Der Trend zur Veröffentlichung des Blogeinkommens zieht weite Kreise - vor dem Geist der Zeit kann ich mich nicht verschließen und werde die Frage, wieviel Gewinn ich mit datenschmutz.net mache, in diesem Posting beantworten. Aber keine Angst, Zahlen sind nicht vorgesehen, und die Antwort ist ziemlich simpel. Mein finanzieller Gewinn durch datenschmutz beträgt, gemittelt über die letzten 12 Monate, genau Null. Nada. Nix. Wie kommt das? Nun, als Gewinn bezeichnet der Betriebswirtschaftler jenen Anteil des Geldes, der am Jahres- oder Monatsende nach Abzug aller Kosten und Steuern im Säckel des Unternehmers verbleibt. Und da ich konsequent jeden Dollar und Euro, den ich mit Werbung und Co. verdiene, sofort wiederum selbst in Werbung investierte, bleibt auch kein Gewinn übrig.
datenschmutz ist für mich aus diesem Grund ein Steuer-Nullposten: waren es am Anfang nur die Hostingkosten, so sind mittlerweile eine Menge zusätzlicher Ausgaben hinzu gekommen: Ich hab insgesamt eine Menge Geld für Softwarelizenzen ausgegeben (ja, ich teste ziemlich jede neue SEO-Software, manchmal stößt man auch bei den spammigsten Produkten auf *äußerst* interessante Funktionen - und wozu gibt's schließlich Sandboxes?), ich bezahle laufende Werbeausgaben (z.B. Facebook), ich mache mittlerweile Sponsorings von eigenen Blogs und platziere dort meine Banner (funktioniert in den USA allerdings weit besser als hier), ich schalte in vergleichsweise bescheidenem Ausmaß Werbung, ich lasse Gadgets produzieren (die datenschmutz Kugelschreiber und Post-Its sind ziemlich okay geworden), ich zahle Abo-Gebühren bei einer ganzen Latte von Online-Services, ich werde in absehbarer Zeit einen "Praktikanten" finanzieren und so weiter... da gibt's eine schlaue Tabelle und ein PayPal-Konto, und je mehr ich mit datenschmutz verdiene, desto mehr freue ich mich darauf, im folgenden Monat mehr ausgeben zu können. Und diese Vorgehensweise würde ich dringend jedem ambitionierten Webmaster empfehlen!
Die Summe spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Klar hat man mit einigen hundert oder tausend Euros im Monat mehr Spielraum als mit einem Fünfziger - aber irgendwo muss man schließlich anfangen. Für das aktuelle ESET Smart Security Gewinnspiel hab ich beispielsweise auf die Schnelle diesen Banner gebastelt und schalte ihn für einige Tage auf Heisetreff.de - dort kosten mich über Adshopping 50k Pageviews grade mal EUR 30,-.
Und alle, die sich mit SEO, Geld verdienen im Netz und Online-Marketing beschäftigen, werden ja wohl hoffentlich wissen, wie man im Netz nachhaltig Werbung betreibt und welche Ausgaben sich x-fach rentieren. datenschmutz erreicht nach zwei Jahren langsam Dimensionen, die es mir in nicht allzu ferner Zukunft erlauben würden, von meinem Blog-Job zu leben, aber das ist nicht mein primärer Plan: Consulting macht mir großen Spaß, in den letzten zwei Jahren hab ich unglaublich viele hochinteressante Personen kennen gelernt und ich befinde mich in der für jeden Einzelunternehmer luxuriösen Situation, mehr Aufträge angeboten zu bekommen, als ich übernehmen kann, ich bin aufs "Blogmoney" also nicht angewiesen und habe es von Beginn an als "Spielgeld" betrachtet. Schließlich muss ich ohnehin jede Form der Online-Werbung aus erster Hand testen, bevor ich sie einem meiner Kunden guten Gewissens empfehlen kann...
Mit anderen Worten: liebe SEO-Blogger, investiert eure Energie nicht in Schwanzlängenvergleichs-Einnahmen-Postings, sondern überlegt euch, wie ihr das Geld, das ihr verdient, re-investieren könnt, sodass sich der ganze Aufwand auf längere Sicht auch wirklich auszahlt! Aktien sind ja bekanntlich nicht mehr so der Bringer...
Und um nun nochmal auf die Eingangsfrage zurück zu kommen: Ich mache keinen Gewinn, aber natürlich habe ich Einnahmen. Die bewegen sich stetig und konstant nach oben, was mich sehr freut. Aber ich werde hier ganz gewiss keinen monatlichen Bericht veröffentlichen
Blogistan ist groß und doch ein Dorf. Gabaretha, die Autorin von Mach das Beste aus deinem Leben! habe ich über die BC-Gruppen Weblogs in German language kennen gelernt (neue Mitglieder immer willkommen!) und im dortigen Diskussionsforum auch von ihrer aktuellen Blogparade erfahren. Was würdest Du in Deinem Leben verändern oder verbessern, wenn Du jetzt (sofort) über eine Million (1.000.000) EURO frei verfügen und entscheiden könntest? lautet die geradezu klassische Frage. Und unter den bisherigen Teilnehmern bin ich dann auf Meister Yoda gestoßen, der eine sehr altruistische Antwort gibt:
Das Nächstliegende wäre nun, die fiktive Million Euro zu nehmen und sehen, was ich damit alles anstellen könnte. Stattdessen würde ich wohl das Geld verschenken, um so zu bleiben, wie ich bin: einfach gestrickt und meist freigiebig und mehr oder weniger wohlgesinnt. Ich müsste aber darauf achten, dass ich das Geld sofort verschenke, bevor mein Ego überhaupt bemerkt, was da abgeht. Ansonsten würde ich es nicht mehr hergeben, wegen der Gier.
Gaba stellt in ihrem ursprünglichen Beitrag einige weitere Fragen rund ums Thema Geld, etwa ob es glücklich mache. Ich denke, man muss dieses Thema eher von der umgekehrten Seite her betrachten: zu wenig Geld zu haben, macht unglücklich. Was dieses "Zuwenig" sein mag, liegt nur bis zu einem gewissen Grad im Auge des Betrachters: Grundbedürfnisse, soziale (medizinische) Versorgung, Wohnung und dergleichen sind ein Luxus, der nach wie vor nur einem vergleichsweise geringen Teil der Weltbevölkerung in vollem Ausmaß zugute kommt. Ich selbst bin in der glücklichen Situation, genug Geld zu verdienen, um mir alles leisten zu können, was ich haben möchte. Außerdem bin ich mit meinem Consulting/Blogging-Business in der ausgesprochen glücklichen Situation, dass ich zwar viel arbeite, aber genau das tue, was mir Spaß macht: Glauben Sie mir, so macht sich niemals abendliche Erschöpfung breit
Die Frage an sich mag für mich ein wenig fiktiver sein als für manche andere, immerhin bin ich ja schon mal unerwartet zu einer größeren Geldmenge gekommen. Mit den 75k Euro, die ich vor einigen Jahren bei der österreichischen Ausgabe der Millionenshow gewann, hab ich unter anderem eine Menge Bücher und mein Motorrad gekauft, außerdem gab das Geld speziell in den ersten Jahren der Selbständigkeit eine gewisse Sicherheit, die manche Entscheidung erleichterte: auch wenn es de facto niemals nötig war, um mich "über Wasser zu halten". Aber nun zurück zur Hauptfrage:
Meine Freundin bekäme einen fabriksneuen Alfa mit zu vielen PS, für mich gäb's wohl eine VMAX 2009 und für uns beide ein Häuschen in der Nähe von Pula. Natürlich müsste eine phatte Party veranstaltet werden und ich würd ausgiebig Geschenke für meine Freunde shoppen. Einen Teil des Geldes ginge an nationale und internationale Hilfsorganisationen, und den Rest sollte ich möglicherweise bei der derzeitigen lieber in Aktien von mit gesunkenen Produktionsbetrieben investieren, anstatt eine Latte von staatlich gedeckten Sparkonten zu eröffnen, aber das müsste ich mir noch genauer überlegen.
Neue PC-Hardware steht nicht auf der Liste, immerhin hab ich mir grad eine Luxus-Workstation zugelegt. Einer gravierenden Aufrüstung unterzogen würde dagegen meine digitales Foto- (Leica!) und Videoequipment. Es dürfen aber keine zu großen Geräte sein, denn die komplette Ausrüstung muss inklusive Laptop in einen gepolsterten Rucksack passen. Mit dem und einem Trolley würde ich mich dann nämlich ein Jahr lang auf die Reise rund um die Welt machen, mir alle möglichen Konferenzen, Barcamps und New Media Venues anschauen, filmen und auf datenschmutz bzw. datadirt drüber berichten. Tja... und nach dem einen Jahr würd ich dann wieder genau dort weitermachen, wo ich dank der Million und der Weltreise aufgehört hätte, um einen ganzen Schatz an finanziell nicht auf zu wägenden Erfahrungen reicher.
Neun Blogger haben bislang insgesamt mit geträumt, auf weitere Beiträge (vor allem von den SEO-Bloggern, die sich über ein zweistelliges "Blogeinkommen" einen Hax'n ausfreuen) wär ich neugierig. Die bisherigen Paradenteilnehmer: Feel better Blog, Bluetime, Pontifex Maximus, Der Kolumnenknaller, Chakra Balance Blog, Kopfchaos, Yoda's Blog, Zentao und jréne.
Barcamp-bedingt fällt der Wochenrückblick diesmal etwas kürzer aus - denn die letzten zwei Stunden war ich mit dem Bearbeiten und Sortieren meiner Fotos beschäftigt, siehe das vorige Posting. Wie gewohnt war's ein spannendes und intensives Wochenende. Wichtigste Erkenntnis: ich muss demnächst mal unbedingt einen näheren Blick auf das Semanta WordPress Plugin werfen. Denn das semantische Web ist nicht nur Liebkind der Forschung, sondern das mächtigste SEO-Tool aller Zeiten... warum? Das erklär ich ein andermal
Einen guten Kurzeinstieg ins Thema mit weiterführenden Links bietet dieser Artikel. [via Jana].
Mr. Fancypants beleuchtet eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts zum heiklen Thema Soziale Netzwerke, bei der Facebook in punkto Privacy am vergleichsweise besten abschneidet - nicht, dass mich das überraschen würde.
Der Seoptiker hat ein Interview mit einem polnischen Search Quality Manager von Google geführt (Nein, an dieser Stelle folgt kein nationalistischer Witz. Auch wenn sich's extrem anbieten würde und ich die Zähne zusammenbeißen muss.) Die Tätigkeit klingt jedenfalls nicht nach meinen Traumjob:
Ich arbeite im Search Quality Team. In erster Linie schaue ich nach Spam in den SERP’s, damit die User sich nicht über die Ergebnisse ärgern. Das ist meine Hauptaufgabe. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Kommunikation mit den europäischen Webmastern.
Yigg setzt weiter auf den unterschätzten Wirtschaftsfaktor negatives Wachstum und Google zelebriert mit einem Uralt-Index a.d. 2001 seine glorreiche Vergangenheit: man könnte also durchaus von einer retro-aktiven SEO-Woche sprechen. Sumphil hat übrigens eine sehr interessante Überlegung zum Thema Index-Snapshots und Datenschutz angestellt:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine solch pauschale Archivierung dieser enormen Datenmengen in Europa auch nur annähernd an die Grenze des Erlaubten stoßen würde, geschweige denn die öffentliche Zugänglichkeit. Immerhin gab es auch schon damals Websites mit personenbezogenen Daten, und die vermeintliche "Jugendsünde" ist plötzlich nicht mehr nur ein peinlicher Moment, sondern oft auch anderer, z. B. mit juristisch relevanter Natur. Und seien es nur die heute peinlichen öffentlichen Liebesschwüre an die Ex-Ex-Ex-Ex-Ex-Verflossene...
Total Disclosure: Baynado hat seine Septemberzahlen veröffentlicht - das erinnert mich unangenehm ans dunkle Zeitalter, als ich noch Analytics verwendet hab
Google auf alt getrimmt: 2001 reicht nicht? Mit Goog'old können SERP-Historiker Indexvergleiche vornehmen, und zwar dank Searchlab. SEOs bevorzugen in der Regel hat bekanntlich aktuelle Infos...
Ich bin der Memetracker: Ein Trendtool mehr macht noch keine Sommer, schadet aber auch nicht, speziell wenn's von kompetenter Stelle kommt:
Die Google Blogsuche wurde um einen Memetracker erweitert. Welche Themen in der Blogosphäre aktuell am stärksten diskutiert werden wird jetzt angezeigt.
Pfennigfuchserei auf bloggisch: Eine ganze Latte deutscher Blogger veröffentlichen ihre monatlichen Einkommen. Und die Freude über das Kleinvieh, das ordentlich Mist macht, ist ausgesprochen groß.
Auf Kwerfeldein gibt's ein nettes Feature über die Froschperspektive, selbstverständliche meine bevorzugte Kameraposition. Macht aber nur mit einer SLR so richtig Sinn...
So ein rückwärts abgespieltes Feuerwerk besitzt durchwegs hypnotische Qualitäten - eine sehr gelungene Compositing-Arbeit von Michael Brodner: sowas funktioniert als Online Video eben nur in HD:
Und das war's auch schon wieder mit dieser Woche. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und wünsche eine angenehme Sonntag-Nacht; wir lesen uns am Montag.
Ja ich weiß, es war 'ne geile Zeit, doch es tut mir leid - es ist vorbei. Die letzten drei Jahre waren spannend, voller Höhen und Tiefen: klar hat es seine Vorteile, für den Marktführer zu arbeiten; man wünscht sich vielleicht ab und an mal, was Neues auszuprobieren, aber die Konkurrenzklauseln sind da recht streng. Und natürlich hat Big G einen ausgezeichneten Ruf als Arbeitgeber, keine Frage. Jeder, dem ich von meiner bevorstehenden Kündigung erzählt hab, meinte, ich soll mir das gut überlegen - denn eigentlich gäbe es gar keine Alternative.
Im Google Headquarter werden den Angestellten die Hemden gewaschen und gebügelt, in der Firmenkantine gibt's keine Fertigfraß und generell sind immer alle sehr fröhlich, gut gelaunt und eine große Familie. Okay, davon hatte ich als Außendienstmitarbeiter relativ wenig: wenn man in Österreich ein kleines Rädchen bei Google ist, dann hat man nix zu melden.
Aber nun ist einfach der Zeitpunkt gekommen, wo ich mir selbst eingestehen muss, dass meine Blogging- und Online-Marketing Aktivitäten sich immer schlechter mit meinem Job bei Google vereinbaren lassen. Dass ich seit Jahren nur Basis eines Tauschhandels, dessen Bedingungen mein Arbeitgeber bestimmt, entlohnt werde, wäre ja noch das kleinere Problem: aber ein beträchtlicher Teil meiner Tätigkeit konfligiert mit meinem Arbeitsvertrag, von Geheimhaltungsvereinbarungen mal ganz zu schweigen.
Im Endeffekt bleiben mir nur zwei Möglichkeiten: entweder ich behalte meinen Job bei Google, gebe aber Big G dafür vollen Zugriff auf mein gesamtes Kundenportfolio, erkläre, wie ich Seiten im Ranking pushe, lege im Detail dar, mit welchen Methoden ich für meine Kunden Leads oder Registrierungen generiere, zeige Google mein Link-Maps, höre auf, mit meinen lukrativsten Affiliate-Partner zusammen zu arbeiten und lasse meine Werbung nur mehr von Google-Adservern ausliefern, ohne selbst irgendeinen Einfluss auf die Schaltpreise zu haben. Kurz: es stünde mir frei, Außendienstmitarbeiter der Abteilung "Datensammlung / Webmaster Research" zu bleiben, und keine Geheimnisse mehr vor meinem Arbeitgeber zu haben. Oder ich kündige bei Google, verzichte auf sämtlichen Komfort und alle Vergünstigungen, die mit meinem Job einher gehen, und konzentriere mich ganz auf meine übrigen Einkommensquellen.
Glauben Sie mir, ich habe lange darüber nachgedacht - und bin zu dem Schluss gekommen, dass unser Vertrag von Anfang für mich nicht besonders günstig war. Also habe ich am Montag endlich getan, was ich schon vor einem Jahr hätte tun sollen und Google Analytics endlich rausgeworfen hier. Kundenseiten, die ich betreue, tracke ich ohnehin seit langem nur mehr Clicky. Aber da gibt's keinerlei Hard Feelings: vermutlich haben wir beide ausreichend voneinander profitiert und es wird höchste Zeit, dass sich unsere Wege endlich trennen: Ciao, Analytics. Beim freiwilligen kollaborativen Forschungsprogramm der Neigungsgruppe Internet aka Google Webmaster Tools werde ich allerdings weiterhin teilnehmen.
Wer mehr zu diesem Thema lesen will, dem empfehle ich diesen brillianten Artikel von John Andrews: jeder SEO sollte diesen Text nicht nur unbedingt bis zum Ende lesen, sondern sich fragen, ob ein weißer Hut vor jeglicher Unbill schützt... [via Andreas Roth]
Frage an Radio Eriwan: Was ist konservativer Feminismus? Antwort: wenn Alt-Bundeskanzler Kohl Alice Schwarzer Rosen schickt. Contradictio in adjecto? Nein, sagen die Herausgeber der "Stichwortgeberinnen": Carmen Wappel, Peter Danich, Dietmar Halper und Christian Sebastian Moser haben 14 Frauen aus Politik und Wirtschaft portraitiert. Das Buch erschien in der edition noir, hat aber trotzdem einen grünen Umschlag - Verwirrung allenthalben, die sich aber schnell klärt, wenn man einen Blick auf die Portraits von Angela Merkel, Maria Schaumayer, Schester Maria Restituta oder Ursula Plassnik wirft: es handelt sich um eine Art ideologischen Leitfaden zur ÖVP-Frauenpolitik. "Alice Schwarzer ist eine konservative Feministin, liberal-konservativer Feminismus steht für gute Manieren und ökonomische Selbstermächtigung" - ich freue mich schon sehr auf Diskussionsbeiträge zu dieser Story! Von Mao habe ich drei Exemplare zum Verlosen bekommen und ich habe mit ihm ein Interview geführt, das genausogut in der Emma erscheinen könnte
Achtung, hochverehrte junge Leserin: falls Sie bislang ziellos durchs Leben irrten, dann dürfen Sie sich dieses Gewinnspiel keineswegs entgehen lassen:
In 14 Portraits werden eroflgreiche Frauen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und den neuen sozailen Bewegungen vorgestellt. Die Stichwortgeberinnen zeigen jungen Frauen positive und visionäre Rollenmodelle. Das Buch will junge Frauen ermutigen, eigenständige Karriern. einzuschlagen - Vorbilder gibt es dank der Stichwortgeberinnen ab jetzt genug. Die Lebensläufe der Stichwortgeberinnen belegen eindrucksvoll, dass konservativer Feminismus mehr als nur ein Schlagwort ist.
Wer gewinnen möchte, teilt dies via Kommentar mit - es gelten dieselben Teilnahmebedingungen wie immer, sprich: wer das Gewinnspiel ankündigt (Blog, soup, Tumblr, Twitter...) und/oder datenschmutz-Fan auf Facebook wird und mich dies im Kommentar wissen lässt, erhält ein Extra-Los, das Gewinnspiel endet am 7. September.
"Ich würde Alice Schwarzer als konservative Feministin bezeichnen", sagt Christian Moser im Interview. Ob die Gründerin der Emma dem wohl zustimmen würde? Mehr knackige Aussagen zum Thema Frauen, Rap und der ganze Rest im folgenden Interview - ohne Maulkorb und dritten Boden: denn in Zeiten wie diesen muss man über jeden Beitrag zur Wahlorientierung froh sein...
ritchie: Dem Projekt, eine konservative Textsammlung feministischer Lebensentwürfe zusammen zu stellen, wohnt eine gewisse Schizophrenie inne - etwa vergleichbar mit einer Onthologie über die Rolle psychoaktive Drogen in völlig abstinenten Religionsgemeinschaften. Und zwar deshalb, weil Feminismus - zumindest im nicht biologischen Sinne - ein ganz klar links-ideologisches Konzept darstellt, was auch der Klappentext fast rechtfertigend gesteht: "Die Lebensläufe der Stichwortgeberinnen belegen eindrucksvoll, dass konservativer Feminismus mehr als nur ein Schlagwort ist." Warum der plötzliche Versuch einer Umdeutung? Die ÖVP steht doch für traditionelle Mann-Frauen-Rollen, die mit dem Konzept des Feminismus völlig unvereinbar sind? Kann man sich denn auf gar keine unverrückbaren Positionen im politischen Spektrum mehr verlassen?
Christian Moser: Also wenn ich mir Bruno Kreiskys Begründung zur Ablehnung von Hertha Firnberg vergegenwärtige, wäre es mir neu, dass Feminismus etwas linkes ist. Machotum und Sexismus sind nicht links oder rechts, sondern Persönlichkeitsdefizite. Wenn Feminismus für Zwangsquoten und von Steuergeldern alimentiertes Moralisieren steht, ist er sicher links. Wenn Feminismus für ökonomische Selbstermächtigung, Höflichkeit und gute Manieren steht, ist er mit Sicherheit bürgerlich liberalkonservativ.
In einer Gesellschaft ohne Traditionen kann konservativer Feminismus nicht mehr heißen, untergegangenen Weltbildern nachzutrauern. Bei einer Frauenerwerbsquote von über 70 Prozent und Scheidungsquoten von mehr als 50 Prozent gibt es keine traditionelles Mann-Frau-Rollenbild mehr, schon seit den Siebziger des letzten Jahrtausends nicht. Im Unterschied zu damals kommen Familien ja auch nicht mehr mit einem Einkommen aus. Der nächste Schritt heißt jetzt, Vater-Sein in der Gesellschaft als sexy und erstrebenswert zu verankern. Brad Pitt hat da einiges an Pionierarbeit geleistet. Frau von der Leyen hat sicher recht: Es ist eine Witz, dass Frauen und Männer sich noch immer für Karriere oder Kinder entscheiden müssen. Kinder und Karriere als natürliche Symbiose und Einheit zu begreifen ist das Kernanliegen eines konservativen Feminismus.
?: "Das Buch will junge Frauen ermutigen, eigenständige Karrieren einzuschlagen - Vorbilder gibt's dank der Stichwortgeberinnen jetzt genug", sagt der Klappentext. War das vorher anders? Oder anders gefragt: was unterscheidet die ÖVP-Vorbildnerinnen von den Heldinnen der Arbeiterklasse?
!: Zur besseren Illustration möchte ich das mit einem Vergleich aus der Rapwelt verdeutlichen: Bürgerliche Frauen argumentieren wie Kit Kat oder Missy Elliot über ökonomische Selbstermächtigung und die Schönheit, eine Frau zu sein, grüne Frauen rappen wie Lady Bitch Ray und Texta ohne Flow und rein akademisch von oben herab und haben keine Ahnung, wie der Alltag der meisten Menschen aussieht und sozialdemokratischer Feminismus klingt wohl am ehesten wie Mieze Medusa : immer leicht neben dem Takt. [AdB - Anmerkung des Bloggers: Ich distanziere mich hiermit deutlich von der Aussage, dass Lady Bitch Ray keinen Flow hat.]
Konservativer Feminismus hat ja auch was mit Style, Ästhetik, Mode, Weiblickeit und ökonomischer Selbstermächtigung zu tun. Es ist seit jeher ein konservatives Anliegen, dass mehr Frauen als selbständige Karrieren machen. Und wenn eine Dame gerne High Heels trägt, ist das nicht sofort eine strukturelle Ausbeutung. Linker Feminismus hat für mich immer was mit Blockwärtermentalität und Sinnesfeindlichkeit zu tun. Und was noch erschwerend hinzukommt: Linke Feministinnen argumentieren meistens mit Steuergeldern alimentiert (wie viele linke Feministinnen gibt es, die in der Privatwirtschaft ihr geld verdienen?) und mit moralischem Impetus, auf der richtigen Seite zu stehen. An diesem hohepriesterlichen Moralingeseier wird die Welt sicher nicht genesen. Für bürgerliche Feministinnen sind hingegen getting paid und ökonomische Selbstermächtigung zentrale Kategorien. Quoten sind aus konservativer Sicht leistungsfeindlich, wir betrachten Frauen nicht als extra förderungswürdig.
?: Elisabeth Noelle-Neummann, die du im Buch protraitiert hast, kennen wir beide aus dem Studium der Kommunikationswissenschaft. Die Erfinderin der "Schweigespirale" war für mich immer eine der überzeugtesten Anhängerinnen einer "objektiven" Wissenschaft, die eine konstruktivistische Weltsicht sicherlich scharf verurteilt hätte. Am Ende des Kapitels folgen einige ihrer Zitate, die für mich - pardon, Frau Noelle-Neumann - fast nach Satire klingen wie "Die Demoskopie kann schreiben, was sie will, sie ändert doch nichts an den Realitäten" oder "Aussagen über alle sind nicht Aussagen über jeden". Warum hast du gerade sie ausgewählt als Rollenmodell für kontemporäre junge Kommunikationswissenschaftlerinnen? Wäre da eine Sherry Turkle, die sich mit komplexen Gender-Konstruktionen in Medien auseinander setzt, nicht ein lohnenderes Studienobjekt gewesen?
!: Noelle-Neumann hab ich vor allem wegen ihrer herausragenden Entrepreneurskills ausgewählt. Sie hat ja ihre erste Firma in einer Garage gegründet. Was Frau Neumann darüber hinaus interessant macht, sprichst du mit deiner Frage an: in ihrem Werk und in ihren Büchern ist sie meist eben nicht straight objektivistisch, sondern lappt immer wieder mal ins Esoterisch-Metaphysische ab. Sie weiß eben genau, dass sich die soziale Wirklichkeit nicht a la Comte rein mit Positivismus deuten lässt, eine so verstandene Sozialwissenschaft artet meist in wenig ergiebiger Materialhuberei aus. Das Transzendente und Irreale sind ja zentrale Kategorien für das konservative Weltbild, die Reduktion auf materialistische Kategorien ist ja eine Reductio ab absurdum aus dem linken Theorielabor, die viel Leid und Totalitarismus in die welt gebracht hat.
?: Das knappe Vorwort suggeriert, dass die allfällige Benachteiligung von Frauen einzig und allein auf das bisherige Fehlen von Rollen-Vorbildern zurück zu führen sein. Wie haben nicht-konservative Feministinnen bisher auf das Buch reagiert?
!: Im Standard und im Deutschlandfunk gab es recht positives Feedback. Ich hoffe, dass es noch weitere inhaltliche Auseindersetzung geben wird.
?: Siehst du Alice Schwarzer auch als konservative Feministin?
!: Klar würde ich Alice Schwarzer als konservative Feministin bezeichnen: sie tritt für Entscheidungsfreiheit ein und für den freien Willen, nein zu sagen. Mit ihrem entschiedenen Eintreten gegen Pornographie vertritt sie zudem eine genuin konservative Position.
?: Du sagst oben weiter, dass High Heels nicht gleich strukturelle Ausbeutung bedeuten müssen. Wie geht das mit einem generellen Porno-Verbot zusammen? Denkst du, dass Michaela Schaffrath oder Dolly Buster strukturell ausgebeutet wurden? Oder anders gefragt: gibt es außer moralischen Gründen noch andere, um Pornographie abzulehnen, sofern es sich bei allen Beteiligten um "consenting Adults" handelt?
!: Schwierige Frage nach den consenting Adults. Pornographie, die Frauen freiwillig machen bzw. als emanzipatorisch sehen, halte ich selbst schon für einen patriarchalen Mythos bzw. männliches Wunschdenken. Sex zu verkaufen ist einfach kein ethisch nachhaltiges Investment, ähnlich wie der liberale Konservative an der Börse keine Waffenfabrikanten handelt, wird er auch versuchen, Pornographie nicht zu konsumieren und zu fördern. Das heißt, dass jeder Mann/Frau in seinem Umfeld versuchen sollte, aktiv gegen Pornographie einzutreten.
Versicherungstechnisch kann man manchmal ganz schön dumm dastehen. Zum Beispiel dann, wenn sich eine scheinbar gute Idee in der Realität als Kostenfalls entpuppt. Typisches Beispiel in Deutschland ist die sogenannten Altersrückstellung: was viele Versicherer als Vorteil anpreisen, erweist sich laut CSS (in diesem Fall ausnahmsweise nicht Cascading Style Sheets, sondern eine gleichnamige Schweizer Versicherung) für gut drei Viertel der Versicherten als äußerst nachteilig. Als erste Versicherung überhaupt bietet die CSS in Deutschland Krankenzusatztarife ohne Altersrückstellung an.
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Gestern war ich Gastvortragender in Frank Hartmanns Multimedia Vorlesung. Auf der Agenda standen einerseits aktuelle Trends im Bereich Social Media und andererseits ein wenig Plauderei aus dem Berufsalltags-Nähkästchen - nicht nur das klassische Berufsbild des Journalisten bzw. Medienarbeiters ändert sich: Inhalte-Produzenten, egal ob Schreiber, Filmer oder Radiomacher, verdienen zunehmend weniger mit ihrer Arbeit, während die klassische Umwegrentabilität durch Werbung immer höhere Bedeutung gewinnt.
Derzeit sind in Europa allenfalls die ersten Vorbeben zu spüren, die sich allerdings mit beeindruckenden Zahlen untermauern lassen: während Telepolis Ende der neunziger Jahre für ein längeres Feature mehrere hundert Euros bezahlte*, gibt's mittlerweile deutlich weniger als einen Hunderter - unabhängig von der Artikellänge. Am Abend habe ich dann noch folgendes Tweet von Luca gelesen:
Gerade erfahren, dass ich für einen Trigami-Beitrag mehr bekomme als jemand mit Magister für einen Telepolis-Artikel. Aua. #zukunft?
Dieser Gedanke kam mir auch schon häufiger - für einen trigami-Review hier auf datenschmutz bekomme ich mehr als doppelt soviel Honorar wie für eine meiner Ö1 Kolumnen. Das ist auf den ersten Blick hochgradig skurril - dass Blogger für vergleichsweise sehr unaufwändige Werbetexte beträchtlich mehr Geld erhalten als Freelance-Profischreiber, die ihre Artikel an "professionelle" Medien verkaufen. Und diese Beispiele sind beileibe keine Einzelfälle: am gesamten europäischen Medienmarkt ist ein gravierender Preisverfall zu beobachten, der diverse Gründe haben mag: ein Überangebot an Arbeitnehmern, generell stärkere Konkurrenz im Medienbereich... aber verdienen die Produzenten weniger? Keineswegs, im selben Zeitraum stiegen alle Werbepreise ganz beträchtlich. Man könnte nun durchwegs behaupten, dass Inhalte sozusagen das nötige Übel darstellen, mit dem man die lästigen Whitespaces zwischen den lukrativen Anzeigen füllen muss: Content follows Adverts á la form follows function.
Auf der anderen Seite allerdings gewinnt für jeden Medienarbeiter das Konzept der Selbstvermarktung radikal an Bedeutung: während für Zeitungen und Zeitschriften Artikel immer weniger wert werden, stellt Unique Content im Netz eine wahre Goldgrube dar: für jede/n JournalistIn bietet sich ein Blog ideal als Pressespiegel an. Ich selber arbeite schon wesentlich länger als Journalist als ich blogge, und der Wunsch nach einem einigermaßen kompletten Pressespiegel war damals mitentscheidend für den Start von datenschmutz - dass die Publikation eigener Artikel auf mittelfristige bis lange Sicht ökonomisch wesentlich attraktiver ist als der einmalige Verkauf von Texten übersehen allerdings nach wie vor die meisten Schreiber. Und bei den in Österreich üblichen, hart an der Lächerlichkeitsgrenze kratzenden Honoraren für freie Journos würde ich niemals einen Text exklusiv verkaufen - es sei denn, jemand ist bereit, auch adäquat zu bezahlen. Ansonsten betrachte ich allfällige Abdruck-Honorare mittlerweile eher als Nebeneinkommen - und diesem Shift von Quantität (Auflage) zu Qualität (Visibility), von Massen- und Mikromedien, kann ich sehr viel abgewinnen: denn erstmals in der Geschichte der Massenmedien können die Produzenten selbst, natürlich mit entsprechendem Zeit- und Energieaufwand, selbst direkt von der guten alten Werbe-Umwegrentabilität profitieren.