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Artikel-Schlagworte: „Falter“

Blogistan Panoptikum KW39+40 2009

Nach dem letztwöchigen, Almcamp-bedingten Ausfall des Wochenrückblicks melden sich Linzerschnitte und datadirt wieder pünktlich zurück - denn es geschehen immer noch Zeichen und Wunder inner- und außerhalb der Blogosphäre. Da wettern Herausgeber gegen die Schlechtigkeit sozialer Medien, während anderswo bereits unified Video Messaging Inboxes errichtet werden. Kein Wunder, dass da so mancher nicht mehr ganz durchblickt - aber zum Glück gibt's ja das datenschmutz Panoptikum :mrgreen:

Parallel-Universum Twitter

Judith aka Linzerschnitte Wer in letzter Zeit mal wieder mit einem seiner verbleibenden, Twitter-resistenten Kontakte kommuniziert hat, wird das Gefühl kennen: Tweeper und Nicht-Tweeper teilt ein kaum mehr zu überbrückender Gap. Darüber schreibt auch Louis Gray diese Woche:

Twitter is practically becoming a parallel Internet. It may live on HTTP, but don't let that fool you. Over time, most folks may tell you the T's in HTTP stand for "Tweet Tweet".

Das einstmals simple Twitter wird durch seine User immer mehr gepimpt (TweetDeck, Tweetlater...) und extended (twitpic, twitsay..). Und: Was nicht auf Twitter verlinkt wurde, existiert vielleicht gar nicht...

12seconds launcht Multi-Plattform Video-Messaging

ritchie aka datadirt 12seconds glaubt wie seinerzeit Telefongesellschaften in den 70ern fest daran, dass die Zukunft der Kommunikation dem Video-Messaging gehört. Derzeit kommen aber nur iPhone User in den vollen Komfort-Genuss des neuen, frei erhältlichen Clients - hier geht's zum Download. Clients für andere Smartphones sollen folgen, derweilen müssen sich Nicht-Appler mit der Browser-Applikation auf 12seconds zufrieden geben - aber auch mit der kann man die eigene Freundesschar aufs feinste mit Bewegtbildbotschaften belästigen, belustigen und/oder (sexuell) stimulieren:

We know you are and want to strongly encourage you to use the messaging application on 12seconds.tv. You'll notice now that you have an inbox and that you can send video messages to anyone on Facebook or Twitter. You can also push video to your friends who have the iPhone application which is fun. That's kind of cool, eh? Record something on your webcam and push it to someones phone!

Lebst du noch oder wavest du schon?

Judith aka Linzerschnitte Seit dieser Woche gibt es offiziell eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Web 2.0. Jene, die schon eine der begehrten Google Wave Invites haben, und jene die noch hoffen, eine zu bekommen. (Die Panoptikum Autoren wurden übrigens auch mit Invites bedacht, HA!) Doch aus der Zwei-Klassen-Gesellschaft wird anscheinen schon eine Drei-Klassen-Gesellschaft - hinzu kommt nun neu jene Kaste, die bereits wieder über Google Wave hinweg ist! So zum Beispiel Robert Scoble, der in Google Wave so etwas wie die Perfektionierung der Unproduktivität sieht. Folgende Ratschläge hat er für Neo-Waver parat:

DO NOT ADD EVERYONE. Get a close personal friend, or a coworker to play with this and don't publicize that you're using it until you are sure you can deal with the productivity hit you'll take here.
DO NOT ASSUME THIS IS A TWITTER KILLER. It is not. It's not even a good sharing engine, far worse than FriendFeed is. I'd recommend using a private room over on FriendFeed first.

Fazit: Google Wave ist also wieder nicht "the next big thing" nach Twitter. Soll uns recht sein, wir haben eh noch lang nicht alles gesagt, was sich in 140 Zeichen sagen lässt.

Kollaborieren ohne Wave

ritchie aka datadirt Passend zum obigen Beitrag hat Lifehacker eine Liste von 10 alternativen Online-Collaboration Tools zusammengestellt. MediaWiki, Google Groups, Mindmeister... die Alternativen sind zahlreich, teilweise kostenpflichtig und verströmen definitiv nicht den Sex-Appeal, des neuen Google Produkts. Aber nicht traurig sein, sondern die Erinnerung anwerfen: bei Gmail war's genauso - Dramaturgie-Meister Christian Mikunda nennt das die "Magie des Verbotenen Ortes". Und wenn der erste Hype mal abgeflaut ist, dann kriegt jeder mehr Einladung, als er brauchen kann. Außerdem scheint noch so manches Feature zu fehlen:

There are also still key features of Google Wave that we have yet to fully implement. For example, you can't yet remove a participant from a wave or define groups of users, draft mode is still missing and you can't configure the permissions of users on a wave. We'll be rolling out these and other features as soon as they are ready — over the next few months.

Armin Thurnher web-debattiert

ritchie aka datadirt "Web-Medien sind parasitär. Sie verlassen sich auf alte Medien und recherchieren nicht selbst." Das und noch viel mehr sagte der Herausgeber der Wiener Stadtzeitung Armin Thurnher bei seinem Vortrag am ISPA-Summit. Unter anderem auch, dass soziale Netzwerke die Absenz im Dialog ebenso fördern wie eine Steigerung des Narzissmus, und Journalisten, die Twitter und Facebook nutzen, würden sich ohnehin selbst ausreichend bestrafen. Janas Kommentar über den eigenartigen Auftritt nur anschließen:

Was er als motorische Störungen wahrnimmt, ist vermutliche die kognitive Bindung zwischen Auge, Hand und Bildschirm, die bei der Computernutzung zu beobachten ist. Diese bindet die Aufmerksamkeit, das ist richtig – ging Thurner etwa am Bildschirm seiner Mitarbeiter vorbei, und war gekränkt, dass diese dem Schirm und nicht ihm Aufmerksamkeit zollten? Wie kann er überhaupt feststellen, dass diese gerade soziale Netzwerke benutzen – schaut er ihnen von hinten über die Schulter auf den Monitor? Von wegen Sozialverhalten: Ich kenne niemanden, der ein solches Verhalten schätzt – freilich macht es die an Arbeitsplätzen waltende Hierarchie oft schwierig zum Chef zu sagen, er solle einem bitte nicht dauernd auf den Bildschirm starren.

Im Übrigen bin ich der Meinung, Armin Thurnher soll sich lieber weiterhin dem Bereich Print zuwenden. Denn dass er die arme Ingrid Brodnig via Twitter ausrichten lässt, verschiedene Meinungen seien gewünscht, verdient in der Tat ein kräftiges ROFL:

Thurnher wird im nächsten Falter auf die Webdebatte eingehen. Wir wollen eine richtige Diskussion führen. Verschiedene Meinungen gewünscht!

Wenn das Postfach "njet" sagt

ritchie aka datadirt Guy Kawasaki hat im datadirt-Interview seine "alles-löschen-was-älter-ist-als-30-Tage-Regel" erklärt, Lawrence Lessig, Mastermind der CC-Lizenzen, erklärte schlicht seinen E-Mail "Bankrott":

Das soll bedeuten, dass er eine Mail per CC an alle Adressen in seinem Posteingangsfach geschrieben hat, in der Lessig erklärt, dass er auf bisher unbeantwortete Mails nicht mehr antworten kann, weil jeden Tag nach der Ausfilterung von Spam immer noch 200 private Mails bei ihm ankommen. Die Lösung sei, einfach alle Mails zu löschen und mit einem frischen, leeren Mailaccount wieder anzufangen. So lange, bis sich dieselbe Situation wieder eingestellt haben wird.

Mathias Mertens stellt in seinem Essay die gute alte Frage nach der Medienkompetenz - und kommt zu dem Schluss:

Wir wissen noch gar nicht, was E-Mail eigentlich ist. Wir benutzen es ganz selbstverständlich, und wir gehen auch mehr oder weniger gewieft damit um, aber das, was wir uns selbst davon erzählen, ist seltsam mehrdeutig. Wenn man überlegt, mit welchen Kommunikationsformen E-Mail in Konkurrenz steht, beziehungsweise welche sie abgelöst hat, dann kommen nur zwei in Frage: Brief und Telefon. Und unser Verständnis von E-Mail pendelt genau zwischen diesen beiden vertrauten Formen hin und her – unentschlossen und deshalb problematisch.

Spannender Punkt - ich wäre jedenfalls dafür, auf medien-kulturellem Weg eine Antwort-Zeit-Erwartungshaltung von mindestens einer Woche zu implementieren :mrgreen:

Virale Dummheit

Judith aka Linzerschnitte Nicht immer sind es die gute Ideen, die sich viral verbreiten. Das hat sich diese Woche gezeigt, als ATV Reporter Martin Thür einem Hinweis via Twitter nachging, dass Justizministerin Claudia Bandion-Ortner das "Pilotprojekt" ihrer deutschen Kollegin "Zensurursula" Netzsperren beobachtet und gegebenenfalls auch in Österreich einsetzen möchte. Direkt darauf angesprochen gab die alpenrepublikanische Sarah Palin folgendes Kommentar von sich:

Zur Erinnerung: Warum Netzsperren dumm sind und damit rein gar nix gegen Kinderpornografie ausgerichtet werden kann, darf man hier noch mal nachlesen. "Argumentarium: Netzsperren gegen Kinderpornografie?" von Michael Eisenriegler.

Technorati ändert Bewertungsgrundlage

ritchie aka datadirt Das Technorati-Monster gibt in letzter Zeit wieder verstärkt Lebenszeichen von sich - Venture Beat berichtet gar von einer Anpassung des Algorithmus, der eigentlich seit längerer Zeit niemanden mehr interessiert:

Technorati is about to make some big changes to the way it measures how important bloggers are. That means its top-100 list of the most influential bloggers is going to change. Some bloggers may be delighted by the changes, while others who drop in the rankings may howl in protest

Basically, the company is going to reduce the costs of indexing the blogosphere and reporting the results on its Technorati.com site, which is a major blog search engine. It is not going to index the blogosphere just for the sake of saying it can do so. It is also going to put more emphasis into its business which pays the bills: the Technorati Media ad network, which serves ads to more than 400 sites, not just Technorati.com

Technorate verbrennt immer noch jede Menge Geld, langsam soll mal was in die Kassen zurückfließen. Das hauseigene Ad Network rennt eher schlecht als recht (Keiner will mehr auf Banner klicken, siehe Lesetipp am Ende des Panoptikums.) und Cheffe Richard Jalichandra muss scheint dringenden Handlungsbedarf zu haben. Mal sehen, wie die Technorati-Story weitergeht.

Finde den Doktor

ritchie aka datadirt Ärzte-Bewertungsportale boomen und blühen - kein Wunder, denn wer will seine Gesundheit schon die Hände eines menschenverachtenden Quacksalbers legen? Von besonderem Interesse sind dabei natürlich nicht nur die Kontaktdaten und Sprechstunden, sondern die Bewertungen anderer Patienten. Wie hoch die Trefferquote liegt, weiß allerdings allein Äskulap - und wer weiß: vielleicht stellen geschäftstüchtige Mediziner (die in Österreich ohnehin mit recht strengen Werbeverboten belegt sind) demnächst eigene Social Media Spin Doktoren ein. Die könnten dann beispielsweise gleich mal auf Docfinder.at tätig werden, einem frisch gelaunchten Ärzteportal der vorher beschriebenen Sorte. Die Seite befindet sich noch im Beta-Stadium und verfügt zwar über eine umfassende Kontaktliste, in der auch Apotheken vertreten sind - die Zahl der Bewertungen hält sich noch in engen Grenzen, sorgt aber bereits jetzt fallweise für Erheiterung:

Dr. XYZ ist aufgrund seiner einfühlsamen, kompetenten und netten Art sehr zu empfehlen! Außerdem ist ein großes Plus seine STÄNDIGE Erreichbarkeit, auch bei noch so banalen Fragen, was ich persönlich sehr zu schätzen weiß, da ich unter großer Hypochondrie leide (Hervorhebung durch datadirt). Ich könnte mir keinen besseren Frauenarzt wünschen. Außerdem hat er mich auch privat in ein Sanatorium zur Entbindung begleitet und bestens betreut!

Und wir wissen ja - Lachen ist bekanntlich die beste Medizin!

Persönlich finde ich Dr. XYZ locker, lässig und sympathisch. Die Kontrolle geht schnell, ist aber gründlich. Einmal musste ich während der Behandlung länger im Behandlungsstuhl warten als er von einem Behandlungsraum zum nächsten wechselte- was etwas unangenehm war. Werde aber wieder hingehen.
[...]
Neben der professionellen Betreuung und Beratung wird an manchen Tagen auch Mundhygiene angeboten. Obwohl ich meine Zähne gut pflege habe ich mir einmal eine Mundhygiene gegeben. War danach ein gutes Feeling.

Als Adressverzeichnis ist Docfinder bereits jetzt recht nützlich, mal sehen, was im Lauf der Zeit aus der Seite wird - in Deutschland gab es in der Vergangenheit schon einige Rechtsstreitigkeiten aufgrund negativer Patientbewertungen.

Foto der Woche

Heute zur Abwechslung mal ein Oeuvre aus der Kategorie "Post-Production" - aber wie wir ja spätestens seit Vilém Flusser Wissen, ist ohnehin jeder Fotoapparat eine Konstruktionsmaschine... da fällt das bisschen Retusche kaum noch ins Gewicht. Et voilá: Flight 888 von H. Koppdelaney:

buddhaflight 600x591 Blogistan Panoptikum KW39+40 2009

Ritchies Video der Woche

"Twitter is ruining my life" sagt Shane Nickerson. Vorsicht: wacklige Autokamera und Fucking Strong Language! Twitter equals Satan! Fuck! :evil:

http://www.vimeo.com/5003797

Judiths Video der Woche

Herbst wird's und damit genau die richtige Jahreszeit für melancholisch-pathetische Franzosen-Mucke á la Phoenix. Da es hier aber um's Video der Woche geht, gibt's diese Woche eines der gelungensten Mashups ever zu sehen. Phoenix' "Lisztomani" versus "The Breakfast Club".

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Lesetipps der Woche

  • The Horror the Horror: Nur noch 87 Tage, dann ist auch 2009 Geschichte. Um gut auf das nächste Jahr vorbereitet zu sein, hat Nerdcore bereits den Horror Calendar 2010 veröffentlicht. Dann auf ein schauriges Jahr 2010.
    PS: Für jene Panoptikum Leser, die auf haarige Angelegenheiten stehen, empfiehlt sich übrigens auch der Kalender des Vereins Österreichischer Frettchenfreunde.
  • Wie man aus einem schwammigen Thema wie Viral Marketing immer wieder neue Theorien und Tutorials ableiten kann, ist mir an sich ein Rätsel. Wer dies aber mit soviel Verve die viralen Würfel wirft, hat es verdient, zumindest als Lesetipp erwähnt zu werden.
  • Schlechte Zeiten für Media-Agenturen: keine Sau klickt mehr auf die guten, alten Banner und Ratlosigkeit macht sich mit Verspätung breit, bei der Silicon Alley Insider berichtet.

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende dieses Wochenrückblicks angekommen - die nächste Ausgabe gibt's wieder pünktlich in sieben Tagen Danke für Ihre Aufmerksamkeit, wir wünschen einen schönen Restsonntag und lesen uns morgen.

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Bernd Püribauers große Ausstallung: Tiere der Wochen

24. April 2009
19:00bis23:00

pueribauer Bernd Püribauers große Ausstallung: Tiere der WochenBernd Püribauer zeichnet in der Wiener Stadtzeitschrift Falter seit 10 Jahren das Tier der Woche zu den Texten von Peter Iwaniewicz, höchste Zeit also für eine große Ausstallung der 100 gelungensten animalischen Kreaturen im würdigen Rahmen des Wiener WUK! Unglaublich genial finde ich den Video-Trailer zum Event:

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Blogistan Panoptikum KW03 2009

vimcam Blogistan Panoptikum KW03 2009Dieser Wochenrückblick geht ausnahmsweise mit einem Tag Verspätung online - gestrigentags hat Gerald am Rootserver geschraubt, damit asap datadirt.net vom Shared Space übersiedeln kann, außerdem war die Re-Organisation meines Fileservers überfällig - minus Dezibel, plus Terabytes quasi. Glücklicherweise ging die Operation am offenen Herzen (neue Silberleitpaste für die CPU) ohne gröbere Komplikationen vonstatten, und mein mehrwöchiger Arbeitsplatzumbau ist nun fast abgeschlossen.

Das Basic Nachspiel

Zwei hochgradig aufschlussreiche Umfragen zum Verkauf von Roberts Blog ließen jeden Psycho-Pathologen ein aussagekräftiges Bild spezifischer deutscher Internet-Neurosen erstellen. Klar könnte diese News auch im SEO-Teil stehen, aber das hier ist besser als Robert Palfrader in der Rollen des österreichischen Kaisers. Der Alpha-Fisch im Inzest-Becken kann sich auf meedia.de nicht mal ansatzweise zurückhalten - bin ich froh, dass ich das Buch von diesem feinen Herrn weder gekauft noch ein Rezensionsexemplar angefordert habe:

Die von den entsprechenden amerikanischen Blogs aufgesammelten Neuigkeiten, die Basic aufschreibt, sind relevant - die Art, wie er das tut - insbesondere sein Schreibstil - ist weitgehend unerträglich. Ich kann keine zehn Zeilen lesen, ohne Zitterkrämpfe zu bekommen, bei den Kommentaren sind es in der Regel sogar nur drei Zeilen. Man sollte aber dazu erwähnen, dass ich Robert Basic a) nicht besonders mag und ihn b) für unmutig und nicht besonders intelligent halte, vielleicht trübt das mein Urteilsvermögen über seine Leistungen ein kleines bisschen.

Aber nicht nur Lobo, auch alle anderen Befragten wollen das Blog hier nicht haben - dabei wurden lauter "Experten" befragt, die schon mal Technorati mit Google verwechseln:

Der Ruhm des "meistverlinkten Blogs" verblasst sehr schnell, denn die Links haben bekanntlich eine Verfallsdauer von sechs Monaten.

Weitaus realistischer sind die Antworten auf SEO.de ausgefallen. Klar könnte man einiges mit der Domain anfangen - und von wegen In-die-Hose-machen wegen Google Penalty: Linklift raus, Brief an Big G und die Sache hat sich nach zwei Wochen. Klar lässt sich da genug Juice rauspressen, oder es hätte gar jemand mal originell werden können und die Domain kaufen, um anschließend am Blog als Robert zu posten, dass der ganze Verkauf ein Scherz war. Boom, there go my backlinks - allein die Verkaufsaktion hat den Wert der Seite immens erhöht. Also wenn ich sonst nix zu tun hätte, dann wär mit Basicthinking mindestens eine hohe fünfstellige Summe wert gewesen - nur wie gesagt: Refinanzierung spielt's nur, wenn man den derzeitigen Rückenwind ausnutzt und die Segel vergrößert. Bin gespannt, ob das dem neuen Eigentümer gelingt - über die Chronik des Verkaufs hat Helge berichtet.

Mal alte mp3s hören

So jung das Internet im Vergleich etwa zu auf Schweineleder gepinselten Pamphleten auch sein mag, es hat bereits ein Geschichte - samt der zugehörigen schwarzen Löcher. Einige von ihnen wird phlow nun laufend schließen mit Re-Uploads der Ex-Webseite. Und ich bin sicher, dass dieseMusik fürs Wochenende auch montagstauglich ist!

Warum ich mich weigere, Journalisten wirklich ernst zu nehmen

Ja, ich weiß - es ist zu spät, viel zu spät. Immerhin ist es auch schon wieder vier Wochen her, dass Armin Thurnherrs Editorial "Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen" im Falter 51/2008 erschien. Aber was kann ich dafür, dass meine Zweit-Lieblingspostille nach Datum unter einem Berg von Frauenzeitschriften (die für Frauen, nicht die für Männer, in denen Frauen abgebildet sind) verborgen lag? Es geht einmal mehr um die wehleidige Klage, dass im Internet anonym jeder alles sagen darf. Die Bottom-Line des Artikels lautet also folgerichtig:

Was spräche denn dagegen, im Internet nur Menschen zur Publikation zuzulassen, die sich identifizieren?

Nun, nach Meinung rechter Politiker spricht gar nix dagegen. Dass Datenschützer, die sehr genau wissen, dass sich jeder Internetnutzer im Straftatbestands-Fall leichter identifizieren lässt als etwa der Absender eines anonymen Leserbriefes, seit Jahren gegen die von Thurnherr in bester Absicht vorgeschlagene Totalüberwachung protestieren, ist die andere Seite der Medaille. Internetnutzer würden ja sowieso für nix zahlen wollen, meint der Autor:

Aber dieses scheinbare Nichtsbezahlen hat dem Internetpublikum, also uns allen, ein Gefühl vermittelt, wir bekämen diese wunderbare Welt des ungeordneten Wissens ganz und gar geschenkt. Ein irriges Gefühl, das die Musikindustrie ruinierte und als Nächstes die Zeitungsverlage kaputtmacht. Wäre egal, hätte nicht eine Kombination von egomanischen Ich-AGs der Blogosphäre mit hemmungslosen Dienstleistern (von Pornoindustrie bis Glücksspiel) und Massen von habituellen Selbstvermummern das Rechtsbewusstsein in zwei entscheidenden Fragen verdreht.
Erstens unterläuft das Freiheitsgefühl im Internet das Urheberrecht, also jede Form des geistigen Eigentums als illegitim. Zweites meinst dieses Freiheitsgefühl ohne den Grund der Freiheit auszukommen, dass sich nämlich Personen offen mit ihrer Identität zu ihren Grundsätzen und Äußerungen bekennen Sich dazu bekennen zu dürfen, war ja eine der ersten Forderungen der sich emanzipierenden Bürger.

Eine Forderung nach Vermummungsverbotverbot? Stünde der Text unter CC-Lizenz, könnte ihn die FPÖ direkt 1:1 in ihr medienpolitischen Programm übernehmen! Mein Favorit sind übrigens die "hemmungslosen Dienstleister von Pornoindustrie bis Glücksspiel". Ich denke nicht, dass Herr Thurnherr mit diesem Editorial un- oder absichtlich einen plötzlichen Gesinnungswechsel kommunizieren möchte. Ich halte es bloß für ein anschauliches Beispiel dafür, dass man nicht über neue Medien schreiben sollte, wenn man keine Ahnung von strukturell-technischen Zusammenhängen und dem grundsätzlichen medienökonomischen Paradigmenwechsel hat, den das Netz mit sich bringt. Sonst kommt so ein Platter'scher Blödsinn dabei raus.

SEO-News der Woche

Stereophone hat eine nette T-Shirt Collection für SEOs aufgelegt; und da der Kaufmann auf seine Affiliate-Provision verzeichnet, geht sich vielleicht sogar noch ein zusätzlicher Linbait-Slip oder eine Fahne für die Müllhalde aus.

Einen ausführlichen und lesenswerten Artikel über lukrative SEO-Portfolios hat der SEO Stratege zusammengestellt. Wirtschaftswissenschaftler kennen die Risiko-Analyse, und das hier vorgestellte Raster scheint mir sehr brauchbar:

Nichts ändert sich derzeit so schnell wie die Welt im Internet (wobei die Bankenwelt derzeit stark aufholt). Jeder, der sich z.B. mit SEO oder SEM Projekten selbstständig gemacht hat, macht sich regelmäßig auch Gedanken darüber, welches seiner Projekte auch morgen noch funktioniert. Für den langfristigen Erfolg ist es entscheidend, ein ausgewogenes Portfolio an Projekten zu besitzen. Doch was genau bedeutet "ausgewogen"?

Im mobilen Web verdienen

Ak22 fragt sich, ob das mobile Web denn mal irgendwann so weit ist, dass man damit ordentlich Geld verdienen kann und kommt zu dem wohl gerechtfertigten Schluss, dass dieser Bereich derzeit noch in der Nische wohnt:

In Deutschland ist Belboon eines der ersten Affiliate Networks, das sich das mobile Affiliate Marketing auf die Todo Liste geschrieben hat. Doch wie gesagt, Programme die über mobiles Advertising für einen Affiliate funktionieren sind noch sehr rar. Es lässt sich meiner Meinung nach nicht auf die breite Masse der Programme anwenden.

Ich bin mir allerdings sehr sicher, dass dieser Bereich mit der Verbreitung von Smartphones in großem Stil (nach dem iPhone kommt Android) sehr schnell explodieren dürfte. Und die frühen Siedler erhalten bekanntlich immer die schönsten Grundstücke.

Sistrix über die Verlieren

Wie immer ist der aktuelle Sistrix-Report zu den größten Domainverlieren mit ausgesprochen stichhaltigen Daten unterlegt und kommt zu einem Schluss, dem man unmöglich widersprechen kann:

Wer nicht regelmäßig an seiner Seite arbeitet, muss davon ausgehen, von der Konkurrenz überholt zu werden.

Die 2 Videos der Woche

Karen Abad hat das vergangene Jahr in einem sehr persönlichen Video-Rückblick festgehalten - solche geradezu hypnotischen Perlen findet man eben nur auf Vimeo:

Dass man aus der Verdrehung üblicher Hip Hop Klischees einen witzigen Clip basteln kann, ist allgemein bekannt. Besonders gut gelungen ist dieser Track von MC Regular Everyday Normal Guy [via Pete]:

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Und das war's auch schon wieder mit dem Rückblicken auf die vergangenen sieben Tage - danke für Ihre Geduld. Ab sofort fahren unsere Züge wieder planmäßig, wir lesen uns morgen.

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Mein erster Leserbrief an den neuen Falter

Vor kurzem gab's bei der Wiener Stadtzeitung einen äußerst gelungenen Relaunch mit optischer Auffrischung und neuer Klammerung. Meine persönliche Meinung dazu: noch nie habe ich in Österreich einen derart gelungenen Printmedien-Relaunch erlebt. Auf meiner völlig subjektiven "Les-ich-gern-Skala" stieg die letzte brauchbare Wochenzeitung dieses Landes locker um zwei Stufen. Die Digitalia-Kolumne der letzten Ausgabe motivierte mich allerdings ob der hanebüchenen Darstellung der Causa PsykoMaN zu meinem ersten Leserbrief, und zwar als Reaktion auf diese Kolumne (Falter #44/2008, 29.10.2008, S. 23):

falter digitalia

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Blogistan Panoptikum KW38 2008

Wochenrückblick #38Österreich wählt gerade jetzt (Deinetwegen!), endgültige Ergebnisse werden aufgrund der Briefwahlverzögerung erst in einer Woche feststehen - "heast, kenna de ned mit Ih-Mehl wöhn?". A propos: die von mir an dieser Stelle kürzlich erwähnten Wahlplakat-Persiflagen stammten und stammen noch immer von Raketa.at, der meiner Meinung nach schwer genial relaunchte Falter ließ mir diese Information soeben zukommen. Dass die Blogosphäre aus einer kleinen Gruppe von "Spinnern" besteht, die gerade mal für unter 20% der Bevölkerung repräsentativ sind, zeigt sich deutlich an der Aktion Endorsement 08 - die wählen ja alle grün oder gelb!

Zum Thema Grün und Kleinunternehmer fällt mir dazu noch eine kleine Anekdote ein: zur letzten Wahl ließen die Grünen auf die Schnelle von ihrer Agentur Microstars bauen, eine Plattform für Einzel- und Kleinunternehmer, die der Vernetzung dienen und einen Marktplatz schaffen sollte. Direkt nach der Wahl war das Projekt nicht mehr interessant, in den letzten Wochen ist dem einen oder anderen Grün-Funktionär dann wohl wieder eingefallen, dass die Seite existiert - und jetzt steht bei den News lauter Parteiwerbung drin, die einzigen Events sind "Grüne Tische". Das ärgert mich maßlos, denn der nachhaltige Betrieb einer solchen Plattform wäre hochgradig sinnvoll - aber ein dieses Projekt als Wahlzuckerl zu launchen und dann langsam verrecken zu lassen ist einfach nur peinlich, unwürdig und zeigt, wie ernst es den Grünen mit der Förderung kleinbetrieblicher Strukturen und dem Einsatz neuer Medien wirklich ist: aber von Wirtschaftssimulationen sollten Alexander van der Bellen als Volkswirtschaftler ja ausreichend Ahnung haben. (Ich hab mich seinerzeit sogar gleich nach dem Launch registriert und bislang beachtliche 0 Anfragen bekommen. Der besten grafische Prognosekommentar zum Ergebnis stammt jedenfalls von Meister Tex.

Web 2.0 Bailout-Plan

Wer sich über die Lehmann Brothers, den Handel mit im wesentlichen ungedeckelten Derivaten und andere Absonderlichkeiten des Finanzmarktes auch nur mehr wundert, dem sei ein aktueller Artikel auf The Drama Show 2.0 empfohlen - denn während in Europa respektive ganz besonders in .at staatliche Investments in Pleite-Unternehmen an der Tagesordnung stehen, sorgt diese Vorgehensweise bei den traditionell wesentlich liberaler orientierten Amerikanern allerorts für Kopfschütteln:

My Web 2.0 bailout plan is designed to ensure that the Web 2.0 industry remains fundamentally sound for years to come. Here are the three components: A federal-backed investment vehicle which will buy unmonetizable Web 2.0 advertising inventory. Since advertisers aren’t willing to buy enough toxic Web 2.0 advertising inventory because of concerns about ROI, the federal government will provide an investment vehicle that Web 2.0 players like Facebook and YouTube can sell their inventory to at a discount. [...]

Lassen Sie sich nicht fektern!

Der Slogan gefällt mir - auf Überwachungsstaat.at gibt's ein nettes Video, leider ohne O-Ton: Aktionismus ganz nach meinem Geschmack:

Die Innenministerin will nur unser Bestes - unsere Fingerabdrücke, Personendaten, DNA-Abstriche, Informationen über persönliche Kontakte und viel mehr. Natürlich nur zum Schutz der Bevölkerung. Um sie zu unterstützen, stellten wir uns gestern in Wien auf die Straße und sammelten unter dem Slogan "Lassen sie sich fektern!" genau diese Datensätze ein - inklusiver der Genehmigung, besagte Daten wahlweise an die Innenministerin oder gleich an die ÖVP weitergeben zu können.

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SEO News der Woche

trafficmaxx hat das Befreiphone gewonnen und Google freut sich über tausende neue Seiten, Torsten Maue erklärt die Limitationen des Backlink-Aufbaus via Blogkommentar (lustigerweise glauben viele Blogger ja nach wie vor, jeder Kommentar mit kommerziellem Hintergrund sei wertlos und verachtenswert) und Sistrix erfreut die Netzgemeinde mit einer top-aktuellen Google-Datacenter IP-Liste. Die Wiener Medienmesse hab ich diese Woche aufgrund eines spontanen Anfalls von Domain-Einkaufslust ausgelassen, aber ich vermute mal ganz stark, dass ich keinerlei SEO-Bekanntschaften verpasst hab.

Cookie.Killaz: Affiliates vor dem Aus? Nein, so tragisch ist es nicht, aber drastische Überschriften erlangen erfahrungsgemäß mehr Aufmerksamkeit. Tatsächlich aber wird die Funktion neuerer Browser, Cookies bei jedem Beenden automatisch zu löschen, für einige Einsatzeinbußen sorgen und auf mittelfristige Sicht zu einem Technologiewandel führen. Denn wenn das Cookie am nächsten Tag fehlt, dann gibt's auch keine Provision für den Einkauf. Minutenlohn beschreibt die derzeitigen Tracking-Alternativen.

Neuer Pagerank? Der deviante Matt Cutts weigert sich hartnäckig, auf Blogger.com umzusteigen. In seinem *wordpress blog* lieferte der Spekulationsfutter für ein in Kürze bevorstehendes Pagerank Update, das auch tatsächlich gerade über die Bühne geht. Tja, schade um die vieler 6er. Fünf, nicht bestanden, setzen! :mrgreen:

wpAFFI: ganz einfach Versteckspielen: Sergej Müller, Entwickler des gebenedeiten WP-SEO, stellte diese Woche sein neues Plugin vor: wpAFFI setzt auf Simple is beautiful und zeigt vor, wie man Affiliate-Links vollkommen unintrusiv, ohne Wartungsaufwand und Backend-Optionen am einfachsten verstecken kann.

Keyword-Recherche: Mitfighten bei der Riesterrente oder und privaten Krankenversicherungen, oder doch lieber auf Longtail-Keywords optimieren? Torsten hat dazu ein paar interessante Überlegungen angestellt, die sich jeder angehende Internet-Millionär unters Kopfkissen legen sollte.

Video der Woche: Es ist suboptimal!

Auf uiuiuiuiuiuiui.de veröffentlicht Manuel seit einer ganzen Weile jeden Freitag ein improvisiertes Lied, dessen Text und Melodie völlig spontan entstehen - ich bin erst vor kurzem auf die Serie gestoßen und finde den Track Es ist suboptimal (doch es ist das Internet) einfach nur großartig - viel Vergnügen!

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Damit wären wir auch schon wieder durch mit dem Wochenprogramm - ich nutze die kurze Regenpause, um mich auf mein Bike (das motorisierte) zu schwingen und eine entspannte Herbstrunde über den Exelberg zu drehen. Ladies and Gentlemen, bereuen Sie Ihre Wahlentscheidung(en) nicht - wir lesen uns am Montag!

.at Neuwal: Genug gereicht, jetzt streitet’s!

"Es reicht", plakatiert die ÖVP im österreichischen Sonderwahlkampf (Briefmarkensammler aufgepasst!), und die SPÖ antwortet mit einem nicht minder eloquenten "Genug gestritten". Erstmals stehen sich somit, wie Armin Thurnher im Falter-Editorial der ersten Augustausgabe anmerkt, zwei absolute Null-Aussagen gegenüber, und selbst die überirdische Kompomente des Streits um die Wählerherzen erreicht ehrlich-österreichisches Stammtischniveau.

Neuwahlen in Oesterreich

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.at-Branchenbücher Vergleich: Falter creation


.at Branchenbücher im VergleichDieser Beitrag gehört zu der Serie österreichische Online-Branchenbücher im (SEO) Vergleich. Weitere Postings:
Herold.at | Branchenbuch-Öesterreich.at | Yellowmap.at | FirmenABC.at | Falter Creation | WKO Datenbank | Fazit

falterlogo 1217059671 .at Branchenbücher Vergleich: Falter creationBei der Professionalisten-Datenbank des Falter handelt es sich nicht um sehr spezialisiertes Branchenbuch: ausschließlich Unternehmen aus den sogenannten Creative Industries finden hier Aufnahme. Innerhalb der Branche gilt das Falter-Verzeichnis längst als Geheimtipp, denn die Datenqualität ist immens hoch: einen beträchtlichen Teil der Einträge recherchieren die Betreiber selbst, jährliche Rückrufe sichern laufende Aktualität und vermeiden Karteileichen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Nackerten Flash-Mobber von der Lobau

Lobaustrand"Herr Blogger, lehren Sie Geschichte", hat nie ein österreichischer Bundeskanzler gesagt. Aber in Zeiten pressierender Neuwahlversprechungen kann man Politikern bekanntlich ohnehin nix glauben, und nicht jeder publizistischen Handlung geht ein gut gemeinter Ratschlag oder ein dämlicher Leserbrief voran. Aber schnell zu etwas Erfreulicherem, und zwar der Lobau: über diesen wunderschönen Nationalpark hat Joseph Gepp im aktuellen Falter [Nr.29/2008] unter dem Titel "Der Zauberwald" ein würdiges Portrait geschrieben. In den Wiener Auen findet sich eine Subkultur, über die in keinem Krocha-Magazin etwas zu lesen ist:

"Die Wildnis steht für etwas Irreguläres und zieht irreguläre Existenzen an," sagt der Lobau-Experte Fritz Keller, der sich in seinem Buch Lobau - Die Nackerten von Wien Die Nackerten Flash Mobber von der Lobau mit der Sozialgeschichte der Au beschäftigt hat. "Im Dschungel kann man sich verstecken. Jugendbewegungen und politische Aktivisten nutzten das für ihre Zwecke. Gesellschaftliche Experimente konnten hier ungestört durchgeführt werden."

Das kann ich nur bestätigen, auch wenn ich gegenüber der Lobau alles andere als unvoreingenommen bin - verbringe ich dort doch seit Jahren einen beträchtlichen Teil des Sommers: ein unglaublicher Boost auf meinem persönlichen Lebensqualitätsindex. Manchmal bei den "Nackerten von der Dechantlacke", häufig auch an abgeschiedeneren Plätzen, von denen es viele gibt. Dort kann ich auch besser als überall sonst einem meiner Lieblingshobbys nachgehen und ausgedehnte Frog-Watching Sessions abhalten. Dank meiner neuen Digicam mit fettem Teleobjektiv werden einige der kleinen grünen Spaßmacher sicherlich noch zu FlickR-Fotoehren kommen :mrgreen:

Joseph Gett hat bei seiner Recherche auch mit Jenny Strasser, 95, gesprochen: sie war 1934 beim sozialdemokratischen Schutzbund aktiv, die Treffen fanden hauptsächlich auf der Hirscheninsel in der Lobau statt. Dort wurden die Protestaktionen gegen die faschistische Politik geplant - und was mich besonders verblüfft hat:

Flashmobs sind keine Erfindung der Internetgeneration!

Wie sahen diese Blitzaktionen aus? Jenny Strasser redet klaren Blickes und voller Begeisterung: "Sie dauerten meistens nur fünf Minuten. Verschiedene Aktivisten kamen über verschiedene Straßen an einem bestimmten Platz, zum Beispiel am Nestroyplatz, zusammen. Alles war vorab abgesprochen. Dann hielt einer eine schnelle Rede, zwei rollten ein Transparent aus, Flugzettel wurden ausgeteilt. Wenn die Polizei gekommen ist, waren wir schon wieder weg, in verschiedene Richtungen. Auch das war vorher ausgemacht."

Freilich konnte damals von "Spaßfaktor" wenig Rede sein: die Aktivisten riskierten eine Menge, um gegen den Austrofaschismus zu protestieren. Nach dem Einmarsch der Nazis floh Jenny Strasser, seit ihrer Rückkehr nach Österreich hat sie die Lobau nie mehr betreten. An manchen Stellen befinden sich alte Bunker, fast komplett überwachsen - dort wohnten die Zwangsarbeiter, die den Donau-Oder Kanal errichten sollten. Viele Jahre später entstand in der Lobau eine Art Ghetto, die Armensiedlungen am Biberhaufenweg sind längst verschwunden. Die Lobau zum Nationalpark zu erklären war eine goldrichtige Entscheidung - ich hoffe, dass dieser grandiose Mikrokosmos intakter Natur, so unglaublich nahe an einer Millionenstadt, noch vielen Generationen von WienerInnen erhalten bleiben möge. Und wer wissen will, auf welch historischem Boden er da den nackten Popo gegen Sonne reckt, sollte unbedingt einen Blick in den Falter werfen.

Lobaufrosch