Im Vergleich zur turbulenten Ära von 98 bis 2003 ist die Debatte um die finale Zerstörung der menschlichen Kultur durchs Urheberrechtsverletzungen wieder vergleichsweise still geworden: war Napster noch der Byte-gewordene Gott-sei-bei-uns der Plattenindustrie, hat ein amerikanischer Apfelhändler via iTunes den Netzmusikverkauf profitfähig gemacht (wenn auch über den Hardware-Umweg), seit kurzem zeigt Buchhändler Amazon Verlagen, wie man untote Bäume auf ePaper ausliefert.
Der eine oder andere Murdoch sagt zwar njet, ab und zu wird eine Piratenbucht verklagt, doch der Hype um die Besserung der Welt qua Social Media lenkt temporär den Blick ab vom, wie Frank Hartmann in seiner hervorragenden Analyse Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit auf Telepolis schreibt, "mehr oder weniger offen ausgetragenen Kulturkampf". Diesen Beitrag weiterlesen »
Eine weitere Diskussionsrunde zum Thema Online-Musikvertrieb - die Redaktion des resident drum'n'bass mag lud eine illustre Runde zu wilden Spekulationen ein - ich hatte die Ehre und das Vergnügen, den Round Table aus Musikern, Labelmanagern und Distributionsexperten zu moderieren. Der Text erscheint in der kommenden resident-Ausgabe, datenschmutz LeserInnen sind natürlich wie immer früher informiert...
Die Zeiten waren immer schon hart, und wir waren stets härter. Doch während die ehemaligen Piraten der Weltmeere kein Königreich zu Fall brachten, sondern lediglich den Staatssäckel lästig piesackten, tun die modernen digitalen Musik-Kopieranten der von ihnen angeblich so geschätzten Kunstform ein Übel an - oder versetzen ihr gar den Todesstoß, darf man den drastischsten Ausführungen der Major Labels glauben.
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...dann zittert eine ganze Industrie. Da bekanntlich der Hydra Filesharing für jedes abgedrehte sofort ein neues Protokoll nachwächst, entschied man sich für Honesty through paranioa - und verklagt seit Jahren Privatpersonen. Egal ob zu Recht oder zu Unrecht: Hauptsache, die Abschreckungswirkung passt.
Wie Udo auf Tonspion berichtet, kämpft Tanya Andersen seit Jahren um die Wiederherstellung ihres Rufes - sie wurde von der RIAA wegen Tauschbörsennutzung verklagt, allerdings konnte ihr kein Vergehen nachgewiesen werden. Nun hinterfragt die geschädigte Amerikanerin die Praktiken ihrer Kontrahenten etwas genauer - und dabei könnte so manche dunkle Ecke ausgeleuchtet werden, die die Plattenindustrie in einem ganz schön schlechten Licht dastehen lässt. Zur Disposition stehen unter anderem folgende Fragen:
- Wieviel die Anwälte der RIAA verdienen
- Warum die durchschnittlichen Kosten für einen Vergleich für Tauschbörsennutzung rund 5000 Dollar betragen
- Wie entschieden wird, welche Tauschbörsennutzer verklagt werden und welche nicht
- Wohin die Gelder aus den Vergleichen fließen (und ob die Künstler überhaupt etwas davon sehen)
Sollten die RIAA-Schnüffler etwa Provisionen aus den Vergleichen in die eigene Tasche schieben, könnte das gesamte Vorgehen der RIAA hinsichtlich Tauschbörsennutzung in Frage gestellt werden, da dies in vielen Staaten illegal sei. Außerdem würden dann massenhaft weitere Gegenklagen eingereicht werden, was enorme Kosten nach sich ziehen würde.
Rad! Peinigt die Peiniger, sozusagen. Die ganze Sache wird sich noch ein Weilchen ziehen, frühestens Anfang nächsten Jahres erwarten ExpertInnen eine Entscheidung. Die alleinerziehende Mutter hat jedenfalls das Potential zur Erin Brokovich der mp3-Szene
Das elevate Festival in Graz habe ich bereits angekündigt. Für die Festivalhomepage bzw. den Katalog habe ich den folgenden kurzen Text geschrieben. Anregungen, Ideen und Fragestellungen für die Diskussionsrunde sind natürlich jederzeit willkommen, und natürlich freue ich mich, wenn der eine oder andere Blogleser* zum Festival nach Graz schaut - das komplette Line-Up kenne ich noch nicht, die Homepage sollte aber dieser Tage online gehen.
In Kürze feiern die Klagen der Major-Labels über den Internet-bedingten Niedergang der Popkultur ihr 10jähriges Jubiläum, und trotzdem ist das Gedränge im Frequenzband der globalen Popkultur nicht geringer geworden. Denn wo Apokalyptiker, da auch Integrierte: und zweitere sehen in mp3 und seinen Nachfolgeformaten, im Filesharing und in einer neuen Vertriebsstruktur keine Bedrohung, sondern eine riesige Chance.
Das Elevate Festival wirft in diesem Jahr einen genaueren Blick auf jene Reibungsflächen, die notwendigerweise entstehen müssen, wenn Kultur zum internationalen Handelsgut Pop wird und ein vergleichsweise anarchisches Netzmedium eine gut geölte Maschine blitzartig verrosten lässt. Denn das Internet verweigert sich hartnäckig der Einsortierung in den Kanon gut kontrollierbarer Distributionsmedien, es weigert sich, das effektivere Formatradio zu sein und kopiergeschützte Files schmecken den UserInnen auch nicht so recht. Zugleich boomen netlabels und Musiker werden zu ihren eigenen A&Rs und Vertriebsspezialisten in Personalunion. Die neue Pop-Vielfalt oder das beklagenswerte Ende einer Industrie?
*) Splitting: normalerweise ja. Bzw. dort, wo sinnvoll möglich. Aber "die/der eine oder andere BlogleserIn" geht nicht. Das holpert zu übel, natürlich sind aber auch Leserinnen mit kleinem i herzlichst willkommen.
Seit einigen Tagen bin ich Betatester bei Peoplet. Die Software dient der Karriereplanung: Recruiter sollen hier geeignete Kandidaten finden, und Jobsuchende die passende Beschäftigung finden. Genial und innovativ dabei: alle Daten bleiben am eigenen Rechner gespeichert, anstatt einer zentralen Datenbank nutzt Peoplet ein peer-2-peer Protokoll.
Die Erfinder der Software beschreiben Sinn und Zweck ihres Produkts folgendermaßen:
Peoplet is a new, secure, and social way to stay in touch with career opportunities and simplify your career advancement initiatives.
Die gezielte Freigabe von Dokumenten und Karrieredaten erscheint in Zeiten der Datensammelwut als sehr sympathischer Ansatz - und die Nutzung einer p2p Topologie zeigt, was für ein enormens Potential in solchen Netzwerken steckt: zukünftig werden in vielen Fällen derartige Architekturen das klassische Server-Client Model ablösen - E-Mule und andere Filesharingapplikationen stellen in dieser Hinsicht nur die Spitze des Eisberges dar. Peoplet zeigt, was für ein Potential in der Kombination von Userrechteverwaltung, Message-Client und Dokumentenverwaltung steckt: ich vermute mal, dass die Software eine große Zukunft vor sich hat und bin nach den ersten Eindrücken schlicht begeistert:
Peoplet wurde konzipiert um Kandidaten bzw. Bewerbern mehr Diskretion und Kontrolle über Ihre Daten zu geben. Peoplet ist eine Alternative zu der bislang vorherrschenden willkürlichen Sammlung von Nutzerdaten.
Wie wird denn die absolute Kontrolle gewährleistet, wenn mein Profil bereits online war und gefunden wurde?
Die kurze Antwort: Ihr Profil bleibt auf Ihrem Rechner bis es gefunden wird. Sie können dann entscheiden ob der Suchende (Unternehmen oder professioneller Rekrutierer) benachrichtigt wird oder nicht.
Yup, das leuchtet durchaus ein - wer mehr über Peoplet erfahren möchte, der sollte ein Ohr auf den aktuellen Podcast zum Thema "Effiziente Gestaltung der eigenen Karriereplanung mit Peoplet" werfen - das englischsprachige Audiofeature vermittelt einen guten Überblick über Sinn, Zweck und Stärken des Clients. Es wird zwar sicherlich noch eine Weile dauern, bis die bei Social Apps so wichtige "kritische Masse" erreicht wird - doch dann stellt Peoplet imho die bislang ernstzunehmendste Bedrohung für Xing und andere einschlägige Business-Netzwerke dar.
Register.co.uk hat ein ausführliches Interview mit Peter Jenner geführt. Der Musik-Insider blickt auf eine lange Karriere zurück: als ehemaliger Manager von Pink Floyd, T-Rex und anderen größen der jüngeren Popgeschichte weiß Jenner, wovon er spricht, wenn er das derzeitige Abgabensystem heftig kritisiert:
The major four music labels today are "fucked", he says. Digital music pricing has been a scam where the consumer pays for manufacturing, distribution, and does all the work - and still has to pay more. Labels should outsource everything except finance and licensing.
But he's also optimistic that for almost everyone else - indie labels, musicians, songwriters and budding entrepreneurs - as well as network providers - the future's going to be pretty bright. The Big Four know that the DRM era is nearly over - and within two or three years, he predicts, "most countries" in the world will have a blanket licensing regime where we exchange music freely, for a couple of quid a month.
Woran Napster scheiterte, soll also bald Realität werden: eine sogenannte Flat Fee für Musik, möglicherweise gekoppelt an den Besitz geeigneter Hardware. Die so gesammelten Einnahmen sollen nach einem klassischen Verteilungssystem an registrierte Musiker ausgeschüttet werden - die natürlich, und nicht zuletzt darin liegt die Crux der derzeitigen Royalty-Zahlungen, entsprechend informiert sein müssen:
In a blanket license system, there'll be huge black boxes, and we'll have to learn to hold the money for a long time. People will learn to register, then we can work out how to deal with the black box fairly - rather than giving it to people who know it's there. That's what's happened in the past, really.
Im Inteview erklärt Peter Jenner, warum die vier Major Labels mit dieser Perspektive gar nicht glücklich sind - bedeutet sie doch den Verlust der exklusiven Kontrolle über legale Distributionskanäle. Ausrutscher wie Sonys verstecktes DRM-Rootkit, der Ärger von iTunes-Benutzern beim Computerwechsel und die generell ablehnende Strategie der letzten Jahre führten beim Konsumenten zu einer Reihe von Frustrationserlebnissen und bereiteten letztendlich den Boden für eine neue Abrechnungsstruktur.
Dass Zahlungsbereitschaft vorhanden ist, zeigen alle Umfragen. Die Angemessenheit des Preises (Stichwort: verfügbares Budget) und benutzerfreundliche, offene Formate könnten in der Tat zu einem Boom legaler Online-Musik führen. Weitere Themen des Interviews sind der zukünftige Fokus auf personenzentrierte Musikvermarktung - quasi "trusted agents", deren Geschmack man vertraut. Im übrigen glaubt Jenner auch auf der Produktionsseite an eine andere umgekehrte Variante des Longtail-Effekts:
I like the idea of doing co-ops to raise the money, too. If I give money to you to write a book, that's fairly high risk. If I lend it to 100 people that's much lower risk - someone's going to come through and I'll get my money back. The industry understands these issues. And you're less likely to rip each other off.
Ob wir in drei Jahren also dann tatsächlich alle legal via peer-2-peer ungeschützte mp3-Dateien legal runterladen? Man darf weiter gespannt sein... [via a href="http://swen.antville.org/stories/1505965/" target="_blank">Swen's Weblog]
Wurde gerade relayed über die monochrom-Liste, und ist zu relevant, um an dieser Stelle verschwiegen zu werden
Und wenn's nicht wahr ist, dann zumindest gut erfunden; thank god sind Blogger ja keine Journos und müssen/dürfen deswegen nicht alles nachprüfen: wie sollten sonst auch jemals digitale Gerüch(t)e entstehen?
Dienstag, circa 2330h, ZDF.
Johannes B. Kerner im Gespräch mit Til Schweiger:
"Herr Schweiger, wie bringen Sie denn Ihren Kindern Kultur und Musik
nahe?"
Schweiger: "Limewire?"