Die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland hält nicht nur Terroristen vom Telefonieren ab, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage beweist: aus - wohl keineswegs unbegründeter, wie der aktuelle Telekom-Skandal zeigt - Angst vor möglichen späteren Negativfolgen verzichten immer mehr Bundesbürger darauf, die Eheberatungsstelle, den Psychotherapeuten oder die Drogenberatungsstelle zu kontaktieren. In Zeiten wie diesen weiß man schließlich nie genau, wer eigentlich Zugriff auf welche Daten hat.
1.002 Deutsche wurden von Forsa am 27./28. Mai für die repräsentative Umfrage ausgequetscht, und die Ergebnisse sollten den Politikern zu denken geben:
Die zu Jahresbeginn eingeführte Vorratsdatenspeicherung schreckt von sensiblen Gesprächen am Telefon ab und wird von nahezu jedem zweiten Bundesbürger als unverhältnismäßig abgelehnt. [...] Die Ergebnisse im Einzelnen: Sieben von zehn Befragten war bekannt, dass seit Beginn des Jahres 2008 alle Verbindungsdaten jedes Bürgers in Deutschland sechs Monate lang gespeichert werden müssen. Die Mehrheit der Befragten würde wegen der Vorratsdatenspeicherung davon absehen, per Telefon, E-Mail oder Handy Kontakt zu einer Eheberatungsstelle, einem Psychotherapeuten oder einer Drogenberatungsstelle aufzunehmen, wenn sie deren Rat benötigten (517 der Befragten). Hochgerechnet entspricht dies über 43 Mio. Deutschen.
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung fordert als Konsequenz aus der Umfrage - welche Überraschung - die sofortige Außer-Kraft-Setzung des Gesetzes, welches als lebensgefährlich eingestuft wird, wenn es etwa von telefonischen Hilferufen beim Psychotherapeuten abhält, so die Argumentation.
Den kompletten Ergebnisbericht gibt's online, aktuelle Informationen zur laufenden Verfassungsbeschwerde gegen die ausufernde Datenspeicherung finden potentielle Mit-ProtestantInnen hier.
Blogo 2008, der Blog-Logo Wettbewerb des Marketing Blogs, trägt den leicht zu merkenden Namen MBBDBWBSZZMDSBL und erfreut sich extrem reger Beteiligung.
Der vom Marketing-Blog ausgerufene Contest befindet sich bereits in der heißen Phase - stattliche 182 BloggerInnen haben ihre Header-Grafik ins Rennen geschickt. Auf den via Juryentscheid bestimmten Sieger warten phatte Preise (immerhin sponsert ein Spezialist für Schokoladenbrunnen die Aktion!), aber natürlich geht's in erster, zweiter und dritter Linie ums Dabeisein.

Das breite Spektrum vertretener Motive ist großartig, ich hab mal für die #51 gestimmt - so ein Schafskopf im Header macht sich schon sehr elegant. Den Start des Wettbewerbs hab ich verpasst, aber gerade mein Logo nachgereicht; theoretisch würd ich mich ja über Stimmen freuen, aber praktisch gibt's da ein paar viel steilere Motive. Unbedingt einen Blick reinwerfen!
PS - Frageee: Wie lange der Wettbewerb läuft die Abstimmung eigentlich noch? Hab dazu am Marketing-Blog keine Infos gefunden.
Die meisten Surfer verbringen ausreichend Zeit mit sinnlosen Klicks. Seien es Online-Browsergames oder diverse Spielereien auf Social Media Plattformen, das Netz ist längst Arbeitsplatz und Spielwiese zugleich. Alle Vielklicker könnten ihre Freude haben mit einem neuartigen Kombination aus Quiz und Affiliate Marketing: bei der Klickbox verschmelzen Unterhaltung und Quizshow zu einem in dieser Form neuartigen Werbeformat.
Ich war anfänglich recht skeptisch, als ich die Ausschreibung zu diesem Review erhielt, denn auf den ersten Blick könnte man die "Klickbox" in der Tat für einen der zahlreichen Gewinnspielanbieter halten, deren Businessmodell im Sammeln verwertbarerer personalisierter Marketingdaten besteht. Hier geht's allerdings um was anderes - der Ausschreibungstext erklärt das Konzept recht treffend:
Eine Überraschung ist das Erste, was einen Teilnehmer nach der kostenlosen Anmeldung erwartet: Statt bunter Werbung empfängt ihn eine weiße Fläche - die Klickbox. Vielleicht sind bereits einige farbige Punkte zu sehen, das ist alles. Der eigentliche Aha-Effekt kommt, wenn der User einfach irgendwo "ins Blaue" (beziehungsweise Weiße) klickt. Dann erscheinen auf bis zu 3.000 Klickfeldern zum Beispiel exklusive Einkaufsgutscheine, echte Schnäppchenangebote, Quizfragen und Sofortgewinne. Jüngste Gewinne waren ein iPod, Harry-Potter-Bücher und eine Nintendo Wii im Gesamtwert von 1.200 Euro.
Wem das zu abstrakt klingt, der kann einen Blick auf die Demoversion werfen; für "the real deal" ist eine Registrierung erforderlich. Für diesen Review hab ich mir natürlich die Live-Version angesehen und musste dafür zwangsweise "falsche" Adressdaten angeben: die Applikation akzeptiert, wie der Name bereits nahelegt, lediglich deutsche Postleitzahlen - Ösis und Schwiizr bleiben außen vor. Neben E-Mail, Adresse und Geburtstag werden schwerpunktmäßig die Interessen des Users abgefragt. Die Betreiber versichern in den AGBs, keinerlei Daten weiterzugeben, sondern die Profildaten lediglich für die spätere Befüllung der Klickbox mit passenden Angeboten zu verwenden. Von übertriebener Datensammelwut kann man keineswegs sprechen: die Registrierung ist in einer Minute erledigt.
Nach Bestätigung der Registrierung beginnt die Klickbox-Action. Die gesamte Homepage ist als Flashapplikation programmiert und lädt angenehm flott. Das Design ist übersichtlich geraten und gefällt mir gut - aber das ist bekanntlich immer Geschmackssache. Die Animationen zwischen den einzelnen Klicks nerven nie durch Überlänge, auf Usability-Seite gibt's nichts zu bemängeln. Beim Start meiner ersten Kampagne empfing mich ein Info-Fenster: heute stehe eine Sonderaktion am Plan. Jeder Klick ist eine Wissensfrage oder ein Geschenk, erfuhr ich - und solange man richtig antwortet, geht's weiter. Beim ersten Fehler kann der Joker einmalig zum Einsatz kommen, beim zweiten Patzer ist die Runde vorbei. Bei dreitausend Feldern fällt's natürlich nicht ganz leicht, die Gewinne auf Anhieb zu erklicken...

Ich musste nach zwei richtig beantworteten Fragen bereits bei der dritten meinen Joker einsetzen und schied nach weiteren zwei Runden aus - Zeit, die Antworten auf die teils sehr simplen, teils recht kniffligen Fragen zu googlen, bleibt kaum, denn die Antwortdauer beträgt 15 Sekunden. Nach dem Ausscheiden ist's vorbei mit der Klickbox bis zur nächsten Kampagne: geplant sind Neustarts im Rhythmus von 10 Tagen, eine Kampagne dauert jeweils drei Tage. Zusätzliche Jokerklicks lassen sich durch das richtige Beantworten von Fragen oder auch durch die Weiterempfehlung der Seite via tell-a-friend Funktion verdienen - pro Conversion gibt's zwei Jockerklicks.
Keine Banner, kein Spam, keine aufdringlichen Pop-Ups: Deutschlandklickt.de hebt sich ausgesprochen wohltuend von einschlägigen Affiliate-Biotopen ab. Die Teilnahme am Quiz macht Spaß, der langfristige Erfolg der Idee steht und fällt - wie bei sovielen Netz-Businessmodellen - mit dem Erreichen der kritischen Masse: wenn sich genügend User registrieren, wird es den Betreibern vergleichsweise leicht fallen, attraktive Preise und Angebote für die Klickbox zu akquirieren.
Bisher scheinen die ihre Arbeit recht gut gemacht zu haben: Neckermann, Premiere, Maredo und Argonaut sind unter anderen als Partner mit dabei und ich gehe davon aus, dass noch einige Online-Agenturen das Potential der Idee erkennen werden: denn Deutschlandklickt.de hebt sich wohltuend vom gewohnten marktschreierischen Umfeld ab und hat das Potential, die MitspielerInnen auch längerfristig zu motivieren; aktuelle News zu kommenden Preisen gibt's am zugehören Blog. Ich hab zwar nicht die richtige PLZ, aber werd in der nächsten Runde schon allein aus Interesse an der weiteren Entwicklung des Projekts mitspielen. Fazit: gute Idee, sauber umgesetzt.
UProm.tv beschränkt sich nicht auf das bloße Aggregieren von Uservideos, sondern präsentiert sich als erster deutscher Online-Fernsehsender: ein fixes Sendeschema und tägliche Magazine auf Astra Digital und im Kabelnetz ergänzen das Angebot. UProm.tv konzentriert sich dabei ganz auf das Thema Unterhaltung und lässt die Besucher selbst entscheiden, welche Beiträge ausgestrahlt werden.
Diesen Beitrag weiterlesen »
Auch in Deutschland werden DSL-Zugänge immer billiger: die klassischen Anbieter geraten nicht zuletzt aufgrund der starken Konkurrenz durch UMTS-Karten in Bedrängnis. Versatel schenkt allen NeukundInnen nun sogar einen iPod Nano zu jeder DSL-Bestellung. Verstärkter Wettbewerb lässt die Preise purzeln und sorgt für Diversifizierung: ob DSL samt eigenem Server, ob Standleitung ohne Vertragsbindung oder DSL-Telefonie-Pakete: privat permanent online zu sein, kostet auch in Deutschland kein Vermögen mehr.
Strato bietet eine breite Palette von Einsteigerzugang bis zur fetten
Maxi-Standleitung. Der Preiskampf hinterlässt seine Spuren: Strato, der auch als Server-Hoster agiert, bietet laufend Rabatte und hat eine ordentlich schnelle DSL-Flatrate bereits für unter 30 Euro im Programm:
Bei Congstar bekommt man zwar ebenfalls "pure" Anschlüsse, besonders attraktiv sind derzeit allerdings die Pakete samt Hardware: und zwar wahlweise mit Modem (für Single PCs) oder
mit Router, und zwar jeweils in verschiedenen Leitungsgeschwindigkeit und optional
samt Telefon. Ein Hauptvorteil ist sicherlich, dass keine Vertragsbindung nötig ist - viele Angebote können auf monatlicher Basis gebucht werden:
Versatel bietet sowohl DSL-Anschlüsse einzeln als auch im
Paket mit Telefonie als Doppel-Flatrate an. Der Anbieter setzt dabei auf das Baukastensystem und lässt die Kunden selbst entscheiden, welche Services benötigt werden - und das Beste daran: wer bis Ende Februar einen DSL-Zugang bestellt, erhält einen iPod Nano gratis dazu:
Inzwischen stellen vor allem für mobile Nutzer UMTS-Karten eine brauchbare Alternative dar. In größeren Städten wird die Free-WLAN Abdeckung immer besser, aber wer mag schon sensible Daten über häufig unverschlüsselte Netze schicken? In Deutschland bietet Vodafone Business-Laptopkarten an und wirbt mit hoher Netzabdeckung und einem Full-Service Mobilportal. T-Mobile hat in Deutschland ebenfalls diverse Pricing-Modelle für
mobiles Internet am Start, bietet ähnliche Features und eine ebenfalls hohe Netzabdeckung mit UMTS. Der Vergleich fällt sehr schwer, weil sich die Tarife aufgrund der dynamischen Marktentwicklung sehr häufig verändern.
Mein erstes Analogmodem hatte ich in Graz. Noch vorher war die allererste Webpage, die mir jemand gezeigt hat, die damalige Playboy-Homepage: bestehend aus dem aktuellen Cover und einem Inhaltsverzeichnis im Listenformat, aber spektakulär no the less. In Wien war ich dann gleich mal Testkunde für Internet via Telekabel, nach den Anfangsschwierigkeiten der ersten Jahre funkt's mittlerweile äußerst reibungslos und flott. Obwohl Österreich so klein und gebirgig ist - eigentlich nicht die besten Voraussetzungen für schnellen Netzausbau - sorgte der frühe Markteintritt von UPC zumindest in Wien für einen massiven Preiskampf: sowohl bei Internetzugängen als auch am Handy-Sektor. Hierzulande bezahlte man noch bis vor kurzem für vergleichbare Mobiltelefonie-Tarife die Hälfte der deutschen Preise. Dementsprechend günstig wird auch mobiles Internet via UMTS angeboten. In den letzten Monaten allerdings kam, soweit ich die Berichterstattung in der c't verfolgt habe, einige Bewegung in den Markt und die Schlacht um die verbleibenden DSL-Kunden wird härter - und Standleitungen immer erschwinglicher. Ich hab zuhause immer noch meinen Chello-Anschluss und mittlerweile zusätzliche eine T-Mobile UMTS-Ei für unterwegs - so langsam wird's ja doch was mit dem mobile lifestyle
Von Convenience, Longtail und Co. ist schon seit Jahren die Rede - trotzdem beschränkt sich Einkaufen im Netz immer noch zu einem hohen Grad auf Amazon und Ebay. Dabei zeigen Seiten á la Geizhals auf beeindruckende Weise, wie sehr ein wenig Preisvergleicherei den Wettbewerb anheizen kann. Das deutsche Startup Twenga versucht sich als Google fürs Shopping zu positionieren - und zwar quer durch den Gemüsegarten: von Hardware bis zu Mode und Dienstleistungen soll der willige Konsument hier das günstigste Angebot finden.
Das besondere an der Seite: keine Redaktion, sondern ein Crawler, der laut Aussagen der Betreiber ähnlich funktioniert wie Googles Technologie, grast das Netz nach Angeboten ab - und stellt selbige übersichtlich und nach verschiedenen Kategorien gegliedert dar. Obwohl die Firma kein Start-Up im eigentlich Sinn ist, sondern bereits seit 2004 existiert, bin ich bisher noch nicht drüber gestolpert - das liegt allerdings daran, dass die deutschsprachige Version erst vor vier Monaten gelauncht wurde. Der Firmensitz befindet sich in Paris, operativ tätig ist Twenga (der Name bedeutet auf Suaheli "ohne Umwege ans Ziel) zusätzlich in Großbritannien, Italien, Polen, den Niederlanden, der Schweiz und Belgien.
Die Betreiber setzen dabei ganz klar auf Masse: über 10.000 Kategorien und die proprietäre Suchtechnologie untermauern den Anspruch, die umfangreichste Einkaufsdaten-Bank im Netz abzubilden - und die Zahlen sprechen dabei eindeutig für die Franzosen: nur vier Monaten nach dem Deutschland-Launch befinden sich 11 Millionen Produkte aus 4.000 Online-Shops in der Datenbank - vom exotischen Designermantel bis hin zur Standard-Harddisk. Bei der Auswahl und Präsentation der Händler und Produkte möchte Twenga mit Gleichbehandlung das Vertrauen der User gewinnen, wie's auf der Seite heißt.
Das Twenga Motto lautet "Neutralität und Vielfalt". Aus diesem Grund bietet Ihnen Twenga heute die größte Auswahl an im Internet verfügbaren Produkten, Marken und Händlern. Auf Twenga werden einzelne Händler nicht bevorzugt. Alle Suchergebnisse werden im Sinne des Online-Shoppers optimiert und neutral dargestellt.
Wie sinnvoll die Benutzung einer solchen Suchmaschine ist, zeigt sich ganz schnell anhand eines Beispiels: der aktuelle sehr beliebte Flatscreen-Monitor Samsung Syncmaster 226BW ist 75mal vertreten - dabei reicht die Preisspanne von EUR 189,90 bis EUR 409,00, weist also eine Differenz von über 100 Prozent auf! Natürlich spielt nicht nur der Preis alleine eine Rolle bei der Kaufentscheidung, schließlich legen User im Netz Wert auf vertrauenswürdige Händler. Hier bietet Twenga die Möglichkeit, Bewertungen abzugeben, die sind allerdings in der deutschsprachigen Version noch sehr dünn gesät.
Speziell was Einzelteile und Komponenten für Computer angeht, sind die Preisspannen immens hoch, aber Twenga qualifiziert sich auch für (weiblich) Fashion-Junkies: eine halbe Million Angebote findet sich allein im Bereich Mode. Customizing-Funktionen sowie die Möglichkeit, sich einen Preis-Alert zusenden zu lassen, sobald das gewünschte Produkt eine bestimmte Preisschwelle unterschreitet, machen die Registrierung durchwegs attraktiv - es handelt sich sozusagen um eine Longtail-Implementation des immer beliebter werdenden Reverse Auctioning, bei dem der Käufer den Maximalpreis angibt, den er zu zahlen bereit ist.
Zwar stehen mit Ciao und Co. einige Konkurrenten in den Startlöchern, Twenga punktet allerdings mit dem unglaublich umfangreichen Inventar und dem sehr übersichtlichen Aufbau der Seite - wir Ösis allerdings leider natürlich darunter, dass nicht jeder deutsche Shop ins kleine Nachbarland liefert, trotzdem findet man immer noch ausreichend attraktive Angebote - wenn die Shop-Bewertungen erstmal ins Laufen kommen, stellt Twenga eine äußerst brauchbare Alternative zur Shop- und Produktrecherche via Google dar: denn wer bezahlt schon gerne freiwillig mehr als nötig?
Nic Gunkel, einer der jüngeren Einwohner Blogistans, erhebt auf seiner Seite Rate-It die Zukunft der deutschen Blogosphäre und hat dazu drei Fragen an alle Blogger geschickt, die in der Top 100 Liste vertreten sind. Auf seinem Blog schreibt er dazu:
Ich behaupte mal, dass jeder Blogger eine Meinung zu diesem Thema hat - egal ob sie pessimistisch oder eher optimistisch angehaucht ist. Diese Ausgangsposition ist doch prima! In den Fragen, die ich den Bloggern stelle, möchte ich eine kurze Situationsbestimmung der Blogosphäre in Deutschland durchführen und die Chancen der deutschen Blogs ansprechen.
Ich bin überzeugt, dass man nur gemeinsam etwas verbessern kann. Und Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist der Austausch von persönlichen Einschätzungen.
Beiden Behauptungen kann ich mich nur vollinhaltlich anschließen - und ich bin gespannt auf die Auswertung der momentanen "Positionsbestimmung". In der letzten Zeit habe ich mir regelmäßig Gedanken gemacht zum Thema "State of .de/.at/.ch-Blogistan - also auf zur Beantwortung der drei Fragen:
1. Glaubst du, dass die deutsche Blogosphäre im internationalen Vergleich zurückhinkt ? (Damit spreche ich zum einem das rivalisierende Verhältnis zwischen den Bloggern und den traditionellen Medien in Deutschland an. Desweiteren spiele ich auf den toleranteren Umgang von Selbstvermarktung und Werbung auf dem eigenen Blog an, wie er beispielsweise in den USA populär ist.)
Ich glaube, dass hier mehrere Faktoren eine Rolle spielen: generell hinkt der deutsche Sprachraum (oder besser gesagt Europa) den USA in punkto Internet-Usage um locker 2 Jahre hinterher. Nicht auf technologischer Ebene, sondern von der Art und Weise der alltäglichen Verwendung her: während (thematisch) Blogs in den USA mittlerweile fester Bestandteil des Media-Mix sind, kann man sie in Europa durchaus noch zu Recht als Nischenmedien bezeichnen. Die Innen-Wahrnehmung mag für Blogger eine andere sein, aber die absoluten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
Aber diese Situation wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern; einzelne Ausnahmeerscheinung wie Robert Basic machen jetzt schon vor, wie man dem eigenen Blog (entsprechende Aufbauarbeit vorausgesetzt) ein durchwegs lukratives Einkommen erzielen kann. Was mich zum Punkt Selbstvermarktung bringt: da gibt's in Deutschland ganz klar gewaltige Berührungsängste. Ich halte allerdings jegliche paradigmatische General-Entscheidung für sinnlos, jeder Blogger muss selbst entscheiden, ob und wenn ja wie viel Werbung er auf seiner Seite haben möchte, da gibt's keine fixen Regeln.
Die "Konkurrenzsituation" mit den old media präsentiert sich meiner Meinung nach als Scheingefecht, Blogs sind auf breiter Basis - mit Ausnahme von Fachmedien - keine Konkurrenz zu Zeitungen und Co, da sie strukturell und inhaltlich völlig anders funktionieren. In den nächsten 24 Monaten wird jedenfalls eine thematische Ausdifferenzierung stattfinden und der Anteil der Meta-Beiträge (Blogs über Bloggen) dürfte zugunsten zahlreicher thematischer Fachmedien zurückgehen. Ihren Zenit, wie fallweise zu lesen ist, hat die .de-Blogosphäre keineswegs überschritten, die Zahl der täglich neu angelegten Blogs nimmt nach wie vor stark zu.
2. In den USA wird uns vor Augen geführt, wie gut die Zusammenarbeit von Blogs und traditionellen Medien funktionieren kann. (z.B. wird bei Nachrichtenagenturen häufig ein Überblick über die themenrelevanten Diskussionen in den Blogs präsentiert.) Warum funktioniert diese Kooperation in Deutschland nicht?
Solange so "visionäre" Denker wie Herr Konken am Ruder sind, dürfte sich daran nix ändern. Andererseits erkennen bereits einzelne große Verlagshäuser die Vorteile des Publishing-Formats Blog (siehe "der Westen"). Vereinzelt werden erfolgreiche Blogger zu traditionellen Medienhäusern wechseln, dass sich eine starke Kooperation etabliert, halte ich allerdings für unwahrscheinlich, da ich keineswegs denke, dass es für Blogger unbedingt erstrebenswert ist, Gratis-Contentlieferanten für kommerzielle Verlagshäuser zu werden. Dabei ist die Trennlinie auch sehr schwierig zu definieren: was ist unbezahlte Mitarbeit und was läuft unter Gratis-Werbung fürs eigene Blog? Zu diesem Thema existieren sehr unterschiedliche Auffassungen.
3. Was muss die deutsche Blogosphäre tun, damit ihr größere Anerkennung und größerer Respekt zu Teil wird? (schwierige aber wichtigste Frage.)
Kollektiv gar nichts. Diese größere Anerkennung bekommt deutsch-Blogistan aus den oben genannten Gründen ohnehin; der Prozess lässt sich eventuell beschleunigen, sicherlich aber nicht verlangsamen. Selbst von 90% der BloggerInnen die Meinung verträten, dass Weblogs nicht-gewinnorientierte, private Online-Tagebücher sein sollten, werden die restlichen 10% erfolgreich daran arbeiten, ihre Leserschaft zu vergrößern. Die Frage nach dem Respekt ist schwierig zu beantworten - wie soll man das messen? Bei einer in Österreich regelmäßig durchgeführten Untersuchung zum Thema "Ansehen verschiedener Berufsgruppen" landen Journalisten regelmäßig auf den hintersten Plätzen; Blogger wurden noch nie abgefragt, aber die Szene ist dermaßen heterogen, dass man auch in diesem Bereich keine Pauschalaussagen treffen sollte. "Respect my authority", wie Eric Cartman aus South Park gerne fordert, funktioniert Blog- bzw. personengebunden...
Mit anderen Worten: Linkspammer und hochkompetente Fachexperten werden weiterhin mehr oder weniger friedlich koexistieren - Blogistan lebt von Differenzen und hält sie hoch. Was allerdings auf breiter Basis durchaus effektiv funktionieren kann, sind smarte Aggregationsportale. Max hat bei den vergangenen beiden Barcamps sehr spannende Vorträge zu diesem Thema gehalten.
Social Communities sprießen dieser Tage aus dem Boden wie die Pilze. Townbuddy möchte auf der Erfolgswelle von Facebook und Co. mitschwimmen, erwartet von seinen UserInnen allerdings ausgesprochen hohe Werbetoleranz. Primäre Netzwerkmetapher ist dabei die "Nachbarschaft": die Community verspricht ihren Usern, Kontakte zu den ganz klassischen Nachbarn herzustellen, konkret soll man im Internet jene User treffen, die in der gleichen Straße wohnen:
Wir leben in Zeiten der Paranoia - und zwar schon eine ganze Weile lang. Als ich noch wesentlich jünger war also heute, hing der militärische oder zivile atomare Supergau als dräuender Schrecken permanent über den 80er Jahren, um bald darauf vom Thema Waldsterben, das mittlerweile der Sorge um die Klimaerwärmung gewichen ist. Die wiederum hat hart mit der vorgeblichen Bedrohung durch "böse Terroristen" um die Vorherrschaft unter den Schreckens-Szenarien zu kämpfen. Mit der freien Kommunikation via Handy wär's in .de ohnehin schon längst vorbei, böte nicht der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung ein anonymes SIM-Karten Tauschservice an.
Hätte der Club of Rome mit seinen Wirtschaftswachstumsprognosen Recht behalten, dann lebten wir längst wieder alle in steinzeitlichen Höhlen. Hätten die Prognostiker des Waldsterbens sich in den frühen 80ern nicht getäuscht, dann stünde heute kein einziger Baum mehr in ganz Europa. Politik - und da ist die Umweltpolitik keine Ausnahme - auf weitgehend unbegründeten Katastrophen-Szenarien aufzubauen, ist nie eine gute Idee, marketingtechnisch aber unvorstellbar effektiv. Der ach so demokratische Staat und seine theoretisch der Verfassung verpflichteten Innenminister (egal ob .at oder .de) strecken schon länger ihre gierigen Finger nach einer lückenlosen Überwachung der "Untertanen" aus, und dies führte in den letzten Monaten zu Gesetzen, mit denen der selige Metternich seine hellste Freude hätte. Glücklicherweise gibt's Organisationen wie den CCC (der beispielsweise dank des Tor Projekts echtes anonymes Surfen möglich macht) oder den Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, der in Deutschland mit einer smarten Tauschaktion die neu eingeführte Registrierungspflicht für Simkarten unterläuft:
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung bietet seit heute eine Tauschbörse für Prepaid-Handykarten an. Ziel des Angebots ist die Umgehung der Registrierungspflicht für Handykarten, die der
Arbeitskreis für verfassungswidrig hält. "Jeder hat ein Recht auf anonyme Kommunikation", begründet Patrick
Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung das neue Angebot."Es ist selbstverständlich, dass man Menschen anspricht, ohne seinen Namen zu nennen, und Briefe versenden kann, ohne einen Absender anzugeben." Die Tauschbörse soll nun auch Handy-Nutzern wieder die Möglichkeit bieten, anonym zu telefonieren, etwa um unbesorgt vertrauliche Beratung in Anspruch nehmen (z.B. Aidsberatung,
Eheberatung), Journalisten informieren, sich staatskritisch engagieren oder sonst unbesorgt telefonieren zu können.Um an der Tauschbörse teilzunehmen, sendet man eine mit mindestens 10 Euro aufgeladene, freigeschaltete Prepaid-Handykarte zusammen mit ihrer PIN und einem frankierten Rückumschlag an den Arbeitskreis (Adresse: Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, Marcus Brauner, Hilgenborn 22, 34593 Knüllwald Remsfeld). Nach wenigen Tagen erhält man eine andere, ebenfalls mit 10 Euro aufgeladene Handykarte mitsamt Rufnummer und PIN-Code zurück gesandt. Mit dieser Karte kann man nun telefonieren, ohne dass die eigenen Personalien bei dem
Anbieter gespeichert sind. Auch der Arbeitskreis protokolliert keinerlei Daten der Tauschpartner. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung betont, dass der Tausch von Handykarten vollkommen legal ist.
Die ganze Sache hat nur einen (gewaltigen) Pferdefuß: was tun, wenn der Empfänger der auf den eigenen Namen registrierten Karte Übles treibt? Wie jede Anonymisierungstechnologie und genau wie jedes Gesetz, das dem Bürger Freiheiten einräumt, kann auch das SIM-Tauschsystem recht leicht missbraucht werden - auf der Homepage findet sich dazu eine ausführliche Erklärung, das allfällige Risiko muss jeder selbst abwiegen:
Wenn Sie die eingeschickte Karte auf Ihren Namen registriert haben, haben Sie einen Vertrag mit dem Telekommunikationsunternehmen geschlossen, der auch nach Weitergabe der Handykarte fortbesteht. Da es sich um eine Guthabenkarte handelt, entstehen Ihnen daraus im Normalfall keine Verpflichtungen.
Die von Ihnen eingesandte Karte wird an eine beliebige andere Person weiter versandt. Es ist nicht auszuschließen, dass mit Ihrer Karte Missbrauch getrieben wird. Dies kann im Extremfall dazu führen, dass Sie zu unrecht in den Verdacht einer Straftat kommen. Dieses Risiko besteht allerdings bei jedem Verkauf eines Handys, Kraftfahrzeugs usw. und dürfte recht gering sein. Zur Sicherheit erhalten Sie von uns eine Bestätigung, dass Sie Ihre alte Handykarte eingetauscht haben (unter Angabe der Rufnummer der Karte) und dass die Karte an eine zufällige Person weiter versandt wurde.
Weitere Informationen gibt's beim Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.
Seit gestern Heise im Newsticker über die SIM-Tauschbörse berichtet hat, verbreitet sich die Nachricht innerhalb der Blogosphäre wie das sprichwörtliche Lauffeuer. Jens Ferner warnt vor möglichen Missbrauchsszenarien, das Lawblog ebenfalls:
Allerdings trägt jeder Teilnehmer das Risiko, dass der Empfänger seiner Karte ins Visier von Ermittlungsbehörden gerät. Die Behörden haben als ersten Anlaufpunkt oft nur die Registrierungsdaten der Mobilfunkfirma.
Und Ravenhorst spricht einen zentralen Punkt an - von Anonymität im eigentlichen Sinn kann keine Rede sein:
Die gehen davon aus, dass man eine SIM-Karte, die man regulär mit Registrierung der eigenen persönlichen Daten erstanden hat, zur Tauschbörse sendet und dafür die SIM-Karte eines anderen Tauschbörsennutzers erhält, die dieser wiederum regulär mit Registrierung erstanden hat. Das bedeutet im Endeffekt, jeder telefoniert mobil mit den beim Provider gespeicherten persönlichen Daten eines anderen. Das verhindert zwar die Zuordnung von Gesprächsbeziehungen zur richtigen Person, aber anonym ist es nicht.
Gerade setzte ich den virtuellen Stift an, um mahnend anzuheben, doch Ö1 Kolumnistenkollegen Thomas Bredenfeld kam mir zuvor: er schrieb eine sehr lesenswerte und hervorragend Zusammenfassung jener Groteske, die quasi unter Ausschluss von Öffentlichkeit und jeglichen Kontrollinstrumenten die Alpenrepublik zum General-Geheimagenten und alle Bürger zu potentiellen EM-Terroristen macht:
Mit einer komfortablen Zweidrittelmehrheit hat die Regierung nun Werkzeuge geschaffen, von denen das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, die Gestapo oder Fürst Metternich nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Das muss man ohne jede Übertreibung sagen, denn die schwammigen Rahmenbedingungen, unter denen die Exekutive ab kommenden Jänner Standortdaten von Handynutzern abfragen oder vom Internet-Provider die Herausgabe von Name und Adresse eines Nutzers einer dynamischen IP-Adresse fordern kann, öffnen einem mehr oder weniger unkontrollierten Zugriff auf solche Daten Tür und Tor.
Man möchte meinen, dass in den gut fünfzig Jahren seit Ende von Nazi-Herrschaft und Besatzungszeit die Verfassung so weit durchdacht wurde, dass weitgehende Änderungen der rechtsstaatlichen Grundsätze nicht sozusagen unbemerkt vonstatten gehen, doch weit gefehlt: die Real-Groteske nahm auf die typisch österreichische Weise ihren Lauf:
Im Schatten der üblichen großkoalitionären Streitereien, unter Umgehung des Datenschutzrates und weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion (im wahrsten Sinne des Wortes) die richterliche Genehmigungspflicht für Auskunftspflichten bezüglich sensibler Kommunikationsdaten stark aufgeweicht bzw. ganz über Bord geworfen. Durch geschickte Terminierung und einen kurzfristigen Ergänzungsantrag wurde eine Reaktion praktisch unmöglich gemacht.
Es ist in der Tat ein veritabel trojanisches Geschenk mit weit mehr als vier Pferdefüßen, das eine Regierung, an der angeblich auch eine Linkspartei beteiligt sein soll beteiligt sein sollen, ihrem Volk zu Weihnachten hinterlässt. In punkto Überwachung und digitaler Datenschutz war ich bis November zwar nicht stolz darauf, Österreicher zu sein, aber froh drüber: denn während man in Deutschland demokratische Grundrechte längst zu unterminieren begonnen hatte, blieb Österreich standhaft. Abhören war nur auf richterlichen Befehl möglich, man ahnte fallweisen Missbrauch, aber am symbolisch doch so wichtigen Gesetzespapier bekannte sich der Staat zur guten alten Gewaltentrennung.
Die kann nun getrost als abgeschafft gelten, außerdem sehen Experten im präventiven Beweissammeln eine deutliche Entwicklung hin zur Beweislastumkehr. Am 6. Dezember übernahm der Krampus Innenminister quasi im Alleingang die Kontrolle über die politische Entscheidungsfindung:
Während des Nationalratsplenums wurde das Recht zum polizeilichen Zugriff auf die IP-Adressen als Abänderungsantrag eingebracht - ohne Ausschuss, ohne Begutachtung. Weder Justizministerium noch Datenschutzkommission oder Verfassungsdienst konnten dazu Stellung nehmen. Die parlamentarische Kontrolle wurde ausgeschaltet.
Der Standard berichtet ausführlich, die Petition SOS Überwachungsstaat erzeugt momentan zwar ein laues Lüftlein innerhalb ohnehin sensibilisierter Bevölkerungsschichten - es bräuchte wohl einen Demagogen für die gute Sache vom Format eines Michael Moore und mit dem Aussehen eines Sepp Forcher, um die "breite Masse" zu mobilisieren...
Gerade noch rechtzeitig im alten Jahr erschien WordPress 2.3.2. Ein Upgrade sollte umgehend erfolgen, da die aktuelle Version eine gravierende Sicherheitslücke bei den Drafts behebt:
WordPress 2.3.2 is an urgent security release that fixes a bug that can be used to expose your draft posts. 2.3.2 also suppresses some error messages that can give away information about your database table structure and limits and stops some information leaks in the XML-RPC and APP implementations. Get 2.3.2 now to protect your blog from these disclosures.
Außerdem darf nun eine angepasst Datenbank-Fehlermeldungsseite erstellt werden; wer von diesem Feature Gebrauch machen möchte, lädt die betreffende Template-Datei db-error.php in den Folder wp-content. (nicht in den Template-Folder!) Die vollständige Doku aller Änderungen bzw. veränderten Files kennt Wordpress Trac.
Download und Upgradepaket stehen auch bei WordPress-Deutschland bereit. Da die Sprachpakete aber ohnehin getrennt "gelagert" werden, verändert ein Update mittels der englischsprachigen Version die Muttersprache des CMS natürlich nicht.
Das Upgrading von der Vorgängerversion 2.3.1 sollte keine Probleme bereiten, ein Datenbank-Update ist nicht erforderlich. Sicherheitshalber sollten allerdings aufgrund möglicher Inkompatibilitäten wie üblich vor dem Upgrade alle Plugins deaktiviert werden - und ein Komplettbackup sollte sowieso zum Standardprogramm vor jedem Update gehören.
Der Schöpfungsmythos findet sich in der Literatur in vielgestaltiger Form: vom Golem bis zum Roboter bereiten die künstlichen Kreaturen ihren Schöpfern meist mehr Ärger als Arbeitserleichterung. Nicht anders Billy Baypack: die erfundene Figur soll nun nämlich von der Rundfunkbehörde zur Kasse gebeten werden.
Und das kam so: der in Münster ansässige Aktionskünstler Ruppe Koselleck generierte vor zwei Jahren eine fiktive Identität rein zu datenforscherischen Zwecken. telepolis schreibt:
2005 erschuf Kosellek die Figur Billy Baypack, eine "frei erfundene Person, die weder in Deutschland, der EU noch den USA gemeldet ist." Der Name des "organisierten Werbelisten- und Datenschrotplatzes" ist eine erkennbare Anspielung auch die Payback-Karte. Dort und auf vier weiteren Werbelisten ließ Kosellek den Namen auch eintragen: Von McDonalds, Beate Uhse, Happy Digits und der Rewe Handelsgruppe. Wie nicht anders zu erwarten, erhielt Billy Baypack daraufhin jede Menge Post von "Werbefirmen, Agenturen und sonstigen Netzwerken der freien Wirtschaft." Als Kosellek seinen Billy zum Doktor promovierte, erhielt dieser auch Post von Banken, die ihm Kredite anboten.
Nicht wahnsinnig überraschend - bis im November vorigen Jahres die GEZ (in Deutschland zuständig für die Einhebung der Rundfunkgebühren) bei Billy meldete. Damit waren sie an den richtigen geraten, denn Koselleck packte die Aktionismus-Gelegenheit beim Schopf:
Er (Koselleck) meldete seine Figur wie von der GEZ verlangt an. In der Anmeldung teilte er neben der Nichtexistenz auch mit, dass Billy Baypack weder über ein Konto noch über einen Pass oder ähnliches verfügt. Dann gönnte sich Koselleck den Spaß und beglich die Radiogebühren - in kleinen Münzen.
Das alte Gangstarap-Motto "Blood in, blood out" trifft hier allerdings nicht zu. Vielmehr erinnert die Taktik der GEZ an die guten allen wasserdichten Radios: Wasser kommt einmal rein, aber dann garantiert nie wieder raus:
Außerdem versuchte er zu erfahren, wer der GEZ die Daten von Billy Baypack verkauft hatte, scheiterte aber an der gut eingeübten Auskunftsverweigerung der Behörde. Die betonte lediglich immer wieder, dass alles den Datenschutzbestimmungen entspreche. Allerdings gibt es, da Billy Baypack ja nicht existiert, nur den Weg des Ankaufs von Werbelisten durch die GEZ.
So richtig schwierig wurde es dann allerdings erst, als das Empfangsgerät wieder abgemeldet werden sollte, frei nach dem Motto: "eine abgebrochene Antenne macht noch kein statisches Rauschen":
Bei der nächsten Zahlung kürzte der neue Radiohörer Dr. Billy Baypack die Gebühren - mit der Begründung, dass ihm das Programm nicht mehr gefiel. Die GEZ reagierte darauf mit einer Mahnung. Darauf wollte Koselleck Billy Baypack als Radiohörer abmelden. In einem ersten Versuch schickte er der Behörde, die seit einigen Jahren dafür bekannt ist, Abmeldungen nach Möglichkeit zu verweigern, zusammen mit einer formalen Kündigung eine abgebrochene Radioantenne zu. Die Reaktion überraschte selbst den Aktionskünstler: Die GEZ schrieb zurück, dass sie die Abmeldung nicht akzeptieren würde, weil Billy Baypack ja weiterhin über ein Empfangsgerät verfüge - mit allerdings schlechtem Empfang.
Gestern zerstörte der Aktionskünstler in einer öffentlichen Aktion direkt vor der Hauptpost in Münster für ein und allemal - die Einzelteile sollen der GEZ zugestellt werden, um die Abmeldung zu bestätigen. Besuch von der Ausländerbehörde und/oder der Polizei bekam U-Boot Billy Baypack allerdings bis dato nicht - immerhin würde die Behörde, wie der Schöpfer der Experimentalfigur meint, durch die Ausweisung ja einen weiteren Gebührenzahler verlieren.
Tippen auf Laptoptastaturen kann durchwegs eine komfortable Angelegenheit sein, aber das Touchpad ist keinesfalls ein adäquater Ersatz für die gewohnte Maus. Aber wenn man nicht gerade am Schreibtisch sitzt, fehlt meist die passende Unterlage - doch die lässt sich nun nachrüsten, oder besser gesagt an den Laptop anklemmen: der Mobile Laptop Desk ist ein transportables Mousepad, das keinerlei zusätzliche Unterlage benötigt.
Diesen Beitrag weiterlesen »
Gegen die Platzhirsche Lokalisten, StudiVZ und Facebook anzukommen, ist für neue Social Plattformen alles andere als einfach - die schwierigste Aufgabe ist das möglichst rasche Erreichen jener kritischen Masse, die für alle Beteiligten einen Mehrwert darstellt. Shortview.de nimmt die Herausforderung unerschrocken an und setzt auf Hobbies und Interessen als Hauptanknüpfungspunkte zwischen den Mitgliedern.
Diesen Beitrag weiterlesen »
Zumindest dann, wenn es nach dem Vorsitzenden der deutschen Journalistengewerkschaft geht: denn der machte in einer kürzlich gehaltenen Rede der von ihm beratenen Berufsgruppe in Sachen Recherchepflicht wenig Ehre. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]
Zumal Journalisten in demokratischen politischen System nicht nur in arbeitsrechtlicher Hinsicht durchwegs eine Sonderstellung besitzen - manche sehen in ihnen gar als die vierte Kraft im Sinne der Gewaltentrennung. In der Tat ist die politische Informationsleistung notwendiger Bestandteil für eine differenzierte Meinungsbildung. Also sind die Angehörigen der schreibenden Zunft nachhaltig aufgerufen, ausgewogen zu berichten, Sorgfalt bei der Recherche walten zu lassen und sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Wozu das führt, ist hinlänglich bekannt: zu inszenierten, g'schobenen Geschichten am einen und zu Meisterleistungen des Aufdeckungsjournalismus am anderen Ende einer überbreiten Skala teilweise durchwegs konfligierender Interessen.
Weblogs dagegen sind häufig privat betriebene Seiten und der journalistischen Sorgfaltspflicht nur insoweit unterworfen, wie ihr jeweiliger Autor dies für richtig und zielführend hält. Viele Beiträge sind keine "Nachrichten" im Sinne des Terminus Technicus, sondern fallen ins Genre der Kommentare und Glossen: es handelt sich um subjektive Stilformen, die keinen Anspruch auf Objektivität erheben. Wenn Michael Konken auf der erwähnten Jahrestagung also über den Unterschied zwischen Journalismus-Profis und Hobby-Bloggern schreibt, dann hätte er auf derartige funktionale Ausdifferenzierungen des Mediensystems verweisen können, aber der Universitätsprofessor zog die grobe Keule vor:
Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. [...] Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.
Die Diskussion um die Impressumspflicht von Internetseiten führte in Deutschland dazu, dass die überwiegende Mehrheit der Blogs schon längst genaue Herausgeberinformationen veröffentlichen. Unter den Top 50 der deutschen Blogcharts etwa findet sich keine einzige Seite, bei der sich der Herausgeber nicht im Handumdrehen eruieren ließe.
Aber dies ist nur ein Detail und gar nicht der zentrale Punkt der Kritik an einer unglücklichen Rede. Denn die zeigt schlicht und ergreifend überdeutlich, dass Interessensvertretungen in der Regel schwerfälliger und starrer agieren als jene Mandanten, die sie eigentlich vertreten sollen. Und so überrascht es wenig, dass als erster Thomas Knüwer einen offenen Brief an Michael Konken verfasste. Der beim Handelsblatt tätige deutsche Journalist betreibt ein gut besuchtes Medienblog und ist selbst das beste Beispiel für die Absurdität von Konkens Argumentation: Qualität als format- oder medieninhärenten Faktor anzusprechen, zeugt von einer seltsamen Gesinnung, für die Knüwer deutliche Worte findet:
Es liegt mir in den Fingern, mal so richtig zu kontern. Von einem Ewiggestrigen Gewerkschaftsheini, der seine Führerbunkermentalität hauptberuflich auch noch an Studenten weitergeben darf an der Uni Vechta und der FH Oldenburg. Über einen, dessen intellektuelles Niveau in Sachen Mediendiskussion tiefer liegt als die Golf GTI in meiner münsterländischen Heimat.
Innerhalb der Blogosphäre führte das "feige-Blogger-Zitat" in kürzester Zeit zu zahlreichen Reaktionen: über fünfzig Beiträge in weniger als 10 Tagen bestätigen nachdrücklich, dass Blogger dem Meta-Diskurs genauso wenig aus dem Weg gehen wie einem Impressum. Der Verursacher des Sturms im Blog-Glas allerdings bekräftigte seine Aussagen gegenüber einem Branchenblatt und erklärte, dass es "nichts zu relativieren gäbe", worauf Blogger ein neues Zeitwort vorschlugen: "konken - aus Angst ablehnen, nicht verstehen (wollen)". Bei aller Polemik steckt allerdings doch eine eher beängstigende Moral in der Geschichte: Manche Journalisten haben eben doch menschliche Schwächen. Und manche Blogger vielleicht sogar journalistische Stärken. Und Schwächen.
Michael Konkens Rede im Volltext
Offener Brief von Thomas Knüwer an Michael Konken
Liste mit Blogreaktionen
Deutsche Blogcharts
Sven Scholz: konken als neues Vokabel