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Artikel-Schlagworte: „Hip Hop“

Nachruf: Christoph Moser wird mir fehlen

RIP Christoph MoserWir Web-Geeks sind es gewohnt, große Mengen an Information zu scannen, zu überfliegen, zu sortieren. Es ist gemein, hinterhältig und eine Scheiß-Zeit am Freitag um 23:33, wenn man plötzlich völlig unerwartet auf einem Blog vom Tod eines guten Bekannten erfährt. Ich habe diese furchtbare Nachricht gerade bei den Supercity-Jungs gelesen: am 2. Dezember ertrank Christoph beim Tauchen - er, der klimatisch harte Tiroler Bursche, hat seinen Winterurlaub unter vietnamesischer Sonne verbracht. Christoph Moser war ein beträchtlicher Teil des Herzens und der Seele des österreichischen Indie-Vertriebs "Hoanzl" und er wird einem riesigen Personenkreis fachlich, vor allem aber menschlich sehr fehlen.

Ich werde nie vergessen, mit welcher Begeisterung mir Christoph vom ersten Dancehallfieber-Sampler erzählte, oder wie einzigartig blitzschnell er eine Zigarette in einer Hand drehen konnte - das habe er in Tirol am Schlepplift gelernt, hat er mir erzählt. Vor seiner Arbeit bei Hoanzl war Christoph ein bunter Vogel beim ORF Tirol, der einen beträchtlichen Teil der hiesigen Jugend mit seinen Konzerten erstmals mit dem Phänomen Hip Hop in Kontakt brachte. Diese Liebe zum Sprechgesang und zu Reggae zog sich durch seine gesamt berufliche Karriere. Ich hatte im Lauf meiner Redakteurs-Jahre beim gap und später auch durch datenschmutz immer wieder mit Christoph zu tun, ich bin froh und dankbar, dass ich diesen sympathischen, ruhigen, verlässlichen und klugen Zeitgenossen kennen lernen durfte. So verfehlt es einerseits scheinen mag, in einer derartigen Situation von Trost zu sprechen, so sehr bin ich mir doch sicher, dass Christoph die Urlaubstage vor seinem raschen und unerwarteten Ableben genossen hat. Denn im Gegensatz zu den meisten Menschen hatte er eine Gabe, die so viele unterschätzen und die doch mehr zum persönlichen Glück beiträgt als Geld und Gut: Christoph konnte zufrieden sein. Er wirkte auf mich immer ausgesprochen gut gelaunt, optimistisch und begeistert - und genau so werde ich ihn in Erinnerung behalten.

Nachrufe über sein popkulturell prägende Leben haben unter anderem Boris Jordan bei FM4 und Thomas Weber auf the gap veröffentlicht. Ich wünsche Christophs Familie und allen, die ihn gekannt haben, herzliches Beileid.

Remix den Maxi King: Absolut unfassbar

remix contest

Tja, es gibt da eine TV-Werbung, deren Soundtrack bei Dauerwiederholung eine gewisse Ohrwurmqualität nicht abzusprechen ist. Es geht dabei um einen Schokoriegel, beim gleichnamigen Protagonisten handelt es sich um niemand geringeren als Ferreros Maxi King, den gekrönten Un-König des Werbepausen Hip Hop. Da trifft es sich ja ganz hervorragend, dass in der virtuellen Heimatstadt des Maxi King gerade ein großer Remix-Wettbewerb läuft, bei dem man sich eine Alternativversion zusammenklicken kann: 2 Wochen Miami sind der Hauptpreis, remixed wird über eine simples Flash-Applikation, und die sorgt durchwegs für ein paar Minuten fröhliche Song-in-a-Box Unterhaltung. Diesen Beitrag weiterlesen »

Blogistan Panoptikum KW27 2008

wrb Blogistan Panoptikum KW27 2008Überzeugte Frühstücker hatten heute erstmals Gelegenheit, im WerkzeugH am Betafrühstück teilzunehmen. Nutella wurde bereitgestellt, das ist bekanntlich schon mal die halbe Miete - wobei ich sagen muss: das beste (Kater)Frühstück seit langem hab ich im Aiola City in Graz bekommen: nix geht über Satai-Spießchen mit Kürbischutney, Kernöleierspeise und Roastbeef von extrem glücklichen steirischen Rindern. Dass dieser Wochenrückblick so essens-fixiert beginnt, mag durchaus auch an dem fantastischen Lammfilet liegen, das ich von Roman bekommen habe - und an meinen ziemlich zufriedenstellenden Experimenten in der heiligen Kunst der Gnocci-Herstellung. (Gepriesen sei der Weizengries!). Und bevor ich mich den Safrannudeln mit Hühnerfilet, Bohnen und Chilis sowie der Panna Cotta mit marinierten Erdbeeren widme, möchte ich noch eine Wette abschließen: wo zwei oder drei Geeks zusammenkommen, da wird dieser Tage übers iPhone gesprochen oder: nichts schweißt Individualisten lieben die Uniformierung.

Die Reputation messen

Harris Interactive hat ein Messgerät entwickelt, mit dem sich laut Eigenangaben die Reputation einer Firma messen lässt. Fuellhaas hat die Faktorenmatrix detailliert beschrieben. HI hat auch gleich eine Liste der Top-Companies erstellt: Platz 1 belegt Tante G: so klaffen also Wahrnehmung und Realität einmal mehr weit auseinander... Wenig überraschend ist übrigens die Schlussfolgerung aus der Untersuchung:

Die Umfrage von Harris Interactive hat eine deutliche statistische Verknüpfung zwischen einer guten Reputation und der Wahrscheinlichkeit, dass Konsumenten Produkte eines Unternehmens kaufen oder weiterempfehlen, gezeigt. Im Weiteren lassen sich aus den Bewertungen Rückschlüsse ziehen, welche Faktoren für die Konsumenten am wichtigsten sind.

Krochavideo der Woche

Auch vor den USA macht die neuste Wiener Jugendkultur nicht halt - schwere Zeiten für Hip Hop und alle anderen Ghetto-Styles also!

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Wer zur Abwechslung mal gute Musik hören will, werfe einen Blick auf myspace: Stefan Oberthaler aka Keyminator hat unter einer CC-Lizenz einen Remix von Gilberto Gils "Bandalarga" gemacht und auf seiner Page veröffentlicht. Anhören wird dringend empfohlen!

Wo war Matt 2008?

Mit seinen Tanzvideos hat Matthew Harding in den vergangenen Jahren Furore im Internet gemacht: er reist um die Welt und nimmt sich selbst beim Tanzen an teils abgelegenen, teils skurrilen, teils einfach nur wunderschönen Kulissen auf. Wie das aussieht, zeigt dieses sehr gelungene 2008er Video [via Ulrich]:

SEO-Rundblick

Wikipedia macht extrem viel Sinn für SEO, da bin ich ganz Fabians Meinung. Okay, zugegeben: wie der Begriff verrät, richtet sich SEO an Engines, nicht an Human User... aber wer immer noch auf dumme Algorithmen setzt, statt die eigenen Aktivitäten auch mit SMO zu kombinieren, hat vor lauter Pagerank-Geilheit schon vergessen, dass ganz "normaler" organischer Usertraffic nicht ein Faktor unter vielen, sondern das Ziel ist; nofollow hin oder her. Dass seit längerem die Legende kursiert, Big G werte die Wikipedia-Links trotzdem, dürfte außerdem meinen Beobachtungen nach stimmen - aber sicher kann man sich da bekanntlich nie sein - der Artikel fasst jedenfalls alle wesentlichen WP-"Benefactors" elegant zusammen.

Währenddessen desillusioniert Sistrix: Pagerank-Sculping ja, aber bitte richtig - anscheinend wertet G nur den ersten Linktext. Die Seokratie pflichtet da übrigens bei. Und Semplicity berichtet, dass Google endlich Flagge, äh, Keywordhäufigkeit respektive Suchvolumen, derzeit wohl nur testweise bei einigen Accounts, anzeigt - mal gucken, wie lang das so bleibt.

Twitter going downhill?

Earl hat seine beliebte Twitter-Blacklist geschlossen und konzentriert sich fortan voll und ganz auf Identi.ca. Downtimes und Spam machen dem müden Wal in letzer Zeit ganz schön zu schaffen - Identi.ca dagegen basiert auf Open Source Technologien und wird daher zukünftig diverse Widrigkeiten im bewährten Crowdsourcing-Verfahren viel effektiver lösen, so Earle. Ich behalt vorerst nur mal Twitter im Auge... zwei parallele Kurznachrichten-Feeds sind zu stressig. Auch wenn mein Client ständig präventiv meint: "Posting to twitter *should* work again. Sorry if you experienced any problems!"

Chuck "Supermario" Norris

In Amerika erzählt man sich die folgende Legende: "A blind man once stepped on the foot of Chuck Norris and instantly was able to see again. Sadly, the first, last, and only thing the man ever saw was a fatal roundhouse kick to the face." Es heißt auch, Chuck Norris habe seinen WoW Charakter (einen Allianzhorde Hexer-Ingeneur-Priester-Kämpfer-Schurken) schon lange vor the Burning Crusade auf Level 999 hochgespielt - gewiss ist indes nur, dass die seltsamen Schildkröten im Super Mario Land nix zu lachen haben, wenn sie ge-chuck-norrised werden:

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So, nun zu den letzten, entscheidenden Fragen der Woche, wie etwa: "Wer war zuerst da - Batman oder die älteren Götter?" Selbstverständlich kennten das Netz die Antwort - na raten Sie mal.

datenschmutz-Shop: Bücher, Musik und Gadgets

datenschmutzshopDie schlauesten Bücher, die besten Platten, die fettesten Gadgets. Behauptet die Tagline des frisch aufgesperrten datenschmutz Shops. Ja, ich gehe unter die Greißler um die Ecke und präsentiere in insgesamt 11 Kategorien meine persönlichen Favorites - vorerst powered by Amazon, möglicherweise werde ich zukünftig weitere Shops integrieren. Gesurft wird dabei innerhalb eines iframes, erst beim dicken Ende - nämlich dem Bezahlvorgang - öffnet sich ein neues Fenster mit dem Amazon-Warenkorb.

Zusammengestellt habe ich eine Auswahl meiner Lieblings-Bücher, Musik und Gadgets. Erstere sind sortiert nach generellen Empfehlungen, medienwissenschaftlicher Literatur, Science Fiction und Blogging-Büchern. ("Heast, I kriag des Biachl ned auf!"). Zweitere unterteilen sich in die Genres Hip Hop, Techno und Drumandbass. Und bei den Gadgets geht's um Digitalfotografie, Küchen-Stuff und Werkzeug.

Selbstverständlich sind die Preise dieselben wie bei Amazon, aber ich bekomme 5 Prozent Provision in Form von Amazon Geschenkgutscheinen: wer also auf der Suche nach lesenswerten Texten, hörenswerten Beats und benutzenswerten Werkzeugen ist und dieses Blog ein wenig unterstützen will, tue sich keinen Zwang an: auf zum Kaufrausch!

datenschmutz Amazon Shop beinhart betreten

Heute abend: Florian Schneider (Kraftwerk) im Fluc

12. Juni 2008 23:00bis13. Juni 2008 4:00

florianschneider 150x150 Heute abend: Florian Schneider (Kraftwerk) im FlucWolfram aka marfloW lädt abends zum Electronic Gang Bang ins Fluc Wanderl am Wiener Praterstern. Für Beats sorgen der Gastgeber höchstpersönlich, sowie Felix Da Houserat und ein, wie der Flyer charmant ankündigt, "Spezieller Gast". Bei dem handelt sich's um niemand geringeren als Florian Schneider, seines Zeichens Kraftwerker der ersten Stunde und lebende Legende der deutschen Techno-Szene. Ich hatte 2002 beim Benicassim-Festival das Vergnügen, Kraftwerk mal live zu erleben - noch dazu mit grandiosen Verkehrszeichen-Visuals der Pfadfinderei-Crew und im Freien. Bereits 1968 gründete Florian Schneider gemeinsam mit Ralf Hütter die Gruppe "Organisation", Anfang 1970 folgt die Gründung von Kraftwerk. Jahrzehntelang bleibt die Band mit fast jedem ihrer Alben stilbildend für die elektronische Musikszene, ihr 1973 erschienener Longplayer "Autobahn" gilt als erste Elektro-Pop Platte überhaupt.

Ende 1976 erscheint "Trans Europe Express", in weiterer Folge wichtiger Einfluss für viele us-amerikanische Hip Hop Produzenten. 1981, als Bands wie Depeche Mode sich an den elektronischen Klangwelten Kraftwerks orientieren, wendet sich das Duo dem Techno zu: "Die Mensch Maschine" wird zur Blaupause der jungen Rave-Szene, während die Band wie gehabt zwischen Mainstream-Erfolg und Kunstszene pendelt.

Heute nachmittag sprach Schneider im Rahmen der RB Musicacademy im Semper Depot über Kraftwerk und die Welt - und am Abend wird er sicherlich den einen oder anderen Klassiker aus dem Plattenkoffer holen!

Releaseparty: DJ Buzz – Episode One

30. Mai 2008 22:00bis31. Mai 2008 4:00

waxobuzz Releaseparty: DJ Buzz   Episode OneDJ Buzz, ein Drittel der Waxolutionists, umtriebiger Produzent und Mitbegründer des Supercity Soundsystems feiert am 30. Mai im Wiener Luftbad die Releaseparty seines ersten Soloalbums "Episode One". Erschienen ist der Instrumental-Longplayer am 5. Mai - und wie nicht anders zu erwarten, dürfen sich die Fans grooviger Hip Hop Tracks auf feinste Ware freuen: vielschichtige, abwechslungsreiche Tracks, fein gemastert - anstelle vieler Worte hier ein 9-Minuten-Snippet aus dem Album, das mir The Bionic Kid geschickt hat. Behold DJ Chris Fader und DJ Buzz!

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Übrigens: im Herbst erscheint das Supercity-Album, darauf freu ich mich schon sehr... Interview und Verlosung sind schon fix eingeplant :mrgreen: Bei der Releaseparty am Freitag im Luftbad (Luftbadgasse 17, 1060 Wien, 5 Euro Eintritt) bedienen neben Gastgeber Buzz D.B.H. und Mr. Wisdom die 1210er.

Supercity Soundsystem
Waxolutionists

Springeight: der zweite Tag

A-Trak bei der ArbeitDer gestrige Spring-Abend hätte ein Reinfall werden können - die Vice-Party im Arcadium bzw. Monsieur A-Trak aus den USA gab uns dann um halb drei endlich das, was wir vorher den ganzen Abend lang vergeblich gesucht hatten: kontemporäre High-Tempo und Hi-Tech Beats, bei denen man ob des spontanen Bewegungsdrangs die Abwesenheit von Couchen plötzlich nicht mehr misste. Und das kam so: für uns drei Partytouristen begann der Abend im Stadtpark, wo Simon LeBon feine Warm-Up House-Platten verlegte; ob der relativ unfreundlichen Außenbedingungen machten wir uns dann aber zur Geisterstunde auf in Richtung Dom im Berg.

Dort hatte bereits der Live-Act von XRS und den Drumagick-Brüdern begonnen, deren Red Bull Music Academy Vortrag Ulrich und ich am Nachmittag gehört hatten. Juan Atkins, der ursprünglich aus seinem reichen Erfahrungsschatz zum Thema Detroit (und Bookings-in-letzter-Minute-absagen) berichten hätte sollen, blieb konsequent unauffindbar, und so sprangen die Samba-n-Bass Könige aus Sao Paolo kurzfristig ein.

Bei der abendlichen Performance legte XRS Platten auf, während die beiden Drumagicks an ihren zwei Laptops mit den einzelnen Spuren sozusagen Live-Remixes drüber dubbten. Das war eine Weile recht fein (vor allem der Remake von LK hat gerockt), nach einer guten Stunde allerdings wurden die Beats im gemütlicher, die Intros und Outros immer länger und der Wunsch nach ein wenig Rummms immer übermächtiger. Als der folgende DJ Edgar nach zehn Minuten immer noch beim Intro war, beschlossen wir, dass es an der Zeit wäre, ein Hauseck weiter zu ziehen - sogar Anja, sonst ziemlicher Brazil-Fan, begannen nämlich langsam die Füße einzuschlafen. Kurz vorher hat uns übrigens noch Elisabeth abgeschossen - ich glaube, das ist meine Premieren-Appearance in einer Online-Partygallerie :mrgreen: Ulrichs Fazit, dem ich mir nur anschließen kann: "Wenn auf eine Brasil-Party geht und exakt dieselben Signature Tunes hört wie vor fünf Jahren, spricht das nicht gerade für Weiterentwicklung."

Arabian Prince aka Professor XDie derbste Enttäuschung sollte allerdings erst noch folgen - an den Gedanken, dass Juan "Magic" Atkins nicht mehr aufkreuzen würde, hatten wir uns bereits gewöhnt. Trotzdem wollten wir natürlich der Legende Professor X aka African Prince im PPC einen Besuch abstatten. Mir ist klar, dass der Mann eine lebende Elektro-Legende ist - was er im PPC abgeliefert hat, war allerdings - perfekt gemixte - Skikurs-Romantik: von Technotronix' "Pump up the Jam" über Michael Jackson bis House of Pain's "Jump around" wurde fast jede Nummer ausgespielt, und als er dann auch noch Prodigy's "Firestarter" als Big-Tune des Abends ankündigte, war uns endgültig klar, dass wir unsere Aufmerksamkeit gerade dem falschen Set widmeten. Hilflosigkeit vor europäischem Publikum? Generelle Motivationslosigkeit? Wir werden's nie erfahren. Und auch keine African Prince Party mehr besuchen. Was uns trotzdem vor Ort hielt, war die bekanntlich zuletzt sterbende Hoffnung auf Egyptian Lover und Jamie Jupiter. Die beiden musikgeschichtlich und körperlich schwergewichtigen Classic-Elektro Legenden hatten am Anfang ein paar Sync-Probleme, danach war's eigentlich recht nett - und immer noch zu gemütlich, oder wie der gelernte Wiener sagt: zaach. In Ermangelung einer Couch schauten wir mit meinem gaposlovakia-Kollegen Paul, der uns von härtester Elektro-Prügelei berichtete, voller Vorfreude ins Arcadium. Und diesmal wurde die Erwartungshaltung nicht enttäuscht. Ich würd sogar sagen, A-Trak hat einen extrem faden Abend vollständig gerettet und wir bekamen doch noch die für die Party-Gesundheit so wichtige Dosis an körperlicher Bewegung ab.

egyptian princeDer Protagonist des Abends war ja eine ganze Weile lang recht erfolgreicher Hip Hop DJ und benutzt mittlerweile Final Scratch: die Liebe zur technischen Präzision und diese geradezu abartigen DJ-Skills, die man in dieser perfekten Ausführung fast nur bei den Scratch-Königen findet, hat er auch im Rahmen seiner Electro-Karriere beibehalten, wenn nicht ausgebaut: die Dichte an Tracks pro Minute war unglaublich hoch, die Mixes rasant, aber niemals gab's Effekt um des Effekts willen. Es muss unglaublich viel Zeit und Crate-Digging erfordern, ein solches Set vorzubereiten, das einerseits alle technischen Tricks und Register zieht und andererseits mit einem extrem gelungenen Spannungsbogen begeistert... der Gag des Abends folgte, als A-Trak dann auch "Jump Around" spielte - in einem kurzen, aber extrem sicken Remix. In punkto Electro gewann sozusagen die Next Generation gestern Abend haushoch gegen die Living Legends.

Fazit: A-Trak war ein Fehlbooking - aber nur location-technisch gesehen. Der Mann hätte um zwei Uhr als Hauptact auf der Dom-Bühne stehen sollen - sein Set war einfach nur cutting-edge, sowohl soundmäßig als auch technologisch.

Und jetzt? Heute Abend um 21:00 ist das Orpheum eindeutig the place to be, denn der unglaubliche, einzigartige Senor Coconut tritt mitsamt Orchester und Special Appearance von Louis Austen mal wieder ein paar Genregrenzen nieder. Und dann geht's in den Dom: denn ich bin mir 99prozentig sicher, dass uns Larry Heard aka Mr. Fingers nicht langweilen wird. Und auf Robert "The House of Voice" Owens' DJ-Set bin ich ebenso gespannt wie auf seine Live-Performance.

Blogistan Panoptikum KW16 2008

Eine Woche voller Abwechslung: vom Zahnarztbesuch bis zur Technoparty war für mich das volle Spektrum dabei. Welches Ende ich angenehmer fand, überlasse ich gerne der Fantasie der geschätzten Leserschaft - schließlich liegt bekanntlich *alles* ganz allein im Auge der Betrachterin.

Slickes Interface für die Google Bildersuche

i know what i did last weekend - i made googles image searching cool.

Schrieb Franz auf meine Facebook Superwall; und ich kann ihm nur beipflichten. Auf www.creativspace.at lässt sich das neue Interface begutachten: anstatt simpler Thumbnail-Wüsten scrollt man via Flash elegant durch das größte Fotoalbum des Planeten.

Digitalks Panorama

Stefan polarisiert nicht, er panoramisiert: das Ergebnis seiner Arbeit bei der jüngsten Digitalks-Session ist nun online - und ganz hervorragend gelungen. Macht wirklich Spaß, mit der Maustaste durch solche 360er-Fotos zu "reisen". Das längerfristige Fortbestehen der Veranstaltungsreihe ist übrigens keineswegs gesichert, am sechsten Mai geht's allerdings garantiert weiter - und zwar mit dem Thema Crowdsourcing.

Here comes the SEO Rapper

MCs mit umgehängter Riesenuhr? Schnee von vorgestern. Hip Hopper mit Maske? So old school! Hier kommt der SEO Rapper, und zwar ganz ohne Motherfuckers und Pussy Chasing [via Fabian]

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Facebook experimen-Google-tiert

Facebook nutzt ohne ex- oder implizite Einwilligung die Namen der Mitglieder, um Werbung zu machen - Klaus Eck findet die Causa ebenfalls wenig amüsant - Stein des Anstoßes:

Aber mir stellt sich tatsächlich die Frage, ob ich nicht gegen Facebook aus Prinzip rechtlich vorgehen sollte. Schließlich können Unternehmen nicht einfach so ohne Gegenleistung mit meinem Namen werben.

Ich hab in der Sache eine zwiegespaltene Meinung - einerseits ärgern mich die ungefragten Google-Schaltungen, weil ich Besucher, die auf Google nach mir suchen, lieber auf meinem Blog begrüßen würde als auf meinem Facebook Profil. Andererseits ist die zusätzliche Exposure vielleicht gar nicht sooo übel - außerdem ist mein Facebook-Profil ja in der Tat mittlerweile so etwas wie ein zentraler Hub für meine Web 2.0 Aktivitäten. FB scheint momentan ohnehin fest am Experimentieren zu sein: wie Max letztens bemerkte, tauchte kurzfristig bei der Google-Suche nach ritchie pettauer nicht datenschmutz, sondern mein FB-Profil an erster Stelle auf. Bislang verwendet das Network eigentlich nofollow-Kennzeichnungen, bin gespannt, ob in Zukunft Facebook bei Personensuchen ebenso SERP-präsent sein wird wie derzeit die Wikipedia bei allen möglichen Keywords.

Wurstalon mit Zoo Brasil

Stockholm war am vergangenen Freitag zu Gast in der Wiener Großraumdisco Pasha - der größte Wurstsalon ever entwickelte sich zu einer ausgewachsenen Fete; abgesehen davon, dass das Bier viel zu früh aus war, rockte die Fete ganz ordentlich: vom Bühnen Wrestling-Match zwischen Gorilla und Hühnchen bis hin zu Unisex Toiletten ab 2:00 Uhr und knackigen Beats gab's so ziemlich alles, was eine gute Party ausmacht; und knapp vor den Boxen, wo Max und ich uns bevorzugt aufhielten, passte auch der Sound... thx an Stefan für die Gästelistenplätze, war ein feiner Abend - mit den Lichtverhältnissen beim Wrestlingmatch war meine Cam aber leider überfordert...

Wurstsalon

In diesem Sinne wünsch ich vergnügliche Restsonntagsstunden - wir lesen uns morgen.

CD-Review: Wu Tang Clan – 8 Diagrams

Wu Tang Clan - 8 DiagramsÜber eine Dekade ist es her, dass die Wu Bangers mal meine Lieblingsband waren. By far. Trotzdem hätte ich nach dem blamablen Iron Flag nicht erwartet, dass wieder mal ein Album die guten alten Eastcoast-Shaolin Qualitäten in bester Wu Tradition hochleben lässt - aber mysteriöse Dinge tragen sich zu: 8 Diagrams schließt nahtlos an alte Qualitäten an: düstere Beats von RZA unterlegen meisterhafte Texte, die vor originellen Sprachspielereien nur so strotzen. Sowas kommt eben raus, wenn MCs sich selbst nicht übermäßig wichtig nehmen und sich dafür auf ausgefeilteste Reime konzentrieren.

Der Clan legte seinerzeit mit den 36 Chambers den Grundstein für eine dreckige, mit östlicher Mythologie durchsetzte und nicht zuletzt freiwillig komische Blaupause eines anderen Hip Hop Entwurfs. Die Mythenbildung lief zur Höchstform auf, zahlreiche - teils legendäre - Soloalben folgten, bis der Erfolg Mastermind RZA so sehr zu Kopf stieg, dass man Musikmachen irgendwann keinerlei gesteigerte Bedeutung mehr zumaß. Ein Opfer der Geschichte, ein Opfer von Fifty Cent? Und dann riss 1004 auch noch der Tod des solo äußerst erfolgreichen Russell Jones aka Old Diry Bastard ein Loch in die parodistische Fraktion - aber RZA, GZA, Method Man, Raekwon the Chef, Ghostface Killah, U-God und Masta Killa haben mit 8 Diagrams eindrücklich bewiesen, dass ihr dirty basement Sound, diesmal in gravierend verbesserter Soundqualität, immer noch ein unwidersprochen gültiger Gegenentwurf zum Prolo-Sprechgesang des Großteils der Konkurrenz darstellt. Ein umfangreicher Abriss der Clangeschichte findet sich in der deutschsprachigen Wikipedia.

Also zurück zu den 8 Diagrammen: im Zuge der Veröffentlichung entstand ein bisher undenkbarer Bitch-Krieg zwischen Produzent RZA und Raekwon bzw. Ghostface, die ihrem Mastermind vorwarfen, nur mehr violinendurchsetzte Hippie-Instrumentals zu produzieren. Und wie sich's für echte Diven gehört, trugen die drei ihren Zwist öffentlichste-möglich aus... das tat dem Resultat aber keinerlei Abbruch: Die 36 Chambers sind nicht zu übertreffen, und der neue Longplayer besteht nicht aus 17 Bombentracks, aber die überwiegende Anzahl der Nummern vereint die imho nach wie vor unerreichte lyrische Qualität des Clans mit Killer-Instrumentals. Mit anderen Worten: die Hip Hop Geschichtsschreibung hat definitiv ein paar Klassiker mehr, zum Beispiel den Opener "Campfire" mit großartig kitschigem Chors und Method Man's legendären Lines:

Cruising on the interstate, just follow while I innovate
Too many try and imitate, medallion like a dinner plate
Front and get ya dinner ate, chinchilla for the winter, wait
I'm trying to bring the sexy back like Timbaland and Timberlake
Spitting like a calico, kush from a Cali hoe
Tell that joker tally ho, put shots in that Denali, yo
RZA you know how we go, on them 20's, that's how we roll
And I don't eat berries but eat a Berry like Halle though.

Ebenfalls ein Highlight des Albums: der Track "Wolves", zu dem George Clinton den, wie der Wiener sagen würde, ausgesprochen waach'n, Refrain beisteuert - und Masta Killa rappt in der dritten Strophe extra-elegant:

Would you recognize a jewel for what it is when you see it
Or would you take it for something else and get total the fucked up
Men come together for the common cause
To beat your ass just because
There's a line he don't cross offending the boss

Da kommt Freude auf am Spiel mit der Sprache... lyrical sharpness at its best. Extrem fett produziert und sehr ungewöhnlich auch der elegische Track "Windmill". Selbstverständlich darf auch die extra-softe Ballade keinesfalls fehlen. Erykah Badu bringt beim Refrain von The Heart gently weeps Roughnecks den Sinn für Ghetto-Glorifizierungs-Romantik bei. Schwache Filler-Tracks fehlen diesmal glücklicherweise komplett - 8 Diagrams zeigt trotz aller Clan-internen Streitereien, dass die WU MCs im Zweifelsfall immer noch die originelleren Sprüche ablassen als ihre Nachfolgegeneration. Mit dem aktuellen Longplayer liefern die Rapper aus Staten Island jedenfalls definitiv ihr bestes Album seit den 36 Chambers ab. Fazit: The Wu is still strong!

Wu-Bonus: auf youtube gibt's die erste Videoauskopplung aus dem aktuellen Album - die Kommentatoren sind zwar der Meinung "lycrically tight, but shitty video" - mir gefällt's hervorragend, tut irgendwie gut, mal Handycam-Action statt der immer gleichen 10 gepimpten Models mit den lächerlichen Outfits zu sehen. Keep it raw!

YouTube Preview Image

Tracklisting:

  1. Campfire
  2. Take It Back
  3. Get Them Out Ya Way Pa
  4. Rushing Elephants
  5. Unpredictable feat. Dexter Wiggle
  6. The Heart Gently Weeps feat. Erykah Badu, Dhani Harrison And John Frusciante
  7. Wolves Feat. George Clinton
  8. Gun Will Go Feat. Sunny Valentine
  9. Sunlight
  10. Stick Me For My Riches Feat. Gerald Austin
  11. Starter Feat. Sunny Valentine And Tashmahogany
  12. Windmill
  13. Weak Spot
  14. Life Changes
  15. Tar Pit
  16. 16th Chamber O.D.B. Special

Neuer Online-Release von Saul Williams

saulwilliamsDer Ivan Rebroff des Poetry Slams veröffentlicht sein neues Album ausschließlich im Internet: als Gratis-Download gab's The Inevitable Rise And Liberation Of Niggy Tardust in brauchbarer 192kHz Qualität für die ersten 10.000 Downloader, der reguläre Preis (auf Wunsch auch in verlustlosem FLAC) des Albums beträgt gemäßigte 5 Dollar. Walter hat eine sehr lesenswerte Reze über den Longplayer, der unter der musikalischen Ägide von NIN-Mastermind Trent Reznor entstand, geschrieben.

Ich hatte seinerzeit das Vergnügen, mit Saul Williams in Wien über die Veröffentlichung von Amethyst Rockstar (anno domini 2001) zu plaudern - die Audioaufnahme ist leider nicht mal den digitalen Orkus runter geschwommen, sondern ist auf irgendeiner unbeschrifteten Kassette verschollen... Ich hab mir neue Pladde gerade gekauft, Walters Beschreibung klingt ausgesprochen interessant (NIN gefielen mir immer recht gut, aber seit Trent Reznors Solokonzert in Wiesen bin ich ein Fan):

Bevor man sich noch als ebenfalls Angeschossenen erkennen kann fällt auf, dass Mr. Williams ansonsten weite Bögen um Hip-Hop-Beats macht. Ganz im Gegenteil produzierte sein Freund Trent Reznor das Album, daher zementieren die Gitarren und mauern die Synthesizer in bekannter und allerbester Nine Inch Nails-Qualität alles zu was darunter an Harmonie und Groove sich verstecken könnte. Mehr Metall - kein Hang Loose-Feeling. Man ist sogar geneigt zu meinen, Saul Williams "bespricht" das beste NIN-Album seit "The Downward Spiral", während Reznor im Nebenraum sie Sache regelt.

Klingt spannend... mehr bei Walter. Die fünf Dollar, einen ausgesprochen fairen Preis für den Direktvertrieb, zahl ich in Zeiten von millionenschweren Dumpfbacken wie 50 Cent sehr gern - Saul ist nicht nur ein lyrischer Großmeister, netterweise verzichtet er bei den angebotenen Downloadformaten auch völlig auf jeden DRM-Blödsinn. Und hier als kleiner Rewind meine seinerzeitige Review von Amethyst Rockstar fürs gap:

Saul Williams: Amethyst Rock Star (Columbia/Sony)

Achtung: Amethyst Rock Star ist kein Hip Hop Album, auch wenn es sich so verkleidet. Amethyst Rockstar ist die erste Major-Manifestation eine Kunstform, die auch in Europa immer stärker Fuß fasst: Slam Poetry.

Slam Poeten sind Menschen, die von der Natur mit besonders flinker Zunge, schneller Kombinationsgabe und einem unfehlbaren Rhythmusgefühlt ausgestattet, diese Talente einsetzen, um die versammelte Zuhörerschaft mit blitzschnell gereimten, extrovertierten Gedichten zu unterhalten. In den USA ziehen Slam-Wettbewerbe hunderte von Besuchern an, einer der "Architekten" der New Yorker Szene ist besagter Saul Williams.

Der Mann gilt seit Jahren als einer begabtesten Vertreter der Slam Poetry und nicht zuletzt dank des Kinofilms "Slam" erlangte er weltweite Bekanntheit. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum ein Poet eine CD veröffentlicht, anstatt ein Buch zu schreiben. Einerseits sei an heimische Dichter wie Gerd Rühm oder H.C. Artmann erinnert, denen die akustische Darbringung ihrer Gedichte ebenso stark am Herzen lag wie den Slam Poets, andererseits besteht naturgemäß zwischen der Hip Hop Community und den Slam-Poeten ein inniges Verhältnis. Dementsprechend groß ist das Repertoire an musikalischen Helfern, die dem Ruf des Dichters folgten.

Und obwohl Großmeister wie Krust herbeieilten und Rick Rubin produzierte, steht die einprägsam gereimte, reduktionistische Poesie des Protagonisten zu jedem Zeitpunkt unbestritten im Vordergrund. Die Samples, Scratches, Beats und Gitarren umrahmen und legen das Fundament, auf dem Williams seine verbalen Skizzen entwirft. Beides zusammen ergibt eine der spannendsten Platten des Jahres, und eine, die sich zur Abwechslung mal wirklich der Einordnung in jegliches Genre entzieht, Word Up!

datenschmutz und das Sprach-Splitting

StammleserInnen werden es notgedrungen bereits bemerkt haben: ich bemühe mich auf d/s konsequent, Splitting einzusetzen, also jenes spezifische Problem mancher Sprachen, dass man entweder nur die Manderl oder nur die Weiberl anspricht, durch großes "Binnen-I" und die/der Kombis zumindest partiell zu entschärfen.

Im professionellen Bereich ist Splitting so gut wie nirgends gewünscht - wenn ich Presse- und Marketingtexte schreibe, richten die sich - aus Gender Sicht halt - meist nur an Männer. Und ich versteh's ehrlich gesagt auch sehr gut: Splitting ist aus sprachästhetischer Sicht betrachtet einfach kacke, weil's den Sprachflow zerstört, beim Lesen rausreißt und häufig stört. Sogar mich als Autor der Texte. Warum mach ich's dann gerade hier am Blog, wo ich mir doch völlig frei aussuchen kann, wie ich schreibe?

Es gibt dafür nur einen einzigen, ganz simplen Grund: ich spreche häufig mein Publikum direkt an, und die vielen Jahre im Nahbereich linker ÖH-Organisationen haben ihre Spätschäden hinterlassen. Tatsächlich habe ich bei nicht-gesplitteten Texten mittlerweile selbst den Eindruck, nur Männer anzusprechen, und das stört mich, das nervt, ich find's doof. Punkt. Hat nix mit politischer Korrektheit zu tun, die in meinen Augen bloß ein delegatives Feigenblatt darstellt und schon gar nix mit Überkorrektheit und Berührungsängsten vor derber Sprache, ganz im Gegenteil - möchten Sie einen Beweis? Bitteschön: Titten, Titten, Titten! bzw.: Futkarli / -karla!

Mit anderen Worten: als alter Hip Hopper und Schönschreiber schlagen ach zwei Herzen in meiner Brust: und die Entscheidung war gar keine bewusste, sondern hat sich im Lauf des Schreibens einfach so ergeben... hätt ich ja nie für möglich gehalten :-) Das englischsprachige Netz hat's da übrigens besser: von wenigen Ausnahmen abgesehen ("men" wird ja auch im Sinne von "Menschheit" verwendet) kennen englische Hauptwörter nur eine Geschlechtsform: the baker ist zugleich Bäcker und Bäckerin, daher tritt das Problem hier weitgehend gar nicht erst auf. Im Deutschen kann man sich fallweise behelfen und auf geschlechtsneutrale Formulierungen ausweichen, aber eben nicht immer - und für diese Fälle werde ich mich weiterhin vertrauensvoll ans Amt für Binnen-I's wenden. Ihre Meinung dazu täte mich übrigens brennend interessieren - stört Sie das Splitting? Finden Sie's gut? Bitte um Input, lieber Leserin!

Lady Bitch Ray: Knallhart und einfach genial?

bitch rayAchtung, Jugendliche unter 18 Jahren nicht weiterlesen! Dirty Langue folgt. Lady Bitch Ray sorgt aktuell für erhitzte Diskussionen in meinem BekanntInnenKreis: die deutsche Rapperin türkischer Abstammung nimmt sich kein Blatt vor den Mund, oder, wie sie sagen würde, die Muschi und denkt sich Texte aus wie: "Lady Bitch Ray fickt euch Schlampen in den Arsch / Du willst Anpassungen / ich bin dagegen / kein Schwanz ist so hart wie mein Leben." Viele Wege führen ins Fernsehen, das ist einer davon. Von wegen Gleichberechtigung: kaum sagt eine Frau laut "Fotze", fühlt sich das gesamt Feuilleton peinlich berührt.

Wer nun denkt, er habe es hier mit einer radikaleren Schwester Sabrina Setlur zu tun, der könnte falscher nicht liegen. (Okay, sie oder er könnte vermutlich falscher liegen, aber das ist eine andere Geschichte.) LBR ist Empfängerin eines Hochbegabtenstipendiums, schreibt gerade ihre Dissertation an der Uni Bremen und hat offensichtlich während und zwischen der Vorlesungen eine Menge Hip Hop Platten gehört und sowohl ausreichend schmutzige Phantasien als auch genug Marketingwissen um ihren persönlichen Goldbrunnen zum Sprudeln zu bringen. Aber lassen wir mal den Spiegel sprechen, der einen der besseren Artikel zu der un/stereotypen Dame zustande gebracht hat:

Ihr eigenes Label hat sie Vagina Records genannt. Unter dem Namen Vagina Style entwirft sie Kleidung - einen "Fotzen-Mantel" beispielsweise. Kürzlich ist sie in der Bezahlfernsehshow von Niels Ruf aufgetreten und hat sich von ihm den großen Zeh lutschen lassen. Erst Anfang der Woche mischte sie mit lasziven Sprüchen eine Maischberger-Talkrunde in der ARD auf und ernannte sich zur Nachfolgerin des Sexual-Aufklärers Oswalt Kolle.

Im Medienbiz unerfahren ist reichlich mit sekundären Geschlechtsmerkmalen ausgestattete Selbstdarstellerin keineswegs - die ehemalige Mitarbeiterin von Radio Bremen wurde seinerzeit gefeuert, weil den Vorgesetzten die Bilder im Netz nicht gefielen: ein früher Fall von Social Network Disobedience, sozusagen. Reyhan Sahin aka Lady Bitch Ray klopfte daraufhin selbst bei der Bildzeitung an um die legendäre Schlagzeile Zu sexy! Radio-Moderatorin gefeuert. zu evozieren. Also alles nur Kalkül? Mitnichten, sagt die Protagonistin:

Lady Ray hat eine Mission: Sie möchte die erste wirklich prominente Rapperin Deutschlands werden, ein weiblicher Gegenentwurf zu Sido, Bushido und anderen Verbalaggressiven. Sie nennt sich selbst eine Bitch, eine Schlampe, Lady "Bitch" Ray, und sie beansprucht für sich, die erste deutsche Rapperin zu sein, die offen zu ihrer Sexualität steht: "Ich ficke, ich masturbiere, ich reibe an meiner Möse. So what? Fuck you?"

In der Tat ist dirty language im US-Rap zwar an der Tagesordnung, aber hierzulande scheitert Verständnis meist ohnehin a priori: .at-Denglisch und Hip Hop Slang don't fit... aber wenn dann eine/r kommt und plötzlich deutlich dekodierbar die ganze Zeit von Fotzen, Ficken, Blasen und Co. rappt, ist natürlich Aufmerksamkeit garantiert. Derzeit wird Bitch Ray von Pressetermin zu Pressetermin herumgereicht. Bisher erschienen drei EPs, ein Album wird wohl demnächst folgen. Der Aussage des Tagesspiegels (gefunden in der Wikipedia) kann ich mich daher nur anschließen:

Der Tagesspiegel, der ihre Musik als "professionell" lobte, stellte fest, dass es ihr nicht darum gehe, Mechanismen von Provokation und Vermarktung vorzuführen - sie bediene sie vielmehr ganz offen. Ihre Strategie, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, gehe daher auf.

Dass sie (vor allem bei den türkischen) männlichen Kollegen und Rap-Fans auf geteilte Reaktionen stößt, dürfte auch nicht weiter überraschen: das Myspace-Gästebuch strotzt nur so vor Beischlaf-Angeboten und Hasstiraden, wobei erstere allerdings bei weitem überwiegen. Auf ihrem myspace-Blog verleiht die Ex-Radiomoderatorin dem Phänomen Vaginalisierung der deutschen Sprache völlig neue Dimensionen:

Die Spiegel-TV-Redakteure waren meine Gäste und hatten die Ehre, an Lady Biatchs Möse mal zu schnuppern, außerdem haben sie meinen ultimativen Bitch-Honour-Auftritt mitten in meinem Wohnzimmer erleben dürfen... ...mit Titten-Pressen und Muschy-Reib-Aktionen von der Aufklärerin höchstpersönlich.
[...]
PS: An die Neider da draußen: Bellt weiter, ihr habt bald meinen Gummischwanz gaaaaaaaaaaaanz tief im Arsch stecken, Nutten und Nuttensöhne, ich ficke euch in den Anus. Meine Songs schmettern euch.

Und das finden dann letztendlich nicht ausschließlich pubertierende Identitätssucher geil, wie der Kommentar einer jungen Dame zeigt:

hey lady ray ...hab dich im spiegel gesehn ..war leider nich mein spiegelbild...isch find disch super...naja n bischen bitchig...aber is ma ne nedde abwechslung zum "hartenberlineryeahischfickedeinemuddarap"... du schlampiges ding du machs gut

lady bitch rayDa Hip Hop zu einem hohen Grad davon lebt, Stereotypen zu perpetuieren (sorry, falls sich das jetzt so anhört, also ob ich was gegen Sprechgesang hätte: au contraire, unsere Liebesbeziehung feiert bald Goldene Hochzeit), und Härte plus Verbalaggression selbst in der Post-Alice-Schwarzer-Ära immer noch als primäre Männerattribute gelten, rennt ein Mädel natürlich ganz andere offene Sensationsreporter-Türen ein als ihre männlichen Berufskollegen. (Sidenote: vielleicht hätte Britney sich auch lieber an Dirty Language versuchen sollen, statt den Fotografen ihre unbeslipte Musche entgegen zu strecken.) Mir persönlich wär's ein bisschen zu viel Körpereinsatz, da bevorzuge ich dann doch konzeptionelles Marketing - mal ganz abgesehen davon, dass sowieso niemand sehen möchte, wie ich mich mit Nabelpiercing leichtbekleidet am Leopardenfell wälze... jedenfalls erinnert mich die ganz Inszenierung stark an Foucaults Schriften über den Körper - vielleicht doch kein Zufall, dass Lady Bitch Ray in Semiotik promoviert.

Da wird die Musik schnell zur Nebensache, wobei ich anmerken muss: die Songs am myspace-Profil gefallen mir. Phatte, zeitgemäß produzierte Beats, flowige Raps... gute Sache. Ziemlich abgedreht ist auch der Texte von Ich hasse dich, einer derben Beschimpfung von Sarah Connor, Jeanette Biedermann und Mel Beatz, die deutlich zeigt, dass Bitch Ray in der olympischen Kategorie "Dissen" jederzeit die Goldmedaille holen würde. Fürs angepeilte Zielpublikum bin ich wohl zu alt, aber ein paar Lady Bitch Ray Pladden würd ich sofort hier verlosen... macht sich sicher gut im Regal für "beängstigend gut gelungene weirde Marketingexperimente". Und wem das alles zu theoretisch klingt, der möge downloaden: bei Rap.de gibt's einen Track in hoher Quali zum Download: Hengzt, Arzt und Orgi (Direktlink)

Lady Bitch Ray bei Spiegel TV
Man beachte die großartige Meldung am Schluss: wissenschaftliches Arbeiten und Raptexte schreiben sei im Prinzip das gleiche, sagt Lady Bitch Ray. So viel zum Thema "Postmoderne goes Mainstream".

PS: Sabrina hat mir übrigens erzählt, dass der Auftritt bei "Willkommen Österreich" wohl eher peinlich ausgefallen sei. (Warum zum Geier lädt man eine Pornorapperin zur den Großeltern-Nachrichten ein? Oder war's doch "Österreich will kommen"?) Hat da vielleicht jemand einen Youtube-Link?

Blogistan Panoptikum Woche 49 2k7

Steel ist zurück - der deutsche Polizist bloggt wieder, und die Fans freuen sich, denn die Berichte aus der Polizeistube haben mittlerweile völlig zu Recht hohen Kultstatus erreicht! Im Übrigen zieht die Weihnachtszeit ihre schreckliche Spur der Verwüstung durch die Einkaufsstraßen - glücklich, wer alles im Internet bestellen und rechtzeitig vor dem Jahreswechsel wieder umtauschen darf, natürlich ebenfalls am Postweg.

F*ck, f*ck, f*ck

Das Four-Letter-F-Word dient Habba.tv als Messgröße und ergibt den fpm-Wert (f*cks pro Minute). Damit das Ganze nicht allzu theoretisch bleibt, gibt's jede Menge Anschauungsmaterial. Die auf ihre Essenz reduzierte Version von Reservoir Dogs hab ich schon mal gesehen, aber ich wusste nicht, dass sich der Cutter ebenso liebevoll um das Southpark Movie und The Big Lebowski stürzt, war mir neu - alle Videos gibt's bei Max.

Fröhliche Wissenschaft vs. sorgfältigen Journalismus

Der ORF beglückt uns in dieser Woche mit einer seltenen Hochblüte des Wissenschaftsjournalismus - oder wie hieß die Sparte schnell nochmal, in der man
alles frei erfindet? Unter dem Titel Schimpansen merken sich Zahlen besser als Menschen wird da vom überlegenen Kurzzeitgedächtnis unserer angeblich so nahen Verwandten berichtet. Der Planet der Affen steht jedenfalls kurz bevor - und die Sache mit dem Raub für den Paarungsvorteil werden die Burschen schon noch in den Griff bekommen. [via Walters monkey lounge Ankündigung.]

Hip Hop, grafisch aufbereitet

Diese Seite dokumentiert die Transposition eines Codesystems in eine anderes, nicht besonders kompatibles. Derlei Übersetzungen bergen einen gewissen inhärenten Komikfaktor, der sich in diesem Fall allerdings nur dann erschließt, wenn man die betreffenden Rap-Texte, die hier als Business-Diagramme dargestellt werden, kennt. Mein absoluter Fav dabei: Wu Tang Clan ain't nothing to fuck with:

wutang

Für alle Jeeps und Landcruisers, die back in the day, als alles noch so simple war, gepennt haben oder zu jung waren, gibt's das Originalvideo auf youtube! (Ja. So hörte sich Mainstream Hip Hop an, bevor ihn Fifty kaputt gemacht hat.)

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Auch nicht schlecht: The Luniz' I got five on it:

luniz

Festplatten verschlüsseln

Seit der letzten Parlamentssitzung des Jahres weht auch in .at ein ganz anderer Abhörwind - vielleicht löst diese Überwachungs-Staat Katastrophe (wider die Gewaltentrennung, frei nach dem Motto: wer braucht schon richterliche Anordnungen?) ja wenigstens die Diskussion darüber aus, ob man sich nicht vielleicht doch Parlamentarier und/oder Minister leisten sollte, die Gesetzesvorlagen *vor* der Abstimmung durchlesen... da kommt's jedenfalls gelegen, dass Bruce Schneier in seinem aktuellen cryptogram Newsletter eine Anleitung zum Verschlüsseln von Festplatten veröffentlicht hat.

Video der Woche: Start-Middle-Ende

So heißt das erste Video von Max, analog/digital komponiert anno 1991 auf der Angewandten. Das Oeuvre befindet sich mittlerweile in der Videosammlung der Kunsthalle und ist von dort als DVD wieder zu Max zurückgekommen, und der hat den Clip auf youtube hochgeladen - umatic Schnitt, Amiga-Grafik und hausgemachte Musik: et voilá:

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Damit bleibt mir nur mehr, einen besinnlichen 3. Rest-Adventsonntag zu wünschen - und dezent an die Blog-des-Monats Abstimmung beim Bloggeramt zu erinnern, wo auch datenschmutz nominiert ist.

CD-Verlosung: Rodney Hunter – Hunterville

27. November 2007bis9. Dezember 2007

rodney hunterAnfang November veröffentlichte Rodney Hunter sein zweites Soloalbum auf g-stone. "Hunterville" entwickelt den zeitlosen Funk-Groove Grundtenor des Debutalbums "Hunter Files" geschickt weiter: die neuen Tunes kommen ebenso dancefloor- wie wohnzimmertauglich daher. Bei datenschmutz gibt's "Hunterville" zweimal auf CD zu gewinnen - Hip Hop Fans, Funk-Afficionados und Groove-Enthusiasten willkommen - wer gewinnen möchte, hinterlässt einen Kommentar zu dieser Story.

Nach seinem ersten g-stone Release zog Rodney nach Berlin - aus der geplanten Kreativpause wurde dank des großen Interesses an den Hunter Files allerdings nichts: Europa- und US-Touren folgten, und die Erfahrungen mit den verschiedenen lokalen Szenen spiegeln sich am neuen Album deutlich wieder. "Hunterville" empfiehlt sich mit seinen laid-back, funky Tunes für Groovejunkies und Hip Hop Heads gleichermaßen.

Hunterville Gewinnspiel

datenschmutz verlost zweimal Hunterville auf CD - wer gewinnen möchte, hinterlässt wie üblich einfach einen Kommentar zu dieser Story. Bonusrunde: wer selbst ein Blog schreibt und dort die 8K Verlosung ankündigt und verlinkt, bekommt ein zweites Los für die Ziehung und hat damit doppelt so hohe Gewinnchancen!
Bitte unbedingt eine korrekte E-Mail Adresse eintragen, sonst sonst klappt's nicht mit der Gewinnverständigung. Das Gewinnspiel endet am 9. Dezember. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen, die Preise können nicht in bar abgelöst werden. Im Übrigen gelten die Standard Teilnahmebedingungen für datenschmutz Gewinnspiele.

Die Hunterville-Story

hunter3Reisen bildet auch musikalisch, und die von leeren Kilometern kann fortbildungstechnisch nicht die Rede sein, erklärt Rodney: "In Miami und San Francisco sind schnellere Beats angesagt, im Rest der USA wird in den Clubs eher Downbeat gespielt - man neigt ja dazu zu glauben, dass musikalische Trends weltweit ähnlich sind, aber in Wahrheit gibt's da sehr große Unterschiede. Ich habe versucht, die verschiedenen Stile und Infos zu synthetisieren und sie sozusagen 'in mein Regelbuch eingetragen'."

hunter2Trotz aller Erweiterung des Spektrums bleibt "Hunterville" der Produktionsweise und dem Groove-Appeal zeitgenössischer amerikanischer R&B Produktionen treu, aber Soundeinflüsse aus verschiedenen elektronischen Genres sorgen für Abwechslung. Ans Mikrofon lud der Produzent sowohl alte G-Stone Bekannte wie Earl Zinger und Ken Cesar, aber auch für g-stone neue Stimmen wie Zeebo und dem französischen Shootingstar Jay Sebag. "In Wien bin ich es gewohnt, den ganzen Tag im Studio zu sitzen - in Berlin gab's einerseits mehr Ablenkung, andererseits fehlte mir mein Umfeld dann doch. Seit dieser Zeit sehe ich Wien allerdings recht anders - die Stadt ist für mich ein angenehmer Ruhepol," erklärt Rodney die Gründe für die Rückkehr in die Stadt, in der österreichische Musikgeschichte mitschrieb: zu Beginn als Bassist bei der Mordbuben AG, später gemeinsam mit DJ DSL, Peter Kruder und Sugar B als Mitglied der legendären Moreaus belieferte er jahrelang unter anderem die Aphrodelics und DJ Tomekk mit Hit-Rohmaterial - die erfolgreichen Tunes brachten Uptight Productions schließlich sogar eine Grammy-Nominierung ein.

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Feelgood-Elektronik und entspannte Scientists-Musik gehörte schon immer zu den Markenzeichen des Uptight Labels, das Rodney Hunter gemeinsam mit Werner Geier liebevoll zu einer Basisstation der Wiener Elektronikszene auf- und ausbaute. "Hunterville" weicht noch weiter von Hip Hop Pfaden ab als der Vorgänger - der Wandel vom Beatproduzenten zum elektronischen Songwriter ist geglückt und dürfte den Kreis der Fans beträchtlich erweitern.

Kenichi Ebinas Magische Bewegungen

Mein Respekt vor den Leistungen von Breakdancern war immer schon riesengroß. Ein TED Talk Video zeigt allerdings deutlich, dass die Hip Hop Bewegungsvariante noch eine ganze Spur unglaublicher wird, wenn man sie mit ein wenig Magie vermischt.

Kenichi Ebina heißt der asiatische Zauberer, der hier Bewegungen vorzeigt, die nicht nur eine schier unglaubliche Körperbeherrschung erfordern, sondern auch auf sorgfältig komponierte Weise mit unseren gelernten Wahrnehmungsmustern spielen - echte Magie eben!

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