| 5. September 2007 | ||
| 20:00 | bis | 23:00 |
Blögger.at, eine Initiative von Comdao, soll nach dem Willen der Initiatoren die Vernetzung der österreichischen Blogosphäre vorantreiben. Und zwar durchaus nicht nur im Web, sondern auch in der Welt 2.0. Der erste Streich besteht in der Organisation eines Treffens in Wien.
Ich glaub ja nicht an Ländergrenzen quer durch Blogistan; die Sprache ist das entscheidende Kriterium. Zwischen .de, .at und .ch zu differenzieren macht imho wenig Sinn: lokalbezogene Infos sind ein Sonderfall, aber hier auf datenschmutz zum Beispiel hab ich wesentlich mehr deutsche als österreichische Leser. Eines allerdings würd ich jederzeit unterschreiben: die Blogger können sich nicht wie Münchhausen weiland selbst, sehr wohl aber gegenseitig an den Haaren des jeweils anderen aus dem Sumpf der Mainstream-Bedeutungslosigkeit herausziehen. Sprich: Blogs leben nun mal von Vernetzung, und Ideen lassen sich zwar auch über Instant Messenger wälzen, aber das gute alte Face-to-Face Schwätzchen hat eben auch so seine Qualitäten. Und so liest sich die Missionsbeschreibung:
Ein unkomplizierter Treffpunkt für Blogger, Blog-Leser und Interessierte, angehende Blogger und klassische Medienleute. Ziel ist die Schaffung eines unkomplizierten Raumes zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch, für Networking und Ideensuche.
Die facts:
- Blogtail *Vienna #1
- bandini's Cocktailbar, Mahlerstraße 9, 1010 Wien
- 5. September 2007, ab 20:00 Uhr
Speziell für unseren Blogtail gibt es einen gleichnamigen Blogtail Cocktail zum Sonderpreis von 5 Euro
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Na denn - prost! Ich weiß noch nicht, ob ich am 5. September in Wien bin, aber falls ja, dann werd ich auf jeden Fall vorbeischauen; es könnte durchaus voll werden, denn Hannes hat eine Menge Einladungen verschickt.
Robert Lender sucht österreichische Online-Publizisten, die schon einige Dekaden Zeitgeschichte persönlich miterlebt haben. Kurt liegt derzeit in Führung - er bringt 63,5 Jährchen auf die Zeitwaage.
Angeregt von Bernd Röthlingshöfer, der denselben Quest in Deutschland begonnen hat, will Robert den/die älteste/n Weblog-Schreiber der Alpenrepublik ermitteln:
Die/der Älteste/r erhält von mir eine Einladung ins Cafe Sacher (oder in ein anderes Café in Wien) und natürlich einen Blogeintrag. Wer nicht nach Wien kommen kann, der/dem schicke ich eine Sachertorte/Imperialtorte/Hernalser Torte (freie Wahl) und ein Päckchen Kaffee/Tee Auf alle Fälle muss die Person älter als 40 sein (ratet mal wie alt ich bin.
Ich bin ja mal sehr gespannt, wer sich meldet. Beeindruckende Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass mit 80 noch lange nicht Schluss ist mit dem Online-Tagebuch: als älteste Bloggerin Europas gilt Maria Amalia López. Kein Wunder, dass die Dame in ihrem Heimatland mittlerweile Kultstatus genießt, beginnt ihr erster Blogeintrag doch mit den legendären Worten:
Freunde des Internet, heute ist mein 95. Geburtstag. Ich habe Geburtstag und mein geiziger Enkel hat mir ein Blog geschenkt.
Weitere Infos zur spanischen Blog-Oma gibt's bei Yahoo - das wirklich geniale daran: das Interesse an Frau López speist sich keineswegs aus bloßem Kuriositätsfaktor, regelmäßige LeserInnen schätzen den Stil und die authentischen Schilderungen der nach diversen Zeitungsberichten landesweit bekannten Omi. Die Einträge würden mich sehr interessieren, allerdings verstehe ich leider kaum Spanisch.
Noch ein paar Jährchen drauf legt Olive Riley: 108 Jahre alt ist die Australierin, und sie weiß hochspannende Geschichten zu erzählen, die Mike für sie nicht nur transkribiert, sondern teilweise auch als Videos ins Netz stellt:
Ich muss zugeben, dass mir soeben erst klar geworden ist, was für ein fantastisches Tool das Internet bzw. die Blogosphere sein kann, um den Wissenstransfer zwischen Generationen anzukurbeln: eben nicht nur im One-Way-Verfahren, sondern im Dialog: die Rückmeldungen, welche die beiden Autorinnen von ihrer Leserschaft bekommen, beweisen ein riesiges Interesse, dass zweifellos wiederum motiviert, ein solches Projekt fort zu setzen. Ich bin ja sehr neugierig, wie lange der Geburtstag des ältesten AT-Bloggers bzw. der ältesten AT-Bloggerin zurückliegt. Bitte einfach bei Robert melden!
Und ohne Rauch geht's bekanntlich auch, aber ohne Schall - tja, da wird's verdammt schwierig. Und weil neulich nach "Folksonomy" das altbekannte "Blogosphere" zum zweitnervigsten Internet-Wort gewählt wurde, wird's hier auch höxte Zeit für eine neue Meinungserheblichkeit.
"Ich sag ja immer nur: Finger im Po, Mexiko!" Nein, das war Mickie Krause - ich sag ja immer nur Blogistan. Aber wie sollte der Oberbegriff für die Webseitenuntergattung "regelmäßig aktualisiertes Online-Journal" denn nun lauten?
Zumindest muss es sich wohl um ein konspiratives Treffen handeln, wenn wo zwei oder drei im Namen der Blogosphere zusammenkommen, da ist der Social Event mitten unter ihnen. Als Initiator fungiert erneut Punctilio - an Datum und Location herrscht noch Mitspracherecht.
Locationtechnisch sind 7* und Peman in der engeren Wahl, weitere Vorschläge erwünscht. Zur Terminabstimmugskoordination kann jede/r potentielle/r TeilenehmerIn seine/ihre präferierten Juni Frei- oder Samstagabende in dieser Abstimmung eintragen. Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebraucht, bevor's zu spät ist, denn eingeladen ist jeder Blogger, der zum fraglichen Termin in der Hauptstadt der Lipizzaner weilt.
| 21. April 2007 |
Below-the-Line Media erstmals am Parteitag: die ÖVP sprach Einladungen aus für den Bundesparteitag am 21. April in Salzburg. Dieter Rappold, Geschäftsführer von Knallgrau und langjähriger Blogger, hat eine bekommen und berichtet darüber, Helge Fahrnberger ebenfalls.
Die weiteren Mitglieder der Sechserrunde sind Heinz Wittenbrink, Tom Schaffer, Georg Pichler und Julia Petschinka, die allerdings verhindert ist. In der Tat keine dedicated ÖVP-Followers - schaut wohl eher so aus, als ob man sich gezielt kritische Geister ins Boot holt. Die Futurezone hat heute eine Zusammenfassung der Causa veröffentlicht, von Helge Fahrnberger gab's eine spannende Stellungnahme:
Als Blogger bin ich nicht der Objektivität verpflichtet, sondern kann meine persönlichen Eindrücke einer solchen Veranstaltung aus der Sicht eines politisch denkenden Wählers schildern. Die ÖVP scheint sich derzeit verstärkt als Sicherheitspartei positionieren zu wollen, was vor allem auch für unsere digitalen Bürgerrechte schwerwiegende Konsequenzen haben könnte. In Deutschland bereitet ÖVP-Freund Schäuble derzeit Maßnahmen wie den "Bundestrojaner" und eine zentrale Fingerabdruckdatenbank vor. Ich hoffe, die Position der ÖVP zu solchen Maßnahmen zu erfahren.
Ich bin gespannt auf resultierenden Berichte - die eingeladenen BlogautorInnen erhalten von der ÖVP die Reisekosten sowie die Übernachtung ersetzt. Und ich denke, dass eine solche Maßnahme durchaus zu begrüßen ist. Mediale Objektivität bleibt ohnehin eine Illusion - eine Multiplizität von Standpunkten ist der rein "professionellen" Berichterstattung imho allemal vorzuziehen.
Heinz Wittenbrink schlägt in eine ähnliche Kerbe, bezweifelt allerdings, dass die Aktion für die ÖVP die gewünschten Früchte trägt:
Ob die ÖVP allerdings bekommt, was sie erwartet? Und: ob sie klare Erwartungen hat? Sie lädt Blogger wie die Vertreter von Zeitungen und Fernsehen ein. Weblogs funktionieren aber anders, sie sind keine "objektiven", einer allgemeinen Öffentlichkeit verpflichteten Medien.
Diese unterstellte Objektivitätsverpflichtung der Medien allerdings wird schnell fragwürdig eingedenk der Tatsache, dass diese in erster Linie Wirtschaftsunternehmen sind, deren primäre Mision in Auflagenzahlen besteht. Hier führen alle möglichen Strategien zum Erfolg, die aber keineswegs per se einen unverfälschten Blickwinkel garantieren - der ist und bleibt nun mal eine illusionäre Idealvorstellung. Denn Medien bilden Welt nie nur ab: sie konstruieren, gewollt oder ungewollt. Insofern: viele Konstrukteure verderben diesen Brei keineswegs, sondern machen ihn schlichtweg facettenreicher.
blogdialog - eine fiktives Gespräch zweier Blogger zu Themen, die die Welt beherrschen oder vielleicht mal werden. Thema des Premieren-Dialogs ist die erste österreichische Social-Networking Community 7just7, Europas Antwort auf mysapce & Co. Hinter A verbirgt sich Peter Balon von netzonfire, die B-Parts hat ritchie pettauer, der Autor dieses Blogs, geschrieben.
Der Text wird auf beiden Blogs publiziert - unser asynchrones Gespräch führten wir via E-Mail. Wird nicht unser letzter Blogdialog gewesen sein, viel Vergnügen mit unserem asynchronen E-Mail Chat.
A: Vor wenigen Tagen lese ich in einem Fellner-Blatt, dass es in Österreich eine Social-Networking Plattform gibt, die laut eigenen Bekunden "Europas Antwort auf myspace & co" sein will. Aha, denk ich mir, starke Ansage. Noch nie was davon gehört: 7just7? Der Gründungsmythos (sowas brauchts) besagt ja, dass der Eine gefragt hat "wie nennen wir es denn?" und der Andere geantwortet hat "7, einfach 7". Soweit so gut, fertig ist die Social Networking Plattform.
B: Gründungsmythen spielen ja eine beträchtliche Rollen - manche davon überleben ja bekanntlich die Startups... ich muss zugeben: "Österreich" macht mir Angst (die Tageszeitung immer, das Land nur fallweise). Aber was soll's, ein Login mehr wird schon niemandem schaden Also registriert man sich halt mal probehalber - obwohl ich ja eigentlich dachte, dass sich Web 2.0 Anwendungen durch klare Botschaft umd simple Präsentation auszeichnen.
A: Begibt man sich auf zu 7just7, sieht man folgendes vor sich: ein bisserl Myspace, ein bisschen Youtube, ein bisschen Flickr, ein bisschen Facebook, ein bisschen Upcoming.org, etc.. also von allem ein bisschen etwas und es scheint so, als das bisschen eigentlich zu viel des Guten ist.
B: Jedenfalls treten bei der Präsentation der Startseite Klicküberlegungen mal klar zu Tage: ganz oben stehen natürlich die "Partypics". Seiten mit Fotogallerien diverser Tanzevents scheinen sich in Österreich ja zu einem der wenigen profitablen Online-Only Geschäftsmodelle entwickelt zu haben...
A: Jetzt stellt sich mir gar nicht mal die Frage, ob ich 7just7 gut oder schlecht finden soll sondern es überkommt mich eher die Befürchtung, ob da nicht irgendwer irgendwas grundlegend falsch verstanden hat. Und da geht's dann wieder ganz schnell zur Überlegung, was eine Web 2.0 Plattform sein soll, können muss bzw. nicht sein soll.
B: Naja, Sex-Appeal haben eben... und User anziehen. 7just7 wendet da eine eigenartige Strategie an: die Hässlichkeit und Inhomogenität von myspace, kombiniert mit der Unübersichtlichkeit einer All-inclusive Eventplattform plus Videocommunity? Ein kurzes Warum-Statement auf der Startseite wär hilfreich. Oder setzen die Betreiber komplett auf den Hype per se, sodass sich die alte Frage "Was biete ich den Kunden eigentlich an?" womöglich gar nicht mehr stellt...
A: Also was macht eine Plattform der neuen Generation aus? Genügt es, wenn wir alle Buzzwords wie "user generated content", "Community", "Ajax", "Beta", etc.. in den Topf schmeissen, umrühren und dem Ergebnis einen "lustigen" Namen geben? Ist das Web 2.0? Hat das was mit Social Networking zu tun?
B: Rip-Offs sprießen - und in einigen wenigen Bereichen mag das ob der Sprachbarriere auch Sinn machen. Ein Yigg für deutschsprachige Nachrichten, Mr. Wong für deutschsprachige Bookmarks... bei solchen Social-Bookmarking/News Plattformen macht eine sprachspezifische Variante durchaus Sinn - aber der Kern einer Web 2.0 Anwendung ist die Idee für ein Service, das sich (nur) mit den typischen Web 2.0 Technologien entwickeln lässt: FlickR erlaubt komfortablen Umgang mit Fotos, myspace dient Musikern als Präsentationsplattform... all diese Projekte leben von einer gewissen Art "kritischer Masse", und von einer gut umgesetzten Idee. Aber was will 7only7 eigentlich für seine User tun? Das bleibt schleierhaft.
A: Bei 7just7 finde ich keine Antwort darauf und ob es überhaupt eine europäische Antwort auf Plattformen amerikanischer "Herkunft" braucht, bezweifle ich. Ein bisschen Cloning, würde der Sauer von Phlow dazu sagen. Ja, wenn schon Cloning, dann bitte noch halbwegs erträglich.
B: Naja, ist halt mal eine andere Interpretation des Begriffs Mashup...
A: Ja. Aber ist es nicht auch ein Problem des kollektiven "Kawumms", der einem so entgegen schießt. Wenn ich so nachdenke, nutze ich Social Bookmarking Seiten so gut wie nie. Ich geh da schon gezielt zu einer Seite und überhaupt, trau ich da dem Kollektiv nicht wirklich so. Aber wahrscheinlich ists eine Frage des Zugangs. Wenn ich Fun haben will oder irgendwas über die Hilton lesen will (ich hoff, ich komm nie in die Situation;), dann sind die Seiten wahrscheinlich ein guter Anlaufpunkt, weil: was die meisten Leute am lustigsten finden, finde ich auch lustig. Oder auch nicht. Wenn ich fundierte Infos haben will, dann vertraue ich schon lieber meiner eigenen "Intelligenz", als der Kollektiven. Weil wenn du zB yigg hernimmst, lesen die meisten User wahrscheinlich jene Artikel, die am öftesten "geyiggt" wurden. Also wie bei myspace. Je mehr Freunde du hast, desto höher dein Ranking, ja vielleicht sogar dein "realer" sozialer Status. Und da begegnet mir dann oft der Begriff, um den sich ja genauso viele Mythen ranken: Community. Ich mein, ohne Community geht's einfach nicht mehr. ZB 7just7: "Jeder kann gebührenfrei eine eigene Community gründen".
B: Das ist wirklich eine fast so gute Formulierung wie das tatsächlich in Marketingbesprechungen von Ohrenzeugen vernommene Statement "Lasst und Web 2.0 Content einkaufen - ich kenn einen guten Anbieter." Vielleicht sollte man mal ein Community-Projekt launchen, dessen Alleinstellungsmerkmal allein darin besteht, dass man nur gegen Gebühr seine eigene Community gründen kann. Wer nicht zahlt, zählt nicht. Oh. Moment. Second Life gibt's ja eh schon... Aber im Ernst: ich seh das mit der kollektiven Intelligenz ganz genauso. Vom SEO- oder Marktforscher-Standpunkt aus mögen solche Tools eine gewisse Relevanz besitzen. Doch die Versprechung, über kollektive Filterung die interessanten Perlen rauszupicken, kann nicht funktionieren - wenn dieses Prinzip sich durchgesetzt hätte, dann sähen die Hitparaden, die Kino- und Büchercharts wohl ganz anders aus. Aber eines unterscheidet Yigg und Co. schon ganz gewaltig von ihren US-Pendants: bei Yigg reichen die Mobilisierung von 30 Kollegen, um eine Nachricht kurzfristig an die Spitze zu pushen - dementsprechend minimal ist auch die Resonanz, während hinter Digg durchaus tausende Bewertungen stehen, was dem ganzen zumindest eine gewisse Repräsentativität verleiht. Und so crappy myspace technisch daher kommt: die kritische Masse macht's dann doch wieder irgendwie interessant. Aber mir ist völlig schleierhaft, warum 7just7 diese jemals erreichen sollte - naja, vielleicht rückt Medienprofi Fellner bei seiner nächsten Abo-Aktion ja einen Gutschein für Österreichs beste Gratis-Community raus.