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Artikel-Schlagworte: „Club 2.0“

Frank Hartmann über den neuen Club 2

frank hartmannFrank Hartmann hat mir gestern den folgenden Gastbeitrag zum neuen Club 2 geschickt. Besagte Fernsehsendung erlangte in den 70er Jahren (nicht zuletzt durch Aktionismus wie Nina Hagens Masturbationsanleitung für Frauen) einen recht legendären Nimbus, von dem die Neuauflage nach dem Willen des ORF zehren soll. Die Live-Erstausstrahlung des neuen Clubs folgt morgen Abend um 23:00 Uhr, Frank wird dort zu Gast sein und stellt im Vorfeld folgende imho sehr spannende Überlegungen zum Thema Fernsehdiskussionen, Rollenverhalten und Medien an - 'njoy the preview!

Frank Hartmann über den neuen Club 2

Club 2 - jetzt also wird die Fernsehlegende wiederbelebt. Hallo, ja, es klingt recht vernünftig, was Lorenz Gallmetzer mir telefonisch zu seinem Konzept mitteilt, nun gut, er lädt mich ein - Was? Aber nein, der Villacher Hausphilosoph sei nicht akut erkrankt, er lädt schon 'mich' ein, also sage ich zu, ich bin ein höflicher Mensch. Es ist natürlich ein Paradox - es soll um Medienmacht und Meinungsbildung gehen: "Die Meinungsfabriken. Wie prägen Zeitungen, Radio, Fernsehen, aber auch Internet Musikvideos, Werbung und Hollywood unser Denken, unsere Anschauungen, unsere Moden, unseren Geschmack? Wer sind heute die Meinungsmacher? Wie frei können wir noch denken?"

Das entnehme ich der Presseaussendung, ein 'Briefing' für die Teilnehmer scheint es nicht zu geben. Also ein Paradox, denn eine generelle Funktion der Medien ist die Ermächtigung, das heisst dieser Apparat lässt Aussagen zu (oder verhindert sie) und gewichtet dadurch ganz vehement die Fiktion 'öffentlicher Diskurs'. Nur deswegen können die Betriebsfunktionäre aus Politik, Wirtschaft und Kultur ihren fortgesetzten Nonsens verbraten, nur deswegen hört diese öffentlich-rechtliche Endlosschleife nie auf. Ein Paradox auch im performativen Sinn, denn wie lässt sich im Medium eine Aussage gegen das Medium treffen? Nun bin ich denn gespannt, welche Rolle die Medienmacher einnehmen werden, die eingeladen wurden. Mediaprint! Nur vom Feinsten, wenn man das so sagen darf ...

Übrigens, vorbei die Zeiten, als das Performative an einer solchen Teilnahme noch aktionistisch erledigt werden konnte (jaja, Provokation war schon geil, aber nein, man sollte Posen niemals übernehmen, und ich wüsste auch gar nicht, wie). Lässt sich die versteckte Normativität von Medienbotschaften artikulieren, ohne dass man kulturpessimistische Kalauer verbrät? Wie kritisiert man die ökonomisch und politisch abgesicherte Macht ("Medien" - ein Abstraktum, ihre Manager - das Konkretum), die längst alle Züge von Selbstimmunisierung aufweist? Wie die Saturiertheit eines gebührenzahlenden Publikums, das all diese "Shows", "Serien" und "Dokus" samt Werbung und reichlich Eigenwerbung in sich hineinfressen muss, ohne jemals kotzen zu können? Vielleicht indem man auf die Mechanismen der Produktion und die Materialitäten dieser konkreten Wiederbelebung hinweist: denkt man beim ORF eigentlich nicht über die Polstergarnitur hinaus? Gibt es denn dort keine originellen Menschen, die bereit sind, ausserhalb ihres Programmschemas der veränderten Medienwirklichkeit zu entsprechen, die seit den seligen Zeiten des ORF-Monopols ausgebrochen sind? Zumindest als Online-Ergänzung der Diskussion (die wird als "Open End" angekündigt, aber wie soll das gehen)? Das wäre es vielleicht gewesen: ein "Club 2.0"!? Vielleicht. Man wird ja sehen [Club 2, auf Sendung heute Abend 23:00, ORF2].

Club 2.0: The Making of

Oder: andertags bei Max: Hannes, Heinz, der Gastgeber und ich begaben uns auf die Kossatz'sche Couch - ganz ohne Therapeut, dafür mit Kamera. Projektname: Club 2.0. Mission: ein Videopodcast zu unseren Lieblingsthemen.

Unsere erste Unterhaltung spannte den Bogen von Hasstiraden für und wider Apple über Xing-Absonderlichkeiten bis hin zum Facebook Hype. Die erste Sendung geht demnächst Online - und während normalerweise das Making Of erst nach dem Release folgt, machen wir's Web 2.0 Style umgekehrt und Bottom Up: hier also erstmal die zeit-geraffte Entstehung unseres ersten Club 2.0, minütlich festgehalten von einer Webcam.

YouTube Preview Image

PS: Nein, ich hab's nicht mehr rechtzeitig zum Friseur geschafft.