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Artikel-Schlagworte: „Differenz“

Twitter-News: @datadirt Nr. 1 in den Twem-Charts, @datenschmutz für .de-Tweets

Erfreuliche News aus der Microblogging-Welt: am Montag habe ich endlich den Account @datenschmutz bekommen, den ich zukünftig statt @ritchie_tweets für meine deutschsprachigen Micro-Messages verwenden werde. Ich bin gerade dabei, allen Friends des alten Accounts zu folgen und hab mich über knapp 400 Followers in den ersten zwei Tagen ziemlich gefreut :mrgreen: Aktuelle datenschmutz-Postings werden wie gehabt über den Feed-Account @datenschmutzrss gepostet - ich bevorzuge die Trennung von "Human" und "RSS Accounts". Außerdem bin ich mit meinem Haupt-Account @datadirt (derzeit 33k Followers) seit Montag auf Platz 1 der Twem-Charts - Sascha Lobo sieht bloß noch den Hinterreifen meines Bikes.

Aber bei aller Freude über die Chart-Platzierung kann ich mir an dieser Stelle ein paar Anmerkungen zum Maßbändern, -stäben und -einheiten einfach nicht verkneifen. "What people know and what they say is like colorful sky," habe ich mal den Purple Pro singen hören. Und in der Tat: Einerseits beschwören sämtliche Evangelisten den dialogischen Charakter von Web 2.0 Services, andererseits gilt es fast schon als anrüchig, wenn die Follower-Followed-Ratio bei 1:1 liegt. Den größten .at/.de/.ch Twitteraccount in punkto Followers habe ich mit über 30k schon eine ganze Weile. Aber an die Spitze der Twem-Charts kam ich erst diese Woche, da ich mittlerweile aufgrund des rasanten Wachstums rund 17k mehr Followers als Friends habe.

Twem bezeichnet diese nicht-reziproke Gruppe als "Fans" und baut die Gesamtwertung auf dieser Differenz auf. Der Hintergedanke ist wohl, dass spammige Mass-Follow Accounts außen vor bleiben sollen, spricht mit 100k Followern und ebenso vielen Friends wäre man bei Twem ziemlich weit hinten. Aber spiegelt dieses Verfahren die Twitter-Realität überhaupt wider? Nein, denn im Extremfall müssen sich Followers und Friends überhaupt nicht überschneiden - ein Tweeper könnte beispielsweise 100 anderen Usern folgen, während im selbst 200 andere Accounts folgen, von denen er keinen einzigen in der Timeline hat. Um die tatsächliche "non-reziproke Differenz" zu eruieren, müsste Twem also analog zum äußerst nützlichen TwitterKarma beide Listen komplett abgleichen, um auf die tatsächliche Anzahl der "Fans" zu kommen.

Diese Zahl entspräche zumindest eher der tatsächlichen Differenz, aber was sagt die eigentlich aus? Es handelt sich lediglich um ein Analogon zu klassischen Maßzahlen á la Reichweite oder Newsletter-Abonnenten. Genauso gut könnte man diese Zahl mit dem Quotient Followers durch Friends hoch Pi multiplizieren und das zweimal durch den Kehrwert des Prozentsatzes @-Replies durch ReTweets dividieren. Doch der Punkt ist: es gibt keine *richtige* Art, Twitter zu verwenden, sondern völlig unterschiedliche Nutzungs-Szenarien. Kann man einen über Twitter geposteten RSS-Newsfeed des Spiegel sinnvoll mit dem Twitter-Account von Nora X, 17, Webdesignerin aus dem Wuppertal, vergleichen? Ich denke nicht. Auch ReTweets sind spätestens, seit man sie en gros um Spottpreise einkaufen kann, keine sinnvolle Maßeinheit mehr.

Am ehestens würde sich zur indirekten Messung der Popularität die Click-Through-Rate von geposteten Fotos, Links, Videos etc. eignen, und zwar in Relation zur Zahl der Followers. Sprich: wenn Heinz Mustermann mit 100 Followern einen Link postet und 20 User drauf klicken, dann ist das mehr wert als Elise Musterfrau Aussendung an 500 Followers, von denen nur fünf neugierig auf den Inhalt sind. (Wenn allerdings Walter Spamberger einen Link an seine hunderttausend Followers verschickt, von denen auch nur ein Prozent drauf klickt, dann sieht die Sache in punkto "Mediawert" schon wieder ganz anders aus.) Mit anderen Worten: Während in grauer Web 2.0 Vorzeit, als Technorati noch funktionierte, beispielsweise der Zahl der Trackbacks der letzten 3 Monate tatsächlich einen gewissen Aufschluss über die Relevanz bestimmter Blogs lieferte, so betont jede Twitter-Hitparade und Wertung lediglich einzelne quantitative Aspekte, die recht wenig über die (dialogische) Qualität des jeweiligen Accounts aussagen. Außer im Fall von datadirt natürlich! :mrgreen:

Und noch mal ein kurzer Reminder: deutschsprachige Tweets gibt's ab sofort unter @datenschmutz, alle Blog-Updates unter @datenschmutzrss und wer Englisch bevorzugt, wirft einen Blick auf @datadirt respektive @datadirtrss. Ich twittere über ähnliche Themen wie hier am Blog - sprich Social Web, Online Marketing, Gadgets und die üblichen Geekereien. Natürlich freu ich mich über neue Followers, außerdem interessiert mich brennend: was halten Sie von Microblogging-Landvermessungen und Twitter-Hitparaden?

Meine ersten fotografischen Gehversuche in HDR

Wer mehr Kontrast will, muss interpolieren - und zwei Belichtungen sehen mehr als eine. So könnte man in etwa die Grundgedanken der HDR-Fotografie zusammenfassen: anstatt ein bestimmtes Motiv nur einmal aufzunehmen, werden vom selben Motiv zwei oder mehr Fotos mit unterschiedlichen Belichtungen geschossen, die man später mittels geeigneter Software zu einem Gesamtbild zusammensetzt. Sinn und Zweck dieser Vorgehensweise ist die Erreichung eines höheren Kontrastumfangs, daher der Name "High Dynamic Range". Das Ergebnis sieht dann beispielsweise so aus:

High Definition Range - HDR

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Neues Gadget: Webcam mit Autofokus

Logitech Quickcam Pro 9000Eigentlich wollte ich mir die Logitech Quickcam Pro 9000 ja im Elektronikgroßmarkt besorgen, aber fast 40 Euro Preisdifferenz zwischen Laden- und Amazonpreis waren mir die fünf Tage Wartezeit allemal wert. Heute kam das gute Teil an, also flugs installiert, angeschlossen und ausprobiert. Fazit: Durchaus eine gravierende Verbesserung im Vergleich zur Creative-Webcam, die ich vorher verwendet hab.

Die Bildwiederholrate könnte höher sein, außer der Auflösung habe ich aber keine diesbezüglichen Softwareeinstellungen gefunden. Zwar sind die fps theoretisch abhängig von der Systemleistung, aber daran kann's in meinem Fall nicht scheitern - und die Umschaltung von HD auf 640 mal 480 brachte auch nur eine geringfügige Änderung, recht viel mehr als 15fps werden's einfach nicht. Schade, denn mit einer Standard-PAL-Rate wär die Logitech-Cam ein vollwertiger Ersatz für den vergleichsweise umständlichen Camcorder. Für Youtube Clips ist die Qualität aber allemal mehr als ausreichend. Dank Autofokus und Carl Zeiss objektiv ist die 9000er für Video-Telefoneure und Quick-and-Dirty Video-Podcaster wie mich derzeit sicherlich die beste Wahl. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass die meisten Videochat-Programm durch die Komprimierung der Daten den Hardware-Schärfevorteil locker wieder zunichte machen - der Gesprächspartner hat also meist wenig von der exzellenten Qualität, aber wenigsten sieht man sich selbst am eigenen Monitor gestochen scharf :mrgreen:

Sehr überrascht war ich von der exzellenten Qualität des eingebauten Mikrophons. Für kurze Videoblogeinträge kann mein Shure-Mikro zukünftig jedenfalls im Schrank bleiben. Bei Youtube fällt der Unterschied zwischen der Creative-Cam und der S9000 videocodec-bedingt weniger ins Gewicht, bei Vimeo sieht man die Unterschiede dagegen deutlich:

Alles in allem ein lohnender Kauf - eine mittelmäßige Webcam kostet auch an die 40 Euro, wer einen Zwanziger drauflegt, bekommt für sein Geld eine problemlose Cam, die dank ihres Universalhalters sowohl Laptop- als auch LCD-Monitor-tauglich ist - two thumbs up! Microsoft macht die besten Tastaturen und Mäuse, Logitech die derzeit beste Webcam und Creative... Creative baut halt Soundkarten für Computerspieler. Ist doch auch was!

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Wahl.Qual: H.C. Haider vs. Jörgl Strache

striderDie Volksfronten des kleinen Mannes machen ernst. Musste man sich früher bloß vor einem rechten Lager in Acht nehmen, droht nun doppelte Ungemach. Beim rechtsaußen Local-Celebrity Deathmatch zählt sogar ein linker Schwinger, ohnehin ruht kein Blick auf der Gegend oberhalb der Gürtellinie. Sympathisanten der nationalen EU-Befreiungsfronten und des mir-san-mir Kulturbewahrertums erleichtert Österreichdiezeitung dankenswerterweise die Auswahl. Jene bunte Tageszeitung dürfte "Opa aller Kanzler" Dichand aber ein Dorn im Auge sein: er gibt schließlich diesem Land die randständige anständige Zeitung, die es verdient, während Wolfi Fellner anständig damit verdient, dass er diesem Land eine Zeitung gibt, die es nicht verdient hätte. Während also Krone und Heute aus allen Rohren mit Faymännern auf schwarze Spatzen schießen, frug ein Vasall der Konkurrenz beim Original und seiner Karikatur vor einigen Tagen genauer nach und bastelte daraus ein Fihtscha (sprich: feature). Die Kronprinzen rechter Lebensführung hatten je 10 Fragen zu beantworten und es zeigte sich: die berühmte Engstirnigkeit der rechten Gesinnung lässt offensichtlich nicht mal genug Spielraum für Schein-Differenzierung!

Dazu muss ich eine Anekdote erzählen: als ich anno domini 1995 in Graz Technische Physik studiert, kam Jörgl zu Besuch, um am Jakominiplatz für seine Ausländerfeindlichkeit zu werben. Der Uhrzeit gemäß - 10 am Vormittag - bestand das Publikum quasi exklusiv aus Pensionisten, was der smarte Populist sofort messerscharf erkannte. Aufgrund unerwarteter Explosionen im Chemielabor war uns eine Vorlesung ausgefallen (vielleicht haben wir auch nur geschwänzt, um im Notfall eingreifen zu können), wir hatten also das Vergnügen, zu fünft den Altersschnitt der rund 200 Anwesenden beträchtlich zu senken. Der Jörgl drosch ordentlich auf die Studentenschaft ein, verbal zumindest: "Diese Schmarotzer sollen mal was arbeiten!" Zustimmendes Murren-Nicken der Pensionisten. Wir begannen spontan Gegenparolen zu intonieren wie "Diese Nazis solle mal 0 Prozent bekommen!" Missbilligende Gesichter wandten sich in unsere Richtung, der dunkle Herrscher des Ulrichsbergs hatte eine Personifizierung für seinen blutsaugenden, gesellschaftsschädigenden Studenten-Archetypus gefunden.

"So wie die da drüben - die sollten in der Vorlesung sein", hetzte er. Und wäre der Großteil des Publikums nicht so fußlahm gewesen, dann hätte ich spätestens jetzt Angst vor einem spontan gebildeten Lynchmob bekommen. "Seien Sie doch froh, dass Ihnen überhaupt jemand unter 60 zuhört", rief ich ihm noch zu, dann drehten wir uns um und gingen, moralische Sieger einer Auseinandersetzung, an die mich besagtes Österreich-Fragespiel erneut erinnerte. Denn zu Punkt 3 Schaffen Sie die Studiengebühren ab? antwortet Haider:

Ich heiße Haider, habe alle meine Wahlversprechen auf Punkt und Beistrich eingehalten. Ich verspreche aber die Abschaffung der Studiengebühren nicht, weil ich meine, dass auch Studenten ihren Beitrag für die Allgemeinheit leisten sollen.

jörg haiderWarum dieser Akademikerhass, lieber Herr Ex-Universitätsassistent? Was für ein Beitrag soll den das bitteschön sein? Diese Gebühren, die gerade mal die Kosten ihrer Eintreibung decken, belasten die ohnehin meist finanziell prekäre Situation der meisten Studenten zusätzlich, halten Maturanten vom Studium ab, sorgen dafür, dass mehr nebenher (schwarz) gearbeitet werden muss... Sollten wir nicht lieber den Akademikerschnitt heben, die Studiendauer verkürzen und den gern zitierten Slogan von der zentralen Stellung des Wissens in der Wissensgesellschaft ernst nehmen? Ich bin ja froh, dass in Kärnten die Kleinsten schon gratis in den Kindergarten dürfen, aber Studenten geben Fünfjährige ausspielen ist noch weit unter Kindergarten-Niveau. Schon blöd, dass im rechts-sozialistischen Paradies auf Erden mitten in Klagenfurt diese Schmarotzer Uni steht - aber für die zahlt zum Glück ja eh der Bund. Steht der Name Haider gar für Kostenwahrheit der Studiengebühren? Sollen die Studenten künftig endlich mehr Beiträge leisten und ihre Lektoren pro Stunde bezahlen? Straches Antwort zeugt hingegen davon, dass er durchaus mit Wählern aus der Studentenschar spekuliert:

>Die Studiengebühren sind nicht wie versprochen den Studierenden zugute gekommen. Eltern und Studenten wurden abgezockt. Studiengebühren abschaffen.

strachelschweinBei allen anderen Fragen sind die Antworten fast beängstigend wortgleich ausgefallen - der Unterschied zwischen BZÖ und FPÖ liegt übrigens darin, dass aus der Sicht der einen die jeweils andere Partei gar keine Verantwortung übernehmen will/kann und nicht zu ihren Versprechen steht. Und Haider will primär rot/schwarz verhindern, während die EU-Diktatur Straches größte politische Sorge ist. Ansonsten streiten beide munter weiter um die Gunst der männlichen Bevölkerung unter 1,50 Körpergröße (der sogenannten kleinen Männer) Cool wär übrigens auch mal ein Cagefight, um ein für allemal zu entscheiden, wer die wiedervereinte empörte Volksfront des kleinen Mannes unter neuer Farbgebung (kack-beige?) in die Zukunft führen darf.

Sprach.Splitting: von GeschlechterInnen-DifferenzInnen

binnen i Sprach.Splitting: von GeschlechterInnen DifferenzInnenIm Englischen hätten wir dieses Problemchen nicht, eh klar: aber die Tschörmän Flexion zieht überall einen Geschlechtslayer ein und unterscheidet etwa zwischen Schornsteinfeger und Schornsteinfegerin. Weil Sprache ein wesentlicher Teil der Weltwahrnehmung ist, fordern Femis schon lange eine inklusive Form, und weil die permanente Doppel-Aufzählung suckt, erblickte das sogenannte Binnen-I (SchornsteinfegerIn) das Licht der Welt.

Denn Sexismen seien tief in der Sprache verwurzelt, so die Befürworterinnen. Diese Sichtweise stößt aber auch bei vielen Ladies auf wenig Begeisterung; das sogenannte "Binnen-I" mache Texte schwerer lesbar und "hässlicher", ist ein oft gehörtes Argument, dass die wahren Probleme anderswo lägen ein weiteres.

Ich bin ja ein Kind der linken Uni-Sozialisation, wo die Kategorie Gender schon vor Jahren das biologische Geschlecht - zumindest nach dem Willen der ProtagonistInnen - ersetzt haben sollte. Im journalistischen Bereich (außer vielleicht beim Standard, dort habe ich nie gearbeitet) ist das Binnen-I in .at meist unerwünscht, hier auf datenschmutz habe ich ja die Freiheit, selbst zu entscheiden. Bislang habe ich den eingeschobenen Großbuchstaben hier am Blog immer verwendet, aber inzwischen geht's mir damit wie mit manchen Lebensmitteln, die man früher gern mochte, und die einem plötzlich gar nicht mehr schmecken.

Von meiner hochgeschätzten LeserInnenSchaft habe ich außerdem sporadisch Feedback zum Binnen-I erhalten, und zwar ausschließlich negatives... Und als Bernd mir letztens das Binnen-I be gone Plugin für Firefox zeigte, kam ein langer Nachdenkprozess zu einem rapiden Ende: kein Binnen-I mehr auf datenschmutz.

Falls jemand Lust hast, einen reverses Plugin zu schreiben (Binnen-I come in), kann sie oder das ja gerne tun: da für die meisten Readers (haha, ausgetrickst) aber die Split-Form wohl eine permanente Annoyance darstellt, beuge ich mich gern den Wünschen meiner Leserschar und spreche die magische Formel:

Lirum larum literarischer Stil /
weil das Binnen-I Ihnen nicht gefiel /
nimmt's der Trainer aus dem Spiel.

Ich hätte ja vermutet, dass man sich irgendwann so sehr dran gewöhnt hat, dass früher oder später eher das fehlende I den Lesefluss stört... aber für Nicht-Muttersprachler erhöht es gewiss die Schwierigkeit. Und um mein feministisch geprägtes Gewissen ein für allemal zu beruhigen, frag ich an dieser Stelle nochmal nach:

Sorry, there are no polls available at the moment.

Blogistan Panoptikum KW31 2008

verpeilt und druffIdeen kann jeder haben, aber in der Umsetzung liegt die Würze. Meint zumindest Derek Sivers, der dieser Tage seine Weltformel am O'Reilly Blog veröffentlichte. Ansonsten sind die Themen in dieser Woche Tod und Streit, also nicht gerade das fröhlichste Blogistan-Panoptikum aller Zeiten, dafür aber eines der längsten: Andrea Pininfarina verstarb, Kinder versterben angeblich an Überraschungseiern, Yatil streitet mit Oliver über die passende Webmontags-Organisationsplattform und Klaus streitet mit der Air Berlin über den Playboy.

Stryte der Woche: Webmontag Wien vs. Mixxt

Yatil will den Webmontag nicht auf Mixxt sehen, zumindest nicht die Wiener Version - und hat einen sehr ausführlichen Beitrag geschrieben, in der erklärt, warum er für offene Netzwerke und zugängliche Webseiten votiert; da kann man nix gegen sagen. Außer vielleicht, dass eine unglaublich lange und ausschweifende Diskussion über die passende Organisationsplattform für einen Event, den in Wien grade mal 30 Hanseln heimsuchen, ziemlich typisch ist für das selbstverliebte Über-Ego der Web 2.0 Szene. Aber vielleicht werden auch nur langsam alle unentspannter, weil's mit den Investoren nicht mehr so recht klappen will... (Hey, ihr da draußen: wie wär's mit dem 10. Localized Social Network?)

Trotzdem bin ich ja ein großer Freund der erhitzten Diskussion, nur leider leidet auch Yatil unter einem scheinbar typischen Syndrom der deutschen Blogosphäre: sobald die Diskussion interessant wird und/oder dem/der Autorin die Argumete ausgehen, dreht er - so schnell kannste gar nischt gucken - die Kommentarfunktion ab. I'm not loving it.

PS: Ich würd die Webmontag-Sache über Facebook abwickeln. Eine Gruppe und ein Event pro Webmontag - und gut is. Keine Extraanmeldung, super-accessible, leicht zu bedienen. Und dass die einzelnen Webmontage in verschiedenen Städten überhaupt nicht miteinander kommunizieren, seh ich nicht gerade als das erstrebenswerte Killer-Feature an.

Kindstod durch ein Überraschungseier

Die Kinderkommission des deutschen Bundestags hasst anscheinend ihre Schutzbefohlenen, deswegen will sie aufgrund des erhöhten Sicherheitsrisikos nun unter anderem das Wunderei verbieten:

Jegliche Kombination aus Nahrungsmitteln und Spielzeug solle verboten werden, heißt es nach Angaben der "Welt" in einer Empfehlung gegen "Sicherheits- und Gesundheitsrisiken für Kinder im Alltag". Dazu gehören nach Ansicht des Kommissionsmitglieds Miriam Gruß (FDP) auch Cornflakes mit Spielzeug. "Kinder unterscheiden nicht zwischen Spielzeug und Nahrungsmitteln", argumentiert sie. Konkrete Unfallzahlen mit verschluckten Plastikfiguren habe Gruß aber nicht vorgelegt, berichtet die Zeitung.

Wo sie recht hat, hat sie recht: ich konnte mit 5 noch nicht mal annähernd zwischen Lego und Manner Schnitte unterscheiden. Ständig hab ich Klötzchen gefressen und Burgen aus Waffeln gebaut...

Andrea Pininfarina verstorben

Andrea Pininfarina, (Auto) Designerlegende, verstarb am 7. August bei einem Autounfall in seiner Heimatstadt Rom. Pininfarina designte nicht nur so gut wie alle Ferrari, Maserati (und die meisten erfolgreichen Fiat) Modelle, seine Karosserie-Firma gehört zu den bedeutendsten Industriebetrieben Italiens. Der geniale Designer war mit seinem Vespa Scooter am Weg zur Arbeit, als er mit dem 78jährigen Giuliano Salmi kollidierte, der einem ausladendem LKW auswich und dabei die Vespa übersah. Pininfarina hinterlässt drei Kinder. Wer mehr über das Leben jenes Mannes nachlesen möchte, der unsere Vorstellung von Sportwägen stärker geprägt hat als jeder Großkonzern, findet auf der zugehörigen Mahalo Page einige spannende Links.

Ich lass mich doch nicht übersetzen

Seit kurzem übersetzt mloovi RSS-Feeds, und dazu müssen keinerlei indische Translatoren Überstunden machen: die Seite zapft einfach Google an, indem sie ein simples from-to-interface drüberstülpt. Eric Cartman würde vermutlich sagen "this is bullcrap", denn was dabei rauskommt, entbehrt jeglichen Sinns, ist aber durchwegs unterhaltsam zu lesen, etwa mein Beitrag über meine Lieblingsgottheit:

In the year of polytheism not want such matters to be undertaken lightly taken shoulders. But if in doubt find a à la carte menu from which all the right order of courses for personal salvation rauspickt, I find all sympathetic than Dogmatismen: it does not have the body of Christ. In this respect I am also very pleased when John asked me if I was a review of my favourite deity for the polytheism blog written.

Nein, I'm not a review. Übersetzer müssen demnächst jedenfalls nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten.

Die Wichsvorlagen-Affäre: Titten im Flieger

Selbige können im Handumdrehen (naja, vielleicht nicht direkt Umdrehen) zum Quell der Diskussion über die Akzeptanz nackter Brüste in verschiedenen Kulturkreisen werden. Klaus Werner fand den Playboy im Flieger gar nicht lustig und beschwerte sich über intrusive "Wichsvorlage", und dann kam Post vom Herrn PB Chefredakteur, der natürlich denkt, es handle sich um eine Spitze gegen sein Elaborat - dabei will Klaus bloß allein reisende Mütter vor nackten Brüsten schützen. Was Neelaa wohl dazu sagen würde? Die hat nämlich gerade festgestellt, dass der gute alte Kafka Franzi seine Wichsvorlagen nicht im Flieger, sondern brav im dunklen Kammerl konsumierte.

Zeit mir deine Chromosome...

...und ich sage dir dein Geschlecht. Oder zeig mir dein Browserhistory, das reicht nämlich auch. [via Helge] Das ganze ist kein Joke, sondern verwendet statistische Daten:

So what I did is I modified the SocialHistory JS so that it polled the browser to find out which of the Quantcast top 10k sites were visited. I then apply the ratio of male to female users for each site and with some basic math determine a guestimate of your gender. The math is really quite simple, I just take:
1 / (1 + r_1 * r_2 * … * r_n)
where p_i is the ratio of men-to-women for the specific site. For example, if you had been to two sites that had a 2-1 ratio of men to women, the probability of you being female would be:
1 / (1 + 2 * 2) = 1/5 = 20%

Alles klar? Helge, der alte Macho, ist zu 97% männlich. Ich dagegen bin privat zu 103% männlich und in der Arbeit fast eine halbe Frau (Kommt wohl daher, dass ich online immer so freundlich zu allen bin.)

D.el.i.cio.u.s we miss you

Nach harten Jahren des erfolglosen Versuchs, der eigenen Userbasis die originelle Punktierung der Domain beizubringen, hat delicious diese Woche schließlich das Handtuch geworfen: Die tastiest bookmarks on the web schauen ab sofort hübscher aus, werden von Symfony angetrieben - und sonst hat sich zum Glück nix geändert.

Die SEO-News der Woche

Eikyo bedankt sich bei Beeline Labs für nichts respektive für deren vollkommen überflüssige Community-Studi, Cpt. Sistrix zeigt Google-Trends auf und Janik führt einen aussichtslosen Kampf gegen Linkgeiz; das Anfangsstatement stellt die Sache allerdings gröbstens vereinfacht dar:

Google sieht, dass man auf gute Internetseiten verlinkt und deshalb die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass man selbst eine gute Seite hat, da man sich anscheinend auskennt.

Nene - so einfach isses nicht. G wertet die gesamt Linkstruktur aus; ansonsten würd's ja reichen, mit einer neuen Seite auf heise, zdf und den deutschen Bundestags zu verlinken - und Boing. Tja, schön wär's... auf Webdesign-In gibt's zum selben Thema einen wesentlich differenzierteren Artikel. Eine kleine Anmerkung dazu: Page Rank Sculping wurde hierzulande grundsätzlich missverstanden... das macht nur Sinn in Kombination mit einer durchdachte Anti-Duplicate-Content Strategie: und in dieser Hinsicht gibt's bei WP auch keinen Königsweg, es hängt rein davon ab, was man erreichen möchte: sollen die Kategorieseiten, die Tag-Übersichtspages oder doch die Einzelartikel die beste Platzierung abbekommen? Das kann man mit den Metatags noindex und nofollow wunderbar steuern... aber dazu werde ich demnächst einen Artikel posten.

Im Searchlab wurden einige interessante Beobachtungen zur neuen Suchmaschine Cuil getätigt, Malte Landwehrt misstraut völlig zur Recht Googles "objektiven" Kreditvergleich und hat genau wie Tom Zeithaml ausgiebig mit Google Insights for Search gespielt. Am Techweblog gibt's eine durchwegs fragwürdige Liste der Top 20 US Web 2.0 Seiten von Hitwise. Nach soviel virtueller Aufregung muss man sich ab und an auch mal in echt in Gesicht blicken: für die Schweizer SEOs organisiert Internet4You gerade einen Stammtisch. Sowas wär doch in Wiena auch mal nett...

Video der Woche: druff, druff, druff

Das Video der Woche habe ich von Pete gestohlen - wir beiden kennen das 3-Tage-wach Ding ja nur zu gut, seinerzeit von den Lagerhallen-House-Raves in Chicago anno 88:

YouTube Preview Image

Spieglein an der Wand, wer ist drei Tage wach? Hehe... da wird man doch gleich wehmütig :razz:

Und was tut sich nächste Woche auf datenschmutz? Immer wieder montags gibt's einen Artikel zum Zeitgeist-Thema Life Streaming, Xsara sucht neue SEO-Knochen am Mittwoch und am Freitag wird wieder gekocht. Schönen Restsonntag wünsch ich, wir lesen uns morgen.

überklang wird 50 und ehrt Philip K. Dick

ueberklang50Der großartige überklang podcast feiert am 22. Juni seine 50. Sendung - und die ist niemand geringerem gewidmet als "unserem ewigsten Lieblingsschriftsteller Philip K. Dick", wie Sendungsmacher Dr. Nachtstrom schreibt. Schriftstellerkollege Stanislaw Lem stand ja schon mal im Zentrum einer Sendung - außerdem liegt die Verbindung von Science Fiction und elektronischer Musik ja wirklich nicht sehr fern.

Die Sendung selbst bleibt allerdings nicht das einzige Präsent: zeitgleich erscheint am 22. Juni der erste bruit-Labelsampler. Zum Launch des netlabels der Brandner-Brothers hab ich vor einiger Zeit ein Interview geführt, inzwischen weist der Katalog bereits ein recht umfangreiches Portfolio auf. Auf dem erwähnten Sampler werden sich 19 KünstlerInnen, von Pita bis Karlheinz Essl, dem Phänomen Dick nähern, dessen Geschichten als Inspirationsquelle der Musik fungierten. Ich bin schon sehr gespannt auf das Album - sobald ich reingehört hab, folgt die Review.

Über Philip K. Dick

Philip K. Dick neben Stanislaw Lem als einen der Väter der modernen Science Fiction zu bezeichnen, stellt keine Übertreibung dar: in der Tat dürfte es weitaus schwieriger fallen, einen SF-Film der letzten 20 Jahr zu finden, der in keinster Weise vom komplexen Gedankengut dieses Autors zumindest inspiriert ist. Doch im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen steht bei Dick nie die Technologie im Fokus der Story. Der Amerikaner, Zeit seines Lebens reichlich versorgt mit Drogen *und* psychischen Problemen (hell of a combination), interessierte sich herzlich wenig für die Faszination der Raumfahrt: seine Dramen, Mini-Epen und Short Stories sind kluge, detailreich gezeichnete Psychogramme seiner Hauptdarsteller. In der Differenz zu außerirdischen Rassen, zu unbegreiflichen Handlungsmustern geht Dick der alten Frage nach "Was ist der Mensch?" Hoffen dürfen seine Protagonisten im allgemeinen nämlich recht wenig: Blade Runner, dank der Verfilmung wohl Dicks bekannteste Short Story, stellt konsequent die Frage nach Identität(skonstruktion) - leider bemerkt Harrison Ford nur im Directors Cut ganz am Ende, dass er selbst, der Androidenjäger, ein künstlicher Mensch ist - und flieht mit Rachel.

Drogen als Differenz-Kriterium, als Nullsummenspiel der sozialen Identität, steht auch im Zentrum des Romans "A Scanner Darkly" (deutsch: Der dunkle Schirm), der vor zwei Jahren von Richard Linklater verfilmt wurde. Der Mischung aus Realfilm und Animationstechnik gelingt es besser als den meisten Hollywood-Umsetzungen, die zugleich skurrile und hyperrealistische Welt des Autors einzufangen, ohne an erzählerischer Komplexität zu verlieren. Viele von Dicks Kurzgeschichten erschienen in amerikanischen SF-Periodika, ein großer Teil des Oeuvres findet sich derzeit nicht im Handel - ein akribischer Blick bei 2nd Hand Händler lohnt allemal.

Spezialtipp für Wiener Dick Fans: Die Wiener Stadtbücherei betreibt eine Filiale im 22. Bezirks, nahe der Erzherzog-Karl-Straße. Dort gibt's eine 70er-Jahre Hardcover-Ausgabe von Dicks Kurzgeschichten in, wenn ich mich recht entsinne, 20 Bänden. Und darin finden sich zahlreiche Stories, die sonst nirgends erhältlich sind: der lange Weg nach Transdanubien lohnt sich also allemal!

Excel-Tipp: Zeitdifferenzen mit Stundensatz multiplizieren

Excel, das Tier aus der Tiefe, die Tabellenverarbeitung mit der 666 vorne drauf ist - manchmal unverzichtbar. Speziell für Selbständige, denn selbst der Kreativste aller Kreativchaoten, der nie WU-Vorlesungen besucht hat, steht idR eher früher als später vor der unspannenden Herausforderung, penible Aufzeichnungen über die eigenen Arbeitsstunden zu führen. Old Schooler rechnen alles von Hand, mit Excel geht's allerdings auch weitgehend automatisiert.

Man legt ein neues Sheet an, trägt die Stunden ein, schreibt den jeweiligen Stundensatz in ein weiteres Feld und multipliziert die beiden Werte. Peanuts. Eine Spur komplizierter wird's, wenn man anstatt der täglichen Stundensumme Beginn- und Endzeiten erfassen möchte: denn errechnet man anschließend die Differenz der beiden Felder, so kommt wieder um Uhrzeit raus, und die lässt sich schlecht mit dem Stundensatz multiplizieren. Das funktioniert nämlich folgendermaßen:

  1. Felder für Beginn- und Endzeit auf Datentyp "Uhrzeit" (in der Form hh:mm, die wenigsten Arbeitszeiten werden in Sekunden erfasst) stellen. (rechte Maustaste, Zellen formattieren, Karteireiter "Zahlen"). In unserem Beispiel wären das die Zellen A1 und B1, also die ersten beiden Zellen der ersten Zeile.
  2. In ein drittes Feld (C1) die Formel =(B1-A1)*24 eintragen, also Beginnzeit minus Endzeit mal 24. (Formeln beginnen in Excel immer mit einem = Zeichen)
  3. Noch steht Blödsinn im Ergebnisfeld, aber das wird sich gleich ändern: beim Feld C1 den Datentyp "Zahl" einstellen, und schon steht die richtige Summe drin

Die Multiplikation mit 24 muss erfolgen, da Excel Datumsfelder (und Zeitfelder gehören da auch dazu) immer als Tage darstellt - und ein Tag hat nun mal 24 Stunden. Mit der hier beschriebenen Methode erhält man also die absolute Stundenzahl, die sich dann problemlos weiterbearbeiten (z.B. aufsummieren oder mit dem Stundensatz multiplizieren) lässt. Zum besseren Verständnis habe ich eine Beispielsdatei für die Stundenerfassung im April 2008 angelegt, in der die betreffenden Formeln bereits eingetragen sind und die natürlich gerne als Vorlage für weitere eigene wilde Tabellen-Experimente verwendet werden darf:

Excel-Vorlage für Zeiterfassung [rechte Maustaste + "speichern unter"]