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Artikel-Schlagworte: „Editor“

Der große Vergleichstest: Deutsche Satiremagazine

riestenbrueste33 Der große Vergleichstest: Deutsche SatiremagazineSic transit humoria mundi - für meine sechsstündige Fahrt von Wien nach Lienz hatte ich mich mit ausreichend Lesestoff eingedeckt, der in Kombination mit dem vorzüglichen Service der ÖBB (13 von 16 Toiletten im IC "inutilisable" = neuer Rekord, aus einigen Waggons musste letzten Vorhänge entfernt werden, nicht besonders boshafte Naturen behaupten aufgrund von Lausbefall) dann auch für mehr Heiterkeitsausbrüche sorgte als ein ganzes Lach-Yoga-Wochenendseminar. Viel gelacht, viel geweint und noch mehr gelernt: beispielsweise, dass eine einzige Ausgabe Titanic mehr Popverständnis vermittelt als 10 Jahre Spex und dass Brand Eins zwar auch versucht, absurd witzig zu sein, dabei aber längst nicht so postlinks-locker daherkommt die zum ewigen Untergang verdammte Schwesternzeitschrift. Und als ich, vollkommen erschöpft von so wenig überflutender Print-Information zwischen zwei spitzen Entzückensschreien meiner Teenage-Sitznachbarn über gelungene Facebook-Attack-Züge mal kurz wegdämmerte, da vermischten sich die beiden Pamphlete in meinem Traum zum neuen deutschen Witz-Flaggschiff mit Krisen-tauglichem Titel: "Titanenbrand!"

Von der verlässlichen Titanic und meines Lieblingskolumnisten Hans Mentz' Humorkritik im Brand Eins in der Titanic erwarte ich mir monatlich Großes, immer wieder neu, immer wieder zu Recht. Insofern überraschten die vielen Humor-Highlights in der aktuellen Ausgabe mit der trittsicheren Titel-Alliteration Merkel in der Menopause (aus dem Editorial: "Wie können wir lernen, mit einer Kanzlerin zu leben, die ihre sinnliche Jugendschönheit demnächst verliert?") mich keineswegs.

Umso mehr verwirrte mich dafür die inhaltlich-strategische Voll-Neuausrichtung von Brand Eins. Frühere sporadische Lesungen plus Peters Beschreibungen hatten mich - die Gründe dafür liegen verborgen im Nebel der Geschichte - glauben machen, es handle sich um ein Wirtschaftsmagazin für nachhaltige Freigeister: arme und bedauernswerte Schizos, deren "Individualismus" sie zwingt, sich möglichst regelkonform zu benehmen, währen deine ungeregelte Lambda-Wahrnehmungsstörung es ihnen verunmöglicht, zwischen Nischen-Mainstream und Divergenz zu unterscheiden. (Nein, nix gegen Veräppel-Rechner. Nur gegen die Begründung, man erwürbe sie, um "anders" zu sein.) Aber ganz im Gegenteil: der Verlag scheint die Sinnlosigkeit gedruckter Wirtschaftsberichterstattung vollinhaltlich eingesehen zu haben, und allein diese Tatsache verdient absatzweise Beachtung.

Was im Brand Eins witzig ist

Eines allerdings sollten sich die Alleinunterhalter aus Hamburg auf die Fahnen schreiben: Satire ist kein Boulevardjournalismus! Falls ein Herr Wolfram Feller (Name von der ds-Redaktion geändert) hypothetisch eine neue Tageszeitung namens "Streich" (Name von der ds-Redaktion erneut geändert) "heraus" "bringt", mag sich der geneigte Leser nicht unbedingt eine Multitude an Zugängen erwarten. Aber wenn die selbstgewählte-Themenbeschränkung schon einen engen ökonomischen Fokus gebietet, so könnte ein wenig Variation bei der Karikatur-Strategie durchwegs nicht schaden.

Im Gesamtpaket ergibt die extrem überhöhte Kritiklosigkeit jedwedem Sujet gegenüber durchwegs karikativen Mehrwert. Zahnbürsten aus der Schweiz: Genial! Softwareklitschen aus Deutschland: Weltspitze! Traktor-Sharing: Innovationsorgasmus! Letzeres nennt man in Tirol, dem ausgelagertem Silicon Valley der Balkan Region, übrigens seit gut 100 Jahren "Landwirtschaftliche Genossenschaft". Bei Einzelbetrachtung verlieren die meisten Beiträge hingegen durch das strikte Korsett an Originalität und könnten in manchen, besonders misslungenen Fällen, sogar als ernst gemeint durchgehen - etwa der Bericht über eine Kooperation zwischen zwei Werbeagenturen, die "ausgerechnet in Düsseldorf in Bündnis geschlossen haben". Solche temporären Zweifel weiß der Themenschwerpunkt aber zum Glück rasch zu zerstreuen: denn das mehrköpfige Team verarscht gekonnt klassische journalistische Zeigefinger-Wissensvermittlung dadurch, dass Plattitüden im Brustton höchster Überzeugung geklopft werden: etwa dass wir uns im Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft befinden und uns vom Gedanken der Vollbeschäftigung verabschieden müssen, wie das "Special Arbeit" erklärt.

Ebenso konsequent wie gestalterisch glücklich erweist sich indes der Totalverzicht auf klassische Cartoons. Ähnlich wie das Gamer-Magazin "PC Action" setzt Brand Eins auf vorerst "normale" Fotos, konterkariert die abgebildeten Motive aber durch herrlich subversiv-schräge Bildunterschriften. Beispiele gefällig? Unter zwei Zahnbürstenbildern: "Für 50 Jahren stellen 200 Mitarbeiter bei Trisa 50.000 Zahnbürsten her... ...heute schaffen viermal so viele Mitarbeiter zwanzigmal so viele Zahnbürsten." (Ob zu produzieren, zu verbrauchen oder als Füllmaterial für diverse körpernahe Guinness-Weltrekordversuche bleibt dabei ganz der Fantasie des Lesers überlassen.) Oder mein Favorit aus einem langen Textelaborat, in dem erklärt wird, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer Arbeit und Kinder unter einen Hut bekommen (letztere aber nicht bekommen) können: "Der Berater: Markus Leibundgut arbeitete zweieinhalb Jahre mittwochs nicht." (Beneidenswert! Ich nehme an, von Donnerstag bis Dienstag waren die Kinder bei Reini zu Besuch, denn: "Der Ingenieur. Reiner Hohl konzentriert sich auf das Wesentliche."

Zur Neuausrichtung kann man Brand Eins, der zukünftigen Nummer zwei unter den deutschen Satiremagazinen, echt - aber auch ganz echt - nur gratulieren! Ernst gemeinter Wirtschaftsjournalismus könnte sich Artikeluntertitel wie "Die USA sind viel mehr als Coca Cola, IBM und Microsoft" oder "Putzen gilt als minderwertige Arbeit. Dass sie weit mehr sein kann, zeigt ein Besuch bei der Frankfurter Wisag" (hat Redakteur Matthias Hannemann dort etwa die Büros gereinigt?) schlichtweg nicht leisten. Der Verzicht auf faktenbasierten, innovativen Realjournalismus räumt dem schreibenden Personal völlig neue Freiheitsgrade ein - nur besonders bösartige Beobachter würden behaupten, dass bei den steigenden Kosten für "richtige" Contentproduzenten der Verlag gar keine andere Wahl gehabt hätte. Und perfekter als der letzte Satz auf der letzten Seite 134 von Heft 09 des 11. Jahrgangs könnte ich das neue Selbstverständnis auch nicht subsummieren:

Eine Zusammenstellung aus 20 internationalen Wässern von Wasserdepot hat gewonnen: Angelika Tschuri, Gersthofen.

datenschmutz gratuliert recht herzlich und versteht jetzt endlich, warum der Durchschnittsbobo, der sich über jeden Einbruch anarchischer Freude in sein sonst so kommunistisch-streng geregeltes Hedonistenleben freut, Brand Eins so gern mag.

Was in der Titanic nicht witzig ist

So viel wie über die B1 kann ich über die auf den Äckern des Humors weitaus arriviertere Titanic nicht sagen. Aber dass ich den Großteil meines politischen aktuellen Halbwissens aus einem dedizierten Satire-Magazin beziehe, spricht nun mal nicht für den deutschen Qualitätsjournalismus.

Das mag aber durchwegs an der Multitude der Zugänge und Themenfelder liegen: bereits auf den ersten Seiten werden Steinmeiers Vollbeschäftigungspläne, Minus-Milieus ("Retrophile Oligarchen, traditionsbewusste Absteiger, Metanormale) erklärt und die Doppelrolle von Vera Lengsfelds Brüsten im SPD-Wahlkampf thematisiert, aber angenehmerweise nie restlos erklärt. Dabei fallen durchwegs thematische Überschneidungen auf: wo Brand Eins sich für Zahnbürstenbauer aus der Schweiz begeistert, stellt Titanic den im dräuenden Lichte des kommenden Verbots wieder stärker nachgefragten Job des Glühlampenreparateurs vor. Um zu bemerken, dass man es hier mit dem wesentlich arrivierteren Satire-Magazin zu tun hat, braucht es allerdings gar keine "redaktionellen Inhalte" - die Zuschriften von Leser enthalten unverzichtbare Tipps für moderne Netizens:

Bei vielen jungen Menschen ist es zu einer Selbstverständlichkeit geworden, potentielle Sexualpartner vor dem ersten Treffen zu googeln, um herauszufinden, mit wem sie es da eigentlich zu tun haben. Das klingt erst mal vernünftig, aber man sollte sich nicht zu sehr darauf verlassen: Nicht jeder, der obskure Freunde, perverse Hobbys und ein Vorstrafenregister von hier bis Hamburg-Harburg hat, ist automatisch ein cooler Typ. Cornelia Röser

Und während Brand Eins noch von Ende der Industriegesellschaft redet, beschäftigt den durchschnittlichen Titanic-Leser schon präventives Online-Reputation-Management:

Neulich zusammen mit meiner Freundin im Online-Sexshop bestellt. Als ich das Gleitgel in den Warenkorb klicke, sagt sie: "Nee, da steht ja 'anal' drauf. Nimm das normale, wenn das jemand sieht, was soll der denn denken." Christian Martin

Überhaupt ist Titanic meiner persönliches Lebenswelt viel näher. Speziell die Bastel-Seite reizt das unterschätzte Medium Papier bis an die Grenze aus, etwa mit Antwort-Karten für diesen lächerlichen Berghain-Türsteher in Berlin, der mich auch partout nicht reinlassen wollte, obwohl ich mit zwei *sehr* hübschen Mädels hartnäckig wie weiland die heilige Familie Einlass begehrte. (Übrigens ein singuläres Erlebnis in meiner Clubkarriere, aber um nichts undemütigender.) Mit diesen Kärtchen in der Geldtasche hätte ich reagieren können, so ging's mir wie den meisten Besuchern: ich musste einfach nur über seine unglaublich bescheuert aussehende, überpiercte Clownmaske von einem Gesicht lachen, und das hat ihm wohl nicht gefallen.

Überhaupt fällt auf, dass Brand Eins kein einziges, Titanic dafür gleich ein ganzes Genrebündel an Zeitschriften ersetzt, mindestens aber TV-Media ("Hallo, ich bin der Junge, der immer pfurzen muss, wenn er was wissen will."), die Computerwelt ("E-Mails weder mit 'Hallo' beginnen noch mit "'Heil Hitler' unterschreiben") und the gap ("Nie zuvor hat sich die Aufnahmetechnik so wenig weiterentwickelt wie im letzten Jahrzehnt. Es spricht einiges, jedoch nicht alles dafür, dass Popmusik ein weitgehend abgeschlossenes Kapitel ist.") Ohnehin unterstelle ich dem Redaktionsteam, dass es die Titanic genau wie wir seinerzeit the gap lediglich aus Eigeninteresse gegründet hat, wenn auch zu einem deutlich späteren Lebensabschnitt. Denn irgendwann, hoffentlich deutlich vor der Pensionierung, fühlen sich die meisten schlagartig zu alt, um über manche Themen noch ernsthaft schreiben können zu wollen. Sollte diese These zu gewagt erscheinen, empfehle ich die genaue Lektüre von "Born to be wild", einem Feature über die Zeitschrift des "Deutschen Rock & Pop Musikverbandes e.V.". Ein Meisterwerk der Realsatire, das in dieser Form in keinem "kritischen" Musikmag abgedruckt werden könnte.

Fazit: Was kann Brand Eins also von der Titanic lernen? Aus dem Stand heraus ein Medienprodukt für einen Markt zu lancieren, der von einem alt-eingesessenen Konkurrenten schon längst perfekt bedient wird (siehe etwa die Boulevard-Schlacht zwischen "Österreich" und "Der Standard"), ist schwierig und erfordert ein genaues Austarieren bekannter Erfolgsrezepte und Distinktionskriterien. Ihr seid auf dem richtigen Weg, Brand Eins, keine Frage - doch zu vieles wiederholt sich. Nur, weil beide Adjektive mit dem gleichen Wort beginnen, heißt "lustig schreiben" nämlich nicht automatisch "lange schreiben". Also traut euch ruhig mal, auch eine kürzere Ausgabe zu produzieren, und dann geht sich vielleicht sogar mal ein aufwendige(re)s Layout aus.

Gewinnspiel: 3 T-Shirts mit Aufdruck nach Wahl

tshirtag Gewinnspiel: 3 T Shirts mit Aufdruck nach WahlIm Jänner jag ein Gewinnspiel das nächste - und diesmal gibt's ein besonderes Schmankerl für modebewusste Individualisten: In Kooperation mit der TShirt AG verlost datenschmutz drei Gutscheincodes für jeweils 1 Deluxe-Shirt samt Aufdruck nach freier Wahl und Versand. Wer partout kein eigenes Motiv hochladen will, kann ebenso eine der der zur Auswahl stehenden Vorlagen an seine individuellen grafischen Wünsche anpassen. Die Seite sollte sich sowieso jeder Blogger bookmarken: so günstig wie hier bekommt man einzelne Shirts und auch Großauflagen nirgends im Netz; die Druck- und Shirtqualität dagegen brauchen keinerlei Vergleiche zu scheuen.

Ein Standard-B&C-Shirt für Männer kostet samt Druck gerade mal EUR 9,99 - die hier verlosten Gutscheine gelten aber für die Premium-Variante (=hochwertigere Shirts), die regulär EUR 11,99 pro Einzelstück kostet. Mich hat die Seite nicht zuletzt aufgrund des genial simplen Editors beeindruckt, sehr interessant für Blogger ist auch die Möglichkeit, mit wenigen Klicks einen eigenen Shop einzurichten - das funktioniert einfach, indem man mit dem intuitiven Editor das jeweilige Shirt-Design anlegt und dann auf "Verkaufen" anstatt "Kaufen" klickt: Auflagenhöhe (bis unlimitiert) sowie die Gewinnspanne sind dabei frei wählbar - soeben hat der datenschmutz T-Shirt Store seine Pforten geöffnet:

dstees Gewinnspiel: 3 T Shirts mit Aufdruck nach Wahl

Teilnahme am Gewinnspiel: Wie gewohnt ist keine Registrierung erforderlich; um an der Verlosung teilzunehmen, muss lediglich ein Kommentar zu dieser Story hinterlassen werden. Die 3 Gutschein-Codes werden unter allen Teilnehmern verlost. Wer zusätzlich auf seinem Blogger, Twitter, Facebook etc. einen Link zu diesem Gewinnspiel postet, bekommt ein Extra-Los für die Ziehung! (Bitte in den Kommentaren anmerken und/oder Trackback schicken.) Das Gewinnspiel beginnt am 27.1.2009 und endet am 8.2.2009, im übrigen gelten die Standard-Teilnahmebedingungen für datenschmutz-Gewinnspiele.

Drei Fragen an dieTShirt AG

1. Seit wann gibt es die TShirt AG?

Wir haben die dieTShirt AG 2006 gegründet.

2. Die Konkurrenz im Netz ist ja nicht gerade klein - was sind eure Stärken?

Wir haben versucht die Website einfach und bedienerfreundlich und logisch zu gestalten. Man soll sich auskennen, ohne viel lesen zu müssen.
Wir können vom Digitaldruck und Auflagen von einem Stück über Flex, Flock,... bis hin zum Siebdruck und Auflagen von 100.000 Stück alles drucken und das zu extrem günstigen Preisen; Einzelstücke kosten bei uns nur EUR 9.99.

3. Wie funktioniert euer Shop-System? Kann jeder User seine selbst designten Shirts zum Verkauf anbieten?

Ja, genau! Man kann sich mit ein paar Klicks anmelden, seinen Shopnamen festlegen, seine eigenen Designs hochladen, eine Gewinnspanne festlegen und den Webshop mit der eigenen Website verlinken. Das dauert nur ein paar Minuten und ist nicht schwer. Namhafte Shops sind die Science Busters oder die Zeitung der Standard.

Blogistan Panoptikum KW47 2008

obamoida 1227449821 Blogistan Panoptikum KW47 2008Das österreichische Parlament rüstet schon mal seine Mailserver-Infrastruktur hoch, denn Max will die Abgeordneten mit mittelmäßig unsanften Mitteln zur direkten Demokratie überreden. Tja, Messianismus á la Obama gilt in Österreich als tendenziell visionär und erfordert seit spätestens seit Vranz ärztliche Prokura. Die kann man echt nur sagen: Obamoida!. [via Helge] Ich könnte mir ja durchaus vorstellen, dass sich die Polit-Elite von MyOnId eher angesprochen fühlt als von der lästigen Aufgabe, E-Mails des kleinen Mannes Geeks beantworten zu müssen...

Facebook und der Anzeigenmarkt

Der "Marketplace" in Facebook ist so belebt wie der Hauptplatz von Hinterstinkenbrunn am Donnerstag um 2 Uhr früh. Der Gedanke, die zwei Konzepte "Kleinanzeigen" und "Social Network" zusammen zu führen, liegt zwar nahe, die Listings aber lagen brach. Und weil man ja schließlich nicht alles selber machen kann, suchten sich die Betreiber und anscheinend einen Partner - schließlich hat man mit externen Applikationen ja Erfahrung. TechCrunch berichtet, dass Oodle den Job übernehmen wird und wünscht FB viel Glück: denn der US-Markt ist mit Ebays Kijiji, Microsofts MSN-Anzeigen und vor allem der guten alten Craigslist mehr als übersättigt. Dafür entdecken die Österreicher langsam das Genre der Classifieds: gab es vor drei Monaten noch bloß insgesamt 2 Anzeigen (eine davon von HP), so tröpfeln mittlerweile täglich im Durchschnitt bereits an die drei neuen Verkaufsgesuche (österreichweit) herein.

Anleitung zum Arschkriechen

Mit dem metaphorischen Eingang durch den Enddarm beschreibt man unangebracht schleimig-devotes Verhalten zur Erlangung eines persönlichen Vorteils. Das gehört gefördert, dachte Dr. Isis und erklärte in einem Beitrag auf Scienceblogs ausführlich, warum hartnäckige Anbiederung und regelmäßiges frühes Auf-der-Matte-Stehen bei ihr zum Erfolg führen. Tobias Maier hat eine exzellente Antwort verfasst:

Wenn ich, als hypothetischer Prof morgens um halb sieben vor meinem hypothetischen Büro einen Studenten vorfinden würde, gäbe es zwei Möglichkeiten: Entweder ist der Typ durchgeknallt, und ich schicke ihn sofort nach Hause. Oder er schläft den Rausch der Uni-Party vom Vortag aus, dann biete ich ihm vielleicht noch einen Kaffe an, und ich schicke ihn anschließend ebenfalls nach Hause.

SEO-News der Woche

SEO-United.de füttert Tante G. mit einem umfangreichen Glossar, Semplicity berichtet über das neue Beta-Interface für AdWords und der Mobile SEO gibt eine ausführliche Einweisung ins Thema Suchmaschinenoptimierung für mobile Endgeräte.

Hub oder Linkschleuder? Dieser Frage geht Seokratie nach und kommt dabei in punkto Link-Autorität zu Ergebnissen, die doch so manchen überraschen dürften:

Hubs sind sehr oft private Seiten, die es sich bei der Erstellung der Webseite zum Ziel gemacht haben, alle anderen relevanten Seiten zu finden um dem Besucher einen Mehrwert zu bieten. Das fällt natürlich auf die eigene Seite zurück: Der Besucher denkt sich "Wow, der kennt sich aber aus! Er kennt alle relevanten Seiten zum Thema." [...] Google denkt sich das Gleiche wie dieser Besucher!

Wenn Yahoo sich ziert

SEO-Handbuch.de wärmt einen alten Tipp auf: nach wie vor kann man im US-Yahoo-Directory Seiten vorschlagen, während das neue Pendant keine frischen Kandidaten mehr aufnimmt. Einziges Problem dabei: falls es überhaupt einen Editor gibt, dann macht der schon ziemlich lange Party. Und interessiert sich nicht die Bohne für non-englischsprachige Seite. Andererseits kann man sich für 300 Dollar den Weg ins Directory kaufen - müsste da Google nicht eigentlich Yahoo wegen Verstoß gegen Linkverkauf auslisten? :evil:

Facebook monetarisiert Apps

"Verified Apps" sind auf Facebook künftig Primus inter pares: Entwickler, die 375 Dollar pro Jahr bezahlen, dürfen mehr Spam aka Einladungen verschicken und werden bevorzugt behandelt. Irgendjemans muss ja schließlich die Stromrechnungen bezahlen, und es düfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis FB von erfolgreichen App-Entwicklern Werbeeinnahmen-Anteile verlangt - mehr dazu auf Blogwave und bei Pixelsebi.

Die Pythons auf Youtube

"For 3 years you YouTubers have been ripping us off," begins a recent Monty Python announcement "taking tens of thousands of our videos and putting them on YouTube."

Anstatt in mühsamer Kleinarbeit sämtliche User zu verklagen, hat sich die Monty-Python-Truppe für den affirmativen Ansatz entschieden und betreibt ab sofort einen eigenen Channel, der neben den bekannten Sketches auch rares Archivmaterial enthalten wird: ich wette, die Fanquote des Monty Python Channels wird rasant die Höhe schnalzen! [via Laughing Squid]

Video der Woche: Nicholas Patten

Twitter geht immer noch ab wie Schmidts sprichwörtliche Katze - und es vergeht keine Woche, in der nicht neue, spannende Net-Citizens kennen lerne. Und dass Twitter mal eine meiner primären Versorgungsquellen für net.music direkt vom Erzeuger wird, hätte ich vor einem halben Jahr auch nicht vermutet. Eine meiner Neo-Bekanntschaften dreht ausgesprochen flowige Filme und designed - passend zum gestrigen Schneetreiben in Wien - nicht nur Twitter Backgrounds, sondern auch Snowboards. Sein Portfolio postet Nicholas Patten auf Posterous, die komplette Videosammlung gibt's bei Vimeo. Neuester Streich: meditative Handkamera-Impressionen aus New York City, unterlegt mit Bonobo's Terrap - Today is now:

Und damit wären wir auch schon wieder am rückblickstechnischen Ende dieser Woche angelangt - ich danke für die Aufmerksamkeit, wir lesen uns am Montag!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick - für jeden Eintrag gibt's auf Wunsch einen Backlink! Hier geht's zum Einreich-Formular.

Lust auf 1.000$ und eine werbefreie Gratis-Homepage?

best of synthasiteUnd noch dazu Ruhm und Ehre auf Synthasite? Die Betreiber des sympathischen Free-Page Generators haben einen Contest ausgeschrieben, der bis 5. Jänner läuft: wer die tollsten Synthasite-Seiten baut, darf sich über ein ordentliches Preis-Paket freuen. Wie die Betreiber ihren Service finanzieren, wissen der Geier und höchstens TechCrunch: nach der Registrierung kann man sich im benutzerfreundlichen in-Browser Editor austoben, das fertige Elaborat bleibt frei von aufgedrängten Werbeeinblendungen.

Das macht Synthasite sozusagen zum zeitgemäßen Nachfolger der guten alten Geocities - dass sich der Service in Europa trotzdem keiner gesteigerten Beliebtheit erfreut, liegt aber wohl nicht zuletzt daran, dass an Free-Hosting Providern wahrlich kein Mangel herrscht. Viele User bevorzugen außerdem ein leicht zu bedienendes Blog gegenüber einer Homepage mit selbstdefinierter Struktur, auch wenn die Lernkurve beim Synthasite Editor angenehm flach ausfällt. Auf der Habenseite stehen außerdem diverse dynamische Module: man kann ohne weiteres eigene Fotogallerien, einen Shop, frei definierbare Formulare und sogar eigene Werbung unterbringen. Beim Publishen der fertigen Seite kann man entweder eine Synthasite-Subdomain wählen, für 15$ im Jahr eine dedizierte Domain kaufen oder die fertige Seite herunterladen und am eigenen Webspace unterbringen.

synthasite editor
Der Synthasite Editor Screen

Ich bin generell kein großer Freund von Infrastrukturprovidern. Wenn man schon Zeit und Aufwand investiert, dann lieber gleich in eine selbst gehostete Seite. Denn auch bei Free-Providern begibt man sich stets in ein Abhängigkeitsverhältnis - wer weiß, ob Synthasite nicht irgendwann doch Werbung schaltet, offline geht oder sonst? Trotzdem bietet der Contest einen ordentlichen Anreiz, schließlich geht's nicht um den Tausender, sondern um diverse PR-Leistungen, die jeder Pro-Blogger zu schätzen wissen dürfte, zumal Synthasite in den USA bereits beachtliche Popularität erreicht hat:

Winners will receive (a) a free SEO lesson, performed by SynthaSite CEO and SEO Expert Vinny Lingham, (b) $1000, (c) be featured in a SynthaSite press release, in the SynthaSite newsletter and posted to Vinny’s blog, and (d) be able to post a "Best SynthaSite" logo on the winning Web site(s) (collectively, the "Prize"). Awards will be announced no later than January 5, 2009. The approximate value of the Prize is $4,500.

Die komplette Teilnahmebedingungen sowie den Link zur Einreichung gibt's hier. Wie so oft dürften deutschsprachige Seiten wohl keine Chance haben - wer den Synthasite Editor mal so richtig auf Herz und Nieren testen möchte und bei der Gelegenheit sein Glück beim Contest versucht, sollte sich für ein englischsprachige Page entscheiden. Die Gewinner werden am 5. Jänner 2009 unter bestof.synthasite.com bekannt gegeben, wieviele Preise vergeben werden, gaben die Betreiber noch nicht bekannt. Die Jury berücksichtigt bei ihrer Entscheidung die folgenden Kriterien: "visual appeal of site, focused purpose, and/or innovative use of widgets".

WordPress 2.6: Revisions-Feature deaktivieren

WordPressRevisions deaktivierenDie aktuelle Version unseren Lieblings-CMS bringt zwei Features mit, die - gelinde gesagt - recht unausgegoren sind. Da wäre zum einen mal die neue Caption-Funktion (Bildunterschriften für hochgeladen Fotos) und zum anderen die "Revisions", automatisch generierte Posting-Snapshots bei jedem Save bzw. Autosave. Im offiziellen WordPress-Support-Forum entspann sich dazu eine recht erhitzte Diskussion:

während Moderator Otto gewohnt nerd-unfreundlich (er ist wohl schon seit den Zeiten des Usenet dabei) argumentiert, dass die Revisions immer und für jeden super seien, bin ich da wie viele User ganz anderer Meinung: ich erstelle meine Posts sowieso im Texteditor, daher brauche ich keine zusätzlichen Kopien, die mit der Zeit die Datenbank ganz beträchtlich aufblähen. Die Autosave-Funktion reicht mir völlig, um zu verhindern, dass ich einen Firefox-Tab mit nicht gespeichertem Posting irrtümlich schließe. Viel schlimmer allerdings: die Revisions verwirren mein In-Series Plugin: dort tauchen die Revisions plötzlich auch in der Serienliste auf.

Eine aus/ein Option verkompliziere das Backend unnötig, erklärt Otto - da find ich persönlich die "händische" Variante viel komplizierter. Wer die in punkto "wie gehen Starrköpfe mit dem Feedback der Community um?" äußerst interessante Diskussion im Detail nachverfolgen will, kann das hier tun. Bei Wikis machen Revisions zweifellos mehr sind, die meisten Blogs werden aber nicht von 50 Autoren kollektiv geschrieben - ein Opt-in wäre mehr als angebracht. Dass die Revisions nicht mal in einer eigenen Table, sondern mit dem Type "revision" in der wp_postings gespeichert werden, ist wirklich crappy.

WordPress Revisions ausschalten und Autosave-Intervall ändern

Um die für viele WordPresser lästigen Revisions loszuwerden, genügt ein neuer Einträge in der wp-config.php:

define ('WP_POST_REVISIONS', 0);

Wem die automatische Speicherung zu häufig stattfindet, der kann diesem Feature mit folgender Zeile ein Intervall vorgeben. (600 steht dabei angeblich für 1h, ich hab's aber nicht überprüft:

define('AUTOSAVE_INTERVAL', 600);

Um die bereits angelegten Revisions wieder los zu werden, hilft ein simpler SQL-Query, den man im phpmyadmin ausführt. Wer ein anderes Datenbank-Präfix verwendet, muss dieses natürlich entsprechend anpassen (in Rot markiert).

Delete from wp-posts where post-status='revision'

Caveat: Auch wenn sich's nur um einen kleinen "Eingriff" handelt, legt der vorsichtige (oder durch Schaden klug gewordene) Blogger immer vorher eine DB-Kommandozeilen-Dump an.

Die WordPress Caption-Funktion

Captions sind Bildunterschriften - das betreffende Feld in der Uploadmaske wir zentriert unter dem jeweiligen Foto dargestellt und kann gegebenenfalls via der zugehörigen CSS-Klasse formattiert werden. Benötigt man bei einem Bild (zum Beispiel beim Teaser, bei einem Thumbnail etc.) keine Unterschrift, so möchte man meinen, dass es reichte, das Feld einfach freizulassen. Weit gefehlt: dann bleibt nämlich auf das alt="" Argument des Image-Tags leer. SEO-technisch äußerst ungünstig...

Das verkompliziert den Workflow: füllt man das Feld aus, muss man nachher den Caption-Tag weglöschen, lässt man's leer, will die Alt-Angabe manuell befüllt werden. Zwar existiert eine Lösung, um die Captions komplett abzudrehen - doch die erfordert einen Eingriff in die functions.php, ist also nicht "updateresistent". Außerdem macht das entweder/oder hier sowieso keinen Sinn: die saubere Lösung bestünde ganz eindeutig darin, entweder getrennte Eingabefelder für Caption- und Alt-Content vorzusehen, oder das Caption-Feld mit einer Checkbox "insert caption" auszustatten - hoffentlich schafft die nächste WP-Version da Abhilfe.

2WiD.net: Redaktionell gepflegte Suche

2wid 2WiD.net: Redaktionell gepflegte Suche 2WiD soll nach dem Willen der Betreiber der goldenen Ära der Webkataloge zu einer Renaissance verhelfen. Eine übersichtliche und sinnvolle Kategorieneinteilung sowie eine bereits jetzt beeindruckende Menge von händisch geprüften Eindrücken stehen auf der Habenseite. Aber kann ein Webkatalog in Zeiten von Social Bookmark Sites und News Communities überhaupt sein Publikum finden?
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Surfino: Die Homepage aus dem Baukasten

surfinologo Surfino: Die Homepage aus dem BaukastenAuf die eigene Webpräsenz verzichten selbst kleine Firmen schon lange nicht mehr - und auch immer mehr Vereine, Clubs und sonstige Interessensgemeinschaften möchten ihr eigenes Grundstück im Web. Am Hosting scheitert es in der Regel nicht, sogar Gratis-Angebote für den eigenen Webspace sind en masse vorhanden. Wer allerdings von Werbung verschont bleiben will, über keinerlei Programmierkenntnisse verfügt und dennoch günstig eine grafisch angepasste eigene Seite möchte, für den könnte der Surfino Homepagebaukasten das richtige Produkt sein.
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digitalks 06: Crowdsourcing

6. Mai 2008
19:00bis21:30

digitalksDie letzte digitalks-Veranstaltung vor der Sommerpause beschäftigt sich mit dem Thema Crowdsourcing. Unter diesem von Wired-Editoren geprägten Neologismus versteht man im Allgemeinen "die Verlagerung von Arbeitsprozessen, Ideenfindung und Innovation an eine unbekannte Gruppe von Menschen über Internet. Diese sind zumeist nicht vernetzt und lösen die Aufgabe für sich, ohne Zusammenarbeit mit den anderen."

Klingt laut Wikipedia also erst mal höllisch unkooperativ, allerdings entsteht dabei (idealerweise) ein größeres Ganzes, von dem dann alle und/oder ganz besonders der Initiator des Projekts ideell und oder finanziell profitieren. Am kommenden Dienstag werden Online-Plattformen vorgestellt, die sich ebendieses Geschäftsmodell zu Nutze machen. Wer sich das anhören und natürlich auch mitdiskutieren möchte, sollte sich besser heute als morgen anmelden, denn gestern waren nur mehr 10 Plätze frei: die Teilnahme ist gratis, aber die Beherbungskapazitäten des net.culture Space sind bekanntlich enden wollend. Ich freu mich schon auf den Abschlussevent vor der Sommerpause, speziell weil nachher noch ein gemeinsames Abhängen aller bisherigen digitalks-Gäste am Programm steht... könnte also durchwegs ein längerer Abend werden.

Location: Museums Quartier Wien, quartier21, Raum D

PS: wenn man Can und einige andere deutsche Bands aus den Siebzigern gemeinsam eine Downloadplattform bauen ließe - wär das dann Krautsourcing?

Neues Medienkultur-Magazin: mediatropes

Ein neues peer-reviewed Journal wird in den nächsten Tage online gehen ist seit gestern online. Die erste Ausgabe von MediaTropes beschäftigt sich mit McLuhans berühmten Dictum vom Medium, das die Botschaft (oder doch Massage) sei. Die Texte muss ich mir erst in Ruhe zu Gemüte führen, das gesamte Setup des Journals finde ich allerdings bereits jetzt hochgradig erfreulich: die HerausgeberInnen setzen auf Creative Commons und nehmen den Topos des freien Wissens offensichtlich ernst

We will be launching in mid-March 2008 with our first issue, "Marshall McLuhan's 'Medium is the Message': Information Literacy in a Multimedia Age." Please sign up as a reader (at the right) and you will be notified as soon as we are online. Thank you!

Sehr sympathisch: die Publikation steht unter einer Creative Commons Lizenz, sämtliche AutorInnen werden gebeten (aber nicht gezwungen), dieser Nutzungsvereinbarung zuzustimmen:

As a complete work, MediaTropes is licensed under a Creative Commons by-nc-nd Attribution-NonCommercial-NoDerivativeWorks. When an author submits a work for publication, s/he is asked to agree to licensing that work under a similar license, that grants any user the non-exclusive right to download, print, copy, archive, distribute for non-commercial purposes only, so long as appropriate attribution is given to the author of the work. For more information, please read the details of the Creative Commons by-nc-nd license. While agreement to a Creative Commons (or similar) license is not mandatory for a work to be accepted, it is strongly encouraged by the editorial board.

Die im wissenschaftlichen Curriculum dringende Notwendigkeit zur Publikationstätigkeit hat zu einem eng verzahnten System von akademischen Verlagen geführt, dabei bietet das Netz fantastische Möglichkeiten für extrem kostensparende öffentliche Publikation und Archivierung: ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren sehr viele peer-reviewed Journals dem Beispiel von MediaTropes folgen werden und bin ausgesprochen gespannt auf die Beiträge der ersten Ausgabe.

Als technologische Basis kommt übrigens Open Journal Systems 2.1.1.0 zum Einsatz, das einen sehr detaillierte Ausgestaltung des peer-review Workflows ermöglicht. Registrieren kann man sich übrigens als Leser, Autor und/oder potentieller Peer-Reviewer.

WordPress Plugin: Textbausteine definieren mit Shortcut Macros

Ein altes Indianersprichwort lautet: je mehr repetitive und/oder unnötige Tätigkeit ein WordPress-Plugin dem Blogger abnimmt, desto höher seine Nützlichkeit. Demnach gebührt Shortcut Macros die Höchstwertung, denn das Plugin erlaubt die Definition beliebig vieler Shortcuts, die im Editor durch bestimmte Text/Code-Bausteine ersetzt werden.

Alex King hat eine ganze Latte an so praktischen Erweiterungen geschrieben, dass man im Nachhinein durchaus geneigt ist, das Wort "unverzichtbar" in den Mund zu nehmen. Shortcut Macros empfiehlt sich, wenn man beispielsweise bei manchen Texte bzw. Fotos immer wieder Copyrighthinweise hat bzw. für jede Art von wiederholendem Textbaustein.

Nach Upload und Aktivierung des Plugins findet man im Menü "Einstellungen" fortan den Punkt "Macros". Selbige beginnen immer mit einem doppelten Doppelkreuz, also "##" - dieses Zeichen dürfte normalerweise so gut wie gar nie in freier Wildbahn vorkommen, damit sind irrtümliche Ersetzungen weitgehend ausgeschlossen. Die angelegten Textbausteine können alle Zeichen bzw. Formatierungen enthalten, die in WordPress-Beiträgen erlaubt sind. Pro Zeile gibt man eine "Variable" sowie den Text, durch den sie fortan ersetzt werden soll, an. Trägt man nun im Editor die vorher definierte ##variable ein, so ersetzt das Script sie beim Abspeichern durch den zugehörigen Textbaustein - simpel und effizient.

Die jeweiligen Shortcuts werden in den Beitragstexten sofort beim Speichern bzw. beim Publishen ersetzt - man spart sich also schlichtweg eine Menge Tipparbeit, denn die Einsatzgebiete sind vielfältig: von immer gleich bleibenden Gewinnspiel-Teilnahmebedingungen bis hin zu ab und verwendeten Style-Angaben bietet sich der Einsatz bei allen wiederkehrenden Textteilen an, die im Beitrag selbst und nicht im Template-Code vorkommen.

Wenn wissen nicht belastet…

...dann macht's auch nix. Heute morgen fand ich in meinem Briefkästlein - im richtigen, nicht in der virtuellen Box - den Bezirksnewsfolder der Wirtschaftskammer Wien für die Bezirke 2, 19, 20, 21 und 22. Gleich im Editorial begegnete mir der erste Satz mit Skepsis, ich dagegen empfing ihn mit offenen Armen, denn dort stand und steht: Sehr geehrte Unternehmerin, sehr geehrte Unternehmer, wissen ist Macht.

Ich kannte in diesem Spruch bislang bloß das objektifizierte Wissen, das mit dem großen Weh. Der paradigmatische Switch zur transitiven Variante könnte nun möglicherweise ein Erstarken des foersterianischen Flügel des WKO implizieren: kein wissen ohne Wissenden, sozusagen. Die ontologische Gleichsetzung eines performativen Knowledge-Concepts mit einem monolithischen Block irritiert den Leser und rüttelt ihn wach. Danke dafür!

Neben zahlreichen Kursen zur SEO- und Mobility-Optimierung fand ich das zweite Highlight im Gastkommentar von DDr. Herbert Pribyl. Unter dem Titel Zahlt sich Ethik aus? wird folgendermaßen argumentiert:

Von manchen wird die Meinung vertreten, dass die Rücksichtnahme auf die sozialen Belange von Kunden und Mitarbeitern sowie auf die Umwelt nur zusätzliche Kosten verursache. Verschiedene Untersuchungen haben aber gezeigt, dass sich ethisch richtiges Handeln auch rechnen kann.

Thank God! Ich hatte schon befürchtet, dass ich zur Einnahmenmaximierung datenschmutz auf unethisch-unrichtiges Handeln umstellen müsse...

Interview mit einem Wikipedianer

wikipediaIn Österreich sind sie noch etwas dünn gesät, die fleißigen Redakteure und Redaktricen des Wikipedia-Projekts. Umso mehr hab ich mich gefreut, am vergangenen Barcamp in Klagenfurt einen heimischen Editor kennen zu lernen: Christoph Breitler studiert Mikrobiologie und arbeitet nicht nur inhaltlich an der deutschsprachigen Wikipedia mit, sondern erst ist auch organisatorisch an der Entstehung eines österreichischen Wikimedia-Vereins beteiligt.

Während Apologeten des offenen Wissens mit offenem Mund über diesen rasend schnell gewachsenen Informationsmoloch staunen, fragen sich viele Gelegenheitsnutzer, ob man den zusammengetragenen Infos überhaupt trauen kann - schließlich dürfen ja Hinz und Kunz mitschreiben. Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist: Lexikonredaktionen sind auch nicht unfehlbar, viele Augen sehen mehr als wenige und ganz generell ist die Wikimedia-Foundation die adäquate Reaktion auf die Tatsache, dass das Wissen der Menschheit anno 2k8 in kein 20bändiges Lexikon mehr reinpasst. Et voila, hier aus erster Hand: Infos über die Wikipedia von einem, der's wissen muss!

datenschmutz: Seit wann kennst du die Wikipedia?

Christoph: Also bekannt ist mir die Wikipedia selbst seit 2001. In dem Jahr bin ich zuerst auf die deutsche Version gestoßen. Ich selbst hatte mich aber schon viel früher auch bei der Nupedia angemeldet, dem Vorläuferprojekt, aus dem die Wikipedia selbst entstanden ist. Als aktiver Autor bin ich seit 2004 tätig.

?: Wie genau sehen deine Tätigkeiten im Team aus? Wofür bist du zuständig und wie viel Zeit investierst du pro Tag bzw. Woche?

!: Meine grundsätzliche Tätigkeit sehe ich eigentlich im Schreiben von Artikeln, so bin ich ja auch zur Wikipedia gekommen: ich wollte in den Bereichen, wo ich etwas beitragen kann, "Lücken" füllen. Mittlerweile bin ich in die Planung eines Österreichischen Wikipedia Vereins (Wikimedia Österreich) analog zum Deutschen Verein (Wikimedia Deutschland) involviert. Als Pressekontakt versuche ich die Funktionsweisen und Abläufe der Wikipedia nach außen zu kommunizieren. Prinzipiell geht darum, die Einstiegshürden zu überwinden, damit eine Person, die etwas beitragen kann und möchte auch "gehört" wird bzw. innerhalb der Wikipedia mitschreiben kann.

?: Wie bist zu zur Mitarbeit gekommen?

!: Angefangen habe ich mit dem Schreiben von Artikeln zum Thema Biologie. Als Mikrobiologie Student lag mir das Thema in diesem Fall nah. Die Arbeit auf der Meta-Ebene kam erst danach. Da ich wohl einer der wenigen Österreicher war, die aktiv an der Wikipedia mitgearbeitet haben zu dieser Zeit bin ich eher zufällig dazu gekommen.

?: Wie funktioniert die Abstimmung des Teams untereinander und wie werden Meinungsverschiedenheiten geklärt?

!: Es gibt eine Reihe von Kommunikationskanälen, die genutzt werden, natürlich die Wikipedia selbst, dann andere Wikis bis hin zu Mailinglisten und IRC. Wobei die meisten dieser Kanäle offen zugänglich sind, daher kann jeder mitdiskutieren - und man kann nachvollziehen, was dort diskutiert wird. Ich denke, diese Transparenz trägt viel zum Erfolg von Wikipedia bei. Natürlich gibt es in diesem Prozess auch Meinungsverschiedenheiten und es entstehen Probleme. Es gibt meiner Meinung nach zwei wichtige Eckpfeiler, die das Projekt voran bringen: Wikipedia versucht eine Enzyklopädie zu erstellen (das wichtigste ist die Artikelarbeit) und niemand wird zur Mitarbeit gezwungen. (alles ist freiwillig und soll nicht in Frust enden.)

?: Was ist deine persönliche Motivation für die unbezahlte Mitarbeit? Würdest du sagen, dass du von der Mitarbeit profitiert hast? (wirtschaftlich, ideell...)

!: Meine Motivation ziehe ich aus der Tatsache, etwas beitragen zu können. Solange mir die Mitarbeit Spaß macht, bin ich auch motiviert dazu. Andere arbeiten ehrenamtlich bei Organisationen im Sozial- oder Bildungsbereich. Man profitiert nicht direkt davon. Man macht Erfahrungen, knüpft Kontakte, man arbeitet sich in Themengebiete ein, das sind die Werte, die man aus der Wikipedia Arbeit schöpfen kann.

?: Wie sieht die Wikipedia-Szene in Österreich generell aus?

!: Mittlerweile gibt es relativ viele Mitschreiber in Österreich, die Wikipedia ist inzwischen hierzulande sehr bekannt. Allerdings wird das Projekt leider noch zu oft als "deutsch" wahrgenommen und nicht als "deutschsprachig", das schreckt wohl viele von der Mitarbeit ab. Das wiederum schlägt sich in den Artikeln nieder, man findet häufig wenig Österreich bezogene Information.

?: Kennst du Beispiele für gezielte Manipulationsversuche? (z.B. im Wahlkampf oder ähnliches)

!: In Österreich scheint das nicht gezielt zu passieren, bzw. nicht vehement. Das NPOV-Prinzip (Neutraler Standpunkt in allen Artikeln) und die Offenheit (man kann jederzeit sehen, wer welche Informationen im Artikel ediert hat), verhindern solche Veränderungen.
Viel häufiger ist ungezieltes Einbringen von offensichtlicher sinnlos oder Falschinformation.
Die Wikipedia kann nur durch das Prinzip der Offenheit funktionieren, eine Anfälligkeit wird es dadurch immer geben. Es wäre wichtig, ein Verständnis dafür in die Öffentlichkeit zu tragen. Obwohl Artikel von jedem verändert werden können, muss nicht zwangsläufig Missbrauch passieren. Wenige würden mit einer Schaufel "bewaffnet" Spielplätze oder öffentliche Parks umgraben, aber viele scheinen Wikipedia Artikel ähnlich sinnlos zu "verändern".

?: Viele Mitglieder beklagen die langsame Weiterentwicklung und vermissen Features wie stabile Artikelversionen. Im c't Interview hat die Vorsitzende der wikimedia-Foundation angekündigt, weitere Programmierer einstellen zu wollen. Wie siehst du die organisatorische und technologische Zukunft des Projekts?

!: Das Hauptproblem ist wohl die zielgerichtete Weiterentwicklung des Projektes. Die Wikimedia Foundation ist als Non Profit Organisation auf Spenden angewiesen, dieses Geld muss zunächst die Betriebskosten decken. Erst wenn dieser Grundstock abgedeckt ist, kann Kapital in zusätzliche Features investiert werden, daher muss es in dieser Hinsicht immer Kompromisse geben.

Die stabilen Versionen bringen auch große Veränderungen im Projekt mit sich, daher ist die endgültige Einführung nicht alleine von Programmierarbeit abhängig. Mittelfristig gesehen sind sicher die endgültige Implementation der stabilen Versionen sowie die Einführung von Semantic-Mediawiki als Ziele zu sehen.

?: Welche Features vermisst du bzw. welche Weiterentwicklungen wünscht du dir persönlich?

!: Die Wikipedia hat sich sehr gut entwickelt, die deutschsprachige Version hat fast 712.000 Artikel, aber nur ein Bruchteil dieser Informationen ist auch untereinander verknüpft. Es wäre schön, Informationen auch mehrdimensional abzufragen: "Welche Pflanzen erreichen eine Maximalhöhe von 2,5m?" Oder "Welche Personen, die zur Wahl des Bundespräsidenten aufgestellt wurden, lebten wann und wie lange in Wien/Salzburg/Graz?"

Blogvorstellung: Photomatt

Niemand geringerer als Mr. Mullenweg betreibt Photo Matt, das Weblog mit der leicht zu merkenden Domain ma.tt. Der Erfinder und Chefentwickler von WordPress schreibt in seinen persönlichen Rantings und Ravings keineswegs nur über sein Publishing System - allein schon wegen der vielen großartigen Linktipps lohnt sich regelmäßiges Reinschauen unbedingt..

photomattMatts eigener Blogging-Stil pendelt zwischen ausführlicheren Analysen und kurz angerissenen Linktipps. Natürlich geht's vorwiegend um Webthemen, allerdings kann Matt meiner Meinung nach genauso gut schreiben wie coden - köstlich etwa seine Beschwerden über Dreamweaver CS3, denen sich jeder, der schon mal das "Vergnügen" mit diesem instabilen Moloch hatte, wohl nur teilen kann. (Außerdem fand ich's witzig, dass Matt auch zum Club der Homesite'ler gehört; ich benutz diesen Editor, mit dem Pete und ich seinerzeit bei der APA HTML gelernt haben, fallweise immer noch.)

Neben der Weiterentwicklung von WordPress jettet der Autor in seiner Funktion als Web 2.0 Evangelist ständig von Konferenz zu Konferenz - und weiß daher auch immer wieder top-aktuelle Infos aus erster Hand zu berichten. Hohen Nerdfaktor weist übrigens auch der Footer-Text auf:

This page took 0.105 seconds of computer labor to produce. No computers were harmed in the making of this page. Some browsers whose name starts with Netscape may be though. Proudly powered by WordPress. Also powered by ramen noodles, XFN, Ping-O-Matic, gallery, and love.

Tja, man möchte meinen, wenn irgendjemand Ahnung vom Bloggen hat, dann wohl der WordPress Erfinder: und genauso isses - definitiv ein Tipp für den RSS-Reader!

PS: warum die Seite (noch?) keinen Pagerank hat, weiß allerdings nur der sprichwörtliche Geier, könnte man meinen - dabei ist des Rätsels Lösung recht einfach: sechs Jahre lang bloggte Matt unter der Domain photomatt.net (siehe Archives, entdeckte aber vor einigen Monaten die .tt-TLD (Tobago/Trinidad) und zog daraufhin um.


Wer mit seinem/ihrem Blog in meiner donnerstäglichen Serie vorgestellt werden möchte, tue dies einfach via Kommentar kund - dauert zwar ein bisschen, weil die Warteliste mittlerweile schon recht lang ist, trotzdem freu ich mich immer über interessante Tipps.

Web 2.0 Editing: Synthasite verlässt Beta-Stadium

SynthasiteDie Zeiten, als wir unsere Webseiten mit Offline-Editoren gebaut haben, sind dank Web 2.0 endgültig vorbei. Pete und ich bevorzugten seinerzeit in den frühen Neunzigern Allaire's Homesite - ich hab mir jedenfalls meine Vorliebe für code-orientiertes Editing bewahrt. Synthasite allerdings soll zukünftig den Blick unter die Haube ersparen.

Meine WordPress-Templates bearbeite ich direkt über's FTP-Programm oder mit Ultraedit - Code don't lie. Aber wenn man sich mal ein Weilchen durch Synthasite geklickt hat, dann könnte man sich mit grafischem Publishing direkt anfreunden, denn so Ruck-Zuck ging das Zimmern neuer Webssites noch nie. Nach der Registrierung kann man sofort mit einem neuen Seitenprojekt loslegen. Maximale Einfachheit und größtmögliche Flexibilität sind auch im 3. Jahrtausend weiterhin Antagonisten, aber der Template-basierte Seitenaufbau und das schnelle Hinzufügen von Menu-Items erfordern so gut wie keine Einarbeitungszeit, und genau darin liegt die Stärke des Service: nach wenigen Minuten stehen Struktur und Inhalte im Netz.

Synthasite bietet Webmastern dabei die Möglichkeit, die eigenen Kreationen gratis zu hosten, erreichbar ist die Page in diesem Fall über eine frei zu vergebene Subdomain nach dem Muster name.synthasite.com. Wer über eigene Hostingmöglichkeiten verfügt, kann das fertige Elaborat auch herunterladen, um es anschließend via ftp zum eigenen Server zu transferieren. Die Kombination von Web-Editing und Gratishosting macht jedenfalls Sinn - die eigentliche Stärke liegt aber im komfortablen, Drag-and-Drop basierten Editing, das die Verbindung von Text, Bild und Bewegtbild inklusive der Einbindung externer Services zum Kinderspiel macht. Die Auswahl an Templates soll in den nächsten Wochen noch stark anwachsen, bereits in der Alpha-Phase testeten 10.000 interessierte Web-Editoren die Zukunft des webbasierten HTML-Editing... und die überzeugt für Quick-and-Semidirty Sites selbst Code-Freaks wie micht. Mehr Details zur heute gelaunchten Beta gibt's am Synthasite Blog.

Vom langsamen Dahinsiechen des Open Directory

Schon lange vor Web 2.0 machten sich einige Pioniere Gedanken über die Eindämmung der Spamflut in Linkkatalogen - und entwickelten das Open Directory Project. Menschliche Editoren, organisiert nach einer strengen Hierarchie, sollten im Gegensatz zu automatisierten Eintragssystem für gleichbleibend hohe Qualität der Einträge sorgen. [erschienen auf oe1.orf.at]

Viele Protokolle und Services entstanden in der Experimentalzeit der ersten Arpa-Netze in den 60er und 70er Jahren unter völlig anderen Voraussetzungen: das E-Mail Protokoll etwa sieht keinerlei Zertifizierung vor, denn wie hätten seine Erfindern - im wesentlichen Wissenschaftler, die neue Papers schnell und einfach austauschten - auch ahnen sollen, dass 30 Jahre später geplagte Internet-Nutzer von Spam-Attacken überrannt werden sollten?

Ein ähnliches Schicksal ereilte Mitte der neunziger Jahre jene zahlreichen Link-Kataloge, in den Webmaster ihre eigenen Seiten eintragen konnten. Steigende Verbreitung und zunehmende wirtschaftliche Bedeutung des Internet machten diese Kataloge rasch zum Ziel von Spammern, worunter die Qualität der Einträge litt - bis hin zur totalen Nutzlosigkeit. In dieser Situation sollte das Open Directory als „trusted authority" in die Bresche springen. Das selbstverwaltete System erreichte in den folgenden Jahren ständig steigende Bedeutung, nicht zuletzt deshalb, weil die großen Suchmaschinen, allen voran Google, für die Relevanz-Bewertung von Webseiten einer Aufnahme ins Open Directory hohe Bedeutung beimaßen. Der DMOZ-Katalog unterteilt alle Eintragungen nach einem hierarchischen Kategoriensystem, verschiedene Sprachversionen verhindern ein babylonisches Beschreibungsgewirr. Qualität und Quantität der einzelnen Kategorien, die jeweils von mindestens einem oder mehreren Editoren betreut werden, unterscheiden sich allerdings gravierend.

Ursprünglich ging die Seite im Jahr 1998 unter dem Namen "Gnuhoo" online, hieß zwischendurch mal „Newhoo" und wurde nach wenigen Monaten von Netscape aufgekauft und in "Open Directory Project" umbenannt. AOL schluckte bald darauf Netscape samt dem Verzeichnis und fusionierte mit Time Warner. Der derzeitige Name des Projekts leitet sich von der ursprünlichen ULR directory.mozilla.org, oder eben kurz DMOZ, ab. Man halte sich vor Augen, dass das Projekt lange existierte, bevor irgend jemand das Wort "Web 2.0" in den Mund nahm: dass viele User weniger Irrtümer produzieren als einzelne Editoren wurde mittlerweile zum grundlegenden Paradigma jeder Social Bookmarking Seite und jedes kollektiven News-Service. Die Weiterentwicklung des Web, das beliebte Wikipedia-Projekt und zahlreiche neue Plattformen haben das Open Directory, das irgendwo am Weg in DMOZ umbenannt wurde, also eigentlich überflüssig gemacht - bliebe da nicht der Faktor "Suchmaschinenoptimierung", der einen Eintrag nach wie vor attraktiv macht. Außerdem importieren Yahoo und Google für ihre eigenen Directories regelmäßig den Gesamtbestand des DMOZ.

Optisch und benutzungstechnisch besitzt das DMOZ mittlerweile geradezu historische Qualitäten: an Design und Usability wurde seit Jahren konsequent nichts verändert, das Inventar an Seiten wächst dagegen beständig. Um die eigene Seite listen zu lassen, muss ein entsprechender Antrag ausgefüllt werden. Sobald ein Editor die Seite geprüft und für geeignet befunden hat, wird diese freigeschalten - das dauert allerdings in dokumentierten Einzelfällen bis zu zwei Jahre, in denen zwar umfassend manche Freischaltungen diskutiert wird, diese aus angeblichen "Zeitgründen" aber nicht erfolgen: ungewohnte Zeitintervalle für ein Medium, das Echtzeit auf seine Fahnen geschrieben hat. Und besonders skurril im Hinblick auf die Tatsache, dass die Projektgründung auch als Reaktion auf die Langsamkeit der damals bereits bestehenden redaktionell betreuten Linkkataloge erfolgte.

Seit ein übler Servercrash Ende 2006 das DMOZ für einige Monate quasi lahmlegte, werden Spekulationen um die Zukunft des Projekts nicht leiser, zumal vor wenigen Wochen eine Befragung unter allen Editoren durchgeführt wurde, wie man zu einer kommerziellen Verwertung der Linkeinträge stehe. Editor wird man, indem man sich für die Betreuung einer bestimmten Kategorie bewirbt - die Kriterien für eine solche Bewerbung sind freilich, gelinde gesagt, schwammig formuliert und unterliegen wie so viele Faktoren dem Gutdünken einer relativ kleinen Gruppe, deren Entscheidungen in der Vergangenheit häufig ins Kreuzfeuer der Kritik gerieten: von "geschmierten" und bezahlten Einträgen ist da immer wieder die Rede, der bekannte amerikanische Blogger Jeremy Shoemaker behauptete letztens sogar, von einem Editor mit potentieller Entfernung seiner Seite erpresst worden sei, konnte jedoch keine stichhaltigen Beweise dafür vorlegen.

Während alle Web 2.0 Services versuchen, sich offen und transparent zu präsentieren und die User zu involvieren, gelten beim DMOZ scheinbar gegenteilige Gesetze: zwar seien die langem Eintragungswartezeiten auf zu wenig Editoren zurückzuführen, so die Projektleiter. Andererseits machte man sich nie die „Mühe", aktiv Projektmitarbeiter zu aquirieren, und mittlerweile hat das DMOZ seinen Zenit wohl endgültig überschritten. Die Seite mag weiterhin werbefrei bleiben, aber wenn nicht demnächst jemand dem Design ein ordentliches Update verpasst, dann ist der Zug zur Aufbau einer funktionierenden Community abgefahren und das ehemalige Open Directory wird weiterhin solange in Richtung SEO-Tool absacken, bis es irgendwann in der totalen Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Leicht ließe man sich zu dem Glauben verleiten, das Internet sei ein zu junges Medium, um den alten Topos von wegen "früher war alles besser" zu bemühen. Doch im Fall des DMOZ/Ex-Open Directory Project kann man mit Fug und Recht behaupten: das ambitionierten Linkverzeichnis ist einfach nicht mehr das, was es nie war. Es sieht immer mehr so aus, als hätte eines der einst hoffnungsvollsten Crowd-Sourcing Projekte des Internet sein Windows of Opportunity "rechtzeitig" verpasst, um den Beweis zu liefern, dass hierarchische Strukturen dem Social Net mittelfristig unterlegen sind.

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