| 9. Dezember 2008 16:00 | bis | 10. Dezember 2008 4:00 |
Soll kein Horrorfilm werden, sondern eine informative Veranstaltung, bei der sich Insider vernetzen und Außenstehende Einblick bekommen in die Vielfalt an Alternativen zu Fellnerpress und DichandNews. Zu diesem Behufe lädt der österreichische Medienverband morgigentags ab 16:00 Uhr in die Wiener FLUC Wanne, wo zuerst ausgiebig geschnackt und anscheinend noch ausgiebiger gefeiert werden soll.
Mit an Bord sind unter anderem Skug, The Message, fm5, Der Bagger, Datum und dérive, um 19:30 diskutieren die üblichen Verdächtigen die postulierte "Schieflage Freier Medien in Österreich". Am Podium: Andi Klinger (Ex-Resident), Niko Alm (the gap), Michael Fleischhacker (Die Presse), Peter Fuchs (Freies Plakat), ein Vertreter der SPÖ und Moderatorin Karin Resetarits. Ab 21:30 geigen dann Petsch Moser unplugged sowie ein Surprise Act auf, ab der Geisterstunde weichen die Instrumente den Turntables, bedient von Makeedo, Se.Vero, Intoxicated und fry, die ein weites Spektrum von Funk über Dubstep bis Breaks präsentieren werden.
Der österreichische Medienverband hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die sogenannten "freie" Medienszene zu fördern. Allein dieser Begriff sorgt allerdings für Verwirrung: wann ist ein Magazin "frei"? Wenn es rein von Förderungen lebt und keine Werbung enthält? Wenn der Chefredakteur gratis zuhause bei der Mutter wohnt? Wenn es in der U-Bahn umsonst verteilt wird? Wenn alle Layouter den Freimaurern angehören? Wenn der Großteil der Redaktion Publizistik studiert? Wenn das Heft kein Geld einbringt? Martin hat dazu eine eindeutige Meinung:
"Österreichs freie Medien sind unabhängig, gesellschaftlich relevant, arbeiten höchst professionell und vor allem politisch unabhängig", so Aschauer. "Medienvielfalt braucht individuelle Förderungsmaßnahmen, die sowohl finanziell als auch ideell erfolgen. Eine Anlaufstelle für junge, aufstrebende Medien muss geschaffen werden. Information über Förderstellen und Förderanträge, Abrechnung und Rechtsberatung muss leicht zugänglich werden, tragende Strukturen, Softwarelizenzen und auch Rechtsschutz müssen finanziell abgesichert werden", so Vizepräsidentin Birgit Pestal über die Ziele des Österreichischen Medienverbands. Freie Medien sind weit mehr als nur die Ausbildungsstätten der Journalisten der Zukunft. Sie seien, so Aschauer "Garant des medienkulturellen Pluralismus in Österreich und sollten in einer funktionierenden Demokratie erkannt und wertgeschätzt werden."
In der Tat spielen in einem so kleinen Land wie Österreich, dessen Economies of Scale für blühende Medienpluralität wahrlich nicht geschaffen sind, freie Medien eine beträchtliche Rolle. Trotzdem bin ich strikt gegen ein Fördersystem nach dem Gießkannenprinzip - eine gemeinsame Infrastruktur zu schaffen den infrastrukturellen, juristischen und informations-technischen Nachteil auszugleichen, sollte allerdings in der Tat Ziel einer nachhaltigen Medienpolitik sein: denn eine sinnvoll angelegte strukturelle Förderung schafft Synergien, von denen letztendlich alle nur profitieren können. Mehr dazu auf der Homepage des Österreichischen Medienverbands.
Ort: FLUC Wanne am Praterstern
Eintritt: freie Spende
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Am vergangenen Freitag war ich nach längerer Zeit mal wieder im Donau, wo Cee (Al Haca / Crunchtime) Digidub auflegte. Tja - elektronische Styles kommen und gehen, Dibbie-Dibbie-Dub bleibt. Lee Perry, King Tubby und Co. laufen im digitalen Remake auf Dauer-Rotation: die Jungs haben eben absolute Klassiker produziert. Moderne Digitaltechnologie erlaubt mittlerweile exzellente Klangqualität, Mobilität und innovative Interfaces: zu letzterem Punkt zählt der sogenannte Lemur von Jazzmutant. Dieser frei konfigurierbare Touchscreen arbeitet als MIDI-Controller und lässt sich mit einer frei konfigurierbaren Oberfläche ausstatten - das sieht im laufenden Betrieb dann so aus:
Gestern Abend rockte DJ Spooky den Dom im Berg - direkt nach der einleitenden Podiumsdiskussion, die ich aufgrund verspäteter Anreise leider verpasst habe, trat New Yorks Illbient-Aushängeschild hinter die Turntables. An meinem heutigen Kater war allerdings in erster Linie Herr EmeeGrant schuld, der in punkto Floor-Moving und Selection meiner Meinung locker mit Spooky mithalten konnte.
Als wir um halb zehn im Dom im Berg eintragen, war die Location noch eher spärlich gefüllt, das ändere sich in den folgenden Stunden allerdings recht rasant. Spooky trat vor zu Beginn ob des Wahlergebnisses enthusiasmiert ans Mikro und kündigte ein fröhliches Mash-Up Set an, und dieses Versprechen hielt er ebenso routiniert wie gekonnt mit einem weiten Bogen von James Brown bis Panjabi MC ein. Partytechnisch ging das Konzept voll auf, ruhig an seinem Platz stand nach einer Stunde jedenfalls niemand mehr. Allerdings hätte ich persönlich wesentlich lieber den Illbient-Scratch-Wahnsinn, den ich von Spookys älteren Platten gewohnt bin, gehört - und muss im Nachhinein Richard Pyrker zustimmen: weite Teile des Sets erinnerten an die klassische Too Many DJs Masche, was dann doch ein wenig unerwartet kam. Hier ein paar Bilder vom gestrigen Abend - aufgenommen mit Anjas iPhone:
Die Überraschung des Abends lieferte für mich dann wie gesagt der Grazer DJ und Musikvernetzer EmeeGrant: was als vergleichsweise harmloses Funk-Set beginn, morphte innerhalb der ersten Stunde zu einem fantastischen elektronischen Groove irgendwo zwischen Dub, Techno, Afro, Minimal und Intelligent House, der genau die richtige Mischung aus Anknüpfungs-Punkten und neuen Beats bot. Two thumbs up! EmeeGrant steht ab sofort auf meiner Watch-List.
Heute von 12:00 bis 14:00 Uhr trafen wir uns in der Grünen Akademie, um beim Workshop "Creative Commons and Collecting Societies" in der Grünen Akademie. Obwohl Paul Keller von CC Österreich aus gesundheitlichen Gründen absagen musste und mich die Nachwirkungen des Party-Abends noch einigermaßen im Griff hatten, entwickelte sich ein äußerst spanendes Gespräch.
Mit dabei waren neben Christian Schwanz aka CEE (der morgen Abend auch im Dom auflegt), Christoph Kummerer von Netvinyl.org/a> und Bernhard Hansbauer, Betreiber der Netzlabels Laridae und Bleak diverse Musik-Praktiker, und nach einer Stunde Diskussion wurde schnell klar: Schwein des Anstoßes ist jener Paragraph im AKM-Vertrag, der Musiker verpflichtet, *jedes* ihrer Stück anzumelden. Es ist rechtlich nicht möglich, einzelne Tracks von der AKM-Vertretung rauszunehmen (etwa zur Eigenverwertung). Dass die Collecting Societies in Österreich irgendwo im 19. Jahrhundert stecken geblieben sind und einer einigen Austropopper eine gemütliche Pension ermöglichen, ist eine Sache. Dass ein Großteil der "kleinen" Musiker in Radio-, Clublisten etc. gar nicht erfasst werden, und sozusagen unter dem Radar der pauschalisierten Abrechnung durchfliegen, eine andere - und zeigt, wie dringend man endlich auf die veränderte Situation reagieren müsste. (Und damit meine ich, dass Musik längst nicht primär auf Notenblättern vertrieben wird :mrgreen:)
Jenseits von Begehrlichkeiten der Major Labels lautet die zentrale Frage, wie ein Abrechnungssystem aussehen könnte, das endlich auch dem musikalischen "Longtail" zugute kommt. Mir persönlich gefällt Christophs Vorschlag, einen Teil der Gelder nicht direkt auszuzahlen, sondern in sinnvolle Infrastruktur-Förderung, die Musikern zugute kommt, ausgesprochen gut. Ebenfalls ein wichtiger Punkt in der Diskussion waren die "Limitationen" der Creative Commons Musterverträge: was "bringt" die CC Lizenz, was kann sie nicht leisten?
Selbstverständlich ist dieses Thema viel zu komplex, um innerhalb eines Workshops abgehandelt werden zu können. Und daher habe ich mich auch sehr über Rainer Praschaks Angebot, unsere "Was-wäre-wenn-Runde" im Mica in Wien fort zu setzen - idealerweise mit Vertretern der AKM/AUME. Denn dort scheinen manche Verantwortlich zu glauben, dass CC-Lizenzen sich als Nerd-Hobby einiger verstiegener Elektroniker abtun lassen. Aber sobald man ein paar Schritte zurücktritt und versucht, eine etwas weitere Perspektive zu gewinnen, wird eines ganz schnell klar: der (rechtliche) Umgang mit Kulturgütern war und ist von klar ökonomischen Interessen geprägt, und die kommen in erster Linie den Big Players (falls man diesen Begriff in .at überhaupt anwenden kann) zugute. Es ist höchste Zeit, ein Modell zu finden, dass die gesellschaftliche Dimension der Kulturproduktion ebenso berücksichtigt wie die Ansprüche und Wünsche des "kleinen" Musikers.
Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung des Workshops und auf Atom tm morgen Abend im Dom! An dieser Stelle noch ein ganz großes Kompliment an die Veranstalter: ihr habt ein fantastisches Festival mit großartiger Atmosphäre, spannenden Gästen und einem Spitzen-Line-Up aufgestellt: Respekt!
| 27. September 2008 | ||
| 22:00 | bis | 23:30 |
Jedes der raren Dubblestandart-Konzerte ist ein ganz besonderes Ereignis für sich. Wiener haben am Samstag im Café Leopold endlich mal wieder die Gelegenheit, Ober-Dubhead Paul Zasky, Herb Pirker (Gitarre), Ali Tersch (Schlagzeug) und Robbie Ost (Keys) live bei der Arbeit zu erleben. Damit nicht genug der frohen News: im März kommenden Jahres erscheint mit Return to Planet Dub ein neues Studioalbum. Vorher sind die Jungs aber noch ausgiebig auf Tournee: Paul spielt gemeinsam mit dem Subatomic Soundsystem eine Reihe von "Dubbing Extreme" DJ-Gigs in den USA, im März geht's weiter nach Jamaica.
Die Wartezeit bis zum Longplayer verkürzt erfreulicherweise eine neue 12-Inch, die in Europa, Kanada und den USA im Dezember auf dem deutschen Label Collision Records erscheint. Der Ankündigungstext lässt mir jedenfalls jetzt schon das Wasser im Mund zusammenlaufen:
[The new 12''] will feature Dubstep remixes from Subatomic Soundsystem(NYC)Tom Watson(Paris)Runnershigh(Vienna) reworking original Ariup/Lee Perry/Prince Far-I/Dub Syndicate material in a heavy weight 21st century style. Yes, it’s the dub virus sprawling...
Aber zurück zum samstäglichen Konzert: ich habe Dubbelstandart zuletzt vor rund einem Jahr im Flex gehört und damals einen begeisterten Review geschrieben (die legendäre PA lässt die heftigen Basslines natürlich besonders fein zur Geltung kommen), außerdem hab ich zum Release des letzten Longplayers ein Interview mit Paul Zasky geführt. (In diesem Posting gibt's auch einige Audio-Snippets.) Ich finde Dubblestandart auf Vinyl großartig, aber live legt die Band noch einiges drauf: Dubheads und Liebhaber von außergewöhnlich massiven Vibes dürfen sich diesen Termin keinesfalls entgehen lassen!
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Wer Dubblestandart noch nicht kennt, findet die komplette Diskographie auf der Band-Homepage, einige Alben sind bei Amazon erhältlich:
DJ Marky und MC Stamina waren gestern Abend von eins bis drei für die Beschallung des Dom im Berg verantwortlich. Der Ausnahme-Turntablist aus Sao Paolo und sein kongenialer britischer Gesangs- und Rap-Partner lieferten eine Show ab, die für mich persönlich zu den absoluten Highlights des diesjährigen Festivals zählte. Dazu leisteten auch die elaborierten Visuals von Mox und Decollage.tv einen beträchtlichen Beitrag. Bushwacka trieb uns anschließend ganz schnell Richtung Postgarage, wo Hot Chip gerade recht konsequent den Club leerspielten - aber das ist eine andere Geschichte.
Unser Timing war gestern einfach perfekt: wir hörten genau nix mehr von Gilles "Dancefloor-Boredom" Peterson - als wir den Dom enterten, legte Marky gerade die erste Pladde auf den 1210er. Kein softes brasilianisches Intro, sondern brachiale Basslines gleich zu Beginn: Mister Marky vergeudete keine Zeit, und nach den ersten drei Brettern betrat Stamina die Bühne. Ab diesem Moment begann eine großartige Soundreise: wie wenige Plattendreher beherrscht Marky, der mit 13 seine DJ-Karriere begann, die Kunst der Set-Dramaturgie und das perfekte Wechselspiel von soft und hart, das gerade bei Drumandbass Sets unerlässlich ist für längerfristige Tanzmotivation. Seine schon damals sicken Scratch-Skills hat Marky, seit ich ihn vor drei Jahren das letzte Mal auflegen gehört hab, noch weiter verbessert - und setzte sie an mehreren Stellen gekonntest ein. Stamina MCs Kommentar dazu: "Your friends told you about him, you've seen him on youtube - he is *my* DJ!" Kein Wunder, dass bei so großartiger Mucke der altbekannte Zeitdilatationseffekt eintrat: nach subjektiv gefühlten 30 Minuten waren die zwei Stunden um; "LK", Megahit und Signature-Tune des Duos, folgte als vorletzte Nummer. Alles in allem: grandios! Außerdem möchte ich unbedingt wissen, wie dieses Dubplate heißt, bei dem eine Frauenstimme singt "Shorty, what's your dream deep down?" Falls irgendjemand diese Nummer kennt, bitte ich um einen Hinweis - der Track ist der Liquid-Burner schlechthin...
Ach ja, noch ein Wörtlein zu den Visuals: das Setup im Dom besteht aus drei Leinwänden (Mitte, links, rechts), die auch unabhängig bespielt werden können. Während mich die bewegten Pixel am Freitag gar nicht vom Hocker rissen (dafür aber Robert Owens), war ich gestern ziemlich begeistert und der äußerst abwechslungsreichen Melange aus Fotos, Videos und Typo-Spielereien - sehr anregender visueller Input, bravo!
Dass Bushwacka dieses Set nicht würde toppen können, hatte ich bereits vermutet. Allerdings brauchte er nur zweieinhalb (grauslich mittenübersteuerte) Nu Rave Breakbeat Tracks, um uns ganz schnell Richtung Postgarage zu scheuchen. Als wir dort ankamen, schien alles gut: der Hot Chip DJ spielte gerade gemütlichen Old School DnB - aber nur drei Tracks lang. Dann wurde es ungewollt kuschelig, und eine Menge Folks, die gerne ihre Beinchen geschwungen hätten, beschlossen in Ermangelung von Couches, den Club zu verlassen. Uns hielt die Hoffnung auf feine Acid Breaks von Luke Vibert vor Ort, die war allerdings nach einer Stunde restlos aufgebraucht; und als Wagon Christ, der um 3:30 hätte beginnen sollen, um 4:45 noch immer nicht hinter den Turntables stand und alles darauf hindeutete, dass Mr. Hot Chip demnächst beginnen würde, seine Bob Marley Sammlung auszupacken, beschlossen wir einen, den Vibert einen guten Mann sein zu lassen und machten uns auf den Heimweg.
Fazit: Marky machte den letzten Abend des Festivals zu einem Highlight. Im Großen und Ganzen hat mit das diesjährige Spring großen Spaß gemacht, und das Line-Up war motivierend genug, um viermal hintereinander bis in die frühen Morgenstunden zu tanzen. Weniger gelungen fand ich in Einzelfällen die zeitlichen Programmierung: das eine oder andere Mal war's gerade zur "Haupt-Tanzzeit" 2 bis 4 einfach zu hatschert, ruhig und elegisch - wobei man allerdings, und das ist ja eine der Hauptstärken des Spring, bei derart vielen Locations immer recht problemlos eine Ausweichmöglichkeit findet. Der Festivalbus ist dazu nicht unbedingt erforderlich, denn in Graz liegt definitiv alles in Gehweite
In diesem Sinne also herzlichen Dank ans Spring-Team für vier lässige Tage in der Murmetropole; wenn ich wieder zurück in Wien bin, werd ich ein kleines Video aus meinen Schnippselchen zusammenschneiden.
Der gestrige Spring-Abend hätte ein Reinfall werden können - die Vice-Party im Arcadium bzw. Monsieur A-Trak aus den USA gab uns dann um halb drei endlich das, was wir vorher den ganzen Abend lang vergeblich gesucht hatten: kontemporäre High-Tempo und Hi-Tech Beats, bei denen man ob des spontanen Bewegungsdrangs die Abwesenheit von Couchen plötzlich nicht mehr misste. Und das kam so: für uns drei Partytouristen begann der Abend im Stadtpark, wo Simon LeBon feine Warm-Up House-Platten verlegte; ob der relativ unfreundlichen Außenbedingungen machten wir uns dann aber zur Geisterstunde auf in Richtung Dom im Berg.
Dort hatte bereits der Live-Act von XRS und den Drumagick-Brüdern begonnen, deren Red Bull Music Academy Vortrag Ulrich und ich am Nachmittag gehört hatten. Juan Atkins, der ursprünglich aus seinem reichen Erfahrungsschatz zum Thema Detroit (und Bookings-in-letzter-Minute-absagen) berichten hätte sollen, blieb konsequent unauffindbar, und so sprangen die Samba-n-Bass Könige aus Sao Paolo kurzfristig ein.
Bei der abendlichen Performance legte XRS Platten auf, während die beiden Drumagicks an ihren zwei Laptops mit den einzelnen Spuren sozusagen Live-Remixes drüber dubbten. Das war eine Weile recht fein (vor allem der Remake von LK hat gerockt), nach einer guten Stunde allerdings wurden die Beats im gemütlicher, die Intros und Outros immer länger und der Wunsch nach ein wenig Rummms immer übermächtiger. Als der folgende DJ Edgar nach zehn Minuten immer noch beim Intro war, beschlossen wir, dass es an der Zeit wäre, ein Hauseck weiter zu ziehen - sogar Anja, sonst ziemlicher Brazil-Fan, begannen nämlich langsam die Füße einzuschlafen. Kurz vorher hat uns übrigens noch Elisabeth abgeschossen - ich glaube, das ist meine Premieren-Appearance in einer Online-Partygallerie
Ulrichs Fazit, dem ich mir nur anschließen kann: "Wenn auf eine Brasil-Party geht und exakt dieselben Signature Tunes hört wie vor fünf Jahren, spricht das nicht gerade für Weiterentwicklung."
Die derbste Enttäuschung sollte allerdings erst noch folgen - an den Gedanken, dass Juan "Magic" Atkins nicht mehr aufkreuzen würde, hatten wir uns bereits gewöhnt. Trotzdem wollten wir natürlich der Legende Professor X aka African Prince im PPC einen Besuch abstatten. Mir ist klar, dass der Mann eine lebende Elektro-Legende ist - was er im PPC abgeliefert hat, war allerdings - perfekt gemixte - Skikurs-Romantik: von Technotronix' "Pump up the Jam" über Michael Jackson bis House of Pain's "Jump around" wurde fast jede Nummer ausgespielt, und als er dann auch noch Prodigy's "Firestarter" als Big-Tune des Abends ankündigte, war uns endgültig klar, dass wir unsere Aufmerksamkeit gerade dem falschen Set widmeten. Hilflosigkeit vor europäischem Publikum? Generelle Motivationslosigkeit? Wir werden's nie erfahren. Und auch keine African Prince Party mehr besuchen. Was uns trotzdem vor Ort hielt, war die bekanntlich zuletzt sterbende Hoffnung auf Egyptian Lover und Jamie Jupiter. Die beiden musikgeschichtlich und körperlich schwergewichtigen Classic-Elektro Legenden hatten am Anfang ein paar Sync-Probleme, danach war's eigentlich recht nett - und immer noch zu gemütlich, oder wie der gelernte Wiener sagt: zaach. In Ermangelung einer Couch schauten wir mit meinem gaposlovakia-Kollegen Paul, der uns von härtester Elektro-Prügelei berichtete, voller Vorfreude ins Arcadium. Und diesmal wurde die Erwartungshaltung nicht enttäuscht. Ich würd sogar sagen, A-Trak hat einen extrem faden Abend vollständig gerettet und wir bekamen doch noch die für die Party-Gesundheit so wichtige Dosis an körperlicher Bewegung ab.
Der Protagonist des Abends war ja eine ganze Weile lang recht erfolgreicher Hip Hop DJ und benutzt mittlerweile Final Scratch: die Liebe zur technischen Präzision und diese geradezu abartigen DJ-Skills, die man in dieser perfekten Ausführung fast nur bei den Scratch-Königen findet, hat er auch im Rahmen seiner Electro-Karriere beibehalten, wenn nicht ausgebaut: die Dichte an Tracks pro Minute war unglaublich hoch, die Mixes rasant, aber niemals gab's Effekt um des Effekts willen. Es muss unglaublich viel Zeit und Crate-Digging erfordern, ein solches Set vorzubereiten, das einerseits alle technischen Tricks und Register zieht und andererseits mit einem extrem gelungenen Spannungsbogen begeistert... der Gag des Abends folgte, als A-Trak dann auch "Jump Around" spielte - in einem kurzen, aber extrem sicken Remix. In punkto Electro gewann sozusagen die Next Generation gestern Abend haushoch gegen die Living Legends.
Fazit: A-Trak war ein Fehlbooking - aber nur location-technisch gesehen. Der Mann hätte um zwei Uhr als Hauptact auf der Dom-Bühne stehen sollen - sein Set war einfach nur cutting-edge, sowohl soundmäßig als auch technologisch.
Und jetzt? Heute Abend um 21:00 ist das Orpheum eindeutig the place to be, denn der unglaubliche, einzigartige Senor Coconut tritt mitsamt Orchester und Special Appearance von Louis Austen mal wieder ein paar Genregrenzen nieder. Und dann geht's in den Dom: denn ich bin mir 99prozentig sicher, dass uns Larry Heard aka Mr. Fingers nicht langweilen wird. Und auf Robert "The House of Voice" Owens' DJ-Set bin ich ebenso gespannt wie auf seine Live-Performance.
| 21. Mai 2008 | bis | 25. Mai 2008 |
Und dabei ist doch in Kürze Sommerbeginn! Aber hier ist ja auch nicht die Rede vom Frühling, sondern vom Festival: genau genommen von meinem Lieblings-Elektronik-Festival südlich des Weißwurstäquators. Einen Fotopass hab ich auch, mit anderen Worten: mit ein paar Schnappschüssen muss gerechnet werden, und vielleicht sogar dem einen oder anderen Audio-Interview. Vorgestern hab ich noch eine Einladung zur Electronic Beats Party von T-Mobile bekommen, die schon am Mittwoch Nachmittag im Aiola am Schlossberg (mein Lieblingslokal in Graz) beginnt - also wird die Pilgerfahrt gen Rave-Culture wohl bereits am Mittwoch in der Früh beginnen.
Als Stammbesucher des Grazer springfestival habe ich die ersten fünf Auflagen miterleben und musste dann aus Termingründen zwei Jahre pausieren - umso größer ist die Vorfreude drauf, nächste Woche mal endlich wieder im Dom im Berg abzurocken, der genialsten Location, in der in Österreich je legale Parties gefeiert wurden. Man stelle sich einen großen Quader (Einen sehr großen Quader. Er bietet immerhin Platz für weit über 1.000 Tänzer.) vor, der einfach mitten in den Grazer Schlossberg reingesprengt wurde: meterdicke, massive Naturfelswände, dazu eine phatte Anlagen und ein talentierter Tontechniker, und jeder Raver ist im siebten Soundhimmel. Der Dom ist allerdings "nur" die Hauptlocation, ingesamt verteilt sich die Feierei auf mehrere Venues, darunter auch PPC und Postgarage.
Begonnen hat das Spring-Festival, wie jedes ambitionierte Musik-Event, vergleichsweise klein - eine Riesen-Veranstaltung á la Sonar wird aber glücklicherweise nie draus werden, denn die Locations begrenzen die Zuseherzahl, und das ist eine der Hauptstärken des Festivals. Einige der Vorjahres-Highlights sind bei play.fm als komplette Streams verfügbar, außerdem ist die hübsch gesaltete Videogallerie mittlerweile auf ganz beachtlichen Umfang angewachsen. Ebenfalls einzigartig in Österreich: die Partys verteilen sich über die gesamte Innenstadt, abendlicher Party-Tourismus ist quasi ein Muss. Vielen Elektronik-Connaisseuren gilt der Event mittlerweile als Highlight der Partysaison - kein Wunder, wenn man einen Blick auf das diesjährige Artist Line-Up wirft. Neu in diesem Jahr: die Veranstalter haben mit dem Londoner End, dem ich kürzlich beim London-Ausflug mit Tom erstmals einen Besuch abgestattet hab, eine Partnerschaft abgeschlossen:
This is another step towards the springfestival's further expansion providing sophisticated clubnights to an international crowd. The End will take over the whole Dom im Berg - the festival's main venue - on Saturday 24th May, with a lineup that represents the club's wide musical spectrum of some of the world's finest DJs holding residencies at The End.
Ein unvergessliche Party war übrigens die Brazil-Night beim Springfive. Stamina MC und DJ Marky sind das dynamischste Drumandbass-Duo, das ich jemals gehört hab... glücklicherweise mehrmals, und ich freu mich schon mächtig auf die diesjährige Brazil-Session: check this one out:
Ebenfalls bereits "Tradition" beim Spring ist das Tagesprogramm mit zahlreichen Workshops der Red Bull Music Academy, Lesungen und Vorträgen, Symposien und - neu in diesem Jahr - einer Videoausstellung im Museum für Moderne Kunst. Eine Aufzählung aller Programmpunkte würde den Rahmen dieses Artikel sprengen - die vollständige Übersicht gibt's auf der Homepage. Mein vorläufiger Partyplaner sieht folgendermaßen aus: am Mittwoch werd ich mir Streets und Roni Size beim Electronic Beats Opening in den Kasematten anhören und vielleicht in der Früh dann noch zu marfloW & Co. in den Dom rüberschauen. (Bereits hier tritt der erste Interessenskonflikt auf: Fabio, D-Bridge, Bryan G *und* Artificial Intelligence spielen mit den MCs LowQui, SP:MC und Rage im PPC).
Am Donnerstag wird's mich wohl wieder in den Dom verschlagen, XRS spielt gemeinsam mit Drumagick live - der Mann ist ein Qualitätsgarant, außerdem sind die ebenfalls brasilianischen Plattendreher Bungle und DJ Edgar am Start, zweiteren hab ich noch nie gehört. Allerdings werd ich dann wohl relativ früh abreisen müssen, denn: in der Postgarage spielen neben Arabian Prince aka Professor X, Egyptian Love & Jamie Jupiter auch... the Man!!! The one and only Godfather of Techno and House - Mr. Juan Atkins! Ich hab sein Set nach der Wiener Loveparade im Jahr 2000 im Flex gehört - der Mann versteht sein Handwerk wie wenige. Ich vermut mal stark, das wird mein persönliches Highlight - mal gucken, ob sich die Vice Party im Arcadium dann noch ausgeht.
Am Freitag werd ich mir im Orpheum den lang gehegten Wunsch, Senor Coconut and his Orchestra mal live auftreten zu sehen, erfüllen - und später dann zum Chicago House Special mit Robert Owens und Larry Heard aka Mr. Fingers in den Dom rüberwandern. Der Samstag wird dann nochmal richtig anstrengend - da braucht man ja fast schon Projektmanagement-Software für die Koordination der Timetables. Den Dom rocken Marky, Stamina, Gilles Pterson, Bushwacka und Mr. C, im PPC sind die Dub Pistols, Atomic Hooligan, Hannah Holland, MC Chickaboo, Trevor Loveys, Baobinga und Kid Blue zugange, in der Postgarage zelebrieren Luke Vibert (aka Wagon Christ), Hot Chip und Deadelus elektronische Klänge, während im Arcadium Temper D, The Sec und The Dying Punks Drumandbass hochleben lassen.
*Achtung*: das ist nur ein kleiner Ausschnitt des Programms. Daneben gibt's weitere Locations, Second Floors, Afterpartys, Vorträge... einfach hier reinschauen. Ansonsten sehen wir uns am Springeight - lookin' forward!
Marius schlägt wieder zu, und zwar im unteren Frequenzbereich: wenn's in den Schweizer Alpen subsonisch dahindubbt, dann sind die sonst recht praktischen Ohrhörerchen plötzlich nicht mehr adäquat: eine basstaugliche Heimanlage mit vernünftigem Subwoofer-Durchmesser wird Dubstep-Afficionados für diesen Mix dringend empfohlen.
basso profundo gibt's ganz neu auf Comfortnoise.com: es handelt sich sozusagen um das Gegenstück zu dem hier bereits vorgestellten basso continuo mix. Achtüng: der Download wiegt satte 145 Kilogramm, äh, Megabytes... niederfrequente Klänge lassen sich eben nicht beliebig komprimieren! Ich finde den Mix ganz hervorragend, nur wie gesagt: am mp3-Player war das wirklich nur der halbe Spaß.

Marius aka DJ new.com hat mir einen Text zur Philosophie seines Labels und seines Mixes geschickt - wozu Musikjournalist spielen, wenn der Künstler sein Unterfangen selbst so eloquent beschreibt!
new.com beschäftigt sich schon seit längerem mit elektronischer musik, sei es als dj, party-organisator oder geschäftsleiter eines plattenladens, der seine liebe zum vinyl um keinen preis verrät. die beobachtung einer wachsenden flut von mehr oder minder spontanen mix-sets im internet, die sich unreflektiert an der atmosphäre in clubs orientieren, hat ihn zunehmend irritiert. auch die tatsache, dass die meisten djs die tracks behandeln, als wären sie ihr eigentum. gerade im internet muss elektronische musik aber nicht anonym bleiben. und genau dort könnte sie auch ihr riesiges potential im bereich des homelistenings entfalten! letzeres folgt freilich eigenen gesetzmässigkeiten und verlangt nach einer eigenenständigen kultivierung. zu diesem zweck hat new.com die plattform "comfort noise productions" aufgebaut. sie versammelt seine mix-sets und eine inzwischen unüberschaubare anzahl von live-aufnahmen mit gast-djs, die über das internet-radio "audioasyl" gestreamt wurden.
musikalisch orientiert sich new.com grundsätzlich an der basslinie: da hinein muss der produzent sein herzblut gelegt haben. und noch ein anderes element lässt sich ermitteln: der dub. damit ist eigentlich alles gesagt. wer möchte, kann "dub" noch ergänzen mit "-techno", "-house" oder eben "-step". letzteres - dubstep - ist zweifellos das gegenwärtig interessanteste subgenre in der elektronischen musik. seine formel ist noch nicht festgeschrieben und es entwickelt sich dauernd in neue, nicht vorhersagbare richtungen. ein ganz besonderes potential hat es in der annäherung von techno, house, breaks und reggae entwickelt. solches war bis vor kurzem noch völlig undenkbar. genauso die nachgerade unfassbare ausprägung und intensität des bass-fundaments. nicht zufällig entdecken weltweit immer mehr musikliebhaber und djs, wie gut sich zu dubstep tanzen und feiern lässt. der club-kontext ist allerdings nur die vordergründigste seite dieses sounds: längst hat sich eine subtile, düstere, auf atemberaubende erhabenheit pochende variante ausgebildet. ihre atmosphäre und wirkung lässt sich am ehesten noch mit der "burial-mix"-serie von rhythm & sound in verbindung bringen. diese maximal reduzierte sound-ästhetik öffnet mit ihren bässen allerdings abgründe, die einen vollends verschlucken. und die tracks tendieren zu einer langsamkeit, die sie beinahe auseinander fallen lässt - wären da nicht unsere eigenen bilder und gefühle, mit denen wir sie und uns selbst unwillkürlich wieder zu einem ganzen zusammen fügen.
während new.coms radiosendungen und live-sets spontan und improvisiert wirken dürfen, haben die mix-sets auf comfortnoise.com den anspruch, den high-end-level des dj's zu repräsentieren. aufbau und mixing müssen die hörer auch ohne assoziationen an party-erlebnisse gefangen nehmen können und ihnen in erinnerung bleiben. dieses ziel bedeutet wochen- bis monatelange arbeit, die in einer abgerundeten präsentation gipfelt. jeder mix erhält einen mit bedacht gewählten namen und ein selbst gefertigtes cover-bild. der respekt vor den grossartigen leistungen der produzenten und label-betreiber gebietet es zudem, sie niemals ohne korrekte tracklist mit exakten timecodes zu publizieren. auf diese weise werden diese sets zu persönlichen arrangements, geschaffen für die gepflegt-kompromisslose heimbeschallung, inspirierte momente im büro, weite und intensiv erlebte autofahrten.
Am vergangen Dienstag präsentierte Wolfang "fadi" Dorninger sein aktuelles Album 8k live im Wiener rhiz - mir persönlich hat's extrem gut gefallen, anbei einige Pix.
Timelag-Probleme verhinderten leider die virtuelle Zuschaltung von Volker Kagerer via tubeplug, das tat dem Sounderlebnis aber keinen Abbruch. Fadi spielt seine Dubplate-Loops via 1210er in den granularen Synthesizer und projiziert dessen Oberfläche oberhalb der Bühne - transparente Soundbastelei, sozusagen. Die Manipulationsmöglichkeiten des Programms sind gewaltig, und das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Kunstperformance und Rave-Sound: Mitwippen ist unvermeidlich, ich behaupte mal, dass sich die industrial-breaks auch auf einem Rave als Live-Hauptact perfekt eigenen würden. Hier ein paar Fotos vom Konzert:
Mauracher, unkonventioneller Soundtüftler und energischer Botschafter für das konsequente Einreißen von Genre-Mauern, legt mit seinem neuen Album Loving Custodians einen vielschichtigen Longplayer vor, der einige Fans überraschen dürfte: Songwriting statt Sampling, Rock'n'Roll statt Dub - zumindest teilweise. Weder Elektronikbastelei noch Analogverherrlichung, sondern einfach nur intensive und spannende Musik. Dank Release verlost datenschmutz 2 Exemplare unter den LeserInnen, außerdem hab ich ein E-Mail Interview mit dem Maestro geführt. Aber Reinhören geht bekanntlich über Lesen - hier ein kleines Medley zum Reinhören:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Wer Mauracher bereits kennt, ist vermutlich sowieso bereits gespannt auf das Album - oder konnte mit den nicht immer ganz leicht zugänglichen Songs noch nie was anfangen. Da aber zweiterer Fall überraschend selten eintritt, könnte man durchwegs behaupten, dass der Protagonist Underground-Sound mit hohem Mainstream-Appeal produziert: eine seltene Tradition, die von Loving Custodians mit neuen Mitteln fortgesetzt wird. Denn, wie der Soundtüftler im E-Mail Interview so treffen schreibt: Solange sich etwas ändert, ist alles im grünen Bereich.
Wer gewinnen möchte, hinterlässt - eh schon wiss'n - einen Kommentar zu dieser Story. Und wie bei allen ds/Gewinnspielen gibt's ein Extra-Los für jede Online-Verlosungsankündigung und für alle teilnehmenden datenschmutz Facebook-Fans. Eine Registrierung ist nicht erforderlich, Details zu den Teilnahmebedingungen gibt's hier. Die Verlosung endet am 17. Februar 2008, die GewinnerInnen werden via E-Mail verständigt.
?: Um Genre-Zuordnung hast du dich noch nie gekümmert, aber "Loving Custodians" geht in punkto Mash-Up noch einen Schritt weiter. Siehst du dich eher als Rocker oder als Elektronik-Bastler?
!: Weder noch. Für mich ist es wichtig, den Songs das zu geben, was sie brauchen. Wenn ein Song nach ein bisschen Elektronik schreit, dann bekommt er das. Umgekehrt genauso. Bei "loving custodians" war es mir aber wichtig, so wenig wie möglich Elektronik einzubauen. um einen Bruch zu erzeugen. Aus der Vergangenheit heraus hat man mich gerne als Elektroniker abgestempelt. Bin ich aber nicht !
?: Wie entstanden die 12 Songs und wie funktioniert deine Arbeitsweise?
!: Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal beginne ich mit dem Beat, dann wieder mit einer Melody oder mit einer Textzeile. Ich schreib die Songs grundsätzlich alleine und bastle dann am Computer ein grobes Arrangement, damit die Grundidee festgehalten wird. Dann kommt die Band und wir arbeiten die Songs gemeinsam aus.
?: Wurden die Spuren teils live eingespielt, oder verwendest du vorwiegend gesampelte Sounds?
!: Gesampelt haben wir bei diesem Album gar nichts. Wir haben zum ersten Mal alles live eingespielt und nur Kleinigkeiten programmiert. Es war mir wichtig, uns als band wahrzunehmen.
?: Welche Hardware- und Software-Tools bevorzugst du?
!: Ich arbeite zur Gänze mit Logic. Hardware kommt von Motu. Mehr brauch ich nicht für ein gutes Demo. Den Rest machen wir dann in einem Studio.
?: Was hat es mit dem Titel "Loving Custodians" auf sich?
!: Wir hatten bei "Loving Custodians" ziemlich lange Wartephasen. Wir mussten z.B. für den Studiotermin ein halbes Jahr warten. Für uns war das ein sehr langes halbes Jahr, da wir einerseits mit dem Demo fertig waren und andererseits aber mit nichts neuem beginnen konnten - emotional gesehen. Es entsteht dann eine gewisse Pattstellung, wo man anfängt zu hinterfragen, was man macht und wieso man was macht. In solchen Situationen kommt dann immer wieder der gute Glaube an etwas. Wir haben diesen guten Glauben als symbolische Figuren dargestellt. Der Hirsch ist im Mythologischen ein Schutztier/Wächter (custodian), der aufpasst, dass sich alles zum Guten entwickelt.
?: Wie findest du deine Vokalisten?
!: .-) Sehr zweideutige Frage! Es gibt bei Mauracher nur noch eine Sängerin, und das ist meine Lieblingssängerin Maja Racki. Generell ist das Projekt Mauracher in den letzten Jahren zu einer fixen Band herangewachsen. Früher war es mir relativ egal, wer im Studio war und ein Instrument eingespielt hat, Hauptsache, es hat so geklungen, wie ich es mir vorgestellt hab. Heute ist das nicht mehr so. Ich schreib zwar die Songs und bin der Kopf des ganzen. Den Körper bilden wir aber alle zusammen. Maja Racki, Martin Weismayr, Sasa Nikolic, Daniel Grailach und meine Wenigkeit.
?: Hast du vor, die Tracks des neuen Albums auch live zu performen?
!: Natürlich. Ist uns auch sehr wichtig. Ohne live zu performen, wäre ein Musikerleben nur die halbe Miete. wir planen derzeit unsere Release-Tour für 2008.
?: Wie lautet dein persönliches Reumée von "Loving Custodians"?
!: Ich bin mit dem neuen Album sehr zufrieden, weil wir uns alle entwickelt haben und einen Schritt weiter gegangen sind. Mir ist sehr wichtig, dass wir nicht stagnieren. Solange sich etwas ändert, ist alles im grünen Bereich.
Marius aka new.com vom Schweizer Label comfort_noise_productions hat kürzlich einen neuen Mix veröffentlicht: basso continuo kommt in großzügiger 256kbs Qualität im mp3-Format daher und rockt ebenso souverän wie seine Vorgänger.
new.com nennt das ganze "in tiefer Erhabenheit pumpender, klopfender, klickender, hallender & verstrichener Dubtechno" - dem ist wenig hinzuzufügen, selber reinhören ist Trumpf. Marius hat auch ein pdf-Cover mit schickem Bergmotiv bereit gestellt, der Mix dauert genau 78'13'', geht sich also genau auf eine CD aus, falls Autoradio oder Wohnzimmerstereoanlage mit mp3 noch nicht so recht wollen; auf Ei-Boot Ohrstöpseln haben diese mächtigen Basslines meiner bescheidenen Meinung nach ohnehin nicht viel verloren - hier die Trackliste:

"Swing & Champagne" lautet der Untertitel von Klaus Waldecks neuer Compilation, und der trifft's ziemlich genau: prickelnde Perlen aus 90 Jahren Musikgeschichte: nostalgische Dekadenz trifft auf ihr eigenes Zitat, Rauchschwaden durchziehen die Clubs, in denen diese sympathisch verruchten Tracks gespielt werden und die Gäste sind melancholischen Anwandlungen ebenso wenig abgeneigt wie dem einen oder anderen gepflegten Exzess.
Möglicherweise Überinterpretation, aber dieser Sound bringt mich zum Schwärmen für die wilden 20er... ich hab Klaus letztens zufällig beim Mittagessen in der Schönen Perle getroffen und ihn gefragt, ob das Vol. 1 auf eine geplante Serie hindeutet, und er meinte, das wolle er sich mal offenhalten - ich würd mich freuen, wenn Vol. 2 möglichst bald rauskommt.
Dem Charme dubbiger Dekadenz erliegt Meister Waldeck bekanntlich auch bei eigenen Produktionen mit unnachahmlicher Eleganz: und so verwundert es nicht weiter, dass die hier vertretenen Salon-Partymusiken sich trotz des weiten zeitlichen Bogens zu einer erstaunlich homogenen musikalischen Reise fügen. Da werden Parallelen zwischen dem technologiebedingten Rauschen früher Grammophone und digitalen Retro-Plugins aufgetan, die so perlend erfrischend wirken wie das titelgebende Trankl.
Erschienen ist "Waldecks's Grammophone Vol.1 - Swing and Champagne" auf Dope Noir; ein Interview mit Klaus Waldeck, der vor einigen Monaten ja außerdem sein Album "Ballroom Stories" veröffentlicht hat, folgt auf datenschmutz in den nächsten Wochen - und vielleicht gibt's dann sogar das eine oder andere Album zu gewinnen.
Am 26. Oktober erschien Wolfgang Dorningers aktueller Longplayer "8k" - datenschmutz verlost zwei Stück des aktuellen Albums. Von einem abgeschlossenen Werk kann freilich keine Rede sein: die acht Stücke sind erst die Ausgangspunkte für eine Serie von Performances, die das Klangmaterial laufend neu interpretieren und mittels Tubeplug-Software die klassische Konzertsituation mit Online-Kollaboration verbindet:
Das Stück 8K=8K+-(G)<>(A)<>(N) besteht aus acht abgeschlossenen elektro-akustischen Kompositionen. Diese werden auf einer CD veröffentlicht. Das Werk ist in dieser Form aber noch nicht abgeschlossen, weil alle acht Musikstücke (8K) auf unterschiedlicher Weise (G)<>(A)<>(N) neu live interpretiert werden. Diese Neu-Interpretationen werden dann laufend im Internet auf der Homepage des Künstlers veröffentlicht. Erst durch diesen Prozess wird das Werk abgeschlossen.
Die Formel 8K=8K+-(G)<>(A)<>(N) steht dabei für die drei verwendeten Bearbeitungsweisen: granulare, analoge und virtuelle Eingriffe erlauben ein komplexes Wechselspiel, das den Blick auf das Thema "Remixen" erweitert. Klingt abstrakt, aber höchst spannend: irgendwo zwischen Industrial, Ambient und Experimenten der durchwegs auch mal brachialeren Sorte ist das Ergebnis angesiedelt und hört sich folgendermaßen an:
8k
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Easy Moneyk
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min/max
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datenschmutz verlost zweimal 8k - wer gewinnen möchte, hinterlässt wie üblich einfach einen Kommentar zu dieser Story. Bonusrunde: wer selbst ein Blog schreibt und dort die 8K Verlosung ankündigt und verlinkt, bekommt ein zweites Los für die Ziehung und hat damit doppelt so hohe Gewinnchancen!
Bitte unbedingt eine korrekte E-Mail Adresse eintragen, sonst wird's nix mit der Gewinnverständigung. Das Gewinnspiel endet am 25. November. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen, die Preise können nicht in bar abgelöst werden. Im Übrigen gelten die Standard Teilnahmebedingungen für datenschmutz Gewinnspiele.
Wie bist du auf die Idee zu dem Remixprojekt 8k gekommen?
Die CD "8k" ist das Basismaterial für das Remixprojekt "8K=8K+-(G)<>(A)<>(N)". "8K" ist die technoide Seite von mir und "8K=8K+-(G)<>(A)<>(N)" die experimentelle. Mich haben immer die Ränder interessiert, nie der Mainstream, auch nicht das, was gerade angesagt war. Mich haben immer die Entwickler mit all ihren Ecken und Kanten mehr interessiert, als die Bands, die dann die Zeichen geglättet haben.
Bei "8K=8K+-(G)<>(A)<>(N)" erforsche ich selbst, wie weit ich meine eigene Musik an den Rand drängen kann.
Wie genau sind die einzelnen Remixes entstanden? Und wie funktioniert bei tubeplug der Arbeitsablauf?
Die einzelnen Remixe entstehen immer nur live. Folgende Techniken werden da eingesetzt: (G) ist die granulare Bearbeitung, (A) die analoge und (N) die Netzwerkbearbeitung. Beim Prozess (G) re-komponiere ich Teile von "(k"-Stücken mittels einer granularen Software, die es mir erlaubt "on the fly" teile oder größere Abschnitte meines Loops, Sounds neu zu gestalten, neu zu komponieren. Aus einem Beat entsteht z.B.: eine Fläche und aus der Fläche wiederum ein zerhackter Beat. Bei (A) geht es dann eher traditioneller zu. Ich habe bis auf 2 Stücke alle Stücke von der CD "8k" in 1-taktige Loops zerlegt und bei dr.dub auf Dubplates schneiden lassen. Pro Dubplate sind da ungefähr 70 Loops auf einer Seite. Diese Loops werden dann live ganz DJ-mäßig neu zusammen gemixt. Bei (N) kommt das von dir bereits erwähnte tubeplug vor. Das tubeplug wurde im Auftrag der t-u-b-e München (eine Klanggalerie für radiophone Kunst, Installationen und Audio-performances) von Dr. Jörg Stelkens (Crusher X, Peer Synth, ...) programmiert.
Das tubeplug ist ein VST-plugin, das ich innerhalb meiner gewohnten Hard-Disk-Recording-Software sowohl als Sender, Receiver und Server verwenden kann. Also ich sende meine Musik via Sender an alle Mitspieler, via Receiver erhalte ich alle Signale von den Mitspielern und der Server ist die Schaltstelle. Kommunizieren tun wir über den Chat, der im Receiver implementiert ist. Wichtig ist eine fette Internetleitung, weil es dann weniger Latenzzeit und bessere Soundqualität gibt. Ganz wichtig ist auch: tubeplug ist Freeware und kann über die t-u-b-e (http://www.t-u-b-e.de/) heruntergeladen werden.

3) 8K thematisiert konzeptionell stark die Prozesshaftigkeit des Entstehens von Musik. Muss der Hörer den Entstehungsbackground kenne, um die Musik zu "verstehen"?
Wenn man die CD "8k" ein bißchen im Ohr hat, dann wird man beim Remix-Konzert "8K=8K+-(G)<>(A)<>(N)" größere und kleinere Teile wieder erkennen und die Prozesse besser verfolgen können. Nötig ist das überhaupt nicht. Jeder Abend ist ein neues Abenteuer, wo ich am Anfang auch noch nicht weiß, was wirklich passiert. Ich kenne den Weg ganz genau, habe auch eine klare Partitur für den Abend vorbereitet und dennoch ist alles möglich.
Warum? Ich selbst mische und rekomponiere mit unterschiedlichen Medien (G) & (A) und spiele mit Kollegen (N) zusammen, die ganz wo anders vor ihrem Computer sitzen, keine direkte Interaktion mit mir und dem Publikum haben, für ein Publikum, mit dem ich als einziger im Kontakt stehe. Bei stop.spot 2007 in Linz waren die (N)-Mitstreiter Werner Jauk (Graz) und Marcus Obst (Crottendorf, D). Wir haben sehr schöne Proben gehabt, aber live hatten wir sehr unter der Wechselhaftigkeit der Internetleitung gelitten. Da musste ich einiges umwerfen, was meinen Kollegen sicher alles abverlangt hat.
Marcus hat alle Jams/Proben, an denen er teilnahm, mitgeschnitten und hat letztes Wochenende in seinem Studio sein eigenes "8k"-Stück davon "geremixt". Es wird demnächst auf seinem Label fieldmuzick auf CD erscheinen. Seit diesem Moment weiß ich, dass ich ein sehr schönes Projekt am Laufen habe
4) Wo beginnen die Grenzen zwischen Remix und Neuaufnahme zu verschwimmen?
Bei stop.spot 2007 war "8K=8K+-(G)<>(A)<>(N)" schon mehr Neuaufnahme denn Remix. (A) ist Remix, (G) liegt zwischen Remix und Neuaufnahme und (N), so ist meine Erfahrung ist schon kein Remix mehr, auch wenn meine Kollegen mit meinem "8k" Material von der CD arbeiten, definitiv eher Neuaufnahme. Da höre ich zwar meine Sounds, aber ziemlich fremde Stücke.
Nun ja, ich habe die Kiste geöffnet und jetzt geht es ziemlich ab. Gibt es was Schöneres?
5) Sind die Tracks am Album abgeschlossene Stücke, oder siehst du sie eher als Snapshops eines bestimmen Zeitpunkts einer imaginären Entwicklungslinie?
Die Album-Tracks sind abgeschlossene Stücke, aber definitiv mit Blick auf "8K=8K+-(G)<>(A)<>(N)" hin entstanden. Alle Stücke sind, bis auf "Demix", innerhalb eines Monates bei langen Studio-Rallye's entstanden. "Demix" ist im November 2006 entstanden und ist der eigentliche Auslöser zu "8k" und dem Remix-Projekt.
Was habe ich dem base Hausgraphiker Alex Kellas (of Familie Seelig fame) in einem Mail für das Cover geschrieben:
Alex: "Was ist deine core message für 8k?"
Fadi: "tempo, drive, abgedreht, unangepasst, hoch rauf auf den berg - dünne luft, geld beim fenster raushauen, nix mehr kosten vs qualität, high sein (im positiven - nicht wegdröhnen), .......
Was wäre die core message für "8K=8K+-(G)<>(A)<>(N)":
Breiter Bogen zwischen Schärfe und Unschärfe, zwischen Original und Zitat, zwischen Digital und Analog, zwischen Egotrip und collective composition, zwischen live und Archiv, Echtzeit und Verzögerung.
Mehr Infos zum Stück "8K=8K+-(G)<>(A)<>(N)"
8k" gibt's im base shop, im Fachhandel und hier auf datenschmutz - wer gewinnen will, hinterlässt wie üblich einfach einen Kommentar.
Die Blog-Parade Mein SommerSoundTrack dauert noch bis zum 2. November - ich möchte gern von meinen LeserInnen wissen: was war Ihr/euer persönlicher Soundtrack des Sommers? Hier nun wie angekündigt mein eigener Beitrag. Musikalisch betrachtet hab ich einen stilistisch und genre-technisch durchwegs gemischten Sommer hinter mir, wobei allerdings dubbige und hip hoppige Sounds eine durchwegs dominierende 30-Grad-plus Rolle spielten.
Ich hab's zum ersten Mal gehört im Auto auf der Fahrt nach Graz - keine Rede von adäquaten Subwoofern, aber dieser Mix ist solideste Handarbeit: DJ Food & DK: Now Listen Again erschien in diesem Jahr am Solid Steel Label. Dass DK fein scratcht und Food einen exzellenten Musikgeschmack hat, war schon vorher klar. Überraschend allerdings die komplexe Reise durch unterschiedlichste Studiowelten: von Timbaland über Cut Chmist zu Pepe Deluxe und wieder zurück, von Gorgio Moroder zu Aphex Twin - die beiden Reiseführer durchs (broken) Hip Hop Universum packen mehrere Jahrzehnte in ihren Mix und droppen gegen Ende dann sogar noch den Qemists '03 Remix von "Swords in the Dirt" (Roots Manuva feat. Rodney P.) sowie - und spätestens an diesem Punkt sollte die Bassbox bei Fuß stehen - "Tarantula" von Pendulum und Fresh. Großes Ohrenkino... und definitiv eine meiner Heavy Rotation Schreiben im vergangenen Sommer.
"Where my dawgs at?" Irgendwo hab ich vor kurzem gelesen, DMXens alte Produktionen klängen nach Casio-Synthies. Shame on whoever wrote that! "It's dark and hell is hot" von 1998 ist ein episches Meisterwerk. Ich muss ja gestehen, dass ich die Qualitäten dieses Albums seinerzeit durchwegs übersehen hab - vor allem die textlichen: "Damian" und "The Convo" liefen in meiner Neuerwerbung dieses Sommers (ein Sony-MP3-Player. Yup. MP3. Nicht Atrac4.) auf heaviest rotation possible. Die späteren Alben kommen da kaum mehr ran... und irgendwie hat mich DMX in einen unheilvollen Strudel früher Kindheitserinnerungen im Osttiroler Ghetto gesogen... nee, Quatsch. Aber ich hab jede Menge reminisziert, Zeitreisen via Audio: und Wu Tangs "36 Chambers" widersetzt sich immer noch hartnäckig jedem Remastering. "Can it be that it was all so simple then?" Naughty by Nature 1995 in der Wiener Arena, Gang Starr einige Jahre später in der Szene und dann ein zweites Interview mit meinem lyrical Hero Guru, als er mit Jazzmatazz im Metropol auftrat - yup, Hip Hop trägt die Hauptschuld an meiner Liebe zur Musik. Und in diesem Sommer hab ich meine Soundroots extensiv gewürdigt.
Natürlich war da noch eine Menge mehr, über die ich großteils bereits auf datenschmutz geschrieben habe: Dubblestandart, Shantel, Samon Kawamura, D.Kay, Stereotyp (Keepin' me!), Underwolves, MC Mankind, Deep Dish, Spiral Tribe, Trentemoeller, Little Louis Vega, und und und - but first and foremost I can't forget my wicked sound engineers - und hier gibt's auch gleich was zum Anhören. Ladies and Gents, vereinte eklektische Popfans: give it up for the one and only mysterious sound engineers from inner space:
Alpenländlichkeit scheint beflügelnde Wirkung auf Dub-Heads auszuüben. Wie ließe sich auch sonst erklären, dass nach Dubblestandarts fantastischem Immigration Dub nun Schweizer Delay-Haudegen der Welt hochprozentig gelungene Interpretationen ihres persönlichen verhallten Schalluniversums schenken? Enter Dub Spencer and Trance Hill.
Psychedelische LSD-Seligkeit der 60er Jahre ist Kleinkinderkram im Vergleich zu den Outer Spaces, die Professor Lee "Scratch" Perry auf der Suche nach immer neuen Dimensionstoren durchschritten hat. Dub is the new Multiverse, im Taschenformat aber praktisch zusammenfaltbar auf zwei bis drei Dimensionen, was im Rave-Kontext auch immer mehr historie-ungeschulten Dubsteppern auf skurrile Weise bewusst wird. Traditionsbewusst dagegen zelebrieren die Supercops das gesamte Spektrum vom Pappkameraden bis zur vielhändigen Bassline-Gottheit mit tausend Fingern in tausend Ohren. Aus der Mitte entspringt vielleicht eine Trance, aber die hat mit Großhallenraves nicht mal den Mutterinstinkt gemeinsam, also keine Angst vor Mash Ups: Dub come save you all.
Seit dem Vorjahresdebut "Nitro" gab's einige Umbesetzungen, die personellen Diskontinuitäten spiegeln sich im Sound der Band aber keineswegs wieder: Die Supercops setzen die mit Country- und Rockreferenzen gespickte Reise durch das soundtechnische Vermächtnis von Tubby, Perry und Co. nahtlos fort und verzichten dem größeren Dub-Ganzen zuliebe völlig auf Sunshine-Reggae-selige Anbiederungstaktik. Reinkipp- statt Hitpotential sozusagen. Das Echo trifft dich gewiss, mit anderen Worten und in aller Deutlichkeit: großartiges Album, wobei der Künstlername in die Irre führen könnte: niemand braucht Angst vor Trance-Beats zu haben, alle 11 Nummer setzen auf gemächliches Dubtempo und massive Basslines, die ein solides Fundament für die kleinen Lustigkeiten in den höheren Frequenzbereichen bilden.
Es brodelt, zischt und rummelt so ausgewogen, dass man sich gleich beim ersten Anhören mitten ins Zentrum der gigantischen Boxen aus dem Foto auf der CD-Rückseite wünscht. Wer Dub mag, kann hier nix falsch machen. Spätestens ab dem dritten Track "Nano Dub" zollt das Hi-Fi-verwöhnte Ohr der soundtechnischen Seite der Produktion Respekt: die Wärmflasche unterm Synthesizer hat wieder mal Wunder bewirkt.