO-Community gestellt – die Antwort folgte in Windeseile. Ich hatte mein WPSEO-Plugin für ein paar Stunden deaktiviert und nicht bedacht, wie schnell Google seit Caffeine den Index updatet.

Nur ein kleines Beispiel – aber symptomatisch für die “Tribes” auf G+. Zwar mag das Ecosystem insgesamt derzeit noch stark englisch-lastig sein, aber deutschsprachige Gruppen holen rasant schnell auf.

Großformatige Bilder bereitstellen

Viele professionelle Plus-Nutzer erkannten, dass die alten, kleinformatigen Link-Vorschaubildchen weit weniger Aufmerksamkeit generieren als großformatige Sujets und begannen, ihre Links als Bilder mit Link in der Bildbeschreibung zu posten – genauso, wie ich’s auf der datenschmutz-Facebook Page immer häufiger mache. Google hat mittlerweile reagiert und spendiert auch Links großformatige Vorschaubilder – aber nur, sofern die verlinkte Seite ein Bild mit mindestens 500 Pixeln Breite bereitstellt.

Ist dies nicht der Fall, stellt ein Bild-Link-Posting immer noch eine gute Alternative dar. Genaueres zu diesem Thema verrät Socialmediahat.

Auf die Formattierung achten

Anders als Facebook erlaubt Google Fett- und Kursivschreibung im Lauftext. Am komfortabelsten formattiert man die eigenen Text mit dem Post Editor for Google, einer Erweiterung für Chrome. Der tut nichts weiter, als die betreffenden Buttons sowie ein Drop-Down-Menü mit Symbolen direkt im Editierfeld anzuzeigen.

datenschmutz-Trick17: längere Beschreibungstexte und Kommentare schneidet Google in der Voransicht nach den ersten drei Zeilen ab, erst der Click auf “read more” zeigt den vollständigen Text an. Achten Sie als unbedingt darauf, dass die wichtigste Botschaft ihres Updates klar aus den ersten drei Zeilen zu erkennen ist. Die erste Zeile für eine “Überschrift” in fett zu reservieren und dann mit einem ein- bis zweizweiligen Lead in kursiv fortzufahren ist keineswegs verkehrt.

Google Plus: Formatoptionen

Hashtags und Referenzierungen

Die schon längst von Twitter und noch nicht ganz so lange von Facebook bekannten #Hashtags gehören auch auf Google+ zum Standardumfang. Klickt ein Nutzer auf einen solchen Hashtag, erhält er eine Such-Ergebnisseite mit den neuesten öffentlichen und für ihn sichtbaren Updates, die den gleichen Hashtag enthalten.

Gibt man die Doppelraute “#” ein und beginnt zu tippen, erscheint ein Auswahl-Dropdown mit gängigen Hashtags. Im Zweifelsfall sollte man sich unbedingt an bestehende Schreibweise halten. Ob man diese Hashtags in den Lauftext des Updates einfügt oder in eine eigene Zeile am Ende, bleibt ganz dem Geschmack des Nutzer überlassen – gängig sind auf Google+ derzeit beide Varianten. Verzichten sollten Sie in jedem Fall auf Hashtag-Orgien – weniger ist mehr, und je unspezifischer #ein #Begriff ist, desto weniger Sinn macht es, ihn auf diese Weise zu verlinken. Zwei bis drei Hashtags pro Beitrag sollten ausreichen.

G+ Hashtags

Hashtag-Completion: achten Sie auf die Vorschläge!

Referenzierungen innerhalb von Status-Updates sind ebenfalls möglich. Anders als bei Facebook kommt hier nicht der “Klammeraffe” @ zum Einsatz, sondern das mathematische Plus-Zeichen “+”. Nach den ersten paar Buchstaben folgt wieder eine Auswahlliste. Referenzieren lassen sich einzelne Nutzer, Pages und Communities. Eine Notification weist den Seitenbetreiber, Nutzer oder Community-Moderator auf das jeweilige Update hin, öffentlich angezeigt werden solche Postings aber erst, wenn sie der Angesprochene explizit teilt.

Passende Communities recherchieren

Das Update hat ein wunderschönes Teaserbild, der Text ist optimal formattiert und mit Hashtags versehen… fertig? Nein! Im letzten und wichtigsten Schritt sollten Sie unbedingt thematisch passende Communities (das G+ Pendant zu Facebooks Gruppen) recherchieren, dort beitreten und Ihr Posting dort teilen, wo sich potentiell Interessierte aufhalten. Thematisch passend ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Wenn ihr Artikel einen Mehrwert für die jeweilige Community darstellt, dann wird Sie niemand als bösen Spammer wahrnehmen. Wer jedoch jeden Textschnippsel quer über halb G+ verteilt, wird wenig Freude an den Reaktionen haben.

Weniger Communities sind mehr: bedenken Sie, dass viele Nutzer in verschiedenen Communities aktiv sind. Überlegen Sie sich also gut, ob Sie Ihren Beitrag mehrfach teilen oder lieber nur einmal, aber dafür in einem genau passenden Umfeld. Achten Sie darauf, das richtige Unterforum auszuwählen und schauen Sie spätestens am nächsten Tag wieder vorbei, um auf Fragen und Kommentare zu antworten.

Achtung: Sie können in Communities sowohl als Page als auch mit ihrem persönlichen Profil aktiv werden. Wenn Sie ein und denselben Artikel in mehrere Communities posten, so werden diese Updates standardmäßig jeweils auf Ihrer Profilpage / Ihrer Seite angezeigt – und zwar mehrfach. Um diese Mehrgleisigkeit zu vermeiden, öffnen Sie im Hauptmenü den Punkt Einstellungen, scrollen dort zum Abschnitt “Profil” und deaktivieren dort das Kontrollkästchen neben “Meine Beiträge in Google+ Communities in meinem Google+ Profil anzeigen” | “Show your Google+ communities posts on the Posts tab of your Google+ profile.”.

Zusammenfassung

Passende Visuals, optimale Formattierung, sinnvoller Einsatz von Hashtags und Referenzierungen sowie das “Seeding” der eigenen Inhalte in passenden Communities sind vier der Schlüssel zum Erfolg auf Google+. Ich denke allen Unkenrufen zum Trotz nicht, dass Firmen im D-A-CH Raum in diesem Jahr massenhaft aus Facebook fliehen werden, aber die Effizienz/Kosten-Relation wird in der Tat immer ungünstiger. Unternehmen, die sich bereits jetzt mit dem Up-and-coming Mainstream-Social-Network der Zukunft auseinander setzen, können sich immer noch einen gewaltigen Startvorteil holen. Dass Early Birds weit mehr Fans und organische Reichweite akkumulieren als Spätberufene, ist eine Konstante, die sich bisher in jedem Social Network bewahrheitet hat.

Ist Ihr Unternehmen bereits auf Google+ aktiv? Ich unterstütze Sie beim Setup und bei der laufenden Optimierung Ihrer Google+ Strategie.

 

WordPress Sicherheit: Ausreichend Schutz vor Hackern

Um eine WordPress-Installation zu hundert Prozent vor Angriffen und Hacks zu schützen, existiert in diesem uns bekannten Teil des Universums nur eine einzige Möglichkeit: man lässt das CMS lokal auf einem Rechner laufen, der völlig vom Internet getrennt ist. Kein Netzwerkkabel, kein WLAN, kein Bluetooth. Da diese Variante aber im Großteil der Anwendungsfälle nicht mit der Intention des Blogbetreibers, Information zu veröffentlichen, kompatibel sein dürfte, muss man ständig mit dem Risiko leben, verwundbar zu sein – und ein paar vergleichsweise simple Ratschläge beherzigen.

Jedes Plugin zu installieren, das im WordPress-Repository mit “Security” getaggt ist und sich danach sicher zu fühlen, kann man zwar nicht direkt mit Homöopathie vergleichen (immerhin bieten manche Plugins deutlich mehr als puren psychologischen Placebo-Effekt), schießt aber schnell mal übers Ziel hinaus und im schlimmsten Fall sogar noch die Performance des Webservers ab. Außerdem sollen auch schon üble Sicherheitslücken in solchen Erweiterungen gefunden worden sein…

Also machen wir uns nichts vor: wenn weder Sony noch Adobe ihre Server absichern können, wenn der Heartbleed Bug zwei Jahre lange ungesehen im OpenSSL Code vor sich hinschlummern konnte, dann brauchen wir uns gar nicht erst in Sicherheit zu wiegen. Denn schließlich lautet ein altes chinesisches Sprichwort nicht umsonst:

Selbst der vorsichtigste WordPress-Administrator hat einen interessanten Webhoster. Und wenn er einen Rootserver betreibt, dann hat er ein interessantes Betriebssystem.

Soll heißen: ob Shared Space oder Managed Server oder selbst kompilierter Linux Core, Irren ist menschlich. Die wichtigste Vorbeugemaßnahme gegen allfällige feindliche Übernahmen des eigenen Blogs lautet also: regelmäßig Backups anfertigen! Das funktioniert bei kleineren Blogs mit Backup-Plugins ganz okay. Hier auf datenschmutz hab ich mittlerweile ein paar Gigs an Attachments und Fotos rumliegen, deshalb mach ich das ganze händisch über Terminal: zuerst kommt ein Datenbank-Dump dran, dann pack ich das ganze /www/ Verzeichnis in ein gzip-Archiv, das ich mir anschließend via abhole.

Dass der Admin-Nutzer nicht “admin” heißen sollte, WordPress und Plugins zeitnah upgedatet werden wollen, man sich bei letzteren besser aufs Nötigste beschränkt und dass sich die Passwörter für (s)ftp-Zugang, Datenbank und Admin-User unterscheiden sollten, hat sich mittlerweile hoffentlich herumgesprochen. Ein starkes Passwort ist natürlich ebenfalls ein Muss, ein anderes mySQL-Tabellen-Präfix als das standardmäßig eingestellte wp_ erschwert zumindest Datenbank-Injections. Datenübertragungen von/zum Server sollten nicht via ftp erfolgen, sondern ausschließlich über die sichere Variante sftp verwenden – ganz besonders in öffentlichen WLANs, wo auch das beste Passwort keinen Schutz vor Lauschangriffen bietet, wenn man nicht den WordPress-Admin auf SSL-umstellt. Besonders Vorsichtige empfehlen zusätzlich, Autor- und Admin-Nutzer zu trennen, aber die dauerende Umloggerei wär mir persönlich zu umständlich.

Sensible Daten via SSL verschlüsselt übertragen

Update, 26.4.2014: Martin Leyrer hat mich auf eine weitere grundlegende Maßnahme hingewiesen – SSL Verschlüsselung für den gesamten Admin-Bereich. Verzichtet man auf diese verschlüsselte Datenübertragung, dann hebeln potentiell Lauscher in öffentlichen WLANs nämlich jede Passwortabfrage aus:

Wenn man sein WP nämlich aus dem Kaffehaus, etc. administriert kann JEDER, der das WLAN mitbenutzt, auch das WP-Adminpasswort mitlesen. Und zwar mit trivialem Aufwand. Und da ist es vollkommen egal, ob man nun ein oder zwei Passwörter eingeben muss und ob WP oder der Apache dieses verifiziert.

Wie einfach das in der Praxis funktioniert, zeigt Martin in diesem Video.

Die Einrichtung von SSL ist leider nicht ganz trivial – erstens hängen die konkreten Schritte von der jeweiligen Hostinglösung (eigener Rootserver, Managed Server oder Shared Space), zweitens vom Betriebssystem und drittens vom eigenen Webserver ab. Die Erstellung eines eigenen Zertifikats ist keine Hexerei, in vielen Fällen erleichtert das Plugin WordPress SSL den Prozess. Eine ausführliche englischsprachige Anleitung gibt’s hier.

Sicherheitsschloss für den Admin-Bereich

Den Administrationsbereich, also jenen Teil einer WordPress Installation, der sich im Verzeichnis http://foo.com/wp-admin/ abspielt, mit einem Extra-Schloss auszurüsten, ist an sich eine ganz hervorragende Idee, sofern sich am Blog sowieso keine Nutzer registrieren dürfen. Muss sich ein Angreifer erstmal mit der serverseitigen Passwortabfrage rumplagen, kommt er an viele Hebel und Einfallstore erstmal gar nicht ran. Gefürchtete Brute-Force-Attacken, bei denen in rascher Folge ein große Anzahl von Usernamen/Passwort-Kombinationen durchprobiert werden, fallen somit schon mal flach – sofern man für diesen sogenannten htaccess-Schutz eine nicht leicht bis unmöglich zu erratende Kombination verwendet.

Damit erspart man sich auch die Installation weitgehende sinnbefreiter Schutz-Plugins á la “Limit Login Attempts”, die nach x-maliger falscher Passworteingabe eine bestimmte IP-Adresse für y Stunden sperren. Sinnbefreit deshalb, weil solche Angriffe in der Regel nicht von Script-Kiddies, sondern Botnetzen kommen, und die wechseln ihre IP-Adressen schneller als Gina Lisa ihre Schönheitschirurgen.

Viele Webhoster ermöglichen einen solchen Verzeichnisschutz über Administrations-Interface – ABER: man sollte keinesfalls das ganze /wp-admin/ Verzeichnis schützen, sondern lediglich die Datei wp-login.php! Das erspart Probleme mit einzenlen Dateien, die auch am Frontend aus /wp-admin/ geladen werden, zum Beispiel Fehlermeldungen bei versehentlich leer gelassenen Kommentarfeldern. Wie das funktioniert, hat Sergej Müller ganz wunderbar erklärt, technisches Vorwissen ist für die Umsetzung seiner 5-Minuten-Anleitung nicht erforderlich: Mehr Sicherheit für WordPress durch den “Admin” Schutz.

Wer sein WordPress nicht am Apache-Server laufen hat, kennt sich mit Alternativen für nginx und Co. hoffentlich gut genug aus. Sollte jedoch der Webhoster trotz Apache keine .htaccess Funktionalität bieten – dann wird’s höchste Zeit für einen neuen Webhoster.

Nicht übertreiben mit den Security-Plugins!

Mit diesen Tipps (sicheres Passwort, eigenes Tabellen-Präfix, abgesicherter Admin) werden 90% aller potentiellen Attacken von Ihrer WordPress-Installation abprallen wie Schmeißfliegen von einem Nissan NSX auf der Autobahn. Die folgenden Security-Plugins sind nicht gänzlich überflüssig und haben sich bei mir recht gut bewährt.

BBQ – Block Bad Queries: ein simples, kleines Filterscript, das bekannte “malicious requests” im Hintergrund block – Konfiguration überflüssig.

Wordfence: Firewall, umfangreiche Blocking- und Throttling Optionen und Scanning auf veränderte Core-Dateien bzw. “malicious URLs” in Kommentaren. Obendrauf gibt’s noch die hauseigene Caching-Engine “Falcon”, die ich gerade ausprobiere. Zahlende Nutzer bekommen zusätzlich 2-Faktor-Authentifizierung via SMS.

Acunetix WordPress Security Plugin: zeigt auf eine Blick die aktuelle Konfiguration an und weist auf potentielle Sicherheitslücken hin. Vor allem bei älteren Installation hilfreich, um schnell mal zu überprüfen, ob die Dateirechte ausreichend restriktiv gesetzt und leere index.php Dateien in /wp-content/ und anderen Verzeichnissen vorhanden sind. Kein Plugin, das dauerend aktiviert sein muss, aber hilfreich, um allfälligen Einfallstoren auf die Schliche zu kommen und diese zu beseitigen. iThemes Security macht den gleichen Job und hilft nötigenfalls auch bei der Umbenennung des Admin-Users.

Felloazit: Kein noch so mächtiges Sicherheitsplugin ersetzt ein wenig Hausverstand und Selbstdisziplin bei der Passwortvergabe. Wer auf Nutzerregistrierungen verzichten kann, schützt sich mit einer Kombination aus serverseitiger Passwort-Abfrage für die wp-login.php Datei und SSL für den WordPress Admin am effizientesten vor einer ganzen Reihe von Angriffen.

Facebook kreuzigt die kostenlose Reichweite – eine Osterpredigt

Dieser Zuckerberg nimmt sich aber ganz schön viel heraus! Bedauernswerte Agenturen, die je nach Markteintritts-Datum 1 bis 5 Jahre lang ihren Kunden von der viralen Power des größten Social Networks vorgeschwärmt haben, müssen plötzlich denselben Budget-Verantwortlichen erklären, dass ab sofort neben der Betreuungspauschale nun auch noch reichlich Kosten pro Posting anfallen. Und zwar einfach nur deshalb, damit mehr als 5% der Fans das zu sehen bekommen, was sie gefälligst zu interessieren hat.

Unternehmen bezahlen also für “Reichweite”. Sie werfen Münzen ein, damit Facebook-Nutzern in ihrem Homestream plötzlich Bierwerbungen oder Mobilfunkverträge angepriesen werden. Und wenn’s mit der Conversion nicht ganz so hinhaut, dann drückt man eben auf Repeat, denn jeder Kontakt mit dem eigenen Logo “zahlt in den Markenwert ein”. Wir merken es bereits an der Bullshit-Bingo-Sprache, die sich plötzlich in die Domäne der Möchtegern-Digital-Vordenker einschleicht, ja, wir kennen das: man nennt es Werbung. Nicht virale Reichweite.

Das ist auch völlig okay, denn erstens sind Facebook-Nutzer, ob privat oder beruflich, den Launen Facebooks wehrlos ausgesetzt. Gestern erzielten Text-Status-Updates die höchste Reichweite, dann hat jemand am Algorithmus geschraubt und alle posten nur mehr Videos. Morgen sind dann Bilder dran – Hauptsache, man trickst den Newsfeed aus.

Den Newsfeed kann man nicht austricksen

Ausgestrickst werden aber bloß die Nutzer. Oder besser gesagt, sie werden an der Gurgel gepackt und so lange gewürgt, bis endlich eine Conversion zustande kommt. Seth Godin nennt diese Vorgehensweise in seinem TED-Talk von 2007 “How to get your idas to spread” den TV-Industrial-Complex: Reichweite einkaufen, Vertriebserlöse steigern, mit den Erlösen mehr Reichweite kaufen. Doch Social Media Agenturen haben brav auswendig gelernt, dass man “authentisch” sein muss und “mit den Kunden auf Augenhöhe kommunizieren”. Nun hat man aber erkannt, dass über weite Strecken gilt: “They just don’t care!”

Konsumenten haben mehr Wahlmöglichkeiten als je zuvor. Darauf reagiert Facebook mit immer restriktiveren Filter-Mechanismen. Genauso, wie die Luft an der Spitze des Google-Index von Jahr zu dünner wird und AdWords mangelnde organische Reichweite abfedern, garantieren Facebook-Ads, dass der an sich solide funktionierende Open Graph Ontologie unterlaufen wird. Unternehmen bezahlen also dafür, Nutzern Inhalte zu zeigen, die diese nicht sehen wollen.

Schmerzensgeld für Newsfeed-Clutter?

Sagen und Legenden zufolge existieren aber nach wie vor Facebook-Pages mit Visibility-Raten von über 50 Prozent, zumindest für einzelne Postings. Auch das ist nichts neues: für jedes Viral Video, das auf Youtube 1 Million Views bekommt, siechen 100 andere ungesehen dahin.

Sind die Goldrausch-Jahre der Werbeagenturen auf Facebook vorbei oder haben sie womöglich gar nie stattgefunden? Allerorten setzt Ernüchterung ein ob der Tatsache, dass Mark Zuckerbergs Plattform den Seitenbetreibern immer dreister in die Tasche greift, Spielregeln nach eigenem Gusto ohne Vorankündigung ändert und 99% aller kommerziellen Inhalte keineswegs viral verbreitet, sondern gleich mal präventiv vor den Augen der “Fans” verbirgt.

Dass der Großteil aller Facebook-Nutzer einfach nur mit *menschlichen* Freunden kommunizieren will und wenig Interesse an werblichen Botschaften hat, wäre zu ernüchternd, also müssen andere Erklärungen her. Faktum ist und bleibt ja: solange sich soviele Surfer regelmäßig auf der blauen Lagune herumtreiben, bleibt die Attraktivität für Werbetreibende ungebrochen hoch und solange kann sich’s Facebook leisten, sogar zahlende Gäste auf harten, unbequemen Holzbänken Platz nehmen zu lassen. Wer mehr für sein Geld will, als Facebook vertraglich garantiert, kommt sowieso schon längst nicht umhin, auf originelle, inspirierende, kostenintensive und nicht zuletzt weniger Inhalte zu setzen.

Sagen und Legenden von großen US-amerikanischen Companies, die Facebook enttäuscht den Rücken zuwenden, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als zumindest unvollständig: so hat sich, wie häufig kolportiert wird, GM (General Motors) im Mai 2012 durchaus nicht ganz aus Facebook zurückgezogen, sondern lediglich aufgehört, in großem Stil Ads zu schalten. Charter Communications, einer der größen amerikanischen Kabelfernseh-Provider, hat sich beim Customer Support über Social Media Kanäle die Finger verbrannt. Erstere Nachricht sorgte vor allem deshalb für Furore, weil sie kurz vorm Börsegang Facebooks an die Presse ging, zweitere kann vermutlich jeder Social Media Verantwortliche in größeren Unternehmen recht gut nachvollziehen: die Anbindung bestehender CRM-Systeme an das eigenartige Flickwerk Facebook steckt, freundlich ausgedrückt, in den Kinderschuhen.

In Online-Österreich führen alle Weg nach Menlo Park

In einigen europäischen Ländern, darunter Europa, stellt sich die Situation mangels Alternativen noch drastischer dar: 3,2 Millionen Facebookern stehen in der Alpenrepublik noch nicht mal volle 120.000 Twitter Accounts gegenüber. Auf Google+ tummeln sich derzeit (noch) vorwiegend Kommunikationsexperten, Pinterest fliegt unter der Wahrnehmungsgrenze dahin und Instagram könnte in naher Zukunft an Kampfgewicht zulegen, gehört aber auch schon längst Facebook. Wer in der D-A-CH Region “Social Media machen” und ein breites Publikum ansprechen will, kommt an Facebook nicht vorbei. Punkt.

Judith Denkmayr von Digital Affairs sieht die Investitionssicherheit nicht mehr gegeben:

Fans, die wir in den letzten Jahren mit noch mehr Ressourcenaufwand und Einkauf von Facebook-Werbemitteln erworben haben. Für die wir unsere Websites, Drucksorten, Emailsignaturen und TV-Werbungen mit Facebook Werbung (Like buttons, Facebook Links, Sharebuttons und Widgets) zugekleistert haben. Eben diese Fans, für die wir bereits einmal gezahlt haben, nimmt Facebook jetzt in Geiselhaft.

Soviel Altruismus hätte ich Facebook von Beginn an nicht unterstellt, immerhin ist die genaue Funktionsweise des sogenannten Edgerank seit gut 2 Jahren bekannt. Obwohl ich persönlich ohnehin der Meinung bin, dass Facebook mit dem Ausblenden fader Werbe-Updates die User eher aus der Geiselhaft der “sozialen Unternehmenskommunikation” entlässt. Klaus Eck sieht die aktuelle Lage weit emotionsloser:

Wer im Social Network Facebook mit seinen Unternehmensinhalten punkten will, muss dafür in Zukunft größere Aufwendungen einplanen und auf Sponsored Posts setzen. Das Ende der klassischen Gewinnspiele und hoffentlich damit der langweiligen, austauschbaren Inhalte ist absehbar. Es ist kaum Unique Content und reizt nur die Schnäppchenjäger, sich zu beteiligen. Um die realen Stakeholder anzusprechen, bedarf es einer dezidierten Content- und Kommunikationsstrategie. Die Inhalte sollten weniger austauschbar sein.

Sind noch genug große Scheine in der Portokasse?

Mark Schaefer sprach Anfang des Jahres vom Content-Schock und prognostizierte rasant steigende Preise:

If I was “paying” my readers $500 a week in 2009, I am probably paying them $1,500 per week now because of the pressure to create more and better content that will keep their attention. Next year, it might be $3,000 per week — just to MAINTAIN my readership in the face of the Content Shock.

Wie drastisch sich diese Inflation der Sichtbarkeit auswirkt, zeigt der Facebook Page Cost Calculator von Shift Communications. Nach Eingabe der Seitenadresse errechnet das Script einen groben Schätzwert dafür, wieviele Münzen der Seitenbetreiber pro Posting einwerfen müsste, um alle bestehenden Fans zu erreichen, also eine Sichtbarkeitsquote von 100% zu erzielen. Für die datadirt-Page wären das $83,62 pro Posting, also satte 13.000 Dollar pro Jahr mit 3 Postings pro Woche, für die datenschmutz-Seite immerhin noch 2.351 Dollar. Und Pula müsste als Social Media Modellhund mehr als $3.312 in die Kasse spülen, damit noch was übrig bleibt für Leckerlis.

Für derlei Summen bekommt zwar Displayfläche, aber weder Clicks noch Conversions. Ein Paradigmentwechsel zeichnet sich ab? Nein, er ist schon längst eingetreten: mittlerweile ist nicht nur die Produktion gern gelikter Inhalte teuer, sondern auch deren Distribution. Sogar besonders schlaue Interaktions-Schnorrer, die an jeder Status-Update-Ecke lauern, wird eiserne Besen besonders empfindlich treffen, denn Like- und Kommentarbetteleien sollen zukünftig hart abgestraft werden. Beiträge, in denen Nutzer zum Interagieren aufgefordert werden (Like meine Foto von einer zerbrochenen Bierflasche und gewinne ein iPad!), sollen zukünftig seltener im Newsfeed angezeigt werden.

Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein…

Werden Social Media Agenturen in den kommenden Monaten so schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind? Unwahrscheinlich. Denn erstens haben sich viele Marketingverantwortliche und Vorstandsmitglieder gerade erst an den “Hard Fact” Fanzahl gewöhnt (mein absoluter Favorit: die inzwischen wieder abgetauchte Ben & Jerry’s Austria Page, deren Fanzahl knapp die Einwohnerzahl der Alpenrepublik überstieg), und zweitens war’s früher nicht besser, sondern bloß weniger.

Michael Lazerow, Mitglied des Facebook Creative Councils, kann man getrost glauben, wenn er erklärt, dass die Creme de la Creme der Facebook-Maestros auch zukünftig die Geldtasche im Hosensack stecken lassen kann. Drei Faktoren geben in Kombination den Ausschlag:

  • Timely and relevant: That’s what we all expect from our News Feed.
  • Shareable: Something that you’d actually share with your friends and recommend to your own network. If you won’t share it, no one will.
  • Genuine: Your content must be genuinely interesting and not be a blatant attempt to game Facebook. So get rid of those, “Click ‘Like’ to vote…”

Für alte Hüte ist Platz genug in den Old Medias, und Linkbaiter haben’s in der Vergangenheit mit iPad-Verlosungen heftig übertrieben. Besonders relevant erscheint aber der zweite Punkt: seit Jahren ersuche ich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Workshops höflich aber bestimmt, mal kurz die Innenperspektive zu verlassen und sich vor jedem Firmenposting die alles entscheidende Frage zu stellen: Würde mich das als Privatperson interessieren? Würd ich’s liken, teilen, kommentieren?” Wer darauf ehrlich mit “ja” antworten kann, macht nicht viel falsch. und erreicht mit Konsequenz und Kreativität recht rasch die richtige Zielgruppe. Man muss nicht von jedem geliebt werden, aber man sollte niemanden langweilen. Dann klappt’s auch auf Facebook mit der organischen Reichweite.

Responsive Newsletter Design: E-Mail Templates richtig gestalten

Responsive Webdesign ist mittlerweile von der Kür zur Pflicht geworden. Wer 2014 Informationen ins Netz stellt, *muss* sicherstellen, dass seine Text, Bilder und Videos nicht nur auf Desktop-Computern und Laptops, sondern auch auf mobilen Devices optimal dargestellt werden, und zwar unabhängig von der Displaygröße. Das gilt sowohl für Webseiten als auch für Newsletter. Doch während für erstere zahlreiche Open Source und Premium Frameworks sowie fertige Templates existieren, sieht die Sache bei responsiven Newslettern wesentlich komplizierter aus – denn E-Mail Clients gehorchen leider anderen Gesetzen als Webbrowser.

Newsletter in Zeiten von Facebook?

Im Zuge des Social Media Hypes sind Newsletter in den letzten zwei Jahren ein wenig aus dem Fokus des Interesses gerückt. Nun, da die letzten Viral-Wellen verebbt sind, werdet auch ihr Marketingspezialisten erkennen, dass man Facebook-Reichweite nicht geschenkt bekommt. Im Vergleich zur mittlerweile unterirdisch miesen Sichtbarkeitsquote von Facebook-Page-Postings sind selbst durchschnittliche Newsletter-Öffnungsraten geradezu eine Offenbarung. Die Vorteile liegen im Vergleich zu Facebook also klar auf der Hand:

  • Man muss nicht für jeden Newsletter extra Münzen einwerfen, damit ihn die Abonennten zu sehen bekommen.
  • Die Gestaltungsfreiheit ist höher als auf Social Media Plattformen.
  • E-Mail ist ein asynchrones Medium – ungelesene Mails verschwinden nicht einfach von allein von der “Startseite” des Mail-Clients.

Der einfachste Weg zum Multi-Device-Newsletter

Auf Themeforest findet man zahlreiche kostenpflichtige Newsletter-Templates, die sich mit ein wenig Programmierkenntnis an eigene Bedürfnisse anpassen lassen oder sogar zusätzlich eine für den Einsatz mit Mailchimp vorbereitete Version mitbringen.

Recht dünn wird die Luft dann aber bei kostenlosen responsiven Newsletter-Templates. Zwei Anbieter haben sich bei mir sehr bewährt: die Frameworks Antwort und Zurb’s Ink erfordern zwar ein wenig Einarbeitung, stellen aber sicher, dass die eigenen Newsletter in allen Clients gleich aussehen, gut lesbar bleiben und ermöglichen die angesagten Grid-Layouts: auf ausreichend breiten Bildschirmen werden die Inhalte mehrspaltig angezeigt, Smartphones ordnen die einzelnen Boxen untereinander an.

Für den datenschmutz.newsletter verwende ich übrigens aweber und kopiere meine lokal optimierten Templates direkt ins Source-Code Feld.

Kaum zu glauben, dass es 2014 dermaßen kompliziert ist, eine HTML-E-Mail so zu verschicken, dass zumindest 99% aller Empfänger das gewünschte Resultat angezeigt bekommen. Dagegen ist Cross-Browser-Testing geradezu ein Kinderspiel. Wer gerne selbst Hand an HTML-Code anlegt und sich tiefer in die Materie einarbeiten will, dem empfehle ich den Artikel Create E-Mails for any Device

Allen anderen rate ich, die mobile Internetnutzung nicht nur bei der Gestaltung der Webpage, sondern auch beim Design des eigenen Unternehmens-Newsletters unbedingt mit zu bedenken und bei der Online-Agentur des Vertrauens mal nachzufragen, ob das hübsche Corporate E-Mail Design auch abseits des Standrechners eine gute Figur macht.

Richtlinien für responsive E-Mail Templates

Der folgende Teil dieses Beitrags enthält ein paar technische Hintergrundinformationen zur Anpassung und Erstellung eigener Newslettertemplates. Zum Verständnis sind grundlegende Kenntnisse über HTML und CSS unbedingt erforderlich. Wer mit der Materie vertraut ist, wird spätestens nach der Lektüre verstehen, warum E-Mail Templates schon so vielen Designern schlaflose Nächte bereitet haben.

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Tables statt divs

Was haben wir uns Mitte der 90er mit Tables herumgeärgert! Kaum vorstellbar, dass vor dem Zeitalter des Diversion-Tages >div< der HTML-Befehl >table< die einzige Möglichkeit war, um Spaltendesigns zu realisieren. Doch totgesagte leben länger, denn viele Versionen von Microsofts weit verbreitetem Mailmanager Outlook verstehen nach wie vor lediglich Tabellen. Also lautet das Motto frei nach Prince: “We’re coding like it’s 1999!”

Du sollst semantisches HTML meiden

h1, h2, h3, p und Co. haben in E-Mail Templates ebenfalls nichts verloren. Während der korrekte Gebrauch dieser semantischen, also strukturierenden, Tags für Webseiten ausgesprochen wichtig ist, sollte man bei Newsletter-Templates auf eigene Klassen zurückgreifen und sogar Absätze durch ein doppeltes <br> markieren. Denn viele Clients, so etwa Hotmail, nutzen die semantischen Tags für ihr eigenes Markup und überschreiben so die vorgesehenen Styles.

Das CSS gehört ins Template-File

Inline-CSS gilt in der Webprogrammierung als verpönt, ist im Newsletterbereich aber ein Muss. So gut wie kein Client lädt externe Stylesheets, daher müssen alle Definitionen direkt in die HTML-Datei reingeschrieben werden. Das kann ganz schön lästig sein, wenn man bestehende Templates für die Newsletter-Nutzung optimiert. Abhilfe schaffen Mailchimps CSS Inliner Tool oder der Ink Inliner. Bei wandeln HTML-Dateien mit externen CSS-Sheets in eine Inline-Version um. ACHTUNG: der Verweis aufs CSS-Sheet muss dabei absolut gesetzt sein, also:

<link rel="stylesheet" type="text/css" href="http://blog.datenschmutz.net/wp-content/newsletter/stylesheets/email.css" />
 

statt

<link rel="stylesheet" type="text/css" href="/wp-content/newsletter/stylesheets/email.css" />

Tables mit display:block statt float gestalten

Outlook unterstützt kein float-Attribut, also sollte man sich auf align=”left” beschränken, wenn es darum geht, Bilder und Tabellen nach Wunsch anzuordnen. Die gute Nachricht am Schluss: es ist grundsätzlich möglich, Tabellen dazu zu bringen, sich wie Block-Elemente zu verhalten. Dazu ist folgende CSS-Definition im Head des Templates einzufügen:

@media only screen and (max-width : 600px) {
    td[class="force-col"] {
        display: block;
    }
}

Mehr technische Details gefällig? Der Beitrag Transform Columns to Rows lässt kaum noch Fragen offen.[/social-locker]