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Artikel-Schlagworte: „Diagramm“

Blogistan Panoptikum KW08 2009

panowheel Blogistan Panoptikum KW08 2009Langsam reicht's mit der weißen Pracht dann auch wieder mal - ich hab in den letzten sieben Tagen im Gasteinertal meine jährliche Dosis Powder im Übermaß abbekommen. Dabei scheint die Wirtschaftskrise durchwegs ihre Spuren hinterlassen zu haben: der Ansturm auf die Lifte war enden wollend, die teuren Restaurants vorwiegend mit Russen besetzt. Trotzdem haben die Einheimischen schon vor Jahren kapiert, dass man die eigenen Revenue-Streams entlang der Wertschöpfungskette positionieren muss, dann klappt's auch in Non-Boom Zeiten mit der Diversifizierung - was Online-Marketer von Tourismus-Bauern lernen könn(t)en, werde ich demnächst in einem dedizierten Posting erklären. Aber nun, without much further ado folgt die Kopfdrehung um 180 Grad:

Von Geldern, Karotten und Nasen-Eseln

Reicht Geld als Incentive in der Arbeitswelt? Mir persönlich vollauf, aber ich bin ja auch selbständiger Einzelunternehmer. In größeren, schwerfälligen Strukturen, auch bekannt als "Companys", liegt die Sache aber wesentlich komplizierter, wie Pete in einem äußerst instruktiven Beitrag erklärt:

Ich denke ohne neuen Incentives die längerfrisitg orientiert sind, eine gewisse Sustainability ermöglichen, und nicht nur das Individuum belohnen werden wir aus der aktuellen Krise nicht herauskommen.

Tja, man kriegt eben, wofür man bezahlt - aber ich habe nicht den Eindruck, dass besonders viele Manager abseits von Konferenz-Geschwurbel und paradigmatischen Willenserklärungen einen ernsthaften Unterschied zwischen Sach- und Human-Ressourcen machen.

Identitäten affirmativ managen

Auf Helge.at stapelt sich der Lesestoff, denn der Autor hat für die kommende Ausgabe des Werbeplanung Guides 2009 einige lesenswerte Interviews geführt: zum Beispiel mit 1-2-3 People's Bernhard Lehner und Pop-URLs Mastermind Thomas Marban. Mindestens ebenso lesenswert: ein nachdenklich machender Incident zum Thema Personalchefs und Identitätsmanagement:

Und, wie Martin es ganz gut auf den Punkt bringt, global Öffentliches ist nicht privat. Was es braucht, ist Medienkompetenz - und die beginnt beim Problembewusstsein.

In der Tat! Neu ist allerdings, dass so mancher bitterlich über verschüttete Milch weint: aber die Next Generation wird unsere Anfängerfehler gewisse vermeiden!

Werbe.Kunst.Replacements

Kunst kommt vielleicht von können. Und bekanntlich gilt ab sofort "Yes we can". Wir können beispielsweise sämtliche Werbebanner mittels Blocker-Tools und Firefox-Plugins entfernen, aber mit den vielen Whitespaces sehen Spiegel Online, TechCrunch und Co. dann gleich viel langweiliger aus. Da gefällt mir Max' Neuentdeckung schon wesentlich besser: Kunst statt Kommerz sozusagen:

Das Firefox-Plugin (Add-Art) funktioniert ganz einfach, im Zusammenspiel mit "Adblock Plus" werden Werbebanner auf fast allen Seiten entfernt. Aber die "Plätze" bleiben nicht leer sondern werden mit wechselnden Kunstausstellungen bespielt.

Wer also schon immer mal seine Bildungslücken in Sachen klassischer net.art auffüllen will, schlage zu: Jodi.org passt beängstigend gut in den 468x60er Rahmen :mrgeen:

SEO-News der Woche

Grandioses, unbestrittenes Highlight der vergangenen sieben Tage: die SEO-Bauernregeln auf SEO-United.de. Das klingt ungefähr so:

Kommt mehrmals am Tag der Googlebot, steigt das Ranking ziemlich flott.

Ich hab ja gerade sieben Tage in einem touristisch erschlossenen Bauernhof gewohnt, wo die Originale säuberlich gestickt an der Wand hängen - so ein Stick-Deckerl mit den SEO-Bauernregeln tät sich in meinem Office aber auch gut machen! Auch nicht schlecht: die kürzlich veröffentlichten SEO-Witze. Mein Favorit:

Wie viele SEOs braucht man um eine Glühbirne zu wechseln?
Keinen, Dunkelheit wird zum neuen Rankingfaktor erhoben.

Videos und anderen Schnickschnack einstreuen

Man mag ja kaum glauben, dass Google sich tatsächlich traut, multimediale Inhalte in die Suche einzustreuen - Multimedia statt Semantik? Aber der Linkvendor hat genauer hingeschaut und rät, Videos dringend in die SEO-Strategie mit einzubeziehen:

Die Ergebnisse sind erstaunlich und bestätigten den subjektiven Eindruck. Jeder der Videos und News (falls relevant) nicht in seine SEO-Strategie einbezieht wird 2009 echt was verschlafen. Ich werde daher ab sofort jeden Monat einmal Googles Blended Search, vornehmlich die Videos analysieren.

Selbstverständlich muss sich Big G auch im Bewegtbildbereich ein Relevant-Kriterium einfallen lassen - ich könnte mir gut vorstellen, dass die Zahl der indizierten Embeds dabei eine gravierende Rolle spielt, denn eine Video-Einbindung ist meiner Meinung nach das exakte Gegenstücke zu einem Backlink auf textuelle Informationen.

Vergleich dich unvorstellbar reich

Preisvergleiche sind die wollsaulegenden Eiermilchkartons im Waffenarsenal avancierter Affiliates. Man muss aber nicht mal unbedingt selbst Hand anlegen - Contaxe und Ecato bieten fix-fertige, live aktualisierte Vergleichs-Tools. Auf Allblogs gibt's einen Erfahrungsbericht zu den zwei genannten Systemen. Dem Fazit des Autors kann ich mich nur anschließen:

Gerade bei recht technisch affinen Blogs finde ich diese Möglichkeit der Monetarisierung nicht die Schlechteste, da man ja doch hin und wieder einmal Produkte vorstellen und anstatt die idealos dieser Welt zu verlinken, warum nicht auf den eigenen Preisvergleich verweisen und für seine Recherchen belohnt werden? Schaden kann es sich nicht! Und so lange man es nicht übertreibt mit der Einbindung, ist es sicher ein sehr effektives Werkzeug im Marketingmix/Vermarktungsmix einer Webseite.

Daten auf den Desktop holen

Der Blogrammierer stellt zwei interessante Tools vor: der Piwik Connector und die Desktop Web Analytics For Piwik liegen als Open Source Programme vor und holen Server-Statistiken übersichtlich auf den Desktop. Beide Tools benötigen Adobe Air, die Desktop Web Analytics liefern umfangreichere und grafisch recht liebevoll aufbereitete Stats:

Viele Daten werden mit unterschiedlichem Diagramm dargestellt, was eine schnelle Erfassung der wichtigsten Daten ermöglicht. Es gibt einen Site-Manager, mit dem die eingetragenen Webseiten leicht verwaltet werden können bzw. man schnell zu anderen Projekten springen kann.

Video der Woche - die Einsamkeit des Luna Parks

Wunderschön elegische inszenierte Shots eines verlassenen Luna-Parks: was soll man dazu schon noch sagen?

Und damit wären wir auch schon wieder am panoptikalischen Ende angelangt - möge das Aufbäumen des Winters ein letztes gewesen sein für diese Saison. Mich dürstet nämlich nach Wassersport-Arten, bei denen das H2O nicht (notwendigerweise) gefroren ist! In diese Sinne wünsche ich Ihnen einen geruhsamen Rest-Sonntag, wir lesen uns am Montag.

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Wenn Physiker Systeme integrieren

11. April 2008
20:00bis22:00

Die größte Maschine der Welt hat keine zwei Räder, sondern beschleunigt winzige Teilchen. In Kürze erhält CERN ein gewaltiges Hardware Updgrade; im Metalab spricht Tobias Nöbauer morgen im Metalab über den Large Hadron Collider.

Der Ankündigungstext lässt ebenso wie die Berufs-Kombi des Vortragenden - er ist Physiker und Soziologe - einen ausgesprochen spannenden und originellen Vortrag erwarten. Und die Frage, ob neoneueste Erkenntnisse der Quantenfeldtheorie erneut unser ohnehin bereits hochgradig Einstein'sch-relativistisches Weltbild auf den Kopf stellt, darf natürlich keinen Hobby-Existenzialisten kalt lassen!

Im Juli 2008 soll nun endlich die wahrscheinlich größte Maschine der Welt, der Large Hadron Collider (LHC) am Europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf in Betrieb gehen. Ohne mit der Wimper zu zucken tauschen die Hochenergiephysiker dabei in einer globalen, wahnwitzig komplizierten Kollaboration etwa 4 Gigaeuro Geld und 200 Megawatt Strom gegen 14 Teraelektronvolt Kollisionsenergie von Protonen, was etwa der Energie einer Handvoll motiviert fliegender Mücken entspricht.

Wer immer schon mal wissen wollte, warum Blasenkammerfotos nicht in Kunstbänden zu finden sind und welche grandiosen Überlegungen hinter Feynman-Diagramme stecken, sollte dem Metalab auf jeden Fall einen Besuch abstatten:

An der Übersichtlichkeit und Bescheidenheit des LHC-Projekts will sich der Vortrag orientieren: physikalische Hintergründe und Designüberlegungen zum LHC und den Detektoren sollen ebenso zu Sprache und Bildern kommen wie einige Grundkonzepte der Quantenfeldtheorie, die Funktionsweise von Teilchendetektoren, FPGA-Firmware-Programmierung, verteilte Steuersysteme aus Web-Services und Zukunftsperspektiven der Hochenergiephysik. Wir besprechen Blasenkammerfotos und Feynman-Diagramme, Supraleiter und Halbleiter, die Erfindung des WWW und die Entdeckung der neutralen Ströme, Quarks, Gruppendynamik, Berufsaussichten und den Weltuntergang. Kurz: Die Systemintegration des Globalen Müonentriggers für das CMS Experiment am CERN.

Ort: Metalab, 1010 Wien, Rathausstr. 6

US Election Monitor: Automatische PR-Analyse

Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten ist bereits Monate vor dem entscheidenden Urnengang medienbeherrschendes Thema. Die KandidatInnen fahren die volle Palette an PR-Maßnahmen auf, Heerscharen von Imageberatern zimmern den passenden Kontext und feilen an der Außenwahrnehmung der von ihnen betreuten potentiellen PräsidentInnen. [Ö1 Netzkulturkolumne, veröffentlicht auf oe1.orf.at]

Ein unmittelbares Spiegelbild ihrer Erfolge ist die Medienberichterstattung: keine größere Firma, keine Partei verzichtet freiwillig auf die laufende Auswertung der aktuellen Berichterstattung. Rein quantitative Methoden greifen dabei zu kurz: zwar mag in manchen Bereichen durchaus die umstrittene Maxime "Jede Werbung ist gute Werbung" gelten, die Politikberichterstattung allerdings hat in diesem Punkt ihre eigenen Gesetze. Während Papierdokumente vergleichsweise mühsam zu erfassen, lassen sich Trends im Netz quantitativ viel leichter fassen. Der wohl bekannteste Service in diese Richtung, Google Trends, nutzt die Suchanfragen der Benutzer, um die Liste der heißesten Begriffe zu erstellen.

Andere Analyse-Instrumente gehen mangels derartiger Primärdaten den umgekehrten Weg und setzen ähnliche Crawler ein wie Suchmaschinenbetreiber. Diese analysieren eine bestimmte Anzahl von Contentquellen - egal ob New York Times oder Blogs - und liefern statistische Informationen über die Verbreitung der einzelnen Keywords. Wählt man die Grundgesamtheit dementsprechend aus - beispielsweise deutschsprachige Fanseiten von Multiplayer-Computerspielen - lassen sich Trends schon rein aus der quantitativen Analyse recht gut ablesen.

Ein Team der Modul University Vienna hat nun ein Analyseinstrument ins Netz gestellt, das sich auf die Berichterstattung über die amerikanischen Wahlen konzentriert. Der US Election 2008 Monitor wertet zahlreiche Seiten aus, wie die zugehörige Webseite erklärt:
Der US Election 2008 Web Monitor bietet wöchentliche Schnappschüsse der globalen Web-Berichterstattung. Contentquellen sind internationale Medien aus den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland, Umweltschutzorganisationen, die "Fortune 1000" (die größten US-Firmen nach Umsatz) sowie 1.000 populäre Politik-Blogs. In Summe analysiert das System somit pro Woche mehr als 800.000 Dokumente.
Das Script beschränkt sich dabei aber nicht auf bloßes Abzählen - anhand eines entsprechend aufbereiteten Wörterbuchs wird der Kontext einer Namensnennung eruriert - also ob der Kandidat in positivem Zusammenhang erwähnt oder kritisiert wurde. Beide Auswertung, die quantitative und die "Sentiment" getaufte Kontext-Analyse, werden in wöchentlichem Rhythmus aktualisiert und auf der Homepage zur Verfügung gestellt.

Mittels einer intuitiv bedienbaren Ajax-Applikation hat jeder Interessierte die Möglichkeit, die aktuelle Entwicklung und die Media-Coverage der einzelnen KandidatInnen online genau zu verfolgen: Zeitraum-, Kandidaten-, Medientyp- und Länderfilter ermöglichen dem Hobby-Wahlforscher die Erstellung eigener Diagramme. Wer's genauer mag, wirft einen Blick auf das zugehörige Mediawatch-Portal, das alle indizierten Artikel mit geographischen Referenzdaten und einer Landkarte der Verlinkungen präsentiert.

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Der US Election Monitor ist ein gelungenes Werkzeug, das zeigt, welches Potential in der semantischen Auswertung riesiger Inhaltsmengen liegt. Semantische Technologien in Verbindung mit quantitativen Rechercheverfahren treten an die Stelle der fehlprognostizierten "künstlichen Intelligenz" - und werden sich in naher Zukunft mit Sicherheit nicht auf die Auswertung von Wahlkämpfen beschränken.