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Artikel-Schlagworte: „Elemente“

Der dritte Springeight Tag

Robert OwensEines haben Elektronik-Festival mit Skikursen auf jeden Fall gemeinsam: am dritten Tag folgt unausweichlich ein leichter konditioneller Einbruch. Da kam's ganz gelegen, dass gestern im Dom relaxter und deeper klassischer Chicago-House am Programm stand. Die Überraschung des Abends lieferte dabei Robert "The House of Voice" Owens, der nach seinem Live-Auftritt die Crowd mit einem großartigen, energetischen Set in verleichsweise ekstatische Bewegung versetzte. Aus essens- und chilltechnischen Gründen mussten wir Senor Coconut, der das Orpheum bereits um 21 Uhr beehrte, allerdings leider auslassen.

Clemens Neufeld begann mit einem recht netten Warm-Up Set, in dessen letztem Drittel dann auch einige Floorsmasher folgten. Danach war allerdings eine Stunde Tanzextase-Pause angesagt, denn bei Robert Owen's Live-Auftritt ging's ein paar Ecken ruhiger zu. Das Live-Konzert selbst fand ich ganz großartig - man muss Owens ja fast mal live singen hören, um sich vorstellen zu können, wie wenig Studio-Wizardry bei seinen Stimm-Parts erforderlich ist. Top war auch der Perkussionist, der später noch das folgende Set mit eleganten Trommelwirbeln aufpeppte. Als vorletzte Nummer folgte dann noch "I don't make you happy" und ich war mit der Housewelt restlos versöhnt.

Larry HeardEigentlich hatte ich ja vermutet, dass Owens beim Plattendrehen auch eher der soften Spielart frönen würde, but no: die stimmgewaltige Ikone kann mit Vinyl genauso gut umgehen wie mit Stimme: ein Chikago-Klassiker (Remix) folgte auf den nächsten, Miami-Bass Einlagen und uralt-Parts ("Today we gonna take you back to 1985 - just as if house music was stille alive.") wurden gekonnt mit ruhigeren Synthie-Flächen gewechselt: jeder Drop ein Volltreffer, sozusagen. Also mehr als ein würdiger Opener für Grandmaster Larry Heard, der dann gegen halb drei die Kontrolle über die 1210er übernahm. Mr. Fingers gilt ja nicht grundlos als einer der Housemusik Grand-Seigneurs - und seit Set fand ich erwartungsgemäß ganz hervorragend: wenig bis gar keine Effekthascherei, stattdessen perfektionistisch gemixte, deepe Housetracks - rolling Sound, der allerdings beim Publikum nicht so recht anzukommen schien: entweder lag's am besagten Konditionstief oder daran, dass alle unbedingt die Whignomy Bros und Josh Wink in der Postgarage hören wollten: jedenfalls war der Dom um halb vier höchstens noch zu einem Drittel gefüllt; ich hab die Postgarage gestern ausgelassen und mich nach Larry auf den Nachhauseweg gemacht. Einzig die Visuals hinkten gestern im Dom ein wenig... die simplen, Winamp-Visual ähnlichen geographischen Konstrukte von Lichtarbeit ohne jegliche originelle Elemente fielen weiter hinter die Qualität der Musik zurück - aber ich war ja nicht zum Gucken, sondern zum Hören im Dom, und in dieser Hinsicht war's für mich ein sehr gelungener Festivaltag.

Dom im BergWar jemand aus der verehrtnen LeserInnenschaft gestern in der Postgarage bzw. vorher im Orpheum? Würd mich interessieren, was Josh Wink so getrieben hat. Und heute? Egal ob's regnet oder nicht, am späteren Nachmittag werden erstmal ein paar monströse steirische T-Bone Steaks über glühende Kohlen gejagt, und anschließend geht's erstmals ins PPC zu Kid Blue, Hannah Holland und MC Chickaboo, danach dann weiter in den Dom zu Marky + Stamina. (Aber bloß nicht zu früh. Ein voller Bauch studiert nicht nur nicht gern, er bleibt auch ungern wach, wenn Gilles Peterson auflegt.) Je nach Quecksilberstand des Partythermometers werden wir das Springeight dann entweder mit Mr. C im Dom oder mit Herrn Luke Vibert in der Postgarage ausklingen lassen.

Banksy: One Nation under CCTV

Direkt neben einer Überwachungskamera und nur durch ein selbst errichtetes Baugerüst geschützt gelangt dem Londoner Sprayer Banksy am Wochenende sein bislang wagemutigster Coup.

Mit Banksy does it again betitelte katize den neuesten Streich des derzeit heißesten Graffiti-Künstlers der britischen Insel: unbeeindruckt von der direkt nebenan montierten Überwachungskamera gelang es dem Sprayer, mitten in der lückenlos durch Überwachungskameras erfassten Innenstadt ein riesige Graffiti anzubringen: ein (gesprayter) Junge mit Leiter mal "One Nation under CCTV" an die Hauswand, während er von einem (natürlich ebenfalls gemalten) Cop samt Polizeihund fotografiert wird.

Drei Stockwerke hoch war das Baugerüst, anscheinend geschah die eigentliche Spray-Action mitten in der Nacht [Fotos von Dailymail.co.uk]:

Banksy - One Nation under CCTV


Banksy latest artwork

Weitere Artworks meines aktuellen Lieblings-Künstlers gibt's auf dessen Homepage. Wie kein Werbetexter dieser Welt versteht's Banksy, seine subversiven Kommentare zur üblen Weltlage so unglaublich punktuell zu verdichten... und sein Talent, bestehende Location-Elemente in seine Graffitis einzubinden, ist ohnehin einzigartig. Keep up the great work, buddy!

The Big Picture 2007: sevenonemedia weiß zu feiern

bigpicture 2007SevenOne Media Österreich hatte gestern ins Museumsquartier geladen: in der Halle E präsentierte man einer bunten Mischung aus Informationsarbeitern die Pläne für die kommende Fernsehsaison und natürlich die hier schon mal erwähnte bevorstehende Metamorphose des Wiener Stadtsenders puls tv zur landesweiten Frequenz PULS 4.

Aus PULS TV wird PULS 4. Ab 4. Februar 2008 startet Österreichs viertes Vollprogramm PULS 4. Der neue österreichweite Sender verbindet zahlreiche Live-Elemente mit internationalen Spielfilmen und Serien. PULS 4 produziert täglich über 12 Stunden eigengestaltetes Programm, neun Stunden davon mit Österreich-Bezug. Dazu gehören über den Tag verteilt zehn News-Sendungen, Frühstücksfernsehen, Live Talks, Magazine und die Live Übertragung von Top-Events. PULS 4 spricht mit eben diesem Programm urbane, mobile und selbstbewusste Menschen an. Als integrierte Medienmarke kombiniert PULS 4 Free-TV mit web 2.0 und bietet der Mediengeneration des 21. Jahrhunderts eine ideale Plattform, die zum Insider macht.

"Heute in den frühen Morgenstunden ging eine rauschende TV-Nacht zu Ende." behauptet die Presseaussendung, und das ist bei weitem keine Übertreibung. Matthias und ich waren jedenfalls definitiv bei den letzten, die noch was ausgeschenkt bekamen. Ich hätte mir ja erwartet, dass ein wenig präsentiert und dann gespeist wird aber nicht ernsthaft damit gerechnet, bis halb fünf zu bleiben... bereits der offizielle Teil war hammermäßig gut organisiert und choreographiert: nach einer kurzen Ansprache des Geschäftsführers Markus Breitenecker war Entertainment-Bespielung von allen vier Hallenseiten angesagt: Domino Blue und ihr Drumatical Theatre vertonten live den Imagefilm der Sendergruppe, Christoph Maria Herbst (aka Stromberg) fiel von der Decke und behauptete steif und fest, dass bei seinem Arbeitgeber eine neue Uri Geller Show am Programm stünde.

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Die neue Version des Pro7 Signation Songs nahm Ex Spice Girl Melanie C. auf, zu meiner und der Überraschung der meisten Gäste performte die Britin ihren Song dann auch live - respektable Stimme. Hat mir wesentlich besser gefallen als die neue Retortenband Monrose, die mit ihrem aktuellen Hit "Hot Summer" ein paar Woche z'spät dran sind. Local Hero und Café Puls Moderator Norbert Oberhauser, der beim Frühstücksfernsehen bloß spricht, stellte seine sängerischen Qualitäten mit einem Sasha-Cover unter Beweis. Dass es dann so spät wurde, lag nicht am hervorragenden Essen und den leckeren Drinks (kross gebratener Thunfisch auf süßem Kartoffelpüree rockt!), sondern in erster Linie an den vielen Business- und Ex-Mobilkom KollegInnen, die ich dort getroffen hab. Und an George Leccers sehr groovigen DJ-Set. Und vielleicht auch ganz klein wenig doch an zahlreichen Cuba Libres und der Tatsache, dass gestern Vollmond war. Danke für die Einladung, SevenOne Media! Ich dachte ja immer, die Musikindustrie feiert fette Partys, aber das war eindeutig und bei weitem das bisherige 2007er Highlight. Das Motto "We love to entertain you" wurde vom Organisationsteam imho hervorragend umgesetzt :-)

Beiträge für monochrom Jahrbuch 2008 gesucht!

15. September 2007

monochrom.gifFinally! Meine Lieblings Medienkunstgruppe hat einen Call for Papers für das regelmäßigste Printmagazin der Welt raus gejagt. Und Sie, werte Leser, haben noch bis zum 15. September Zeit für Einreichungen: ob Skizze auf Klopapier, auf Goldplatten geätztes 3D-Foto oder Kriminalroman: Format, Umfang und Thema bleibt ganz dem Beiträger überlassen. Und weil ein Schwerpunkt wie immer auf dem Thema "Rezensionen" liegt, hab ich zur Abwechslung mal kein Produkt der Popkulturindustrie, sondern einen html-Tag rezensiert.

Auf die 2008er Ausgabe des monochrom MagazinBuches freue ich mich jetzt schon - als ich '95 nach Wien kam, um mein Studium zu beginnen, war die damals aktuelle monochrom-Printausgabe (zumindest in meiner verklärten Erinnerung) das erste denkwürdige Stück bedruckten Papiers, das mir in der Bundeshauptstadt in die Hände fiel. Wenn ich mich recht entsinne, lernte ich damals Johannes Grenzfurthner im Rahmen einer Spoken Word Convention kennen... und in den folgenden Jahren die Projekte von monochrom lieben. Hier der Call for everything:

We are looking for articles, essays, graphics, cartoons, cut-up stuff for the next multi-issue of our non-commercial yearbook series "monochrom". We'll publish the entire book in English, a fact that might be highly interesting for many monolingual Angloamerican folks.
There is no maximum or minimum length for articles or essays. There is no general topic whatsoever. You write about things you find interesting. Or boring. Your text could be about radical constructivism. Or fish and chips. Or hacking your toilet. Or blowing up Mercury. Or HTML. Or Mormon theology and Battlestar Galactica. You'll find your topic!
A big section of the publication will be dedicated to reviews. And we review everything. Want to review a certain medieval war? Or arctic sea protozoans? Laws of nature? Climate zones? Ways to die? Lava streams? Spam headers? Demonstrations? Sumerian gods? Neon feelings? A crisis? The different types of snow in Stephen King novels? Book shelves in porn movies? Kosher hot dogs? Axiology? Sperm? Johann Sebastian Bach? German officers in American movies who shout "Schweinerei"? Russian oil pumps? Calvinistic prayers? Trash cans in Kansas and/or Lithuania? Anal sex? The Northwest as an ontological entity? Perfect! Go on!
So, please send your suggestions or finished works to mono AT monochrom.at
Deadline is September 15, 2007.
Preferred format for text files: RTF files. Preferred format for graphics: Greyscale JPEGs, maximum quality, 300 dpi. Please don't forget to mention your name and snailmail address.
We hope we'll be able to publish monochrom #26-34 in spring 2008.

Wie erwähnt, konnte ich mir eine kleine Kontribution nicht versagen - ich wollte schon immer mal Teil des strikt schwarz-weißen Mono-Printoversums sein. (Die deutschsprachige Version folgt weiter unten).

Review: div - A tag sans attributes

In recent years, the div tag has had to face an ever increasing number of fans among coders, as it enables them to split a site into different so-called sections. Some claim that it is even possible to completely hide some of these content sections - or, more precisely to deliberately hide them from human users or search engines. Thanks to the div tag is has become possible to publish a site which looks like a scientific analysis of Greek literature to Google, while the human user gets surfed plenty sexy phone numbers. Or vice versa.
It's no surprise that the div Tag goes by many nicknames: some call it a container, some shout block-element in his virtual face, but the div tag doesn't care, as he doesn't bring any attributes whatsoever into play. Except for a single one: the situationist artist amongst blocklevel-elements inherently forces a line break. In the light of these circumstances the following lines published by mediaevent.de start to make sense all of a frightening sudden: "The div a tag is an especially exciting construction in HTML. It structures the content of other elements that fit together logically and get highlighted optically."
If you've seen a div-tag once, you're not likely to forget the excitement and almost sexual stimulation the "Viagra among html tags" causes in code-savvy developers: a bit more structuring ontology and a little less attributes is zeitgeisty enough for source codes as well as T-shirts.

div - Der Tag [tääg] ohne Eigenschaften

Der div-Tag ist unter html CodiererInnen recht beliebt, weil er eine Unterteilung der Seite in verschiedene sogenannte Sections erlaubt. Manche sagen, man kann in Kombination mit css Stylesheets in div-tags Inhalte sogar unsichtbar unterbringen, zumindest für Menschen. So wäre eine Seite, von der Google glaubt, sie handle von griechischer Literatur, die aber in Wahrheit Sextelefonnummern aus dem Spätabendfernsehen bewirbt, ohne div Tag nur sehr viel schwieriger bis gar nicht realisierbar.
Die Spitznamen des Tags sind vielfältig: manche nennen ihn Container, anderen sagen Blockelement, aber das kümmert den div-Tag wenig: er bringt von sich aus nämlich keine weiteren Eigenschaften whatsoever ein, mit Ausnahme einer einzigen: Der Situationist unter den Blocklevel-Auszeichnungselementen fungiert immanent als Zeilenumbruch. Kein Wunder, dass mediaevent.de schreibt: "Das div-Tag ist ein besonders aufregendes Konstrukt in HTML. Es strukturiert den Inhalt anderer Elemente, die logisch zusammengehören und optisch herausgestellt werden." Wer den div-Tag schon einmal live gesehen hat, wird die Aufregung sofort verstehen: ein bisschen mehr strukturierende Ontologie und ein wenig weniger Eigenschaften stünden vielen anderen Tags ebenfalls gut zu Gesicht.

Studieren an der Laptopfilmakademie

LaptopfilmakademieSchon so mancher potentielle Hitchcock scheiterte an der schwierigen Aufnahme in die Filmakademie. In Zeiten von youtube sollten akademische Zugangsbarrieren allerdings niemandem jene professionelle Ausbildung verweigern, die eine unabdingare Voraussetzung für die 5-Minuten-Ruhm darstellt. Bildung ist ein hohes Gut, Zeit knapp und Kultur angeblich demokratisch: also kommt an dieser Stelle die Laptopfilmakademie ins Spiel.

Genauer gesagt: die beste Laptopfilmakademie. Denn so nennt sich Projekt, das Studenten der FH-Düsseldorf in der Lehrveranstaltung "Ruhm Online" von Dozent Stefan Scheer entwickelten. Hier wird dem Bedürfnis nach Beschleunigung und do-it-yourself vollauf Rechnung getragen: Grund- und Hauptstudium lassen sich in knappen 10 Minuten absolvieren, und dann wartet auch schon das Diplom zum Ausdrucken. Fehlt nur noch der Direktlink zum youtube-Upload. [via Visual Blog]

CD-Review + Interview: Angina P – 8 Rooms

Angina PWenn Online-Medien über Angina P's Tracks schreiben, dann tauchen sehr rasch Formulierungen wie "Diamant in der Asche" oder "Wonderfully Crafted Ambient-DNB-Techno" auf. In der lokalen österreichischen Szene nur durch Auftritte auf Elektronikfestivals der ambitionierteren Art bekannt (temp~festival), hielt sich die Wienerin von ravenden Dancefloors elegant fern, ihre zwischen Industrial, Breaks und IDM angesiedelten Tracks veröffentlichte sie jahrelang ausschließlich via Internet. In der Blütezeit MP3.coms landeten ihre Produktionen auf tausenden Rechnern weltweit und katapultierten fast jeden neuen Release in den MP3.com-Charts weit nach oben.

Wären internationale Downloadzahlen Ö3-Chart-kompatibel, hätte es für die bislang erfolgreichste Single "Tokyo 6pm", die im Anschluss an einen einjährigen Japanaufenthalt entstand, gleich mehrfach Gold und Platin geregnet. Mit der Veröffentlichung ihres ersten Offline-Datenträgers dagegen hat sich Angina P freilich 10 Jahre lang Zeit gelassen - "8 Rooms" steht nun ganz non-virtuell in den Plattenläden ihres Vertrauens und bestätigt die alte Weisheit: so viele Internetuser können nicht irren...

Langsam, nicht ruhig

Angina P"Der Erfolg auf MP3.com war für mich eine Bestätigung, dass ein Interesse da ist an meiner Musik. Mit Labels war's allerdings immer sehr schwierig: mittlerweile hab ich so ziemlich alle Troubles durch, aber nun endlich die richtige Plattform gefunden." Als die hat sich nach einer mehrjährigen Odysee Notochord herausgestellt, gegründet von DJ Hidden und Slacknote. Das belgisch-holländische Label setzt sich mit seinem küntlerischen Output vorzugsweise zwischen vorformattierte Genre-Stühle: Hidden, selbst rave-erfahrener Drum-and-Bass-DJ, verlegt sich mit seinem Partner inzwischen auf nicht unbedingt ruhigere, aber langsamere Breaks, die er unter dem Künstlernamen Semiomime veröffentlicht.

Die fünf Nummern von "8 Rooms" decken einen breiten zeitlichen Rahmen ab: vom neuesten Track "Time to Bleed", der 2006 entstand, bis zum drei Jahren alten "My Robots". Labelhost Semiomime remixte exklusiv für das Album "Known Issues", Edgey verpasste "No Time to Bleed" ihren Stempel und Larvae bearbeiteten Placemat Club. "Mein Setup wird mittlerweile - so wie wohl bei den meisten - immer mobiler. Einerseits stört mich zwar die Reduktion der Hardware, andererseits funktionieren Software-Klangerzeuger immer besser - und es ist komfortabler als der Datenaustausch via Diskette. Im Moment produziere ich sogar vorwiegend auf einem einzelnen Laptop mit externer Soundkarte. Die Hardware-Synths stehen aber noch alle griffbereit herum."

Wider Erwarten: Indie Dance Music

Angina PAngina P arbeitet mit kleinsten Soundschnipseln, die sie zu fein ziselierten Kunstwerken modelliert. Flächige Ambient-Teile wechseln sich ab mit wuchtigen Beats, vielschichtige Synthie-Flächen strukturieren die elegisch-eleganten Produktionen. Die acht Tracks enthalten Elemente aus verschiedensten Genres, freilich ohne sich irgendeiner Hörgewohntheit jemals direkt anzubiedern. Und wie das bei nicht marktoptimierter Kunst so vorkommt, sorgen unerwartete Zielgruppen nicht zuletzt bei der Künstlerin selbst für Verwunderung: "Einen Rahmen Auftritte zu finden ist schwierig: auf einer Drum-and-Bass-Party wollen die Besucher schnelleren Sound hören, aber was mich sehr erstaunt hat, war der vergleichsweise große Erfolg meiner Songs im Gothic und IDM-Kontext. Ich bin dann später draufgekommen, dass derselbe Techno, der mich in den 80er Jahren beeinflusst hat, auch sehr prägend war für diese Szene - damit verbindet mich sozusagen ein Second-Hand-Einfluss, diese schön zelebrierte Traurigkeit aus den 80ern."

So schwierig die vielen Referenzen eine Kategorisierung machen, so zahlreich sind die akustischen Anknüpfungspunkte. In der musikalischen Sozialisation der Protagonistin fanden Computerspiele ebenso Platz wie Autechre, Underworld oder Plastikman. Die legendären "Turrican"-Teile eins und zwei spielte Angina P bevorzugt im Cheatmodus, um den phänomenalen Soundtrack von Chris Hülsbeck nicht durch die Explosions-Samples zu verschandeln. Produktionstechnische Lernerfolge erarbeitete sie in Eigenregie - die konsequent autodidaktische Produktionsweise und die experimentelle Zugangsweise prägten einen Sound, der "8 Rooms" zu einem außergewöhnlich komplexen und vielschichtig zugänglichen Stück Musik macht. mp3-Downloads gibt's auf der Homepage der Künstlerin: www.anginap.com

[erscheint Anfang Februar in: thegap 01-2007]

Die Kolumne #62 (Juni 2005)

Diesmal: Die gesellschaftlichen Aufgaben des Journalismus im genderspezifischen Wandel.
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Periodensystem der Elemente de luxe

PeriodensystemIn unserem Oberstufen-Chemiebuch seinerzeit zierten die guten alten Elemente in klassischer Darstellungsweise die Innenumschlagseite. Unser Lehrer säte gleich zu Beginn Misstrauen gegen verbrieftes Wissen, denn er hat uns sofort erklärt, dass die Chemie eine recht fluide Wissenschaft ist, Annahmen ständig revidiert werden und auch die Maßzahlen im Peridodensystem dauerender Verfeinerung dank neuer Erkenntnisse und Messmethoden unterworfen sind. Und dass die Messwerte in unserem Buch spätestens nach dem Komma bloß historisches Wissen vermittelten.

Später während des Physikstudiums hörten wir dann von Prof. August Hengge denselben Stoff auf Uni-Niveau, während unser Ex-Physik Prof, der großartige Dr. Jäger, uns gleich zu Beginn klar machte, dass die Physik gerade dabei sei, die Chemie von der Grundlagen- hin zur Anwendungswissenschaft zu transformieren. Wie dies? Die Teilchenphysik erklärt mittlerweile chemische Reaktionen. Die Bausteine der Atome interagieren nach einem wohl nie ganz zu enträtselnden Masterplan, aber der Physik ist's gelungen, einige Ausschnitte davon mittels schlüssiger Erklärungen zu modellieren. Zumindest die anorganische Chemie wird damit zu einer Publizistik unter den Naturwissenschaften: Man forscht, aber die Erklärungsmodelle liefern andere.

Doch was ich eigentlich sagen wollte: Chemie hin, Physik her: Popscience stellt der interessierten Öffentlichkeit einen wunderschönen Periodic Table of the Elements online zur Verfügung, der sich vor allem durch fotografische Abbildungen fast aller Grundstoff auszeichnet. Nawikunst, quasi.