Darum geht's bei Affiliate-Blogger Markus, der dem Trend um das youporn Gerangel nicht mitmachen will und stattdessen lieber einen eigenen kreiert. "Ein Traffic wird kommen!" lautet sein Credo, und ich muss sagen, die Argumentation klingt gar nicht mal so unlogisch. Aber andererseits: wollen wir eigentlich nach all dem Stress mit hochgradig unseriösen Partnerprogrammen wie adultpromotion überhaupt den ganzen Rotlicht-Traffic? Also ich persönlich würde ja werdende Mütter oder Sportfreaks bevorzugen. Oder sehr gläubige Menschen - für ein Weihwasser-Affiliate Programm.
Seit einigen Monaten stürzen sich zahlreiche SEO-Blogger auf den Suchbegriff youporn, um ein bisschen was vom Traffic-Kuchen abzubekommen. Kein Wunder - spätestens seit Google.de youporn aus den Suchergebnissen gestrichen hat, wartet der Traffic darauf, von anderen abgeholt zu werden. Weil ich den Lemmingen nur ungern bis zum Abgrund folge, versuch ich es mal durch die Hintertür - und das ist keineswegs zweideutig gemeint (pfui!). Ich schreibe daher einen Artikel, über einen Trend, den es noch nicht gibt: iporn.
Klingt an diesem Punkt noch nicht wahnsinnig schlüssg, ABER jetzt kommt der spekulative Teil:
Ich weiß genaugenommen noch nicht was genau iporn sein wird - vielleicht Erotikfilmchen für den ipod, vielleicht auch eine Castingshow für angehende Pornostars. Wer weiß das schon. Aber eines ist fix: ipod wird kommen. Und alle werden danach bei Google suchen.
iPorn also soll die zukünftige Goldgrube heißen... ob heporn, sheporn und weporn auch glänzende Karrieren beschieden sein werden, bleibt abzuwarten. Googelie-Goo jedenfalls findet für iporn bereits jetzt rund 80.000 Treffen; das kann man ja fast schon als "Begriff des allgemeinen Gebrauchs" bezeichnen. Das hat aber auch stark mit den vielen kursierenden Parodien auf die iApple Musikdinger zu tun.
Das ist dann wohl die berühmte SEO-Kristallkugel; dagegen sind sämtliche Trendforschungen in der Tat vergebliche Liebesmüh. Beitrags-Baiting, Zukunftsdeutung und iPorn-Poesie in einem einzigen Posting - was will man mehr? So muss es sein am Casual Friday.
| 21. April 2007 |
Below-the-Line Media erstmals am Parteitag: die ÖVP sprach Einladungen aus für den Bundesparteitag am 21. April in Salzburg. Dieter Rappold, Geschäftsführer von Knallgrau und langjähriger Blogger, hat eine bekommen und berichtet darüber, Helge Fahrnberger ebenfalls.
Die weiteren Mitglieder der Sechserrunde sind Heinz Wittenbrink, Tom Schaffer, Georg Pichler und Julia Petschinka, die allerdings verhindert ist. In der Tat keine dedicated ÖVP-Followers - schaut wohl eher so aus, als ob man sich gezielt kritische Geister ins Boot holt. Die Futurezone hat heute eine Zusammenfassung der Causa veröffentlicht, von Helge Fahrnberger gab's eine spannende Stellungnahme:
Als Blogger bin ich nicht der Objektivität verpflichtet, sondern kann meine persönlichen Eindrücke einer solchen Veranstaltung aus der Sicht eines politisch denkenden Wählers schildern. Die ÖVP scheint sich derzeit verstärkt als Sicherheitspartei positionieren zu wollen, was vor allem auch für unsere digitalen Bürgerrechte schwerwiegende Konsequenzen haben könnte. In Deutschland bereitet ÖVP-Freund Schäuble derzeit Maßnahmen wie den "Bundestrojaner" und eine zentrale Fingerabdruckdatenbank vor. Ich hoffe, die Position der ÖVP zu solchen Maßnahmen zu erfahren.
Ich bin gespannt auf resultierenden Berichte - die eingeladenen BlogautorInnen erhalten von der ÖVP die Reisekosten sowie die Übernachtung ersetzt. Und ich denke, dass eine solche Maßnahme durchaus zu begrüßen ist. Mediale Objektivität bleibt ohnehin eine Illusion - eine Multiplizität von Standpunkten ist der rein "professionellen" Berichterstattung imho allemal vorzuziehen.
Heinz Wittenbrink schlägt in eine ähnliche Kerbe, bezweifelt allerdings, dass die Aktion für die ÖVP die gewünschten Früchte trägt:
Ob die ÖVP allerdings bekommt, was sie erwartet? Und: ob sie klare Erwartungen hat? Sie lädt Blogger wie die Vertreter von Zeitungen und Fernsehen ein. Weblogs funktionieren aber anders, sie sind keine "objektiven", einer allgemeinen Öffentlichkeit verpflichteten Medien.
Diese unterstellte Objektivitätsverpflichtung der Medien allerdings wird schnell fragwürdig eingedenk der Tatsache, dass diese in erster Linie Wirtschaftsunternehmen sind, deren primäre Mision in Auflagenzahlen besteht. Hier führen alle möglichen Strategien zum Erfolg, die aber keineswegs per se einen unverfälschten Blickwinkel garantieren - der ist und bleibt nun mal eine illusionäre Idealvorstellung. Denn Medien bilden Welt nie nur ab: sie konstruieren, gewollt oder ungewollt. Insofern: viele Konstrukteure verderben diesen Brei keineswegs, sondern machen ihn schlichtweg facettenreicher.
Paul Lohberger hatte mich am vergangenen Montag zu Radio U-Ton eingeladen. Im ORF Funkhaus in der Argentinierstraße plauderten wir eine halbe Stunde über das Schlagwort "Web 2.0 - Schma Fu oder die Zukunft?" Wie stets erlaubt die Natur von derlei Fragestellungen keinerlei Antwort, bietet aber willkommenen Anlass, vom 100sten ins 1000ste abzuschweifen. Insofern verging die halbe Stunde dann auch nahezu beängstigend schnell, seit heute gibt's die Sendung als mp3-Download und im U-Ton Online-Archiv.
Quasi mein erster Podcast - und dann auch noch live ausgestrahlt auf Mittelwelle. Außerdem gibt's zwischen unseren Wortkaskaden zwei meiner Lieblingstunes von Angina P und Spiral Tribe. Und das sagt U-Ton über die Sendung:
In den Jahrestrendlisten 2006 stand Myspace ganz oben, und debug, das Magazin für elektronische Lebensaspekte, widmete sich schon Ende 2005 dem Phänomen Web 2.0. Aber sind wir tatsächlich in einer Zukunft angekommen oder ist das alles eine zweite New Economy Blase, diesmal halt im Alltag und nicht an der Börse? Paul Lohberger und Gastexperte Ritchie Pettauer schweifen aus...
Über Radio U-Ton
Entstanden als Uni-Projekt ist Radio U-Ton seit 1997 im Äther vertreten - in diesem Jahr steht also die Jubiläumsfeier an. U-Ton versteht sich als Experimentiertfeld, Ausbildungsprojekt für Radiojournalismus und vor allem als offenes Forum, das allen Interessierten eine Plattform bietet:
Radio u-ton wurde von Prof. Thomas Bauer 1994 am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien als Projekt ins Leben gerufen. Seit 1997 wird auf der ORF Mittelwellenfrequenz 1476 gesendet. Im September 2001 ging das Internetradio UTON on air. Das Projekt Universitätsradio soll eine Berichterstattung liefern, welche die Bereiche Wissenschaft, Kultur, Bildung und Soziales abdeckt; es soll dem Austausch von Informationen und Wissen dienen. Grundsätzlich soll der Zugang allen offen stehen. Die Partizipation beschränkt sich nicht auf Studierende, eine aktive Hörerbeteiligung ist erwünscht.
Im mittlerweile ziemlich umfangreichen Online-Archiv finden sich auch komplette Vorlesungen, ein Newsletter informiert über aktuelle Sendungen. Und ganz ehrlich: abgesehen davon, dass U-Ton seine Sendungen im professionellen Funkhaus-Radiostudio aufnimmt, hat die Mittelwelle einfach einen viel höheren Sex-Appeal als ein simpler Podcast - wie eben schon Opus wussten: Live is live
Web 2.0 - Schma Fu oder die Zukunft? bei Radio U-Ton
Zwei News von netzonfire scheinen positiv zu korrelieren: einerseits verdient itunes so gut wie nichts, andererseits kommt ein alter Bekannter zurück: die hochgeschätzte Vinylsingle.
Die Zahlen des Hollywoodreporter gelten allerdings nur für Großbritannien - und der Musikmarkt des United Kingdoms hat ja bekanntlich so einige Besonderheiten, dennoch ist die Steigerung auf jeden Fall bemerkenswert: waren es 1979 noch 89 Millionen Vinylsingles, so sanken die Verkaufszahlen dank Vormarsch von CD und Kassetten bis 2001 auf das All-Time-Low von gerade mal rund 180.000 Stück. Diesen Beitrag weiterlesen »
File under Traffic Dynamics: es war wohl nur eine kurzer Moment der kulturellen Überlegenheit, als mp3 sich kurzfristig an die Spitze der Google Suchbegriffe setzte - vor porn und sex und dergleichen. So um anno domini 2000 muss das gewesen sein, als Napster sich am Zenit seines "Schaffens" befand. Inzwischen hat sich alles wieder normalisiert, keine Sorge - und eine kleine Anekdote illustriert sehr lehrreich die Transformation des primären Geschlechtstriebs in Google Dynamics. Denn es begab sich, dass die Bild Zeitung über die youporn.com Webseite berichtete, deren URL jedoch nicht veröffentlichte. Blogger sind flott, notgeile Leser auch - und so bekamen eine ganze Reihe von Beiträgen massive Hits, denn das große G hatte sie mit dem Betriff "youporn" auf die erste Seite gesetzt.
Das Photoshopblog schimpft und partizipiert, drekhead berichtete wiederholt und freut sich über fast 7.000 zusätzliche Besucher mit schmutzigen Hintergedanken. Sirona, Punctilio, 4null4 und das CIO-Blogunfreiwillig durch die Bild Zeitung beworbene Server ("Solche Seiten sind nix für Kinder!") brach in den letzten Tagen unter der Last des zusätzlichen Traffic dagegen mehrmals zusammen.
Interessanter Nebeneffekt der algorithmischen Relevanverteilung, an die wir uns schon so gewöhnt haben, dass sie nahezu zum blinden Fleck verkommt: wenn Google aus welchen Gründen auch immer eine Seite sehr hoch bewertet und ergo sehr weit vorne anzeigt, dann bekommt diese Seite natürlich viel Traffic. Handelt es sich um ein Blog, das wie im vorliegenden Fall den Zusatztraffic kommentiert, dann verlinken sofort weitere Blogbeitäge auf den ursprünglichen Text und geben Google sozusagen im nachhinein recht: selbst "irrtümlich" ganz weit vorne platzierte Seiten erhalten massig Backlinks und festigen somit ihre Position - Denn der Google Pagerank beruht zu einem hohen Grad auf Backlinks.
Sowas nennt man einen selbstverstärkenden Effekt - und genau derselbe Effekt tritt bei Social Bookmarking Sites wie Digg auf: wer viel hat, bekommt viel. Der initiale Push entfaltet also wie in diesem Fall eine langanhaltende Wirkung - und dieser Ranklift-Effekt beschränkt sich natürlich durchaus nicht auf Inhalte sexueller Natur - aber in diesem Fall lassen sich die beteiligten Variablen eben besonders leicht isolieren.
Aus der Rubrik Sätze, die sich so niemand denkt: "Ein Rubik's Cube müsste man sein!" Nun ja, an Halloween ist alles Denkbare möglich - auf jeden Fall fasziniert die perfekte Geometrie dieses nicht gerade windkanaltauglichen Kostüms.
Etwas mehr Gänsehaut gefällig? Einer der berühmtesten und nach Meinung dieses Blogschreibers der verschreckendste aller Horrorfilme geht auf das Konto des großartigen Alfred Hitchcock. Ich war mir ja nie so ganz sicher, ob sich's bei "Die Vögel" nicht doch um eine Doku handelt - im neuen Jahrtausend jedenfalls wird der Krieg der gefiederten "Freunde" auf milkandcookies Realität: vorerst glücklicherweise nur untereinander: Eule vs. "annoying little birds". Wer sich vor Vögeln dennoch nicht so recht ängstigen mag, dem bringen vielleicht Christen Bachs animierte Spinnen das Fürchten bei - der mindestens pädagogisch wertvolle Clip hat alles: Spannung, Horror, Sex, Rockmusik, Comedy - und dauert doch nur fünf Minuten.
Und hier die ultimativ passende Deko für alle Star Wars Fans, die sich der dunklen Seite der Macht verschrieben haben: behold the Imperial Pumpkin.
Und ansonsten wünsch ich ein geruhsames Allerheiligen/Allerseelen-Wochenende!
Stereotyp aka Stefan Mörth hat sein neues Album "Keepin' me" auf g-stone veröffentlicht. Ich halte ihn für einen der spannendsten Wiener Elektronik-Produzenten und bin Fan seit seinem Debutalbum "My Sound".
Hier die noch nicht mal druckfrische Rezension der neuen Platte, die im kommenden the gap erscheinen wird. Und aus gegebenem Anlass gibt's hier auch ein "Reprint" des Features, das ich im Juli 2004 über Stereotyps Debut "My Sound" geschrieben habe. (erschienen in the gap). Man sieht daran außerdem: das In-Series PlugIn verrichtet nützliche Dienste.
"My Sound" zeigte vor vier Jahren paradigmatisch die Richtung des Stereotyp-Sounds an. Mit seinem neuen Album rockt Stefan Mörth wesentlich subtiler: "Keepin' me" braucht Aufmerksamkeit, aber die wird mit zahllosen wohligen Soul-Schauern bedankt.
Keepin' me Pressebilder:
In seinem aktuellen Essay "Produzieren und Prozessieren von Bildern" schreibt der Kulturphilosoph Frank Hartmann eine Diskussion um die Fotografie fort, die den Abbildungscharakter des Bildes nachhaltig in Frage stellt. Der Essay bewegt sich in der Tradition von Walter Benjamin und Vilém Flusser, die in ihren Schriften stets auf die Spezifika technisch generierter Bilder hinwiesen - diese seien eben gerade keine Abbilder der Wirklichkeit, sondern wirken als Resultat ihrer technischen Bedingtheit konstitutiv und schaffen je spezifische Realitäten.
Kennzeichnend scheint jedenfalls der blinde Fleck des Menschen in der Wahrnehmung seiner eigenen Maschine: erst die Möglichkeit der Manipulation (zB eine Fotomontage) weckt Misstrauen gegenüber dem stummen Zeugen - dass eine zweidimensionale Abbildung auf einem wenige Zentimter großen Fotoprint etwa keineswegs so aussieht wie ihr Motiv, bleibt häufig systematisch ausgeblendet. Anekdotisch wird auf diese Tatsache häufig hingewiesen, wenn der unbedarfte, als unkultivierte Betrachter eines Fotos fragt, ob die abgebildeten Menschen denn wirklich nur wenige Zentimeter groß seien.
Also nicht erst die algorithmisch errechneten Bilder sind demnach in die Sphäre der Alternate Worlds zu verweisen - Fotografie und noch früher die Malerei generieren je spezifische Bildwelten und enthalten Möglichkeitshorizonte, deren Auslotung Künstler und Philosophen beschäftigt. In seinem Essay zeichnet Hartmann den Statuswandel der Fotografie vom "Zeugen der Wirklichkeit" hin zu einem Techno-Bild-Generator nach und garniert diesen mit einigen hintergründigen Illustrationen:
[Die Unterscheidung zwischen fiktiven und realen Bilderbn] ...ist aber nicht immer so klar, wie das nächste Beispiel zeigt: das Bild vom "Deep Field" des Hubble Space Telescope. Zehn Tage lang hat das Weltraumteleskop einen winzigen Ausschnitt im All belichtet, einen Ausschnitt, der hart an der Grenze des Auflösungsvermögens des menschlichen Auges liegt. Und siehe da, das Bild ergab geschätzte 2000 Galaxien. Das Bild? Die 1996 veröffentlichte Fotografie war wiederum ein "processed image", eine Computermontage von 276 Einzelaufnahmen, die immerhin die Astronomen zu neuer Schätzungen angeregt hat: so heißt es nun, das Universum bestehe nicht aus 10, sondern aus 50 Milliarden Galaxien (vgl. Panek 2004).
Die Druckfassung des Beitrags erschien kürzlich im Rundbrief Fotografie [Vol. 13 (2006), No.3, S.17-20], die vollständige Version des Essays gibt's auf der Homepage des Autors (medienphilosophie.net):
Frank Hartmann: Produzieren und Prozessieren von Bildern
Zitat-URL http://www.medienphilosophie.net/texte/fotografie.html