Diese Kolumne habe ich für das aktuellen Blogpiloten-Special Identity Management geschrieben.
Obwohl Echtzeitmedium, treten die wahren Qualitäten des Netzes erst auf lange, manchmal auf sehr lange Sicht zutage: denn dank der Versatilität digitaler Daten und permanenter Fortschritte in punkto Totalerfassung benimmt sich das Netz meist wie der sprichwörtliche Elephant: es weigert sich zu vergessen. Das klingt nicht nur beunruhigend, das ist sogar äußerst verstörend, bedenkt man die Erkenntnisse der neueren Gehirnforschung: das Vergessen, so die Kartographen unseres Verstandes, sei, so die Apologeten dieser These in typisch-euphorischer Übertreibung, sei mindestens gleich, wenn nicht viel wichtiger als sämtliche Merkfunktionen zusammen. Nur dank der Gnade des Vergessens kann unser unruhiger Affengeist, wie die Buddhisten sagen, nämlich überhaupt die Flut der zahllosen Informationen vom Typ überlebensrelevant bis Klatschspalte langfristig sortieren.
Man kennt das ja vom Frühjahrsputz: wenn all das alte, nutzlose Gerümpel erstmal im Vorraum steht, scheint es unfassbar, dass all das Zeug jemals in das (nach wie vor vollgeräumte) Zimmer gepasst hat. Nicht auszudenken, wenn jedes unwichtige Detail sich uns für immer einprägen würde – oder wissen Sie noch, welches Ablaufdatum auf der Milchpackung stand, die Sie vor 53 Tagen eingekauft haben?
Falls Sie Ihre Rechnung im Supermarkt mit Ihrer Club-Vorteilskarte (raten Sie mal, welcher der beiden Geschäftspartner den „Vorteil“ hat) bezahlt haben, stehen allerdings die Chancen gut, dass irgendein Warendistributions/Customer Care/Marktforschungs Software-Monster von Datenbank sich sehr genau daran erinnern kann, dass Sie schon wieder die „Extra-Lang-Haltbar“ Milch wählten, obwohl Sie doch sowieso jeden dritten Tag einkaufen kommen. Komischerweise immer wieder Freitags in diese andere Filiale… was das wohl zu bedeuten hat? Zweifellos genug, als dass Ihnen Columbo 2.0 im Fall der vergifteten Milchpackung einen virtuellen Strick draus drehen könnte. Und ganz genau so funktioniert im Prinzip das Netz: irgendwas Belastendes lässt sich fast immer finden.
Doch bevor die Freude zu groß wird, nun die schlechte Nachricht: jeder Kriminelle braucht eine Vorgeschichte, und die will sorgfältig konstruiert sein, sprich: wer erst vor wenigen Wochen in die Internet-Siedlung frisch eingezogen ist, muss sich schon ein wenig anstrengen, um seine weiße Weste rasch im Dreck zu wälzen. Negatives Identity Management unterscheidet sich dabei seinem Wesen nach keineswegs von panoptischen Wunsch über die Vollkontrolle nach Selbstrepräsentation. Daher auch die wichtigste Regel: Immer den richtigen Namen und die gleiche E-Mail Adresse verwenden! Das gilt bei allen Registrierungen und generell überall dort, wo man im Internet aufgefordert wird, seinen Namen zu hinterlassen. Stellt man (möglicherweise später) kompromittierende Bilder und/oder Videos online, so sollte man darauf achten, eine gut indizierte Seite zu wählen und jedem potentiellen Interessenten Zugriff zu gewähren. Reichliche Ausstattung aller multimedialen Inhalte mit entsprechenden Meta-Informationen gehört zur Pflicht des digitalen Rauhbeins, auch hierbei muss selbstverständlich Regel 1 beachtet werden.
Auch nicht schlecht: Schimpftiraden an Mailinglisten senden, deren Archive öffentlich zugänglich sind. Oder es vielleicht irgendwann mal sein werden. Glücklich, wer über eine eigene Homepage, möglicherweise sogar mit Eigenname als Domain, verfügt: man muss sich ja nicht auf zweifelhafte Inhalte beschränken, sondern kann bei der Gelegenheit auch gleich die eine oder andere illegale Software, vielleicht mit einem Trojaner garniert, zur Verfügung stellen! Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt, lediglich bei Blackhat Maßnahmen ist Vorsicht angebracht: schließlich will man ja nicht aus dem Google-Index herausfallen.
Will man das doch, dann folgt das böse Erwachen häufig dann, wenn man feststellt, dass der Content-Aggregator von den Faroröer-Inseln weder auf E-Mails noch auf Anrufe an die Mehrwertnummer reagiert. Langweilige Zeitgenossen, die meinen, sich in virtuellen Umgebungen genauso höflich und bedachtsam gerieren zu müssen wie in der richtigen Welt, gibt es genug. Ein echter Netz-Rüpel sollte daher unter allen Umständen und um jeden Preis die folgende Frage vermeiden: „Würde ich das, was ich hier gerade von mir preisgebe, auch im Fernsehen erzählen?“ *
*Der Fast-schon-Ex-Programmintendant des ORF Lorenz hat dazu eine eindeutige Meinung.
Fotocredits:
Titelbild: Elefanten Groß-Klein von Johannes-D. / pixelio.de
"Es kommt auch meistens immer darauf an, wie du das richtige Timing hast", sagte Pepi "Hicke" Hickersberger in klugem Vorausblick bereits zur Halbzeit des EM-Finales. Torres hat die silbrig glänzende Armani-Wuchtel reingewürgt, Lehmann war quasi wehrlos. Gratulation an die Erfinder von Tapas, Rioja und Sonar Festival! Sogar das Wienwetter hat mitgespielt und heute Abend auf Gewitter verzichtet. Ich bin sicher, die vielen Fans werden die Zeiten der Viereurofünfzigkleinenbiere furchtbar vermissen, aber die nächste Rip Off Europameisterschaft kommt gewiss!
Der Image Fulgurator verstört ahnungslose Passanten - einen "Apparat zur minimal-invasiven Manipulation von Fotographien" nennt Julius von Bismarck sein Spielzeug: bei dem genialen und zum Patent angemeldeten Device handelt es sich um eine invertierte Spiegelreflexkamera. Ein Sensor registriert andere Kamerablitze in der Nähe und projiziert für einen Sekundenbruchteil ein gespeichertes Bild auf das fotografierte Motiv. Klingt unverständlich? Die journalistischen Komplexitätsreduktions-Kollegen vom Standard formulieren das so:
So erscheinen dann plötzlich geisterhafte Schriftzüge auf den Bildern, wie von Bismarck mit einem Video auf seiner Webpage demonstriert. Darin ist zu sehen wie TouristInnen am Berliner "Checkpoint Charlie" das berühmte "You are entering the American Sector"-Schild zu fotografieren versuchen, nur um dann einen Extra-Kommentar mitgeliefert zu bekommen. Quer über alle Aufnahmen findet sich der Hinweis "Hundreds of people died last year by trying this at the US-Mexico border".

Das Patent hat der Erfinder, der mit seinem Gadget bei der diesjährigen ars electronica nominiert ist, in erster Linie angemeldet, um kommerziellen Einsatz zu verhindern - ob das wohl auf Dauer gelingt? Subversion ist bekanntlich Schnellbeton... [via Ulrich]
Anja berichtet in dieser Woche über das geplante Knight Rider Comeback: der an sich durch die permanente radioaktive Strahlung Kitts zeugungsunfähige Michael Knight hat doch einen Sohn - ob von Bonny, April oder Klon bleibt dahingestellt. Ob der neue K.I.T.T., der Knight Industries 3.000 mit Benz oder gutem Willem fährt, wird die Fernsehzukunft zeigen: mehr dazu am Cocktail Blog.
...hat Anton Gigov ins grafische Leben gerufen. Der Strip läuft unter Bezeichnung twitter nonsense und war bisher twitpic, einen Service zum Posten von Bildern über den beliebten Kurznachrichtendienst, abrufbar. Mein Favorit:

Seit dieser Woche haben die Strips eine neues Heim im Netz: auf http://www.pink-sheep.com/twitter-nonsense/ wird's zukünftig regelmäßige Cartoons über unsere Freuden und Leiden mit dem instabilsten Short-Messaging Service der noch jungen Netzgeschichte geben.
Tattoos müssen gar nicht immer permanent sein, wie das folgende Video zeigt. Dazu braucht man nicht nur eine exhibitionistische Ader, sondern auch eine *sehr* ruhige Hand [via Kreisrot:
Eben. Mit dem eigenen Blut malen kann ja jeder... bin schon gespannt, was Kunsttheoretiker in ein paar Jährchen begonnen haben werden, über die Re-Definition des Performanz-Begriffs durch Netzmedien zu schwadronieren... in diesem Sinne: schönen Restsonntag und viel Erfolg bei all Ihren malerischen und sonstigen Unternehmungen.
Helge war in der vergangenen Woche in verbale Auseinandersetzungen mit einem Angestellten des Bildungsministers verstrickt und ich wurde binnen einer Woche auf Facebook Fan von Heinz von Foerster und Louis Defunes!
Also keine Rede von einer ruhigen Kugel und oder gar Woche - stattdessen gibt's schon wieder ein paar Bushaltestellen mehr im globalen Dorf.
Lukas Leitner, Gesellschafter der Cayenne Werbeagentur und Milizoffizier, hat auf medianet einen Beitrag über jenen Profil-Artikel, der dem österreichischen Bundesheer vorwirft, bei der Ausmusterungszeremonie an der Militärakademie Nazi-Gestik zu perpetuieren. Meine Freude über alle uniformierten Bewaffneten hält sich in extrem engen Grenzen. Dem Bundesheer offizielle Liebäugelei mit Rechtsaußen vorzuwerfen, halte ich aber für genauso falsch und fahrlässig wie der Autor des Artikels:
Die wertvolle und unverzichtbare Einrichtung Bundesheer - die trotz ihrer zahlreichen humanitären Einsätze im In- und Ausland ohnehin nach wie vor mit aus Altlasten resultierenden Vorurteilen zu kämpfen hat - wider besseren Wissens ins unrecht "rechte" Licht zu rücken, ist mehr als ärgerlich. Es ist eine Fahrlässigkeit gegenüber einer der wichtigsten demokratischen Einrichtungen im Land. Wo humanitäre Krisen toben, sind unsere Soldaten Botschafter der Hoffnung und riskieren tagtäglich ihr Leben.
Klingt ein wenig glorifizierend, ist im Kern aber völlig richtig... man kann ausreichend Kritik am Bundesheer über, aber um einen Nazi-Spielplatz handelt sich's dabei ganz gewiss nicht.
In letzter Zeit ist's mir zweimal passiert, dass trigami einen meiner Reviews beanstandet hat - nicht etwa, weil der Text zu kurz gewesen wäre, sondern weil sich Links ohne nofollow eingeschlichen hatten. Einmal lags an der Autolink-Funktion von Simple Tagging (wobei es sich allerdings um interne Links handelte, aber auch die müssten laut trigami-AGBs ge-nofollow'ed werden), beim zweiten Mal an schlichtem menschlichem Versagen meinerseits. Der Fehler war in beiden Fällen flott behoben - allerdings bin ich sehr neugierig, wie sich die Paid-Review Szene in den nächsten Monaten weiterentwickelt. Eine neue US-Plattform, über die ich demnächst berichtet werden, verbietet den Einsatz von nofollow explizit, am Markt werden sich mittelfristig jene Anbieter durchsetzen, die Kunden nicht nur Buzz, sondern auch Backlinks verschaffen. Die Crux dabei ist wie immer Tante G - falls Google die diesbezügliche Policy jemals offiziell ändert, wird trigami sicherlich schnell nachziehen - ich halte die bezahlten Reviews nach wie vor für die beste und effizienteste Form der Blogwerbung - und zwar für alle Beteiligten. Dass nach trigami, wie manche Windeier lautstark prophezeiten, aufgrund der nofollow-Policy ganz schnell kein Hahn mehr krähen würde, hat sich natürlich nicht bewahrheitet; aber gegessen und ein für allemal geklärt ist der Einsatz des nofollow-Attributs noch lange nicht. Mir persönlich wär's am liebsten, wenn man als Blogger selbst entscheidet, ob der Link zum Auftraggeber SEO-technisch entwertet werden soll oder nicht.
So, das war's auch schon wieder mit dem Wochenrückblick... der fällt etwas kürzer aus sonst: die Landschaft in Lienz ist einfach zuuuu leiwand, als dass ich am Sonntagnachmittag vor dem Rechner sitzen bleiben könnte!
Immer wieder mal gebe ich Briefe auf ins benachbarte Ausland. Ist eine CD-Rom mit drin, ergibt das die Preisklasse 100-350 Gramm, Economy (Europe). Derlei Sendungen kosteten bis vor kurzem EUR 3,50, nun stieg der Preis der österreichischen Post auf EUR 3,70. Nur leider gibt's keine passenden Briefmarken mehr. Da hat jemand nicht nachgerechnet...
Die Stückelung beim alten Preis Tarif war vergleichsweise einfach: 2x EUR 1,25 + 1x EUR 1,- und schon enteilt der fleißige Briefträger bis nach Großbritannien über's weite Meer. Dass die Preise steigen, mag zwar ärgerlich, aber "verständlich" sein, was immer dies im marktwirtschaftlichen Kontext tatsächlich bedeutet.
Ganz und gar auf Unverständnis stößt allerdings die Tatsache, dass es für den neuen Preis keine passende Stückelung gibt: am nächsten kommen noch 3x EUR 1,25, aber warum jeden Sendung mit 5 Cent überfrankieren? Mag Kleinkram sein, okay - aber ich versteh das Prinzip nicht. Man muss jede Sendung auf die Post bringen, Briefkasten spielt's nicht. Ich konnte es selber nicht glauben, und die freundlichen Mitarbeiter in meinem Postamt wundern sich ebenfalls über soviel Planungsgenialität ihrer Vorgesetzten.
Wie kann man Brieftarife einführen, zu denen es keine passenden Markenwerte gibt?
Die Differenz mag ja nicht groß sein, aber die Schildbürger hätten eine helle Freude mit diesem Geniestreich. Aber weiß - vielleicht ist diese Strategie auch nur Teil eines Masterplanes zum Einsparen aller Postkästen auf längere Sicht...
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Diesmal: Einer vermietete Plakatwerbeflächen außen am Kuckucksnest
"Polizist und Einlauf?" fragte Brigitte lauernd und mit jenem siegessicheren wackeln beider Brüste, das ihr für immer den Weg zum Pokerprofi versperren würde. "Gendarmspülung! Der war nicht mal so schwierig, aber du schaust in letzter Zeit zweifellos zu häufig Ernährungsberatungssendungen auf österreichischen Privatsendern", machte ich Brigittes Hoffnung auf Sieg nach Punkten schneller zunichte als Paris Hilton jegliche interessanten Aspekte der Pornographie.
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Blogger schreiben über alle möglichen Themen - die Auswahl bleibt ihnen dabei selbst überlassen. Will man für Buzz innerhalb der Blogosphäre sorgen, dann tut man gut daran, sich der Dienste von Marktplätzen wie Trigami zu bedienen. Oder man kontaktiert Blogger direkt, aber die sind bekanntlich Diven und mögen keine Spam, also wäre Fingerspitzengefühl gefragt. Sonst kommt dabei sowas raus wie die folgende Geschichte.
Dass in letzter Zeit immer wieder mal Post von deutschen Marketingfirmen in meinem Briefkasten landet, daran hab ich mich gewöhnt. Irgendjemand hat letztens einen wirklich nett gestalteten Umschlag verwendet, sehr hübsches Papier und außen mit orangem Zwirn vernäht... an die Aufmachung kann ich gut erinnern, aber die URL hab ich vergessen.
Vor wenigen Tagen allerdings war die Freude grenzenlos, als mir plötzlich ein Rucksackgutschein quasi ins Auge stach. Alles, was ich tun müssen, um die 15 Euro einlösen zu dürfen, sei eine Story über den Taschendealer zu schreiben:

Hmmm... ich weiß ja, dass in Österreich die Zeilenhonorare vergleichsweise gering sind, aber wie kommen die auf die Idee, dass ein Review auf ds 15 Euro kostet? Ich muss zugeben, ich war peinlich bis unangenehm berührt.
Liebe Rucksack- und sonstige Online-Versender: das kommt ehrlich gesagt total eigenartig. (Stichwort: Ebenezer Scrooge) Schicken Sie mir doch einfach so einen Gutschein und schreiben Sie einen Brief dazu, in dem drinsteht, dass Sie sich über eine Erwähnung freuen würden. Dann überleg ich's mir - falls der Shop okay ist. Oder werfen Sie einen Blick auf diese Seite und fragen Sie regulär wegen eines Reviews an. Sonst kommt das total komisch rüber, ehrlich. Egal, was Ihnen Ihre PR Agentur erzählt hat.

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Diesmal: Klimaeskalationen treten sanft die Himmelstür ein.
"Eine Aufregung war das, sag ich dir! Gewissenhafte, hübsche Teilzeit DJs, die Provinz-Intelligentsia, GästelistInnennschnorrer, Rockernachwuchs der zweiten Generation, Kopfhörer-Models, Autoerotiker und arbeitswillige Cineasten, all nur auf ein Ziel programmiert," ereiferte sich Tante Brigitte. "Sprich nicht so abwertend über die Teilnehmer am gap Ässässmänt-Sänta, schließlich hast du auch mal klein und nackt angefangen," bremste ich ein.
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Der Metaphoriker spricht vom "Rauschen", das durch den Blätterwald geht. Im Fall von Blogs sollte es vielleicht eher Raunen, wenn nicht gar Raunzen heißen, meint First Generation Blogger David Winer: auf Kommentare könnte man gut und gerne verzichten, so David. Das passt zur Greater Internet Shitwad Theory, kann aber nicht ganz unwidersprochen hingenommen werden.
Die wesentliche Eigenschaft eines Blogs sei die Wiedergabe einer authentischer Meinung, unverfälscht durch Gruppendruck, Konformitätszwang und massenmediale Spielregeln. Die Kommentare spielten dabei angeblich eine untergeordnete Rolle. Wer etwas zu sagen hat, der kann sich ja ohne weiteres selbst ein Blog anlegen, so die Logik des schreiberischen Solipsismus:
Do comments make it a blog? Do the lack of comments make it not a blog? Well actually, my opinion is different from many, but it still is my opinion that it does not follow that a blog must have comments, in fact, to the extent that comments interfere with the natural expression of the unedited voice of an individual, comments may act to make something not a blog.
Als weiteren Punkt gegen Kommentare führt David auch das altbekannte Argument von der Selbstreferenzialität ins Feld: "People use blogs primarily to discuss one question -- what is a blog? The discussion will continue as long as there are blogs." Dem kann ich nur zustimmen - ein Teil des permanent mitschwingenden Metadialogs mag durchwegs der Neuheit des Mediums geschuldet sein, ein anderer, aber verschwinden wird das Thema nicht: Mikromedien machen ihre Herausgeber eben zu Haustechniker, Serverexperten, Chefredakteuren, rasenden Reportern, Layoutern usw... in einer Person, das schreit geradezu nach Austausch und Metadialog.
Konsequenterweise drehte der Autor die Kommentarefunktion am eigenen Blog ab, und Joel Spolsky, amerikanischer IT-Journalist, greift die ausgesprochen konträre Argumentation freudig auf und geht gleich noch ein Stück weiter:
The important thing to notice here is that Dave does not see blog comments as productive to the free exchange of ideas. They are a part of the problem, not the solution. You don't have a right to post your thoughts at the bottom of someone else's thoughts. That's not freedom of expression, that's an infringement on their freedom of expression.
Starker Tobak - Kommentare also als Behinderung der freien Meinungsäußerung? Mein Problem mit dieser Sichtweise liegt ganz einfach darin, dass sie für manche Blogger durchwegs passen mag - das hängt aber in erster Linie wohl vom eigenen Menschenbild ab und davon, ob man sich erwartet, unwidersprochen seine Weisheiten in die Welt hinaus posaunen zu dürfen. John Gabriels Greater Internet Fuckwad Theory, die besagt, dass sich ganz normale, nette Kerle unter dem kombinierten Einfluss von Öffentlichkeit und Anonymität in beleidigende Verbalbestien verwandeln, mag Winer ja auf den ersten Blick recht geben. Meine persönlichen Erfahrungen in Blogistan sind da ganz andere: wie wenigen Hatemongers bringen mich bloß zum Lachen, niemals möchte ich wegen ein paar, auf gut Wienerisch "Wapplern", auf all die konstruktiven Beiträge und die virtuellen Gespräche mit meinen LeserInnen verzichten.
Denn blickt man etwas differenzierter auf die kommunikativen Verästelungen Blogistans, dann stellt sich die Kommentarefrage ohnehin nicht mehr so schwarz/weiß dar: Denn der Verzicht auf Kommentare rückt ein Blog ein ganzes Stück weit in Richtung Web 1.0 Seite - nicht technologisch, sondern ideologisch: für viele BloggerInnen (und da schließe ich mich ein) sind Feedback der LeserInnen Hauptmotivation dafür, überhaupt ein Blog zu schreiben. Die Frage, ob's aus Google-taktischen oder anderweitigen Überlegungen besser wäre, Kommentare abzudrehen, stellt sich überhaupt nicht: so lästig Spam und so aufwändig Antispam-Maßnahmen sind, so hoch die Wahrscheinlichkeit auch sein mag, früher oder später einem Troll zu begegnen: was wären Blogs ohne das direkte Feedback, ohne diesen großartigen direkten Kommunikationskanal zur Leserschaft, der Blogger von Journalisten unterscheidet? In wenigen, ausgewählten Fällen mag ein Verzicht auf die Kommentarfunktion ja Sinn ergeben, eine "golden rule" draus zu machen und speziell Newbie-Blogger zu verunsichern, halte ich allerdings für ausgemachten Quatsch. Und Gründe, von seinen Lesern öffentlich kontaktiert werden zu wollen, gibt es viele:
Das Argument der kommunikativen Demokratie möchte ich freilich nicht bemühen: letztendlich sitzt der Blog-Autor am langen Hebel, löscht, editiert und filtert, wie's im passt. Doch wie man's auch dreht und wendet: ein Blog ist keine statische Seite, sondern eine kleinere oder größere Community. Die zitierte Scheu vor Kommentaren resultiert einerseits aus dem angesprochenen unlustigen Menschenbild ("alle anderen außer mir sind Idioten und haben sowieso nix brauchbares beizutragen") und andererseits aus der Angst vor schrecklicher Kritik, die auf einen niederprasseln könnte. Dabei bieten alle gängigen Blogsysteme hervorragend abgestufte Möglichkeiten: von der ungeprüften Veröffentlichung über das Festhalten jeden Kommentars in einer Moderationsschleife ist so gut wie alles möglich - freiwillig auf Blog-Kommentare zu verzichten kommt mir ein bisschen so vor, als ob man sich ein Motorrad kauft, den Motor deaktiviert und seine Kiste einfach nur im Leerlauf durch die Gegend schiebt - passieren kann dabei nicht viel, Spaß hat man allerdings auch keinen.
Weltherrschaft und Hitparaden-Topplatzierungen sind sowas von gestern. Zeitgeistige Medienproduzenten schwingen sich zu Vorpostern Blogistans auf, und jeder hat so seine eigenen Beweggründe: Spaß, Vernetzung, Ruhm, Ehre und Monetäres gehören wohl zu den am häufigsten genannten. Yannick will's nun genau wissen und fragt in die Runde: Welche dunklen Ziele verfolgt ihr eigentlich mit eurem Weblog?
"Heast, z'wos die gaunze Bloggerei?" raunzt der gelernte Wiener. Ich dagegen lebe zwar in der Donaumetropole und bin bloß "zuagrasta" Tiroler, insofern: ich blogge ja eigentlich ausschließlich, um an solchen Blogparaden teilnehmen zu können
Aber im Ernst: da ich im Bereich Kommunikations-/Onlineberatung arbeite, hat sich so ein Blog einfach als sehr flexibles, gut geeignetes Medium erwiesen:
A) um die für mich relevantesten der zahlreichen Informationen, die ich mir täglich so einsauge, in strukturierter Form wieder zu geben. Ich habe festgestellt, dass dies durchaus auch dem eigenen Verständnis sehr förderlich ist; vor allem weil die dialogische Möglichkeit, sich in weiterer Folge mit LeserInnen auszutauschen, gleich mit eingebaut ist.
B) Als Testballon/Labor für neue (Werbe)Technologie, Plugins, (journalistische) Darstellungsformen... mein persönlicher php-Bastelkasten.
C) Ich arbeite seit Jahren auch als Journalist und nutze mein Blog zugleich als Artikel-Archiv meiner Veröffentlichungen.
Das trifft's im Wesentlichen, übergreifende Klammer und Motivation ist allerdings schlichtweg der Spaß an der Freude; und stetig steigende Zugriffszahlen motivieren eben.
Was soll man sagen - Jimmy rief diese Viral-Tag Aktion ins Leben; sozusagen einen völlig sinnentleerten Karneval, der einzig und allein der Technorati-Linklove dienen sollte. Immerhin gelang es damit dem Initiator, sein Blog auf einen Technorati-Wert von über 500 zu pushen. Irgendwie nicht unwitzige Idee, wär mir aber zu riskant - für Technorati ist's ganz einfach zu simpel, die ManipulatorInnen auszufiltern.
Jedenfalls machte diese Aktion die Runde, und Yannick bekam bereits den Vorwurf, sein Blogkarneval diene einzig und allein der Steigerung seiner Backlinks. Aber alles der Reihe nach: René von ProBloggerWorld hatte einen Karneval einberufen, und das Deutsche Blogcharts Blog fühlte sich auf den Wertungsschlips getreten:
Ein weiteres Problem, das mir in dieser Woche das Leben erschwert hat, ist eine Kettenbriefaktion. Im Blog "probloggerworld" wurde eine Aktion gestartet, in der dazu aufgerufen wurde, etwas zum Thema "Wie bist Du zum Bloggen gekommen?" zu schreiben. So weit, so gut. Das Problem an der Sache: Eine - völlig überflüssige - Teilnahme-Voraussetzung war, einen Blog-Eintrag in sein eigenes Blog zu setzen, in dem alle anderen teilnehmenden Blogs verlinkt werden. [...] Automatische Verlinkungen, die durch diese Kettenbrief-Aktion zustande gekommen sind, gehen nicht in die Wertung, sondern werden von mir von der jeweiligen Technorati-"Authority" abgezogen.
Das kann man so oder so sehen - aber wozu eigentlich einen Karneval veranstalten, wenn ohnehin nicht untereinander verlinkt werden darf? Als nächstes stellen die deutschen Blogcharts dann vielleicht noch eine Kriterienliste auf, á la:
Einerseits versteh ich das Vorgehen, andererseits werden damit zukünftige "Grenzziehungen" recht beliebig. Sicher handelt sich's hier um eine "semi-automatische" Art der Verlinkung; aber jeder Blogger will doch wohl seinen LeserInnen das Gesamtergebnis des Karnevals präsentieren - das würd ich auch dann machen, wenn's keine Teilnahmebedingung wäre. Der Sichelputzer findet den SEO-Karneval übrigens ebenfalls schändlich, ich kann mich im grosso modo der Meinung von Prinzess.Biz nur anschließen:
Mal im Ernst: Was wäre, wenn die Links mitgezählt würden?
Wer müsste auf seinen Rang in den Blogcharts verzichten?
Wer würde vom Thron gestoßen?
Und welche Konsequenzen hätte das für die gesamtdeutsche Blogosphaere?
...ich versteh die Aufregung nicht wirklich.
Yannicks Blog-Parade läuft in Kürze ab, die TeilnehmerInnen-Zahl ist dennoch bereits beträchtlich; zu den BloggerInnen, die ihre Motive bisher offen gelegt haben, gehören neben vielen anderen Vincent Vallo, das Feelbetter blog, Harald Dvorak, Yoda, Entering Eternity, das Ameisen Blog und die Zentrale der Macht.
Ach ja: ich glaube, dass die BL von der Vernetzung lebt. Und mag solche Aktionen gern. Auch wenn ich dafür auf Lebenszeit aus den deutschen Blogcharts verbannt werde
Deswegen liste ich hier gleich mal die teilnehmenden Blogs auf, bei denen ich regelmäßig mitlese.
Laff-a-day ist immer für Pointen gut, einige der besten treffen exakt unter die Gürtellinie. Der folgende Witz ist jugendfrei und schreit nach Übersetzung: Ariel und Jonah befinden sich am zur Synagoge, als Ariel fragt: "Glaubst du, dass es in Ordnung geht, wenn ich während des Betens rauche?"
"Frag doch einfach den Rabbi," schlägt Jonah vor. Also geht Ariel zum Rabbi und fragt ihn: "Rabbi, ist mir erlaubt zu rauchen, während ich bete?" "Nein, das darfst du nicht," antwortet der Rabbi, "denn dies wäre eine Respektlosigkeit gegenüber unserer Religion und unseren Traditionen!"
Ariel erzählt seinem Freund von der Antwort des Rabbi, und der meint nur: "Das überrascht mich nicht, du hast ja auch die falsche Frage gestellt - lass es mich mal versuchen." Also geht Jonah zum Rabbi und fragt ihn: "Rabbi, ist es mir erlaubt zu beten, während ich rauche?" Worauf der Rabbi freudig antwortet: "Auf jeden Fall, mein Sohn. Auf jeden Fall."
Ansonsten geht's ja eher so zu auf der Liste:
What are some popular lies parents tell their children?
Just because a girl has tattoos or pierced nipples doesn't make her easy.
Your grandmother was not a cheap whore in a piano bar!
You know how I take your temperature in your butt? Well, uncle Steve was just taking Mommy's temperature.
Don't tell your mother that you saw me run over Fluffy. Tell her you saw some Puerto Ricans do it.
And the number one lie told by parents: I'm your father!
Ach ja, abonnieren kann man die meiner Meinung beste Daily Jokes Liste aus den USA hier.
| 4. Mai 2007 22:00 | bis | 5. Mai 2007 2:00 |
Die Genrebezeichnung "Schlagercore" verdient auf jeden Fall eine Ankündigung: am 3. Mai lädt Gravity mal wieder ins Fluc um bei freiem Eintritt die Freuden des Drumfunk zu zelebrieren - diesmal mit Any Maniac und Point & Santos.
Die Visuals projizieren Tulumba Optics, ob's tanzbar wird oder eher was zum Zuhören weiß man bei Gravitiy im Vorhinein nie so genau - interessante Beatpatterns gibt's aber auf jeden Fall. Ein bisschen mehr Überraschung/Unvorhersehbarkeit schadet ja bekanntlich nie.
Any Manica
Musik zwischen DnB, Jungle und tekkno bis hin zum Breakcore. Sein aktuelles Liveset ist in den letzten 3 Jahren entstanden, stark beeinflusst von den Widerstand Parties in Graz. Er hat schon auf zahlreichen Veranstaltungen bewiesen, dass er das Publikum zum tanzen und zum schmunzeln bringen kann. Sein eigener Style und die unverkennbare Verspieltheit seiner Musik sind smart und sympathisch zugleich. Breakcore mit Humor.Point & Santos
Von dark bis zart, von rockig bis schnulzig, von weird bis straight, movie samples und sonstige sound spheren...
Details: Drumfunk.at
In the gap schreibe ich eine monatliche Kolumne - dabei geht's mir eher um die Methode als den Inhalt. Oder besser gleich gut gesagt: eher um den Inhalt als die Methode. Meine Wrestling-Matches gegen die deutsche Sprache beschreibt Chefredakteur Thomas Weber auf der the gap Homepage imho treffend:
Ritchie Pettauer, seines Zeichens gedankenexperimenteller Wortonanist, steigt gegen sich selbst in den Ring. Dass er diesem trotzdem stets unbeschädigt entsteigt, verwundert nur vordergründig, denn letztlich ist natürlich alles a g'schobene G'schicht.
Mit der layout-technischen Inszenierung meines Geschreibsels in the gap hab ich regelmäßig große Freude - das zur Kolumne gehörige Artwork verdient daher auf jeden Fall eine eigene Gallerie. Voilá - hier eine Auswahl der zugehörigen Grafiken:
In diesem Gastbeitrag geht's um die "sexuelle Amateur-Revolution" im Internet, um fleischeslüstige Videoportale und die Freude am Exhibitionismus - der Gastautor Filmchefredakteur von the gap, wär ein idealer Gastvortragender für die Arse Electronica!
Porno-Portale wie YouPorn befördern nicht nur die Fleischeslust in unbekannte Gegenden, sie reißen auch Mauern zwischen Privatem und Öffentlichem, Laien und Profis, Artigem und Abartigem ein. Ein Schadensbericht von Markus Keuschnigg, erschienen in the gap #74/2007. Diesen Beitrag weiterlesen »
Diesmal: Die Bewegfeder der Destillusion. Oder: nichts über die Bartvorlieben der österreichischen Frauen.
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Dass die Rituale und die Symbolik des Businesslebens eine qualvolle Eigendynamik zu entfalten in der Lage sind, weiß der teilnehmende Beobachter nicht erst seit "American Psycho". Und schon so mancher wehklagte gar lauthals über die Kürze seiner openBC Kontaktliste. Non-Premium Mitglieder der weltgrößten Business-Kontaktdatenbank*, die in Kürze Xing heißen wird, wissen um die Limitiertheit aber auch, dass man dem geschenkten Gaul das Maul nicht zu weit aufreißen darf.
Wenn die Freerider schon keine Messages an andere Mitglieder verschicken können (wahrlich eine Premiumfunktion, für die man auf jedem Intranet-Bulletin-Board teuer löhnen muss - NOT!), so zeigt der Schnutinger nun wenigsten eine wahrlich sinnvolle Anwendungsweise der Profile - wie wär's mit einer Runde openBC-Quartett? Die genaue Bastelanleitung gibt's am Blog, und wer in seiner Jugend begeisterter Supertrumpf-Spieler war, der wird sich am Spieltisch sofort zuhause fühlen.
Steile Idee - und extrem ausbaufähig: wie wär's mit einem Collectible Trading Card Game inklusive Limited Editions, Turniere... neben den Protagonisten mit ihren Angriffs-/Verteidigungswerten und Boni (Marketingexperte: +50% Heiße-Luft-Schaden | Journalist: -100% Überredungskunst usw...) müsste man nur eine Reihe von Aktions- und Ortskarten einführen: wer würde seine Kartenduelle nicht lieber auf der Callcentertoilette (+50% Angriffsbonus für Callcenteragents, -20% Verteidigung für Marketingmitarbeiter) zwischen Finanzvorstand (Spezialfähigkeit: beschädige Mitarbeiterinfastruktur für drei Runden) und Portier (Schadensverzögerung: zugefügter Angriffsschaden wird erst zwei Runden später wirksam; Immunität gegen Autoritätsverhältnisse) austragen, als im Zauberwald zwischen Elf und Ork? Ah, Moment, das gibt's eh schon:

* also ca. 90 Prozent, grob geschätzt.