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Artikel-Schlagworte: „Die Grünen“

Blogistan Panoptikum KW19 2009

Am Freitag war ich mit Judith in der ATV-Küche mixend und filmend tätig - die ersten Rohaufnahmen für unsere Cocktail-Serie, eine Koproduktion von ATV, datenschmutz und cocktail-blog.com, sind Kasten. Oder besser gesagt auf Solid State... watch out for Daiquiri Madness, demnächst mehr dazu. Ansonsten habe ich in der vergangenen Woche wieder mal, wie Pete zu sagen pflegt, "viel gelacht, viel geweint, viel gelernt". Trotz aller Social Media Schnickschnackerein können auch Diskussionen auf den guten alten Mailingliste ganz schön hitzig werden. Und wie auf Twitter kann man Personen unfollowen, allerdings nur allen auf einmal ("Bitte nehmt mich von der Liste! Diese Spamflut! Mami, ich muss Bäuerchen machen.") oder sie sogar blocken (if sender = datenschmutz -> move to trash). Tja, "new media contains old media" - da hätte Mac schon recht.

Die Grünen deklarieren sich

Ich bin Vorwählerin, weil ich an Märchen und Heilsversprechungen glaube
Ich bin Vorwählerin, weil ich die linken Fundis bei den Grünen loswerden möchte
Ich bin Vorwähler, weil ich den ganzen Tag vorm Internet sitze und keine Freunde habe
Ich bin Vorwähler, weil ich von der ÖVP dafür bezahlt werde

Diese und ähnliche Sprüche wurden innerhalb eines verdächtig kurzen Zeitraums in Max' Bannergenerator eingetippt. Mit dem kann man personalisierte Banner erstellen, um Support für die Aktion Grüne Vorwahlen kundzutun. Die ganze Sache hat eine längere Vorgeschichte: im Gegensatz zu allen anderen Parteien erlauben die Grünen "Unterstützern" bei der Erstellung der Kandidatenlisten mitzustimmen, ohne aber Parteimitglied zu sein. Helge und einige weitere unzufriedene potentiell-Grün-Wähler nutzten diesen Passus auf smarte Weise aus und riefen besagte Vorwahlen ins Leben, mehr zu diesem Stück partizipative Demokratie gibt's bei Helge nachzulesen. Und jetzt kommt der Hammer: die obenstehenden Banner haben sich die Grünen, die mittlerweile wohl ebenso viel Angst vorm Internet zu haben scheinen wie der ORF Programmdirektor, selbst gebastelt! Ich sag nur: a) Eisenhintern. b) Don't mess with Karli's toys! :mrgreen:

3 Worte für König Content

Clear - Concise - Compelling. Das empfiehlt zumindest der Copyblogger:

Writing for the web is a minimalist affair. Your words, sentences and paragraphs are short. Precise. Lean. Tight. Web writing trades in sheering off useless words. Cutting flabby paragraphs…
Even shedding entire pages.
Think that's harsh? Jakob Nielson recommends you cut up to half of the words for every print page you plan to put on the web.

Ich bin ja kein großer Nielsen-Fan - aber die grausame Wahrheit ist: man muss den persönlichen Trade-Off finden. Ich zum Beispiel schreib nicht immer nur für meine Leser (pardon), sondern auch für mich, weil ich gerne mit Sprache rumspiele. Das macht manche Sätze komplizierter und missverständlicher als nötig... aber wenn ich keinen Spaß am Schreiben hätte, dann gäb's dieses Blog überhaupt nicht. Insofern muss man, da Schreiben nun mal eine der Haupttätigkeiten jedes Bloggers ist (wenn auch bei weitem nicht die einzige), einen persönlichen Mittelweg finden. Und ganz ehrlich: wenn sich alle an clear-concise-compelling hielten, dann wären einige meiner Lieblingsblogs mit einem Schlag nur mehr halb so lesenswert. Wie sehen Sie das?

Scoopler sucht in Echtzeit

Während sich altgediente SEOs über die mittlerweile doch schon recht raschen Index-Update-Zeiten von Google freuen, wächst und gedeiht derweilen anderswo die Echtzeit-Suche - Scoopler etwa verwirft die Idee eines starren Index völlig und präsentiert aktuelle Ergebnisse aus mehreren Quellen als Live-Stream:

Scoopler is indexing live streams from Twitter (Twitter reviews), Digg (Digg reviews), Delicious (Delicious reviews), Flickr (Flickr reviews) and Identica in real-time, and not only that; it’s also indexing links, videos and photos from these data sources, which is similar to what Twitter has been planning to do. As a result, Scoopler doesn’t feel so much as a search engine, more like a news site with a constant stream of live updates in the middle (paused when you mouseover, a nice touch), list of hot topics on the left, and most popular results on the right.

Details zum neuen Suchservice kennt Mashable - Reviewer Stan Schroeder freut sich einerseits über die elegant aufbereiteten Ergebnisse und die integrierte Relevanzwertung, hält diese jedoch für verbesserungswürdig: im Fall von Twitter etwa berücksichtigt Scoopler nur den nackten retweet-Rank, lässt sich also mit anderen Worten sehr leicht manipulieren.

5x Twitterforschung

Mashable hat eine Reihe von Statistik-Tools für Twitter zusammengetragen und spricht relativ hochtrabend von "Research Tools":

Fortunately, there are several tools out there that can help analyze Twitter data, understand user behavior, and graph it for analysis and presenting to others. Today, we’ve picked out five great tools to get you started.

Die meisten kennt man als 140-Zeichen-Junkie ohnehin schon, aber zumindest die hübschen Xefer Charts waren neue für mich.

Zeit managen wie ein Profi

Wir arbeiten an der großen Zerstreuungs- und Ablenkungsmaschine Computer, was so manches Problemchen mit sich bring. Lifehack hat vier Tipps für außergewöhnlich gestresste Mitarbeiter. E-Mails nur zu bestimmten Zeitpunkten checken und so - Prokrastinierer sollten mittlerweile ohnehin wissen, dass sämtliche Alert-Pop-Ups ihre natürlichen Feinde sind, die es zu deaktivieren gilt. Hilariös fand ich allerdings diesen Satz:

In times past, when training budgets were somewhat normal the solution was easy. Sign up for a class in New Jersey, make sure that the boss is involved in the planning, offer a one page post-course “summary,” and email a thank-you for the life-changing opportunity.

Tja... vom Angestellten 2.0 wird eben erwartet, dass er sich selbst fortbildet. Da kann man sich doch auch gleich selbständig machen!

SEO News der Woche

Bottom Feeder können sogar bei Xing ein paar Backlinks abgreifen (als ich dort noch ein Profil hatte, war die About-Seite quasi ein vollgestopftes Kontext-Link-Directory). Mehr als PR1-2 wird's zwar nicht, aber einem Free-Account schaut man bekanntlich nur dann ins Maul, wenn mal das Kind im Brunnen liegt. Oder so. Yannick hat da sicherlich andere Tricks an Lager - er startet gerade mit seiner neugegründeten Agentur durch - Gratulation und guten Start! Ich sag ja nur: David gegen Goliath!

Nicht nur Käse schimmelt

Was tun mit expired content? Rand Fishkin empfiehlt die von den Seonauten auf deutsch erklärte "Hybridmethode":

Der schlechteste Weg ist, die Seite einfach zu entfernen. Die Suchanfrage gibt ein 404 aus und aus ist die Maus. Zumindest wenn du die 404 im Standard behältst.
Der zweit-schlechteste Weg ist die Seite so zu lassen wie sie ist. Sicherlich werden noch ein paar Leute nach dem alten Zeug suchen, aber macht das einen Sinn ?
Besser ist es die Seite gänzlich zu redirecten per 301 und damit dauerhaft umzuleiten auf eine Seite, die am besten themenrelevant ist zu dem alten Thema. Beispiel : iPhone zu IPhone 3G oder ähnliches
Was nach meiner Meinung aber eine noch bessere Methode sein kann (auch wenn sie nicht immer passt) ist die Teil-Trust-Übergabe an eine neue URL durch Verlinkung mit passenden Anchor Texten oder der Teil-Trust Übertrag an eine URL einer neuen Domain.

Sei kein Domainer

Oder sei einer, aber dann bitte richtig - im Matthias Süß erklärt dem Netten SEO im Interview nämlich die Unterschiede zwischen URL-Händlern und URL-Optimierern:

Aus der Sicht eines Suchmaschinenoptimierers interessieren mit an einer Domain andere Faktoren als einem Domainer. Einem Domainer sind die eingehenden Links beispielsweise völlig egal, da sind der Domainnamen und die Top Level Domain viel wichtiger. Bindestrichdomains würde eine Domainer i.d.R. nie anfassen. Und dann gibt es noch die Projektentwickler, die wiederum andere Ansichten mitbringen.

Der Focus rankt

Auf Suchmaschinentricks.de gibt's eine interessante Statistik zu bewundern - und zwar die numerische Beantwortung der Frage, wer in Google am häufigsten (also mit den meisten populären Keywords) auf Platz 1 steht:

Um diese Frage zu beantworten, habe ich einen kleinen Blick in meine Datenbank geworfen und mir die Websites herausgefischt, die die meisten Top-Platzierungen in Google erreichen. Als Suchbegriffe habe ich die zehntausend häufigsten Suchanfragen der letzten Jahre (Quelle: meine Keyword-Datenbank) zugrunde gelegt. Diese Liste geht von Google bis Planetarium und sollte den "Short Head" der deutschen Suchanfragen umfassen.

Die Zahlen gelten für Deutschland, wenig überraschend landete die Wikipedia auf Platz eins und zwei (de und en), Bronze geht am Amazon. Chip und Focus sind mit Platz 5 respektive 9 auch sehr gut vertreten - die komplette Top-100-Liste gibt's als Excel-Download.

Video der Woche

Das Video der Woche ist in dieser Woche kein Video, nicht mal im weiteren Sinn - sondern ein Panorama, sogar ein unendliches. Und definitiv eines meiner kontemporären 10 Lieblingskunstwerke:

Das Unendliche Panorama ist eine Endloszeichnung der Filmemacherin und Autorin Andrea Maria Dusl. Es erscheint seit Herbst 2008 - in kontinuierliche wöchentliche Folgen unterteilt - in der Wiener Stadtzeitung Falter. Das Unendliche Panorama ist die kolorierte Fassung jenes legendären Projekts, das Dusl zwischen 1985 und 1995 im legendären österreichischen Diskurs-Organ FORVM publizierte.

Man kann also auf legalen und dubiosen Wegen versuchen, sämtliche Falter-Ausgaben seit Herbst 2008 zu ergattern und sich anschließend mit einer Schachtel Buntstifte unverzagt an die Arbeit machen. Oder man nutzt einfach den Webbrowser der Wahl und geht nach http://bureau.comandantina.com/panorama/ (Embedding spielt's leider nicht). Und das beste dran: man setzt das Panorama via onMouseOver in Bewegung, und es läuft und läuft - also irgendwie doch quasi ein Video. Den Link hab ich übrigens gerade frisch von @Matthias_Cremer bekommen, besten Dank dafür!

Und zum Drüberstreuen gibt's noch das neue Oeuvre der Fibro Twins (das sind die Jungs, die auch für das Skatevideo "Fire Pit Hunt" von letzter Woche verantwortlich zeichnen - imho sehr gelungene Bild-Text-Collage mit Effekten satt:

Und das war sie auch schon wieder, die Rückschau auf die vergangenen sieben Tag. Nächste Woche wird's hier give-away technisch wieder äußerst spannend, denn dank Susanne Holzer verlose ich ein Ticket für die meshed #1 Konferenz am 28./29. Mai in Linz im Wert von €680,-. Und weil das bisher der teuerste Preis ist, den ich je auf datenschmutz verschenkt habe, müssen sich alle, die gewinnen wollen, auch richtig anstrengen :mrgreen: Ich werde ab Montag für drei Tage lang ein Twitter-Quiz starten, und wer die meisten Fragen richtig beantwortet, hat freien Eintritt bei dieser spannenden Online-Marketing Konferenz - ich werde übrigens auf vor Ort sein und Ende Mai live berichten. Nähere Details zur Verlosung gibt's ab Montag. Ich wünsche einen schönen Sonntagabend, wir lesen uns morgen.

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Wahl.Qual: Wohin mit den Bürgerrechten?

26. August 2008
19:30bis22:30

quintessenz Wahl.Qual: Wohin mit den Bürgerrechten?Die q/uintessenz lädt am heute zum q/talks in den Raum D des Museumsquartiers: aus aktuellem Anlass stellt Georg Markus Kainz brisante Fragen zu den Themen Datenschmutz, Bürgerrechte und Überwachungsstaat an vier Parteikandidaten: Martin Prager (SPÖ), NR Peter Pilz (Die Grünen) und NR Peter Fichtenbauer (FPÖ) haben bereits zugesagt, bei BM Maria Fekter (ÖVP) wurde angefragt. Diese Veranstaltung erfreut mein Herz, denn in Zeiten von Wahlzuckerln, Diskussionen über Steuernachlässe und wahlwerbender Beihilfe-Erhöhungen geht das Thema Datenschutz gerne unter: zu komplex sind die Zusammenhänge, als dass sie sich auf publikumstaugliche Plakat-Slogan-Größe schrumpfen ließen.

Das Recht auf Verbergen

Wann immer in einem Krimi die Polizei ihre Befugnisse überschreiten möchte, wird diese mit den Worten legitimiert: "Sie haben ja nichts zu verbergen" - Jeder der auf seine Rechte besteht macht sich damit automatisch verdächtig. Dieser laxe Umgang mit unseren Rechten erinnert fatal an Strategien nach dem Anschluss.

Es wird der Adobe Flash Player benötigt und im Browser muss Javascript aktiviert sein..

Diese Argumentation dürfe jeder, der schon mal gegen die Mauer der Datenbürokratie angerannt ist, aus eigener Erfahrung kennen: da gibt's Beispiele, bei denen einem schlecht wird: da hat etwa mal vor Jahren ein Polizist dem kleinen Bruder eines Bekannten am Bahnhof ein Klappmesser abgenommen, als dieser zwölf war - gemacht hat er damit gar nix, also keine Rede von "offiziellem" Eintrag. 15 Jahre später, also mit 27, steht derselbe Typ auf der österreichischen Polizeiwache im Zuge einer Einvernehmen, als der Polizist zu ihm sagt: "Sie kennen wir ja schon, da war doch damals diese Messersache." Datenlöschung laut Gesetz? Die konnte sich anscheinend schon vor dem Zeitalter der Terrorismusangst niemand leisten - und die Schlingen werden gezielt enger gezogen:

Schrittweise werden immer mehr Bereiche unseres Lebens elektronisch überwacht. Neben Videoüberwachung öffentlicher Plätze und dem öffentlichen Verkehr wird auch der Individual-Verkehr durch Section-Control, Autobahn-Maut und Nummerntafelerfassung immer lückenloser überwacht. Durch Speicherung der Verbindungsdaten werden unsere Emails, unser Surf-Verhalten und unsere Telefonate überwacht.

Ich hoffe, dass BM Maria Fekter erscheint, denn die amtierende Innenministerin hätte mit Datenschützer Peter Pilz wohl so manches Henderl zu entfedern... Ziel der Veranstaltung ist es jedenfalls, klar Fronten zu schaffen: und vielleicht traut sich ja sogar jemand zu sagen, dass er für die uneingeschränkte Totalüberwachung steht:

Wahlkampf ist Wahlzuckerzeit und wir wollen wissen, wer unsere Bürgerrechte mit entsprechendem Respekt betrachtet und auf Augenmaß und Demokratie achtet. [...] Auf unseren Datenschatten haben wir weder Einfluss, noch Möglichkeit vor diesem zu entfliehen. Unser Preis ist ein transparentes Leben und der Verlust unserer persönlichen Freiheit.

Der Einlass beginn um 19:00, die Diskussion um 20:00 Uhr. Und so kommt man zum Raum D respektive zum Quartier 21: Lageplan.

Die Benzinpreisspirale nach unten drehen

friedhofsautos 150x150 Die Benzinpreisspirale nach unten drehenHöchste Zeit für ein paar Anmerkungen zum Thema Benzinpreis, Energiepolitik und Konsumenteneinfluss die mir schon länger im Kopf rumspuken: konkreter Anlassfall ist eine von Baynado ins Leben gerufene Blogkette, welche die Plattform Volksboykott.de bekannter machen soll. Die Idee dahinter: durch gezielte, temporär beschränkte Blockade einzelner Ölmultis soll ein Preiskampf entfacht werden, der letztlich die Benzinpreise für alle senkt. Was ich von Betrügern und Autos, die "mit Wasser fahren", halte, habe ich an dieser Stelle schon öfter kund getan, die Benzinpreisidee ist vergleichsweise weit weniger absurd, wenn auch nicht neu.

Allerdings stimme ich Baynado zu, dass die Erfolgsaussichten in einer Zeit, in der ein Großteil der Konsumenten via E-Mail & Co. vernetzt ist, größer sind als je zuvor. Und vorweg ein caveat: man muss erstmal wissen, wie sich der Spritpreis zusammensetzt, ein paar lesenswerte Infos dazu hat das deutsche Finanzministerium online gestellt: tatsächlich lässt sich der gängige Vorwurf, der Staat verdiene am höheren Benzinpreis aufgrund der höheren Steuereinnahmen, leicht entkräften:

Die Rechnung ist einfach: Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Was die Verbraucher mehr an Umsatzsteuer an der Tankstelle bezahlen, geben sie an anderer Stelle weniger für den Konsum aus. Im Endeffekt bleibt das Steueraufkommen aus der Umsatzsteuer für den Staat gleich. Weder im Hinblick auf die Konjunktur, noch auf Steuereinnahmen hat der Staat ein Interesse an hohen Kraftstoffpreisen.

Hauptgrund für die steigenden Preise ist die steigende Weltmarktnachfrage bei derzeit weigehend gleichbleibendem Angebot, der zweitwichtigste Punkt sind die immer höheren Gewinnspannen der Erdölkonzerne, und genau um die geht's im vorliegenden Fall. Die ÖMV etwa, Österreichs größer Mineralölkonzert, hat im ersten Halbjahr 2008 1,5 Milliarden Gewinn (nicht Umsatz - Gewinn!) gemacht, das sind 55% mehr als im Vorjahr, wie der ORF am 7. August berichtete.

Was kann man dagegen tun? Nun, man boykottiert gezielt einen Anbieter, kauft also beispielsweise kein Benzin mehr bei Shell, nur mehr bei Agip, selbst wenn's dort ein paar Cent mehr kostet. Shell hat keine Kunden mehr, gerät unter Druck und muss den Preis senken, die anderen Bewerber ziehen nach - und alle sind glücklich über das billige Benzin - nur die Aktionäre nicht. So das vereinfachte Modell, das in der Praxis allerdings meist daran scheitert, dass die nötige kritische "Boykottmasse" nicht erreicht wird.

Völker, hört ihr die Boykotte

Dieses Prinzip lässt sich grundsätzlich auf jedes Produkt anwenden, das nicht von einem Monopolisten hergestellt und vertrieben wird - und genau dieser Aufgabe hat sich die Seite Volksboykott.de verschrieben - .at und .ch bleiben einstweilen außen vor. Aktuelles Projekt ist natürlich der besagte Benzinpreis, und mag davon halten, was man will: ein wenig "fucking with the free market" hat zumindest interessanten Experimentalcharakter. Also gehet hinaus in die Welt und machet die inverse Crowdsourcing-Plattform bekannt. Ich schließe mich hiermit also sozusagen wider besseres Wissen Baynados Blogkette an: wider besseres Wissen deshalb, weil das Internet im deutschsprachigen Raum (noch) nicht jenes Leitmedium ist, dass den nötigen Impact erzeugen konnte. Da müssten schon Fernsehen und mindestens die Bildzeitung ran.

Eine andere Überlegung betrifft die gesamtwirtschaftlichen Folgen derartiger Aktionen: solange ein paar Aktionäre weniger Rendite bekommen, bleibt der Schaden überschaubar, wird eine Firma allerdings in gröbere Schwierigkeiten gebracht, so zieht dies unweigerlich wiederum den Verlust von Arbeitsplätzen nach sich... eröffnet aber andererseits einem neuen Anbieter Markteintrittschancen oder Expansionsmöglichkeiten - hier kann man also getrost von einem Nullsummenspiel ausgehen.

Ein paar Anmerkungen zur Energiepolitik

@Die Grünen: im Zusammenhang mit der Neuwahlberichterstattung habe ich irgendeine Grün-Politikerin sagen gehört, die momentan Erdöl-Preisentwicklung zeige, dass die Grünen, die schon in den 80ern einen Literpreis von 25 Schilling (oder waren's dreißig, das weiß ich nicht mehr genau), ihrer Zeit weit voraus waren. w00t? Was für eine verquere Logik ist denn das?

Die derzeitige energiepolitische Situation zeigt doch vor allem eines deutlich: Wasserkraft, die effizienteste aller Energiegewinnungsformen (thx Meister Pelton!), ist bei weitem nicht überall einsetzbar, und Strom lässt sich bekanntlich nur mit sehr viel Aufwand und ordentlichem Konversionsverlust speichern. (Wasserkraftwerke lösen übrigens auch dieses Problem mithilfe von Stauseen, die mit "überschüssigem" Strom wieder vollgepumpt werden, vergleichsweise sehr elegant.) Ein beträchtlicher Teil unseres Energiebedarfs wird von Verbrennungskraftwerken, die vorwiegend Öl verheizen, erzeugt. Dieser Strom wird immer teurer, also folgt ein Ausweichen auf zweitbilligste, wenn auch extrem gefährliche und unsichere Alternative: Atomkraftwerke, das Schreckgespenst der Tschernobyl-Generation.

Die eine Alternative wäre, Strom zu sparen: but that's just not gonna happen. Technische Fortschritte in punkto Verbrauch werden locker vom Mehrbedarf aufgefressen, das Stromnetz ist der Blutkreislauf unserer Informations-/Industriegesellschaft. In dieser Situation fordern die Grünen, verstärkt auf sogenannten erneuerbare, alternative Energieformen zu setzen: kurz gesagt, Solar und Windkraftwerke. Zweitere sind nur lokal einsetzbar, aber durchaus eine punktuelle Lösung, erstere stinken immer noch aufgrund wahnwitziger Herstellungskosten und schlechter Effizienzraten ab. Die Menge an Solarzellen und Windkraftwerken, die benötigt würden, um ernsthaft Öl- und Atomenergie abzulösen, ist riesig: und bevor man diese Energieformen promotet, wär's erstmal höchste Zeit für Langzeit-Feasibility Studien: wer sagt denn, dass Windkraft- und Solarenergienutzung in wirklich großem Maßstab keinen gravierenden Einfluss aufs Ökosystem hat? Genau genommen ist der Ausdruck "Energieerzeugung" kompletter Schwachsinn: wir erzeugen überhaupt keine Energie, wir transformieren bloß vorhandene Energie(n) mittels verschiedener Methoden in andere Formen, zum Beispiel die im Erdöl gespeicherte Wärmeenergie in Fortbewegung... wär wirklich zu schön, wenn wir Energie "erzeugen" könnten.


Fotocredits: Autofriedhof von fa.sommaruga / Pixelio.de

Zuweisungsverfahren zur Betrieblichen Vorsorgekasse

svadeppensteuer 1217964351 Zuweisungsverfahren zur Betrieblichen Vorsorgekasse Briefe von der SVA bedeuten normalerweise nix Gutes, und da machte der Schrieb mit dem ominösen Titel "Einleitung des Zuweisungsverfahrens einer Betrieblichen Vorsorgekasse gemäß § 27a BMSVG" keinen Unterschied. Nach einem Telefonat mit der freundlichen Dame von der Niederösterreichischen Vorsorgekasse wurde mir allerdings schnell klar: die Förderung von Klein- und Mittelunternehmen ist in Österreich nicht mal ein Wahlslogan.

Sinn und Zweck der neuen Pflichtversicherung: Betriebe sollten verpflichtet werden, für ihre Mitarbeiter zu sorgen: das Geld sei für die Abfertigung bestimmt. Dass nicht einmal Einzelunternehmen davon ausgenommen sind, zeigt in voller Deutlichkeit, dass hier jemand wirklich lange und eingehend nach gedacht hat: 1,50% von der SV-Bemessungsgrundlage beträgt die neue Deppensteuer, die hierzulande wohl für "mehr soziale Wärme" (Reibung macht heiß) sorgen soll. Ich darf also eineinhalb Prozent Sozialversicherung mehr bezahlen - für nix und wieder nix.

Während also an anderer Stelle über die Abschaffung der gesetzlichen Pflichtversicherung diskutiert wird, bastelt diese jämmerliche Scheiter-Regierung in Österreich noch schnell einen weiteren undurchdachten Pfusch: ein weiterer Zusatzvertrag, mehr Bürokratie, mehr Verwaltungsaufwand: jeder SVA-Pflichtversicherte hat die Wahl, mit einer der gelisteten Kassen einen betrieblichen Vorsorgevertrag abzuschließen, geschieht dies nicht, so erfolgt innerhalb von drei Monaten die Zwangszuweisung, welche "auch ohne Unterschrift Gültigkeit erlangt". Eingehoben werden die paar Zusatzhunderter pro Jahr von der SVA, und wer an einen Schnellschuss zur Krankenkassenfinanzierung denkt, mag zwar ein Schelm sein, aber durchwegs recht haben. Bezeichnend auch, dass man auf der Homepage der SVA bei der Suche nach "Betriebliche Gesundheitsvorsorge" keinen Treffer zur neuen Sonderschröpfabgabe bekommt. Gratulation zu diesem Schnellschuss! Dass ich weder SPÖ noch ÖVP wählen kann, steht für mich nun eindeutig fest - danke für diese "Wahlhilfe".

PS: Allerdings wird's schwierig: die Grünen wissen nicht mal, ob sie eigentlich überhaupt Wahlplakate wollen und ob da etwas - und wenn ja, was - draufstehen sollte, weil man kann ja als Partei nicht einfach was wollen, da muss man schon zuerst die Basis fragen, was die eigentlich will, damit man dann dasselbe will. (So denken weite Teile der FPÖ-Strategen übrigens auch.) Hardcore-Strache grinst seit Dr. Jörgls BZÖ-Kandidaturkrise im ZIB-Studio noch unentspannter und verzweifelter in die Kamera und das BZÖ will plötzlich nix mehr gegen Ausländer haben, so sie denn keine sind und einer schlagenden Studentverbindung beitreten - von wegen rechts und Ordnung! Wofür aber Fritz Dinkhauser (außer für eine larmoyant-undefinierte Trutzhaltung gegenüber irgend etwas stehen) soll, konnte ich noch nicht herausfinden, und Hans-Peter Martin hat eigentlich gar kein Talent zum spoken-word Märchenonkel und macht außerdem kleinen und großen Kindern Angst. Da muss man sich doch langsam ernsthaft fragen: ist Nichtwählen oder ungültig Wählen das demokratiepolitisch bedenklichere Statement?

Die Politik und das Web 2.0

Christoph ChorherrDass in Österreich Neuwahlen vor der Türe stehen, ist mittlerweile hinlänglich bekannt - auf Einladung von Helge war ich gestern Abend bei einer informellen WerkzeugH-Gesprächsrunde mit dem grünen Bildungspolitiker Christoph Chorherr. Über die (möglichen) Einsatzsenarien von Web 2.0 im kommenden Wahlkampf zu plaudern war sehr spannend, und eines steht fest: wir brauchen einen Hashtag, um in diesem kurzen, aber hektischen Wa(h)lkampf den Überblick zu behalten. Außerdem hatte ich Gelegenheit, meine neuererworbene Olympus-Digicam unter schwierigen Lichtverhältnissen zu testen.

Mit Wahlempfehlungen halt ich's wie die coolen alten Dinosaurier-Zeitungen und bleib ganz unparteiisch, zumal ja selber noch nicht mal weiß, wen ich wähle. Bloß eine Negativempfehlung geb ich ab: FPÖ und die komische andere Partei aus Kärnten bitte nicht wählen. Ansonsten wär mal was anderes als eine große Koalition im Minimalfall zumindest Abwechslung, was aber effektiv eh nur die Grünen übrig lässt. Ich hab jedenfalls eine schöne Bilderserie, auf der Helge und Christoph, der selbst bloggt, auf dessen brandneuem DVB-H Handy gespannt den ZIB2-Beitrag über die Grünen und Van der Bellens Wortspende verfolgen - die Crowdsourcing Plakataktion hat übrigens mittlerweile so weite Kreise gezogen, dass die ersten Entwürfe sogar im Ex-Leitmedium Fernsehen zu bewundern waren:

Christoph und Helge

Die Grünen sourcen die Crowd

gruenplakatStrategiesitzungen sind momentan in, schließlich erwarten uns in zwei Monaten Neuwahlen. Christoph Chorherr von den Grünen ruft in seinem Blog LeserInnen auf, Plakatideen einzusenden - zwei davon hat er bereits mit Helges Support selbst realisiert. Politstrategisch dürfte es schwierig sein, sich mit einer Multitude von Claims und Standpunkten nachhaltig zu positionieren, trotzdem finde ich die Idee irgendwie originell (bei der Konkurrenz aber auch nicht schwierig) und am besten gefällt mir bisher Janas Vorschlag; übrigens bin ich auch neugierig, wie Super-Fi in den nächsten Wochen für die G tätig werden - Max hat ja am Donnerstag geschrieben, dass er sich einen aktiven, unmittelbar (d.h. nicht durch Agenturen durchdramaturgisierten) WK erwartet:

Ich möchte täglich auf Youtube sehen wo die Grünen gerade unterwegs sind, was sie die Bevölkerung fragen, über welche Themen (schließlich geht’s ja um Themen und Perspektiven, einen Personenwahlkampf gegen Faymann werden die Grünen wohl nicht gewinnen) sie mit den Menschen reden, sehen wie viele Leute für die Grünen arbeiten, sehen das es da mehr als nur einen Van der Bellen, einen Pilz, eine Glawischnig und einen Chorherr gibt.
[...]
Ich möchte wenn ich auf Flickr "Wahlkampf" eintippe Fotos von Grünen PolitikerInnen sehen, ich will auf Geizhals.at mit Ihnen diskutieren wie man beim Neugerätekauf auf das Energiesparen achten kann, usw.

Naja, warum nicht - am besten mit Masterplan im öffentlichen Google-Sheet :mrgreen: Ich bin mal gespannt, was bei Chorherrs Aufruf noch so an schrägen Motiven rauskommt... ein wenig Selbstironie kann ja übrigens nie schaden. Besonders gut gefällt mir Max' Vorschlag eines Political Friendfeeds:

Was schön wäre ist eine Seite (dessen URL kann man dann von mir aus auch auf einem Plakat bewerben kann) wo alle Aktivitäten zusammengefasst werden, siehe z. B. Platterwatch. Wirklich mutig wäre dann wenn auch die Aktivitäten der anderen Parteien dort auch einsehbar wären.

Dennoch werde ich mich nach eingehender Beratung mit Master P., dem Vorsteher des datadirt-Politbüros, jeglicher jeglicher Wahlkampf-Plakatentwürfe (außer allfälliger defätistischer Designs) zu enthalten. Letztendlich steht jede Partei des kleinen Mannes auf den Schultern von Giganten und vice versa; im Gegensatz zu überteuerten Agenturen und den PolitikerInnen selbst werde ich allerdings nicht für Propaganda-Tätigkeiten bezahlt - und wenn die lieben Genossen schon ganz locker ein paar Milliönchen verblasen, dann erscheint mir Ruhm und Ehre doch als schäbiger Preis für die gesourcte Crowd. Aber das ist ohnehin alles recht hypothetisch - trotzdem sollte ein kritischer Blick auf die Unterschiede zwischen Partizipation an der Entscheidungsfindung und Crowdsourcing á la Mechanical Turk jenseits aller Freude übers großartige Mitmachen-Dürfen nicht gänzlich ausgeblendet werden.

ÜberwachungsStaat: geht irgendwie was weiter?

sos überwachungYup. In einer aktuellen Aussendung informieren die Grünen über ihre Initiative SOS-Überwachung. Auch wenn ich mir einen überparteilicheren Ansatz gewünscht hätte: zum Glück unternimmt wenigstens überhaupt jemand was gegen diese enorm übertriebenen Allmachtsphantasien eines Staatsapparats, der seine BürgerInnen konsequent nicht als selbständig denkende Subjekte, sondern als Rohmaterial für Intimsphären-verletzende Zwangs-Sozialforschung betrachtet und behandelt; im Fall mancher ÖVP-Hardliner nicht direkt überraschend, aber die SPÖ, die sich immer noch zu Unrecht für eine Linkspartei hält, hat hier auf ganzer Linie grandios versagt.

Ein sehr lesenswertes Interview hat Georg Holzer zu diesem Thema mit Helge geführt - der fasst kurz und prägnant das Kernproblem zusammen:

Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten. Doch wir alle haben etwas zu verbergen: Unsere Privatsphäre und unsere Beziehungen. Man arbeitet, ganz im Stil George Bushs, mit Angst. Angst vor Terror, Angst vor Kriminalität. Dabei ist Österreich sicher wie nie zuvor. Niemand käme auf die Idee, private Autofahrten zu verbieten, trotz tausender Verkehrstoter. So wie hier Mobilität über Sicherheit gestellt wird, sollten wir die Privatsphäre des Einzelnen nicht am Altar der Angst opfern.

Die vom Autor dieses Zitats initiierte Online-Demo (siehe Eselsohr hier in der oberen rechten Ecke) läuft weiterhin, alle Webmaster und -mistressen sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. 20.000 Unterschriften konnten mit der Online-Petition gegen den Überwachungsstaat bereits gesammelt werden. In einer aktuellen Aussendung informierten die Initiatoren über die nächsten Schritte:

  1. SOS-Überwachung geht jetzt auf die Straße. Wir werden in der zweiten Phase Unterstützungen mit Listen sammeln, in möglichst vielen Städten und Gemeinden.
  2. Eine Reihe von Initiativen unterstützt SOS-Überwachung. Mehr als 140 Blogs haben sich als "Online Demo" zusammen getan, um Unterschriften zu sammeln. Platterwatch, die von den Grünen initiierte Plattform zur "Überwachung der Überwacher", unterstützt mit Links und mit Sammeln auf der Straße.
  3. Von Providern wird derzeit die Möglichkeit einer Verfassungsklage geprüft. Verfassungsrechtler wie Univ. Prof. Funk und Univ.Prof. Mayer geben diesen Klagen ebenso gute Chancen wie Klagen der betroffenen User/Innen. Rund um Platterwatch ist eine Sammelklage der betroffenen User/Innen in Vorbereitung.
  4. Am 3. März 2008 tagt voraussichtlich der Petitionsausschuss. Das ist der erste Termin, zu dem die Petition im Nationalrat eingebracht werden kann. Von dort soll sie dem Innenausschuss zugewiesen werden, der Anfang Mai zu einer Sitzung zusammenkommen wird.

WAS KÖNNEN SIE JETZT TUN?

Vor allem eines: weiter Unterstützungen sammeln - über das Internet und mit Listen. Die Listen können Sie bei den Grünen anfordern oder sich hier ausdrucken und kopieren.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Univ. Prof. Dr. Gerald Futschek
Dr. Barbara Helige
Dr. Peter Pilz
Univ. Prof. Dr. A Min Tjoa
Univ. Prof. Dr. Hannes Werthner

Platterwatch: Überwacht den Innenminister

Nachdem ich mich letztens über ein Plakat mit unglücklich gewähltem Slogan mockiert habe, darf ich mich erneut über eine auf den ersten Blick gelungene Aktion wundern: Marie Ringler und Peter Pilz haben getreu dem Motto Überwacht den Überwacher! Platterwatch ins Leben gerufen.

Ein Innenminister, der gerne *alles* über seine BürgerInnen wissen möchte (siehe Eselsohr "Nein zu Metternich 2.0" rechts oben), muss einfach etwas zu verbergen haben, so die Kernidee. Also wird der Überwacher überwacht, und das scheint ihm nicht besonders zu schmecken:

Heute war das Platterwatch Team wieder im Einsatz. Der Innenminister hat den Schlepperbericht 2007 präsentiert. Wir wollten ihn beobachten. 10 Mann und Frau hoch, in unseren schönen neongrünen Platterwatch Jacken. Und natürlich mit Kamera, Handycam und Co. Wer sich versteckte war allerdings der Innenminister. Offenbar ist ihm die Aktion gar nicht recht, denn wir durften nicht in den Pressekonferenzsaal und als er dann von Journalisten bei der Pressekonferenz nach Platterwatch gefragt wurde, blieb er wortkarg: "Kein Kommentar".

Die "Videoüberwachung" wird auf der youtube-Gruppe Platterwatch genau dokumentiert - und da kommen dann solche rührenden Szenen raus wie in diesem Kurzfilm:

YouTube Preview Image

(Ich war noch *nie* auf einer PK, wo irgendjemand eine Ausweis sehen wollte. Aber ich geh ja auch nie zu Minister-PKs.)

Niemand wird ernsthaft annehmen, dass "fighting fire with fire" einen gangbaren Weg darstellt - ich sehe die Platterwatch in der von mir geschätzten Traditionslinie des grünen Aktionismus. (Auhirsch!) Manche mögen sowas kindisch finden, wie aus den Kommentaren auf Maries Blog auch deutlich hervorgeht. (Aber wer weiß: wenn die NL-ÖVP eine kompetente Online-Marketingagentur hat, dann wird sie ja sicherlich so schlau sein, Poster zu bezahlen.). Ich persönliche denke, dass es momentan in .at beim Thema Überwachung noch gar nicht um Meinungsbildung, sondern um das Erzeugen von Awareness geht, denn die ist auf breiter Basis beim einfach nicht vorhanden: und dazu ist Pete heute klar gemacht hat, macht eine derartige Vereinnahmung von Themen durch eine Partei jegliches Entstehen einer zivilgesellschaftlichen Opposition so gut wie unmöglich. Ein gutes Beispiel dafür ist die Metternich 2.0 Online-Demo, die hier am Blog geschalten ist (das Eselsohr in der rechten oberen Ecke). Die Petition ist ja schön und gut, allerdings führt sich die behauptete Überparteilichkeit selbst ad absurdum, wenn die anschließende Bestätigungsmail von einer E-Mail der Domain @diegruenen.at kommt.

Nun kann man also zurecht die Fragen stellen, wieso eine Minderheitenpartei, die ja im Parlament sitzt um die mythenumwobene "Kontrollfunktion" auszuüben, nicht in erster Linie parlamentarische Maßnahmen einsetzt, auf einem Untersuchungsausschuß besteht, Gebrauch macht von den gar nicht mal sooo üblen Minderheitenrechten des österreichischen Parlaments, so Pete's Meinung. Ich bin mir da unschlüssig: einerseits schlägt mein Herz für aktionistische Aktionen, andererseits würde man sich in der Tat mehr parlamentarische Action wünschen - so machtlos, wie die Platterwatch die Grünen darstellt, sind sie nämlich laut Verfassung keineswegs.

Die Grünen stecken in der Scheiße

"Nimm ein Flaggerl für dein Gackerl!" und darunter "Wer Österreich liebt, muss Scheiße sein." Dieses Plakat dachte sich irgendjemand bei der Grünen Jugend aus... und stieß damit auf fast ungeteilten Widerspruch. Wie man's auch dreht und wendet: die Persiflage auf eine Kampagne der Wiener FPÖ für mehr Hundedreck-Beseitigung durch Tierhalter (ein ehrenwertes Unterfangen) erlaubt in der Tat keine Interpretation, bei der die Urheber irgendwie gut aussteigen würden.

Die F frohlockte natürlich und fordert strategisch die Ausweisung volle Härte des Gesetzes - in der Tat droht das österreichische StGb im §248 mit bis zu 6 Monaten Haftstrafe für alle Gimps, die öffentlich Österreich und/oder dessen Flagge lächerlich machen. Ich finde es zwar traurig, dass man einem nationalen Symbol (Nationalismus kommt nun mal von "national") diesen strafrechtlichen Extra-Schutz angedeihen lässt, wo man doch annehmen könnte, die "Freiheit der Meinung" sei ein höheres Gut als Ehrfurcht vor einer Flagge. Aber andererseits kommt mir diese "Werbeaktion" der Grünen unglaublich dämlich vor. Das ganze passierte ja keineswegs im Verborgenen - immerhin hing das inkriminierte Plakat laut ots-Aussendung mehrere Wochen vor der Wiener Parteizentrale.

Ärgerlich daran finde ich, dass die Botschaft schlicht und ergreifend die Idee nationaler demokratischer Politik ganz ablehnt - eine völlig legitime Position für eine offiziell anarchistische Partei. Aber warum sollte ich Volksvertreter wählen, die ganz klar kommunizieren, dass sie nicht vertreten wollen? Genau diese unglaubliche sprachliche Insensibilität stört mich bei den Grünen schon seit Jahren und macht's mir unmöglich, einer Truppe von Leuten, die vor lauter Splittersuche im Auge des Gegner das fette Holzbrett vor dem eigenen Kopf nicht mal im Spiegel sehen, meine Stimme zu geben. Eine Partei, die größten Wert auf Splitting und sensiblen Umgang mit Sprache legt, und dann im NR-Wahlkampf "Für mehr Kontrolle" plakatiert, wie vor einigen Jahren geschehen, ist offensichtlich nicht in der Lage, die gepredigten Grundsätze selbst umzusetzen. Schade, denn nachdem Umwelt-Themen längst breitenwirksames Querschnittsthema geworden sind, die Grünen ihre "Fundis" unter "mehr Kontrolle" gebracht haben und der Großteil der Partei sich bereitwilliger mit König Pragmatismus arrangiert als jede große Koalition, wird's schwierig mit Uniqueness und Positionierung. Da helfen weder halblustige Versuche, sowas wie die Partei der von ÖVP und SPÖ komplett vernachlässigten neuen Selbständigen zu werden noch Politiker wie Peter Pilz, solange sie Einzelkämpfer bleiben und die Parteispitze besagtes Plakat als "Missgeschick" und "eigenen Willen der Jugend" abtut. Die deutsche Grüne Jugend war übrigens auch recht verwundert.

PS: Ich schreibe diesen Kommentar nur deshalb, weil ich mir am politischen Spektrum nix mehr wünschen würde für .at als eine wirtschaftspolitisch realistische, auf Umweltschutz bedachte und gesellschaftspolitisch sozial eingestellte Partei. Nach dieser ganzen Eurofigher-Würg-Kotz Story und einem roten Armeeminister, der plötzlich nix von Kritik wissen will, bleibt ja leider keiner mehr übrig, den man guten Gewissens wählen könnte.

Update: Zufällig gerade gefunden beim Neo-Blog ostarrichi - solipsistisch, aber die eigene Logik kann einem manchmal ganz schön um die Ohren fliegen:

Nun ist es so, dass die Grüne-Jugend Wien den Slogan eines Anti-Hundekot-Plakates von "Nimm ein Sackerl für mein Gackerl" zu "Nimm ein Flaggerl für mein Gackerl" auf der Österreichischen Flagge mit dem Untertitel "Wer Österreich liebt muss scheiße sein". Abgesehen davon, dass die grünen Jungs damit bewiesen haben, dass zu allererst sie selbst scheiße sind, hat Arigona ja behauptet, dass die nicht in den Kosovo zurück will und hier in Österreich bleiben möchte, das Land, das sie angeblich zu Lieben gelernt hat, somit ist laut den Grünen Arigona scheiße und die Grünen unterstützen somit Scheiße.