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Artikel-Schlagworte: „Electro“

Blogistan Panoptikum KW25 2008

twittercomic 150x150 Blogistan Panoptikum KW25 2008"Es kommt auch meistens immer darauf an, wie du das richtige Timing hast", sagte Pepi "Hicke" Hickersberger in klugem Vorausblick bereits zur Halbzeit des EM-Finales. Torres hat die silbrig glänzende Armani-Wuchtel reingewürgt, Lehmann war quasi wehrlos. Gratulation an die Erfinder von Tapas, Rioja und Sonar Festival! Sogar das Wienwetter hat mitgespielt und heute Abend auf Gewitter verzichtet. Ich bin sicher, die vielen Fans werden die Zeiten der Viereurofünfzigkleinenbiere furchtbar vermissen, aber die nächste Rip Off Europameisterschaft kommt gewiss!

Bilder fulgurieren

Der Image Fulgurator verstört ahnungslose Passanten - einen "Apparat zur minimal-invasiven Manipulation von Fotographien" nennt Julius von Bismarck sein Spielzeug: bei dem genialen und zum Patent angemeldeten Device handelt es sich um eine invertierte Spiegelreflexkamera. Ein Sensor registriert andere Kamerablitze in der Nähe und projiziert für einen Sekundenbruchteil ein gespeichertes Bild auf das fotografierte Motiv. Klingt unverständlich? Die journalistischen Komplexitätsreduktions-Kollegen vom Standard formulieren das so:

So erscheinen dann plötzlich geisterhafte Schriftzüge auf den Bildern, wie von Bismarck mit einem Video auf seiner Webpage demonstriert. Darin ist zu sehen wie TouristInnen am Berliner "Checkpoint Charlie" das berühmte "You are entering the American Sector"-Schild zu fotografieren versuchen, nur um dann einen Extra-Kommentar mitgeliefert zu bekommen. Quer über alle Aufnahmen findet sich der Hinweis "Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border".

fulgurator Blogistan Panoptikum KW25 2008

Das Patent hat der Erfinder, der mit seinem Gadget bei der diesjährigen ars electronica nominiert ist, in erster Linie angemeldet, um kommerziellen Einsatz zu verhindern - ob das wohl auf Dauer gelingt? Subversion ist bekanntlich Schnellbeton... [via Ulrich]

K.I.T.T. kommt zurück

Anja berichtet in dieser Woche über das geplante Knight Rider Comeback: der an sich durch die permanente radioaktive Strahlung Kitts zeugungsunfähige Michael Knight hat doch einen Sohn - ob von Bonny, April oder Klon bleibt dahingestellt. Ob der neue K.I.T.T., der Knight Industries 3.000 mit Benz oder gutem Willem fährt, wird die Fernsehzukunft zeigen: mehr dazu am Cocktail Blog.

Den Twitter-Comic...

...hat Anton Gigov ins grafische Leben gerufen. Der Strip läuft unter Bezeichnung twitter nonsense und war bisher twitpic, einen Service zum Posten von Bildern über den beliebten Kurznachrichtendienst, abrufbar. Mein Favorit:

twittercomic Blogistan Panoptikum KW25 2008

Seit dieser Woche haben die Strips eine neues Heim im Netz: auf http://www.pink-sheep.com/twitter-nonsense/ wird's zukünftig regelmäßige Cartoons über unsere Freuden und Leiden mit dem instabilsten Short-Messaging Service der noch jungen Netzgeschichte geben.

Typo-Manie, mal anders

Tattoos müssen gar nicht immer permanent sein, wie das folgende Video zeigt. Dazu braucht man nicht nur eine exhibitionistische Ader, sondern auch eine *sehr* ruhige Hand [via Kreisrot:

YouTube Preview Image

Eben. Mit dem eigenen Blut malen kann ja jeder... bin schon gespannt, was Kunsttheoretiker in ein paar Jährchen begonnen haben werden, über die Re-Definition des Performanz-Begriffs durch Netzmedien zu schwadronieren... in diesem Sinne: schönen Restsonntag und viel Erfolg bei all Ihren malerischen und sonstigen Unternehmungen.

Heute abend: Florian Schneider (Kraftwerk) im Fluc

12. Juni 2008 23:00bis13. Juni 2008 4:00

florianschneider 150x150 Heute abend: Florian Schneider (Kraftwerk) im FlucWolfram aka marfloW lädt abends zum Electronic Gang Bang ins Fluc Wanderl am Wiener Praterstern. Für Beats sorgen der Gastgeber höchstpersönlich, sowie Felix Da Houserat und ein, wie der Flyer charmant ankündigt, "Spezieller Gast". Bei dem handelt sich's um niemand geringeren als Florian Schneider, seines Zeichens Kraftwerker der ersten Stunde und lebende Legende der deutschen Techno-Szene. Ich hatte 2002 beim Benicassim-Festival das Vergnügen, Kraftwerk mal live zu erleben - noch dazu mit grandiosen Verkehrszeichen-Visuals der Pfadfinderei-Crew und im Freien. Bereits 1968 gründete Florian Schneider gemeinsam mit Ralf Hütter die Gruppe "Organisation", Anfang 1970 folgt die Gründung von Kraftwerk. Jahrzehntelang bleibt die Band mit fast jedem ihrer Alben stilbildend für die elektronische Musikszene, ihr 1973 erschienener Longplayer "Autobahn" gilt als erste Elektro-Pop Platte überhaupt.

Ende 1976 erscheint "Trans Europe Express", in weiterer Folge wichtiger Einfluss für viele us-amerikanische Hip Hop Produzenten. 1981, als Bands wie Depeche Mode sich an den elektronischen Klangwelten Kraftwerks orientieren, wendet sich das Duo dem Techno zu: "Die Mensch Maschine" wird zur Blaupause der jungen Rave-Szene, während die Band wie gehabt zwischen Mainstream-Erfolg und Kunstszene pendelt.

Heute nachmittag sprach Schneider im Rahmen der RB Musicacademy im Semper Depot über Kraftwerk und die Welt - und am Abend wird er sicherlich den einen oder anderen Klassiker aus dem Plattenkoffer holen!

Springeight: der zweite Tag

A-Trak bei der ArbeitDer gestrige Spring-Abend hätte ein Reinfall werden können - die Vice-Party im Arcadium bzw. Monsieur A-Trak aus den USA gab uns dann um halb drei endlich das, was wir vorher den ganzen Abend lang vergeblich gesucht hatten: kontemporäre High-Tempo und Hi-Tech Beats, bei denen man ob des spontanen Bewegungsdrangs die Abwesenheit von Couchen plötzlich nicht mehr misste. Und das kam so: für uns drei Partytouristen begann der Abend im Stadtpark, wo Simon LeBon feine Warm-Up House-Platten verlegte; ob der relativ unfreundlichen Außenbedingungen machten wir uns dann aber zur Geisterstunde auf in Richtung Dom im Berg.

Dort hatte bereits der Live-Act von XRS und den Drumagick-Brüdern begonnen, deren Red Bull Music Academy Vortrag Ulrich und ich am Nachmittag gehört hatten. Juan Atkins, der ursprünglich aus seinem reichen Erfahrungsschatz zum Thema Detroit (und Bookings-in-letzter-Minute-absagen) berichten hätte sollen, blieb konsequent unauffindbar, und so sprangen die Samba-n-Bass Könige aus Sao Paolo kurzfristig ein.

Bei der abendlichen Performance legte XRS Platten auf, während die beiden Drumagicks an ihren zwei Laptops mit den einzelnen Spuren sozusagen Live-Remixes drüber dubbten. Das war eine Weile recht fein (vor allem der Remake von LK hat gerockt), nach einer guten Stunde allerdings wurden die Beats im gemütlicher, die Intros und Outros immer länger und der Wunsch nach ein wenig Rummms immer übermächtiger. Als der folgende DJ Edgar nach zehn Minuten immer noch beim Intro war, beschlossen wir, dass es an der Zeit wäre, ein Hauseck weiter zu ziehen - sogar Anja, sonst ziemlicher Brazil-Fan, begannen nämlich langsam die Füße einzuschlafen. Kurz vorher hat uns übrigens noch Elisabeth abgeschossen - ich glaube, das ist meine Premieren-Appearance in einer Online-Partygallerie :mrgreen: Ulrichs Fazit, dem ich mir nur anschließen kann: "Wenn auf eine Brasil-Party geht und exakt dieselben Signature Tunes hört wie vor fünf Jahren, spricht das nicht gerade für Weiterentwicklung."

Arabian Prince aka Professor XDie derbste Enttäuschung sollte allerdings erst noch folgen - an den Gedanken, dass Juan "Magic" Atkins nicht mehr aufkreuzen würde, hatten wir uns bereits gewöhnt. Trotzdem wollten wir natürlich der Legende Professor X aka African Prince im PPC einen Besuch abstatten. Mir ist klar, dass der Mann eine lebende Elektro-Legende ist - was er im PPC abgeliefert hat, war allerdings - perfekt gemixte - Skikurs-Romantik: von Technotronix' "Pump up the Jam" über Michael Jackson bis House of Pain's "Jump around" wurde fast jede Nummer ausgespielt, und als er dann auch noch Prodigy's "Firestarter" als Big-Tune des Abends ankündigte, war uns endgültig klar, dass wir unsere Aufmerksamkeit gerade dem falschen Set widmeten. Hilflosigkeit vor europäischem Publikum? Generelle Motivationslosigkeit? Wir werden's nie erfahren. Und auch keine African Prince Party mehr besuchen. Was uns trotzdem vor Ort hielt, war die bekanntlich zuletzt sterbende Hoffnung auf Egyptian Lover und Jamie Jupiter. Die beiden musikgeschichtlich und körperlich schwergewichtigen Classic-Elektro Legenden hatten am Anfang ein paar Sync-Probleme, danach war's eigentlich recht nett - und immer noch zu gemütlich, oder wie der gelernte Wiener sagt: zaach. In Ermangelung einer Couch schauten wir mit meinem gaposlovakia-Kollegen Paul, der uns von härtester Elektro-Prügelei berichtete, voller Vorfreude ins Arcadium. Und diesmal wurde die Erwartungshaltung nicht enttäuscht. Ich würd sogar sagen, A-Trak hat einen extrem faden Abend vollständig gerettet und wir bekamen doch noch die für die Party-Gesundheit so wichtige Dosis an körperlicher Bewegung ab.

egyptian princeDer Protagonist des Abends war ja eine ganze Weile lang recht erfolgreicher Hip Hop DJ und benutzt mittlerweile Final Scratch: die Liebe zur technischen Präzision und diese geradezu abartigen DJ-Skills, die man in dieser perfekten Ausführung fast nur bei den Scratch-Königen findet, hat er auch im Rahmen seiner Electro-Karriere beibehalten, wenn nicht ausgebaut: die Dichte an Tracks pro Minute war unglaublich hoch, die Mixes rasant, aber niemals gab's Effekt um des Effekts willen. Es muss unglaublich viel Zeit und Crate-Digging erfordern, ein solches Set vorzubereiten, das einerseits alle technischen Tricks und Register zieht und andererseits mit einem extrem gelungenen Spannungsbogen begeistert... der Gag des Abends folgte, als A-Trak dann auch "Jump Around" spielte - in einem kurzen, aber extrem sicken Remix. In punkto Electro gewann sozusagen die Next Generation gestern Abend haushoch gegen die Living Legends.

Fazit: A-Trak war ein Fehlbooking - aber nur location-technisch gesehen. Der Mann hätte um zwei Uhr als Hauptact auf der Dom-Bühne stehen sollen - sein Set war einfach nur cutting-edge, sowohl soundmäßig als auch technologisch.

Und jetzt? Heute Abend um 21:00 ist das Orpheum eindeutig the place to be, denn der unglaubliche, einzigartige Senor Coconut tritt mitsamt Orchester und Special Appearance von Louis Austen mal wieder ein paar Genregrenzen nieder. Und dann geht's in den Dom: denn ich bin mir 99prozentig sicher, dass uns Larry Heard aka Mr. Fingers nicht langweilen wird. Und auf Robert "The House of Voice" Owens' DJ-Set bin ich ebenso gespannt wie auf seine Live-Performance.