Vor einigen Wochen sorgte das aktuelle Google Pagerank-Update für Aufregung unter Webmastern: erstmals reagiert die größte Suchmaschine der Welt auf das Businessfeld "Linkverkauf" mit Straf-Maßnahmen. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Maßgeblich mitverantwortlich für den Erfolg der Suchmaschine, deren Slogan "Do no evil" schon längst nicht mehr unwidersprochen stehen bleibt, ist der sogenannte Pagerank-Algorithmus. Google bemisst die Wichtigkeit einer Seite an den eingehenden Links: je mehr themenaffine Seiten auf eine bestimmte Adresse verweisen, desto höher deren Relevanz - und die wirkt sich wiederum auf den die Platzierung in den Suchergebnissen aus. Da die überwiegende Mehrheit der Surfer bei der Websuche erst gar nicht auf die zweite Ergebnisseite navigiert, kommt einer Platzierung möglichst weit entsprechend große Bedeutung zu.
Google aktualisiert die weltweiten verteilten Datenbanken ständig, errechnet allerdings in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen - bislang zumeist viermal pro Jahr - eine Maßzahl, welche Auskunft geben soll über die Wertigkeit einer Seite. Daraus resultiert der sogenannte "Pagerank", eine Zahl zwischen 0 und 10, die auf einen Blick die Bedeutung einer Webadresse verraten soll. Seiten mit hohem Pagerank "vererben" einen Teil ihrer Google-Relevanz, wenn sie auf andere Seiten verlinken. Dieses Prinzip stellt seit Jahren die Basis von Googles Businesserfolg dar. Doch mit steigender Bedeutung der Onlinewirtschaft wurden die Methoden zur Manipulation des Pagerank immer ausgefeilter und ein neues Businessmodell erblickte das Licht der Netzwelt: sogenannte Link Trader schufen Online-Marktplätze für die "Linkvermietung". Wer bereits eine gut indizierte und bewertete Seite betreibt, kann gegen ein monatliches Entgelt dort Links publizieren, der Preis richtet sich dabei nach dem Pagerank der Seite. Diese Form der Online-Werbung richtet sich keineswegs an die menschlichen Besucher einer Webseite, sondern soll ihr lediglich zu einer besseren Google-Platzierung verhelfen.
Im deutschen Sprachraum machten Anbieter wie Teliad oder Linklift dieses Vermietungsbusiness zu einer attraktiven Einnahmequelle, die vor allem Bloggern häufig ein höheres monatliches Einkommen sicherte, also über klassische Online-Werbung möglich wäre - und wurde damit zur Konkurrenz für Adsense, Googles monetäres Zugpferd.
Die größte Suchmaschine der Welt deckt in der westlichen Welt rund 90% aller privaten Suchanfragen ab. Das eigentliche Kerngeschäft des Konzerns ist jedoch die Vermarktung der Adsense-Werbung: mit diesem Produkt revolutionierte Google vor Jahren den Online-Werbemarkt und löste Bannerschaltungen durch die sogenannte CPC (Cost per Click) Werbung ab. Kunden, die Google Adsense Anzeigen schalten, müssen sich nicht um die Auswahl geeigneter Werbeseiten kümmern: Adsense findet thematisch passende Webseiten und schaltet die eigenen Anzeigen automatisch. Für die bloße Anzeige fallen keine Kosten an, der Kunde bezahlt erst dann, wenn ein Surfer auch tatsächlich auf die Anzeige klickt.
Die Links in Adsense-Anzeigen sind mit dem Attribut "nofollow" gekennzeichnet, was sie für Suchmaschinen "unsichtbar" macht, denn Google möchte sein eigenes Bewertungskonzept nicht durch bezahlte Werbeanzeigen verfälschen. Die oben beschriebene Vermietung von Links verbietet Google in seinen Nutzungsbedingungen. Aufgrund der starken marktbeherrschenden Situation des Anbieters wagen es die wenigsten Webmaster, die Spielregeln des Branchenprimus zu brechen und halten sich an die Vorgaben. Wer das nicht tat, erlebte beim aktuellen Pagerank eine böse Überraschung: zwar existiert wie stets keine aktuelle Stellungnahme, dennoch deuten alle Anzeichen darauf hin, dass sämtliche "Linkverkäufer" durch einen um ein bis zwei Punkte niedrigeren Pagerank "bestraft" wurden.
Diese Vorgehensweise verringert nicht nur das Einkommen der betroffenen Blogger, sondern ist wohl auch als eine Art Warnung zu verstehen: wer die Spielregeln Googles nicht einhält, fliegt eben raus. Damit macht die aktuelle Pagerank-Runde vor allem eines deutlich: ist das Quasi-Monopol erst einmal zementiert, kann ein einzelner Player ohne viel Widerspruch die Spielregeln des gesamten Online-Marktes vorgeben. Ob dies der Netz-Ökonomie auf Dauer gut tut, ist mehr als fraglich.
| 27. November 2007 | ||
| 17:00 | bis | 19:00 |
Sir Charles Antony Richard Hoare ist (inzwischen emeritierter) Professor of Computing in Oxford und arbeitet bei Microsoft Research Cambridge. Informatik-StudentInnen kennen ihn als den Erfinder des Quicksort-Algorithmus und Turing Award Preisträger - diesen "Nobelpreis der Informatik" erhielt der Brite im Jahr 1980. An der TU Wien hält Hoare einen Vortrag mit anschließender Diskussion.
Ort: TU Wien, Neues Elektrotechnisches Institutsgebäude, Hörsaal EI 9, Gußhausstraße 25, EG
Der Vortrag beginnt pünktlich um 17 Uhr, im Fokus steht das Thema Fine-Grain Concurrency:
I have always been frightened by concurrent programs which share a common memory, with fine-grained interleaving of access to it. But with multi-core computers, that is the way of the future. Fortunately, the recent development of separation logic gives an elegant way of expressing ownership of storage locations and the transfer of ownership.
I will introduce a semantics based on Petri nets, using separation logic to annotate their arcs and to prove absence of race conditions as well as assertional correctness.
Weitere Infos zur Veranstaltung
Tony Hoare: Biographie
Die Problemstellung, Daten anhand bestimmter Parameter zu sortieren, tritt bei der Programmierung sehr häufig auf. Quicksearch nutzt einen rekursiven Algorithmus, der mit einer kurzen inneren Schleife äußerst performante und speicherschonende Sortierverfahren erlaubt. Er bedient sich dabei des sogenannten "Teile und herrsche" bzw. "divide et impera" Prinzips - dabei geht es um die Zerlegung eines komplexen Problems in viele kleine Einzelprobleme. Quicksort etwa generiert viele kleine Ergebnislisten, aus denen das Gesamtergebnis dann zusammengesetzt wird. Näheres weiß die Wikipedia:
Zunächst wird die zu sortierende Liste in zwei Teillisten umsortiert. Dazu wählt Quicksort ein sogenanntes Pivotelement aus der Liste aus, das die Grenze zwischen den beiden Teillisten festlegt. Alle Elemente die kleiner als das Pivotelement sind, kommen in die linke, untere Teilliste und alle die größer sind, in die rechte, obere Teilliste. Die Längen der Teillisten werden also nicht schon vorher festgelegt, sondern ergeben sich aus der Wahl des Pivotelements. Die Positionen der Elemente, die gleich dem Pivotelement sind, hängen vom verwendeten Teilungsalgorithmus ab. Sie können sich beliebig auf die Teillisten verteilen.
Wie bereits erwähnt ist datenschmutz eines der stark von Matts Pagerank-Napalm-Teppich betroffenen Blogs. Das sich statt eines 6ers nun eine 3 habe, juckt mich nicht die Bohne: ich brauch keinen PageRank, LeserInnen reichen mir völlig aus. Und da ich einer Corporation, die als notwendig erachtet, "Do no evil" zu ihrem Wahlspruch zu erheben, aus Prinzip nicht traue, bin ich auch sehr froh darüber, dass Tante G besuchertechnisch für datenschmutz keinesfalls die Hauptwasserleitung darstellt.
Vorbei also die Zeiten, als sich die SEOs auf jedes neue PageRank Update freuten - ein paar Links gestreut, und schon ging's weiter die Leiter rauf. Wer sich zu weit aus dem virtuellen Fenster lehnte (Hallo Blackhat!) bekam schon mal einen unfreundlichen Stupser, aber diesmal wurden gleich zehntausende Seiten anders gerankt. Ich habe keine Zeit für ausgedehnte SERP-Vergleichsstudien, aber seit der Abwertung stiegen die Besucherzahlen hier auf datenschmutz leicht an - die rund 5%-10% Zusatzbesucher gehen anscheinend auf die vielen Berichte über die Abwertung deutschsprachiger Seiten zurück, in denen häufig auch dieses Blog erwähnt wurde. Die Kurzzeitwirkung ist also erstmal ausgesprochen erfreulich... aber was bedeutet das PageRank-Downgrade auf mittelfristige Sicht?
Für mich so gut wie gar nix. Ich bekomme derzeit rund 30% meiner Besucher über Google. Das heißt, falls Google mir eine SERP-Penalty aufbrummt, die meine Besucher halbiert, dann verliere ich insgesamt nicht 50%, sondern heiße 15% meines Blogtraffics. Und natürlich bin ich alles andere als unglücklich darüber, dass ich selbst und nicht Google über den weiteren Erfolg dieser Seite entscheide... Diversifikation ist in Zeiten wie diesen wohl auch bei Trafficquellen der Begriff der Stunde.
Während sich die Proklamatoren einer besseren Welt diebisch freuen, bin ich mir sicher, dass die Pagerank-Abwertung in keinster Weise den Linkmiet-Markt beeinträchtigen wird, denn wie John Chow völlig richtig schreibt:
I doubt it will affect my ability to sell links either, nor will it affect pricing that much. The last time I was at PR4, Text Link Ads sold my links for $200 per month. They increased the price to $240 when I went to PR6. Google's mistake is thinking that every advertisers buys link for PageRank only. They don't. Right now, PageRank is pretty much irrelevant.
Wie wahr, wie wahr: wer bei Robert Links mietet, der tut das mit Sicherheit nicht nur wegen des PageRanks - oder er hat nicht verstanden, wie Online-Marketing funktioniert. Googles allzu offensichtlicher Plan, mit dem selbst eingeführten Schwanzlängenmaß unliebsamen Entwicklungen gegenzusteuern, geht in die Hose: denn wenn ein niedriger PageRank entweder sagt "diese Seite ist unwichtig" oder aber "diese Seite ist zwar wichtig, wir vermuten aber, dass sie Links verkauft", dann ist das der schnellste Weg einer Maßeinheit in die Bedeutungslosigkeit.
Google lebt von einer einzigen Datenbank: dem Internet. Und dabei handelt es sich um ein kollaboratives Unterfangen, um einen riesigen Teich, in dem Firmen, Privatleute und alles Mögliche dazwischen rumschwimmen. Die verlinken sich, und Google nimmt diese "natürlichen" Links als Basis her, um daraus seine Suchdaten zu generieren. Zudem bietet die Firma ein speziell für Longtail-Seiten völlig unattraktives Werbesystem an, an dem sie Milliarden verdient. Wer mit im Index sein will, kuscht eben: vermietete Links "stören" nämlich nicht in erster Linie den Google-Index, sondern den heiligen St. Revenue Stream - ich spar mir die ausführliche Erklärung, denn prägnanter als Maestro Basic könnt ich's nicht formulieren:
Im Endeffekt bleibt also eine gigantische Masse von für Google kostenlos arbeitenden Webseitenbetreibern und einem gigantisch gut verdienenden Unternehmen. Und das alles nur, weil alle Welt am Google-Tropf hängt, es geht doch "nur" um gute Suchergebnisse, damit sich jeder in der großen, weiten Netzwelt schnell zurechtfindet, also bleibt bitte "google-brav". Die ganz zufällig wegen Spam das nofollow-Attribut eingeführt haben. Haben sie das? Nur wegen Spam? Diese Waffe wird mittlerweile gezielt gegen alles gerichtet, was ihrem Verdienstsystem schadet. Google kann mich kreuzweise, das ist meine Frohe Botschaft an ein Unternehmen, das seine Marktmacht so ausnutzt und wenig Kooperationsbereitschaft zeigt.
In eine ähnliche Kerbe schlägt Blogging Tom, der sich darüber wundert, dass Google der Form mehr Bedeutung beimisst als dem Inhalt:
So langsam macht mich das alles ziemlich nachdenklich. Da versucht man Tag für Tag (oder jedenfalls fast jeden Tag) ein gutes Weblog zu schreiben und wird am Ende dafür abgestraft. Für Google scheint also nicht mehr die Qualität der Sites im Vordergrund zu stehen sondern vielmehr mit welchen Mitteln der Inhaber Geld verdient. Die Methode der Werbung sagt aber meines Erachtens nichts über den qualitativen Inhalt der Seite aus. Google sieht das offenbar anders und versucht derzeit wohl, seine Sichtweise des "sauberen" Internets durchzusetzen.
Konsequent weitergedacht, führt diese Strategie ja dazu, dass Google nicht mehr die inhaltliche Relevanz von Seiten, sondern deren Erwerbsmethoden wertet - und wenn eben zufällig die interessantesten Ressourcen grade Links vermieten, dann scheinen sie in den SERPs eben nicht auf. Finde ich persönlich sehr begrüßenswert, weil der einzige, der Big G ernsthaft schaden kann, ist Big G selbst: und die Monopolstellung besteht eben nur so lange man eine brauchbare Suchtechnologie bietet.
Und wo wir grade beim Thema sind: ich kann mir nicht vorstellen, dass die aus dem Jahre Schnee stammende Startseite mit dem minimalistischen Suchfeld und viel zu viel Werbung auf den Ergebnisseiten der Weisheit letzter Schluss ist. Und wie bereits oben erwähnt: dass Google den "bestraften" Seiten mit demnächst folgenden "Besuchereinbrüchen" droht, klingt zwar nach Erpressung, ist in Wahrheit aber bloß grandiose Selbstüberschätzung... so wichtig ist Google gerade für Blogs eben nicht, da gibt's zum Glück ausreichend Alternativen.
Was soll G nun tun? Wie sollen die SERPs gereiht werden? So wie immer, natürlich: Google kann zunehmend mit manueller Abstrafung ändern, aber ich nehme kaum an, dass Matt Cutts und Co. wieder zu den gar nicht guten alten stochastischen Zeiten zurückkehren wollen: Relevanzbewertung nach Worthäufigkeit und Co. stank schon anno 95, und der Haupterfolg von Google lag in der Einbeziehung der Backlinkstruktur für die SERP-Relevanzwertung - und ein Ersatz ist nicht in Sicht. Also trennt man die "vorne" sichtbare Pagerank-Anzeige von der internen Wertigkeit einer Seite ab und bringt Linkhändler wie oben beschrieben eben dazu, auf andere "Wertfaktoren" zu fokussieren. Wär doch extrem kontraproduktiv, wenn etwa Telepolis bei der Suche nach Netzkultur nicht mehr auftauchte.
Die eigenen Eier zu lecken muss doch auf Dauer auch langweilig werden. Aber ich werd's nie erfahren, denn so gelenkig bin ich nicht. Allerdings ist die Verwechselung des Netzes mit Google ein Kategorienfehler, über den jeder, der Linkvermietung auf Blogs für eine "unzulässige Beeinflussung des Pagerank Algorithmus" hält mal nachdenken sollte. Denn wer zuletzt lacht, hat Gold im Mund. Oder so.
Eigentlich hat Google sowieso jedes Recht, Webmastern vorzuschreiben, wie sie ihre Seiten bauen sollen, wenn sie gut in Google gerankt werden möchten. Wenn ich einen neuen Club in Wien aufsperre, in den nur Typen mit lindgrünen Trachtenhemden reindürfen, dann wird man mich zwar für einen seltsamen Goon halten, aber Gastlistenpolitik ist immer Sache des Hosts. Wenn mein Club aber der einzige in der ganzen Stadt ist mit brauchbaren Subwoofern, dann kommt sich jener Teil der tanzwütigen Bevölkerung, der nicht auf Trachtenhemden steht, wohl zu Recht ziemlich ausgesperrt vor.
Denn das einleitende "eigentlich" impliziert, dass neben Google noch eine Reihe weiterer Suchmaschinen existierten - und benutzt würden. Die Quasi-Monopolstellung ist für die ganzen Troubles verantwortlich: ein einzelner Anbieter sollte nicht die Spielregeln eines ganzen Mediums vorgeben, das hat der Gesetzgeber in anderen Bereichen längst kapiert: aber im Internet läuft die Zeit schneller ab als in der Welt der Anti-Trust Gesetze.
Inzwischen gibt's ja auch schon Stellungnahmen von Linktradern. Auch wenn ich selten einer Meinung mit Linklift bin, dieser Aussage kann und will ich als gesetzestreuer Bürger nicht wiedersprechen
Wir vertreten die Meinung, dass es das Recht eines jeden Webmasters ist, auf seiner Webseite zu tun und lassen was er will - sofern es im Einklang mit dem gesetzlichen Rahmen ist.
Trigamis ausführliche Stellungnahme bestätigt für mich einmal mehr meinen sehr guten Eindruck vom Schweizer Anbieter - absurderweise allerdings sieht sich Trigami obwohl keine Linktexte vorgegeben werden und nofollow ausdrücklich erlaubt ist, diverser Kritik in Zusammenhang mit der PR-Abwertung ausgesetzt: was nicht gerade für den Sachverstand der Kritiker spricht, gelinde gesagt. Und von Teliad habe ich heute im Newsletter eine nicht unspannende Info bekommen:
Erst einmal möchten wir darauf hinweisen, dass es bei der PageRank-Veränderung in dieser Woche wie auch Anfang Oktober jeweils weniger als 1 Prozent unserer Angebote getroffen hat.
Dabei wär's für Google ja gar kein Problem, gezielt zu suchen: wer sich bei LL, Teliad, TextLinkAds und Co. als Kunde anmeldet, sieht die meisten URLs ohnehin im Klartext, so what?
Aus SEO-technischer Sicht finde ich das Update durchaus erfreulich, Links mieten kann jeder, aber so gewinnt das eigentliche Handwerk wieder gewaltig an Bedeutung. Und was datenschmutz betrifft, pfeif ich eben zukünftig auf den PageRank und werde ihn auch nicht mehr kommunizieren. Eines der drei größten österreichischen Blogs zu sein reicht mir völlig - und zukünftigen Werbepartnern hoffentlich auch. Adsense kommt mir jedenfalls nicht in die Blogtüte! datenschmutz ist und bleibt mein eigenes BlogLaborTool, und ich hab auch zukünftig nicht vor, eine McGoogle Franchise Filiale draus zu machen.
Ich hätt ja was geschrieben zur aktuellen PR-Abstrafungsrunde. Aber SEO Scene hat die zentralen Punkte so präzise zusammengefasst, dass ich mir einfach mal ein etwas ausführlicheres Zitat als üblich erlaube:
Google greift also manuell ein und führt seinen eigenen Algorithmus - auf dem Googles Erfolg als Suchmaschine basiert! - ad absurdum. Gleichzeitig versucht Google dadurch, das Finanzierungsmodell des Linkverkaufs zu zerschlagen. Hier hatte ich schon an anderer Stelle geschrieben, dass beispielsweise viele Seiten von Open Source Projekten Links verkaufen und vor allem dadurch die hohen Serverkosten decken können. Durch diese Abstrafung entzieht uns Google also die Existenzgrundlage! Ist diese Tragweite überhaupt irgend jemandem klar? Kann in diesem Kontext wirklich noch jemand glauben, dass Google "nicht böse" sein will?
Es gibt nur noch ein Modell, das man dann relativ einfach fahren kann: Adsense. Wer betreibt Adsense? Google. Dies bedeutet, dass Google seine Marktposition ausnutzt, um als einziger Linkverkäufer attraktiv zu sein. Mich würde interessieren, wie dieses Vorgehen von Anwälten aus dem Wettbewerbsrecht fachlich eingeschätzt wird.
Heises telepolis, für die ich in der Vergangenheit öfter mal geschrieben hab, hat's also auch erwischt. Die kurzfristig wegfallenden Einnahmen durch Linkvermietung mögen allenfalls ärgerlich sein, aber was tut Google sich mittelfristig selbst an, wenn solche Institutionen wie das älteste deutschsprachige Netzkultur-Magazin manuell herabgesetzt werden? Falls nur der PR in Mitleidenschaft gezogen wird, richtet sich der Schlag bloß gegen Linkverkäufer wie Linklift und Co., sollte die Abstrafung aber auch Auswirkungen auf die SERPs haben, dann bedeutet das nicht mehr und nicht weniger, als dass Google sein eigenen Core-Businessmodell - nämlich die jeweils relevantesten Suchergebnisse möglichst weit vorne anzuzeigen - zerstört. Und das fände ich wieder äußerst positiv, denn eine solche Situation schüfe? Markteintrittschancen für die Konkurrenz.
Zweifellos war die Google-Idee, vom Full-Service Portal wegzugehen hin zu einer minimalistischen Suchbox, vor 10 Jahren revolutionär. Ich glaube aber erstens weder, dass im Web 2.0 die G-Suche in ihrer jetzigen Form der Weisheit letzter Schluss ist, noch halte ich es zweitens in irgendeiner Art und Weise für gesund oder wünschenswert, wenn eine einzige Firma ganz allein die Spielregeln eines kompletten Marktes festlegt. Und drittens fuckt Google alle aufgekauften Services langsam aber sicher ab: weder bei Blogger noch bei Feedburner noch bei Analytics geht irgendwas weiter: scheint ganz so, als wär da jemand dabei, sich ordentlich zu "zersprageln", wie wir in .at sagen.
Stark verwundert bin ich in diesem Kontext durchaus über F!XMBRs Meinung im Hinblick auf trigami:
Die Trigami-Blogger scheint es auch erwischt zu haben. Der Journalist und Optimist ist allem Anschein nach von 2 auf 0 gefallen, caschy hat nur noch einen PR von 3 und der Live-PR vom Upload-Magazin zeigt auch einen kommenden Abfall auf 3. Ich sage dazu mal nichts weiter - gewarnt wurde vorher lange genug und auch Google selbst hat diesen Schritt angekündigt.
Weder gibt trigami Linktexte vor noch geht's dabei um SEO: ich verstehe ganz ehrlich gesagt nicht, warum man es gut findet, wenn Google bezahlte Rezensionen auf Blogs verbietet. Nehmen wir mal an, die Welt der Printmedien wäre ebenso monopolisiert wie die Online Suche und ein einziger Anbieter verbietet sämtlichen Zeitschriften, Werbung zu schalten - außer über die eigene Agentur. Alle würden aufschreiben und "Kartellrecht" rufen. Wenn Google Rezensionen auf Blogs verbietet und *nur* Adsense zulässt, dann schwappt die braune Suppe endgültig über, metaphorisch gesprochen. Wie man eine solche Marktdominanz begrüßen kann, erschließt sich mir nicht.
datenschmutz ist von dem aktuellen Update nicht direkt betroffen, die Seite bekam bereits vor vier Wochen einen PR-Dämpfer von fünf auf vier. Dass die letzten zwei Tage PR3 angezeigt wurde, lag wohl an dem altbekannten "Google Dance" während des Updatens der einzelnen Datacenter. Dennoch:
Da d/s zu den meistgelesenen österreichischen Blogs gehört, eine mittlerweise phatte ungefakte Technorati-Authority besitzt und ausreichend starke Backlinks hält sich der Schaden in infinitesimal engen Grenzen. Warum genau ich von vier auf fünf gefallen bin, werde ich mit Sicherheit nie erfahren - denn auskunftsfreudig war Big G noch nie. Jedenfalls bin ich in dem Zusammenhang heilfroh, dass mittlerweile nur mehr weit unter 40% meiner Besucher über besagte Suchmaschinen eintrudeln - Google can't kill me. But sooner or later, Google will eat itself.
Das langerwartete Google Pagerank-Update, mit dem die meisten Webmaster bereits Ende August rechneten, ging an diesem Wochenende wirklich über die Bühne - diesmal mit ganz besonders vielen, dafür außerordentlich wenig erfreulichen Überraschungen.
datenschmutz wurde von Pagerank5 auf 4 zurückgestuft, einzelne Blogs fielen sogar von PR 3 auf 0. Generell scheint es sich um ein Update mit wenig "Aufwertungen", aber massiven Abstrafungen zu handeln. Die großen Fische blieben weitgehend unverändert, viele Seiten, die bisher noch gar keinen Pagerank hatten, bekommen aber wohl erst zu Weihnachten ihr Google-Geschenk geschenkt.
Als erster reagiert der bayrische SEO Blogger, SEO-Blog.at bemerkt noch keine Auswirkungen, SEO Scene vermutet, dass es sich bloß das von Matt Cutts angekündigte Korrektur-Update handelt, WebdesignLounge wartet aufs große Heulen und Zähneknirschen, Blogging Tom, CS Internet und Kloeschen bleiben gelassen, Bernd lässt das Update ebenfalls kalt, Selbständig im Netz hat's auch erwischt - die neueste Runde im Pagerank-Ringelpiez mit Anfassen fühlt sich ganz nach "Google gegen den Rest der Welt" an.
Schon eine Weile lang beherrscht eine Diskussion die gesamte SEO-Szene: wie geht's weiter mit dem Thema Linkbuying? Big G droht mit Abstrafungen und scheut sich nicht, Sites komplett aus dem Index zu werfen, wenn sie sich den Google-Spielregeln widersetzen.
Jeremy Shoemaker hat eine großartige Situationsanalyse auf Video aufgenommen - er erklärt, in welches zunehmend drastischere Dilemma Google hineinrutscht: auf der einen Seite muss man ständig unter Beweis stellen, dass man über die beste, fehlerfreieste Suchtechnologie verfügt, auf der anderen Seite werden zunehmend Seiten aus dem Index genommen. Wenn Google etwa John Chow komplett ignoriert, dann denkt sich ein Außenstehender, der den Kanadier kennt und nach seinem Namen sucht, in Unkenntnis der Vorgeschichte womöglich, dass die Google-Suche einfach nicht richtig funktioniert. Mit anderen Worten: wieviel Manipulation verträgt das Saubermann-Image, ohne die subjektiv wahrgenommene Qualität des Algorithmus zu beeinträchtigen? Zugleich kann es sich Google nicht leisten, so Shoemaker, gegen große Companys wie etwa BMW vorzugehen, die in punkto SEO alles andere als zimperlich mit den Google-Rules umgehen.
Rand Fishkin outete auf seinem Blog eine Reihe von Seiten, die wider Googles Policy Links ohne nofollow verkaufen - zugleich allerdings benutzt er selbst gekaufte T-L-A Links für die eigene SEO-Kundschaft und tritt dort weithin sichtbar als Testimonial auf - skurriler geht's nimmer. Eine klassisch schizophrene Situation also, die auf längere Sicht eigentlich nur bedeuten kann, dass man sich als Webmaster möglichst unabhängig von Google-Traffic machen sollte. Jeremy formuliert das in seiner unnachahmlichen Weise so: "Everybody is losing the point about this link buy thing. [...] Google has to keep up this magic facade that they have the greatest algorithm - if you make Google look stupid, they torch you." Da kann ich mich nur anschließen... und allen Google-Skeptikern das folgende Video wärmstens empfehlen. Don't Make Google look stupid - Period:
Von BLOGspeed war an dieser Stelle bereits die Rede. Einer der Kritikpunkte, nämlich die farbliche Anpassung des Widgets an die eigenen Design-Gegebenheiten, wurde nun umgesetzt - dafür habe ich trotz dauerender Einblendungen und zahlreicher Affiliates ständig 0,00 Credits.
Das farblich angepasste Widget ist rechts neben diesem Text in Aktion zu sehen - das ist schon mal eine kleine Verbesserung, eine Breitenanpassung wär noch wünschenswert, oder, noch besser eine Formatierung des Widgets via dokumentierter CSS-Klassen. Die fehlenden Stats dagegen machen alles andere als glücklich: die bloße Anzahl der geworbenen Affiliates und die Zahl der Credits sagen rein gar nichts aus über die erfolgten Einblendungen, und die geben mehr als Anlass zum Zweifeln am Algorithmus... denn die Zahl der teilnehmenden Blogs ist äußerst überschaubar: sie liegt bei rund 300. Erkennbar ist dies in der Kategorie-Einstellung, wo im Dropdown-Menü neben jedem Thema die Zahl der bisher registrieren Blogs angeführt ist.
Die Blogpiraten Forschungsabteilung, bestehend aus Max, Francis und meiner Wenigkeit hat nun aber übereinstimmend festgestellt, dass unsere Blogs zwar brav das Widget hosten, aber nie auf anderen Seiten im Netzwerk angezeigt werden... und mangels Statistiken legt dies den Schluss nahe, dass da irgendwas nicht rund läuft bei BLOGspeed - mal sehen, wie sich die Sache weiter entwickelt, aber da muss ich bald was ändern - Metty sieht das übrigens ganz ähnlich.
Ganz nach dem Vorbild des amerikanischen Blogrush-Widgets will BLOGspeed deutschsprachigen Seiten zu mehr Besuchern verhelfen. Zum Start des Besucher-Boosters vor wenigen Tagen habe ich auf BLOGspeed hingewiesen, und siehe da: mittlerweile befinden sich 16 Mitglieder in meiner "Downline".
Man möchte meinen, dass diese Besucher meinem Punktekonto gut tun, doch mit jedem neuen geworbenen Mitglied sank meine Punktezahl, inzwischen auf heiße 0,00 Punkte:
Ihre Credits
Für die Bewerbung Ihres Feeds:
http://feeds.feedburner.com/Datenschmutznet
stehen Ihnen derzeit 0.00 Credits zur Verfügung.
Kurz nach der Registrierung waren's noch rund 90 Punkte; vielleicht führt BLOGspeed ja das Prinzip der "reverse affilation" ein: je mehr Mitglieder man wirbt, desto schlechter für's eigene Punktekonto... aber im Ernst: ich vermute mal, dass die Betreiber noch stark am Algorithmus tunen. BLOGspeed trackt Affiliates im übrigen bis zur zehnten Ebene, und so sieht's derzeit aus bei mir:
Ihre Downline
Sie haben 11 Mitglieder in der 1. Ebene.
Sie haben 4 Mitglieder in der 2. Ebene.
Sie haben 1 Mitglieder in der 3. Ebene.
Sie haben 0 Mitglieder in der 4. Ebene.
Sie haben 0 Mitglieder in der 5. Ebene.
Sie haben 0 Mitglieder in der 6. Ebene.
Sie haben 0 Mitglieder in der 7. Ebene.
Sie haben 0 Mitglieder in der 8. Ebene.
Sie haben 0 Mitglieder in der 9. Ebene.
Sie haben 0 Mitglieder in der 10. Ebene.
Mit anderen Worten: bei BLOGspeed ist das "beta" im Namen nicht bloßer Web 2.0 Zierrat, das Service befindet sich tatsächlich in einer sehr frühen Phase - optische Anpassungen spielt's vorerst nicht. Aus der FAQ-Section:
Im Widget erscheinen derzeit hin und wieder Einträge von einem Nutzer namens "blogspeed"...?
Richtig, in der Anfangsphase haben wir hier interessante Feeds von Focus und Chip-online eingebaut. Diese Einträge werden jedoch mit steigender Anzahl von BLOGspeed-Nutzern wieder verschwinden.Läßt sich das Widget mit einer eigenen Hintergrundfarbe anpassen?
BLOGspeed wird kontunierlich weiter ausgebaut. Neben einem Feed-Wechsel in eine andere Kategorie wird auch mittelfristig eine Farbanpassung möglich sein.
Das Geschäftsmodell der Betreiber kann meiner Meinung nach nur auf den Verkauf bezahlter Anzeigenplätze im Widget rauslaufen, vielleicht sind Focus und Chip ja auch nicht bloß mit interesselosem Wohlgefallen beteiligt. Würde ich auch okay finden, so sich der Anteil bezahlter Links in Grenzen hält, aber das wird wohl die Zukunft zeigen.
Was ich dagegen bereits jetzt schmerzlich vermisst, sind mehr Infos und vor allem detailliertere Statistiken: ich wüsste zu gern, warum mein Credit-Saldo derzeit bei Null liegt.
Mit der Million Dollar Homepage rückte sich der 21jährigen Alex Tew aus Wiltshire 1995 ins Rampenlicht der Internet-Community - nun kommt die Million Dollar Homepage in des Kaisers neuen Kleidern gleich mehrfach zurück. Allen derartigen Seiten, so unterschiedlich die umgebenden Stories sein mögen, liegt das gleiche Businessmodell zugrunde: manchmal wird das an sich störrische Maultier Aufmerksamkeit eben zum Goldesel. [erschienen auf oe1.orf.at]
Auf der Startseite seines Projekts sah Alex Platz vor für ein quadratisches Bild mit einer Million Pixeln bzw. tausend Pixeln Kantenlänge vor - diese Größe lässt sich fast zur Gänze auf handelsüblichen Monitoren ohne Scrollen darstellen. Für die "Miete" eines einzelnen Pixels verlangte der Betreiber einen Dollar, die Mindestabnahmemenge betrug 100 Stück. Als Gegenleistung durfte jeder Käufer auf der gemieteten Fläche sein Logo inklusive Link zur eigenen Webseite unterbringen, wobei die Seite bis mindestens 2010 online bleiben soll.
Das eigene Logo ertrinkt dabei natürlich in einer Flut ähnlicher Piktogramme, der klassische Werbewert geht gegen Null. Dennoch hatte Alex keinerlei Schwierigkeiten, jede einzelne Parzelle seines virtuellen Grundstücks in kurzer Zeit zu verkaufen, denn die Idee verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch das Netz - und je mehr Blogs, Online-Zeitschriften und in weiterer Folge auch Magazine und sogar Fernsehsender über die Idee berichteten, desto mehr Besucher und Käufer statteten der Seite einen Besuch ab. Bald konnte sich der Initiator über seine erste leichtverdiente Million freuen.
Alles bloß Hype? Selber schuld, wer für 100 Pixel Geld ausgibt, wo man doch an jeder Ecke gratis-Homepages und -blogs registrieren kann? Nein, hervorragend investierte Werbeausgaben, denn die Aufmerksamkeitsökonomie im Internet hat ihre eigenen Gesetze.
Durch die vielen Backlinks erhielt die Million Dollar Homepage sehr bald einen hohen Pagerank. Mit diesem Pagerank misst Google die "Relevanz" von Webseiten, und zahlreiche Drittanbieter greifen bei der Bestimmung des Werbewertes einer Seite darauf zurück. Der Algorithmus wertet aus, wie viele Links auf eine bestimmte Seite zeigen. Je mehr solche "Backlinks" existieren, desto relevanter die betreffende Adresse, findet Google. Quantifiziert wird der Pagerank oder kurz PR mittels einer zehnteiligen Skala.
Wer über Google und andere Suchmaschinen Besucher auf seine Homepage locken möchte, der muss entweder ordentlich Geld in die Online-Werbung investieren - oder für entsprechend viele Backlinks sorgen, um weit vorne in den Suchergebnissen aufzutauchen. Aus diesem Grund haben sich manche Online-Dienstleister darauf spezialisiert, den ökonomisch motivierten Kontakt zwischen Linkvermietern und Käufern herzustellen: denn je höher der Pagerank einer Seite, desto mehr "wert" ist auch ein auf ihr platzierter Hyperlink, der auf eine beliebige Zielseite zeigt. Suchmaschinenexperten bezeichnen diesen Effekt als "Pagerank-Vererbung". Die Preise für eine derartige Linkmiete regelt das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage - für einen Backlink von einer Pagerank 5 Seite bezahlt man derzeit rund EUR 20,- / Monat, das entspricht auf fünf Jahre gerechnet also EUR 1.200,- Die Million Dollar Homepage dagegen besitzt einen Pagerank von 7 aus, das ergibt bei einer Laufzeit von fünf Jahren gerade mal EUR 1,66 pro Monat!
Der einzige Haken an der Sache: ein solcher Stunt gelingt in der Regel nur einmal. Wer die zweite Million Dollar Homepage baut, wird allenfalls ein mattes Lächeln ernten, aber kein ernsthaftes Interesse, somit keine Backlinks und auch keine Käufer. Doch bekanntlich leben wir im Zeitalter des Remixing, also war es nur eine Frage der Zeit, bis die Million-Dollar-Idee in verändertem Gewand zurückkam - zwei Jahre später, dafür aber auch gleich doppelt.
Da wäre zum einen das Million Dollar Wiki: anders als das bekannte lexikalische Vorbild hat man sich hier ganz und gar nicht zum Ziel gesetzt, das Wissen dieser Welt einzusammeln, sondern bloß - eine Million Dollar. Jeder Interessierte kann sich um 100$ eine eigene Wiki-Seite Mieten, die er nach eigenem Belieben gestalten kann. Graham Langdon, der ebenfalls 21 Jahre alte Betreiber, garantiert eine Lebensdauer von 10 Jahren und beschränkt die Zahl der verkauften Wiki-Pages auf 100 Stück. In den vergangen zwei Monaten verkaufte Graham rund 900 Seiten, ob er die angestrebten 10.000 Stück jemals erreicht, ist bei dem bisher eher flauen Interesse allerdings stark zu bezweifeln.
Wesentlich origineller geht der Amerikaner Prija Phaphouampheng aka "Sneaky Bastard" an die Sache heran: er will einen Film über die Blogger-Szene drehen, 10 Weblog-Schreiber sollen ihren Alltag dokumentieren. Um die notwendige Aufmerksamkeit und ein wenig Startkapital für sein ehrgeiziges Projekt aufzutreiben, dachte sich Prija eine ganz besondere Promotion-Kampagne aus: er verschenkt zwei Autos. Einen der beiden Scion tCs erhält seine kleine Schwester (US-Medien lieben rührseelige "großer Bruder kauft kleiner Schwester ein Auto Stories"), das andere wird verlost. Sponsoren sollen die beiden Fahrzeuge finanzieren: wer 100 Dollar bezahlt, bekommt zwei Reviews auf Prijas Blog, einen Backlink auf der zugehörigen Webseite, außerdem werden die Internetadressen aller Sponsoren auf die beiden Scions appliziert. Sollten die benötigten 50.000 Dollar bis Anfang nächsten Jahres nicht zusammenkommen, so erhält jeder Sponsor sein Geld zurück.
Hier steht zwar nicht die magische Million am Spiel, dafür versucht der junge Amerikaner, auf diffizilere Weise die Gesetze massenmedialer Aufmerksamkeitsverteilung vor seinen Karren zu spannen. In der ersten Woche konnte Prija rund 20 Spots verkaufen - man darf gespannt sein, ob sein Film über Blogger nächstes Jahr bereits Drehbeginn feiert und zu einer ähnlichen Erfolgs-Anekdote wie die Million Dollar Homepage wird.
Update: Blogspeed.de gibt's nicht mehr, dieser Beitrag steht nur mehr aus historischen Gründen online.
So gut wie alle amerikanischen Pro-Blogger verwenden bereits BlogRush, seit dem Launch verzeichnet der Service einen massiven Trafficboom. Letztens hab ich mich beschwert, das nicht-englischsprachige Blogs mal wieder außen vor bleiben, aber siehe da: BLOGspeed bietet die gleichen Features für deutschsprachige Blogs. Diesen Beitrag weiterlesen »
Teliad, im jungen Business-Zweig "organisierter Linkhandel" vergleichsweise alt eingesessen, startet endlich ein Affiliate Programm. Das freut mich nicht zuletzt deshalb, weil Teliad anders als Konkurrent Linklift keine php-Scripts einsetzt: stattdessen werden die vermieteten Links händisch eingepflegt - im Zweifelsfall immer noch die flexibelste Methode.
Dass "organisierter Linkhandel" ein wenig nach "organisiertem Verbrechen" klingt, findet eigentlich nur Gugl: denn natürlich möchte man sich den Pagerank-Algorithmus nicht zu Tode manipulieren lassen. Andererseits, wie schon Kaiser Trajan Vespasian sagte: non olet. Mit anderen Worten: vermietete Links riechen nicht nur keineswegs strenger als anderer, sondern lassen sich, gut platziert, generell nicht von ökonomisch unmotivierten Hyperlinks unterscheiden.
Mittlerweile hat aber wohl auch Big G eingesehen, dass die Strickweise der eigenen Seitenbewertung letztendlich Hauptmotor des Linkhandelsmarktes ist - und man kann ja nicht jedes größere Blog aus dem Index schmeißen, also verbieten die AGBs inzwischen nur mehr "exzessiven Linkhandel". Und Cheftechnologe Matt Cutts ließ letztens auf einer Konferenz zum Erstaunen der anwesenden SEOs verlautbaren, dass er "sponsored Links" für ein legitimes Businessmodell zum Betrieb eines qualitativ hochwertigen thematischen Linkverzeichnisses halte - sein Originalposting zum Thema findet man übrigens hier.
Die vollmundige Ankündigung, dass man ab sofort streng gegen Mietlinks vorgehen wolle, versetzte einige SEOs in Aufregung, aber auch diese Suppe wird bei weitem nicht so heiß gegessen wie gekocht. Würde Google in der Tat alle vermieteten Links erkennen können (was so gut wie ausgeschlossen ist) und die Zielseiten abstrafen, müsste man zukünftig nur mehr Links für die Konkurrenz mieten - blackhat at its best - it's not gonna happen. Und wer groß "Sponsored Links" über eine Liste von 100 Glücksspiel- und Pornoseiten schreibt, darf sich über allfällige Konsequenzen nicht wundern. Somit darf also neben Trajan Vespasian eine zweite Persönlichkeit der Geschichte zitiert werden, diesmal kein Kaiser, sondern ein Mediziner namens Paracelsus: "Alles ist Gift, es kommt nur auf die Dosis an."
Der amerikanische Platzhirsch Text-Link-Ads dient Linklift als Vorbild, Teliad funktioniert anders: nach dem Anlegen eines Seitenprofils mit den üblichen Parametern (Pagerank muss mindestens 3 betragen, Beschreibung, Anzahl der Seiten, auf denen der Backlink geschalten wird), bestimmt der Webmaster selbst den Preis, um den er einen Backlink vermieten will. Anhand der bestehenden Angebote kann man sich rasch orientieren - mir gefällt die Teliad-Variante weit besser als Linklift, wo der Preis vom System nach für mich reichlich undurchschaubaren Kriterien festgelegt wird. Über Kundenanfragen informiert eine E-Mail, akzeptiert der Webmaster den Link, so wartet Teliad ab, bis der Auftraggeber bezahlt und verständigt den Seitenbetreiber erneut. Sobald der Link online ist, beginnt der Abrechnungszeitraum von einem Monat. Kündigen weder Hoster noch Mieter, verlängert sich die Frist um ein weiteres Monat.

Natürlich überprüft Teliad regelmäßig die Setzung der bestellten Links, den Verzicht auf Plugin und Bewertung durch einen Algorithmus finde ich besonders gelungen: Marktplätze gehorchen nun mal nicht irgendwelchen Formen, sondern einzig und allein dem Gesetz von Angebot und Nachfrage: in diesem Sinne handelt es sich also um den einzigen "echten" Basar. Die Einsparungen im Bereich ohnehin eher lästiger als nützlicher Scripts gibt Teliad dafür lobenswerterweise an die KundInnen weiter: konkurrenzlos niedrige 20% beträgt die Provision, die der Marktplatzbetreiber für sich selbst aufschlägt.
Einziger Minuspunkt war das bislang schmerzlich vermisste Affiliate-Programm, doch der ist nun behoben - leider allerdings gibt's weder lebenslange noch 12-Monats Beteiligung, sondern bloß eine Fixsumme pro neuem Kunden:
Für jeden erfolgreich vermittelten Neukunden erhalten Sie eine Provision in Höhe von 10 Euro. Voraussetzung ist lediglich, dass der Neukunde innerhalb der ersten beiden Monate nach der
Registrierung einen Umsatz von 10 Euro tätigt.
Trotzdem eine erfreuliche Ergänzung im Werbeportfolio affiliate-affiner Webmaster! Wer mitmachen möchte, benötigt kein Zanox Konto oder dergleichen, das Partnerprogramm wird vom Betreiber direkt abgewickelt. Eine umfangreiche Auswahl an grafischen Werbemitteln steht auf den neuen Affiliate-Seiten zu Verfügung.
Fazit: mit dem neuen Affiliate Programm erweitert Teliad die Verdienstmöglichkeiten seiner Plattform auch für Webmaster, die (noch) keine Pagerank 3 Seite besitzen. Jedenfalls ein guter Affiliate-Tipp für alle SEO-Blogger!
Medienhandbuch.de veröffentlichte kürzlich ein ausführliches Interview mit Remo Uherek, Gründer und Geschäftsführer von trigami. Ich bin mit datenschmutz seit ein paar Monaten bei dem Schweizer Review-Marktplatz registriert und sowohl vom Support als auch von der Gestaltung des Angebots sehr angetan und hatte eigentlich vor, bei Remo demnächst um ein E-Mail Interview anzufragen - aber: im Medienhandbuch-Text ist schon (fast) alles gesagt - alle Zitate im folgenden Text stammen aus dem erwähnten Interview.
Trigami fungiert als Marktplatz zwischen Blog-Betreibern und potentiellen Werbern. Ähnlich wie bei den us-amerikanischen Pendants ReviewMe und Payperpost.com geben Advertiser Kampagnen in Auftrag, Blogger bewerben sich, erhalten gegebenenfalls den Zuschlag und haben dann eine bestimmte Frist lang Zeit (in der Regel 1-2 Wochen), ihre Rezension online zu stellen. Jeder Text wird händisch überprüft - der Werber hat die Möglichkeit, verschiedene Vorgaben zu machen und zu erklären, welches Ziel er mit seinem Auftrag verfolgt; eine direkte Kommunikation zwischen Advertiser und Blogger findet nicht statt. Den Screenshot einer typischen Auftragsbeschreibung finden Sie am Ende des Artikels.

Ob man das eigene Blog als Spaßunternehmen betrachtet, dessen Moralinstanz-Qualität durch Werbeeinnahmen unwiderruflich geschädigt würde, ob man für hohe Conversion Rates seine Journalisten-Seele verkauft oder doch lieber versucht, so wie alle "erwachsenen" Medien einen gangbaren Mittelweg zwischen Schreibkunst und Kommerz zu finden, muss jeder Blogger für sich entscheiden. Bei Trigami allerdings geht's ganz klar nicht darum, Lobhudeleien zu ordern, denn die Plattform verkauft eben keinen Werbeplatz, sondern Rezensionen. Kunden können sich also Feedback und konstruktive Kritik erwarten - aber keine bloße Verneigung vor dem Produkt.
Ich glaube, dass mittelfristig darin die Stärke des Systems liegt - denn Blogger sind (nona!) eine sehr medienaffine, aber auch kritische Zielgruppe.
Für Werbetreibende hat Trigami Paradiesqualitäten: eine Kolumne auf 10 gut bewerteten Blogs kostet einen (im Kontext etwa von Fernsehspots oder Tageszeitungseinschaltungen) läppischen Tausender: dafür gibt's 10 in der Regel sehr gut recherchierte Beiträge, tausende Leserkontakte, umfassendes Feedback und, last but definitely not least: mindestens einen permanenten Content-Deeplink.
Im Vergleich zu monatlich zu bezahlender Linkmiete á la Linklift oder TextLinkAds werden zur Google-Optimierung im passenden Keywordumfeld also auch noch gleich bottom-up Marktforschung und Marktdialog mitgeliefert - zu einem unschlagbaren Preis und viel rascher als durch teuren und langwierigen Aufbau eines eigenen Corporate Blogs. Und meine Kristallkugel sagt: je stärker sich Weblogs im Mediamix etablieren, desto mehr werden die Preise für Rezensionen steigen.
Ein wichtiger Punkt ist die Frage der Kennzeichnung: Trigami verlangt, dass alle über die Plattform vermittelten Aufträge vor Textbeginn deutlich als Auftragsarbeit gekennzeichnet werden, da dies das deutsche Pressegesetz anscheinend verlangt. (Was mich wunderlich dünkt, denn Blogs sind ja bekanntlich keine Massenmedien - und Pflichten ohne Rechte sind immer ein ganz schlechter Deal)
Meine Meinung dazu ist recht eindeutig: solange die Kennzeichnung verlangt wird, baue ich sie ein. Lieber wäre mir allerdings eine optionale Markierung, weil ich hier auf datenschmutz, kurz gesagt, nur Texte veröffentliche, die ich auch ohne Bezahlung potentiell posten würde - ich tu's aber nicht, denn sowohl Zeit als auch Aufmerksamkeit sind nun mal verdammt knappe Ressourcen. In diesem Sinne verstehe ich die Bezahlung durch trigami als Kompensation für die Zeit, die ich mich mit einem bestimmten Produkt beschäftige - was keinerlei Auswirkungen auf den Inhalt der so entstandenen Beiträge hat, und genau aus diesem Grund müsste die Kennzeichnung eigentlich gar nicht sein.
Andere vertreten da durchaus konträre Positionen, auf die die Trigami imho sehr gut reagiert hat: nun stehen eine Reihe von G'satzerln mit oder ohne Grafikzur Auswahl bereit - von ausführlich bis minimalistisch.
Im Interview fasst Remo Uherek die Vorteile für Blogger wie folgt zusammen:
a) Neuartige Monetarisierungsmöglichkeit = Umsatz
b) Spaß an innovativen Produkten = Fun
c) Frischer Content für den eigenen Blog = Höhere Autorität und mehr Besucher
Und er hat völlig recht - da man sich für jede Rezension einzeln bewirbt, besteht nie die Gefahr, über Themen und Produkte schreiben zu müssen, die man selbst als uninteressant einstuft. Punkt b) kann ich ebenfalls unterschreiben: vor meiner Review kann ich zum Beispiel Plazes.com definitiv noch nicht. Punkt c) betrifft mich am wenigsten (als alter RSS- und Mailinglist-Junkie gehen mir die Themen nicht so schnell aus), allerdings weiß ich, dass viele bloggende Kollegen durchwegs froh sind über thematische Inputs.
Ich hab bisher weit mehr Aufträge angenommen als abgelehnt (alle bisherigen trigami-Reviews auf datenschmutz), da die meisten Services und Produkte definitiv einen zweiten Blick werten waren. Wer von seinem eigenen Produkt nicht überzeugt ist, der sollte übrigens tunlichst die Finger von Trigami lassen: Blogger kritisieren überaus gern... Naturgemäß sind Online- und Web 2.0 Dienstleister unter den Werbekunden besonders stark vertreten.
Ich würde allerdings keinen bezahlten Review über ein Produkt schreiben, das ich richtig mies finde und dem ich keinerlei Verbesserungspotential zugestehe: Verrisse machen wenig Schreib-Spaß, also picke ich lieber die Rosinen aus dem Küchlein.
Den Preis einer Review berechnet der sogenannte tRank Algorithmus, wobei eine ganze Reihe verschiedener Faktoren einfließen:
Der Preis hängt primär von der Reichweite und Qualität eines Blogs ab. Wir berücksichtigen Kriterien wie Reichweite in Unique Visitors und Page Impressions, Anzahl RSS-Abonnenten via Feedburner, Backlinks via Technorati, Backlinks via Yahoo und Google PageRank, um den Preis einer Rezension zu bestimmen. Außerdem fließen die Leistungen aus bereits geschriebenen Rezensionen mittels eines Bonus/Malus-Systems in die Preise zurück.
In der Praxis kostet eine Rezension in den meisten Blogs zwischen 50 und 100 Euro, wovon Trigami 30% an Provision kassiert. Hier auf datenschmutz kostet ein trigami-Review derzeit EUR 129,-, somit verdiene ich EUR 90,30 an jeder Auftragsarbeit. Das ist für mich als "gelernten" Journalisten ein überaus akzeptables Honorar und liegt bei gleicher Textlänge sehr weit über den marktüblichen Preisen österreichischer Tageszeitungen für Freelancer. Mit anderen Worten: um knapp 300 Euros pro Monat zu verdienen, muss ich entweder eine ganze Menge Backlinks verkaufen (was Google hasst), oder drei Rezensionen schreiben - da fällt die Entscheidung eigentlich sehr leicht.
Die zweite Möglichkeit, das monatliche Budget aufzubessern, stellt das Affiliate-Programm dar: für jeden geworbenen Blogger, der seine erste Rezension abschließt sowie für jeden Werbekunden, der seine erste Kampagne beauftragt, gibt's Extra-Knete. Vor kurzem hat Trigami seine Affiliate-Konditionen übrigens geändert - zu Gunsten der Blogger:
Neu gibt es 5% Provision auf alle Umsätze, die ein geworbener Neukunde innerhalb seines ersten Jahres bei trigami tätigt. Dieses Modell ersetzt ab sofort das alte Modell, bei dem wir 50 EUR bzw. 80 CHF Fixprämie pro aktiven Neukunden gezahlt haben.
Wie so manches Netz-Startup entstand auch Trigami ursprünglich bei einem Barcamp, und zwar 2006 in Zürich. Innerhalb einer recht kurzen Zeitspanne konnte die Firma unter Beweis stellen, dass sie ihren Job hervorragend erledigt: sowohl Blogger- als auch Kundenportfolio sind permanent im Steigen begriffen. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass die Schweizer nicht nur die besten Uhren und die besten Banken betreiben, sondern mittlerweile auch die lohnendste deutschsprachige Plattform zur Blog-Monetarisierung.
Der folgende Screenshot zeigt einen typischen trigami-Auftrag, wie ihn registrierte Blogger erhalten.

Mit seiner rasanten Entwicklung vom kleinen Start-up zum größten Internetunternehmen der Welt hat Google eine märchenhafte Erfolgsstory vorzuweisen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Und einige Schatten, die Google wirft, sind sogar recht dunkel. Werner Reiter versucht, die Story in einer Diskussionsrunde ein Stück weiter zu erzählen, fotografiert hat Florian Auer. "Der Google Zauberbesen" erscheint in der gerade frisch gedruckten Ausgaben von the gap in leicht gekürzter Form - datenschmutz LeserInnen erfahren die ganze Wahrheit über den gefährlichen Suchmaschinenmoloch, der unser tägliches Leben so sehr erleichtert.
Im Jahr 1998 gründen zwei junge Studenten mit einer damals revolutionären Suchtechnologie eine Internetfirma. Dem Märchenklischee entsprechend dienen billige IBM-PCs als Infrastruktur und eine Garage als Firmensitz. Das Ende ist noch offen. Aus heutiger Sicht lassen sich je nach Geschmack zwei mögliche Schlüsse erzählen. Der eine ist voller Superlative: wertvollste Marke der Welt, meistbesuchte Internetseite, Weltmarktführer bei Online-Werbung ... ad infinitum. Der zweite - vorläufige - Schluss erkennt in all der Größe eine massive Gefahr: Wir alle sind Googles Zauberlehrlinge und werden die gerufenen Geister nicht mehr los. Schließlich ist Google nicht irgendwo groß, sondern am Lebensnerv der modernen Gesellschaft: der Information, genauer gesagt deren Aggregation und Aufbereitung.
Natürlich war auch ein Vertreter von Google Österreich eingeladen. Wichtigere und zeitkritische Projekte standen einer Teilnahme leider im Wege und man überließ es uns, die Diskussion aus der Außenperspektive zu führen. Nicht weiter schlimm, wird doch ohnehin jeder User täglich von den Annehmlichkeiten kostenloser Google Services überzeugt. Bemerkenswert bleibt aber, dass kritische Geister und Datenschützer weit eher bereit sind, Diskussionseinladungen zu folgen. Und dass jene, die Google ob seiner ungebrochenen Innovationskraft bewundern, diesen Aspekt nicht wirklich in den Diskurs einbringen wollen. Christopher Sima, Geschäftsführer des Online-Vermarkters AdLink, ist unserer Einladung gefolgt und hat die etwas undankbare Rolle des Google-Verteidigers brilliant übernommen.
Doch der Reihe nach: Beweggrund, die Diskussion zu veranstalten, war die Tatsache, dass Google mittlerweile eine zentrale Rolle in der Internetwelt einnimmt. Nicht nur die Mehrzahl der User wählt Google als Einstiegspunkt, auch zahllose Webmaster bauen Google Analytics als Analysetool und AdSense (kontextsensitive Werbeanzeigen in Textform) als komfortable Verdienstmöglichkeit ein. Damit nicht genug, steckt Google mit Toolbar und Desktop Search in Millionen PCs und mit Messaging-Services wie Gmail und Google Talk hat sich der Internet-Riese noch mehr Möglichkeiten geschaffen, Daten zu sammeln und Userprofile für die Werbewirtschaft zu generieren.
"Es ist schwierig, gegen Google zu argumentieren, weil's einfach so praktisch und noch dazu kostenlos ist." Monika Bargmann über geschenkte Gäule
Ein einfaches Experiment zeigt ein interessantes Ergebnis: Der Suchbegriff "Internet" bringt auf Google knapp zwei Millionen Treffer, der Begriff "Google" etwas mehr als die Hälfte. Eine Suche auf Yahoo bringt ein ähnliches Resultat. Selbst wenn MSN Search es etwas anders sieht und Googles Anteil auf 12% reduziert, ist die Frage zulässig, ob Google die Regeln des Internet zu einem großen Teil bestimmt. Neuerdings wird das ebenso simple wie erfolgreiche AdSense-Konzept zur Online-Vermittlung von Werbeanzeigen auf klassische Medien wie Print, Radio und TV ausgerollt und erstmals gelingt es einer Internet-Company, auch die klassische Marketingwelt empfindlich aus dem Gleichgewicht zu bringen.
"Democracy on the web works" und "The need for information crosses all borders" lauten Nummer vier und acht der zehn Gebote, die Google sich als Firmenpolicy auferlegt hat. Sie beschreiben ein Versprechen aus der Frühzeit des Web: Wo Information frei zugänglich ist, wird Demokratie ermöglicht. Von Beginn an war es Googles Credo, alle im Internet verfügbare Information für die User nutzbar zu machen. Mittlerweile bedient das Unternehmen aus Mountain View das Informationsbedürfnis der Massen und ist dabei so groß geworden, dass die politischen Eliten ihre Einflusssphäre bedroht sehen.
"Irgendwann sind sich alle Monopole nicht nur ihrer eigenen Macht bewusst. Auch fremde Interessen wissen, dass sie den Hebel nur mehr an einer Stelle ansetzen müssen, um etwas zu bewirken." Adrian Dabrowski über simple Wirtschaftsphysik
Die von Google gefilterten Suchergebnisse als Zugeständnis an die chinesische Regierung werden nicht nur in unserer Expertenrunde massiv kritisiert. Wobei alle Diskussionsgäste von weiteren Beispielen wissen, in welchen Google anderen Staatsobrigkeiten gegenüber - zum Teil vorauseilenden - Gehorsam zeigt. Der Medientheoretiker Ritchie Pettauer meint, dass es ohnehin nie auf der Agenda stand, als Suchmaschine Dinge im Sinne der Allgemeinheit zu regeln. Als börsenotiertes Unternehmen regle Google Dinge im Sinne seiner Shareholder. Warum sollte ein Unternehmen auch für mehr Demokratie sorgen als (gewählte) Regierungen? Problematisch sei höchstens die "verdeckte Zensur", wie Adrian Dabrowski von q/uintessenz formuliert: die mangelnde Transparenz, dass - und aufgrund welcher Kriterien - Ergebnisse gefiltert wurden.
Die Bereitwilligkeit, sich wirtschaftlichen Erfolg durch politisches Wohlverhalten zu sichern und Googles Monopolstellung bringen ein interessantes Phänomen hervor: Plötzlich hat ein Unternehmen die Möglichkeit, die Realität für große Teile der Informationsgesellschaft zu definieren - das allerdings nicht wie bei klassischen Medienunternehmen durch die Produktion von Information, sondern durch Filterung und Aggregation von Material, das andere produziert haben. Pettauer meint, dass Google nur einem Trend folge, welchen Medienwissenschaftler schon seit 15 Jahren beobachten: Transnationale Konzerne hätten schon seit längerem die Definitionsmacht und damit die Rolle der Kirchen übernommen. Google mache das aufgrund seines Geschäftsgegenstandes nur etwas unmittelbarer. Etwa wenn in Google Earth Aufnahmen unkommentiert durch ältere ersetzt werden - wodurch der Zoom aus dem Weltall auf globale Krisenregionen schon mal als heil darstellt, was längst zerbombt ward.
"Man darf nicht vergessen, dass Google diese Monopolstellung nur erreicht hat, weil es viele Dinge die es macht, sehr gut macht." Ritchie Pettauer bestätigt Google Gebot Nummer zwei
In der Runde herrscht dennoch Einigkeit, dass Google Services für die Enduser in erster Linie praktisch und noch dazu kostenlos sind. Und beides wohl auch weiterhin bleiben werden, analysiert und filtert die Datenkrake unser Such- und Kommunikationsverhalten doch ganz genauso wie sie es auch mit anderen Informationen tut - um sie dann verkaufen zu können. Registrierungsdaten, Cookies und Log-Daten ergeben einen Rohstoff, der nur entsprechend aufbereitet werden muss, um die Träume aller Werbetreibenden wahr werden zu lassen: Targeting auf höchster Granularitäts-Stufe. Christopher Sima von AdLink steigt erst an diesem Punkt der Diskussion ein und bricht eine Lanze für das Datensammeln und Profil-Erstellen der Internetgiganten. Es ermögliche letztlich eine Werbeeffizienz, die vor zehn Jahren noch undenkbar war. Verschwörungstheorien erteilt er eine Abfuhr, da es im Marketing durchaus ausreiche, eine Gruppe von Usern mit einem definierten Profil zu erreichen und nicht die jeweiligen Einzelpersonen.
"Die Hauptarbeit, die Google zur Zeit leistet, ist Clickfraud hinterher zu jagen." Christopher Sima über die illegale Manipulation der Klickraten
Trotzdem: Je besser die Profildaten, umso höher ihr Wert und umso effizienter können Werbebudgets eingesetzt werden. Genau in diese Richtung geht der Trend: Die neuen Zauberworte der Branche lauten Behavioral Targeting (also die gezielte Ansprache der User aufgrund messbarer Verhaltensmuster) und Abrechnung nach Conversions (also Bestellungen, Anmeldungen oder dergleichen).
Durch den Kauf von DoubleClick, einem der weltweit größten Anbieter von Online Marketing Lösungen, hat Google neben Keyword Advertising (kontextspezifische Textanzeigen) auch eine Vormachtstellung im klassischen Display Advertising (Banner, Pop-Ups und ähnliches) erlangt. Damit landen userbezogene Daten aus zwei unterschiedlichen Werbemodellen im selben Speicher: einmal die Klicks aus klassischer Onlinewerbung, die Awareness schafft und ein anderes Mal die Keywords, die einen Informationsbedarf abdecken. Werberherz was willst du mehr?
"Wahnsinnig nützlich, aber zu mächtig! Alternativen braucht die Welt!" Marie Ringler, Grüne Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete in Wien
Auch wenn Datenschutzorganisationen wie etwa Privacy International und neuerdings auch EU-Experten dagegen Sturm laufen: Dieser Praxis ist - mit Ausnahme komplizierter wettbewerbsrechtlicher Verfahren - nicht wirklich beizukommen. Monika Bargmann, die sich bei VIBE!AT für den bewussten Umgang mit dem Internet engagiert, fielen zwar etliche Argumente ein, doch die erreichen die meisten Usern nicht. Der Zauberbesen könnte nur durch einen anderen Zauberbesen ein wenig zurück in die Ecke gedrängt werden. Hätte Google relevante Mitbewerber, wäre nicht nur ein Monopol gebrochen, auch das Interesse von Geheimdiensten, Regierungen und Klickbetrügern würde sich auf mehrere verteilen und Google hätte wieder die Möglichkeit, den Algorithmus für die User anstatt gegen die Parasiten zu optimieren und müsste vielleicht nicht mehr dazu aufrufen, die Klickbetrüger anzuschwärzen.
The Gap hat noch andere Expertenmeinungen zu Google eingeholt. Alle eingetroffenen Statements oszillieren zwischen Bewunderung und einem mehr oder weniger starken Unwohlsein, das in der Vormachtstellung des Unternehmens begründet ist. Der wohl interessanteste Beitrag kam von Franz Manola, der Google schon vor zehn Jahren als Suchtechnologie auf den Seiten des ORF einbauen ließ. Franz Manola war von 1996 bis 2007 Gründergeschäftsführer von ORF ON und ist derzeit in der Generaldirektion des ORF verantwortlich für ein neues Corporate Design und den HDTV-Einstieg des Unternehmens:
Das Phänomen Google lässt sich als Kulminationspunkt von 500 Jahren abendländischem Denken lesen. Mit der Renaissance setzt die Vorstellung ein, dass der Mensch allen Aspekten seines Lebens mit Rationalität begegnen muss und kann. Die Jungs und Mädels von Google sind besessen von mathematischen Meisterdenkertum. Sie sind der unerschütterlichen Überzeugung, dass sich jedes Problem auf eine mathematische Formel verdichten und damit lösen lässt. Sie haben innerhalb von zehn Jahren ein, zwei Hefte mit solchen Algorithmen in einen Unternehmens-Giganten verwandelt, den die Börsianer, ihrerseits besessen von angewandter Mathematik, höher bewerten als jede andere Firma der Welt.
Die vielleicht zentrale Errungenschaft der Renaissance, kulminierend in der bürgerlichen Revolution, ist die Vorstellung, dass das Ich mindestens so hoch zu bewerten ist wie das Wir, dass das Ich einen besonderen Schutz vor dem Wir und Uns verdient. Das Private - von der Privatsphäre bis zum Privateigentum - definiert das Subjekt in der westlichen, marktwirtschaftlichen Demokratie wie nichts Zweites.
Die Abschaffung des Privaten
Die Ironie des Phänomens Google - jedenfalls seiner zentralen Suchalgorithmen - ist die Abschaffung des Privaten, also ein Angriff auf den Kern der Errungenschaften der Moderne. Seit wir vernetzt sind, hinterlässt jeder von uns eine Datenspur, die von allen möglichen Agenturen - von der NSA bis Microsoft - abgelegt und durchforstet wird. Aber davon wissen meist wir selbst nichts, geschweige unser Nachbar. Google aber hat unsere Datenspur nach außen gestülpt. Inklusive der Datenschleimspur, die andere im Zusammenhang mit unserem Namen abgesondert haben. Solange eine noch so fiese Denunziation anonym auf einem noch so obskuren Bulletin Board abgelegt in einem Rechner-Cash zu finden ist, wird sie Google bis in alle Zukunft zu Tage fördern.
You never have a second chance to make a first impression - das war gestern. Heute und in alle Zukunft gilt: Du bist gegoogelt lange bevor du die Chance gehabt hättest, einen unvermittelten persönlichen Eindruck zu hinterlassen. Wir sind wieder im Dorf gelandet, im globalen Dorf, wo jeder über jeden alles zu wissen glaubt und das Wir wieder entscheidet, was das Ich darf und ganz besonders was es nicht darf. Google verletzt potenziell die Privatsphäre von jedem einzelnen in einem noch vor zehn Jahren unvorstellbaren Ausmaß. Im kalifornischen Mountain View ist - nicht zum ersten Mal - ein Weltformel-/Meisterdenkerkonzept an die Wand seiner eigenen Widersprüchlichkeit gefahren. Zu Ende gedacht, ist das kein mathematisches, sondern ein politisches Problem. Wie es damals der Feudalismus war, gegen den sich die Ichs erhoben haben.
Franz Kröpfl, Leiter der Abteilung Innovation Marketing bei mobilkom austria, fasste folgende drei Punkte über Google zusammen:
- Einer der wenigen Angreifer, der zum Angegriffenen wurde. (Google verteidigt seine Position nach wie vor erfolgreich.)
- Nach wie vor innovativ; "Geht nicht" gibt es nicht, sofern es sich um Dinge handelt, die die Welt braucht. Um zu forschen, werfen sie auch alte "Don'ts" über Board
- Was sie machen, machen sie mit vollem Ernst und haben scheinbar auch noch Spaß dabei (Zukunft und Wachstum sind nicht trennbar).
Automatisierte Linktausch-Systeme á la Linkvault bergen gewisse Risiken, doch ob ihrer hohen Effektivität greifen Gray- und Blackhat Webmaster dennoch gerne auch auf jene Services, die Google schon länger ein Dorn im Auge sind. Receivelinks bietet noch einige Features mehr und garantiert bei ausreichender Bezahlung sogar ausschließlich Backlinks mit wählbarem Minimal-Pagerank.
Von LinkVault war an dieser Stelle schon mal die Rede. Im betreffenden Artikel habe ich die wichtigsten Punkte, Funktionalität sowie Pros und Contras zusammengefasst. In aller Kürze: Google verwendet die Anzahl der Backlinks als wichtiges Kriterium beim Ranking. Da mittlerweile mit entsprechenden Google-Platzierungen durchwegs Geld zu verdienen ist und echte, sogenannte "organische" Backlinks entweder bei Services wie Linklift oder Text-Link-Ads teuer bezahlt oder aber händisch mühsam akquiriert werden müssen, klingt die Aussicht auf automatischen Linktausch in der Tat verlockend - davon lebten spammy Link-Katalog-Netzwerke eine Zeit lang auch ganz gut, doch was den anfänglich vergleichsweise dummen Google-Algorithmus noch überlistete, wirkt mittlerweile sogar kontraproduktiv.
Die neuen Tauschnetzwerke gehen da wesentlich avancierter vor, getreu dem Motto "Geben ist ebenso selig wie Nehmen": der Webmaster registriert sich und seine Seite(n), lädt anschließend eine php- und eine txt-Datei auf seinen Server und fügt einen kleinen Codeschnippsel an jener Stelle im Template ein, wo später die Links erscheinen sollen. Sobald die Seite "approved" wird, schaltet das Netzwerk Links anderer Teilnehmer, und zwar nicht seitenweit, sondern pro Adresse bzw. Blogbeitrag. Diese gratis vermieteten Links bringen dem Webmaster Punkte (bei LinkVault "Vaultage", bei ReceiveLinks "Points" genannt), mit denen er selbst wiederum Anzeigen im Netzwerk schalten kann.
Kommt Tante Google da drauf, dann ist's vorbei mit dem Ranking, mahnen die Vorsichtigen. In der Tat kann nach den AGBs von Google eine Teilnahme an einem solchen Linknetzwerk zur Streichung der Seite aus dem Index führen, weswegen ich solche Netzwerke niemals für wichtige Projekte einsetzen würde. Geht's aber darum, kurzfristig Landing Pages zu pushen, dann funktionieren sowohl LinkVault als auch Receivelinks ganz hervorragend - ich habe einige meiner Experimentalblogs eingetragen und bin mit den Ergebnissen durchwegs zufrieden.
Guter unique content ist immer noch König - mit den Besuchern kommen auch die Backlinks, und nichts geht über organischen Linkaufbau, das kann man nicht oft genug betonen. Das tatsächliche Risiko, aus dem Google-Index zu fliegen, ist allerdings weit geringer als vermutet. Von außen sehen die Links ganz "normal" aus - nichts deutet darauf hin, dass hier ein php-Script vollautomatisch Backlinks generiert. Wer groß und deutlich "proud automatic linktrader" oder so hinschreibt, ist selber schuld, die Links lassen sich an jeder beliebigen Stelle integrieren.
Aber wie sieht's mit der anderen Richtung aus? Würde Google rein theoretisch betrachtet Seiten abstrafen, die in solchen Netzwerken beworben würden, hätten SEOs in Zukunft leichtes Spiel: einfach die Seiten aller Konkurrenten eingetragen, und schon gehört einem der Google-Index ganz alleine. Trotzdem könnten sich natürlich Google-Agenten selbst in solchen Netzwerken anmelden und einige Lockvögel-Seiten anmelden, um herauszufinden, welche Webmaster denn verbotenerweise Links hosten. Eine solche Recherche wäre jedoch mit beträchtlichem Zeitaufwand verbunden, und ich vermute stark, dass Google a) begrenzte Ressourcen und b) besseres zu tun hat.
Die Features von LinkVault habe ich im erwähnten Beitrag bereits beschrieben. ReceiveLinks funktioniert nahezu identisch, mit zwei beträchtlichen Unterschieden:
Im Vergleich zu Mietlink-Preisen kommt man hier also relativ vergleichsweise davon. Wer den ersten Schritt in die weite Welt des Google-Ungehorsams unternimmt, der tut meiner Meinung nach gut daran, sich bei beiden Netzwerken anzumelden. Für Herzblut-Pages empfiehlt sich ohnehin in jedem Fall, organischem Linkaufbau den Vorzug zu geben, selbst wenn's etwas länger dauern sollte. Wer jedoch gerne ab und zu einen schwarzen Hut trägt, das kribbelnde Risiko einer Partie SEO-Poker nicht scheut und einem kleinen Experiment nicht abgeneigt ist, der sollte sich auf jeden Fall mit einer "unwichtigen" Seite bei beiden Netzwerken anmelden und nach einigen Monaten selbst entscheiden, ob ReceiveLinks oder LinkVault zukünftig Bestandteil des SEO-Repertoires werden sollen.
Durch die Möglichkeit, die eigene Seite auf Backlinks von Seiten mit selber Sprache / selber Kategorie zu erhalten und die manuelle Prüfung aller Neuanmeldungen ist die Qualität der erhaltenen Backlinks überraschend gut. Angeblich verfügt ReceiveLinks über das kleinere Netzwerk, ich erhielt dort allerdings prozentuell wesentlich mehr Backlinks von Seiten mit PR2 und sogar PR3 - darunter einige SEO-Kataloge, aber auch offensichtlich sehr ernsthaft gepflegte Blogs.
Bei LinkVault dagegen funktioniert der Linkaufbau vergleichsweise schneller, dafür bekam ich eine Menge Backlinks von Unterseiten ein- und derselben Domain. Abgesehen von den oben erwähnten Punkten sind die Unterschieden zwischen den beiden Linktauschnetzwerken jedoch marginal: bei beiden kann man Frequenz und Zahl der erhaltenen Backlinks frei einstellen, wenn die eigenen Punkte aufgebraucht sind, gibt's keine weiteren Backlinks. Beide Plattformen bieten Premium-Mitgliedschaften mit erweitertem Leistungsspektrum an. Die Betreiber leben von der Spann im Punktetausch, aber offenbar nicht so gut, dass sie ihren Applikationen ein slickes Web 2.0 Interface verpasst hätten. Aber was soll's - eine bloß sieben Woche alte Domain, die ausschließlich mit automatisiertem Linktausch "be-optimiert" wurde, hat seit heute immerhin PR1 - und das, ohne nach dem Eintragen der Textanzeige auch nur einen Finger zu rühren.
automatischer Linktausch
| 30. Juli 2007 | bis | 5. August 2007 |
Diese Woche: Neuschöpfungen en masse. Da wäre einmal der schöne Begriff Gebördel: das (fachspr., ugs. komplexer, ungebetener, ausführlicher Vortrag eines [selten auch selbstern.] Spezialisten zu einem Nischenthema. Radio4SEO dagegen ist nur mehr fast ganz neu - immerhin lief diese Woche bereits die 2. Ausgabe - unbedingt anhören! Ebenfalls ganz frisch: Giga veranstaltet gerade einen Homepage-Award und Michael ist mit seinen grandiosen GreenSmilies nominiert, unter allen Abstimmenden werden Preise verlost: Voting. Ebenfalls neu sind die Blogperlen.de. Robert generiert, René spekuliert.
Das Wichtigste zuerst: nachdem letzte Woche einige neue Sicherheitslücken in WordPress aufgetaucht sind und der Versuch, die Sache mit einem freundlichen XSS-Wurm zu fixen, nicht auf grenzenloses Vertrauen bei allen Bloggern stieß, gibt's mittlerweile das offizielle Update für alle, die nicht gerne in php-Core Dateien herumgraben. Für beide Zweige existieren nun die passenden Versionen WordPress 2.2.2 und 2.0.11, die deutschsprachigen Softwarepakete stehen auf WordPress-Deutschland zum Download bereit, mit dem Upgradepaket sind die Fixes im Nu eingespielt.
Die Mad TV Mannschaft hat ein hervorragendes Video zum Thema Powerpoint-Präsentationen online gestellt - sozusagen die Gegenthese zu Hans Rosling [via BasicThinking]:
Pfff, was der teure Redakteur kann, schafft der neue Algorithmus schon lange... Bilder zu Texten zuordnen kann ja denn nun wirklich nicht so schwer sein. Denkste! Ob Schwangerschaft oder Symbolfoto: ungewollt bleibt ungewollt: da kann's bei Google News natürlich schon mal vorkommen, dass die Simpsons zur bildlichen Veranschaulichung von Schlagzeilen wie "Vater löscht Familie" aus herhalten müssen. Gesehen bei Stefan Niggemeier, der übrigens in der vergangen Woche Opfer einer üblen Spam-Kampagne wurde:
Und wo wir gerade beim unglücklichen Einsatz gängiger Formate sind: immer wieder sorgen unsere hochgeschätzten Matching-Algorithmen für unfreiwilligen Zynismus. Die kontextsensitive Werbung basiert ja bekanntlich auf ganz simplem Keyword-Matching, will heißen: da landet schon mal ein Banner für eine CD-Burning Software mit dem Slogan "Burn baby, burn" neben einer Meldung über zwei bei einem Feuerunglück verbrannte Kleinkinder. Derlei "glückliche" Paarungen finden sich in selten Fällen allerdings sogar im guten alten Real Life - staunen Sie selbst.
Über Karins Fastenyourseatbelts bin ich auf einen Artikel von Hannes Treichl gestoßen: 10 Gründe gegen Blogs im Tourismus ist absolut lesenswert, die Argumentation lässt sich gut auf andere Wirtschaftszweige übertragen, Zitat:
- Alle relevanten Infos stehen schon auf unserer Homepage.
- Wir wollen bei Google nicht besser gefunden werden.
- Weil wir bereits 2.000 EUR im Monat für Suchmaschinenmarketing ausgeben.
Dass einem Corporate Blog-Launch oft sehr viel Überzeugungsarbeit vorangeht, kenne ich aus eigener Erfahrung. Im Gegensatz zu einer "klassischen" Homepage, die in der Regel irgendwann als fertiggestellt klassifiziert wird, erfordert ein Weblog ständigen Input und Aufmerksamkeit - ein gut geplantes und vor allem auch längerfristig umsetzbares Redaktions-Konzept ist daher wichtiger als ein möglichst perfekter Status Quo: Blogs sind evolving media, die erst in der Interaktion mit ihrem Publikum Profil erhalten.
Im Namen des Herrn erkläre ich Conrad und Ikea zu Mann und Frau... enladen. Und stimme dem Dreibeinblog vorbehaltlos zu, dass der Freizeit-Katalog-Teil unsers Lieblings-Dioden-Versenders ungeahnte Risiken birgt.
Der erste Teil von Peruns Serie WordPress verstehen bietet eine exzellente Einführung in den grundsätzlichen Aufbau von WP-Templates und eine Erklärung der benötigen php-Funktionen:
Mit diesem Artikel werde ich eine kleine Artikel-Serie starten in der ich den Aufbau der WordPress-Themes beschreibe. Speziell in diesem Artikel werde ich etwas Theorie einbringen und vor allem Begriffe aus dem Bereich der WordPress-Themes erklären.
Hochgrad empfehlenswert für Noobs, gute Übersicht für Template-Füchse. Ich bin schon gespannt auf Teil 2 und 3... so macht Weiterbildung im Netz Spaß.
Pownce will den Versand von Dateien innerhalb geschlossener Usergruppen erleichtern:
Pownce is a way to send messages, files, links, and events to your friends. You'll create a network of the people you know and then you can share stuff with all of them, just a few of them, or even just one other person really fast.
Dabei handelt es sich nicht um eine Online-Applikation, sondern eine Software, die lokal installiert werden muss. In der Free-Version sind Faktoren wie die Dateigröße eingeschränkt, weitere Features werden demnächst folgen. Derzeit befindet sich das Projekt in der closed beta Phase - ich hab von Julius eine Einladung bekommen und mich mal registriert, Pownce bislang aber noch nicht benutzt - und ich darf 6 Einladungen vergeben. Wer sich die Sache näher anschauen will, hinterlässt einfach einen Kommentar zum Wochenrückblick.
Aber der goldenen Trunkenbold glänzt ganz gewaltig: wie Skuub.de berichtet, haben Mediadonis und Fridaynite auf SEO.fm diesen neuen Preis ausgerufen. In verschiedenen Kategorien wie bestes Projekt, bester Newcomer, bester SEO 2007 etc. kann online abgestimmt werden. Über die Dauer der Abstimmung scheint nichts näheres bekannt zu sein, auch über die große Galazeremonie hält sich der Artikeln vorerst ebenfalls bedeckt:
Also stimmt mit ab, oder added eure Vorschläge für den prestigeträchtigsten und gestörtesten Award der SEO Szene!
In diesem Sinne - einen schönen Restsonntag!
PS: 300 Trackbacks - kewl, danke!
Mit dem Google Pagerank ist das so eine Sache: meilenweit von einer Live-Wertung entfernt zeigt der Wert zwischen 0 und 10 an, wie viele Backlinks auf eine Seite verweisen. In mehr oder weniger regelmäßigen Intervallen aktualisiert Google die Daten - demnächst dürfte es wieder so weit sein.
Über den genauen Algorithmus und die Zeitpunkte der Updates hält sich der Suchmaschinengigant sehr bedeckt. Ein deutliches Anzeichen für ein in Bälde bevorstehendes Update sind kurzfristige Pagerank-Schwankungen, denn Google betreibt mehrere Datacenter, die nicht alle gleichzeitig mit den neuen Daten versorgt werden. Wer sich nicht auf König Zufall verlassen will, dem hilft dieses praktische SEO-Tool, das eine ganze Reihe von Datencentern abfragt und über allfällige Divergenzen informiert. [via Dimido]
Wie ein ungetauftes Baby ist eine neue Seite schutzlos allein Teufeleien des Netzes ausgesetzt: erst wenn der Webmaster der dunklen Seite der Macht (zumindest scheinbar) abschwört und alles weitgehend so macht, wie Big G das für richtig hält, bekommt die neue http:// Adresse einen Rank von 0, vorher hat sie gar keinen. Damit der weiter steigt, müssen möglichst viele andere Seiten mit möglichst hohem Pagerank auf die Ursprungsseite verlinken - in der Theorie nimmt der Pagerank pro Verlinkung um den Betrag eins ab, das heißt: eine PR6-Seite, die auf eine PR4-Seite linkt, "vererbt" dieser eine Pagerank von fünf. Wie der erste Pagerank entstanden ist, weiß aber nur der Erfinder, dafür muss sich die ganze Netzwelt mit Googles eigenwilligem Maßfaktor herumschlagen.
Exzellente weiterführende Infos zum (ursprünglichen) Pagerank Algorithmus finden sich bei efactory, in der Wikipedia und beim Suchmaschinen-Doktor. Auf die kürzestmögliche Formel gebracht:
PR(A) = (1-d) + d (PR(T1)/C(T1) + ... + PR(Tn)/C(Tn))
Hierbei ist:
PR(A) der PageRank einer Seite A, PR(Ti) der PageRank der Seiten Ti, von denen ein Link auf die Seite A zeigt, C(Ti) die Gesamtanzahl der Links auf Seite Ti und d ein Dämpfungsfaktor (Damping Factor), wobei 0 < = d <= 1 ist.
Dazu kommen noch einige Besonderheiten wie etwa die Anzahl der Links und ein sogenannter "Dämpfungsfaktor", der wohl mit der "Vertrauenswürdigkeit" einer Seite, worin auch immer die bestehen mag, zusammenhängt:
Der PageRank der Seiten Ti, die auf eine Seite A verlinken, fließt nicht gleichmäßig in den PageRank von Seite A ein. Der PageRank einer Seiten T wird stets anhand der Anzahl C(T) der von Seite T ausgehenden Links gewichtet. Das bedeutet, dass je mehr ausgehende Links eine Seite T hat, umso weniger PageRank gibt sie an Seite A weiter. Schließlich wird die Summe der gewichteten PageRanks der Seiten Ti mit dem Dämpfungsfaktor d, der stets zwischen 0 und 1 liegt multipliziert. Hierdurch wird das Ausmaß der Weitergabe des PageRanks von einer Seite auf einer andere verringert.
Grau ist ohnehin alle Theorie, und komplex die Praxis: im Gegensatz zur Meinung vieler Webmaster ist der Page Rank kein Kriterium, das über die Reihung bei Google entscheidet, sondern vielmehr ein Indikator unter mehreren für die Suchmaschinenplatzierung bei Google. Was den Pagerank wirklich wichtig macht, sind diverse Drittanbieter: Dienste wie Linklift, Text-Link-Ads oder Trigami setzen den Wert eines Backlinks bzw. eines Beitrags unter anderem oder sogar primär nach der Höhe des Pageranks fest. Ein Pagerank-Update von 5 auf 6 etwa führt mit drastisch erhöhten Preisen bei Linklift durchaus zu Einkommenszunahmen von mehreren 100 oder 1000 Euros pro Jahr.
Reichten vor wenigen Jahren noch simple Spam-Kataloge, um Google zu verwirren, so haben die Algorithmus-Nerds die ganze Sache in den letzten Jahren immer weiter verbessert. Von Manipulations-Sicherheit zu sprechen wäre zwar grenzenlose Übertreibung - man muss die Backlinks bloß besser verstecken als früher... Aber wie man's auch dreht und wendet: letztlich ist der ganze Pagerank-Hype verantwortlich für einen Großteil gängiger SEO-Maßnahmen. Und weil die Berechnung wie jeder anständige Algorithmus auf einer exponentiellen Skala beruht, wird die Luft von Pagerank zu Pagerank immer dünner, und die Anzahl der benötigten Backlinks immer größer.
Die Kernidee des Algorithmus, dass jene Seiten, auf die viele andere Adressen verweisen, irgendwie wichtig sein müssen, leuchtet sofort ein. In einer perfekten Welt gäbe es keine Manipulation, und das Wahre Schöne Gute schaffte es ganz von allein, sich durchzusetzen. Aber die Konkurrenz schläft nun mal nicht, und so arbeiten viele Webmaster mit mehr oder weniger radikalen Methoden zur gezielten Pagerank-Manipulation - auf Dauer allerdings lassen sich "organische", also echte Backlinks von gut besuchten und schon lange existierenden Seiten durch nichts - aber auch wirklich gar nichts - ersetzen. Also läuft's schon wieder auf die alte Formel hinaus: interessante Inhalte veröffentlichen, auf Interesse hoffen und Daumen drücken vorm Pagerank Update...