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Artikel-Schlagworte: „Deutschland“

Blogistan Panoptikum KW49 2009

Jedes Jahr eine erneute Enttäuschung: kein Krampustreiben in Wien! Dafür bloß "überteuerter Glühwein auf überfüllten Weihnachtsmärkten" (=Klischeesatz der vorjährigen Wintersaison), ausbleibendes Schneetreiben und erbitterte Jagd auf originelle Geschenke. Möchten Sie dem ganzen Wahn entfliehen, dann lehnen Sie sich entspannt zurück: datenschmutz und Linzerschnitte blicken garantiert nicht auf den 24, sondern sieben Tage zurück - denn trotz der fallenden Außentemperaturen brodelt die Blogosphäre wie eh und je.

Die perfekte Facebook-Fanpage

ritchie aka datadirt Social Media Anleitungen für Firmen und Brands kursieren in großer Zahl, in den meisten Fällen ist's schade um die vergeudete Lesezeit. Wer sich theoretische Abhandlungen sparen will und eine leicht verständliche Anleitung sucht, dem sei Jesse Stays Gastbeitrag auf Techipedia ans Herz gelegt: "How to create the perfect Facebook Fan Page" erklärt alle wichtigen Schritte von der Erstellung eines Custom-Tabs über die optimale Logo-Größe bis hin zu SEO-Überlegungen. Lesen und umsetzen, denn wie Jesse völlig richtig schreibt:

As you can see, a Facebook Page is a powerful tool that you can use to enhance and strengthen your brand naturally using the tools Facebook provides. Be sure to leverage this tool, customize it, and make it work to get your brand in front of as many people and their friends as possible.

Jesse, Gründer und CEO von Socialtoo.com, hat übrigens eine hervorragende Einführung für alle geschrieben, die sich näher mit den Untiefen der Facebook-Programmierung beschäftigen möchten: FBML Essentials Blogistan Panoptikum KW49 2009

Sind wir nicht alle ein bisschen ...krank?

Judith aka Linzerschnitte Wer zuviel twittert, chattet, mailt etc. kann krank werden. Klingt wie der übliche Kulturpessimismus wohlmeinender Eltern aus Zeiten des Fernsehen-Hypes: "Du kriegst noch ganz eckige Augen".

Götz Mundle, Psychotherapeut und Spezialist im Fachgebiet der Psychosomatik wird in der Jänner-Ausgabe von "Psychologie heute" aber erklären, was genau er damit meint. Manche Menschen, so Mundle, stürzten sich in das

"mediale Dauerfeuer, um persönliche Probleme zu verdrängen. Statt auf ihre innere Stimme und Warnsignale ihres Körpers zu hören, betäuben sie sich mit Müll aus dem Internet. Wer es als quälend empfindet, offline zu sein, und wem es nicht gelingt, einen Tag in der Woche komplett ohne diese Medien auszukommen, hat ein handfestes Problem.

Besagtes mediales Dauerfeuer erhöhe außerdem die Produktion der Stresshormone Kortisol und Adrenalin, Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit leiden." Mundle: "Langfristig kann ein Burn-out-Syndrom die Folge sein."

Nun ja, Mediziner und ihre Warnungen sind eine Sache. Bevor aber die gesamte Social Media Branche wegen Digital Burn Out in einer Psychomatik-Spezialklinik landet und die Krankenkassen noch mehr in den Ruin treibt, empfehlen wir (uns) für heute: Auch offline ist es hin und wieder ganz nett & Gute Nacht (nachdem Sie beim Fertiglesen des Panoptikums noch reichlich Kortisol ausgeschüttet haben).

Anm. von datenschmutz: Ich kontere mit der Gegenthese: "Wer zu wenig oder gar nicht twittert, chattet, mailt etc. kann krank werden." Widerleg das, Mundle! Oder, wie Mundl gesagt hätte: "Mei Twitta is ned deppat!"

Mobile Internetnutzung steigt rasant

ritchie aka datadirt Online-Umfragen sind immer so eine Sache: selbst wenn es heißt, es nahm "eine repräsentative Stichprobe von über 1.000 Internetnutzern teil" muss man im Zweifelsfall davon ausgehen, dass die Daten über irgendwelche Popup-Layer gesammelt wurden und eher arbiträr als signifikant sind. Dennoch zeigt eine aktuelle Umfrage, die Scout24 gemeinsam mit Innofact durchgeführt hat, dass - oh Überraschung - mobiles Internet längst kein Exotendasein mehr fristet: jeder zweite Nutzer war schon mal mit seinem Handy online, jeder vierte nutzt häufig mobile Services:

Mit 60 Prozent Nutzung und 29 Prozent intensiver Nutzung sind Männer die Vorreiter beim mobilen Internet. Die mobilen Surfer interessieren sich zu 71 Prozent stark für Nachrichten, 59 Prozent zählen Navigationstools zu ihren beliebtesten mobilen Services. 51 Prozent erfreuen sich an Mobile Shopping.
Knapp 70 Prozent der befragten Online-Nutzer würden für mobile Applications extra zahlen, sofern der angebotene Dienst ihnen einen persönlichen Mehrwert bringt.

Bildbearbeitung online - ein Picnik!

Judith aka Linzerschnitte Vor einigen Tagen war ich gezwungen, auf dem PC meines Vaters zu arbeiten. 13''-Röhrenmonitor, gefühlte 500 MB Arbeitsspeicher, Internet Explorer, keine Flash Updates etc. Und: Ich brauchte ein Bildbearbeitungsprogramm. Nicht einmal Standardsoftware war zu finden, von dem mir vertrauten Photoshop ganz zu schweigen.

Da wagte ich den Versuch und googlte nach einem Online-Bildbearbeitungsprogramm. Ich wählte das erstbeste namens Picnik und war begeistert. Fotos skalieren, zuschneiden und grundsätzliche Bildbearbeitungstechniken ohne sich registrieren zu müssen, Bilder in verschiedenen Formaten und Qualitäten abspeichern, großartige Usability (kein Nachlesen erforderlich) und noch zusätzliche Tipps und Erklärungen. Wer sich registriert, kann seine Fotos außerdem automatisch bei FlickR, Facebook usw. uploaden. Das Service wird mittlerweile in Deutsch angeboten, für $24,90 pro Jahr ist auch eine Premiumversion erhältlich, die unter anderem Layers unterstützt. Wem Photoshop immer schon zu viele und zu komplizierte Funktionen hatte und außerdem zu teuer war, der wird in der Cloud glücklicher.

Obama weiß, was du einkaufst

ritchie aka datadirt Weil auf die USA fokussierte Terroristen natürlich die Warenwirtschaft ihres kapitalistischen Erzfeindes nicht auch noch unterstützen wollen, kaufen sie die Bauteile für ihre Bomben vorzugsweise in Europa. Also lassen die netten Politiker ihre Freunde von der Homeland Security natürlich in die Konten blicken - wenn auch seit neuestem nur für 6 Monate:

Deutschland, Österreich und Ungarn machten demnach durch ihre Enthaltung den Weg frei.
Den Kritikern des Abkommens ist es gelungen, die Laufzeit von ursprünglich zwölf auf neun Monate herunterzuhandeln. Allerdings bleibt das EU-Parlament unberücksichtigt - und zwar nur einen Tag vor Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags, der den Volksvertretern ein Mitspracherecht in Sicherheitsfragen gibt.

Die Detailregelungen des Abkommens sind ein Hammer und verdienen es, an dieser Stelle näher beleuchtet zu werden (Swift-Volltext):

Das US-Finanzministerium kann, dem neuen Abkommen zufolge, nicht einfach die Daten abholen, sondern muss einen möglichst genau definierten Antrag stellen. Wenn der angesprochene Finanzdienstleister nicht in der Lage ist, den angeforderten Datensatz eindeutig zu identifizieren, muss er eine größere Datenmenge an die für die Kooperation mit den USA verantwortliche nationale Polizeibehörde übermitteln, die sie dann an die USA weitergibt. Die Verwendung der Daten ist explizit auf Terrorfahndung beschränkt. Außerdem dürfen die Daten nicht zum automatisierten Profiling sowie im Rahmen von Data-Mining-Aktionen verwendet werden. Daten, die sich als nutzlos für die Fahnder herausstellen, müssen spätestens acht Monate nach deren Überprüfung gelöscht werden. Ein Richtervorbehalt bei den Anfragen ist nicht vorgesehen.

Unglaublicherweise stellt diese Situation allerdings sogar ein "Verbesserung" gegenüber dem Status von vor 2006 dar, als US-Behörden ohne jegliche rechtliche Grundlagen massenhaft Finanzdaten auswerteten. Dass sich .at, .de und .ch ihrer Stimmen enthielten, lieferte der Opposition einiges an Munition, bleibt aber unverständlich - ebenso wie der Kommentar der österreichischen Innenministerin:

Maria Fekter (ÖVP) bezeichnete das Interimsabkommen in einer Mitteilung vom Montag als "unbefriedigend". Sie habe sich daher der Stimme enthalten.

Wow - wirklich eine beruhigende Haltung der Regierung in Sachen Europapolitik! Wenn uns irgendwas nicht passt, dann sagen wir - nix.

Social Media: No Joy with the ROI?

Judith aka Linzerschnitte Ist Social Media aus wirtschaftlicher Sicht nur eine weitere Blase an überzogenen Erwartungen und Goldgräbertum, wie Community TV in den 90ern, Multitext in den 2000ern und nahezu alles, was mit Interaktion und Medien zu tun hat? Manches weist darauf hin:
Firmen, auf deren nichtige Eigenwerbung man sich im Social Web gerne verzichten könnte, ernennen sich plötzlich zur Social Media Agentur und sprechen von Mehrwert - und man fragt sich: Wenn sie selbst im Social Web keinen Mehrwert bieten, wie wollen sie diesen ihren Kunden vermitteln? Social Media Berater, deren Schlüsselqualifikation es ist, einen Twitteraccount mit mehr als 500 Followern und Grundkenntnisse von Wordpress zu haben, vermehren sich wie Schweingrippeviren. Und jeder Round Table oder XY-Tag beinhaltet Social Media Slots, wo mit heißer Luft nicht gegeizt wird.

Letztendlich gibt es ihn aber, den ROI von Social Media. Und wer weniger in Kampagnen denkt, sondern daran, Digital Relations aufzubauen, wird ihn früher oder später selbst erleben. Hier einige Beispiele dafür:

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Fickfreie Zone: die Top-Suchworte

ritchie aka datadirt Das Jahr neigt sich seinem Ende zu, folgerichtig werfen die Suchmaschinenbetreiber ihre Statistikbots an - aus den aktuellen Hitparaden lässt sich so mancher Trend ablesen. Dass kommerzielle Angebote zum Thema Fortpflanzung an Relevanz verloren hätten, möge aber keinesfalls voreilig gefolgert werden: XXX-Suchworte filtern die Betreiber bedauerlicherweise aus. Dass die einen nicht unbeträchtlichen Teil des Gesamtvolumens ausmachen, legt eine aktueller Untersuchung des schwedischen World Internet Institute nahe:

Men det är inte bara unga män som sexsurfar, även bland kvinnor är det nu 7% som uppger att de besöker sidor med sexuellt innehåll.

Sexsurfar... hehe. 7% wär in der Tat nicht so wenig... die offizielle Hitparade wird indes in Deutschland von Megan Fox angeführt, während die Österreicher am häufigsten nach "Wien", "Youtube" und "Österreich" (wtf?) suchten. Dass URL-Suchbegriffe wie "ebay" oder "gmx" ebenfalls stark in den Top 10 vertreten sind, hat übrigens mit der Direkt-Weiterleitungsfunktion aktueller Browser zu tun, allerdings zählt ein solcher Aufruf eben auch als Suchvorgang.

Bei Yahoo dagegen bleibt's weiterhin schwül, windig und orientierungslos: die Top Begriffe lauten Wetter, Routenplaner, Wikipedia (sic!), Telefonbuch, Horoskop und Erotik. Wer die Schweinegrippe überstanden, für seinen Opel die Abwrackprämie kassiert, einen Apfelkuchen verspeist und anschließend mit Monica Lierhaus und Lady Gaga beim Echo 2009 einen "Sturm der Liebe" entfachte, lag komplett im Plansoll.

Noch eine Topliste: RSS-Technologien

ritchie aka datadirt ReadWriteWeb hat mit der Veröffentlichung der "traditionellen" Best-Of Listen begonnen. Dass in den "Top Mobile Web Products" ausschließlich Android- und iPhone-Apps vertreten sind, mag auf einen gewissen redaktionellen Bias schließen lassen (und dass die Top-10-Semantic-Apps Liste überhaupt gefüllt werden konnte, verwundert), aber im Beitrag über die Top 10 RSS & Syndication Technologies of 2009 habe ich ein interessantes Service gefunden:

Echo, from JS-Kit is a reverse syndication service for distributed social media conversations. It brings back tweets and other mentions to the page they refer to. The service is growing fast and becoming more sophisticated every week. New features come so fast and furious that it's overwhelming but the end result is an experience that brings the dispersed social web back together again.

Grundsätzlich nichts, das nicht andere Plugins auch leisten könnten - die Twitter-Kommentare importiere ich schon längere Zeit via Backtype. Allerdings beherrscht Echo auch noch Unified Login und synchronisiert alle Importe mit dem WP-eigenen Kommentarsystem. Werd ich mir demnächst mal näher ansehen, immerhin bin ich ein großer Fan von Premium Services und Echo kostet $48 pro Jahr. In diese Kategorie fällt auch Fever, der Feedreader für Geeks: es handelt sich nicht um lokale Software, sondern um eine am eigenen Webserver gehostete mobile-taugliche Software. Mit $30 ein günstiges Weihnachtsgeschenk für alle, die keine Steckdosen für neue Hardware-Gadgets mehr frei haben.

Ritchies Video der Woche

Gerade mal 12 Jahre alt ist dieser äußerst talentierte Schlagzeuger - die Rhythmus- und Tempi-Wechsel in diesem Solo sind unglaublich - muss man gehört und gesehen haben! (Gefunden in Karola Rieglers Facebook Feed):

YouTube Preview Image

Judiths Video der Woche

Einmal noch, okay? Dann mach ich wieder mal eine Pause mit Katzencontent. Aber dieses eine Mal muss noch sein....

Lesetipps der Woche

  • Steve Gillmor hat auf TechCrunchIT einen ausgedehnten Beitrag über die strategische "Aushungerung" Twitters durch Friendfeed veröffentlicht, in dem er auch auf die Problematik der "data ownership" eingeht.
  • Lesetipp/Weihnachtswunschlistentipp: Gmail-User aufgepasst: Das Gboard ist da! Ein USB-Board, mit dem ohne Scrollen auf Gmail navigiert werden kann. Kostenpunkt 19 Dollar - www.gboard.com

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende der Rückschau und somit in der Gegenwart angekommen - wir hoffen, Sie hatten einen sanften Flug und freuen uns, Sie bald wieder an Bord des Blogistan Panoptikums begrüßen zu dürfen. Bitte geben Sie aus Sicherheitsgründen einen Kommentar ab, bevor Sie diesen Beitrag verlassen. Linzerschnitte und datenschmutz wünschen einen geruhsamen Restsonntag und einen beachtlichen Start in die kommende Woche; wir lesen uns am Montag!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick - für jeden Eintrag gibt's auf Wunsch einen Backlink! Hier geht's zum Einreich-Formular.

Blogistan Panoptikum KW44 2009

Nach der urlaubsbedingten Pause geht es heute an dieser Stelle wieder mit dem gemeinsamen Wochenrückblick von Linzerschnitte und datenschmutz weiter. Unvorstellbares hat sich schon wieder zugetragen: Twitter unterstützt mit der neuen Funktion "Lists" ein Komfortfeature, mit dem avanciertere Clients schon lange glänzen, die deutsche Regierung steht zur 2-Klassen-Medizin und die 2. Klasse kriegt zukünftig nur mehr Soylent Green. Aber wir greifen schon wieder davor, dabei sollten wir doch eigentlich zurückblicken!

Judith aka Linzerschnitte Ja, jetzt ist es endlich soweit: Auch wir Österreicher dürfen bei der Cloud-Revolution mitspielen! Lange haben wir uns leid gesehen, nun darf auf auch hierzulande eine Web 2.0-Revolution exekutiert werden! Mit allem, was zum Web 2.0 dazugehört: Facebook Gruppen, Flickr, Twitter, Hashtags, Blogs, Wikis, Livestreams. Auch würde es Inhalte geben, wurde kolportiert. [/Sarkasmus]

Seit 10 Tagen wird das Wiener Audimax besetzt, und was da an Protestinfrastruktur aus dem Boden gestampft wurde ist ziemlich beeindruckend. So sehr, dass die Medienberichterstattung sowohl in Old- als auch in New Media sich mehr um Livestreams, Voküs und Facebook-Gruppen zu drehen scheint, als um Inhalte. Doch darüber sind alle sich einig: Die Uni-Besetzer in ganz Österreich kann man nur unterstützen. Die Zustände an den Unis sind schon lange unerträglich und die Unterzeichnung der Bologna-Erklärung kommt rückwirkend gesehen einem bildungspolitischen Waterloo gleich. Mein persönliches aktuelles Frusterlebnis in Sachen Bologna-reformierte Uni: Die neuen, verschulten Studiengänge schließen berufsbegleitendes Studieren vollständig aus.

audimax besetzung Blogistan Panoptikum KW44 2009Genauso tragisch ist der völlige Ausschluß von Studenten und Mittelbau aus sämtlichen entscheidenen Gremien, eine kleine Entdemokratisierung, die uns die schwarz-blaue Koalition vor 8 Jahren bescherte. Und wer so etwas wie das akademische Schlußlicht Europas ist, sollte universitäre Platzprobleme nicht mit Zugangsbeschränkungen lösen. Denn hätte es in den späten 90er Jahren Zugangsbeschränkungen gegeben, hätten wohl viele Jugendliche wie ich, die nicht aus Akademikerfamilien stammen, niemals den Entschluß gefasst, sich das mit dem Studium mal anzusehen. Gegen die Einführung der Studiengebühren hab ich schon vor Jahren demonstriert - dann allerdings meine Meinung revidiert: Nach Einführung der Studiengebühren habe ich (wenn auch zeitversetzt) doch einige merkliche Verbesserungen an den Unis gesehen und würde Studiengebühren kombiniert mit einem entsprechenden Stipendienwesen durchaus für sinnvoll erachten. Zum Thema "Sexismus an Unis" fällt mir fast nur eins ein: Niemals wieder ist mir an einem Ort so wenig Sexismus untergekommen, wie an der Uni - zumindest aus Studentensicht. Davon abgesehen hat dieses Thema mit dem Kern der Debatte wenig bis nichts zu tun.

Nichtsdestotrotz ist aber auch die Slacktivism Rate bei #unibrennt ziemlich hoch. Fast 24.000 Unterstützer auf Facebook, 1.300 weitere bei der Gruppe "ArbeitnehmerInnen unterstützen die Uni-Proteste". Klingt großartig. Bei einer geplanten Kundgebung der "ArbeitnehmerInnen" am Nachmittag des 1.11.2009 sind dann von 130 fix angemeldeten und 200 "maybes" knapp 15 Leute erschienen. Und im Audimax auf etwa 50 weitere Besetzer gestoßen. Nicht verwunderlich, neun Tage Besetzung und Protest fordern ihren Tribute. Aber mal ehrlich: in Österreich gibt es knapp 200.000 Studierende - sind alle bisher zuhause gebliebenen mit den Zuständen an Österreichs Unis zufrieden?! Also, Ärsche hoch, Freunde, so schnell kommt die Gelegenheit nicht wieder, etwas verändern zu können - oder es zumindest zu versuchen.

Bleibt nur mehr zu hoffen, dass die Revolution und ihre Basisdemokratie nicht ihre Kinder frisst. Amen.

PS: Wer real unterstützen will: http://wiki.unsereuni.at
Wer lieber beim Slacktivism bleibt: Facebook Gruppe "Unsere Uni", Facebook Gruppe "ArbeitnehmerInnen unterstützen Uni-Proteste", Facebook Page TU Wien brennt
Twitter: @ugrazbrennt
www.unsereuni.at
FlickR: Uni brennt, FlickR Gruppe

Facebook wird weniger viral

ritchie aka datadirt Zynga und Playfish, die zwei größten Anbieter von Social Games auf Facebook, haben gut lachen: sie erzielen mit ihren Spielchen Millioneneinkommen, während Host Facebook noch immer keine positiven Cash-Flow generiert. Die diversen Notification-Messages sollen zukünftig gravierend eingeschränkt werden, wie VentureBeat berichtet:

Facebook is having one-on-one meetings with some of its larger developers detailing a series of changes that could significantly affect the way applications are spread through the social network. [...] From what we hear, Facebook is reshuffling all the traditional channels like notifications and requests that developers use to reach new users and tucking them away in harder-to-reach parts of the Web site. The idea is to give users more control over the information they see on their homepage.

Kurz gesagt Spiele werden sich nicht mehr so einfach viral verbreiten, und mit den nervigen Dauer-Requests dürfte auch bald Schluss sein. VentureBeat kennt noch mehr Details: so sollen alle Notifications mittelfristig in die Inbox wandern. Spielehersteller werden sich zukünftig als verstärkt auf bezahlte Werbung verlassen müssen, um ihr Publikum zu finden.

Gemeinsame Feinde verbinden

ritchie aka datadirt Gerald Wagner hat in der FAZ über Facebook nachgedacht und bringt unter dem mehr als hochtrabenden Titel "Eine Soziologie von Facebook" einige relativ lose Gedanken zum Ausdruck. Von der provokanten Eingangsfrage bis zu ihrer Beantwortung braucht der Autor aber gerade mal einen Absatz:

Facebook ist zum neuen Leitmedium des Internets geworden. Lernen wir von Facebook entscheidende Verschiebungen im Sozialen, neue Vergesellschaftungsformen, gar auf Kosten der alten?
[...]
Sollte Facebook, wie es vielerorts behauptet wird, stellvertretend für eine Kultur der "neuen Verknüpfungsformen" stehen, wäre es eine Verbindung von größter Beliebigkeit mit Folgenlosigkeit.

Der Essay ist unbedingt lesenswert, weil er in seiner bemerkenswert verständnislosen Kritik das größte Social Network mit einer Art Personenregister verwechselt und dann zum Schluss kommt, dieses funktioniere nicht so gut wie ein Polizeicomputer:

Ist das Insistieren auf dem Recht auf Neuanfänge, auf Häutungen und Brüche im Leben nicht viel zeitgemäßer als das bleischwere Herumwühlen von Facebook in meiner Vergangenheit? Sind wir nicht gerade darum in den Achtzigern nach Berlin gegangen? Nicht bei Facebook. Mit fröhlicher Penetranz zieht es aus entlegenen Winkeln meiner Biographie einen Kronzeugen der Kontinuität hervor. Es gibt kein nachtragenderes Medium. Damit beharrt dieses Netzwerk eigentlich auf einem Leitmotiv der qualitativen Sozialforschung, nämlich von der narrativen Identität der Persönlichkeit auszugehen. Das Netz verspricht, jedem seine Geschichte erzählen zu können. Dass die auf ein paar durchquerte Institutionen und verblichene Gesichter zusammenschrumpft, scheint keinen Unterschied zu machen.

Ich jedenfalls habe noch keine Beschwerde darüber gehört, dass ein "Telefonbuch ja bloß Nummern, Namen und Adressen enthält".

Stehst du auf der Liste?

Judith aka Linzerschnitte Dieser Satz hat nun eine völlig neue Bedeutung: Waren bisher meistens Gratiseintritte zu mehr oder weniger exklusiven Events mit dieser Frage in Verbindung zu bringen, geht es nun darum, auf möglichst vielen Twitterlisten zu stehen - und wenn nicht dass, dann wenigstens möglichst viele Twitterlisten anzulegen. Twitterlists gibt den Usern die Möglichkeit, mehrere Tweeper thematisch zu filtern und diese Listen beliebig zu betiteln. Alle Infos dazu gibt's am offiziellen Twitter Blog.

Tweetdeck und Seesmic Desktop User haben bei den Twitterlists wahrscheinlich eh nur gelangweilt gegähnt, kennen beide Clients das Feature unter der Bezeichnung "groups" ja schon länger. Bald soll auch eine Synchronisation via Twitter API möglich sein.

Ach ja, und wer schon immer mal in San Francisco beim coolsten Startup der Welt arbeiten wollte - Twitter is hiring!

Air 2.0 in Adobes Pipeline

ritchie aka datadirt Nicht bloß heiße Luft: AIR hat sich als beliebte Plattform für Social Media Clients fest etabliert, mit der zweiten Auflage wollen die Adobe Labs ihrem Framework neue Features verpassen. ReadWriteWeb weiß, warum effizienterer Umfang mit Speicherressourcen dringend notwendig ist:

The New York Times for example, one of the most new-media capable old-school institutions in the US, recently asked its staff to stop using the AIR app Tweetdeck because it's such a memory hog. That's probably one of the reasons why Times staff appears to be posting to Twitter less these days.

Weiters wird AIR 2.0 Multitouch-Gesten und lokales Audio-Encoding beherrschen - bis zum Release werden aber noch einige Panoptika ins Land ziehen, Adobe plant die erste Jahreshälfte 2010 an. Jede Menge nicht unbedingt nützlicher, aber zumindest hübscher Air-Applikationen findet man übrigens auf refreshingapps.com/.

Suchergebnis-Reputation-Management

ritchie aka datadirt Große neue Erkenntnisse hat der Beitrag im offiziellen Google Blog auch nicht zu bieten - zumindest der Tipp "zuerst nachdenken, dann veröffentlichen" kann getrost als alter Hut gelten:

The first step in reputation management is preemptive: Think twice before putting your personal information online.

Interessanter ist das schon der Teil übers "proaktive Publizieren": wenn man lästige Infos schon nicht los wird, weil der Webmaster der Drittseite partout nicht agieren will, muss man eben gegensteuern. Google empfiehlt dazu unter anderem, eine öffentliche Profilseite im eigenen Haus anzulegen: in der Tat eine oft übersehene Funktion, die das Potential hat, mittelfristig Xing und LinkedIn überflüssig zu machen.

Der Post-Journalismus Journalismus

ritchie aka datadirt Doc Searl berichtet über eine Round-Table Diskussion zum Thema "Geld verdienen mit Medien im 21. Jahrhundert", an der unter anderem Sherry Turkle und Virginia Postrel teilnahmen. Die Zusammenfassung ist unbedingt lesenswert und fasst die Verwobenheit von Technologie, Wirtschaftsorganisation und Medienmodellen sehr gut zusammen:

he Net employs a principle called end-to-end. Among other things, it assumes that the bulk of intelligence is at the ends of the network — with people and the devices serving them — rather than in the middle, where the phone companies used to be, back when they thought, as old-fashioned formerly modern industrial companies, that most of the network’s intelligence should reside, and make decisions for us.

Mobile Themes für WordPress.com Blogs

ritchie aka datadirt WordPress.com Blogs sind ab sofort standardmäßig mit Mobile Themes ausgestattet, wie ReadWriteWeb berichtet. Zwar kommen moderne Smartphone mit leistungsfähigen Browsern, doch allein schon aufgrund des kleineren Displays und der schnelleren Ladezeiten empfehlen sich optimierte Templates. Wer sein Blog selbst hostet, hat die Qual der Wahl zwischen dem iPhone-optimierten WPTouch und Carrington Mobile. Beide Themes kommen als Plugins daher und lassen sich in Windeseile konfigurieren. Denn:

From the slow emergence of mobile reading and publishing to the unwillingness of carriers to solve bandwidth problems, it's clear that the mobile web is still in its very early stages. For now, little things like this make a very big difference.

Kühe furzen zuviel

ritchie aka datadirt So manches langgezogene "Muhhhh!" könnte in Wahrheit ein klimaschädigender Darmwind sein, glaubt man Lord Stern, einer der "führenden Experten für Klimawandel" (wobei ich mir sicher bin, wodurch genau sich Expertentum in diesem Bereich auszeichnet). Als er jung war, gab's noch lustige Promille-Straßenrennen, bald wird einem die Polizei den Führerschein auch ab 0,5 Gramm tierischem Eiweiß in der Atemluft abnehmen:

Und er prophezeit gar, dass der Fleischverzehr in Zukunft gesellschaftlich so geächtet sein wird, wie es heute das Autofahren in betrunkenem Zustand ist. "Ich bin jetzt 61 und die Einstellung gegenüber Alkohol am Steuer hat sich seit meiner Studentenzeit radikal verändert", so Lord Stern. Der Ökonom rät den Teilnehmern der Weltklimakonferenz Ende Dezember in Kopenhagen, darauf hinzuwirken, dass die Preise für Fleisch erhöht werden.

Das Methan der Kühe (CH4) sei als Treibhausgas 21mal effektiver als jenes furchtbar schädliche CO2, das beispielsweise Menschen beim Ausatmen produzieren. Wollen wir bis Ende des Monats eine unmittelbar bevorstehende Klimakatastrophe verhindern, gibt's also nur zwei Varianten: entweder werden *alle* bis Ende der Woche Vegetarier. Vorher gibt's aber noch eine große Schlachtplatte samt Café Latte, die ganzen Kühe müssen ja weg. Oder die Franzosen hören auf, soviel alten Käse zu essen - das könnte der Menschheit eine Verschnaufpause von mehreren Jahrzehnten verschaffen.

Keine Alternative zur Schweinegrippe in Sicht

ritchie aka datadirt Was als relativ harmloser Twitter-Virus begann, entwickelte sich zu einem medialen Flächenbrand, an dem selbst Telepolis nicht mehr vorbei kommt:

In Deutschland zieht das Zwei-Klassen-System nun ganz offiziell als Regierungspolitik ein. Während die Regierung für das gemeine Volk 50 Millionen Pandemrix-Impfdosen mit Wirkverstärker vom Pharmakonzern Glaxosmithkline bestellte, orderte man für das Kabinett, die Bundesbehörden und die Bundeswehr 200.000 Celvapan-Impfdosen von Baxter. Sie sind ohne Wirkverstärker und sollen verträglicher sein.

Ein einziges PR-Desaster, diese Schweinegrippe - nach der jahrhundertelangen Ächtung des Schweinefleisch durch Moslems nun das: kein Wunder, das Verschwörungstheoretiker komplexe Pläne vermuten. Die Welt Online hat umfassend recherchiert:

So schnell wie die Schweingrippe verbreiten sich wilde Theorien dazu: Tote Schweine in China, fiese Industriefarmen in Mexiko sowie eine Verschwörung von al-Qaida und mexikanischen Drogenkartellen – all dies sind nur einige der Erklärungsversuche, die sich um den Ausbruch der Krankheit ranken.

Eines steht jedenfalls fest - exotische Tiere sind wenig gefährdet, ein mm>Schneckenschnupfen oder Hummer Hirnsausen eigenen sich nicht für die Massenhysterisierung. Doch ich zittere mit Alinaluna um die armen Lämmchen:

Mal gibt’s die Vogelgrippe-Heute kräht kein Hahn mehr danach....
Vormals war es BSE .....Die Kuh macht auch kein Muh mehr.....
Ich warte bis das mit den Schweinen vorbei ist denn dann kommt die Schafseuche....Mäh.

Foto der Woche

Judith aka Linzerschnitte Halloween ist nicht jedermanns Sache. Ich verweigere mich dem jährlichen Kürbis-Zirkus aus Prinzip. Aber dieses Foto fand ich dann echt genial. (Copyright by Burt Zinsler / Facebook):

facebook burt zinsler Blogistan Panoptikum KW44 2009

Ritchies Video der Woche: Found Footage: San Francisco 1958

Das folgende Material hat Jeff Altman im Nachlass seines Großvaters gefunden - die 50er-Jahre Aufnahmen der Fahrt durch San Fran versprühen einen ganz besonderen Retro-Charme:

http://www.vimeo.com/6337228

Judiths Video der Woche

Sonnenuntergänge am Meer hat jeder schon mal gesehen - aber wohl kaum jemand hat sich daran jemals sattgesehen. Schon gar keine käsigen, sonnenunverwöhnten Ösi-Touristen am Strand von El Palmar an der Costa de la Luz, Spanien.

http://www.vimeo.com/7383010

Lesetipps der Woche

  • "Pumpkin-Carving" ist eine Kunst, die geübt sein will: Mashable hat unter anderem einen WordPress- und einen RSS-Kürbis zu bieten.
  • Scobble mag den Google Reader nicht mehr, denn der sei langsam und mühsam in punkto Freundesverwaltung, sagt Robert.
  • Digg kauft WeFollow und will die Echtzeit-Fähigkeiten mit dem Twitter-Portal steigern (TechCrunch).
  • Das neue Social Network, für jene, denen Social Networks schon beim Halse raushängen... alleinr!
  • Nicht ganz so prominent gelegen, wie der neue Helmut-Zilk-Platz mitten in Wien, aber immerhin: Nach Twitter wurde bereits eine Straße benannt.
  • Nein, nicht nur den öffentlich-rechtlichen Sendern und dem armen Professor Hademar Bankhofer soll die gute alte Schleichwerbung verboten werden - auch Blogger sollen in Zukunft Ethik vor SCHGGG (Schleichwerbung für Geile Gratis Gadgets) verboten sein... Anm. von dd: fda!!! (full disclosure always :mrgreen:)

Und das war's auch schon wieder mit dem Zurückschauen auf 7 Tage mal 24 Stunden mal 60 Minute mal 60 Sekunden, also 604.800 Blogosphärenwochen-Momente. Danke für Ihre hochgeschätzte Aufmerksamkeit, bleiben Sie uns und unserem RSS-Feed treu! Linzerschnitte und datenschmutz wünschen immens erkleckliche Restsonntagsminuten und einen grandiosen Start in die kommende Woche - wir treffen uns morgen im Social Web.

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Kinderpornographie: Einfach wegschauen!

Beim Internet-Zensur-Kasperltheater, das van der Leyen, Merkel und Co. momentan in punkto Internetzensur aufführen, bleibt einem das Lachen im Hals stecken - dieses Video von Alexander Lehmann fasst die Absurdität der Stoppschild- /3-Strikes Ansätze elegant zusammen, unbedingt anschauen:

http://www.vimeo.com/6562920 Diesen Beitrag weiterlesen »

15 Mann auf des toten Manns Liste drauf

Thomas Heher, ein alter Kampfgenosse aus den frühen gap Hardcore-Zeiten, hat mich eingeladen, den folgenden Text über die Piratenpartei für die kommende Ausgabe von TBA zu verfassen. Mal sehen, ob er ihn unterbringen kann - bei der Längenbegrenzung hab ich natürlich wieder mal über die Stränge geschlagen: altes Bloggerleiden :mrgreen:

Zwar ist Piloten sprichwörtlich nichts verboten, aber nur Piraten sind die idealen Kandidaten – zumindest für geistig-eigentümliche Freisegler. Diesen Beitrag weiterlesen »

Denn du bist Terrorist!

Einer von 82 Millionen, die neuerdings in Deutschland leben - ob Giftgasanschläge, Genozid-planende Vereinigungen, Selbstmordattentäter: wir wissen noch nicht genau, zu welcher Splittergruppe Osamas du gehörst, aber wir haben dich - ja, genau dich - im Visier:

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Blogistan Panoptikum KW19 2009

Am Freitag war ich mit Judith in der ATV-Küche mixend und filmend tätig - die ersten Rohaufnahmen für unsere Cocktail-Serie, eine Koproduktion von ATV, datenschmutz und cocktail-blog.com, sind Kasten. Oder besser gesagt auf Solid State... watch out for Daiquiri Madness, demnächst mehr dazu. Ansonsten habe ich in der vergangenen Woche wieder mal, wie Pete zu sagen pflegt, "viel gelacht, viel geweint, viel gelernt". Trotz aller Social Media Schnickschnackerein können auch Diskussionen auf den guten alten Mailingliste ganz schön hitzig werden. Und wie auf Twitter kann man Personen unfollowen, allerdings nur allen auf einmal ("Bitte nehmt mich von der Liste! Diese Spamflut! Mami, ich muss Bäuerchen machen.") oder sie sogar blocken (if sender = datenschmutz -> move to trash). Tja, "new media contains old media" - da hätte Mac schon recht.

Die Grünen deklarieren sich

Ich bin Vorwählerin, weil ich an Märchen und Heilsversprechungen glaube
Ich bin Vorwählerin, weil ich die linken Fundis bei den Grünen loswerden möchte
Ich bin Vorwähler, weil ich den ganzen Tag vorm Internet sitze und keine Freunde habe
Ich bin Vorwähler, weil ich von der ÖVP dafür bezahlt werde

Diese und ähnliche Sprüche wurden innerhalb eines verdächtig kurzen Zeitraums in Max' Bannergenerator eingetippt. Mit dem kann man personalisierte Banner erstellen, um Support für die Aktion Grüne Vorwahlen kundzutun. Die ganze Sache hat eine längere Vorgeschichte: im Gegensatz zu allen anderen Parteien erlauben die Grünen "Unterstützern" bei der Erstellung der Kandidatenlisten mitzustimmen, ohne aber Parteimitglied zu sein. Helge und einige weitere unzufriedene potentiell-Grün-Wähler nutzten diesen Passus auf smarte Weise aus und riefen besagte Vorwahlen ins Leben, mehr zu diesem Stück partizipative Demokratie gibt's bei Helge nachzulesen. Und jetzt kommt der Hammer: die obenstehenden Banner haben sich die Grünen, die mittlerweile wohl ebenso viel Angst vorm Internet zu haben scheinen wie der ORF Programmdirektor, selbst gebastelt! Ich sag nur: a) Eisenhintern. b) Don't mess with Karli's toys! :mrgreen:

3 Worte für König Content

Clear - Concise - Compelling. Das empfiehlt zumindest der Copyblogger:

Writing for the web is a minimalist affair. Your words, sentences and paragraphs are short. Precise. Lean. Tight. Web writing trades in sheering off useless words. Cutting flabby paragraphs…
Even shedding entire pages.
Think that's harsh? Jakob Nielson recommends you cut up to half of the words for every print page you plan to put on the web.

Ich bin ja kein großer Nielsen-Fan - aber die grausame Wahrheit ist: man muss den persönlichen Trade-Off finden. Ich zum Beispiel schreib nicht immer nur für meine Leser (pardon), sondern auch für mich, weil ich gerne mit Sprache rumspiele. Das macht manche Sätze komplizierter und missverständlicher als nötig... aber wenn ich keinen Spaß am Schreiben hätte, dann gäb's dieses Blog überhaupt nicht. Insofern muss man, da Schreiben nun mal eine der Haupttätigkeiten jedes Bloggers ist (wenn auch bei weitem nicht die einzige), einen persönlichen Mittelweg finden. Und ganz ehrlich: wenn sich alle an clear-concise-compelling hielten, dann wären einige meiner Lieblingsblogs mit einem Schlag nur mehr halb so lesenswert. Wie sehen Sie das?

Scoopler sucht in Echtzeit

Während sich altgediente SEOs über die mittlerweile doch schon recht raschen Index-Update-Zeiten von Google freuen, wächst und gedeiht derweilen anderswo die Echtzeit-Suche - Scoopler etwa verwirft die Idee eines starren Index völlig und präsentiert aktuelle Ergebnisse aus mehreren Quellen als Live-Stream:

Scoopler is indexing live streams from Twitter (Twitter reviews), Digg (Digg reviews), Delicious (Delicious reviews), Flickr (Flickr reviews) and Identica in real-time, and not only that; it’s also indexing links, videos and photos from these data sources, which is similar to what Twitter has been planning to do. As a result, Scoopler doesn’t feel so much as a search engine, more like a news site with a constant stream of live updates in the middle (paused when you mouseover, a nice touch), list of hot topics on the left, and most popular results on the right.

Details zum neuen Suchservice kennt Mashable - Reviewer Stan Schroeder freut sich einerseits über die elegant aufbereiteten Ergebnisse und die integrierte Relevanzwertung, hält diese jedoch für verbesserungswürdig: im Fall von Twitter etwa berücksichtigt Scoopler nur den nackten retweet-Rank, lässt sich also mit anderen Worten sehr leicht manipulieren.

5x Twitterforschung

Mashable hat eine Reihe von Statistik-Tools für Twitter zusammengetragen und spricht relativ hochtrabend von "Research Tools":

Fortunately, there are several tools out there that can help analyze Twitter data, understand user behavior, and graph it for analysis and presenting to others. Today, we’ve picked out five great tools to get you started.

Die meisten kennt man als 140-Zeichen-Junkie ohnehin schon, aber zumindest die hübschen Xefer Charts waren neue für mich.

Zeit managen wie ein Profi

Wir arbeiten an der großen Zerstreuungs- und Ablenkungsmaschine Computer, was so manches Problemchen mit sich bring. Lifehack hat vier Tipps für außergewöhnlich gestresste Mitarbeiter. E-Mails nur zu bestimmten Zeitpunkten checken und so - Prokrastinierer sollten mittlerweile ohnehin wissen, dass sämtliche Alert-Pop-Ups ihre natürlichen Feinde sind, die es zu deaktivieren gilt. Hilariös fand ich allerdings diesen Satz:

In times past, when training budgets were somewhat normal the solution was easy. Sign up for a class in New Jersey, make sure that the boss is involved in the planning, offer a one page post-course “summary,” and email a thank-you for the life-changing opportunity.

Tja... vom Angestellten 2.0 wird eben erwartet, dass er sich selbst fortbildet. Da kann man sich doch auch gleich selbständig machen!

SEO News der Woche

Bottom Feeder können sogar bei Xing ein paar Backlinks abgreifen (als ich dort noch ein Profil hatte, war die About-Seite quasi ein vollgestopftes Kontext-Link-Directory). Mehr als PR1-2 wird's zwar nicht, aber einem Free-Account schaut man bekanntlich nur dann ins Maul, wenn mal das Kind im Brunnen liegt. Oder so. Yannick hat da sicherlich andere Tricks an Lager - er startet gerade mit seiner neugegründeten Agentur durch - Gratulation und guten Start! Ich sag ja nur: David gegen Goliath!

Nicht nur Käse schimmelt

Was tun mit expired content? Rand Fishkin empfiehlt die von den Seonauten auf deutsch erklärte "Hybridmethode":

Der schlechteste Weg ist, die Seite einfach zu entfernen. Die Suchanfrage gibt ein 404 aus und aus ist die Maus. Zumindest wenn du die 404 im Standard behältst.
Der zweit-schlechteste Weg ist die Seite so zu lassen wie sie ist. Sicherlich werden noch ein paar Leute nach dem alten Zeug suchen, aber macht das einen Sinn ?
Besser ist es die Seite gänzlich zu redirecten per 301 und damit dauerhaft umzuleiten auf eine Seite, die am besten themenrelevant ist zu dem alten Thema. Beispiel : iPhone zu IPhone 3G oder ähnliches
Was nach meiner Meinung aber eine noch bessere Methode sein kann (auch wenn sie nicht immer passt) ist die Teil-Trust-Übergabe an eine neue URL durch Verlinkung mit passenden Anchor Texten oder der Teil-Trust Übertrag an eine URL einer neuen Domain.

Sei kein Domainer

Oder sei einer, aber dann bitte richtig - im Matthias Süß erklärt dem Netten SEO im Interview nämlich die Unterschiede zwischen URL-Händlern und URL-Optimierern:

Aus der Sicht eines Suchmaschinenoptimierers interessieren mit an einer Domain andere Faktoren als einem Domainer. Einem Domainer sind die eingehenden Links beispielsweise völlig egal, da sind der Domainnamen und die Top Level Domain viel wichtiger. Bindestrichdomains würde eine Domainer i.d.R. nie anfassen. Und dann gibt es noch die Projektentwickler, die wiederum andere Ansichten mitbringen.

Der Focus rankt

Auf Suchmaschinentricks.de gibt's eine interessante Statistik zu bewundern - und zwar die numerische Beantwortung der Frage, wer in Google am häufigsten (also mit den meisten populären Keywords) auf Platz 1 steht:

Um diese Frage zu beantworten, habe ich einen kleinen Blick in meine Datenbank geworfen und mir die Websites herausgefischt, die die meisten Top-Platzierungen in Google erreichen. Als Suchbegriffe habe ich die zehntausend häufigsten Suchanfragen der letzten Jahre (Quelle: meine Keyword-Datenbank) zugrunde gelegt. Diese Liste geht von Google bis Planetarium und sollte den "Short Head" der deutschen Suchanfragen umfassen.

Die Zahlen gelten für Deutschland, wenig überraschend landete die Wikipedia auf Platz eins und zwei (de und en), Bronze geht am Amazon. Chip und Focus sind mit Platz 5 respektive 9 auch sehr gut vertreten - die komplette Top-100-Liste gibt's als Excel-Download.

Video der Woche

Das Video der Woche ist in dieser Woche kein Video, nicht mal im weiteren Sinn - sondern ein Panorama, sogar ein unendliches. Und definitiv eines meiner kontemporären 10 Lieblingskunstwerke:

Das Unendliche Panorama ist eine Endloszeichnung der Filmemacherin und Autorin Andrea Maria Dusl. Es erscheint seit Herbst 2008 - in kontinuierliche wöchentliche Folgen unterteilt - in der Wiener Stadtzeitung Falter. Das Unendliche Panorama ist die kolorierte Fassung jenes legendären Projekts, das Dusl zwischen 1985 und 1995 im legendären österreichischen Diskurs-Organ FORVM publizierte.

Man kann also auf legalen und dubiosen Wegen versuchen, sämtliche Falter-Ausgaben seit Herbst 2008 zu ergattern und sich anschließend mit einer Schachtel Buntstifte unverzagt an die Arbeit machen. Oder man nutzt einfach den Webbrowser der Wahl und geht nach http://bureau.comandantina.com/panorama/ (Embedding spielt's leider nicht). Und das beste dran: man setzt das Panorama via onMouseOver in Bewegung, und es läuft und läuft - also irgendwie doch quasi ein Video. Den Link hab ich übrigens gerade frisch von @Matthias_Cremer bekommen, besten Dank dafür!

Und zum Drüberstreuen gibt's noch das neue Oeuvre der Fibro Twins (das sind die Jungs, die auch für das Skatevideo "Fire Pit Hunt" von letzter Woche verantwortlich zeichnen - imho sehr gelungene Bild-Text-Collage mit Effekten satt:

Und das war sie auch schon wieder, die Rückschau auf die vergangenen sieben Tag. Nächste Woche wird's hier give-away technisch wieder äußerst spannend, denn dank Susanne Holzer verlose ich ein Ticket für die meshed #1 Konferenz am 28./29. Mai in Linz im Wert von €680,-. Und weil das bisher der teuerste Preis ist, den ich je auf datenschmutz verschenkt habe, müssen sich alle, die gewinnen wollen, auch richtig anstrengen :mrgreen: Ich werde ab Montag für drei Tage lang ein Twitter-Quiz starten, und wer die meisten Fragen richtig beantwortet, hat freien Eintritt bei dieser spannenden Online-Marketing Konferenz - ich werde übrigens auf vor Ort sein und Ende Mai live berichten. Nähere Details zur Verlosung gibt's ab Montag. Ich wünsche einen schönen Sonntagabend, wir lesen uns morgen.

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Amazon bietet DRM-freie mp3s an

ammp3 Amazon bietet DRM freie mp3s anSeit gestern gehört auch Deutschland zum Reigen jener Ländern, in denen Branchenprimus Amazon Musik nicht mehr nur auf Silberscheibe oder Vinyl verkauft: ein riesiger Portfolio hochwertiger 256kBit Files stehen direkt auf der Webseite bereit. Für den One-Click-Einkauf ist die Installation des Amazon-mp3-Downloaders (verfügbar für XP, Vista, Mac und Linux) zwingend erforderlich. Austria-Surfer bleiben aber einmal mehr außen vor, aber wird sind's ja gewohnt. Vordergründig übernimmt die Software den Download ganzer Alben sowie das Importieren in die iTunes Bibliothek - was die Software im Hintergrund tut, wissen bloß der Geier und die Musikindustrie.

Letztere ist in punkto Wasserzeichen und Konsumentenkriminalisierung in den letzten 10 Jahren ja nicht gerade durch Zimperlichkeit aufgefallen; da wundert man sich direkt, dass Amazon seinen Verkauf überhaupt ohne DRM starten durfte. Der Beschreibungstext weist gleich mal auf "lokale Besonderheiten" hin:

amazonmp3 Amazon bietet DRM freie mp3s an

Tatsächlich konnte ich keine Songs in den Einkaufswagen legen. Zwar tauchte keine Fehlermeldung auf, aber die Songs schienen einfach nicht auf. Erst nach Installation der Software und einem One-Click-Verkauf wurde Amazon ein wenig gesprächiger:

Bitte beachten Sie: Tut uns leid. Ihre Bestellung konnte nicht verarbeitet werden, da das gewünschte Produkt geografischen Einschränkungen unterliegt. Weitere Informationen zu den geografischen Einschränkungen finden Sie in den Nutzungsbedingungen zu diesem Produkt. Wir entschuldigen uns für Unannehmlichkeiten, die Ihnen möglicherweise hieraus entstanden sind.

Nur der Schelm glaubt, dass wir Alpenrepublikaner durch solche Actions Piratebay & Co. in die Arme getrieben werden. Bin gespannt, ob sich die Amazon-Rechtsabteilung wegen der paar Bewohner überhaupt die Verhandlungen mit AKM, AUME und Co. antut.

Affiliates freuen sich

Affiliate-Experten wissen, dass ein sogenannten "Medienbruch" die Conversion beträchtlich verschlechtert. Verkauft ein trusted merchant wie Amazon digitale Güter, so steigt automatisch die erzielbare Conversion Rate - Deeplinks auf einzelne Alben bzw. Tracks sind schon jetzt möglich, an einem mp3-Widget wird mit Hochdruck gearbeitet. Musik ist ein dankbarer Rohstoff - allen Unkenrufen zum Trotz geben ausreichend viele User durchaus Geld für Beschallungsinhalte aus, sofern die Convenience stimmt. Mit anderen Worten: hier tut sich meiner Meinung nach eine sehr lukrative neue Einnahmequelle für alle Internetseiten mit Popkultur-Bezug auf!

Startseite: Amazon mp3-Downloads

In Deutschland haben wir sensationelle Verkaufszahlen

Soeben lief auf ATV eine nicht nur in Kärnten gespannt verfolgte Doku über Jörg Haider. Die ließ relativ wenig Fragen zur Methodik und Vorgehensweise des österreichischen Rechtsaußen-Politiker Popstars offen. Wirklich gut gemacht - Respekt ans Redaktionsteam! Was noch zu sagen wäre: mir drängen sich Vergleiche mit Felix Mitterer auf, wenngleich nach rein formalen Kriterien.

Denn als seinerzeit die großartige mehrteilige Piefke-Saga besagten Autors erstausgestrahlt wurde, brachte der ORF im Anschluss an den finalen Teil eine Live-Diskussion zwischen Politikern, Grünen, Tiroler Schützen und anderen Weirdos - besagte Sendung galt fortan als informeller fünfter Teil des legendären Fernsehdramas. Und gerade eben diskutieren die grandiose Anneliese Rohrer, der Kabarettist Florian Scheuba und der Unbeschreibliche (und das ist, nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, in *keinster* Weise positiv gemeint) Ewald Stadler mit Silvia Saringer über Werk und Wirken des Kärntner Polittalents. Herr Stadler ließ sich in Replik auf eine scharfzüngige Analyse von Frau Rohrer, die es traurig fand, dass der Jörgl, ginge nicht gerade jetzt der Kärntner Wahlkampf über die Bühne, kaum eine Erwähnung fände, zu folgender Aussage hinreißen: "In Deutschland haben wir sensationelle Verkaufszahlen." Er referenzierte mit seiner Wortmeldung eine CD des verunfallten Landeshauptmannes, auf der jener Kärntner Volkslieder intoniert. Ein Schelm, wer Parallelitäten zu Starmania "Mastermind" und Universal Österreich "Managing" Director Hannes Eder sieht.

Ja. Wirklich. Man ist Österreicher, in meinem Fall seit 32 Jahren. Man weiß, dass man in den Outskirts Europas lebt, quasi in einer irgendwie Deutschland zugehörigen Übersee-Kolonie, bloß ohne See. Man hat so einiges an Sado-Maso Staatskultur internalisiert, ist daran gewöhnt, dass hierzulande Provinzialität als Originalität hochstilisiert wird und glaubt am Ende irgendwann sogar noch, dass all die Scheiße ganz normal riecht - denn olfaktorisch nehmen wir bloß Differenzen wahr, Gnade der Evolution oder Gottes, je nach persönlicher Präferenz. Aber in kurzen Momenten weht dann ein frischer Wind, der wieder ungewollte Wahrnehmung ermöglicht. Danke Ewald. You gave me a bitter laugh.

Uri Gellers next Zaubermodel

Next Uri GellerWo Uri Geller auftaucht, häufen sich die unerklärlichen Phänomene - und der zutiefst geschockte und in seinem rationalen Weltbild erschütterte Zuschauer bekommt unweigerlich eine Gänsehaut, wenn er sich die Frage stellt: Warum ist Vincent Raven krank? Hat ihn sein Rabe womöglich mit der Vogelgrippe angesteckt? Aber die rätselhafteste aller Fragen wird wohl für immer unbeantwortet bleiben: Warum variiert das Niveau der vorgezeigten Zauberkunststücke dermaßen stark?

Jan Becker beeindruckt mich immer wieder aufs Neue, allerdings spielt bei seinen "Tricks" ein immenses Hypnosekönnen und nicht unbedingt die Täuschung des Zuschauers die Hauptrolle. Faszinierend, dass ihm diese sehr wirksame Form der Instant-Hypnose sogar problemlos unter den erschwerten Bedingungen einer Live-Sendung gelingt.

Jan Rouven bringt mich mit seinem drastisch mangelnden Schauspieltalent unfreiwillig immer wieder zum Lachen - heute legte sich der Techno-Mage und Möchtegern-Copperfield unter scharfe Schwerter; nur der Erbauer des "Betts des Todes" weiß, wie die Schnüre, welche die Schwerter auslösen, im verborgenen Mechanismus verbunden sind. So misslungenes Forcieren hab ich im Fernsehen bisher selten gesehen!

urifoto Uri Gellers next Zaubermodel

Mangelndes Schauspieltalent kann man Ulli Loup nun wirklich nicht vorwerfen, auch wenn sein Repertoire aus zwei Mimiken weniger als jenes von Sylvester Stallone besteht - dem Burschen kommt kein Lächeln aus, aber die vorgezeigte Routine wusste durchaus zu überzeugen. Es handelte sich um eine Variation des alten Auswahltricks, allerdings bekam Ulli die zu identifizieren Dosen weder zu sehen noch in die Hand - respektable Leistung!

Danny Oceans Streichholzschachtel-Trick war auch nicht von schlechten Eltern: der nützte recht überzeugend das Publikum als "Zufallsgenerator" und identifizierte mittels Pendel eine spezielle Box, deren Nummer er vorher allerdings gar nicht kannte - ich kann mir jedenfalls nicht erklären, wie dieser Trick ohne Komplize im Publikum hinhaut. Nur wunder kann ich mich über Amilas Pressetext auf der offiziellen Seite:

Lange blonde Haare, Schmollmund: Sie ist die Lady unter den Mentalisten und stellt die männerdominierte Welt auf den Kopf. Bei ihren Auftritten knistert es vor Erotik. [...] Ihr Blick dringt bis in die Seele der Männer, die unter ihrem Einfluss tun, was sie will.

Na und? Das kann doch jede Frau, oder? Erwähnenswert ist im Gegensatz zu ihrem Wasserröhren-Befreiungstrick, dass der Herr der verbogenen Gabeln höchstpersönlich Deutschland wieder mal zu einem Selbstexperiment einlud - kein Wunder, dass das Gläserrücken in Österreich nicht funktionierte. (Naja, alles ist relativ. Bewegt hat sich das Glas schon, meine Freundin hat bloß behauptet, ich hätte geschoben.) Dass während der Sendung allerdings immer wieder mysteriöse Phänomene auftreten, kann nicht länger geleugnet werden: so wollte Anja heute partout kein Roastbeef essen, was ich mir einzig und allein mit den übersinnlichen Kräften Uri Gellers erklären kann. Also wieder einmal ein schlagender Beweis dafür, dass das Unfassbare immer dann zuschlägt, wenn man gerade nicht drauf gefasst ist - ich freue mich jedenfalls schon auf die kommende Show am nächsten Dienstag.

Weissfunk: Vertragshandy mit Schufa-Eintrag

WeissfunkDie private Verschuldung (Stichwort: Konsumschulden) nimmt zu, und hat man in Deutschland erst mal einen Schufa-Antrag, dann verschließen sich von heute auf morgen jede Menge Türen: unter anderem war es bislang mit negativer Bonitätsbewertung nicht möglich, bei etablierten Netzbetreibern ein Vertragshandy zu erhalten. Weissfunk ändert dies und bietet unter dem Slogan "telefonieren mit weißer Weste" ein Tarif-Modell an, das jeder unabhängig von Schufa-Einträgen nutzen kann.

Wie auch bei anderen Providern üblich bekommen Weissfunk-Kunden zum Erstvertrag ein Gratis-Handy, und zwar nach Wahl ein recht aktuelles Modell von Nokia, Samsung oder Sony-Ericsson. Zugleich bestimmt der Kunde ein monatliches Limit und hinterlegt in Abhängigkeit von der Höhe dieses Limits ein Kaution, nach Ablauf des Vertrages wird diese inklusive Zinsen zurückerstattet.

Bei einer Grundgebühr von 10 Euro telefoniert man mit für Deutschland recht moderaten Tarif von 15 Cent pro Minuten in alle Netze. Die Netz-Abdeckung dürfte sehr gut sein, weil Weissfunk das Netz von E-Plus mitnutzt. Interessant ist dieser Tarif nicht bloß für Privatschuldner, sondern auch für vorsichtige Telefonierer, die auf keinen Fall in eine gröbere Kostenfalle (Stichwort: Kinder und Handys) tappen möchten. Gerade für Arbeitssuchende ist ein Handy von großem Vorteil - wer die lästige und teure Aufladerei vermeiden will, findet meiner Meinung nach in Weissfunk eine sehr interessante Alternative.

Neue Branchenbuch AG: Es wird sozialer

Neue Branchenbuch AGVor kurzem habe ich österreichische Branchenbücher auf ihre SEO-Tauglichkeit hin analysiert. Während sich die Platzhirsche Yellowmap und Herold hierzulande den Markt weitgehende aufteilen, kommt in Deutschland Bewegung in die "Szene": die Neue Branchenbuch AG kombiniert als erster Anbieter eine Bewertungsplattform mit dem klassischen Branchenbuch-Angebot.

Im Social Web wird bekanntlich alles und jedes bewertet. Die "Wisdom of the Crowd" also auch bei der Bewertung von Firmen genau dort einzusetzen, wo man normalerweise nach ihnen Sucht, liegt extrem nahe. Eigentlich wundert es mich, dass noch kein Anbieter generell die Social Network Metapher verwendet bzw. als Firmenbuch zweckentfremdet: sozusagen ein Xing für Unternehmen statt für Personen. Denn dem klassischen Businessmodell der Branchenbuch-Branche (Wort-der-Woche-Anwärter, kurz: BMdBbB) täte dies keine Abbruch: denn es wird ja nicht der Installateur- oder Fotographen-suchende User zur Kasse geben, sondern die Firma, die sich präsentieren möchte - also kein Problem, eine Premium-Modell (aber bitte durchdachter als bei Xing) einzuziehen. Der Pressetext hebt zunächst die klassischen Qualitäten hervor:

Auf den ersten Blick scheint der Mitbewerber mit einem Basispreis von netto 49,99 Euro im Monat im Vergleich zu 89,00 Euro netto bei der Neuen Branchenbuch AG günstiger. Allerdings bietet das Frankfurter Unternehmen deutlich mehr Service wie die doppelte Anzahl für Schlagwörter und Branchenzuordnung, die eben entscheidend für das Finden eines Unternehmens sind.

Spannender wird's allerdings weiter unten - denn die Betreiber haben zwei Prinzipien des Social Networking offensichtlich internalisiert. Wer die Crowd sourced, muss auch für Motivation sorgen:

Wer seine Daten im Onlinebranchenbuch immer aktuell hält, seien es die Adress- und/oder aber die Produktdaten, erscheint in den Listings bei Suchanfragen weiter oben, als jene die dies eben nicht machen.

Zweites spannendes Alleinstellungsmerkmal ist ein umfangreiches Programm gegen "Bewertungsbetrug". Hier wolle man mit Experten zusammenarbeiten und "stichprobenartig" prüfen, so die Neue Branchenbuch AG. In der Tat ein untriviales Problem: denn das bekannte Social-News Phänomen (raufvoten mit mehreren Konten, motivieren des Bekanntenkreises...) nimmt im Kontext eines Branchenbuchs natürlich sofort wettbewerbsrechtliche Dimensionen an: wer es schafft, selbst besser bewertet zu sein als die direkte Konkurrenz, wird dies umso stärker an den Umsatzzahlen merken, umso mehr potentielle Kunden ihre Unternehmen im Netz suchen, und diese Quote steigt bekanntlich ständig. Rechtsexperten und eine Redaktion, die auf der Hut ist wie der sprichwörtliche Luchs, sollen systematische Verzerrungen vermeiden. Leicht stelle ich mir diese Aufgabe nicht vor: denn je populärer das Branchenbuch wird, desto größer die "Blackhat Energie". Österreichische Unternehmen dürfen übrigens - je nach Präferenz - aufatmen oder enttäuscht sein, denn die Neue Branchenbuch AG bietet ihr Service derzeit nur für Deutschland an.

DocInsider: Social Network für alle Arzt-Belange

docinsider logo1 1217073441 DocInsider: Social Network für alle Arzt BelangeDie Gesundheit gehört zu den sensibelsten aller Themen: der Gesetzgeber gibt hier besonders strenge Kontroll-Richtlinien vor, die für erhöhtes Patientenvertrauen sorgen sollen. Doch Medizinstudium hin oder her: jeder, der schon mal wegen ein und desselben Gebrechens eine Odyssee durch verschiedene Arztpraxen erlebt hat, weiß ein Lied davon zu singen, dass die Unterschiede ganz beträchtlich sein können. Da wäre es doch praktisch, Informationen von "LeidensgenossInnen" direkt aus erster Hand zu erhalten! Exakt diese Idee verfolgt DocInsider, die größte Ärztebewertungscommunity Deutschland.
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monochroms Streichelnazi

streichelnazi 150x150 monochroms Streichelnazi"The Ladies like him!" Die Rede ist vom Streichelnazi, den monochrom unlängst in Wien ausstellte. Mit Affirmation hat das nix zu tun, es handelt sich vielmehr um gewohnt aktio-situationistische Aufbereitung eines der verlogensten und verlegensten Kapitel Österreichs: denn noch Jahrzehnte nach dem Krieg stellten die wenigsten Politiker (und Zivilpersonen) den schweigenden Konsens, dass Österreich das erste "Opfer" Nazideutschlands gewesen sein, nicht bloß nicht in Frage, sondern forcierten jene Betrachtungsweise, die jegliche Unterstützung für die NSDAP auf breiter Basis vollkommen leugnete.

An eine Geschichtsstunde in der Oberstufe kann ich mich noch gut erinnern: am Lehrplan stand schließlich irgendwie irgendwo auch Zeitgeschichte - aber in Lienz muss man da aufpassen; schließlich hat Tirol die Verflechtung von konservativer Politik, Kirche und staatlichen Jobs zur Meisterschaft getrieben. Unsere gesamte "Bildung" über österreichische Parteien lief dabei folgendermaßen ab: drei Personen bekamen Kopien der damals aktuellen Parteiprogramme von SPÖ, ÖVP und FPÖ und mussten Referate halten. Die drei Vorträge (ohne Zwischenfragen) nahmen fast die gesamten 50 Minuten ein. Der Kommentar unseres Geschichtelehrers in den verbleibenden zwei Minuten lautete: "Und wie ihr seht, ist das eh alles mehr oder weniger das Gleiche." Möglicherweise hat diese Aussage sogar einen nicht unbeträchtlichen Teil dazu beigetragen, dass ich später an der Uni Politikwissenschaft als mein Nebenfach gewählt habe.

Es gab jedenfalls keinerlei Diskussion darüber, was Parteiprogramme überhaupt sind und wozu sie dienen, wie die einzelnen Parteien entstanden, wo die grundlegenden ideologischen Unterschiede zwischen links und rechts liegen... man hat uns sozusagen in einer staatlichen Institution zu potentiellen Nichtwählern erzogen. Die Nazis haben wir damals natürlich überhaupt nicht durchgenommen - vielleicht wären die nach Meinung unseres Gymnasialprofs ja "auch eh nur das gleiche" gewesen. Immerhin hat Österreich ja im Rahmen der statistischen Unschärfe seinerzeit quasi geschlossen für das Großdeutsche Reich gewählt. Fanden .at die Hakenkreuzträger damals gar süß und streichelnswert? Diese Frage stellen Johannes und Co. im folgenden Context-Hacking Video - Text und Credits gibt's auf monochrom.at.

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Shortnews kuschelt sich an Blogs

shortnews Shortnews kuschelt sich an BlogsIch kannte Shortnews bisher bloß vom Hörensagen - aber letztens hab ich eine Mail in meine Blog-Box bekommen, in der mich die Betreiber der Social News Community als vertrauenswürdig und ausgewählt beschimpfen bezeichnen. Grund für die eigenartige Einschätzung: Shortnews akzeptiert ab sofort auch Blogs als Nachrichtenquellen, darunter datenschmutz:

ShortNews.de, Deutschlands ältestes Web 2.0 Portal für nutzergenerierte Nachrichten, schlägt einen neuen Weg ein und akzeptiert ab sofort auch Blogs als Nachrichtenquelle. ShortNews.de akzeptiert ab sofort ausgewählte und vertrauenswürdige Blogs als Nachrichtenquelle. Unter diesen Blogs ist auch Ihrer.
Insgesamt möchte ShortNews.de mit diesem Schritt vor allem seinen Webreportern die Möglichkeit einräumen noch schneller und einfacher interessante und ungewöhnliche News einzuliefern, um die Aktualität und Attraktivität der einzigartigen News-Community weiter zu steigern!

Anscheinend ebenfalls neu ist der Shortnews-Button zur direkten Blog-Integration - der Einbau kann ja nicht schaden:

So können nun auch Blogger von den hohen Klickraten auf die Newsquelle einer ShortNews und dem damit verbundenen großen Besucherstrom profitieren. Denn ShortNews.de leitet monatlich mehr als 700.000 Besucher an die Newsquellen weiter.

Ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung, ob das viel oder wenig ist, weil mir der Vergleich zu den Yigg bzw. Webnews-Zahlen fehlt. Aber wenn sich die 700k auf alle Newsquellen aufteilen, dann bleiben da vermutlich gar nicht mehr so viel pro Source... aber egal: mir gefällt der Duplicate News Check über Stichwörter recht gut, den ShortNews beim Einstellen vorschreibt. Und anscheinend bekommt man gute Votings sogenannte Shorties, die man gegen Startseitenplatzierungen auf SEOigg diverse Prämien eintauschen kann.

Aktiv ist die Seite seit 1999 - und hat mittlerweile eine respektables Newsarchiv aufzuweisen. Die Regeln für die Einstellung sind relativ simpel, aber enger vorgegeben als bei vergleichbaren Portalen:

Bei ShortNews.de stellen Nutzer eigenständig News ein, die sie für wichtig und interessant befinden. Die News sind knapp und klar formuliert und setzen sich aus einer Schlagzeile und drei Kernaussagen zusammen. Bis heute wurden von hunderttausenden ShortNews-Nutzern über 700.000 News und 1,3 Mio. Forenbeiträge produziert. Das News-Portal verzeichnet ca. 3 Mio. Besucher und 12 Mio. Seitenaufrufe pro Monat.

Nette Idee - ich werd da sicherlich mal testweise eine News einstellen. Und wenn man mich schon als vertrauenswürdig bezeichnet, was bleibt mir dann groß anderes übrig, als den Button einzubauen? Alles bloß virale Psychologie :mrgreen:

CSS: Zusatzversicherung ohne Altersrückstellung

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cssversicherung CSS: Zusatzversicherung ohne AltersrückstellungVersicherungstechnisch kann man manchmal ganz schön dumm dastehen. Zum Beispiel dann, wenn sich eine scheinbar gute Idee in der Realität als Kostenfalls entpuppt. Typisches Beispiel in Deutschland ist die sogenannten Altersrückstellung: was viele Versicherer als Vorteil anpreisen, erweist sich laut CSS (in diesem Fall ausnahmsweise nicht Cascading Style Sheets, sondern eine gleichnamige Schweizer Versicherung) für gut drei Viertel der Versicherten als äußerst nachteilig. Als erste Versicherung überhaupt bietet die CSS in Deutschland Krankenzusatztarife ohne Altersrückstellung an.
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