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	<title>datenschmutz &#187; Frank Hartmann</title>
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		<title>Welche Zukunft hat das Buch?</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Apr 2010 12:14:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Hartmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer hat Angst vorm Netz? Frank Hartmann beschreibt in seinem Gastbeitrag, was an der Debatte über die Frage, ob "das Buch" eine Zukunft hat, schief läuft, und die elitäre Missachtung der Netzkultur fortführt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="font-family:Times,Roman;font-size:18px;background-color:#ddddd9;padding:3px;">Wer hat Angst vorm Netz? Was an der Debatte über die Frage, ob “das <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/buch/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Buch">Buch</a>” eine Zukunft hat, schief läuft, und die elitäre Missachtung der <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/netzkultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Netzkultur">Netzkultur</a> fortführt.</div>
<p><em>Anm. von Ritchie: Der folgende Gastbeitrag von <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/frank-hartmann/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Frank Hartmann">Frank Hartmann</a>, Professor an der Bauhaus Universität Weimar, unterstellt aktuellen Debatten zur Medienkonkurrenz einen systematisch verzerrten Blickwinkel. Er entstand als Vortrag zu den <a href="http://www.rauriser-literaturtage.at/" class="liexternal">40. Rauriser Literaturtagen</a> und wurde in <a href="http://volltext.net/" class="liexternal">Volltextt</a> 1/2010 abgedruckt. Ich freue mich sehr über diese Gastpublikation und freue mich angesichts der aktuellen Flut kulturpessimistischer Publikationen (Lanier, Schirrmacher u.a.) auf eine rege Diskussion!</em></p>
<hr />Der Beitrag ist für eBook-Besitzer und Papierleser auch als PDF verfügbar:<br />
<a href="http://blog.datenschmutz.net/wp-content/uploads/2010/04/frank-hartmann-buchzukunft.pdf" class="lipdf"><strong>Frank Hartmann: Wer hat Angst vorm Netz?</strong><strong></strong></a> <small>PDF, 150kB</small><br />
<hr />
<p>Die Rauriser Literaturtage sind nun also 40 Jahre alt, und es ist nur mäßig originell zu fragen, was in weiteren vier Jahrzehnten sein wird: ob es dann noch Bücher und Bibliotheken gibt. Es ist so ein Problem mit Prognosen – die Wahrscheinlichkeit, sich mit ihnen zu blamieren, ist auch schon das einzige, was an ihnen sicher ist. Aber es gibt Möglichkeiten, die Frage anders zu stellen. Zum Beispiel so: werden im Jahr 2050 Apple, Amazon und Google die Verlage abgeschafft haben? Werden dank neuer Medientechnologien dann vielleicht die Autoren den Hauptteil an ihrem Werk verdienen, und nicht ihre Verleger und die Buchhändler? Und was ist überhaupt noch ein Buch, angesichts neuer multimedialer Narrative? Was wäre die Bibliothek der Zukunft?<span id="more-4186"></span></p>
<p>Das sind Fragen, die an den Grundfesten der westlichen <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/kultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kultur">Kultur</a> rühren. <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/kultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kultur">Kultur</a> aber ist kein Wert ohne Kontext, sie hängt immer auch von den Medien ab, <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/kultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kultur">Kultur</a> bedeutet immer auch Kulturtechnik. In den letzten vier Jahrzehnten hat sich genau das verändert, und zwar ebenso radikal wie unvorhersehbar: als Medium des Erzählens erwuchs dem Buch die mächtige Konkurrenz Fernsehen, und der Bibliothek als Medium des Wissens die übermächtige Konkurrenz des Internets.</p>
<p>Um den Kulturwandel begreiflich zu machen, der dieser Medienrevolution zugrunde liegt, gilt es historisch ein wenig auszuholen. Die neuen Technologien sind schließlich kein Virus aus dem All, der unvermittelt auf diese Erde fällt und sich hier rücksichtslos ausbreitet. Auch wirkt das Internet nicht kausal auf unsere Kultur, sondern diese Technologie reagiert auf einen Bedarf, der sich von langer Hand entwickelt hat und vor dem die Drucktechnik, und mit ihr Bücher und Bibliotheken, sich in vielen Belangen als dysfunktional erwiesen haben. Medienentwicklungen sind ebenso Ausdruck und nicht allein Folge eines kulturellen Erfahrungswandels.</p>
<p>Bereits gegen Ende des 17. Jahrhundert klagte ein berühmter Zeitgenosse, dass die Menge alles Gedruckten nicht mehr zu bewältigen sei: “Die schreckenerregende Vielzahl von Büchern, die ständig zunimmt”, stürzte den Gelehrten in “unheilvolle Verzweiflung”. Bei der anschwellenden Zahl der Dispute und den vielen Untersuchungen ohne nennenswerten Nutzen drohe heilloses Chaos und Rückfall in die Barbarei. Diese Klage brachte Gottfried Wilhelm Leibniz vor, Philosoph und Bibliothekar in Hannover und Wolfenbüttel.</p>
<p>Leibniz glaubte daran, dass die Zukunft der Gelehrsamkeit nicht im Lesen und Schreiben liegt, sondern in der Berechenbarkeit von Problemen – genau das bestimmt heute unsere Lage, wenn man es genau nimmt. Zugleich aber schlug er ein neues Orientierungssystem vor, eine “Kunst des Auffindens”, die durch Exzerpieren von Büchern und durch Kategorisieren von Wissensbereichen erreicht werden soll, denn Information braucht Dokumentation und zu diesem Zwecke das, was informationstechnisch als “Metadaten” bezeichnet wird, also bestimmte Zusatzinformationen. Tatsächlich tauchte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein entsprechend neues Medienformat auf: es war die Zeit der Wörterbücher und Dictionnaires, der Lexika und Enzyklopädien. </p>
<p>Als dann im 19. Jahrhundert mit der Schnelldruckpresse, dem Holzschliffpapier und der Linotype-Setzmaschine das Druckwesen industrialisiert wurde, schwoll die Masse an Publikationen exponentiell an. Abermals kam es zu Vorschlägen der Neuorganisation von Dokumentation und Wissensorganisation – am eindrücklichsten vorgebracht vom heute vergessenen belgischen Privatgelehrten Paul Otlet, der auf Mikrofilmtechnik setzte und auf Telekommunikation, womit sich die Bibliothek auflöse in Richtung einer weltweiten Datenbank und das Buch in Richtung vernetzter Wissensbestände. Otlet sprach bereits von einer technikgestützten “Hyper-Intelligenz”.</p>
<p>Jahrzehnte vor dem Internet war also klar, dass das Buch nicht das Leitmedium für die Wissensgesellschaft bleiben kann, und die Bibliothek in ihrer Funktion der Verwaltung von Wissensbeständen beschränkt ist. Ohne diesen kulturell lang angekündigten Bedarf an neuen medialen Formen hätte sich das Internet niemals allgemein durchsetzen können. Es wäre geblieben, wofür es am Anfang geplant war – eine Anwendung für Expertensysteme.<br />
Bücher sind nicht nur für die, die sie geschrieben haben, immer noch Mittel sozialen Distinktionsgewinns. In der Moderne wurden Bücher und Bibliotheken zu Insignien des Bürgertums. Das gediegene Buchregal gehört unmittelbar zur bürgerlichen Existenz und in den Bibliotheksbauten manifestiert sich neben den Kathedralen des Klerus und den Palästen des Adels das neue bürgerliche Selbstbewusstsein. Zudem errichtete die Aufklärung ein ganz eigenes Wissensideal, das Ideal einer Lesbarkeit der Welt.  Hans Blumenberg hat mit dieser Metapher die Tatsache umschrieben, dass das Paradigma der Verschriftung menschlicher Erfahrungen – sei es in den Monographien von Gelehrten, sei es in den Berichten von Reisenden und in den Protokollen von Bürokraten – den Eigensinn einer Epoche prägte, der durch Einblicke, wie sie wissenschaftliche Instrumente und entsprechende Experimente ermöglichten, radikal herausgefordert wurde. </p>
<p>Dass die Wissenschaft damit begonnen hat, im sogenannten Buch der Natur andere  Ausdrucksmodalitäten zu entziffern als die der alphanumerischen Form, ist eine Seite der Medaille. Auf der anderen wird erkennbar, dass das Ideal der Lesbarkeit durch eine neue Bildlichkeit angekratzt wurde. Genauer gesagt wurde sie durch neue Aufzeichnungsmedien erschüttert, durch die analoge Medientechnik der Fotografie und der Phonographie. Von der direkten Art, mit der jenseits des umständlichen Buchstabenlesens bereits eine Daguerreotypie die <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/wahrnehmung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Wahrnehmung">Wahrnehmung</a> anzusprechen vermag, berichtete aus Paris der erstaunte Alexander von Humboldt 1839 an den preußischen König: die Unmittelbarkeit, mit der sie die menschliche Einbildungskraft anspricht, faszinierte ihn besonders.</p>
<p>Eben davor hatte die deutsche Aufklärung immer Angst gehabt, wie ein Blick in Kants Kritik der Urteilskraft belegt, die für das alttestamentarische Bilderverbot plädiert. Bilder verwende, wer die Einbildungskraft der Menschen einschränken und manipulieren will; für die Aufklärung bleibt nur die Via negativa des abstrakten Buchstabenlesens. Diese Haltung verkennt natürlich das menschliche Bedürfnis nach Unterhaltung und Entspannung. Aber je komplexer codiert eine Botschaft ist, desto anstrengender wird jene Gratifikation zu erreichen sein, die der Konsum kultureller Güter verspricht. Aus diesem Grund besteht ein sozialer Distinktionsmechanismus, nach dem höher prämiert wird, was abstrakter codiert ist, beispielsweise eben Texte gegenüber Bildern.</p>
<p>Nun ist das Buch nicht allein Träger von Wissen, es dient im fiktiven Umgang mit Wirklichkeit ebenso der Erbauung und Unterhaltung. Das war nicht immer so, denn der moderne Roman entstand erst etwa im 17. Jahrhundert. Derzeit entstehen nicht nur neue Distributionsformen für Inhalte, sondern auch neue Narrative. Sie entsprechen einem alten Wunsch – auch der Literaten, erinnert sei an Hugo von Hofmannsthals Chandos-Brief – nach einer neuen Sprache oder einem Medium, das “unmittelbarer, glühender ist als Worte”. Und dies nicht zufällig zu einer Zeit, da die Moderne neue künstlerische und technische Ausdrucksmodalitäten entwickelte, wie die Kinematographie. Das bewegte Bild wird zum der größten Konkurrenten des erzählenden Wortes. Die Sichtbarmachung von Vorstellungen als direkte Visualisierung – das ist jener phänomenale Schritt, den das Kino über die Literatur hinaus macht. Es wird nicht der letzt gewesen sein.</p>
<p>Grundsätzlich, so sieht es einer der angesehensten Schriftsteller der Gegenwart, kann das Buch nicht mit dem Computer konkurrieren, wie schon zuvor nicht mit Kino und Fernsehen. Natürlich verschwindet das Buch in dieser Medienkonkurrenz nicht ganz, aber es ändert seine Form wie auch seine Funktion. Ist ein E-Book noch ein Buch? Gegenfrage: sind die geleimten Papierstapel der Handelsketten tatsächlich noch Bücher?</p>
<p>Gefragt, ob man in 25 Jahren noch Bücher lesen werde, antwortete Philip Roth, dass es diese kulturelle Praktik dann wohl nur noch als “Kult” geben werde, so wie es heute noch Anhänger lateinischer Dichtung gibt. </p>
<blockquote><p>The book can’t compete with the screen – and the Kindle won’t change that. […] I think always people will be reading them but it will be a small group of people. Maybe more people than now read Latin poetry, but somewhere in that range. – Philip Roth, Interview (<a href="thedailybeast.com" class="liinternal">thedailybeast.com</a>, Okt. 2009)</p></blockquote>
<p>Ein Narrativ, das ein hohes Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit verlangt, verliert für ein großes Publikum zusehends an Attraktivität. Zwei Motive prägen die Überwindung der Gutenberg-Galaxis: zum einen der unermesslich gesteigerte Mehrwert der Bilder, seit ihre beschleunigte technische Reproduzierbarkeit sie die Unmittelbarkeit der Sprache einholen ließ. Zum anderen die Verlagerung der menschlichen Sinnesorganisation von der Visualität des Lesens und Schreibens hin zur Taktilität, wie McLuhan es nannte, zu jener posttypografischen <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/medienkultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with medienkultur">Medienkultur</a> eben, die mit <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/radio/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Radio">Radio</a> und Fernsehen begonnen hat.</p>
<p>Zur “posttypographischen” Kultur (Michael Giesecke) gehört ein Motiv, das sich in der westlichen Kultur nicht erst mit dem Internet bemerkbar macht: die Erosion der bürgerlichen Ideologie des Individuums. Das Bürgertum privilegierte zudem eine mit Produktion und Verteilung von Druckwerken befasste Elite, die neue Klasse der Literaten.  Es schuf mit der kulturellen Prämierung der Lektüre von Druckwerken zudem die ideale kulturtechnische Entsprechung zur relativ neuen Vorstellung von intimer Individualität, die von der Massenkommunikation im 20. Jahrhundert in Frage gestellt wird.</p>
<p>Schon die Nationalsozialisten übernahmen mit ihrer Forcierung von Radio und Fernsehen jenen zutiefst antibürgerlichen Impuls, der den modernen Formen von Propaganda (nach Edward Bernays) zugrundeliegt. Demnach ist eine Massenbeeinflussung vor allem dann möglich, wenn die Rezeption von Inhalten nicht individuell erfolgt, sondern in der Gruppe. Denn das Massenpublikum verhält sich nicht reflexiv, wie der einzelne Leser, sondern reaktiv, und da ist es leichter, die Mechanismen zur Übernahme  gewünschter Interpretationen zu forcieren.<br />
In der sich nun formierenden Netzkultur (und wie viel Veränderung wurde manifest, in gerade einmal zwei Jahrzehnten!) werden Tugenden des bürgerlichen Individuums immer weniger prämiert, verbunden mit einer tendenziellen Abwertung traditioneller publizistischer Formen der Printmedienkultur. Dieses Ende der Privatheit kennt viele Formen. Schon die Erfolgsgeschichte der Massenmedien und jetzt die der Social Networks weist auf eine tiefgreifende Veränderung der kulturellen Codes. Es ist kein Zufall, dass nach der Epoche bürgerlicher Individualisierung, in der das Bücherlesen zum Habitus sozialer Distinktion geriet, Wirklichkeit immer weniger durch den gebildeten Intellekt und immer stärker durch Medien synthetisiert wird: “Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.” (Niklas Luhmann)<br />
Das definitive Ende des Buches und der Literatur wird das wahrscheinlich nicht sein, aber deren Funktionswandel. Das Buch stand einst für die Gleichzeitigkeit der Verfügbarkeit von Wissen. Es schuf die Gelehrtenrepublik, als den gemeinsamen Raum vorhandener Informationen zu einen Thema oder Forschungsgegenstand. Diese Organisationsgrundlage des Wissens bildete eine wesentliche Bedingung der Möglichkeit wissenschaftlichen Fortschritts. </p>
<p>Die Computernetze – das war gerade auch vor 40 Jahren nicht nur ArpaNet in den Vereinigten Staaten, sondern auch Cyclades in Frankreich und andere europäischen Datennetze – sollten den medientechnischen Stand der Dinge bald neu definieren, obwohl keiner der Entwickler auch nur im Traum daran gedacht hatte, damit eine neue kulturelle Ausdrucksmodalität zu schaffen. Zuerst löst Programmieren das Schreiben ab, nimmt ihm die Exklusivität des Weltentwurfs. Aber nachdem die technische Komplexität der vernetzten Computer hinter der grafischen Oberfläche des Web verschwunden ist und niemand mehr programmieren können muss, um Präsenz im Netz zu schaffen, sieht diese Sache bekanntlich ganz anders aus. Widerstand gegen die “Diktatur des schönen Scheins” (Neal Stephenson) und die angebliche Entmündigung der Computernutzer blieb zwar nicht aus, erwies sich letztlich aber als zwecklos. Die Kulturtechnik des WIMP (Windows, Menues, Icons, Pointing) setzt sich langsam aber sicher gegen die des Buchstabierens durch.  Und mit zunehmendem Anteil wird das, was wir über die Welt, in der wir leben, wissen, durch Google und Wikipedia vermittelt. Dass die Demokratisierung des Wissens durch Oberflächlichkeit erzeugt wird, erzeugt noch keine “Unbildung”, wie die Unkenrufe aus der “Generation Adorno” nahelegen. </p>
<p>Die Technologie der Netzwerke ist dabei, den Stand der Dinge neu zu verhandeln und die Kultur der Gatekeeper (Verleger, Redakteure, Zeitungsherausgeber) durch eine Kultur der Teilhabe zu ersetzen. Was tut sich nun konkret: ist Literatur im Netz einfach Literatur geblieben, nur eben an anderen Orten auf anderen Datenspeichern als eben in Büchern, die in Bibliotheken stehen? Nein, zumindest tendenziell ist sie das nicht mehr. Den Hinweis auf Weblogs wollen wir uns schenken, er ist ebenso billig wie das, was die meisten “Blogs” inhaltlich produzieren. Wichtig an ihnen ist eigentlich nur die technische Form, die radikale Öffnung des Rückkanals und das Prinzip der Präsentierung. Aus der Logik der Datenbanken und der Online-Verfügbarkeit tendenziell sämtlicher Inhalte des kulturellen Archivs folgt, dass das Konzept der Kommunikation sich grundsätzlich ändert zugunsten dieser ungeheuren Präsentierungsleistung der Medientechnik.</p>
<p>Nun kann, wer will, innerhalb weniger Minuten ohne jegliches eigenes Produktionsmittel (Internet-Zugang vorausgesetzt) schriftlich oder in multimedialer Form publizieren und damit ein lokales, nationales und potenziell sogar weltweites Publikum adressieren. Es entstehen neue Formen nicht nur des Publizierens jenseits des Buches, sondern auch jenseits der herkömmlichen Formen des Schreibens, das sich technisch anders organisiert. Eigentlich ist ja schon jede lokale oder nationale Literaturszene eine Art kollaborative Plattform, auf der Texte entstehen, die auf andere Texte antworten: Thomas Galvinic hat den kalten Klotz des Erfolgs von Daniel Kehlmann zu verdauen und kennt keinen Genierer, sein Elaborat dazu (“Das bin doch ich”) einen Roman zu nennen. Frau Hegemann verwurstet “Strobo”, den Text eines unbekannten Techno-Bloggers, und findet nichts dabei, doch: sie hat sogar noch recht damit, denn Literatur bestand immer schon darin, andere Aussagen, andere Texte zu verarbeiten und zu interpretieren.</p>
<p>Dieser Aspekt bedürfte ausführlicherer Diskussion, hier nur soviel: ohne all die bestehende Literatur wäre der einzelne Literat gar nichts. Und natürlich auch nicht ohne sein Publikum. Schriftsteller sind einigermaßen pathetische Figuren. Sie werden nicht gleich alle, wie derzeit der Bestsellerautor Frank Schätzing, mit einer Multimedia-Show durch die Lande ziehen müssen. Sie werden sich aber mit den neuen medialen Formen auseinandersetzen müssen, die nicht allein die Publikations-, sondern diese Kommunikationsverhältnisse auf neue Art und Weise interpretieren: sie verzichten auf das Medium Buch (und auf seinen Verleger) als “Mittler”. </p>
<p>Eine neue Generation von Autoren publiziert ihre Texte selbst längst online. Natürlich wird es eine ganze Weile noch so sein, dass die besten Produkte aus dem Netz in die Wertschöpfungskette der Verlagsindustrie eingehen werden. Aber deren viel beschworene Qualitätskontrolle findet längst schon anderswo statt: im Vorfeld jener Leserinnen und Leser, die in Blogs von Autoren Kommentare hinterlassen und in dieser oder jener Form an deren Geschichten mitschreiben. Oder gleich selbst zu Autoren werden – Web-Plattformen dazu gibt es zuhauf. Man wird als Autor von Online-Verlagen auf allen Ebenen abgeholt: “from inspiration to distribution: connect, write, publish, sell” (so die Werbung von fastpencil.com). </p>
<p>Wenn nun neben den kleinen Start-ups für Autoren Giganten wie etwa Amazon einen Verlagsservice für Autoren anbietet, muss man sich wirklich fragen, was hier die Publikationskultur betreffend im Gange ist. Irgendwann wird vielleicht noch der rückständigste Autor erkennen, dass mit all dem Geschwätz vom “geistigen Eigentum” er oder sie gemeint ist, und nicht sein Verleger und sein Buchhändler. Er wird sich dann wahrscheinlich jenen Agenten zuwenden, die ihm 60 bis 70 Prozent des Verkaufspreises ausbezahlen, und nicht wie derzeit üblich 6 bis 10  Prozent, weil Produktions– und Distributionskosten im traditionellen Verlagsbusiness derart zu Buche schlagen.</p>
<p>Auch wenn dann, wenn der Verkaufspreis weit niedriger sein wird, weil der Text als Produkt eine neue, elektronische Präsentationsform annimmt – den Verlegern, den Druckern und den Buchhändlern sollten die Autoren keine allzu dicken Tränen nachweinen. Immer seltener nämlich erfüllen sie ihre Funktion der Qualitätskontrolle, nachdem sie in den vergangenen Jahrzehnten gelernt haben, wie sich auch ganz ohne Marketing und Verkauf von Druckkostenzuschüssen und anderen Förderungen gut leben lässt. In vielerlei Hinsicht ist das Buch nurmehr Business, mit vielen unsichtbaren Stützen, das von einer unheimlichen Betriebsamkeit aufrechterhalten wird.</p>
<p>Das Buch ist zum Fetisch einer Kultur geworden, die ihre Ideale in dieser medialen Form materialisiert sah. Texte, die sich in Buchform niederschlugen, können nun auch als E-Book weiter existieren. Doch darum geht es weniger. Nach einer anfänglichen Euphorie hinsichtlich der Möglichkeiten von Hypertext als neuer literarischer Form lässt sich erkennen, dass es nicht die Faszination für technische Möglichkeiten an sich ist, die die Veränderung bringt. Die neue digitale Kultur hat ihre eigene Gesetzlichkeit, zu der vor allem ein Umstand zählt: die Netzkultur ist weniger hierarchisch und stärker relational bestimmt, was eine Ästhetik der Verteilung mit sich bringt, deren Form noch längst nicht feststeht – kleine Phänomene, die morgen vielleicht schon vorbei sein werden (man denke an Dienste wie Twitter) bestimmen sie, durch die Akzeptanz und den Gebrauch, den die Masse davon macht.</p>
<hr /><small>Copyright © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Über das Neue der Medien</title>
		<link>http://blog.datenschmutz.net/2010-01/ueber-das-neue-der-medien/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 06:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Hartmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auszug aus Frank Hartmanns Einführungsbuch "Multimedia" - was bedeutet der Umbruch von der Textkultur zum multimedialen Mediengesellschaft?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der folgende Beitrag ist ein Auszug aus Frank Hartmanns Einführungsband <strong>Multimedia</strong> (UTB, Wien 2008 UTB Profile). Frank Hartmann ist Professor für Visuelle Kommunikation an der Bauhaus Universität in Weimar. Ich freue mich sehr über diesen Gastbeitrag und wünsche viel Spaß bei der Lektüre!</em></p>
<p>Mit Computer und Netzwerken wurden die Medien innerhalb von zwei Jahrzehnten plötzlich zu “neuen Medien”. Unsere Medienkultur ist vielfältig wie nie – wohin geht ihre Entwicklung? Am Anspruch, diese Fragen zu beantworten, scheitern regelmäßig die Bemühungen der Experten. Denn sie nehmen in ihrer Fixiertheit auf die technischen Möglichkeiten nicht in Betracht, worauf es dabei ankommt: auf dich und mich, also die Nutzer, die Anwendungen akzeptieren oder diese gleich neu erfinden. Man müsste also danach fragen, wie die multimediale Nutzerkultur von morgen aussehen könnte.<span id="more-4050"></span></p>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;nou=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=httpwwwusbsti-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;md=1M6ABJKN5YT3337HVA02&#038;asins=3825230333" style="float:left;margin-right:15px;margin-top:5px;margin-bottom:3px;width:120px;height:240px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0"></iframe>Multimedia, dieses obskure Schlagwort der 1990er-Jahre, ist ein etwas angestaubter Begriff. Die nicht besonders aussagekräftige, aber doch gebräuchliche Bezeichnung steht für “Multiple Content Media”, also für die Integration multipler Medienformate wie Text, Bild, Animation, Video und Audio – dafür, dass eine Information sich aus unterschiedlichen Kommunikationskanälen zusammensetzt. Eine Radiosendung bietet eine Rezeptionsmöglichkeit (akustisch) und ist monomodal codiert, während die Webseite des Radiosenders in der Regel multimodal codiert sein wird, d.h. optische und akustische Rezeptionsmöglichkeiten anbietet. Dazu kommt eine technische Medienkonvergenz, denn nicht zuletzt sind die Techniken der Telekommunikation und des Computers zusammengewachsen.</p>
<p>Der Digitalcomputer bedingt auch einen anderen, flexiblen Umgang mit dem Medienangebot, das zunehmend bestimmt ist von Interaktivität und, ganz generell, der Internet– bzw. Online-Kommunikation. Es ist Digitaltechnologie, die hier eine neue Form ermöglichte: die Konvergenz der Kanäle und die Integration der Formate durch multimodale Codierung. Mit ihr wurde der Begriff Multimedia jüngst neu aufgeladen – seine Grundlagen lehrt das Fach Medieninformatik, seine angewandte Form vermittelt das Mediendesign, seine Formate analysiert die Medienwissenschaft, seine sozialen Auswirkungen erforscht die Kommunikationswissenschaft.</p>
<p>In einer digitalen Medienkultur werden Informationen nicht isoliert angeboten, sondern bereits auf der technischen Ebene miteinander verknüpft. Multimedia wird von der Medieninformatik definiert als multimodale Aggregation digitaler Medien. Digitaltechnik ist die Betriebsgrundlage der Multimediakultur. Computer wurden zunächst nicht als Kommunikationsmedien konzipiert, sondern um mathematische Aufgaben zu automatisieren. Als weitere Aufgabe kam das vernetzte Informationsmanagement hinzu – Computerkommunikation diente in ihrer Anfangszeit der Optimierung von technischen Ressourcen. Bald aber wurde aus der mathematischen Maschine ein Apparat zur Konstruktion von Wirklichkeiten. Längst mehr als bloß Werkzeug, entwickelten Computer sich zu Hypermedien, und das Internet durch die spezielle Anwendungssoftware des World Wide Web zu einer Art Universalmedium.<br />
Die digitale Integration von Inhalten hebt ältere Einzelmedienfunktionen auf. Eine technische Konvergenz, mit der Computer zu medialen Multifunktionsgeräten wurden, ist deutlich feststellbar. Digitalcomputer stehen für eine mehrfache Medienoption: ein und dieselben Daten können unterschiedlich ein– oder ausgegeben werden (etwa Klänge als <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/bilder/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Bilder">Bilder</a> und umgekehrt). Multimedia bedeutet also auch eine komplexe Darstellungsoption, bei der sich oft im Gebrauch erst entscheiden kann, auf welche Art und Weise eine Information rezipiert wird. Damit ändern sich die Ansprüche an das Medien– und Kommunikationsdesign, es entstehen neue Berufsrollen.</p>
<p>Multimedia bezeichnet sowohl eine neue Technologie: Produktion auf Basis des Computers, wie auch eine neue kulturelle Form: Distribution auf Basis des Internets. Wie immer man dieses Thema behandelt, es sind damit auch weitreichende Fragen einer sich ändernden Medienlandschaft angesprochen. Vor allem ist bemerkenswert, wie sehr damit die Ansprüche innerhalb der Medienkultur gewachsen sind.</p>
<p>Texte wurden immer schon gerne mit Visualisierungen geschmückt, in jüngster Zeit aber tritt die Ebene der Bilder immer selbständiger neben die Texte. Es ist schön, einen traditionell gesetzten Text zu lesen, aber auch, auf Artikel in ihrer Online-Fassung zuzugreifen, noch während der Lektüre einzelne Begriffe anzufragen, nach Hintergründen und Vertiefungen zu suchen, eine ergänzende Bildstrecke durchzuklicken, ein wörtliches Zitat im Originalton abzurufen und vielleicht ein die Hintergründe kommentierendes Video abzuspielen. Gerade auf Ebene der Web-Angebote verfügen wir über eine vielfältige Mediensituation, um die uns frühere Generationen beneidet hätten. So kann ein multimedial aufbereiteter Zeitungsartikel entweder am Bildschirm gelesen, verlinkt, lokal gespeichert, versendet, ausgedruckt oder als Audiofile gehört werden.<br />
Digitaltechnologie löst die Grenzen einer analogen Medienkultur, deren Dokumente entweder in Schrift, Bild oder Ton über Einzelmedien zur Verfügung standen, zugunsten eines multimedialen Angebotes auf. Den unterschiedlichen Optionen auf der Darstellungsebene entspricht die technische Integration der Daten auf Ebene ihrer Codierung. Dies leisten elektronische Technologien, welche die Verarbeitung, Speicherung und Verteilung von Daten unabhängig von der menschlichen Wahrnehmungsebene ermöglichen. Das Thema Multimedia berührt also auch die Geschichte der Informationsverarbeitung, der Computer und Datennetze, des Internets und seiner populären Anwendungen im World Wide Web. Multimedia ist damit ein zentrales Thema im Rahmen von Medien– und Kommunikationswissenschaft sowie Medieninformatik, und nicht zuletzt ein neues Formalobjekt für die kulturwissenschaftliche Forschung.</p>
<p>Medienkultur – das sind nicht Computer als solche, nicht die vielfältigen Anwendungen der Digitaltechnologie, nicht die Millionen von Blogs, nicht die Milliarden von Webseiten, und doch irgendwie alle zusammen, als hybride Praxis. Die Zahl der Internet-Nutzer weltweit hat schon die Milliardengrenze überschritten. Sie alle arbeiten mit gleichen oder ähnlichen Interfaces. Wir haben es mit einer qualitativ neuen Situation zu tun: digitale Arbeitstechniken bestimmen zunehmend den Berufsalltag, das World Wide Web verändert die öffentliche Kommunikation, und in der Freizeit weisen körpernahe Computerspiele bereits auf eine nahe <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/zukunft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Zukunft">Zukunft</a>, in der sich die Interfaces von grauen Büroanwendungen mit Maus und Tastatur losgelöst haben werden. Multimedia weist auf eine nahe <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/zukunft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Zukunft">Zukunft</a> der posttypografischen Ästhetik – ein vager Terminus für all das, was nicht exklusiv durch die Schriftkultur bestimmt ist, inzwischen aber die Grundlage für ein neues Denken, für <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/wahrnehmung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Wahrnehmung">Wahrnehmung</a> und Entscheidungsfindung bildet.</p>
<p>Bei immer mehr Medien wird der Überblick immer schwieriger. Medieninformatiker, Webdesigner, Multimedia-Autor, Online-Journalist, <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/blogger/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Blogger">Blogger</a>, Net-Consultant – das Web und seine multimedialen Anwendungen haben zudem eine Fülle neuer Aspekte hervorgebracht, die auch mit Ansprüchen auf neue Kompetenzen verbunden sind: Ansprüche, denen die gegenwärtige Praxis der Aus– und Weiterbildung an Fachhochschulen und Universitäten eher zögerlich entspricht. Auch lassen Wissenschaft und Forschung noch viele Fragen offen: Sound in den Medien wird noch kaum systematisch erforscht, ebenso wenig die medialen Visualisierungsstrategien. Wir verfügen zudem über erstaunlich wenig abgesichertes und systematisiertes Wissen über die Wahrnehmung und Wirkung von Medien. Die Landkarte der Kultur– und Medienwissenschaften weist hinsichtlich der politischen und kulturellen Ökonomie des Web bislang noch große weiße Flecken auf.</p>
<p>Die Muster der Produktion, Reproduktion und Distribution kultureller Inhalte haben sich vermutlich nie zuvor in der Geschichte so radikal und in so kurzer Zeit verändert , wie dies in den letzten Jahrzehnten geschehen ist. Die Strategien kultureller Vermittlung – und ihre pädagogischen Mittel, die Medienkompetenz aufbauen sollen – entsprechen dieser Veränderung definitiv noch nicht, allzu sehr sind sie noch den Mythen der Buchkultur (Michael Giesecke) verpflichtet. Unsere aktuelle Medienkultur hingegen ist entschieden von Technik geprägt, die fließende und offene Formen annimmt, seit dem die Kommunikationen elektrifiziert und Medien digitalisiert worden sind. Dass Computer, die als künstliche Rechenknechte für Ingenieure konzipiert waren, einmal für eine qualitativ neue kulturelle Situation sorgen würden, weil sie zu einem multimedialen und expressiven Medium mutiert sind, hätte vor zwei bis drei Jahrzehnten noch niemand geglaubt. Im Alltag Jugendlicher nehmen Computer und Internet heute eine zentrale Stellung eine, wenn es um Selbstfindung und Selbstdarstellung geht. Dabei spielen der Zugang zu Informationen und die so oft beschworene demokratische Meinungsbildung eine untergeordnete Rolle, im Vordergrund stehen Unterhaltung und Konsumkultur.</p>
<p>Und was sagt gegenwärtig die Forschung? Die Kulturwissenschaften zeigen sich einstweilen noch durchwegs geprägt von ihrer traditionellen Rolle als Textwissenschaft und von der monographischen Publikation. Nach wie vor sind sie fixiert auf visuelle Codes, auf den Betrachter und dessen Blick. Auch bei neueren Ansätzen der Bildwissenschaft sind die Fesseln der klassischen Kunstgeschichte mit ihrer methodischen Konzentration auf Bildlichkeit noch deutlich prägend. Neuere interdisziplinäre Ansätze wie zur Visual Culture, einem Forschungsfeld zur kulturellen Rolle der visuellen Kommunikation, sind eher erst im anglo-amerikanischen Raum präsent. Die sozialwissenschaftliche Forschung hat im Umgang mit neuen Medienphänomenen wie den Social Networks, die zugestanden ein noch junges medienkulturelles Phänomen darstellen, bislang noch kaum gesicherte Ergebnisse aufzuweisen. Um Formen und strukturelle  Effekte dieser Digital Formations erfassen und nachzeichnen zu können, werden über sozialwissenschaftliche Befragungs– und Beschreibungsmodelle hinaus neue Verfahren des Databasing, des Kartographierens mit neuen Formen der Visualisierung von Netzwerk-Kommunikation zu entwickeln sein.</p>
<p>Bislang gehen viele der in Presse und Publizistik kolportierten Aussagen zum Stand und zu Trends im Mediengebrauch auf Marktforschungsdaten zurück, die sich auf amerikanische Lebensverhältnisse beziehen (etwa die des Pew Research Center in Washington DC). Was ist mit den Kulturen Europas, Asiens, Afrikas und Lateinamerikas? Seit der technischen Erschließung des internationalen Internet-Verkehrs verlieren die Vereinigten Staaten langsam den Status der kontrollierenden Zentralinstanz, den sie drei Jahrzehnte lang eingenommen haben. Für das technische Routing des Datenverkehrs im WWW trifft dies bereits zu. Nicht nur politische und wirtschaftliche, auch kulturelle Konsequenzen sind zu erwarten, wenn andere Kommunikationskulturen stärkere Präsenz in der Online-Welt erlangen. Es könnte auch neue Probleme geben; die Rolle von Bilder beispielsweise ist nicht überall dieselbe. Der Karikaturen-Streit von 2005, als der islamische Prophet Mohammed in einer dänischen Tageszeitung karikiert wurde, hat drastisch die Problematik gezeigt, die auch Folge einer Überlagerung von Medienkulturen ist.</p>
<p>Während in den Diskussionen nämlich immer nur die Erweiterung von Möglichkeiten betont wird, die in einem multimedialen Angebot enthalten sind, kommt fast nie die Problematik zur Sprache, die dann auftritt, wenn es Dinge zu sehen oder zu hören gibt, die man lieber nicht sehen oder hören möchte. Unser Alltag vollzieht sich ohnehin schon unter Bedingungen optischer und akustischer Umweltverschmutzung, die von ihren professionellen Verursachern beschönigend “Werbung” genannt wird. Geschweige denn das, was andere Sinne anzusprechen imstande wäre: Multimedia hat seine Grenzen, die nicht unbedingt technischer Natur sind. Medienkünstler mögen mit dem Olfaktorischen und mit dem Haptischen experimentieren, doch im Alltag wollen die Menschen es einfach nicht haben, dass ihnen die Welt in ihrer vollen sinnlichen Bandbreite ins Haus geliefert wird – sonst nämlich würde es längst schon “Geruchsfernsehen” und ähnliches geben. Man stelle sich einen Katastrophenbericht unter derart technisch erweiterten Bedingungen vor. Die oft geschmähte Abstraktion hat also auch ihr Gutes, und bei all den erweiterten technischen Möglichkeiten berührt die Frage nach Multimedia in den künftigen Formen auch jene nach einer entsprechenden Medienökologie, also nach dem Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Anwendungen und ihrer auf verschiedene Formate verteilten Ästhetik.</p>
<p>Verändern wird sich mit Sicherheit die Art und Weise des Umgangs mit visueller Information. Interfaces – die Screens und Displays der neuen Medien – transportieren Aussagen auf nichtsprachlichem Weg und werten die Ebene der visuellen Kommunikation deutlich auf (wie vor ihnen schon die Bildersprache des frühen 20 Jahrhunderts: Zeichen, Schilder, Signale). Und doch folgt hieraus kein Plädoyer für das Bild oder für eine akademisch weithin überschätzte Bildwissenschaft. Natürlich verarbeitet der Mensch einen Großteil seiner Informationen visuell, aber die methodische Herausforderung besteht nicht darin, die Bildlichkeit unserer Kultur mit all ihren technischen Symbolen zu betonen, sondern deren insgesamt posttypographischen Aspekte. Die multimediale Technik zielt auf Vermittlungs– und Erkenntnisformen, welche die Grenzen einer langfristigen kulturellen Idealisierung der Buchkultur sprengt.</p>
<p>Verschriftlichung – die sprachlich explizite Form – ist eine historische Kulturtechnik, die einen bestimmten Umgang mit den Dingen, als Form der Codierung, und damit eine bestimmte Bewusstseinshaltung bedeutet. Multimedia hingegen bedeutet, neue Techniken der Wahrnehmung und der Beurteilung zu erschließen, eine neue Form der Urteilskraft für eine neue Form von medialer Ästhetik. Verschwinden wird die Schrift sicher nicht. Ein Vorteil von neuen Medien ist, dass sie die sinnliche Erfahrung konzeptionell erweitern, und zwar auf eine spielerische Art und Weise. Ihre Anwendungen setzen sich in Kanälen durch, die ursprünglich gar nicht in der Form geplant waren, zu der sie sich im Gebrauch entwickelten – Email und SMS sind hierfür gute Beispiele. Andere Formen, die aus Marktinteresse implementiert wurden, haben sich wiederum nicht durchgesetzt (wie die Bildtelefonie). Aussagen über die Modalitäten künftigen Mediengebrauchs ist also mit erhöhter Vorsicht zu begegnen. “Was zählt, sind Kulturen des Gebrauchs, die über genug Wissen verfügen, um gegebene Software, Schnittstellen und Inhalte in etwas umzubauen, was es zuvor nicht gab.” (Geert Lovink) </p>
<p>Es steht zu vermuten, dass es immer solche Kulturen des Gebrauchs sein werden, die aus ihrer medialen Praxis heraus entsprechendes Wissen generieren. Also bleibt die Frage, wie man hierfür denn Ausbildungsentscheidungen treffen soll – außer man beschränkt sich auf die rein technische Seite vom Multimedia, wo es gewisse Anwendungen oder Skills im Umgang mit Dateien und Formaten digitaler Medien zu erwerben gilt. Die strukturelle Konzeption vieler Lehrgänge wurzelt noch in einer Zeit ohne Personal Computer und Internet. Aber zwei einem Medienstudium aufgepfropfte Semester beispielsweise zu  Grundlagen im Umgang mit Formaten und Codecs reichen sicher nicht aus, um den Herausforderungen einer Multimedia-Kultur zu begegnen. Auch Fernstudien, die vereinzelt als Multimedia-Studium angepriesen werden, nur weil Videokassetten und ein Computer vorausgesetzt werden, entsprechen nicht den Anforderungen. Spezialisierungen und Studiengänge, die nicht einem traditionellen Curriculum verpflichtet sind, können davon profitieren.</p>
<p>Multimedia spielt in Unterhaltung und Kunst sowie in Forschung und Lehre eine zunehmend prominente Rolle. Unterschiedliche Kompetenzen sind hier gefragt, die aber eines gemeinsam haben: die Anforderung, sich in unterschiedlichen Symbolsystemen zu bewegen. Man wird vor jeder Ausbildungsentscheidung gut daran tun zu bedenken, dass die Technologien sich rasch und unerwartet ändern können. Die Suche nach alternativen Medien, nach schnelleren und sicheren Versionen wird nicht abreißen. Das ist nicht nur technisch, sondern vor allem auch kulturell relevant. Ausbildungs– und Studienangebote sollten daher auch auf ihre wissenschaftlich-theoretische Fundierung hin geprüft werden, denn die kann auch dann noch ergiebig sein, wenn die neuesten Errungenschaften in Hard– und Software längst schon wieder veraltet sind.</p>
<p><small>Auszug aus: Frank Hartmann, Multimedia, Wien 2008 (UTB Profile)<br />
[mit freundlicher Genehmigung]</small></p>
<hr /><small><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/copyright/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Copyright">Copyright</a> © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Urheberrecht: Erleichterung statt Restriktion</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 14:30:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der tiefgreifende ökonomische Strukturwandel, den unser Mediensystem erlebt, endet nicht am Smartphone - Frank Hartmann hat auf Telepolis eine äußerst lesenswerte Analyse veröffentlicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Vergleich zur turbulenten Ära von 98 bis 2003 ist die Debatte um die finale Zerstörung der menschlichen Kultur durchs Urheberrechtsverletzungen wieder vergleichsweise still geworden: war Napster noch der Byte-gewordene Gott-sei-bei-uns der Plattenindustrie, hat ein amerikanischer Apfelhändler via iTunes den Netzmusikverkauf profitfähig gemacht (wenn auch über den Hardware-Umweg), seit kurzem zeigt Buchhändler Amazon Verlagen, wie man <a href="http://blog.datenschmutz.net/2009-11/wie-man-pdf-dateien-gratis-auf-den-kindle-2-laedt/" class="liinternal">untote Bäume</a> auf ePaper ausliefert.</p>
<p>Der eine oder andere Murdoch sagt zwar <a href="http://blog.datenschmutz.net/2009-11/blogistan-panoptikum-kw46-2009/#toc-tod-dem-traffic" class="liinternal">njet</a>, ab und zu wird eine <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/in-schweden-beginnt-der-prozess-gegen-the-pirate-bay/" class="liexternal">Piratenbucht</a> verklagt, doch der Hype um die Besserung der Welt qua <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/social-media/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Social Media">Social Media</a> lenkt temporär den Blick ab vom, wie Frank Hartmann in seiner hervorragenden Analyse <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31393/1.html" class="liexternal">Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit</a> auf Telepolis schreibt, “mehr oder weniger offen ausgetragenen Kulturkampf”.<span id="more-3935"></span></p>
<p>Hartmann, der vor in diesem Semester seine Professur für Visuelle Kommunikation an der Bauhaus–<a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/universitaet/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Universität">Universität</a> in Weimar angetreten hat, sieht in der Indexierung und Hyper-Textualisierung der Information die technische Realisierung eines wesentlich älteren “Programms”:</p>
<blockquote><p>Noch gut erinnerlich ist die Nonchalance, mit der geisteswissenschaftliche Professoren in den 90er-Jahren das Internet als eine technische Spinnerei, als eine vorübergehende Sache abtaten. Dass die neue Technologie sich nicht von Ungefähr entwickelt hat, sondern ein altes Programm erfüllt, ist ihnen nicht aufgefallen. Historische Ansätze, wie der des belgischen Gelehrten und Bibliotheksreformers Paul Otlet blieben zu unbekannt, um auch nur ignoriert zu werden.</p></blockquote>
<p>Nun leben aber eine ganze Reihe von Verlagen hervorragend vom klassischen wissenschaftlichen Publikationssystem: veröffentlicht muss werden, die Produktion der meisten Bücher wird von den Autoren selbst bezahlt, um dem Veröffentlichtungszwang Genüge zu tun:</p>
<blockquote><p>So ist der wissenschaftliche Publikationszwang eine nahezu risikofreie Wertschöpfungsquelle für Verleger. Verlagsverträge beginnen mit einer “Rechtseinräumung” und bestehen meist in einer umfassenden Rechteabtretung an den Verlag. Die wenigsten Autoren lukrieren etwas von den ca. 8 Prozenten, die ihnen vom Nettoverkaufspreis eines Buches vertraglich zustehen. 92 Prozent teilen sich Verleger und Buchhändler – ein signifikantes Verhältnis! Vom Verwertungsrecht profitiert allein eine hier konstruierte Rechtsfigur der “Inhaltebesitzer”, die unterm Deckmantel eines Schutzes der Urheberrechte vom sogenannten geistigen Eigentum der Autoren profitiert.</p></blockquote>
<p>Mit der Verfügbarkeit des Internet als digitalem Publikationspool besteht aber gar keine Notwendigkeit mehr, unschuldige Wälder abzuholzen — was den klassischen Verlagshäusern nicht bloß im Wissenschaftsbetrieb, sondern auch im Mainstream-Medien Bereich zunehmend schlaflose Nächte bereitet:</p>
<blockquote><p>Die Verlage fürchten sich davor, mit den neuen Technologien ausgebootet zu werden: was wäre, wenn ihre Autoren und das Publikum sich kurzschließen, und nur noch mächtige Online-Agenten wie Google, Amazon etc. als Direktvertriebspartner von den Leistungen der Autoren profitieren? Und was wäre, wenn die technisch unbedarften Schriftsteller und Sachbuchautoren dahinter kommen, dass dies nicht nur möglich ist, sondern auch lukrativ für sie sein könnte – weil sie mit jedem Klick an den Einnahmen des Online-Geschäfts beteiligt wären?</p></blockquote>
<p>Wenn also Information der wichtigste Rohstoff der <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/mediengesellschaft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Mediengesellschaft">Mediengesellschaft</a> ist, liegt in diesem technik-induzierten <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/strukturwandel/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Strukturwandel">Strukturwandel</a> ein enormes Konfliktpotential zwischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen:</p>
<blockquote><p>Es geht dabei nur oberflächlich um Downloadfreiheit. Was mit dem schwedischen Filesharing-Portal Pirate Bay begann, ist Symptom des Eigensinns einer <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/netzkultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Netzkultur">Netzkultur</a>, von dem eine ignorante Politik jetzt langsam eingeholt wird – und gleichzeitig manifeste Kritik an der Vorstellung, der Weg in die Informationsgesellschaft bestehe ausschließlich in einer Stärkung der kulturindustriellen Verwertungsinteressen. </p></blockquote>
<p>Wir beobachten, darin stimme ich Frank Hartmann, der hier Marshall McLuhan zitierit, uneingeschränkt zu, die Vergangenheit durch den Rückspiegel. Zugleich entlarvt nichts die Kulturpessimisten so überdeutlich wie ein paar historische Betrachtungen: ebenso, wie die ersten Kritiker der Unterhaltungsliteratur den Eskapismus-getriebenen Untergang der Jugend fürchteten, sorgte schon das Telefon für Sorge um kommunikatives Chaos, wie Hartmann in einer abschließenden Anekdote treffenden zusammenfasst:</p>
<blockquote><p>Die pathetischen Verteidiger der publizistischen Printkultur erinnern an die Klagen der Telegraphisten zum Ende des 19. Jahrhunderts, die ihren Berufsstand vom Telefon bedroht sahen. Damit, so ihre Gewerkschaftsvertreter, könne ja jeder Beliebige in eine Leitung gelangen, was nur zum Chaos und logischerweise zum Zusammenbruch der Kommunikationen führe. Das könne nun wirklich niemand wollen, weshalb das Telefon keine ersichtlichen Vorteile und mit Sicherheit keine <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/zukunft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Zukunft">Zukunft</a> habe.</p></blockquote>
<p><strong>Lesetipp:</strong><strong> <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31393/1.html" class="liexternal">Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit</a></strong></p>
<hr /><small><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/copyright/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Copyright">Copyright</a> © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Buchverlosung: 3x Medien und Kommunikation von Frank Hartmann</title>
		<link>http://blog.datenschmutz.net/2008-08/buchverlosung-3x-medien-und-kommunikation-von-frank-hartmann/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Aug 2008 04:03:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[datenschmutz verlost 3 mal den aktuellen Einführungsband Medien und Kommunikation von Frank Hartmann und hat ein Interview mit dem Autor zu dem in der utb-Reihe Profile erschienenem Lehrbuch geführt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.datenschmutz.net/wp-content/uploads/2008/07/frankhartmann.jpg" class="liimagelink" rel="lightbox[2547]"><img src="http://blog.datenschmutz.net/wp-content/uploads/2008/07/frankhartmann-150x150.jpg" alt="frankhartmann 150x150 Buchverlosung: 3x Medien und Kommunikation von Frank Hartmann " title="frankhartmann" width="150" height="150" style="float:left;margin-top:3px;margin-right:9px;border:1px solid orange;" /></a>Über dieses Gewinnspiel freue ich mich ganz besonders, denn ich darf der geschätzten Leserschaft nicht nur ein top-aktuelles Buch zu einem meiner Lieblingsthemen dreimal offerieren, sondern ich habe mit Autor Frank Hartmann (der übrigens hier auch schon <a href="http://blog.datenschmutz.net/2007-12/frank-hartmann-ueber-den-neuen-club-2/" class="liinternal">Gastautor</a> war) auch ein Interview über seinen Einführungsband “Medien und Kommunikation” geführt. Diese Thematik beginnt immer mehr Fächer zu interessieren, denn in der Mediengesellschaft wird die Beschäftigung mit diesem komischen Konglomerat aus Technik, Symbolen und Übertragungswegen zu einer zentralen Wissenschaft.</p>
<p>Die Zeiten, in denen “Irgendwas mit Medien” ein exklusives Forschungsgebiet der Publizistik war, sind lange vorüber. Ein grundlegendes Verständnis von Medien, die Kenntnis gängiger Theorien und Modelle zählen mittlerweile zum Basiswissen zahlreicher Wissenschaften: in einer Informationsgesellschaft ist Medienwissenschaft nicht mehr als <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/forschungsobjekt/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Forschungsobjekt">Forschungsobjekt</a>–zentriertes Fach, sondern nur als ein Set interdisziplinärer Forschungs-Praktiken sinnvoll institutionalisierbar. “Medien und Kommunikation”, erschienen in der neuen UTB-Reihe “Profile”, beschränkt sich auf knappe hundert Seiten: zentrale Konzepte der Kulturkritik, Kybernetik und des Konstruktivismus werden umrissen, wer tiefer ein bestimmtes Gebiet einsteigen möchte, findet natürlich weiterführende Literaturverweise. Die klassische Lehrbuch-Gliederung (inklusive Merksätze) hilft vor allem Neueinsteigern, sich rasch einen Überblick zu verschaffen. Wer’s genauer wissen möchte, greift besser zu Franks <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3825221121?ie=UTF8&#038;tag=httpwwwusbsti-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3825221121" class="liexternal">Medienphilosophie</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=httpwwwusbsti-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3825221121" width="1" height="1" border="0" alt=" Buchverlosung: 3x Medien und Kommunikation von Frank Hartmann " style="border:none !important; margin:0px !important;" title="Buchverlosung: 3x Medien und Kommunikation von Frank Hartmann " />, ebenfalls im UTV-Verlag erschienen. Weitere Texte, Vorträge und Biographische Infos findet man auf Frank Hartmanns Homepage <a href="http://www.medienphilosophie.net" class="liexternal">Medienphilosophie.net</a>.</p>
<h2 id="toc-verlosung-3x-medien-und-kommunikation">Verlosung: 3x “Medien und Kommunikation”</h2>
<p><iframe src="http://rcm-de.amazon.de/e/cm?t=httpwwwusbsti-21&#038;o=3&#038;p=8&#038;l=as1&#038;asins=3825230147&#038;fc1=222222&#038;IS2=1&#038;lt1=_blank&#038;m=amazon&#038;lc1=4A748A&#038;bc1=000000&#038;bg1=FFFFFF&#038;f=ifr" style="width:120px;height:240px;float:left;margin-top:3px;margin-right:3px;" scrolling="no" marginwidth="0" marginheight="0" frameborder="0"></iframe>StammleserInnen wissen bereits bescheid, denn es ist immer wieder dasselbe Prozedere: wer eines der drei Bücher gewinnen möchte, hinterlässt ganz einfach einen Kommentar zu diesem Beitrag. Besonders interessiert bin ich natürlich an der Meinung meiner hochverehrten Leserschaft zum Thema “Braucht man Theorie zum Verständnis von Medien?”, aber eine bloße Willensbekundung zur Teilnahme tut’s natürlich auch. Hier geht’s zu den genauen <a href="http://blog.datenschmutz.net/gewinnspiele/#tnb" class="liinternal">Teilnahmebedinungen</a>, eine Registrierung ist *nicht* erforderlich. Wie üblich gibt’s für alle, die datenschmutz-Fans auf <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/facebook/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Facebook">Facebook</a> sind sowie für jede Verlinkung und Ankündigung dieses Gewinnspiels ein Extra-Los. Die Verlosung endet am Sonntag, 17. August um 00:00 Uhr — ich wünsche allen TeilnehmerInnen viel Glück.</p>
<h2 id="toc-interview-mit-frank-hartmann">Interview mit Frank Hartmann</h2>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">datenschmutz: </span>Dein neues Buch ist eine knappe, aber doch sehr facettenreiche <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/einfuehrung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Einführung">Einführung</a> in das Begriffsfeld “Medien und Kommunikation”. An wen richtet sich das Lehrbuch?</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">Frank Hartmann: </span>An alle, die mit Medien zu tun haben. Mir gefiel, wie der Verlag das Thema vorgab: Klar und knapp das, was man zum Thema wissen sollte. Wenn das nicht eine Herausforderung für jemanden ist, der aus den Geisteswissenschaften kommt …</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">?: </span>Wer da heutzutage ‘irgendwas mit Medien’ macht, liegt offenbar im Trend?</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">!: </span>Ja, und man glaubt es kaum, aber Medien und Kommunikation waren bei uns bis in die 1960er Jahre Fremdworte, die niemand verwendet hat — heute hingegen “kommunizieren” alle und alles. Neben Jeans und Kaugummi, Sex und Drogen ist Kommunikation einer der prägenden Begriffe des 20 Jahrhunderts geworden.</p>
<p>Von Marshall McLuhan stammt der bekannte Spruch “the medium is the message”. Wie siehst du im <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/internet/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Internet">Internet</a>–Zeitalter das Verhältnis von Technik und Medien? Ich denke nicht, dass die Menschen früher, ohne all die Technik, irgendwie besser kommuniziert haben. </p>
<p>Jeder hatte seinen Platz in der Gesellschaft, niemand hatte eine Meinung, und hinter diesen Strukturen der Macht und den Formeln von Höflichkeit und Etikette gab es kaum individuellen Ausdruck. Das hat sich heute völlig umgekehrt, das Private dringt an die Öffentlichkeit und breitet sich dort oft unangenehm aus. Auf dem Weg in diesen Zustand wirkten die Massenmedien — sie öffneten das Fenster der Wahrnehmung und zeigten andere Wirklichkeiten als die, denen man alltäglich ausgesetzt war. Das ist übrigens immer noch so, ich ziehe jede gut gemachte TV-Reportage über fremde Lebenswelten den neuen Medienangeboten vor, denn asiatische, afrikanische oder hispanische Webseiten und Blogs erschließen sich uns ja nur im Ausnahmefall.</p>
<p>Aber zurück zur <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/frage/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Frage">Frage</a> nach der Entwicklung — das Recht auf Publizität war einst natürlich ein politisch hart erkämpftes. Als es durchgesetzt wurde, entstand ein kultureller Bedarf, der nur durch fortgeschrittene Technik (ein Beispiel ist die Massenpresse) gedeckt werden konnte. Keine Technik, für die es diesen gesellschaftlichen Bedarf nicht gab, konnte sich je durchsetzen. Setzt sie sich aber durch, dann erzeugt sich auch eine eigene Form der Nachfrage, welche dann auch die mit hineinzieht, die diese Technik gar nicht wollten. Das kann zum Problem für ganze Generationen werden. Ich halte letztlich nicht nur Theorieansätze für falsch, die Technik ausblenden und lieber auf die Menschen und ihre Absichten setzen, sondern auch solche, die Technik zur alleinigen Triebfeder der <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/geschichte/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Geschichte">Geschichte</a> machen.</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">?: </span>Du bist — formal betrachtet — kein Kommunikationswissenschaftler, sondern ein Medienphilosoph, bearbeitest also ein Teilgebiet der Philosophie. Hat genuine Medientheorie oder Medienwissenschaft, wie sie in Form zahlreicher Institute im universitären Curriculum verankert wurde, überhaupt eine Daseinsberechtigung?</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">!: </span>Richtig, ich bin ein promovierter Philosoph. Nach Hegel besteht die Aufgabe der Philosophie darin, das, was an der Zeit ist, in Gedanken zu erfassen. Was liegt dann näher als der Versuch, sich heutzutage mit Medien zu beschäftigen? Medienwissenschaft ist natürlich wichtig, denn Medien lassen unsere Gesellschaft funktionieren, sie sind zur wichtigsten Produktivkraft unserer Kultur geworden. Man könnte aber mit einigem Recht auch sagen: Medien funktionieren in der Praxis recht gut, wozu also Theorie? Tatsächlich kreist so manche Medientheorie nur um diffuse Begrifflichkeiten, vor allem an deutschen Universitäten — das ist dann auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Die Berechtigung von Medientheorie kann man damit begründen, dass es hier eben nicht nur um kommunizierende Menschen geht, sondern um Informationsverarbeitung, technische Schaltungen und Datenströme. Es gehört eigens diskutiert, was das für unsere Kultur bedeutet.</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">?: </span>“Medien und Kommunikation” skizziert einen weiten Horizont und bietet Überblick über die Entwicklung einer ganzen Disziplin, der du ja selbst auch angehörst. Gerade ein solches einführendes Werk soll einerseits Orientierung verschaffen, andererseits ist Objektivität ein fragwürdiges Konstrukt der Moderne. Wie geht man als Autor eines Medien-Lehrbuchs mit dieser Situation um?</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">!: </span>Sicher gibt es keine definitiv objektive Darstellung, aber das ist eher eine politische Frage. Man übersieht leicht, dass Theorien sehr oft verdeckte Verpflichtungen — auf eine Schule, bestimmte Autoren, Begrifflichkeiten und Ideologien — in sich tragen. Ihre Durchsetzungskämpfe bestimmen den Sachbuchmarkt. Ich halte mich aus Glaubensfragen strikt heraus, schreibe also nicht als “Marxist” oder so, obwohl das oft leichter wäre. Jetzt wird natürlich ein marxistischer Leser beispielsweise seine Helden in meinem Buch vermissen, aber damit kann ich leben. Problematisch ist eher die Beschränkung im Umfang, die man mit einer Produktion wie der vorliegenden eben hat. Bestimmte Aspekte von Multimedia etwa, und fast alles, was mit computermediatisierter Kommunikation und Interfaces zu tun hat, musste ich weglassen — aber nicht wegstreichen, denn dazu entsteht gerade eine weitere Einführung. Übrigens ist es Teil des Konzepts dieser Reihe (UTB Profile), dass die einzelnen Bände wie Module eines größeren Ganzen funktionieren. Eine gewisse Objektivität ist damit schon zu erreichen. Es gibt dann nämlich eine Einführung zu Marx, der ich auch viele Leserinnen wünsche.</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">?: </span>In deiner vorigen Publikation “Globale <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/medienkultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with medienkultur">Medienkultur</a>” hast du dich anhand der drei Übertragungswege Kabel, Wireless und Online mit dem Wandel der Industrie– zur Mediengesellschaft befasst. Welche technologischen und theoretischen Entwicklungen haben unser Verständnis von Medien am nachhaltigsten beeinflusst?</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">!: </span>Menschen existieren in einem biologisch recht eng begrenzten Fenster, das sie immer schon zu erweitern suchten. Sensationell finde ich hier die Entwicklung der Telekommunikation auf Grundlage der Elektrizität. Die meisten denken bei diesem Thema an das künstliche Licht, aber das kam erst viel später. Die erste Anwendung von Elektrizität war der Telegraph, und mit den telegraphischen Netzen ging die Welt ab ca. 1850 online und ist es seither geblieben — und zwar auf denselben Leitungsstrecken bis ins Internet-Zeitalter! Im Nachhinein betrachtet sieht es so aus, dass die Wurzeln der Informationsgesellschaft schon in der Frühphase der Industrialisierung erkennbar sind. Ich zweifle da an dem radikalen Bruch, den manche Theorien mit der Computerisierung setzen.</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">?: </span>Jede Untersuchung der Medien befindet sich in der paradoxen Situation, dass sie das eigene Forschungsobjekt zugleich als Werkzeug benutzen muss, weil ja wiederum jegliche Meta-Kommunikation über Medien notwendigerweise durch selbige vermittelt wird. Meiner Meinung nach ist die Kybernethik — zumindest in jener Ausprägung, wie sie Heinz von Foerster geprägt hat — die einzige Metatheorie, die diese Tatsache nicht nur ernst genommen hat, sondern auch produktiv zu nutzen wusste. Besitzt die Kybernethik deiner Ansicht nach immer noch Erklärungspotential?</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">!: </span>Einer der produktivsten Ansätze war Gregory Bateson, der kybernetisches Denken in die Psychologie eingebracht und etwa Beziehungsprobleme als Kommunikationsprobleme betrachtet hat. Ab 1950 begann eine ganze Generation, sich vom linearen Denken in Kausalitäten ab– und systemischem Denken zuzuwenden. Ob von Foerster da wirklich so produktiv zu sehen ist? Generell ziehe ich die Ethik ein wenig in Zweifel — das hat so etwas Unverbindliches, ist ein Religionsersatz. Aber natürlich darf man die sich verändernden Werte nicht vergessen. Unsere Zeit unterwirft alles dem Profitinteresse, jede Kreativität und auch Sozialbeziehungen haben nach Aspekten der Verwertbarkeit zu funktionieren. Dieser universale Imperativ des Marketings ist völlig pervers. Mir scheint es definitiv so zu sein, dass die Ethik gegenwärtig eher bei Hackern und bei Betreibern von Torrent-Seiten zuhause ist, die in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch eher nicht so gut dastehen. Heinz von Foerster hätte aber genau das gefallen!</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">?: </span>Dein früheres Buch “Medienphilosophie” erschien soeben auch in koreanischer Übersetzung; als Medienphilosoph beschäftigst du dich ja schon seit Jahren auch mit dem Thema “Codesysteme” — was ist das für ein Gefühl, sein eigenes Buch in der Hand zu halten und die Schriftzeichen bloß nach ästhetischen Kriterien beurteilen zu können?</p>
<p><span style="font-size:18px;font-weight:bold;">!: </span>Überall auf der Welt werden verschiedene Sprachen gesprochen, aber alle sitzen an den gleichen Apparaten, die mit identischen Betriebssystemen laufen. Das ist schon interessant. Die Technik standardisiert, während die Menschen immer darauf aus sind zu differenzieren. Korea ist ein High-Tech Land, das alles Neue aufsaugt, so kam es auch zu der Übersetzung, aus dem dortigen Interesse am Neuen. Die koreanische Fassung meiner Medienphilosophie ist wunderschön produziert, ein Objekt der Freude für jeden Bibliophilen: Hardcover, Lesebändchen, hervorragende Papier– und Druckqualität. So schöne Bücher gibt es bei uns wirklich kaum mehr. Als ich mein Exemplar aus dem Postkasten nahm, da wollte ich mir vor lauter Ehrfurcht gleich meine Krawatte zurechtrücken (nach einer Beobachtung, die Walter Benjamin gegenüber dem gedruckten Buch einst festgehalten hat). Nur kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zuletzt so ein Ding getragen hätte… soviel zum Codesystem, das sich in ständiger Metamorphose befindet.</p>
<hr /><small>Copyright © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Medientheorie-Buchtipps im Doppelpack</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jun 2008 06:07:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern präsentierten Eva Tinsobin und Thomas Schindl ihre neu erschienen Bücher über Kino und Apparatusdebatte respektive den Spatial Turn in den Medienwissenschaften.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://blog.datenschmutz.net/wp-content/uploads/2008/06/kinoapparat.jpg" alt="kinoapparat Medientheorie Buchtipps im Doppelpack" title="kinoapparat" width="150" height="86" style="float:left;margin-right:9px;margin-top:3px;margin-bottom:2px;border:1px solid gray;" />Gestern wurden in der Cafeteria der Akademie der Bildenden Künste in Wien zwei Bücher vorgestellt, die sich mit spezifischen Aspekten der <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/medientheorie/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Medientheorie">Medientheorie</a> des 20. Jahrhunderts befassen. Meine ehemalige medianexus-Kollegen Eva Tinsobin hat ihre Dissertation im <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/verlag/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Verlag">Verlag</a> Werner Hülsbusch veröffentlicht: “Das Kino als Apparat. <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/medientheorie/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Medientheorie">Medientheorie</a> und Medientechnikim Spiegel der Apparatusdebatte” vorgestellt. Im gleichen Verlag erschien dieser Tage Thomas Schindls “Räume des Medialen. Zum spatial turn in den Kulturwissenschaften und Medientheorien”.</p>
<p>Eva, die als freie Autorin und Redakteurin unter anderem für Die <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/presse/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Presse">Presse</a> arbeitet, beschäftigt sich mit der Verhältnis von Technik und Massenmedien:</p>
<blockquote><p>Welchen Anteil nimmt die Technik in Fragen der Medialität ein? Bereits im Frankreich der frühen 1970er Jahre eine brisante Frage, wo Marcelin Pleynet, Jean-Louis Baudry und Jean-Louis Comolli den Kino-Apparat losgelöst von seinem Inhalt Film als Apparat zur Vermittlung bürgerlicher Ideologien erkennen und die Apparatusdebatte begründen. Heute ist die Apparatusdebatte weitgehend in Vergessenheit geraten und doch in aktuelle Medientheorien eingeflossen. Deshalb wirft das <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/buch/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Buch">Buch</a> folgende Fragen auf: </p>
<ul>
<li>Was geschah nach dem Ende der Apparatusdebatte 1986?</li>
<li>Inwieweit beeinflusste sie spätere medien– und techniktheoretische Diskurse?</li>
<li>Ist sie in aktuellen Medientheorien zu finden?</li>
<li>Handelt es sich um ein Relikt oder um einen Ansatz mit Diskussionspotenzial?</li>
</ul>
</blockquote>
<p>Thomas Schindl behandelt den Umgang der Sozialwissenschaften mit dem ausgedehnten Phänomen Raum. (Sorry, dieser Kalauer war wirklich nicht vermeidbar.)</p>
<blockquote><p>Ob nun als spatial turn, topographical turn oder topological turn — seit einiger Zeit wird Raum wieder vermehrt zu einem zentralen Thema von Kulturwissenschaften gemacht. Einen besonderen Stellenwert nehmen diesbezüglich die Auseinandersetzungen mit unterschiedlich ausgeprägten Formen von Räumlichkeit im medientheoretischen Diskurs ein.</p>
<p>Für die Medienwissenschaften stellt Raum eine grundlegende medienästhetische Kategorie dar, deren Brisanz gerade aus dem Versuch entsteht, die individuelle Erfahrbarkeit von <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/wirklichkeit/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Wirklichkeit">Wirklichkeit</a> am kollektiven Umgang mit Wissen und Information dingfest zu machen. </p>
<p>Dabei erscheint die Ausgangslage zunächst keinesfalls eindeutig: Seit jeher besteht eine wesentliche Funktion von Medien und Kommunikation darin, Raum zu überwinden, während sie zugleich stets neue Räume technischer Vermittlung, sozialer Interaktion und kultureller Praxis entstehen lassen (z. B. im Cyberspace, aber auch in Gestalt ökonomischer und kultureller Globalisierung).</p>
<p>Die vorliegende Arbeit versucht wesentliche medientheoretische Positionen zu rekonstruieren, die in der gegenwärtigen Debatte zum Tragen kommen. Raum wird dabei nicht nur als ein ästhetischer Begriff im Schnittfeld von <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/kultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kultur">Kultur</a> und Technik angesiedelt, sondern auch im Hinblick auf Geografie, Ökonomie und Politik entworfen.</p></blockquote>
<p>Einleitende Worte zur <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/praesentation/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Präsentation">Präsentation</a>, die ich Pecha-Kucha-Night-bedingt (sehr spannend fand ich den <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/vortrag/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Vortrag">Vortrag</a> über <a href="http://www.picidae.net/" class="liexternal">Picidae</a>, demnächst mehr) versäumte, sprach Frank Hartmann — ich bin gespannt auf die beiden Bücher, die auch schon bei Amazon gelistet sind:</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3940317187?ie=UTF8&#038;tag=datenschmutz-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3940317187" class="liexternal">Das Kino als Apparat: Medientheorie und Medientechnik im Spiegel der Apparatusdebatte</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=datenschmutz-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3940317187" width="1" height="1" border="0" alt=" Medientheorie Buchtipps im Doppelpack" style="border:none !important; margin:0px !important;" title="Medientheorie Buchtipps im Doppelpack" /><br />
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3940317136?ie=UTF8&#038;tag=datenschmutz-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3940317136" class="liexternal">Räume des Medialen: Zum spatial turn in Kulturwissenschaften und Medientheorien</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=datenschmutz-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3940317136" width="1" height="1" border="0" alt=" Medientheorie Buchtipps im Doppelpack" style="border:none !important; margin:0px !important;" title="Medientheorie Buchtipps im Doppelpack" /></p>
<hr /><small>Copyright © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Vom Ungleichgewicht medialer Einkommensverhältnisse</title>
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		<pubDate>Fri, 30 May 2008 11:21:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mühsam ernähren sich das Eichhörnchen und der Freelance Journalist. Content wird immer billiger im Web 2.0, dafür steigen die Werbeeinnahmen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://blog.datenschmutz.net/wp-content/uploads/2008/05/eurogeld.jpg" alt="eurogeld Vom Ungleichgewicht medialer Einkommensverhältnisse" title="eurogeld" width="150" height="103" style="float:left;margin-right:9px;margin-top:3px;margin-bottom:2px;border:1px solid gray;" />Gestern war ich Gastvortragender in <a href="http://homepage.univie.ac.at/frank.hartmann/" class="liexternal">Frank Hartmanns</a> <a href="http://homepage.univie.ac.at/Frank.Hartmann/MuMe/index.html" class="liexternal">Multimedia Vorlesung</a>. Auf der Agenda standen einerseits aktuelle Trends im Bereich <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/social-media/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Social Media">Social Media</a> und andererseits ein wenig Plauderei aus dem Berufsalltags-Nähkästchen — nicht nur das klassische Berufsbild des Journalisten bzw. Medienarbeiters ändert sich: Inhalte-Produzenten, egal ob Schreiber, Filmer oder Radiomacher, verdienen zunehmend weniger mit ihrer Arbeit, während die klassische Umwegrentabilität durch Werbung immer höhere Bedeutung gewinnt.</p>
<p>Derzeit sind in Europa allenfalls die ersten Vorbeben zu spüren, die sich allerdings mit beeindruckenden Zahlen untermauern lassen: während Telepolis Ende der neunziger Jahre für ein längeres Feature mehrere hundert Euros bezahlte*, gibt’s mittlerweile deutlich weniger als einen Hunderter — unabhängig von der Artikellänge. Am Abend habe ich dann noch folgendes Tweet von <a href="http://twitter.com/htwo" class="liexternal">Luca</a> gelesen:</p>
<blockquote><p> Gerade erfahren, dass ich für einen Trigami-Beitrag mehr bekomme als jemand mit Magister für einen Telepolis-Artikel. Aua. #zukunft?</p></blockquote>
<p>Dieser Gedanke kam mir auch schon häufiger — für einen trigami-Review hier auf datenschmutz bekomme ich mehr als doppelt soviel <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/honorar/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Honorar">Honorar</a> wie für eine meiner <a href="http://blog.datenschmutz.net/kolumnen/oe1-kolumnen/" class="liinternal">Ö1 Kolumnen</a>. Das ist auf den ersten Blick hochgradig skurril — dass <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/blogger/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Blogger">Blogger</a> für vergleichsweise sehr unaufwändige Werbetexte beträchtlich mehr Geld erhalten als Freelance-Profischreiber, die ihre Artikel an “professionelle” Medien verkaufen. Und diese Beispiele sind beileibe keine Einzelfälle: am gesamten europäischen Medienmarkt ist ein gravierender Preisverfall zu beobachten, der diverse Gründe haben mag: ein Überangebot an Arbeitnehmern, generell stärkere Konkurrenz im Medienbereich… aber verdienen die Produzenten weniger? Keineswegs, im selben Zeitraum stiegen alle Werbepreise ganz beträchtlich. Man könnte nun durchwegs behaupten, dass Inhalte sozusagen das nötige Übel darstellen, mit dem man die lästigen Whitespaces zwischen den lukrativen Anzeigen füllen muss: Content follows Adverts ÃÂ¡ la form follows function.</p>
<p>Auf der anderen Seite allerdings gewinnt für jeden Medienarbeiter das Konzept der Selbstvermarktung radikal an Bedeutung: während für Zeitungen und Zeitschriften Artikel immer weniger wert werden, stellt Unique Content im Netz eine wahre Goldgrube dar: für jede/n JournalistIn bietet sich ein <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/blog/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Blog">Blog</a> ideal als Pressespiegel an. Ich selber arbeite schon wesentlich länger als Journalist als ich blogge, und der Wunsch nach einem einigermaßen kompletten Pressespiegel war damals mitentscheidend für den Start von datenschmutz — dass die Publikation eigener Artikel auf mittelfristige bis lange Sicht ökonomisch wesentlich attraktiver ist als der einmalige Verkauf von Texten übersehen allerdings nach wie vor die meisten Schreiber. Und bei den in Österreich üblichen, hart an der Lächerlichkeitsgrenze kratzenden Honoraren für freie Journos würde ich niemals einen Text exklusiv verkaufen — es sei denn, jemand ist bereit, auch adäquat zu bezahlen. Ansonsten betrachte ich allfällige Abdruck-Honorare mittlerweile eher als Nebeneinkommen — und diesem Shift von Quantität (Auflage) zu Qualität (Visibility), von Massen– und Mikromedien, kann ich sehr viel abgewinnen: denn erstmals in der Geschichte der Massenmedien können die Produzenten selbst, natürlich mit entsprechendem Zeit– und Energieaufwand, selbst direkt von der guten alten Werbe-Umwegrentabilität profitieren.</p>
<hr />
* Mein erster Beitrag war ein <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/3/3230/1.html" class="liexternal">Interview mit DJ Spooky</a> in Linz, das Frank und ich gemeinsam geführt haben. Der Text ist auch hier auf <a href="http://blog.datenschmutz.net/2007-04/dj-spooky-its-all-jazz/" class="liinternal">datenschmutz</a> publiziert und in Franks <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3825221121?ie=UTF8&#038;tag=datenschmutz-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3825221121" class="liexternal">Medienphilosophie Buch</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=datenschmutz-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3825221121" width="1" height="1" border="0" alt=" Vom Ungleichgewicht medialer Einkommensverhältnisse" style="border:none !important; margin:0px !important;" title="Vom Ungleichgewicht medialer Einkommensverhältnisse" />, das dieser Tage in koreanischer (!) <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/uebersetzung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Übersetzung">Übersetzung</a> erschien… somit ist der Text sozusagen meine erste Publikation in Schriftzeichen, die ich überhaupt nicht entziffern kann <img src='http://blog.datenschmutz.net/wp-content/plugins/smilies-themer/datadirtblue2/frog6.gif' alt="frog6 Vom Ungleichgewicht medialer Einkommensverhältnisse" class='wp-smiley' title="Vom Ungleichgewicht medialer Einkommensverhältnisse" /> </p>
<hr /><small><strong>Foto-Credits:</strong> <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=261387" class="liexternal">Euros</a> von tommyS [pixelio.de]</p>
<p></small></p>
<hr /><small><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/copyright/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Copyright">Copyright</a> © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
Wenn Sie diese Meldung auf einer Homepage sehen, wurde der betreffende Beitrag widerrechtlich und ohne die Zustimmung des Autors veröffentlicht.<br /><em>Digitaler Fingerabdruck / digital Fingerprint: c1d7d6ed6691c7c25dbb043c9a689294</em></small>]]></content:encoded>
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		<title>Blogistan Panoptikum KW07 2008</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Feb 2008 14:07:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kommunikation aller Orten - von Propaganda spricht niemand mehr. Dabei kann das schönste Crowdsourcing nicht über äußerst bedenkliche medienpolitische Entwicklungen hinwegtäuschen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jürgen hat den ersten <a href="http://innovateordie.net/googlehupf-oesterreichische-nachspeisen/" class="liexternal">Googlehupf</a> Österreichs gefunden, Seth Godin philosophiere unter dem Titel “Nickel and diming” über <a href="http://sethgodin.typepad.com/seths_blog/2007/12/nickel-and-dimi.html" class="liexternal">zwei grundverschiedene All-Inclusive Strategien</a> und <a href="http://petersteinberger.net/2008/02/11/streik-vorbei-wie-gehts-weiter/" class="liexternal">Pete</a> kennt die letzten Neuigkeiten zum Ende des Drehbuchautoren-Streiks (Yippie! Neue 30 Rocks und Earls in Kürze!) Was für eine actionreiche Woche  <img src='http://blog.datenschmutz.net/wp-content/plugins/smilies-themer/datadirtblue2/frog6.gif' alt="frog6 Blogistan Panoptikum KW07 2008" class='wp-smiley' title="Blogistan Panoptikum KW07 2008" /> </p>
<h2 id="toc-photoshop-artworks">Photoshop-Artworks</h2>
<blockquote><p>Sometimes they can be funny, sometimes thought provoking, other times they just mess with your mind. They’ll always take your breath away though and make you wonder at the skills of the people that created them.</p></blockquote>
<p>So heißt’s auf <a href="http://www.vertustech.com/blog/2008/02/11/32/" class="liexternal">Vertustech</a>, und dieser Ansage kann man sich nach eingehender Betrachtung dieser Photoshop-Meisterwerke nur uneingeschränkt anschließen. Ebenfalls optisch beeindruckend: dieser <a href="http://hd-sf.com/gallery/fogrise/player.html" class="liexternal">HD-Zeitraffer</a> zum Thema 24 Stunden San Francisco.</p>
<h2 id="toc-frank-hartmann-ber-den-begriff-kommunikation"><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/frank-hartmann/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Frank Hartmann">Frank Hartmann</a> über den Begriff “Kommunikation”</h2>
<p>Auf ORF Science hat Frank Hartmann vergangene Woche einen kleinen Vorgeschmack auf sein im April neu erscheinendes Buch “Medien  und Kommunikation” (UTB) veröffentlicht: Sein Gastbeitrag in der Serie “Sprechen Sie Wissenschaft?” befasst sich mit der steilen Karriere des Begriffs <a href="http://science.orf.at/science/news/150825" rel="nofollow" class="liexternal">Kommunikation</a> im 20. Jahrhundert:</p>
<blockquote><p>Als Ersatz für das nach 1945 verbrämte Wort “Propaganda” avancierte der Ausdruck innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der 100 prägenden Begriffe des 20. Jahrhunderts, an den ebenso prägende Begriffe wie “Medium” und “Information” anknüpfen.</p></blockquote>
<h2 id="toc-wolfgang-langenbucher-als-blogger">Wolfgang Langenbucher als <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/blogger/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Blogger">Blogger</a></h2>
<p>Vor über 10 Jahren saß ich Prof. Wolfgang Langenbuchers Einführungsvorlesung in die Kommunikationswissenschaft — dass der ehemalige Vorstand des Wiener <a href="http://www.univie.ac.at/publizistik" class="liexternal">IPK</a> mal beginnen würde zu <a href="http://www.message-online.com/blog/2008/02/11/der-rundfunkpolitische-sundenfall/" class="liexternal">bloggen</a>, hätte ich nicht vermutet. Und seiner Argumentation in punkto Zusammenarbeit von WAZ und öffentlich-rechtlichem Rundfunk kann man kaum widersprechen — handelt es sich doch um eine spitzzüngig formulierte und hochgradig berechtigte <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/kritik/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kritik">Kritik</a>:</p>
<blockquote><p>Man muss das dreimal lesen, um es zu glauben und in seinen Dimensionen richtig zu gewichten: Die WAZ, dieser kapitalistische Zeitungskonzern, u.a. mit der Wiener Krone im Paket — eine Zierde der Qualitätspresse! Die gebührenfinanzierte größte und drum reichste Landesrundfunkanstalt der Republik entdeckt nach Jahrzehnten schärfster Systemkonkurrenz wunderbarerweise so intensive Gemeinsamkeiten, dass man die digitale Welt nun miteinander gestalten will, ja muss. Und der Herr Ministerpräsident wird bei einer Pressekonferenz in ein paar Wochen — wenn clevere Juristen und bilanzbesessene Betriebswirte alles längst unter Dach und Fach gebracht haben — seinen Segen dazu geben. Beide mächtigen Medienakteure werden ihm diese Großmut danken; ganz gewiss, denn dafür gibt es täglich genug ganz praktische Möglichkeiten.</p></blockquote>
<h2 id="toc-statistik-ber-us-blogger">Statistik über US-Blogger</h2>
<p>Das <a href="http://www.womma.org/blog/2008/02/the-research-is-in-meet-mr-average-blogger/" class="liexternal">Womma Blog</a> weiß alles über den amerikanischen Durchschnittsblogger:</p>
<blockquote><p>According to research from WOMMA member company BIGresearch, of the 26% of U.S. <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/internet/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Internet">internet</a> users who <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/blog/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Blog">blog</a>, 53.7% are male, 44.7% are married, they bring in slightly less income than the average adult, and are slightly more educated than average. Bloggers are also younger, with an average age of 37.6 compared to 44.8 — which is the average age of the rest of U.S. adult population.</p></blockquote>
<p>Ob selbiger in Europa wohl auch weniger verdient als der Durchschnittsbürger? Wir werden es nie erfahren <img src='http://blog.datenschmutz.net/wp-content/plugins/smilies-themer/datadirtblue2/elk.gif' alt="elk Blogistan Panoptikum KW07 2008" class='wp-smiley' title="Blogistan Panoptikum KW07 2008" /> </p>
<h2 id="toc-eine-strom-unwahrscheinlicher-bilder">Eine Strom unwahrscheinlicher Bilder</h2>
<p>Auf Gert Lovinks Blog gibt’s eine interessante <a href="http://www.networkcultures.org/geert/2008/02/08/blogging-the-truth-of-illusion-conference-einstein-forum-potsdam/" class="liexternal">Zusammenfassung von Frank Hartmanns Vortrag</a> am Einstein <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/forum/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Forum">Forum</a> Potsdam, Zitat:</p>
<blockquote><p>Media, so Vilém Flusser, are a “continuous stream of unlikely images.” What is the use, so Hartmann, to deconstruct the technical media with a deterministic method a la Friedrich Kittler if we insist on illusion. Freedom is the freedom to object audience rating. Media art and media activism could show us help us in this effort to formulate media criticism. The problem that we face is the real, the hyper-real character of the televisual image. The impossibility to distinguish between Sein (being) and Schein (illusion). There is a pleasure, so Hartmann, to appear as a phantom, and intellectual are called upon to acknowledge their pleasure in media appearances so that we can come to a second-order media critique.</p></blockquote>
<p>Ansonsten bleibt nur anzumerken, dass die Woche mal wieder rasend schnell vergangen und das <a href="http://blog.datenschmutz.net/2008-01/cd-verlosung-mauracher-loving-custodians/" class="liinternal">Mauracher Gewinnspiel</a> zu Ende ist. Ich wünsch allen ds-LeserInnen einen schönen Restsonntag — ich werd mich weiter meinen <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/facebook/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Facebook">Facebook</a>–Experimenten widmen und vielleicht meinen WoW Char ein bisschen hochleveln; bis morgen!</p>
<hr /><small><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/copyright/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Copyright">Copyright</a> © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Frank Hartmann über den neuen Club 2</title>
		<link>http://blog.datenschmutz.net/2007-12/frank-hartmann-ueber-den-neuen-club-2/</link>
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		<pubDate>Wed, 12 Dec 2007 07:02:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Hartmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[analogia]]></category>
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		<description><![CDATA[Heute abend startet die erste Ausgabe der Neuauflage des Club 2. Der österreichische Medienphilosoph Frank Hartmann, Gast in der Diskussionrunde, stellt Überlegungen zu Medien, Paradoxien und medialen Paradoxien an.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.datenschmutz.net/wp-content/uploads/2007/12/frank-hartmann.jpg" rel="lightbox" title='frank hartmann' class="liimagelink"><img src='http://blog.datenschmutz.net/wp-content/uploads/2007/12/frank-hartmann.thumbnail.jpg' alt="frank hartmann.thumbnail Frank Hartmann über den neuen Club 2" style="float:left;margin-right:9px;margin-top:3px;margin-bottom:2px;border:1px solid orange;" title="Frank Hartmann über den neuen Club 2" /></a><a href="http://www.medienphilosophie.net/" class="liexternal">Frank Hartmann</a> hat mir gestern den folgenden Gastbeitrag zum neuen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Club_2" rel="nofollow" class="liwikipedia">Club 2</a> geschickt. Besagte Fernsehsendung erlangte in den 70er Jahren (nicht zuletzt durch Aktionismus wie Nina Hagens Masturbationsanleitung für Frauen) einen recht legendären Nimbus, von dem die Neuauflage nach dem Willen des <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/orf/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with ORF">ORF</a> zehren soll. Die Live-Erstausstrahlung des neuen Clubs folgt morgen Abend um 23:00 Uhr, Frank wird dort zu Gast sein und stellt im Vorfeld folgende imho sehr spannende Überlegungen zum Thema Fernsehdiskussionen, Rollenverhalten und Medien an — ‘njoy the preview!</p>
<h3 id="toc-frank-hartmann-ber-den-neuen-club-2"><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/frank-hartmann/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Frank Hartmann">Frank Hartmann</a> über den neuen Club 2</h3>
<p>Club 2 — jetzt also wird die Fernsehlegende wiederbelebt. Hallo, ja, es klingt recht vernünftig, was Lorenz Gallmetzer mir telefonisch zu seinem Konzept mitteilt, nun gut, er lädt mich ein — Was? Aber nein, der Villacher Hausphilosoph sei nicht akut erkrankt, er lädt schon ‘mich’ ein, also sage ich zu, ich bin ein höflicher Mensch. Es ist natürlich ein Paradox — es soll um Medienmacht und Meinungsbildung gehen: “Die Meinungsfabriken. Wie prägen Zeitungen, Radio, <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/fernsehen/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Fernsehen">Fernsehen</a>, aber auch <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/internet/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Internet">Internet</a> Musikvideos, <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/werbung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Werbung">Werbung</a> und Hollywood unser Denken, unsere Anschauungen, unsere Moden, unseren Geschmack? Wer sind heute die Meinungsmacher? Wie frei können wir noch denken?”</p>
<p>Das entnehme ich der Presseaussendung, ein ‘Briefing’ für die Teilnehmer scheint es nicht zu geben. Also ein Paradox, denn eine generelle Funktion der Medien ist die Ermächtigung, das heisst dieser Apparat lässt Aussagen zu (oder verhindert sie) und gewichtet dadurch ganz vehement die Fiktion ‘öffentlicher Diskurs’. Nur deswegen können die Betriebsfunktionäre aus Politik, Wirtschaft und <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/kultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kultur">Kultur</a> ihren fortgesetzten Nonsens verbraten, nur deswegen hört diese öffentlich-rechtliche Endlosschleife nie auf. Ein Paradox auch im performativen Sinn, denn wie lässt sich im Medium eine Aussage gegen das Medium treffen? Nun bin ich denn gespannt, welche Rolle die Medienmacher einnehmen werden, die eingeladen wurden. Mediaprint! Nur vom Feinsten, wenn man das so sagen darf …</p>
<p>Übrigens, vorbei die Zeiten, als das Performative an einer solchen Teilnahme noch aktionistisch erledigt werden konnte (jaja, Provokation war schon geil, aber nein, man sollte Posen niemals übernehmen, und ich wüsste auch gar nicht, wie). Lässt sich die versteckte Normativität von Medienbotschaften artikulieren, ohne dass man kulturpessimistische Kalauer verbrät? Wie kritisiert man die ökonomisch und politisch abgesicherte Macht (“Medien” — ein Abstraktum, ihre Manager — das Konkretum), die längst alle Züge von  Selbstimmunisierung aufweist? Wie die Saturiertheit eines gebührenzahlenden Publikums, das all diese “Shows”, “Serien” und “Dokus” samt Werbung und reichlich Eigenwerbung in sich hineinfressen muss, ohne jemals kotzen zu können? Vielleicht indem man auf die Mechanismen der Produktion und die Materialitäten dieser konkreten Wiederbelebung hinweist: denkt man beim ORF eigentlich nicht über die Polstergarnitur hinaus? Gibt es denn dort keine originellen Menschen, die bereit sind, ausserhalb ihres Programmschemas der veränderten Medienwirklichkeit zu entsprechen, die seit den seligen Zeiten des ORF-Monopols ausgebrochen sind? Zumindest als Online-Ergänzung der Diskussion (die wird als “Open End” angekündigt, aber wie soll das gehen)? Das wäre es vielleicht gewesen: ein “<a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/club-20/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Club 2.0">Club 2.0</a>″!? Vielleicht. Man wird ja sehen [Club 2, auf Sendung heute Abend 23:00, ORF2].</p>
<hr /><small><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/copyright/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Copyright">Copyright</a> © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>DJ Spooky: “It’s all Jazz”</title>
		<link>http://blog.datenschmutz.net/2007-04/dj-spooky-its-all-jazz/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2007 14:53:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
				<category><![CDATA[datenschmutz]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor fast 10 Jahren war ich mit Frank Hartmann in Linzer AEC Skyloft beim Vortrag von DJ Spooky, der im Rahmen der Intertwinedness-Lecture Serie von Christa Schneebauer und Margarethe Jahrmann einen kombinierten Text– und DJ-Vortrag hielt: seine Ideen über Remixing und Kulturproduktion illustrierte er akustisch an den Turntables.
Im Anschluss an den Vortrag habe ich mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.datenschmutz.net/wp-content/uploads/2007/04/spooky.jpg" rel="lightbox" class="liimagelink"><img src="http://blog.datenschmutz.net/wp-content/uploads/2007/04/spooky.thumbnail.jpg" alt="spooky.thumbnail DJ Spooky: Its all Jazz" style="border: 1px solid gray; float:left; margin-right:6px;margin-bottom:2px;" title="DJ Spooky: Its all Jazz" /></a>Vor fast 10 Jahren war ich mit Frank Hartmann in Linzer AEC Skyloft beim Vortrag von DJ Spooky, der im Rahmen der <a href="http://www.aec.at/intertwine/index.html" class="liexternal">Intertwinedness-Lecture Serie</a> von Christa Schneebauer und Margarethe Jahrmann einen kombinierten Text– und DJ-Vortrag hielt: seine Ideen über Remixing und Kulturproduktion illustrierte er akustisch an den <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/turntables/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Turntables">Turntables</a>.</p>
<p>Im Anschluss an den Vortrag habe ich mit Paul Miller ein <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/interview/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Interview">Interview</a> geführt, der folgenden Text entstand gemeinsam mit <a href="http://www.medienphilosophie.net" class="liexternal">Frank Hartmann</a> und wurde 1998 auf <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/3/3230/1.html" class="liexternal">telepolis</a> veröffentlicht. (Dort gibt’s auch eine <a href="http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/3/3244/" class="liexternal">englische Version</a>. Mir ist grade aufgefallen, dass Spookys Ausführungen nichts an Aktualität eingebüßt haben — enjoy. </p>
<h2 id="toc-interview-mit-dj-spooky-a-k-a-paul-d-miller">Interview mit DJ Spooky a.k.a. Paul D. Miller</h2>
<p><strong>von Frank Hartmann und Richard Pettauer</strong></p>
<h4 id="toc-zur-person">Zur Person</h4>
<p>Die Vortragsreihe ‘Intertwinedness’ am Ars Electronica Center in Linz versucht, den Diskursverflechtungen der Netzkultur gerecht zu werden: durch medientheoretische “Lectures und Events” wird eine Textur zwischen “Content und Concept” definiert, die in mehrere Richtungen lesbar sein soll. Der Cyberspace wird dabei als sozialer Zusatzraum decodiert, als ein soziales Milieu der Techno-Community-Bildung, mit der die Erfindung von <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/kultur/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kultur">Kultur</a> aktuell stattfindet. Es war nur konsequent, <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/dj-culture/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with DJ Culture">DJ Culture</a> und ihre Verfahren von Sampling, Non–<a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/copyright/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Copyright">Copyright</a> und Audiac Erfahrungssteigerung hier einzubeziehen, denn das sind die kreativen Ansätze in einer transdisziplinären Interpretation medialer Lebensrealitäten. Eines der radikalsten Beispiele zur Grenzüberschreitung zwischen bildender Kunst, <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/medientheorie/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Medientheorie">Medientheorie</a> und urbaner DJ Jugendkultur liefert Paul D. Miller aus New York, a.k.a. DJ Spooky ‘that Subliminal Kid’.</p>
<p>DJ Spooky gilt wohl in erster Linie als einer der weltbesten DJs, schreibt aber auch Sach– und SF-Bücher und ist als Performancekünstler unterwegs. Ausgebildet in Philosophie und französischer Literatur, sieht er DJ-ing als “Recombining of Musical Patterns” und seine Musik als eine narrative Strategie, als Mischung aus Ambient, <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/hip-hop/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Hip Hop">Hip Hop</a> und allem, was ihm so einfällt. Seine Songs klingen schmutzig, chaotisch und abwechslungsreich, aber leicht will er es seinen Hörern keineswegs machen, denen er Einblick in sein Verständnis von Musik, Medien, Globalisierung und Kulturtechniken bietet. Dieses Interview fand nach seiner Performance am AEC (21. April) statt.</p>
<blockquote><p>Boom, there it is. Sound and signification. Sound as social text. Sound as bearer of social memory. Who’s there? (Dj Spooky: Dark Carnival) </p></blockquote>
<p><strong>?:</strong> Du zeigst, daß verschiedene Platten aus verschiedenen Dekaden immer wieder denselben Drumbeat verwenden, und DJing ist für dich eine Art Mustererkennung und Rekombination von Entwicklungslinien, die sich durch die Musikgeschichte ziehen. Andererseits sagst du aber, du verwendest jeden Musikstil und mixt wild und chaotisch durcheinander. Willst du mit deiner Musik diese Entwicklungslinien aufzeigen und zusammenbringen oder machst du etwas vollkommen Neues?</p>
<p><strong>DJ Spooky:</strong> Mein Stil ist die Migration zwischen verschiedenen Einflüssen. Heraus kommt dieser seltsame, schwierig einzuordnende, chaotische Sound, den ich so mag. Die meisten DJs arbeiten sehr sauber, das ist okay, aber nicht meine Sache. Ich will mit meiner Art von DJing, das sich zusammensetzt aus unzähligen Cut-Ups und Scratches, versuchen, kulturelle Barrieren zu überwinden. In den USA zum Beispiel sind die Rassenbarrieren nach wie vor sehr groß, in Europa, vermute ich, ebenfalls. Zum dialogischen Geben und Nehmen, zum Austausch, findet man am leichtesten durch die Vermischung. Die Generation von Afro-Amerikanern, zu der ich gehöre, beginnt langsam diese Barrieren der Verbitterung zu überwinden. Nimm Puff Daddy, den ich sehr schätze. In diesem Bereich existiert keine integrativere Figur als er, weil er so viele verschiedene Musikstile verwendet. Er sampelt Led Zeppelin, Reggae, was immer. Sowohl im ökonomischen als auch im psychosozialen Bereich beginnt sich langsam ein Sinn für Gleichheit im Sinne eines Nebeneinander auszubilden. Früher konnte Elvis in ein Blues-Pub gehen, sich anhören, was dort abläuft, und das Zeug einfach stehlen und unter seinem Namen verkaufen — und die gegenwärtige Entwicklung wirkt dem entgegen.</p>
<p><strong>?:</strong> In deinem Buch “Flood My Blood the DJ Said” geht es um intellektuellen Besitz und Copyright, ein heikles Thema im Zeitalter digitaler Medien. Wie gehst du als DJ, der “quer durch den Gemüsegarten sampelt”, mit diesem Thema um?</p>
<p><strong>!:</strong> Der Unterschied liegt zwischen Aneignung (appropriation) und Zitat (quotation). Zitat bedeutet zu sagen: “Mir gefällt dieses Stück von diesem Musiker, deshalb verwende ich es.” Das ist eine Hommage an den betreffenden Künstler. Aneignung bedeutet, den Namen des anderen grundsätzlich auszuradieren. Das will ich auf keinen Fall. Die Popkultur ist insgesamt multikultureller geworden. Puff Daddy ist das perfekte Beispiel für diese subkulturübergreifenden Entwicklungen: Seine CDs verkaufen sich in Amerika, Europa, Japan…wo immer. Beim Sampling will ich ganz bewußt Zitate verwenden, und daraus etwas formen. Andererseits muß ich aber dazu sagen, daß jeder meine Sounds sampeln darf, der Lust dazu hat — ich werde natürlich niemanden verklagen.<br />
Für mich ist Musik immer eine Metapher, und ich versuche, diese bestehenden Metaphern zu rekontextualisieren. Diese Rekontextualisierung macht den Sciene-Fiction-Aspekt meiner Musik aus.<br />
Eine konsistente Erzählung ist nicht länger möglich, möglich ist nurmehr die Performanz, das Spiel mit der “binären Dissonanz” zwischen Original und Kopie, zwischen Künstler und Publikum. Der Künstler nimmt dabei Züge eines Magiers an, dessen Fertigkeiten das Publikum zu verzaubern vermögen. Er ist aber auch Storyteller, afrikanischer Griot, der sein Publikum nicht mit einem Meisterdiskurs, sondern mit tradierten Erzählmustern in den Bann zieht, die gleichwohl Aktuelles verarbeiten. DjSpooky arbeitet nicht nur mit Soundpatterns, sondern auch mit visuellem Sampling. Während seiner Performance tritt das Publikum in telekinetischen Kontakt mit seiner unmittelbaren Geschichte, mit den Bildklischees und medialen Stereotypien des zwanzigsten Jahrhunderts, mit seinem Mediengedächtnis.<br />
One World, Global Village, etc. — die Konzepte mögen täuschen, aber die mediale Entwicklung zeigt einen Drift in Richtung einer Vereinheitlichung der Lebenswelt. “Sound” wird zu einer Kategorie, welche die menschliche Grundbefindlichkeit ebenso bestimmt wie die uns gemeinsame “Logik” — allerdings ohne von den Philosophen der Moderne je bemerkt worden zu sein.</p>
<p><strong>?:</strong> Die Idee, daß es in der Musik tieferliegende mathematische, zumindest immer wiederkehrende, Strukturen gibt, die aufgezeigt werden können, hat Dich lange Zeit fasziniert. Beschäftigst du dich noch mit dem universellen musikalischen Code?</p>
<p><strong>!:</strong> Ja, natürlich. Musik ist einfach per se eine universelle kulturelle <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/sprache/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Sprache">Sprache</a>, und das gibt dir als Musiker großartige Möglichkeiten in die Hand. Musik steht niemals für sich allein. Jedes Stück vereint so viele Einflüsse in sich, und ist damit wieder eine Art Zitatensammlung. Im luftleeren Raum passiert gar nichts: Beim DJing wird genau das externalisiert und bewußt gemacht. Wenn du Musik machst, befindest du dich nie in einem Vakuum, sondern in einem Geflecht von Einflüssen.</p>
<p><strong>?:</strong> Du bezeichnest Dich in erster Linie als Autor, und nur nebenher als DJ. Wo liegen die Unterschiede?</p>
<p><strong>!:</strong> Nirgendwo, es gibt gar keine. DJing ist Schreiben und umgekehrt. Der einzige Unterschied liegt vielleicht in den historisch gewachsenen Arten des Zugangs: Lesen erfordert mehr Aufwand, du mußt lesen können, ein Buch nehmen, dich damit beschäftigen — aber das betrifft nicht die Sache selbst, sondern nur den Zugang. Wir haben mehrere Kulturtechniken nebeneinander, Lesen, Musik, Fernsehen…man muß dazwischen hin– und herschalten, statt sich auf eines zu beschränken. Ich weiß, das klingt recht idealistisch. Ich beschäftige mich sehr viel mit Popkultur, und es gibt da ein Phänomen, das ich “Cultural Inertion” nenne: Die Leute sind so gefangen in ihren Mediennutzungsgewohnheiten, daß Neuerungen eine lange Zeit brauchen, bis sie sich durchsetzen.<br />
Was die philosophische oder theoretische Komponente in meiner Musik angeht, ist mir klar, daß sich der Jugendliche von der Straße, der zwei Turntables bedient, wahrscheinlich nicht für Derridas Auffassung von Dekonstruktion interessiert — aber der Zugang ist da, eben über die Musik.<br />
Live klingt das, was DjSpooky auf CD erscheinen läßt. Und widerspruchsvoll. Ambient Sound erhält eine neue Bedeutung, als akustische Skulptur des zwanzigsten Jahrhunderts. Diesen Widerspruch nennt er eben nicht mehr “Ambient”, sondern “Illbient” — irgendwo immer noch der Ruhe und Gefaßtheit des “Am” verpflichtet, wird seine Musik plötzlich schwer verdauchlich, eben “madly cut up” — das “Ill” tendiert so nicht zur Perversion einer Idee, sondern zu ihrer Erweiterung, belegt durch die vielen Epigonen dieses Stils, dessen Vorreiter und Namesgeber DJ Spooky war.<br />
Wenn er live auftritt, wie in dieser Lecture/Performance, dann fährt der Groove wie ein Güterzug über die Nerven der Anwesenden, während der ‘Sprechakt’ des performativen Soundmixes die Grenzen intellektueller Credibility (die in seinen Texten durchaus eingefordert wird) transformiert. Er nennt es auch Jazz, wenn er in seinen “Objektilen” und Texten zu “Found Sounds” soziale Evolution, Rekombination und Repetition im elektronischen Milieu des Cyberspace reflektiert. Jazz aber ist mehr als der Musikstil einer Epoche, Jazz steht mehr für den Zugang zu und den Umgang mit einer kulturellen Tradition. DjSpooky zitiert Haydn, Schubert, oder Beethoven, wenn er diese kulturelle Kreativität anspricht, aus der eine Musik lebt. Aber er arbeitet nicht mit diesem klassischen Material, wohl aber mit dem der afro-amerikanischen Avantgarde. Man hört aber auch Hitchcock, <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/mcluhan/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with McLuhan">McLuhan</a>, und Versatzstücke aus Medienproduktionen, sowie die in der DJ-Kultur der letzten zehn Jahre obligat gewordenen Samples aus B-Movies.</p>
<p><strong>?:</strong> Du versuchst, verschiedene Stile zu verbinden. Jugend– oder Subkultur hat in den letzten Jahrzehnten allerdings eine beispiellose Diversifikation erlebt. Siehst du in dieser Vielfalt kreatives und innovatives Potential?</p>
<p><strong>!:</strong> Das ist unglaublich wichtig, weil es erst verschiedene “Psychologien” ermöglicht. Wenn man immer nur am selben Standpunkt bleibt, in derselben Subkultur, bleibt man damit auch immer am gleichen geistigen Status kleben. Ich denke wirklich, daß ein großer Teil der Musik aus den 20er, 30er Jahren vollkommen wahnsinnig und wild, chaotisch und experimentell war. Aber wenn Du jemand aus dieser Zeit in einen Club der 90er bringst, würde er das, was er dort hört, wahrscheinlich nicht einmal für Musik halten, sondern für das totale Chaos — so ändern sich eben auch die Hörgewohnheiten. Die Generation, die mit Medien wie Fernsehen oder inzwischen <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/internet/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Internet">Internet</a> aufgewachsen ist, kriegt bessere Voraussetzungen mit und einen offeneren Blick für verschiedene Kulturen als jede Generation vorher. Aber dann gibt’s auf der anderen Seite die Firmenkultur: Überall auf der Erde haben Kids, die Nikes oder Reeboks tragen, mehr gemeinsam, als wenn sie die gleiche Musik hören — eine völlig sinnlose Art der Globalisierung — ich bin da Idealist und hätte lieber, daß sich die Kids verschiedene Arten von Musik anhören und darüber Gemeinsamkeiten finden.</p>
<p><strong>?:</strong> Du beschäftigst mich mit Philosophie und Musik. Was kommt zuerst, und wie sieht dieses Verhältnis aus?</p>
<p><strong>!:</strong> Musik ist Theorie, Theorie ist Musik. Wenn du ein guter Autor bist, wirst du zum Musiker. Schreiben ist Musik, anders kann ich das nicht erklären. Nimm Nietzsche her: Er war ein so brillanter Autor, daß seine Texte schon fast zu Musik geworden sind. Bei großen Poeten fühlt man die Musik in ihren Texten. Musik ist keine nicht-narrative Technik, aber die Mitteilung funktioniert hier vollkommen anders.</p>
<p><strong>?:</strong> In deiner Musik arbeitest du sehr viel mit Zitaten. Versteht man deine Sachen, ohne all die Alben zu kennen, die du dazu verwendest?</p>
<p><strong>!:</strong> Wenn man sagt, jemand ist belesen, so bedeutet das doch, er hat eine Menge Bücher gelesen, kann sie referenzieren und in einen konzeptuellen Rahmen einordnen. Man hat einen Überblick. Bei Musik gibt es auch so etwas wie “Belesenheit”: Je mehr du gehört hast, desto besser kannst du Querverweise herstellen und Zitate erkennen. Um sich in einem von beiden zu spezialisieren, braucht es Monate, Jahre, in denen man liest oder Musik hört. Der Unterschied ist aber, daß Menschen zu Musik einen viel leichteren, weil emotionalen Zugang haben. Wenn dir ein Buch nicht gefällt, legst du es nach ein paar Seiten weg.</p>
<hr /><small>Copyright © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Von Problemen mit dem Interface</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Mar 2007 17:01:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eben alles eine Frage des Blickwinkels — und im nachhinein vergisst man allzu leicht, dass jedes Interface erst erlernt werden muss… [via Frank]
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Copyright © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eben alles eine <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/frage/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Frage">Frage</a> des Blickwinkels — und im nachhinein vergisst man allzu leicht, dass jedes <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/interface/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Interface">Interface</a> erst erlernt werden muss… [via <a href="http://www.medienphilosophie.net" class="liexternal">Frank</a>]</p>
<p align="center"><p><a href="http://blog.datenschmutz.net/2007-03/von-problemen-mit-dem-interface/"><em>Click here to view the embedded video.</em></a></p></p>
<hr /><small><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/copyright/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Copyright">Copyright</a> © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Vom Verschwinden der Schriftkultur</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Mar 2007 13:56:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frank Hartmann führte für telepolis ein Interview mit Mihai Nadin über die Fortschreibung der Buchkultur unter veränderten Bedingungen. Der Semiotiker und Systemforscher wurde 1938 in Rumänien geboren und lehrt inzwischen an der Universität Texas, wo er das Institute for Research in Anticipatory Systems leitet.
Mihai Nadins fünfbändiges Werk Jenseits der Schriftkultur steht auf Projekt Gutenberg zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.medienphilosophie.net" class="liexternal">Frank Hartmann</a> führte für <a href="http://www.heise.de/ct" class="liexternal">telepolis</a> ein <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24779/1.html" class="liexternal">Interview</a> mit <a href="http://www.nadin.name/" class="liexternal">Mihai Nadin</a> über die Fortschreibung der Buchkultur unter veränderten Bedingungen. Der Semiotiker und Systemforscher wurde 1938 in Rumänien geboren und lehrt inzwischen an der <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/universitaet/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Universität">Universität</a> Texas, wo er das <a href="http://www.anteinstitute.org/" class="liexternal">Institute for Research in Anticipatory Systems</a> leitet.</p>
<p>Mihai Nadins fünfbändiges Werk <a href="http://www.gutenberg.org/browse/authors/n#a930" class="liexternal">Jenseits der Schriftkultur</a> steht auf Projekt <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/gutenberg/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Gutenberg">Gutenberg</a> zum <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/download/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Download">Download</a> bereit. Er fordert eine individualisierte Technik, die sich dem User anpasst anstatt vice versa, und sieht in der gegenwärtigen kulturellen Produktion noch immer das Paradigma des Buches als vorherrschend:</p>
<blockquote><p>Doch weder meine Entscheidung, das [<a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/buch/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Buch">Buch</a>] anzubieten, noch das Angebot von Google verdient die Bezeichnung “Medienrevolution”. Als Publikationsmedium ist das <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/internet/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Internet">Internet</a> eine wichtige technische Errungenschaft. Wenn man von einer <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/revolution/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Revolution">Revolution</a> spricht, so würde das einem völlig neuen Verständnis vom <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/buch/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Buch">Buch</a> entsprechen, oder von jeder vorstellbaren medialen Ausdrucksform wie Musik, Tanz, Film, Theater, usw. Wenn wir von Medien als Produkten sprechen, dann bleiben wir Gefangene des industriellen Modells und seiner Marktmechanismen.</p></blockquote>
<p>Dennoch ist die traditionelle Schrift/Buchkultur dabei, ihre hegemoniale Stellung einzubüßen:</p>
<blockquote><p>Die Revolution aber versteckt sich hinter der Tatsache, dass das Buch weniger relevant ist als je zuvor, und dass es weiterhin an Relevanz verlieren wird. Damit ändert sich auch unser Verständnis dessen, wie und warum wir schreiben, wie wir Wissen teilen und über welche Formen wir die Dynamik wissenschaftlicher, technologischer und künstlerischer Wirklichkeiten vermitteln.</p></blockquote>
<p>Nadin kritisiert elegant die Absurdität der gegenwärtigen Situation: ein <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/urheberrecht/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Urheberrecht">Urheberrecht</a> bzw. im anglo-amerikanischen Raum ein Copyrightkonzept, das aus Zeiten stammt, in denen die Medienproduktion völlig anderen Bedingungen unterlag, kann nur Probleme verursachen:</p>
<blockquote><p>Vor allem die Autoren sind noch nicht willens, die enormen Möglichkeiten zu nutzen, die ihnen das Publizieren übers Internet bietet. Eine veraltete Gesetzeslage schützt das so genannte geistige Eigentum, doch dabei dreht sich doch alles um die Kontrolle durch all jene, die dieses Eigentum nicht geschaffen haben, sondern nur an dessen Verwertung interessiert sind. Es ist ein absurdes, Konsumations-getriebenes Marktmodell.</p></blockquote>
<p>Im Gegensatz zu unkritischen Apologeten einer neuen Medienrevolution zeichnet sich Nadins Ansatz durch eine explizite Ablehnung technologischer Determination aus:</p>
<blockquote><p>Technologien, egal ob digitale, nukleare, biologische, nano oder wie immer sie heißen mögen, können die Werte nicht bestimmen, die uns als Individuen oder als Gemeinschaften definieren. Nicht Werte entstehen durch Technologie, sondern diese kommt als Ausdruck unseres Wertesystems zustande. Darum ist Technologie nie bestimmend — nicht einmal, wenn sie verdammt schlecht ist.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24779/1.html" class="liexternal">Interview auf telepolis</a></p>
<hr /><small>Copyright © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Über Fotografie als Übersetzungsspiel</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Oct 2006 09:25:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In seinem aktuellen Essay “Produzieren und Prozessieren von Bildern” schreibt der Kulturphilosoph Frank Hartmann eine Diskussion um die Fotografie fort, die den Abbildungscharakter des Bildes nachhaltig in Frage stellt. Der Essay bewegt sich in der Tradition von Walter Benjamin und Vilém Flusser, die in ihren Schriften stets auf die Spezifika technisch generierter Bilder hinwiesen — [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem aktuellen Essay “Produzieren und Prozessieren von Bildern” schreibt der Kulturphilosoph <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/frank-hartmann/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Frank Hartmann">Frank Hartmann</a> eine Diskussion um die <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/fotografie/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Fotografie">Fotografie</a> fort, die den Abbildungscharakter des Bildes nachhaltig in <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/frage/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Frage">Frage</a> stellt. Der Essay bewegt sich in der Tradition von Walter Benjamin und Vilém Flusser, die in ihren Schriften stets auf die Spezifika technisch generierter <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/bilder/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Bilder">Bilder</a> hinwiesen — diese seien eben gerade keine Abbilder der <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/wirklichkeit/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Wirklichkeit">Wirklichkeit</a>, sondern wirken als Resultat ihrer technischen Bedingtheit konstitutiv und schaffen je spezifische Realitäten. </p>
<p>Kennzeichnend scheint jedenfalls der blinde Fleck des Menschen in der <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/wahrnehmung/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Wahrnehmung">Wahrnehmung</a> seiner eigenen Maschine: erst die Möglichkeit der Manipulation (zB eine Fotomontage) weckt Misstrauen gegenüber dem stummen Zeugen — dass eine zweidimensionale Abbildung auf einem wenige Zentimter großen Fotoprint etwa keineswegs so aussieht wie ihr Motiv, bleibt häufig systematisch ausgeblendet. Anekdotisch wird auf diese Tatsache häufig hingewiesen, wenn der unbedarfte, als unkultivierte Betrachter eines Fotos fragt, ob die abgebildeten Menschen denn wirklich nur wenige Zentimeter groß seien.</p>
<p>Also nicht erst die algorithmisch errechneten Bilder sind demnach in die Sphäre der Alternate Worlds zu verweisen — Fotografie und noch früher die Malerei generieren je spezifische Bildwelten und enthalten Möglichkeitshorizonte, deren Auslotung Künstler und Philosophen beschäftigt. In seinem Essay zeichnet Hartmann den Statuswandel der Fotografie vom “Zeugen der Wirklichkeit” hin zu einem Techno-Bild-Generator nach und garniert diesen mit einigen hintergründigen Illustrationen:</p>
<blockquote><p>[Die Unterscheidung zwischen fiktiven und realen Bilderbn] …ist aber nicht immer so klar, wie das nächste Beispiel zeigt: das Bild vom “Deep Field” des Hubble Space Telescope. Zehn Tage lang hat das Weltraumteleskop einen winzigen Ausschnitt im All belichtet, einen Ausschnitt, der hart an der Grenze des Auflösungsvermögens des menschlichen Auges liegt. Und siehe da, das Bild ergab geschätzte 2000 Galaxien. Das Bild? Die 1996 veröffentlichte Fotografie war wiederum ein “processed image”, eine Computermontage von 276 Einzelaufnahmen, die immerhin die Astronomen zu neuer Schätzungen angeregt hat: so heißt es nun, das Universum bestehe nicht aus 10, sondern aus 50 Milliarden Galaxien (vgl. Panek 2004). </p></blockquote>
<p>Die Druckfassung des Beitrags erschien kürzlich im Rundbrief Fotografie  Vol. 13 (2006), No.3, S.17–20.</p>
<hr /><small><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/copyright/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Copyright">Copyright</a> © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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		<title>Remix my Plagiat</title>
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		<pubDate>Sat, 16 Sep 2006 12:34:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ritchie Blogfried Pettauer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nicht nur im gemeinen Internet sammelt sich der Staub an allen Ecken und Enden, nein, sogar die wissenschaftliche Textproduktion präsentiert sich — wohl nicht erst neuerdings — durchsetzt mit Verunreinigungen. Tja, Copy+Paste verleitet die StudentInnen zum Bösen: abschnittsweise frech kopierte Diplomarbeiten werden da eingereicht.
Unter dem Titel Pimp my text beschäftigt sich Frank Hartmann auf telepolis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht nur im gemeinen <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/internet/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Internet">Internet</a> sammelt sich der Staub an allen Ecken und Enden, nein, sogar die wissenschaftliche Textproduktion präsentiert sich — wohl nicht erst neuerdings — durchsetzt mit Verunreinigungen. Tja, Copy+Paste verleitet die StudentInnen zum Bösen: abschnittsweise frech kopierte Diplomarbeiten werden da eingereicht.</p>
<p>Unter dem Titel <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23381/1.html" target="_blank" class="liexternal"><b>Pimp my text</b></a> beschäftigt sich <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/frank-hartmann/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Frank Hartmann">Frank Hartmann</a> auf <a href="http://www.heise.de/tp" target="_blank" class="liexternal">telepolis</a> mit der <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/frage/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Frage">Frage</a>, was das gehäufte Auftreten dokumentierter Plagiatsfälle eigentlich für den Wissenschaftsbetrieb bedeutet. Der Autor fordert, ich plagiieren, Verzeihung, zitiere:</p>
<blockquote><p>
Zudem muss die kommunikative Struktur radikal hinterfragt werden, die in den meisten universitären Settings besteht. Sie läuft fast nurmehr über eingereichte (oder in einem Plenum vorgelesene) Texte. Ein sauberer Text mit korrekter <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/zitation/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Zitation">Zitation</a> zählt mehr als ein gutes Argument und eine fundierte, reflektierte Meinung. Vielleicht würde es ja helfen, wenn akademische Lehrer mit den Studierenden mehr diskutieren und debattieren würden, als auf sturer Textproduktion zu beharren. </p></blockquote>
<p>Bequemer scheint’s auf den ersten Blick allemal, sich auf die althergebrachten, eingespielten Muster der Textproduktion zu verlassen. Wenn also im <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/kontext/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Kontext">Kontext</a> veränderter Recherche– und Produktionsbedingungen die Frage nach den Grenzen zwischen Zitat, Ideenübernahme und Plagiat neu thematisiert werdem muss, dann erfordert das allerdings wohl etwas mehr geistige Flexibilität, als die von vielen Seiten geforderte Installation von “schärferen Kontrollen”. Ein Schelm gar, wer denkt, dass die ohnehin knappen Uni-Budgets nicht für System verschleudert werden sollten, die dazu führen, dass in <a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/zukunft/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Zukunft">Zukunft</a> halt nicht mehr direkt kopiert, sondern eben leicht umgeschrieben wird.</p>
<hr /><small><a href="http://blog.datenschmutz.net/tag/copyright/" class="st_tag internal_tag" rel="tag" title="Posts tagged with Copyright">Copyright</a> © 2010 Ritchie Pettauer / datenschmutz<br /> Dieser Volltext RSS-Feed wird ausschließlich für die private, nicht-kommerzielle Verwendung im Feedreader bereit gestellt. Über Zitate mit Backlink freue ich mich, eine Wiederveröffentlichung des ungekürzten Volltexts auf Dritt-Webseiten ist allerdings untersagt. Wenn Sie datenschmutz Updates auf Ihrer Homepage einbinden möchten, dann verwenden Sie bitte den <a href="http://feeds.feedburner.com/datenschmutzdigest" class="liexternal">Exzerpt-Feed</a>.<br />
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