Beiträge

WikiLeaks als Verkaufstool einsetzen

Nein, es folgt keine Step-by-Step-Anleitung, wie Sie kommerziell-virale Inhalte in brisanten Dokumenten und diese auf WikiLeaks platzieren – das wäre zwar jetzt, wo Julian Assanges Beichtstuhl für Schuldgefühl-geplagte Systemfunktionäre ausnahmsweise gerade so überdurchschnittlichen viel Aufmerksamkeit von den bezahlten Hütern der Demokratie genießt, nicht der Pläne dümmster – allerdings sollte für das strategisch geschickte Platzieren von Markenbotschaften in gefälschten Botschafts-Depeschen (Obama an Putin: “A wengal an Hang zum Rassistischen ham’s scho, die Canyon-Shitters! But they know damn well how to bake Mannerschnitten!”) keine Schritt-für-Schritt-Anleitung erforderlich sein. Weniger trivial dagegen erscheint die Frage, ob solche Formen teilfreiwilliger Transparenz eine ergänzende Funktion im bestehenden demokratischen System einnehmen können oder als transformativer Impuls von “außen” verstanden werden müssen.

The trouble with WikiLeaks (datadirt cartoon)
[zum Vergrößern bitte anklicken.]

Man kann also, wie Kulturwissenschaftler Wolfgang Müller-Funk dies kürzlich im Ö1 Journal Panorama tat, die Frage stellen, ob in der repräsentativen Demokratie as we know her das Privileg der Vertraulichkeit (noch) eine signifikante Rolle spielt oder wie Judith Denkmayr eine realistischere Sichtweise pflegen und Plattformen wie Wikileaks als notwendiges Korrektiv eines Systems deuten, das Intransparenz instrumentalisiert hat und den Wähler/Kunden recht effizient von Entscheidungsprozessen ausschließt. Weiterlesen

Video-Interview: Eric Qualman über Socialnomics

Eric Qualman ist Fortune 500 Speaker und hat mit Socialnomics: How Social Media Transforms the Way We Live and Do Business eine der populärsten Einführungen über Social Media geschrieben. Über seinen Videoclip “Social Media Revolution” haben bisher mehr als zwei Millionen User gestaunt (darunter 200 Teilnehmer meiner Workshops). Eric eröffnete die Meshed 2010 in Wien, nach seiner Keynote führte ich das folgende Interview:


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Stephen Elop über Microsofts Business Visionen

usaDieser Beitrag ist auch auf Englisch verfügbar.

Bill Gates schickt, anders als Ex-Kanzler Franz Vranitzky, Mitarbeiter mit Visionen nicht notwendigerweise zum Arzt. Ganz im Gegenteil: Stephen Elop, Präsident von Microsofts Business Division, erzählt im folgenden Interview, in welche Richtung sich Business-Kollaboration seiner Meinung nach in den nächsten Jahren entwickeln wird:

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Blogistan Panoptikum KW38 2009

Soeben noch auf der Futura-Showbühne, und schon wieder mitten im Rückblicken: in den letzten drei Tagen war die Gadget-Dichte bei der größten österreichischen Elektronik-Fachmesse selbst für meine Verhältnisse ungewohnt hoch – eine Reihe von Podcasts folgt in den nächsten Tagen. Aber wir sind ja nicht hier, um nach vorne zu blicken, sondern es geht… nach hinten los: sieben Tage nach hinten, um genau zu sein. Denn in der Blogosphäre geht Unheimliches vor: plötzlich kann man mit Twitter telefonieren, Nintendo Games im Browser spielen und Zeitungen, die aussehen wie Zeitungen, online lesen. Linzerschnitte und datadirt haben sich nicht erschrecken lassen und präsentieren Ihnen den furchtlosesten Wochenrückblick aller Zeiten!

The Internet didn’t steal the audience, we lost it.

Judith aka Linzerschnitte Während die Verleger (und auch die Musikindustrie) hierzulande noch denjenigen beschimpft und für ihren Misserfolg verantwortlich macht, den sie eigentlich tätscheln und hätscheln sollte, ist man in the US of Ä wiedermal einen Schritt weiter. Michael Skoler von der Nieman Foundation for Journalism der Harvard University hat sich damit beschäftigt, warum die Leser/Seher den Mainstream Medien abspenstig geworden sind – und wie man sie gleichzeitig via Social Media zu Usern der eigenen Angebote machen kann:

Only the savviest of journalists are using the networks for the real value they provide in today’s culture—as ways to establish relationships and listen to others. The bright news organizations and journalists spend as much time listening on Twitter as they do tweeting.

Wie weit Journalisten hierzulande davon noch entfernt sind, zeigt ein Blick in die Followerlisten der “twitternden” Reporter: Die meisten folgen fast ausschließlichen ihren Berufsgenossen. “Kollegenorientierheit” heißt der Fachausdruck für diesen journalistischen Zugang, in dem es eher darum geht, die Kollegen mit dem eigenen Fachwissen zu beeindrucken, als sich an der Zielgruppe zu orientieren. Nun denn, liebe twitternde Journalisten in Österreich – lernt mal schnell dazu, sonst finden eure kleinen Plänkeleien bald unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt!

Dein TwitterFon macht Ring

ritchie aka datadirt Jajah launchte eine Telefonlösung für Twitter namens JAJAH@call, wie thenextweb berichtet:

You’ll be able to make phone calls via Twitter free of charge to anyone in the world, so long as they follow you back and have JAJAH accounts.
@calls are made without revealing your number and without needing to know the number of the person you wish to call – all you need is their Twitter username.

Klingt zu gut, um wahr zu sein? In der Tat könnte Jahjah damit ein großer Wurf gelungen sein, zumindest solange es den Providern weiterhin gelingt, die technisch unbegründete Trennung zwischen Sprach- und Datentelefonie weiter aufrecht zu erhalten. Ein Gespräch zu starten ist in etwa so schwierig, wie ein Tweet abzuschicken:

To make a call simply send a tweet with “@call @username” where the ‘username’ is the Twitter name of the person you wish to call. If that person follows you on Twitter, a free two-minute call – the verbal equivalent of a Tweet – will be initiated.

Klingt spannend, ich werd das sicher demnächst ausprobieren – vor allem praktisch für kostenspielige Auslandstelefonate.

Nintendo Games im Browser spielen

ritchie aka datadirt Stan Schroeder weist auf Mashable auf eine großartige Zeitvertreibs-URL hin: mit Ben Firshmans JSNES Simulator kann man eine Reihe von älteren Nintendo-ROMs im Browser spielen – die Emulation läuft komplett in JavaScript. Interessant nicht nur als Zeitvertreiben, sondern auch als JIT-Compiler Kraftprobe. Und die ergibt erstaunliche Ergebnisse:

Yes, it works in Firefox (Firefox) 3.5 and in Safari (Safari) 4, but thanks to its JavaScript optimizations, it runs about 10 times faster in Chrome.

Das entspricht eigentlich ganz meinen Erfahrungen mit dem aktuellen 3.5er Feuervogel, der nicht nur im Vergleich zu Chrome, sondern sogar zum 3er-Vorgänger unglaublich lahmt. Ich hoffe, dass die FF-Entwickler die Stabilitäts- und Performanceprobleme in den Griff bekommen, denn aufgrund der Add-On Vielfalt ist Firefox für Webprofis nach wie vor unersetzlich.

Total bimedial: Am Punkt

Judith aka Linzerschnitte Persönliches Highlight der Woche war der Launch des neuen Diskussionsformat “Am Punkt” auf ATV und damit verbunden der erste Einsatz für ein weiteres Datenschmutz-Linzerschnitten-und auch Subnet Gemeinschaftsprojekt. “Am Punkt” ist das erste bimediale Format eines österreichischen Fernsehsenders und dank Subnet/Michi Kamleitner auch das erste Format mit einem Facebook Livestream. Das Prinzip ist einfach: Auf dem Weblog blog.atv.at/ampunkt wird montags ein Thema für die Sendung veröffentlicht. Von diesem Zeitpunkt an können User/Seher Fragen stellen; per Mail (ampunkt@atv.at), via Video, Twitter oder Facebook. Während der Live-Sendung kommt noch der Facebook Livestream hinzu, der ebenfalls am Blog eingebunden ist. Sensationelles Ergebnis der Premiere: Mehr als 800 User-Kommentare über die verschiedenen Feedback-Kanäle – und ein Marktanteil von über 5 Prozent bei der eher fernsehunwilligen Zielgruppe der 12 – 29-Jährigen. “Am Punkt” gibt’s immer mittwochs um 21.50 Uhr auf ATV.

Vertrauen ist keine Erfindung des Social Web

ritchie aka datadirt In Old School vs. New School Marketing beschreibt Lisa Barone eine lehrreiche Konversation mit ihrem Vater, dem sie einige Social Media Marketing Bücher geschickt hatte::

After reading the books, he called me this morning. To yell at me. In Italian.
What the hell was wrong with me? Why was I insulting him? Did I think he was an idiot? He’s a successful business man. He knows all about trust and customers and building relationships and running a small business. He had been doing it for years. The information I sent him was nothing new. Why haven’t I learned to cook yet?

Fazit des Artikels: Vertrauen war schon immer der wichtigste Erfolgsfaktor, allerdings trägt das Internet den Word-of-Mouth Effekt weit über geographische Grenzen hinaus:

The basic principles of business and marketing haven’t changed. However, that doesn’t mean people are any better about implementing them. Today’s empowered consumer means that “the basics” are more important than ever. Because now if someone doesn’t like you, it’s not just them and their three friends that hear about it. We all hear.

Big G News: Google kauft reCAPTCHA und launcht Fastflip

ritchie aka datadirt Die allgegenwärtigen Captchas nerven Internet-User jeden Tagen – und sind doch eines der wenigen probaten Mittel gegen die total Ver-Spam-Bottung des Internet. Das populäre und von vielen Third-Party Webmastern eingesetzte reCAPTCHA System zeichnet sich durch Crowd-Sourcing-Mehrwert aus, die User greifen OCR-Software bei schwierigen Fällen sozusagen unter die Arme:

But there’s a twist — the words in many of the CAPTCHAs provided by reCAPTCHA come from scanned archival newspapers and old books. Computers find it hard to recognize these words because the ink and paper have degraded over time, but by typing them in as a CAPTCHA, crowds teach computers to read the scanned text.

Das Google sich nun reCAPTCHA einverleibt hat, ist nur konsequent – der Mehrwert für Google Books ist gewaltig. Und wo wir schon beim Thema Papier sind: ebenfalls vergangene Woche launchte Google offiziell den neuen Newsreader Fastflip:

Fast Flip is a new reading experience that combines the best elements of print and online articles. Like a print magazine, Fast Flip lets you browse sequentially through bundles of recent news, headlines and popular topics, as well as feeds from individual top publishers.
[…]
To build Google Fast Flip, we partnered with three dozen top publishers, including the New York Times, the Atlantic, the Washington Post, Salon, Fast Company, ProPublica and Newsweek. These partners will share the revenue earned from contextually relevant ads. This gives publishers an opportunity to introduce new readers to their content. It also tests our theory that being able to read articles faster means people will read more of them, driving more ad revenue to publishers.

Auffällig ist, wie stark sich Fast Flip an konventionellem Print-Layout orientiert – und noch bemerkenswerter finde ich, dass traditionelle Verlagshäuser im Taumel des Niedergangs sich wohl langsam mit der Vorstellung abfinden, zukünftig als Content-Generatoren mit Affiliate-Beteiligung zu überleben, bis sie dann endlich von Google gekauft werden :mrgreen:

Details zum neuen Twitter ReTweet-API

ritchie aka datadirt Wir haben bereits darüber berichtet, dass Twitter die bislang “informelle” ReTweet Funktion (also das Kennzeichnen von weitergeleiteten Tweets mit RT, quasi ein Pendant zum E-Mail Forward) in die nächste API-Version als Core-Feature integrieren wird. CNET News kennt einige Details zur Implementation. Besonders spannend: der ReTweet-Faktor könnte sich zu einer Art Pagerank-Äquivalent entwickeln – und bei mehr als 100 ReTweets gibt’s einen Cut-Off:

What’s interesting is that the new format, assuming that this is how the timeline ends up looking, can provide a quick, one-glance way to see just how influential a given Twitter user or individual tweet is, adding a new dimension to measuring Twitter influence beyond the follower count. If you see a lot of little retweet icons, for example, you might stop and take a closer look at a tweet (or the user behind that tweet) that you might otherwise have skimmed past.
What’s also interesting is that it looks like retweet counts get cut off at 100, with higher ones displayed as simply “100+.” I’m guessing that, say, CNN Breaking News generally gets a lot more than that.

Wie werde ich am häufigsten ge-re-tweet-et?

Judith aka Linzerschnitte Gespannt wartet die Twitteria bereits auf die Implementierung des neuen “Retweet” Features auf Twitter. Erste Einblicke gibt es bereits (siehe vorigen Beitrag) – und auch eine gewisse Retweet-Müdigkeit bei dem einen oder anderen Twitteruser lässt sich nicht von der Hand weisen. Die Karrierebibel hat sich diese Woche mal Retweet-Statistiken genauer angesehen und den besten Zeitpunkt ausfindig gemacht, um einen Retweet-werten Tweet auszusenden: Immer mittwochs, gegen 17 oder 22 Uhr. Und dazu gibt’s noch folgende Tipps:

  • Schreiben Sie keinen Eintrag, der länger ist als durchschnittlich 120 Zeichen (140 ist das Maximum bei Twitter). Grund: Die anderen brauchen noch Platz für den ReTweet-Kopf: RT @IhrName.
  • ReTweeten Sie selbst. Wer sich an der Mundpropaganda nicht beteiligt, kann auch nicht auf eigenen Tratsch hoffen. Übertreiben sollten Sie es aber auch nicht damit.
  • Wenn Sie retweetet werden möchten, sollte Ihr Eintrag auch einen Nutzen bieten. Ob Humor, Erkenntnisse oder eine interessante Fundstelle im Netz – alles ist erlaubt. Nur keine Selbstpreisungen.

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Comicempfehlung: Ulli Lusts Autobiographie

Judith aka Linzerschnitte “Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens” heißt der autobiographische Comic meiner lieben Freundin Ulli Lust. Und im Gegensatz zu uns Normalsterblichen hat Ulli vor allem eines: etwas zu erzählen. Ach ja, und auch das Talent, diese Erzählungen kunstvoll in Worte und Bilder zu fassen. Mit 17 Jahren setzte sich die damalige Punkerin Ulli mit einer Freundin per Autostopp für zwei Monaten nach Sizilien ab und lernte dort das Leben von seinen schönen und auch sehr unschönen Seiten kennen. Mafia, harte Drogen, Vergewaltigung und falsche Freunde inklusive. 25 Jahre später hat sie diese Reise in einer Comic Autobiographie festgehalten, von der die FAZ meint, er sei eine Sensation.
Eine Leseprobe gibt’s im PDF-Format, Ullis elektronischer Comicverlag ist unter Electrocomics.com zu finden, bei Amazon kann man bereits vorbestellen

Foto der Woche: Checking the Hood

Laertes hat Oola auf ihrem Wachtposten geknipst. Dass Hunde aufmerksam ihre Umgebung studieren, ist nicht weiter außergewöhnlich – die Sitzposition dagegen durchaus:

oola

Ritchies Videos der Woche

Diese Woche konnte ich mal wieder nicht entscheiden – zuerst mal zum Ernst des Lebens: Das AdWords System ist weder ein Buch noch trägt es sieben Siegel – allerdings fällt es Anfängern nicht gerade leicht, die Entstehung des AdRanks zu verstehen, der einen gravierenden Einfluss auf den Klickpreis hat. Dieses Video beseitigt alle Klarheiten: Googles Chefbuchhalter Hal Varian erklärt, wie die Ad Auctions funktionieren: ein Must-See für jeden AdWords-Nutzer!

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Noch unterhaltsamer: Facebook Manners and you. Großartiges Tutorial über Beziehungs-Dos and Don’ts im Stil von 50er-Jahre Benimmfilmchen:

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Judiths Video der Woche

Nachdem Herr Datenschmutz auch diese Woche wieder den einen oder anderen Wuff bemüht, um Sie, werte Leser, auf die Hundeseite zu ziehen, muss auch etwas für die Katzenseite getan werden. Und die lieben Kätzchen machen es mir einfach – denn selbst beim Wassertrinken sind Katzen einfach nur cool,. Verschwenderisch, aber geradezu gottgleich.

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Lesetipps der Woche

  • Nicht unbedingt zum Lesen, aber dafür zum Angucken und verwenden: Six Revisions hat 22 “Awesome Adobe Air Applications for Designers” zusammengestellt – nicht alle sind Awesome, aber Freeware-Freunden finden durchaus einige Schmankerl.
  • Auf 3rd Party Betreiber angewiesen zu sein, kann sich schnell als Bumerang erweisen – Andy Oram argumentiert am O’Reilly Radar ausführlich für dezentralisierte Social Networks.
  • Gefundenes Fressen für Geeks mit Faible für historische Forschungen: die Geschichte der augmentierten Realität
  • Das Weiße Haus stellt einen Social Media Archivar ein – Mashable kennt die Job Description.

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende unseres Rückblicks angelangt – vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Nächste Woche werden auf datenschmutz die Gewinner der Albertina-Führung und des Herzlos-Krimis bekannt gegeben – bleiben Sie dran! Linzerschnitte und datadirt wünschen einen wunderschönen Restsonntag, wir lesen uns morgen.

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
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Morgen beginnt der Kampf um die Aufmerksamkeit

Die APA EBC (E-Business-Community veranstaltet im Haus der Musik in Wien regelmäßig Expertendiskussionen zu verschiedenen IT- und Internet-Themen. Bei der morgigen Veranstaltung mit dem Titel Online-Marketing: Der Kampf um die Aufmerksamkeit werde ich ein kurzes Impulsreferat halten und anschließend in einer illustren Runde hoffentlich kontrovers (sonst wird’s fürs Publikum sehr schnell langweilig) und instruktiv diskutieren:mrgreen:

Mit mir am Podium sitzen Peter Drössler (WKO), Geza Dunzer (WirtschaftsBlatt), Carmen Hickl-Szabó (seeyou 3.0), Alf Netek ( Kapsch AG), Yuki Sakurai (diamond:dogs), Dieter Zirnig (Hewlett-Packard). Die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich, hier geht’s zur Anmeldung.

Datum und Zeit: Donnerstag, 30. Juli 2009. 18:30 Uhr
Ort: Haus der Musik, 1010 Wien, Seilerstätte 30, Café Cantino, Erdgeschoss

Muss man um Aufmerksamkeit kämpfen?

Meine Meinung zu dem Thema ist sehr eindeutig: im Online-Marketing ist die Kontaktgenerierung (in alle ihren Ausprägungen, ob Social Network, AdWords, SEO, Newsletter, Twitter… you name it) nur der erste Schritt – und zugleich jener, der finanziell am ungünstigsten skaliert. Die entscheidenden Fehler begehen die meisten Akteure nicht bei der Mediaplanung, sondern auf der eigenen Homepage, in der Servicierung und Nachbetreuung ihrer Kunden.

Das Web 2.0 mag einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Art und Weise der Marktkommunikation einläuten, an der klassischen Verkaufsstrategie ändert sich dagegen gar nichts: um jeden Preis erhaschte Aufmerksamkeit stellt sich in der Praxis als wertlos heraus. Wertvolle “Whuffies” (so nennt Tara Hunt die “Währung” der Aufmerksamkeit) bekommt man durch den Aufbau von Vertrauen und Kompetenz. Beides entsteht durch langfristiges Beziehungsmanagement und die Bereitschaft, im Dialog mit den eigenen Kunden Mehrwerte zu schaffen. Alles andere ist bloß Mittel zum Zweck: zwar bietet das Web 2.0 effizientere und vor allem *viel* billigere Kontaktmöglichkeiten als Old Media, aber die Relation zwischen “Werber” und “Zielgruppe” ist eine grundsätzlich andere.

Es mag den einen oder anderen User geben, der alle heiligen Zeiten mal zufällig auf ein Banner klickt – aber Internet-Nutzer sind keine Fernsehkonsumenten, die man mit einem vorgegebenen Programmablauf und abgesehen von demographischen Kriterien vollkommen arbiträrer Werbung zuschüttet. Internet-Nutzer sind aktive Informationssucher, die verschiedenste Strategien nutzen, um jene Informationen und Produkte zu finden. Wer diese Tatsache ernst nimmt, wird sich auch nicht über Gebühr darum bemühen, das eigene Arsenal im Kampf um die Aufmerksamkeit hochzurüsten, sondern Ressourcen lieber nutzen, um die eigenen Produkte und Services so sehr zu verbessern, dass die Kunden von ganz allein kommen. Mal sehen, was der Rest der Runde morgen dazu sagt – hier mein Vortrags-Abstract:

Die Regelungen für den deutschsprachigen Internet-Markt sind im internationalen Vergleich sehr streng: doch trotz Double Opt-In und gutgemeinter Datenschutzbestimmungen prasseln auf fast jeden User täglich mehrere Spam-Mails, diverse Social-Media Notifications, Newsletter, Twitter-Messages und sonstige digitale Informationsschnipsel ein. Zugleich sprechen Web 2.0 Evangelisten seit einigen Jahren davon, dass der grundlegende Paradigmenwechsel vom Kon- zum Prosumer Märkte in Dialoge verwandelt. Aufmerksamkeit erlangt im Social Web aber nicht der, der am lautesten oder am häufigsten schreit – entscheidende Erfolgsfaktoren sind neben dem richtigen Kontext für die eigenen Werbemaßnahmen die laufende Optimierung der gesamten Vertriebskette von Werbeschaltungen über den Verkauf bis zur Nachbetreuung des Kunden: denn das Web 2.0 lässt mittelfristig die klassisch getrennten Unternehmensbereiche Werbung, Marketing und CRM verschmelzen und löst damit einen tiefgreifenden organisatorischen Wandel aus.

Blogistan Panoptikum KW19 2009

Am Freitag war ich mit Judith in der ATV-Küche mixend und filmend tätig – die ersten Rohaufnahmen für unsere Cocktail-Serie, eine Koproduktion von ATV, datenschmutz und cocktail-blog.com, sind Kasten. Oder besser gesagt auf Solid State… watch out for Daiquiri Madness, demnächst mehr dazu. Ansonsten habe ich in der vergangenen Woche wieder mal, wie Pete zu sagen pflegt, “viel gelacht, viel geweint, viel gelernt”. Trotz aller Social Media Schnickschnackerein können auch Diskussionen auf den guten alten Mailingliste ganz schön hitzig werden. Und wie auf Twitter kann man Personen unfollowen, allerdings nur allen auf einmal (“Bitte nehmt mich von der Liste! Diese Spamflut! Mami, ich muss Bäuerchen machen.”) oder sie sogar blocken (if sender = datenschmutz -> move to trash). Tja, “new media contains old media” – da hätte Mac schon recht.

Die Grünen deklarieren sich

Ich bin Vorwählerin, weil ich an Märchen und Heilsversprechungen glaube
Ich bin Vorwählerin, weil ich die linken Fundis bei den Grünen loswerden möchte
Ich bin Vorwähler, weil ich den ganzen Tag vorm Internet sitze und keine Freunde habe
Ich bin Vorwähler, weil ich von der ÖVP dafür bezahlt werde

Diese und ähnliche Sprüche wurden innerhalb eines verdächtig kurzen Zeitraums in Max’ Bannergenerator eingetippt. Mit dem kann man personalisierte Banner erstellen, um Support für die Aktion Grüne Vorwahlen kundzutun. Die ganze Sache hat eine längere Vorgeschichte: im Gegensatz zu allen anderen Parteien erlauben die Grünen “Unterstützern” bei der Erstellung der Kandidatenlisten mitzustimmen, ohne aber Parteimitglied zu sein. Helge und einige weitere unzufriedene potentiell-Grün-Wähler nutzten diesen Passus auf smarte Weise aus und riefen besagte Vorwahlen ins Leben, mehr zu diesem Stück partizipative Demokratie gibt’s bei Helge nachzulesen. Und jetzt kommt der Hammer: die obenstehenden Banner haben sich die Grünen, die mittlerweile wohl ebenso viel Angst vorm Internet zu haben scheinen wie der ORF Programmdirektor, selbst gebastelt! Ich sag nur: a) Eisenhintern. b) Don’t mess with Karli’s toys! :mrgreen:

3 Worte für König Content

Clear – Concise – Compelling. Das empfiehlt zumindest der Copyblogger:

Writing for the web is a minimalist affair. Your words, sentences and paragraphs are short. Precise. Lean. Tight. Web writing trades in sheering off useless words. Cutting flabby paragraphs…
Even shedding entire pages.
Think that’s harsh? Jakob Nielson recommends you cut up to half of the words for every print page you plan to put on the web.

Ich bin ja kein großer Nielsen-Fan – aber die grausame Wahrheit ist: man muss den persönlichen Trade-Off finden. Ich zum Beispiel schreib nicht immer nur für meine Leser (pardon), sondern auch für mich, weil ich gerne mit Sprache rumspiele. Das macht manche Sätze komplizierter und missverständlicher als nötig… aber wenn ich keinen Spaß am Schreiben hätte, dann gäb’s dieses Blog überhaupt nicht. Insofern muss man, da Schreiben nun mal eine der Haupttätigkeiten jedes Bloggers ist (wenn auch bei weitem nicht die einzige), einen persönlichen Mittelweg finden. Und ganz ehrlich: wenn sich alle an clear-concise-compelling hielten, dann wären einige meiner Lieblingsblogs mit einem Schlag nur mehr halb so lesenswert. Wie sehen Sie das?

Scoopler sucht in Echtzeit

Während sich altgediente SEOs über die mittlerweile doch schon recht raschen Index-Update-Zeiten von Google freuen, wächst und gedeiht derweilen anderswo die Echtzeit-Suche – Scoopler etwa verwirft die Idee eines starren Index völlig und präsentiert aktuelle Ergebnisse aus mehreren Quellen als Live-Stream:

Scoopler is indexing live streams from Twitter (Twitter reviews), Digg (Digg reviews), Delicious (Delicious reviews), Flickr (Flickr reviews) and Identica in real-time, and not only that; it’s also indexing links, videos and photos from these data sources, which is similar to what Twitter has been planning to do. As a result, Scoopler doesn’t feel so much as a search engine, more like a news site with a constant stream of live updates in the middle (paused when you mouseover, a nice touch), list of hot topics on the left, and most popular results on the right.

Details zum neuen Suchservice kennt Mashable – Reviewer Stan Schroeder freut sich einerseits über die elegant aufbereiteten Ergebnisse und die integrierte Relevanzwertung, hält diese jedoch für verbesserungswürdig: im Fall von Twitter etwa berücksichtigt Scoopler nur den nackten retweet-Rank, lässt sich also mit anderen Worten sehr leicht manipulieren.

5x Twitterforschung

Mashable hat eine Reihe von Statistik-Tools für Twitter zusammengetragen und spricht relativ hochtrabend von “Research Tools”:

Fortunately, there are several tools out there that can help analyze Twitter data, understand user behavior, and graph it for analysis and presenting to others. Today, we’ve picked out five great tools to get you started.

Die meisten kennt man als 140-Zeichen-Junkie ohnehin schon, aber zumindest die hübschen Xefer Charts waren neue für mich.

Zeit managen wie ein Profi

Wir arbeiten an der großen Zerstreuungs- und Ablenkungsmaschine Computer, was so manches Problemchen mit sich bring. Lifehack hat vier Tipps für außergewöhnlich gestresste Mitarbeiter. E-Mails nur zu bestimmten Zeitpunkten checken und so – Prokrastinierer sollten mittlerweile ohnehin wissen, dass sämtliche Alert-Pop-Ups ihre natürlichen Feinde sind, die es zu deaktivieren gilt. Hilariös fand ich allerdings diesen Satz:

In times past, when training budgets were somewhat normal the solution was easy. Sign up for a class in New Jersey, make sure that the boss is involved in the planning, offer a one page post-course “summary,” and email a thank-you for the life-changing opportunity.

Tja… vom Angestellten 2.0 wird eben erwartet, dass er sich selbst fortbildet. Da kann man sich doch auch gleich selbständig machen!

SEO News der Woche

Bottom Feeder können sogar bei Xing ein paar Backlinks abgreifen (als ich dort noch ein Profil hatte, war die About-Seite quasi ein vollgestopftes Kontext-Link-Directory). Mehr als PR1-2 wird’s zwar nicht, aber einem Free-Account schaut man bekanntlich nur dann ins Maul, wenn mal das Kind im Brunnen liegt. Oder so. Yannick hat da sicherlich andere Tricks an Lager – er startet gerade mit seiner neugegründeten Agentur durch – Gratulation und guten Start! Ich sag ja nur: David gegen Goliath!

Nicht nur Käse schimmelt

Was tun mit expired content? Rand Fishkin empfiehlt die von den Seonauten auf deutsch erklärte “Hybridmethode”:

Der schlechteste Weg ist, die Seite einfach zu entfernen. Die Suchanfrage gibt ein 404 aus und aus ist die Maus. Zumindest wenn du die 404 im Standard behältst.
Der zweit-schlechteste Weg ist die Seite so zu lassen wie sie ist. Sicherlich werden noch ein paar Leute nach dem alten Zeug suchen, aber macht das einen Sinn ?
Besser ist es die Seite gänzlich zu redirecten per 301 und damit dauerhaft umzuleiten auf eine Seite, die am besten themenrelevant ist zu dem alten Thema. Beispiel : iPhone zu IPhone 3G oder ähnliches
Was nach meiner Meinung aber eine noch bessere Methode sein kann (auch wenn sie nicht immer passt) ist die Teil-Trust-Übergabe an eine neue URL durch Verlinkung mit passenden Anchor Texten oder der Teil-Trust Übertrag an eine URL einer neuen Domain.

Sei kein Domainer

Oder sei einer, aber dann bitte richtig – im Matthias Süß erklärt dem Netten SEO im Interview nämlich die Unterschiede zwischen URL-Händlern und URL-Optimierern:

Aus der Sicht eines Suchmaschinenoptimierers interessieren mit an einer Domain andere Faktoren als einem Domainer. Einem Domainer sind die eingehenden Links beispielsweise völlig egal, da sind der Domainnamen und die Top Level Domain viel wichtiger. Bindestrichdomains würde eine Domainer i.d.R. nie anfassen. Und dann gibt es noch die Projektentwickler, die wiederum andere Ansichten mitbringen.

Der Focus rankt

Auf Suchmaschinentricks.de gibt’s eine interessante Statistik zu bewundern – und zwar die numerische Beantwortung der Frage, wer in Google am häufigsten (also mit den meisten populären Keywords) auf Platz 1 steht:

Um diese Frage zu beantworten, habe ich einen kleinen Blick in meine Datenbank geworfen und mir die Websites herausgefischt, die die meisten Top-Platzierungen in Google erreichen. Als Suchbegriffe habe ich die zehntausend häufigsten Suchanfragen der letzten Jahre (Quelle: meine Keyword-Datenbank) zugrunde gelegt. Diese Liste geht von Google bis Planetarium und sollte den “Short Head” der deutschen Suchanfragen umfassen.

Die Zahlen gelten für Deutschland, wenig überraschend landete die Wikipedia auf Platz eins und zwei (de und en), Bronze geht am Amazon. Chip und Focus sind mit Platz 5 respektive 9 auch sehr gut vertreten – die komplette Top-100-Liste gibt’s als Excel-Download.

Video der Woche

Das Video der Woche ist in dieser Woche kein Video, nicht mal im weiteren Sinn – sondern ein Panorama, sogar ein unendliches. Und definitiv eines meiner kontemporären 10 Lieblingskunstwerke:

Das Unendliche Panorama ist eine Endloszeichnung der Filmemacherin und Autorin Andrea Maria Dusl. Es erscheint seit Herbst 2008 – in kontinuierliche wöchentliche Folgen unterteilt – in der Wiener Stadtzeitung Falter. Das Unendliche Panorama ist die kolorierte Fassung jenes legendären Projekts, das Dusl zwischen 1985 und 1995 im legendären österreichischen Diskurs-Organ FORVM publizierte.

Man kann also auf legalen und dubiosen Wegen versuchen, sämtliche Falter-Ausgaben seit Herbst 2008 zu ergattern und sich anschließend mit einer Schachtel Buntstifte unverzagt an die Arbeit machen. Oder man nutzt einfach den Webbrowser der Wahl und geht nach http://bureau.comandantina.com/panorama/ (Embedding spielt’s leider nicht). Und das beste dran: man setzt das Panorama via onMouseOver in Bewegung, und es läuft und läuft – also irgendwie doch quasi ein Video. Den Link hab ich übrigens gerade frisch von @Matthias_Cremer bekommen, besten Dank dafür!

Und zum Drüberstreuen gibt’s noch das neue Oeuvre der Fibro Twins (das sind die Jungs, die auch für das Skatevideo “Fire Pit Hunt” von letzter Woche verantwortlich zeichnen – imho sehr gelungene Bild-Text-Collage mit Effekten satt:

Und das war sie auch schon wieder, die Rückschau auf die vergangenen sieben Tag. Nächste Woche wird’s hier give-away technisch wieder äußerst spannend, denn dank Susanne Holzer verlose ich ein Ticket für die meshed #1 Konferenz am 28./29. Mai in Linz im Wert von €680,-. Und weil das bisher der teuerste Preis ist, den ich je auf datenschmutz verschenkt habe, müssen sich alle, die gewinnen wollen, auch richtig anstrengen :mrgreen: Ich werde ab Montag für drei Tage lang ein Twitter-Quiz starten, und wer die meisten Fragen richtig beantwortet, hat freien Eintritt bei dieser spannenden Online-Marketing Konferenz – ich werde übrigens auf vor Ort sein und Ende Mai live berichten. Nähere Details zur Verlosung gibt’s ab Montag. Ich wünsche einen schönen Sonntagabend, wir lesen uns morgen.

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
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Symposium: Das Versprechen der kreativen Ökonomie

kreoekOn short notice: bereits morgen, am 31. März, findet im großen Sendesaal des RadioKulturHauses (Argentinierstrasse 30a, 1040 Wien) das von Ina Zwerger und Armin Medosch organisierte Ö1 Symposium “Creative Cities” statt. Bei freiem Eintritt lädt die Ö1 Wissenschaftsredaktion zu einer hochkarätig besetzten Reflexion der immer wieder gern zitierten Utopie, Kunst und Wirtschaft täten sich vertragen wollen können.

Anlass ist nicht zuletzt das von der EU 2009 ausgerufene “Jahr der Kreativität und Innovation” (ich freu mich schon aufs “Jahr der Einfallslosigkeit und des Rückschritts”) und die große Hoffnung, welche Regierungen weltweit in die “Creative Industries” setzen. Die Veranstalter fragen im Einladungstext nicht ganz unsuggestiv, ob möglicherweise eine neues intellektuelles Proletariat entstünde, eine Art “Tagelöhnertum im Web 2.0″:

Arbeitsplätze – so wird suggeriert – schafft man sich selbst, im “Home Office”, im virtuellen Netzwerk. Befristete “Projekte” ersetzen immer öfter den Job auf Lebenszeit. Lebenslanges Lernen soll die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Doch von der Wertschöpfung der “Ideenwirtschaft” profitieren nur ganz wenige, meist große Unternehmen der Kulturindustrie. Das durchschnittliche Einkommen der “Cultural Workers” ist sehr gering.

Das klingt mir zwar alles gar ein wenig negativ: ein “lebenslanger Job” wär meine persönliche Hölle, und wenn der Tagessatz stimmt, dann bin ich liebend gern vortragender oder coachender Tagelöhner. Und ja, meinen “Home Office” Arbeitsplatz hab ich mir tatsächlich selber geschaffen – vor 20 Jahren wär’s schlicht undenkbar gewesen, mit einem digitalen Produktionsstudio um rund 10k Euro mit “professionellen” Corporations zu konkurrieren. Aber andererseits bin ich ja auch kein freischaffender Künstler, sondern freischaffender Marketing-Berater und “geringes Einkommen” liegt natürlich immer im Auge des Betrachters, aber ich kann mich definitiv nicht beschweren :mrgreen: Doch weiter im Text:

Was macht diesen Lebensentwurf dennoch attraktiv? Ist es die Vorstellung, aus dem Hobby einen Beruf zu machen? Ist es die Hoffnung auf Ruhm? Oder einfach der Mangel an Alternativen? Muss nun “jeder ein Künstler” werden, frei nach Joseph Beuys? Oder müssen alle Künstler/innen ins Betriebswirtschaftsseminar? Und ist nicht der Zwang zur ökonomischen Verwertbarkeit für das kreative Schaffen letztlich kontraproduktiv? Lässt sich Innovation auf Knopfdruck herstellen? Vor welchen Herausforderungen stehen Kunstförderung und Aus- und Weiterbildungsinstitutionen?

Diese versuchen unter anderem Martin Netzer von der Sektion Erwachsenenbildung des BM für Unterricht und Kunst, Richard Barbrook von der Westminster University London, Diedrich Diederichsen, das kulturwissenschaftliche Aushängeschild Berlins, Geert Lovink vom Amsterdamer Institute of Network Cultures und Inke Arns vom Hartware MedienKunstVerein Dortmund in ihren Referaten zu klären. Der erste Teil des Programms hat für mich durchaus einen gewissen Zeitreise-Aspekt: soweit ich mich erinnere, diskutieren die üblichen Verdächtigen die gleichen Themen seit Mitte der Neunziger, damals noch vorwiegend auf der nettime-Mailingliste. Seither hat sich die Situation – je nach persönlicher Einschätzung – drastisch verbessert oder verschlechtert, eines ist jedenfalls klar: in Zeiten der Wirtschaftskrise erhöht sich das Interesse ans Kapital-/Liberalismuskritik beträchtlich. Wird jedenfalls sicherlich ein spannender Nachmittag, den ich aber leider ob Creative-Industry-Business-Stress nur teilweise werde verfolgen können. Genauere Details finden Kurzentschlossene Besucher Programm-PDF.

Blogistan Panoptikum KW12 2009

failweekIch kann kaum schreiben, so geblendet bin ich von den strahlend weißen Wänden meines Büros. Dank massivem Abdeckfolien-Einsatz haben alle elektronischen Devices die Streichaktion farbkleks-frei überstanden. Wer auch demnächst mal die Silhouetten einstigen Wandschmucks in die ewigen Jagdgründe schicken will, dem kann ich die Innenraum-Dispersionsfarbe, die Hornbach als Eigenmarke verkauft, nur empfehlen: tolle Deckkraft und hohe Ergiebigkeit – was ich wieder zurück bringt zum dieswöchigen Panoptikum, denn dasselbe kann man mit Fug und Recht von Filesharing respektive Torrent-Downloads behaupten.

Interview: Bittorrent bleibt!

Naja, zugegeben – vielleicht nicht Deckkraft und Ergiebigkeit, sondern Marktdurchdringung und Geschwindigkeit, und genau deshalb werden Torrent-Pages auch nicht so schnell verschwinden, so Erik Dubbelboer und Niek van der Mass im Futurezone-Interview. Die Namen der beiden Herren lassen fraglos auf niederländische Herkunft schließen, aber was sie darüberhinaus zu dieser Aussage qualifiziert ist ihr Job: das Duo betreibt Mininova, laut eigenen Aussagen die populärste Torrent-Suchmaschine. Zwar kommt bald ein Prozess auf die Firma zu, aber dem sieht das Duo recht gelassen entgegen: [via phlow]

Wir denken, dass die klassischen Medien wie das Fernsehen nicht mehr funktionieren. Der freie Informationsfluss im Internet ermöglicht viel bessere Distributionswege. Ich selbst sehe kaum noch fern. Ich möchte Inhalte sehen, wenn ich Zeit dafür habe – und nicht dann, wenn sie gerade von einem Sender ausgestrahlt werden. Manche Unternehmen beginnen schon umzudenken und fragen uns etwa, wie sie von unserem “Content Distribution”-Modell profitieren können. Sie erkennen, dass der Kampf gegen Filesharing aussichtslos ist.

Twittiquette: den Microblogging Buhmann-Award abwenden

Man kann auf Twitter gar nicht öffentlich rülpsen – also was sollen schon für Benimmregeln gelten, fragt sich der Unbedarfte Neoblogger! Und zwar genau 20 Stück, glaubt man dem PR-Blogger. Und weil journalistische Reduktionsleistung und Fakten richtig wiedergeben Bloggern nicht liegt, wie Armin Durnher in Falter-Editorials dauernd schreibt, hier ein exklusiver Remix der Regeln 12. und 16. für datenschmutz-Leser:

Unerwünscht Twitter-Betteln ohne jeglichen Kontext ist “Gute Idee!” Und Zusammenhang nervt nur. Deshalb verzichten Sie auf Freiwilligkeit. Es funktioniert ebenso bei Tweets: jeder folgt Ihren Twitter-Gesprächen. Antworten irritieren. Ein wirrer Tweet für jeden, der das Prinzip “Klick mich” nicht kennt.

Alles Gute, Twitter!

Drei Jahre alt wurde Microblogging-Service gestern, und sprechen hat er auch schon längst gelernt! Als Spätzünder kann man das Baby mittlerweile wirklich nicht mehr bezeichnen – es wird immer schwieriger, Personen zu finden, die nicht auf Twitter vertreten sind :mrgreen: TechCrunch hat aus jubilativen Gründen das Gründungslogo noch mal ausgepackt. Herzliche Gratulation!

Agenten in Not?

Nicht Geheimagenten, um die muss man sich im Zeitalter der Constant Paranoia nun wirklich keine Sorgen machen. Aber Travel Agents, Stock Agents und so weiter… Seth Godin bringt’s auf den Punkt:

The problem with being a helpful, efficient but largely anonymous middleman is pretty obvious. Someone can come along who is cheaper, faster and more efficient. And that someone might be the customer aided by a computer.

Und wie immer hat Seth auch die passende Antwort bereit – die liegt seiner Meinung in der vielbeschworenen Nische. Mit anderen Worten: die Paradigmen des Online-Marketing greifen langsam auf die “echte” Welt über:

To thrive in a world of self-service, agents have to hyperspecialize, have to stand for something, have to have the guts to say no far more than they say yes. No, you can’t publish this book. No I won’t represent you. No, don’t take that flight. No, I won’t sell this house, it’s overpriced, list it yourself.

Social Marketing Round-Up

Eine eigene Rubrik zu diesem Thema bietet sich mittlerweile definitiv an – schließlich erscheinen jede Woche spannende Artikel zu den vielen Facetten des Zusammenbruchs klassischer Marketing-Modelle. Futurelab hat eine kurze Definition des Begriffsfeldes für Neueinsteiger:

Social media is part of the same “sharing” meme that has brought us the open-source movement, open APIs, Wikipedia and other examples of mass collaboration. An opportunity exists for “sharing” to penetrate into new areas of society and business via new innovations in social media. Opportunities also exist in the creation of new business models in which companies “outsource” tasks (i.e. marketing, R&D) to consumers.

Wer lesefaul ist, muss dagegen mit solchen Videos vorlieb nehmen. Aber der Wagen der rollt, und das Interesse steigt, weiß die Statistik. Und wie eine solche Social/Viral Kampagne im Bereich Soziales aussehen kann, zeigt ein aktueller Beitrag im Weburbanist.

SEO-News der Woche

Die Rückblicke auf die SEO-Campixx nehmen kein Ende: die SEOnauten haben ein Video mit den obligatorischen Crackhuren und Carlos hat 12 Teilnehmer vor seine Kamera gebeten, um sie zu Traffic-Tipps & Co. zu befragen [via SEOnauten].

Die Krümeln aufsammeln

Es soll ja SEOs geben, die aus abgelaufenen Domains ganze Satellitenstädte errichtet haben. Die SEOuxindianer stellt mehr und weniger empfehlenswerte Services zur rechtzeitigen Identifikation von Kaufkandidaten vor. Was mich doch einigermaßen überrascht, ist der die Tatsache, dass dieser Markt mittlerweile auch in .de sehr umkämpft scheint, schenkt man diesem Zitat Glauben:

Zonespy aktualisiert ein paar Mal in der Minute und ist damit sehr aktuell. Neben der Echtzeitsuche gibt es auch ein Archiv, mit den Domains der letzten 30 Tage. Dort findet man aber so gut wie nie etwas, da die Daten meistens nicht mehr stimmen und gute Domains nie länger als eine viertel Stunde frei bleiben. Trotzdem ganz interessant.

Die Öko-Nische bewohnen

Das SEO-Handbuch empfiehlt Rücksichtnahme auf die stetig steigende Gruppe der Lohas – und in der Tat frisst der frühe Vogel den Wurm, denn eines steht fest: “ungespritztes Gemüse” ist ein weit weniger stark umkämpftes Keyword als “Klingelton”:

Zugegeben, schaut man sich auf diversen Affiliate-Marketing Plattformen um, so muss man Öko-Produkte teilweise noch mit der Lupe suchen. Aber es gibt sie – auch außerhalb der etablierten Anbieter! Man muss nur etwas Suchen.

Ein Hoch auf SEOigg

Themenspezifische Social News Portale bringen beträchtliche Vorteile gegenüber Generalisten – anlässlich dieser Tatsache preist Carlec-Webdesign die Vorzüge von SEOigg gegenüber Yigg:

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es mir in diesem Mini-Test nicht darum ging, wie viel Besucher ich direkt über Yigg oder SEOigg bekommen kann. Das wird die Statistik erst in einiger Zeit hergeben, sondern lediglich über den positiven Effekt eines themenspezifischen, vertrauensvollen Links in den Suchergebnissen.

In der Tag – SEOigg rockt und ist so gut wie spamfrei… kein Wunder, dass Big G der Seite hohen Trust ausspricht.

Video der Woche

Tja, blöd gelaufen: da rennt man dem saftigen, riesigen Knochen hinterher, und dann ist da diese blöde Wand dazwischen! Moment mal, wo bin ich hier überhaupt? Legendärer Sleepwalking-Fail von Wuffi – entnommen übrigens aus dem grandiosen Failblog, dessen RSS-Feed in keinem zynischen Newsreader-Portfolio fehlen darf.)

YouTube Preview Image

Und das war’s auch schon wieder mit dieser Woche: besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Und ein besonderes Shout-Out an RowC, der mich bei Mr. Tweet mit folgender Begründung empfohlen hat: “because he invented the Blogistan Panoptikum.” Das freut mich natürlich – besten Dank und schönen Restsonntag, wir lesen uns morgen!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick – für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.

Social Marketing: ein Genre erfindet sich

schalteraffeWährend Autohersteller händeringend um staatliche Zuschüsse flehen, können sich Social Marketer vor Aufträgen kaum erwehren: spätestens seit der amerikanischen Präsidentschaftswahl gilt Twitter vielen Marketing-Managern als “Non-Place to not be”, sprich: hier kann ich direkt und echtzeitlich mit meinen Kunden repräsentieren, hier muss mein Brand vertreten sein – zumindest bevor jemand anderer meinen Nick registriert. Aber die Unsicherheit über die Best Practices ist (noch) groß, und die Anleitungen sprießen wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Hoffnungen und Bedenken prallen aufeinander wie die fette Lady und der Rugbyspieler, Angst vor Bloßstellung paart sich mit freudiger Erwartung proaktiven Kundenkontakts.

Befürchtung Nummer eins: man könnte zu viel Zeit mit Social Media verschwenden. Abhilfe schafft diese umfassende Liste von Artikeln zum Thema “wie ich beim Social Marketing Zeit spare” auf IIG:

In this post, we’ve put together a comprehensive list of articles with great advice, tips and tools to help you be more productive and efficient when using social media. We also have some posts that offer up general online productivity insights.

Bis man sich allerdings durch unter anderem “17 Firefox Add-Ons, die Bloggen einfach machen”, “10 Greasemonkey-Scripts für mehr Produktivität”, “40+ Tools und Hacks für Gmail” und Co. durchgearbeitet hat, sind locker 20 Viral Kampagnen ins Land gezogen. Ecce homo: nicht nur das Web 2.0 ist ein Zeitfresser, auch die Literatur über Social Marketing verlangt zukünftig wohl nach einem Vollzeit-Mitarbeiter für die “Current Web Trends Research” Abteilung. Doch trotz der gefühlten Urgenz und Komplexität einer durchdachten Präsenz überlässt man diesen Bereich gerne mal dem Praktikanten, wie Shelly DeMotte Kramer in einem lesenswerten Artikel auf SocialNetworkingSanDiego feststellt:

Social marketing is and should be a part of any serious business’s marketing and communications plan – especially today. But, the interesting thing is, that so often people (read that “business owners”) think that it’s just the perfect project to sink little Jenni on – you know, the one who just graduated from Community College last year and who just loooooves surfing the net. Or, maybe Johnnie, who’s in college and has a Facebook page – that’d be something he could do for us and we could pay him $200 and save a bunch of money. People – you don’t get it! Social marketing is serious stuff and is well on it’s way to replacing the traditional kinds of media that we’ve known and loved. Display ads are going the way of the dinosaur. Who reads magazines and newspapers when you can get instant news and any kind of content you would ever want online – through more sources than I can possibly articulate.

Natürlich handelt sich’s bei dem Text in erster Linie um Eigenwerbung, trotzdem ist was Wahres dran: man kann ich Netz auch mit besser Ressourcenausstattung authentisch erfolglos sein. Oder mir etwas Originelles überlegen – so wie Jim, der mit seiner Aktion Twittermethis den Microblogging-Service als low-key Quiz-Tool benutzt. Andererseits zeigt ein Vergleich zweiter Zitate, wie nahe Wahnsinn und Methode beieinander liegen:

Unter Geisteskrankheiten oder Geistesstörungen wurden unterschiedliche Verhaltensbilder und Krankheiten zusammengefasst, die sich im Allgemeinen durch Verhaltensformen ausdrücken, die in der Gesellschaft nicht akzeptiert sind.

Gammas geben hilfreiche Tipps nur zu gerne weiter und spielen daher im Kommunikationsprozess eine essentielle Rolle. Anders als Betas (AnhängerInnen/NachahmerInnen von Alphas) folgen sie zudem ihren eigenen Regeln und Werten und nicht denen anderer (z.B. der Alphas).

Bei ersterem handelt es sich um die Definition von Geisteskrankheiten aus der deutschsprachigen Wikipedia, bei zweiterem um die Definition eines Konsumentengruppe aus dem aktuellen ambuzzador-Newsletter. Der gute alte Foucault hatte eben doch recht: alles eine Frage der gesellschaftlichen Zuschreibungen. Und des Betrachterstandpunkts. Andererseits ist natürlich keine Marketingabteilung eine Insel, und insofern ist schon was Wahres dran an den Consequences of Social Media Silence:

At what point, however, does a refusal to participate begin to erode brand loyalty?
Your Competition Will Force You To Get in the Game. […] It’s always been so online. The early adopters set the rules and force the hands of the subsequent waves.

Dem möchte ich noch hinzufügen: Best Practices im Netz werden nicht rein aus universitärer Forschung und Erleuchtungserlebnissen geboren (obwohl diese natürlich auch eine wichtige Rollen spielen), sondern im Trial-and-Error Verfahren. Und deswegen lautet die wahre Herausforderung für Brands, die jetzt in Social Web einsteigen nicht, bewährte Taktiken zu kopieren – sondern die Zukunft des Onlinemarketing aktiv mitzugestalten!

Gratis-Konferenzteilnahme: Identitätsblogger gesucht!

identitat09Für die 2-tägige Fachkonferenz “IDENTITAT09″ suchen die Veranstalter 1-2 Live-Blogger, die das interessierte Web 2.0 Publikum mit Echtzeit-Informationen von der Konferenz versorgen. Was den Job so spannend macht, ist einerseits die starke Praxis-Ausrichtung der Veranstaltung mit zahlreichen Keynotes aus dem Business-Alltag und andererseits der Preis für eine reguläre Teilnahme: 1.390€ kostet der Tagungspasse regulär. Gefragt ist dabei keinesfalls ein braver Wasserträger, sondern eine engagierte Bloggerin und/oder ein engagierter Blogger, die kritisch die aufgenommenen Inputs über die eigene Seite sowie Twitter reflektieren, Interviews mit den Keynote-Speakers sind ebenfalls gefragt. Zeit haben sollten Bewerber am 20./21. April, Veranstaltungsort ist das Austria Trend Hotel Kahlenberg.

Zur näheren Analyse des firmeninternen Identitäts-Managements laden Identitäter / Happy&Ness. Details zum Konferenzprogramm findet man hier, das Line-Up klingt spannend:

IDENTITAT09 bringt Keynotes unter anderem von Fachbuchautor Holger Schmidt und Unternehmenskulturspezialistin Sonja A. Sackmann. Dazu internationale Praxis-Beispiele von großen Marken und kleinen Paradeunternehmen: Shell, Henkel, EADS Astrium, Basler Versicherung, Sonnentor, dm drogerie markt, Atlas Copco Gruppe, Prisma Kreditversicherung, Nycomed Austria, Hotel Hochschober, mobilkom austria & Wirtschaftskammer Österreich.

Hochwertige Inhalte fürs eigene Blog und spannende zwei Tage – wem bereits der Blog-Speichel auf die Tastatur tropft, der bewirbt sich bei Daniela Terbu unter der E-Mail-Adresse d[DOT]terbu[AT]happyundness[DOT]at und beantwortet die folgenden Punkte:

- Kontaktdaten
– Was ist der persönliche Bezug zu Internal Branding?
– Was interessiert dich/Sie an der IDENTIAT09 besonders?
– Warum möchtest/möchten du/Sie als Blogger vor Ort sein?
– Blog-URL bzw. Themenschwerpunkt des eigenen Blogs.

Ich hab meine Bewerbung gerade abgeschickt… würd mir die Identitätskonferenz sehr gerne anhören. Also kann ich allen Mitbewerbern keinesfalls ehrlich “viel Glück” wünschen :mrgreen:

Yigg is a joke in your Town + Werbeplatz gesucht

datenschmutz-buttonFrüher war Yigg echt mal ganz okay, und so aus reiner Gewohnheit reicht man halt immer noch die eine oder anderen Nachricht ein – die Seite kommt mir vor wie früher mal cooler Club, der eigentlich nur von seinem Ruf lebt; und von der Tatsache, dass man dort ziemlich unter sich ist. Nun, einerseits kann man den Betreibern ja nur dazu gratulieren, dass sie trotz monatelanger Kritik am völlig missglückten Relaunch so dickes Fell zeigen und sich voll und ganz auf die Werbekunden-Akquise konzentrieren. Rein aus Neugier (nicht Mitleid) wollte ich gerade ein kleines Kategoriesponsoring auf Yigg buchen, doch die Betreiber wollen anscheinend nicht bloß die Community vergraulen, sondern auch keinesfalls Geld verdienen.

Andererseits kann ich mir nicht erklären, dass mir die Buchung nahezu unmöglich gemacht wird. Da wäre erstmals die äußerst minimalistische Eingabemaske, die vor allem eine Frage offen lässt – welche Leistung respektive welchen Zeitraum buche ich denn da eigentlich? (Wohlgemerkt: der Click auf “Sponsor werden” führt direkt auf diesen Screen, ohne zwischengeschaltete Erklärungsseite)

yiggspons

Doch wer suchet, der findet – in den Sponsoring-FAQs im Footer findet sich gut versteckt des Rätsels vermutete Lösung:

Sie können ihre Produkte und Dienstleistungen in den Nachrichten-Kategorien IT & Technik, Politik, Wirtschaft, Unterhaltung, Wissenschaft & Bildung, etc. einbringen, indem Sie die jeweilige Kategorie sponsern; d.h. Sie buchen ein Sponsor-Paket zu einem Fixpreis für die Dauer eines Monats.

Also gut, dachte ich mir, probiert ich eben mal die IT-Kategorie für 30 Tage um EUR 49,- aus – der 125x125er Button war schnell gebastelt, anschließend klickte ich auf “Preview” – und siehe da, der 125er-Button mutierte zu einem vollkommen unlesbaren 50x50er Pixelhaufen, sowohl bei der direkten Preview als auch bei der Voransicht der gebuchten Seite (Screenshots in 1:1 Größe):

yigg-vorschau

Selbstverständlich habe ich den Button nicht gebucht – dass Yigg auf meine 49 nicht unbedingt braucht, ist mir klar. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass bei diesem Schlamassel irgendjemand bucht – und Werbung ist schließlich das Kern-Businessmodell der Social News Community. Tja, so wird das nix – gut zu wissen, dass ich mir das Einstellen von News bei Yigg zukünftig sparen kann.

datenschmutz-Button zu vergeben

Weil die datadirt media group Finanzabteilung die Buchungskosten bereits der Ausgaben-Seite zugerechnet hat, suche ich verzweifelt nach einem Ersatz-Werbeplatz, gerne auf Blogs. Also wer bei sich diesen armen, heimatlosen 125er-Button (siehe Titel-Icon) unterbringen möchte, möge mir einen Vorschlag an datenschmutz@gmail.com schicken. (Maximalpreis: EUR 49,- für ein Monat, Zeitraum/Kosten variabel, ich bezahle via PayPal).

Mit einem Blog Geld verdienen? Blöde Idee!

bankierDie überwiegende Mehrheit meiner (virtuellen) Bekannten, die mir eine Frage zum Thema Blogging stellen, wollen wissen, wie man am besten mit einem Weblog Geld verdient. Nun, die Antwort ist bestechend simpel: am besten gar nicht. Nein, wirklich: Blogs sind keine Cash Cows. Ich kann das guten Gewissens sagen, denn ich hab alles Mögliche ausprobiert. Aber das ist mir auch ziemlich egal – natürlich freu ich mich über jeden Leser und Kommentar, aber ich würde hier auch weiterschreiben, wenn kein Mensch mehr meine Artikel liest.

Glauben Sie mir: wirtschaftlich gesehen ist der Betrieb eines Blogs eine ziemlich dämliche Idee, denn das Businessmodell skaliert langfristig so gut wie gar nicht. Irgendwann ist die Traffic-Decke in der Nische erreicht, und beliebig viele Blogs kann man auch nicht betreiben. Schließlich erfordert die dauernde Posterei hohen Zeiteinsatz, doch dem stehen magere Einkünfte entgegen: da und dort mal eine trigami-Rezension, für die Mutigen vielleicht ein paar vermietete Links plus spärliche Klicks auf die PPC-Werbemittel – mit Postings ist der Weg zum Geldspeicher definitiv nicht gepflastert.

Umwegrentabilität dagegen ist zweifellos ein Thema: als Ein-Mann-Unternehmen generiere ich über mein Blog Werbung, Aufmerksamkeit, Medienpräsenz und damit letztendlich auch Leads – und tue genau das, was mir am meisten Spaß macht. Zweifellos mag die Verzahnung von Bloggen und Jobben in meinem Fall besonders eng sein, schließlich berate ich meine Kunden zum Thema Webstrategie. Trotz bin ich überzeugt davon, dass ein Weblog für jedes B2C-Unternehmen einen idealen Kommunikationskanal darstellt – aber ein Blog als monetären Selbstzweck zu betreiben, macht einfach keinen Sinn.

Klar, ich verdiene mittlerweile einen vierstelligen Betrag pro Monat direkt mit datenschmutz und meinen anderen Blogs. In Relation zu der Zeit, die ich dafür aufwende, ist der Stundenlohn im Vergleich zu meinen übrigen Jobs trotzdem bestenfalls lächerlich – als Kellner könnte ich finanziell besser aussteigen, aber Getränke rumzutragen macht mir halt höchstens einen Abend lang Spaß: beim Bloggen verhält sich das aber ganz diametral. Als ich mit datenschmutz begonnen habe war’s ein reines Spaßprojekt, und die Lust am Experiment an der Schnittstelle zwischen Geschreibsel und Technik hat bis dato für mich nix von ihrer Faszination verloren. Als ich vor über 10 Jahren begonnen habe, mich mit SEO zu beschäftigen, geschah dies ebenso aus purem Spieltrieb – ich verschwendete damals keinen Gedanken daran, jemals Geld mit der Positionierung von Webseiten zu verdienen. Als wir in den Neunzigern unsere ersten Web-Communities (medianexus.net) bauten, da dachten wir nicht an Bannerschaltungen, sondern hatten plötzlich ein neues Lieblings-Hobby gefunden. Aufgrund dieser immer wiederkehrenden Erfahrung, dass alle meine erfolgreichen Projekte aus der Beschäftigung mit Dingen, die ich sehr gern tue, entstanden sind, bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass der wahre Wert eines Blogs nicht in Werbeeinnahmen aufzuwiegen ist. :mrgreen:

mjam schmeckt lecker

mjamDie Uhr zeigt zwei volle Zehner, der Kühlschrank ist leer und/oder die Lust aufs Kochen hält sich in engen Grenzen: Essen muss her! Wenn der Gast nicht ins Restaurant kommt, dann kommt eben das Restaurant (oder zumindest dessen Angebot) zum Gast: willkommen in der wundervollen und verwirrenden Welt der Essensbestellung!

Die erfordert seit einigen Monaten keine Kreuz-und-Quer-Suchen durch Google und diverse Branchenbücher mehr, denn mit mjam finden Hungrige eine Full-Service Lösung vor – es handelt sich um den ersten österreichischen One-Stop-Shop für Essenszustellung. Will heißen: man gibt im ersten Schritt die Postleitzahl sowie optional die Straße ein, daraufhin erscheint sofort eine Liste der Restaurants, die zustellen. Bereits in der Übersicht werden die Entfernung sowie eine etwaige Mindestbestellmenge respektive Liefergebühren angezeigt – und der Quality Rank, das Distinktionskriterium von mjam: er ergibt sich nicht aus den Bewertungen der User, sondern einzig und allein aus dem Bestellverhalten. (Das nenn ich mal einen smarten Umgang mit recurring user data :mrgreen:) Also muss sich niemand auf die in der Regel überschwänglichen Selbstbeschreibungen der Lokale verlassen, trotzdem bleibt mjam gegen Viral-Marketing-Aktionen gefeit.

Nach der Wahl des gewünschten Restaurants erscheint sofort die komplette Karte, und hier folgt die nächste Überraschung: die Seite verfügt über einen eigenen Warenkorb, die Bestellung erfolgt “inhouse”. Sobald diese erfolgreich an das jeweilige Restaurant weitergeleitet wurde, folgt eine Bestätigung via E-Mail und SMS. Wer erst mal die Meinungen von Vorkostern einholen will, wirft einen Blick auf die Userkommentare – die ergeben in Kombination mit dem Quality Rank ein recht aufschlussreiches Bild. Paul Böhm vom Metalab, der an der Entwicklung der Seite beteiligt ist, hat mir vor einigen Monaten von mjam erzählt – gestern war die Bestell-Hotline meiner Lieblings-Pizzeria permanent besetzt, also wurde es Zeit für den ersten Praxistest. Im Fach Benutzerfreundlichkeit bekommt die Seite von mir eine 1+ (Usability-Guru Helge, der vor einigen Monaten über mjam geschrieben hat, war auch reche angetan), in kürzester Zeit ist die Bestellung zusammengeklickt und abgeschickt. Die SMS-Bestätigung erfolgte rasch, Spinat- und Madras-Huhn kamen tatsächlich in sehr erfreulichem Zustand an – vor der relativ langen Zustelldauer des indischen Restaurants hatten mich bereits die Userkommentare vorgewarnt, aber das Warten war’s wert.

Business-technisch ist eine derartiges Modell natürlich auch hochinteressant: ich würde meinen Allerwertesten drauf verwetten, dass die Betreiber mittelfristig ein sicheres Affiliate-Einkommen erzielen können – man muss also nicht mal den User mit Werbung belästigen. Wenn das kein win-win-Szenario ist!

Fazit: Eine echte Marktlücke und längst überfällig – eine geniale Idee, die sicherlich viele “Stammkunden” finden wird, bereits einige Monate nach dem Start scheint sich das Quality-Rank System sehr gut bewährt zu haben, und die User der Seite zeigen sich in den Kommentar-Threads durchwegs auskunftsfreudig.

Spam-Landing-Pages: Quod Google licet…

Google AdSense Landing PagesGoogle ist gerade kräftig dabei, neue AdSense-Einnahmequellen zu erschließen und zeigt sich dabei in punkto “Beachtung der eigenen Hausordnung” wenig zimperlich. Nach dem erfreulichen Ergebnis des dritten Quartals will man anscheinend auch in Krisenzeiten den Gewinn weiter steigen lassen. Wenig überraschend ist daher, dass seit kurzem AdSense Anzeigen auch in Flash Games geschalten werden können, Google Maps plötzlich bezahlte Links am unteren Ende aufweisen und Youtube sich neuerdings mit “Click-to-buy” Buttons schmückt. Eine wirklich Überraschung sind allerdings die neuen Syndication Pages.

Der Hinweis auf die geänderte Policy erschient zuerst bei TechCrunch. Dort wurde fälschlicherweise auch die seit über einem Jahr im Einsatzbefindliche “Ad-Suche” als Novität beschrieben – ich kann mir ja beim besten Willen nicht vorstellen, dass außer professionellen Marktbeobachtern und Usern, welche die Anzeigen-Suchbox mit einer normalen Search-Funktion verwechseln, irgend jemand gezielt nach Anzeigen sucht – aber die Wege des Surfers sind unergründlich. Eine wirkliche “Innovation” sind allerdings die Syndication Pages:

Diese Seiten werden Google selbst betrieben und sehen in etwa so aus. Man erreicht sie über spezielle GoogleAds (anscheinend befindet sich das “Feature” noch im Teststadium), die aus einzelnen Keywords bestehen, und diese sind mit solchen Seiten verlinkt. Im Zusammenhang mit der syndizierten Seitensuche bietet Google derartige Werbe-Seiten schon länger an, der Einsatz im Kontext von Ads ist vor allem deshalb skurril, weil der ganz klar Googles eigenen Richtlinien widerspricht. Und diese Regeln hat Google geschaffen, um die Qualität des Produkts sicher zu stellen und Landing-Page Spammern den Saft abzudrehen.

Denn bei AdSense bezahlt der Advertiser für den Klick auf seine Anzeige keinen fixen Preis, sondern die Kosten richten sich nach mehreren Faktoren – einer davon ist die Qualität der “Landing Page”, also der Seite, auf welche die betreffende Anzeige verlinkt. Die Rankingfaktoren erklärt Google in den Guidelines, spannend wird’s bei folgendem Punkt:

Provide substantial information. If your ad does link to a page consisting mostly of ads or general search results (such as a directory or catalog page), provide additional, unique content.

Naja, was soll man dazu sagen? Wer die Regeln gemacht hat, kann sie offensichtlich auch ungestraft brechen. Faszinierend jedenfalls, wie Google eine ehemalige Guerilla-Taktik zum Unterlaufen des allmächtigen Algorithmus ganz einfach ins eigene Produktportfolio integriert. Die Kombination aus Quasi-Online-Such-Monopolist und Nahezu-Anzeigen-Monopolist kommt der alten alchemistischen Formel, mit der man Dreck in Gold verwandelt, wohl näher als jedes andere Businessmodell.

Neue Branchenbuch AG: Es wird sozialer

Neue Branchenbuch AGVor kurzem habe ich österreichische Branchenbücher auf ihre SEO-Tauglichkeit hin analysiert. Während sich die Platzhirsche Yellowmap und Herold hierzulande den Markt weitgehende aufteilen, kommt in Deutschland Bewegung in die “Szene”: die Neue Branchenbuch AG kombiniert als erster Anbieter eine Bewertungsplattform mit dem klassischen Branchenbuch-Angebot.

Im Social Web wird bekanntlich alles und jedes bewertet. Die “Wisdom of the Crowd” also auch bei der Bewertung von Firmen genau dort einzusetzen, wo man normalerweise nach ihnen Sucht, liegt extrem nahe. Eigentlich wundert es mich, dass noch kein Anbieter generell die Social Network Metapher verwendet bzw. als Firmenbuch zweckentfremdet: sozusagen ein Xing für Unternehmen statt für Personen. Denn dem klassischen Businessmodell der Branchenbuch-Branche (Wort-der-Woche-Anwärter, kurz: BMdBbB) täte dies keine Abbruch: denn es wird ja nicht der Installateur- oder Fotographen-suchende User zur Kasse geben, sondern die Firma, die sich präsentieren möchte – also kein Problem, eine Premium-Modell (aber bitte durchdachter als bei Xing) einzuziehen. Der Pressetext hebt zunächst die klassischen Qualitäten hervor:

Auf den ersten Blick scheint der Mitbewerber mit einem Basispreis von netto 49,99 Euro im Monat im Vergleich zu 89,00 Euro netto bei der Neuen Branchenbuch AG günstiger. Allerdings bietet das Frankfurter Unternehmen deutlich mehr Service wie die doppelte Anzahl für Schlagwörter und Branchenzuordnung, die eben entscheidend für das Finden eines Unternehmens sind.

Spannender wird’s allerdings weiter unten – denn die Betreiber haben zwei Prinzipien des Social Networking offensichtlich internalisiert. Wer die Crowd sourced, muss auch für Motivation sorgen:

Wer seine Daten im Onlinebranchenbuch immer aktuell hält, seien es die Adress- und/oder aber die Produktdaten, erscheint in den Listings bei Suchanfragen weiter oben, als jene die dies eben nicht machen.

Zweites spannendes Alleinstellungsmerkmal ist ein umfangreiches Programm gegen “Bewertungsbetrug”. Hier wolle man mit Experten zusammenarbeiten und “stichprobenartig” prüfen, so die Neue Branchenbuch AG. In der Tat ein untriviales Problem: denn das bekannte Social-News Phänomen (raufvoten mit mehreren Konten, motivieren des Bekanntenkreises…) nimmt im Kontext eines Branchenbuchs natürlich sofort wettbewerbsrechtliche Dimensionen an: wer es schafft, selbst besser bewertet zu sein als die direkte Konkurrenz, wird dies umso stärker an den Umsatzzahlen merken, umso mehr potentielle Kunden ihre Unternehmen im Netz suchen, und diese Quote steigt bekanntlich ständig. Rechtsexperten und eine Redaktion, die auf der Hut ist wie der sprichwörtliche Luchs, sollen systematische Verzerrungen vermeiden. Leicht stelle ich mir diese Aufgabe nicht vor: denn je populärer das Branchenbuch wird, desto größer die “Blackhat Energie”. Österreichische Unternehmen dürfen übrigens – je nach Präferenz – aufatmen oder enttäuscht sein, denn die Neue Branchenbuch AG bietet ihr Service derzeit nur für Deutschland an.

Redesign und neues Dashboard bei Naymz.com

Redesign bei NaymzVor kurzem wurde das amerikanische Business-Network Naymz einem gelungenen Relaunch unterzogen: grelles Orange wich einem dezenten dunkelblau-grau-orangen Farbschema (woran erinnert mich das bloß?), für mehr Übersicht sorgt die Neugestaltung des Dashboards. Vor einigen Monaten habe ich ein Interview mit einem der Naymz-Gründer veröffentlicht, in dem Tom Drugan die Spezialitäten von Naymz erklärt. Besonders gut gefällt mir die Idee der “Reputation Networks”: alle Grundfeatures stehen in der kostenlosen Version bereit, gegen Aufpreis gibt’s etliche Special wie genaues Besuchertracking und dergleichen.

Besonders aktive oder gut vernetzte User erhalten ab einem “Repscore” von 10 einige Premium-Features gratis, die Kalkulation dieses Werts erfolgt dynamisch und skaliert anhand der Aktivität des gesamten Netzwerks. Primärer Faktor sind die “Assesments”, die man von anderen erhält: wie es sich für eine Business-Plattform gehört, stellt Naymz nicht die Profilsammelei in den Vordergrund, sondern lässt User ihre eigenen “Reputation Networks” aufbauen, die auf bereits erfolgter Zusammenarbeit und sogenannten “Endorsements” beruhen.

Das neue Naymz Dashboard
Das neue Naymz-Dashboard

Die Informationen über Erfahrungen aus vergangener Zusammenarbeit sind natürlich weit aussagekräftiger als ein bloßer Lebenslauf. Den Slogan “Next level networking” setzt Naymz hervorragend um, allerdings muss ich schon wieder das gleiche Klagelied anstimmen: die coolen Services sind immer vollkommen us-dominiert und daher ist Naymz (noch) keine Alternative zum Xing-Telefonbuch. Wer allerdings das Geschnake der Globalisierung ernst nimmt und ein Business-Network sucht, das elegant bedienbar, innovativ und international ausgerichtet ist, sollte sich auf jeden Fall ein Profil bei Naymz anlegen – das sieht in der öffentlichen Ansicht so aus: Ritchie Pettauer’s Naymz profile.

Blogparade: Was mit einer Million Euro machen?

Blogparade: 1 Million EuroBlogistan ist groß und doch ein Dorf. Gabaretha, die Autorin von Mach das Beste aus deinem Leben! habe ich über die BC-Gruppen Weblogs in German language kennen gelernt (neue Mitglieder immer willkommen!) und im dortigen Diskussionsforum auch von ihrer aktuellen Blogparade erfahren. Was würdest Du in Deinem Leben verändern oder verbessern, wenn Du jetzt (sofort) über eine Million (1.000.000) EURO frei verfügen und entscheiden könntest? lautet die geradezu klassische Frage. Und unter den bisherigen Teilnehmern bin ich dann auf Meister Yoda gestoßen, der eine sehr altruistische Antwort gibt:

Das Nächstliegende wäre nun, die fiktive Million Euro zu nehmen und sehen, was ich damit alles anstellen könnte. Stattdessen würde ich wohl das Geld verschenken, um so zu bleiben, wie ich bin: einfach gestrickt und meist freigiebig und mehr oder weniger wohlgesinnt. Ich müsste aber darauf achten, dass ich das Geld sofort verschenke, bevor mein Ego überhaupt bemerkt, was da abgeht. Ansonsten würde ich es nicht mehr hergeben, wegen der Gier.

Gaba stellt in ihrem ursprünglichen Beitrag einige weitere Fragen rund ums Thema Geld, etwa ob es glücklich mache. Ich denke, man muss dieses Thema eher von der umgekehrten Seite her betrachten: zu wenig Geld zu haben, macht unglücklich. Was dieses “Zuwenig” sein mag, liegt nur bis zu einem gewissen Grad im Auge des Betrachters: Grundbedürfnisse, soziale (medizinische) Versorgung, Wohnung und dergleichen sind ein Luxus, der nach wie vor nur einem vergleichsweise geringen Teil der Weltbevölkerung in vollem Ausmaß zugute kommt. Ich selbst bin in der glücklichen Situation, genug Geld zu verdienen, um mir alles leisten zu können, was ich haben möchte. Außerdem bin ich mit meinem Consulting/Blogging-Business in der ausgesprochen glücklichen Situation, dass ich zwar viel arbeite, aber genau das tue, was mir Spaß macht: Glauben Sie mir, so macht sich niemals abendliche Erschöpfung breit :mrgreen:

Die Frage an sich mag für mich ein wenig fiktiver sein als für manche andere, immerhin bin ich ja schon mal unerwartet zu einer größeren Geldmenge gekommen. Mit den 75k Euro, die ich vor einigen Jahren bei der österreichischen Ausgabe der Millionenshow gewann, hab ich unter anderem eine Menge Bücher und mein Motorrad gekauft, außerdem gab das Geld speziell in den ersten Jahren der Selbständigkeit eine gewisse Sicherheit, die manche Entscheidung erleichterte: auch wenn es de facto niemals nötig war, um mich “über Wasser zu halten”. Aber nun zurück zur Hauptfrage:

Was würde ich mit einer Million Euros machen?

Meine Freundin bekäme einen fabriksneuen Alfa mit zu vielen PS, für mich gäb’s wohl eine VMAX 2009 und für uns beide ein Häuschen in der Nähe von Pula. Natürlich müsste eine phatte Party veranstaltet werden und ich würd ausgiebig Geschenke für meine Freunde shoppen. Einen Teil des Geldes ginge an nationale und internationale Hilfsorganisationen, und den Rest sollte ich möglicherweise bei der derzeitigen lieber in Aktien von mit gesunkenen Produktionsbetrieben investieren, anstatt eine Latte von staatlich gedeckten Sparkonten zu eröffnen, aber das müsste ich mir noch genauer überlegen.

Neue PC-Hardware steht nicht auf der Liste, immerhin hab ich mir grad eine Luxus-Workstation zugelegt. Einer gravierenden Aufrüstung unterzogen würde dagegen meine digitales Foto- (Leica!) und Videoequipment. Es dürfen aber keine zu großen Geräte sein, denn die komplette Ausrüstung muss inklusive Laptop in einen gepolsterten Rucksack passen. Mit dem und einem Trolley würde ich mich dann nämlich ein Jahr lang auf die Reise rund um die Welt machen, mir alle möglichen Konferenzen, Barcamps und New Media Venues anschauen, filmen und auf datenschmutz bzw. datadirt drüber berichten. Tja… und nach dem einen Jahr würd ich dann wieder genau dort weitermachen, wo ich dank der Million und der Weltreise aufgehört hätte, um einen ganzen Schatz an finanziell nicht auf zu wägenden Erfahrungen reicher.

Neun Blogger haben bislang insgesamt mit geträumt, auf weitere Beiträge (vor allem von den SEO-Bloggern, die sich über ein zweistelliges “Blogeinkommen” einen Hax’n ausfreuen) wär ich neugierig. Die bisherigen Paradenteilnehmer: Feel better Blog, Bluetime, Pontifex Maximus, Der Kolumnenknaller, Chakra Balance Blog, Kopfchaos, Yoda’s Blog, Zentao und jréne.

Naughty America launcht Rotlicht-iTunes

Naughty America launcht Porno iTunesWie Jason Kincaid auf TechCrunch gestern berichtete, arbeitet das amerikanische Label Naughty America mit Hochdruck an einem auf Adobe Air basierenden Shop, der sehr stark an Apples beliebten Musikstore erinnert. Allerdings werden hier keine verschlungenen Noten, sondern verschlungene Körper runtergeladen, und zwar für $1.99 pro Szene.

Praktischerweise kommen die Schweinereien für unterwegs gleich in iPod und iPhone kompatiblen Formaten daher und verzichten auf Kopierschutz. Eine Registrierung ist angeblich nicht erforderlich, wie das mit allfälligen Jugendschutzbestimmungen im Einklang steht, ist eine andere Frage. Der TechCrunch-Editor zeigt sich auf den ersten Blick durchaus angetan vom Angebot:

Naughty America Express doesn’t have the recurring fees of a subscription, and while it may cost a couple of dollars, it isn’t riddled with the advertisements and popups that plague free sites (or so I’m told).

Die diversen freizügigen Inhalte werden von verschiedenen “Special Interest” Communities, die Naughty America im Web betreibt, aggregiert. Diese Seiten tragen übrigens so großartige Namen wie “Naughty Bookworms” (Bildung kommt also nicht zu kurz) oder “Diary of a Nanny” (Die ganze Wahrheit über nicht allein erziehende Mütter) – da kommen sofort Erinnerungen an die legendäre Szene aus “Clerks” auf, bei der Randall am Telefon eine lange Liste von Triple-X-Filmtiteln aufzählt. Abogebühren entstehen keine, das Business Modell beruht einzig und allein auf “Pay-per-Download”: in dieser Form tatsächlich eine Novität im Online-Rotlichtviertel (habe ich von Leuten gehört, die sich auskennen).