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Foto/Video-Equipment: Upgrade auf EOS 7D

Canon-Fan bin ich seit meiner ersten analogen EOS 50 – und deren digitaler Nachfolger EOS 40D hat mir im vergangenen Jahr gute Dienste geleistet, und ich wäre mit dem Body sicher noch länger glücklich gewesen, hätte Canon mir mit der kürzlich neu präsentierten 7D nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht: die HD-Video Funktion, die wesentlich schnellere Bildfrequenz und die höhere Blendenspreizung bis Belichtungsreihen ließen mir quasi keine andere Wahl. Allerdings verlangt ein APS-C Chip mit 18MP nach einem Objektiv mit entsprechend hoher Auflösung, und deshalb habe ich mir das EF 24-70mm L mit durchgehender 2.8er-Blende mitbestellt. Und weil diese Kombi ganz schön was auf die Waage bringt, musste auch noch ein tragfähiges Stativ, aber recht leichtes Stativ her, ein Velbon Sherpa.

Gestern sind alle Pakete eingetroffen – und vom ersten Eindruck war ich wirklich überrascht. 40D und 7D haben quasi die identische Gehäuseform, beide Bodies sind aus einer Magnesiumlegierung angefertigt. Bei der 7D sind einige neue Buttons dazugekommen und der Einschaltknopf befindet sich an einer anderen Stelle. Ansonsten gibt’s auf den ersten Blick wenig Unterschiede, abgesehen vom höheren Gewicht der 7er. Nach dem Einschalten änderte sich das allerdings rasch: Sowohl optischer Sucher als auch LCD-Monitor des neuen Modells liefern wesentlich bessere Bilder, ebenfalls sehr überrascht hat mich das völlig anders klingende Auslösegeräusch.

Wie das Vorgängermodell liegt auch die 7er ausgesprochen gut in der Hand, der Autofokus funktioniert um einiges schneller und das komplette Menu hat Canon grundlegend überarbeitet. Neben dem Reportage-Flaggschiff EOS 1 und der Vollformat-Kamera EOS 5 positioniert Canon das Siebener-Modell als neues Allround-Flaggschiff im APS-C Sektor. Für meine Anwendungsgebiete bringt Vollformat relativ wenig, die hohe Serienbildgeschwindigkeit ist mir wichtiger. Als Flash-Fan bin ich außerdem äußerst angetan von der eingebauten Blitzsteuerung: erstmals muss kein EZ 580 auf der Kamera stecken, um mehrere Slave-Blitze synchronisiert zu zünden. Recht aufschlussreich ist dieser Testbericht vom Blende 8 Podcast:

Am Wochenende habe ich Zeit, ein paar Testaufnahmen zu machen, und auf die Videofunktion bin ich auch schon sehr gespannt: den nächsten Video-Podcast werde ich jedenfalls mit der 7D aufzeichnen. Den ersten Härtetest muss das neue Equipment dann am Videocamp Vienna und den zweiten eine Woche später beim Barcamp Klagenfurt. Die Ergebnisse werden natürlich hier gepostet – über Tipps und Tricks von 7D Auskennern freu ich mich natürlich.

Blogistan Panoptikum KW50 2009

Für den Web-Strategen Jeremy Oywang aus Silicon Valley ist das Realtime-Web nicht schnell genug: deshalb sprach er auf der LeWeb Konferenz über das “Intention-based web”, quasi zukunftsgerichtete Services: denn solche Einrichtungen wie der öffentliche Facebook-Kalender erlauben es, eine potentielle Zukunft mit kontextuellen, personalisierten mixed-reality Erfahrungen anzureichern. Ein Punschfabrikant könnte beispielsweise bereits wissen, dass morgen beim Youtube-Kinoabend im MuQa durstige Blogger anwesend sein werden und spontan für Catering sorgen – schöne neue Social Media Welt! Doch trotz dieser großartigen Zukunftsaussichten präsentieren Linzerschnitte und datenschmutz wie gewohnt den Rückblick auf die letzten sieben Tage. Keine Kristallkugeln, stattdessen neueste Geschichten aus neuester Geschichte!

Hype der Woche: Formspring

Judith aka Linzerschnitte Der 2-wöchige Hype um Foursquare wird nun offensichtlich von Formspring.me abgelöst. Formspring.me ist ein Ableger vom Formularservice Formsping.com und erlaubt anonymen oder benamsten Usern, anderen Usern auf deren Profil beliebige Fragen zu stellen oder Usern zu folgen. Einbindung der Question Boxes auf Blogs, via Twitter, Facebook und TumblR sind möglich (siehe blog.datenschmutz.net) und erinnern etwas an die Yahoo Answers Application für Facebook. Customizen der eigenen Profilseite ist übrigens auch möglich.

Alles Weitere sollen die Herrschaften selbst erklären:

YouTube Preview Image

Was die mögliche Anonymität der Fragesteller anbelangt, bin ich persönlich noch unschlüssig, was ich davon halten soll. Ich denke, es war Robert Scobble, der meinte: “Wer in mein Wohnzimmer kommt, der kann sich auch vorstellen”…

Übrigens hier die Formspring-Profile der Panoptikum-Autoren für Fragen jeder Art:
www.formspring.me/linzerschnitte
www.formspring.me/datadirt

Big Brother Stipendium für 2010, net.artist Residencies im Edith-Russ-Haus

ritchie aka datadirt Nein, hier soll keinem jungen Menschen geholfen werden, ein kuscheliges Plätzchen im Reality-TV zu ergattern, vielmehr will die UBIT Projekte und Aktivitäten unterstützen, welche “die Zivilgesellschaft im Bereich Datenschutz und Menschenrechte” stärken und vergibt zu diesem Behufe ein Stipendium von 12 x €400 für das Jahr 2010:

Das Stipendium wird von der UBIT Wien (Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie in der Wirtschaftskammer Wien) in Form einer monatlichen Überweisung von Eur 400,- für die Dauer von 12 Monaten (in Summe EUR 4.800,-) auf das Konto des/der StipendiatIn ausbezahlt.

Bedingung sind ein Hauptwohnsitz in Wien und ein Geburtsdatum nach dem 1. Jänner 1975 sowie nachweisbare aktive Tätigkeit für Bürgerreche und/oder Datenschutz, die Bewerbung erfolgt formlos (max. 2 Seiten) bis zum 10. Jänner 2010 unter Angabe aller projektrelevanten Daten an stipendium@bigbrotherawards.at. Folgende Aktivitäten kommen Frage:

* aufbereiten von Grundlagen und Basiswissen
* verfassen von Positionspapieren und Stellungnahmen
* gestalten von Illustrationen und Graphiken
* vorbereiten von Aktionen und Veranstaltungen
* organisieren öffentlichkeitswirksamer Kampagnen
* entwickeln relevanter Applikationen und Tools

Der Stipendiat wird von der Jury bestimmt, nach Abschluss des Projekts präsentiert der glückliche Gewinner die Ergebnisse im Rahmen eines q/Talks.

Und weil wir gerade beim Thema Stipendien sind: für net.artists, die schon immer mal einige Wochen in Niedersachsen verbringen wollten, ist der richtige Augenblick gekommen, denn:

Die Stiftung Niedersachsen vergibt für die Monate Juli bis Dezember 2010 drei sechsmonatige Arbeitsstipendien am Edith-Ruß-Haus für Medienkunst Oldenburg. Die Ausschreibung richtet sich an internationale Künstler, die sich mit Neuen Medien beschäftigen. Es gibt keine Altersbeschränkung. Die Stipendien sind jeweils mit 10.000 Euro dotiert. Eine internationale Jury sichtet die Projektvorschläge und entscheidet über die Stipendienvergabe. Für die Stipendiaten besteht eine zeitweilige Residenzpflicht. Sie werden in die Aktivitäten des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst integriert.

Die Bewerbung erfolgt online – eingereicht werden kann bis zum 28. Februar.

Realtime-Websearch als neues Google-Feature

Judith aka Linzerschnitte Seit es die Twittersearch und Twitter-Trending Topics gibt, wissen wir die Realtimesearch und Realtime-Relevanz-Rankings mehr und mehr zu schätzen. Nun hat Google angekündigt, neben der personalisierten Suche auch die Realtime-Search auszuweiten. Als Quelle für die Suche sollen Dokumente aus Facebook, Twitter, Myspace und anderen Quellen herhalten:

The importance of relevance has gone through the roof as the amount of information out there is growing. Relevance has become the critical factor.

Heißt es von Seiten der Google Entwickler. Und aussehen wird dies in etwa so:

Google Realtime Rankings

Wenn das nun mal keiner Adelung von Social News und den maßgeblichen Social Media Plattformen durch Google gleichkommt….

Maria Fekter, schick doch Werner weg!

ritchie aka datadirt Für einiges Aufsehen sorgte Ende November ein öffentlich Brief an die österreichische Innenministerin, in dem Werner “Werquer” Reiter die in letzter Zeit immer häufiger als Schotter-Mitzi titulierte Hardlinerin bittet, doch ihn anstelle von Arigona Zogaj abzuschieben:

Jetzt hätte ich aber eine Idee, die zwar meine berufliche Karriere beendet, aber vielleicht die von Arigona Zogaj absichert. Das Mädchen ist jung, mittlerweile gut gebildet und sie hat Potenzial, hier in Österreich ordentlich Steuern zu zahlen. Die zahle ich zwar auch, aber ich glaube, dass ich auch im Kosovo irgendwie durchkommen würde. – Jedenfalls aber besser als Arigona Zogaj. Sehr geehrte Frau Bundesminister, was halten Sie von dem Vorschlag? Sie schieben mich in den Kosovo ab und Arigona bleibt hier.

Die “Einwanderungsquote” gliche sich jedenfalls aus – und Österreich müsste der Welt an diesem für das Land hochpeinlichen Beispiel nicht demonstrieren, dass hierzulande wohl “Sippenhaftung” gilt – denn auf welche Art auch immer Arigonas Eltern ins Land gelangt sind – dass die damals minderjährige nun brutal aus ihrem Lebensumfeld gerissen werden muss, ist einfach unfassbar:

Was halten Sie von dem Deal? Die Einwandererquote bleibt unbeeinflusst. Recht bleibt Recht und irgendwie ist es viel menschlicher, wenn ein glatzköpfiger Mann um die 40 statt einem jungen sympathischen Mädchen in den Kosovo gehen muss.

Gutes tun für die… Electronic Frontier Foundation

ritchie aka datadirt Weihnachtsgeschenke, Geeks, Gutes tun – wie kriegt man all das bloß unter einen Hut? Unsere Superhero-Freunde von der EFF (Eletronic Frontier Foundation) eilen mit neuen, unentbehrlichen Goodies zu Hilfe:

effsuperheroes

Die EFF setzt sich für digitale Bürgerrechte ein – ihr gehören zahlreiche Internet-Legenden wie Cattlefarmer John Perry Barlow, John Gilmore, Ed Felten und viele andere an. Gute Sache als Gegengewicht zur “Corporate Dictatorship” im Bereich Urheberrecht und finanziert durch Spenden:

EFF is a donor-funded nonprofit and depends on your support to continue successfully defending your digital rights. Litigation is particularly expensive; because two-thirds of our budget comes from individual donors, every contribution is critical to helping EFF fight — and win — more cases.

Und genau darum geht’s – mit einer Unterstützer-Mitgliedschaft ab $25 (entweder für sich selbst oder als Geschenk) gibt’s dieses hübsche T-Shirt, das ein für allemal klarstellt: der Träger ist einer von den guten Piraten!

Kommt das providerlose Google-Phone?

ritchie aka datadirt Die Gerüchte, dass Google ein Android-Phone im Eigenvertrieb auf den Markt bringen möchte, verdichten sich. Das “Nexus One” wird von HTC gebaut und ohne SIM-Lock angeboten. Mindestens so spannend wie die Nachricht selbst (gähn!) ist die Berichterstattung im Spiegel Online – die ist nämlich bestens als Lehrstück in Sachen Primär-Content und Zirkularität geeignet:

Das “Wall Street Journal” und Blogs berichten, der Suchmaschinenkonzern werde ein eigenes Telefon auf den Markt bringen.

Spon erwähnt der Vollständigkeit halber aber auch gleich, dass Google selber bloggte und Twitter darüber berichteten, dass andere Blogger über Googles Blogbeitrag getwittert haben oder so. Auch die FuZo “requotet” fleissig, und dabei heißt’s doch sonst immer, Blogger täten voneinander abschreiben… Da lesen wir doch lieber gleich TechCrunch und erfahren dort:

It will be called the Google Phone (update the official name is “Nexus One”) and will launch in early January, 2010. It won’t be sold by any one carrier, but instead will be an unlocked GSM phone.

Laufen wird das Werkl unter Android 2.1 (vielleicht kann man bis dahin ja auch schon IMAP E-Mails zwischen verschiedenen Ordner verschieben), wie jedes neu angekündigte, noch nicht verfügbare Gerät ist das Gadget voll super, unvorstellbar schnell und bringt Wunderfeatures aus der Zukunft wie Text-to-Speech für E-Mails. Wir warten mit unserem Urteil auf den Reality Check.

George Lucas und die Canon-SLR-Kameras

ritchie aka datadirt Was als “Neben-Feature” begann, verändert gerade nachhaltig die Welt der Filmproduktion: die Canon EOS5d sowie die brandneu EOS 7D erlauben jedem Laien, bestechende HD-Filme zu drehen. Die Qualität ist dank der Optiken besser als die vieler vergleichbarer professioneller Kameras – und zwar so gut, dass mittlerweile sogar Kapazunder wie George Lucas sich für die Feinheiten der SLR-Filmerei interessieren. Der Star Wars Regisseur lud kürzlich David Bloom auf seine Ranch ein, um sich in die Feinheiten der Canon-Modelle einführen zu lassen:

Head of post production Mike Blanchard phoned me up 3 weeks later to see if I could come over and consult about the potential of using video DSLRs for their productions. [...] Of course I phoned Mike back said yes please! 5 days staying at Skywalker Ranch as their guest and showing them how to get the best out of the Canon 5DmkII and the Canon 7D. They also wanted to be shown how to use the EX3, Letus Ultimate and Nanoflash.

Spannend für alle Hobby-Filmer – interessant finde ich vor allem die Zacuto-Zusätze: Viewfinder und dem Schulterstativ scheinen recht komfortables Arbeiten auch bei längeren Sessions zu erlauben.

18x Chrome erweitern

ritchie aka datadirt Firefox ist nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Extensions so populär – langsam gibt’s auch die ersten Erweiterungen für Chrome, darunter ein Passwort-Synchronisierungs-Service analog zum beliebten XMarks für FF. Lifehacker hat 18 Extensions gelistet, die den Download angeblich wert sind – und anders als beim Füchslein soll durch Erweiterungen die Performance angeblich kaum einbrechen:

Actually, rating these extensions by “worth the slowdown,” as is often the case with Firefox, doesn’t seem applicable here. Chrome renders pages just as snappily on a Linux install with eight extensions loaded, and the memory use seems not all that different. Your mileage may certainly vary.

Video der Woche

Achtung, höchst meditatives Multimedia-Produkt: diese Kollaboration zwischen finnisch-japanische Kollaboration zwischen Jopsu Ramu und Shun Kawakami nennt sich “Urban Abstract” und besteht aus 40 fünfsekündigen Clips, die eine augenschmeichlerische Melange ergeben – ‘njoy:

Lesetipps der Woche

  • Das Auto als Fetisch: Harald Welzer war lange genug anonym, jetzt ist er offiziell Autoholiker: denn Klimawandelpanik, Grünbewusstsein und Ottomotoren lassen sich wunderbar vereinbaren: es ist sogar okay, fünf Autos zu besitzen, solange man nicht damit fährt.
  • Frankreich, die Politik und Social Media. In Frankreich geht man mit Wählern/Usern seitens der Politik ein bisschen anders um. Ein bisschen rauer nämlich. Da wurden die launige Poster im derstandard.at wohl in Grund und Boden geklagt werden. Möglicherweise beginnt sich das aber langsam zu ändern. (Artikel empfohlen von @karli
  • )

  • SEO wird nutzlos. Wiedermal. Tatsächlich? Denn Totgesagte leben bekanntlich länger. Wer sich über die naiven Hoffnungen der SEO-Gegner amüsieren möchte, die auf einem lustigen kleinen Google Video beruhen – bitte hier entlang.
  • Hannes Treichl erklärt diese Woche, warum Bloggen nicht mehr für jeden Hotelier eine Option ist….
  • WordPress.com verzahnt sich enger mit Twitter: Ab sofort kann man auch via Twitter Updates posten.

Und das war’s auch schon wieder für diese Woche – mal sehen, ob das formspring-Ding in sieben Tagen immer noch heiß ist oder vom nächsten 5-Minutes-of-Fame Twitter-Klon abgelöst wird. Wir wünschen in jedem Fall einen entspannten Restsonntag, danke für Ihre Aufmerksamkeit und lesen uns morgen im Social Web.

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Blogistan Panoptikum KW30 2009

Willkommen beim Wochenrückblick von Linzerschnitte und datadirt. Keine Rede von Sommerloch: die Österreich-Werbung schickt Axel quer durchs die Alpen, Kulturkritiker schreien nach Dissidenten und Raver heiraten anders – das und noch vieles mehr im aktuellen Panoptikum.

Dissidenten nutzen Twitter nicht

ritchie aka datadirt Nicht jeder Kulturbeobachter fällt in den begeisterten Chor der New Media Evangelisten ein – in der Tat liegt das Heil der Menschheit ohne Zweifel nicht in 140-Zeichen Messages verborgen, dafür verschärfe Social Media kapitalistische Dichotomien:

Die Massen bekommen Macht, aber Konzerne werden noch viel mächtiger: Für den Kulturkritiker und Computerprogrammierer David Golumbia stecken hinter den Neuen Medien die alten Kräfte.

Dieses Zitat stammt aus einem aktuellen Gespräch, das Johannes Boie für die Süddeutsche mit David Golumbia führte. Der versucht den Twitter-Hype mit gesundem Realismus entgegen zu treten:

Das ist sehr westlich und kapitalistisch gedacht, wenn man behauptet, dass Twitter eine grundlegende Rolle bei den Protesten gespielt habe. Wenn man die gesamte Kommunikation betrachtet, die zu den Protesten in Iran beigetragen hat, tendiert Twitters Beitrag eher gegen null.

Siehe dazu auch den Begriff “Slacktivism” im folgenden Beitrag – einen Gleichgesinnten findet Golumbia übrigens im österreichischen Internet-Rechtler Mayer-Schönberger, der kürzlich der Tageszeitung derStandard Rede und Antwort stand und mehr Dissidententum forderte:

Der Internetrecht-Experte Viktor Mayer-Schönberger glaubt, dass “Übervernetzung” durch Facebook & Co zu einem Meinungseinheitsbrei führt. Mayer-Schönberger fordert mehr Freiräume.

Die Argumentation im recht kurzen Text ist einigermaßen skurril – von den Nachteilen des Peer-Review Systems auf die schädigende Wirkung von Facebook-Updates zu schließen, scheint zumindest mir dann doch etwas weit hergeholt:

Wir drohen in vielen Bereich übervernetzt zu werden, uns fehlen die Freiräume, völlig Neues zu denken und anzugehen. Anstatt tausenden anderen auf Facebook mitzuteilen, was wir gerade machen, sollten wir wieder mehr auf unsere individuelle Kreativität setzen.

No-Bullshit Bingo Update

Judith aka Linzerschnitte Nochmal SZ: Neue Schlagworte braucht das Land! Feuilletonist Adrian Kreye hat den TED Kick-Off besucht und einige neue Schlagworte aufgeschnappt, die man sich wird merken müssen:

Slacktivism – sich für eine Sache mit ein paar Klicks online zu engagieren. Bestes Beispiel sei die “Save the Children of Africa”-Aktionsgruppe auf Facebook. Eine Million Mitglieder, die bisher rund fünftausend Dollar Spenden aufbrachten.

Spinternet – wenn Regierungen und Regimes die Beschleunigungskraft des Internets nutzen, um Nachrichten und Gerüchte so zu beeinflussen, dass sie die offizielle Linie unterstützen.

Singularity – der Zeitpunkt, an dem künstliche Intelligenz dem menschlichen Denken überlegen ist. Soll angeblich schon 2020 sein. Ray Kurzweil hat sich da ziemlich rein gearbeitet. Tauchte im Partygespräch zwischen der Hirnforscherin und dem Mozilla-Linguisten als Treppenwitz auf.

Bei dieser Gelegenheit sei gleich nochmal an die geplante TEDx Vienna erinnert – ob im Herbst wirklich was draus wird, scheint aber fragwürdig: zumindest das zugehörige Twitter-Profil @TEDXVienna ist seit 16. Juni im Sommerurlaub.

Facebook-News: Bill Gates “überfreundet, Frauen stellen sich dar

Judith aka Linzerschnitte ritchie aka datadirt Bill Gates hat sich von Facebook zurück gezogen – die offenen Freundschaftsanfragen wuchsen dem Microsoft-Gründer über den Kopf bzw. das Namensgedächtnis:

Bill Gates confessed at an event in New Delhi today that he gave up on Facebook because he couldn’t keep up with the friend requests. Gates remarked that there were “10,000 people wanting to be my friends” after he tried out the service, and it was time consuming to decide if he “knew this person, did I not know this person”.

Siehe dazu auch dieses großartige Mock-Up von Mashable. Da wird Bill in Zukunft eines verpassen: denn laut AddtoAny hat ist Facebook mittlerweile populärer beim Content-Sharing als die gute alte E-Mail:

According to AddToAny, Facebook now dominates sharing, with 24 percent of shares from the widget consisting of users posting items to the social network. That handily beats out email (11.1 percent) and Twitter (Twitter) (10.8 percent), making the world’s most popular social network also the most popular service for sharing content.

Dieses Chart von Business Insider zeigt Facebooks Vorsprung sehr deutlich.

Eine aktuelle Studie, auf die ich beim Wortgefecht gestoßen bin, unterstellt übrigens Männlein und Weiblein ein vollkommen unterschiedliches FB-Applikations-Nutzungsverhalten:

Facebook und seine zahlreichen Applikationen werden von Frauen und Männern völlig unterschiedlich genutzt. Die Popularität einer Facebook-Anwendung hängt in erster Linie davon ab, von welchem Geschlecht sie vorwiegend eingesetzt und ob sie weithin als “cool” eingestuft wird. Zu diesem Schluss kommen die Forscher Rebekka Russell-Bennet und Larry Neale von der Queensland University of Technology in Australien. [...] Laut Russell-Bennett wollen Frauen vor allem Applikationen, über die sie sich selbst irgendwie darstellen oder ausdrücken können. Männer hingegen würden in erster Linie die Herausforderung eines «sozialen Wettbewerbs» suchen. Facebook-Nutzer wollten demnach Applikationen besitzen und teilen, die ihren Status innerhalb des Freundesnetzwerks aufwerten. Für Frauen gehe es dabei um Selbstdarstellung, für Männer darum, wer der Beste sei.

Adobe open-sourced Teile von Flash

Judith aka Linzerschnitte Adobe stellt mehrere Flash-Komponenten unter die Open Source Lizenz. Im Detail geht es dabei um Technologie, die aufwändige typographische Gestaltungen von Websites ermöglichen, wie TechCrunch berichtet:

Adobe has rolled out two new open source initiatives aimed specifically towards developers for media companies and publishers. Adobe’s Open Source Media Framework lets developers build more robust, feature-rich media players optimized specifically for the Adobe Flash Platform. The second initiative, the Text Layout Framework (TLF), will help developers create sophisticated typography capabilities to Web applications.

Wer engagiert sich im Social Web?

ritchie aka datadirt Charline Li von der Altimeter Group hat eine quantitative Ranking-Studie durchgeführt, die klären soll, welcher Ring, äh Brand, sie alle online knechten und ins Dunkel treiben sich am meisten im Social Web engagiert. Die komplette Studie gibt’s auf TechCrunch, auf Platz 1 landeten wenig überraschend die Kaffeesieder von Starbucks, deren überrösteten Bitterstoff-Schluder (ich sage: Analog-Kaffee) man als gelernter Wiener natürlich links liegen lässt. Hier die Top Ten mit den jeweiligen Punktezahlen:

1. Starbucks (127)
2. Dell (123)
3. eBay (115)
4. Google (105)
5. Microsoft (103)
6. Thomson Reuters (101)
7. Nike (100)
8. Amazon (88)
9. SAP (86)
10. Tie – Yahoo!/Intel (85)

Diese Nachricht zerstört sich selbst

ritchie aka datadirt Informationen nachträglich zu löschen kann ganz schön mühsam bis unmöglich werden – ein neues Tools namens Vanish geht den umgekehrten Weg und postet alle Inhalte verschlüsselt. Der Key hat eine eingebaute Ablaufdauer:

Perhaps the most amazing thing about Vanish is that it’s capable of erasing messages posted practically anywhere on the web. For example, the system is able to erase messages from any web-based email system like Gmail, Hotmail, or Yahoo, instant messaging chats, or even social networking sites like MySpace or Facebook.
To accomplish this, the messages sent with Vanish are encrypted with a secret key, never revealed to the end user. The key is then divided into dozens of pieces and sent out over peer-to-peer (P2P) networks – the same ones where music and movie files are traded every day. Because file-sharing systems are in a state of constant change, the various key parts eventually become inaccessible. Once enough of them are lost, the message can no longer be decrypted and read.

Wem also selbst E-Mail Verschlüsselung mit GnuPGP nicht ausreicht, der wird seine helle Freude an Varnish haben. Aber bloß nicht nachher jammern: weg ist weg!

PayPal macht auf

ritchie aka datadirt Der Internet-Zahlungsprovider Nummer eins ist zwar am längsten im Business, kam in letzter Zeit durch die Konkurrenz aber ganz schön unter Beschuss. Nun läutet PayPalX die nächste Stufe des Online-Bezahlens ein:

However, Paypal is taking a swing back at the competition today, revealing PayPal X and Adaptive Payments, a new initiative that allow third party developers to utilize PayPal in completely new ways. Prepare yourself for split payments, payment aggregation, and PayPal on other websites.

Die steigende Nachfrage nach Micro-Payment Lösungen spielt PayPal natürlich in die Hände – unter anderem werden zukünftig beispielsweise User-tot-User Geldtransfers auf Drittanbieter Seiten möglich sein.

Blogger-Contest: Axel bewandert Austria

ritchie aka datadirt Christian Lendl, Co-Autor beim Austria-Tourism-Guide, hat mich auf eine widget-basierte Werbeaktion (was für Alliteration!) für Urlaub in Österreich aufmerksam gemacht: Axel Halbhuber durchwandert nämlich gerade gemeinsam mit Hund Niko/Poldi ganz Österreich – aber da die Route nicht von Energydrink Herstellern geplant wurde, halten sich die unerträglichen körperlichen Strapazen in engen Grenzen:

Axel wandert von Bregenz nach Wien und bloggt über die Erlebnisse, die man am Berg eben hat: Menschen, die man trifft. Gedanken, die einem einschießen. Blicke, die ins Aug springen. Die Route orientiert sich am Weitwanderweg 01. Die Wanderung ist alpin bis hochalpin, führt selten auch durchs Tal.

Seit 24 Tagen ist Axel unterwegs – wanderbegeisterte Blog-Leser finden Foto-Perlen und äußerst unterhaltsam geschriebene Beiträge. Wer dadurch selbst auf den Geschmack kommt, sollte am Blogger-Contenst teilnehmen:

Für alle Blogger gibt es im Zuge von Axels Wanderung einen Contest. Wer das Widget auf seinem Blog einbindet und damit die meisten User auf Axels Blog bringt, eine Wanderwoche in Gosau samt Übernachtung im Top-Hotel.

Wer möchte, kann Axel übrigens auch ein Stück des Weges begleiten. Gelungene Online-Kampagne, finde ich.

Foto der Woche

Spirograph III von Ben Matthews nutzt eine Halfpipe als Leinwand und Farbe als Licht – beeindruckend:

spirograph halfpipe

Ritchies Video der Woche

Hätte das Filmteam seinerzeit beim Dreh von “Angriff der Killerameisen” seinerzeit derartige Makros zur Verfügung gehabt, dann wäre der Film wohl um einiges grusliger geworden. Jörg Brönnimann lässt in “Ant-Views” seinen insektoiden Hauptdarsteller durch die Canon Mark II Makrowelt spazieren:

Judiths Video der Woche

Hochzeiten sind Königsdisziplin in der Kategorie der Familienfeiern. Noch mehr Verwandte, noch mehr Essen, noch mehr Zeitaufwand und noch mehr Langeweile. Aber es geht auch anders, wie dieses Video der Woche zeigt:

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende des Rückblicks – oder, wie manche sagen, in der Gegenwart – angelangt. Wir wünschen herausragende letzte Sonntagsminuten und einen dialogischen Start in die neue Web 2.0 – Woche. Danke für Ihre Whuffies, wir lesen uns am Montag.

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
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EOS 40D: die ersten Eindrücke

40dInzwischen habe ich mit meiner neuen EOS 40D ein paar Indoor- und Outdoor-Serien geschossen und bin, vorsichtig ausgedrückt, vorerst sehr zufrieden. Nach Jahren der Kompaktkamera-Knechtschaft habe ich endlich wieder das Gefühl, dass ich selbst die Bilder komponiere und nicht die Cam. Am meisten beeindruckt hat mich auf Anhieb die Konsistenz in der Benutzerführung: die Bedienelemente und die -logik sind identisch mit meiner 15 Jahre alten analogen EOS 50, Umlernen ist nicht erforderlich.

Aufgrund meiner Objektivsammlung war immer klar, dass nur Canon in Frage käme – ältere EOS-Linsen passen problemlos ans Bajonett, allerdings muss man den durch die geringere Sensorgröße bedingten Verlängerungsfaktor von 1,4 einkalkulieren: ein analoges 50mm Normalobjektiv entspricht auf der digitalen SLR also einer Brennweite von 70 Millimetern. Da ich relativ häufig in schummrig beleuchteten Räumen fotografieren, habe ich das Speedlight 430 EZ II dazu genommen, das ich mittelfristig mit einem 580er kombinieren werden, denn die Geräte funktionieren im Master-Slave Modus, der recht nette Beleuchtungs-Spielereien auch mit leicht transportablem Equipment ermöglicht. Geradezu unverschämt komfortabel ist auch der aufs Shooten folgende Workflow: Raw-Daten ermöglichen umfangreiche Manipulationen, die mit JPEGs nicht oder nur mehr sehr viel mehr Bearbeitungsaufwand möglich sind.

Den ersten Hardcore-Einsatz wird die 40D am Barcamp Klagenfurt erleben – bis dahin werde ich noch eingehend testen und weiter berichten. Dieses Posting habe ich als Beitrag zu einem aktuellen Gewinnspiel verfasst, denn als Neo-SLR-Besitzer kann ich natürlich jeden Amazon-Gutschein hervorragend gebrauchen – mit Body und Objektiv ist’s schließlich nicht getan. Gestern habe ich UV- und Polfilter sowie ein paar Makroringe geordert, und da gibt’s noch so einiges an Zubehör, was auf meiner Wunschliste steht – und Testbericht.de verlost 250 Euro Amazon Guthaben. Dort bekommt die EOS 40D im aggregierten Testbericht übrigens die Note “sehr gut” – aber ich habe ja bereits vermutet, dass die 40D für meine Zwecke das richtige Gerät ist.

Nur wundern kann ich mich allerdings über die Preise fürs Originalzubehör. Die Systemblitzgeräte Canon Speedlite 430EX II bzw. Canon Speedlite 580EX II sind mittlerweile zwar vergleichsweise günstig zu bekommen. Ich hab mir beide geordert, da ich häufig indoor fotografiere und gerne eine Slave-Blitz benutze. Richtig skurril wird’s allerdings bei der original Canon Blitzschiene SB-E2 für 580 EX II: dieses Stück Metall mit ein paar Schrauben wurde von knapp 300 auf günstige 180 Euros herabgesetzt – da kann man sich nur wundern. Drittanbieter offerieren dieselbe Funktionalität samt Blitzkabel zu einem Viertel des Preises. (Eine Blitzschiene verwendet man, um die Mittelachse der Ausleuchtung weiter vom Objektiv zu entfernen.) SLR-Fotografie ist eben eine Kombination aus kreativer Bildgestaltung und Materialschlacht – vermutlich muss sich deshalb, wie Pete letztens so treffend angemerkt hat, “jeder Mann mindestens einmal im Leben eine absurd teure Fotoausrüstung kaufen”. Bei mir ist’s immerhin schon die zweite :mrgreen: