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TrueCrypt am Ende? Die Zukunft der Open Source Verschlüsselung

Verschlüsselungslösungen gibt es wie Sand am Meer. Doch seit Edward Snowdens NSA-Enthüllungen darf man in kommerziellen Produkte wie Bitlocker und Co. wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Hintertürchen erwarten, die begehrliche US-nahe Lauscher haben einbauen lassen. Kaum einer anderen Lösung brachten ungewöhnlich gut informierte Geeks daher soviel Vertrauen entgegen wie dem legendären Truecrypt. Das könnte sich mit einer gestern überraschend aufgetauchten Meldung auf der offiziellen Sourceforge-Projektseite truecrypt.sourceforge.net jetzt ändern. Ohne irgendwelche Details preiszugeben, haben die Programmierer dort bekannt gegeben, dass die Verschlüsselungs-Software nicht mehr sicher sei und die Entwicklung über Nacht eingestellt.

Truecrypt Verschlüsselung

The development of TrueCrypt was ended in 5/2014 after Microsoft terminated support of Windows XP. Windows 8/7/Vista and later offer integrated support for encrypted disks and virtual disk images. Such integrated support is also available on other platforms (click here for more information). You should migrate any data encrypted by TrueCrypt to encrypted disks or virtual disk images supported on your platform.

Warum verwenden wir Truecrypt?

Die Open Source Software Truecrypt erlaubt bei auch für Laien bewältigbarem Konfigurationsaufwand eine bisher als sicher geltende Verschlüsselung kompletter (System)Partitionen. Vor einer mit Truecrypt verschlüsselten Festplatte stünden, so der bisherige Common Sense, sogar die mächtigsten Geheimdienste wie der sprichwörtliche Ochs vorm geschlossenen Scheunentor.

Snowden selbst hat Truecrypt empfohlen, der Journalist Glenn Greenwald hat dessen Dokumente damit verschlüsselt und Truecrypt so erst kürzlich einen weiteren Popularitätsschub verliehen. Ich selbst setze das Programm seit Jahren auf allen meinen Laptops ein, seit mir ein kroatischer Bloggerkollegeschilderte, wie ihn die gute alte Kryptographie vor einer Whistleblowing-bedingten Gefängnisstrafe schützte: die CroCops konnten die betreffenden Dokumente auf seiner Festplatte nämlich nicht auffinden.

Verschlüsselung organisieren

Die naheliegendste Reaktion, nämlich eine Nachfrage bei den Programmierern, scheidet aus, da niemand weiß, wer hinter TrueCrypt steckt. In respektablen 10 Jahren harter Entwicklungsarbeit gelang es dem Team, die Identität aller Beteiligten erfolgreich geheim zu halten. Das ist zwar auch eine Art von “Security through obfuscation”, wenngleich sich in der aktuellen Situation zeigt, auf welch wackligen Beinen solche Ninja-Developper-Groups eigentlich stehen.

Im Oktober 2013 sammelten Netizens via Crowfunding knapp 63.000 Dollar für den ersten unabhängigen Security-Audit der Software, der zwar schon begonnen hat, aber erst in einigen Monaten abgeschlossen sein wird. Bisher wurden Truecrypts Bootloader und sein Systemkern der hochnotpeinlichen Analyse unterzogen, die keinerlei Sicherheitsrisiken ans Tageslicht brachte. Die Qualität des eingesetzten Verschlüsselungsverfahrens wird derzeit erst überprüft, trotz der unerwarteten Wendung wollen die Tester ihre Analyse fortsetzen.

Warum will sich Truecrypt selbst in die Luft sprengen?

Seit der Veröffentlichung der Entwicklerbotschaft herrscht in der Netzgemeinde Rätselraten. Drei Möglichkeiten scheinen bislang in Frage zu kommen:

  1. Intervention von öffentlicher Seite: Behörden in den USA dürfen sogenannte “National Security Letters” verschicken, die Firmen zur Datenherausgabe zwingen. Gesprochen werden über diese Briefe nicht – so erging es etwa 2013 dem sicheren Webmail-Anbieter Lavabit. Allerdings ist fraglich, an wen besagter Brief im Falle Truecrypts denn hätte zugestellt werden sollen…
  2. Ein übler Bug: Die Entwickler haben tatsächlich eine gravierende Sicherheitslücke gefunden und können oder wollen diese nicht beheben. Offen bliebe in diesem Fall, warum derart vage kommuniziert wird.
  3. Ein Hack der offiziellen Seite: Man spekulieren, dass Truecrypt.org vielleicht gehackt wurde – freilich gibt’s auch dafür bislang keinerlei konkrete Indizien.

Soll ich Truecrypt dennoch trauen und wie geht’s weiter?

Bevor genauere Informationen vorliegen, wäre eine Panik-induzierte Deinstallation verfrüht. Und es sieht ganz so aus, als ob die Entwicklung zukünftig sogar in geordneteren Bahnen verlaufen könne. Thomas Bruderer und Joseph Doekbrijderno haben unter dem Claum “TrueCrypt must not die” den Quellcode in die “neutrale Schweiz” gerettet und wollen das Projekt dort weiterführen. Auf Truecrypt.ch wird ganz aktuell die weitere Vorgehensweise koordiniert, das Duo Encryptionale informiert auch auf Twitter unter @TrueCryptNext über den Fortgang der Ereignisse.

Zur realistischen Selbsteinschätzung des unerfreulichen Schlamassels empfehle ich einen Besuch im Truecrypt Final Release Repository. Der renommierte Sicherheitsexperte Steve Gibson trägt dort alle bisher bekannten Fakten zusammen und rät zur Besonnenheit, denn:

For reasons that are still unclear three days after the event, TrueCrypt’s developers chose not to graciously turn their beloved creation over to a wider Internet development community, but rather to attempt to kill it off by creating a dramatically neutered 7.2 version that can only be used to view, but no longer to create new, TrueCrypt volumes. […] The mistake these developers made was in believing that they still “owned” TrueCrypt, and that it was theirs to kill.

Ein gewisser “David”, offenbar Teil des Truecrypt Kernteams, ließ auf Twitter gar wissen, dass kein aktuelles Sicherheitsproblem bekannt sei, Bitlocker “gut genug” und kein Interesse mehr an dem Projekt bestehe. Das sieht die Netzgemeinde offenkundig ganz anders. Ob das Schweizer Truecrypt Käse womöglich doch mit Löchern ist, werden wir spätestens im Sommer nach Abschluss der Sicherheitsaudits wissen. Dessen Ergebnisse dokumentiert das Analyseteam auf IsTruecryptAuditedYet.com.

Bis dahin bleibt nur die Erkenntnis: nicht mal Open Source Magier können Geister, die sie freudig riefen, auf Knopfdruck in die Flasche zurück verbannen. In ganz seltenen Fällen ist eben nicht nur Skepsis in punkto korrekter Funktionsweise, sondern auch Skepsis in punkto behaupteter Bugs angebracht.

TEDx Pannonia: Inspiration mitten im Burgenland

Danke an Hermann Gams, Manuel Gruber und Harald Katzenschläger – das Team der Dream Academia hat’s möglich gemacht, dass ich heute meine allererste TEDx Konferenz besuchen konnte. TEDx Konferenzen sind Spin-Offs des mittlerweile immens populären TED Formats, das unter dem Motto “Ideas worth spreading” die Netzwelt regelmäßig mit fantastischen Vortragsvideos versorgen. Ähnlich wie beim Barcamp kann jeder, der ausreichend Motivation, Zeit und Organisationstalent mitbringt, die Idee fortführen: die unabhängigen Spin-Offs heißen TEDx und müssen einige Vorgaben der Erfinden erfüllen.

Update, 26.10.2010: Alle Videos der TEDx Pannonia-Talks sind mittlerweile online: TEDx Talks

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Albert Frantz auf der Suche nach versteckten Träumen

Inhaltlich könnte der Anspruch kaum höher gesteckt sein, das Format der Konferenz dagegen ist recht strikt geregelt:

Spirit/purpose: Your TEDx event must maintain the spirit of TED itself: cross-disciplinary, focused on the power of ideas to change attitudes, lives and ultimately, the world.
Format: A suite of short, carefully prepared talks, demonstrations and performances on a wide range of subjects to foster learning, inspiration and wonder — and to provoke conversations that matter. The typical presentation should be an 18-minute talk by a single presenter. No panels. No break-out sessions. Usually: No podium.

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World Blogging Forum 2010 Vienna: Die digitale Medienzukunft

usaDieser Beitrag ist auch auf Englisch verfügbar.

Am 13. November 2010 laden A1 Telekom Austria und datenschmutz zur ersten internationalen Weblog-Konferenz in Wien. Beim World Blogging Forum 2010 diskutieren Top-Blogger aus verschiedenen Ländern über die Medienwelt von morgen. Auf dem Programm der eintägigen Konferenz steht die Zukunft der digitalen Medienproduktion und -nutzung, ein detailliertes Session-Programm geht demnächst auf wbf2010.at online. Stattfinden wird das WBF2010 (Sie haben es bereits vermutet: #wbf2010 ist auch der offizielle Twitter Tag!) im A1 TA Hauptquartier in der Lasallestraße 9: dort stehen uns ein großer Saal sowie zusätzlich diverse Konferenzräume für Breakout-Sessions zur Verfügung.

Österreichische Blogger und Pressevertreter sind selbstverständlich herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos, die Plätze sind allerdings begrenzt: im Lauf der nächsten Monaten werden wir alle verfügbaren Tickets auf verschieden Blogs vergeben. Die ersten 10 Teilnahmeplätze für Schnellentschlossene gibt’s mit dieser Ankündigung – sicher Sie sich gleich ein Ticket für das World Blogging Forum 2010 in Wien!

10 Plätze fürs World Blogging Forum 2010 zu vergeben

Blogger-Events und Barcamps leben von der Beteiligung aller Teilnehmer: wir wünschen uns aktive Besucher, die sich an den Diskussionsrunden beteiligen und mit uns einen Blick in die Zukunft des Internet werfen möchten. Für Catering und Party wird natürlich gesorgt! Wer am 13. November mit dabei sein möchte, beantwortet via Kommentar folgende Frage:

Warum möchten Sie / warum möchtest du am World Blogging Forum 2010 teilnehemen?

Die ersten 10 Spots werden bis zum 15. August vergeben. Achtung: alle Sessions und die folgenden Diskussionsrunden werden in Englisch abgehalten!

Worum geht’s beim World Blogging Forum Vienna?

Technologie-affine Blogger machen sich Gedanken über die Zukunft: noch vor wenigen Jahren bestand das Internet aus statischen Inhalten, in nicht einmal fünf Jahren hat Social Media einen beispiellosen Siegeszug angetreten. Wie wird sich digitale Multimediawelt in den nächsten 10 Jahren entwickeln? Welche Rollen wird das Internet im täglichen Leben und in der Berufswelt spielen? Beim World Blogging Forum 2010 diskutieren Experten, die sich täglich im Cyberspace bewegen und mit ihren Weblogs zu den populärsten Medienexperten ihres Landes geworden sind, über ihre Ideen zur Zukunft des (mobilen) World Wide Web.

“Die Infrastruktur der Telekommunikationsanbieter ist das Rückgrat der Wissensgesellschaft. A1 Telekom Austria baut aber nicht nur die Netze dafür, wir wollen auch mit Experten auf allen Ebenen darüber sprechen, wie sich Gesellschaft und die Medienwelt entwickeln – also für welche Services und Inhalte wir die Datenautobahnen ausbauen,” so Werner Reiter, Pressesprecher des Veranstalters und Hauptsponsors A1 Telekom Austria.

datenschmutz-Stammleser wissen, was für eine einzigartige Erfahrung das World Blogging Forum 2009 in Bukarest für alle Beteiligten darstellte. Ich finde es einfach nur großartig, dass ich gemeinsam mit A1 TA dieses außergewöhnliche Konferenzformat in Wien hosten kann – und zähle auf rege Beteiligung der Locals. Wir werden während des Events einige freiwillige Helfer brauchen, Ideen und Vorschläge sind selbstverständlich hochgradig willkommen. Nähere Details zu Kooperations-Möglichkeiten und Mitarbeit folgen in Kürze auf wbf2010.at!

SVA Chaos: Arztbesuche ab 1. Juni kostenpflichtig

Das österreichische Sozialversicherungssystem hat so seine Probleme, doch was die SVA gerade angerichtet hat, ist in der Geschichte der Pflichtversicherung wohl einzigartig. Während es Obama in den USA gerade geschafft hat, endlich eine Krankenversicherungen für alle Bürger im Gesetz zu verankern, lässt die SVA österreichische Unternehmer im Regen stehen: nach dem Scheitern der Gesamtvertragsverhandlungen zwischen Ärztekammer und SVA beginnt in knapp zwei Wochen der vertragsfreie Zustand. Das bedeutet konkret: Wer Unternehmer ist und daher bei der SVA versichert, muss ab 1. Juni seine Besuche bei niedergelassenen Ärzten selbst bezahlen.

SVA unterlässt

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April, April und der ultimative Führerschein

WordPress wird auch weiterhin JPEGs “unterstützen” – obwohl das CMS mit dem Rendering ohnehin recht wenig zu tun hat, dieser Job obliegt schließlich dem Browser. Diesen absurden Beitrag habe ich aber nur online gestellt, um vom eigentlichen Aprilscherz abzulenken: nein, Social Media Beratung wird kein reglementiertes Gewerbe und ich bin auch nicht Mitglied der Konzessions-Vergabe-Arbeitsgruppe. Noch nicht. :frog:

Aber den europäischen Computerführerschein gibt es ja tatsächlich. Doch aufgrund der vielen Auffahrunfälle, die vor allem von jungen Surfern verursacht werden, steht nun eine Neuregelung ins Haus. 56% aller geisterfahrenden IP-Pakete kommen von Jung-Usern, die ihren Computerführerschein erst höchstens zwei Jahre lang besitzen. Aufgrund dieser bedenklichen Entwicklung hat sich die Europäische Kommission nun entschlossen, analog zum KFZ-Führerschein verschiedene Klassen einzuführen. Die endgültige Fassung des Dokuments sieht so aus (zum Vergrößeren anklicken):

Computerführerschein-Klassen

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MIX10: IE9 im Rampenlicht

Dean Hachamovitch, General IE Manager bei Microsoft, hatte bei seiner Keynote einige für die MS-Welt durchaus überraschende News zu berichten: keine Extrawurst, keine proprietären Tags, dafür ein deutlicher Fokus auf Performancegewinn via Hardwarebeschleunigung und die volle Palette der HTML5-Goodness – sogar neue jQuery Erweiterungen will Steve Ballmer der net.community zukünftig for free liefern.

Überhaupt entsteht auf der MIX10 sehr stark der Eindruck, dass Microsoft zwar mit Verspätung, aber dafür nun umso intensiver um die Zuneigung der Open Source Community wirbt. Das mag nur auf den ersten Blick skurril erscheinen, macht aber durchaus Sinn: Open Source Tools spielen im Web-Ökosystem mittlerweile eine zu bedeutende Rolle, als dass eine abgeschottete Parallel-Welt eine ernsthafte Überlebenschance hätte. Weiterlesen

Blogistan Panoptikum KW41 2009

Willkommen zur wöchentlichen wilden Achterbahnfahrt durch die High- und Lowlights einer Woche Blogosphären-Business. Und in der Tat trugen sich in den seit letztem Sonntag vergangenen 10.080 Minuten wunderliche Dinge zu. Ihre aufmerksamen Chronisten Linzerschnitte und datadirt haben wie jede Woche die virtuellen Bleistifte gespitzt und einige Anekdoten für Sie zusammengetragen. Übrigens entsteht dieses Panoptikum noch immer im totalen Old-School Modus via Google Docs – aber die müde, überreizte Generation der 30Jährigen braucht eben etwas länger zum Umstieg auf Wave :mrgreen:

Virtuelle Vermächtnisse wie verwalten?

ritchie aka datadirt Wir lachen, weinen, lernen, kommunizieren und leben im Netz. Aber das Leben endet bekanntlich irgendwann. Freitag.de stellt die spannende Frage, was im Fall des Ablebens denn eigentlich mit unserem digitalen Vermächtnis geschieht:

Obwohl immer mehr Menschen ihr Leben online führen, kümmert sich kaum jemand darum, was nach dem eigenen Ausloggen für die Ewigkeit mit dem digitalen Nachlass geschehen soll. Versäumte Vorkehrungen für das digitale Nachleben können den Hinterbliebenen, denen es obliegt, die Angelegenheiten der Verstorbenen zu regeln, allerdings erhebliche Probleme bereiten. So kann es sich ohne Passwörter und Usernamen schwierig gestalten, Zugang zu wertvollen Webdomains oder Online-Accounts oder auch bloß zu auf dem PC gespeicherten Fotos und Dokumenten zu bekommen.

Dabei handelt es sich nicht unbedingt bloß um Memorabilien von persönlichem Wert – wie der Artikel schildert, kann sich etwa der Zugriff auf ein PayPal-Konto im Todesfall ganz schön schwierig gestalten, was allerdings keine Überraschung ist, denn schließlich müssen sich derartige Dienstleister vor Betrugsversuchen absichern. Dass Internet ist erst seit vergleichsweise kurzer Zeit ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens und letztendlich auch Besitzes, und im englischsprachigen Raum gibt es bereits erste virtuelle “Nachlassverwalter-Services”. Im Medienkunst-Kontext war meines Wissens nach der etay Sarcophagus – Mission Eternity das erste Projekt, welches die Frage nach dem “digitalen Vermächtnis” thematisierte. Man kann das ganze natürlich auch wesentlich pragmatischer angehen: es ist sicherlich keine blöde Idee, einer vertrauenswürdigen Person einen USB-Stick mit allen relevanten Infos und Passwörtern (die Software Keepass eignet sich sehr gut dafür) zu geben – und falls mit dem Vertrauen dann doch nicht so weit her ist, kann man die Daten problemlos mit einem Master-Passwort sichern und dieses gemeinsam mit dem Testament hinterlegen.

Google Cloudboard

Judith aka Linzerschnitte Während ich mir noch überlege, wozu ich eigentlich Google Wave einsetzen könnte (noch dazu, wo in meinem Corporate Life, wo Wave Sinn machen würde, der Internet Explorer zwangsverordnet ist), kommen die Googler schon mit der nächsten Innovation aus ihren stylischen Nerdlöchern gekrochen. Das Google Clipboard soll Daten von verschiedensten Google Services leichter serviceübergreifend verfügbar machen:

Google tests a service called Cloudboard, an online clipboard that should make it easy to copy data between Gmail, Google Docs and other Google services. The service is not publicly available yet, but there are many references to it.

Twitter auf die Spitze treiben

ritchie aka datadirt Die einen beschweren sich über Essens-Tweets, die anderen beschäftigen sich intensiv mit dem anderen Ende der Nahrungsverwertung und finden ganz neue Wege, einen Twitter-Stream zu implementieren:

Known Gentleman Randy Sarafan decided to make this office chair to help “accurately document and share [his] life as it happens,” which is as admirable a cause as there ever has been to open a Twitter account. The setup is surprisingly complex: A natural gas sensor does the sniffing; an Arduino does the thinking; a Squidbee wireless module does the communicating; Twitter does the sharing. It’s a feat, to be sure.

Als Gizmodo den Beitrag veröffentlichte, hatten Randys Darmwinde gerade mal 131 Followers, mittlerweile verfolgen bereits knapp 4.000 Fans jede vom Office Chair dokumentierte Blähung – gute Sache, bis irgendwann mal olfaktorische Interfaces zum Standard werden… [via Stefan / www.wellnesstunes.com]

Tatort Livestream

Judith aka Linzerschnitte Facebook Livestreams wohin das Auge reicht: Nachdem am 16. September dieses Jahres der erste Facebook Livestream bei einem deutschsprachigen Fernsehsender (zur Sendung Am Punkt bei ATV) startete, gibt es seit dem heutigen Sonntag schon den nächsten. Und zwar beim sonntäglichen Hochamt der Krimitraditionalisten – dem Tatort auf ARD. Als Premiere diente das 20jährige Jubiläum von Tatortkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts). Mich als alten Tatortfan freut so ein live gestreamter Tatort natürlich sehr; schon seit längerem zeichnet sich auf Twitter ab, dass der Tatort ein echtes Fanthema ist. Wir sehen uns dann nächste Woche, wenn Ivo Batic und Franz Leitmayr, das Münchner Tatort-Team erstmals, ge- und bestreamt werden!

Die Reste vom Livestream-Feste

PS: Sollten Sie eben bemerkt haben, dass es der Facebook Livestream ist, der ihr Leben erst vollständig macht – hier werden Sie geholfen.

Fahr nicht so schnell! Mir wird schlecht!

ritchie aka datadirt Aus aktuellen Wave-Release Anlass behauptet Christian Stöcker im Spiegel Online, dass das Netz seine Nutzer abhänge. Nun habe ich als alter Hip Hop Head natürlich ganz und gar nix gegen Abhängen und Kopfnicken, gemeint ist in diesem Fall allerdings einmal mehr die gute alte Total-Zerspragelungen der Online-Aufmerksamkeit:

Die gute Nachricht: Das Internet und seine ständig wachsenden Möglichkeiten sollten eigentlich dabei helfen, Zeit zu sparen. Schließlich wird Post jetzt mit Lichtgeschwindigkeit zugestellt, Informationen sind blitzschnell verfügbar.
Die schlechte Nachricht: De facto aber tut das Internet das gleiche wie jedes neue Informations- und Kommunikationsmedium seit Erfindung der Keilschrift – es nimmt mehr Zeit, Aufmerksamkeit und damit Energie in Anspruch, als es freisetzt.

Der Beitrag ist absolut lesenswert und mag als Dokumentation einer in der Tag beispiellosen Informations-Beschleunigung sicherlich recht haben, übersieht allerdings beim Konstatieren der immer größer werdenden Kluft zwischen Mainstream und Geek-Avantgarde allerdings, dass gerade im Hinblick auf das Überangebot die natürliche Selektion im gleichen Maße an Geschwindigkeit zulegt, wie neue Services aus dem Netz-Boden sprießen. Vor allem der tiefe Graben zwischen 14-19 Jährigen und Mittdreißigern entspricht in keinster Weise meiner täglichen Social Media Erfahrung.

Blame Drew’s Cancer Update

ritchie aka datadirt Sehr gute Nachrichten: Drew geht’s besser – wir haben im Panoptikum schon mal über Drew Olfanoffs geniale Aktion “Blame Drew’s Cancer” berichtet: nach seiner Krebsdiagnose forderte Drew Twitter-User auf, seiner Krebserkrankung die Schuld für alles Mögliche zu geben – die Aktion Blame Drew’s Cancer schlug ziemliche Wellen. Und letzte Woche hatte Louis Gray sehr Erfreuliches zu berichten:

Ten chemo treatments into the promised dozen, Drew is seeing the light at the end of the tunnel. The doctors have given him a very positive diagnosis, which doesn’t mean he’s completely put cancer in the rear view mirror, but he has turned the corner. Even when he is feeling the inevitable fatigue, aches, nausea and other side effects of his treatment, he is progressing closer to this specific finish line.

Aber das ist noch nicht alles – Drew wollte die Fundraising-Aktion fortsetzen, indem er seinen Twitter-Account @Drew für eine Spende von 10k an Livestrong verkaufen wollte. Mashable berichtete, andere Medien griffen die Story auf – aber dann ging’s noch weiter:

The next day brought a big bombshell. On Saturday, Drew Carey bid $25,000 for the @Drew name, and in a bigger commitment, promised to increase his bid to a massive $100,000 if he were to reach 100,000 followers on Twitter by Drew (Olanoff’s) birthday this November 9th. And even though Carey started at only 13,000 followers at the time, he is nearing 50,000 in only a few days’ time. It’s incredible.

Derzeit hat Drew Carey schon 73k Followers – die 100 dürften sich bis zum 9. November locker ausgehen – ich bin @DrewFromTV jedenfalls gerade gefolgt. Tolle Aktion: Kompliment und weiterhin alles Gute für Drew!

Videos von den A1 Innovation Days

ritchie aka datadirt Almcamp-bedingt konnte ich die A1 Innovation Days und das zugehörige Mobile Camp im September nicht besuchen – die Diskussionen um die Monetarisierbarkeit mobiler Services dürften sich interessant gestaltet haben:

Fazit der A1 InnovationDays war: Das mobile Ökosystem ändert sich. Smartphones und die entsprechenden Betriebs-Systeme bieten vielfältigste neue Möglichkeiten. Davon profitieren zuerst einmal die Anwender. Um daraus auch echtes Business zu entwickeln, müssen Smartphonehersteller, Technologieunternehmen, Entwickler und Mobilfunkbetreiber enger zusammenrücken um den Zugang zu den neuen Services so einfach wie möglich zu machen.

Am offiziellen mobilkom-Blog gibt’s zwei Videos mit Impressionen aus der mobilen Zukunft. Dort findet man auch top-aktuelle Zahlen zur aktuellen Social Network Nutzung in Österreich. Laut der Befragung sind wir bei der Freundschafts-Schließung wählerischer als der internationale Durchschnitt:

Bereits 59 % der ÖsterreicherInnen nutzen Social Networks. Der bekannteste und meist genutzte Dienst heißt Facebook: 82 % der 500 Befragten kennen Facebook, 41 Prozent verwenden es zumindest gelegentlich. Die höchste Nutzungsrate gibt es mit 82 % bei den 14 bis 29-Jährigen, ihnen geht es besonders um die Pflege sozialer Kontakte und um Selbstinszenierung. Auch bei den 50- bis 60-Jährigen sind bereits 34 % Netzwerk-Mitglieder. Sie suchen vor allem nach Informationen. Zurückhaltend sind die ÖsterreicherInnen bei Freundschaften: in Österreich hat im Schnitt jeder 70 Freunde auf Facebook – international hingegen sind es durchschnittlich 120.

Die besten Katzen: Die CamCat

Judith aka Linzerschnitte Regelmäßige Leser des Panoptikums wissen: Hier herrscht ein erbitterter Krieg zwischen Katzen- und Hundefreunden (Judith = Team Katzen). Da Kollege Datenschmutz nicht davor zurückschreckt, das Panoptikum mit Hundefotos zu spicken [Anm. des Kollegen Datenschmutz: es gibt diese Woche nicht mal eine Hundefoto! Das Panoptikum braucht eine neue Rubrik: den “Hund der Woche”!], muss an dieser Stelle für ausgleichende Gerechtigkeit gesorgt werden. Aus diesem Anlass präsentiere ich hier eine Katze, die Nerdherzen höher schlagen lässt:

Camcat

Die Camcat ist an einem Seil befestigt, welches wiederum über ein (unwegsames) Gelände gespannt wird. Die Camcat erzeugt Kamerafahrten aus der Vogelperspektive, zum Beispiel über eine große Menschenmenge hinweg. Die CamCat erreicht zwischen 30 und 70 km/h, kann aber auch in der HighSpeed-Variante mit bis zu 130 km/h verwertbare Bilder erzeugen. Anwendungsbeispiele finden sich von Hollywood Schinken wie “Troja” oder Robbie-Williams-Konzertfilmchen bis zu großen Sportevents.
Das beste zum Schluss: Bei der Camcat handelt es sich um ein österreichisches Qualitätsprodukt.

T-Mobile im Glück

ritchie aka datadirt Auf wienerisch nämlich: denn in der österreichischen Bundeshauptstadt bedeutet “ins Glück steigen”, dass die eigene Schuhsohle nähere Bekanntschaft mit einem Häuferl Hundekot macht. Und mitgestiegen sind, wie TechCrunch berichtet, eine Menge Sidekick User:

Wow. T-Mobile and Danger, the Microsoft-owned subsidiary that makes the Sidekick, has just announced that they’ve likely lost all user data that was being stored on Microsoft’s servers due to a server failure. That means that any contacts, photos, calendars, or to-do lists that haven’t been locally backed up are gone. Apparently if you don’t turn off your Sidekick and make sure its battery doesn’t run out you can salvage what’s currently stored on the device, otherwise you’re out of luck: Microsoft/Danger is describing the likelihood of recovering the data from their servers as “extremely low”.

Ein wirklich grandioses Desaster und zweifellos eine Negativ-Premiere am weiten Feld des Cloud Computing. Doch damit nicht genug! Man kann sich auch ohne Sidekick so richtig ärgern, wie Georg Holzer berichtet:

Sympathie sammeln die Mobilfunker so nicht! Wer bei T-Mobile Austria eine simple technische Auskunft braucht (etwa die Einstellungen für sein T-Mobile-Datenmodem), wird an eine Mehrwertnummer verwiesen. Der Anruf bei der Technikhotline 0900/676 676 kostet 88 Cent pro Minute.

Und dass die 3G-Qualität mittlerweile sogar in Wien immer lausiger wird, ist auch nicht nur mir aufgefallen… ich freu mich jedenfalls schon aufs Auslaufen meiner Bindungsfrist – speziell seit mir bei der letzten Vertragsverlängerung ein Smartphone teurer als die Unlocked-Version auf Amazon angeboten wurde: dem Magenta-Riesen scheint wohl das Kleingeld auszugehen – kleiner Tipp: kleinere Plakate bei gesponserten Veranstaltungen tun’s auch – dann gehen sich zukünftig vielleicht sogar ordentliche Backup-Systeme und eine kostenfreie Hotline wieder aus :evil:

Foto der Woche

Entrant von telmo32 hat sofort meine Aufmerksamkeit eingefangen – fantastische Bildkomposition und überaus gelungene Lichtführung:

Judiths Video Woche

Wir haben einen anstrengende Woche hinter uns und eine nicht weniger anstrengende vor uns. Und da braucht man hin und wieder mal was uneingeschränkt Positives, oder?

Oder? Na also. High Five!

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Judiths Bonusvideo der Woche

Stichwort Katzencontent. Man lässt Katzen nun mal nicht alleine. Schon gar nicht, solange sie noch klein und niedlich sind und ihre Krallen noch keine größeren Schäden anrichten…

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Ritchies Video der Woche

Darf man der eigenen Wahrnehmung trauen? Aber natürlich! Wem denn sonst? In der weiten Welt des 3D-Modellings fällt das gar nicht immer so leicht, wie :weareom: zeigt:

Und wer etwas mehr Zeit und ein großes Herz für Action und Kampfsport hat, dem sei “Turbo” von Jarrett Lee Conaway ganz dringend ans Herz gelegt:

TURBO is a high adrenaline short film in the tradition of The Karate Kid and Tron. It tells the story of Hugo Park (Justin Chon, Twilight) a misspent youth whose only outlet for angst is a 4D fighting videogame called “Super Turbo Arena”. When Pharaoh King (Jocko Sims, Crash the Series), the Michael Jordan of cyber-sports, announces a tournament to determine who will join his pro-team, Hugo sets his eyes on the prize.

Wirklich verdammt gut gemacht!

Mehr Bildschirmlektüre: Lesetipps der Woche

  • Wir haben’s an dieser Stelle schon mal erwähnt, aber es kann nicht oft genug gesagt werden: Jana Herwig aka @digioms Essay über Liminality and Communitas in Social Media: The case of Twitter. ist ein Must-Read für jeden, der sich professionell und/oder wissenschaftlich mit Microblogging beschäftigt. Punkt.
  • Twitter aus Investorenperspektive: Robert J. Moore, Mitgründer von RJMetrics, hat auf TechCruch einen lesenswerten Beitrag über Twitter-Metrics veröffentlicht – die Bewertung der Firma mit 1Mrd Dollar mag in der Tat übertrieben sein, aber die statistischen Daten überraschen durchaus: “In other words, the users who stick around actually tweet so frequently (and at such a rapid pace compared to their first month) that they more than make up for the lost activity of those who churned after the first month. This is a very powerful and unexpected statistic.”
  • Den Complete Guide to Videoblogging hat Leah Betancourt für Mashable geschrieben – und so übertrieben der Titel sein mag, ein paar gute Tipps findet man in dem Text durchaus.

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende unseres Rückblicks – also quasi in der Gegenwart – angelangt. Bleibt uns nur mehr, Ihnen fröhlich-beschwingte Restsonntagsminuten zu wünschen. Input und Themenvorschläge sind natürlich nach wie vor jederzeit willkommen – herzlichen Dank für Ihre hochgeschätzte Aufmerksamkeit, wir lesen uns morgen.

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick – für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.

Blogistan Panoptikum KW35 2009

Wäre dieser Zug ein Flugzeug, hätte ich schon längst von einer hübschen Stewardess Erfrischungen serviert bekommen und den Landeanflug hinter mir. Als zweitklassiger Fahr”gast” der ÖBB dagegen darf man von sauberen Waggons und funktionierenden Klima-Anlagen, Toiletten und anderen Unwichtigkeiten nur träumen. Doch sogar in der ersten Klasse musste ich mich heute von einer überschminkten, sehr altersungemäß gekleideten und drei Plätze weiter weg sitzenden “Mitreisenden” für mein mobiles Telefonieren rügen lassen: “Ich fahre ja nicht mit der ersten Klasse, um Ihnen zuzuhören!” Sie sagte das dermaßen unfreundlich, dass ich nicht umhin konnte zu fragen, ob sie denn wirklich glaube, dass die ÖBB in die 1.-Klasse-Waggons Moving Repeater einbaut, um zugleich den Reisenden das Telefonieren zu verbieten. “Stil kann man nicht kaufen”, erklärte sie mir beleidigt. Tja, blöd gelaufen: wer Ruhe beim Reisen haben will, braucht eben mindestens ein Motorrad oder ein Auto – Still kann man nämlich sehr wohl kaufen! (Falls Sie das hier lesen: die kurzen roten Haare passen wirklich überhaupt nicht zu Ihrer biestigen Art! Eine graue Melone, wie sie die Mutter von Jack in 30 Rock trägt, wäre viel angebrachter.) Aber genug der Real-Life-Flamewars, auch virtuell heben sich allerhand Zeige- und Mittelfinger – also ohne weitere Verzögerung auf zum heiteren Social-Web-Raten mit Linzerschnitte und datenschmutz. Heute zum ersten Mal mit dabei: unsere neue Fix-Rubrik “Pflichtlektüre der Woche”. Viel Vergnügen mit dem Panoptikum!

Dein Blog ist dein Königreich

ritchie aka datadirt Om Maliks plädiert in The Evolution of Blogging für mehr Sensibilität beim Thema fremd- vs. selbstkontrolliertes Publishing: wer seine gesamte Online-Präsenz in die Hände von Dienstanbietern gibt, auf deren Entwicklung und Strategie er keinerlei Einfluss hat, kann eines Tages mit einem blauen Auge respektive ohne diese Inhalte aufwachen. Om zitiert das aktuelle Beispiel des Short-URL Services tr.im:

First was the shutdown drama around a little-known URL-shortening service called Tr.im. While it’s since been resurrected, the incident showed me how by championing these URL-shortening services, we’re essentially putting the entire link economy in the hands of companies that are skating on thin ice during the peak of summer.

Facebook, Friendfeed, Twitter und Co. haben gezeigt, so Malik, dass ein verstärktes Interesse an Echtzeit-Kommunikation besteht. Blog-Publishing System wie WordPress bleiben dank ihrer Offenheit flexibel genug, um etwa eine Life-Feed Funktionalität via Plugin rasch nachzurüsten. Content war im Web 1.0 schon King, und daran hat sich rein gar nix geändert: aber die Frage lautet, ob die Produzenten die Publikation und Verbreitung ihrer Inhalte selbst kontrollieren. Social Media Services sind keine Charity-Veranstaltungen, sondern profit-orientierte Unternehmen – die Versprechen des Free-Web scheinen so verführerisch wie weiland Odysseus’ Sirenen, aber: wer die Daten kontrolliert, hält in der Informationsgesellschaft die Fäden der Macht in seiner Hand. Social Media Services sind mittlerweile zwar unverzichtbare “Extensions” der eigenen Webpräsenz, das “Mutterschiff Weblog” können und sollten sie keinesfalls ersetzen – in exakt diese Kerbe schlägt auch das Webworker-Posting Your blog is your mothership.

Twitter-Psychos

Judith aka Linzerschnitte Wer als Twitter-Marketer etwas auf sich hält, der überlässt nichts dem Zufall. Twitterpsych, die neue Twitter-App von Dan Zarella, analysiert die letzten 1000 Tweets eines Tweepers anhand zweier linguistischer Analyse-Alogorithmen (RID und LIWC). Unter anderem werden folgenden Komponenten erhoben: Soziales Verhalten, Moralischer Imperativ und auch der Faktor “Ruhm”. Ebenso wird analysiert, wie viele Smilies der User verwendet, worüber er hauptsächlich spricht, zu welcher Zeit usw. Außerdem werden gleichgesinnte User angezeigt. Und das ohne Passwort-Eingabe. Also das ultiamtive Psycho-Analyse-Intstrument für alle Marketiere. Leider oder glücklicherweise funktioniert Tweetpsych nur bei englischsprachigen Accounts in vollem Umfang: tweetpsych.com

Neu und genuin anders: TwitThis

ritchie aka datadirt Über Shoemoneys Beitrag mit dem vielversprechenden Titel How I used Twitthis to Get Over 15,000 Twitter Followers bin ich auf ein sehr interessantes Services gestoßen: TwitThis verbindet auf smarte Weise ReTweet-Funktionen mit Follower-Empfehlungen, Link-Shortening und Credit-Systeme. Klingt kompliziert? Nur für die Betreiber, das Interface für User wurde angenehm simpel gehalten. Genial:

Click the twitthis button you see on sites – according to Yahoo! the button is on over 10 million sites now including some HEAVY hitters like official government websites like texas.gov and oklahoma.gov as well as the new twilight movie. Everywhere you see a page where the twitthis button is (or in a feed) that you find interesting click it and tweet it! Also when you do tweet it you will be offered to follow a suggested user. If you do both of these things you gain points and increase the chance that you will be suggested for people to follow.

Wenn ich nicht schon PrettyLink Pro als eigenen URL-Shortener im Einsatz hätte, würde ich jeden meiner Links über TwitThis rausschicken, denn:

I want to be a suggested user. How do I earn TwitPoints?

  • Submit a URL to TwitThis and earn 5 TwitPoints.
  • Follow a suggested user and earn 10 TwitPoints

How are my TwitPoints used?

  • Each time someone follows you, it costs you 1 TwitPoint.
  • Every 1000 times you are the suggested user, it costs you 1 TwitPoint.
  • To keep the ecosystem fresh, users are taxed 10% of their TwitPoints daily.

Watson, ich meine: wir haben es hier mit einer Twitter-Train 2.0 zu tun! Der deutsche Sprachraumbleibt natürlich wie üblich außen vor, wer auf Englisch twittert, kann sich aber schon mal auf massiv viele Followers freuen. Im Shoemoney-Beitrag wird auch en detail beschrieben, wie man TwitThis via Feedburners Feedflare in den RSS-Feed integriert – unbedingt empfehlenswert!

Tracy – Ein Fall für den Online Reputation Manager

Judith aka Linzerschnitte Ähnlich nervtötend wie ein Versicherungsvertreter am Telefon ist der Online Reputation Manager im Web. Hinter jedem Satz vermutet er einen möglichen, lebenslänglichen Ausschlußgrund für zukünftige Jobs oder Lebenspartner und am liebsten würden die Online Reputation Manager uns genauso glattgestrickt und todlangweilig dastehen lassen, wie sie selbst sind. Trotz aller Vorbehalte gegen diese Zunft: Manchen Mensche täte es vielleicht nicht schlecht, einen solchen zu kontaktieren. Da wären zum Beispiel Agenturen, die sich mit ihrer Social Media Kompetenz rühmen und dann im Web 2.0 über die Inhouse-Kampagnen ihrer Kunden herziehen, an denen sie selbst nicht mitschneiden dürfen. Bei jener Dame namens Tracy wurden letzte Woche wohl einige Online Reputation Manager vorstellig. Tracy hat wohl ihre Facebook Wall mit den Private Messages verwechselte – und zwar ausgerechnet bei einer sehr intimen Botschaft:

Thank you too, Micheal, I had a great time as well. I’m glad you enjoyed my OTHER puss ;). I must admit I haven’t had sex in a while, so getting mounted by such a strong and powerful man was a pleasant surprise after so many long months of abstinence. […]

Keine Ahnung, ob es Fake oder Real ist. Aber selbst in diesem Fall sollte ein Online Reputation Manager nicht unbedingt von Nöten ist. Eher ist die Großzügigkeit der Leser dieser Botschaft gefragt, die sich selbst an der Nase nehmen und das Lästern mal sein lassen sollten. Sich einfach mal mit und für Tracy (oder den erfolgreichen Social Media Aktivitäten des Kunden) freuen und schon wird es im Social Web wieder ein bisschen lustiger.

Just in: Angeblich handelte es sich um einen Hack, wie The Coffee Desk berichtet:

So there’s a Facebook screenshot floating around in the Blogosphere depicting a woman with a very embarrassing status, as Mashable naively reports. Truth is, a Christian dating website was compromised by 4chan hackers and they used the information to take over the victims’ Facebook pages.

Faszinierend: bereits die ersten paar Kommentare zur Mashable-Story stellen die “Ente” richtig – da können papierene Medienprodukte einfach nicht mithalten!

A productivity plain

ritchie aka datadirt Zu viele Social Media Notifications sind der Tod der Produktivität – ich habe letzte Woche (notgedrungen) meinen Desktop neu aufgesetzt (akuter System-Disk Tod, Ursache: unbekannt) und peinlichst genau darauf geachtet, dass der Start-Up Folder leer bleibt. Wenn man Skype, Twitter und Co. nur on demand nutzt und die Ablenkungen minimiert, dann geht einfach mehr weiter, hat Jeremy kürzlich im Flieger festgestellt:

So this week I am going to whack all the notifiers… Now I am not going to go all 4-hour work week and only check my email 2x a day but I for sure need to cut back on the 0-second notifications.
It’s an amazing world we live in where communication happens so fast but it can be hard to be productive.

Wie twittern deutsche Unternehmen?

Judith aka Linzerschnitte Corporate Tweeper stehen unter ständiger Beobachtung: sie dürfen nicht zuviel und nicht zuwenig twittern, sie sollen Follower aufbauen und auch zurückfolgen, aber ja niemanden “belästigen” und auf jeden Fall sollen sie Dialogbereitschaft und Mehrwert bieten. Wie die Realität aussieht, hat eine deutsche Agentur untersucht. Fazit:

  • Nur knapp jeder Fünfte (18 Prozent) weist über 1000 Abonnenten (Follower) aus.
  • Der Follower-Durchschnitt liegt bei 661 Abonnenten (Median: 400 Follower).
  • Im Schnitt twittern die Unternehmen 13 Mal pro Woche.
  • 67 Prozent der Corporate-Tweets enthalten Links, in der Regel in Form einer Kurz-URL.
  • Nur 33 Prozent der Unternehmen verwenden @Relplies, kommunizieren also direkt mit anderen Twitterern.

Downloadlink zur Studie.

TweetLater heißt jetzt SocialOoomph

Zugegeben: auf Deutsch klingt “Umpf” etwas seltsam. Aber längerfristig macht die Entscheidung von Dewald, nicht bloß auf Twitter zu setzen, hochgradig Sinn. In wenigen Monaten entwickelte sich Tweetlater zum Platzhirsch unter den Premium-Mash-Ups; ich bin gespannt, welche neuen Ideen Dewald im Ärmel stecken hat:

To date we have been focusing on providing productivity solutions for Twitter users. We decided to change our name to allow for future expansion into other social media solutions, and to ensure that our brand does not conflict with any current or future legal rights of the Twitter organization.
To allay any speculation, we want to make clear that this is an unsolicited, proactive and preemptive action on our side.

Für Free- und Pro-User ändert sich außer der Adresse nichts; die alten Affiliate-Links werden ebenfalls weiterhin funktionieren, allerdings empfiehlt Dewald, in allen Links “Tweetlater” durch “Socialoomph” zu ersetzen.

Foto der Woche

Nein, Judith hat mich noch nicht (völlig) mit Katzencontent infiziert. Aber recubejims “Katzenklo” aka I’m all right, honest besticht nicht nur inhaltlich, sondern auch fotografisch:

katzenklo

Ritchies Video der Woche

A failed attempt: in diesem Video sehen wir das, was Piloten als “riskante Landung” bezeichnen. Allerdings handelt es sich glücklicherweise um einen ferngesteuerten Flieger, der – im Gegensatz zur Kamera – den Tauchgang unbeschadet überstand. Bei solchen Videos krieg ich immer immense Lust, mir einen RC-Heli mit Kamera zuzulegen…

Judiths Video der Woche

Nicht jede/r kann den Bullen so graziös und aufreizend reiten wie Kylie Minouge. Nicht grazil, nicht sexy – aber wesentlich lustiger:

YouTube Preview Image

Pflichtlektüre der Woche

  • How to kill your community in 6 steps – WordPress-Matt (Mullenweg) erklärt, wie man Communities kaputt macht – und derzeit scheint sich das Gros der Community-Manager geradezu sklavisch an seine Anweisungen zu halten.
  • Negatives Feedback zu Cash for Clunkers: die Ami-Version der Verschrottungsprämie wird bloß zu einem immensen Anstieg der privaten Verschuldungsrate führen, meinen die Kritiker.
  • Twitter wächst nach wie vor: Der Juli war ein guter Monat für unser aller liebster Microblogging-Dienst. Twitter hat mittlerweile über 51 Millionen Unique Visitors pro Monat, 60 Prozent davon von außerhalb der USA: Twitter Flew Above The 50 Million Uniques Mark For the First Time in July auf TechCrunch.
  • Philip Garrido, religiöser Fanatiker und Entführer von Jaycee Lee Dugard, hat einen Blog. Lesenswerter als die Blogbeiträge sind die Kommentare: voicesrevealed.blogspot.com

Und das waren auch schon wieder sieben Tage Social Media im Schnelldurchlauf – an dieser Stelle noch eine Anmerkung in eigener Sache: in den letzten Wochen gab es erfreulich viel Feedback zu unserem Blogistan-Panoptikum: Kommentare, Anmerkungen, Ergänzungen, Lob und Hasstiraden motivieren uns natürlich ungemein. Lassen Sie sich also durch nichts – aber auch wirklich gar nichts – davon abhalten, reichlich Gebrauch von der Kommentarfunktion zu machen: quasi “Comment as much as you can”! Sagen Sie uns, über welche Themen Sie gerne mehr/weniger lesen würden, erzählen Sie uns, wie Sie nach sechs Monaten Panoptikum-Dauerlektüre quasi über Nacht zum Social Media Officer Ihres Unternehmens wurden oder auch nicht: wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen! In diesem Sinne: danke für Ihre Aufmerksamkeit, schönen Restsonntag und: wir lesen uns morgen!

Input für WochenrückblickHaben Sie Vorschläge und Themen fürs datenschmutz Wochenpanoptikum?
Gibt es aktuelle Infos aus der weiten Welt des Web, die datenschmutz-Leser erfahren sollten?
Schicken Sie Ihre eigenen News ein für den kommenden Wochenrückblick – für jeden Eintrag gibt’s auf Wunsch einen Backlink! Hier geht’s zum Einreich-Formular.

Warum Facebook nicht Twitter ist

Seit dem letzten Facelifting hört man aller Orten, Facebook habe Twitter kopiert. Auf den ersten Blick mag die Optik durchaus ähnlich wirken, und von der Gewichtung des Themas Micro-Blogging (respektive Status-Update, wie’s in FB-Terminologie heißt) setzt das größte Social Network der Welt zwar deutliche Akzente. Vielfach übersehen wird aber die Tatsache, dass sich die Antwort-Logik und die Thread-Darstellung der beiden Systeme wesentlich unterscheiden.

Twitter bietet bekanntlich die Möglichkeit, über das Einfügen von @-Symbol und Username eine Tweet-Message als Antwort zu kennzeichnen. Diese rudimentäre Thread-Logik erlaubt es in Zusammenhang mit der Timestamp, öffentliche Gespräche nachzuvollziehen. Replies sind aber trotz ihrer Spezialfunktion ganz gewöhnliche “öffentliche” Tweets.

Betrachtet man im Vergleich die Funktionsweise von Facebook etwas näher, so zeigt sich schnell der erste Unterschied: Antworten auf Status-Updates werden nicht zu einem späteren Zeitpunkt in die Timeline geschickt, sondern auf der Webseite direkt mittels Reply-Button an die Originalnachricht angehängt. Die Timeline ist also nicht chronologisch, sondern hierarchisch angeordnet. Im Fall einer Antwort wird der Schreiber des ursprünglichen Updates verständigt, und in weiterer Folge bekommen alle am einzelnen Thread Beteiligten User Benachrichtigungen bei neuen Antworten. Die sind zwar grundsätzlich auch Public, allerdings orientiert sich Facebook hier eher an klassischen Forums-Logik als an der Zeitstrahl-Metapher Twitters. Dieser Unterschied mag Usern, die mit beiden System gar nicht oder nur am Rande vertraut sind, marginal erscheinen – in der Tat sorgt aber für einen gravierenden Unterschied in der Nutzung und im Look-and-Feel.

Ich bin jedenfalls neugierig, ob Facebook weiter in Richtung Micro-Blogging geht und zukünftig gar das @-Symbol auswertet. Viele User bespielen bereits jetzt ihre Status-Updates automatisch mit Tweets, mir persönlich sind die Unterschiede zwischen beiden Formaten dann doch zu groß: während ich Twitter mittlerweile vorwiegend als “Information-Retrieval” Tool nutze, empfinde ich das Facebook-Status Update nicht unbedingt als persönlicher, aber doch als personen-bezogener. Die weitere Entwicklung wird jedenfalls spannend zu beobachten.

T-Mobile G1: Marktstart und Macken im Alltagsbetrieb

andro1Ab 30. Jänner wird das T-Mobile G1 Handy offiziell in Österreich erhältlich sein, Details zu den Preisen waren allerdings noch keine in Erfahrung zu bringen. Die gute Nachricht für Early Adopters: es wird noch ein Tester gesucht, wer also das G1 so schnell wie möglich in die Finger bekommen möchte, hat noch zwei Tage lang Zeit, sich zu bewerben:

Du willst dabei sein? Dann schicke uns deine Emailadresse, den Link zu deinem Blog und deine Ideen für G1-Beiträge auf mobileblogger.at an support@mobileblogger.at. Achtung: Die Bewerbungsfrist läuft nur bis 21.1. 23:00 Uhr!

Details gibt’s auf Mobileblogger.at – die Seite, die alle Berichte der österreichischen Blog-Tester aggregiert, ist mittlerweile an den Start gegangen. Ein Faktum kristallisiert sich allerdings aus den verschiedenen Testmeinungen bereits recht deutlich raus: die vorinstallierte Software ist nicht das Gelbe vom Ei, da gibt’s noch ziemlichen Verbesserungsbedarf – so beherrscht etwa das Standard-OS kein Multitouch Feature, obwohl die Hardware dies durchaus zuließe. Allerdings steht zu erwarten, dass in den nächsten Wochen laufend Updates rauskommen – dass das G1 vorerst aber ein “Bastlerhandy” bleibt, sollte jedem Interessierten klar sein.

In punkto Hardware hat Max mit seinem letzten Beitrag eigentlich schon alles gesagt: in der Tat wünscht man sich eine bessere Verarbeitung, von wertigen Materialien kann jedenfalls keine Rede sein. Schlampereien offenbaren sich an vielen Enden und Ecken, so etwa auch bei der durchwegs kontraproduktiven Tastaturbeleuchtung, welche die Ablesbarkeit der Tasten eher erschwert als erleichtert.

Zu den Eingabemodalitäten

Schmerzlich vermisse ich im Vergleich zu meinem HTC-Gerät eine dynamisch eingeblendete Software-Tastatur: bei jeder kleinen Eingabe, und sei’s nur die Suche nach einem Kontakt, muss ich das Gerät aufklappen und mit der Tastatur arbeiten. Meinen persönlichen Bedürfnissen kommt da die Arbeitsteilung zwischen Softkey und Tastatur in Kombination mit dem zielgenauen Stift viel eher entgegen als das Konzept des G1, nicht mal ein virtueller Ziffernblock wird zur Direktwahl von Telefonnummern eingeblendet. Die vielfach kritisierte fehlende T9-Unterstüzung vermisse ich dagegen gar nicht – die drehe ich normalerweise sowieso als erstes ab.

androkeys

Derlei Eingabe-Inkonvenienzen lassen sich zukünftig vermutlich via Zusatz-Software beheben. Zwar offeriert der Software Market bereits jetzt eine Lösung für englische Texteingabe, diese funktioniert allerdings – ebenso wie ein Großteil der Zusatzprogramme – schlicht und einfach nicht. Ganz hervorragend dagegen bewährt sich der griffige Trackball, der trotz seiner geringen Größe schnelles und präzises Navigieren erlaubt:

androtrack

Generell wirft dieses Gerät für mich die Frage auf, inwieweit es Sinn macht, der zukünftigen Community die Entwicklung eines konkurrenzfähigen Usability-Konzepts zu überlassen: ich erwarte mir von einem Mobiltelefon, das nicht explizit als Beta-Version verschleudert wird, eine wesentliche durchdachtere Bedienung. Wäre das G1 das einzige Smartphone auf der Welt, fielen diese kleinen Mängel vermutlich gar nicht auf, aber die Konkurrenz hat in diesem Bereich ja schon einiges vorgelegt. Dementsprechend gespannt bin ich auf die Preisentwicklung im Market – bislang sind kommerzielle Angebote noch sehr dünn gesät; ob sich hier der Open Source Ansatz durchsetzt oder ob eher das iPhone-Modell Schule macht, muss die Zukunft zeigen.

Veranstaltung: Visual Computing Trends 2009

vrvisEine hochkarätig besetzte Auswahl an Keynotes, ein spannendes Thema und die Teilnahme ist noch dazu völlig gratis: wer am Event Visual Computing Trends 2009 teilnehmen möchte, muss sich lediglich vorab registrieren. Organisiert wird die Veranstaltung von Kompetenzzentrum VRVis in Zusammenarbeit mit der TU Wien, der ganze Tag lang dreht sich um den aktuellen Status Quo des “Visual Computing”

Visual Computing ist jener Wissenszweig der Computerwissenschaften, der sich mit dem Umgang von visuellen Informationen beschäftigt wie z. B. Bilder und Bildsequenzen in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang. Visual Computing hat sich aus der methodischen Verschmelzung von Bildaufbereitung, Computervision, Computergrafik und Visualisierung entwickelt und ist zum Innovationstreiber der gesamten Branche geworden.

Neben Gastgebern Prof. Werner Purgathofer von der TU Wien sprechen Prof. Horst Bischof (TU Graz), Prof. Thomas Ertl (Universität Stuttgart), Prof. Steven Feiner (Columbia Univ. NY) und David Luebke (NVidia Corp.) über Zukunftsszenarien (wissenschaftlicher) Visualisierung. Sicher eine tolle Gelegenheit, um sich einen Überblick über topaktuelle Entwicklungen zu verschaffen. Wer teilnehmen möchte, registriert sich via E-Mail, nähere Infos zur Veranstaltung gibt’s auf der Homepage des VRVis.

Ort: Techgate Vienna, Donau-City-Straße 1, 1220 Wien
Datum: 28.1.2009

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Ein virtueller Bart für einen guten Zweck

Können Bärte die Welt verändern? ZZ Tops Meinung zu diesem Punkt dürfte klar sein, die Buzz-Marketers von atto haben sich auch was Nettes zu diesem Thema einfallen lassen. Der Claim lautet: Help real people in developing countries by sticking a fake beard on your real face. Und das geht so:

  1. Aus der Galerie eine Bartvorlage nach eigenen Präferenzen aussuchen.
  2. Passendes Portraitfoto wählen, mit dem Bildbearbeitungsprogramm der Wahl den Bart aufs eigene Gesicht verpflanzen, oder ausdrucken, ausschneiden und fotografieren.
  3. Das Resultat an couple65months@photos.flickr.com schicken.
  4. Pro Einsendung zahlt atto $1 an einen Account bei Kiva.org, eine Institution, die sich um die Vergabe von Mikrokrediten in Entwicklungsländern kümmert.
  5. Do it and spread the word!
ritchie mit bart

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Gastbeitrag: Alles was glänzt ist Chrome

google chromeDer folgende Gastbeitrag von Walter Ritter stammt aus der aktuellen Ausgabe von the gap. Der Autor hat ihn mir zur Verfügung gestellt und ich denke, dass diese Überlegungen zu Googles Chrome-Browser für datenschmutz Leser sehr interessant sind.
Google präsentiert einen eigenen Browser. Der macht das Datensammeln noch einfacher für das Unternehmen. Mit dem neuen Streich in Richtung Absicherung seiner Hegemonialstellung läutet der Internetkonzern auch einen Kulturwandel in der Open Source Szene ein. David Ayers von osAlliance hat Google formal wenig vorzuwerfen. Ethik steht ohnehin auf einem anderen Blatt Papier. Weiterlesen

Anschauungs.Unterricht: Revolution-Themes werden Open Source

Revolution themes go open sourceBrian Gardner hat seine WordPress Themes bislang sehr erfolgreich verkauft – Anfang Oktober kündigte er seinem Blog an, dass die Revolution Serie zukünftig Open Source Software und unter die GPL gestellt wird. Gemeinsam mit Jason Schuller, Betreiber von WPElements, will Brian “etwas Größeres” auf die Beine stellen. Ich kenne kaum jemanden, der soviel Ahnung von WP Theme Design hat – kein Wunder, dass die Revolution Templates weggingen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Ich habe selbst angepasste Versionen für diverse kommerzielle Projekte verwendet, unter anderem bildete ein Revolution Theme auch den Ausgangspunkt für die fatfoogoo Seite (Vom Originalcode ist nach zahllosen Modifikationen allerdings nicht mehr viel übrig, Revolution hat aber im Vergleich zur Entwicklung from scratch trotzdem immens Zeit gespart.) Folgender Absatz in Brians Statement hat mich besonders gefreut:

This one is really simple – more than anything, Jason and I want to develop a resource and community that is perfectly aligned with WordPress. Both he and I have been fortunate enough to leave our day jobs within the past year and have developed our own media companies. None of that would have been possible without the existence of WordPress, which is solely built and supported by the open source community.

Da klingt nämlich etwas durch, das im hektischen Daily Business, in Träumen von get-rich-quick und geplatzten Blasen viel zu oft untergeht: jenseits von megalomanischen Community-Ideen, Pyramidenspielen in neuem Gewand und überbewerteten Aktien haben sich in den letzten Jahren eine Menge Unternehmer mit solider “Handwerksarbeit” (sofern man im virtuellen Raum diesen Begriff benutzen darf) ihre eigenen Businessmodell aufgebaut – und die funktionieren innerhalb der Community perfekt, ganz ohne Business Angels, Seed Financing und Venture Capital Funds.

Das ist einer der Gründe, warum mir die Weltwirtschaftskrise nicht besonders viele Sorgen macht (neben dem Umstand, dass ich keinerlei Aktien besitze und keine Kredite laufen haben): viele große Firmen werden erstmal ihre Marketingbudgets kürzen, was die Industrie trifft. Aber zugleich werden nachhaltige Werbe-/Kommunikationsformen und wendige Netzwerke mit geringen Overheadkosten immer stärker gefragt sein… soweit meine durchwegs optimistische Prognose.

Xing Usability = Crap

nixlogoJa, alle wissen, dass Xing eine Müllseite ist, aber trotzdem muss man sich ab und an den Frust von der missbrauchen User-Seele schreiben – wozu zahlt man schließlich die Deppensteuer fürs Verschicken von Nachrichten? Ich hab mich heute seit längerer Zeit wieder mal eingeloggt und dabei ist mir so richtig aufgefallen, dass die Geschäftsführung anscheinend jeden Euro für Werbung und keinen Cent für Usability ausgibt. Aber kein Wunder – die haben ja nicht mal eine interne Entwicklungsabteilung, sondern arbeiten mit einem externen Partner, was deutlich zeigt, dass Xing die Entwicklung der Plattform keinesfalls als Kerngeschäft ansieht.

Akuter Anlass meines Unverständnisses: Xing ist das einzige mir bekannt Social Network, das es nicht für nötig hält, im Hauptmenü mit kleinen Ziffern die Zahl der neuen Nachrichten und Kontaktanfragen anzuzeigen. Das ließe sich sogar noch leichter beheben als die zweite Lächerlichkeit: wenn ich an einen meiner Kontakt eine Nachricht schicken möchte, dann kann ich das direkt von dessen Profilpage aus tun. Klicke ich aber im Nachrichten-Menü auf “neue Nachricht”, dann öffnet sich eine Listenauswahl mit *allen* Kontakten. Das sieht so sexy aus:

Xing Adress-Auswahl-Screen

Hallo, Erde an OpenBC: schon mal was von Auto Completion gehört? Nachdem ja schon die Timeline konzeptlos von Facebook abgekupfert wurde, wäre das mal ein featuren, das zu kopieren sich lohnte.

Einzige “Sortiermöglichkeit”: der Anfangsbuchstabe des Nachnamens. Das ist natürlich besonders lässig, wenn man von einem flüchtigen Kontakt nur den Vornamen im Kopf hat… Ich bin ja direkt verwundert, dass die Namen überhaupt alphabetisch sortiert sind und nicht einfach in Zufallsreihenfolge gelistet werden. Eigentlich will ich den Betreibern ja keine gratis Usability-Ratschläge geben, aber die Vergangenheit hat wohl deutlich gezeigt, dass dort eh niemand Blogs liest :mrgreen:

Endorsement / Wahlempfehlung: Wen oder was morgen wählen? Und wozu?

WahlempfehlungEs ist eine Nationalratswahl, die außer den beiden derzeitigen Koalitionsparteien ÖVP und SPÖ eigentlich nicht einmal die Opposition wollte, nimmt man die Aussage, dass die Regierung “lieber hätte arbeiten sollen anstatt zu streiten” ernst. Noch-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der neuerdings seine Leserbriefe lieber an den Falter als an die Kronenzeitung schickt, hielt den Kampf gegen den Partner ÖVP *und* die eigene Fraktion natürlich nicht auf Dauer durch, am morgigen Wahlsonntag sollen die Karten neu gemischt werden. Mediale Wahlempfehlungen sind in Österreich nicht üblich, daher werde ich, um dieses Defizit zumindest in der Blogosphäre, ein wenig auszugleichen.

Denn die Anonymität des Wahlrechts ist eine wichtige demokratische Einrichtung – allerdings handelt sich dabei um ein Recht, nicht um eine Pflicht. Als in Österreich ansässiger und hier Steuern bezahlender Jungunternehmer habe ich klare Interessen an die Entwicklung der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik, und die sehe ich am besten von einer Kleinpartei vertreten, die vermutlich noch nicht einmal in den Nationalrat einziehen wird – aber alles der Reihe nach. Es handelt sich um die Wahl der Superlative: 6,33 Millionen Wahlberechtigte (soviele waren es in der Geschichte der 2. Republik noch nie), 10 Fraktionen am Stimmzettel (ditto). Die Meinungsforscher sagen Turbulenzen voraus und sprechen immer noch von außergewöhnlichen vielen unentschiedenen Wahlberechtigten, 10% werden ihre Stimme via Briefwahl abgeben, das endgültige Ergebnis wird daher erst nach einer Woche feststehen. Selbst wer die Schnauze von “denen da oben” voll hat, hat die einmalige Chance, die ÖVP seit langer, langer Zeit endlich mal am Regieren zu hindern, das ist ein realistisches, erreichbares Ziel.

Wahlempfehlung 1: Wählen Sie gültig!

Von Wahltermin zu Wahltermin finden immer weniger österreichische Staatsbürger den Weg zu den Urnen. Von Politikverdrossenheit ist die Rede, wo doch viel häufiger das Gefühl im Vordergrund steht, “eh nichts ausrichten zu können”. Dass morgen erstmalig das Wahlalter von 18 auf 16 Lenze herabgesetzt wurde, wird dieses Beteiligungsmanko nicht ausgleichen. Dabei wäre es gerade diesmal so verdammt wichtig, ein gültiges Kreuzerl zu machen: denn die bloße Verschwendung staatlicher Parteienzuwendung für einen aufwendigen Wahlkampf kann und darf nicht darin münden, dass eine Neuauflage der großen Koalition mit zwei ausgetauschten Gesichtern stattfindet, die in 1-2 Jahren Untätigkeit und anschließendem Streit gipfelt…

Wahlempfehlung 2: Wählen Sie nicht FPÖ oder BZÖ

Bei beiden Parteien handelt es sich um Gruppieren, die zwar partiell vernünftige Auffassungen in einigen sozialpolitischen Punkten vertreten, aber bei beiden spielen nicht beeinflussbare Faktoren eine gravierende Bedeutung in der Bewertung von Menschen. Religion, Hautfarbe, Herkunftsland dürfen nicht darüber entscheiden, ob jemand ein Mensch zweiter Klasse ist. Gegen das österreichische Verbotsgesetz bin ich auch (sogar aus ähnlichen Gründen wie H. C. Strache: ja, ein Rechtsstaat muss ein paar Verrückte aushalten können die bestehende Rechtsordnung sollte ausreichen; Symbole zu verbieten macht diese bloß interessanter). Wogegen ich bin, ist ein Ausbau des Überwachungsstaats, eine Einteilung der Staatsbürger in brave und deviante Menschen, eine institutionell durchgesetzte 2-Klassen-Gesellschaft und der zynische Vorwurf, mangelnder Integrationswillen auf Seiten der “Ausländer” sei das einzige Problem in der Migrationspolitik und Zwang und Härte die Waffen der Wahl. Dennoch muss ich zugeben: die FPÖ und H.C. Strache in Regierungs-Verantwortung würd ich nicht ungern scheitern sehen. Vielleicht teilt sich die Partei dann ja erneut.

Wahlempfehlung 3: Meine Wahl

Die ÖVP überflügelte in ihrer ersten Plakatwelle alle Bedenken in punkto Rechtsruck, Molterer entwickelt sich im Zuge des Faymann’schen Kleiner-Mann-Populismus gegen die selbstdeklarierte Aufgabe als Finanzminister und wedelt plötzlich auch mit Geldbündeln. Ich will keine große Koalition, also müssen die Kleinparteien gestärkt werden, damit denkbare Ampelkoalitionen auch rechnerisch möglich werden. Demographisch wäre ich als Teilzeit-Bobo tendenziell Grün-Stammwähler, aber diese Partei bekommt meine Stimme schon länger nicht mehr, und das hat mehrere Gründe, die sich in den letzten 6 Wochen aufs deftigste bestätigt haben. Auch wenn ich einzelne Proponenten dieser Partei (Peter Pilz, Christoph Chorherr) sehr schätze, so kann ich mit dem Selbstverständnis des Führungsduos Van der Bellen und Glawischnig so rein gar nichts anfangen. Ich weiß ja nicht einmal, welche Politik die Grünen eigentlich verfolgen: Ökologische Wirtschaft steht bestenfalls als implizites Feigenblatt am Programm – mit keinem einzigen Wort erwähnte VdB jemals die landwirtschaftliche Problem-Dimension der derzeitigen EU-Politik. Tja, Bobos bestellen eben gerne ihr Gemüsekistl im Internet, aber dass selbst einer Partei, die einst aus einer spontanen Bewegung entstand, jegliche Motivation verloren hat, komplexe Missstände in den Fokus zu rücken, enttäuscht maßlos. Das zieht sich bis zur Energiepolitik: Raus aus Gas und Strom – genauso durchdacht wie die Mehrwertssteuerhalbierung auf Lebensmittel. Ein paar genauere Pläne wären super, Benzin teurer zu machen, wird nämlich nicht keinesfalls ausreichen – aber mir scheint’s so, als würden die Grünen für die Chance auf Regierungsbeteiligung sogar mit Freuden ein Atomkraftwerk bauen. Zumindest nehme ich die ökologische Dimension dieser Partie längst nicht mehr wahr, sondern bloß einen impliziten Konsens, dass die Grünen halt irgendwie “cool” sind. Dass bei genauerer Nachfrage eigentlich kaum jemand beantworten kann, warum, hätte der “Basis” (gibt’s die noch?) längst zu denken geben sollen.

Da bleibt also nicht mehr allzu viel Auswahl: Oberkommunist Mirko Messner lieferte zwar den legendärsten Fernseh-Wahlauftritt 2008 (Erklärung am nächsten Tag: “Ich war nicht ausgeschlafen.”), aber die Lachnummer hatten wir jetzt lange genug in der Regierung. Dass die Christen Österreich retten werden, glaube ich als überzeugter Agnostiker keineswegs, und das Tirol-Kabarett von Roughneck Fritz! entlockt mir auch nur ein Lächeln. Welche Punkte sind mir am wichtigsten?

  • Möglichst rasche Einführung einer Gesamtschule bis 14. Die Trennung in Hauptschule und Gymnasium ist überholt, kontraproduktiv und idiotisch.
  • Schwerpunkt auf nachhaltige Sozialpolitik: ein vereinheitlichter Krankenkassenträger und ansonsten am liebsten Grundsicherung. Österreich ist reich und kann sich das leisten, Punkt. Das demütigende System dient niemanden: wer nicht arbeiten mag, arbeitet auch derzeit nicht. Menschen gegen ihren Willen in Kurse zu pressen ist sinnlos, ich glaube, dass leistungsbezogener Verdienst plus Grundsicherung und ein vereinheitlichtes KK-System die bessere Lösung sind.
  • Wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik, Steuer- und Sozialversicherungs-Gleichstellung von KMU-Unternehmern (im Besonderen Einzelunternehmern) und Angestellten, stärkere Progression im Steuersystem, dafür Entlastung im Bereich der mittleren Einkommen, gravierende Anhebung von steuerfrei-Beträgen je nach Jahreseinkommen.

Diese Standpunkte sehe ich am besten beim Liberalen Forum vertreten – liberale Wirtschaftspolitik in Kombination mit verantwortungsbewusster, nachhaltiger Sozialpolitik wird aber wohl weiterhin mein rot-weiß-roter Wunschtraum bleiben. Als kleinen Schritt in diese Richtung sähe ich aber das LIF in der Regierung an, und daher bekommen Heide Schmidt und Co. morgen meine Stimme. Allerdings befürchte ich, dass sich weiterhin die große Koalition ausgehen wird und der große Stillstand damit garantiert ist.

Fotocredits:
Druck aushalten von Gerd Altmann (pixelio.de)

 

#bcts: Zurück vom Barcamp Traunsee

barcamptraunDer Traunsee rockt panoramatechnisch ganz gewaltig (im Wasser war ich nicht), das alte Kloster präsentierte sich als extra-tolle Location und nach einigen Monaten Barcamp-Pause fühlte es sich toll an, mal wieder eineinhalb Tage mit intensiven Diskussionen zu verbringen. Erstmal ganz herzlichen Dank an Fast-Allein Organisatorin Meral: alles hat perfekt geklappt, und was mir besonders gut gefallen hat: diesmal standen keine Projekt- oder Start-Up Vorstellungen im Vordergrund, sondern die meisten Sessions beschäftigten sich reflexiv mit aktuellen Entwicklungen. Ein paar Vorträge und viel Diskussion: Ablauf und Größe trafen genau meinen Geschmack.

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Blog-Formate im Wandel

Mich interessiert naturgemäß vor allem, wie sich Blog-Publishing Formate weiterentwickeln – Andi Klinger und ich haben dazu eine kleine Diskussion angestoßen, und zwar im Hinblick auf die immer populärer werdenden Aggregatoren-Services á la Friendfeed. Bekanntestes Beispiel in Österreich ist sicherlich Christian aka Phreak 2.0, der sein Blog vor kurzem zu einem “Actionstream” umgemodelt hat. Andi glaubt, dass neue Services die Stärken von Microblogs (etwa das rasche und unproblematische Posten á la Soup), Aggregatoren (Friendfeeds Social-Komponente) und “klassischen” Publishing Formaten in sich vereinen werden. Ich bin mir, was die Zukunft von Sammel-Streams betrifft, da durchwegs nicht so sicher. Ich selbst schätze ausführliche Postings, die zu einem bestimmten Thema eine echten Mehrwert bieten: aggregierte Feeds sehe ich eher als “Sideblogs” an. Sehr spannend wird übrigens die weitere Entwicklung von WordPress: die Vorstellung, dass aus dem Blog-CMS in gar nicht ferner Zukunft eine Art distributed Social Network werden könnte, lässt Freunden von Dezentralisierung und Rootservern (bei diesem Verein bin ich auch Mitglied) das Wasser im Mund zusammenlaufen… und BuddyPress, eine geniale Idee der WordPress-Macher, geht genau in diese Richtung. WP wäre dann nicht bloß ein Blog-CMS, sondern auf Wunsch ein kleiner “pluggable hub”: dass sich Funktionen wie Userbildchen (Gravatar), Software Updates (Plugin Repository) und Spam-Bekämpfung (Akismet) über optionale teil-zentralisierte Services abwickeln lassen, zeigt sich schon jetzt. Mit OpenID steht ein globales Login zur Verfügung – eigentlich liegt’s also nahe, auch die Social-Network Features bzw. das persönliche Profil samt Kontaktmanagement etc. über die eigene Page abzuwickeln.
Einziger Wermutstropfen: BuddyPress wird für WordPress MU (MultiUser) entwickelt, aber ich bin sicher, dass zentrale Funktionen kurz nach dem Release via Plugin auch für self-hosted WP-Seiten zur Verfügung stehen werden. Ganz im Gegensatz zu allen Unkenrufen vom Tod des Bloggens kann also von Stagnation gar keine Rede sein – ganz im Gegenteil. Berichte vom Barcamp gibt’s bisher bei Robert, im Almstudio und beim Bindestrich, weitere Postings werden sicherlich folgen.

#bcts auf Schusters Rappen

[slideshow=7,300,300]

Michaela war diesmal leider nicht dabei – und wer wäre ungeeigneter als ich, um über die modische Dimension des BC zu berichten? Dennoch nahm ich die schwierige Aufgabe an und präsentiere voller Stolz die Barcamp Traunsee Schuh Gallerie! Die Dichte an Manolo Blaniks war übrigens relativ niedrig – der modebewusste Web 2.0 Geek trägt meist Lederschuhe oder Turn-Fußbekleidung mit einem dezenten Retro-Touch. Gummisohlen sind bei einer derart hohen Dichte an Netzteil-Kabeln am Boden ein absolutes Muss!

Zurück vom Land der Reinanken

Ich war ausgesprochen glücklich darüber, mit dem Motorrad trocken nach Hause zu kommen – ein Stückchen Traunsee hab ich allerdings mitgenommen: ein großes Dankeschön an Axel, der Max und mir heute Früh fangfrische Reinanken besorgt hat. Diese nicht züchtbaren Süßwasser-Fische haben ein feines, weißes Fleisch, sind etwas fetter als Forellen und gelten als Delikatesse: das kann ich nur bestätigen: frische Kräuter und Meersalz in die Bauchhöhle, ein bisschen Olivenöl und dazu Petersilkartoffel: yummy! Zwei meiner Favorite-Fischrezepte folgen übrigens demnächst.

Fazit: Wär ich Wiener und/oder Krocha, müsste ich an dieser Stelle “superleiwand, Oida – Bamm” schreiben, aber so bleibt mir nur zu sagen: thx an alle Beteiligten für ein tolles Wochenende! Von jedem Barcamp hab ich bisher eine Menge Denkanstöße mitgenommen, denn diese Wochenenden sind sowas wie Durchlauferhitzer für Ideen-Mash-Ups: genau das liebe ich daran und ich freu mich schon sehr auf das CastleCamp Kaprun im September und aufs Barcamp Vienna bei HP im Oktober.

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Die Benzinpreisspirale nach unten drehen

friedhofsautosHöchste Zeit für ein paar Anmerkungen zum Thema Benzinpreis, Energiepolitik und Konsumenteneinfluss die mir schon länger im Kopf rumspuken: konkreter Anlassfall ist eine von Baynado ins Leben gerufene Blogkette, welche die Plattform Volksboykott.de bekannter machen soll. Die Idee dahinter: durch gezielte, temporär beschränkte Blockade einzelner Ölmultis soll ein Preiskampf entfacht werden, der letztlich die Benzinpreise für alle senkt. Was ich von Betrügern und Autos, die “mit Wasser fahren”, halte, habe ich an dieser Stelle schon öfter kund getan, die Benzinpreisidee ist vergleichsweise weit weniger absurd, wenn auch nicht neu.

Allerdings stimme ich Baynado zu, dass die Erfolgsaussichten in einer Zeit, in der ein Großteil der Konsumenten via E-Mail & Co. vernetzt ist, größer sind als je zuvor. Und vorweg ein caveat: man muss erstmal wissen, wie sich der Spritpreis zusammensetzt, ein paar lesenswerte Infos dazu hat das deutsche Finanzministerium online gestellt: tatsächlich lässt sich der gängige Vorwurf, der Staat verdiene am höheren Benzinpreis aufgrund der höheren Steuereinnahmen, leicht entkräften:

Die Rechnung ist einfach: Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Was die Verbraucher mehr an Umsatzsteuer an der Tankstelle bezahlen, geben sie an anderer Stelle weniger für den Konsum aus. Im Endeffekt bleibt das Steueraufkommen aus der Umsatzsteuer für den Staat gleich. Weder im Hinblick auf die Konjunktur, noch auf Steuereinnahmen hat der Staat ein Interesse an hohen Kraftstoffpreisen.

Hauptgrund für die steigenden Preise ist die steigende Weltmarktnachfrage bei derzeit weigehend gleichbleibendem Angebot, der zweitwichtigste Punkt sind die immer höheren Gewinnspannen der Erdölkonzerne, und genau um die geht’s im vorliegenden Fall. Die ÖMV etwa, Österreichs größer Mineralölkonzert, hat im ersten Halbjahr 2008 1,5 Milliarden Gewinn (nicht Umsatz – Gewinn!) gemacht, das sind 55% mehr als im Vorjahr, wie der ORF am 7. August berichtete.

Was kann man dagegen tun? Nun, man boykottiert gezielt einen Anbieter, kauft also beispielsweise kein Benzin mehr bei Shell, nur mehr bei Agip, selbst wenn’s dort ein paar Cent mehr kostet. Shell hat keine Kunden mehr, gerät unter Druck und muss den Preis senken, die anderen Bewerber ziehen nach – und alle sind glücklich über das billige Benzin – nur die Aktionäre nicht. So das vereinfachte Modell, das in der Praxis allerdings meist daran scheitert, dass die nötige kritische “Boykottmasse” nicht erreicht wird.

Völker, hört ihr die Boykotte

Dieses Prinzip lässt sich grundsätzlich auf jedes Produkt anwenden, das nicht von einem Monopolisten hergestellt und vertrieben wird – und genau dieser Aufgabe hat sich die Seite Volksboykott.de verschrieben – .at und .ch bleiben einstweilen außen vor. Aktuelles Projekt ist natürlich der besagte Benzinpreis, und mag davon halten, was man will: ein wenig “fucking with the free market” hat zumindest interessanten Experimentalcharakter. Also gehet hinaus in die Welt und machet die inverse Crowdsourcing-Plattform bekannt. Ich schließe mich hiermit also sozusagen wider besseres Wissen Baynados Blogkette an: wider besseres Wissen deshalb, weil das Internet im deutschsprachigen Raum (noch) nicht jenes Leitmedium ist, dass den nötigen Impact erzeugen konnte. Da müssten schon Fernsehen und mindestens die Bildzeitung ran.

Eine andere Überlegung betrifft die gesamtwirtschaftlichen Folgen derartiger Aktionen: solange ein paar Aktionäre weniger Rendite bekommen, bleibt der Schaden überschaubar, wird eine Firma allerdings in gröbere Schwierigkeiten gebracht, so zieht dies unweigerlich wiederum den Verlust von Arbeitsplätzen nach sich… eröffnet aber andererseits einem neuen Anbieter Markteintrittschancen oder Expansionsmöglichkeiten – hier kann man also getrost von einem Nullsummenspiel ausgehen.

Ein paar Anmerkungen zur Energiepolitik

@Die Grünen: im Zusammenhang mit der Neuwahlberichterstattung habe ich irgendeine Grün-Politikerin sagen gehört, die momentan Erdöl-Preisentwicklung zeige, dass die Grünen, die schon in den 80ern einen Literpreis von 25 Schilling (oder waren’s dreißig, das weiß ich nicht mehr genau), ihrer Zeit weit voraus waren. w00t? Was für eine verquere Logik ist denn das?

Die derzeitige energiepolitische Situation zeigt doch vor allem eines deutlich: Wasserkraft, die effizienteste aller Energiegewinnungsformen (thx Meister Pelton!), ist bei weitem nicht überall einsetzbar, und Strom lässt sich bekanntlich nur mit sehr viel Aufwand und ordentlichem Konversionsverlust speichern. (Wasserkraftwerke lösen übrigens auch dieses Problem mithilfe von Stauseen, die mit “überschüssigem” Strom wieder vollgepumpt werden, vergleichsweise sehr elegant.) Ein beträchtlicher Teil unseres Energiebedarfs wird von Verbrennungskraftwerken, die vorwiegend Öl verheizen, erzeugt. Dieser Strom wird immer teurer, also folgt ein Ausweichen auf zweitbilligste, wenn auch extrem gefährliche und unsichere Alternative: Atomkraftwerke, das Schreckgespenst der Tschernobyl-Generation.

Die eine Alternative wäre, Strom zu sparen: but that’s just not gonna happen. Technische Fortschritte in punkto Verbrauch werden locker vom Mehrbedarf aufgefressen, das Stromnetz ist der Blutkreislauf unserer Informations-/Industriegesellschaft. In dieser Situation fordern die Grünen, verstärkt auf sogenannten erneuerbare, alternative Energieformen zu setzen: kurz gesagt, Solar und Windkraftwerke. Zweitere sind nur lokal einsetzbar, aber durchaus eine punktuelle Lösung, erstere stinken immer noch aufgrund wahnwitziger Herstellungskosten und schlechter Effizienzraten ab. Die Menge an Solarzellen und Windkraftwerken, die benötigt würden, um ernsthaft Öl- und Atomenergie abzulösen, ist riesig: und bevor man diese Energieformen promotet, wär’s erstmal höchste Zeit für Langzeit-Feasibility Studien: wer sagt denn, dass Windkraft- und Solarenergienutzung in wirklich großem Maßstab keinen gravierenden Einfluss aufs Ökosystem hat? Genau genommen ist der Ausdruck “Energieerzeugung” kompletter Schwachsinn: wir erzeugen überhaupt keine Energie, wir transformieren bloß vorhandene Energie(n) mittels verschiedener Methoden in andere Formen, zum Beispiel die im Erdöl gespeicherte Wärmeenergie in Fortbewegung… wär wirklich zu schön, wenn wir Energie “erzeugen” könnten.


Fotocredits: Autofriedhof von fa.sommaruga / Pixelio.de