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Artikel-Schlagworte: „Borat“

Blogistan Panoptikum KW26 2009

Willkommen zur besinnlichen Rückschau auf sieben Tagen Social Media, Blogging und Twitter-Wahnsinn! Nachdem nun hoffentlich jede/r den gewünschten Facebook-Namen hat (heute begann die Grabbing-Phase für Pages über 100 und unter 2.000 Fans, die bisher keine Short-URL haben durften), können wir beruhigt zum üblichen Programm übergehen. Vorher allerdings noch eine mysteriöse Ankündigung: ab nächster Woche wird's an dieser Stelle ernst: denn zukünftig entsteht das Panoptikum im Duo - vorstellen werde ich meine Partnerin in Crime in der nächsten Ausgabe, natürlich darf gerne spekuliert werden.

Läuft Facebook wie geschmiert?

Jede Menge Diskussion gab's in der letzten Woche um die Zukunft von Facebook. Der Regular Geek sieht in der Profilsuche und der neuen Multi-Query-API zwei durchwegs taugliche Strategien gegen den Closed Garden:

There is a very strong feeling from developers that a closed system like Facebook cannot succeed. While I tend to agree that a completely closed system will have difficulties, Facebook has slowly opened up little by little to a decently open system. They still have some work to do before they become as open as Twitter, but the foundation has been started.

Noch einen Schritt weiter geht der Copyblogger, wenn er schreibt "How Facebook kills SEO":

But the rise of Facebook creates a growing segment of the web that’s completely invisible to search engines - most of which, Facebook blocks - and can be seen only by logged-in Facebook users. So as Facebook becomes ever larger, and keeps more users inside its walled garden, your web site will need to appear in Facebook’s feeds and searches or you will miss out on an important source of web traffic.

Und ReadWriteWeb stellt die spannende Frage, ob Facebook in einigen Jahren noch relevant sein wird. Vor allem Szenario 4, "Distributed Social Networking", erscheint mir als sehr zukunftsträchtig:

The next step after Facebook may be no social network in particular at all - it may be social networking as a protocol. A set of standards that let you message, share with and travel to any social network you choose. Suddenly all the social networks have to improve because they are competing on quality of service, over customers that have free will and are able to leave at any time.

Vom Blog zum Lifestream?

Seit vielen Jahrzehnten ist Bloggen tot (zumindest liest man das immer wieder), aber nun taucht mit Lifestreaming ein Silberstreif am Horizont auf. In der Tat sind Social Feeds gern gesehener Gast in Sidebars (so auch hier), allerdings können 140 Zeichen oder ein Status-Update kein Tutorial ersetzen. Aber die Zeitbudgets verschieben sich, da hat Jeremiah Oywang definitiv recht:

It seems as if blogging is becoming old hat, or at least evolving into something smaller, faster, and more portable. I’m with Louis Gray, I’m not going to give up my blog, instead, I think of it as the hub of content, and the rest of the information I aggregate (notice the Twitter bar up top and the Friendfeed integration below). To me, joining the conversation is certainly important, but it doesn’t mean the hub (or corporate website) goes away.

19 Twitter-Applikationen im Vergleichstest

Mashable lässt mit einem Softwarevergleich die Herzen von Client-Sammlern höher schlagen - vom 20-spaltigen Info-Overload Setup bis zu minimalistischen Feed-Only Readern: hier sollte jeder fündig werden:

Now that Twitter is older than a toddler, you have a variety to choose from. From apps for groups, Mac and PC specific clients, and apps that let you do a whole lot more than tweet, you can use this guide to help you find the desktop client that’s right for you.

Und wem das noch nicht reicht, der findet ebenfalls auf Mashable einen Artikel mit äußerst brauchbaren Twitter-strategischen Ratschlägen.

Der Matrix-Krawattenknoten

Auf Lifehacker habe ich ein Video von Henri gefunden, das alle Matrix-Fans und Krawattenträger freuen dürfte:

If you're a very sharp-eyed fan of Matrix movie trilogy, you'll recognize the knot captured below as a rare specimen sported by "The Merovingian." The knot itself didn't originate with the movie, and isn't rightfully named "The Merovingian Knot," but the Ediety Knot. Still, it's nearly impossible to find any reference to it independent of the movie, so let's just keep the Wachowski-an etymology for now.

YouTube Preview Image

Ich hab ein paar Versuche gebraucht und er ist noch immer nicht symmetrisch, ich muss aber sagen: cooler Knoten.

Brüno und die Modewelt

Es ist ein Weilchen her, dass Sacha Baron Cohen als kasachstanischer Reporter Borat s

Foto der Woche

Man's Best Friend nennt zedzap seine Schwarz-Weiß-Aufnahme vom Dogwalking... großartiger Minimalismus und höchste Zeit für einen BW-Shot nach all den HDR-Bildern :mrgreen:

hundewoche Blogistan Panoptikum KW26 2009

Video der Woche

Dieser Film hat einfach alles: unglaubliche Action, rasante Verfolgungsjagden, unvorstellbar romantische Liebesszenen... im Gegensatz zum Regisseur des aktuellen Bond-Movies hat Asim Varol ganze Arbeit geleistet!

Und damit, sehr geehrte Damen und Herren, sind wir am Ende der wöchentlichen Nachrichtensendung angelangt. Bleiben Sie uns gewogen, schalten Sie nächstes Woche wieder zu, wenn es heißt: auf zum Original-Fidelen Blogistan Panoptikum! Wir lesen uns morgen.

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
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Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick - für jeden Eintrag gibt's auf Wunsch einen Backlink! Hier geht's zum Einreich-Formular.

Schon wieder findet ein Journo Blogger furchtbar

Die Abkürzung SZ steht im allgemeinen und besonderen ganz und gar nicht für den Begriff Scheißzeitung für seriöse Berichterstattung, und dass die Grande Dame Bernd Graff Raum zur journalistischen Selbstlegitimation gibt, mag auch angehen. Aber wenn der dann von der Feig- und Dummheit der Massen, dem Unwissen der Hobbyschreiber und so fort berichtet und sein fünfscreeniges Pamphlet auch noch mit dem völlig tendenziöse Teaser beginnt, kann ich das nicht ganz unkommentiert stehen lassen:

Das Internet verkommt zu einem Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten. Ein Plädoyer für eine Wissensgesellschaft mit Verantwortung.
Von Bernd Graff

Diese Einleitung bedeutet wohl, dass sich der Autor nicht besonders eingehend mit Konzept und Idee der Wissensgesellschaft, wohl aber mit Herrn Gutenberg auseinander gesetzt hat. Kevin Kelly übertreibt, ja, geschenkt. Aber der gelernte Journalist recherchiert ja so toll, dass er das grandioseste Zitat unserer Ex-Kanzler Vranitzky gleich mal Helmut Schmid unterjubelt:

Helmut Schmidts zeitloser Rat, dass derjenige, der Visionen hat, besser einen Arzt aufsucht, scheint nicht mehr viel zu gelten.

Ich habe mich durch den ganzen Artikel gequält, und irgendwann in der Mitte weht der Wind dann nicht mehr ganz so versteckt. Ich finde es immer noch faszinierend, dass Kulturpessimismus und Elitarismus so unheimlich gern in Konzeptunion auftreten:

Aber wieso all das grundsätzliche Halleluja auf den "User Generated Content", der nicht selten ein "Loser Generated Content" ist? Wollen wir uns nur über die paar Gala-Vorstellungen freuen, wenn Fehlinformation, Denunziation und Selbstdarstellung das Tagesgeschäft der Laufkundschaft im Netz ist?

Ja, ja. Whatever. Aber eines finde ich in meiner persönlichen Doppelrolle als Blogger und Profi-Journo (die Graff wohl unerträglich schizophren fände) immer wider spaßig: während die einen Schreiberlinge Abgesänge aufs Netz anstimmen, bloggt die andere Hälfte schon längst fleißig... auf meiner persönlichen Lieblingsblog-Liste stehen einige deutsche Professionisten der schreibenden Zunft. Aber die wissen ganz genau, dass sie nicht qua Amt und Würden die "richtige Art zu berichten" gepachtet haben - und sehen anderen Blogger, die keine Presseausweise besitzen, einfach nur als Kollegen. Das kommt auch viel unverkrampfter und wirkt nicht ganz so lächerlich wie solche Pauschal-Elaborate, die letztendlich nur lauthals vom eigenen Unwillen zur tieferen Auseinandersetzung und Recherche künden - zwei Eigenschaften, die Journalisten ja eigentlich nicht ganz fremd sein sollten.

Die feige Blogsau durchs Dorf treiben

Zum alten Reizthema Sind BloggerInnen feige Schweine? hat Robert anlässlich eines Beitrags auf Indiskretion Ehrensache ein paar sehr spannende Gedanken zusammengefasst. Der große Vorsitzende des deutschen Journo-Verbandes spricht uns "virtuellen Stammtischen" nämlich jegliche Relevanz ab, im Gegensatz zu den Pros der schreibenden Zunft.

Konkretes Schwein des Anstoßes war dabei folgende Passage aus Captain Konkens Elaborat:

Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.

Ähnlichen Schmonzes gab vor längerer Zeit Konkes Vorgänger Dr. Siegfried Weischenberg von sich - dabei wurde uns der Herr Kollege während des Publizistikstudiums noch als leuchtendes Beispiel der in Unwürde veralteten deutschen Zeitungswissenschaft genannt. Besagter Professor verbreitete nämlich im Radio "akademische Fakten", wie ebenfalls bei Thomas Knüwer nachzulesen ist:

Man muss wissen: Mit 450 Zugriffen im Monat kommt man unter die 100 erfolgreichsten Blogs in Deutschland.

Im Gegensatz zu den laut Meinung des DVI moralisch verwahrlosten Bloggern sind Papiermedientheoretiker anscheinend zu einem interaktiven Diskurs bloß im Anschluss an Podiumsdiskussionen fällig. Zwar sind 450 Honks pro Tag auch nicht die Welt, aber der Unterschied liegt doch weit außerhalb der statistischen Unschärfe einer solchen Untersuchung - oder Professor Weischenberg wollte auf ironisch-subversive Weise die quantitativen Methoden seiner Wissenschaft in Frage stellen - doch dies ist wohl Wunschdenken, ein simpler Irrtum dürfte in diesem Fall der Vater des Gedanken gewesen sein.
Robert und Thomas haben eigentlich alles zum Thema geschrieben, eine Sache gäb's da aber noch, die mir in den Sinn kommt: wie sieht's eigentlich aus mit Bloggern und Journalisten in Personalunion? Ich bin schon wesentlich länger journalistisch tätig (bei the gap, telepolis, ORF), als ich dieses Blog schreibe. Und wie ist das eigentlich so mit der textimmanenten Qualitätsessenz? Wird ein Interview, das ich für the gap gemacht habe, automatisch schlechter, wenn ich's online stelle? Oder ein Twoday-Posting besser, wenn Klaus den betreffenden Text im Datum abdruckt? Verändert eine Veröffentlichung in der Presse-Blogrubrik die Ausschnitte datenschmutz-Beiträge, die dort abgedruckt werden? Und: unterliegt journalistische Verantwortung primär einem Regelkodex oder der Verantwortung des einzelnen, der publiziert? Sollten Blogger überhaupt journalistische Verantwortung tragen? Wie steht der freie Markt zu Qualitätsmedien? (In Österreich haben die beiden ein angespanntes Verhältnis: die Kronenzeitung liegt weit in Führung, afaik ist Deutschland auch ganz gerne im Bild.) Wär's nicht geschickt, den Konsumenten generell einen kritischen Umgang mit Medien anzugewöhnen, anstatt die ohnehin wirtschaftlichen Gesichtspunkten gehorchenden klassischen Massenmedien in eine sakrosankte Stellung zu heben? Ich weiß es nicht genau... was meinen Sie?

Welche Themen Themen sollten auf datenschmutz verstärkt behandelt werden?

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Jagshemash! Borat-Buttons zu gewinnen…

Borat ist endlich in den heimischen Kinos angelaufen - ich durfte den kasachischen Reporter auf Leinwandformat ja schon vor einem Monat bei der Pressevorführung erleben und war ziemlich angetan, nachzulesen im Review (siehe oben).

Im Anschluss an die Vorführung wurden an uns Journalisten Goodies ausgeteilt. Ich hab einige Borat-Buttons eingesackt, die mit ihrer Motivwahl durchaus zu bestechen wissen. Meine Laptop-Tasche ist bereits bestens versorgt ("Sexy Time!"), daher trenne ich mich schweren Herzens von den guten Stücken, auf dass die Borat-Buttones demnächst eure Kleidung zieren mögen.

Wer sich künftig mit Borat im Doppelpack schmücken möchte, um die Wartezeit bis zu Ali G's nächstem Film zu überbrücken, der kommentiere diesen Beitrag und erkläre, wo er oder sie die Buttons denn zum Einsatz bringen würde. Es gewinnen die zwei - nach rein subjektiver Meinung dieses Schreibers - originellsten Einsendungen jeweils einen Button-Doppelpack. Deadline: 30. November. Und so sehen die Preise aus:

Borat Buttons

Teilnahmebedingungen:
Die Gewinner werden via E-Mail verständigt. Die Barablöse von Gewinnen und der Rechtsweg sind ausgeschlossen. Über das Gewinnspiel kann kein Schriftverkehr geführt werden.

 

PS: Die Übersetzungs"problematik"

In der PV haben wir den Film in der englischen Originalfassung gesehen. prinzipiell bin ich ja kein Fan von deutscher Synchronisation - selbst für mich völlig fremdsprachige Filme sehe ich im Zweifelsfall lieber untertitelt als übersprochen. "Borat G" dagegen sollte man sich unbedingt im Original ansehen, zumal bereits die Übersetzung des Untertitels die Transkripteure für scheinbar unüberwindbare Schwierigkeiten stellt - denn was im Original

Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan

heißt, wurde erstaunlich inadäquat übersetzt mit

Kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen

Korrigiert mich, aber Benefiz? "Kulturelle Lernung von Amerika um Nützlichkeit zu erzeugen für glorreiche Nation von Kasachstan" oder ähnliches wär doch treffender - oder steht im Original irgendwas von einer Benefizveranstaltung? Okay, das mag nur eine Kleinigkeit sein - aber wenn der Rest auch so "originalgetreu" übersetzt wurde, dann sieht's duster aus für allfällige Restbestände von Borats Wortwitz in der deutschen Version...

Borat: Flix for make cultural Benefit

Borat, mittlerweile weltweit bekanntester Repräsentant der "glorious nation of Kasachstan", fand in diesem Blog bereits Erwähnung. Ich hab fürs Ray Kinomagazin den aktuellen Film rezensiert und muss sagen, die Pressevorstellung hat mich extrem überrascht: neben saukomischer (erwartbarer) Situations-Blödelei bietet "Borat" dem geneigten Seher eine Ebene politischer Kritik, die von Sacha Baron Cohen ebenso kompromisslos wie überraschend hinterhältig um- und eingesetzt wird.

Für alle noch unschlüssigen potentiellen Kinobesucher gibt's auf Devilducky ein paar Clips rund um "Borat". CNN dazu: "His outlandisch humour goes beyond satire." Bei den diversen Promomtion-Auftritten spricht natürlich nicht Cohen über Borat, sondern Borat über sich selbst - in vollster Konsequenz. Viel Vergnügen:

[lle Clips via milkandcookies - Tipp: die Suche nach "Borat" liefert massig weiteres Material, auch Promo-Clips aus dem Film.]

FilmKritik: Borat

Nachstehendes Feature entstand für ray - das Kinomagazin. Ich war vorige Woche in der Pressevorführung, und muss sagen - bootylicious! Ein Film, der auf der vordergründigen Klamauk- ebenso gut funktioniert wie auf der hintergründigen Sarkasmusebene. Große Unterhaltungskunst eben. Bitte sehr: nächste Woche im ray, jetzt schon auf Datenschmutz.net:

Borats Lehr- und Wanderjahre

Regie: Larry Charles Drehbuch: Sacha Baron Cohen, Anthony Hines, Peter Baynham, Dan Mazer, Todd Phllips Kamera: Luke Geissbuhler, Anthony Hardwick Schnitt: Craig Alpert, Peter Teschner, James Thomas Musik: Erran Baron Produktion: Sacha Baron Cohen, Monica Levinson, Dan Mazer, Jay Roach
Darsteller: Sacha Baron Cohen (Borat), Pamela Anderson (herself), Ken Davitian (Azamat Bagatov)
Verleih: 20th Century Fox
Website: http://www.borat-derfilm.de/

Der kasachische Reporter Borat, neben Ali G die wohl bekannteste Kunstfigur des britischen Komikers Sacha Baron Cohen, geht auf seine bisher weiteste Reise. Von seinem kleinen Heimatdörfchen im verschlafenen Kasachstan, wo Mensch und Vieh sich friedlich die Schlafstatt teilen, bricht der Star des staatlichen Fernsehens zu einem Abenteuer auf, das sich zu einer veritablen dramatisch-komischen Odysee entwickelt.

Der Bildungsauftrag treibt den Moderator in die USA - er soll dort Eindrücke sammeln und eine Doku drehen, aus der Kasachstan für seine zukünftige Entwicklung lernen soll. Begleitet wird er von einem Kameramann und seinem anfangs getreuen, später jedoch umso abtrünnigeren Produzenten Azamat Bagatov.

Katastrophen sind von dem Moment an vorprogrammiert, als der blauäugige Pechvogel amerikanischen Boden betritt. Zuerst noch ausschließlich interessiert an der Erfüllung seines kulturellen Auftrages, verlagert sich der Schwerpunkt von Borats Suche blitzartig, als er Videos und Fotos von Pamela Anderson zu Gesicht bekommt. Quer durch die USA führt der Trip, der schließlich im Heiratsantrag an die Baywatch-Nixe gipfeln soll. Doch bis Borat die Autogrammstunde seiner Angebeteten stören kann, muss er sich durch eine Serie selbstverschuldeter peinlicher Situationen manövrieren und moderieren - was dem selbstsicheren Kasachen zumindest in seiner eigenen Wahrnehmung stets brillant gelingt.

"Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan" - schon der Untertitel des Films lässt vermuten, dass die Geschichte des hier präsentierten semifiktiven Landes nur eine Geschichte voller Missverständnisse sein kann. Dass ein erfolgreiche Fernsehfigur zum Proponenten eines Spielfilms mutiert, ist per se nichts neues - doch während andere Spaß-TV Formate ihren Funfaktor aus grotesker Übersteigerung oder gezieltem Durchbrechen von Lifestylekonventionen beziehen, klopft Ali G. dort an, wo es wirklich schmerzhaft wird: genau, gekonnt und analytisch-präzise sondiert der Brite kulturelle Konventionen und Verbindlichkeiten des Alltags, um sie dann genüsslich zu sezieren. Die Maske des naiven Borat steht ihm für diese Aufgabe perfekt zu Gesicht: Denn der vorgebliche Kasache präsentiert jede noch so hart jenseits der Grenze der Unerträglichkeit liegende Peinlichkeit mit einem nachhaltig um Verzeihung bittenden Gesichtsausdruck, der deutlich zu sagen scheint: "Ich bemühe mich ja, aber ich verstehe einfach nicht, warum ihr alle so konsterniert reagiert!"

In den besten Passagen des Filmes verweigert sich Borat dem genussvollen Verweilen an der Oberfläche der Harmlosigkeiten. Wenn Ali G. seine perfekt einstudierte Naivität im nahezu sokratischen Sinne einsetzt, dann fungiert die Position des "unmöglichen" Außenseiters als überdeutliche Projektionsfläche für die Neurosen der Gesellschaft. Wenn Ali G. etwa vor einem Sportmatch die amerikanische Nationalhymne schamlos umtextet und anschließend eine kriegstreiberische Rede hält, in der er sich bei der versammelten Menge für das harte Durchgreifen der USA bedankt, dann wird der zuerst frenetische Applaus der Menge immer leiser, der Gedanke "welcher Idee applaudieren wir da eigentlich?" dagegen fast hörbar.

Sacha Baron Cohen wuchs in einer jüdischen Familie in Wales auf. Nach einem längeren Aufenthalt in Israel studierte er Geschichte an der Universität Cambridge. Der Engländer kennt sein Fach nicht nur als Komiker, sondern auch von der theoretischen Seite: sein Studium schloss er ab mit einer Arbeit über die Kultur von Schwarzen und Juden - mit besonderer Berücksichtigung der Probleme ethnischer Minderheiten.

Mit seiner Kunstfigur schuf Ali G. eine kulturelle Metapher, die in Zeiten der Globalisierungsdiskussionen einen mindestens spannenden Blick auf die alte Frage nach Identität erlaubt. Zweifellos erlaubt gerade "Borat" verschiedene Lesarten und wird auf noch geteiltere Kritik stoßen als die bisherigen Kurzauftritte des kauzigen Kasachen, dessen MTV-Moderation immerhin zu einer offiziellen Protestnote der Regierung jenes Landes führte, das Borat so gern in besonders schlechtes Licht rückt. Dass die Auswahl gerade auf Kasachstan fiel, verdankt die ehemalige russische Teilrepublik der Wahrscheinlichkeitsrechnung - wie Produzent Dan Mazer und Sasha Baron Cohen erklären, suchte man schlichtweg ein Land, dessen tatsächlichen Einwohner man möglichst selten begegnet und über das generell wenig bekannt ist. Das Kinopublikum nimmt ihnen diese Veralberung gar nicht übel: so bewerteten die User der Internet Movie Database die Produktion mit seltenen 8.4 von 10 Punkten.

Alles aus der Hand

Dass die Kinoformattierung einer TV-Minisendereihen-Figur so reibungslos funktioniert - in scharfem Kontrast übrigens zu Leinwandadaptierungen des Jackass-Formats - liegt an der überraschenden Qualität des Drehbuchs.
Produktionsästhetisch folgen die Macher der Mockumentary (so der mittlerweile eingespielte Name für Spielfilme, die sich klassischer dokumentarischer Stilmittel bedienen) einem Trend, den Michael Hirschborn in seinem Essay mit dem Titel "Thank you, you tube" als DIY Video bezeichnete. "Do it yourself" begründet eine neue Videoästhetik: die ungeheure Popularität, die der digitale Vertriebskanal Internet Homemade-Videos verleiht, wirkt wieder als ästhetische Gestaltungsstrategie aufs Kino ein. Während "Blair Witch Project" eindrucksvoll die Eignung des Handkamera-Wackel-Formats für Mystery-Film demonstrierte, verwendet Jackass die simple Aufnahmetechnik ganz im Stile von Skatervideos zur Unterstreichung der Autentizität.

"Borat" schöpft aus der Homevideo-Ästhetik eine erstaunlich dichte Atmosphäre, die zu einem hohen Grad dem nicht nur vorgeblich zum Einsatz kommenden Improvisationstalent des Hauptdarstellers geschuldet ist. Selbst wenn sich in den genau gescripteten Szenen Borat mit seinem Produzenten Azamat nackt quer durch's Hotel prügelt oder versucht, Pamela Anderson in seinen kasachischen Hochzeitssack zu stecken, bleibt der Eindruck der Spontaneität stets erhalten. Bleibt zu hoffen, dass die USA nicht das einzige Land bleiben, das der unerschrockene falsche Kasache mit seiner Kamera bereist.