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Wie man seine Online-Reputation in Rekordzeit ruiniert

Diese Kolumne habe ich für das aktuellen Blogpiloten-Special Identity Management geschrieben.
Obwohl Echtzeitmedium, treten die wahren Qualitäten des Netzes erst auf lange, manchmal auf sehr lange Sicht zutage: denn dank der Versatilität digitaler Daten und permanenter Fortschritte in punkto Totalerfassung benimmt sich das Netz meist wie der sprichwörtliche Elephant: es weigert sich zu vergessen. Das klingt nicht nur beunruhigend, das ist sogar äußerst verstörend, bedenkt man die Erkenntnisse der neueren Gehirnforschung: das Vergessen, so die Kartographen unseres Verstandes, sei, so die Apologeten dieser These in typisch-euphorischer Übertreibung, sei mindestens gleich, wenn nicht viel wichtiger als sämtliche Merkfunktionen zusammen. Nur dank der Gnade des Vergessens kann unser unruhiger Affengeist, wie die Buddhisten sagen, nämlich überhaupt die Flut der zahllosen Informationen vom Typ überlebensrelevant bis Klatschspalte langfristig sortieren.

Man kennt das ja vom Frühjahrsputz: wenn all das alte, nutzlose Gerümpel erstmal im Vorraum steht, scheint es unfassbar, dass all das Zeug jemals in das (nach wie vor vollgeräumte) Zimmer gepasst hat. Nicht auszudenken, wenn jedes unwichtige Detail sich uns für immer einprägen würde – oder wissen Sie noch, welches Ablaufdatum auf der Milchpackung stand, die Sie vor 53 Tagen eingekauft haben?

Falls Sie Ihre Rechnung im Supermarkt mit Ihrer Club-Vorteilskarte (raten Sie mal, welcher der beiden Geschäftspartner den „Vorteil“ hat) bezahlt haben, stehen allerdings die Chancen gut, dass irgendein Warendistributions/Customer Care/Marktforschungs Software-Monster von Datenbank sich sehr genau daran erinnern kann, dass Sie schon wieder die „Extra-Lang-Haltbar“ Milch wählten, obwohl Sie doch sowieso jeden dritten Tag einkaufen kommen. Komischerweise immer wieder Freitags in diese andere Filiale… was das wohl zu bedeuten hat? Zweifellos genug, als dass Ihnen Columbo 2.0 im Fall der vergifteten Milchpackung einen virtuellen Strick draus drehen könnte. Und ganz genau so funktioniert im Prinzip das Netz: irgendwas Belastendes lässt sich fast immer finden.

Doch bevor die Freude zu groß wird, nun die schlechte Nachricht: jeder Kriminelle braucht eine Vorgeschichte, und die will sorgfältig konstruiert sein, sprich: wer erst vor wenigen Wochen in die Internet-Siedlung frisch eingezogen ist, muss sich schon ein wenig anstrengen, um seine weiße Weste rasch im Dreck zu wälzen. Negatives Identity Management unterscheidet sich dabei seinem Wesen nach keineswegs von panoptischen Wunsch über die Vollkontrolle nach Selbstrepräsentation. Daher auch die wichtigste Regel: Immer den richtigen Namen und die gleiche E-Mail Adresse verwenden! Das gilt bei allen Registrierungen und generell überall dort, wo man im Internet aufgefordert wird, seinen Namen zu hinterlassen. Stellt man (möglicherweise später) kompromittierende Bilder und/oder Videos online, so sollte man darauf achten, eine gut indizierte Seite zu wählen und jedem potentiellen Interessenten Zugriff zu gewähren. Reichliche Ausstattung aller multimedialen Inhalte mit entsprechenden Meta-Informationen gehört zur Pflicht des digitalen Rauhbeins, auch hierbei muss selbstverständlich Regel 1 beachtet werden.

Auch nicht schlecht: Schimpftiraden an Mailinglisten senden, deren Archive öffentlich zugänglich sind. Oder es vielleicht irgendwann mal sein werden. Glücklich, wer über eine eigene Homepage, möglicherweise sogar mit Eigenname als Domain, verfügt: man muss sich ja nicht auf zweifelhafte Inhalte beschränken, sondern kann bei der Gelegenheit auch gleich die eine oder andere illegale Software, vielleicht mit einem Trojaner garniert, zur Verfügung stellen! Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt, lediglich bei Blackhat Maßnahmen ist Vorsicht angebracht: schließlich will man ja nicht aus dem Google-Index herausfallen.

Will man das doch, dann folgt das böse Erwachen häufig dann, wenn man feststellt, dass der Content-Aggregator von den Faroröer-Inseln weder auf E-Mails noch auf Anrufe an die Mehrwertnummer reagiert. Langweilige Zeitgenossen, die meinen, sich in virtuellen Umgebungen genauso höflich und bedachtsam gerieren zu müssen wie in der richtigen Welt, gibt es genug. Ein echter Netz-Rüpel sollte daher unter allen Umständen und um jeden Preis die folgende Frage vermeiden: „Würde ich das, was ich hier gerade von mir preisgebe, auch im Fernsehen erzählen?“ *

*Der Fast-schon-Ex-Programmintendant des ORF Lorenz hat dazu eine eindeutige Meinung.

Fotocredits:
Titelbild: Elefanten Groß-Klein von Johannes-D. / pixelio.de

 

Mein erster Leserbrief an den neuen Falter

Vor kurzem gab’s bei der Wiener Stadtzeitung einen äußerst gelungenen Relaunch mit optischer Auffrischung und neuer Klammerung. Meine persönliche Meinung dazu: noch nie habe ich in Österreich einen derart gelungenen Printmedien-Relaunch erlebt. Auf meiner völlig subjektiven “Les-ich-gern-Skala” stieg die letzte brauchbare Wochenzeitung dieses Landes locker um zwei Stufen. Die Digitalia-Kolumne der letzten Ausgabe motivierte mich allerdings ob der hanebüchenen Darstellung der Causa PsykoMaN zu meinem ersten Leserbrief, und zwar als Reaktion auf diese Kolumne (Falter #44/2008, 29.10.2008, S. 23):

falter digitalia

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Wahltotal.at: Direktdemokratie auch nach dem Urnengang

wahltotal.atFrustriert sind viele, die Strategien des Umgangs mit der Angefressenheit auf “die da oben” unterscheiden sich indes gravierend: der eine wählt gar nicht, der zweite rechts und der dritte gründet eine Online-Videoplattform, auf der Wähler Videofragen an einzelne Parteien und/oder Kandidaten richten können. Der Launch der Plattform in der heißen Wahlschlachtkampf-Zeit half natürlich immens, Politiker zu Antworten zu animieren, wie die beachtlich vielen Clips auf Wahltotal.at zeigen. Nach dem Urnengang soll nicht Schluss sein mit dieser Form der direkten Demokratie – die Betreiber wollen die Seite weiter ausbauen und verschiedene Politiker und Vertreter aus den Bereichen Gesellschaft, Kunst und Kultur zu regelmäßigen Video-Kolumnisten machen.

Auch ich habe als fallweise über politischen Themen reflektierender Blogger die Ehre und das Vergnügen, neben so schillernden Figuren wie Alf Poier und Thomas Schäfer-Elmayer eine unregelmäßige Video-Kolumne auf Wahltotal zu bespielen.

Mit Markus Kienast, einem der Konzeptionisten und Betreiber von Wahltotal.at, habe ich ein Interview über die bisherige Story hinter der Seite und weitere Zukunftspläne geführt – es handelt sich quasi um die Fortsetzung meiner Serie über Wahlkampf abseits des ORF, die mit einem Interview mit Alexandra Damms (ATV) begann.

Interview: “Neue Politik braucht neue Kommunikationsformen”

datenschmutz: Wie ist die Idee zu Wahltotal.at entstanden und was sind die Intentionen hinter der Seite?


Markus Kienast

Markus Kienast: Die Politik scheint seit geraumer Zeit festgefahren zu sein. Nichts bewegt sich mehr. Schwarz-Blau kann als Versuch gewertet werden, aus diesem “Dead-Lock” auszubrechen. Die Strukturen aufgebrochen hat das aber nur insofern, als SPÖ und ÖVP seitdem auch zu den Kleinparteien zählen.
Dass also unabhängig von der Besetzung einer Regierung doch alles beim Alten bleibt, hat wohl eine systemische Ursache. Neue Politik braucht neue Kommunikationsformen. Das Fernsehen hat eben keinen Rückkanal. Laut der Wissenschaft von der Funktion komplexer Systeme, der Kybernetik, ist die ständige Rückkopplung, ein Feedback-Loop, aber für ein überlebensfähiges System unerlässlich.
Eine Wahl alle 5 Jahre als Feedback-Loop ist aber einfach zu wenig. Die Politik kann so vom Volk nicht ausreichend gesteuert werden und fährt gegen die Wand, auch wenn alle diese kommen sehen. Mich erinnert das ein wenig an die berühmten 5-Jahres-Pläne der UdSSR.
Aus der Grundmotivation heraus, den Bürgern eine Möglichkeit zu geben, die Politik auch nach der Wahl noch beeinflussen zu können, ist www.wahltotal.at entstanden. Unsere Plattform darf gerne als Reaktion auf den Stillstand in der Politik gewertet werden.

?: War es schwierig, Politiker zum Antworten zu motivieren, oder hat sich nach den ersten Antworten eine gewisse “Eigendynamik” entwickelt?

!: Die ersten Antworten zu bekommen war eigentlich verblüffend einfach. Die SPÖ ist da vorgeprescht.
Die Grünen und verblüffenderweise die ÖVP haben dann aber schnell die SPÖ überholt und nutzen derzeit unsere Plattform am effektivsten. Die haben schnell kapiert, dass ihre Videos bei uns öfter gesehen werden als auf Youtube. Für Interessierte in dieser Sparte sind wir einfach die Anlaufstelle Nummer eins. Wir haben gerade erst angefangen und das praktisch mitten in der Wahl und ohne große Werbung. Trotzdem konnten wir bei weitem mehr face-to-face Sendeminuten ausliefern als die Youtube-Aktivitäten aller Parteien zusammen.

?: Wie schätzen Sie persönlich den Einfluss der Plattform auf die Meinungsbildung der Wähler ein?

!: Wir bekommen von unseren Nutzern immer wieder kommuniziert, dass unser Angebot großen Einfluss auf ihre Wahlentscheidung hat. Das liegt ihren Aussagen zu Folge vor allem am persönlichen Kontakt zu den Kandidaten. Wer sich die Zeit nimmt, auf eine Frage wirklich einzugehen und seinen Standpunkt nachvollziehbar darzulegen, dessen Meinung schenkt man leichter sein Vertrauen.
Die Qualität dieses Kontakts ist gleichzustellen mit einem persönlichen Gespräch nach einem Wahlkampfauftritt, nur dass dieser Dialog auf wahltotal.at außerdem noch von einer Vielzahl anderer
nachvollziehbar ist, was einen nicht unerheblichen Seiteneffekt mit sich bringt.
Durch die Menge an Fragen zu verschiedensten Themen auf wahltotal.at können sich die Wähler auch dann noch ein recht genaues Bild von den Persönlichkeiten machen, denen sie da ihre Stimme zu geben
gedenken, wenn sie persönlich gar keine Frage hochladen.
Wenn Sie mich also fragen, was mehr Wähler beeinflusst, ein Gespräch auf einer Wahlkampfveranstaltung oder auf wahltotal.at, dann ist die Zeit ganz klar besser auf wahltotal.at investiert.

?: Wie sind Sie mit der bisherigen Entwicklung der Plattform zufrieden?

Wahltotal Poster!: Im Vergleich zu den Initiativen von ATV und puls4 stehen wir ausgesprochen gut da. Bei uns haben mehr User ihre Clips hochgeladen und es wurden auch um ein Vielfaches mehr Fragen beantwortet. Bedenkt man, welche Mittel uns im Vergleich zu ATV und puls4 zur Verfügung standen, kann man wohl nur von einem vollen Erfolg sprechen.
Aber ich möchte unsere Initiative nicht zu sehr mit ATV und puls4 vergleichen, weil deren Format eigentlich ein ganz anderes ist. Während deren Aktivitäten in einem Konvergenz-Event im Fernsehen endeten, ist unsere Plattform auf stetigen Dialog ausgerichtet. Es wurden bei uns laufend Fragen beantwortet und das wird sich auch jetzt nach der Wahl nicht ändern.
Wir sind sehr stolz darauf, was wir erreicht haben, ganz besonders auch deshalb, weil wir von der Idee bis zum Launch nur drei Wochen gebraucht haben.
Die Resonanz unserer Politiker ist auch sehr zufriedenstellend. Es wird uns auch von ihrer Seite immer wieder die Frage gestellt, ob es eh nach der Wahl noch weiter geht.

?: Wie beurteilen Sie die Wahlberichterstattung von puls4 und ATV im Vergleich zum ORF? Beide Privatsender bieten ja ebenfalls über das Internet die Möglichkeit an, direkt Fragen zu stellen.

!: Ich finde es gut, wenn sich unsere Spitzenpolitiker nun auch auf puls4 und ATV streiten. Die Formate divergieren glücklicherweise ein wenig, sonst wär’s dann doch etwas langweilig. User-Fragen in eine solche Runde einfließen zu lassen ist löblich, aber leider auch nur eine halbe Sache, für puls4 und ATV mehr ein Marketing-Gag.

?: Wie geht es mit der Plattform nun nach der Wahl weiter? Eigentlich wäre eine solche Form des dokumentierten, direkten Austausches ja auch in Nicht-Wahl-Zeiten äußerst interessant.

!: Natürlich wird wahltotal.at nach der Wahl weiter bestehen. Mehr noch, es wird wachsen, sich verbreitern und in die Tiefe gehen. Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an den neuen Features für den Permanent-Modus, der in Zukunft vielleicht unter einem anderen Namen firmieren wird. Es wird verbesserte Interaktionsmöglichkeiten und Community-Features geben. Aber auch was den Content anbelangt, werden wir das Angebot verbreitern.

Auf wahltotal.at werden dann weiter die jeweils aktuellen Wahlen behandelt und das Feedback der Bürger nach der Wahl eingesammelt. Die nächsten Wahlen, die wir im Auge haben, sind die anstehenden
Landtagswahlen 2009 in Kärnten und Salzburg, sowie die Europawahlen.
Grundzüge unseres neuen “Programms” für den Permanent-Modus sind jetzt schon auf wahltotal.at zu sehen. Das wären Stimmen von Künstlern und der Prominenz und Stimmen aus der Blogger-Szene zur politischen Lage der Nation. Der erste Beitrag aus der Blogger-Szene stammt ja von Ihnen, Herr Pettauer, was uns sehr freut.
Außerdem werden Politiker in Zukunft vermehrt über ihre aktuellen Initiativen berichten und zum Diskurs über ihre Ideen und Vorhaben aufrufen.
Die ersten Politiker nutzen diese Möglichkeit bereits. Von der Prominenz konnten wir als erste Herrn Thomas Schäfer-Elmayer und Herrn Alf Poier für einen Kommentar gewinnen. Weitere Kabarettisten haben
bereits Interesse bekundet.
Wie eingangs schon erwähnt, unsere Plattform ist konzipiert für den permanenten Austausch zwischen Bürgern und Politik. Um die anstehenden Probleme zu bewältigen, muss die Politik beginnen, die Intelligenz der Masse anzuzapfen, sonst werden wir kläglich untergehen.
Die Lösungsansätze aus der Politik selbst kommen einfach zu spät und passen dann gar nicht mehr zu den Problemen. Damit “Echtzeit” in der Politik möglich wird, braucht es fortwährende und vor allem auch verzögerungsfreie Rückkanäle wie wahltotal.at.
Wir wollen Bürgern und Politik helfen sich kurzzuschließen, Ideen auszutauschen und zu bewerten. Es ist unser ureigenes Interesse, zu helfen, den politischen Prozess so effektiv wie möglich zu gestalten. Wer auch immer das Feedback und die Ideen auf unserer Plattform ernst nimmt, wird die nächste Wahl gewinnen.
Es wird also auf alle Fälle spannend bleiben auf www.wahltotal.at.


Fotocredits:
Foto: Weihbold, OÖ. Nachrichten

Ein Stock, ein Blog, 6x Klartext

blogstockIch hab bei Dirk die erste methodisch saubere, großangelegte Umfrage zur intrinsischeh Motivation von Alphabloggern gefunden. Die Studie leitet Prof. Dr. Sören zu Fall von der parapsychologischen Fakultät der Bürgeruniversität von Floridsdorf – dieses Stöckchen schnapp ich mir doch glatt.

1. Was war der entscheidende Grund, mit dem Bloggen anzufangen?

Eigentlich wollte ich schon seit Jahren einen aktuellen Online-Pressespiegel für meine diversen journalistischen Veröffentlichungen zusammenstellen; in statischem HTML ist das relativ mühsam, und WordPress erschien mir dabei als geeignetes CMS. Meine erste eigene Online-Publikation war übrigens ein Newsletter zum Thema Napster, Online-Musikdistribution und Co., der damals sogar in der c’t bei den Linktipps erwähnt wurde. (d-news, 1998-2001). Die Jahre davor startete ich gemeinsam mit StudienkollegInnen das “Gray Literature” Projekt medianexus.net, später dann habe ich eine Weile phpBB verwendet, um auf medianexus.net ein Forum zu betreiben.
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Vom Ungleichgewicht medialer Einkommensverhältnisse

eurogeldGestern war ich Gastvortragender in Frank Hartmanns Multimedia Vorlesung. Auf der Agenda standen einerseits aktuelle Trends im Bereich Social Media und andererseits ein wenig Plauderei aus dem Berufsalltags-Nähkästchen – nicht nur das klassische Berufsbild des Journalisten bzw. Medienarbeiters ändert sich: Inhalte-Produzenten, egal ob Schreiber, Filmer oder Radiomacher, verdienen zunehmend weniger mit ihrer Arbeit, während die klassische Umwegrentabilität durch Werbung immer höhere Bedeutung gewinnt.

Derzeit sind in Europa allenfalls die ersten Vorbeben zu spüren, die sich allerdings mit beeindruckenden Zahlen untermauern lassen: während Telepolis Ende der neunziger Jahre für ein längeres Feature mehrere hundert Euros bezahlte*, gibt’s mittlerweile deutlich weniger als einen Hunderter – unabhängig von der Artikellänge. Am Abend habe ich dann noch folgendes Tweet von Luca gelesen:

Gerade erfahren, dass ich für einen Trigami-Beitrag mehr bekomme als jemand mit Magister für einen Telepolis-Artikel. Aua. #zukunft?

Dieser Gedanke kam mir auch schon häufiger – für einen trigami-Review hier auf datenschmutz bekomme ich mehr als doppelt soviel Honorar wie für eine meiner Ö1 Kolumnen. Das ist auf den ersten Blick hochgradig skurril – dass Blogger für vergleichsweise sehr unaufwändige Werbetexte beträchtlich mehr Geld erhalten als Freelance-Profischreiber, die ihre Artikel an “professionelle” Medien verkaufen. Und diese Beispiele sind beileibe keine Einzelfälle: am gesamten europäischen Medienmarkt ist ein gravierender Preisverfall zu beobachten, der diverse Gründe haben mag: ein Überangebot an Arbeitnehmern, generell stärkere Konkurrenz im Medienbereich… aber verdienen die Produzenten weniger? Keineswegs, im selben Zeitraum stiegen alle Werbepreise ganz beträchtlich. Man könnte nun durchwegs behaupten, dass Inhalte sozusagen das nötige Übel darstellen, mit dem man die lästigen Whitespaces zwischen den lukrativen Anzeigen füllen muss: Content follows Adverts á la form follows function.

Auf der anderen Seite allerdings gewinnt für jeden Medienarbeiter das Konzept der Selbstvermarktung radikal an Bedeutung: während für Zeitungen und Zeitschriften Artikel immer weniger wert werden, stellt Unique Content im Netz eine wahre Goldgrube dar: für jede/n JournalistIn bietet sich ein Blog ideal als Pressespiegel an. Ich selber arbeite schon wesentlich länger als Journalist als ich blogge, und der Wunsch nach einem einigermaßen kompletten Pressespiegel war damals mitentscheidend für den Start von datenschmutz – dass die Publikation eigener Artikel auf mittelfristige bis lange Sicht ökonomisch wesentlich attraktiver ist als der einmalige Verkauf von Texten übersehen allerdings nach wie vor die meisten Schreiber. Und bei den in Österreich üblichen, hart an der Lächerlichkeitsgrenze kratzenden Honoraren für freie Journos würde ich niemals einen Text exklusiv verkaufen – es sei denn, jemand ist bereit, auch adäquat zu bezahlen. Ansonsten betrachte ich allfällige Abdruck-Honorare mittlerweile eher als Nebeneinkommen – und diesem Shift von Quantität (Auflage) zu Qualität (Visibility), von Massen- und Mikromedien, kann ich sehr viel abgewinnen: denn erstmals in der Geschichte der Massenmedien können die Produzenten selbst, natürlich mit entsprechendem Zeit- und Energieaufwand, selbst direkt von der guten alten Werbe-Umwegrentabilität profitieren.


* Mein erster Beitrag war ein Interview mit DJ Spooky in Linz, das Frank und ich gemeinsam geführt haben. Der Text ist auch hier auf datenschmutz publiziert und in Franks Medienphilosophie Buch, das dieser Tage in koreanischer (!) Übersetzung erschien… somit ist der Text sozusagen meine erste Publikation in Schriftzeichen, die ich überhaupt nicht entziffern kann :mrgreen:


Foto-Credits: Euros von tommyS [pixelio.de]

Facebook besser gar nicht benutzen?

Vor einigen Tagen war ich bei Ö1 im matrix-Studio zu Gast, um meine Replik auf Armins Facebook-Kolumne zu verlesen.

Der Text steht mittlerweile auch auf oe1.orf.at und stößt dort auf geteilte Unzustimmung – bin gespannt, ob und wie die Diskussion weitergeht. Jedenfalls tat ich mir ordentlich schwer damit, meine eigenen Zeilen zu lesen – freies Sprechen ist da schon wesentlich einfacher. A propos: gestern war ich wieder bei Paul und Radio uton live zu Gast, wir schnackten wieder eine Runde über Social Networks, Fluchtgeschwindigkeiten und Musikmythen, die Sendung gibt’s demnächst hier zum Nachhören.

Hier die matrix-Aufzeichnung, die ich von Franz bekommen habe – die Einleitung und Armins Teil hab ich drin gelassen, sonst wär meine Audio-Antwort zu sehr aus dem Kontext gerissen. Kommentare hochwillkommen!

d-news Kolumne: Plattform für österreichische CC-Musik

sraHeute Abend präsentiert die Ideenschmiede fm5 im Rahmen des Club Orange das erste österreichische Creative Commons Konzert. Mit der Plattform nolabel werden österreichische KünstlerInnen ohne klassischen Vertreib unterstützt – das Projekt wird nun ergänzt durch Orangemusic.at, eine umfangreiche Datenbank von Musikern, die ihre Werke unter der Creative Commons Lizenz veröffentlichen.

Live zu sehen sind heute Abend die Elektro-Punk-Band Dirge, die Wiener alternative Rock-Popper Cornflex und für elektronisch angehauchten Pop sind die Söhne der Liebe zuständig. Alle drei Bands sind bei nolabel “gesigned”, wobei dieser Ausdruck im Zeitalter der freien Lizenzen eine ganz neue Bedeutungsdimension erhält: denn die CC-Lizenzen zielen nicht in erster Linie auf die Erzielung von Einkommen ab, sondern auf die Kontrolle über das eigenen kulturelle Schaffen.

Die umfangreiche Orangemusic-Datenbank listet ausschließlich Werke, die unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht werden und bietet neben der normalen Suche auch die Funktion, Bands in geographischer Nähe zu finden. Regelmäßige Berichterstattung, ein RSS-Feed mit aktuellen Events und ein Radiostream, der sich aus den veröffentlichten Nummern speist, ergänzen das Portfolio.

Wer bisher noch nie mit CC-Lizenzen zu tun hatte und mit den klassischen Vertriebswegen unzufrieden ist, findet auf Orangemusic weiterführende Informationen zur Verwendung der Musterverträge im Musikbereich – CC beschränkt sich allerdings nicht auf akustisches Kulturschaffen, sondern lässt sich grundsätzlich auf jede Art von immateriellem Eigentum anwenden:

Creative Commons (CC) ist zunächst einmal eine gemeinnützige Gesellschaft, die Lizenzverträge anbietet und mittels derer es content-generierenden Personen möglich ist die Verwertungsform ihres geistigen Eigentums selbst zu bestimmen. Der Autor bestimmt also selbst den Grad der öffentlichen Nutzungsrechte an seinem Werk.

Ob heute Abend im B72 oder virtuell und online: Orangemusic hat auf jeden Fall Support verdient, denn es wird höchste Zeit, dass die Künstler selbst die Verfügungsgewalt über ihre eigenen Werke erhalten!

Naymz: wieviel ist mein Netzwerk wert?

Fast täglich sprießen neue Social Networks aus dem Boden, und zahlreiche Experten prognostizieren für die nähere Zukunft eine deutliche Marktkonsolidierung. Dennoch tauchen immer wieder Netzwerk-Ideen auf, die weit über untereinander verlinkte Visitenkarten mit Suchfunktion hinausgehen. Die Betreiber des amerikanischen Business-Netzwerks Naymz etwa scheinen die aufmerksamkeitsökonomischen Theorien Georg Francks zu ihrem Credo gemacht zu haben. [Ö1 Netzkulturkolumne, veröffentlicht auf oe1.orf.at]

Als der Wiener TU-Professor im Jahr 2005 seinen Nachfolge-Band zu der von ihm als “Aufmerksamkeitsökonomie” bezeichneten virtuellen Daten-Wirtschaft veröffentlichte, erklärte er, dass erst noch Modelle gefunden werden müssten für die direkte Umrechnung von Aufmerksamkeit in “harte” Währung , also Barvermögen. Dass in einer komplexen und hoch differenzierten Mediengesellschaft Ruhm und Aufmerksamkeit per se einen gewaltigen Wert darstellen, wissen interessierte Betrachter nicht erst seit Supermodel- und Pop-Castingshows. Abseits des Starsystems etablierten sich im Internet zwar eine ganze Reihe von Free-Services – die tatsächliche Umrechnung von Mikro-Aufmerksamkeit in ökonomische Werte ist allerdings nach wie vor ein weitgehend unbeackertes Feld.

Die Plattform Naymz.com mag noch nicht vollständig ausgereift sein, spannend wird die Seite aber durch ihr Businessmodell, das in eine gänzlich andere Richtung als Facebook und Co. zielt. Denn während letztgenanntes Netzwerk und seine Epigonen versuchen, über umfassende und ansprechende Features eine riesige User-Community aufzubauen, die nach freiwilliger Angabe möglichst vieler persönlicher Daten in weiterer Folge zielgenau mit Werbung torpediert werden kann, lockt Naymz potentielle Kunden mit direkter Valorisierung ihrer wertvollen privaten Daten und ihrer Netzwerkkontakte. Wie Xing richtet sich die Seite dabei nicht in erster Linie an Privatpersonen, sondern an “Professionals” und Freiberufler auf Auftragssuche.

Zwar existieren für Facebook diverse Rating-Applikationen, die den “populärsten” Freund des eigenen Netzwerks küren sollen oder ähnliche Bewertungs-Systeme implementieren. Und natürlich sind User mit überdurchschnittlich vielen Kontakten bei fast allen Spielen und Applikationen im “Vorteil”, da die meisten Zusatzprogramme Bonusfeatures erst nach dem Versand möglichst vieler Einladungen freischalten. Doch was bei Facebook auf der spielerischen Ebene verbleibt, wird von Naymz in handfeste Währung verwandelt. Das gesamte Netzwerk beruht auf der altbekannten Empfehlungsmechanik: je mehr registrierte User eine bestimmte Person “empfehlen”, desto höher deren Punktestand. Zusätzliches virtuelles “Kapital” lässt sich durch Einladungen und die möglichst vollständige Komplettierung des eigenen Kapitals erwerben. Aus den insgesamt erzielten Punkten errechnet Naymz den sogenannten “RepScore” (Abk. für Reputationswertung), aus dem sich wiederum der RepLevel errechnet, eine Bewertung zwischen eins und zehn. Wer nun – sei es aufgrund vieler Einladungen oder Empfehlungen – Level 10 erreicht, kann Premium-Features der Plattform nutzen, die ansonsten nur zahlenden Pro-Usern vorbehalten bleiben: dazu gehört etwa ein genaues Tracking der Besucher auf der eigenen Profilseite sowie von Naymz geschaltene und bezahlte Google-Anzeige, die bei einer Suche nach dem eigenen Namen oberhalb der Suchergebnisse erscheint – eine einfache Möglichkeit, in Zeiten der Jobsuche für aktuelle Daten und steuerbare Webpräsenz zu sorgen. Ganz gemäß den beiden Credos der Seite: “Establish your good name. Promote your good name.”

Wie sich die in Chicago ansässige Firma in den nächsten Monaten entwickelt und ob das Konzept auf breiter Basis aufgeht, wird zu einem hohen Grad von den angebotenen Zusatzfeatures abhängen. Derzeit sind vergleichsweise wenige europäische User registriert, diese Demographie kann sich aber erfahrungsgemäß rasch ändern. In punkto geschäftliche Online-Präsenz und Valorisierung von Kontakten bringt Naymz die Konkurrenz durch innovative Ansätze auf jeden Fall gehörig ins Schwitzen.

Web 2.0: Werben nach dem Bottom-Up Prinzip

Die deutschsprachige Blogosphäre wächst weiter – und mit der steigenden Zahl an Blogs und LeserInnen wird der Ruf nach lukrativen Werbeformaten immer lauter. Wenn der Markt keine adäquaten Werbe-Modelle anbietet, müsse man eben selbst aktiv werden, fordern immer mehr Blogger – und präsentieren Ideen für innovative Bottom-Up Werbenetzwerke. [Ö1 Netzkulturkolumne, veröffentlicht auf oe1.orf.at]

Zahlreiche Weblog-Autoren gehen ihrer Publikationstätigkeit aus ganz und gar nicht ökonomisch motivierten Überlegungen nach, andere sind von Beginn an darauf bedacht, Einnahmen zu erzielen. Affiliate-Netzwerke bieten ersteren ihre Vermittlungsdienste an, auch das Google AdWords System kommt häufig zum Einsatz. Beide Werbeformen allerdings beruhen auf Pay-per-Click oder Pay-per-Conversion Modellen. Das bedeutet, dass für den Seitenbetreiber erst dann Gewinne anfallen, wenn tatsächlich jemand auf die betreffende Anzeige klickt oder das beworbene Produkt kauft. Wirklich lukrativ ist diese Form der Werbung daher nur für wenige Nischenseiten – wer beispielsweise kontinuierlich über den deutschen ADSL-Markt schreibt, wird viele passende Partnerprogramme finden, bei thematisch breit angelegten Blogs erweist sich dies aber in der Regel als schwierig: über den Daumen gepeilt sind je nach Thema rund 150-500 Besucher am Tag erforderlich, um die Kosten eines dedizierten Servers zu refinanzieren. Im Durchschnitt weisen deutschsprachige Blogs aber gerade mal ein Zehntel dieser Leserschaft auf.

Im Bereich professioneller Online-Medien dagegen spielt die beschriebene Pay-per-Click Werbung eine untergeordnete Rolle: Schaltagenturen kaufen in der Regel bestimmte Bannerkontingente ein, zugrunde liegende Maßzahl sind die Einblendungen – man spricht von Pay-per-View Modellen. Ähnlich wie bei klassischen Printeinschaltungen respektive Radio- oder Fernsehwerbung bestimmen also Auflage beziehungsweise Quote den Preis. Solche Banner-Einblendungen oder im Fachausdruck “Pageviews” (engl. für Seitenaufrufe) werden in der Regel in größeren Paketen eingekauft, die je nach Branche in Österreich bei einer halben Million Pageviews, also Homepage-Besuchern, pro Monat beginnen.

Um diese Zahl zu erreichen, müssten die Schaltagenturen also nicht mit einem einzelnen Blogger, sondern mit mehreren Betreibern sprechen – und genau dieser organisatorische Overhead hält bisher Pay-per-View Vermarkter zuverlässig von einer solchen Bündelung zahlreicher kleinerer Seiten ab. Technisch allerdings gestaltete sich die Schaffung einer Syndikationsplattform relativ trivial – de facto reicht dazu eine gut konfigurierte Installation des Freeware-Adservers Open-Ads völlig aus. Daher überrascht es auch nicht weiter, dass immer mehr (semi)private Publikationen gerne von diesem größeren Werbekuchen mit naschen möchten. Während in der Schweiz einzelne Blogger sehr früh begannen, sich mit zunehmendem Erfolg zu Vermarktungsnetzwerken zusammen zu schließen und in Deutschland einige bekannte Online-Tagebuch-Schreiber das bisher eher glücklose Adical-Programm starteten, scheint die österreichische Bloggerszene erst jetzt jene (wenn auch immer noch sehr bescheidene) Größe zu erreichen, die Blogautoren ernsthaft über Synergieeffekte nachdenken lässt.

Auf absehbare Zeit jedenfalls müssen traditionelle Massenmedien keine ernsthafte Konkurrenz durch Weblogs fürchten – die umfassende Berichterstattung über Web 2.0 und die neuestens Trends und Hypes aus dem Netz mag zwar manchmal einen anderen Eindruck vermitteln, aber in der Praxis sind im deutschsprachigen Raum die Online-Tagebücher nach wie vor ein Minderheitenprogramm, aber so hat schließlich jedes neue Medienformat begonnen. Oder, wie Kollege Riepl es einst so treffend und zeitlos, weil mit maximalem Interpretationsspielraum, formulierte:

… die einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und für brauchbar befunden worden sind, auch von den vollkommensten und höchst entwickelten niemals wieder gänzlich und dauerhaft verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden können, sondern sich neben diesen erhalten, nur daß sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen.
aus: Riepl, Wolfgang: Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer. Leipzig: Teubner, 1913.

weiterführende Links:

Adical – deutsches Blogvermarktungsnetzwerk von Sascha Lobo
Logcut – Schweizer Blog-Verlagshaus von Peer Dittmar
OpenAds – frei verfügbare Adserver-Software

Die Kolumne #83 (Jänner 2008)

Diesmal: Das Analphabet der Schieferplatten, heute: A-Z [special edition]
“In der Kürze liegt die Unterwerfung des Arbeiters unter den Großkopferten,” dachte sich Marx und überschrieb sein gesamtes Kapital einem linken Verleger. Nur um in den hektischen Tagen vor Weihnachten von zwei Wortwiederholungen in der Redaktion förmlich überfallen zu werden!
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Google mit neuen Spielregeln

Vor einigen Wochen sorgte das aktuelle Google Pagerank-Update für Aufregung unter Webmastern: erstmals reagiert die größte Suchmaschine der Welt auf das Businessfeld “Linkverkauf” mit Straf-Maßnahmen. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]

Maßgeblich mitverantwortlich für den Erfolg der Suchmaschine, deren Slogan “Do no evil” schon längst nicht mehr unwidersprochen stehen bleibt, ist der sogenannte Pagerank-Algorithmus. Google bemisst die Wichtigkeit einer Seite an den eingehenden Links: je mehr themenaffine Seiten auf eine bestimmte Adresse verweisen, desto höher deren Relevanz – und die wirkt sich wiederum auf den die Platzierung in den Suchergebnissen aus. Da die überwiegende Mehrheit der Surfer bei der Websuche erst gar nicht auf die zweite Ergebnisseite navigiert, kommt einer Platzierung möglichst weit entsprechend große Bedeutung zu.

Google aktualisiert die weltweiten verteilten Datenbanken ständig, errechnet allerdings in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen – bislang zumeist viermal pro Jahr – eine Maßzahl, welche Auskunft geben soll über die Wertigkeit einer Seite. Daraus resultiert der sogenannte “Pagerank”, eine Zahl zwischen 0 und 10, die auf einen Blick die Bedeutung einer Webadresse verraten soll. Seiten mit hohem Pagerank “vererben” einen Teil ihrer Google-Relevanz, wenn sie auf andere Seiten verlinken. Dieses Prinzip stellt seit Jahren die Basis von Googles Businesserfolg dar. Doch mit steigender Bedeutung der Onlinewirtschaft wurden die Methoden zur Manipulation des Pagerank immer ausgefeilter und ein neues Businessmodell erblickte das Licht der Netzwelt: sogenannte Link Trader schufen Online-Marktplätze für die “Linkvermietung”. Wer bereits eine gut indizierte und bewertete Seite betreibt, kann gegen ein monatliches Entgelt dort Links publizieren, der Preis richtet sich dabei nach dem Pagerank der Seite. Diese Form der Online-Werbung richtet sich keineswegs an die menschlichen Besucher einer Webseite, sondern soll ihr lediglich zu einer besseren Google-Platzierung verhelfen.

Im deutschen Sprachraum machten Anbieter wie Teliad oder Linklift dieses Vermietungsbusiness zu einer attraktiven Einnahmequelle, die vor allem Bloggern häufig ein höheres monatliches Einkommen sicherte, also über klassische Online-Werbung möglich wäre – und wurde damit zur Konkurrenz für Adsense, Googles monetäres Zugpferd.

Das Adsense Geschäftsmodell

Die größte Suchmaschine der Welt deckt in der westlichen Welt rund 90% aller privaten Suchanfragen ab. Das eigentliche Kerngeschäft des Konzerns ist jedoch die Vermarktung der Adsense-Werbung: mit diesem Produkt revolutionierte Google vor Jahren den Online-Werbemarkt und löste Bannerschaltungen durch die sogenannte CPC (Cost per Click) Werbung ab. Kunden, die Google Adsense Anzeigen schalten, müssen sich nicht um die Auswahl geeigneter Werbeseiten kümmern: Adsense findet thematisch passende Webseiten und schaltet die eigenen Anzeigen automatisch. Für die bloße Anzeige fallen keine Kosten an, der Kunde bezahlt erst dann, wenn ein Surfer auch tatsächlich auf die Anzeige klickt.

Die Links in Adsense-Anzeigen sind mit dem Attribut “nofollow” gekennzeichnet, was sie für Suchmaschinen “unsichtbar” macht, denn Google möchte sein eigenes Bewertungskonzept nicht durch bezahlte Werbeanzeigen verfälschen. Die oben beschriebene Vermietung von Links verbietet Google in seinen Nutzungsbedingungen. Aufgrund der starken marktbeherrschenden Situation des Anbieters wagen es die wenigsten Webmaster, die Spielregeln des Branchenprimus zu brechen und halten sich an die Vorgaben. Wer das nicht tat, erlebte beim aktuellen Pagerank eine böse Überraschung: zwar existiert wie stets keine aktuelle Stellungnahme, dennoch deuten alle Anzeichen darauf hin, dass sämtliche “Linkverkäufer” durch einen um ein bis zwei Punkte niedrigeren Pagerank “bestraft” wurden.

Diese Vorgehensweise verringert nicht nur das Einkommen der betroffenen Blogger, sondern ist wohl auch als eine Art Warnung zu verstehen: wer die Spielregeln Googles nicht einhält, fliegt eben raus. Damit macht die aktuelle Pagerank-Runde vor allem eines deutlich: ist das Quasi-Monopol erst einmal zementiert, kann ein einzelner Player ohne viel Widerspruch die Spielregeln des gesamten Online-Marktes vorgeben. Ob dies der Netz-Ökonomie auf Dauer gut tut, ist mehr als fraglich.

d-news Kolumne: Das Netz und die Musik

sraFadi hat mich eingeladen, auf der neu relaunchten SRA-Seite eine monatliche Kolumne über das Thema Musik und Web 2.0 zu schreiben. Meine erste eigene regelmäßige Online-Publikation waren die “d-news”, ein zweiwöchentlicher Newsletter über mp3 und digitale Musikdistribution, den ich von 1999 bis 2001 an über 500 AbonnentInnen verschickt habe. Seit damals hat sich viel verändert, Napster spielt keine Rolle mehr und neben E-Mule und Co. existieren zahlreiche legale Shops und Online-Labels. Social Communities wie myspace haben die “Demotape-Kultur” quasi demokratisiert, und immer mehr Musiker agieren nicht nur als Kreative, sondern kümmern sich zugleich selbst um Aspekte wie Distribution, Vermarktung und Booking.

Das Zeitalter der großen Majors scheint vorbei, trotz iPod und Co. vermiesen user-unfreundliche DRM-Systeme immer noch weite Teile des legalen Musikgenusses. Strukturen werden kleiner, Produzenten und Musiker vernetzen sich: noch nie waren Kollaboration so einfach abzuwickeln wie über das Netz. Musik produzieren wird auch technologische einfacher, Studiozeit oder sogar Homestudios immer leistbarer, in bare Münze lassen sich klingende Töne aber anscheinend immer schwieriger verwandeln. In meiner SRA-Kolumne, die auch hier auf datenschmutz erscheint, werde ich regelmäßig über meiner Meinung nach besonders spannende Beispiele für Überschneidungen von Netz- und Popkultur berichten – viel Spaß beim Nachlesen und -surfen. Über Kritik, Anregungen und Tipps freu ich mich natürlich.

SRA Kolumne #1: Raubkopieren ist nur die halbe Wahrheit

Das Internet greift auf vielfältige Art und Weise in das weite Feld der Musikproduktion und -distribution ein: in den vergangenen Jahren zeichneten die Massenmedien, vorwiegend dank finanziell durchaus aufwendiger IFPI-Kampagnen, ein durchwegs verzerrtes Bild: von Raubkopierern und dem Ende kontemporären Kulturschaffens war häufig die Rede, während die riesigen Chancen der Vernetzung und Direkt-Distribution allen Beteiligten erst langsam bewusst werden.
erschienen auf SRA.at

Um eine typische Kategorienverwechslung zu vermeiden, hilft die klare Trennung zwischen Musikindustrie und Musik, denn trotz anderslautender Beteuerungen waren ökonomische Gründe nie die einzige Motivation für Musikschaffende. Zweifellos stimmt die Feststellung, dass die seit den 50er Jahren konsequent gewinnoptimierten Distributionsstrategien der Major Labels durch verschiedenste Online-Dienste unter Druck geraten sind – doch in dieser Kolumne wird nicht von strukturellen Vertriebsproblemen die Rede sein, sondern vom anderen Ende des Spektrums: von jenen Möglichkeiten, die das Netz Musikern bietet, um in Echtzeit zu kooperieren, um ihre Arbeit zugänglich zu machen und um sich zu vernetzen.

Denn das Read-Only Internet der 90er Jahre ist nach und nach zum vielzitierten Web 2.0 geworden. Aus passiven Usern werde aktive Mitgestalter, und was belächelte Home-Use Programme wie Magix Musicmaker vor einigen Jahren am heimischen PC leisteten, funktioniert inzwischen als browser-basierte Multi-User Anwendung. Von Napster zum digital vernetzten Studio: das Internet wird zum Spielplatz und zur virtuellen Begegnungsstätte von Musiker und ihren Fans: die wollen sowieso miteinander kommunizieren, und da das Internet die geeigneten Werkzeug dazu bereitstellt, liegt die “Migration” von immer mehr Bereichen auf der Hand: wie das Beispiel von last.fm nachdrücklich zeigt, ist das Internet nicht bloß günstiger Vertriebskanal: das hässliche Wort Musikmarketing bedeutet im Idealfall ja eigentlich nur, dass Musikhörer miteinander kommunzieren und eben jene Tunes, die sie interessant finden, weiterempfehlen. Diese Art der Verbreitung war früher auf direkte persönliche Kontakte beschränkt – wenn aus dem Schulhof plötzlich potentiell die ganz Welt wird, dann zittern “professionelle” A&Rs zu Recht um ihren Job – für die Kulturschaffenden, die definitiv nicht die Hauptbegünstigten des Musik-Business waren, sind das in der Tat erfreuliche Aussichten!

In der nächsten Ausgabe: was Social Communities für MusikerInnen tun können.

Facebook: Die Seite mit den vielen Gesichtern

Motiviert durch das rasche Wachstum von Xing, Myspace, FlickR und Co. versuchen fast täglich neue Social Networks, eine breitenwirksame Community aufzubauen. Doch während der Mehrzahl der “Copycats” der Erfolg verwehrt bleibt, freut sich derzeit vor allem ein Anbieter über steigende Userzahlen. Facebook punktet durch in erster Linie durch seine flexible Erweiterbarkeit und hat von den Vorgängern einiges gelernt. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]

Dabei wirkt die amerikanische Plattform auf den ersten Blick eher unspektakulär: weder kann der User das Design seines Profils anpassen, noch stechen auf den ersten Blick irgendwelche besonderen Features ins Auge. Die Standardfunktionen wie Kontakt-, Termin- und Fotoverwaltung bieten ebenfalls wenige Überraschungen, und so fragen sich viele Neulinge, worauf der Hype eigentliche zurückzuführen ist. In der Tat erschließen sich die Stärken der Plattform frühestens auf den zweiten Blick.

Die kleinen Feinheiten

Das Erstellen der eigenen Kontaktliste erleichtert Facebook Neueinsteigern durch verschiedene Import-Filter für die Adressbücher beliebter E-Mail Clients und Webmail-Services. Ein zentraler Punkt, denn neben der geographischen Herkunft dient das eigene Freundesnetzwerk als Basis für alle weiteren Funktionen. Was Usability und Benutzerführung betrifft, verlässt sich die Plattform nämlich ganz auf die angeborene Neugier des gemeinen Internetnutzers: ein Klick auf den Hauptmenüpunkt “Photos” etwa führt keineswegs auf Anhieb zu den selbst hochgeladenen Bildern, sondern zu einer Übersichtsseite, auf der die neuesten Alben der eigenen Kontakte präsentiert werden. Das verleitet natürlich schnell mal zum Durchklicken – und diesen Ansatz verfolgt Facebook konsequent quer über die gesamte Plattform. Zusätzlich unterteilen Ländernetworks und Geo-Matching die riesige Userbasis in Subgruppen und erleichtern die Suche nach Veranstaltungen und Kontakten in unmittelbarer Nähe.

Andere erfolgreich andocken lassen

Die Betreiber von Facebook haben verstanden, dass in Zeiten des Rapid Web Development kein noch so motiviertes Programmiererteam produktiver sein kann als der ganze Rest der Welt und bezieht seine User aktiv in die Weiterentwicklung ein: dank der umfassend dokumentierten Schnittstellen kann jeder eigene Facebook-Applikationen programmieren und im zugehörigen Verzeichnis veröffentlichen. Diese je nach Aufgabengebiet kleineren oder größeren Plugins erweitern den Funktionsumfang um eine inzwischen riesige Zahl nützlicher und nutzloser Features: von diversen Computerspielen über ein Plugin, das anhand der Facebook-Kontakte die “Small World Theory” überprüft bis hin zu diversen virtuellen Geschenk-Services, Informationsdiensten und Kommunikationstools reicht das Spektrum. Die Seite selbst stellt bloß das grundlegende Framework zur Verfügung, erst die Zusatz-Programme sorgen für den unschlagbaren Funktionsumfang – und haben bereits zahlreichen talentierten Programmierern ein beachtliches Einkommen verschafft, denn Ruhm und Ehre sind nicht die einzige Motivation, selbst Erweiterungen zu entwickeln: jeder Applikationsprogrammierer hat die Möglichkeit, Werbung in seine Software zu integrieren und damit ein attraktives Zusatzeinkommen zu lukrieren.

Facebook fungiert somit auch als zentraler Hub, denn zahlreiche andere Web 2.0 Services lassen sich mittels Software-Erweiterung ins eigenen Profil integrieren: anstatt die User zu zwingen, eigenen Services zu benutzen, versteht sich Facebook als Meta-Plattform und setzt Paradigmen des Web 2.0 konsequenter um als jedes andere Netzwerk: die ursprüngliche US-College Nische hat Facebook jedenfalls längst verlassen.

Die dunkle Seite der Datenmacht

Je höher die Datenqualität einer Social Media Plattform, desto einfacher lassen sich die damit generierten Daten für alle möglichen Zwecke missbrauchen: zielgruppengenaue Werbeschaltung stehen am harmloseren Ende der Skala, geheimdienstliche Begehrlichkeiten wurden Facebook nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Verflechtung mit US-regierungsnahen Investoren nachgesagt. In der Tat scheint die Datenqualität auf Facebook sehr hoch zu sein, und trotz der feingliedrig konfigurierbaren Profil-Privatsphäre sollte jedem Facebook-Nutzer klar sein, dass sowohl Profildaten als auch das Nutzerverhalten im Zweifelsfall eben nicht nur für “Freunde” einsehbar sind.

Ein rasantes Wachstum steht der amerikanischen Plattform in Europa dennoch bevor: obwohl Facebook bislang so gut wie keine Anstrengungen unternommen hat, um auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, entscheiden sich immer mehr User für den Full-Service Provider Facebook. Gratisnutzung, unbegrenzter Speicherplatz für Fotos und der beschriebenen Funktionsumfang scheinen weit mehr Anziehungskraft zu haben als lokalisierte Sprachvarianten: denn bisher ist die Seite ausschließlich in Englisch verfügbar – spätestens im nächsten Jahr allerdings wollen die Betreiber Dependancen in der EU eröffnen.

Facebook
Small World Theory – Six Degrees of Separation
Facebook-Profil des Authors

Wer nix wird, wird Blogger

Zumindest dann, wenn es nach dem Vorsitzenden der deutschen Journalistengewerkschaft geht: denn der machte in einer kürzlich gehaltenen Rede der von ihm beratenen Berufsgruppe in Sachen Recherchepflicht wenig Ehre. [Ö1 Netzkulturkolumne, zuerst veröffentlicht auf oe1.orf.at]

Zumal Journalisten in demokratischen politischen System nicht nur in arbeitsrechtlicher Hinsicht durchwegs eine Sonderstellung besitzen – manche sehen in ihnen gar als die vierte Kraft im Sinne der Gewaltentrennung. In der Tat ist die politische Informationsleistung notwendiger Bestandteil für eine differenzierte Meinungsbildung. Also sind die Angehörigen der schreibenden Zunft nachhaltig aufgerufen, ausgewogen zu berichten, Sorgfalt bei der Recherche walten zu lassen und sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Wozu das führt, ist hinlänglich bekannt: zu inszenierten, g’schobenen Geschichten am einen und zu Meisterleistungen des Aufdeckungsjournalismus am anderen Ende einer überbreiten Skala teilweise durchwegs konfligierender Interessen.

Weblogs dagegen sind häufig privat betriebene Seiten und der journalistischen Sorgfaltspflicht nur insoweit unterworfen, wie ihr jeweiliger Autor dies für richtig und zielführend hält. Viele Beiträge sind keine “Nachrichten” im Sinne des Terminus Technicus, sondern fallen ins Genre der Kommentare und Glossen: es handelt sich um subjektive Stilformen, die keinen Anspruch auf Objektivität erheben. Wenn Michael Konken auf der erwähnten Jahrestagung also über den Unterschied zwischen Journalismus-Profis und Hobby-Bloggern schreibt, dann hätte er auf derartige funktionale Ausdifferenzierungen des Mediensystems verweisen können, aber der Universitätsprofessor zog die grobe Keule vor:

Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. […] Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.

Die Diskussion um die Impressumspflicht von Internetseiten führte in Deutschland dazu, dass die überwiegende Mehrheit der Blogs schon längst genaue Herausgeberinformationen veröffentlichen. Unter den Top 50 der deutschen Blogcharts etwa findet sich keine einzige Seite, bei der sich der Herausgeber nicht im Handumdrehen eruieren ließe.

Aber dies ist nur ein Detail und gar nicht der zentrale Punkt der Kritik an einer unglücklichen Rede. Denn die zeigt schlicht und ergreifend überdeutlich, dass Interessensvertretungen in der Regel schwerfälliger und starrer agieren als jene Mandanten, die sie eigentlich vertreten sollen. Und so überrascht es wenig, dass als erster Thomas Knüwer einen offenen Brief an Michael Konken verfasste. Der beim Handelsblatt tätige deutsche Journalist betreibt ein gut besuchtes Medienblog und ist selbst das beste Beispiel für die Absurdität von Konkens Argumentation: Qualität als format- oder medieninhärenten Faktor anzusprechen, zeugt von einer seltsamen Gesinnung, für die Knüwer deutliche Worte findet:

Es liegt mir in den Fingern, mal so richtig zu kontern. Von einem Ewiggestrigen Gewerkschaftsheini, der seine Führerbunkermentalität hauptberuflich auch noch an Studenten weitergeben darf an der Uni Vechta und der FH Oldenburg. Über einen, dessen intellektuelles Niveau in Sachen Mediendiskussion tiefer liegt als die Golf GTI in meiner münsterländischen Heimat.

Innerhalb der Blogosphäre führte das “feige-Blogger-Zitat” in kürzester Zeit zu zahlreichen Reaktionen: über fünfzig Beiträge in weniger als 10 Tagen bestätigen nachdrücklich, dass Blogger dem Meta-Diskurs genauso wenig aus dem Weg gehen wie einem Impressum. Der Verursacher des Sturms im Blog-Glas allerdings bekräftigte seine Aussagen gegenüber einem Branchenblatt und erklärte, dass es “nichts zu relativieren gäbe”, worauf Blogger ein neues Zeitwort vorschlugen: “konken – aus Angst ablehnen, nicht verstehen (wollen)”. Bei aller Polemik steckt allerdings doch eine eher beängstigende Moral in der Geschichte: Manche Journalisten haben eben doch menschliche Schwächen. Und manche Blogger vielleicht sogar journalistische Stärken. Und Schwächen.

Michael Konkens Rede im Volltext
Offener Brief von Thomas Knüwer an Michael Konken
Liste mit Blogreaktionen
Deutsche Blogcharts
Sven Scholz: konken als neues Vokabel

Die Kolumne #82 (November 2007)

Die Kolumne erscheint regelmäßig in the gap.
Diesmal: des Teufels Dampfer evangelisiert am falschen Holzweg.
“Es wäre wieder an der Zeit, die Schlittenhunde aus dem Keller zu holen”, erinnerte mich Brigitte. “Wie du weißt, sind Segways mit Schneeketten ein Gadget für die Unterschicht. Ich bevorzuge ganz klar den klassischen Schlitten mit 33 vorgespannten Sony Aibos.”

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Die Kolumne #81 (Oktober 2007)

Die Kolumne erscheint regelmäßig in the gap.
Diesmal: Oder ein Querulant schwimmt selten aufwärts gegen den Strom.
Gorkuv besuchte mich letzthin zu meiner großen Freude, ein schmächtiger, aber nachdrücklicher Ex-KGB Doppelagent, den ich zu jener turbulenten Zeit kennen gelernt hatte, als der vierschrötige Zwerg für die Regie bei Brigittes Gangbang-Weltrekordversuchen zuständig war. Seine natürliche Autorität kam ihm dabei zupasse, seine immenses Untalent punkto Kameraführung naturgemäß weniger. Darum, nur darum erhielten die über 30stündigen Videos von der Bundespornoprüfanstaltet für Erwachsenen-gefährdende Schriften das Prädikat “bis höchstens 16″.
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Die Kolumne #80 (September 2007)

Die Kolumne erscheint regelmäßig in the gap.
Diesmal: Päpste kommen mit Pomp, ein Meer von Monatsmagazin zieht über’s Land und frißt Heuschreckenschwärme.
Eine nicht näher genannt werden sollende Frauenzeitschrift rief unlängst anläßlich Darth Vaders Inlands-Visite seine ihre Schäfchen auf, respektlose T-Shirt und Stickersprüche für den Besucher seiner heiligen Exzellenz einzusenden. Daß im folgenden Monat die mit unüblich-üblen Pomp und üblichen-übrigen Kosmetika-Proben angeheizte Version sanglos nicht in die verlängerte Auswertung ging, läge ganz allein am Mangel an harmlosen Sprüchen. “Wir wollen uns nicht mit der Rechtsabteilung des Vatikans anlegen”, erklärte mir Brigitte vertraulich, nachdem ich das übliche Non-Disclosure Agreement widerwillig unterzeichnet hatte.
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Blogistan Panoptikum Woche 35 2k7

Bei Blogformoney hat Francis Drake in der vergangenen Woche temporär die Kontrolle übernommen und so manchen Piratentrick verraten, der die Schatzkiste schneller füllt als leert. Cipo dagegen hatte es vergleichsweise gemütlich: er reiste durch Tunesien und fand auch dort überall drahtlosen Netzzugang.

Kölsche Barcämperei auf Video

In der ihm eigenen Art und Weise berichtet der elektrische Reporter über das selbstorganisierte Zusammentreffen der Netz-Szene in Köln, genauer über das letzte Barcamp. Das sehen Sie sich am besten selbst an:

Langschwanz entzieht sich dem Blogscout

Schade, dass Dirk Olbertz seinen Blogscout einstellt – das ambitionierte Projekt war als einer von wenigen Sidebar-Buttons immer auf datenschmutz vertreten, doch nun bleibt nur mehr Rivva als Überblickstool über die deutschsprachige Blogosphäre, nachdem man sich vor lauter Charts ja gar nicht mehr auskennt. [via Frank Helmschrott]:

Ich wollte mit Blogscout einen Wegweiser für die Blogosphäre schaffen. Diesem Anspruch kann ich aber nicht ansatzweise gerecht werden. Die breite Masse – oder auch “Longtail” – ist entweder gar nicht bei Blogscout vertreten, oder ist unterrepräsentiert.

Mit anderen Worten Mailme-Snippets und Codes bitte entfernen, der Blogscout ist leider nicht mehr; dabei haben mir besonders die Lokalisierungs-Funktionen dort immer so gut gefallen; zur Erinnerung ein kleiner Snapshot meiner Hood:

blogscout

 

Lebensziele eines Internet-Millionärs

Wenn ein Internetmillionär Listen mit seinen Lebenszielen erstellt, dann muss ja wohl “Mit 50 zur Königin von England geadelt werden” draufstehen. großartigen Kommentar zu Causa verfasst, mein Lieblingszitat daraus:

Und so wurden schon kurze Zeit später die “Deutschen Piraten Blogcharts” veröffentlicht. Wie die funktionieren? Genauso wie die „Deutschen Blogcharts”-bloß ohne menschliches mitwirken und total automatisch. Gezählt wird bloß die pure Verlinkung basierend auf den Daten von Technorati. Mehr nicht. Man könnte also auch sagen die “Deutschen Piraten Blogcharts” sind die Gonzo Charts der deutschen Blogosphäre: Reduziert aufs Wesentliche.

Die Gonzo Charts der deutschen Blogosphäre! Schöner hätten wir zwei bösen Österreicher das auch nicht formulieren können. Übrigens beantwortet diese Aktion auch die Frage, warum .at wider internationale Tradition gemeinsam mit einem Schurkenstaat wie der Schweiz die kommende Fußball-EM ausrichtet: Österreich ist selbst ein Schurkenstaat! Ein Sumpf, ein Teich, ein Meer, in dem Piraterie sozusagen geradezu von offizieller Seite nicht nur geduldet, sondern gefordert wird. Kurzum: für Menschen mit Papageien auf der Schulter das ideale Lebensumfeld.

Jeder Blogtag ist ein Tag

Am 31. August war anscheinend Blogday, wie ich bei Karin las. Verpasst, Mist! Naja, was soll’s, hier auf ds ist sowieso jeden Tag Blogtag. Beziehungsweise wär ich an den Anforderungen des größten Karnevals aller Zeiten sowieso gescheitert:

one long moment on August 31st, bloggers from all over the world will post recommendations of 5 new Blogs, preferably Blogs that are different from their own culture, point of view and attitude.

Ey, Moment mal – das machen wir doch eh andauernd mit so Dingen wie unseren Technorati Spielchen und den deutschen Piraten Blogcharts! Und außerdem geht morgigentags die montägliche Blogvorstellungs-Runde weiter, die vergangene Woche startete. Also wie gesagt: every day is blog day am Schiff der Social Media Piraten! In diesem Sinne wünsche ich allen LeserInnen großartige 21 Restsonntagsminuten – bis morgen.

Seiten

Kolumnen | Ritchie Pettauer über Medienkultur und Skurriles

Auf dieser Seite finden Sie ein Archiv meiner Kolumnen und Glossen aus verschiedenen Print- und Online-Medien.

 

Die Kolumne

diekolumneTodernste Betrachtungen aus dem Alltag, liebevoll illustriert anhand von mir persönlich verifizierter biographischer Tatsachen. Dies hier sind weder der Ort noch die Zeit für Satire. Es gibt nichts auf der Welt, das ernster gemeint wäre als der Spasz – das esszett sagt schon alles! [erscheint in the gap]

 

Ö1 Medienkultur Kolumnen

oe1 kolumnenFür die Ö1 Mediensendung “matrix” schreibe ich abwechselnd mit verschiedenen KollegInnnen aus der matrix-Redaktion die Medien-Kultur Kolumne, des ORF, die zweimal in der Woche auf der Homepage von Ö1 veröffentlicht wird. [erscheint auf oe1.orf.at]

 

d-news SRA Kolumne

sraAuf SRA veröffentliche ich eine monatliche Kolumne zum Thema Musik online – sie trägt in Anlehnung an meine erste Online-Publikation, einen Newsletter über mp3 und die Folgen, den Namen d-news und beschäftigt sich mit Internet-Musikvertrieb, netlabels und verwandten Themen. [erscheint auf sra.at]

d-news SRA-Kolumne

d-news – meine SRA-Kolumne – trägt in Anlehnung an meine erste Online-Publikation, einen Newsletter über mp3 und die Folgen, diesen. Zitat aus der ersten Nummer:

Das Zeitalter der großen Majors scheint vorbei, trotz iPod und Co. vermiesen user-unfreundliche DRM-Systeme immer noch weite Teile des legalen Musikgenusses. Strukturen werden kleiner, Produzenten und Musiker vernetzen sich: noch nie waren Kollaboration so einfach abzuwickeln wie über das Netz. Musik produzieren wird auch technologische einfacher, Studiozeit oder sogar Homestudios immer leistbarer, in bare Münze lassen sich klingende Töne aber anscheinend immer schwieriger verwandeln. In meiner SRA-Kolumne, die auch hier auf datenschmutz erscheint, werde ich regelmäßig über meiner Meinung nach besonders spannende Beispiele für Überschneidungen von Netz- und Popkultur berichten – viel Spaß beim Nachlesen und -surfen. Über Kritik, Anregungen und Tipps freu ich mich natürlich.


  • d-news #1: Das Netz und die Musik. | SRA
    Ab sofort schreibe ich monatlich für SRA.at eine Kolumne über digitale Musik, Web 2.0 und Popkultur: die erste Ausgabe beschäftigt sich mit der Vorstellung des Themas.
  • d-news #2: | SRA
    Mit Orangemusic.at geht eine Plattform an den Start, die sich ganz der Förderung von Creative Commons Musik verschrieben. Betreiber der neuen Seite sind die Macher von fm5 bzw. Nolabel.at.

Ö1 Kolumnen

Von 2007 bis 2008 schrieb ich für die Ö1 Homepage eine regelmäßige Kolumne zum Thema “Netzkultur”, die ein bis zweimal im Monat erscheint. Die Themen sind relativ breit gestreut – sozusagen Fundstücke aus dem weiten Feld Medien.Kultur.Technik. Auf dieser Seite gibt’s alle Texte gesammelt.

Archiv

Die Kolumne

Für the gap verfasste ich einige Jahre lang eine monatliche Kolumne – dabei ging mir eher um die Methode als den Inhalt. Oder besser gleich gut gesagt: eher um den Inhalt als die Methode. Meine Wrestling-Matches gegen die deutsche Sprache beschreibt Chefredakteur Thomas Weber auf der the gap Homepage imho treffend:

Ritchie Pettauer, seines Zeichens gedankenexperimenteller Wortonanist, steigt gegen sich selbst in den Ring. Dass er diesem trotzdem stets unbeschädigt entsteigt, verwundert nur vordergründig, denn letztlich ist natürlich alles a g’schobene G’schicht.

Archiv

  • Die Kolumne #47 (April 2002)
    Zeter herum, Zensor der Ländermesse!
  • Die Kolumne #48 (Juni 2003)
    Die übliche Urlaubsfrage: Gen_Italien?
  • Die Kolumne #49 (August 2003)
    Tacit, Leser – schon wieder ein Facit! Oder: “Wie kriegst du Sperma wieder aus Nylonstrümpfen raus?”
  • Die Kolumne #50 (Oktober 2003)
    Progression auf allen Ebenen – Unverständnis darunter
  • Die Kolumne #51 (Dezember 2003)
    Mit Bügeleisen nach Rüpeln schmeißen
  • Die Kolumne #52 (Jänner 2004)
    Diesmal: Einer kehrt ins All zurück
  • Die Kolumne #53 (Ma i2004)
    Local Area Network Connection – a network cable is unplugged
  • Die Kolumne #54< (Juni 2004)
    Diesmal: Mit dem Rad unterwegs gegen Problemzonen. Oder: feuchte Wickel und daran befestigte Elektroden.
  • Die Kolumne #55 (August 2004)
    Vom unerlaubten Unterlassen nützer Ausflüge in modische Gefilde – jetzt um 25% reduziert!
  • Die Kolumne #56 (September 2004)
    Gehet in Frieden, doch befriedigt euch nicht im Gehen. Oder: Das Darniederregnen – eine seltene Form von Doppelunnützigkeit.
  • Die Kolumne #57 (November 2004)
    Diesmal: Die Bewegfeder der Destillusion. Oder: nichts über die Bartvorlieben der österreichischen Frauen.
  • Die Kolumne #58 (Dezember 2004)
    Verruchte Edition oder: Grim Reaper drive ‘em sane.
  • Die Kolumne #59 (Jänner 2005)
    Die Kolumne. Das Special. Der verspätete Jahresbeginn 2005. Oder: Dem Bösen in Gestalt des Bären gewähren wir selten längere Audienzen. Oder: Tausende Links auf füllige Experten, dennoch regiert das Fernsehen.
  • Die Kolumne #60 (März 2005)
    Diesmal: Ei-Mango live – A man will try 2 cheat, ha! Oder: Wenn du meine Overheadfolie fressen konntest, dann kannst du sie auch wieder auswürgen.
  • Die Kolumne #61 (Mai 2005)
    Diesmal: von Knarzpunkten und doomhaften Gefilden.
  • Die Kolumne #62 (Juni 2005)
    Diesmal: Die gesellschaftlichen Aufgaben des Journalismus im genderspezifischen Wandel.
  • Die Kolumne #63 (August 2005)
    Diesmal: Wurst – Evolution – Hilflosigkeit
  • Die Kolumne #64 (Oktober 2005)
    Politischer Akribismus ist so von morgen! Fangquoten statt Walempfehlungen!
  • Die Kolumne #65 (Dezember 2005)
    Der Zeitgeist. Ein faltbarer Post-Weihnachtsdialog über die feuchteste Zeit im Jahr.
  • Die Kolumne #66 (Februar 2006)
    Diesmal: Abgesänge auf Krähen oder: Das Jahr des Seuchenvogels
  • Die Kolumne #67 (April 2006)
    Der Roadmovie starring Schilder und tauchende Tote(n)vögel
  • Die Kolumne #68 (Mai 2006)
    Verlegt Freud freudig mit dem Schwanze wedelnd die Kommune?
  • Die Kolumne #69 (Juli 2006)
    Kanäle übersprechen, Tiere erfluten sich, ein Radio entblödet.
  • Die Kolumne #70 (September 2006)
    15 Mann auf des träumenden Mann’s Zeidung drauf… und ne Buddel voll Rumgemeckere
  • Die Kolumne #71 (Oktober 2006)
    Süßer die Diplomanen nie swingen, als knapp am Te-hellerrand
  • Die Kolumne #72 (Nov/Dez 2006)
    Hitzewallungen im Spätherbst stützen und stürzen noch einen Klimawandel
  • Die Kolumne #73 (Jänner 2007)
    Es gibt kein Außen im Innen
  • Die Kolumne #74 (Februar 2007)
    Der mit der Büffelwurst antanzt, steht auf tierische Action.
  • Die Kolumne #75 /März 2007)
    Weiblichkeit reist beileibe nicht körperlos.
  • Die Kolumne #76 (April 2007)
    Säugetiers vorstellbar unwichtiger Beitrag zu allem.
  • Die Kolumne #77 (Mai 2007)
    Fixerjobs flexibilisieren eine erbrochene Arbeitswelt.
  • Die Kolumne #78 (Juli 2007)
    Klimaeskalationen treten sanft die Himmelstür ein.
  • Die Kolumne #79 (August 2007)
    Diesmal: Einer vermietete Plakatwerbeflächen außen am Kuckucksnest
  • Die Kolumne #80 (September 2007)
    Päpste kommen mit Pomp, ein Meer von Monatsmagazin zieht über’s Land und frißt Heuschreckenschwärme.
  • Die Kolumne #81 (Oktober 2007)
    Diesmal: Oder ein Querulant schwimmt selten aufwärts gegen den Strom.
  • Die Kolumne #82 (November 2007)
    Diesmal: des Teufels Dampfer evangelisiert am falschen Holzweg.
  • Die Kolumne #83 (Jänner 2008)
    Diesmal: Das Analphabet der Schieferplatten, heute: A-Z.
    datenschmutz exclusive type shit! nicht in the gap erschienen

Layout-Artwork

Mit der layout-technischen Inszenierung meines Geschreibsels in the gap hab ich regelmäßig große Freude – das zur Kolumne gehörige Artwork verdient daher auf jeden Fall eine eigene Gallerie. Et voilá – hier eine Auswahl der zugehörigen Grafiken: