Fast allen großen Religionen dieser Welt gilt der Sonntag als der Tag des Blogistan-Panoptikums. Da machen auch wir atheistischen Laizisten keine Ausnahme und zelebrieren die Tradition mit dem gemeinsamen Rückblick von Linzerschnitte und datadirt auf sieben Tage ganz normalen Social Media Wahnsinn. Von während der Wehen twitternden Twitter-Gründer Ehefrauen bis zur specklastigen Feinkostabteilung reicht das Themenspektrum, kurzum: dieses Panoptikum hat wieder mal alles, also ohne weitere Ausschweifungen direkt in medias res:
Am 13. August brachte Mashable die Breaking News: Project Retweet verhilft der altbekannten Best-Practice zu offiziellem Feature-Status. Beim Retweeten setzt man ein "RT" an den Beginn der weiterzuleitenden Nachricht, in gewisser Weise handelt es sich um ein Äquivalent der E-Mail-Forwarding-Funktion (z.B. RT @linzerschnitte oder RT @datadirt). Retweets könnten sich - analog zu Backlinks bei Google - zu einer Art Twitter-Popularitäts-Währung entwickeln, die Integration die API und in weiterer Folge in 3rd Party Apps ist daher ein logischer Schritt. Noch sind aber nicht alle Details bekannt:
1. You can see if someone retweets a link with a small line that says "Retweeted by ___" under the tweet and the time when the tweet was sent.
2. Hovering over a tweet will soon make two options appear: Reply and Retweet. Reply is already supported by Twitter – it’s that little arrow that appears on the right when you hover over a tweet.
3. Clicking on the “Retweet” button will confirm if you really want to retweet this tweet to all of your followers
4. The retweet is done. It apparently shows the people that have retweeted it in your timeline. We’re unsure as to how many people can be listed in the "Retweeted by" section of any tweet.
Früher: Check, Cross-Check, Re-Check, Double-Check Jackson, wie die Zeitungswissenschaftler zu sagen pflegten. Heute dagegen: Retweet, Retweet, Nix-Check. Denn wie digiom richtig stellt:
NEIN, Sony hat KEINE Selbsthilfegruppe für Social Media-Abhängige gegründet! Das wäre eine eigene Studie wert: Inwieweit stimmen geretweetete Kurzdarstellungen mit der tatsächlichen Nachricht überein? Recht häufig klafft dazwischen eine gewaltige Lücke – z.B. auch in dem von Nicole Kolisch analysierten Fall 'Twittensnobelpreis', in dem Mark Pfeifle, "ein (ehemaliger) Sicherheitsberater der (ehemaligen) US-Regierung" vorgeschlagen hatte, dass Twitter für den Friedensnobelpreis nominiert werden solle. Was wurde re-re-re-tweetet? "Twitter für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen." Klingt natürlich toll – da ehemalige Sicherheitsberater aber noch immer nicht das Vorschlagsrecht bei der Vergabe des Friedensnobelpreises haben, war's natürlich Blödsinn.
Sehr lesenswertes Posting über multiple Social Media Wahrheiten: unbedingt auch die Videos im Beitrag anschauen - Bruno Kammerls Megawoosh ist verdammt gut gemacht.
Das legt zumindest eine aktuelle Studie aus dem CyberPsychology & Behavior Journal nahe:
The report concludes that there is a "significant association between time spent on Facebook and jealousy-related feelings and behaviors experienced on Facebook."
Das alte Bon-Mot "Was ich nicht weiß, macht mich heiß" findet also seine Fortsetzung im Social Web der Zwischenmenschlichkeiten. Man könnte natürlich auch sagen: je mehr Kommunikation, desto mehr Missverständnisse
Twitter hat Link-Shortener Services zu ungeheurer Popularität verholfen. Je nach Eleaboriertheitsgrad bieten die verschiedenen Services bloß die Basics oder weitergehende Features wie etwa Klick-Tracking Statistiken. adjix geht einen anderen Weg, schaltet via Frameset relativ dezente Werbung über die verkürzten Links und beteiligt den Nutzer an den Einnahmen.
Für mich hat sich, seit ich PrettyLinkPro einsetze, das Thema 3rd Party Short-URL Services völlig erledigt. PLP verbindet flexible, frei anpassbare Statistik-Reports mit einer ganzen Reihe von Cloaking-, Word-Replacement und Twitter-Publishing Funktionen und erlaubt über den "PrettyBar" optional auch das Einblenden von (Eigen)Werbung. Ein weiterer relevanter Unterschied zwischen 3rd Party Services und PLP besteht in der Zeit-bezogene Sicherheit (wer weiß, ob TinyURL und Co. ewig bestehen). Grundsätzlich wäre adjix ein interessantes Tool für Power-Tweeter - aber gegen PrettyLinkPro und Short-URLs auf der eigenen Domain kommt der Service nicht an.
Vor einigen Wochen erzählte Axel Maireder von einer aktuellen Studie über Social Networks, die an der Uni Wien durchgeführt wurde. Eines der erstaunlichsten Ergebnisse: aus nicht nachvollziehbaren Gründen würden viele Teenager mit ca. 16 Jahren, nach zwei jähriger Social-Networks-Aktivität plötzlich Reißaus nehmen und die diversen Plattformen mehr und mehr zu einer Gammelfleisch-Party mutieren. Über die Gründe wusste man zum damaligen Zeitpunkt noch nichts Genaueres. Ein Artikel im britischen The Guardian lieferte diese Woche allerdings erste Interpretationsansätze zu dieser Massenflucht: Die coolen Kids hauen ab, weil ihre Eltern (und Lehrer) plötzlich in den Social Networks auftauchen! Und das ist ihnen einfach URpeinlich...
Although their love of being online shows no sign of abating, the percentage of 15- to 24-year-olds who have a profile on a social networking site has dropped for the first time – from 55% at the start of last year to 50% this year. In contrast, 46% of 25- to 34-year-olds are now regularly checking up on sites such as Facebook compared with 40% last year.
Liebe Leser, wir gehören nun wohl alle offiziell zum alten Eisen!
Wie die FutureZone berichtet, will Facebook im Allgemeinen "kommerzielle Userprofile" verbieten und im Speziellen das Verkaufen von Statusmeldungen an Anzeigenkunden:
Das Soziale Netzwerk Facebook hat am Dienstag erneut Änderungen bei den Nutzungsbestimmungen vorgeschlagen. Diese beinhalten unter anderem ein Statement, dass private Nutzerprofile nicht dazu verwendet werden dürfen, kommerzielle Gewinne zu erwirtschaften. Konkret angeführt wird das Verkaufen von Statusmeldungen an Anzeigenkunden. Werbekunden dürfen freilich weiterhin bezahlte Anzeigen schalten.
Facebook geht mit dieser neuen Regelung den gegenteiligen Weg des Microblogging-Diensts Twitter. Mit dem Dienst Sponsored Tweets können Twitter-Nutzer ihre 140-Zeichen-Nachrichten an Werbekunden verkaufen.
Dazu wäre noch anzumerken, dass es sich bei SponsoredTweets *nicht um ein offizielles Twitter-, sondern ein 3rd Party Service handelt, genauer gesagt um ein Start-Up von Izea. Ich hab mich dort mal umgeschaut und kann die ganze Sache (noch) nicht ernst nehmen: Beim Launch wurde aufs Affiliate Programm vergessen, Anzeigenkunden gibt's noch so gut wie keine. Um einiges früher dran war übrigens Magpie, über das man wenigstens sagen kann, dass es so vor sich hindümpelt
Dass Werbekunden auch weiterhin bezahlte Anzeigen schalten dürfen, ist allerdings beruhigend. Und wer seine Statusmeldungen trotzdem verkauft, sollte sie wenigsten mit [bezahlte Quasi-Anzeige] kennzeichnen, damit Facebook die betroffenen Accounts auch zuverlässig sperren kann *rofl*
Bisher war Facebook ein riesiger Moloch, der eine Unmenge Daten in sich hineinfraß, hermetisch abschottete und nichts nach außen dringen ließ. Das wird die Plattform auch weiterhin bleiben - vorerst. Aber um mehr Übersichtlichkeit zu gewähren gibt es ab sofort eine bereits teilweise implementierte Suche. Ähnlich der Twittersearch werden die Suchergebnisse laufend aktualisiert, außerdem kann man in der Suche nun filtern: nach Pages, Gruppen usw. Und dann wäre da noch das neue Schlüsselfeature: die Keywordsuche mit dem Filter "Everyone"!
The new Everyone filter makes Facebook like Twitter in search, but it will take some time for people to learn to use Facebook the way they do Twitter, and it's not clear that the two models will mesh well on one social platform.
Erstmals lässt Facebook also zu, dass die Schranken des eigenen Freundeskreises durchbrochen werden. Keyword-Search auf Facebook - das bedeutet wohl feuchte Träume für die gefühlten 78 Prozent Marketer und Partyveranstalter auf Facebook...
In der Schlacht der Aggregationsgiganten 2.0 - Tech-, TweetMeme, SocialMedian und Co. sind die neuen Diggs - scheint Tweetmeme vorerst klar Sieger vorne zu liegen. TechMeme verlässt sich auf multiple, nicht dokumentierte Quellen:
At this moment, the must-read stories in technology are scattered across hundreds of news sites and blogs. That's far too much for any reader to follow.
Fortunately, Techmeme arranges all of these links into a single, easy-to-scan page. Story selection is accomplished via computer algorithm extended with direct human editorial input. Our goal is for Techmeme is to become your tech news site of record.
TweetMeme setzt ganz auf Twitter-RTs (siehe auch weiter oben) und liegt derzeit in der Gunst der User klar weiter vorne. Die Zahlenbasis ist durchwegs beeindrucken: für einen Platz in den Top-in-7-Days Charts braucht man derzeit rund 5.000 Retweets, für einzelne Kategorien wie Security reichen aber auch schon 5 Stück für einen Platz in der Top-in-24-hourse Liste.
Letzte Woche hat es auf Twitter wieder mal richtig gemenschelt. Denn es gibt sie noch - die Menschen, die Twitter zur Befriedigung privater Kommunikationsbedürfnisse nutzen - und nicht nur zur beruflichen Selbstdarstellung und als Trafficgenerator für die eigene Website. In diesem besonderen Fall gewährt @Sara, Ehefrau von Twitter CEO Evan Williams sehr private Einblicke:
Nun, auch aus privaten Meldungen kann man einige interessante Schlüsse ziehen - so verrät dieser Tweet wohl, dass man auf die Twitter-Monetarisierung noch länger warten wird müssen...
Anm. li schni: Bei @ev handelt es sich um Twitter-CEO Evan Willams... Mashable kennt weitere intime Details.
Moslems finden Schweine ganz und gar nicht lecker, weite Teile der westlichen Welt tragen dagegen stolz Schildkappen mit der Aufschrift "Baconize it". Naja, eigentlich habe ich eine solche Schildkappe nur bei Frank in 30 Rock gesehen - aber wie auch immer: geräucherte Sau-Teile, in dünne Streifen geschnitten und liebevoll als "Speck" betitelt (Nachfrage unnötig: ja, die Osttiroler sind die Weltmeister in der Herstellung dieser Delikatesse), umhüllen gegrillten Schafkäse, finden ihren Weg zwischen Burgerhälften, auf morgendliche Eierteller... falls Sie Vegetarier sind und Ihnen an dieser Stelle bereits schlecht ist, entschuldige ich mich - ich hätte Sie vorwarnen sollen, aber besser später als nie: es wird noch schweinischer! Auf Recipestar.com finden Afficionados ein liebevolles Tutorial mit dem vielsagenden Titel How to use Bacon to make your life incredible & amazing. Mein Favorit:
Attach bacon to your hard drive.
Every time you download a large file, the smell will be glorious.
Auf derselben Seite gibt's auch ziemlich unterhaltsame Quizzes rund ums Thema Feststoffzufuhr durch den Mund. Ich bin übrigens "extremelely experienced in the foods of the world", und wenn mich ein Kannibale essen würde, "I would most likely taste like barbequed beef". Mhmmm, yummy!
Großartiger B/W Shot eines Kicksportkampfes von Latente Le Balene Fossili al Governo. Das Bild heißt übrigens Lo sport di quelli che si tirano i calci in faccia:
Joe Simon hat Regie geführt beim neuen Video von Mutiny Bikes, das ab September auf DVD und Blue-Ray erhältlich sein wird. Auf Vimeo gibt's den Trailer zu "Let's get mystical" und weitere Videos einer der weltweit besten BMX-Crews. Die Jumps und die Kameraarbeit sind ein Hammer, ich freu mich auf die Vollversion:
http://www.vimeo.com/5859589Die Welt ist wieder sicher!
Der Online Reputation Manager ist tot, hoch lebe die absolute Datensicherheit! Google bietet nun das lang erwartete, absolute Datenschutzkonzept: Das Google Opt Out inklusive Google Opt Out Village.
Über die Mietpreise in Opt-Out Village sind noch keine näheren Details bekannt - Ihre Web-Chronisten Linzerschnitte und datadirt bleiben selbstverständlich Woche für Woche für Sie am laufendenden. Danke für Ihre Aufmerksamkeit, wir lesen uns am Montag.
Haben Sie etwas länger Zeit, als die üblichen 0,22 Millisekunden, in denen man die Inhalte einer Website gemeinhin im Super-Kurzzeit-Gedächtnis abspeichert und quasi in Echtzeit wieder vergisst? Der folgende Beitrag von Kim de Vries befasst sich wissenschaftlich mit einem Phänomen, das wir alle eingehend aus der täglichen Surfpraxis kennen: der symbolischen Kommunikation auf Facebook. Wer noch nie ge-super-poked hat, der schwinge das erste Bein
Ich freue mich jedenfalls außerordentlich über diesen Gastbeitrag von Autorin Dr. Kim de Vries, die an der California State University Stanislaus arbeitet. Wir liefen uns auf Facebook über den Weg, wo sich sozusagen unsere Poke-Radien überschnitten. Kim wiederum kennt so unzwielichtige Gestalten wie meine Studienkollegen Bernhard Rieder und Mirko Tobias Schäfer: die Welt ist also online und offline klein. Aber genug der einleitenden Worte - allen Kommunikationswissenschaftlern und interessierten Beobachtern aktueller Geschehnisse wünsche ich viel Vergnügen mit der folgenden Lektüre.
Bite, lick, or tackle them back, or click here to theorize about what this all means.
Though Facebook was initially the province of college students, it has become popular with a broad range of users since opening its door to anyone with an email address in September 2006. However, until very recently, most research on Facebook has focused on the student demographic rather than exploring how Facebook is growing into a massive online society that is inhabited by many different groups using Facebook in a variety of ways for a variety of reasons. The academics studying Facebook generally join it and use it in order to observe students; now that more faculty are using Facebook outside the classroom, to organize events and to socialize, turning the focus to our own use of Facebook reveals that our own communities are being affected as well.
As of August 2008, Facebook is one of the most rapidly growing social networks, boasting 100 million active users, translated into twelve European and a growing number of Asian and African languages. The extent to which groups of people connected on Facebook can be defined as communities is highly debatable and a useful alternative has been suggested by Rieder and Schäfer: "forms of interaction and collaboration characterized by fleeting encounters, transient teamwork and weak ties – social spaces that may or may not evolve into more stable forms of sociability (2007)." They go on to propose considering these social spaces as "hybrid foam," with foam's ephemeral qualities. But when Facebook connections occur between people already connected in other ways, such as professionally, it may act as a stabilizing agent, encouraging those connections to become stronger and more permanent.
Analyzing the kinds of communication that differ from the textual exchanges common via email, blogging and commenting, online forums and so forth shed light on what may occur when we begin to Connect with our colleagues through Facebook. Facebook provides novel and amusing ways for people to connect. More importantly, the connections feel more embodied, so that users may believe they are getting to know people in a more personal way than through an email list or chat room. Participants may also be more inclined to display ludic behavior because by virtue of meeting on Facebook, which is a rather un-serious place, a certain level of playfulness is assumed. However, the fact remains that while we may participate in a variety of communities via Facebook, including fan, artistic, social, familial, and professional, these traces of this communication may be visible to all of our communities, though the communications may only be appropriate to one. Thus, our participation in various spheres actually does not happen in separate 'bubbles' but may in an additional way be considers as a sort of foam in which there may be shared borders or interpenetrating cells.
Because various social spheres may interpenetrate on Facebook, academics who participate there risk crossing social boundaries. Just as we warn our students, we have to consider who we add as friends and what they can see us doing. A number of articles have recently focused on the risk of losing students' respect by using Facebook, yet this does not seem to stop most faculty from using Facebook. And what about what our colleagues may see? What do we gain from taking these communicative risks online, and how is our use of Facebook to communicate and form social connections affecting offline scholarly communities?
These are vast questions and providing a comprehensive answer is beyond the scope of this paper, but considering an exemplary case will suggest what possibilities might be profitably investigated.
Kenneth Burke's pentad provides a helpful framework with which to understand communication (Burke 1945). According to Burke, any human interaction (or text) may be analyzed in terms of five elements framed as these five questions:
Rhetorical analysis is then performed by examining the how pairs of the elements function within the interaction or text, and by demonstrating how one member of the pair determines the other member's nature. The results of such an analysis may reveal contradictions between what is stated by a rhetor (writer, actor, or speaker) and what is supported with the rhetorical evidence he or she presents. In this case however, the issue is not that people on Facebook are trying to willfully mislead each other (though some may be trying to), but rather that the intentions of users in carrying out actions are not the same as the intentions of designers in promoting the same actions, nor are the interpretations of recipients necessarily accurate.
Though communication is always mediated, in the case of Facebook, the physical distance and the interface my both introduce distortions into our understandings of each other, even while creating the impression that we are getting to know each other very well indeed. Performing a rhetorical analysis will help shed some light on how scholars are connecting on Facebook, and on how these connections are affecting our communities. Ultimately we may see that our professional networks are actually being changed by an online interface.
Further, Facebook may be more generally contributing to the development of hybrid agency, shared between user and system. For academics to be come conditioned to this hybrid agency may have quite important implications as well. To explore these issues, and exemplary analysis of some members' use of the Superpoke application was conducted.
The acts being considered are communications through Facebook applications, and an exchange of Superpoke gestures is the exemplary case. The specific gestures vary, and this variation makes clear that the definition of an "act" is complicated when it is virtual, not actual. Wishing someone "happy birthday" can be expressed through a variety of media without the message varying much, but slapping someone with a trout would be very different if carried out in person; it's virtual meaning depends on the fact that it is virtual.
The most obvious agents are Facebook users, but arguably the system itself and the developers become agents in the way they channel user actions. Each user chooses how and when to communicate, but the system encourages certain actions by frequently reminding users to respond to communication of another user; by suggesting certain actions -- like explicitly choosing to have a gesture featured in the newsfeed; and by rewarding a higher volume of communication generally.
In one sense, members use their own agency--they decide how to communicate. But on Facebook, members use the Facebook platform to communicate, in particular choosing from an array of applications which offer limited choices and in that way channel user behavior. In this case the Superpoke application allows users to make a variety of gestures, largely physical/audible toward one another. A gesture may be sent either to one friend from the user's friend list, or broadcast to many. Depending on how both sender and receiver have set their privacy options, the gesture may be reported in the Newsfeed (on the member profile page) and on the Minifeeds of each members' friends. Arguably we see and emergent hybrid agency developing in all of these applications, that combines user agency with that of the system and the developers.
The scene is the Facebook platform, specifically the profile and home pages of the members engaged in the exchange. However, thanks to applications like Plaxo and Friendfeed, which collect social network news across platforms, the gestures maybe re-posted outside of Facebook. Further, the news of the gestures maybe discussed in other venues--in blogs, email, in person--so that the borders of the scene are fluid. The permanence of the gestures, forever recorded, marks a sharp distinction to the real-life actions they mimic.
Possible explanations for participants' devotion to Facebook and willingness to play are suggested by recent research on the problem of establishing co-presence online (Zhang 2007), how embodiment and presence are experienced in online communities (Marshall 2004), and through consideration of the hybrid foam metaphor recently suggested as a replacement for network (Schäfer 2007). Application developers also have their own purposes, the primary being to encourage more and ongoing use of the application.
Purpose is a key element in this analysis because participant interpretation of each other's purposes shapes the idea each forms of the other's personality and identity. Further, because online sociality functions in some ways differently from sociality enacted in person, understanding participant motives depends on understanding those differences. Finally, participant purpose is always channelled by the design, and so it always echoes the developers' purpose to some degree. The analysis begins with the participants' purpose, because this purpose underlies not just use of Superpoke, but of Facebook more generally.
Jonathan Marshall has argued that participants in online communities often experience "asence" or ontological uncertainty experienced online because "there is no marker of existence beyond the act of communication itself (Marshall 2004)." Facebook differs not only in combining the permanence of the homepage/profile with email- and bulletin board- like functions, but especially in offering games and other applications that mimic physical experiences and leave highly visible traces. Thus on Facebook even if participants are not in steady communication, asence is reduced.
A striking aspect of this shift is the transgressive behavior often exhibited as a matter of course inside Facebook toward those who are colleagues and may become friends. Marshall has suggested that members of online communities may use sexual behavior to establish intimacy and maintain contact, much more so than in face-to-face relationships. Many email lists explicitly warn participants away from overly personal chatter, but this stricture would seem at best counter-productive and at worst stodgy in an environment like Facebook. The flirtatious tone of many Facebook applications may attract users because it perfectly addresses this already established mode of online communication. the appearance of this dynamic in a space that is at least partially professional however, is a shift, and may seem far-fetched to those who have not experienced it. This flirtatious dynamic can be seen clearly with some of the most popular applications.
The Superpoke application allows users to send gestures and actions to friends who have also added Superpoke. The possibilities range from seasonal or holiday greetings, to romantic or sexual acts, to mean or even violent gestures. Wishing someone Happy Chinese New Year is fairly unequivocal, but the actual meaning expressed when one user licks, tackles, whips or throws a sheep at another is open to a wide range of interpretation and sexual innuendo can easily be conveyed. In addition to strengthening a feeling of intimacy through flirtatious behavior, ambiguity may also contribute to making Superpoke seem entertaining to scholarly types; every message or a series of them can be treated as a puzzle to be solved or a cypher to be decoded.
But whatever else is accomplished when these message are exchanged, the goals of the developers are always fulfilled, so long as communication continues.
Ambiguous communicative motives may be observed in the Superpoke feed of Hans Bernhard, a member of the artist group Übermorgen.

If each of the five elements are considered in this exchange, on the surface, agent varies according to who sent the poke, and motive may vary as implied by the different actions chosen. In choosing to use Superpoke instead of text, the participants in the exchange have already opted for a potentially more ambiguous mode of communication, and also one that "feels" more embodied. In the above history of gestures, we see some that are sociable and friendly, such as dancing, giving cookies, hitting the beach, or finding enlightenment. But we also see some that are ambiguous, like throwing Yuri Gagarin or hypnotizing, and some that are downright naughty, like spanking, taking sexy pictures, and going wild. Complicating the interpretive task for participants is the accumulation of gestures, how the gestures directed at one friend compare to those directed at another, and each member's cultural awareness of what gestures mean. In spite of ample room for misunderstanding, exchanging gestures often leaves the people involved feeling they are getting to know each other much better than if they were simply exchanging text messages. Further, because the gestures occur in what is already defined as a friendship (because participants must be on each other's friends list) apparent hostility must be assumed as humor, while flirtation may be meant as a joke, or meant seriously. However when we say "seriously about virtual actions, what doers this mean? Were we meeting in person, I would not in fact be able to hypnotize Hans, nor would R. Pettauer be able to toss a long dead astronaut at him. So along with always being already defined as friendly, these actions are also always part of a game the participants play together.
This kind of playful activity seems especially concentrated during times when in a relationship carried out in person, participants might normally meet, whether because of a specific event, like a birthday, or because the relationship is advancing. For example, the following brief but concentrated exchange took place between myself and a fellow internet scholar two days after meeting at a conference at which we'd spent a few hours after the banquet drinking and talking shop, but hadn't had any further chance to meet for more than a few minutes.

It does not appear to be a very friendly exchange, but in fact carries on the humorous tone already established when we met face to face, and though brief, this exchange served to confirm our initial impressions of each other. Trout-slapping evokes a sort of slap-stick humor, while a restraining order is a melodramatic over-reaction, and so also humorous. A hadouken references an aspect of Asian culture that would be known to fans of videogames, Japanese Anime, or Hong Kong action movies, so the gesture invites acknowledgement of a shared interest.
This may sound quite cozy and altogether positive; two colleagues maintain a connection rather than not. And in fact, it may in some ways be positive since, to continue this example, David and I are slowly moving toward working on some Facebook research together. However,we are also following a path laid out by the Superpoke developers and as we follow that path, we are becoming more and more conditioned to conducting parts of our professional exchanges in the game world, according to it's rules. Of course, users are not thinking of this when they choose what to do; they are thinking of how much they enjoy feeling more connected and as explained below, this has been an ongoing issue in online sociality.
When friendships form online, they often reach a moment when the new friends would meet face-to-face and the relationship would be carried out offline as well, but when this is prevented by distance or any other factor, the online channels must carry quite a load of information and feeling, which may serve to intensify the virtual exchanges (Marshall). Participants in this kind of relationship often become extremely intimate on an emotional level because physical intimacy is impossible. Note though that this does not only apply to romantic or sexual relations, but to all connections. With those who are physically proximal, we can easily exchange hugs or handshakes, share meals, go to museums or engage in hundreds of other physical activities which because they are public and common may not seem terribly significant or intimate. But shared physical experiences of any kind cement bonds between people, and also reveal a great deal about the participants to each other. We have an ongoing feeling of being together, or 'co-presence” (Zhang 2007). In many ways the exchanges on Facebook seem to stand in for physical encounters--going to lunch or for drinks, attending cultural events, etc.
Superpoke provides a selection of actions that users choose from in order to express interests, political views, flavors of humor, and so on. But any action can be intended seriously, or ironically (or both). Understanding each other's motives becomes paramount because compressing all contact into an online channel intensifies the exchange, and the more effort users expend in interpretation, the more committed they are to the exchange. So by offering some actions that may be cryptic to some users and require them to make an interpretive effort, developers increase the odds that users will continue the exchange.
Of course not everyone uses Superpoke, but similar exchanges can be observed in Boozemail, Free Gifts, Hug Me, and numerous other applications. Further, as has been pointed out, playing a game conditions us to the game-world or system. In this case Facebook conditions us to a world in which we interact playfully with everyone, whether they are friends or colleagues, shifting the tone of all these relationships in a more playful and sometimes transgressive direction. Playing with others we feel we get to know them better. In addition to asence being reduced and co-presence maintained between individuals, this occurs also in groups and communities.
It seems the playful or ambiguous tone prompted by Superpoke and other applications has influenced professional communities on Facebook, such as the intriguingly titled 'Critical Theory and Theorists are Hot.' In fact, many serious scholarly groups now have a presence on Facebook, such as the Institute for Distributed Creativity; Theory.Org; the Electronic Literature Organization; the Society for Literature, Science, and the Arts; and of course the Association for Internet Researchers, to name just a few. On the last for example, members can identify who else is attending the conference and find any friends shared in common, which may create a stronger feeling of belonging in the group. In these groups, members interact through wall posts or forum discussions in a manner that may feel more embodied and 'authentic,' and especially in conjunction with the other interactions facilitated and even prescribed by Facebook applications that we see a real shift in the way we are meeting and establishing hybrid social/professional relationships. But do we really get to know people in the same way as we would interacting in person, or if not, what impact does the difference have on our personal/professional connections?
Several applications offer to illustrate a user's social connections, often with the implication that by collecting all kinds of data, some revelation will be found in the subsequently generated map. In fact examining the Facebook application "Nexus" reveals that though network visualization applications are supposed to reflect participants' social connections, they often offer a distorted view, suggesting that Facebook itself may offer a distorted view. Facebook seems to allow certain kind of expansion of user's social network. For example, the Nexus screenshot below appears to show a dense network among some of my friends/colleagues, with some connections leading out of the frame from Monty Cantsin and Karen Elliot.

Were we to expand the picture, we would find that Monty Cantsin and Karen Elliot connect this cluster to two other dense cluster of my friends. However, both of those "people" are fictional. Any user can of course see where these kinds of representations are distorted in their own relations, but from the outside, there is no way to know how accurate they are, unless one has the offline knowledge to draw on. In this case, not everyone would know that "Monty Cantsin" is in fact not a real person. Further, unless they are well known in person, even people in one's own network may interpret notices from Facebook applications that they share movie taste, life goals or other preferences as accurate representations, but are they? In many ways distortions may be introduced that are not discovered until a relationship moves beyond the prescribed interactions of Facebook applications to actual conversation or meeting in person. But seeing behavior that in its playfulness or apparent intimacy is occasionally inappropriate may lead people to perceive it as more authentic and the person observed as more candid and "real."
This preliminary analysis suggests that Facebook is affecting our communication practices and our communities in several ways. First of all, the rhetorical analysis reveals that while Facebook applications appear to simplify the rhetorical situation by reducing the number of variable elements, in fact the remaining elements become harder to interpret, and agency is divided between users, the system, and developers. Second, because the applications channel user actions in a more playful direction, they condition users into coming to expect this kind of playful exchange and to engage in it themselves across social spheres, rather than distinguishing between them. Third, though these exchanges reduce asence, strengthen feelings of co-presence and make participants feel they know each other better, when not combined with face to face interaction, the opportunity for misperceptions is great.
These conclusions need to be verified and elaborated trough study of a much larger sample, but a challenge in conducting this research is data collection. Because most Facebook users restrict their profiles to friends, observing a representative sample becomes quite difficult. While surveys are being attempted, relying on self-reported behavior has some problems. The best approach now seems to design a Facebook application and that represents the next step proposed in order to determine the wider impact on scholarly communities and connections.
In spite of the risks of transgression and distortion, forming connections that are playful and emotionally more intimate can be positive in personal and professional terms. People with whom we have formed multi-valent relationships online may also become people with whom we might collaborate on research, or organize conference panels, or at least go to for advice when visiting their home countries/cities. If the kind of communication fostered by Facebook does indeed promote these kinds of connections, that will have a profound impact on scholarly communities. Until now, in spite of the ease of communication offered by the Internet, when it comes to collaborative work, "space still matters (Borner 2007)." Thus I ultimately argue that we are making a deal with the devil: users sharing playful and even transgressive exchanges strengthen their social and professional bonds. In circles where communication is often ephemeral, limited to a brief chat at a conference reception or an exchange on a mailing list, Facebook may be especially attractive. But as we use this amusing and useful platform, we are first and always fulfilling the purpose of developers who don't care what we say, as long as we keep talking.
"Es reicht", plakatiert die ÖVP im österreichischen Sonderwahlkampf (Briefmarkensammler aufgepasst!), und die SPÖ antwortet mit einem nicht minder eloquenten "Genug gestritten". Erstmals stehen sich somit, wie Armin Thurnher im Falter-Editorial der ersten Augustausgabe anmerkt, zwei absolute Null-Aussagen gegenüber, und selbst die überirdische Kompomente des Streits um die Wählerherzen erreicht ehrlich-österreichisches Stammtischniveau.

Ich koche nicht nur gern, sondern gehe auch sehr gern essen, daher wird’s an dieser Stelle zukünftig den einen oder anderen Hinweis auf empfehlens- oder meidenswerte Wiener Lokale geben; und in 10 Jahren ersetzt dann der Guide Datenschmutz den angestaubten Millau oder so… Als Auftakt folgt ein weniger gelungener Abend mit Fremdbewirtung in einer neuen Wiener Pizzeria: denn die österreichischen Tageszeitungen brechen geradezu in Lobeshymnen aus, wenn sie über die Mari schreiben. Ich hab zuerst in der Bunten Wahrheit aka Kronenzeitung und dann im Standard (Rondo) über das Lokal gelesen gelesen, das vor kurzem bei mir ums Eck aufsperrte. Dort seien die einzig wahren, die echten neapolitanischen Pizzen zu haben, so, wie man sie in Wien sonst nirgends bekäme. Das stimmt: eine so fade und in jeder möglichen Kategorie durchfallende Pizza bringt nicht mal der alte Fuchs Doktor Oetker aus dem Ofen - aber alles der Reihe nach.
Das Lokal versprüht spröden Kachelcharme, die 70er Jahre Salzstreuer fügen sich “harmonisch” in die übrige Einrichtung. Die Karte suggeriert Konzentration aufs Wesentliche und offeriert neben einer Portion Oliven und einer Handvoll (6 oder 7) verschiedenen Pizzen bloß Flüssiges: keine Zuppa, kein Insalata, keine Nudelgerichte. “Also muss die Pizza echt grandios sein”, dachten wir uns. Allerdings war mir so gar nicht nach Veggie-Style zumute, blieb also nur die Wahl zwischen Salami- und Salsiccia-Pizza. Zweitere sei aus, erfuhr ich auf Nachfrage, eine Tagespizza gäbe es nicht, antwortete mir die Kellnerin vollkommen erstaunt auf diesbezügliche Nachfrage - mein Anliegen schien ihr sehr absurd. “Gut, dann nehme ich eine Pizza Salami mit extra Büffelmozzarella,”, fügte ich mich in mein Schicksal.
Die Servicemitarbeiterin blickte mich nachdenklich an und klärte auf: “Das geht leider nicht. Ich könnte Ihnen aber eine Büffelmozarella-Pizza mit extra Salami machen lassen, das ist quasi das gleiche.” Als ich nach mehreren Sekunden Pause schließlich bemerkt hatte, dass sie keinen Scherz machen wollte, stimmte ich dem Tauschhandel resignierend zu - dabei hätte ich doch viel lieber eine Salamipizza mit Mozzarella als umgekehrt gehaben
Anja entschied sich für die Ripiena, ein kürzlich in Mode gekommener Ausdruck für die gute alte Calzone. Die isst aber ohnehin kein Neapolitaner, denn die klassische Touristenpizza kriegt prinzip-bedingt nie jenen knusprigen Boden, der diese speziellen Fladen auszeichnet.
Der Koch der Pizzeria Mari füllt besagte Ripiena mit riesigen Mengen vollkommen ungewürzten Ricottas mit ein paar winzigen Stücken von Prosciutto Cotto, der sich aussah wie Aldi-Toastschinken und nach genau gar nix schmeckte. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Ricotta in einer Ripiena nix verloren hat - aber wenn schon, dann müsste man diesen geschmacklosesten aller Frischkäse mindestens mit ein wenig Basilikum und Knoblauch aufpeppen, von Salz ganz zu schweigen. So schmeckt die ganz Partie wie eine unglaublich fade, viel zu groß geratene Kärntner Kasnudel…
Blieb noch meine Pizza, die beim Auseinanderschneiden gleich mal eine Menge Wasser ließ. Erwartungsgemäß war der Boden innen ziemlich matschig und vollgesogen, während der erhöhte Rand keineswegs die erhofften Luftblasen, umschlossen von oblatten-artig dünnen Teigschichten, enthielt, sondern von der Konsistenz her eher an einer mittelschweren, teigigen Weißbrotfladen erinnerte. Außer eines verlorenen wirkenden Blatt frischen Basilikums waren Gewürze auch hier Fehlanzeige; da konnte die ach so tollen Dosentomate direkt vom Vesuv auch nix mehr dran ändern. Zumindest die Salami stellte den alten Spruch, dass Fett ein Geschmacksträger sei, eindrucksvoll unter Beweis.
Originell fand ich auch die Interpretation des beliebten Chili-öls: schäzungsweise fünf Chilikerne in einer Kanne mit mittelmäßigen Olivenöls machen weder einen Sommer noch Schärfe - ich bildete mir einen leicht ranzigen Unterton ein, das könnte aber auch die Enttäuschung über das fehlende Capsaicin gewesen sein.
Wie eingangs erwähnt denken Karin Schnegdar von der Kronenzeitung und der Standard ganz anders darüber - also entweder hat der Koch einen verdammt schlechten Tag erwischt, oder die Artikel entstanden nicht unbedingt aufgrund eines Testessens… da lob ich mir doch meine aktuelle Lieblingspizzeria I Carusi. Mit der Rindscarpaccio-Pizza, bei der vom Teig bis zum Belag einfach alles perfekt stimmt, könnte sich Pizza Mari eine große Schnitte abschneiden... das ist eben wie beim Minimal Techno: je mehr man sich aufs Wesentliche beschränkt, desto deutlicher fallen Fehler auf.
Andi Schabus hat mit dem MS Robotics Studio einen Tennisroboter programmiert, den er bei den Big Days vorführen wird. Auf msdn wurde die ganze Sache in Comicform festgehalten - ein Bild sagt eben mehr als tausend Worte, ob gezeichnet oder gerendert. Auch sonst war die vergangene Woche ebenso wie ihre Vorgängerinnen keineswegs arm an bemerkenswerten Ausschlägen des Blog-Oszillometers.
Der bekannt amerikanische AI-Forscher Jaron Lanier steht der Wikipedia äußerst misstrauisch gegenüber. Das Kollektivprinzip "die Gruppe weiß mehr als der einzelne" erinnert ihn an faschistoide Strukturen, wie ein sehr lesenswerter Artikel in der Zeit berichtet:
In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind. Dahinter steckt der Narzissmus all dieser kleinen Jungs, die der Welt ihren Stempel aufdrücken wollen, ihre Initialen an die Mauer sprayen, aber gleichzeitig zu feige sind, ihr Gesicht zu zeigen.
[...]
Tatsächlich trage Wikipedia totalitäre Züge, weil es die Meinung vertrete, Kollektive könnten Ideen und Intelligenzformen hervorbringen, die jenen von Individuen überlegen seien. Damit negiere das Internet-Forum das Wissenspotenzial des Einzelnen zugunsten einer anonymen, gleichförmigen und gleichmacherischen Einheitsbewegung. Einer Bewegung, die Ähnlichkeiten mit Ideologien aufweise, die wie Nationalsozialismus und Bolschewismus auf schiere Masse setzten.
Hart ausgedrückt und ziemlich tendenziös - eine Glorifizierung des Konzepts Autorenschaft erinnert mindestens so sehr an Totalitarismus wie die Glorifizierung der Masse an Faschismus... deswegen jegliches kollektive Wissensprojekt vorzuverurteilen greift zu kurz, weil diese Argumentation das klassische Verlagssystem zum Heiligen Gral der Wissensproduktion stilisiert. Dennoch trifft Lanier einige neuralgische Punkte, an denen die Wikipedia noch hart zu knabbern haben wird: und wenn demnächst Brockhaus mit seinen 300k Artikel online geht, dann wird sich - zumindest im deutschsprachigen Raum - deutlich zeigen, welches der beiden Autorenschaftskonzepte sich als das überlegene erweist.
20% der dänischen Bevölkerung sind nicht zum Frühaufsteher geboren, sagt die SZ:
Sechs Prozent der Bevölkerung macht nach Meinung des dänischen Schlafforschers und Neurologen Morten Møller der harte Kern der Morgenmuffel aus, die ohne Vergewaltigung ihrer selbst nicht früh aufstehen und schon gar nicht frühmorgens bei der Arbeit funktionstüchtig sein können. Auf 15 bis 25 Prozent schätzen die Wissenschaftler den Anteil der Gesamtgruppe an "B-Menschen" an der Bevölkerung. So nennen die Dänen Langschläfer, die ganz einfach viel besser funktionieren, wenn sie ein bisschen länger in den Federn bleiben können.
Vor sechs Wochen erhob SEOMoz demographische Daten über den gemeinen Suchmaschinenoptimierer; die Ergebnisse sind nun eingelangt und in Kurzform als Blogartikel sowie als umfangreiche Auswertung mit Charts verfügbar. Dabei treten ein paar recht interessante Fakten zutage: SEO lernten fast alle Befragen im do-it-yourself Verfahren - kein Wunder, formalisierte Ausbildungen sind samt und sonders zu langsam für die rasante Google-Achterbahn
"Der schlaue Farmer düngt draußen statt drinnen", so eine alte Bauernregel aus den USA. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum Word aus "Presseaussendung" bei der Rechtschreibkorrektur gerne Presseaußendung machen möchte - das nenn ich mal eine originelle Interpretation der neuen alten Rechtschreibung!

Was gab's ansonsten in dieser Woche noch so an weltbewegenden Geschehnissen? Nun, ich hab die oberste virtuelle Zweiradliga bei Onetrack erreicht und darf nun endlich das Hellbike mein eigen nennen. Sozusagen das Äquivalent zu WoW Level70 und T6 Equipment... naja, nicht ganz. Dennoch: der fahrbare Untersatz des Ghost Rider hat schon was, obwohl ich aufgrund des dekorativen Totenschädels ja eher von einem Piratebike sprechen würde... wie auch immer: angenehmen Restsonntag wünscht Ihr datenschmutz-Rider!

In der Frankfurter Rundschau erschien am 28. März ein Reprint eines übersetzten Artikels von Louis Bayard über dessen aktuelle Einschätzung der politischen Position des Dalai Lama. Nix gegen Kritik am Oberhaupt der buddhistischen Religion, aber Abschied vom Dalai Lama verfolgt eine sehr seltsame Argumentationslinie:
Die tibetische Exil-Regierung wird von keiner einzigen Nation anerkannt, und nach jahrelanger Politik der Anpassung und Passivität - der Dalai Lama fordert keinen separaten tibetischen Staat mehr, sondern nur noch die friedliche Koexistenz mit den Chinesen - sind die Besatzer um keinen Millimeter zurückgewichen.
[...]
Das dürfte vor allem daran liegen, dass er (der Dalai Lama) so wenig von uns verlangt. Für das westliche Publikum gibt seine Botschaft nicht viel mehr zu verstehen als ein Benetton-Plakat: Seid nett und lebt glücklich. Es wird kein ernsthaftes Glaubensbekenntnis gefordert, ja nicht einmal ordentliche Geldgaben scheinen zu interessieren (zum Glück hat der Schauspieler Richard Gere die Badezimmer des Dalai Lama bezahlt). Es werden keine (Selbst-)Opfer gefordert, fühlen Sie sich einfach frei, Ihr "Free Tibet"-Banner vor irgendeiner chinesischen Botschaft aufzustellen. All das ist nicht gerade viel angesichts der mehr als sechs Millionen Tibeter, die unter der Gewaltknute Chinas zu leiden haben. Aber was fordern, wenn der Dalai Lama selbst der Volksrepublik verziehen hat? Das sagte er: "Unsere wirklichen Feinde sind unsere schlechten Gewohnheiten, die uns denken lassen, dass wir Feinde haben... Den Terror, den wir erleben, haben wir selbst angerichtet.
Die FR erlaubt keine Kommentare, sondern nur sogenannte "Leserbriefe" mit der Option auf Veröffentlichung... eine Frage zum Artikel konnte ich mir jedenfalls unmöglich verkneifen; denn eine Religion dafür zu verurteilen, dass sie "kein ordentliches Glaubensbekenntnis fordert", zeugt wirklich von gravierender Unkenntnis der Lehre Buddhas: im Gegensatz zu den meisten Religion gehen Buddhisten von den sogenannten "Fahrzeugen" (kleines, mittleres, großes) aus: im Wesentlich geht's darum, die Leudde dort abzuholen, wo sie stehen - und eben nicht um die ultimativ richtige Wahrheit, aber das nur am Rande. Mir stieß der suggestive Subtext des Artikels sauer auf:
Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, auf welche tendenziöse Interpretation die Lehren Tenzin Gyatsos im Westen stoßen. Die "Weltanschauung" der Dzog Chen Religion lässt sich nun mal, im Gegensatz zu Slogans von Firmen wie Benetton, nicht auf wenige Worter reduzieren; versucht man das trotzdem, dann kommt so ein "gut gemeinter Stuss" raus wie im vorliegenden Artikel. Ja natürlich kann man jeden Aufruf zur friedlichen Koexistenz als "Billigung" (von was auch immer verstehen)... aber das wäre eine lange Diskussion. Eine Frage interessiert mich allerdings brennend nach der Lektüre dieses Artikels: was wäre denn nach Meinung des Autors die Alternative? Dass der Dalai Lama zur Gewalt gegen die chinesischen Besatzer auffordert? Und überall verkündet, dass friedliche Koexistenz eben doch keine Option sein, weil Menschen halt ab und an ein paar aufs Maul brauchen?
Grissemann und Stermann, Moderatoren-Duo Infernale der hiesigen Fernseh- und Radiolandschaft, würde man nicht unbedingt zutrauen, Pro Siebens Uri Geller Show zu konkurrenzieren. Aber gestern Nacht war Jan Becker, deutscher Mentalist, bei den beiden zu Gast - und im Gegensatz zum erfolgreichen Trixxer Uri basieren Jans Tricks zwar nicht auf übersinnlichen (oder doch, je nachdem, was man denn nun als "übersinnlich" betrachten möchte) Fähigkeiten, sondern auf hartem Training und - soviel steht fest - einem ganz besonderen Talent zur Beobachtung von Menschen.
Über Jan Beckers eigenes Leben verrät die Homepage relativ wenig - der Mann, der die Gedanken anderer mit erstaunlicher Präzision lesen kann, verrät verständlicherweise nicht besonders viel über sich selbst. Live erleben kann man ihn derzeit in Berlin mit seinem aktuellen Programm Think Grotesque in Berlin, gegen Ende des Jahres sind Auftritt in Österreich geplant. Über sich selbst sagt Becker:
Es geht darum den Zuschauer im Theater vergessen zu lassen, dass er im Theater sitzt. Wenn du Traumhaftes und Realität verschmelzen lässt, schaffst du eine Surrealität. Mir geht es um den Umgang mit irrationalem Wissen. Die Möglichkeiten des Unmöglichen interessieren mich. [oe1.orf.at
Nun gut, was hat mich denn gestern nun eigentlich so dermaßen beeindruckt? In erster Linie personal trust: ich denk nicht, dass Grissemann und Stermann bei einem Schwindel mitmachen würden. Stermann musste vor der Sendung in seiner Garderobe eine einfache Zeichnung anfertigen und diese in einen Umschlag stecken. Am Ende der Sendung forderte Becker sein "Opfer" auf, an die betreffende Zeichnung zu denken und brachte anschließend zu Papier, was er "empfangen" hatte. Seine Zeichnung stimmte haargenau mit dem Original überein - zu Stermanns sichtlicher Verblüffung. Gezeichnet hat Stermann übrigens ein Strichmännchen hinter einer Mauer, das ungefähr so aussah:

Grissemanns Instant-Theorie, dass Becker mit einer Kamera im Zeichenstift mitgefilmt habe, scheiterte an der Tatsache, dass Stermann seinen eigenen Stift verwendet hatte - Jans Erklärung lautete schlicht und einfach, dass er jahrelang Menschen beobachtet habe und er beim Gedankenlesen einfach "dahin phantasiere".
Ich glaube, dass wir alle ab und an die Gedanken anderer Menschen "lesen" können, wenn auch meistens ungewollt und unerwartet - und dass diese Fähigkeit schon immer eine ganz beträchtliche Rolle im sozialen Leben gespielt hat. Und ich habe den Eindruck, dass, sobald bewusstes Denken mitschwingt, dieses fallweise empfangen von Stimmungen, Gedanken und Bildern kaum funktioniert. Mit anderen Worten: blickt man einen Menschen an, dann denkt man sich unweigerlich etwas über ihn: Aussehen, Kleidung, Körpersprache etc. lassen sofort ein Bild im Kopf entstehen, das natürlich einerseits auf Erfahrung beruht, andererseits aber ein klassisches Vorurteil darstellt. Je weniger man "spekuliert" und je entspannter und lockerer man an die Sache rangeht, desto besser funktioniert's, denke ich - weil jede "Preconception", wie's im Englischen heißt, eine möglichst objektive, unbeeinflusste Interpretation diverser körpersprachlicher und sonstiger Informationen erschwert, wenn nicht verunmöglicht.
Aber dies zu üben und zu meistern ist eine Kunst, die unglaublich schwierig zu erlernen ist, und so verstehe ich Beckers "Phantasieren". Mir fällt dazu eine körperliche Analogie ein: bestimmte Muskelgruppen gezielt anzuspannen, ist vergleichsweise einfach. Muskeln gezielt zu entspannen, fällt wesentlich schwieriger. Ich kenn zwar keine guten Bücher über "Mentalismus", aber in der buddhistischen Literatur, speziell im tibetischen Dzog Chen, gibt's ein paar sehr aufschlussreiche Texte zu diesem Thema.
Jan Becker wählte anschließend noch einen Zuseher aus, der sich im Nachhinein als Mühlviertler entpuppte, und verpasste ihm auf der Bühne eine unglaublich schnelle Instant-Hypnose. "Ich berühre dich an der Schulter und du bist wach und kannst ganz normal spreche, doch sobald ich deine Stirn berühre, fällst du in einen tiefen, angenehmen Zustand und schläfst," sagte er einige Male, nachdem er sein Versuchsobjekt zuerst mittels Suggestion nach hinten hatte kippen lassen. Und so war's dann auch! Im anschließenden Interview beschrieb der Zuseher seine Erfahrung als extrem angenehm, Zitat: "Das muss ich heute abend zuhause nochmal ausprobieren."
Zum besseren Verständnis hier ein Video über das, was Jan Becker so tut - und vor allem wie:
War eine beeindruckende Vorführung, nach der ich fest davon überzeugt bin, dass Jan Becker keine Tricks im klassischen Sinn vorführt, sondern ein paar Eigenheiten der conditio humana wesentlich besser studiert hat als die meisten Zeitgenossen. Ihn würd ich gern mal im Magier-Duell mit Uri Geller erleben :twisted: Seine diesbezügliches Wissen präsentiert er auf eine äußerst professionelle und sympathische Weise, kurzum: bei nächster Gelegenheit möchte ich mir diese Think Grotesque Show unbedingt mal live ansehen - kennt die vielleicht schon jemand aus der p.t. Leserschaft?
Ich träum ja schon lange davon, eine "Ich und mein datenschmutz" über Tupacs "Me and my girlfriend" zu rappen oder aus DMXens "Ain't no sunshine" "Ain't no tagcloud" zu machen. Eine sehr smoother (angeblich) Hamburger Rapper hat aus meinem .de-Rap Lieblingstune der letzten Jahre nun eine grandiose Veräppelung von StudiVZ gemacht.
Die neue Version Sido's "Mein Block" erinnert an Weird Al Yankovichs Interpretationen bekannter Hits, und anders als im Original lautet der Refrain:
Mein Profil, meine Gruppen, meine Freunde, meine Fotos, meine Hobbies, meine Daten sind weg
meine Gedanken, mein Herz, mein Leben, meine Welt, stehen nicht mehr im VZ!
Ich hab diese Perle bei Max gefunden, der ebenso neugierig ist wie ich, ob StudiVZ (so ziemlich das einzige größere Social Network, in dem ich *nicht* registriert bin) den Rechtsweg beschreitet oder mit einem adäquaten "Gegenvideo" antwortet.