| 8. August 2008 | bis | 10. August 2008 |
...dann reiten sie ins Glüüüück. Oder nach Prinzersdorf. Beängstigend viele gleichgesinnte Fans kleiner Reifen und unterdimensionierter Motoren können Roller-Fans jedenfalls am kommenden Wochenende ebendort kennen lernen. Die Prinzersrolle (sorry, der war aufgelegt) findet in diesem Jahr bereits zum 3. Mal statt: auf die verwegenen PilotInnen samt ihren tollkühnen Zweirädern warten 72 Stunden Spaß, 72 Stunden Action, 72 Stunden Bikini-Vespa Washing: man sollte sich also mindestens 9 Tage Zeit nehmen.
Sonnencreme und eine stark getönte Brille empfehlen die Veranstalter ganz dringend für die Ausfahrt in den Sonnenuntergang, weniger gemütlich geht's dann beim 1/8 Mile DragRace im Mann-gegen-Mann bzw. Frau-gegen-Frau Ausscheidungsverfahren. Oder auch, wie im richtigen Leben, Frau-gegen-Mann, denn laut Anmeldeformular scheint die Wertung eine gemischte zu sein. Vermutlich darf ich mit meiner Hornet nicht mehr in die Largeframe-Klasse über 200ccm... schade. Denn damit verpass ich auch die 60ies Cocktailbar, und, viel essentieller: das Bikini-Vespa-Washing, bei dem keineswegs der Roller den Bikini an hat:
Wer nach dem DragRace seinen Roller vom Staub der Straße oder Rennstrecke befreien möchte, kann das von einer Bikini-Schönheit gleich vor Ort am Rungelände erledigen lassen.
Der Attraktionen sind noch mehr: Chilies con Carnes in verschiedenen Schärfegraden bis zu "Lucifer's Revenge", Soul & Ska Musi von DJ Tschasta (kleiner Bruder von Tschamba?) und, laut Organisationsteam, "kurzweilige Fungames, die Teamarbeit und Koordinationsgefühl verlangen": wenn das nicht nach Massenbesäufnis klingt! Schade, bei einem so gelungene Programm wünscht man sich ja fast, Ehrenmitglied des RC Roadrunner und stolzer Besitzer eines Spielzeugmotorrads zu sein!
Der Mensch lebt bekanntlich nicht von fester Nahrung allein: Experten empfehlen für einen ausgewogenen Lebensstil reichlich Flüssigkeit, die vorwiegend in Form von Wasser und abends der Abwechslung halber auch mal als Cocktail konsumiert werden sollte. In Zeiten medial hochstilisierter Koma-Besäufnisse kann man die guten alten Bartraditionen gar nicht hoch genug halten: ein kunstvoll vom Keeper handgefertigter Rausch ist mit dem Ergebnis der synthetischen Alkopops keineswegs zu vergleichen
Daher folgen an diesem Rezeptfreitag statt eines Hauptganges drei Cocktail-Anleitungen aus meinem privaten Mixing-Repertoire, die Sie so in keinem Cocktailbuch finden werden: es handelt sich schließlich um meine Eigenkreationen. Minderjährige bitte an dieser Stelle nicht weiterlesen... Alkohol ist ganz übel, da kriegt man bloß Kopfweh am nächsten Tag.
Gehörten Cocktailbars im Europa der Siebziger Jahre noch zu den Exoten unter den Gastronomiebetrieben, so hat der Alko-Gourmet inzwischen die freie Wahl, mit allen Vor- und Nachteilen: auf jede exzellente Cocktailbar kommen mindestens 25 Wanna-be-Mixer, die nichts von ihrem Geschäft verstehen. Am besten beurteilen lässt sich eine Bar anhand der Basics: ein ordentlicher Vodka Martini verrät mehr als tropische Kreationen, und wer Fruchtsaft in den Mai Tai gießt, sollte ohnehin in der Barkeeper-Akademie nachsitzen. Seit Jahren ist in Wien das First Floor am Schwedenplatz meine Lieblings-Barspot, hervorragende Drinks bekommt man - eine gewisse Resistenz gegen Schnöseltum vorausgesetzt - auch in der Bar Italia auf der Mariahilferstraße, vor allem deren Asian Gimlet mit selbst angesetztem Ingwer-Gin kann einiges.
Anlässlich meiner Sponsion habe ich die Bartool-Grundausrüstung geschenkt bekommen und diese seitdem in veritablem Maße ausgebaut. Über den notwendigen Grundvorrat an Spirituosen ist viel geschrieben worden - das einzige wahre Barbuch für alle Puritaner ist allerdings die Standardfibel von Charles Schumann: "American Bar. The Artistry of Mixing Drinks" enthält nicht nur geballtes Mixing-Wissen, sondern auch jede Menge kulturgeschichtliche Fakten rund um die Verfeinerung des Alkoholgenusses.

Das gesamte Feld ist bekanntlich ein weites: von picksüßen Tropicals über herbe Gimlets bis zu sauren Shots reicht die Bandbreite. Wie wär's zum Beispiel mit einem sauren data Gimlet (gut geeignet auch als Aperitif), einem unanständigen Dirt Shot (klassischer "Dessertdrink") oder einem "Little Man in the Boat"? (Sehr mainstream-tauglicher Allrounder). Viel Spaß mit meinen drei Eigenkreationen!
Den Rand einer Cocktailschale mit Zitronensaft befeuchten und das umgedrehte Glas auf den auf einem Teller ausgebreiteten Kristallzucker drücken und ein wenig bewegen, sodass ein Zuckerrand entsteht. Alle Zutaten mit *sehr viel Eis* in den Shaker geben, kräftig schütteln und *ohne Eis* durch ein Cocktailsieb in die vorbereiteten Gläser abseihen.
Alle Zutaten im Shaker auf Eis gut schütteln und mit einem einzelnen Eiswürfel in ein Shotglas abseihen. Ex!
Alle Zutaten in den Shaker gießen, auf reichlich Eis shaken und in ein mit Eiswürfeln gefülltes Longdrinkglas abseihen. Besonders stylish dazu: ein weißer Strohhalm und frische Kokosraspel als Garnitur.
Wohl bekomms! Mein persönlicher Favorit ist übrigens der bereits erwähnte Mai Tai (nach dem Rezept von Schuhmann, also bloß nicht mit Amaretto, sondern mit Mandelsirup und *ohne* Ananas-Unnötigkeiten) und der alte Klassiker Cola Rum: auf 1 Glas den Saft einer frisch gepressten Limette, je nach Geschmack (und weiteren Abendplänen) 4-8cl Rum (vorzugsweise Myers oder Ron Varradero), vorsichtig (schäumt!) auffüllen mit Coca (ganz wichtig) Cola.