| 25. Oktober 2008 | ||
| 20:00 | bis | 22:00 |
Wer in Wien zugange ist und noch keine speziellen Pläne für den Samstagabend geschmiedet hat, hätte über eine Abstecher in den Rabenhof intensiv nachdenken sollen: dort wurden gestern ab 20:00 Uhr die jubiläums-lastigen 10. (in Worten: zehnten) Big Brother Awards verliehen. Dagmar Streicher und Thomas Rottenberg moderierten die Gala, als Laudatoren waren unter anderem der FM4-Blumenau, der Hypertext-Hrachovec und die Regie-Minck am Start, ganz zu schweigen vom Kabarett-Nowak von der Format-Mayerl. In das Kostüm des internationalen Special Guests schlüpft Eddan Katz von der Electronic Frontier Foundation.
"Stop Überwachungslawine" lautete das Motto in diesem Jahr, der Eintritt zur Veranstaltung war gratis und ein gewisser Unterhaltungsfaktor garantiert. Selbstverständlich haben die Adepten der fernmündlichen Kommunikation an Zeit-Raum-Paradoxien gedacht und die Action live ins ganz Universum gestreamed, Details auf BigBrotherAwards.at. datenschmutz Leser wissen vermutlich, dass die Veranstaltung nix mit Reality-Shows zu tun hat, Zufalls-Besuchern sei an dieser Stelle nochmal deutlich gesagt: der Name bezieht sich auf den "Großen Bruder" aus Georgie Orwells "1984", ausgezeichnet werden Personen, Firmen, Institutionen, die in besonderer Art und Weise Grundsätze des Datenschutzes mit den Füßen getreten haben.
Verständlicherweise bleibt so mancher Preisträger der Veranstaltung eher fern - ich glaub, wenn datenschmutz als übelstes deutschsprachiges Blog nominiert wär, tät ich mir die Trophäe auch nicht persönlich abholen. Bei den ersten BBAs habe ich noch ein bisserl mitgearbeitet und kann kaum glauben, dass seither schon wieder neun Jahre ins Land gezogen sind... die Big Brother Awards haben sich jedenfalls seither zu einer fixen Institution entwickelt. Man kann nur hoffen, dass kein medialer Abnutzungseffekt auftritt, denn zum Besseren hat sich in punkto Datenmissbrauch in den letzten Jahren nix gewendet, ganz im Gegenteil. Hier gibt's die Liste der Preisträger - als persönlich Betroffener find ich die UPC/Nominum Kooperation, bei der aus Domain-Tippfehlern Werbeprofile werden, ganz besonders übel.
Vergangene Woche, gerade rechtzeitig vor Sommerbeginn, hat PLAY.FM bereits das 10.000. (in Worten: zehntausendste) DJ-Set online gestellt - damit ist und bleibt das ambitionierte Wiener Projekt das größte legale Audioarchiv für Clubmusik. In der Tat gibt's mittlerweile kaum einen großen Namen, zu dem sich nicht mindestens ein Eintrag im riesigen Archiv findet. Zum Jubiläum hat sich die Redaktion mal genauer im Gesamtbestand umgesehen und die beliebtesten Sets identifiziert.
Die komplette Liste umfasst Namen wie Juan Atkins, Kid Koala, Larry Heard, Derrick May, DJ Hell, DJ Marky, Anthony Shakir und Kevin Saunderson, um nur einige zu nennen: all diese Sets rufen registrierte play.fm UserInnen per Mausclick ab; und dann ist da natürlich noch das allabendliche Live-Programm, das nach dem Grundsatz des "open radio" gestaltet wird. Die play.fm Lounge im Museumsquartier ist nicht erst seit den EM-Übertragungen beliebter Abhäng-Treffpunkt geworden. Seit April sind Georg und sein Team auf play.fm/loungeblog/ unter die Blogger gegangen, nach der Sommerpause folgt eine neue Homepage.
Von 10.000er Müdigkeit kann also keine Rede sein - ich bin seit dem Launch ein großer Fan des Projekts. Etwa 90% meines Streaming-Radio Zeitbudgets gehen an play.fm, einziger Punkt auf der Wunschliste: bitte auf der neuen Homepage nicht alles so winzig klein machen! Speziell die Hauptmenüpunkte hätten etwas mehr Beachtung verdient. Wer play.fm noch nicht kennt und neugierig geworden ist, schau einfach mal abends vorbei, die Adresse lautet: quartier21/MQ / Museumsplatz 1, 1070 Vienna, Austria
Wie's dort zugeht, verraten die Protagonisten selbst im Portrait-Video:
"Ich werbe auch aus Lust am Experiment" lautet der Untertitel des Interviews, das Georg Holzer für die Multimedia-Beilage der Kleinen Zeitung mit mir geführt hat. Im Fokus stand zum 10. Mal das Web, ich freu mich natürlich, in der "Jubiläumsausgabe" mit dabei zu sein. Übrigens gibt's auch lässige Faceball-Fotos und aufschlussreiche Statistiken über die Online-Faulheit der ÖsterreicherInnen.
?: Auch Blogger sollten Werbung machen. Sind Social Networks dafür der richtige Ort?
!: Sicher. Grundsätzlich sollte man seine Inhalte dorthin bringen, wo viele Nutzer sind. Statt etwa Videos am eigenen Server zu hosten, ist es besser, man stellt sie auf YouTube und große deutsche Plattformen. Durch den generellen Traffic dort bekommt man schneller Zuseher.
? Warum schaltest du Werbung für deinen Blog?
! Ich mache das mit relativ kleinen Beträgen und auch aus Lust am Experiment. Ich will wissen, wo es am günstigsten und effizientesten ist. Die Preise und Klickraten verändern sich ständig. Spannend ist die Möglichkeit, Social Actions mit Ads zu verknüpfen. So sehen Nutzer, welche ihrer Freunde auch eine Werbung geklickt oder ein Produkt gekauft haben. Das bringt extreme Aufmerksamkeit, weil die Leute sich kennen und vertrauen.
? Welche Möglichkeiten bieten Social Networks noch?
! Bei Facebook kann man Gruppen und Seiten für ein Produkt oder einen Blog erstellen. Normale Nutzer können sich dann als Fan ausweisen. Bessere Werbung gibt es wohl nicht. Statt Werbung kann man auf Facebook auch Anwendungen anbieten.
? Wie groß ist der Aufwand?
! Im Prinzip ist es einfache PHP-Programmierung. Der Aufwand ist extrem unterschiedlich - je nach Komplexität von ein paar Stunden bis zu Wochen.

"Die Killerapplikation für Webcams sind Sexchats." Derlei Pauschalierungen mehr gibt's bei der aktuellen Ausgabe von Radio U-Ton nachzuhören, bei der ich vor einigen Tag live zu Gast sein durfte. Pauli und Ritchie, zwei alte Säcke, aber viel schlechter gekleidet als Muppet-Show Senioren, sinnieren uns sinistrieren über Social Networks - hier gibt's die Sendung zum Nachhören.
Man weiß ja heutzutage nicht, ob man überhaupt noch Musik laut spielen darf, oder ob die Major Labels in Zukunft alles außer Ei-Boot Ohrstöpseln verbieten... ich hab die Songs sicherheitshalber mal rausgeschnitten, war jedenfalls nett, "Connected" von den Stereo MCs mal wieder zu hören - obwohl ich den Song seinerzeit nicht ausstehen konnte. Hier die Radio U-Ton Show von letzer Woche, hosted bei Paul Lohberger:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
PS: Unsere gemeinsame 2007er Show, die Rekordquoten in Rumänien erreichte (es könnte aber auch an einer Fehlkonfiguration der Serverlog-Analyse-Software gelegen haben), feierte kürzlich ihr jährliches Jubiläum, der Rhythmus könnte hinkünftig allerdings noch rasanter werden; Cpt. Pauli hat mich zu einer monatlichen Talkrunde eingeladen, was natürlich ganz praktisch wäre, weil's somit auch gleich einen kurzen und knackigen datenschmutz Podcast gäbe.
Der Gründungsmythos des Wortes Blog splittet sich in mehrere Submythen auf (Logbuch?). Wired gibt Jorn Barger dafür Credits - der Betreiber von Robotwisdom, seines Zeichens Blog-Urgestein, verwendete den Begriff erstmals am 17. Dezember 1997 - also vor genau einer Dekade. [via Frank]
Die Intention des Amerikaners war damals eine völlig andere als die der meisten kontemporären Weblog-Autoren heute: in Jorns Welt sollen kurze Bookmarktrails die eigenen Wege durchs Netz für andere nachvollziehbar machen, originärer redaktioneller Content dagegen ist weit weniger gefragt:
My intent for weblogs in 1997 was to make the web as a whole more transparent, via a sort of "mesh network," where each weblog amplifies just those signals (or links) its author likes best. 1998-1999 was for me the Golden Age of Weblogs, when the following principles were widely understood.
Blogging versteht Barger also als eine Art persönliches Social Bookmarking - eine Meta-Informationsebene fürs Web, die Google Konkurrenz macht. Das ist natürlich auch eine Meinung, und wer auf freiwillige Selbstbeschränkung steht, wird mit den folgenden 10 Geboten, die ich mal auf die Schnelle ins Deutsche übersetzt hab, gut leben bloggen können.
Andererseits finde ich's faszinierend, wohin sich Blogging in diesen wenigen Jahren entwickelt hat: ich denke, das angesprochene Amplifying ist inzwischen die Aufgabe von mehr oder weniger smarten Algorithmen: Technorati und Google können das in großem Stil, del.icio.us und Co. ebenfalls. Die redaktionelle Aufgabe des Bloggers auf Pinpointers zu beschränken, mag für manche okay sein - mich haben aber Blogs, die einfach nur Links mit dem Kommentar "great site!" posten schon immer gelangweilt. Aber urteilen Sie selbst, ich stelle die Thesen hier einfach mal übersetzt zur Diskussion (englischer Originaltext):
Mehr Infos und ganz unterschiedliche Meinungen zu den 10 Tipps des "Original Bloggers" gibt's unter anderem bei Sobleizer, Susan Mernit, J-Walk, Mark Ghosh, Technocult und Blogissues.
Während für viele Hobby-DJs Drumandbass nicht mehr als eine flüchtige Affäre bleibt, geht die mittlerweile zehnjährige Beziehung des Wiener Produzenten und DJs d.kay wesentlich tiefer: rechtzeitig zum Dekaden-Jubiläum veröffentlichte der einzige Full-Time Breakbeat Producer dieses Landes sein Debut-Soloalbum "Individual Soul" - der richtige Anlass für eine Titelstory in the gap, die ich für die aktuelle Ausgabe geschrieben habe. Und weil das Internet im Gegensatz zu Print keine Zeichenbeschränkung kennt, gibt's hier die Vollversion der im Heft leicht gekürzten Geschichte des Wiener Breakbeat Producers. Aber damit nicht genug der digitalen Vorzüge: David hat mir die unten eingebauten Snippets zur Verfügung gestellt - und die sagen mehr als tausend Worte. Hier erstmal ein Snippet aus meiner Lieblingsnummer, dem Opener des Albums - Golden Hands:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
"Ein heftig tiefer Bass ist kompromisslos und rebellisch," sagt Paul Zasky von Dubble Standart. Dieser Aussage kann man ebenso wenig widersprechen, wie es möglich ist, sich dem groovigen Charme des aktuellen Longplayers "Immigration Dub" zu entziehen. Die Review habe ich für die kommenden Ausgabe von the gap geschrieben (#77); und weil der Platz in Printmedien meist zu begrenzt ist und aus unserer E-Mail Unterhaltung ein sehr informatives und ausführliches Interview wurde, gibt's hier vorab die Review samt ungekürztem Interview - datenschmutz.LeserInnen wissen, hören und gewinnen eben mehr
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Sound-Snippets
Dubblestandart-Gewinnspiel
CD-Review: Immigration Dub
Interview mit Dubblestandart
Dass die bisherigen Reaktionen der Musikpresse euphorisch ausfielen, verwundert kaum: der 10. Longplayer der Band besticht durch dichten, atmosphärischen, abwechslungsreichen Dub-Vibe deluxe.
Und weil Töne in diesem Fall viel mehr sagen als Worte, hier drei Snippets aus dem aktuellen Album, die ich von Paul bekommen habe - enjoy, dubheads!
1. Immigration Dub (Teaser)
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
2. Money (teaser)
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
3. When I fall in Love (Teaser)
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Paul stellt der datenschmutz.Crowd zwei Alben und zwei Maxi-Singles zur Verfügung - wer einen der vier Preise abstauben möchte, registriert sich am Blog und hinterlässt zu dieser Story bis spätestens 15. Juni einen Kommentar zum Thema Dub Music - die zwei Singles werden unter allein Beiträgen verlost, die zwei Alben gehen an die beiden (meiner Meinung nach) originellsten KommentatorInnen, im Zweifelsfall entscheidet das Los.
Bereits registrierte User können selbstverständlich ebenfalls teilnehmen! Hier geht's zur Registrierung, und hier zu den Teilnahmebedingungen.
|
2 x Dubblestandart: Immigration Dub CD |
|
2 x 12" Maxi: Dubblestandart vs Ken Booth vs Ari Up: When I Fall In Love / Island Girl |
Update: Gratulation an die glücklichen GewinnerInnen und viel Spaß mit den Alben bzw. Maxis!
"Ich hinterfrage bestehende Systeme und Strukturen. Ich schaffe offene und flexible Soundwelten, die live anders klingen als auf Platte, die auf das Publikum reagieren, die die Phantasie des Publikums beschäftigen," erklärt Paul die Sound-Philosophie des österreichischen Quartetts, dessen Platten man seine Herkunft so dermaßen wenig anhört, wie kaum einer anderen alpenländischen Produktion. Das hat im vorliegenden Fall wohl mit aufwändiger Studio-Frickelei auf exotischer Hardware, mit reger Reisetätigkeit und mit jahrelanger Erfahrung zu tun: Die erste nicht US, UK oder Jamaican Dub Production, die auch veröffentlicht wurde, stammt von DS. Rootscontroller 1991: "Front Of Enemies" mit Mikey Kodak/Rebel Radio und später "Vienna Dub Melange" auf Suga B's Silly Solid Swound Park Label - in den über eineinhalb Dekaden hat die Band ihren Sound gewaltig verfeinert. "Immigration Dub" lebt nicht einmal ansatzweise von Reggaeseligkeit und falsch verstandenem Kulturtransfer - mit ihrem Hi NRG Dub Sound geben Dubblestandart einem urbanen Lebensgefühl mit einer Feinfühligkeit und Inspiration Ausdruck, die an die Produktionen großer Namen wie Lee Perry und King Tubby locker heranreicht.
Die Herangehensweise der Band kann man dabei durchwegs als klassisch bezeichnen: "Wir nehmen alles in Live Sessions auf, real drum, bass, guit, keys - danach nehmen Robbie und ich die Tracks her, editieren, machen Overdubs, laden gegebenenfalls Gäste für Vocalaufnahmen ein. Robbie bearbeitet vieles dann noch einmal mit teilweise 30 Jahre altem Electronik-Eequipment, das das alles so klingt, wie es soll. Dazu gehört auch eine der wenigen fetten 2inch Bandmaschinen, die er sein eigen nennt, wo wir die ganze Produktion noch einmal analogisieren." Das Resultat ist für Paul keineswegs bloßer Lifestyle: "Derzeit geht der Trend wieder zur Wahrhaftigkeit zurück. Da elektronisches Equipment mittlerweile leicht zu beschaffen ist, wirkt vieles stereotyp und nicht sehr eigenständig. Heute findest du dafür 18-Jährige, die sich 200-Gramm-LeePerry-Vinyls aus dem Jahr 1972 kaufen, weil dort ein nicht nachzuvollziehender Sound drauf ist. Original Dub ist nicht nur einfach Experimentieren mit Klängen, sondern politischer Ausdruck."
Highlights inter pares: die Dub-Ballade "When I fall in love" feat. Ken Boothe, der übrigens das Original von Boy Georges "Do you really wanna hurt me" schrieb, "Tiny little place called earth" und "Wadada" feat. Prince far I & Truman Chewstick. Diese Tunes schrauben sich gleich beim ersten Anhören ins Ohr, sollten allerdings nicht über die subtilen Hitqualitäten des Rests hinwegtäuschen. Kurz gesagt: "Immigration Dub" gehört in jede gut sortierte Dub-Sammlung.
Dubblestandardt: Immigration Dub (Collision / Groove Attack)
www.dubblestandart.com
ritchie: Dubble Standart gibt's nun schon eine ganze Weile - nächstes Jahr feiert ihr 20jähriges Jubiläum. Was hat sich eurer Ansicht nach im Genre Dub in diesen zwanzig Jahren bewegt?
Paul: Für mich hat die gesamte elektronische Musikszene plus DJ Culture irgendwo Anfang der 70er in Kingston/Jam bzw. dem Schwarzen Viertel in Brooklyn und der Bronx begonnen. Dort wo amerikanische R&B Sachen auf Carribean Vibes trafen. Dubversions, Dub Plates, Extended Mixes, gesungene Lieder auseinander zu nehmen und neu mit Echos, Hall & zusätzlichem Sound wieder zusammenbauen: Ob Scientiest, King Tubby, Lee Perry oder dann Curtis Blow und später Giorgo Moroder oder in Great Britain das Post Punk Movement, in Germany Krautrock und bei uns New Wave und in den 90ern elektronische Musik. Klangtapeten fuer die Urbane Welt in mannigfaltiger Ausführung. Drum & Bass, House, Ambient, Trip Hop usw: alles hat die Landschaftsmalerei mit Klängen(und natürlich auch Lyrics) und das Aufbrechen klassischer Strukturen als brodelnden Schaffenskern zugrunde.
Dub Anfang der 70er war deshalb so innovativ, weil, was für uns heute selbstverständlich ist, damals nicht so war: Instrumentalversionen, die durch die Bearbeitung mit techn. Equipment auf 4-Spur Bandmaschinen zu psychedelischen Klangwelten wurden; Dub Mixes, die den Toastern a la I-Roy, U-Roy, Charlie Chaplin oder Dillinger oder Linton Kwesi Johnson in UK als Background für ihre Live Sessions und Political Messages dienten. Dub war in den 70er und 80er Jahren definitiv Black und vor allem in England präsent. Bis Anfang der 90er gab es (zumindest nach unserem Wissenstand) außerhalb Jamaicas (z. B. King Tubby, Scientist, Ruppie Edwards, Bunny Lee) Brooklyn (z. B. Sir Thomas, Bullwackie, Word Sound) und UK (z.B. Onu Sound, Mad Professor, Dennis Bovell) praktisch niemanden, der sich mit Dub Reggae befasste. Die erste nicht US, UK oder Jamaican Dub Production, die auch veröffentlicht wurde, war übrigens Dubblestandart - Rootscontroller 1991: "Front Of Enemies" mit Mikey Kodak/Rebel Radio und dann "Vienna Dub Melange" auf Suga B's Silly Solid Swound Park Label. (so schauts aus!!)
Massive Attack haben mit ihrem chilligen Ambient Sound und ihren Verbindungen zur engl. Dub Szene sicher einiges bewegt, nämlich dass Leute begonnen haben, die Instruments wie gleichberechtige Stimmen zu verwenden, nicht in der klassichen Hierachie des Rock. Dass Musiker angefangen haben, ihre Stimmungen mehr in Klängen als in Text auszudrücken und damit ein wesentlich vielschichtigeres Stimmungsbild ihrer Zeit und Gefühle darzustellen. Die genannten Artists sind die bekanntesten Beispiele - das soll aber nicht heißen, dass es nicht eine Menge anderer Experimentierer und Soundtüftler gab und gibt; ich meine die mit den closest Ties zu Dub-Reggae. Heute sind alle diese Stile etabliert: von der Wiener Elektronik-Szene bis zum britischen Dubstep oder Electro á la LCD: Originalsounds verfremden, sie urbaner oder psychodelischer, staubiger oder spaciger zu machen. Überall in irgendwelchen Studios wird permanent geschraubt und getüftelt.
Derzeit geht der Trend wieder zur Wahrhaftigkeit zurück. Da elektronisches Equipment mittlerweile leicht zu beschaffen ist, wirkt vieles stereotyp und nicht sehr eigenständig. Heute findest du dafür 18-Jährige, die sich 200-Gramm-LeePerry-Vinyls aus dem Jahr 1972 kaufen, weil dort ein nicht nachzuvollziehender Sound drauf ist. Original Dub ist nicht nur einfach Experimentieren mit Klängen, sondern politischer Ausdruck. Ich hinterfrage bestehende Systeme und Strukturen. Ich schaffe offene und flexible Soundwelten, die live anders klingen als auf Platte, die auf das Publikum reagieren, die die Phantasie des Publikums beschäftigen. Ein heftig tiefer Bass ist kompromisslos und rebellisch.
Eine Band wie Audio Active oder Asian Dub Foundation operiert so ziemlich genau in unserer Richtung: Hi-NRG Dub Reggae for Urban Druggy Drones like u and me, trying to make a living in the 3rd millennium, the restless dizzy age continues....
?: Welche Künstler liefern für euch maßgebliche Einflüsse?
!:In den 90ern war es sicher On U Sound, mit denen wir ja auch mittlerweile ab und an was machen, zum Beispiel im letzten Jahr die Live Session at Canadian Festivals/Wadada Version am neuen Immigration Dub Album/Studioproduction mit Mark Stewart. Mad Professor (siehe die Playerhater Production, damals noch auf dem österr. Label Fabrique Records) und natürlich Lee Scratch Perry (siehe Dubblestandart & Lee Perry Tour 92), oder Dillinger(Dubblestandart & Dillinger Tour 97). Wie erwähnt Audio Active oder Asian Dub Foundation. Wichtig in den 90ern: The Orb, the Prodigy, Metalheadz, Scorn, die Junglescene, aber auch die Attitude des Techno-Movements (Es gibt eine Dubblestandart Platte mit Spiral Tribe, die wir damals bei uns im alten Studio produziert haben - Dubblestandart goes Techno!) Heutzutage die ganzen Dubstepsachen. Es ist die Emotion dahinter. Der Geist unserer Zeit. Die Basis für uns bildet jedoch immer wieder klassischer Roots Reggae, das ist der Heartbeat. Wir sind aber aus Europe, deswegen sind unsere Einflüsse und damit vielfach unser Sound eben auch ein ganz anderer.
?: Wie kam's zu den einzelnen Features am aktuellen Album?
!: Den Mpla Dub hab ich mit Tappa Zukie persönlich klargemacht, da ich ihn ja aus Kingston schon länger kenne. Devon D. unser Produzent in Kingston hat den Connect zu Ken Boothe hergestellt. (Ken Boothe hat übrigens das Original von "Do U Really Wanna Heart Me" von Boy George geschrieben). "Wadada" und die "We All Have To Get Hi" Sache ist über Adrian von On U Sound, das Horace Andy Cover über unserern Labelmanager entstanden. Diese ganze orginale Dub Scene kennt sich ja irgendwie. Unser Labelmann Nicolai Beverungen war ja früher für On U Sound als Labelmanager tätig, unsere Booking Agency bucht auch Dub Syndicate und unsere Zusammenarbeit mit Ariup von den Slits tut das übrige. Wir sind halt alle irgendwie ein ruheloser Haufen, der ständig was aushecken muss und an irgendwelchen neuen Gschichten bastelt. Das ist halt unser Ding! ..und jetzt genug des Angebens...
?: Wo entstand das aktuelle Album? Nehmt ihr die Tracks in Wien auf oder unterwegs?
!: Ist alles in Robbie Osts Go East Studio entstanden - bis auf die Vocalaufnahmen, die sind in NY bzw. Kingston aufgenommen worden. Das Go East Studio in Wien ist das einzige, in dem wir in Österreich und eigentlich auch in ganz Europa den Sound so hinkriegen, wie wir ihn brauchen. (And i have seen a lot.) Gäbs das Go East Studio nicht, wären wir wahrscheinlich 1990 nach Brooklyn oder Kingston ausgewandert...
?: Ich behaupte mal, "Immigration Dub" liefert keinerlei Hinweise auf seine "geographische" Herkunft. Wie sind die ersten internationalen Reaktionen von KollegInnen auf's aktuelle Album ausgefallen?
!:: Die Response ist derzeit ziemlich cool, das Album kommt aber erst ab 25ten in die Läden, das letzte Wort haben die Superlisteners out there.... Wir waren jetzt gerade für ein Paar Dub Shows in New York und danach beim Dubfest im Glazart in Paris. Es gibt eine Menge Leute, die sich derzeit für die ganze Hi-NRG Dub Suche bis hin zum Dubstep begeistern. Während Kode 9 aka Burial, Dubstep Allstars die Slowmotion Hardcore Versions machen, sind wir quasi die Uptempo Hi-NRG Variante eines urbanen Zeitgeistes -der gerade jetzt passiert... (behaupte ich jetzt mal hier so, äh..)
?: Wie funktioniert bei euch die Arbeitsaufteilung? Wer schreibt die Tracks, wer produziert?
!: Wir nehmen alles in Live Sessions auf, real drum, bass, guit, keys - danach nehmen Robbie und ich die Tracks her, editieren, machen Overdubs, laden gegebenenfalls Gäste für Vocalaufnahmen ein. Robbie bearbeitet vieles dann noch einmal mit teilweise 30 Jahre altem Electronik-Eequipment, das das alles so klingt, wie es soll. Dazu gehört auch eine der wenigen fetten 2inch Bandmaschinen die er sein eigen nennt, wo wir die ganze Produktion noch einmal analogisieren...
?: Habt ihr so etwas wie "Lieblingstracks", bzw, wird es Singleauskopplungen geben?
!: Also Top ist bei uns : "Tiny Place Called Earth", "Wadada" und "We All Have To Get High". In New York war im April Money mit Gudrun von She Says NR. 1 in den club Charts. Den Ken Booth Track "When I Fall in Love" gibts am neuen FM 4 Sampler, sowie als 12inch mit einem JSTAR RMX von Ariup und Island Girl. "Wadada" kommt mit dem neuen Rolling Stone Magazin auf einer Compilation im Juni across Europe. Das freut das Herz der Truppe und erklärt unsere most wanted ones!! Im August ist Tour in Canada und California geplant so everything is looking good so far....
Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich registrierte UserInnen des Blogs. Die Registrierung dient der Validierung der E-Mail Adresse, die GewinnerInnen werden via E-Mail verständigt. Die Barablöse von Gewinnen und der Rechtsweg sind ausgeschlossen. Über das Gewinnspiel kann kein Schriftverkehr geführt werden. Die TeilnehmerInnen erklären sich einverstanden, via E-Mail über zukünftige Gewinnspiele informiert zu werden.
Datenschutz-Erklärung.
Der Frontmann der EAV macht in letzter Zeit ganz schön viel von sich reden: 2005 feierte die Erste Allgemeine Verunsicherung ihr 100-jähriges Jubiläum, und nun gewinnt er auch noch den Dancing Stars Contest im ORf.
Ich bin wirklich alles andere als ein kompetenter Beurteiler rhytmischer Bewegungen am Parkett - aber das Finale war schon beeindruckend: Zabine und Alex Zaglmaier schieden vor dem Finale aus, Peter Eppinger und Julia Polai legten eine flotte Sohle zu Robbie Williams hin, aber Klaus Eberhartinger und Kelly Kainz überzeugten nicht nur durch perfekt synchronisierte Bewegungen, sondern auch einen ausgesprochen originellen Men-Strip: und in der Unterhose vor ganz Österreich zu stehen war dann selbst dem geborenen Showman wohl nicht ganz geheuer, sodass er anschließend sein Cocktailglas fallen ließ. Vermutlich waren's aber dennoch nicht die Scherben, die das Glück brachten, sondern eine Menge harter Arbeit: der Sieger der neuen Runde hat doch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel als sein Vorgänger Manuel Ortega. Most impressive.
Über die musikalischen Qualitäten der Band mögen andere ablästern, mein erstes Popkonzert ever war ein Auftritt der EAV in Debant bei Lienz, auch schon knapp zwanzig Jahre her. Sowas prägt - und während ich mit 11, 12 alle Alben auf- und abgehört hab, verdrängte ich irgendwann den Beginn der Sozialisierung mit Sprechgesang. Jedenfalls übertrug der ORF am Samstag in seiner neuen Konzert-Schiene den Jubiläumsgig der EAV in der Wiener Stadthalle (Dezember 2005) - und ich kann nur sagen: fetter Sound! Die mit neuen Riffs und Rhythmen gepimpte Versionen alter Hits plus die durchaus zeitlosen Texterqualitäten von Thomas Spitzer gefallen noch immer. Oder wieder, ich sag nur: "Dideldum, dideldei, ist da noch ein Platzerl frei..." Mehr zur Bandgeschichte gibt's auf der EVA-Heimseite oder auf der des Fanclubs.
Die runde Jubiläumsausgabe von monochroms Showformat-Experiment steht zum Download bereit. Aufgenommen wurde die Sendung im Exploratorium in San Francisco am 11. Februar 2007. Gastgeber Johannes Grenzfurthner begrüßte eine gar illustre Gästeschar, die wie gewohnt einen wilden Themenmix servierte:
J.D. Lenzen sprach über langkettige Moleküle, Jennifer Granick über Gesetze und andere Hacks, Evelyn Fürlinger präsentierte "Wicked Words", monochroms Kolumne über Linguistic und die Allstar Band geigte im Museum auf:
Thanks to the wonderful folks at RE/Search for being our producers. And million+1 kisses to Liz Keim of the Exploratorium, Scott Beale of Laughing Squid, Jacob Appelbaum, Eddie Codel and David Fine for helping us organize a really nice show.
Aber sehen Sie selbst - nix mit 7 Minuten Youtube Schnippseln, ein fetter Download mit 300MB wartet. Sozusagen ein Zwischenstadien-Distributionsmodell, bis das digitale Fernsehen wieder eingestampft wird, weil die I-Net Bandbreite schlielich doch noch so hoch geworden ist, dass keine Notwendigkeit mehr besteht, zwei Netze zu betreiben... aber ich schweife ab. Hier geht's zur Show:
Direktdownload (*.mov, 308MB
...im Wiener WUK sein 10jähriges Jubiläum. Diesen runden Kindergeburtstag gilt es "anständig" zu begehen. Ein illustres Line-Up von der Blockflötencombo über rock'esque Musik bis zum Live-Electro-Trash reicht das Spektrum. Im Vordergrund aber steht natürlich die ausgelassene Feierei. Dass nackte Redakteure aus einer überdimensionalen Torte hüpfen werden, soll angeblich kein Gerücht sein.
Gratulanten sind herzlich willkommen - an der Abendkasse werden Besuchern 8 Euros abgeknöpft, im Vorverkauf gibt's die magischen Tickets für einen günstigen Fünfer. No, can't do free entry - dazu ist das Programm wesentlich zu ambinitioniert, vor allem die astronomische gaposlovakia-Gage geht sich auch so grade mal aus. Also erscheinen Sie extrem zahlreich, bitte. Alle Fragen zu Risiken oder Nebenwirkungen klärt die aktuelle Jubiläumsausgabe: erhältlich an jedem gut sortierten Kiosk oder über die the gap Homepage.
Das Magazin für Popkultur feiert seinen zehnten Geburtstag und wird punkto Vielfalt der Anfang Februar erschienenen Jubiläumsnummer auch im Partyrahmen um nichts nachstehen. Für Spannung, Abwechslung und Feierstimmung sorgen Live-Acts, DJs, eine Mitternachtseinlage, eine T-Shirt-Fotoaktion (in Kooperation mit FM4) sowie weitere Überraschungen. Die Jungschar-Blockflötenkombo Go Die Big City! wird ebenso aufspielen wie die britischen Gitarren-Rocker Fortune Drive und das immer wieder sehenswerte Jeans Team.
Mehr Infos auf der WUK-Homepage