Gerade bin ich am Weg zu fatfoogoo auf der Mariahilferstraße einer sympathischen Demo begegnet: die Gewerkschaft der Pflege- und Betreuungsberufe findet nämlich, dass "PatientInnen weder ein Spielzeug sind noch Pflegebedürftige ein Spielplatz für sogenannte PolitikerInnen sind". Dem kann man nicht widersprechen.
Konkreter Anlassfall ist der jüngste Gesetzesentwurf von Ministerin Kdolsky zur 24-Stunden Pflege und Betreuung. Konkret geht's dabei um folgende Punkte:
Laien ohne Ausbildung sollen in Zukunft Pflegetätigkeiten durchführen, für die man derzeit bis zu drei Jahre Ausbildung benötigt.
Laien ohne Ausbildung sollen in Zukunft ärztliche Tätigkeiten durchführen, für die man bisher Medizin studieren musste.
Demgemäß lauten die Forderungen der Gewerkschaft, die sie bei der Demo lautstark mit Peter Schillings "Major Tom (Völlig losgelöst)" unterstrichen:
- die Sicherstellung von qualifizierter Pflege und medizinischer Versorgung für unsere Angehörigen.
- klare gesetzliche Regelungen und politische Maßnahmen, die Ihnen die qualifizierte Pflege leistbar, jedoch in höchster Qualität zur Verfügung stellen.
Eine klare Ansage: denn zunehmende Lebenserwartung und bessere medizinische Versorgung machen die Pflege immer kostenintensiver, während zugleich ein beträchtlicher Teil der gesetzlichen Krankenkassen finanziell aus den vorletzten bis letzten Löchern pfeift. Hier finanzierbare Modelle finden, sollte eine der höchsten Prioritäten der Regierung eines der reichsten Länder der Welt sein - eigentlich sehr traurig, dass man in Österreich sogar dafür demonstrieren muss.
Wir alle wollen anscheinend bessere Politiker, soviel steht nach dem Neuwahl-Diskussions Kasperltheater im Sog der NÖ-Wahlen wohl fest, sagen die Betroffenen. In der ORF-Diskussion jedenfalls waren sich Herr Cap, Herr Pröll, Frau Glawischnig, Herr Strache und Herr Scheibner unvorstellbar einig, dass bessere, effektivere politische Arbeit gefordert sei. Denn die will erstens das Volk und zweitens blockieren ja immer die anderen, glaubt man der jeweiligen Eigendarstellung der Regierungstätigkeit von SPÖ und ÖVP. Da spricht Molterer vom SPÖ-Kanzler als "Fehler, der korrigiert werden muss", während Gusenbauer der ÖVP totale Konsensverweigerung vorwirft... das hört sich wirklich nach maximal produktivem Arbeitsklima an. Möglicherweise könnten Neuwahlen zu einer SP-VP Regierung mit umgedrehten Vorzeichen führen, aber woher die Proponenten nehmen?
Aber zurück zum Thema Pflegefinanzierung: da drängt sich mir sofort der Gedanke an diese unvorstellbar unsinnigen Eurofighter auf. Wenn Österreich schon unbedingt einen Beitrag zur "europäischen Verteidigungspolitik" leisten muss, hätten's dann nicht auch ein paar anständige Hubschrauber getan? Die man nebenbei ganz wunderbar zivil und zu Rettungszwecken einsetzen kann, wie Galtür zeigte? Und mit den restlichen paar Milliarden hätte man eine ganze Armada an Pflegejahren finanzieren können... soviel zum Thema gute Regierungsarbeit. Denn einen Almosen-Hunderter kann wohl selbst der realitätsfernste Sozialpolitiker nicht ernsthaft als nachhaltige Maßnahme bezeichnen.
Die österreichische Regierung hat wohl eingesehen, dass die Sache mit der Totalüberwachung keine gute Idee war und hat nun beschlossen, zumindest für eigene Surf-Zwecke den gesamten anständigen Teil des Netzes auf einen USB-Stick herunterzuladen.
Doch selbst wenn 90% des Netzes eh nur aus (daten)Schmutz bestehen, selbst die restlichen 10 Prozent passen unmöglich auf einen handelsüblichen USB-Speicher. "Macht nix," dachten sich Gusi und Molti, "dann lassen wir uns eben einen extra-großen Stick anfertigen!" Und jetzt hat die Regierungstruppe, der's bei den aktuellen Querelen und Hintergrund-Diskussionen über Neuwahlen ja eigentlich ganz schön schwer fallen muss, Einigkeit zu demonstrieren, das kleinste gemeinsame Vielfache und den größten gemeinsamen Nenner in Materialunion zu finden.
Man beachte Willi Molterers leicht angestrengt wirkendes Grinsen - vermutlich gefällt ihm ganz und gar nicht, dass der Klammeraffe in Rot auf den Stick gedruckt wurde. Was dem Publikum aber verborgen blieb, ist das überdimensionale Elektronengehirn, an das die nunmehr offline gegangene und am USB-Stick gespeicherte Internetoffensive Österreich angeschlossen wird. Man braucht mindestens drei kräftige Männer, um den Einschaltknopf zu betätigen und ein schnelles Motorrad, um auf der Tastatur von A nach Ä zu fahren... finanziert wurde der neue Regierungsrechner übrigens aus den Defiziten des Eurofighter-Kaufs. Aber vorerst geht die Offensive in die Defensive:

Zunächst werden sechs Arbeitskreise gebildet, die unterschiedliche Themen analysieren und diskutieren sollen. Die Vorschläge dieser Gruppen werden gesammelt und sollen dann im Herbst in Form der "Österreichischen Internetdeklaration" präsentiert werden.
Beruhigend, dass die Arbeitskreise unterschiedliche Themen bearbeiten - und auf die Deklaration bin ich hochgradig gespannt. Ob die wohl auf Pergament und handgeschrieben an die Tore des Bundeskanzleramts angeschlagen wird? Mehr zum Thema Online- und Offline-Symbolik gibt's bei Helge, Freunde der seriösen Berichterstattung statten der FuZo oder den Digitalks (die übrigens heute Abend nicht-virtuell stattfinden) einen Besuch ab.
| 22. November 2007 | ||
| 17:00 | bis | 20:00 |
Supershirts "Kauf weniger ein, dann brauchst du weniger Geld" gilt explizit nicht beim Lifeball-Shopping im Turek Shop. gaposlovakia beschallt den spätnachmittäglichen Konsum-Event, auf dass der Euro vorweihnachtlich locker sitzen möge zugunsten der guten Sache des Vereins "positiver Dialog".
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Wenn Waffenlobbyisten sich von der Presse belagert fühlen, dann tun sie das, was jede/r mediengewandte PR-ExpertIn in so einer Situation tun würde: sie strecken ihren nackten Arsch Hintern "minutenlang provokant in die Kameras".
So zumindest Erhard Steininger, dessen derzeitige nicht unspannende primäre Rolle sich "Schlüsselfigur der Eurofighter-Affäre" nennt:
Seit der Mittelsmann für den umstrittensten Deal der 2. Republik am Wochenende aus Thailand zurückgekehrt ist, belagern Fotografen seine Luxusvilla in Klosterneuburg. Am Montag eskaliert die Situation. Steininger stellt sich in die Auffahrt zu seiner schlossähnlichen Villa, dreht den Fotografen den Rücken zu, löst den Gürtel seiner Hose - und zeigt der Presse minutenlang provokant seinen nackten Hintern.
Wie Ö24 zu berichten weiß, richtete sich der blanke Popo aber nicht gegen das gesamte Land:
"Ich bin belagert worden. Mir ist nach neun Stunden der Kragen geplatzt. Mein Unmut galt und gilt dieser Situation, niemandem anderen", erklärte Steininger. "Das hat nichts mit dem Land und den Österreichern zu tun, beide schätze ich, auch nicht mit dem Untersuchungsausschuss oder laufenden Verfahren", so der Lobbyist.
Das beruhigt natürlich - und analog zu dem bekannten Spruch "Ein schöner Rücken kann auch entzücken" kann man da wohl nur mehr sagen:
Ein schönes Rectum bereichert das Pressespektrum.
Robert spricht von österreichischen Hinternwäldlern, und Christian in Wien meint zur Eurofighter-Anal-Causa:
Wahrscheinlich wollte er damit den Reportern klar machen das sie für ihn eine Hämorride am Hintern sind, womit er bei manchen die nur zu gern in der Schei*e wühlen wahrscheinlich nicht mal so Unrecht hat.