datenschmutz - Social Marketing, Pro-Blogging und medien.kultur.technik
wbf2009-146 G1 Android Phone 1. Mai 2009, SPÖ-Feier in Wien ddmg digital photography Berlin 2007
datenschmutz RSS Feed
3,566 zufriedene Leser
RSS jetzt abonnieren
Twitter
48,623 Followers
auf Twitter folgen

Artikel-Schlagworte: „Blog-PR“

Grenzpfostens PR-Umfrage: die Ergebnisse

bloggerumfrage 150x150 Grenzpfostens PR Umfrage: die ErgebnisseIm Mai habe ich auf eine Umfrage des Herrn Grenzpfosten zum Thema Blogger und PR-Heinis bzw. PR-Heinis vs. Blogger hingewiesen. Von Tanja-Anjas wusste ich damals noch gar nix... trotzdem oder gerade deswegen stehen mittlerweile die Ergebnisse fest. Befragt hat Florian 66 Weblog-AutorInnen - die Ergebnisse der Studie beanspruchen nicht, repräsentativ zu sein, lassen aber dennoch einige interessante Trends erkennen. Kurz gesagt: drei Viertel der Befragten TeilnehmerInnen möchten gerne mit Info-Material versorgt werden, und zwar regelmäßig - demgegenüber haben bloß 17% ganz und gar keinen Appetit auf "Marktkommunikation", Pressetexte und hässliche Werbesonnenbrillen*.

Um das Gefühl der eigenen Wichtigkeit zusätzlich zu steigern, verlangt der Durchschnittsblogger von der Anja-Tanja in der PR-Agentur auch noch, dass sie den ganzen Schrott, den er so schreibt, vorher auch noch liest... und ihm dann passen kommt. Also etwa so:

Sehr geehrter Herr Pettauer,

hier ist Anja-Tanja von der Agentur WorsePR. Wir kennen uns von Xing über drei Ecken, außerdem habe ich beim gugeln nach Pagerank zufällig Ihre Webseite gefunden, der ich entnehme, dass Sie ein großer Fan von Chicago Deephouse Tribal Elektro sind - genau wie ich. Außerdem finde ich es toll, das Sie sich so für das Social Web interessieren und wollte daher fragen, ob ich Ihnen ein Testexemplar unseres Gesundheitsstuhls für Blogger schicken darf?

Hinweise, ob sie kontaktiert werden wollen oder nicht, hinterlassen Blogger in der Regel nicht... ist ja auch schwierig: "Bitte keine Viagra-Pressetexte und keine Sonnenbrillen in Nationalfarben, von der Zusendung lebender Tiere bitten wir gleichfalls abzusehen." wär mal einen Versuch wert. Florians Schlussfolgerung kam mir auch gleich in den Sinn:

Die Schizophrenie des Alltags: Zwar will ein überwältigender Teil der Blogger PR-Contents haben und das auch noch am besten per Mail, aber gleichzeitig wollen Blogger nicht zugespamt werden. Das finde ich ja irgendwie komisch und frage mich wie das gehen soll.

Hier geht's zur kompletten Auswertung.


*) Nichts gegen die Deutschland-Brille, die ich letztens ungefragt von einem Online-Optiker erhielt. Ich wusste vorher gar nicht, dass ich schon immer mal eine Brille mit den deutschen Nationalfarben besitzen wollte. Wer will die Welt schon durch die rosarote Brille sehen, wenn's auch die schwarz-rot-gelbe sein darf? Das Päckchen war übrigens bereits im Briefkasten aufgerissen - hoffentlich denkt die österreichische Fußballpolizei nun nicht, hier lebt ein Deutschtümler. Aber in Zukunft bitte lieber direkt Geld schicken, am besten anonym - ich bedank mich dann auch anonym.

Sind gekaufte Lügenbeutel kontraproduktiv?

blog pr Sind gekaufte Lügenbeutel kontraproduktiv?"Das Drama des begabten Kindes" heißt ein Buch von Alice Miller. "Das Drama des unbegabten Blogosphären PR-Heinis" dagegen scheint das Leben zu schreiben, und selbiges straft bekanntlich je nach Kontext jene, die zu spät, falsch oder gar nicht kommen. Um allzu eskalativer Kontraproduktion hinkünftig entgegen zu wirken, soll eine Umfrage, die der Grenzposten zusammengestellt hat, Licht ins Dunkel einer komplexen Fragestellung zu bringen: Wie möchten Blogger von PR-Agenturen serviciert werden?" Denn erstere reagieren gerne zickig auf Spamartige News, und zweitere wissen häufig nur ungefähr, was Blog eigentlich sind.

In der Vergangenheit gab's ja immer wieder mal eher nicht direkt begeistertes Feedback auf diverse PR-Aktionen (auch hier), also stellt Florian einige berechtigte Fragen:

Es gibt zwar arrivierte und größtenteils akzeptierte Methoden zum Umgang mit Journalisten, aber eben nicht mit Bloggern. Oder andersherum: Wir PR-ler wissen eigentlich gar nicht, wie und mit was wir die Blogger ansprechen sollen, um denen auch einen wirklichen Mehrwert bieten zu können. D. h. eine erfolgreiche Ansprache ist mehr oder minder Zufall oder beruht auf einem guten persönlichen Draht zum Blogger.

Robert hat letztens zu diesem Thema was gepostet; seiner Meinung, dass Blogger die Lautstärke ihrer (kollektiven) Stimme im Medienverbund gewaltig unter-, anstatt überschätzen, kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen. Und da ich selbst dank datenschmutz auch schon recht massiv mit Post-, E-Mail und sonstigen PR-Attacken zugeschüttet werden, hab ich mir natürlich einige Gedanken zum Thema gemacht, die da lauten: ich persönlich bin schon recht lange Teilzeit-Musikjournalist. In dem Bereich liegt die Sache ganz einfach: Text-Zusendungen können mir gestohlen bleiben, neue CDs hör ich mir immer gern an - wenn mir die Musik besonders gut oder schlecht gefällt, dann schreib ich drüber, und wenn ich die Pladde ganz toll finde, dann versuch ich, ein paar Exemplare für eine Verlosung zu bekommen. Mittlerweile kennen die Label-Leute, die mir Alben zusenden, meinen Musikgeschmack ganz gut - und verschonen mich mit Hansi Hinterseer und Ähnlichem. Das hat aber nix mit PR zu tun, das ist klassische Labelarbeit: wer bei einem Musikproduzenten arbeitet und mit Sound nix anfangen kann, hat sowieso den falschen Job.

Recht anders, aber ebenso themengetrieben sieht die Sache in punkto Web 2.0 Start-Ups und Companies aus: da passieren die meisten Infos auf persönlichen Kontakten via Facebook und Co. oder durch direkte Kommentare auf meinem Blog. Trotz aller RSS-Feeds übersieht man ständig spannende Projekte, und pro-aktive PR-Arbeit erleichtert dem Blogger das Leben - allerdings halte ich rein gar nix von Massenaussendungen. Wer erfolgreich seine Informationsbomben auf Blogistan niederprasseln lassen möchte (Martialischer Vergleich. Gefällt mir.), sollte zwei Dinge beachten: erstens immer den Weg der persönlichen Ansprache wählen, auch wenn die Sache mit dem E-Mail Verteiler viel weniger Arbeit macht... und zweites *unbedingt* das jeweilige Blog lesen, bevor man dessen Betreiber zuschüttet. Quasi ein Human Adwords Setup: immer brav passende Themenblogs finden, dann klappt's auch mit dem Anbeißen. Und da sind wir auch schon beim Problem: dafür sind PR-Agenturen kontraproduktiv. Wenn man dafür bezahlt wird, jemand anderem reinzudrücken, warum Produkt XY super ist, dann besteht immer die gravierende Gefahr, dass man selber keine Ahnung hat und bei genauerer Nachfrage plötzlich aufgeschmissen ist; speziell, wenn dann noch eine der legendären AnjaTanjas am anderen Ende der Leitung sitzt, sollte sich jedes werbende Unternehmen fragen: will ich eigentlich professionelle "Kommunikatoren" gravierend überbezahlen? Oder lieber Leute aus dem eigenen Haus, die nicht auf den Mund gefallen sind, mit Bloggern reden lassen? Bei mir fragen immer wieder mal diverse PR-Firmen und Werbeagenturen, die ihren Kunden "Web 2.0 Konzepte" verkaufen, an, wie denn diese komischen Blogs eigentlich so funktionieren...

Die Magie des verbotenen Ortes funktioniert allerdings auch in diesem Bereich ganz wunderbar: gib einem Blogger das Gefühl, er bekäme ganz tolle und exklusive Infos - und die Wahrscheinlichkeit, dass er drüber schreibt, steigt exponentiell. Allerdings sollten die Infos dann auch tatsächlich exklusiven Charakter haben, sonst gibt's am Ende vor allem eins: verbal eine auf den Deckel. Das mag zwar allen Anhänger der Theorie "Jede Werbung ist gute Werbung" wie ein großer strategischer Erfolg erscheinen, bleibt aber sozusagen weit unter den Möglichkeiten. Also wäre auch hier direkter Kontakt, ganz ohne Zwischenpuffer, meist viel produktiver. Im übrigen bin ich der Meinung, dass in Relation zum Zeitaufwand der gute "alte" trigami Marktplatz für beide Seiten eine der effektivsten Möglichkeiten darstellt, Blog PR erfolgreich abzuwickeln; ansonsten geht eben, wie erwähnt, nix über persönliche Kontakte. Mit anderen Worten: reges Rumtreiben auf Social Networks gehört wohl zukünftig zum Berufsbild des PR-HeinisExperten.

Okay, so weit wollte ich eigentlich gar nicht abschweifen - der Punkt ist, dass Florian die gesammelten Daten veröffentlichen wird. Je mehr BloggerInnen mitmachen, desto repräsentativer wird die Umfrage; also los, lasset uns Daten sammeln - hier geht's direkt zum Fragebogen.

Ebenfalls interessiert an den Ergebnissen: Admartinator, im PR Kloster und bei PR-Consulting.at. Und wie sieht's mit dem bloggenden Teil der Leserschaft aus? Klebt bei Ihnen/euch ein virtueller Sticker mit "bitte keine unadressierten Postwurfsendungen" am WordPress oder warten Sie/wartet ihr jeden Tag gespannt auf die neuesten PR-Meldungen?