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Gamification: Der Homo Ludens spielt ernsthaft

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Diesen Beitrag hab ich für den “Games – Playtime” Schwerpunkt im ray Filmmagazin 06/2013 verfasst. And what do you know… drei Monate später arbeite ich bei einem spannenden Gamification- / CoCreation-Projekt mit – mehr dazu morgen.

Unter Gamification, hierzulande fallweise manchmals als “Gami-” oder gar “Spielifizierung” bezeichnet, versteht der moderne Mediendramaturg die Anwendung spieltypischer Elemente und Mechaniken in spielfremden Kontexten. High-Score-Listen stacheln nämlich nicht nur den Ehrgeiz von Computerspielern an, sondern motivieren immer häufiger auch die Nutzer von Online-Services oder die Mitglieder an sich todernster Projektgruppen. Im Zentrum stehen dabei keineswegs ausgefeilte Jump-and-Run Moves, sondern Methoden, die Kollaboration in unterschiedlichsten Kontexten fördern oder überhaupt erst ermöglichen.

Gamifizierung ist kein Spiel

Leicht könnte man Gamification mit dem Bestreben verwechseln, das Medienformat “Spiel” als Lern- oder Bildungs-Werkzeug einzusetzen. Wenngleich niemand davon ausgeht, dass zahllose Stunden am virtuellen “Battlefield” eine geeignete Vorbereitung für die Uni-Aufnahmeprüfung darstellen, so ist unter Experten zumindest unbestritten, dass selbst pädagogisch wertlose, wenn nicht gar kontraproduktive Spiele gewisse motorische und kognitive Fähigkeiten schulen können. Dieses Vermutung grassierte schon lange vor dem Zeitalter der digitalen Medien: der moderne Geek trainiert seine kognitiven Fähigkeiten mittels Online-Plattformen wie Lumosity, doch schon unsere Großeltern wussten lange vor dem digitalen Zeitalter, dass Kreuzwort- und andere Rätsel “das Gehirn trainieren”.

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Werden Spiele dediziert als Lehr- und Lernmedien entwickelt, so misst sich der Praxiserfolg nie an der Menge oder Qualität des im Game-Format verkleideten Wissens, sondern in der smarten und nahtlosen Integration von Spielmechanik und Inhalten – die Rezensenten pädagogisch wertvoller Spiele für Kinder können ein Lied davon singen. Nicht immer muss wie Data Dealer (das Spiel versucht die Problematik des Datenschutzes in Form einer unterhaltsam Wirtschaftssimulation zu vermitteln: www.datadealer.com/de) die erzieherische Intention Hauptmotor der Spielentwicklung sein, manchmal reicht schon die Integration grundlegender naturwissenschaftlicher Zusammenhänge in Spielabläufen aus, um Gamern jeden Alters Newtons Erkenntnisse nachhaltiger zu vermitteln als ein Jahr Physikunterricht an der Mittelschule.

Ob das Fitnesstraining für die grauen Zellen bloß auf einem kognitiven Placebo-Effekt beruht, wissen leider weder Kognitionsforscher noch Zerebralchirurgen. Beide sind sich aber zumindest darin einig, dass unsere grauen Zellen sich zwar möglicherweise trainieren lassen, ansonsten jedoch mit einem Muskel herzlich wenig gemeinsam haben – außer eines möglichen Katerzustandes.

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Dass die spielerische Herangehensweise auch abseits von Schachbrett und Würfelbecher ein integraler Bestandteil zerebraler Abläufe sein könnte, war auch lange vor den ersten Tric’n’Tronics Gegenstand philosophischer Spekulation. Johan Huiziger vermutet 1939 in seinem Buch “Homo Ludens” gar, dass der Mensch im Spiel seine individuellen Eigenschaften entdeckt, dass das Spielen ihm Handlungsfreiheit verleiht eine elementare Form der Sinnfindung verkörpert.

Auf Mathematik und höhere Wahrscheinlichkeitsrechnung rekurriert die Spieltheorie, nach deren Definition jede Entscheidungssituation, in der sich mehrere Beteiligte mit ihren “Zügen” gegenseitig beeinflussen, als Spiel klassifiziert und analysiert wird. Im wahren Leben wie in Litereatur und Film fungieren “Spielmechaniken” je nach Zeitgeist in brutaler oder subtiler Variation an entscheidenden dramaturgischen Wendepunkten als Vollzugsinstrument höherer Mächte (russisches Roulette), als vielschichte Gefühls-/Erotikkomposition (“Liebesspiele”) oder als Initiations-Prüfungen (“The Game” mit Michael Douglas in der Hauptrolle) auf. Der schottische Science-Fiction-Autor Ian M. Banks spitzt in “The Player of Games” die Frage nach den Unterschieden zwischen Gesellschaft und Gesellschftsspiele anhand einer fiktiven Zivilisation auf die Spitze, die ihren Herrscher nicht demokratisch, sondern mittels eines unglaublich komplexen Spiels legitimiert.

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Links zum Thema Gamification

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Rollenspiele wiederum versuchen, die Komplexität einer Lebenswelt auf ein klar strukturiertes Regelwerk zu reduzieren und schaffen damit hohes Identifikationspotential – bei passionierten Computerspielern genauso wie bei “Real Life Rollenspielern”, die ihre alltägliche Existenz für eine begrenzte Zeit gegen kunstvoll gezimmerte Fantasiewelten eintauschen.

Das komplizierte Verhältnis von Realität und Spiel lässt also viele Fragen offen, klar ist nur, dass wir spielerisches Erleben mit hoher emotionaler Befriedigung verbinden. Wo die dünne Unterscheidungslinie zwischen echtem Leben und Spiel nun tatsächlich verläuft, ist quasi wie in der Quantenphysik eine Frage des Betrachterstandpunktes: man mag bloß an die Jagd denken, die ursprünglich der Ernährung der eigenen Sippe diente und für eine kleine Bevölkerungsschicht in ökonomischen Überflussverhältnissen erst später zur “spielerischen” Unterhaltung wurde.

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Und hier nähern wir uns dem zentralen Gedanken der Gamification: die Belohnungsmechanismen unseres Gehirns, also jene synaptischen Schaltkreise, die durch Neurotransmitter wie Serotonin aktiviert werden, unterscheiden nicht zwischen Spiel und Ernst: Serotonin fließt beim Halbzeitsieg der Fußballmannschaft genauso wie nach bestandenen Klausuren.

Den Ernst in Spaß verkleiden

Gamification bedeutet, einzelne Spiel-typische Elemente einzusetzen, um Aktivität zu fördern oder die Usability respektive den Erlebniswert zu optimieren. Was genau damit gemeint ist, lässt sich am einfachsten anhand konkreter Beispiele für derartige Mechanismen und ihre Einsatzmöglichkeiten erklären.

Sichtbares Feedback: High-Score Listen kennt jeder Computerspieler. Relativ neu dagegen ist die Erkenntnis, dass Bestenlisten auch in Nicht-Spiel-Kontexten die Interaktion durch die Anstachelung des Ehrgeizes der Nutzer steigern können. So beruht ein großer Teil von Foursquare auf den sogenannten “Mayorships”. Das Geolocation-Netzwerk ermöglicht es seinen Mitgliedern, via Smartphone bei allen möglichen Lokalitäten “einzuchecken”, worauf die eigenen Freunde dann den aktuellen Standort einsehen können. Wer am häufigsten innerhalb einer bestimmten Zeitspanne an einem bestimmen Ort eincheckt, wird “Bürgermeister”, was für alle anderen Teilnehmer ersichtlich ist.

Sammelleidenschaft / Profil: Foursquare gilt als Pionier am Gamification-Sektor: neben den oben erwähnten Mayorships sammeln die Nutzer der Plattform zusätzlich virtuelle Sticker, die für bestimmte Check-Ins (á la “Hat 10 Pizzerien in 30 Tagen besucht”) verliehen und am Profil des Nutzer promiment präsentiert werden. Community- und Forenbetreiber nutzen typischerweise das Prinzip des “Levelaufstiegs”: aktive und langjährige Mitglieder erhalten eine sichtbare Auszeichnung, die Neulingen sofort zwei Botschaften kommuniziert: erstens postet hier ein erfahrenes Mitglied und zweitens kann ich selbst auch mal dorthin kommen. Ähnlich wie der Level eines Warcraft-Charakters, dessen “Wert” innerhalb der Spielewelt anzeigt, symbolisiert ein solches Rangsystem weithin sichtbar das Sozialkapital im jeweiligen Community-Mikrokosmos.

Quests / Fortschrittsanzeige: Rollenspieler müssen im Verlauf ihrer Spielkarriere bestimmte definierte Aufaben, sogenannte “Quests”, erfüllen. Dabei handelt es sich in der Regel um quantifizierbare Tätigkeiten wie etwa “Sammle 5 Kürbisse in den umliegenden Feldern” oder “Erschlage 20 Ork-Krieger”. Das Spiel gibt während der Ausführung permanent Rückmeldung über den Fortschritt beziehungsweise die zu erfüllende Restquote – ganz analog präsentieren viele Webservices während der Registrierung einen Fortschrittsbalken, der dem Benutzer ein mentalen Einordnungsrahmen bietet.

Letztendlich lässt sich der Trend “Gamification” auf zwei wesentliche Faktoren reduzieren: Spiele bieten klar strukturierte, gewohnte Umgebungen, die definierten und vor allem gelernten Regelsets gehorchen. Dieses Vorwissen lässt sich nutzen, um ohne umständliche Erklärung auch komplexe Sachverhalte einfach fassbar zu machen. Und genauso können Manager und Service-Designer auf die klassischen Belohnungsmechanismen zurückgreifen, da sich Erfolgserlebnisse nirgendwo einfacher inszenieren und serialisieren lassen als im Spielekontext.

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Das FutureZone Drama: ein öffentlich-rechtliches Missverständnis

Die ORF FutureZone, ein auf IT-News spezialisiertes Nachrichtenangebot des staatlichen österreichischen Rundfunks ORF soll im Rahmen eines neuen Rundfunkgesetzes eingestellt werden, was für erheblichen Unmut in der österreichischen Social Media Szene sorgt. Dass “die Verleger” ein neues Projekt planen, sei der eigentliche Grund dieses “Bauernopfers”. In der zugehörigen Facebook-Gruppe haben die Wogen der Empörung bereits in Wellen des Aktionismus umgeschlagen:

Wir wollen eine Petition an den ORF richten, damit dieser die FutureZone nicht abdreht, sondern der Community übergibt. Und die Community sind alle, die wollen, dass es die FuZo weiter gibt. Lasst uns eine Genossenschaft gründen, an der sich alle Interessierten beteiligen können und die in Zukunft den Betrieb der FutureZone weiterführt und ausbaut.

Ich persönlich verstehe nicht ganz, warum man für den Betrieb eines Multi-Author Blogs eine Genossenschaft gründen muss oder soll und was genau mit dieser “Übergabe” gemeint sein soll. Weiters ist mir vollkommen neu, dass zum Start eines Weblogs über IT/Gesellschafts-Themen in irgendeiner Weise die Zustimmung des ORF erforderlich ist. Was mich aber letztendlich zu diesem Beitrag motiviert hat, ist ein grundlegendes Missverständnis in der Debatte: um den IT-politisch Informationsbedarf abzudecken, muss der Staatssender kein Online-Medium betreiben, das über jeden Rülpser von Steve Jobs und jede 0,0xte Android-Versionsänderung redaktionell remixt.

Keine Zukunft für die Futurezone?

Anstatt in reflexhafter Manier den Niedergang der Demokratie zu bejammern, wäre jetzt der richtige Augenblick, die verschiedenen IT-Redaktionen des ORF zu bündeln. Es bestünde sogar die einzigartige Chance, ein neues Kompetenz-Zentrum innerhalb des ORF zu schaffen, das jene Teil der IT-Berichterstattung abdeckt, die private Medien nicht leisten können. Weiterlesen

Welche Zukunft hat das Buch?

Wer hat Angst vorm Netz? Was an der Debatte über die Frage, ob “das Buch” eine Zukunft hat, schief läuft, und die elitäre Missachtung der Netzkultur fortführt.

Anm. von Ritchie: Der folgende Gastbeitrag von Frank Hartmann, Professor an der Bauhaus Universität Weimar, unterstellt aktuellen Debatten zur Medienkonkurrenz einen systematisch verzerrten Blickwinkel. Er entstand als Vortrag zu den 40. Rauriser Literaturtagen und wurde in Volltextt 1/2010 abgedruckt. Ich freue mich sehr über diese Gastpublikation und freue mich angesichts der aktuellen Flut kulturpessimistischer Publikationen (Lanier, Schirrmacher u.a.) auf eine rege Diskussion!


Der Beitrag ist für eBook-Besitzer und Papierleser auch als PDF verfügbar:
Frank Hartmann: Wer hat Angst vorm Netz? PDF, 150kB

Die Rauriser Literaturtage sind nun also 40 Jahre alt, und es ist nur mäßig originell zu fragen, was in weiteren vier Jahrzehnten sein wird: ob es dann noch Bücher und Bibliotheken gibt. Es ist so ein Problem mit Prognosen – die Wahrscheinlichkeit, sich mit ihnen zu blamieren, ist auch schon das einzige, was an ihnen sicher ist. Aber es gibt Möglichkeiten, die Frage anders zu stellen. Zum Beispiel so: werden im Jahr 2050 Apple, Amazon und Google die Verlage abgeschafft haben? Werden dank neuer Medientechnologien dann vielleicht die Autoren den Hauptteil an ihrem Werk verdienen, und nicht ihre Verleger und die Buchhändler? Und was ist überhaupt noch ein Buch, angesichts neuer multimedialer Narrative? Was wäre die Bibliothek der Zukunft? Weiterlesen

Digitalks sucht Evangelisten

digitalksOder genauer gesagt “Ambassadore”, wie Meral schreibt. Ziel und Zweck der viralen Marketing-Aktion für die gute Sache ist den doch recht überschaubaren Kreis der verdächtig unüblichen Protagonisten zu erweitern und Interessanten aus dem näheren und weiteren Umfeld zur Teilnahme zu motivieren. Quasi “Ein Tweet sie zu motivieren, sie alle zu finden, ins MuQa zu treiben und ein Weilchen zu binden”. Oder, wenig Tolkien’est ausgedrückt:

Wenn ihr als Blogger, Twitterer oder heavy user von “social media” nach wie vor bei Digitalks Veranstaltungen teilnehmen und eure Erfahrungen einbringen möchtet, dann lade ich euch ein “Digitalks Ambassador” zu werden.

Schließlich lautet die Mission der geselligen Vortragsrunden, Einsteiger und Experten zu vernetzen. Wer also über Digitalks twittert, bloggt, Empfehlungen an Freunde ausspricht und/oder Themen und Referenten vorschlägt, wird auf der Ambassadoren-Liste eingetragen. Außerdem gibt’s eine neue “Soft-Speed-Dating”-Regel:

Falls du bei Digitalks Veranstaltungen teilnehmen willst, bringe immer ein neues Gesicht mit (eine Person, die nicht zu den Insidern gehört), das ist wichtig, nur so können wir neue Kreise erschließen.

Bin gespannt, ob Digitalks noch lange in der üblichen MuQa-Location stattfinden wird: die letzten Veranstaltungen waren ja immer bis auf den letzten Platz besetzt. Bei diesem stark steigenden Interesse a Social Media könnte es sein, dass Meral demnächst in die Halle E übersiedeln muss :mrgreen: Wer bei der Aktion mitmachen möchte, sagt im zugehörigen Blogbeitrag Bescheid.

Eine gute Gelegenheit, die nächste Veranstaltung anzukündigen: am 21. April geht’s um das Thema Twitter & Co. – Was ist Microblogging?. Die Teilnehmerzahl ist auf 70 Personen beschränkt, die Anmeldung beginnt am 21. März. Ich habe die Ehre und das Vergnügen, an diesem Abend einen kurzen Vortrag über die Nutzung von Twitter im Marketing-Kontext zu halten. Wird ein turbulenter Tag – denn direkt vorher bin ich beim 2. Tag der Identiat09-Konferenz am Kahlenberg.

SEO-Frage: Gibt es Minus-Keywords?

minus keywordsIch arbeite als Online Consultant und SEO-Berater, es wäre also ganz schön peinlich, wenn datenschmutz bei Google nicht hervorragend gerankt wäre. Nun, it’s not black magic: regelmäßige Postings, Unique Contents, eine nicht gerade backfrische Domain, sauberes XML und ein paar Source-Code-Kniffe, das muss ja hinhauen – und tut es auch. Letztens hab ich allerdings eine interessante Beobachtung gemacht, die ich an dieser Stelle gerne mal zur SEO-Diskussion stellen möchte: alle meine statischen Gewinnspiel-Contents (aktuelle GS, Archiv) haben Pagerank Null und eine sehr schlechte Position in den SERPs, wie etwa die Suche nach datenschmutz + Gewinnspiele zeigt. Ein wenig Recherche hat mich nun auf folgende Frage gebracht: gibt es für bestimmte, häufig in “streng riechendem” Kontext auftauchende Keys wie “Gewinnspiele” sowas wie einen automatischen Malus von Big G.?

So gut wie alle meine Hauptmenüpunkte besitzen Pagerank 4, mit Ausnahme von “Themen” und “Archiv”, die aber bloß auf noindex-Seiten weiterverweise. Die statische Seite mit den Gewinnspielen allerdings ist in Google so gut wie gar nicht vorhanden, obwohl regelmäßig upgedatet und schon rund ein Jahr online.

Praktisch ist mir das vollkommen egal, wenn nicht sogar recht: schließlich sind die Gewinnspiele ja sowieso prima causa für Stammleser und Feed-Abonennten gedacht und nicht unbedingt für SERP-Besucher. Und die einzelnen Postings, bei denen häufig ein ausführliches Interview mit dem Gewinnspiel kombiniert ist (z.B. CD-Verlosungen), ranken sehr erfreulich und haben großteils auch einen relativ hohen PR: siehe z.B. d.kay oder Dubblestandart.

Nun ist mir durchaus bewusst, dass Keywords wie “Poker”, “Pornos” etc. durchaus sehr schwierig zu optimieren sind: nicht nur, weil die Konkurrenz bei diesen Themen sehr groß ist, sondern auch, weil Google darum bemüht ist, zumindest die vorderen Positionen seiner SERPs jugendfrei zu halten. So weit, so klar: allerdings frage ich mich aufgrund der Gewinnspiel Rankings, ob Google inzwischen so etwas wie eine Liste “möglicherweise dubioser Keywords” ins System implementiert hat, die das Ranking für bestimmte Begriffe eben erschweren. Oder handelt es sich um bloßen Zufall? Ich hab dazu noch keine Meinung, wär aber sehr gespannt auf ähnliche Erfahrungen/Ausreißer bzw. andere Erklärungen: die Diskussion ist eröffnet :mrgreen:


Fotocredits:
Titelbild: Goldener Schlüssel mit blau von Rainer Sturm / pixelio.de

 

Neues Twitter-Lieblingsspielzeug: toanswer.net

toanswerlogoContrary to popular believe gibt’s doch dumme Fragen, und zwar massig viele. Dafür keine dummen Antworten, sondern bloß kontextuell unpassende Auskünfte. Aber können 140 Zeichen wirklich erschöpfend informieren über den Status Quo aller wichtigen Fragen dieses Universums? Ei Freilich. Da passt sogar noch eine Fußnote rein zu “42”, und dieses Prinzip macht sich Toanswer ausgiebigst zunutze.

Leudde, vergesst Google Knol und Wikipedia! Toanswer ist der neue Born des Weltwissens. Echtzeitlich, unwidersprochen und todernst! Ohne unnötiges Gelaber, straight down to the point:

If you have ever used Ask MetaFilter or Yahoo Answers, you already understand the basic premise of ToAnswer. Some users ask questions, the questions are indexed, and other users respond to questions that may know the answer to. It’s a simple, efficient way to query the minds of others.

So what’s the point, if Ask Metafilter and Yahoo Answers provide the same service? ToAnswer is special in one way: it interfaces with Twitter. This provides advantages and disadvantages that gives ToAnswer a unique niche. It allows you to tap Twitter’s enormous user base. However, due to the nature of Twitter you are limited to 140-character questions and answers. This makes ToAnswer the perfect medium for making small polls or quick questions.

Die einzelnen Fragen erhalten eine Kennzahl, damit die passenden Antworten später zugeordnet werden können – damit bleiben effektiv rund 125 Zeichen für die eigentliche Antwort übrig. Eines zeigt sich allerdings schon jetzt: ein Sprachfilter wäre sehr hilfreich, derzeit herrscht auf ToAnswer.net babylonisches Sprachgewirr.

PS: Außerdem ist ToAnswer ein wirklich nettes Connection Tool. Macht irgendwie mehr Spaß als die meisten Zwischendurch-Browserspiele, die ich kenne. (Außer Travian und Duels natürlich, *g*)

Zanox ändert Partner-Vergütungsmodell

Werden Sie jetzt Partner von zanox!Zanox, seines Zeichens lukrativstes Affiliate-Marketing Network für europäische Blogger, ändert mit 1. Juni diesen Jahres die Konditionen des “Partner werben Partner” Programms. Die Standardprovision beträgt nun 6 Euro pro Partner, Premium-Affiliates (ab Adrank 6) bekommen 8 Euros.

Während englischsprachige Blogger die freie Qual der Wahl haben, sieht’s mit europäischen Affiliate Marketing Networks eher duster aus. Ursprünglich war hier auf datenschmutz affili.net eingebaut, das auf datenschmutz damit erzielbare Einkommen lag allerdings fast unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. Zanox bietet die wesentlich attraktiveren Partnerprogramm und vor allem das lukrativere Beteiligungsmodell – und da jede Seite händisch freigegeben wird, bleibt das Netzwerk frei von billigen Klick-Generatoren.

Welche Partnerprogramme man fürs eigene Blog wählt, hängt natürlich einzig und allein von der thematischen Ausrichtung ab. Je enger der thematische Bezug zum Seitenthema, desto höhere die Coversion-Rate. Bei mehreren hundert Werbern – von Feinkostwaren bis zu ADSL-Verträgen – sollte allerdings so gut wie jedes Nischenblog zumindest ein paar kontext-sensitive Werbemittel im Zanox-Portfolio finden.

Nach Anmeldung und Freischaltung muss man sich für jedes Partnerprogramm einzeln bewerben, erfahrungsgemäß erfolgt die Freischaltung oder Ablehnung innerhalb von zwei Tagen. Für das neue Zanox-Leadmodell ist lediglich zu beachten, dass neu geworbene Partner innerhalb von 6 Monaten nach Registrierung ein Guthaben von mindestens 50 Euro erzielt haben – aber das ist selbst für kleinere und mittlere Blogs ohne weiteres möglich.

anmelden bei Zanox

Facebook besser gar nicht benutzen?

Vor einigen Tagen war ich bei Ö1 im matrix-Studio zu Gast, um meine Replik auf Armins Facebook-Kolumne zu verlesen.

Der Text steht mittlerweile auch auf oe1.orf.at und stößt dort auf geteilte Unzustimmung – bin gespannt, ob und wie die Diskussion weitergeht. Jedenfalls tat ich mir ordentlich schwer damit, meine eigenen Zeilen zu lesen – freies Sprechen ist da schon wesentlich einfacher. A propos: gestern war ich wieder bei Paul und Radio uton live zu Gast, wir schnackten wieder eine Runde über Social Networks, Fluchtgeschwindigkeiten und Musikmythen, die Sendung gibt’s demnächst hier zum Nachhören.

Hier die matrix-Aufzeichnung, die ich von Franz bekommen habe – die Einleitung und Armins Teil hab ich drin gelassen, sonst wär meine Audio-Antwort zu sehr aus dem Kontext gerissen. Kommentare hochwillkommen!

Buddha sei Dank: Mein Job liebt mich

Letztens konnte – oder besser: musste – ich in den guten alten Verkehrsmitteln ein Telefonat mithören, oder zumindest zwei Drittel davon. Eine junge Dame so um die 25, offensichtlich im Marketing tätig und vorher Studentin an der WU, unterhielt sich mit einer Freundin über die persönliche Jahresplanung.

Zitat: “Ich bin gerade aus dem Urlaub in Kuba zurück und hab gestern zusammen mit meinem Freund unseren Sommerurlaub in Thailand gebucht – das sind so die Highlights meines Lebens für dieses Jahr, alles andere ist unspektakulär und fad.” Das muss echt übel sein – soweit ich weiß, bekommt man als Angestellter ja grade mal 6 Wochen Urlaub im Jahr. Das heißt, 46 Wochen widerwillig arbeiten, um sich dann 6 Wochen entspannend zu können? Für mich ein unbegreifliches Missverhältnis und eine Situation, die ich nie auf Dauer akzeptieren könnte.

Klar ist die Lage am Arbeitsmarkt “schwierig” – das ist sie vermutlich immer. Und natürlich wären genug Leudde froh drüber, einfach irgendeinen Job zu haben… und selbstverständlich brauchen wir alle Kohle zum Leben, der eine mehr, die andere weniger. Und ich hab in den letzten 12 Monaten sicherlich keine sechs Wochen Urlaub gemacht – im Sinne von Gar-Nichts-Tun. Und ich hab auch nicht das geringste Bedürfnis nach mehr Freizeit: einfach deshalb, weil mir meine Arbeit unglaublich großen Spaß macht. Die Medien- und Blogberaterei ist ein hochgradig dynamischer Bereich, in dem sich ständig alles ändert – und zu je mehr Chefetagen sich das Wissen, dass eine Webseite nicht nur aus Code, sondern vor allem aus Kontext besteht, verbreitet, desto mehr Jobanfragen bekomm ich.

Meine eigene Arbeit funktioniert zu einem hohen Grad experimentell: Weblogs und Viralmarketing sind so neue Themen, dass es noch keine eingespielten Gesetze gibt, sondern eigentlich nur Best Practices. datenschmutz ist dabei meine persönliche integrierte Forschungs-, Entwicklungs- und PR-Abteilung: mein hier gewonnenes Wissen über Methoden und Praktiken, die effizient funktionieren, verkaufe ich an meine Kunden. Um erfolgreich zu sein, muss ich sozusagen immer am Ball bleiben – und das verhindert zuverlässig, dass jemals Fadesse aufkommt. Ich will keineswegs behaupten, dass für jede/n Medienfreak der Weg in die Selbständigkeit die ideale Option darstellt, aber ich bin im nachhinein sehr froh drüber, dass mich Red Bull seinerzeit beim vorzeitig eingestampften Givemewings-Projekt nicht anstellen wollte: denn das war damals der ausschlaggebende Grund für mich, mir einen steuerschonenden Gewerbeschein als Alternative zum Worst-of-both-Worlds Szenario “freier Dienstnehmer” zu holen.

Also nix gegen Urlaube in der Karibik, in Kuba und sonstwo – aber wenn’s nach mir geht, lieber mit Notebook als ohne. Sonst müsst ich mich am Ende noch drüber beschweren, dass die Wochen im Freizeitparadies “unspektakulär und fad” waren… aber immer noch viel besser als umgekehrt!

Facebook: “Trust you” und der geheime Eingang

trust youNormalerweise darf jede Facebook-Applikation pro Tag und User genau 20 Einladungen verschicken. Trust you allerdings umgeht diese Einschränkung auf elegante Weise – da sind anscheinend dark secret technologies am Werk… bisher tappen die Ermittler noch im Dunkeln. “Harry, fahr schon mal den Wagen vor”, sagt Oberkommissar Da Rick.

Viele Facebook-Applikationen generieren aus den Eingaben der User ein bestimmtes Ranking: ob hottest, smartest oder most successful friends, die zugrunde liegende Mechanik ist immer die gleiche: je mehr Kontakte man hat und je mehr Leute man einlädt, desto höher die rein statistische Chance, besser im Ranking abzuschneiden, weil man einfach von mehr Kontakten beurteilt wird. Nun ist die angesprochene 20-User-Grenze keineswegs Goodwill der App-Programmierer, ganz im Gegenteil: die Facebook-API gibt diese Zahl fix vor um von vornherein Applikations-Spam in großem Stil auszuschließen.

Trust you fällt in die oben beschriebene Kategorie von Apps – man wählt aus, welche seiner Bekannten man für besonders vertrauenswürdig hält, das Programm erstellt ein dynamisches Ranking, sowohl Facebook-weit als auch eines des eigenen Bekanntenkreises. So weit, so gut – dass ein derartiges Ranking aus den oben beschriebenen Gründen *rein gar nichts* aussagt, dürfte klar sein. (Soll natürlich keinesfalls heißen, dass ich nicht vertrauenswürdig bin *fg*)

Und die App wäre auch nicht weiter erwähnenswert, gäb’s da nicht dieses “Secret Entrance” Fenster, auf dem zu lesen ist:

secret entrance

Und in der Tat: auch wenn man bereits die täglichen 20 Einladungen verschickt hat, führt der Klick auf einen der fünf Geheimeingänge zu der bekannten Einladungsmaske, allerdings mit zurückgesetztem Limit. Man kann also nicht 20, sondern mindestens 120 Personen einladen. Das ist im Kontext der genannten Applikation nicht weiter spannend, was mich vielmehr fasziniert ist die Tatsache, dass da ganz offensichtlich jemand smarter war als die API; keine Ahnung, wie die Betreiber das geschafft haben, aber das Beispiel dürfte wohl bald Schule machen, wenn Facebook diese Lücke – wo immer sie auch sein mag – nicht dicht macht.

Gert Lovink propagiert den digitalen Nihilismus

lovinkGert Lovink beweist einmal mehr unvorstellbaren Scharfblick und Analysetalent: er hat erkannt, dass das Internet kein Expertenmedium mehr ist, sondern inzwischen bereits von einer Milliarde Menschen benutzt wird. Ergo bewegen wir uns auf den digitalen Nihilismus zu, erklärt der holländische Medientheoretiker beim Interview mit Die Zeit.

Sobald die Netzavantgarde nicht mehr unter sich ist, kann ja nur Nihilismus die Folge sein, oder? Man ist versucht, mit Sly Stallones Zitat aus Demolition Man zu kontern: Ihr werdet lernen müssen, ein wenig sauberer zu sein, und wir werden lernen müssen, ein bisschen schmutziger zu werden.

Aber Lovink simplifiziert nicht, er spricht in dem Interview einige meiner Meinung nach sehr zentrale Punkte an. Vor kurzem erschien mit “Zero Comments” der Abschluss seiner Trilogie, der “Dark Fiber” und “My First Recession” vorangegangen waren. Lovink, der die lange Zeit den englischsprachigen Netzkultur-Duktus prägende Liste mit gegründet hat, kennt die “vorkommerzielle” Phase also ganz genau aus eigener Erfahrung:

Nach einer vorkommerziellen Phase, die von Experten dominiert wurde, und einer Zeit der Euphorie und der Spekulation, die mit dem Zusammenbruch der New Economy endete, befinden wir uns heute im Stadium der Vermassung von Internetanwendungen. Man braucht keine technischen Fähigkeiten mehr, jeder, der in der Lage ist, ein bisschen herum zu klicken, kann mitmachen.

Was mich an dem Interview überrascht hat, ist das wohltuende Nicht-Einhacken auf die Bürgerjournalismus-Kerbe: Blogs sind nun mal nicht die besseren Lokalzeitungen und Blogger nicht (nur) Journalisten:

Mein Verständnis des Bloggens ist trotzdem ein anderes, es orientiert sich an dem, was Michel Foucault “Technologien des Selbst” nennt. Das Entscheidende im Netz von heute sind nicht Nachrichten und Meinungen, sondern Selbstdarstellung und Selbstreflexion: Wer bin ich? Was mache ich? Wer befindet sich in meiner Gegend? […] Es geht also um eigene Erfahrungen, die gespiegelt sind in der Konfrontation mit einem Text, einem Bild oder Video, das vorgefunden wurde.

Und bekanntlich geht doch nichts über ein wenig “Konfrontation mit dem Selbst”, oder? Auch wenn diese in Lovinks Wahrnehmung auf eine sehr flüchtige Art und Weise geschieht:

Obwohl Blogging Schrift ist, hat es etwas Informelles: Wie ein Gerücht verblasst und vergeht es sehr schnell. Und das hat es noch nicht gegeben. Bis vor Kurzem noch herrschte eine äußerst starke Trennung zwischen dem Gespräch, das verweht, und dem schriftlich Notierten.

Das zentrale Branding-Word des Interviews, der angesprochene digitale Nihilismus, resultiert laut Lovink aus einem generellen Misstrauen gegenüber Utopien, das “nichts mit einer Religion und wenig mit einer ethischen Überzeugung zu tun hat”. Die Abwesenheit von Kommunikation, das Abarbeiten am Selbst, die Reflexion an der 100% absorbierenden Fläche, also ein Widerspruch in sich selbst?

Es ist eine Position, die von einem imaginären Nullpunkt ausgeht, dem “Zero” in Zero Comments. Denn die Mehrzahl der Blogs wird ja gerade nicht gelesen, sie spielen in einer Grauzone der Öffentlichkeit, von der sich einige wenige Spitzen-Blogger abheben. Die Null, die in der Software aufscheint – kein Verkehr, niemand da gewesen, das “Nihil” von Nihilismus -, ist die Regel, nicht die Ausnahme.

Dieses Setup gelingt laut Lovink aber nur deshalb, weil die Blogger das gute alte interesselose Wohlgefallen zum Stigma ihres Kreuzzuges für das Nichts erhoben haben:

Blogs fragen nicht mehr nach Alternativen, sie tragen keine Ziele vor sich her, auch keine revolutionären. Sie beschränken sich ganz auf den affektiven Raum, den sie flüchtig besetzen. Medienphilosophisch gesehen, handelt es sich um dekadente Artefakte, die den Schritt von der Wahrheit ins Nichts wagen.

Das Interview liest sich spannend, lässt aber am Ende eine schalen Nachgeschmack zurück: denn letztendlich fällt Lovink selbst in die Grube, die er anderen gräbt: genauso wenig wie sich das Phänomen Bloggen aufs Thema Bürgerjournalismus reduzieren lässt, dürfte diese Beschreibung auf die Gesamtheit der Blogosphäre zutreffen. Das Blogger “keine Ziele vor sich hertragen” klingt im akademischen Konferenz-Kontext, der Gert Lovinks berufliches Heimatbiotop darstellt, sicherlich gut: ein John Chow oder ein Jeremy Shoemaker wären aber wohl ebenso wie Robert Basic nicht bloß geringfügig anderer Meinung.

Blog-Chartereien

blogchartsNexuslex hat eine umfangreiche Liste diverser Blogcharts und -toplisten zusammengestellt. Die infamösen Vergleichslisten, mal mit mehr, mal mit weniger Background sind ja bekanntlich ein permanenter Stein des Anstoßes, oder freundlich formuliert: permanentes Work-in-Progress. Oder perpetual beta, wie’s im Web 2.0 Kontext so schön heißt. Und damit natürlich extrem medienadäquat, auch wenn die Rückführung des Streites um des Trackbacks Bart (Echt? Nur mit Gütesiegel!) auf konsensuale Moralwerte ein a priori zum Scheitern verurteiltes Unterfangen darstellt…

Das schmälert aber keineswegs meine Freude über meinen Lieblingschartplatz auf Wikio, dort bin ich nämlich just während ich diesen Artikel verfasst auf der 33 gelandet.

Das Bloggeramt listet mich gar auf Platz 9, bei den Topblogs.de steht d/s mit Platz 19 auch noch knapp in den Top Twenty. Dafür bleib ich bei den German Top 50 Blogs (hübsches Design!), bei den Top 100 Business Blogs und beim Blogcounter Schwanzvergleich komplett außen vor. Also alles relativ? Nein, natürlich nicht: die einzige, wahre und letztgültige Wertung gibt’s natürlich nur bei den Deutschen Piraten Blogcharts, wo ich derzeit Platz 27 (bzw. 3hoch3) okkupiere.

Mein akut gestiegenes Interesse an Hitparaden hat übrigens einen Grund, der voraussichtlich Mitte Dezember erstmals in einer Sneak Preview gezeigt wird. Ich kann nur soviel verraten: Wissen belastet, Helge, Comdao, Blögger und datenschmutz haben eine kleine Überraschung für die blog-interessierte .at-Öffentlichkeit; mehr dazu asap.

Der Journaille misstrauen

Lanu hat die Liste der ersten echten deutschen Blogger zusammengestellt. Echt bezieht sich in diesem Fall anders als bei Bio-Nahrung nicht auf die heilige Dreifaltigkeit kernig-heimatlich-rustikal, sondern die Autorin vertritt die These, dass jemand, der (auch) anderweitig harte Dollars und/oder Euros mit dem Aneinanderreihen von Buchstaben verdient, kein/e BloggerIn sein kann:

Da die deutschen Blogcharts immer mehr von Journalisten unterwandert werden, die ja bekanntlich keine Blogger sind, sehe ich mich gezwungen, in Kürze die echten deutschen Bloggercharts herauszugeben.

Interessante Idee – und ein gutes Beispiel für Old vs. Newschool bzw. für die völlig unterschiedlichen Konzepte, die hinter dem Begriff Weblog stehen: für manche sind Blogs eben private und vor allem nichtkommerzielle, nicht professionelle Webseiten, während andere darin einfach nur täglich aktualisierte Webmedien sehen. Und spätestens seit Erfolgsstories wie Techcrunch dürfte klar sein, dass Problogs längst fixer Bestandteil im Medienmix sind. Aber warum ich rausgefallen bin, verstehe ich nicht: zumal ich ja Journalist und Werbeheini bin, hebt sich denn das nicht gegenseitig auf?

Übrigens: die neue Ausgabe der dbc ist ebenfalls draußen und Jens wundert sich über Zeitbudgets:

Es ist manchmal absolut unfassbar, mit welchen Dingen manche Leute ihre Zeit vertrödeln. […] Wie gesagt: ich habe keine Ahnung, warum jemand so viel Energie und Zeit ver(sch)wendet, […]

Da kann ich nur sagen: think out of the box! Es ist unfassbar, über welches Thema manche Leute ihre Dissertation schreiben.


Fotocredits: S. Hofschlaeger / pixelio.de

A-Muse-Ment: Museale Bildschirmschonerei

Von 18. bis 22. August tagte die Internationale Museumsvereinigung ICOM in Wien. polygon gestaltete in Zusammenarbeit mit dem Kupferstichkabinett in der Akademie der bildenden Künste die Lounge-Inszenierung “Meet the Muse”.

Hunderte Vertreter von Museen aus aller Welt und ein dichtgedrängtes Programm: da bot sich natürlich die Gestaltung eines “Lounge-Bereiches” an, der einerseits als kommunikativer Treffpunkt fungierte, und andererseits die österreichische Museenlandschaft durch zwei Installationen vorstellte:

Zwei Installationen lenken den Blick der Besucher. Sie ermöglichen einerseits raumgreifend einen schnellen, digitalen Rausch der Bilder, andererseits auch ruhige, ganz individuelle Einblicke. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Museen ergänzen einander und verleiten unaufdringlich zur Frage nach ihrem eigentlichen Wesen. Sie zeigen auch, welchen Blick die beteiligten Museen auf sich selbst haben. Die Organisatoren, das Kupferstichkabinett der Akademie und der Verein Polygon sorgen dafür, dass die Aula ganz im Zeichen des Amüsements steht. Ledersofas statt Rednerpulte sowie ein Rahmenprogramm mit Lounge, Bar und DJs schaffen die richtige Atmosphäre für einen abendlichen Kuss der Muse. Die gezeigte Sammlung existiert in dieser Form nirgends sonst in Österreich.

Teil der Installation waren Visuals mit Einzelobjekten aus den diversen Museumsbeständen. Ich hatte das Vergnügen, die betreffende Dia-Show zu gestalten, und seit gestern gibt’s auf der Polygon-Homepage den ICOM 2007 Bildschirmschoner für Windows zum Gratis-Download – und zwar in zwei Varianten, einmal mit fixer Abfolge und einmal randomized. Hier die Links zu den Zip-Files:

ICOM Screensaver “fixed”
ICOM Screensaver “Random”

Den Bildschirmschoner hab ich zusammengebastelt, wer sich für die österreichische Museenlandschaft interessiert, findet hier eine Alternative piktoriale Alternative zu Windows-Bordmitteln… Kunst am Arbeitsplatz, sozusagen :-)

Installationsanleitung:
Icom-2007 ist ein Bildschirmschoner für Windows 98, XP und Vista. Um den Screensaver zu verwenden, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Link und wählen aus dem Kontextmenü “Speichern unter”. Im zip-File befindet sich eine *.exe-Datei, die Sie mit einem Doppelklick starten. Anschließend können Sie “Play” wählen, um eine Voransicht des Bildschirmschoners zu stehen oder “install”, um Icom-2007 als Ihren Standard-Bildschirmschoner einzurichten.

Die Gesamtliste der Museen, die an unserer Aktion teilgenommen haben, ist übrigens ganz schön lang geworden:

Ägyptisch-Orientalische Sammlung KHM – Albertina – Automobil- und Motorradmuseum Austria – AZW – Belvedere – Bergbauernmuseum “z’Bach” in der Wildschönau/ Tirol – Bergbaumuseum Leogang – BIOS Nationalparkmuseum Malnitz – Burgen & Schlösser Salzburg – Das Andere Heimatmuseum BauStelle Schloss Lind – Diözesanmuseum Graz – Dommuseum Wien – Essl Museum – Esterhazy Privatstiftung – Filmmuseum – Fotosammlung Österreichisches Museum für Volkskunde – Gauermannmuseum – Geldmuseum – Gemäldegalerie Akademie – Gemäldegalerie und Hofjagd- und Rüstkammer KHM – Generali Foundation – Gironcoli-Museum, St. Johnn – Glasmuseum Lobmeyer – Glockenmuseum – Graphische Sammlung Stift Göttweig – Haus der Natur – Heeresgeschichtliches Museum – inatura – Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege Archiv für Baukunst – Architektur und – Ingenieurkunst – Kärntner Freilichtmuseum Maria Saal – Karrikaturmuseum – Keramikmuseum Scheibbs, NÖ – Kriminalmuseum Graz – Kristallwelten Wattens – Kulturabteilung der Stadt Wien Referat Bildende Kunst – Museum auf Abruf – Kultur-und Museumsverein 7 Mühlen – Kunstgarten – Kunsthalle Wien – KunstHaus Wien – Kunstkammer KHM – Kupferstichkabinett – Landesmuseum Burgenland – Leopold – MUMOK – Museen der Österreichischen Nationalbibliothek – museum der moderne, salzburg – Museum für Baukultur Neutal – Museum im Stift Admont – Museum Joanneum – Museum Orth – Museum von Abgüssen und Originalsammlung an der Leopold-Franzens-Universität in – Innsbruck – Musikinstrumentemuseum – Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, OÖ – MZM Museumszentrum Mistelbach – Narrenturm – Naturhistorisches Museum Wien – Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum – NÖ Landesmuseum – Ostarrichi-Kulturhof Neuhofen/Ybbs – Österreichischen Forstmuseum in Großreifling – Robert-Musil-Literatur-Museum – Salzburg Museum – Salzburger Barockmuseum – Sammlung alter Musikinstrumente, Kunsthistorisches Museum Wien – Schattenburg Museum Feldkirch – Schloss Artstetten – Schlossmuseum Loosdorf – Schlossmuseum Peuerbach – Sigmund Freud Museum – Stadtmuseen Wels – Stadtmuseum Bad Ischl – Stadtmuseum Schladming und Nickelmuseum – Stadtmuseums Wels – Stift Klosterneuburg – Styrassic Park – Theatermuseum – thecrystalweb – Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum – TMW – Wagenburg KHM – WAGNER:WERK Museum Postsparkasse – WEINSTADTmuseums Krems – Zeitreise Heldenberg – Zisterzienserstift Rein – Zoom – Universitäts Sammlungen: Astronomisches Museum/Sternwarte / Botanischer Garten / – Ur- und Frühgeschichte / Numismatik / Musikwissenschaft / Herbarium / Fakultät für Physik / Archäologie / Pharmakognosie / Mineralogie/Kristallographie / Zoologie / Paläontologie – Museum für Völkerkunde: Nord- und Mittelamerika

Zu Gast bei Meister Yoda

Mitte Oktober war Meister Yoda auf datenschmutz zu Gast: in seinem Beitrag Die Bloggergemeinschaft im Osten beschrieb er die Wahrnehmung der österreichischen Blogosphäre durch die Eidgenossen. Dieser Tage durfte ich einen Gastbeitrag abliefern. Unter dem Titel Dividende statt Divide et Impera? hab ich ein paar Überlegungen zur guten alten Netzökonomie angestellt.

In real life kennen gelernt haben wir uns am letzten Barcamp in Wien – mitgelesen hab ich bei Roman sowieso schon länger, und das Face-to-Face Kennenlernen war äußerst erfreulich – und ich hoffe, dass wir uns demnächst mal wieder über den Weg laufen.

Google als virtueller Imperator, Millionen von Micropublishern als Bewohner der “okkupierten” Gebieten: während honorarabhängige Fließbandautoren und realitätsferne Manager schon länger mit ausgeschaltetem Haus- und Herzverstand propagieren, dass die Strategeme alter Chinesen sich hervorragend und vor allem 1:1 auf die moderne Wirtschaftslage übertragen ließen, lohnt sich im Kontext von Google und Blogosphäre durchwegs ein neuer Blick auf das alte römische Motto “teile und herrsche”.

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25. Oktober: Big Brother Awards 2007

Big Brother AwardsDie Big Brother Awards haben sich in den letzten Jahren als feste Größe am österreichischen Datensammelhimmel etabliert: nicht etwa bloß dank des Einsatzes der Initiatoren, sondern auch und nicht zuletzt, weil die Datensammel-Problematik langsam ihr Schattendasein beendet und im Kontext von Terrorismusangst und Kontrollwut langsam in den Lichtkegel des öffentlichen Bewusstseins tritt. Diesjähriges Motto: Laust da jemand?

Und genau dort gehört das Thema auch hin: denn die neue Welt der Informationsgesellschaft ist per se weder schön noch grässlich, denn die Spielregeln legen wir selbst fest: aber wo Entwicklungen so rasend schnell passieren wie im Netz und Begehrlichkeiten gerne das Radar unterlaufen, da droht die fallweise recht träge demokratische Meinungsbildung von der normativen Kraft des Faktischen überrundet zu werden – und genau dagegen richten sich die BBA.

Als vor 9 Jahren die q/uintessenz die BBA ins Leben rief, da fragten einige meiner Bekannten, als ich Ihnen von der geplanten Veranstaltung erzählte: “Warum gibt’s einen Event zu deutschem Reality-TV in Österreich?” Der Bekanntheitsgrad der Veranstaltung, deren Namen sich von George Orwells “Big Brother” aus 1984 ableitet, ist beträchtlich gewachsen. In der Hall of Shame finden sich zahlreiche Lowlights aus den letzten Jahren: so wurde im ersten Jahr der KSV mit einem Preis bedacht, 2001 erhielt unter anderen Peter Wesenthaler eine Riesenkakerlake, im Jahr darauf war die damalige BM Elisabeth Gehrer an der Reihe.

Die Homepage listet alle Nominierten, das Rennen bleibt spannend, denn abstimmen für die Kategorie Volkswahl kann man bis zum 25. Oktober um 12:00 Uhr. Um 20:00 Uhr gehen die Awards dann im Rabenhoft Theater über die Bühne. Die Veranstaltung wird übrigens auch live nach Graz zum Elevate Festival gestreamt (open space in der Grünen Akademie):

In Kooperation mit dem Verein q/uintessenz und dem Rabenhof Theater überträgt das Elevate Festival die Big Brother Awards erstmals live im Internet. Im Open Space in der Grünen Akademie kann mensch sich das Spektakel in geselliger Runde auf Leinwand gebeamt ansehen.

Zur Einstimmung ein Best-Of Video der Big Brother Awards 2006:

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Cannabis – eine Pflanze mit vielen Talenten

Dies ist ein von trigami vermittelter Auftrag Hinweis: Dies ist ein von
trigami vermittelter Auftrag.

HanfhausDen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten einer äußerst vielseitigen Pflanze widmet sich das Hanf Blog. Ob Hanf-Kosmetik, Hanfkleidung, Hanf in der Industrie oder als Rohstoff für Kosmetikprodukte: die hohe ökologische Verträglichkeit einer unterschätzten Pflanze verdient einen genaueren Blick – denn Cannabis entpuppt sich als wahres Multitalent, das von der Papierfaser übers Speiseöl bis hin zum Baumaterial ökologisch verträgliche und hochwertige Rohstoffe liefert.
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Post: wider die Briefmarkensammelei

postImmer wieder mal gebe ich Briefe auf ins benachbarte Ausland. Ist eine CD-Rom mit drin, ergibt das die Preisklasse 100-350 Gramm, Economy (Europe). Derlei Sendungen kosteten bis vor kurzem EUR 3,50, nun stieg der Preis der österreichischen Post auf EUR 3,70. Nur leider gibt’s keine passenden Briefmarken mehr. Da hat jemand nicht nachgerechnet…

Die Stückelung beim alten Preis Tarif war vergleichsweise einfach: 2x EUR 1,25 + 1x EUR 1,- und schon enteilt der fleißige Briefträger bis nach Großbritannien über’s weite Meer. Dass die Preise steigen, mag zwar ärgerlich, aber “verständlich” sein, was immer dies im marktwirtschaftlichen Kontext tatsächlich bedeutet.

Ganz und gar auf Unverständnis stößt allerdings die Tatsache, dass es für den neuen Preis keine passende Stückelung gibt: am nächsten kommen noch 3x EUR 1,25, aber warum jeden Sendung mit 5 Cent überfrankieren? Mag Kleinkram sein, okay – aber ich versteh das Prinzip nicht. Man muss jede Sendung auf die Post bringen, Briefkasten spielt’s nicht. Ich konnte es selber nicht glauben, und die freundlichen Mitarbeiter in meinem Postamt wundern sich ebenfalls über soviel Planungsgenialität ihrer Vorgesetzten.

Wie kann man Brieftarife einführen, zu denen es keine passenden Markenwerte gibt?

Die Differenz mag ja nicht groß sein, aber die Schildbürger hätten eine helle Freude mit diesem Geniestreich. Aber weiß – vielleicht ist diese Strategie auch nur Teil eines Masterplanes zum Einsparen aller Postkästen auf längere Sicht…