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Artikel-Schlagworte: „g-stone“

Blogistan Panoptikum Woche 50 2k7

Die Zeit vergeht nahezu so schnell, wie Einstein berechnet hat - und bedenkt man, dass man aus erster Hand ja nur die eigene Lebenszeit als subjektive Vergleichsmessgröße zur Hand hat, so wird der Unterschied schnell klar: für einen Zehnjährigen entspricht ein Jahr einem Zehntel seines Lebens, für einen Fünfzigjährigen nur noch einem Fünfzigstel. Kein Wunder also, dass die Jahre mit jedem Geburtstag immer rasanter dahin galoppieren - da kommt X-Mas und die damit einhergehende Besinnlichkeit gerade recht.

RIP Soul Seduction

Der ehemals größte Wiener Elektronik-Vertrieb inklusive dem legendären Black Market Shop ist nicht mehr. Am Samstag erfuhren die MitarbeiterInnen quasi in Echtzeit von der Schließung; das Ende der Seelenverführung dürfte wohl gravierenden Impact auf viele Labels haben, nicht zuletzt g-stone Recordings und Klein Records. Peter ist geschockt, Phekt hat einen Nachruf für fm4 verfasst und Martin hat ein paar interessante Gedanken zum Thema "Kommen und gehen" gesammelt.

Praise Jeebus!

Zu Weihnachten können ein paar spirituelle Kernwerte bekanntlich nicht schaden, doch in unserer Zeit der verwirrenden religiösen Multitude weiß keiner mehr, ob er in punkto Erlösung lieber auf Allah, Gott, Buddha oder seinen lokalen Schamanen setzen soll. Und nun kommt noch eine Splittergruppe hinzu, die die Wahl erschwert: die Church of Jeebus betet den einzig wahren Sohn Gottes an, denn Jesus sei ein Schwindler, sagen sie. Auf jeden Fall hat die CoC die besseren Songtexte - praise Jeebus!

Die for me Jeebus,
Eaten by crocodiles Jeebus,
I have sinned,
You have not,
So die for me Jee-ee-eebus.
Give your life for me Jeebus,
Die and come back Jeebus,
I am weak,
You are strong,
So die for me Jee-ee-eebus.

Thank you so much Jeebus,
For dying for me, Jeebus,
I am bad,
You are good,
So die for me Jee-ee-eebus.
I'll drink your blood, Jeebus,
I'll eat your flesh, Jeebus,
I taste bad,
You taste good,
So die for me Jee-ee-eebus.

Schwunghafter Handel mit Google-Konten

Wie Jermey berichtet, liegt der momentane Preis für einen Adwords Account bei 4,95 - dafür bekommt man 50 Dollar Guthaben. How'd that go?

A person could get a Virtual Credit Card for less than $10 (if not free) then use $25-$250 Adwords coupons. Here is a link for free $50 in Adwords (from Yahoo Small Business) for new accounts. So if you make a new account with a Visa Gift Card with $5 on it then use a $50 Adwords voucher x 20 accounts you have $1100 to spend and have only invested $100.

Soviel zum Thema Arbitrage und Geld aus dem Nichts generieren... wie wär's mit 500 Dollar Adword-Guthaben als Weihnachtsgeschenk? Verkauft werden die Dinger am virtuellen Punsch-Stand um die Ecke.

Lassen Sie sich hawaiianisch entspannen!

Pamela kann das, und zwar mittels zweier Massagetechniken aus der Huna-Philosophie: Lomi Lomi Nui steht für hawaiianische Körperarbeit mit viel Öl, Kahi Loa ist die Bezeichnung für die Körperarbeit mit den Elementen Feuer, Wasser, Wind, Stein, Pflanze, Mensch und Tier. Wer noch ein Last-Minute Weihnachtsgeschenk für eine/n WienerIn braucht, schickt eine E-Mail an phoenixe [at] chello.at. Ich hoff, ich kann demnächst mal aus erster Hand berichten :mrgreen:

Dirt Explosions

Damit bleibt mir nur mehr, zwei extrem weihnachtliche Videos zu präsentieren - einmal das 170kB Demo "Debris" der Gruppe Farbrausch, mehr Details dazu gibt's bei Max:

YouTube Preview Image

Und dann quasi dasselbe nochmal in naturalistisch - so schmeckt nur die Original Wiener Bombe:

YouTube Preview Image

In diesem Sinne wünsche ich ein Weihnachtsfest der explosiven Emotionen und unbrennbaren Tannenbäume - mehr zum datenschmutz X-Mas Special gibt's dann morgingentags.

CD-Verlosung: Rodney Hunter – Hunterville

27. November 2007bis9. Dezember 2007

rodney hunterAnfang November veröffentlichte Rodney Hunter sein zweites Soloalbum auf g-stone. "Hunterville" entwickelt den zeitlosen Funk-Groove Grundtenor des Debutalbums "Hunter Files" geschickt weiter: die neuen Tunes kommen ebenso dancefloor- wie wohnzimmertauglich daher. Bei datenschmutz gibt's "Hunterville" zweimal auf CD zu gewinnen - Hip Hop Fans, Funk-Afficionados und Groove-Enthusiasten willkommen - wer gewinnen möchte, hinterlässt einen Kommentar zu dieser Story.

Nach seinem ersten g-stone Release zog Rodney nach Berlin - aus der geplanten Kreativpause wurde dank des großen Interesses an den Hunter Files allerdings nichts: Europa- und US-Touren folgten, und die Erfahrungen mit den verschiedenen lokalen Szenen spiegeln sich am neuen Album deutlich wieder. "Hunterville" empfiehlt sich mit seinen laid-back, funky Tunes für Groovejunkies und Hip Hop Heads gleichermaßen.

Hunterville Gewinnspiel

datenschmutz verlost zweimal Hunterville auf CD - wer gewinnen möchte, hinterlässt wie üblich einfach einen Kommentar zu dieser Story. Bonusrunde: wer selbst ein Blog schreibt und dort die 8K Verlosung ankündigt und verlinkt, bekommt ein zweites Los für die Ziehung und hat damit doppelt so hohe Gewinnchancen!
Bitte unbedingt eine korrekte E-Mail Adresse eintragen, sonst sonst klappt's nicht mit der Gewinnverständigung. Das Gewinnspiel endet am 9. Dezember. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen, die Preise können nicht in bar abgelöst werden. Im Übrigen gelten die Standard Teilnahmebedingungen für datenschmutz Gewinnspiele.

Die Hunterville-Story

hunter3Reisen bildet auch musikalisch, und die von leeren Kilometern kann fortbildungstechnisch nicht die Rede sein, erklärt Rodney: "In Miami und San Francisco sind schnellere Beats angesagt, im Rest der USA wird in den Clubs eher Downbeat gespielt - man neigt ja dazu zu glauben, dass musikalische Trends weltweit ähnlich sind, aber in Wahrheit gibt's da sehr große Unterschiede. Ich habe versucht, die verschiedenen Stile und Infos zu synthetisieren und sie sozusagen 'in mein Regelbuch eingetragen'."

hunter2Trotz aller Erweiterung des Spektrums bleibt "Hunterville" der Produktionsweise und dem Groove-Appeal zeitgenössischer amerikanischer R&B Produktionen treu, aber Soundeinflüsse aus verschiedenen elektronischen Genres sorgen für Abwechslung. Ans Mikrofon lud der Produzent sowohl alte G-Stone Bekannte wie Earl Zinger und Ken Cesar, aber auch für g-stone neue Stimmen wie Zeebo und dem französischen Shootingstar Jay Sebag. "In Wien bin ich es gewohnt, den ganzen Tag im Studio zu sitzen - in Berlin gab's einerseits mehr Ablenkung, andererseits fehlte mir mein Umfeld dann doch. Seit dieser Zeit sehe ich Wien allerdings recht anders - die Stadt ist für mich ein angenehmer Ruhepol," erklärt Rodney die Gründe für die Rückkehr in die Stadt, in der österreichische Musikgeschichte mitschrieb: zu Beginn als Bassist bei der Mordbuben AG, später gemeinsam mit DJ DSL, Peter Kruder und Sugar B als Mitglied der legendären Moreaus belieferte er jahrelang unter anderem die Aphrodelics und DJ Tomekk mit Hit-Rohmaterial - die erfolgreichen Tunes brachten Uptight Productions schließlich sogar eine Grammy-Nominierung ein.

Es wird der Adobe Flash Player benötigt und im Browser muss Javascript aktiviert sein..

Feelgood-Elektronik und entspannte Scientists-Musik gehörte schon immer zu den Markenzeichen des Uptight Labels, das Rodney Hunter gemeinsam mit Werner Geier liebevoll zu einer Basisstation der Wiener Elektronikszene auf- und ausbaute. "Hunterville" weicht noch weiter von Hip Hop Pfaden ab als der Vorgänger - der Wandel vom Beatproduzenten zum elektronischen Songwriter ist geglückt und dürfte den Kreis der Fans beträchtlich erweitern.

Verlosung: 2 Tickets für Sven Väth + Olive Mix-CD

18. Oktober 2007bis23. Oktober 2007

sven vaethAm 25. Oktober feiert Techno-Legende Sven Väth in der Ottakringer Brauerei seinen Geburtstag im Rahmen der Eventreihe "Essence". datenschmutz verlost 1x2 Eintrittskarten für die Party sowie einmal die aktuelle Mix-CD "Olive" von Electric Indigo und Crazy Sonic. Wer einen der beiden Preise gewinnen möchte, schreibt einfach einen Kommentar zu dieser Story. Auf drei Floors wartet technoide Beschallung vom feinsten - und die Ottakringer Brauerei ist allemal einen Besuch wert - zumindest geht dort das Bier wohl niemals aus :mrgreen:

www.conrad.de

Eine Registrierung ist dazu nicht erforderlich - aber bitte die richtige E-Mail Adresse angeben, sonst wird's nix mit der Gewinnverständigung. Wer am 25. nicht in Wien weilt und daher nicht in die Ottakringer Brauerei kommen kann, aber trotzdem gerne die CD haben möchte, möge dies in seinem Kommentar vermerken! Hier geht's zu den genauen Teilnahmebedingungen.

Das Gewinnspiel endet am 23. Oktober. An diesem Tag wird auch die/der GewinnerIn der Freikarten via E-Mail informiert.

Urban Artforms: Essence mit Sven Väth

Sven Väth wird an diesem Abend hinter den Turntables nicht allein feiern: Philipp Straub, Crazy Sonic und Peter Kruder (dessen Techno-Sets mittlerweile legendär sind und mir persönlich weit besser gefallen als der frühere K&D Downbeat Style) unterstützen den Betreiber des Cocoon Club.

Der Hauptact blickt auf ein ausgesprochen bewegtes Techno-Leben zurück: geboren am 26.10.1964 in der Nähe von Frankfurt, war Väth bereits in den späten achtziger Jahren mit Hits wie "Electric Salsa" in den Charts vertreten. Später folgen zahllose Techno-Produktionen, der Amnesia Club in Ibiza und vor allem das Cocoon-"Imperium", einem Konglomerat aus Hi-Bro Club, Booking Agentur, Radioshow, Merchandise, Labels und Restaurants. Sven Väth beweist mit seinem langfristigen Erfolg, dass er nicht nur ein Gespür für die richtigen Beats und eine Faible für Hedonismus und ausgefallene Feierei hat, sondern zeigt sich auch als erfolgreicher Geschäftsmann, der in Zeiten einer untergehenden Popindustrie Synergie-Effekte perfekt auszunutzen weiß. Am DJing hat der Mann ganz offensichtlich in all den Jahren nie den Spaß verloren, ein Väth-Geburtstagsset garantiert Qualität.

Insgesamt hat die Partycrowd in der Ottakringer Brauerei die freie Wahl zwischen drei Floors:

Floor 1: Sven Väth (Cocoon), Philipp Straub (PS Recordings), HOT-X (Deadcode)
Floor 2 - hosted by Crazy: Peter Kruder (G-Stone), Crazy Sonic (Flex Schallplatten), Patrick Testor (spätvorstellung), Fauna (Flex)
Floor 3 - Lounge hosted by koma.beach: SirSchranzelot (komakollektiv), Kayoz (shellbeach), Nicolas Bacher (nb records)

electric indigo - oliveIm Vorverkauf kosten die Tickets 20 Euro, an der Abendkasse 25. Mehr Infos gibt's unter Urbanartforms.com. Wer sich also den Eintritt sparen möchte, hinterlässt einen Kommentar zu dieser Story. Unter allen TeilnehmerInnen wird zusätzlich einmal die brandaktuelle Mix-CD "Olive" von Crazy Sonic und Electric Indigo verlost. Das Tracklisting sieht folgendermaßen aus:

  1. Pele - Childhoods end Hans
  2. Staudinger - Now and Then
  3. Trentemöller - Moan
  4. Guy Gerber & Shlomi Aber - My Space
  5. Anthony Rother vs. Beliayeva - Roses
  6. Samuel - Klap Klao (Instrumental)
  7. Paul Kalkbrenner - Ick muss aus dit milieu raus
  8. Marco Carola - Apnea
  9. Catekk - Funny little clouds
  10. Brendon Moeller - Pink Noise
  11. Camea - Wire Tap
  12. Eltron - Track A
  13. Marcel Dettmann - Shena / T++ Remix
  14. Electric Indigo - Gorodok
  15. Plan Tec - Espias Psiquicios / Jonas Kopp Remix
  16. Frankie - Dig It All
  17. Housemeister - Bubblegun
  18. Audion - I Gave You Away
  19. STP - The Fall / Original Mix

Wer also gewinnen will, schreibt zu diesem Beitrag bis zum Dienstag, 23. Oktober, einen Kommentar zu dieser Story. Für die GewinnerInnen-Ziehung ist wie immer die datenschmutz-Abteilung Glücksfeen im Team mit König Zufall verantwortlich. Vielen Dank an Birgit und an Urban Artforms - und allen TeilnehmerInnen viel Glück beim Gewinnspiel!

Die zwei ungleichen Teile der Musik (von Werner Reiter)

musikdiskussionAm 2. April erklärte EMI nach einem Rückzieher im Februar, endlich doch Musikdownloadservices mit Song-Files ohne Kopierschutz zu beliefern. Dieser von einer Major-Plattenfirma gesetzte Schritt lindert immerhin ein Symptom einer tief greifenden Krise der Musikindustrie. the gap hat zur Expertendiskussion geladen, um das gesamte Ausmaß der Krise zu beleuchten und mögliche Auswege zu skizzieren. Daraus resultierte die folgende Zusammenfassung von zwei Stunden angeregter Unterhaltung in den heiligen Hallen des monopol-Medienimperiums. Erstmalig erschienen in: the gap #76, Mai 2007.

Wie bereits zum Thema Web 2.0 hat Werner Reiter zur Exploration der komplexen Materie "Die Musik und der Kopierschutz" eine illustre Runde eingeladen - leider wollte partout kein Vertreter eines Major Labels auftauchen - alle wesentlichen Aspekte des Themaskamen dennoch zur Sprache. Et voilà - für datenschmutz Leser hier der Artikel aus the gap im Volltext. Demnächst ereignet sich übrigens das gleich grausame Spiel nach demselben Muster - wobei die Themen Web 2.0, Google und Informationsmonopole in den Fokus der nächsten Runde rücken.

Die Diskussionsrunde

Niko Alm
Herausgeber the gap
www.thegap.at

Roland Alton-Scheidl
Vorsitzender creativ wirtschaft austria, Fachhochschule Vorarlberg, OSalliance
www.alton.at/roland

Philipp Dorfmeister
G-Stone Recordings Vertreter Online, Ordis - Soulseduction Digital Distribution, Soulseduction.com
www.soulseduction.com und www.g-stoned.com

Florian Hufsky
Bundessprecher der Piratenpartei Österreichs
www.ppoe.or.at

Ritchie Pettauer
Journalist und Medienwissenschaftler
blog.datenschmutz.net

Ravissa
DJane und Produzentin
www.doorbitch.nu

K. Flo Schneider
Geschäftsführer McShark, Betreiber des eingestellten radio:))mcshark
www.mcshark.at

Christian Untersteiner
Head of Product Management ONE
www.onelovesmusic.at

Die Musikindustrie klagt seit Jahren über rückläufige Umsätze. Die Erlöse aus Downloads sind 2006 zwar weiter gestiegen, machen aber verglichen mit den 85% des Hauptumsatzträgers CD noch immer einen verschwindend geringen Anteil aus. Die big 4 (Universal, SonyBMG, Warner und EMI) halten 70% des Marktes und bestimmen damit die Regeln des Business. Und die waren in den letzten Jahren geprägt von einem sklavischen Festhalten an technischen Hürden, die das Kopieren von Files erschweren, einer Hetzkampagne gegen Tauschbörsenbenutzer, die in weltweit 30.000 Verfahren gemündet ist und von Versuchen klassische Distributionsmodelle auf das Internet zu übertragen.

Apple hat es mit iTunes als einziges Online Angebot geschafft auch wirtschaftliche Relevanz zu erlangen. In den letzten Monaten kam Apple immer mehr unter Beschuss. Einerseits weil das angewandte DRM Verfahren nur erlaubt, dass gekaufte Musikstücke ausschließlich am iPod bzw. auf PCs abgespielt werden können und andererseits weil Apple die regionalisierte Preispolitik der Labels auch im Internet umsetzte.

Steve Jobs ergriff die Flucht nach vorne und publizierte im Februar einen offenen Brief, in dem er Apple als Opfer dieser Entwicklungen darstellte und sich ganz klar gegen DRM aussprach. Das dürfte letztlich dazu geführt haben, dass EMI nach langem Zögern jetzt doch Musik ohne DRM anbieten wird - wenngleich zu einem höheren Preis. Dass die DRM freien Stücke auch in einer besseren Qualität vorliegen, mag als Verkaufsargument durchgehen, die Masse der Konsumenten wird den Unterschied aber kaum hören.

Die ungleichen Seiten der Medaille

In seinem Eröffnungsstatement meint Christian Untersteiner, Head of Product Management bei ONE, dass Musik emotionalisiert wie sonst kaum etwas. So wird die Diskussion in den Redaktionsräumen des gap sehr emotional geführt, und vor allem die ungleichen Teile des Gesamtsystems Musik werden mit Leidenschaft diskutiert. Da gibt es nicht nur ein Ungleichgewicht zwischen den recht unbeweglichen Majors und den Indies, die ums Überleben kämpfen und ihre erfolgreichen Acts nach jahrelanger Aufbauarbeit nicht selten an die Großen abgeben müssen.

Auch die Nutzer lassen sich einteilen in die Massen, die nur das kaufen, wo Ö3 sie hinführt und die Afficionados, die sich intensiv mit Musik beschäftigen. Dass klassisches Marketing immer auf die Masse abzielt, liegt in der Natur der Sache. Philipp Dorfmeister von G-Stone und Soulseduction meint auch, dass DRM geschützte Musik, die mit etwas PC Kenntnissen relativ leicht (und für private Zwecke auch legal) vom Kopierschutz befreit werden kann, die 95% davon abhält das zu tun, weil es ihnen zu mühsam ist. Und schließlich die Musiker, die zum größten Teil ihre Nutzungsrechte an Labels und Verwertungsgesellschaften abgeben anstatt sich selbst mit alternativen Vertriebsformen oder mit Lizenzierungsmodellen wie etwa Creative Commons auseinanderzusetzen.

Zitate aus der Diskussion

DRM ist nur dazu gedacht die 95% der Leute, die sich nicht damit beschäftigen wollen, davon abzuhalten ihre Files sofort zu kopieren. Philipp Dorfmeister über die relative Nutzlosigkeit von Kopierschutz

Die Verwertungsgesellschaften sind noch nicht in diesem Jahrtausend angekommen. Roland Alton-Scheidl über Zeitlöcher

Beim Online Musikbusiness stehen einfach zu viele in der Value Chain. So kommen die absurden Marktpreise zustande. Christian Untersteiner über die Komplexität des Business

Die Vorselektion die Labels für den Konsumenten machen ist absolut wichtig. Flo Schneider über die Notwendigkeit von Labels als Identitätsstifter

Die Angst, dass es keine Musik mehr gibt wenn alle Majors pleite gehen, kann ich nicht teilen. Ritchie Pettauer über den kulturellen Wert von Musik

Endlich ist Musik dort angelangt, wo andere Produkte schon sind. Was zählt ist die Verpackung. Niko Alm über ein neues Verständnis der Revenuemodelle

Das schnelle Finden und Konsumieren von Musik und die Social Networking Möglichkeiten machen das Wesen von Musik im Internet aus. Florian Hufsky über das Primat der Convenience

Selbst wenn ich große Releases hätte und massiv verkaufen würde, ich würde DRM nicht für nötig halten. Ravissa über Dinge, von denen sie wenig hält

Astronomische Preise und unnötig hohe Komplexität

Die landläufige Meinung besagt, dass Online Vertrieb immaterieller Güter wie Musikfiles bedeutend günstiger sein müsste als die Produktion und der Vertrieb von CDs. Wer sich aber damit auseinandersetzen muss, merkt schnell, dass das Gegenteil der Fall ist. Aufgrund der mangelnden Standardisierung der Musikplattformen, der unterschiedlichen Fileformate und der Vielzahl an DRM Systemen hat sich die Komplexität in der Produktion und der Logistikaufwand im Vergleich zum physischen Vertrieb nicht verringert.

Soulseduction etwa liefert 22 Formate für Pre-Listening und 24 Formate der eigentlichen Files an unterschiedlichste Plattformen. Die logistische Herausforderung besteht dann darin, einen Track zum Releasezeitpunkt auf allen Plattformen online zu haben. Vor allem für kleinere Labels oder gar für Künstler selbst ist das nicht zu bewerkstelligen und die Plattformbetreiber weigern sich, Verträge mit Kleinstanbietern abzuschließen. Damit werden Aggregatoren als zusätzliches Glied in die Kette gefügt und schon gibt es wieder einen Player mehr, der am Kuchen mitnaschen will.

DRM abschaffen oder bessere Alternativen finden?

In der Diskussion will sich niemand lange damit aufhalten, die Argumente gegen die Vielzahl an DRM Lösungen erneut aufzuwärmen. Interessanterweise zeigen zumindest manche Verständnis für die Notwendigkeit des Kopierschutzes. Dass die mangelnde Standardisierung und die damit verbundene Inkompatibilität nicht unbedingt zum Glück der Konsumenten beiträgt, ist allerdings Common Sense. Roland Alton-Scheidl, der sich um die Einführung von Creative Commons in Österreich verdient gemacht hat, skizziert zwei mögliche Ansätze.

Ersterer ist eigentlich nur eine Vorstufe zu DRM: Das von ihm mitentwickelte System Registered Commons ist ein digitaler Zeitstempel, der einerseits das Veröffentlichungsdatum von Inhalten und andererseits gesicherte Informationen über den Urheber liefern kann. Dieser kann für Creative Commons Lizenzen aber auch andere angewendet werden. Die zweite Lösung weist etwas weiter in die Zukunft: Ein DRM System auf Open Source Basis soll die erhoffte Standardisierung bringen und gleichzeitig auch den Rechteinhabern die Möglichkeit eröffnen, selbst die Nutzungsbedingungen und die Businessmodelle festzulegen. Bis dahin ist es mit Sicherheit noch ein weiter Weg. Selbst wenn das System den Durchbruch nicht schafft, wird die Industrie viel davon lernen können.

Musik genießen oder besitzen?

Die etablierte Diskussion um Musik im Internet dreht sich meist um den Kauf von Dateien und die mehr oder weniger eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten. Dabei drängen längst Services wie etwa Last.fm auf den Markt, die den individuellen Musikgeschmack bedienen, indem sie die Musik als Streams anbieten. Andere wie phling! setzen darauf, die Musiksammlung auf der eigenen Festplatte via Streams auf connected Devices zu bringen. Hinter den meisten der neueren Modelle steht eine Flatrate, die den Kunden die Convenience bietet, Musik zu kontrollierbaren Kosten zu konsumieren, ohne sich um Kompatibilität und DRM Gedanken machen zu müssen. Insgesamt findet die Runde Gefallen an Flat-Rate Modellen wie auch immer der Service dahinter genau aussieht.

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Flo Schneider von McShark bringt die Kernforderung auf den Punkt: Gerecht kann das nur sein, wenn diejenigen das Geld bekommen, deren Musik er konsumiert hat. Florian Hufsky sieht den Besitzbegriff noch unter einem anderen Aspekt: SellABand etwa ermöglicht Nutzern, Anteile an jungen Bands oder Musikern zu kaufen. Übersteigen die gekauften Anteile $50.000 erhalten die Musiker eine Studioaufnahme und werden von einem erfahrenen A&R begleitet.

Rechteverwerter mit der Gießkanne

Ob Fairsharing, Leermedienabgabe oder Content-Flatrate: Es braucht Institutionen, die sich darum kümmern, dass die Einnahmen wieder an die Kreativschaffenden zurückfließen. Die nennen sich Verwertungsgesellschaften und haben die aktuellen Entwicklungen noch gründlicher verschlafen als die Musikindustrie. Der Löwenanteil ihrer Einnahmen fließt an Künstler, die in den klassischen Kanälen hohe Verkaufszahlen oder gutes Airplay haben.

Der Verteilungsschlüssel ist zum größten Teil aber intransparent und in Österreich wird anders als etwa in Frankreich nur ein kleiner Prozentsatz für Kulturförderung oder die Forschung ausgegeben. So sehr sich die Diskussionsteilnehmer hier eine Erneuerung wünschen, so skeptisch sind sie, dass die in absehbarer Zeit kommt. Vor allem die, die wie Ritchie Pettauer bei lion.cc schon Online Musikservices mit Verwertern abgerechnet haben.

Wofür zahlen wir?

Zu Ende der Diskussion bringt Niko Alm die These, dass die Kunden ohnehin schon lange nicht mehr für die Musik zahlen, sondern für die Convenience, ein Album in der Hand zu halten, oder sie bequem im Internet zu finden und einfach konsumieren zu können. Noch weiter: Auch die Einnahmequellen der Musiker sind nur zu einem geringen Teil die Verkäufe von Files, Platten oder CDs, sondern aus Konzerten, Merchandising oder aus Werbeverträgen, wie etwa der von Madonna bei H&M. Musik ist zwar der Kristallisationspunkt und Inhalt, die Revenuemodelle sind aber andere. Ravissa kann das nur bestätigen. Sie ist hauptberuflich Künstlerin, lebt allerdings von Auftritten, Veranstaltungen und DJ Workshops. Bei den großen Acts ist das nicht viel anders. Vielleicht sollten etliche Player im System ihre Welt neu denken.

Ausgewählte Internet Musikdienste, die in der Diskussion erwähnt wurden

Amie Street
Musiker können hier selbst Musik einstellen. Der Kaufpreispreis erhöht sich mit der Anzahl der Downloads bis zu 98 Cents.
amie.st

eMusic
Amerikanischer Music Store, der das Subscriptionmodell recht erfolgreich umgesetzt hat. Stand März: 250.000 Subscriber und ein Katalog von 2 Millionen Tracks.
www.emusic.com

Jamendo
Offene Musikplattform für Musik unter Creative Commons Lizenzen. Die Downloads sind kostenlos.
www.jamendo.com

Last.fm
In seinem Selbstverständnis eine "personalized online radio station". Das Erfolgsrezept besteht in dem Matching von Userprofilen und den daraus generierten Wiedergabelisten.
www.last.fm bzw. www.lastfm.de

phling!
Eine Anwendung für Handys, die den online Zugriff auf Files auf der Festplatte zu Hause erlaubt.
www.phling.com

SellABand
Promotionplattform für unbekannte Musiker. Die Community erwirbt Anteile. Wenn $50.000 erreicht sind, bekommt die Band ihre erste Aufnahme samt CD.
www.sellaband.com

Interview: Makossa und Megablast – Kunuaka

Kunuaka-CoverMakossa und Megablast zelebrieren auf "Kunuaka" Afro-Dub-Club Fusion mit variantenreichen Gast-VokalistInnen, und die Freundlichkeit kehrt zurück in den Club - hyperesistent und mit Potential zum Klassiker. Für the gap #75 hab ich mit den zwei langjährigen Protagonisten über die Entstehung des Projekts gesprochen.

Dass nach so vielen Jahren elektronischer Musikgeschichte noch immer nicht mehr Input aus Österreich den Weg an die Spitzen der internationalen Dancefloor-Charts schafft, verwundert Makossa nach wie vor. Der Musikchef von FM4 hat diesbezüglich keine systematischen blinden Flecken - anders als manche Pop-Doku-Produzenten Duos, die im Fünfjahrestakt nicht müde werden, die internationale Pop-Geltung unser idyllischen Kleinstaates zu beschwören. "Ein Radioprogramm nur mit einheimischer Musik - das wäre toll, aber wenn man auf gewissen Qualitätsmaßstäbe wert legt, würden sich die Nummern schon nach wenigen Stunden wiederholen," fast MM die eher traurige Bilanz hiesiger konkurrenzreifer Elektronik zusammen.

Ein Handvoll Tracks mehr für eine solche hypotethische rot-weiß-rote Rotation liefert der wohl dienstälteste DJ Östereichs (1983, da gab's noch gar kein europäisches Berufsbild "Plattendreher") gemeinsam mit Megablast nun selbst. Die Zusammenarbeit der beiden begann mit dem gemeinsamen Remixen eines Tracks für das Afro Art Label - von einem Longplayer war damals noch keine konkrete Rede. g-stone indes zeigte sich interessiert an einem Longplayer - und in der Tat fügt sich Kunuaka relativ nahtlos in die Release-Policy des erfolgreichsten Wiener Elektronik-Labels. M+M bringen die Freundlichkeit in den Club (zurück): nach dem Re-Import von Hip Hop Gangsta-Attitude via Grime/Dub/Step, nach 80ies-Electro Clash Remixes und trötenden Minimal Basslines, nach totaler Drumandbass und Goa Stagnation scheint's generell wieder etwas dubbiger und langsamer zu werden auf den Dancefloors dieses Planeten.

Schon lange im Dienst

Nach der Schule begann Markus Makossa im Plattenladen zu arbeiten, später dann bei Warner Musik. 1992 startete bei Ö3 seine Radiokarriere, '95 wechselte er zu FM4, wo er als Musikchef inzwischen den popkulturellen Ösi-Geschmack der jüngeren Generation mitenscheidend prägt. Megablast begann seine aktive Musikkarrieren in den Untiefen österreichischen Hip Hop Schaffens: Gründungsmitglied von Schönheitsfehler anno 1991, DJ, Luv Lite Massive Initiator langjähriger Dub Club Resident - und Produzent mit Releaes unter anderem auf Libro's verschiedenem Intonation-Experiment, Stereo Deluxe und Afro Art.

"Wir möchten im Studio das beste aus den Vokalists rausholen," erklärt Makossa bescheiden den quasi sokratischen Ansatz der beiden arbeitsteiligen Studio-Wizard.s Megablast, der Technik Fuchs, und Makossa, der Melodiebastler, schielen mit einem Auge auf den Club, produzieren aber Tracks, die großteils auch niemandem aus dem Wohnzimmer vergraulen. Fela Kuti, Cosmic, Afro-Dub - an den beiden Produzenten sind im Lauf der Jahre eine Menge Styles vorübergezogen, und viele davon nicht spurlos. Megablast bringt's auf den Punk: "Kunuaka klingt weder halt noch neu, weder Hi-Tech noch komplett analog." Semidigitalität mit einer Prise analoger Tube Warmth - und so gar nicht nach Zielgruppe kalkuliert. "Die Fusion der verschiedenen Stile verleiht dem ganzen einen gewissen Pop-Appeal, die Tunes habe Songcharakter und zielen keineswegs nur auf eine bestimmte," erklärt Makossa die wohl unausweichlichen Folgen jahrelangen Plattenselektierens.

Wer anders macht's nicht für dich

Dass man mit Albumverkäufen keine Yacht erwirtschaftet, dürfte inzwischen allen Musikschaffenden klar geworden sein. Wenn der Traum vom Geld von obsolet geworden ist, so bleibt aber wenigstens der vom Ruhm - und hier schätzen die beiden Protagonisten die Vorteile der Web-2-nulligen Kommunikationsmedien. "MySpace ist eine riesige Party, wo man sich weltweit mit den richtigen Leuten connecten kann. Noch vor zehn Jahren war das ungleich komplizierter." Das Internet als kultureller Katalysator, als riesige Linkmaschine, die nicht Hypertexte, sondern Gleichgesinnte verbreitet: Megablast verbringt täglich einige Stunden online, die Reaktionen auf Kunuaka sind bisher viefältig: der Posteingang füllt sich mit Remix- und Bookinganfragen, ein zweiter Longplayer befindet sich bereits in Planung.

CD-Review: Marsmobil – Minx

Minx-CoverMit Minx vereint Roberto Di Gioia Rück- und Vorwärtsgewandtheit zu einem Sammelsurium organischer Klänge, das beiden beteiligten Labels zu höchster Ehre gereicht: denn die Klangteppiche, sich hier ausbreiten, sind von bester Qualität und äußerst feinmaschig gewoben. Marsmobil bedient sich zwar stilsicher und kenntnisreich an der trashigen Klang-Ästhetik der 60er und 70er Jahre Synthies, führt diese allerdings mit kontemporären Produktionsmitteln und einem außergewöhnlichen Gespür für Songwriting fort. Diesen Beitrag weiterlesen »

CD-Review: Stereotyp – My Sound

Weil dieser Tage Stereotyps zweites Album "Keepin' me" erscheint, hier der Reprint meines Artikels über Stefans Debutalbum "My Sound". (erschienen 2004 in the gap).

 

Stereotyp: Clubmusic 3.0

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"My Sound" von Stereotyp aka Stefan Moerth verbindet Dancehall, Drum'n'Base, Soul und Funk zu einem Fusion-Sound, der vielleicht nicht den einzigen Weg in die Clubkultur des 3. Jahrtausends weist - aber den weitaus sympathischsten.

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CD-Review: Stereotyp – Keepin’ me

Stereotyp aka Stefan Mörth hat sein neues Album "Keepin' me" auf g-stone veröffentlicht. Ich halte ihn für einen der spannendsten Wiener Elektronik-Produzenten und bin Fan seit seinem Debutalbum "My Sound".
Hier die noch nicht mal druckfrische Rezension der neuen Platte, die im kommenden the gap erscheinen wird. Und aus gegebenem Anlass gibt's hier auch ein "Reprint" des Features, das ich im Juli 2004 über Stereotyps Debut "My Sound" geschrieben habe. (erschienen in the gap). Man sieht daran außerdem: das In-Series PlugIn verrichtet nützliche Dienste.

 

Ein guter Jahrgang

"My Sound" zeigte vor vier Jahren paradigmatisch die Richtung des Stereotyp-Sounds an. Mit seinem neuen Album rockt Stefan Mörth wesentlich subtiler: "Keepin' me" braucht Aufmerksamkeit, aber die wird mit zahllosen wohligen Soul-Schauern bedankt.

Keepin' me Pressebilder:

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