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Artikel-Schlagworte: „GEMA“

24/7 im Vernis Magazin

247Eine nicht näher genannt werden sollen- und wollende Musikjournalistenkollegin hatte die unvorstellbare Ehre, für die kürzlich erschienene 4. Ausgabe des modischen Vernis Magazins ein Interview einem der mysteriösesten Produzentenkollektive aller Zeiten zu führen. datenschmutz erhielt von mindestens 52% der wahlberechtigten Lizenz-Leistungsempfänger gegen eine nicht näher bezifferte Summe die exklusive Erlaubnis zum Online-Abdruck.

In dem mysteriösen, sehr bild- und wenig textlastigen Magazin geht's um "Art, Fashion and Music" - in der roten Bar des Volkstheaters fand vorige Woche die Präsentation statt, durchwegs bei gemäßigter Lautstärke. Aber darum geht's hier gar nicht, sondern um ein Produzentenkollektiv, das seit den frühen 30er Jahren die elektronische (bzw. damals noch elektrische) Musikszene unsicher macht(e) - zumindest einigen der MitgliederInnen wird extraterrestrischer Ursprung vorgeworfen. Andere Gerüchte besagen, dass Atom Heart, The KLF und syncmode durch Zellteilung aus einer organischen Kabelummantelung des ersten 24/7 Analog-Samplers entstanden sind. Mit Sicherheit wissen wir nur, dass A Guy called Geralds legendäres "Dark Secret Technologies" Album mindestens zwei Patchkabel aus 24/7s Beständen für das finale Mastering benutzte.

Nach jahrzehntelanger Release-Pause treten the 24/7 aus dem gleißenden Licht des Underground erneut in den Schatten der internationalen Popwelt. Ihre Tracks tragen Titel wie "Evil Giraffe", "Cosmic Bottle", "Non-Corporate Identity" oder "Rokkoko Robot" - ihren Sound bezeichnen sie mangels Alternativen als " Live Electronics / Christian Rap / New Wave" oder "Advanced Psychoshopping Music". Wer das Nachfolgende nicht lesen will, muss hören - denn über Architektur tanzen ist bekanntlich dasselbe wie über Texte musizieren. Oder so. Hörproben:
http://www.myspace.com/the2

Interview mit the 24/7

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?: Der vierundzwanzigsiebte Raum?

the 24/7: Die bislang avanciertesten Technik, um Produzenten zu trainieren. Ausschließlich mündlich und über Körperflüssigkeiten weitergegeben in einem geheimen Kloster in Südtibet. An die unmenschlichen Anstrengungen, die wir auf uns nehmen mussten, um Kammer #4 - "Advanced psycho shopping musicâ„¢", können wir uns immer noch lebhaft erinnern.

?: Auf Ihrem Myspace profil passen Ihre aufgeführten Einflüsse in kein Schema. Warum? Warum nicht?

!: Um genau zu sein: Missbrauch, Snaredrums und Tee sind unsere Haupteinflüsse. Man kann keinen stringenten Stiel durchbiegen, wenn dauernd irgendwelche Persönlichkeitsfragmente darüber streiten, ob blonde oder schwarzhaarige Basslines hotter sind. Manche können sich Anwälte leisten, andere schicken nach Feierabend ihre Schlägerfreunde aus der Matrosenkneipe vorbei und lassen alles kurz und klein hauen. Wie soll man da im Nachhinein noch jemals feststellen, wer so etwas wie die Oberhoheit über so etwas wie ein Arrangement hatte? Alles kann passieren, alles muss passieren, nichts darf nicht passieren, kurz gesagt. Das Ergebnis ist aber stets eine komplexe Mischung aus unverortbaren Einflüssen und der gängigen Rechtssprechungspraxis des jeweiligen Landes.

?: Was geschah damals mit the24seven?

!: Wir alle leiden unter einer ganz speziellen Art von Persönlichkeitsstörung. Während die eine Hälfte/der eine Teil des Duos versucht, sich selbst zu einem singulären Bassisten zu lobotomisieren, wurden die anderen Teile im Lauf der Jahre vollständig entrückt. Ein Teil von the24seven ist noch immer in jener magischen Lampe in einem Kloster in Tibet eingeschlossen, an der kein Mönch jemals seine Kutte reiben wird, doch die andere Hälfte hat sich aufgemacht, die musikalischen Schätze dieser Welt zu erobern. 90 Jahre harte Schulung bei einer jungfräulichen Äbtin reichten aus, um tief in die Geheimnisse des Christian Rap einzutauchen. Vor kurzem hielten the24seven ein Meeting in der Betty Fnord Klinik ab, wo sich alle derzeit frei verfügbaren Persönlichkeitsmomente für einen unmessbar kurzen Augenblick zusammentaten, um die unterschätzteste New Wave Band der Welt zu binden. Einen Augenblick lang wurde das Ergebnis auf jedem Digital Culture Festival des bekannten Universums ausgestellt. Gestern allerdings wurde die Fortführung des Plans effektiv von zwei mächtigen Persönlichkeitsfragmenten, deren genaue Identität im Dunkel liegt, die allerdings 51% der Anteile halten, zunichte gemacht.
Unwiederherrettbare Opfer wollten gebracht, unvorstellbare Anstrengungen auf sich selbst genommen werden, um dem Teufel die Seele zweier Anwälte vor der Vertragslaufzeit zurückzugeben, obwohl die Garantiefrist bereits abgelaufen war. Das Ergebnis lässt nicht nur den Interviews unbefriedigt zurück, sondern zieht seine tropfnasse Spur jeden Tag weiter ein Stück in eine dominierte Zukunft. Auf wessen Geheiß? fragt der Florist.

?: Töne erschweren alles, wie kann der Produzent von heute überhaupt ein Liedchen beenden?

!: Das ist eher eine... wer zum Teufel bist du eigentlich... zum Beispiel war the24seven letzten Samstag im Studio, um neues Material aufzunehmen. Zwei Drittel des Duos waren begeistern und bereit, auf alles reinzukippen um diese elenden Psycho Shopping Musicâ„¢ Ohrwürmer wieder los zu werden. Die verbleibenden zwei Fünftel stecken ihren Kopf eine Einkaufstasche voller Patchkabel und entzogen damit dem produktiven Teil des Duos die so dringend notwendige Atemluft. So gut wie alle Tracks wurden geteert, gefedert und anschließend gevierteilt - eine einzige Nummer konnte unter den schwelenden Resten des Scheiterhaufens mehr oder weniger unversehrt und gegen ihren Willen gerettet werden. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an die Freiwillige Feuerwehr von Mistelbach!

?: O.K.? ... was?

!: Mischen Sie uns bitte nicht mit den Getränken, die Wasser enthalten!

?: Was über die Zukunft von the24seven?

!: Also erstmal möchten wir alle wieder raus aus der Klinik und ein wenig auf den geraden Weg zurück - zum ersten Mal. Viele Nummern werden folgen, veröffentlichte, unveröffentlichte, wiederveröffentlichte... wir befürchten massive Feedbackschleifen sowohl von Club-PAs als auch Publiken rund um die Welt.

?: Auf der neuesten Louie Austen EP haben Sie einen der Produzenten gutgeschrieben. Oder?

!: Jein und ja. Alle von uns und ganz besonders jeder einzelnen hatte keinerlei Kontrolle darüber, was in den einzelnen Phasen des Projekts geschah. Die anderen verklagten uns... wir klagten zurück... und plötzlich war der Track draußen. Irgendwie mögen wir alle ihn, er erinnert uns an knack-blaue Minz-Erdbeerdrinks in viel zu exklusiven Schweizer Chalet-Clübs.

Die zwei ungleichen Teile der Musik (von Werner Reiter)

musikdiskussionAm 2. April erklärte EMI nach einem Rückzieher im Februar, endlich doch Musikdownloadservices mit Song-Files ohne Kopierschutz zu beliefern. Dieser von einer Major-Plattenfirma gesetzte Schritt lindert immerhin ein Symptom einer tief greifenden Krise der Musikindustrie. the gap hat zur Expertendiskussion geladen, um das gesamte Ausmaß der Krise zu beleuchten und mögliche Auswege zu skizzieren. Daraus resultierte die folgende Zusammenfassung von zwei Stunden angeregter Unterhaltung in den heiligen Hallen des monopol-Medienimperiums. Erstmalig erschienen in: the gap #76, Mai 2007.

Wie bereits zum Thema Web 2.0 hat Werner Reiter zur Exploration der komplexen Materie "Die Musik und der Kopierschutz" eine illustre Runde eingeladen - leider wollte partout kein Vertreter eines Major Labels auftauchen - alle wesentlichen Aspekte des Themaskamen dennoch zur Sprache. Et voilà - für datenschmutz Leser hier der Artikel aus the gap im Volltext. Demnächst ereignet sich übrigens das gleich grausame Spiel nach demselben Muster - wobei die Themen Web 2.0, Google und Informationsmonopole in den Fokus der nächsten Runde rücken.

Die Diskussionsrunde

Niko Alm
Herausgeber the gap
www.thegap.at

Roland Alton-Scheidl
Vorsitzender creativ wirtschaft austria, Fachhochschule Vorarlberg, OSalliance
www.alton.at/roland

Philipp Dorfmeister
G-Stone Recordings Vertreter Online, Ordis - Soulseduction Digital Distribution, Soulseduction.com
www.soulseduction.com und www.g-stoned.com

Florian Hufsky
Bundessprecher der Piratenpartei Österreichs
www.ppoe.or.at

Ritchie Pettauer
Journalist und Medienwissenschaftler
blog.datenschmutz.net

Ravissa
DJane und Produzentin
www.doorbitch.nu

K. Flo Schneider
Geschäftsführer McShark, Betreiber des eingestellten radio:))mcshark
www.mcshark.at

Christian Untersteiner
Head of Product Management ONE
www.onelovesmusic.at

Die Musikindustrie klagt seit Jahren über rückläufige Umsätze. Die Erlöse aus Downloads sind 2006 zwar weiter gestiegen, machen aber verglichen mit den 85% des Hauptumsatzträgers CD noch immer einen verschwindend geringen Anteil aus. Die big 4 (Universal, SonyBMG, Warner und EMI) halten 70% des Marktes und bestimmen damit die Regeln des Business. Und die waren in den letzten Jahren geprägt von einem sklavischen Festhalten an technischen Hürden, die das Kopieren von Files erschweren, einer Hetzkampagne gegen Tauschbörsenbenutzer, die in weltweit 30.000 Verfahren gemündet ist und von Versuchen klassische Distributionsmodelle auf das Internet zu übertragen.

Apple hat es mit iTunes als einziges Online Angebot geschafft auch wirtschaftliche Relevanz zu erlangen. In den letzten Monaten kam Apple immer mehr unter Beschuss. Einerseits weil das angewandte DRM Verfahren nur erlaubt, dass gekaufte Musikstücke ausschließlich am iPod bzw. auf PCs abgespielt werden können und andererseits weil Apple die regionalisierte Preispolitik der Labels auch im Internet umsetzte.

Steve Jobs ergriff die Flucht nach vorne und publizierte im Februar einen offenen Brief, in dem er Apple als Opfer dieser Entwicklungen darstellte und sich ganz klar gegen DRM aussprach. Das dürfte letztlich dazu geführt haben, dass EMI nach langem Zögern jetzt doch Musik ohne DRM anbieten wird - wenngleich zu einem höheren Preis. Dass die DRM freien Stücke auch in einer besseren Qualität vorliegen, mag als Verkaufsargument durchgehen, die Masse der Konsumenten wird den Unterschied aber kaum hören.

Die ungleichen Seiten der Medaille

In seinem Eröffnungsstatement meint Christian Untersteiner, Head of Product Management bei ONE, dass Musik emotionalisiert wie sonst kaum etwas. So wird die Diskussion in den Redaktionsräumen des gap sehr emotional geführt, und vor allem die ungleichen Teile des Gesamtsystems Musik werden mit Leidenschaft diskutiert. Da gibt es nicht nur ein Ungleichgewicht zwischen den recht unbeweglichen Majors und den Indies, die ums Überleben kämpfen und ihre erfolgreichen Acts nach jahrelanger Aufbauarbeit nicht selten an die Großen abgeben müssen.

Auch die Nutzer lassen sich einteilen in die Massen, die nur das kaufen, wo Ö3 sie hinführt und die Afficionados, die sich intensiv mit Musik beschäftigen. Dass klassisches Marketing immer auf die Masse abzielt, liegt in der Natur der Sache. Philipp Dorfmeister von G-Stone und Soulseduction meint auch, dass DRM geschützte Musik, die mit etwas PC Kenntnissen relativ leicht (und für private Zwecke auch legal) vom Kopierschutz befreit werden kann, die 95% davon abhält das zu tun, weil es ihnen zu mühsam ist. Und schließlich die Musiker, die zum größten Teil ihre Nutzungsrechte an Labels und Verwertungsgesellschaften abgeben anstatt sich selbst mit alternativen Vertriebsformen oder mit Lizenzierungsmodellen wie etwa Creative Commons auseinanderzusetzen.

Zitate aus der Diskussion

DRM ist nur dazu gedacht die 95% der Leute, die sich nicht damit beschäftigen wollen, davon abzuhalten ihre Files sofort zu kopieren. Philipp Dorfmeister über die relative Nutzlosigkeit von Kopierschutz

Die Verwertungsgesellschaften sind noch nicht in diesem Jahrtausend angekommen. Roland Alton-Scheidl über Zeitlöcher

Beim Online Musikbusiness stehen einfach zu viele in der Value Chain. So kommen die absurden Marktpreise zustande. Christian Untersteiner über die Komplexität des Business

Die Vorselektion die Labels für den Konsumenten machen ist absolut wichtig. Flo Schneider über die Notwendigkeit von Labels als Identitätsstifter

Die Angst, dass es keine Musik mehr gibt wenn alle Majors pleite gehen, kann ich nicht teilen. Ritchie Pettauer über den kulturellen Wert von Musik

Endlich ist Musik dort angelangt, wo andere Produkte schon sind. Was zählt ist die Verpackung. Niko Alm über ein neues Verständnis der Revenuemodelle

Das schnelle Finden und Konsumieren von Musik und die Social Networking Möglichkeiten machen das Wesen von Musik im Internet aus. Florian Hufsky über das Primat der Convenience

Selbst wenn ich große Releases hätte und massiv verkaufen würde, ich würde DRM nicht für nötig halten. Ravissa über Dinge, von denen sie wenig hält

Astronomische Preise und unnötig hohe Komplexität

Die landläufige Meinung besagt, dass Online Vertrieb immaterieller Güter wie Musikfiles bedeutend günstiger sein müsste als die Produktion und der Vertrieb von CDs. Wer sich aber damit auseinandersetzen muss, merkt schnell, dass das Gegenteil der Fall ist. Aufgrund der mangelnden Standardisierung der Musikplattformen, der unterschiedlichen Fileformate und der Vielzahl an DRM Systemen hat sich die Komplexität in der Produktion und der Logistikaufwand im Vergleich zum physischen Vertrieb nicht verringert.

Soulseduction etwa liefert 22 Formate für Pre-Listening und 24 Formate der eigentlichen Files an unterschiedlichste Plattformen. Die logistische Herausforderung besteht dann darin, einen Track zum Releasezeitpunkt auf allen Plattformen online zu haben. Vor allem für kleinere Labels oder gar für Künstler selbst ist das nicht zu bewerkstelligen und die Plattformbetreiber weigern sich, Verträge mit Kleinstanbietern abzuschließen. Damit werden Aggregatoren als zusätzliches Glied in die Kette gefügt und schon gibt es wieder einen Player mehr, der am Kuchen mitnaschen will.

DRM abschaffen oder bessere Alternativen finden?

In der Diskussion will sich niemand lange damit aufhalten, die Argumente gegen die Vielzahl an DRM Lösungen erneut aufzuwärmen. Interessanterweise zeigen zumindest manche Verständnis für die Notwendigkeit des Kopierschutzes. Dass die mangelnde Standardisierung und die damit verbundene Inkompatibilität nicht unbedingt zum Glück der Konsumenten beiträgt, ist allerdings Common Sense. Roland Alton-Scheidl, der sich um die Einführung von Creative Commons in Österreich verdient gemacht hat, skizziert zwei mögliche Ansätze.

Ersterer ist eigentlich nur eine Vorstufe zu DRM: Das von ihm mitentwickelte System Registered Commons ist ein digitaler Zeitstempel, der einerseits das Veröffentlichungsdatum von Inhalten und andererseits gesicherte Informationen über den Urheber liefern kann. Dieser kann für Creative Commons Lizenzen aber auch andere angewendet werden. Die zweite Lösung weist etwas weiter in die Zukunft: Ein DRM System auf Open Source Basis soll die erhoffte Standardisierung bringen und gleichzeitig auch den Rechteinhabern die Möglichkeit eröffnen, selbst die Nutzungsbedingungen und die Businessmodelle festzulegen. Bis dahin ist es mit Sicherheit noch ein weiter Weg. Selbst wenn das System den Durchbruch nicht schafft, wird die Industrie viel davon lernen können.

Musik genießen oder besitzen?

Die etablierte Diskussion um Musik im Internet dreht sich meist um den Kauf von Dateien und die mehr oder weniger eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten. Dabei drängen längst Services wie etwa Last.fm auf den Markt, die den individuellen Musikgeschmack bedienen, indem sie die Musik als Streams anbieten. Andere wie phling! setzen darauf, die Musiksammlung auf der eigenen Festplatte via Streams auf connected Devices zu bringen. Hinter den meisten der neueren Modelle steht eine Flatrate, die den Kunden die Convenience bietet, Musik zu kontrollierbaren Kosten zu konsumieren, ohne sich um Kompatibilität und DRM Gedanken machen zu müssen. Insgesamt findet die Runde Gefallen an Flat-Rate Modellen wie auch immer der Service dahinter genau aussieht.

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Flo Schneider von McShark bringt die Kernforderung auf den Punkt: Gerecht kann das nur sein, wenn diejenigen das Geld bekommen, deren Musik er konsumiert hat. Florian Hufsky sieht den Besitzbegriff noch unter einem anderen Aspekt: SellABand etwa ermöglicht Nutzern, Anteile an jungen Bands oder Musikern zu kaufen. Übersteigen die gekauften Anteile $50.000 erhalten die Musiker eine Studioaufnahme und werden von einem erfahrenen A&R begleitet.

Rechteverwerter mit der Gießkanne

Ob Fairsharing, Leermedienabgabe oder Content-Flatrate: Es braucht Institutionen, die sich darum kümmern, dass die Einnahmen wieder an die Kreativschaffenden zurückfließen. Die nennen sich Verwertungsgesellschaften und haben die aktuellen Entwicklungen noch gründlicher verschlafen als die Musikindustrie. Der Löwenanteil ihrer Einnahmen fließt an Künstler, die in den klassischen Kanälen hohe Verkaufszahlen oder gutes Airplay haben.

Der Verteilungsschlüssel ist zum größten Teil aber intransparent und in Österreich wird anders als etwa in Frankreich nur ein kleiner Prozentsatz für Kulturförderung oder die Forschung ausgegeben. So sehr sich die Diskussionsteilnehmer hier eine Erneuerung wünschen, so skeptisch sind sie, dass die in absehbarer Zeit kommt. Vor allem die, die wie Ritchie Pettauer bei lion.cc schon Online Musikservices mit Verwertern abgerechnet haben.

Wofür zahlen wir?

Zu Ende der Diskussion bringt Niko Alm die These, dass die Kunden ohnehin schon lange nicht mehr für die Musik zahlen, sondern für die Convenience, ein Album in der Hand zu halten, oder sie bequem im Internet zu finden und einfach konsumieren zu können. Noch weiter: Auch die Einnahmequellen der Musiker sind nur zu einem geringen Teil die Verkäufe von Files, Platten oder CDs, sondern aus Konzerten, Merchandising oder aus Werbeverträgen, wie etwa der von Madonna bei H&M. Musik ist zwar der Kristallisationspunkt und Inhalt, die Revenuemodelle sind aber andere. Ravissa kann das nur bestätigen. Sie ist hauptberuflich Künstlerin, lebt allerdings von Auftritten, Veranstaltungen und DJ Workshops. Bei den großen Acts ist das nicht viel anders. Vielleicht sollten etliche Player im System ihre Welt neu denken.

Ausgewählte Internet Musikdienste, die in der Diskussion erwähnt wurden

Amie Street
Musiker können hier selbst Musik einstellen. Der Kaufpreispreis erhöht sich mit der Anzahl der Downloads bis zu 98 Cents.
amie.st

eMusic
Amerikanischer Music Store, der das Subscriptionmodell recht erfolgreich umgesetzt hat. Stand März: 250.000 Subscriber und ein Katalog von 2 Millionen Tracks.
www.emusic.com

Jamendo
Offene Musikplattform für Musik unter Creative Commons Lizenzen. Die Downloads sind kostenlos.
www.jamendo.com

Last.fm
In seinem Selbstverständnis eine "personalized online radio station". Das Erfolgsrezept besteht in dem Matching von Userprofilen und den daraus generierten Wiedergabelisten.
www.last.fm bzw. www.lastfm.de

phling!
Eine Anwendung für Handys, die den online Zugriff auf Files auf der Festplatte zu Hause erlaubt.
www.phling.com

SellABand
Promotionplattform für unbekannte Musiker. Die Community erwirbt Anteile. Wenn $50.000 erreicht sind, bekommt die Band ihre erste Aufnahme samt CD.
www.sellaband.com

Die Kolumne #76 (April 2007)

Kolumne #76Die kleinen Fehlerchen machen nicht nur in der Regel schöne Frauen attraktiver: perfekte Symmetrie turnt ab, teilen uns professionelle Gesichtserkenner mit. Ein Schönheitsfleck muss sein oder drei. Wo der fehlt, tut's zur Not auch die Krächzestimme zum Engelsgesicht. Konterkarrikismo nennt der Südamerikaner diesen unseren indianischen Vorfahren wohlbekannten Effekt.

Säugetiers vorstellbar unwichtiger Beitrag zu allem

"Nie wäre ich mit Madonna während ihrer Bi-Phase ins Bett gegangen, doch die unterschiedliche Länge und Form ihrer Schamlippen hat mich zugleich erregt und neidisch gemacht," konfessionierte unlängst Tante Brigitte in mich. "Aber woher wusstest du, bevor ihr im wart, dass... ich meine....," in diesem Augenblick fiel mir wieder ein, wo Bartl Gaultier den Most der Bühnenoutfits in den 80ern herholte und wie ein Blitz traf mich die Erinnerung an die von Madonna persönlich entworfene Kleidungskollektion für Plakatwände. Brigitte las meine Gedanken und warf mir, der ich im Strudel übermächtiger medialer Weiblichkeitsimages, bedrohlicher als jeder Cyberfeminotron, zu ertrinken drohte, einen Rettungssatz zu: "Mit 70 noch auszusehen wie Sharon Stone mit 60 ist auch eine Leistung, die man den modernen Haut-Textur-Programmen gar nicht niedrig genug anrechnen kann!"
"Ich dachte, ihr Powerfrauen hieltet immer zusammen?" verwunderte es mich. "Ich bin ein Rrrriot Grrl, Madonna hat für die Frauenbewegung soviel getan wie ich für die Propagation von Keusch- und sexueller Enthaltsamkeit! Frauenbewegungen müssen nicht mal auf der Bühne immer nur rhythmisch erfolgten." "Wir sprechen aber schon über die von den Protestanten hartnäckig als unheilig befleckt verehrte Gottesmutter?" erkundigte ich mich schließlich verspätet nach dem Kontext unseres Gesprächs. "Ja natürlich! Dachtest du denn etwa, ich würde mit einem Popstar ins Bett gehen?"

***

Ein Stufenmodell der Wirklichkeit zum selber Ausschneiden und (notfalls mit Speichel oder anderen Körperflüssigkeiten) Zusammenkleben wohnt dieser Kolume leider nicht bei - sonst müssten Sie ihre Ausgabe gar zerschneiden oder wahlweise diese Seite auf dünnen Karton kopieren, und Kopierer stoßen ordentlich Zehjozwei aus und atmen womöglich auch noch kostbaren Sauerstoff - im übrigen neben der Kontrast-Einstellmöglichkeit ihre einzige Gemeinsamkeit mit Säugetieren. Allfällige Falzlinien entfallen, auf den Seiten des Dodokatheters stünde jeweils die Wortkombination vor der Klammer, auf der hinteren gegenüberliegenden Seite das erste Adjektiv vor dem Bindestrich, auf der vorderen halbdiagonalen Seite das zweite, sodass sich der geneigte Betrachter je nach Blickwinkel und vorgesehenen Freiheitsgraden eine nahezu beliebige Ansicht zusammenbasteln kann, erweiterbar bis hin zu einer individuellen Meinung:

wirkliche Wirklichkeit (verkennbar-religiös)
unverkennbare Wirklichkeit (verkannt-ideologisch)
wirkliche Realität (postuliert-hautnah)
wahrnehmungsgefilterte Realität (vermutet-erlebt)
Medienrealität (konstruiert-banal)

Prinzipiell hätten wir zumindest der Premium-Verkaufsausgabe gerne eine Bastelbogen beigelegt, allerdings gelang es uns bislang nicht, Eschers Erben aufzuspüren, also appellieren wir weiterhin an Ihre überdimensierte Vorstellungskraft, lieber gap Leserin.

Die Kolumne #64 (Oktober 2005)

Politischer Akribismus ist so von morgen! Fangquoten statt Walempfehlungen!
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Spektralanalyse mit Tau

Audiokomprimierung hat zum Ziel, möglichst hohe Qualität bei möglichst niedriger Datenrate zu erzielen - mp3-Files, die mit 256kbps erstellen wurden, sind mit "freiem Ohr" kaum mehr vom originalen Ausgangsmaterial zu unterscheiden. Wer wissen möchte, ob Songs auf gebrannten Audio-CDs vom Original kopiert wurden, oder ob verlustbehaftete Audioformate (mp3, ogg vorbis, wma etc...) als Ausgangsmaterial dienten, für den hält true-audio.com den Tau Analyzer bereit, wie mpex.net berichtet. Was das menschliche Ohr nicht mehr zu hören vermag, stellt das Tool in einer grafischen Spektralanalyse dar. Eine 100%ige Treffsicherheit garantiert der Autor zwar nicht, in den meisten Fällen erkennt Tau Kompressionsartefakte jedoch zuverlässig. Das Programm gibt's als Freeware: Download.

Übrigens: GEMA-Künstler dürfen jetzt kostenlos streamen - die deutsche Rechteverwertungsgesellschaft erlaubt Musikern, ihre eigenen Werke auf der eigenen Homepage zum Anhören anzubieten. Hintergrund der Regelung: wer bei der GEMA registriert ist, darf nicht mehr frei über seine eigenen Werke verfügen - in Österreich verhält es sich mit Mitgliedern der AKM/AUME analog. Durch die Übertragung der Rechteverwaltung an die betreffende Verwertungsgesellschaft hat diese das Recht, Tantiemen zu verlangen - bisher sogar vom Künstler selbst. Eine mehr als seltsame Regelung, die bisher auf wenig Verständnis von Seiten der Kunstschaffenden stieß. Geld verdienen dürfen die Musiker in Deutschland mit digitaler Musik weiterhin nicht selbst - aber zu Promotionzwecken können sie ab sofort ihre eigenen Songs zum Anhören anbieten, ohne Tantiemen an sich selbst bezahlen zu müssen. [via mpex]

Die Kolumne #50 (Oktober 2003)

Progression auf allen Ebenen - Unverständnis darunter
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