Gestern Abend rockte DJ Spooky den Dom im Berg - direkt nach der einleitenden Podiumsdiskussion, die ich aufgrund verspäteter Anreise leider verpasst habe, trat New Yorks Illbient-Aushängeschild hinter die Turntables. An meinem heutigen Kater war allerdings in erster Linie Herr EmeeGrant schuld, der in punkto Floor-Moving und Selection meiner Meinung locker mit Spooky mithalten konnte.
Als wir um halb zehn im Dom im Berg eintragen, war die Location noch eher spärlich gefüllt, das ändere sich in den folgenden Stunden allerdings recht rasant. Spooky trat vor zu Beginn ob des Wahlergebnisses enthusiasmiert ans Mikro und kündigte ein fröhliches Mash-Up Set an, und dieses Versprechen hielt er ebenso routiniert wie gekonnt mit einem weiten Bogen von James Brown bis Panjabi MC ein. Partytechnisch ging das Konzept voll auf, ruhig an seinem Platz stand nach einer Stunde jedenfalls niemand mehr. Allerdings hätte ich persönlich wesentlich lieber den Illbient-Scratch-Wahnsinn, den ich von Spookys älteren Platten gewohnt bin, gehört - und muss im Nachhinein Richard Pyrker zustimmen: weite Teile des Sets erinnerten an die klassische Too Many DJs Masche, was dann doch ein wenig unerwartet kam. Hier ein paar Bilder vom gestrigen Abend - aufgenommen mit Anjas iPhone:
Die Überraschung des Abends lieferte für mich dann wie gesagt der Grazer DJ und Musikvernetzer EmeeGrant: was als vergleichsweise harmloses Funk-Set beginn, morphte innerhalb der ersten Stunde zu einem fantastischen elektronischen Groove irgendwo zwischen Dub, Techno, Afro, Minimal und Intelligent House, der genau die richtige Mischung aus Anknüpfungs-Punkten und neuen Beats bot. Two thumbs up! EmeeGrant steht ab sofort auf meiner Watch-List.
Heute von 12:00 bis 14:00 Uhr trafen wir uns in der Grünen Akademie, um beim Workshop "Creative Commons and Collecting Societies" in der Grünen Akademie. Obwohl Paul Keller von CC Österreich aus gesundheitlichen Gründen absagen musste und mich die Nachwirkungen des Party-Abends noch einigermaßen im Griff hatten, entwickelte sich ein äußerst spanendes Gespräch.
Mit dabei waren neben Christian Schwanz aka CEE (der morgen Abend auch im Dom auflegt), Christoph Kummerer von Netvinyl.org/a> und Bernhard Hansbauer, Betreiber der Netzlabels Laridae und Bleak diverse Musik-Praktiker, und nach einer Stunde Diskussion wurde schnell klar: Schwein des Anstoßes ist jener Paragraph im AKM-Vertrag, der Musiker verpflichtet, *jedes* ihrer Stück anzumelden. Es ist rechtlich nicht möglich, einzelne Tracks von der AKM-Vertretung rauszunehmen (etwa zur Eigenverwertung). Dass die Collecting Societies in Österreich irgendwo im 19. Jahrhundert stecken geblieben sind und einer einigen Austropopper eine gemütliche Pension ermöglichen, ist eine Sache. Dass ein Großteil der "kleinen" Musiker in Radio-, Clublisten etc. gar nicht erfasst werden, und sozusagen unter dem Radar der pauschalisierten Abrechnung durchfliegen, eine andere - und zeigt, wie dringend man endlich auf die veränderte Situation reagieren müsste. (Und damit meine ich, dass Musik längst nicht primär auf Notenblättern vertrieben wird :mrgreen:)
Jenseits von Begehrlichkeiten der Major Labels lautet die zentrale Frage, wie ein Abrechnungssystem aussehen könnte, das endlich auch dem musikalischen "Longtail" zugute kommt. Mir persönlich gefällt Christophs Vorschlag, einen Teil der Gelder nicht direkt auszuzahlen, sondern in sinnvolle Infrastruktur-Förderung, die Musikern zugute kommt, ausgesprochen gut. Ebenfalls ein wichtiger Punkt in der Diskussion waren die "Limitationen" der Creative Commons Musterverträge: was "bringt" die CC Lizenz, was kann sie nicht leisten?
Selbstverständlich ist dieses Thema viel zu komplex, um innerhalb eines Workshops abgehandelt werden zu können. Und daher habe ich mich auch sehr über Rainer Praschaks Angebot, unsere "Was-wäre-wenn-Runde" im Mica in Wien fort zu setzen - idealerweise mit Vertretern der AKM/AUME. Denn dort scheinen manche Verantwortlich zu glauben, dass CC-Lizenzen sich als Nerd-Hobby einiger verstiegener Elektroniker abtun lassen. Aber sobald man ein paar Schritte zurücktritt und versucht, eine etwas weitere Perspektive zu gewinnen, wird eines ganz schnell klar: der (rechtliche) Umgang mit Kulturgütern war und ist von klar ökonomischen Interessen geprägt, und die kommen in erster Linie den Big Players (falls man diesen Begriff in .at überhaupt anwenden kann) zugute. Es ist höchste Zeit, ein Modell zu finden, dass die gesellschaftliche Dimension der Kulturproduktion ebenso berücksichtigt wie die Ansprüche und Wünsche des "kleinen" Musikers.
Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung des Workshops und auf Atom tm morgen Abend im Dom! An dieser Stelle noch ein ganz großes Kompliment an die Veranstalter: ihr habt ein fantastisches Festival mit großartiger Atmosphäre, spannenden Gästen und einem Spitzen-Line-Up aufgestellt: Respekt!
| 5. November 2008 | bis | 9. November 2008 |
Der Vorfreude-Pegel steigt, denn am Mittwoch beginnt das Elevate Festival in und rund um den Grazer Schlossberg. Mein Festivalpass traf am Wochenende via Mail ein, ein beträchtlicher Teil des Programms ist allerdings völlig gratis zugänglich: das passt thematisch ganz hervorragend, denn im Fokus der Workshops und Diskussion steht in diesem Jahr das Thema "Creative Commons". Dazu haben die Veranstalter ein umfangreiches Tagesprogramm konzipiert, der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.
Ich habe die Ehre und das Vergnügen, am Freitag um 12:00 Uhr das Workshop-Meeting-Hybrid Creative Commons and Collecting Societies zu moderieren. Paul Keller musste aus gesundheitlichen Gründen leider absagen, unsere illustre Runde besteht aus Rainer Praschak, Chrisan Schwanz aka CEE, Christoph Kummerer, Bernhard Hansbauer und meiner Wenigkeit. Zentraler Fokus ist "Konfliktmanagement" zwischen CC und GEMA/AKM/AUME:
Bei Verwertungsgesellschaften und Creative Commons handelt es sich im ersten Anschein um zwei sich widersprechende Modelle zum Schutz von geschaffenen (musikalischen) Werken.
Rechtliche Problematiken, technische Aspekte sowie eine beiderseitige nicht immer klar gelebte Praxis der eigenen Regeln und Richtlinien scheinen ein gemeinsames Entwickeln von Lösungsansätzen zu erschweren.
Für viele Musiker sind jedoch in beiden Modellen Aspekte vorhanden, die ihren Bedürfnissen und denen ihrer Hörer, Käufer und Fans entsprechen.
In diesem Meeting sollen nun mögliche Wege erschlossen werden, um eine Verbindung beider Formen in näherer Zukunft möglich zu machen.
Es gibt noch ein paar Plätze für Interessierte, die Teilnehmerzahl für die 90minütigen Veranstaltung ist allerdings limitiert. Wer Interesse hat, kann sich hier via Mail anmelden.
Der Falter präsentiert die mittwöchliche Eröffnung, bei der Silke Helfrich vom Commonsblog und Percy Schmeiser, alternativer Nobelpreisträger 2007, ins Thema einführen werden. Ab 21:30 beschallen Felix Kubin, die Fuck Buttons, Clara Moto, Mimu und Attention, Cosmonauts! den musikalischen Part des Abends. Der Donnerstag, präsentiert von der Kleinen Zeitung, beginnt mit einer Podiumsdiskussion zum Thema "Commons of the Mind", u.a. mit Ronaldo Lemos, Kaitlin Thaney und Paul D. Miller aka DJ Spooky, der dann im Anschluss gemeinsam mit EmeeGrant den Dom beschallen wird. Alle Veranstaltungen am Mittwoch und Donnerstag sind frei zugänglich, der Festivalpasse für Freitag und Samstag kostet äußerst freundliche 34€ - dafür gibt's ein Mörder-Line-Up auf drei Floors!
Freunde gerade noch hörbarer Bassfrequenzen freuen sich über den freitäglichen Auftritt von The Bug feat. Warrior Queen und MC Flowdan, in den Uhrturmkasematten geht's mit Scorn, Pre, MoHa! und anderen psychedelisch-noisig zur Sache. Mein persönliches Highlight folgt am Samstag: Herr Atom tm aka Atom Heard aka Senor Coconut aka 10.000 andere Pseudonyme head-lined meine Lieblingslocation, den Dom im Berg, in den Kasematten werden sich die Break-Corer Mühe geben, den Schlossberg zum Einsturz zu bringen (aber keine Sorge, das wird nicht gelingen.) Den genauen Timetable sowie alle Artist-Bios findet man hier.
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| 5. November 2008 | bis | 9. November 2008 |
Das Elevate Festival gehört zu meinen Top-Favoriten unter Festivals, weil die wenigsten Veranstalter mehrtätiger elektronischer Tanzmusiken sich die Mühe machen, intensiv über den kommerziellen Tellerrand hinaus zu blicken. Das war beim Elevate von Beginn an diametral anders: neben den Big Names fanden am Dancefloor stets hochinteressante Exoten ihren Bühnenplatz, zugleich nehmen das nicht-nächtliche Workshop-Geschehen und die reflexive Ebene eine angenehm wichtige Stellung ein. Etliche Highlights der dritten Auflage, die in diesem Jahr unter dem Motto "Commons" (Gemeingüter) steht, sind bereits fixiert, nähere Details zum Programm finden Festival-Reisende auf Elevate.at. Ich habe das Organisationsteam des Festivals befragt, was den Event, der rund um den Grazer Schlossberg angesiedelt ist, von der "Konkurrenz" unterscheidet.
Dass darunter der Partyfaktor leidet, muss niemand befürchten, ganz im Gegenteil: während beim Spring Festival - zumindest für meinen Geschmack - etliche Lückenfüller und eher rückwärtsgewandte Acts am Start waren, beginnen meine Tanzbeine schon beim Blick aufs diesjährige Line-Up zu zucken: DJ Spooky wird sowohl einen Workshop abhalten als auch den Dancefloor rocken (auf das Interview, sozusagen eine "Fortsetzung" unserer ersten Unterhaltung in Linz, freu ich mich schon sehr), und wenn ich schon Senor Coconut gleich zweimal verpasst habe, so werd ich beim Elevate endlich mal Mr. Atomheart spielen hören. Außerdem hat mich Simon zu einem Commons-Workshop eingeladen - da ich das Elevate im letzten Jahr ja leider grippe-halber verpasst hab, freu ich mich umso mehr auf die 2k8er Auflage. Und dass der Dom im Berg meine österreichische Lieblings-Location ist, hab ich an dieser Stelle sowieso schon mehrmals erwähnt.
Zeit und Ort: elevate Festival, 5.-9. November, in und rund um den Grazer Schlossberg
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datenschmutz: Was unterscheidet das Elevate-Festival von anderen Parties mit elektronischer Tanzmusik, z.B. dem Spring Festival in Graz?
Elevate-Team: Das Elevate Festival unterscheidet sich wesentlich von anderen Festivals, allein schon durch die besondere Kombination aus Musik und Kunst mit politischem Diskurs, die aus unserer Sicht als einzigartig zu bezeichnen ist. Dass Elevate sich auch musikalisch stark von anderen Festivals unterscheidet, liegt vor allem auch an unserem eigenen Anspruch und unserem Interesse, zum Teil wenig massentaugliche, dafür umso interessantere Musik in der intimen Atmosphäre einzelner Clubnächte / Konzerte zu präsentieren, Qualität statt Quantität ist da unsere Devise.
?: Die Spaß-Rave-Kultur hat ihren Zenit überschritten, digital Culture beschränkt sich längst nicht mehr bloß auf das Thema Musikproduktion. Wie geht man als Festivalveranstalter mit dieser Situation um?
!: Wir thematisieren es! Das Elevate Festival 2008 setzt sich (wie auch schon in den Jahren zuvor) mit politischen Inhalten auseinander, die oft auch eine Schnittstelle zum Thema Kunst und Musik bilden. Ob digitales Videostreaming und freie Medien im Jahr 2006 oder freie Netzwerke und open-source Softwareentwicklung im Jahr 2007 - Elevate hat und hatte immer auch einen starken Fokus auf Technologie. 2008 ist die Verschränkung von Musik, Kunst und dem diskursiven Bereich so eng wie nie, denn Commons sind überall – siehe z.B. Creative Commons.
?: Gibt es aufs Elevate Festival ausreichend mediale Resonanz, oder beschränkt sich die Wahrnehmung der Mainstream-Medien nach wie vor auf die ars electronica?
!: MedienpartnerInnen wie die Kleine Zeitung, ORF, Falter, FM4 und The Gap zeigen, dass das Elevate Festival eine sehr positive Resonanz bekommt, Tendenz steigend!
?: Was sind eure Erwartungen ans Festival? Oder anders gefragt: was sollen Besucher des Elevate nach dem Festival mit nachhause nehmen?
!: BesucherInnen des Festivals sollen auf positive Weise motiviert werden, sich mit den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Heuer wollen wir das Bewusstsein für "Commons", also Gemeingüter schärfen und die Wichtigkeit des aktuellen Diskurses klar machen. Was den musikalischen Teil des Programms betrifft, ist es uns ein großes Anliegen, neue KünstlerInnen und Strömungen abseits des Mainstreams zu präsentieren, auch eine direkte Miteinbeziehung der lokalen und nationalen Musikszene ist uns wichtig.
?: Was sind eure persönlichen Highlights im diesjährigen Line-Up?
!: Fans experimenteller Gitarrenmusik und Noise sei die von DJ Scotch Egg kuratierte Bühne in der Uhrturmkasmatte am Festival- Freitag wärmstens empfohlen. Persönlich freuen wir uns auf die Mischung aus alten Helden wie Felix Kubin, Atom Heart, DJ Spooky und Scorn mit interessanten Newcomern á la Fuck Buttons, Danton Eeprom, Rustie, Deadbeat sowie heimischen Talenten wie Dorian Concept, Clara Moto und vielen mehr. Generell denken wir, dass Elevate auch heuer wieder ein spannendes Programm mit sehr vielen Highlights und Überraschungen bereithält!
| 5. November 2008 | bis | 9. November 2008 |
Unter dem Motto Commonism steht das diesjährige Elevate Festival in Graz. Ich hätte ja bereits im Vorjahr am Lab teilnehmen sollen, allerdings hielt mich eine lästige Grippe recht effektiv von der Anreise ab - umso mehr freue ich mich, dass Simon mich zum diesjährigen Lab eingeladen hat, denn die Diskussionsrunde dürfte äußerst spannend werden: Paul Keller aus Holland will ein geschlossenes Meeting zum Thema "Collecting Societies meets Creative Commons" veranstalten, Georg Pleger von CC-Österreich wird ebenfalls mit von der Partie sein.
Das Elevate08 findet von 5.-9. November statt, Hauptlocation ist wieder der Dom im Berg, mein österreichisches Lieblings-Venue. Ich bin sicher, dass die Kuratoren des Festivals auch in diesem Jahr wieder für ein äußerst spannendes musikalisches Line-Up sorgen, mehr Infos zum Festival gibt's in Kürze auf elevate.at.
DJ Marky und MC Stamina waren gestern Abend von eins bis drei für die Beschallung des Dom im Berg verantwortlich. Der Ausnahme-Turntablist aus Sao Paolo und sein kongenialer britischer Gesangs- und Rap-Partner lieferten eine Show ab, die für mich persönlich zu den absoluten Highlights des diesjährigen Festivals zählte. Dazu leisteten auch die elaborierten Visuals von Mox und Decollage.tv einen beträchtlichen Beitrag. Bushwacka trieb uns anschließend ganz schnell Richtung Postgarage, wo Hot Chip gerade recht konsequent den Club leerspielten - aber das ist eine andere Geschichte.
Unser Timing war gestern einfach perfekt: wir hörten genau nix mehr von Gilles "Dancefloor-Boredom" Peterson - als wir den Dom enterten, legte Marky gerade die erste Pladde auf den 1210er. Kein softes brasilianisches Intro, sondern brachiale Basslines gleich zu Beginn: Mister Marky vergeudete keine Zeit, und nach den ersten drei Brettern betrat Stamina die Bühne. Ab diesem Moment begann eine großartige Soundreise: wie wenige Plattendreher beherrscht Marky, der mit 13 seine DJ-Karriere begann, die Kunst der Set-Dramaturgie und das perfekte Wechselspiel von soft und hart, das gerade bei Drumandbass Sets unerlässlich ist für längerfristige Tanzmotivation. Seine schon damals sicken Scratch-Skills hat Marky, seit ich ihn vor drei Jahren das letzte Mal auflegen gehört hab, noch weiter verbessert - und setzte sie an mehreren Stellen gekonntest ein. Stamina MCs Kommentar dazu: "Your friends told you about him, you've seen him on youtube - he is *my* DJ!" Kein Wunder, dass bei so großartiger Mucke der altbekannte Zeitdilatationseffekt eintrat: nach subjektiv gefühlten 30 Minuten waren die zwei Stunden um; "LK", Megahit und Signature-Tune des Duos, folgte als vorletzte Nummer. Alles in allem: grandios! Außerdem möchte ich unbedingt wissen, wie dieses Dubplate heißt, bei dem eine Frauenstimme singt "Shorty, what's your dream deep down?" Falls irgendjemand diese Nummer kennt, bitte ich um einen Hinweis - der Track ist der Liquid-Burner schlechthin...
Ach ja, noch ein Wörtlein zu den Visuals: das Setup im Dom besteht aus drei Leinwänden (Mitte, links, rechts), die auch unabhängig bespielt werden können. Während mich die bewegten Pixel am Freitag gar nicht vom Hocker rissen (dafür aber Robert Owens), war ich gestern ziemlich begeistert und der äußerst abwechslungsreichen Melange aus Fotos, Videos und Typo-Spielereien - sehr anregender visueller Input, bravo!
Dass Bushwacka dieses Set nicht würde toppen können, hatte ich bereits vermutet. Allerdings brauchte er nur zweieinhalb (grauslich mittenübersteuerte) Nu Rave Breakbeat Tracks, um uns ganz schnell Richtung Postgarage zu scheuchen. Als wir dort ankamen, schien alles gut: der Hot Chip DJ spielte gerade gemütlichen Old School DnB - aber nur drei Tracks lang. Dann wurde es ungewollt kuschelig, und eine Menge Folks, die gerne ihre Beinchen geschwungen hätten, beschlossen in Ermangelung von Couches, den Club zu verlassen. Uns hielt die Hoffnung auf feine Acid Breaks von Luke Vibert vor Ort, die war allerdings nach einer Stunde restlos aufgebraucht; und als Wagon Christ, der um 3:30 hätte beginnen sollen, um 4:45 noch immer nicht hinter den Turntables stand und alles darauf hindeutete, dass Mr. Hot Chip demnächst beginnen würde, seine Bob Marley Sammlung auszupacken, beschlossen wir einen, den Vibert einen guten Mann sein zu lassen und machten uns auf den Heimweg.
Fazit: Marky machte den letzten Abend des Festivals zu einem Highlight. Im Großen und Ganzen hat mit das diesjährige Spring großen Spaß gemacht, und das Line-Up war motivierend genug, um viermal hintereinander bis in die frühen Morgenstunden zu tanzen. Weniger gelungen fand ich in Einzelfällen die zeitlichen Programmierung: das eine oder andere Mal war's gerade zur "Haupt-Tanzzeit" 2 bis 4 einfach zu hatschert, ruhig und elegisch - wobei man allerdings, und das ist ja eine der Hauptstärken des Spring, bei derart vielen Locations immer recht problemlos eine Ausweichmöglichkeit findet. Der Festivalbus ist dazu nicht unbedingt erforderlich, denn in Graz liegt definitiv alles in Gehweite
In diesem Sinne also herzlichen Dank ans Spring-Team für vier lässige Tage in der Murmetropole; wenn ich wieder zurück in Wien bin, werd ich ein kleines Video aus meinen Schnippselchen zusammenschneiden.
Eines haben Elektronik-Festival mit Skikursen auf jeden Fall gemeinsam: am dritten Tag folgt unausweichlich ein leichter konditioneller Einbruch. Da kam's ganz gelegen, dass gestern im Dom relaxter und deeper klassischer Chicago-House am Programm stand. Die Überraschung des Abends lieferte dabei Robert "The House of Voice" Owens, der nach seinem Live-Auftritt die Crowd mit einem großartigen, energetischen Set in verleichsweise ekstatische Bewegung versetzte. Aus essens- und chilltechnischen Gründen mussten wir Senor Coconut, der das Orpheum bereits um 21 Uhr beehrte, allerdings leider auslassen.
Clemens Neufeld begann mit einem recht netten Warm-Up Set, in dessen letztem Drittel dann auch einige Floorsmasher folgten. Danach war allerdings eine Stunde Tanzextase-Pause angesagt, denn bei Robert Owen's Live-Auftritt ging's ein paar Ecken ruhiger zu. Das Live-Konzert selbst fand ich ganz großartig - man muss Owens ja fast mal live singen hören, um sich vorstellen zu können, wie wenig Studio-Wizardry bei seinen Stimm-Parts erforderlich ist. Top war auch der Perkussionist, der später noch das folgende Set mit eleganten Trommelwirbeln aufpeppte. Als vorletzte Nummer folgte dann noch "I don't make you happy" und ich war mit der Housewelt restlos versöhnt.
Eigentlich hatte ich ja vermutet, dass Owens beim Plattendrehen auch eher der soften Spielart frönen würde, but no: die stimmgewaltige Ikone kann mit Vinyl genauso gut umgehen wie mit Stimme: ein Chikago-Klassiker (Remix) folgte auf den nächsten, Miami-Bass Einlagen und uralt-Parts ("Today we gonna take you back to 1985 - just as if house music was stille alive.") wurden gekonnt mit ruhigeren Synthie-Flächen gewechselt: jeder Drop ein Volltreffer, sozusagen. Also mehr als ein würdiger Opener für Grandmaster Larry Heard, der dann gegen halb drei die Kontrolle über die 1210er übernahm. Mr. Fingers gilt ja nicht grundlos als einer der Housemusik Grand-Seigneurs - und seit Set fand ich erwartungsgemäß ganz hervorragend: wenig bis gar keine Effekthascherei, stattdessen perfektionistisch gemixte, deepe Housetracks - rolling Sound, der allerdings beim Publikum nicht so recht anzukommen schien: entweder lag's am besagten Konditionstief oder daran, dass alle unbedingt die Whignomy Bros und Josh Wink in der Postgarage hören wollten: jedenfalls war der Dom um halb vier höchstens noch zu einem Drittel gefüllt; ich hab die Postgarage gestern ausgelassen und mich nach Larry auf den Nachhauseweg gemacht. Einzig die Visuals hinkten gestern im Dom ein wenig... die simplen, Winamp-Visual ähnlichen geographischen Konstrukte von Lichtarbeit ohne jegliche originelle Elemente fielen weiter hinter die Qualität der Musik zurück - aber ich war ja nicht zum Gucken, sondern zum Hören im Dom, und in dieser Hinsicht war's für mich ein sehr gelungener Festivaltag.
War jemand aus der verehrtnen LeserInnenschaft gestern in der Postgarage bzw. vorher im Orpheum? Würd mich interessieren, was Josh Wink so getrieben hat. Und heute? Egal ob's regnet oder nicht, am späteren Nachmittag werden erstmal ein paar monströse steirische T-Bone Steaks über glühende Kohlen gejagt, und anschließend geht's erstmals ins PPC zu Kid Blue, Hannah Holland und MC Chickaboo, danach dann weiter in den Dom zu Marky + Stamina. (Aber bloß nicht zu früh. Ein voller Bauch studiert nicht nur nicht gern, er bleibt auch ungern wach, wenn Gilles Peterson auflegt.) Je nach Quecksilberstand des Partythermometers werden wir das Springeight dann entweder mit Mr. C im Dom oder mit Herrn Luke Vibert in der Postgarage ausklingen lassen.